Jubiläums-Edition – der Etüden-Spin-Off : fünfter Akt 2/4

Kurz vor der Ziellinie, gibt es auch hier erneut ein „Was bisher geschah“ für Späteinsteiger:

Erster Akt – Eine unerwartete Reise: Der hauptsächlich in hoffnungslosen Fällen ermittelnde Schrödinger wird in Zwangsurlaub geschickt und reist an die Ostsee. +++ Zweiter Akt 1/2 – Bali sehen und sterben: Schrödinger meldet sich bei einer Sternenwanderung an. +++ Zweiter Akt 2/2 – Bali sehen und sterben: Er erfährt, dass der Mann der Caféhausbesitzerin an einem Herzinfarkt gestorben ist, und dann wird bei der Sternenwanderung ein weiterer Toter gefunden. +++ Dritter Akt 1/2 – Geschlossene Gesellschaft: Kommissarin Maren Fuchs, bisher nur für eher leichte Delikte zuständig, wird zur Unterstützung der Ermittlungen abkommandiert. +++ Dritter Akt 2/2 – Geschlossene Gesellschaft: Maren Fuchs verhört Schrödinger und Giulia Millefiore. +++ Vierter Akt 1/3 – Der Engel, der ein Teufel war: Schrödinger und Giulia beschließen, auf eigene Faust im Stil von Miss Marple und Mr. Stringer Detektiv zu spielen. Derweil erregen seltsame Himmelsphänomene das Aufsehen der Medien. +++ Vierter Akt 2/3 – Der Engel, der ein Teufel war: Beim Trauercafé kommt Giulia Millefiore hinter eine Ungereimtheit. Mit Folgen. +++ Vierter Akt 3/3 – Der Engel, der ein Teufel war: Die Ermittlungen machen erste Fortschritte. +++ Fünfter Akt 1/4 – Matjesgeschwader: Die Spur wird immer verzweigter und lässt die Hintergründe für den Todesfall am Strand erahnen.

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Auf Eis gelegt – fünfter Akt : Matjesgeschwader (Teil 2)

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Berge von Matjes und Kartoffelsalat…

Nachdem sie Erwin zu Grabe getragen hatten, waren die Trauernden zum Leichenschmaus in die Buddelkiste eingekehrt. Bei Erwins Leibspeise und verdauungsförderndem Küstennebel hingen sie ihren Erinnerungen an den Verblichenen nach. Der Matjes wollte kein Ende nehmen, und die Kartoffelberge wuchsen in den Himmel.

Im Gegensatz zu den anderen verspürte Schrödinger den Drang, davonzulaufen. Vom vielen Küstennebel war ihm längst wirr, und er erhob sich, nach seinem Mantel greifend, um Luft zu schnappen. Die milden Temperaturen bekamen ihm gar nicht. Beißende Kälte wäre ihm jetzt so viel lieber gewesen anstatt dieses Hochs, das für eine unangenehme Feuchte sorgte. Seltsam, im Nebel zu wandern. Da konnte man schon mal auf verstörende Gedanken kommen. Vom Kirchhof her zogen die Schwaden durch das offenstehende Tor und waberten über den Dorfplatz. Das wie Opale schimmernde Abendlicht machte es nicht besser. Beim Anblick der beiden das Tor flankierenden Marmorengel wurde ihm mit zunehmender Nebeldichte mulmiger zumute, und er fühlte sich wie in einen Horrorfilm hineinversetzt.

The Fog: Nebel des Grauens. Nur dass das Grauen nicht von der offenen See herkam, sondern vom Friedhof. Begleitet von einem hässlichen Knirschen von Marmor auf Kies, setzte sich die Figur in Bewegung und hielt geradewegs auf ihn zu. Zum Weglaufen zu spät, hätte er es auch gar nicht gekonnt. Zu stark war der Bann, unter dem er stand. Keines vernünftigen Gedankens mehr fähig, hoffte er, dass es schnell vorüberging und schloss die Augen, um den grauenhaften Anblick nicht länger ertragen zum müssen. Vollkommene Schwärze, gleich war es soweit. In darkness let me dwell…

Und nun, Freunde der Nacht – pünktlich zur unheiligen Stunde – lassen wir es krachen mit The Darkness und ihrem Hit ‚One way ticket‘, und gleich im Anschluss…

Schweißgebadet schreckte Schrödinger hoch.

… Disturbed mit ‚The Sound of Silence‘. Damit ihr mal was anderes auf die Ohren bekommt als Last Christmas!

Der Radiowecker!

Wahrscheinlich war jemand beim Staubwischen an den Lautstärkeregler gekommen und hatte dafür gesorgt, dass ihm der Höllenlärm das Herz bis zum Hals schlagen ließ und er nun so richtig wach war… Wach! Erleichtert atmete er aus. Es war nur ein Traum gewesen, ein Alptraum zwar, gespeist aus seinen Hirngespinsten vom Nachhauseweg, aber doch erstaunlich real.

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„Glaub mir, wenn das noch lange so weitergegangen wäre, hätte ich dem Kerl wahrscheinlich irgendwann den Hals umgedreht“, schnaubte Maren beim Gedanken an die arrogante Selbstüberschätzung Harry Brücks. Der Kerl hielt sich selbst für den Allergrößten und merkte dabei nicht, wie wenig seine Mitmenschen ihn schätzten, und zwar nicht nur wegen der nervtötenden Werbespots, mit denen der Sender die gesamte Region beschallte. Eindeutig beruhte die Antipathie auf Gegenseitigkeit. Davon war auszugehen.

„Das hättest Du nicht. Andernfalls hätten wir jetzt ein Problem“, versuchte Sönke Feddersen, sie wieder von ihrer Palme herunterzuholen. Doch Worte allein schienen nicht zu helfen.

Mit Firma Brück zum Abfallglück“, äffte Maren die penetrante Nasalstimme aus dem Radio nach und griff nach der Thermoskanne, bevor sie die Autotür zuschlug und sich an den Birnbaum im Vorgarten der Wache lehnte. Erstaunlich, dachte sie, es muss am Kaffee liegen. Normalerweise machte so viel Koffein sie hibbelig, doch nun spürte sie, wie langsam die Ruhe bei ihr einkehrte. Nachdenklich betrachtete sie die perlmuttfarben schimmernden Wolken und die bunten Schatten, die zwischen ihnen hin und her flackerten.

Ein Himmel in Pastell, wie ungewöhnlich.

Wann hatten sie zuletzt so ein Schauspiel bewusst wahrgenommen. Es musste lange her sein, wenn überhaupt. Böse Zungen behaupteten zwar, bei dem Spektakel handelte es sich um Hexenwerk. Oder warum war das Dorfleben erst jetzt aus den Fugen geraten, da dieselben Meldungen, leicht abgewandelt natürlich, stets wiederkehrten, und das erst seit ein paar Tagen? Galaktische Lichterketten? Von wegen. Ist das Märchen noch so klein, eine muss die Hexe sein.

Aber das war typisches Altweibergewäsch, dem man am besten einen Riegel vorschob, indem man Fakten sprechen ließ. Leider war manchen Unbelehrbaren nicht zu helfen, auch nicht mit Meldungen wie diese hier, von der sie nur noch einen Teil mitbekam, als ihr Kollege ausstieg und die Autotür zuwarf.

Immer noch anhaltende und außergewöhnlich starke Aktivitäten im Fuhrmann geben den Wissenschaftlern auch weiterhin Rätsel auf.

Aktivitäten, die sich auf Bali auszuwirken schienen. So langsam wurden die Leute nervös. Das Rätsel um Erwin war zwar nun gelöst und sein Leichnam zur Beisetzung freigegeben, doch da war immer noch der nicht aufgeklärte Mord an Roberto Millefiore.

Nervös? Nein, am Durchdrehen, musste Maren ihre Meinung revidieren, als sie den aufgebrachten Pastor Wagner in den Räumen der Wache antrafen, der gekommen war, um eine Anzeige aufzugeben und sich ohne Unterlass über die Entweihung des Kirchhofs entrüstete. Unbekannte hatten sich an den Marmorengeln zu schaffen gemacht, und jetzt ragten nur noch die angerosteten Armier-Eisen wie zum Spott in die Höhe. Als ob Nowitzki nach diesem langen und mehr als durchwachsenen Tag nicht schon genug Ärger am Hals gehabt hätte.

Jetzt hatte irgendein bösartiger Schelm zwei tonnenschwere Marmorengel entwendet, ohne dass es auch nur eine Menschenseele mitbekommen hatte. Und das vor Weihnachten. O Du fröhliche? Am Appel!

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„Hier, damit Du was ordentliches in den Magen bekommst“, rief Sönke und warf Maren die Tüte mit den Fischbrötchen zu. Sönkes Schwester wusste eben, was gut war: Hm, Matjes nordische Art, frisch vom Hamburger Fischmarkt. Damit würde sich der Tag wenigstens auf eine Weise versüßen lassen, denn wenn sie an ihre unangenehme Begegnung mit Brück und dessen Tirade zurückdachte, war ihr Appetit kurz davor, zu vergehen. Bei einem Satz war sie dann doch hellhörig geworden.

Ist doch nicht mein Problem, wenn dem die Felle wegschwimmen, weil Sonnenkollektoren in Bali immer beliebter werden.

Davon, dass darin der Schlüssel zu dem Angriff auf Brück lag, es aber leider den Falschen erwischt hatte, war sie jetzt mehr denn je überzeugt. Nun mussten sie ihn nur noch finden und den Täter verhaften.

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951 Wörter, das Epos steht kurz vor seiner Vollendung, und für alle, die so schön durchgehalten haben, gibt’s bis zum nächsten Teil Musik, die dem armen Schrödinger bestimmt nicht gefallen hat.

Ganz und gar nicht weihnachtlich : https://www.youtube.com/watch?v=u9Dg-g7t2l4

The End is near… und darum: Fortsetzung folgt.

5 Kommentare zu “Jubiläums-Edition – der Etüden-Spin-Off : fünfter Akt 2/4

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