ABC-Etüden 2022 – Wochen 3&4 : Etüde 2 – Glückskeksmomente

Wusste ich doch, dass man aus der Wortspende von Stachelbeermond (Wackelpudding, unverdrossen und knistern) zu Christianes ABC-Etüden noch mehr machen kann. Begeben wir uns heute zu einem frei erfundenen Abend unter Freunden.

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Glückskeksmomente

„Glück ist wie Wackelpudding. Es braucht kaum Zutaten und dennoch nicht greifbar.“

Grinsend studierte ich den Spruch auf hauchdünnem Papier, während im Hintergrund die von Jan aufgelegte Schallplatte knirschte und knisterte. Die vertrauten Klänge seiner Lieblingsband verstärkten die Behaglichkeit, die während des üppigen Mahls in unsere Runde eingekehrt war, obwohl Depeche Mode nicht zu dem passte, was er uns aufgetischt hatte: thailändische Spezialitäten, zubereitet von unserem Freund, der neuerdings einen Sieben-Länder-Kochkurs besuchte und uns mit seinen Erfolgen beglücken wollte.  

Dies war nun der dritte Abend, und noch vier weitere würden folgen, und ich sah ihnen mit gemischten Gefühlen entgegen. Nichts gegen Jan und seinen unverdrossenen Enthusiasmus, aber nachdem das italienische Menü misslungen und beim indischen Abend dank zu viel Chili das Mutton Korma zu Vindaloo eskaliert war, hatte ich vor diesem Abend förmlich gezittert und mich schon mit einer aus den Fingern gesogenen Krankheit entschuldigen wollen, aber das hatte ich dann doch nicht übers Herz gebracht.

Und nun? Saßen wir hier und sezierten unsere Glückskekse, erleichtert, dass der große GAU ausgeblieben war. Jetzt fehlte nur noch das Dessert. Wenn das auch so gut war, wie würde dann erst das australische Barbecue zum Abschluss der Länderserie werden?

„Ladys and Gentlemen, Sie haben die Wahl“, verkündete Jan vollmundig, „landestypisches Obst oder Bananen-Pancakes mit Mangoklebreis“.

Mangos, Ananas, Feigen: Begeistert übertönten sich meine Freunde gegenseitig und harrten ehrfürchtig der Dinge, die sich gleich ereignen würden. Ich war schon gesättigt genug und erbot mich, auf dem Rückweg vom Stillen Örtchen den Pflaumenwein aus der Hausbar mitzubringen.

Als ich die Tür zum Speisezimmer öffnete, bot sich mir ein grauenerregender Anblick: Die eben noch so fröhliche Tischrunde hing schnaufend und keuchend am aufgerissenen Fenster und schnappte stöhnend nach Luft, während die mitten auf dem Tisch prangende aufgeschnittene Durianfrucht aus ihrem puddingähnlichen Inneren einen infernalischen Duft verströmte.

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300 Wörter für den Partycrasher, dessen Mitnahme in den öffentlichen Verkehrsmitteln Singapurs verboten ist. Laut Wikipedia lösen die Früchte gelegentlich Alarme wegen angeblich undichter Gaslecks aus, so geschehen an der Universität von Canberra, als eine in der Bibliothek zurückgelassene Frucht zu einem Feuerwehreinsatz führte.

ABC-Etüden 2022 – Wochen 3&4 : Etüde 1 – Lauras Stern

Die Wortspende zu Christianes ABC-Etüden stammt diesmal von Stachelbeermond und besteht aus den Wörtern Wackelpudding, unverdrossen und knistern. Bei dieser Kombination wird es womöglich nicht bei nur einer Etüde bleiben.

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Lauras Stern

„Woher weißt Du, dass es Liebe ist?“

Lauras Frage traf sie unvorhergesehen, aber so war es schon immer gewesen. Ihre Freundinnen, die ihren Rat suchten bei den abenteuerlichsten Fragen. Und nun war sie da, die eine Frage, bekannt aus unzähligen Songs, Filmen und Romanen, und von der sie nicht erwartet hatte, dass ausgerechnet ihre „kleine“ Schwester sie ihr stellen würde. Was sollte sie ihr bloß sagen?

Wenn es knistert, sobald er den Raum betritt, und Du glaubst, nicht mehr atmen zu können? Wenn bei seinem Anblick Dein Herz schneller schlägt und Du Dich fühlst, als wären nicht nur Deine Beine aus Wackelpudding, sondern auch Dein Gehirn?

„Ich meine, tatsächlich Liebe und nicht bloß eine Phase.“

Oooookay, jetzt hatte sie ein Problem: Der Kummerkasten war geschlossen und verweigerte die Annahme von weiteren Anfragen. Phase? War dieser ominöse Max, den sie nie kennenlernen durfte, etwa schon wieder Geschichte und Laura schwärmte heimlich für einen neuen, ohne dass jemand davon etwas mitbekommen hatte? Angestrengt durchkämmte Cora ihre kleinen grauen Zellen, doch ihr fiel nicht einmal eine Gegenfrage ein, mit der sie Laura aus der Reserve locken konnte.

„Wenn Du unverdrossen seine Nähe suchst, obwohl er sich Dir nicht offenbart.“

Zweifelnd starrte Laura sie auf diesen halbherzigen und geschraubten Erklärungsversuch hin an. Mist, so ging es nicht. Da half nur noch eine geballte Ladung Kitsch?

„Wenn Du Dir eine gemeinsame Zukunft in den schönsten Farben ausmalst oder Du nachts dem hellsten Stern seinen Namen gibst…“

Wenn sie ihr damit mal keinen Floh ins Ohr gesetzt hatte. Das fragte sich Cora noch Stunden später, als sie vom Gassigehen zurückkehrte und ihr Laura mit einem sternenübersäten Briefkuvert in der Hand entgegenkam. Ein Brief, den sie geschrieben haben musste, nachdem sie so plötzlich in ihrem Zimmer verschwunden war und der an ihre beste Freundin Lucy adressiert war.

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300 Wörter für eine Szene, in der schwesterlicher Rat lieb und teuer ist, aber vielleicht doch nicht ganz der richtige war.