Jubiläums-Edition – der Etüden-Spin-Off : fünfter Akt 1/4

Der fünfte und letzte Akt ist angebrochen – das „Was bisher geschah“ gibt es auch hier wieder für Späteinsteiger. Was bisher geschah:

Erster Akt – Eine unerwartete Reise: Der hauptsächlich in hoffnungslosen Fällen ermittelnde Schrödinger wird in Zwangsurlaub geschickt und reist an die Ostsee. +++ Zweiter Akt 1/2 – Bali sehen und sterben: Schrödinger meldet sich bei einer Sternenwanderung an. +++ Zweiter Akt 2/2 – Bali sehen und sterben: Er erfährt, dass der Mann der Caféhausbesitzerin an einem Herzinfarkt gestorben ist, und dann wird bei der Sternenwanderung ein weiterer Toter gefunden. +++ Dritter Akt 1/2 – Geschlossene Gesellschaft: Kommissarin Maren Fuchs, bisher nur für eher leichte Delikte zuständig, wird zur Unterstützung der Ermittlungen abkommandiert. +++ Dritter Akt 2/2 – Geschlossene Gesellschaft: Maren Fuchs verhört Schrödinger und Giulia Millefiore. +++ Vierter Akt 1/3 – Der Engel, der ein Teufel war: Schrödinger und Giulia beschließen, auf eigene Faust im Stil von Miss Marple und Mr. Stringer Detektiv zu spielen. Derweil erregen seltsame Himmelsphänomene das Aufsehen der Medien. +++ Vierter Akt 2/3 – Der Engel, der ein Teufel war: Beim Trauercafé kommt Giulia Millefiore hinter eine Ungereimtheit. Mit Folgen. +++ Vierter Akt 3/3 – Der Engel, der ein Teufel war: Die Ermittlungen machen erste Fortschritte.

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Auf Eis gelegt – fünfter Akt : Matjesgeschwader (Teil 1)

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Die Vögel zum Singen zu bringen, wie Nowitzki sich so unfein ausgedrückt hatte, war gar nicht so leicht gewesen. Erst eine Schriftprobe hatte Nowitzkis Leuten die nötige Gewissheit verschafft, um den Missetäter festzunageln.

„Wir wissen, dass Sie den Brief nicht geschrieben haben, Herr Gabriel“, stellte Feddersen den Juniorchef vor vollendete Tatsachen. „Also raus mit der Sprache!“ Doch der Verhörte gab sich immer noch zugeknöpft. Nicht ohne meinen Anwalt? Ach ja, die alte Leier! Das kam dabei heraus, wenn man mit Verdächtigen „Guter Cop, böser Cop“ spielte. Na gut, sollte Mattes Gabriel ruhig nach einem Anwalt verlangen. Auf Zeit spielen konnte Feddersen ebenfalls. Vielleicht kam ja die Fuchs als „die Gute“ bei Gabriel senior weiter.

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Ihr war zwar noch immer schleierhaft, warum Heinrich Gabriel Ernas Mann bedroht hatte. War der selbsternannte Moralapostel etwa hinter Unregelmäßigkeiten in Erwin Kinds Steuerbüro gekommen? Oder hatte er andere Schwachstellen ausgekundschaftet, um den Steuerberater unter Druck zu setzen? Wer weiß, was der Alte mit seinem Fernglas noch alles anstatt des herbstlichen Vogelflugs beobachtet hat, ging Maren im Geiste alle Möglichkeiten durch. Angefangen vom Aufschreiben von Falschparkern bis hin zu unmoralischen Entgleisungen. Dass Erwin einen historischen Roman über seinen Heimatort schrieb und Heinrich ihn beim Festhalten biografischer Notizen ausspionierte, verbannte sie ins Reich der Fantasie. Dennoch: An sein Mitgefühl mit dem Verstorbenen zu appellieren, hielt sie für sinnvoller, als ihn in die Zange zu nehmen wie Feddersen.

„Wollen Sie nicht endlich Ihr Gewissen erleichtern? Als Mann mit Prinzipien haben Sie seinen Tod bestimmt nicht gewollt. Ich weiß: So kalt sind Sie nicht. Vielleicht wollten Sie ihm  auch nur ein wenig Angst machen, und dann ist die Sache aus dem Ruder gelaufen…“ 

Sie spürte, dass sie ihn gleich so weit hatte und legte noch eine Schippe drauf.

„Ich weiß, es ist nicht leicht, über seinen Schatten zu springen und den falschen Stolz zur Seite zu schieben, aber ich glaube, Ihnen geht sein Tod stärker an die Nieren, als Sie sich eingestehen möchten. Sonst wären Sie wohl kaum zu dem Trauercafé gegangen…“

Gabriels Gesicht sprach Bände, doch dass er mit einem undefinierbaren Laut aufschrie und die Hände vor sein Gesicht schlug, verblüffte sie dann doch. Mit so einer heftigen Reaktion des Alten hatte sie nicht gerechnet.

„Erwin, Erwin…“, stöhnte er gequält auf. „Ach, was wissen Sie denn!“

Was dann folgte, verschlug ihr die Sprache. Männliche Dinosaurier kümmern sich um ihren Nachwuchs? In Heinrich Gabriels Fall war es wohl eher anders herum. Natürlich war der Brief nicht für Erwin bestimmt gewesen, sondern für Silvia, seine Schwiegertochter. Schon lange hatte er sie im Verdacht, fremdzugehen. Auffallend oft hatte sie behauptet, am Strand spazieren zu gehen, bis er ihr eines Tages aus sicherer Entfernung nachgeschlichen war und sich mit seinem Fernglas in der Baracke verschanzt hatte. Freie Sicht auf Silvia und ihren Liebhaber. Doch ob es so eine gute Idee war, Mattes ihren Fehltritt, und dann auch noch ausgerechnet mit dessen größtem Konkurrenten, brühwarm zu berichten, so eifersüchtig? Nein, er hatte eine viel bessere Idee. Die richtigen Worte, eindringlich zu Papier gebracht, würden Silvia schon auf den Pfad der Tugend zurückführen…

An dieser Stelle konnte Maren sich nicht mehr zurückhalten. Ein kleiner Steuerberater wie Erwin als Bedrohung für den Betreiber einer Firma für Gas- und Wassertechnik darstellen? Diese Logik wollte sich ihr nicht erschließen, aber die hatte sich schon vor einer geraumen Weile verabschiedet.

„Nicht der Erwin! Der Brück!“

Moment mal. Hatte sie gerade richtig gehört? Harry Brück? Der Abfall-Brück mit seinen unlustigen Werbespots im örtlichen Regionalsender? Und wie passte Erwin in dieses Bild? Dass der Postbote geschlampt hatte, schloss sie aus. Es wurde Zeit, sowohl Silvia Gabriel als auch Harry Brück einen Besuch abzustatten.

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„Mein Gott, wenn ich gewusst hätte, dass Erwin sich dieses Geschmiere so zu Herzen nimmt, wäre ich doch niemals damit zu ihm“, jammerte Silvia Gabriel, nachdem Maren ohne Umschweife auf den Brief zu sprechen gekommen war. Verbrennen hatte er ihn, und danach fürs erste getrennter Wege gehen, um nur ja keinen Verdacht zu erregen. Wer auch immer für diesen Brief verantwortlich war, Munition würden sie ihm keine liefern.

Das einzig Positive an dessen Inhalt war, dass der anonyme Verfasser keine Ahnung hatte, mit wem Silvia wirklich eine Affäre hatte. So lange der Schreiberling glaubte, dass Harry der Nebenbuhler war, hatte er nichts zu befürchten. Doch nun stand Silvia unter Beobachtung, und da wollte er das Schicksal nicht unnötig herausfordern. Außerdem war da ja auch noch Erna. Nicht auszudenken, was passieren würde, wenn durch einen Moment der Unachtsamkeit die Wahrheit ans Licht kam.

Er hatte sich auf Harry eingeschossen? Maren hätte nur zu gerne gewusst, wieso.

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Harry Brück war wiederum eine andere Hausnummer.

Was die Gabriel von ihm gewollt hatte? Bestimmt nicht das, was ihr Erpresser sich in seinem Wahn zusammenfantasiert hatte. Er und Silvia Gabriel? Da lachten ja die Hühner!

Schon als er Feddersen und Fuchs die Haustür geöffnet hatte, war dem Ermittler der Hals trocken geworden, und seine Partnerin hatte ihren Augen nicht getraut. Seit wann konnten Tote wieder auferstehen? Seemannsgarn für Fortgeschrittene, Déjà-Vus im Türrahmen? Schummerlicht im Hausflur macht’s möglich. Im gut ausgeleuchteten Wohnzimmer mit Panoramafenster zu den Dünen hin verschwand die Fata Morgana, wie sie gekommen war. Harry Brück konnte sie jetzt nur noch schwerlich als Doppelgänger des Mordopfers durchgehen lassen, auch wenn sich eine gewisse Ähnlichkeit zwischen den beiden Männern in Größe und Statur nicht verhehlen ließ. 

„Nee, die Gabriel hat es mit der Mitleidstour versucht…“

Reiß dich zusammen, Sönke. Mit jeder weiteren Respektlosigkeit dieses sauberen Herrns sank der Pegel von Feddersens Geduld um ein weiteres Stück.

„… aber da hat die bei mir auf die falschen Knöpfe gedrückt.“

Je länger Brück redete, desto unsympathischer wurde er Feddersen. Solche Leute waren es, die ihm das Dorfleben verleideten. Firmeninhaber hin oder her, aber Dünkel und Überheblichkeit, gepaart mit Selbstgefälligkeit, waren noch nie eine gute Kombination und Garant für positive Karmapunkte gewesen. Was, wenn es auch anderen in Bali so ging? Tat sich hier gerade eine neue Fährte auf?

Auch Maren konnte sich immer weniger des Eindrucks erwehren, dass eigentlich Harry Brück das eigentliche Ziel gewesen war, während sich Roberto Millefiore zur falschen Zeit am falschen Ort aufgehalten hatte. Opfer einer Verwechslung konnte man schnell werden, das hatte sie ja bei der Episode mit Heinrich Gabriel und seinem Fernglas aus erster Quelle erfahren dürfen. Leute zu beobachten und sich seine eigene Geschichte zusammenzureimen: Wenn Gabriel dazu fähig war, dann garantiert auch andere.

Je länger sie den Worten Harry Brücks lauschte, desto mehr kam sie zu der Überzeugung, dass die Auflösung des Rätsels nicht mehr lange auf sich warten ließ. So ein empathiebefreiter Zeitgenosse war ihr bisher nur selten untergekommen.

Ein starkes Stück, den verzweifelten Versuch einer Ehefrau (auch wenn sie auf Abwegen wandelte), ihrem Mann den Ruin zu ersparen, als Drücken auf die falschen Knöpfe zu bezeichnen.

„Den Verkauf an Otto stoppen? Nee, nee, nee. Das Ding ist so gut wie in trockenen Tüchern“

Ihn seinem Geschäftsleben hatte ja schon mit so einigen naiven Leuten zu tun gehabt, aber die Gabriel und ihr Gesabbel über ihren Mann und dessen marode Firma war echt die Krönung gewesen. Was interessierte es ihn, dass sie gerade erst einen Kredit aufgenommen hatten und ihnen der neue Eigentümer des Grundstücks den Todesstoß versetzen würde.  

Es war schließlich sein Land, und damit konnte er machen, was er wollte. War doch nicht sein Problem, wenn der andere seine Pfründe den Bach runtergehen sah, weil Otto & Co. mit einem Ableger ihrer Produktionsstätte für Sonnenkollektoren die Zeichen der Zeit erkannt hatten und es nur eine Frage der Zeit war, bis erneuerbare Energien in Bali Einzug hielten. Den NABU hatte er dank einer größeren Zuwendung schon so gut wie im Sack, und den Rest dieses Kaffs würde er auch noch, abgesehen von kleineren Kollateralschäden, um den kleinen Finger wickeln.

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1285 Wörter sind es diesmal geworden – untergebracht habe ich diesmal alle restlichen Wörter aus den letzten fünf Etüdenjahren darin untergebracht:

2018: Sonnenkollektoren, Pfründe +++ 2019: eifersüchtig +++ 2021: biografisch, Doppelgänger.

Und damit wären nun alle Begriffe aus Christianes Aufstellung sämtlicher Wortspenden aus den Jahren 2017 bis 2021 aufgebraucht, doch damit ist die Geschichte noch lange nicht fertig. Gut Ding will schließlich Weile haben.

Fortsetzung folgt.

Jubiläums-Edititon – der Etüden-Spin-Off : vierter Akt, 3/3

Das wird heute ein langer Spaziergang, denn bevor ich zum dritten Teil des vierten Akts komme, halte ich es für sinnvoll, mit einem „Was bisher geschah“ zu beginnen, um alles auf einen Blick zu haben und nicht mühsam Stück für Stück zusammensuchen zu müssen. Also dann… Was bisher geschah:

Erster Akt – Eine unerwartete Reise: Der hauptsächlich in hoffnungslosen Fällen ermittelnde Schrödinger wird in Zwangsurlaub geschickt und reist an die Ostsee. +++ Zweiter Akt 1/2 – Bali sehen und sterben: Schrödinger meldet sich bei einer Sternenwanderung an. +++ Zweiter Akt 2/2 – Bali sehen und sterben: Er erfährt, dass der Mann der Caféhausbesitzerin an einem Herzinfarkt gestorben ist, und dann wird bei der Sternenwanderung ein weiterer Toter gefunden. +++ Dritter Akt 1/2 – Geschlossene Gesellschaft: Kommissarin Maren Fuchs, bisher nur für eher leichte Delikte zuständig, wird zur Unterstützung der Ermittlungen abkommandiert. +++ Dritter Akt 2/2 – Geschlossene Gesellschaft: Maren Fuchs verhört Schrödinger und Giulia Millefiore. +++ Vierter Akt 1/3 – Der Engel, der ein Teufel war: Schrödinger und Giulia beschließen, auf eigene Faust im Stil von Miss Marple und Mr. Stringer Detektiv zu spielen. Derweil erregen seltsame Himmelsphänomene das Aufsehen der Medien. +++ Vierter Akt 2/3 – Der Engel, der ein Teufel war: Beim Trauercafé kommt Giulia Millefiore hinter eine Ungereimtheit. Mit Folgen.

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Auf Eis gelegt – vierter Akt : Der Engel, der ein Teufel war (Teil 3)

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Erpressung also. Kein Wunder, dass Erwin Kind im Keller zusammengebrochen war und sich so aufgeregt hatte, dass er an einem Herzinfarkt gestorben war. Gestresst fuhr sich Maren Fuchs durch die Haare und haderte mit sich. Nicht nur, dass sie seit neuestem ständig eine WhatsApp-Nachricht nach der anderem von ihrem aufdringlichen Verehrer, der den Schuss nicht gehört zu haben schien, bekam. Jetzt standen auch noch ihre beruflichen Fähigkeiten auf dem Prüfstand.

Wie hatte sie nur dieses wichtige Beweismittel übersehen können? Zur Strafe für diesen unverzeihlichen Fehler sollte sie nun bei der NABU-Baracke Wache schieben und den Tatort erneut unter die Lupe nehmen. Ein windiger Strand mitten im Dezember, na prost Mahlzeit. Nicht einmal eine Thermoskanne mit extrastarkem Kaffee und die Tüte voller frisch gebackener Franzbrötchen konnten sie aufheitern.

Such‘ nach Beweisen, wenn die Tat schon länger zurückliegt und finde den Fehler!

Gegen diese sinnlose Strafarbeit war das unvermeidliche Krippenspiel doch geradezu eine verlockende Alternative. Mit Reichtümern war die kleine Gemeinde nicht gerade gesegnet, doch da bekanntlich Kinder- und Jugendgruppen meistens bei der Güterverteilung als Letztes an die Reihe kamen, machte der Gemeindenachwuchs das fehlende Material durch Ideenreichtum wieder wett: Vom Froschkönig war noch die goldene Kugel übrig? Die ließ sich doch bestimmt noch einmal verwenden! Ja, als Gabe der Könige an das Kind in der Krippe.

„Eure Armut kotzt mich an“, hatte daraufhin der Chef im kleinen Kreis geunkt und prompt am Sonntag darauf eine Spende als Buße für seine lästerlichen Worte in den Opferstock getan. Musste ja keiner wissen, woher der unverhoffte Geldsegen kam.

Das Gleiche hätte Maren Fuchs am liebsten über das Objekt ihrer Observierung gesagt. Seit vor ein paar Monaten der Blitz in die Kate am Strand eingeschlagen und das Gebäude bis auf die Grundmauern abgebrannt war, hatte man die Ruine notdürftig repariert, aber damit war’s das auch schon gewesen. Zugvögel zu beobachten, war unter diesen Umständen kein Spaß, auch nicht für den hartgesottensten Naturfreund, und dass ihre Unbehaustheit der örtlichen NABU-Gruppe gewaltig gegen den Strich ging, konnte Maren nur zu gut verstehen.

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Wie zu erwarten, war der Ausflug komplett für die Füße gewesen. Dementsprechend gelaunt, kehrte Maren durchgefroren am Ende ihrer Schicht zur Polizeiwache zurück, wo ein mehr als aufgeräumter Feddersen vor der Tür stand und genüsslich an einer Zigarette zog.

„Da kommt ja unser Ratefuchs!“

Wenn es eins gab, das Maren auf die Palme brachte, dann waren es solche missglückten Wortspiele. Ratefuchs, pah! Wurde sie diesen dämlichen Namen denn nie los? Erst Miguel mit seinem kreuzdämlichen Kosenamen, und jetzt auch noch der Feddersen.

Drei Tage war der Frosch so krank, jetzt raucht er wieder, gottseidank. Schön, dass wir so schnell genesen sind, spottete sie in Gedanken, aber Hauptsache, wir können unsere Einsatzbereitschaft beim Nowitzki beweisen und zeigen, was für einen tollen Job wir machen.

„Ratefuchs. Ha ha. Mach nur so weiter, und ich zeig Dir den Schweigefuchs!“

Obwohl sie sich kaum vorstellen konnte, dass Feddersen wusste, was es mit dieser Geste auf sich hatte, verkniff sich dieser doch tatsächlich weitere ähnlich gelagerte Kommentare. Jetzt, wo er wieder einsatzfähig war und Nowitzki ihrer Hilfe nicht mehr bedurfte, war sie einerseits froh, von dem Fall entbunden zu sein; andererseits hätte sie zu gerne gewusst, warum Feddersen so zufrieden grinste.

„Na gut, weil Du’s bist“, schlug er einen versöhnlichen Tonfall an, „dann will ich Dich mal nicht länger auf die Folter spannen.“

Nowitzkis Team war tatsächlich weitergekommen, nachdem sich herausgestellt hatte, wie der angekokelte Rest des Briefs an einem Ort gelandet war, an den er nicht gehörte. Wetten, dass Erna von dem Brief keine Ahnung gehabt hatte? Und selbst wenn: So raffiniert, den Wisch vor aller Augen zu verstecken, wäre selbst sie nicht gewesen, nicht in ihrer Trauer. Die Lösung lag woanders, und sie hatten nicht lange suchen müssen. Unterschlagung von Beweismitteln? Unter tränenreichen Beteuerungen, von nichts eine Ahnung gehabt zu haben, war Betty beim Verhör schließlich eingeknickt und hatte ein Geständnis abgelegt.

Betty! Natürlich. Dass die junge Frau mit den blaugefärbten Haaren in manchen Dingen nicht die Hellste war, wusste in Bali jeder. Doch dass sie so weit gehen und in ihrer Dämlichkeit auf der Suche nach einem geeigneten Stück Papier ausgerechnet ein wichtiges Beweisstück aus dem mit Ascheresten gefüllten Papierkorb in Erwins Büro herausfischen und als Mitteilung an die Kunden der Buddelkiste zweckentfremden würde, darauf wäre sie im Traum nicht gekommen. Trotz mancher Defizite konnte Betty jedoch sehr gut rechnen, und als sie Giulias hin und her wandernden Blicken gefolgt und am Blatt an der Tür hängengeblieben war, hatte sie eins und eins zusammengezählt.

Dumm nur, dass sie sich von Schrödinger hatte ablenken lassen… Und nun? So wenig, wie Erna von der Existenz des Briefs gewusst hatte, so wenig war ihr auch bekannt, ob ihr verblichener Gatte Feinde gehabt hatte. Aber eine Sache hatte sie mit Bestimmtheit gewusst: Die hingeschluderte Handschrift kam ihr bekannt vor. Garantiert hatte sie diese schon einmal gesehen.

„Tja, liebe Kollegin, so sieht’s aus: Da sitzt sie nun und stöhnt verzweifelt vor sich hin. ‚Ach, wenn ich mich doch nur erinnern könnte‘… Sie war direkt dankbar, als ich ihr sagte, dass wir uns darum kümmern würden“, beendete Feddersen seinen Monolog. Maren schwante übles. Sich darum zu kümmern, das konnte nur eines bedeuten; dazu musste sie kein Ratefuchs sein.

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Das Geschmiere schon einmal gesehen… Jetzt saß sie hier bereits seit Stunden und wühlte sich durch eine Rechnung nach der anderen, die meisten davon am Rechner geschrieben. Unterschriften auf Quittungen konnte Erna wohl kaum gemeint haben, aber vielleicht eine der Trauerkarten? Konnte der Erpresser wirklich so dreist sein? Inzwischen traute Maren ihm auch das zu. Oder vielleicht war es jemand von der altmodischen Sorte, der seine Geschäftsbriefe noch von Hand schrieb, weil er mit moderner Bürotechnik nicht zurecht kam? Hm, mal überlegen…

Der lauwarme Kaffee, den ihr Erna zubereitet hatte, half ihr auch nicht auf die Sprünge. Heiß ging anders. Aber was für eine Chance hatte man, wenn die Gastherme nicht richtig funktionierte. In diesem Moment machte es bei Erna Klick, und sie ließ mit versteinerter Miene den Kaffeelöffel fallen. Natürlich! Heizungs- und Wassertechnik Gabriel. Wie der Herr, so das Gescherr!

Der alte Gabriel, der immer noch schaltete und waltete wie zu Kaisers Zeiten. Seinen Betrieb hatte er schon lange an seinen Sohn abgegeben, doch der führte das Geschäft genauso dinosaurierhaft wie Gabriel senior. Im Dorfkrug spotteten sie, dass die beiden einander zusehends ähnlicher wurden und man mittlerweile nicht mal mehr an der Handschrift erkennen konnte, wer von den beiden sich um die Geschäftspost kümmerte.

„Ladet die beiden Vögel vor und bringt sie zum Singen!“ hatte die knappe Anweisung Nowitzkis gelautet, als Maren ihn auf den neuesten Stand ihrer Durchsuchung brachte.

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„Das ist definitiv das letzte Mal gewesen, dass sich jemand von außen eingemischt hat“, fasste Maren Fuchs die Lage für alle Anwesenden zusammen. „Haben wir uns verstanden?“

Betreten zog Schrödinger den Kopf ein, während Giulia dreinschaute, als ob sie sich keiner Schuld bewusst war. Dabei war der Fall noch lange nicht gelöst; fest stand lediglich, wer den vermaledeiten Brief geschrieben hatte und warum. Noch einmal wiederholte die Fuchs ihre Ermahnung, diesmal mit ein wenig mehr Nachdruck, in der Hoffnung, dass mit privaten Detektivspielchen nun endlich Schluss war.

Nachdenklich trat Schrödinger den Heimweg an. Nicht mehr gebraucht zu werden, nachdem seine und Giulias Scharade für etwas Abwechslung und Aufregung gesorgt hatte, fühlte sich sonderbar an. Nun wie auf Knopfdruck wieder in den Erholungsmodus umzuschalten, war leichter gesagt als getan, doch der Chef würde für diese sperrige Wahrheit kaum Verständnis zeigen. Schrödinger konnte nun mal nicht so leicht aus seiner Haut.

Die ganze Situation war seltsam, so seltsam wie die ungewöhnlich laue Abendluft unter einem irisierenden Himmel. Sein Licht verlieh den fahl beleuchteten Fassaden der Friesenhäusern einen beinahe schon apokalyptischen Anstrich und verlängerte die Schatten der kahlen Bäume auf dem Dorfplatz ins Unnatürliche. Wind kam auf und brachte die Tentakel zum Schwingen. Und inmitten der Abbilder wogender Äste bewegten sich Schwingen, kaum wahrnehmbar für ungeübte Augen. Die Flügel eines Engels… eines Engels aus Stein.

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1318 Wörter – untergebracht habe ich diesmal die folgenden Wörter aus den letzten fünf Etüdenjahren darin untergebracht:

2019: Froschkönig, Unbehaustheit, Armut. +++ 2020: Zugvogel. +++ 2021: backen, sperrig.

Was es mit dem Schweigefuchs auf sich hat, wird in dem Krimi „Achtsam morden“ von Karsten Dusse auf Seite 330 erklärt: „Wer den Schweigefuchs gezeigt bekommt, muss das Maul halten“, erklärte Stanislav und zeigte Walter, wie der Schweigefuchs ging: Mittel- und Ringfinger auf den Daumen, Zeige- und kleiner Finger als „Ohren“ gespitzt. Vier Schweigefüchse zeigten daraufhin auf Toni.“

Fortsetzung folgt.

Media Monday #580 : Die Schwärmerei des Monats

Nachdem ich in meinem Blogs auffallend viele Anglizismen verwende, habe ich beschlossen, den oft gelesenen Begriff „Crush“ in Schwärmerei umzutaufen. Dabei habe ich gar nichts gegen dieses Wort, nämlich zum Beispiel dann, wenn es Teil eines Songtitels ist (z.B. „#1 Crush“ von Garbage – oder „Orange Crush“ von REM). Was das Schwärmen angeht, hat sich bei mir nicht viel geändert – aber falls ja, dann könnte ich mir vorstellen, mir fürs nächste Jahr einen Kalender aus den in dafür in Frage kommenden Kandidaten zu basteln. So, genug geplaudert – und deshalb geht es jetzt auch schon hinüber, zu den sieben Lückentexten zum 580. Media Monday:

Media Monday # 580

1. Wenn auf eine Kinoveröffentlichung schon von vornherein verzichtet wird, ist das besonders dann ärgerlich, wenn es ein Film gewesen wäre, der auf der großen Leinwand erst richtig gezündet hätte. Donnie Darko hätte ich zu gerne im Kino gesehen. Aber andererseits ist es dann besonders erfreulich, wenn ein Film, den es bisher nur auf DVD gab, im Kino als überarbeitete Fassung in einer spitzen Tonqualität gezeigt wird, so wie der Konzertmitschnitt des INXS-Konzerts vom 13. Juli 1991 in der Wembley-Arena, und dann sogar noch um einen Song und insgesamt sechs Minuten länger als auf DVD.

2. Dass ein Projekt kurz vor seiner Vollendung gänzlich eingestampft wird, habe ich auch schon bei Büchern erlebt. Da wurde aber gleich die ganze Fantasysparte von dem betreffenden Verlag aufgegeben, so dass ich mir die letzten Bände der Fortsetzungsreihe in der englischen Originalausgabe kaufen musste.

3. Man könnte meine, es wäre egal, dass man Musik streamt und weder auf CD noch auf Vinyl braucht, aber da bin ich dann doch lieber dem Medium treu, das ich auch noch in die Hände nehmen kann. Und auch da kann man immer noch auf so manche Überraschung stoßen. Während z.B. Harry Styles sein aktuelles Album im Pappschuber auf den Markt bringen lässt, setzen Florence & The Machine bei ihrem aktuellen Album auf eine besonders luxuriöse Verpackung in Form eines künstlerisch besonders ansprechenden Buchs, in dem man die CD dann ganz hinten im Einband versteckt hat.

4. Brad Pitt wirkt schon wie jemand, der mit den Jahren immer interessanter für mich auf der Leinwand wird, was auch nicht so oft bei mir vorkommt. Hier mal eine kurze Auswahl: zuerst in „Once upon a time in Hollywood“, dann in „The Lost City“ und jetzt wieder in „Bullet Train“ (super Film, übrigens), in dem – O Wunder – ebenfalls Sandra Bullock und Channing Tatum in kleineren Rollen zu sehen waren (dabei hatten wir diese Konstellation dieses Jahr bereits, nur da war Mr. Pitt bereits nach zehn Minuten weg vom Fenster).

Hier nützt einem das 9-Euro-Ticktet zur Abwechslung mal nichts : https://www.youtube.com/watch?v=b8IapomRPZc

5. Ich mag es ja, wenn in Filmen/Serien das Ende nicht von vornherein auf eine Fortsetzung ausgelegt ist.

6. Könnte ich etwas noch einmal vorbehaltlos gänzlich neu für mich entdecken, es wäre die ein oder andere Band, für die ich eigentlich nicht zur angestrebten Zielgruppe gehöre.

7. Zuletzt habe ich mich in diverse Bücher auf Wattpad vertieft, und das war teilweise völliges Neuland für mich, weil einige Fan Fictions darunter waren, die sich mit einer Band beschäftigen, mit der ich bislang noch keine Berührungspunkte hatte (und mit der man einige, die das hier lesen, vermutlich jagen kann):

mal was neues auf die Ohren – https://www.youtube.com/watch?v=FA2w-PMKspo

Das war sie übrigens (die Band, nicht die Fan Fiction).