Cinema-Scope 2022 : Februar, Tendenz kurz

Meinen ersten Kinobesuch in diesem Jahr habe ich auf den 1. Februar gelegt, und dabei war das noch nicht einmal ein Film, der auf meiner Wunschliste stand. Meine Schwester wollte unbedingt den Film „Spencer“ sehen, aber nicht alleine gehen. Also habe ich spontan zwei Plätze reserviert. Allerdings gelten jetzt neue Coronaregeln unter Auflagen von 2G+: Ohne Maske die Vorstellung zu genießen, das war einmal. Hast Du aber ein Getränk und haufenweise Snacks dabei, sieht die Sache schon wieder anders aus. So kann man den Umsatz natürlich auch steigern. Genug gequatscht, hier kommt meine Filmübersicht für den Monat Februar.

Spencer: Ich weiß ja nicht, wer schon alles diesen Film als Meisterwerk gepriesen hat, aber ich muss sagen: Die Lobeshymnen sind gerechtfertigt, und das liegt nicht nur an der darstellerischen Leistung Kristen Stewarts als Lady Diana Spencer, die alle anderen Mitglieder der Royal Family überstrahlt. Auch die Musik hat einen nicht unerheblichen Anteil daran, wenn verstörende Klänge das Seelenleben der unter Bulimie und zunehmend auch an Wahnvorstellungen leidenden Prinzessin plakativ widerspiegeln. Kostüme und Bühnenbild, inclusive üppig in Szene gesetzten Speisen auf Tafel und Speisekammer, können sich ebenfalls sehen lassen. Ein Drama mit Timothy Spall (als Major Alistar Gregory), Sally Hawkins (als Kammerzofe) und Jack Farthing (als Prince Charles) in weiteren Rollen, das an realen Schauplätzen, unter anderem auch im Schlosshotel Kronberg im Taunus gedreht wurde und die vielen Auszeichnungen zurecht verdient hat.

Wunderschön: Der Film von Karoline Herfurth, in dem sie auch eine der weiblichen Hauptrollen spielt, sollte bereits im letzten Dezember in den Kinos erscheinen, doch der Filmstart wurde aber wegen der Coronapandemie auf den 3. Februar verschoben. Was im Trailer stark nach einer Komödie mit tragischen Zügen aussah, entpuppte sich als Episodenfilm um fünf Frauen unterschiedlichen Alters, die stark mit ihrem Selbstbild und den Ansprüchen anderer hadern. Während Buchhändlerin Frauke (Martina Gedeck) hofft, ihrer dahindümpelnden Ehe mit dem in Rente gegangenen Ehemann (Joachim Król) durch einen Tangokurs neues Leben einzuhauchen, will ihre Tochter Julie als Model endlich ganz nach oben kommen und treibt sich durch extremes Fasten und die Einnahme von fragwürdigen Pillenkombinationen in den völligen Zusammenbruch. Julies Schwägerin Sonja (Karoline Herfurth) kommt nicht damit zurecht, dass ihr Körper nach zwei Schwangerschaften nicht mehr der alte ist und ihre Karriere auf dem Abstellgleis zum Erliegen gekommen ist. Leyla, die Tochter von Julies Managerin wiederum hängen schon lange die Versuche ihrer Mutter, die Tochter durch penetrantes Verköstigen mit Superfood zum Abnehmen zu bewegen, und konzentriert sich lieber auf ihre neu entdeckte Leidenschaft für den Baseball. Bleibt noch Leylas Lehrerin Vicky (Nora Tschirner), die im Singledasein ihre Bestimmung sucht und als eingeschworene Feministin der Schülerschaft nahezubringen versucht, dass sie ihre Energie nicht darauf verschwenden sollten, unrealistischen Idealen nachzujagen, während ihr Leben im Hintergrund an ihnen vorbeizieht. Dumm nur, wenn man selbst insgeheim einem solchen Ideal nachzueifern versucht… Okay, ich sehe es ein – das Thema ist nicht neu, zumal alle Protagonistinnen zueinander in Beziehung stehen – und eigentlich nie Schnee von gestern – schauspielerisch gut umgesetzt allemal, und ich fand mich während der nicht zu langen 131 Minuten gut unterhalten; als DVD hätte es das mit FSK 6 bewertete Drama jedoch auch getan. Und die Maske vorm Schnabel hätte es dazu auch nicht gebraucht.

Tod auf dem Nil: Hier gingen vorab die Meinungen stark auseinander. Während ein Nachrichtenmagazin vier von fünf Sternen vergab, waren die Filmkritiker auf Youtube weniger gnädig und ließen sich wenig wohlwollend über die missglückten computergenerierten Landschaften aus. Dennoch hatte ich mich mit einer Freundin zum Besuch der Neuverfilmung des Agatha-Christie-Klassikers aus den 70er Jahren verabredet. Zum einen hatte mich der mit der Musik von Depeche Mode unterlegte Trailer gereizt, zum anderen fand ich das angekündigte Eintauchen in Hercule Poirots Vergangenheit durchaus interessant. Herausgekommen sind zwei Stunden guter Unterhaltung, die zu einem großen Teil den Kostümen geschuldet sind. Auch die Musik war für mich stimmig. Nix Depeche Mode, dafür aber Jazz aus der Zeit der Dreißiger Jahre, schließlich befinden wir uns auf einem Raddampfer im Ägypten des Jahres 1937, auf dem nicht nur ein Mord geschieht, sondern gleich drei. Erstaunlicherweise sind nicht nur mir, sondern meiner Freundin sofort diverse Filmfehler ins Auge gesprungen, was sonst komplett an mir vorbeigeht: Karnak liegt a) zwar auf dem 25. Breitengrad, aber laut meiner Freundin, die schon in Südägypten war, kann man dort kaum ausgiebig jene spektakulären Sonnenuntergänge beobachten, da es dort so schnell dunkel wird wie wenn man im Zimmer das Licht ausknipst, und b) vor allem nicht direkt am Nil. Dennoch war es ein kurzweiliges Spektakel, das mir sogar noch besser gefallen hat als Kenneth Branaghs Neuverfilmung von „Mord im Orient-Express“, womit ich vermutlich komplett aus der Reihe tanze.

Das war’s dann auch schon wieder mit den Filmen für diesen Monat. Eigentlich wollte ich mir noch den mit vielen Vorschusslorbeeren bedachten Film „Belfast“ von Kenneth Branagh anschauen, der am 24.2.22 in den deutschen Kinos angelaufen ist. Leider aber ist dieser Tag wohl auch in diesem Jahr von traurigmachenden Ereignissen überschattet. Mal sehen, wie sich der März entwickelt.

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