Media Monday #587 : Aus die Maus – oder der Angriff der Erklärbären

War’s das jetzt? Umstrukturierung im Job, verbunden mit Stress hin oder her, aber seit gestern überlege ich, ob ich nicht meine Schallplattensammlung auch einmal gründlich umstrukturieren und bestimmte Scheiben, die mir bisher lieb und teuer waren (vor allem teuer) erst einmal wegsortieren soll, solange das in meiner letzten Etüde angeschnittene Thema noch vor sich hin schwelt.

Wer sich mit brandgefährlichen Welterklärbären zusammentut, darf von mir keinen Beifall erwarten. Dabei ist es für mich kein Trost, dass die Band, die bei dieser Story in den Fokus geraten ist, schon seit Jahren nicht mehr existiert, und vielleicht sind seine ehemaligen Kollegen davon genausowenig begeistert (frei nach dem Motto, dass ein fauler Apfel den ganzen Korb verdirbt). Jedenfalls hat meine Fanbegeisterung davon einen ziemlichen Dämpfer bekommen.

Ich weiß, das ist Jammern auf hohem Niveau, und ich wollte ja eine Abkühlung, aber doch nicht so!

Media Monday # 587

1. Filme sind für mich nicht immer ausschließlich eine Möglichkeit, den Alltag für eine Weile zu vergessen, sondern manchmal bringen sie mich auch zum Nachdenken, wie zuletzt „Moonage Daydream“, ein Film über und mit Material aus den Privatarchiven von David Bowie.

2. Wenn wir schon aufs Thema Horror zusteuern: American Horror Story ist eine wirklich außergewöhnliche Serie, die man sich nicht mal chronologisch geordnet, von Staffel eins bis zehn anzuschauen braucht, denn die anthologisch gehaltenen Staffeln sind in sich abgeschlossen und haben nicht unbedingt etwas miteinander zu tun.

3. Wenn Ende nächster Woche der für Horror prädestinierte Oktober beginnt, versuche ich, erst mal den persönlichen Horror in meinem Umfeld und rund um den Globus für mich persönlich auseinander zu sortieren. Musikalisch steige ich dann lieber auf diesen gern gehörten Horrorstreifen um:

Angst vor Spinnen hab‘ ich nicht – https://www.youtube.com/watch?v=ijxk-fgcg7c

4. Ein ungemein lesenswertes Buch ist z.B. „Rendezvous mit einem Oktopus“ von Sy Montgomery, das dazu geführt hat, dass ich die intelligenten Meeresbewohner lieber in Freiheit bewundere und sie als Gericht auf dem Teller boykottiere. Apropos habe ich es heute mit Boykottaktionen an sich.

5. Allgemein fühle ich mich dem Genre Grusel/Mystery/Horror doch sehr verbunden, denn bei vielen Geschichten kann ich da mitfiebern und Überlegungen anstellen, was hinter dem mysteriösen Geschehen wohl stecken mag. In der Realität brauche ich Horror jedoch nicht, denn was ich manchmal von anderen Leuten oder aus den Nachrichten erfahre, hat genug gruseliges Potenzial.

6. Bei den obligatorischen drei Dingen für die einsame Insel würde ich verzweifeln, weil drei Dinge alleine nicht ausreichen. Viel wichtiger wären mir Personen, die sich mit Überlebenstaktiken auskennen – von denen kann dann getrost jeder drei Artikel mitschleppen. Je mehr, desto besser. Aber bitte niemand, mit dem ich mich dann auch noch herumärgern darf.

7. Zuletzt habe ich mit einem Thema beschäftigt, von dem ich am liebsten gar nichts gehört hätte, und das war eine zufällige Entdeckung, die mich fassunglos gemacht hat, weil sie den Drummer einer von mir bisher sehr geschätzten Band betrifft. Jetzt geht es mir wie einer Freundin, die Filme mit Sean Connery boykottiert, seit sie von einem Interview Wind bekommen hat, in welchem er erklärt haben soll, es sei nicht so schlimm, wenn man einer Frau mal eine Ohrfeige verpasst, wenn sie es verdient hat. Allerdings war das schon 1965, und außerdem geht es in diesem Fall nicht um das Stichwort #metoo, sondern um das Reizthema „Covid“.

Ich finde es nämlich alles andere als prickelnd, dass besagter Herr F. auf seinem Facebook-Profil dazu aufgerufen hat, sich den sogenannten Sovereign Citizens bei ihrem Marsch zur australischen Hauptstadt anzuschließen. Das war zwar schon im Februar dieses Jahres, und mitbekommen hat davon kaum einer was. Aber mir geht’s darum, wer oder was dahintersteckt.

Man kann ja Vorbehalte gegen die eigene Impfung haben, und es ist mir inzwischen auch herzlich egal, wie oft und warum oder warum nicht sich jemand impfen lassen möchte, aber sich mit Gruppierungen zusammenzuschließen, die Verschwörungstheorien und ähnlichen Bullshit verbreiten oder ihre (wohlgemerkt demokratische) Regierung als Firma bezeichnen, von der man sich länger nicht unterdrücken lassen will, ist ein ganz anderes Kaliber. Da fühle ich mich sofort an die Reichsbürgerbewegung erinnert. Und wenn ich dann noch sehe, dass die Route am Capital Hill endet, sehe ich das Horrorszenario vom 6. Januar 2021 vor mir, als eine Menge aufgebrachter „Demonstranten“ das Kapitol in Washington stürmte.

Ich könnte jetzt auch noch das Stichwort „kulturelle Aneignung“ in den Raum werfen und mich noch ewig weiter darüber aufregen, dass sich einige dieser selbsternannten Welterklärer zum Fürsprecher einer bestimmten Bevölkerungsgruppe aufschwingen. Aber ich glaube, ich höre an dieser Stelle auf, bevor es noch völlig aus dem Ruder läuft.

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2 Kommentare zu “Media Monday #587 : Aus die Maus – oder der Angriff der Erklärbären

  1. Das mit dem Herrn F. ist wirklich übel. Aber es gibt immer wieder Prominente, die in letzter auf einen ähnlichen „dummen Hund kommen“. Oder meinen sich zum Putins Progapanda-Knecht machen zu müssen.

    Apropos Schallplatten: ich hatte vor Ewigkeiten mal angefangen meine CD-Sammlung zu digitalisieren. Aber wirklich durch bin ich noch nicht.

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