Wattpad-Schreibchallenge „Mein Buch für Dich“: Vorwort & Prolog

„Ein Campingtrip auf der einen Seite – auf der anderen Seite eine Begegnung, die so hätte nicht stattfinden sollen – und dazwischen ein Kristall, hinter dem noch ganz andere her sind. Eine mysteriöse Reise ins Ungewisse…“

Mit diesem Klappentext habe ich Mitte August meinen Teilnehmerbeitrag an der bereits zuvor erwähnten Schreibchallenge auf wattpad ins Rennen geschickt. Ob es mir bis zum 1. März 2023 gelingen wird, nach der an mich verlosten Vorlage ein komplettes Buch mit 21 Kapiteln zu schreiben?

Wie die Vorlage ausgesehen hat? Falls dies jemand wissen möchte – hier kommt die Lösung: direkt unter dem jeweiligen Kapitel wird das vorgegebene Script zu finden sein, allerdings in kursiver Schrift.

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Prolog

Annwn…

Die Beltanefeuer hatte er hinter sich gelassen, nur noch gedämpft drangen Gesänge und Gelächter derer, die sich rings um den See zum Feiern versammelt hatten, zu ihm durch die Nacht heran. Der Zeitpunkt, um sich davon zu machen, hätte nicht passender gewählt sein können, denn die Gelage würden sich noch bis in die frühen Morgenstunden hinziehen, doch dann wäre er schon längst über alle Berge.

Jetzt bloß kein Geräusch verursachen, das ihn verraten würde.

Getrieben von Eile, flehte er im sanften Licht des gerade aufgegangenen Mondes lautlos die Götter an, dass seine Flucht noch niemandem aufgefallen war.  Mit jedem seiner Schritte, die ihn dem heiligen Hain näher und näher trugen, wuchs seine Hoffnung. Doch noch hatte er die andere Seite nicht erreicht.

Die Nachtluft trug die Töne weit. Etwas war ihm auf den Fersen, das konnte er spüren. Ob sie schon herausgefunden hatten, dass er verschwunden war? Er und mit ihm der Stein?

Der Stein… ohne ihn war ihr Orakel wertlos. In die Zukunft schauen? Das Tor zur Anderwelt öffnen? Die Welten wechseln wie ihre Leinengewänder aus Leinen?O diese Narren! Gefährliche Narren.

Da – vor ihm lag der mächtige Wald. Knorrige, uralte Eichen, erstreckten sich bis zum Horizont und über ihn hinaus. Aus den wabernden Nebeln ragten sie vor ihm hinauf in den Himmel wie unheilvolle Türme und verbargen jenen Ort mit seinen verfallenen Gemäuern und Überresten eines einst imposanten Wehrturms, zu dem es ihn drängte. Man musste den Weg schon kennen, doch selbst dieses Wissen hatte schon einige nicht davor bewahrt, die Orientierung zu verlieren, denn stellenweise standen die Bäume so dicht beieinander, dass selbst Eulen dort nur schwer durchkamen. Ihm schauderte bei diesem Gedanken, denn wenn er sich vor einem fürchtete, dann waren es die lautlosen Jäger der Nacht und der Dämmerung.

Doch selbst dies war nichts im Vergleich zu seiner Furcht vor dem, was ihn erwartete, sollte er scheitern. Gehetzt stolperte er vorwärts, trockene Zweige zerbrachen laut knackend unter seinen Füßen, das Rascheln im Geäst dröhnte in seinen Ohren. Der Luftzug in seinem Nacken jagte ihm einen Schauer nach dem andern über den Rücken, und ihm schlug das Herz bis hinauf in den Hals.

Nimm Dich zusammen, nur noch ein kleines Stück, dann ist es vollbracht…

Ihm fiel eine Last vom Herzen, als er den moosüberwucherten Brunnenschacht vor sich auftauchen sah und ihm modrig-feuchte Luft entgegen schlug. Endlich in Sicherheit – endlich am Ziel! Außer Atem ließ er sich auf dem glitschigen Rand nieder, um den Beutel mit dem fahlschimmernden Stein in die Tiefe zu schleudern. Gerade noch rechtzeitig, dann verfingen sich Krallen in seinem Haar.

Sein eigener, von Panik verursachter Aufschrei übertönte den Ruf der scheinbar aus dem Nichts herabstoßenden Eule, die fluchtartig abdrehte und in der Ruine verschwand. Entsetzt über seine übertriebene Reaktion auf ein im Grunde völlig harmloses Tier, hielt er jäh inne und verstummte, doch es war zu spät.

Das letzte, das er aus dem Augenwinkel heraus wahrnahm, waren die funkelnden Augen der schattenhaften Gestalt, die sich von den Mauern der Burgruine löste und sich hinter ihm zu bedrohlicher Größe aufbaute, bevor sie ihm einen Schlag versetzte.

Doch davon spürte er nichts mehr. Die ihn umfangende Schwärze nahm selbst dem Stein im Brunnen das Funkeln.

Annwn…

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Die Vorlage zum Prolog: Eule fliegt nachts zu einer Burgruine, drinnen in einem Turm funkelt etwas im Mondlicht.

ABC-Etüden 2022 – Wochen 38 & 39 – Etüde 1 – Der Aufhänger

Zum herbstlichen Gebibber dürfen wir wieder neue Etüden beisteuern.

Für die aktuelle Runde (hier, bei Christiane) hat diesmal nellindreams die Wörter Regentonne, sensibel und schwanken gespendet. Keine Sorge, die kürzeste Etüde der Saison in einem Satz aus vier Wörtern zu schreiben, ist nicht mein Ziel. Obwohl die Kombination nur zu verlockend ist. Und darum musste er am Ende doch als Aufhänger herhalten.

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Der Aufhänger

„Die Regentonne schwankt sensibel?“ – Das schreib ich nicht in meine Fibel.

Eine Fibel voll Etüden erspart mir manchen Traum vom Süden. *** Gen Süden zieht’s mich wirklich nicht – da schreib ich lieber ein Gedicht. *** Eines, zwei oder gar drei? Lyrik ist nicht nur Reimerei.

Oft sehe ich meine Worte holpern und über Schreibblockaden stolpern. *** Droht meine Euphorie zu schwanken, hilft es, woanders aufzutanken. *** Sensibel pausiert und mit Bedacht kommt die Idee dann in der Nacht.

Doch ist sie fort am nächsten Morgen. Wo hat sie sich denn nur verborgen? *** Funkelt sie im Glanz der Sonne? Oder am Grund der Regentonne? *** Doch bis zu ihrer Wiederkehr nehm‘ ich den nächsten Einfall her.

Und auf einmal wird mir klar: Wildes Fabulieren ist wunderbar.

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120 Wörter für ein nicht immer glatt laufendes Gedicht (mit holprigen Stellen nach dem Motto „Reim dich oder ich fress dich“), bei dem es auch bei der Optik hapert.