ABC-Etüden 2022 – Wochen 14 & 15 – Etüde 2 – Der frühe Vogel

Mein zweiter Beitrag zu den aktuellen ABC-Etüden mit den von Katharina gespendeten Wörtern Erzählstoff, sanft und vibrieren (die Etüden findet ihr auf Christianes Blog) – dient der Verarbeitung eines Ereignisses, das mich gerade beschäftigt.

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Der frühe Vogel

Eine neue Unsitte macht sich breit, und zwar eine von der nervenden Sorte.

Was war es vor den virtuellen Meetings so einfach: Stand ein Meeting an, trudelte man pünktlich zum vereinbarten Termin oder auch fünf Minuten vorher vor dem Sitzungszimmer ein und wartete darauf, dass derjenige, der es einberufen hatte, die Veranstaltung eröffnete. In der Regel befand sich der auf neudeutsch als Meeting Room bezeichnete Raum nicht unmittelbar neben dem eigenen Schreibtisch. Wer nicht dabei war, wurde also auch nicht von den sich Versammelnden gestört. Langer Rede kurzer Sinn: Um den Erzählstoff aufs Minimum zu beschränken, komme ich gleich auf den Punkt.

Virtuelle Meetings schön und gut, aber Hinz und Kunz, die besser daran täten, die Füße still zu halten, bis der Leiter des Meetings selbiges eröffnet, nerven mich ungemein, wenn sie bereits fünfzehn Minuten vorher den Join-Button betätigen und damit selbst das Meeting eröffnen. Der absolute Rekord in dieser Disziplin waren bisher fünfundzwanzig Minuten, Gekruschpel und Geknister am offenen Mikrofon inbegriffen.

Hinz und Kunz, ich könnte Euch natürlich auch sanft ignorieren, aber inzwischen nimmt Eure Marotte, den frühen Vogel zu spielen, nämlich überhand. Und deshalb sage ich es hier und jetzt:

Hinz und Kunz, Ihr seid unhöflich! Denn nicht Ihr leitet das Meeting, sondern derjenige, der die Einladungen verschickt hat.

Ihr seid nervig! Denn jedes „Pling“ von Euch stört meine Konzentration. Genau aus diesem Grund habe ich nämlich mein Handy so eingestellt, dass es nicht bei jeder Nachricht vibriert.

Und spart Euch in Zukunft dumme Sprüche wie die vom frühen Vogel, der den Wurm fängt. Ihr verpasst sowieso nichts außer Schweigen in der Leitung, weil der Leiter pünktlich (!) anfängt. Und außerdem: Wer zu früh kommt, ist nicht nur unpünktlich, sondern verpasst das Beste.

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285 Wörter für eine Etüde als Granteln aus aktuellem Anlass (der letzte Satz erscheint laut Google als Überschrift zu einer Folge der Sat-1-Serie „Klinik am Südring).