„Broken Strings“ : Chapter 52– The Blackout

lift up the receiver, I make you a believer ♪

Eine Runde Depeche Mode für alle, bitte! Der DJ war ganz in seinem Element.

Aber zum Tanzen war ich nicht aufgelegt, denn ich war auf der Suche nach Mike, und mir blieb nicht mehr viel Zeit, um ihn zu finden. In wenigen Minuten würde es mit der angekündigten Premiere unter dem Motto „All the Stars“ losgehen, und die wollte ich nicht verpassen. Verdammt, wo steckte er bloß? Ratlos ließ ich meine Blicke über die kostümierte Menge schweifen. Zum Glück stand ich leicht erhöht und hatte so den idealen Überblick.

Da! Auf der anderen Seite stand er, in der hintersten Ecke, und unterhielt sich mit John. Ich seufzte – mich quer durch die Menge zu schieben, Mike einzusammeln und ihn nach draußen zu lotsen, würde ewig dauern. Wink ihn doch her zu Dir, Du kannst ihm ja trotzdem schon mal entgegen gehen – wenn wir uns auf halbem Weg trafen, würden wir den Beginn der Show noch rechtzeitig mitbekommen. Es waren ja nur ein paar Meter.

Nur ein paar Meter. War mir vorher kaum ein bekanntes Gesicht über den Weg gelaufen, gaben sie sich jetzt bildlich die Klinke in die Hand. John und Mike hatten Gesellschaft bekommen. Von Lee. Wenn es mir nicht gelang, ihn jetzt von ihr loszueisen, würde mein schöner Plan ins Wasser fallen. Doch nur wenige Schritte, und die nächste Hürde tauchte auf.

Bierchen gefällig?“ sprach mich jemand von der Seite an und schwenkte eine geöffnete Flasche.

Ryan. Dass er mich ausgerechnet jetzt auf einen Drink einladen wollte, kam mir äußerst ungelegen und war auch nicht besonders clever obendrein. Aber ihn abzuwimmeln, war zwecklos. Doch vielleicht musste ich das gar nicht, und er war genau der Richtige, um Lee abzulenken. Der Moment war günstig. Jetzt hatte sie John im Visier. Mike hatte die Flasche zurückgestellt und griff nach der nächsten.

„Hey“, sagte ich beiläufig, „da bist Du ja. Lust auf ’ne kleine Showeinlage?“

Showeinlage? Mike runzelte die Stirn. So wie er mich ansah, hatte er keine Ahnung, wovon ich sprach.

„Na, die Lightshow von Bradley und Kevin. Der DJ regelt schon die Lautstärke runter.“ Das Zeichen, dass es gleich soweit war. Das Zeichen zum Aufbruch.

All veils and misty. Streets of blue … ♪

Das Intro – da war es. „All the Stars“ nahm seinen Lauf. Und wir standen noch immer hier herum. Planänderung!

„Warum gehen wir nicht raus und schauen uns alle zusammen das Spektakel an? Je mehr, desto besser.“

Bradley würde enttäuscht sein, wenn sich keiner von uns blicken ließ, vor allem wenn ich fehlte. Schließlich hatte ich es ihm versprochen.

Ja, lasst uns gehen“, pflichtete mir Ryan bei. „Das wird bestimmt interessant.“

Gut erkannt, Watson. Vor allem wegen der Musikauswahl, die für das Programm Pate gestanden hatte.

some silken moment goes on forever. And we’re leaving bro- ♪

Genau an dieser Stelle sollten in dem Songtext eigentlich haufenweise gebrochene Herzen zurückgelassen werden. Statt dessen waren wir plötzlich alle von Dunkelheit umgeben. Von wegen „Streets of Blue“: Der Schlachthof war auf einen Schlag zur Gruft mutiert. Mit lebendig begrabenen Zombies. Oder Mumien. Oder Morticias. Stromausfall! Yay, genau das, was uns noch zu unserem Glück gefehlt hatte.

Für Bradley und Kevin sah ich schwarz. Im wahrsten Sinne. Willkommen in der schwarzen Zone, wir schießen Sie ins All. Aber ohne Sterne.

Nicht schon wieder die Sicherung!“ stöhnte Lee, der Verzweiflung nahe.

Okay, die Störung war also nur vorübergehend – aber was hieß ’schon wieder‘? Hier fehlte eindeutig eine Fachkraft, die sich darum kümmerte. Jemand der Ahnung von der Materie hatte. Jemand wie ich. Ach ja? Jemand, der sich in dem Laden hier auskannte. Ich dann doch wohl eher nicht. Leider hatte ich umsonst gehofft, dass der Kelch an mir vorbeigehen würde, denn im selben Moment verkündete Ryan auch schon die frohe Botschaft.

„Na, da haben wir doch genau die Richtige für diesen Job!“

Ja, klar! Für das Reindrehen rausgeflogener Sicherungen aus der Steinzeit war ich doch geradezu prädestiniert, in welcher modrigen Höhle sie sich auch immer verbargen.

In meinen Augen war das trendige Ambiente der Location mit Retro-Feeling nur eine weitere Fassade, hinter der sich in Wahrheit vorsintflutliche Technik verbarg. Die Kirsche auf der Sahnehaube eines suboptimal verlaufenen Tages. Aber im Vergleich, was Mike gerade mitmachte, eine eher lächerliche Kleinigkeit. Warum stellte ich mich eigentlich so an?

Wer hier gebraucht wurde, war der Hausmeister. Der kannte zum einen den genauen Lageplan des Gebäudes und wusste daher, wo sich die zentrale Stromversorgung befand. Und zum andern besaß er das passende Werkzeug. Aber genau der war nirgends aufzutreiben.

Na schön“, erwiderte Lee, die wohl oder übel in den sauren Apfel biss, weil sie sich den elektrischen Notdienst sicher auch anders vorgestellt hatte. „schnapp Dir das Werkzeug und komm mit. Am besten mit Verstärkung.“

Gute Idee, vorausgesetzt mir assistierte die richtige Person; und dass der Falsche an dieser Stelle „Hier!“ schrie, konnte ich nur verhindern, indem ich John einen Satz Taschenlampen in die Hand drückte und ihn zu meinem Deputy erklärte. Als Keyboarder hatte er von den Umstehenden noch am ehesten Ahnung von der Materie.

Zwei Fliegen mit einer Klappe. Schade nur, dass ich Ryans dummes Gesicht nicht sehen konnte, der mir nur zu gern zur Hand gegangen wäre, in welcher Form auch immer; eine Hilfe, auf die ich dankend verzichtete. Denn nach diesem Tag war ich zu dieser Art von Spielchen nicht aufgelegt. Ich konnte ja nicht ahnen, welche Überraschungen mich noch erwarten würden.

Überraschung! Mit der modrigen Höhle hatte ich falsch gelegen, aber die Sicherungen waren tatsächlich von der Sorte, wie man sie noch in den Sechziger Jahren verwendet hatte. Alles Vintage, oder was? Mich wunderte, dass der Betreiber dieses angesagten Veranstaltungsortes dafür überhaupt noch eine Genehmigung erhalten hatte.

Na, dann viel Spaß beim Suchen.

Da stand ich nun und staunte über die schiere Größe des Sicherungskastens, dicht bestückt mit antiquierten Sicherungen aus Porzellan. Das Corpus Delicti zu finden, würde eine Weile dauern. Aber wenigstens war es nicht ganz so finster, wie ich befürchtet hatte. Reste von Neonlicht fielen durch die schmutzigen Fensterluken.

Wie gut, dass ich John mitgenommen hatte. Er leuchtete nicht nur genau die richtigen Bereiche aus, sondern verzichtete auf überflüssiges Geschwafel. Zu erleben, wie Mike seit diesem Nachmittag auf Distanz ging und kaum ein Wort mit mir sprach, machte den Abend für mich nicht angenehmer, aber in Momenten wie diesem war Schweigen doch Gold wert.

Umso verblüffter war ich, als ich inmitten der Stille plötzlich Johns Stimme hörte.

… er hat mich angerufen…“

Wie bitte? Hatte ich vor lauter Konzentration auf die vorsintflutliche Elektrik irgend etwas nicht mitbekommen? Irgendwie fehlte mir gerade der Anfang; ich hatte keine Ahnung, worauf er hinaus wollte.

… ich kenne Mike jetzt schon eine ganze Weile, aber so habe ich ihn noch nie erlebt!“

Okay, nun wird ein Schuh draus, dämmerte es mir. So wie es aussah, hatten die beiden miteinander gesprochen; seine stundenlange Fahrt mit dem Motorrad war also nicht alleine die Ursache dafür gewesen, dass er sich weitestgehend gefangen hatte, als er wieder aufgetaucht war, um mich abzuholen.

Allerdings hatte er seinem Freund wohl doch nicht alles erzählt. Also war nicht nur mir gegenüber so einsilbig. Von dem Streit am Nachmittag hatte John offenbar keine Ahnung, und ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Einerseits hätte ich ihm nur zu gerne das fehlende Puzzleteil geliefert, aber andererseits… würde ich nicht genau damit Mike in den Rücken fallen? Eine solche Indiskretion würde er mir so schnell nicht verzeihen.

Andrea, bitte… Du weißt doch etwas. Irgendwas ist doch heute vorgefallen…“

Stress mit der Familie, war meine Standardantwort in solchen Fällen, aber würde John sich damit zufrieden geben? So wie er klang, machte er sich Sorgen um Mike. Was für ein Durcheinander. Vor allem verstand ich eines nicht: Was um Himmels Willen war in Mikes Mutter gefahren, dass sie sich darauf eingelassen hatte, sich nach der langen Zeit wieder mit ihrem Ex-Mann zu treffen und einen neuen Versuch mit ihm zu starten.

Menschen können sich ändern, weißt Du… Zweite Chance schön und gut, aber irgendwie konnte ich nicht so recht glauben, dass sich Mikes Vater geändert haben sollte.

Du hast keine Ahnung, wie er damals war! Ich war skeptisch. Ihm zu verzeihen, wäre mir an ihrer Stelle im Traum nicht eingefallen. Was für ein Chaos!

Dagegen war meine eigene Familie ein Hort des Friedens und der Harmonie. Auch wenn wir nicht immer einer Meinung waren, war ich doch froh, dass ich Dramen dieser Art bisher noch nicht erlebt hatte; zwar hatte meine Mutter ein paar Jahre nach dem Tod meines Vaters jemand neues kennengelernt, aber wenigstens hatte ich den Namen meines Vaters auch nach der Hochzeit der beiden weiterhin behalten dürfen. Meine Mutter hätte so einen Egoisten wie Mikes Vater nicht mal mit dem Allerwertesten angeguckt.

Zwischen Euch ist doch alles in Ordnung?!“

Bitte was? War das so offensichtlich? Nahm er tatsächlich an, dass Mike und ich uns zerstritten hatten?

Klar, so abweisend, wie er heute Abend drauf ist, dachte ich, aber um zu streiten, müsstest Du erst mal mit mir reden, Mr. Mitchell. Ich sehe schon: Mir wird nichts anderes übrig bleiben, als den ersten Schritt zu tun. Mal wieder.

Mal wieder? Irgend etwas lief zwischen uns beiden gerade gründlich schief. Je eher wir das Thema klärten, desto besser, doch bis dahin durfte John unter keinen Umständen glauben, dass Mike und ich kurz vor dem Aus standen. Also doch die Standardantwort, die ich mir auf Fragen dieser Art zurechtgelegt hatte. Die Erleichterung, dass Mike und ich nicht dabei waren, uns zu trennen, konnte ich seiner Stimme deutlich anhören.

Gott sei Dank. Wenn er das mit Euch beiden vermasselt, ziehe ich ihm höchstpersönlich die Ohren lang. Jetzt, wo er zur Abwechslung mal endlich jemand vernünftiges gefunden hat…“

Ich und ‚jemand vernünftiges’… ich wusste nicht, ob ich mich geschmeichelt fühlen sollte: in Johns Augen war ich die ideale Partnerin für Mike, weil ich mich nicht nur mit seinen Kollegen super verstand, sondern obendrein auch nicht zum Klammern oder gar zu Eifersuchtsanfällen neigte.

Gut, dass er in dem dürftigen Licht nicht sehen konnte, wie peinlich mir diese Lobeshymne war. Fehlte jetzt nur noch, dass er schon die Hochzeitsglocken läuten hörte und sich als Trauzeuge anbot. Oder, noch schlimmer, dass er mir eine Liebeserklärung machte, so wie der beste Kumpel des frischgebackenen Ehemannes in „Tatsächlich… Liebe“.

Love triangles are for losers, great authors use love hexagons… Love hexagons – echt jetzt?

Was für einen Bullshit reimte sich da mein Hirn bloß gerade zusammen? Manche Kommentare aus dem Internet waren echt daneben.

and we’re leaving broken hearts behind ♪

Heureka! Und es ward Licht: All the stars that shine upon you? Hey, wer sagt’s denn? Ich brauche keine Betriebsanleitung, ich drücke so lange Knöpfe, bis es klappt. Und wenn es noch so lange dauert.

Ja, und wenn man sich nur lange genug durch den Sicherungskasten hindurch arbeitet, kann der Strom wieder fließen und die Show weitergehen. Zu blöd, dass ich den Anfang von „All the stars“ verpassen würde, denn so sportlich, dass ich den Rückweg in weniger als zehn Sekunden geschafft hätte, war ich bei weitem nicht. Ich war zwar eine begeisterte Schwimmerin, aber mit Sprints und Kurzstreckenläufen hatte ich es eher nicht so.

Geh schon mal vor, ich komme gleich nach“, wandte ich mich an John und räumte das Werkzeug zusammen. Für Strom hatte ich gesorgt, den Rest würde ich auch alleine schaffen. Wenigstens hatte ich das gedacht. Den Rest schaffst Du auch alleine? Ach ja?

Hatte ich wirklich geglaubt, dass man mir begeistert applaudieren würde? Von Lee, die mich hinter die Kulissen geschickt hatte, war weit und breit nichts zu sehen. Und der Rest? Kannte mich nicht. John war dabei, sich unters Volk zu mischen, Mike war verschwunden, und wo der Rest der Band steckte, konnte ich nur vermuten, nämlich auf dem Hof, um endlich die Lightshow zu sehen, die Bradley uns versprochen hatte.

Die hatte nämlich bereits angefangen, wie ich an dem Refrain erkennen konnte, der mir entgegen schallte.

mystify me ♪

Doch kaum hatte ich die Tür nach draußen erreicht, nahm das Drama seinen Lauf. „Oh no, not again!“ entfuhr es mir, als Licht und Sound von jetzt auf gleich erneut abbrachen.

Lee würde mich zur Schnecke machen. Von Kevin und Bradley, die auf mich zählten, ganz zu schweigen. Scheiß vorsintflutliche Technik, fluchte ich innerlich und knirschte mit den Zähnen. Also das ganze nochmal: Umdrehen, hinabsteigen in die Kellergruft und hoffen, dass die reingedrehte Sicherung diesmal länger hielt als von hier bis Läuten. Den Weg kannte ich ja nun.

Wie gut, dass ich die Taschenlampe an mich genommen hatte. Den Übeltäter hatte ich schnell gefunden. Dieselbe Sicherung wie vorhin. Wenn das in einer Tour so weiter ging, konnte ich gleich ganz hier unten bleiben. Aber so ohne Jacke würde das eine unterkühlte Angelegenheit werden.

Hoffentlich war das der letzte Ausfall heute Abend, betete ich und wartete sicherheitshalber noch ein paar Minuten. Noch so einer, und die Party wird der Reinfall des Jahres.

Aber die Musik lief – wenigstens ein Erfolg! Aber wie war das nochmal: Den Rest schaffst Du auch alleine? Ich wusste, es war ein Fehler, den Tag vor dem Abend zu loben. Denn nachdem ich an diesem Abend zum zweiten Mal dafür gesorgt hatte, dass die Party weitergehen konnte, kamen mir auf dem Weg zur Garderobe Danny und Ryan entgegen.

Du willst doch nicht etwa auch schon gehen?“ rief Ryan mir zu.

Toller Joke! Er wusste doch ganz genau, dass ich hier nicht weg konnte. Und was sollte ‚etwa auch schon‘ heißen? Ein Blick in Dannys Gesicht lieferte mir die Antwort. Ich wollte ihn fragen, was denn um Himmels Willen los war, aber Danny kam mir zuvor.

Mir reicht’s! Ich hau ab. Ich wünsch‘ Euch noch viel Spaß auf der Party!“

Nach Spaß klang das nicht. Eher nach gewaltigem Ärger, und zwar auf der ganzen Linie. Verwundert blickte ich ihm nach.

A propos Party“, holte mich Ryans Stimme zurück. „Wie sieht’s aus, Sweetheart? Wollten wir uns nicht zusammen die Show ansehen?“

Die Show ansehen: Da sagte er was. Liebend gerne, aber nicht so: Was er mit „wir“ meinte, konnte ich mir lebhaft vorstellen.

Keine Angst, Honey“, flötete ich zurück, „so schnell verschwinde ich nicht von hier. Ich hab hier schließlich noch einen Job zu erledigen.“ Den ich ihm zu verdanken hatte.

Aber das musste ich ihm ja nicht nochmal extra unter die Nase reiben. „Wenn Du mich begleiten willst – tu Dir keinen Zwang an. Aber ich hab mit unseren beiden Künstlern ganz dringend was zu besprechen. Und das wird nicht lustig…“

‚Krisensitzung‘ hätte Brian eine solche Besprechung genannt. Kevin und Bradley warteten sicher noch immer auf eine Erklärung, warum ihre Show zum Fiasko zu geraten drohte und auf eine Einschätzung meinerseits, ob sie mit einer weiteren Störung dieser Art zu rechnen hatten.

„… aber wenn Du mir einen Gefallen tun willst, dann sag schon mal meinem Deputy Bescheid, dass er sich bereit halten soll, während ich meine Jacke hole.“ Vielleicht half mir ja das, ihn auf elegante Weise loszuwerden.

Ach, Dir ist kalt? Dagegen hätte ich was.“

Spaßvogel! 

„Netter Versuch, aber schlechte Idee.“ Erwarte aber nicht, dass ich Dir die Gründe dafür auseinander klamüsere.

Netter Versuch… Aha. Aber Du weißt ja, wie man so schön sagt… Never say never…“

Zu meinem Glück erschien plötzlich Madlyn, auf der Suche nach ihrem Freund, und weil sie diesen zuletzt mit Ryan gesehen hatte, wähnte sie sich bei ihm an der richtigen Adresse. Ihre Hartnäckigkeit verschaffte mir die Gelegenheit, zu verschwinden und meinen Plan in die Tat umzusetzen. Ryan würde nun leider doch nicht so bald John ausrichten können, dass ich seine Hilfe eventuell noch einmal brauchen würde, aber das bekam ich zur Not auch selbst hin.

Eingehüllt in Jacke und Schal, beratschlagte ich mich mit Bradley und Kevin, von deren Lichtshow ich nun doch noch den letzten Teil erleben würde, wenn alles gutging. Dennoch konnte man nie wissen…

all those stars that shine upon y… ♪

Darkness falls! So ein Mist! Lange würden die Partygäste das nicht mehr mitmachen. Der GAU war eingetreten. Ich hatte es befürchtet: Bradleys und Kevins Show war zuviel für die auf so eine Belastung nicht ausgelegte Elektrik, und so leid es mir für die beiden auch tat – sie gewöhnten sich am besten schon mal an den Gedanken, ihr Equipment jetzt schon abzubauen. Den DJ zu vergraulen und auf diese Weise die Party abzubrechen, bevor sie überhaupt begonnen hatte, käme das Label teurer zu stehen als das vorzeitig beendete Abschiedsgeschenk der beiden Crewmitglieder.

The show must go on? Noch nie hatte sich ein Spruch für mich so zynisch angefühlt.

Testballon… „überrascht“ vom neuen Editor

Schwierigkeiten mit dem neuen Editor…

Ich dachte nicht, dass es mich auch mal erwischen würde – und es mag ja sein, dass er auf die Bedürfnisse von Bloggern zugeschnitten ist, die alles mögliche in ihre Texte einbinden oder mit dem Smartphone bloggen möchten – oder vielleicht auch für kommerzielle Zwecke besser geeignet ist, aber womit ich mich gar nicht anfreunden kann, ist das Einteilen eines vormals leeren und einheitlichen Textfeldes in Blöcke bei jedem neuen Absatz.

Ebenso, dass meine Beiträge jetzt in einem serifenlosen Schrifttyp erscheinen, der mir nicht gefällt und auch noch nie gefallen hat. Ich wäre happy, wenn meine Beiträge wieder in meinen gewohnten Cambria 13 erscheinen würden. Aber vielleicht muss ich erst noch kräftig üben, aber im Moment finde ich ihn noch sehr unhandlich und umständlich zu nutzen.

Und wie füge ich ein Bild aus meiner Mediathek ein? Wenn jemand dazu und wie ich eine für mich angenehmere Schriftart finde, wäre ich glücklich.

Dienstags-Gedudel #30 : Der Erklärbär – Teil 11

 

 

Wenn Songs als Kapitelüberschriten herhalten müssen und wenn dabei dann der Dienstag der neue Sonntag ist… oder anders herum: Falls ich jemals eine Liste der Songs erstellen sollte, die sich mit einem Wochentag befassen, dann darf der hier auf keinen Fall fehlen… mit Bilder,n, die verstörend wirken könnten:

 

 

U2 (https://www.youtube.com/watch?v=1glfzAoHYiI) mit „Sunday bloody Sunday“, für mich einer der besten Songs der 80er Jahre.  Leider hat man ihn schon richtiggehend totgedudelt. Lassen wir ihn im Rahmen des Dienstags-Gedudels, einer Mitmachaktion von nellindreams, wieder auferstehen.

Monday Monday, Goodbye Ruby Tuesday, Friday I’m in love, Sunday morning coming down… fehlen nur noch Mittwoch, Donnerstag und Samstag in dieser Aufzählung.

Dienstags-Gedudel #23 : Wake up alone

 

Kurzes knackiges Statement – ein Song für alle Singles, die dank Corona immer noch das Haus hüten dürfen und niemanden kennenlernen können – und wie ich jeden Morgen noch immer alleine aufwachen (https://www.youtube.com/watch?v=h1JQ4iQX3To) – wie denn auch …

 

 

Ich hätte ja neulich die Chance gehabt, aber er war nicht mein Typ. Gedudel ist in diesem Zusammenhang nicht abfällig gemeint, sondern eine mir höchst willkommene Aktion von nellindreams.

30-Days Film Challenge – Day 21 : a film that you dozed off in

 

 

Schon wieder Jack Nicholson. Dabei fand ich „Einer flog über das Kuckucksnest“ phänomenal, und auch andere Filme kann ich mir mit diesem Schauspieler gerne ein zweites Mal ansehen…

 

Day 21 : a film that you dozed off in

 

und dann erwischt es mich ausgerechnet in der langen Jack-Nicholson-Filmnacht – gleich beim ersten Film, den sie dort zeigten, musste ich wegdusseln:

 

 

Wenn der Postmann zweimal klingelt (https://i.pinimg.com/474x/1d/6c/38/1d6c38d9b41f720c78e12834d78beff8.jpg). Warum mir das nicht bei „Shining“ passiert ist, verstehe ich bis heute nicht. Vermutlich lag’s an „Die Hexen von Eastwick“, dem Film dazwischen.

Ein anderer Kandidat, bei dem ich einschlief, war „Enthüllung“ mit Demi Moore und Michael Douglas, und das ist noch absonderlicher. Denn den finde ich wirklich spannend. Zuletzt ist mir das bei „La Gomera“ passiert, und da lag’s wirklich nur an der Uhrzeit.

30-Days Film Challenge – Day 15 : a film that makes you feel happy

 

 

Let’s get happy. Strong Scottish accent ahead. Bevor es morgen wieder melancholisch wird. Hier möchte ich einen Film anpreisen, den hierzulande wahrscheinlich niemand kennt.

 

Day 15 : a film that makes you feel happy

 

Weil in diesem Fall ein Filmplakat nicht sehr aussagekräftig ist – schon allein wegen des völlig unsinnigen Titels „Make my heart fly“ bei der deutschen Fassung – gibt es diesmal als Häppchen einen Filmausschnitt. Ich liebe dieses Musical – auch wenn der Anfang etwas anderes vermuten lässt, hat es mir zu guter Laune verholfen, als ich es im November 2016 in Edinburgh gesehen habe. Und zwar in einem plüschigen Kino mit Relaxsesseln.

 

 

Sunshine on Leith (https://www.youtube.com/watch?v=NRc5mtwjwvU&t=0s), unter der Regie von Dexter Fletcher, besteht ausschließlich aus Songs der schottischen Folk-Rock-Band „The Proclaimers“ und wird daher auch ganz gerne als Juke Box Musical bezeichnet. Die Proclaimers hatten 1993 ihren bekanntesten Hit mit „I’m gonna be (500 Miles)“; und die beiden Herren haben einen kurzen Cameo-Auftritt zu Beginn des Films. Der Clip würde auch gut zum Dienstagsgedudel passen.

Die Freundin, die mich zu dem Film eingeladen hat, informierte mich damals, dass eine ihrer Schülerinnen in der Massentanzszene am Schluss zu sehen sein soll. Darauf war sie sehr stolz. Für mich war dieser Film, der in der deutschen Version übrigens völlig unsinnigerweise „Make my heart fly“ heißt, die Überraschung des Jahres. Da bekomme ich sofort Lust, nach Edinburgh zu fliegen, denn an all den im Film gezeigten Plätzen war ich schon viele Male. Und auch in Leith.

„Broken Strings“ : Chapter 23 – The man with the plan

Er wird von allen unterschätzt. Diese Beschreibung traf den Nagel auf den Kopf. Er hat sich sogar selbst ein Theremin gebaut und spielt das Ding richtig gut.

Das war für mich eine wahre Überraschung, und vermutlich war ich nicht die einzige, der es so ging. Während es andere weitaus besser als John verstanden, sich in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu rücken, hatte man ihn durch seine ruhige und zurückhaltende Art eher seltener auf dem Radar. Klar, wenn jemand eher der stille und unauffällige Typ ist, bekommt man ja auch nicht so mit, wenn derjenige sich plötzlich verändert. Oder ist euch alles egal? Ob Freunde oder Kollegen, ihr solltet wirklich…

♪♫ ♪♫ ♪♫ This is how you remind me ♫ ♪♫ ♪♫ ♪ – unterbrach Brians dudelndes Handy meine Gedanken. „Was gibt’s, Bruderherz?“

Nach einer kurzen Pause und einem knappen „Okay, alles klar“, klappte er das Telefon wieder zu und sammelte unsere Kaffeebecher ein.

„Let’s go, Andie. Das war Mark. Er checkt gerade aus und war so freundlich, das für mich zu übernehmen.“

Wie schön, dass wir das so frühzeitig erfahren und ich ja auch schon alles gepackt habe! Sarkasmus off.

„In einer halben Stunde geht’s weiter.“ Weiter … wohin? Anscheinend war ich ja wieder mal die letzte, die erfuhr, wo die Reise hinging, aber wenigstens hatte er mir noch so viel Zeit gegeben, dass ich meinen Kram in den Rucksack stopfen und mich vergewissern konnte, dass ich auch nichts vergaß, was bei meinem überschaubaren Gepäck eher unwahrscheinlich war. Aber ich war nicht nur die letzte, die packen durfte – ich gehörte auch mit zu den letzten, die das Hotel verließen.

Sowohl der Truck als auch der Bus waren bereits fort: Meine Kollegen und die Roadies hatten sich schon auf den Weg gemacht. Und mich zurückgelassen. Deswegen war heute morgen keiner zu sehen gewesen, und ich Schaf hatte gedacht, sie machten sich heute einen faulen Tag. Von wegen.

Brian, der Sparfuchs, hatte nämlich einen durchdachten Plan ausgetüftelt, den er mir erklärte, als er mich und mein Gepäck vor dem Hotel einsammelte: Heute und die nächsten beiden Tage würden wir bei einem seiner Freunde von früher in der Nähe der nächsten Location übernachten, bevor OxyGen am 8. September wieder auf der Bühne stehen würden.

Dass wir heute erst mitten in der Nacht bei seinem Kumpel eintreffen würden, war halb so wild; Jake, der jede Menge Platz und eine Werkstatt hatte, sah das ganz entspannt. Wie praktisch, dass wir dort nicht nur übernachten, sondern auch gleich sämtliche Fahrzeuge durchchecken lassen konnten, denn unterwegs mit einer Panne oder einem Totalschaden liegenzubleiben, wollte er lieber nicht riskieren. Dabei machte ihm besonders der Impala Sorgen.

Vive la France! Hätte ich meine Reparaturkünste doch lieber an dem Verstärker ausprobiert, an den sich von uns immer noch niemand herangewagt hat. Wenn ein Profi sieht, dass ich an dem Oldtimer herumgeschraubt habe, werde ich mir einiges anhören dürfen und Mark wird wenig begeistert sein. Aber wenn man vom Teufel spricht…

Von Marks Auto waren nur noch die Rücklichter zu sehen, was bedeutete, dass…

Oh no – nicht in dem frisch von mir entmüllten Ford, und dann auch noch stundenlang zusammengepfercht zu dritt auf der Rückbank sitzen. Das passte mir gar nicht.

In Daves Fahrzeug war eindeutig mehr Platz als in Brians Ford – und dann auch noch mit den beiden Streithähnen von gestern Abend. Ob das so clever war? Jetzt, wo mein Kater fast abgeklungen war, fühlte ich mich so langsam wieder wie ein Mensch. Vielleicht würde die Fahrt ja doch halbwegs erträglich werden, und so lange ich nicht wieder den Platz in der Mitte zugewiesen bekam oder mir Ryan auf der Pelle hocken würde… Wo war der eigentlich?

So weit ich erkennen konnte, hatte es sich bis jetzt nur John auf dem Beifahrersitz gemütlich gemacht – sonst saß niemand im Ford. Und auf dem Parkplatz war nur Mike zu sehen, der sich, ganz in der von ihm bevorzugten Farbe Schwarz und einer Sonnenbrille auf der Nase, lässig an den Wagen lehnte.

Hey Süße, da bist Du ja“, rief er, als er Brian und mich näherkommen sah. „Und wir dachten schon, Du würdest heute gar nicht mehr aufstehen.“

Nanu, was war denn das für eine Begrüßung? Gefehlt habe ich Dir wohl gar nicht – wenn ich daran denke, wie Dich Leslie das letzte Mal an der Zimmertür abgewimmelt hat, und jetzt das? – was man halt so denkt, wenn man noch nicht wieder ganz hergestellt ist; eigentlich hätte ich es besser wissen müssen, denn kaum hatte er sich von dem Wagen gelöst, fand ich mich auch schon in seinen Armen wieder.

Habe ich Dir gefehlt? – diese Frage konnte ich mir sparen, so wie er mich küsste. Am hellichten Tag und vor aller Augen; jetzt müsste selbst der Dümmste begriffen haben, wie der Hase lief. Maybe a little too much? All I need is the air that I breathe, and to love you… aber vor allem: The Air!

Halt. Stop. Nicht so stürmisch, Sweeheart“, entwand ich mich ihm, „lass mir noch etwas Luft zum Atmen.“ Und vor allem, lass Dich mal anschauen, ergänzte ich in Gedanken.

No way, Dazu hab ich Dich zu sehr vermisst“.

Etwas mehr als zwölf Stunden, um exakt zu sein. Wow! War das Desaster des vergangenen Abends schon wieder so lange her. Wie man doch das Zeitgefühl verlieren kann, wenn man zu tief ins Glas geschaut hat… komisch nur, dass er von seinem Disput mit Ryan keine zusätzlichen Spuren zurückbehalten hatte. Jedenfalls nicht, so lange er diese verspiegelte Brille trug.

Wie ich diese Dinger hasste. Sie ließen keinen Blick in die Augen des anderen zu, und wenn sich jemand dahinter verschanzte, auch wenn gar keine Sonne strahlte, dann konnte das nur eins bedeuten, nämlich dass…

Na dann“, meldete sich Brian und schwang sich hinters Lenkrad, „wären wir ja jetzt vollzählig.“

Vollzählig? Fehlte da nicht einer? Ich zählte nur vier Personen: Brian, John, Mike und… mich. Irgendwo musste ein Fehler in der Rechnung stecken, ich kam nur nicht drauf, wo.

Alles okay?“ fragte mich Mike, als er die Tür hinter dem Fahrersitz für mich öffnete und darauf wartete, dass ich hinter Brian Platz nahm.

Dem war mein Zögern ebenfalls aufgefallen, und so machte er sich nun seinerseits wieder bemerkbar: „Nun kommt schon, Leute, gebt Gas. Wir haben nicht den ganzen Tag Zeit.“

Da scharrte aber jemand gewaltig mit den Hufen. „Ach, falls Du unseren Drummer suchst..“

Suchen? Ich? Seh ich so aus?

„… auf den brauchen wir nicht zu warten. Den habe ich umgeparkt.“

Umgeparkt? Doch nicht zu Mark und Danny in den Impala? Madlyn und Sue sind bestimmt außer sich vor Freude.

Was auch immer ihn zu diesem Arrangement bewogen hatte, würde ich bestimmt irgendwann erfahren. Fürs erste bewirkte seine Ansage jedenfalls, dass wir endlich in die Gänge kamen und Brian losfahren konnte, hinaus aus der Stadt und in Richtung Vancouver.

Dass das mit dem umgeparkten Drummer keine schlechte Idee gewesen war, stellte ich dann auch sehr bald fest, was nicht nur daran lag, dass Mike und ich die Rückbank für uns alleine hatten, während John als Beifahrer mit nach hinten gekippter Lehne einen Kaffee trank. So entspannt und friedlich die Stimmung war, würde die lange Fahrt um einiges angenehmer werden, als ich befürchtet hatte.

Außerdem kam mir es mir gar nicht so ungelegen, dass wir insgesamt mehr Platz hatten, auch wenn mein Herzblatt trotz Brians Aufforderung, sich anzuschnallen, sich der Länge nach auf der Bank ausstreckte und seinen Kopf so auf meinem Schoß positionierte, dass er mir aus der Froschperspektive in die Augen schauen konnte. Der Gipfel der Romantik?

Äh, so war das aber nicht geplant, Mr. Mitchell, dass Sie mich die gesamte Strecke über anhimmeln. Okay, so können Sie mir zwar keine schlüpfrigen Nachrichten aufs Handy zu schicken. But this is …

Natürlich freute ich mich, ihn wieder zu haben, und er hatte er mir ja auch deutlich genug zu verstehen gegeben, wie sehr er mich vermisst hatte. Schon allein, weil ich mich jetzt, wo er die Brille abgenommen hatte, davon überzeugen konnte, dass er sich kein zweites Veilchen eingehandelt hatte. Wenigstens dieser Kelch war an ihm vorbeigegangen, gut zu wissen, aber so froh ich darüber war – so viel Anhänglichkeit wurde aber selbst mir dann doch etwas zu viel.

Hey, Baby. So sehr ich mich auch freue, Dich zu sehen, langsam wirst Du mir echt zu schwer.“

Höflicher ging es wirklich nicht, aber ich wusste, er würde es mir nicht übelnehmen. Mit dieser Einschätzung lag ich richtig. Mit einem Seufzer im Stil von „Wenn’s denn sein muss“, erhob er sich umständlich, nahm aber trotzdem den ihm zugedachten Platz ein und ließ die Finger bei sich. Die wurden ja schließlich noch gebraucht, um sich anzuschnallen. Fein. Jetzt, wo wir das geklärt hatten, konnte ich mich auf andere Dinge konzentrieren. In unmittelbarer Nähe von Mike ging das so schlecht.

Andere Dinge? Die Landschaft, durch die wir fahren? Monotonie in Grün, ein Baum reiht sich an den anderen, nach einer Weile wird’s langweilig… Die Musikmagazine im Fußraum, die ich nicht entsorgt habe. Dazwischen eine Tattoozeitschrift. Hey, wäre das nicht noch ein passendes Souvenir zum Abschluss? Kreuz, Herz und Anker – ein Seemannsgrab… Oder doch lieber ein Schmetterling… Besser nicht. John und sein Kaffeebecher? Kaffee… Hm. Ja. Jetzt einen Kaffee – das wär’s.

Here comes the sun!“

The sun – so hatte noch niemand den Becher genannt, der mir vom Beifahrersitz nach hinten durchgereicht wurde. „Auch einen, Mike?“

Sein Best Buddy konnte anscheinend wirklich Gedanken lesen. So langsam wurde er mir unheimlich. Stille Wasser sollte man niemals unterschätzen: Er hat sich sogar selbst ein Theremin gebaut und spielt das Ding richtig gut… Was konnte er denn alles noch? Vielleicht einen Verstärker reparieren? Dave würde begeistert sein.

„Ach, übrigens – schicker Pulli. Steht Dir gut, das Teil.“

Ha ha. Dass es Deiner ist, habe ich inzwischen auch kapiert.

Nun wusste ich, dass es eines gab, was er nicht konnte: witzig sein. Das nämlich hatten schon ganz andere versucht und waren grandios gescheitert, meistens an Mike, der so viel „Esprit“ entsprechend quittierte. Aber jetzt… Nix. Niente. Nitschewo. Seine einzige Reaktion: eine hochgezogene Augenbraue, eher amüsiert als irritiert oder skeptisch. Das machte er auch nicht bei jedem. Entweder lag es an seinem Best Buddy oder daran, dass er heute besonders entspannt war.

Ja, wirklich, Süße. Du solltest öfters Oversized tragen“, warf er mit einem süffisanten Grinsen ein. „Cover as much as you can… denn Du weisst ja: Vorfreude ist die schönste Freude.“ Wiggle an eyebrow… Zwinker, zwinker, peng! Ab heute ist mein Aszendent nicht mehr Jungfrau, sondern Hummer!

Oops – während ich gerade noch die Contenance bewahrte und es schaffte, mich nicht an meinem Kaffee zu verschlucken, hatte John nicht ganz so viel Glück. Den Kaffee, von dem er gerade einen kräftigen Schluck genommen hatte, prustete er in hohem Bogen gegen die Scheibe, sehr zum Unmut von Brian, der von dieser Dusche ebenfalls einen Schwall abbekommen hatte. Und vorbei war es mit der Harmonie.

Bosheit, Dein Name ist Mitchell. Besser, Du stehst Deinem Freund bei, denn der hustet sich gleich die Seele aus dem Leib. Währenddessen suchte ich nach einem Lappen, mit dem man den See beseitigen konnte. Oh ja, diese Fahrt, die so harmonisch begonnen hatte, würde bestimmt nicht langweilig werden. Aber selbst die abwechslungsreichste Fahrt führt irgendwann dazu, dass die Müdigkeit kommt. Bei den einen dauert es länger, bei den anderen geht es schneller. Mich erwischte es kurz nach Sonnenuntergang.

Als ich wieder zu mir kam, bog der Ford durch ein großes Schiebetor in einen nur notdürftig beleuchteten Hof ein, und kam mit quietschenden Reifen zum Stehen.

„Also Leute, da sind wir“, verkündete er das Offensichtliche.

Wir waren da, aber wo waren die anderen? Egal, erst mal raus aus der Karre. Dann fuhr Brian den Ford in eine Garage. Benommen stand ich auf dem Hof. Ich hatte den größten Teil der Fahrt über tief und fest geschlafen, aber deshalb war ich jetzt noch lange nicht fit und ausgeruht. In mir schrie alles nach einem Bett. Das Display meines Telefons zeigte den 6. September an, und Mitternacht war lange vorbei. Auf den Freund, der mit unserer späten Ankunft angeblich kein Problem hatte, war ich jetzt aber gespannt. Eine solche Hasta-Mañana-Mentalität besaß niemand, den ich näher kannte. Deshalb fand ich es immer spannend, auf Leute zu treffen, für die alles ganz easy war.

Hi, Kelly. Schön, dass Ihr endlich da seid.“

Aus der Garage kam ein Typ und begrüßte Brian mit Handschlag. Jake. Was folgte, war der übliche Smalltalk, bei dem ich mich fragte, wie lange er dauern würde. Da sie sich länger nicht gesehen hatten, stellte ich mich auf längeres Warten ein. Am liebsten hätte ich mich wieder in den Ford gesetzt, dort bekam wenigstens niemand mit, wenn ich gähnen musste. Zu spät. Er hat es gesehen.

„Mensch Brian. Wie unhöflich von mir. Da stehen wir hier rum und reden und reden, während meine Gäste im Stehen gleich einschlafen.“

Gäste? Wenn überhaupt, dann gibt sich nur ein Gast im Moment diese Blöße. Wie peinlich. Er musste ja sonst was von mir denken.

„Falls Du Deine Leute suchst, die habe ich im Neubau hinter der Garage einquartiert. Wir erweitern nämlich gerade. Das Hilton ist es zwar nicht gerade, aber es ist warm, es ist trocken, und die Anschlüsse sind schon gelegt. Fehlt nur noch der Putz.“

Das Hilton ist es nicht? Mach Sachen! Ich persönlich hätte sogar im Ford übernachtet, aber so, wie er unser Nachtquartier beschrieb, klang das doch gar nicht so übel; da hatte ich bereits schon ganz andere Buden erlebt – die meisten davon weniger fein. Man konnte sich eben nicht immer aussuchen, wohin es einen verschlug. Nur bei Sue und Madlyn konnte ich mir vorstellen, dass sie sich unter diesem „Schnäppchen“ etwas ganz anderes vorgestellt hatten. Und dann noch drei Nächte. Das konnte echt heiter werden.

Aber eigentlich waren mir Sue und Madlyn oder ihre Befindlichkeiten so ziemlich egal. Mir war kalt, ich musste dringend auf die Toilette und hundemüde war ich obendrein. Kein Wunder, dass ich einfach losplapperte, ohne zu überlegen.

„Okay, dann zeig uns doch mal diesen Neubau. Ich bin schon sehr gespannt…“ – oops, Andrea, seit wann duzt Du denn wildfremde Leute? Wie unverschämt war das denn?

Na, wen haben wir denn da?“ fragte er Brian. „Deine Kleine?“

Kleine? Äh, was war denn das für eine Einstellung? Contenance wahren, Leute, Contenance … Vor allem Sie, Mr. Mitchell. Sagen Sie jetzt bloß nichts Unbedachtes. Aber dazu hatte er gar nicht erst die Chance, denn Brian kam ihm zuvor.

Schön wär’s, Reed.“

Schön wär’s? Was ist denn mit dem los?

„Jake, das ist Andrea. Sie gehört zu Mike. Und der vierte im Bunde ist John, unser Keyboarder. Den Rest hast Du ja bereits kennengelernt.“

Und so endete die verspätete Vorstellungsrunde; wurde ja auch langsam mal Zeit. Vielleicht ging es endlich langsam mal weiter.

Aber den Neubau könnt ihr vergessen. So ein Riesenpalast ist das nun auch wieder nicht. Nee, im Clubhaus sind noch ein paar Plätze frei.“

Clubhaus? What the… Wenn der Typ jetzt auch noch ’ne Kutte trägt, dann fall ich vom Glauben ab. Sons of Anarchy in British Columbia? Are you kidding me? Ich hoffe nicht.

Aber selbst wenn… ändern ließ sich das jetzt, mitten in der Nacht, sowieso nicht mehr. Und wohin hätten wir jetzt noch ausweichen können? Für ein Ultimatum im Stil von „Should I stay or should I go“ war dies der falsche Zeitpunkt – wenn es irgend etwas zu klären gab, würde es warten müssen.

Dienstags-Gedudel #17 : Der Erklärbär – Teil 4

 

Und heute wieder im Sonderangebot: ein Hit aus meinem reichhaltigen Fundus der 80er Jahre, von meiner Lieblingsband Nr. 2, die mir meine Städtereise durch den Osten Kanadas versüßt hat – wenn auch nicht unbedingt mit diesem Werk:

 

 

Wenn es der Liebsten unangenehm ist, im Mittelpunkt zu stehen, ist es unklug, sie mit diesem Ständchen vor versammeltem Publikum anzuschmachten (U2 „All I want is you“ – https://www.youtube.com/watch?v=JqNVtv6U3pY); und darum hat das Lied als Erklärbär bei der von nellindreams geschaffenen Aktion einen Platz verdient.

30-Days Song Challenge – Day #23

 

 


 

Day #23 : A song you think everybody should listen to

Krieg ist Mist. Und zwar der größte aller Zeiten. Das haben schon viele Künstler festgestellt. „Sag mir wo die Blumen sind“, trifft’s zwar auf den Punkt, aber mit „On the path of glory“ von Petula Clark habe ich hier ein Werk, bei dem der falsche Pathos entlarvt wird und mir regelmäßig die Tränen kommen. Die Lage ist ernst. Gehopse passt da nicht.

 

 

Petula Clark – On the path of gloryhttps://www.youtube.com/watch?v=AA_W6pwUJ60

Media Monday # 464 : Monatsmitte, und diesmal fast ganz „unmedial“

 

Wie kreativ bin ich heute? Der Media Monday bringt es an den Tag. Von Medien offenbart nur einer der sieben Texte etwas. Der Rest ist anderen Dingen gewidmet. Muss auch mal sein, finde ich.

Obwohl ich doch noch einen hätte: den Thriller „The Escape Game“ von Megan Goldin über vier Wall-Street-Banker, die glauben, dass es sich bei ihrer Fahrt in einem Aufzug in einem noch nicht fertiggestellten Gebäude um ein Spiel in einem Escape-Room handelt, aber dann feststellen, dass es sich bei ihrer ausweglosen Situation um bitteren Ernst handelt.

Media Monday # 464

1. Um da auch endlich mal mitreden zu können, habe ich versucht, „Good Omens“ zu schauen, konnte mich aber für die Serie leider doch nicht erwärmen, und das trotz David Tennant.

2. Nachdem die Situation sich ja zumindest hinsichtlich der Beschränkungen und Auflagen ein wenig entspannt, habe ich beschlossen, trotzdem auf Restaurantbesuche zu verzichten. Das liegt nicht daran, dass ich meine Daten hintelegen müsste – „gläsern“ bin ich doch längst schon – nein, ich habe immer noch keine Lust auf größere Menschenansammlungen bzw. längere Aufenthalte an Orten, wo mehrere Menschen zusammenkommen; beim Einkaufen beschränke ich mich schließlich auch aufs Nötigste und lungere nicht ewig in Einkaufszentren oder in Supermarktgängen herum.

3. In den letzten Wochen hat es mir schon massiv gefehlt meine Kollegen „in echt“ zu sehen oder einfach mit fremden Menschen, die man unterwegs trifft, einfach nur mal nett zu plaudern.

4. Was ich aber auch bemerkt oder entdeckt habe, ist,dass ich es gar nicht so schlecht finde, wieder selbst mehr zu kochen.

5. In aller Ausführlichkeit eine Reise zu planen, hat es bei mir so auch schon lange nicht mehr gegeben, einfach weil mir die Ideen fehlen und ich mein Budget dieses Jahr inzwischen anders verplant habe.

6. Man mag es kaum glauben, aber ich habe den entgangenen Friseurbesuchen keine Träne nachgeweint. So langes Haar hatte ich schon lange nicht mehr.

7. Zuletzt habe ich mal wieder Spargel zubereitet, und das war endlich mal kein Flop wie öfters in der Vergangenheit, weil diesmal alles gepasst hat.