Wattpad-Schreibchallenge „Mein Buch für Dich“: Kapitel 1

Kapitel 1 : Blog Post # 665

„Give me a festival and I’ll be your Glastonbury star
The lights are shining everyone knows who you are
Singing songs about dreams about hopes about schemes
Ooooh, they just came true“
-Amy MacDonald „Let’s start a band“-

Hey Guys… let’s go. Diesmal mit einem kurzen Lebenszeichen, bevor’s richtig losgeht. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie aufgeregt wir sind. Stonehenge, Dartmoor, Cornwall, Glastonbury. Vier Wochen Freiheit und Abenteuer. Zu siebt im Bulli – und dann das Highlight: Glastonbury Festival! Das wird ganz groß, Leute! Die Stimmung könnte nicht besser sein…

„Nicht euer Ernst“, platzt Finn so plötzlich ins Zelt, dass Fiona vor Schreck beinahe ihr Laptop fallen lässt. „Draußen ist das schönste Wetter, und ihr hängt hier drinnen ab? Genug gedaddelt jetzt!“

Klappe, sonst Beule!

Mein Schwesterherz sichert ihr Status-Update auf unserem Blog und klappt das Gerät zu, dann zeigt sie dem Kumpel von Jo den Stinkefinger, steht dann aber augenverdrehend auf und krabbelt aus dem Zelt. Bei aller Liebe, aber manchmal bin ich froh, fünf Minuten für mich alleine zu haben. Unzertrennlich unterwegs? Es heißt zwar, Zwillinge hält ein unsichtbares Band zusammen wie Pech und Schwefel, aber deswegen müssen wir noch lange nicht rund um die Uhr zusammenkleben, auch wenn der Untertitel unseres Blogs was anderes sagt. Gespannt, was Fiona geschrieben hat, klappe ich den Laptop wieder auf und falle fast von der Luftmatratze. Die Stimmung könnte nicht besser sein? In Wahrheit ist sie schon jetzt im Keller.

Kein Wunder, wenn es nach fast sechs Stunden Fahrt auf der Fähre nicht wirklich voran geht und Flo von den vielen Staus genervt ist. Aber wir mussten ja unbedingt die Nachtfähre nehmen und mitten in der Rush Hour auf der M27 landen. Dazu Lillys ständiges Gejammer, sie müsste ganz dringend. Auf dem Motorway waren wenigstens noch Raststätten. Jetzt hocken wir hier mitten in der Pampa, irgendwo zwischen Ringwood und Stonehenge.

„Downtown! Yay… komm, lass uns hier ‘nen Platz zum Campen suchen.“ Was Finn eigentlich als Witz gemeint hatte, weil sich ja angeblich Fotos von diesem Kaff auf unserem Reiseblog so wahnsinnig toll machen würden, kam bei dem Rest der Truppe so gut an, dass sie spontan bei einem Farmer anklopften, der uns ein Eckchen für die Nacht überlassen hat. Zelten für eine Nacht, bevor es morgen früh weitergeht – nach Stonehenge… so habe ich mir das nicht vorgestellt.

Die Krönung aber ist Ellie mit ihrer miesen Laune. Ein Traum! Dabei hat alles so schön angefangen, mit Karten für DAS Festival zum Abi, als Geschenk von unseren Eltern für uns sieben: Fiona und ich, unser glückliches Pärchen Flo und Lilly (im Moment nicht ganz so glücklich), Ellie, und schließlich Marcus und sein Kumpel Finn. Schon vor zwei Jahren wollten wir los – wir sieben gegen den Rest der  Welt. Ha ha – das blöde Sch***-Corona hat dabei keiner von uns auf dem Schirm gehabt.

Als dann für dieses Jahr das grüne Licht vom Veranstalter kam, gab es kein Halten mehr. Und dann noch das Line-Up! Ellie hatte sich vor Freude gar nicht mehr eingekriegt, hatte laut „Billie Eilish“ gejubelt und die Sektkorken knallen lassen. Jetzt noch ein Meet & Greet, und alles war gut. Hatte sie aber auch nur gedacht. Endlich sieht sie ihre Chance gekommen, Marcus näherzukommen, für den sie schon so lange schwärmt – und dann dieser Unfall: Man sollte sich halt nicht mit einem besonders riskanten Move in die Halfpipe stürzen, wenn man sein Skateboard nicht voll im Griff hat.

„Klugscheißer“, hatte der für Wochen ausgeknockte Marcus gebrummt und das Ticket seinem älteren Bruder Jo überlassen. Nur zu verständlich bei dem, was der Spaß gekostet hatte. Eine echte Win-Win-Situation für die beiden Jungs, doch leider nicht für Ellie.

„O Shit“, hatte Fiona geseufzt, „vier Wochen Regenwetter – das kann ja heiter werden.“

Fiona…  war da nicht was?  überlege ich und lege den Laptop weg. Bilder bearbeiten und hochladen kann ich morgen immer noch. So verführerisch, wie es nach Kaffee duftet, hocken die anderen bestimmt schon alle zusammen und versuchen, sich in der Sonne zu entspannen. Als ich  mich dem Bus nähere, kommt mir Jo entgegen. „Die reden sich die Köpfe heiß. Läuft ja heute mal wieder wie geschnitten Brot.“

Lass mich raten: Ellie! Wahrscheinlich versucht Finn wieder mal, sie aufzumuntern, mit einem Besuch von Stonehenge zum Beispiel.

„Stonehenge… wie romantisch!“ höre ich sie auch schon mosern, mit einem Flunsch von hier bis sonstwohin.

Bingo! Ich hätte es wissen müssen. Mit seinem Vorschlag stößt Finn bei ihr auf taube Ohren. Dabei war der Steinkreis sogar ihre eigene Idee. „Echt jetzt? Vor dem Eingang stapeln sich die Busse, an der Kasse drängen sich die Leute und im Hintergrund rauscht der Verkehr übern Highway.“

Auf dem Highway ist die Hölle los? Man kann’s auch übertreiben. Obwohl Ellie ja eigentlich Recht hat: Abgesehen von dem horrenden Eintrittspreis, sieht man auf den vielen „mystisch“ angehauchten Bildern nie, was tatsächlich Sache ist: Die A303, die direkt daran vorbeiführt. Wirklich… total mystisch. Dabei weiß doch jeder, dass die Steine nur deshalb genau so dastehen, weil einer sie im letzten Jahrhundert festzementiert hat. Also nix mit „Druiden brachten sie hierher und stellten sie nach einem geheimnisvollen Plan im Kreis auf“.

Als ich mein Wissen ungefragt breit trete, rollt die Hälfte meiner Freunde mit den Augen –  „O Mann, Feli – Du und Deine Weisheiten vom letzten Diavortrag“ –  und ich ahne es bereits: Meine Idee, statt dessen in das vierundzwanzig Meilen weiter nördlich gelegene Avebury zu fahren, kommt gar nicht gut an.

„Aber warum nicht? Da ist wenigstens der Eintritt frei, und du kannst die Steine sogar anfassen.“

Die Woge der Begeisterung, ich spüre sie schon – den Strand verlassen. Auf den „Riesenumweg“ hat keiner Bock. Und nun?

Es ist schließlich Jo, der mit einem Flyer in der Hand zurückkommt. Werbung für irgendeinen Club in der Nähe von Glastonbury. Club Merlin presents: The Time Warp. Na, wenn das nichts ist. Einfach mal wieder die Nacht durchtanzen, als Vorglühen fürs große Festival sozusagen. Wenn Ellie da nicht auf andere Gedanken kommt, dann weiß ich auch nicht weiter. Aber es scheint, als hätte sich zur Abwechslung endlich mal die Stimme der Vernunft durchgesetzt.

Noch eine Nacht in Downton, und dann heißt es: Ab nach Glastonbury und nix wie hin. Club Merlin – die kommende Nacht wird unvergesslich.

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Die Vorlage zum 1. Kapitel: befreundete Gruppe von Jugendlichen (mind. 5, max. 9 Leute) plant einen Discobesuch und geht hin. In der Gruppe: mind. 1 Pärchen, 1 Person der/die heimlich in ein anderes Gruppenmitglied verknallt ist, Zwillinge, Rest ist frei.

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