ABC-Etüden 2022 – Wochen 23 & 24 – Etüde 3 – Leichtes Gepäck

Gerade noch habe ich Kommissar Schrödinger in der Wochenschau im Vorprogramm zum Abschlussfilm eines Festivals das Wort zum Sonntag sprechen lassen und ihm sein eigenes Kapitel verpasst, da liefere ich in meinem dritten Beitrag für die ABC-Etüden (hier, auf Christianes Blog) das Nachspiel zu diesem Wochenende für Lissy und Jenny. Die Wörter Yachtclub, besenrein und abspecken wurden von Annuschkas Northern Star gespendet.

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Leichtes Gepäck

♪…Und eines Tages fällt dir auf, dass du neunundneunzig Prozent davon nicht brauchst…♪

Gestärkt vom reichhaltigen Frühstück, ließ sich Jenny in ihren Sessel im Ruhebereich des ICE sinken und schaltete ihre Smartphone-Playlist ein. Auch Oma Lissy saß bequem und schlummerte selig. Nun hing Jenny geschafft in den Seilen. Was für ein Wochenende! Was für ein Gerenne! Und jetzt hatte ihr Kopfhörer auch noch einen Wackelkontakt.

Um etliche Tempos ärmer, die sie im Kino an eine Dame hinter ihr losgeworden war, weil diese ahnte, dass der Film sie so mitnehmen würde, durchkämmte sie ihre Tasche, auf der Suche nach Ersatzhörern, leider vergebens. Na super! Mit leichtem Gepäck zu reisen, war ja etwas feines, insofern passte der Song wie die Faust aufs Auge. Aber war abzuspecken nicht anders gemeint? Unwillkürlich musste Jenny schmunzeln, hatte ihre Oma doch immer „Leiche im Gepäck“ verstanden und ihr persönliches Aha-Erlebnis gehabt, als Jenny ihr erklärt hatte, wo der Fehler lag.

♪…denn es reist sich besser mit leichtem Gepäck…

Mitten im Satz stoppte ein infernalisches Klingeln die Sängerin: ♪…why you gonna be so rude…♪

Ricky? Da hatte aber jemand Sehnsucht! Gespannt drückte Jenny auf das grüne Hörersymbol. Natürlich war er es, und er klang völlig neben sich. Mit jedem Kilometer, den sie der Heimatstadt näherkamen, wuchs der Berg an Sorgen, die Ricky ihr durch den Hörer entgegenschickte.

Ausziehen sollte er aus seinem WG-Zimmer, nachdem Papa Kaiser ihm den Geldhahn zugedreht hatte! In drei Tagen! Besenrein! Dabei besaß er nicht einmal einen Besen! Und während er nicht wusste wohin, amüsierte sich sein Vater blendend in seinem geliebten Yachtclub.

Als Rickys Wortschwall irgendwann endlich versiegte, blickte Lissy ihre Enkelin aufmerksam an und sprach: „Wollte er uns nicht sowieso vom Bahnhof abholen? Das wäre doch die Gelegenheit, in Ruhe unter sechs Augen zu reden. Ich hätte da nämlich eine Idee…“

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Und wieder sind es 300 Wörter geworden. Ich glaube, mit Oma Lissy und ihrer Enkelin Jenny werden wir noch so einiges erleben.

Dienstags-Gedudel #125 : Nach Farben sortiert – Onomatopoesie *)

Weil letzte Woche Schwarz-Weiß angesagt war, gibt es heute von mir den zu diesem Thema passenden Song: „Black and White“ – aber nicht von Michael Jackson, was nahe läge, sondern von…

Live zu Gast beim WDR – https://www.youtube.com/watch?v=nc57LjS6Hk0

… INXS (als Rockpalast-Livemitschnitt vom 8. Mai 1984 aus Hamburg) von ihrem Album „Shabooh Shoobah“ aus dem Jahr 1982. Vierzig Jahre – das musste ich einfach feiern, und deshalb läuft die CD zur Zeit wieder öfters bei mir, wenn ich mit dem Auto unterwegs bin.

*) Der Titel des Albums ist übrigens Rhythmus-Imitation, also pure Lautmalerei (auch Onomatopoesie genannt) ohne tiefere Bedeutung.