Cinema-Scope 2022 : September – Sondervorstellung/en

Das Jahr zieht rasend schnell vorüber, und ich merke gerade, wie meine Sehnsucht, Konzerte und Ausstellungen zu besuchen, stärker wird als mein Wunsch nach Filmen, die ich noch auf meiner Liste für die kommenden Wochen habe.

Monsieur Claude und sein großes Fest – 2.9.22 : Ein Film, den ich schon im Frühjahr sehen wollte, der aber jetzt im Gratis-Open-Air-Kino am mittlerweile schönsten Platz von Offenbach auf mich wartete. Diesmal war ich schlauer und hatte sogar meine eigene Decke dabei, und der Blick auf den untergehenden Mond: unbezahlbar. Noch besser wäre es gewesen, wenn ich die richtige Brille eingesteckt hätte, denn so konnte ich nicht einmal die Untertitel lesen, und davon gab es einige. Sie nicht entziffern zu können, tat dem Vergnügen beim inzwischen dritten Film der Reihe um den Herrn und seiner kunterbunten Familie dennoch keinen Abbruch. Diesmal steht die Rubinhochzeit von Claude und Marie Verneuil vor der Tür. 40 Jahre, das muss selbstverständlich ganz groß gefeiert werden, und so stürzen sich die Töchter mit großem Enthusiasmus in die Vorbereitungen. Schon allein die kompletten Familien der Schwiegersöhne unter einen Hut zu bringen, erfordert Organisationstalent, denn die leben über die ganze Welt verstreut: in China, Israel, Algerien und der Elfenbeinküste. Das unvermeidliche Chaos darf dabei genauso wenig fehlen wie das Anhäufen von Klischees, die niemanden aussparen. Mir hat der Film sehr gut gefallen – weniger schön jedoch war die Nachricht, dass noch während der Dreharbeiten drei Produktionsmitglieder bei einem Autounfall ums Leben kamen. Ihnen ist der Film gewidmet, wie es im Abspann zu lesen war.

Personal Shopper – 17.9.22 : Wenn man lieber zu Hause bleiben möchte, aber im Fernsehen nichts läuft, das einen interessiert – dann ist vielleicht Streamen die Lösung? In meinem Fall bin ich durch das Angebot von „Filmfriend“ (dem Gratisangebot für alle Kunden deutscher, österreichischer und schweizer Bibliotheken) gestreift und auf einen Film mit Kristen Stewart gestoßen, der auf der Seite als Mystery-Thriller angepriesen wurde.

Ihren Job als Personal Shopperin für das Model Kyra macht Maureen (Kristen Stewart) mit wenig Leidenschaft, statt dessen wartet die medial begabte junge Frau regelrecht besessen auf ein Zeichen ihres an einer Herzkrankheit früh verstorbenen Zwillingsbruders Lewis. Eine Übernachtung in Lewis‘ Haus führt zwar zunächst nicht zu dem gewünschten Ergebnis, doch dann bekommt sie plötzlich rätselhafte Handynachrichten von einem Unbekannten, der immer genau zu wissen scheint, wo sie sich befindet und was im nächsten Moment geschehen wird… Was sich hier eventuell langatmig liest, ist der Versuch, einen Film zu beschreiben, der weniger durch Schockmomente glänzt als eine unterschwellige, noch lange nachklingende und unheilvolle Stimmung heraufbeschwört und gegen Ende eine Szene zu bieten hat, zu der ich dreimal zurückspulen musste, um zu begreifen, was sich gerade vor meinen Augen abgespielt hat.

Moonage Daydream – 18.8.22 : Noch ein Biopic? Äh… nicht, wenn es sich um Filmmaterial aus David Bowies Privatarchiv handelt und sich der daraus entstandene Film dem herkömmlichen 08/15-Erzählmuster von Filmen aus diesem Genre entzieht. Musiker, Schauspieler, Maler… Während der 140minütigen Laufzeit dieses filmgewordenen Porträts bekam ich so einen Eindruck, wie vielseitig David Bowie, und vor allem wie wegweisend er als Künstler war.

Don’t worry, Darling – 21.9.22 : Eigentlich hatte ich schon gar keine Lust mehr, mir diesen Film anzusehen, dem so viele unnütze „Skandal“meldungen vorausgegangen sind, die mir den letzten Nerv raubten. Wer mit wem Beef hat, interessiert mich herzhaft wenig – es war dann aber doch der Trailer, der mich auf den Eröffnungsfilm des Fantasy-Filmfests in Frankfurt (in der Originalversion ohne Untertitel) neugierig gemacht hat. Wie nannte ich das Spektakel neulich noch so schön? „Stepford Wives meets Truman Show“?

„Stepford Wives meets Matrix“ würde es wohl eher treffen. Denn in der ach so perfekten und klinisch reinen Welt der 1950er Jahre scheint zunächst noch die Welt in Ordnung. Morgens verabschieden sich die Ehemänner von ihren adretten Gemahlinnen und brechen zu ihrem streng geheimen Job auf, während sich die Damen mit Hingabe der Pflege ihres Heims, gemeinsamen Ballettstunden und bunten Cocktails am Pool widmen. Neuankömmlinge werden herzlich in den trauten Kreis aufgenommen, und doch spürt Alice (Florence Pugh), dass an dieser Bilderbuchwelt so gar nichts stimmt. Worin besteht die streng geheime Arbeit, der ihr Mann (Harry Styles) nachgeht, und warum versucht man ihr einzureden, sie hätte sich den Selbstmord der Nachbarin nur eingebildet? Die Lage eskaliert, als sie vor versammelter Mannschaft das Oberhaupt (Chris Pine) der sektenartig strukturierten „Victory“-Gemeinschaft zur Rede stellt und Antworten verlangt.

Freibad – 22.9.22 : Ein Freibad nur für Frauen. Welch Ort der Harmonie und Eintracht: Davon zeugen die nachts bunt leuchtenden und gemütlich zu den Klängen von „Dream a little dream of me“ auf dem Wasser dahin dümpelnden Schwimmtieren. Ach ja, hier kann Frau ganz unter ihresgleichen sein und die Seele baumeln lassen, ohne auf sexistische Sprüche oder genauso dumme Anmache zu stoßen. Von wegen. Denn in diesem Frauenfreibad treffen mehrere Welten aufeinander: die Feministinnen Gabi (Maria Happel) und Eva (Andrea Sawatzki), grillende Türkinnen und die stets im Burkini trainierende Schwimmerin Yasemin – die mit ihrer Verhüllung den Unmut ihrer grillenden Verwandten und besonders den von Eva auf sich zieht. Als eines Tages eine Gruppe von Kopf bis Fuß verhüllter Schweizerinnen wegen des dortigen Burkaverbotes Zuflucht im Freibad sucht, kommt es zwischen allen Beteiligten zu einer Auseinandersetzung mit Handgreiflichkeiten, in deren Verlauf es der schweizerischen Bademeisterin Steffi reicht und diese den Job hinwirft. Doch ohne Badeaufsicht muss das Bad schließen. Große Freude, als endlich Ersatz für Steffi gefunden wird – doch die neue Aufsichtsperson am Beckenrand ist ein Mann… Eine Komödie von Doris Dörrie, randvoll gefüllt mit Klischees, die teilweise auf realen Begebenheiten im Freiburger Lorettobad beruht – wenn auch stark überspitzt dargestellt.

Mögen draußen an jenem Tag alle kollektiv vor sich hin gebibbert haben und sich bei meiner Programmwahl vermutlich an den Kopf gegriffen haben, so war „Freibad“ für mich ein gelungener Abschluss dieses mehr als trockenen und viel zu heißen Sommers.

Ja, der Sommer ist eindeutig vorbei, und nun winkt auch schon der „Horrorctober“ – ein Spaß, bei dem ich dieses Jahr voraussichtlich nicht dabei bin (auch wenn sich eventuell der ein oder andere Mystery- oder Horrorschinken in meine Filmauswahl verirrt).

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5 Kommentare zu “Cinema-Scope 2022 : September – Sondervorstellung/en

    • Ich habe diesen Streamingdienst noch nicht so oft benutzt, aber sie haben ein schönes Angebot an Filmen abseits des Mainstreams – mehr so in Richtung Arthouse – und für mich als Kundin der örtlichen Stadtbücherei kostet mich der ganze Spaß nix.

      Die Filme, die ich bis jetzt gesehen habe, fand ich sehr gut.

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