Cinema-Scope 2022 : August – bunt gemischt

Mach Sachen, dachte ich, als ich den Aushang an der Eingangstür zum Cinemaxx in unserer Stadt entdeckte, auf dem der Betreiber ankündigte, es sei warm. Die Warnung war jedoch nicht ganz unberechtigt, denn wegen eines technischen Defekts lief die Klimaanlage nicht. Davon ließ ich mich jedoch nicht abhalten und wagte mich trotzdem hinein. Keine so dumme Idee, denn in einer der vorderen Reihen, konnte ich nicht nur getrost auf meine Brille verzichten – nein, die Temperatur war in diesem Bereich (in der Nähe der Tür) erstaunlich angenehm. Von wegen „es wird warm“… das galt war fürs Foyer (und nicht für den Saal) und noch ein wenig mehr auf der Leinwand.

Thor: Love and Thunder – 5.8.22

Bunte Farben, grandiose Landschaften und ein Stand-Alone-Film (den Ausdruck habe ich von einem Filmkritiker auf Youtube), in dem ein Gag den anderen jagt (ich sage nur eifersüchtelnde Waffen und schreiende Ziegen) – und dann noch von einem Regisseur, von dem mir bisher noch kein schlechter Film untergekommen ist: Nach „Fünf Zimmer, Küche, Sarg“ und „Jojo Rabbit“ ist das nun der dritte Film unter der Regie von Taika Waititi. Und was soll ich sagen? Dass ich mich einmal so richtig für einen Marvel-Film begeistern würde, hätte ich so schnell auch nicht wieder gedacht.

Das könnte daran liegen, dass hier zwar zu Beginn des Films die Guardians of the Galaxy in Erscheinung treten, danach aber weitgehend dem nordischen Donnergott (Chris Hemsworth) und  -surprise! surprise! – Dr. Jane Foster (Natalie Portman) das Feld überlassen. Letztere muss sich wegen ihrer im Endstadium befindlichen Krebserkrankung einer Chemotherapie unterziehen. Als sie in einem Buch über nordische Mythologie liest, Thors Hammer Mjölnir könne ihr unter Umständen zu Gesundheit verhelfen, reist sie umgehend nach New Asgard und wird zur neuen Besitzerin des in Stücke zerbrochenen Hammers, der sich prompt wieder zusammensetzt. Das Wiedersehen mit Thor nach acht Jahren gestaltet sich zwar ziemlich vorhersehbar, wie der ganze Film, der sich um den Kampf gegen den Bösewicht Gorr (Christian Bale) dreht.

Gorr hat sich wegen eines traumatischen Erlebnisses das Ziel gesetzt, alle Götter zu töten, auch diejenigen, die sich in ihrer Allmachtsstadt sicher fühlen. Schön, dass sich dort alle so wohnlich eingerichtet haben – allen voran natürlich Zeus (Russell Crowe), der für Thor und seinen Mitstreitern auch nur einen Finger rühren, sich aber auch nicht von seinem Blitzpfeil namens Donnerkeil trennen möchte. Ein schwerer Fehler, wie sich herausstellt…

Fühlte sich für mich „Black Widow“ für mich wie ein in die Länge gezogener, aber dafür auch um Längen besserer James-Bond-Film an, so hatte ich in „Thor: Love and Thunder“ so richtig meinen Spaß, und zwar nicht nur, weil dieses Werk m.E. für sich allein steht. Endlich wird von mir einmal nicht verlangt, dass ich vorher ein gründliches Studium der Marvel-Historie mit allen Filmen, Serien und Comics betrieben haben muss, um bei der Handlung mitzukommen. Hinzu kommt der Guns’n’Roses-lastige Soundtrack, der auch nicht davor zurückschreckt, „Our last summer“ von ABBA, „Family Affair“ von Mary J. Blige und „Only Time“ von Enya mit einzubeziehen. Guns’n’Roses are everywhere: Sogar in der Namenswahl eines der von Gorr entführten Kinder von Asgard, das fürderhin nur noch Axl genannt werden möchte. Das ist fast noch besser als die Gags, die sich um den bürgerlichen Namen von Lady bzw. Mighty Thor drehen,  doch auch nicht schlecht war das Rätselraten, wer sich unter der Maske von Gorr befindet und dass ich zwei Stunden gebraucht habe, um Christian Bales Identität zu lüften. Soviel zum Thema „ich brauche keine Brille, um alles zu erkennen“.

Mein Schlussplädoyer: Auch wenn eingeschworene Marvel-Fans und Kritiker, denen hier viel zu viel alberner Klamauk vorherrscht, diesen Film nach Strich und Faden verreißen – mir hat „Thor: Love and Thunder“ gefallen; schon allein weil ich genau das bekommen habe, was ich erwartet hatte: eine leichtfüßige und quietschbunte Actionkomödie, die nicht unnötig in die Länge gezogen wurde und auch gerne für sich alleine stehen darf. Außerdem ein Aufgebot an Stars, das sich gewaschen hat: Chris Hemsworth, Natalie Portman, Russell Crowe, Taika Waititi, Karen Gillan, Vin Diesel, Matt Damon, Sam Neill, Luke Hemsworth und andere (über Melissa McCarthy breite ich lieber den Mantel des Schweigens).

Nach dieser langen Einführung in meinen achten Filmmonat in diesem Jahr geht’s noch heißer weiter (als ob Thor nicht schon gereicht hätte).

Surf Film Nacht: African Territory (OmU) – 6.8.22

Hafenkino Open Air 2022 – vom 10. Juni bis zum 27. August – dieses Ereignis wollte ich mir nicht entgehen lassen, denn den Sommer nur im Haus oder geschlossenen Räumen zu verbringen, konnte es nun auch nicht sein. Leider hatte ich nicht damit gerechnet, dass es ausgerechnet an diesem Abend ungewöhnlich frisch werden würde, aber erst mal der Reihe nach.

Auf dem Plan stand „Surf Film Nacht : African Territory“, ein Dokumentarfilm in Originalsprache/n mit Untertiteln, in dem es – in Kürze – um die 22monatige Reise zweier Surfer in einem umgebauten 80er-Jahre-Unimog von Spanien aus nach Südafrika, und zwar immer an der Küste entlang. Dieses Roadmovie der anderen Art klang nach einem waghalsigen Abenteuer, und tatsächlich waren die Bilder dieser mit unzähligen Hindernissen verbundenen Reise durch insgesamt 20 Länder wunderschön und faszinierend. Aufnahmen von bereichernden Begegnungen mit der einheimischen Bevölkerung wechselten sich ab mit atemberaubend in Szene gesetzten Surferlebnissen. Ich war begeistert. Doch was dann kam, führte dazu, dass ich mir gelinde gesagt, leicht veralbert vorkam.

Soeben noch befinden wir uns auf einem seeuntüchtigen Schiff vor der westafrikanischen Küste, nachdem die beiden Herren einen ganzen Monat lang hingehalten worden sind, dann folgt die Einblendung „African Territory – Part 1“, es kommt noch eine kurze Szene und dann der Abspann. Mit keiner Silbe wurde vorab darauf hingewiesen, dass das sagenumwobene Werk aus zwei Teilen besteht.

Leider nur der erste Teil : https://vimeo.com/715995266

Mein Schlussplädoyer: Wo und wann ich nun in den Genuss des zweiten Teils komme? Keine Ahnung – wenn es jemand herausfindet, bitte mir Bescheid geben. Abgesehen davon, dass ich mich genauso veräppelt vorkam wie seinerzeit bei den Matrix-Filmen, war der Abend (inclusive Speis und Trank, freilaufender Hühner und einem Konzert auf Spendenbasis) wirklich cool. Vielleicht etwas zu cool. So ohne Jacke oder Decke habe ich während der zwei Stunden, die der Film dauerte, gepflegt vor mich hin geschnattert und im Dunkeln obendrein meinen Stuhl nicht mehr wiedergefunden.

Bullet Train – 7.8.22

Auch wenn im titelgebenden Zug von Tokyo nach Kyoto bei 300 km/h die Kugeln nur so fliegen, bezeichnet man die in Japan „Shinkansen“ genannten Hochgeschwindigkeitszüge als Bullet Trains, die als die sichersten Züge der Welt gelten. Dass sie außerdem an den einzelnen Stationen nur extrem kurz halten, wird während der rasanten Fahrt, die die Action-Komödie von Anfang an aufnimmt, noch eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen. Brad Pitt gibt hier den vom Pech verfolgten Auftragsmörder Ladybug, der einen eigentlich einfachen Job erledigen soll, sich dann aber leider im besagten Zug weitere Auftragsmörder mit herrlich schrägen Namen befinden, die alle dasselbe Ziel haben…

Ich hatte in dem eng verzahnten Werk ohne jeglichen Leerlauf von der ersten Minute an so richtig Spaß. Quietschbunt und zum Brüllen komisch: Versuchen Sie doch zum Beispiel mal, sich mit jemanden leise im Ruheabteil zu kloppen (geschweige denn, den anderen zu killen). Klappt nicht. Und mit dem 9-Euro-Ticket kommt man hier auch nicht weit. Dann schon lieber ganz ohne. So, genug gespoilert.

So rasant wie der Zug Japan durchquert, ist auch die Action, die immer wieder von Rückblenden und Kurzbiografien unterbrochen wird. Letztere zeigen, wer alles mit wem verbunden ist. Besonders gut hat mir der große Einfallsreichtum gefallen, der sich auch im Ende des Films offenbart – mein Tipp: nicht gleich aus dem Kinosaal verschwinden, sobald der Abspann läuft.

Mein Schlussplädoyer: Der Trailer hat nicht zu viel versprochen. Aber auch nicht zu viel verraten, wie das heute leider nur zu oft der Fall ist. Eine echte Überraschung war für mich die Besetzung. Hatte Brad Pitt in „The Lost City – Das Geheimnis der verlorenen Stadt“ nur eine Minirolle, während Sandra Bullock und Channing Tatum den größten Teil des Films trugen, tauchen hier beide nur in winzigen Nebenrollen auf.

Guglhupfgeschwader – 11.8.22

Nicht nur in japanischen Hochgeschwindigkeitszügen fliegen die Kugeln, auch im bayerischen Niederkaltenkirchen. Hier fiebert nicht nur Ermittler Franz Eberhofer seinem zehnjährigen Dienstjubiläum entgegen, sondern gleich das ganze Dorf dem 17 Millionen Euro schweren Lotto-Jackpot entgegen. Zur Entspannung der Situation trägt da nicht gerade bei, dass der Lotto-Otto plötzlich ins Visier einer kriminellen Bande gerät und bei der Gelegenheit dann auch gleich die ungeklärte Vaterschaft des nicht ganz so cleveren jungen Mannes zum Dauerthema wird. Und dann verschwindet auch noch der Lottoschein mit den sechs Richtigen… Den Trailer zu dieser Verfilmung eines Provinzkrimis von Rita Falk fand ich zum Brüllen, die Verfilmung amüsant, nur hätte ich dazu nicht ins Kino gehen müssen. Wäre der Film im Fernsehen gelaufen, wäre es genauso gut gewesen.

Mein Schlussplädoyer: Amüsante Unterhaltung mit Darstellern wie Enzi Fuchs und Eisi Gulp, die in mir den Wunsch, die Buchvorlage zu lesen, ausgelöst hat.

Nope – 18.8.22

Alles gute kommt von oben? Nicht, wenn es aus einer mysteriösen Wolke Geschosse hagelt und sich in dieser Wolke etwas verbirgt, dem man besser nicht begegnen würde. Nach dem Tod ihres Vaters versuchen die Geschwister O.J. und Emerald, die Pferderanch weiter am Laufen zu halten und dabei herauszufinden, was es mit der starr am Himmel klebenden Wolke auf sich hat. Da für die beiden klar auf der Hand liegt, dass es nur ein UFO sein kann, beschließen sie, besagtes UFO zu filmen und das Material ans Fernsehen (am besten an Oprah) zu verkaufen, um so die marode Ranch vor dem finanziellen Ruin zu retten. Ein durchdachter Plan? Schon bald müssen sie erkennen, dass sie den außerdischen Besuch gewaltig unterschätzt haben.

Als ich hörte, dass mit „Nope“ mit ein Mix aus verschiedenen Genres auf mich zukommen würde, war ich begeistert. Nichts gegen reine Horrorfilme, aber da ich diesen Monat schon zwei Genre-Crossovers hatte, war ich umso gespannter, und der Trailer verhieß Spannung. Auch die Landschaft fand ich grandios in Szene gesetzt – kalifornische Bergketten vor einem sich verfinsternden Himmel? Für die Leinwand wie gemacht. Wirklich an meinen Nerven gezerrt aber hat die Musik, die stellenweise echtes Unbehagen bei mir ausgelöst hat. In ähnlicher Form ist mir das bei „Der Leuchtturm“ passiert. Zurück zu „Nope“, dessen Ende mich nicht noch stundenlang wachgehalten hat wie das von „Us“ (Wir) mit seiner Schlusseinstellung, die mich frappierend an ihr Gegenstück vom Anfang erinnert hat.  

Mein Schlussplädoyer: Wenn man es aushalten kann, dass sich die Spannung nur langsam aufbaut und über weite Strecken scheinbar nicht viel geschieht, ist „Nope“ nicht die schlechteste Wahl. Was Sound und Kameraführung angeht, war ich begeistert.

Jagdsaison – 20.8.22

Gemischtwarenladen, auf die Spitze getrieben. Nein, nicht was diese deutsche Produktion angeht, denn die ist eine Komödie – sondern mein Hang, keinem Genre den Vorzug zu geben… Nach zwei Actionkomödien und einem Krimi, der sich durch teilweise derben Humor auszeichnet, ist meine Wahl diesmal auf ein Remake der dänischen Komödie „Jagtsæson“ aus dem Jahr 2019 gefallen. Schauplatz eines bald schon aus dem Ruder laufenden „Mädelswochenendes“ ist ein Wellnesshotel an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste. Marlene, in deren zwanzigjähriger Ehe es nicht mehr ganz so rund läuft, hat sich dort mit Urlaubs-/Seminarbekanntschaft zum Seitensprung verabredet.

Begleiten soll sie als moralische Unterstützung Bella, mit der sie sich beim Yoga angefreundet hat. Dass sich ausgerechnet Marlenes beste und völlig verpeilte Freundin Eva anschließt, um Marlene von ihrem Vorhaben abzubringen, ist jedoch nicht der einzige Grund für das bald ausbrechende Chaos. Marlenes neue Freundin Bella ist dummerweise die neue Lebensgefährtin von Evas Ex-Mann, und so ist der drohende Konkurrenzkampf zwischen Eva und Bella nur eine Frage der Zeit. Sage mir, in welchen Film du gehst, und ich sage dir, welchen Trailer du im Vorprogramm zu sehen bekommst. Im Fall von „Jagdsaison“ ist mir zum ersten Mal aufgefallen, dass Trailer nicht gleich Trailer ist. Lag im Vorprogramm zu „Thor“ oder „Bullet Train“ der Fokus noch auf den derben Sprüchen, die das Damentrio nacheinander raushaut, so steht im Vorprogramm zu „Guglhupfgeschwader“ ein ganz anderes Thema des Films im Mittelpunkt: Freundschaft und das was passiert, wenn sich eine neue Freundschaft anbahnt und die alte zu verdrängen droht. Irreführend waren jedenfalls beide.

Mein Schlussplädoyer: Hätte es keine Slapstick-Komödie als Vorlage gegeben, wäre aus diesen Zutaten vermutlich unter anderer Regie ein Drama herausgekommen. So aber habe ich mich 93 Minuten lang nicht auch nur eine Minute gelangweilt – besonders interessant war für mich die Ähnlichkeit der Außenanlagen des Wellnesshotels mit denen von Schloss Noer in der Nähe von Eckernförde. Leider habe ich dazu keine Informationen im Internet gefunden. Vielleicht war’s die Hofkulisse von Schloss Einstein, aber wie auch immer – für mich war der Film besser als sein/e Trailer

Es war nicht Schloss Noer – aber es sah um ein Haar ganz danach aus.
Das hier ist das echte Schloss.

So, das war’s auch schon wieder für den August. Im September warten schon einige Highlights, die ich nicht verpassen möchte.