Die Besten am Donnerstag : Die 5 schlechtesten Filmremakes

Einen Verriss habe ich ja schon ewig nicht mehr geschrieben, aber ich wusste, es würde nach den besten Remakes und Parodien bald soweit sein – nämliich jetzt, in der aktuellen Ausgabe der 5 Besten am Donnerstag (bei Gina). Als Nachzüglerin möchte ich nur die Filme bewerten, von denen ich beide Fassungen kenne. Und das wären nicht allzu viele. Den neu aufgelegten Thriller „Psycho“ mit seinen Fortsetzungen (jeweils von anderen Regisseuren) lasse ich hier jetzt mal außen vor wie das texanische Kettensägenmassaker, „Nosferatu – Phantom der Nacht“ (auch wenn’s mit Kinski war) oder „Solaris“ (bei dem mir keine der beiden Fassungen zugesagt hat).

Auch diese Top/Flop Five ist wieder in alphabetischer Reihenfolge sortiert – beginnend bei den ältesten Originalen. Vorsicht: lang!

Thomas Crown ist nicht zu fassen (1968) : Die Thomas Crown Affäre (1999)

Was dabei herauskommt, wenn man versucht, diesen teilweise in Split-Screen-Technik aufgenommenen Klassiker mit Steve McQueen und Faye Dunaway in den Hauptrollen neu zu verfilmen, lässt sich in zwei Worten sagen: Tödliche Langeweile. Steve McQueens Part, den des erfolgreichen aber gelangweilten Geschäftsmanns, der einen wasserdichten Bankraub durchzieht, übernimmt in dem sieben Minuten längeren Remake von 1999 Pierce Brosnan. Nur ist jetzt nicht mehr eine Bank das Ziel des gut organisierten Verbrechens, sondern ein millionenschweres Gemälde von Monet. Und aus dem damals längsten Kuss der Filmgeschichte wird hier gleich eine heiße Liebesnacht in allen möglichen und unmöglichen Variationen, die eher einem ausdauernden Sportprogramm gleicht. Und im Gegensatz zum Original nehme ich dem Duo Russo/Brosnan in dem filmgewordenen Cardiotraining die Chemie zwischen den beiden nicht ab. Andere mögen begeistert sein – ich war es nicht.

Carrie – Des Satans jüngste Tochter (1976) : Carrie (2013)

Nach dem Heist-Movie nun ein schönes Beispiel aus dem Horrorgenre dafür, wie man es nicht für mich machen sollte. Ich mache es kurz: Zwar kommt mir in der Neuverfilmung die Rolle Mutter, dargestellt von Julianne Moore, etwas ausgearbeiteter vor, aber Sissy Spacek ist für mich einfach die Carrie schlechthin. Da hat Chloë Grace Moretz von vornherein einen schweren Stand. Außerdem war mir da einfach zu viel, was sie auf das Original noch draufpacken mussten. Wenn ich absurde Todesarten oder dazu führende Kettenreaktionen sehen möchte, greife ich doch lieber gleich zu „Final Destination“.

Die Welle (1981) : Die Welle (2008)

Kann man einen 41minütigen Fernsehfilm zu einem abendfüllenden Drama von 107 Minuten Länge ausbauen und dann noch in die heutige Zeit übertragen? Antwort: Man kann. Muss man aber nicht. Auch nicht, wenn die Schauspielerriege durch Namen wie Jürgen Vogel, Christiane Paul, Elyas M’Barek und Max Riemelt glänzt. Hier höre ich schon den Aufschrei: Wie kann sie nur? Ist doch ein super Film! Und dann noch bei einem so wichtigen Thema. Ja. Den letzten Satz unterschreibe ich sofort. Allerdings ist die Enthüllung, wen die Schüler als ihren nationale Führer tatsächlich vergöttern, im amerikanischen Original ein viel heftigerer Schlag in die Magengrube, schon weil es in den USA keinen Nationalsozialismus gab und die Schüler fest davon überzeugt sind, es könne zu einer solchen Diktatur in ihrem Land niemals kommen. Die sich nach und nach einschleichenden Veränderungen (Gruppenzwang, Uniformierung, Ausgrenzung, Bestrafung) wirkten auf mich im Original viel eindringlicher als im deutschen Remake, in dem die Geschehnisse eine fragwürdige Eigendynamik bekommen. Gänzlich den Rest gegeben hat mir aber das überdramatische Ende, das es so in dem Original, das auf einem tatsächlich stattgefundenen Experiment von 1967 basiert, gar nicht gegeben hat.

Overboard – Ein Goldfisch fällt ins Wasser (1987) : Overboard (2018)

Platsch! Durch einen Sturz ins Wasser verliert die verwöhnte, zickige Millionärin Joanna Stayton (Goldie Hawn) ihr Gedächtnis und findet sich plötzlich an der Seite des Tischlers Dean Proffitt (Kurt Russell) wieder, dem sie noch Geld schuldet und der ihr einredet, sie sei seine Frau und Mutter von vier Söhnen. Gulp! Vorhersehbar aber trotzdem lustig: Im Lauf der Handlung meistert Joanna den Chaotenhaushalt, schließt die Kinder ins Herz und verliebt sich in den vermeintlichen Göttergatten – doch irgendwann platzt die Blase und die Wahrheit kommt ans Licht. Noch heute sind Goldie Hawn und Kurt Russell ein Paar, und noch heute zählt „Overboard“ zu meinen Lieblingskomödien, aber nicht das Remake, bei dem man es für eine ganz tolle Idee hielt, aus der Millionärin einen arroganten mexikanischen Milliardenerben und aus dem Tischler eine alleinerziehende Mutter mit mehreren Jobs zu machen. Trotz dieser und anderer Abwandlungen steht meine Meinung fest: Mit diesem Rollentausch ist die neue Crew baden gegangen.

Nightwatch – Nachtwache (1994) : Freeze – Alptraum Nachtwache (1997)

Irgendwie werden die Abstände zwischen Original und Fälschung auch immer kürzer. Diesmal musste der dänische Thriller aus der Leichenhalle dran glauben, was auf das Konto desselben Regisseurs geht. Leider fehlt der zweiten Version der leicht trashige und düstere Charme des Originals.

So, das war’s.

Ich glaube, in keinem Genre gibt es so viele Remakes wie in dem des Horrorfilms. Deshalb taucht auch mindestens einer hier auf. Und noch ein Fakt – gerade bei Remakes gehen Meinungen sehr stark auseinander. Zuletzt gelesenes aktuelles Beispiel: „Total Recall“. Die einen können ihn nicht ab, für andere wie mich aber ist er einigermaßen okay (was jetzt auch kein so dolles Qualitätsprädikat ist), aber eins steht fest: Bei dieser Blogparade bin ich zu der Erkenntnis gekommen, dass der einzige Vorteil schlechter Remakes ist, dass ich noch einmal das jeweilige Original sehen möchte.