ABC-Etüden 2022 – Wochen 38 & 39 – Etüde 2 – Der DVD-Abend

Gegen unterkühltes Frösteln helfen nur heiße Rhythmen. Fündig wurde ich mal wieder auf Youtube, die mir zur Abwechslung Live-Mitschnitte vorschlägt. Einer davon hat mir als Inspiration für meine zweite Etüde für die aktuelle Runde (hier, bei Christiane) gedient.

Die Wörter Regentonne, sensibel und schwanken sind diesmal von nellindreams gespendet worden.

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Der DVD-Abend

„Na, hast Du wieder Deinen Lieblingskonzertfilm laufen?“

Ich nicke zustimmend meiner Schwester zu und nehme mir ein Weingummi, doch dann zoomt die Kamera den hinteren Teil der Bühne heran und der Drops rutscht nicht mehr.

Röchel!

Da liegt es, das Handtuch, achtlos hingeworfen und pitschnass wie frisch aus der Regentonne. Ja, es ist Juli, und die Band gibt auf der Open-Air-Bühne alles: Eine energiegeladene Show. Nach einem kurzen Sprint in mörderischer Hitze lässt der Sänger sich zu Füßen des Schlagzeugers nieder und ergreift den Frotteeballen, um sich den Schweiß vom Gesicht zu wischen. Kein Wunder, so wie er sich unter dem grellen Scheinwerferlicht verausgabt.

Die Menge tobt begeistert.

Wäre ich Teil der Crew gewesen, hätte ich ihm und seinen Kollegen luftigere Kleidung verpasst, aber dann hätten sich wieder alle nur auf die attraktive Erscheinung des Sängers konzentriert, anstatt sich in die dargebotenen Songs zu vertiefen, deren Texte sein sensibles Inneres und das seines Co-Autoren widerspiegeln.

Und wieder der Griff (diesmal vom Bassisten) zu dem weißen Ungetüm aus Frottee. Eines für alle? Oder habe ich nicht mitbekommen, dass es zwischendurch doch ausgewechselt wurde? Falls nicht, dann Brrr! Doch so wie der Film geschnitten wurde, bin ich auch nach 98 Minuten nicht schlauer. Live, Baby. Yeah!

Eigentlich wollte ich die im Film dargestellte Show genießen, doch nun starre ich unablässig auf das durchtränkte Saunatuch, und die Bilder in meinem Kopf lassen mich zwischen Faszination und Unbehagen schwanken.

Seit wann bin ich denn so etepetete? Nicht ich musste in diesem Stadion vor siebzigtausend Leuten auftreten und wurde dabei von siebzehn Kameras für die Nachwelt festgehalten.

Sei’s drum. Kein Grund, mir den Film nicht nochmal anzusehen, beschließe ich und nehme mir noch ein Bier. Wohl bekomm’s. Schließlich hat’s dem Schlagzeuger ja auch geschmeckt.

„Bier und Weichgummidrops?“ – Jetzt ist es an ihr, sich zu schütteln.

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300 Wörter sind es diesmal geworden.

Media Monday #586 : There’s hope in honest error…

Dieses Zitat von Charles Rennie Mackintosh (1868-1928) ist alles, was mir zu meiner Vergesslichkeit einfällt. Gekauft hatte ich eine Karte für ein Konzert am 13. September, war aber die ganze Zeit über der Meinung, das Konzert fände am 15. September statt – und freute mich wochenlang darauf… nur um am 14. September festzustellen, dass ich das Event „Bau.Haus.Klang – eine Harmonielehre“ in der Alten Oper in Frankfurt leider um einen Tag verpasst hatte. *grummel* :

„Zum Einstieg ins Fratopia-­Festival machen Michael Wollny, in der Spielzeit 2022/23 Jazz-­Residenz-­Künstler der Alten Oper, und seine Musikerkollegen die Faszination der visionären Einfachheit spürbar. Sie erweitern ihr Instrumentarium dabei um Glas, Holz, Ton, Metall oder Gewebe und komponieren gänzlich neu mit Werkstoff, Form und Struktur.“

Auf Youtube gab es eine Dokumentation mit dem gleichen Titel, und auch einen musikwissenschaftlichen Artikel konnte ich dazu finden. Was mir dabei wohl entgangen ist? Auf jeden Fall ein Experiment von 105 Minuten Länge ohne Pause. Wer weiß, wozu meine Vergesslichkeit am Ende doch gut war. Ohne Pause nach diesem Gejammer geht es jetzt gleich weiter zum 586. Media Monday.

Media Monday # 586

1. Hätte ich nur die Möglichkeit, nur innerhalb dieses Jahres für kurze Zeit nochmal die Zeit zurückzudrehen, würde ich doch glatt meine beiden restlichen Urlaubstage auf einen anderen Tag legen. So aber muss ich jetzt nach dem Evanescence/Within Temptation-Konzert im November nun doch arbeiten. Aber lieber so, als dass das Konzert erneut verschoben wird.

2. Würde es meinen Schallplattenspieler nicht geben, könnte ich niemals meine Schätze in ausgezeichneter Klangqualität erleben.

3. Wobei ich gerne oft aufstehe, um die Schallplatte umzudrehen, sobald die entsprechende Seite abgespielt ist – das hält fit und ich bleibe in Bewegung. Wenn allerdings wie bei neueren Produktionen bereits nach drei Liedern Schluss ist, kann dies auch schnell zu einem abendfüllenden Sportprogramm ausufern.

4. Ein gutes Konzert braucht wirklich nicht viele aufwändige Showelemente (wie bei Rammstein), um bei mir noch lange in Erinnerung zu bleiben. Zu den wirklich großen Momenten zählen bei mir mein allererstes Konzert im Stadion (Simon & Garfunkel), Amy MacDonald in der Jahrhunderthalle in Höchst vor ein paar Jahren und mein letztes Konzert im Stadion (Iron Maiden). Okay, letzteres hatte durchaus Showelemente zu bieten, aber von denen hat man hinten eher nicht so viel mitbekommen.

5. In der Vergangenheit habe ich mir über die Vergänglichkeit wenig Gedanken gemacht, doch mit fortschreitendem Alter wird mir immer deutlicher bewusst, wie endlich unsere Zeit ist.

6. Engpass bei den Ausbautrupps für den vollmundig angekündigten Glasfaseranschluss, aber wenn nicht bald (und damit meine ich noch irgendwann in diesem Jahr) der Terminvorschlag ins Haus flattert, wird’s mit dem turboschnellen Internet und dem noch flüssigeren Arbeiten im Home-Office so schnell nichts. Immerhin wurde mir am Samstag versprochen, dass es bald soweit sein soll.

7. Zuletzt habe ich mich bei einer englischsprachigen Sondervorstellung mit deutschen Untertiteln an dem Film „Moonage Daydream“ erfreut, und das war für mich wie eine Offenbarung, weil dieses ungewöhnliche Werk aus den Privatarchiven David Bowies mich zum Nachdenken gebracht und mich noch lange danach beschäftigt hat. Dabei war ich nie jemand, der sich als Fan von David Bowie gesehen hat.