ABC-Etüden 2022 – Wochen 36 & 37 – Etüde 1 – Jahrgangstreffen

Die Sommerpause ist vorbei, und wir starten in die neue Etüdensaison (hier, auf Christianes Blog) mit den folgenden von Ludwig Zeidler (der nicht mehr bloggt) gespendeten Wörtern Brechreiz, anschmiegsam und buchstabieren. Let’s go: Ein aktuelles, geradezu frisches Erlebnis liefert das Material für meine Etüde zum Auftakt der Saison.

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Jahrgangstreffen

Jahrgangstreffen nein danke? Fünfunddreißig Jahre nach dem Abitur die ehemaligen Mitschüler wiederzutreffen, hätte bei mir früher die Flucht ausgelöst. Erst nach und nach wurde mir bewusst, wie sehr sich Menschen ändern können, also heute nicht mehr dieselben sind wie damals, auch wenn sie sich äußerlich kaum verändert haben. Alle fünf Jahre ein Treffen? Heute freue ich mich sogar darauf.

O diese Spannung, wenn jemand vor dir steht und du herauszufinden versuchst, wer das wohl sein könnte! Da helfen Namensschilder nur bedingt, wenn man im entscheidenden Moment erst mal die Brille suchen muss. Der Gag zündet später umso besser, wenn zu vorgerückter Stunde trotz im Lauf des Abends stetig fallender Hinweise der Groschen fällt und die Nachbarin in ihrer Weinseligkeit immer anschmiegsamer wird. Donnerwetter!

Doch Erinnerungen sind eine Sache für sich. Während die einen unwichtigen Schulkram beizeiten entsorgt haben, hüten andere Fotos und selbst das kleinste Fitzelchen wie einen Schatz und haben ein Elefantengedächtnis.

Interessant übrigens, wie man damals manches buchstabiert hat, denke ich mir, als einer einen dicken Aktenordner mit maschinengetippten Redaktionsunterlagen der Schülerzeitung auspackt, den er erst Stunden vor dem Treffen gefunden hat. Ob nach gezielter Suche oder durch Zufall, diese Frage beantwortet mir allerdings niemand.

Wirklich zu denken jedoch geben mir jedoch Unterschiede in der Wahrnehmung.

Zu hören, dass ausgerechnet der Typ, wegen dem ich jahrelang Bauchschmerzen und Brechreiz verspürt habe, ein liebenswerter Chaot gewesen sein soll, lässt mich erstarren. Liebenswerter Chaot? Vielleicht in einem anderen Leben… In meinem jedenfalls nicht. Doch zu meiner eigenen Verwunderung bleibe ich ruhig und grinse vor mich hin und in mich hinein. Wie gut, dass ab 22 Uhr draußen kein Licht mehr brennt. So kann niemand sehen, dass mein Lächeln meine Augen nicht erreicht.

Nun denn: Mal sehen, was in fünf Jahren beim nächsten, vermutlich sehr überschaubaren Treffen mit wechselndem Ensemble passiert.

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In 300 Wörtern punktgenau zur Etüde. Schon komisch, wenn ich an die Zeit zurückdenke, als wir noch vierstellige Postleitzahlen hatten und man diese Zahlenfolgen dann schwarz auf weiß vor sich sieht. Warten wir ab, ob mir mein neues Projekt Zeit und Luft für eine weitere Etüde lässt.

8 Kommentare zu “ABC-Etüden 2022 – Wochen 36 & 37 – Etüde 1 – Jahrgangstreffen

  1. Bei mir löst der Gedanke immer noch Fluchtreflexe aus. Und Brechreiz. Von anschmiegsam kann nicht die Rede sein, und meine Schulzeit jemandem vorzubuchstabieren – danke, ich verzichte. Ich war bisher auf einem einzigen Abiturtreffen (und weiß nicht mal mehr, welchem, 20? 25?), und ich glaube, das reicht.
    Da du es erwähnst: Was für ein neues Projekt hast du denn am Start? Schreiben oder etwas anderes? Hab ich was überlesen? 🤔
    Danke für die erste Etüde der neuen Saison! 👍👍👍
    Sonntagnachmittagskaffeegrüße 🌞🌲🌳☕🍪🌼👍

    • Es ist ein Schreibprojekt, das da heißt „Mein Buch für Dich“.

      Ich habe einen Entwurf für 20-25 Kapitel geschrieben, aus denen ein oder eine andere innerhalb eines Jahres ein Buch schreiben muss – die Rechte liegen dann bei dem Autor/der Autorin.

      Dafür darf ich dann den Entwurf eines anderen Teilnehmers zu einem Roman ausbauen und habe dann an dem fertigen Werk alle Rechte, muss aber den Ideengeber im Klappentext oder Vorwort erwähnen.

      Und nach Möglichkeit den Fortschritt des Autors, der meine Idee umsetzt, beobachten und ein Feedback dalassen.

      Es klingt spannend, da ich nicht wusste, auf was ich mich einlasse – zum Glück ist die Katze im Sack für mich umsetzbar und nicht allzu schwer.

      Da hat es diejenige, die von jemand anderem den Entwurf zu einer detailliert ausgeschmückten Dystopie bekommen hat, wesentlich schwerer.

      • Yepp. Das ist es auch. Prolog und erstes Kapitel sind jetzt online – fehlen noch zwanzig. Deadline ist der 1.3.2023 – erst mal den Schauplatz und die Charaktere auszuarbeiten, kostet die meiste Zeit.

  2. Pingback: Schreibeinladung für die Textwochen 38.39.22 | Wortspende von nellindreams | Irgendwas ist immer

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