ABC-Etüden 2022 – Wochen 46 & 47 – Etüde 4 – Emil

Zur Abschlussrunde der regulären Etüdenrunde  (hier, bei Christiane) vor den Adventüden und der Pause bis zum 8. Januar 2023 wurden folgende Wörter von mir beigesteuert: Rolle, halbherzig und belohnen.

Welche Rollen hatten wir denn noch nicht? Biskuitrollen, mechanische Hilfen oder gar das Ding, mit dem man den Teig ausrollt? Lasst euch überraschen, denn in der Vorweihnachtszeit ruft nicht nur die Weihnachtsbäckerei.

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Emil

„Und heute Abend werde ich meinen ganzen Frust beim Töpfern rauslassen!“

Hatte ich morgens noch laut getönt, wie ich mich an unschuldigem Ton abreagieren würde, so verpuffte nun mein schöner Plan. Man sollte halt auch Ideen mitbringen, meldete sich mein inneres Stimmchen, während ich halbherzig den Ton vor mir auf dem Werktisch betatschte, denn ich war unschlüssig, was daraus werden sollte. Vielleicht eine Teeschale mit Untersetzer und Löffel? Oder Sterne zum Aufhängen? Wie kreativ…

Da war Nicole schon weiter. Mit genauen Vorstellungen hatte sie mich in die offene Werkstatt mitgenommen. Eine riesige Vase sollte es werden, und während sie die Rolle zum Auswalzen des Tons schwang, saß ich nur da und beobachtete.

Auf den Regalen standen Miniaturbüsten, seltsame Gebilde und sogar ein kleines Einhorn einträchtig nebeneinander. Um meine Füße wuselte ein Hund. Emil. Ach, es half ja nichts. Seufzend schnappte ich mir den Sternenausstecher und legte los.

„Brauchst du noch Ton?“

Ohne meine Antwort abzuwarten, schob mir die Keramikmeisterin einen frischen Klumpen vor die Nase. Bizarr geformt, ließ er ein Lebewesen erahnen, und ich begann zu kneten. Hier zusammengedrückt und da gezogen, vorne modelliert und hinten Material weggenommen, um es zu einem Ringelschwänzchen einzurollen… Fertig war die Tierfigur: mein innerer Schweinehund.

„Aber das ist ja der Emil!“

Huch?

Das Entzücken der Keramikmeisterin war unbeschreiblich, und Nicole staunte laut darüber, dass meine Figur einer Mischung aus Fuchs und Corgi glich. Verblüfft betrachte ich mein Werk. Unglaublich, dass ich in der kurzen Zeit tatsächlich etwas zustande gebracht hatte; zwar ohne Farbe, aber in zwei Wochen würden wir alle unsere Objekte fertigmachen.

Doch bevor wir die Werkstatt verließen, belohnte die Meisterin noch uns beide mit einem kleinen Geschenk zum Aussuchen aus ihrem Panoptikum der verlassenen Figuren.

Figuren, die von ihren Schöpfern nicht mehr abgeholt worden waren und die dafür nun wir glasieren durften.

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In 300 Wörtern zum Erfolg? In zwei Wochen sehen wir weiter…

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7 Kommentare zu “ABC-Etüden 2022 – Wochen 46 & 47 – Etüde 4 – Emil

  1. Die Idee, den inneren Schweinehund zu gestalten, finde ich auf jeden Fall sehr kreativ 😉
    Wobei ich bestimmt irgendwas Langeweiliges versucht hätte … 👍
    Nachmittagskaffeegrüße 🌥️🪔☕🍪👍

  2. Pingback: Fazit Textwochen 46.47.22, willkommen Adventüden 2022! | Irgendwas ist immer

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