Wattpad-Schreibchallenge „Mein Buch für Dich“: Kapitel 8

Kapitel 8 *** Jeff : Fang mich, wenn du kannst

In a room above a busy street
The echoes of a life
The fragments and the accidents
Separated by incidents

-INXS „The stairs“-

Wusste ich doch, dass es keine gute Idee war, mich von Gary bequatschen zu lassen, bei der alten Crew wieder mitzumachen. Weiß der Geier, wie er es hinbekommen hat, Connor davon zu überzeugen, dass ich der Richtige für den Job bin, obwohl wir alle wegen meines Blackouts beim letzten Coup geschnappt und eingebuchtet worden sind. Jeff und der Richtige für den Job? Ich kann mir Connors Gesicht vorstellen, das er gezogen haben muss, als Gary damit angetrabt war. Der ist doch zum *** zu blöd! Nicht mal den Fluchtwagen steuern kann der…

Den Fluchtwagen steuern – das wird mich bis an mein Lebensende verfolgen. Wie in Zeitlupe sehe ich den Tag der Schande wieder vor mir.

Drei, zwei, eins – go… den Wagen verlassen, die Filiale am Ende der Fußgängerzone stürmen, alle Anwesenden in Schach halten, während zwei Mann sich um das Ausräumen von Kasse und Tresor kümmern: Der durchdachte Plan hatte so herrlich einfach geklungen, doch so aufgeregt wie Gary an seiner Wollmütze herumnestelte und Josh beinahe die Munition fallenließ, war ich mir plötzlich gar nicht mehr so sicher. Ob es half, wenn Josh und ich die Plätze tauschten? Nicht mit Connor! Der hatte den Coup in einem Zimmerchen, hoch über einer belebten Geschäftsstraße, haarklein ausgetüftelt. Bei dem Lärm würde man von unserem Treffen nichts mitbekommen.

„Reißt Euch gefälligst zusammen“, knurrte er genervt. „An dem Plan wird nichts mehr geändert!“

Wenn Connor unter Strom stand, war er immer so: gereizt und unausstehlich. Erst, wenn sich abzeichnete, dass man uns auch diesmal nicht schnappen würde, war mit Besserung seiner Laune zu rechnen. Mutter, der Mann mit dem Koks ist da? Wo sich andere vorher noch schnell eine Line aus allerfeinstem kolumbianischem Schnee gezogen oder ein paar Pillen zur Beruhigung eingeworfen hätten, verzichtete er lieber. Einen klaren Kopf bewahren, nannte er das – „kristallklar“, um seine Worte exakt wiederzugeben, „so klar wie unser Plan“ – der Plan, den wir eins zu eins durchziehen würden, komme was wolle. Unser Plan, nach dem sich niemand darum scheren würde, dass ich den Motor laufen ließ, wenn ein paar Meter weiter die Musik spielte. Unser Plan, den ich so gründlich vergeigt hatte. Aber warum hatte das auch so lange dauern müssen?

Wie Kaugummi zog sich das Warten. Wie ich das hasste! Keine Ahnung, wie lange sie nun schon da drinnen waren: sechs Minuten? Acht? Oder elf? Wenn Connor mal bloß nicht durchdreht oder sich einer von ihnen zu früh die Maske übers Gesicht gezogen hat, dachte ich, während ich nervös auf das Lenkrad eintrommelte. So viel stand fest: Warten war das Schlimmste.

Da. Jetzt. Endlich tat sich was! Im Rückspiegel hasteten drei schwarze Schatten auf mich zu. Die Türen flogen auf und ich gab Gas. Bloß weg von hier und ab durch die Mitte.

 „Drück auf die Tube“, keuchte Connor, während die anderen beiden auffallend still blieben. Mit durchgetretenem Gaspedal schoss der Ford die Hauptstraße hinunter.

„Fünfzigtausend für jeden – nicht schlecht“, gab Josh irgendwann von sich, als er wieder einigermaßen atmen konnte. Zweihunderttausend Pfund. Und wir waren weit genug vom Tatort weg! Wie geil war denn das bitte? Ich konnte es immer noch nicht fassen, dass wir so viel Glück gehabt hatten.

Hätte er mal bloß das Maul gehalten, denn sonst hätte ich das Lenkrad nicht verrissen und es wäre nicht zum Crash gekommen. Vollends die Nerven verlor ich aber nicht beim Zusammenstoß mit dem verf****en Panzerfahrzeug, sondern im Kugelhagel gleich darauf und kam erst wieder zu mir, als sie uns einen nach dem anderen in den Streifenwagen verfrachteten.

Geschiedene Leute? Für Connor auf jeden Fall – wer so blöd ist, das Fluchtauto ausgerechnet in einen Geldtransporter krachen zu lassen, hat bei ihm verschissen und ist nur noch für Hilfsarbeiten gut. Also für die Jobs, die keiner machen will.

So wie den hier jetzt: irgendein armes Schwein in den Brunnenschacht abseilen, das dann den Stein aus dem Dreck aufsammeln soll. Allein schon bei der Vorstellung, dass das Seil reißen und er im freien Fall in die Tiefe sausen könnte, ist bei Gary der Schweiß ausgebrochen. Noch dazu der modrige Gestank! Und selbst wenn nicht: Keine zehn Pferde würden Gary dazu bringen, diesen Teil des Jobs zu machen. Höhenangst – damit hatte er schon im Knast jede Menge Spaß, weil sie ihn in eine Zelle im obersten Stock gesteckt hatten. Also ist die Wahl auf mich gefallen, als es darum ging, wer den Schatz bergen soll, schließlich war ich derjenige, dem er diesen „Spaß“ zu verdanken hat. Und schon ist sie wieder zusammen, die alte Crew – mit einem Unterschied: Statt Josh, den es damals beim Schusswechsel mit den Bullen erwischt hat und der seitdem nicht mehr laufen kann, ist jetzt sein Kumpel Derek mit von der Partie. Erstens schuldet Josh ihm noch was, und zweitens hat Derek praktischerweise gleich diesen Harry mit an Land gezogen – zum Verticken des Steins. Den wir erst mal haben müssen. Und wehe, das wird wieder nichts!

„Ach nee, wen haben wir denn da?!“ schallt es da durch die Ruine. Garys Stimme trieft nur so vor Hohn und Spott. Und ich dachte schon, wenn es um Sarkasmus geht, kann niemand Connor toppen. Kein gutes Zeichen – denn so, wie der die letzten Tage drauf war, kann ich froh sein, dass er mich besonders gründlich anseilt und nicht einfach so als Freeclimber in die Tiefe scheucht. Ein Auge auf mich haben, hat es genannt, nach dem, was ich mir im Club geleistet habe. Seine Worte – seine Laune. Die wird nicht besser, als wir sehen, womit Gary und Derek um die Ecke kommen. Besser gesagt, mit wem.

„Das ist doch die Kleine aus dem Club!“ entfährt es Connor und lässt entsetzt das Seil los. Ich kann mich gerade noch festhalten, sonst wäre ich in den Schacht gefallen. Auf Nimmerwiedersehen. Was zum?!!!! Rosa Haare, meine Fresse. Die Kleine aus dem Club? Daran würde ich mich ja wohl noch erinnern. War ich an dem Abend wirklich so dicht? Aber hat darauf jemand ernsthaft eine Antwort erwartet?

Und selbst wenn – durch mein Stolpern und verzweifeltes Festkrallen am Brunnenrand sind Derek und Gary für einen Moment abgelenkt, und der reicht, dass die Kleine aus dem Club und ihr Begleiter Derek einen Stoß versetzen und wie die Bekloppten losrennen.

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Die Vorlage zum 8. Kapitel: schwarze Leute treffen plötzlich auf die Gruppe, wollen den Schatz, Gruppe muss fliehen..