Das Jahr 2015… oh, geh‘ ford!

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Jahresrückblicke? „Oh, geh‘ ford!“ würde Heinz Becker sagen, und das Ekel Alfred stünde am Herd, um den Silvesterpunsch aus Rum mit Rum zu veredeln. Hicks! Aber warum nicht mal eine Zusammenfassung aller Projekte des vergangenen Jahres schreiben? Nur, um zu sehen, wie groß mein kreativer Output war… Achtung, Spoiler! : dass daraus nichts werden würde, hätte mir von Anfang an klar sein müssen. Darum gib’s nur einen groben Querschnitt davon

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Januar

Im Januar habe ich ein lang vor mir her geschobenes Projekt verwirklicht, zu dessen Zweck ich mir bereits den Stoff zum vergangenen Weihnachtsfest gegönnt habe: rot-grauer Tartan aus Wolle (oder war’s ein Wollgemisch?) für einen verschlußlosen, klassisch, leicht oversized geschnittenen Mantel (Modell Nr. 104 aus Burda Style 11/2014).

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Den Mantel habe ich dann auf der AnNäherung in Bielefeld genäht bzw. angefangen und danach zu Hause fertiggestellt; und obwohl ich ihn scherzhaft „Lord Crawleys Morgenmantel“ getauft habe, so wurde er einer meiner liebsten und dementsprechend oft getragenen Stücke. Dabei hat sich herausgestellt, dass ich auf ein Futter bequem verzichten kann, weil er in ungefüttertem Zustand beim Gehen nicht aufklafft: die aneinanderhaftenden Wollschichten machen es möglich, und ich weiß nicht, ob das anders wäre, hätte ich ihn gefüttert.

Februar

Februar ist irgendwie ein doofer Monat, finde ich. So kurz, zu nichts habe ich so richtig Lust, und nur selten kann ich mich zu kreativen Tätigkeiten aufraffen. 2012 habe ich das Muster der Lethargie durchbrochen und habe mich auf eine mehrtägige Wanderung entlang eines Teilstücks des Jakobswegs begeben. So sportlich agil war ich dieses Jahr aber nicht. Für mich diente der MMM im Februar nur noch zum Zeigen liebgewonnener Stücke, die schon einige Jahre auf dem Buckel haben: blauer Tellerrock mit grafischem Muster, gestrickter Pulli in orange aus den 80er Jahren, graues knöchellanges Kleid im Country-Stil aus den 90er Jahren. Also nichts neues, darum auch nicht sonderlich spannend. Kopf und Hände waren anscheinend im Winterruhemodus. Nicht mal genäht für den Dressmaker’s Ball habe ich. Da mein Mann seinen Kilt ausführen wollte, erschien mir ein buntes, auffällig gemustertes oder besonders raffiniert geschnittenenes Abendkleid nicht angemessen; vielmehr wollte ich mit meinem Outfit den Rahmen für seines bilden, und mein Sash (Schärpe aus Tartan, die auf der Schulter getragen wird) sollte auch noch dazu passen.

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Die Lösung für das Problem lag in einem bodenlangen Kleid aus zartblauer Baumwolle, das ich mir 2000 für einen Ball in einem Land bzw. Herrenhaus in Cornwall genäht hatte und das – o Wunder! – auch noch passte (wenn auch noch eben gerade so).

März

Mein kreativer Output im März beschränkte sich anläßlich der Sonnenfinsternis (von der ja wieder mal alle außer mir schon lange vorher gewußt hatten *gnarf*) auf das Basteln eines Sonnenschutzes für unsere Kameras und unsere Augen;

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außerdem war da noch der von mamamachtsachen organisierte Dressmaker’s Ball in Schwerte, der am 5. März 2016 in eine erneute Runde gehen wird. Selbst keine große Tänzernatur, kann ich diese Veranstaltung allen, die mal wieder ihre selbstgemachte festliche Kleidung ausführen möchten, nur allerwärmstens empfehlen und ans Herz legen. Im Gegensatz zu März 2015 gibt es diesmal sogar ein Motto: Birds of Paradise. Also, wenn das nichts ist, dann weiß ich ja auch nicht.

April

Hatte ich beim Ball meine Erfolgserlebnisse in Form einer durchgemachten Nacht, einer frisch erworbenen Highend-Nähmaschine und eines Kleides, in das ich nach 15 Jahren noch hineinpasste, so schnappte im April die Frustfalle zu.

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Frustpunkt Nummer eins war das Nähen eines Probeteils für ein am Ausschnitt kunstvoll in Falten gelegtes Top aus der Zeitschrift „La Maison Victor“, Nummer zwei der Versuch, aus dem restlichen Tartanstoff ein Top zu nähen (ebenfalls aus „La Maison Victor“) und Frustpunkt Nummer drei die Feststellung, dass mir kein einziges meiner Korsetts noch passt. * Heul * – und dabei waren die doch so teuer gewesen.

Mai

Auch im Mai war ich mit dem Nähen eines Probemodells beschäftigt. Diesmal handelte es sich um einen Godetrock, für den ausrangierte Bettwäsche mit Jacquardmuster herhalten musste. In Gedanken hatte ich ihn mit dem im April begonnenen Faltentop kombiniert, die Wirklichkeit zeigte jedoch, dass das keine so gute Idee war. Den Rock hätte ich doch besser mit Bluse oder sportlichem Pulli kombiniert, wenn er denn gepaßt hätte. Ganze fünf Zentimeter fehlten mir am Bund, und so wanderte der Rock auf meiner Prioritätenliste ganz ganz weit nach hinten. Den „Film- und Fernsehserien-Sew Along“ hatte ich gedanklich ohnehin längst abgehakt. Lieber trug ich beim MeMadeMittwoch einen roten Rock, der an Heiligabend noch einmal zum Einsatz kam – im Mai stellte ich dann fest, dass zu dem leuchtenden Rot des Rocks mein blauweißes Top Harley ausgezeichnet passt:

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Aber noch lieber schmiedete ich Pläne für das nächste Ballkleid: angelehnt an das Brautkleid von Wallis Simpson aus dem Jahre 1936, soll es ein kürzeres Modell aus grünem Satin werden. Passt doch bestens zu dem Motto für den Dressmaker’s Ball. Aber noch ist es nicht so weit. Schnitt und Stoff liegen noch unangetastet in einer Kiste. Was ich dagegen konkret in die Tat umsetzen konnte, war die Fertigstellung meines Disclaimers. Etwas Organisation auf dem Blog muss ja schließlich auch mal sein.

Juni

In diesem Monat wurde ich nicht nur mit dem „Kleinen Schwarzen“ fertig, sondern ich versuchte mich an einem Probemodell für eine Bluse aus der Burda – Motto „African Dream“.

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Am Ausschnitt befand sich ein neckisches „Guckloch“, wobei es sich dabei laut Burda eher um einen tropfenförmigen Ausschnitt handelt; und mit diesem „tropfenförmigen Ausschnitt“ sollte ich noch eine Menge „Spaß“ bekommen.

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Achtung, Spoiler: den Rand nach innen umzunähen, war keine Lösung, die sich durch Dauerhaftigkeit auszeichnete. Weder am Probemodell aus unelastischem Stoff, noch am später genähten Modell aus hochwertiger Viskose, die ein hohes Maß an Elastizität bewies.

Juli

Temperaturen wie in der Sahara, da kam dem ein oder anderen gelegentlich das Lied „wann wird’s mal endlich wieder Sommer“ in den Sinn, mit der Textzeile „es war hier wie in Afrika, wer konnte, machte FKK“, und was lag da näher, als das Nähen eines Kleides aus African Waxprint? Der Schnitt dazu stammt aus der Zeitschrift „La Maison Victor“, und heraus kam dabei ein wildgemustertes Kleid, das sich auf einer Hochzeit bewähren sollte, für die mein Mann und ich spontan eingeladen worden waren. Fertig wurde auch die „African Dream“-Bluse, aus einem Stoff, aus dem die Alpträume sind.

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Leider hatte die mörderische Hitze auch ihre Schattenseiten, und wir konnten leider nur einen der aus dem Dach gefallenen Mauersegler retten.

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Der Juli stand auerdem noch im Zeichen des National Blog Posting Month, einem Monat, in dem alle, die dabei mitmachten, jeden Tag zu einem bestimmten Thema 20 Minuten lang einen Text verfassen sollten; dank dieser Aktion habe ich jede Menge interessanter neuer Blogs kennengelernt, die sich mit den unterschiedlichsten Themen beschäftigen.

August

Das einzige, was in diesem brütend heißen Monat in Do-it-Yourself-Manier entstanden ist, war eine selbstgemachte Wespenfalle – und das Abschleifen und Neustreichen einer Holzhütte in Eigenregie.

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Was für ein „Vergnügen“, bei gefühlt 40°C auf dem Vordach zu sitzen und zu spüren, wie unter einem die Dachpappe zu brodeln beginnt, während man mit dem zentnerschweren Schwingschleifer der Fassade am Giebel die alte Farbe ablöst.

September

Nach dem Fiasko mit der „African Dream“-Bluse änderte ich den Ausschnitt in einen U-Boot-Ausschnitt ab.

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Nun sah die Bluse zwar aus wie ein Oversized Shirt, aber dafür war ich den Ärger mit sich auflösenden Säumen ein für alle mal los. Und das beste: Mit ihr hatte ich mein erstes Stück für den von mamamachtsachen organisierten Working-Girl-SewAlong. Kleidung für den Job selber nähen? Da mußte ich einfach mit von der Partie sein.

Oktober

Vom 16. bis 18. Oktober fand in Würzburg die AnNäherung Süd statt. Nur zwei Stunden Fahrt von zu Hause entfernt.

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Und vorgenommen hatte ich, mir ein Etuikleid und einen Bleistiftrock für den Working-Girl-SewAlong. Komplett fertig wurde jedoch nur das Kleid, das ich dann auch bald darauf – und bis zum Ende des Jahres – sehr oft tragen sollte.

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Kurz darauf sollte dann auch der bordeauxrote Bleistiftrock fertig werden.

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Nur war ich dann in punkto Kreativität auch ziemlich fertig, zumal Weihnachten immer näher rückte und der Nähtisch im Keller als Ablagefläche für die Confisierie, die mein Mann noch vor seinem OP-Termin gemacht hatte, dienen musste.

Dezember

Genäht wurde bei uns im letzten Monat des Jahres nichts mehr, aber dafür haben wir einen Teil der Weihnachtsgeschenke selbstgemacht: Pralinen, Marmelade, Likör und diverse Gutscheine.

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Die Operation hat mein Mann übrigens gut überstanden, nur Weihnachten und Silvester fallen dieses Jahr bedeutend ruhiger aus als die Jahre zuvor. Zwar habe ich an Heiligabend gearbeitet, aber diesmal stand wenigstens schon der Baum fix und fertig geschmückt (wurde von uns am Vorabend erledigt), und der Kartoffelsalat stand auch schon zum Verzehr bereit. Alles in allem, war der 24. Dezember ein sehr relaxt ablaufender Tag, und auch am 25. Dezember ging es entspannt weiter; wir besuchten den Bruder meines Mannes und seine Familie, unser Patenkind wollten wir nämlich auch noch beschenken. Malbücher und Buntstifte wurden von dem Fünfjährigen auch gleich mit Begeisterung aus dem Papier befreit, aber dann war die Knete doch viel viel interessanter, und so kam es, dass ich mit dem kleinen Mann zusammen ein buntes Knetmännchen nach dem anderen bastelte.

 

Am 26. Dezember saßen wir in kleiner Runde bei Rotwein und Punsch zusammen; dann telefonierte mein Mann spontan mit einem Freund, und genauso spontan fuhren wir mit dem Taxi zu ihm, wo auch ich endlich einmal das zwei Monate alte Patentöchterchen meines Mannes kennenlernen durfte. So ein süßer Winzling. In angeregter Runde verbrachten wir dann dort die letzten Stunden des zweiten Weihnachtsfeiertags. Ja, dieser Abend war einer von der Sorte, die ich leider nicht allzu oft habe, und ich stelle fest: Puddingkochen mit zehn- und elfjährigen Kindern macht einen Riesenspaß.

Leider muss ich morgen schon wieder arbeiten; eine kurze Arbeitswoche, die vermutlich mit viel Streß und Hektik verbunden sein wird, liegt nun vor mir – da haben mir die vergangenen vier relativ ruhigen Tage sehr gut getan, und ich kann jetzt verstehen, warum für viele Weihnachten die schönste Zeit des Jahres ist.

 

 

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I’m back. Stronger than ever…

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… and looking for new impulses to write…

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National Blog Posting Month happened before I went off for my summer holidays, and I’d like to thank Corinne for a big bunch of writing impulses – now she came around with more of that.

It’s clear I’ve found time to meet new people, time to relax, time to do some refurbishing/renovation, time to enjoy nature and time with friends; what’s going to follow is written in the stars.

to be continued

NaBloPoMo #31 … 31.Juli „Schulterklopfer“

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Letzter Tag beim National Blog Posting Month (NaBloPoMo) – und wir dürfen ein letztes Mal zeigen, was in uns steckt. Aufgabe des Tages: „Auf was oder wen bist du stolz? Vielleicht auf dich selbst, weil du bei NaBloPoMo durchgehalten hast?

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Copyright : Ulrike Sextro

Copyright : Ulrike Sextro

(17:34 Uhr)

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Gerade gestern habe ich mir selbst im Büro etwas nützliches beigebracht, mit dem ich in Zukunft viel effizienter nach bestimmten Elementen und Begriffen suchen kann, und das ist ein gutes Gefühl. Aber auch privat, und darauf bin ich persönlich noch viel stolzer, hatte ich ein Aha-Erlebnis. Doch dazu muß ich ein wenig ausholen.

Im April wurde auf BBC One die Neuverfilmung einer Romanserie ausgestrahlt, die ich als Kind heiß und innig geliebt habe. Das brachte mich auf die Idee, wieder einmal die englischsprachigen Romane zu lesen. Den ersten Band habe ich mit großem Vergnügen gelesen, nun bin ich zu einem Drittel mit dem zweiten durch, und es liegen noch zehn Bände vor mir. Und da sah ich es klar und deutlich vor mir: das Wort „amends“.

Und wie aus heiterem Himmel machte es innerlich Klick, das letzte fehlende Puzzleteil fügte sich wie von selbst ein, und endlich, endlich war ich in der Lage den Text von Janis Joplins Song „Mercedes Benz“ von Anfang bis Ende, in seiner vollen Gänze zu verstehen:

Oh Lord, won’t you buy me a Mercedes Benz- My friends all drive Porsche, I must make amends

Und genau dieses „I must make amends“ war es, was mir zum Verständnis des Textes noch gefehlt hat. Und deshalb möchte ich an dieser Stelle nicht nur dem von uns gegangenen Sir Winston Graham dafür danken, dass er mir unvergeßliche Lesemomente beschert hat, die dazu führten, dass ich auch modernes Liedgut endlich verstehen kann – sondern auch Corinne vom makellosmag, die mich dazu gebracht hat, beim National Blog Posting Month mitzumachen.

Die Schreibimpulse waren teils sehr inspirierend, teils aber auch nicht immer sehr einfach; aber das ist ja auch, vermute ich, Sinn der Sache… eine Sache durchzuziehen, auch wenn die ein oder andere Hürde auftaucht.

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(17:52 Uhr)

NaBloPoMo #30 … 30.Juli „Neustart“

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Am vorletzten Tag des National Blog Posting Month (NaBloPoMo) gibt es noch einmal eine Frage, bei der ich tief in der Vergangenheit graben muß, um zu einer einigermaßen zutreffenden Antwort zu gelangen: „Bist du schon einmal aus einer Situation oder Unterhaltung ausgestiegen, weil dir die schlagfertige Antwort gefehlt hat, nur um kurz darauf die perfekt Replik zu haben? Gibt es ein Ereignis, wo du gern replay drücken würdest?

(17:06 Uhr)

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Ach, wie schön wäre es, wenn man die passende Antwort immer parat hätte; und wie so vielen geht es mir auch, denn ich bin wahrlich kein Muster an Schlagfertigeit. Ich kann zwar quasseln wie ein Buch, wenn ich in Stimmung bin; aber oft bin ich schon an Situationen gescheitert, in denen mir gegenüber mit bodenloser Dreistigkeit aufgetrumpft hat, zum Beispiel bei Fahrten im öffentlichen Nahverkehr.

Mein Schwager ist da ganz anders gestrickt, jedenfalls wenn ich seinen Reden Glauben schenken darf, wenn er erzählt, wie er jemandem im Bus mal wieder die Meinung gegeigt hat, wenn die betreffende Person sich unverschämt aufgeführt hat. Ich trete da lieber den Rückzug an anstatt mich auf einen lautstarken Disput einzulassen. Der Klügere gibt nach? Hm. Dann würden ja immer die Dümmeren gewinnen, was auch nicht die Lösung sein kann.

Einmal machte sich jemand ziemlich breit auf seinem Sitz und hing mir schon fast auf dem Schoß; da habe ich ihn gefragt, ob er nicht mal ein Stück rücken könnte, da wurde ich angeblafft, er müsse so sitzen, er sei ja schließlich ein Mann. „Was Sie nicht sagen!“ oder „Donnerwetter! Echt?“ hätte die schlagfertige Antwort lauten können, aber ich zog es vor, den Platz, auf dem ich saß, zu verlassen und mir einen extrabreiten Einzelsitz zu suchen.

Replay“ hätte ich gerne in der Vergangenheit bei nicht so glücklich gelaufenen Vorstellungsgesprächen gedrückt und es besser gemacht. Wie’s richtig geht, konnte ich dann später mit Erfolg erproben.

So, das war’s dann auch schon wieder mit den Bekenntnissen.

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(17:20 Uhr)

NaBloPoMo #29 … 29.Juli „Zwischenbilanz“

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Nun ist der National Blog Posting Month (NaBloPoMo) schon fast wieder vorbei, und heute kommt das, was ich nicht ganz so gern tue, nämlich eine Art Jahresrückblick zu schreiben – nach dem Motto „Schreibe einen Post über das Jahr 2015 …so far

Aber – wegen einiger Wörter im Text besteht akute Triggergefahr. Wer es nicht aushält, über die Worte „Krebs“ oder „Apokalypse“ oder denglischen Mischmasch zu stolpern, der sollte es unbedingt vermeiden, meine Zwischenbilanz mit negativen Charakterzügen zu lesen. (20:11 Uhr)

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Einiges ist geschehen, das mir gezeigt hat, dass Planung nicht funktioniert. Hat es schon letztes und vorletztes Jahr nicht, nur habe ich mir da noch erfolgreich einreden können, dass die Veränderungen, die mein Leben betreffen, vielleicht doch irgendwo einen Sinn haben. Dass dieses Spiel nicht ewig so weitergehen würde, hätte ich mir schon früher klarmachen können, dachte aber, vielleicht hast du ja diesmal Glück. Nun gut, berufliche Veränderungen an sich können durchaus etwas für sich haben – wenn sie zur Unzeit kommt, ist das nicht mehr ganz so angenehm.

Unzeit: auch ein Wort, das mich grübeln lässt. Was ist der Unterschied zwischen Zeit und einer Unzeit? Genauso könnte ich fragen, ab welcher Größe eine Favela keine Favela mehr ist, sondern ein Stadtteil (wenn auch ein verwahrloster)? Gerade gestern habe ich eine kurze Reportage über Sao Paulo gesehen, und was mich daran ziemlich beeindruckt hat, war die Größe der immer näher an die Wohnviertel der Reichen heranrückenden Favela (ich glaube, sie nimmt inzwischen an die 65% des Stadtgebietes ein) – nahezu unkontrolliert, ähnlich einem Krebsgeschwür breitet sie sich aus.

Womit ich den Kreis schließe zu dem größten Einschnitt in meinem Leben: die Diagnose Krebs, die mein Mann Ende März gestellt bekam. Welchen Sinn soll diese Veränderung, bitte schön, haben? Von einer Sekunde auf die andere ist nämlich nichts mehr, wie es war. Der Boden bricht einem förmlich unter den Füßen weg. Apokalypse für die Gedanken – der Super-GAU oder ein schwarzes Loch; so fühlt es sich an, und irgendwann später fragt man sich, was überhaupt noch wichtig ist im Leben.

Es mag abgedroschen klingen, aber was ich bis jetzt „so far“ gelernt habe: das wichtigste im Leben ist die Gesundheit (für kein Geld der Welt kann man sie kaufen) und die gemeinsame Zeit, die man mit dem wichtigsten und liebsten Menschen ever verbringt. Die versäumten Stunden, die bringt dir nichts mehr zurück – Zeit nicht, und Geld erst recht nicht, auch wenn es sicherlich beruhigend ist, ein finanzielles Polster zu haben.

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(20:31 Uhr)

NaBloPoMo #28 … 28.Juli „Leben nach dem Blog“

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Bisher habe ich beim National Blog Posting Month (NaBloPoMo) alle Themen durch; das aktuelle lautet: „Dein Leben ohne Blog oder Computer: Wie wäre es? “  (18:32 Uhr)

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Es gab eine Zeit, in der ich sowohl beruflich als auch privat ohne Computer auskam. Und das in einem Büro. Kaum zu glauben? Ist aber so. Die Möglichkeit, E-Mails zu versenden gab es noch nicht, als Medium zur Übermittlung von Nachrichten diente ein Telex- und ein Faxgerät (so fortschrittlich waren wir in den 80ern immerhin schon). Während meiner Ausbildung waren Telexe noch als Bänder mit eingestanzten Löchern unterwegs, später dann konnten wir unsere Telexe bereits an sogenannten Terminals schreiben und über sie auch versenden. Für alles andere haben wir Formulare und Briefe mit der elektrischen Schreibmaschine geschrieben; ich kann mich noch gut erinnern, dass ich als Prämie für ein Zeitschriftenabonnement eine Reiseschreibmaschine erhalten hatte. Lang, lang ist’s her.

Mit dieser Schreibmaschine habe ich in meiner Freizeit ziemlich viel geschrieben, z.B. irgendwelche Kurzgeschichten, die bei diversen Umzügen verlorengegangen sind. Tagebuch habe ich auch geführt, und zwar von Hand in Kladden, in die ich auch Schnipsel aus Zeitschriften eingeklebt habe. Wenn man so will, waren meine Tagebücher (die ich ebenfalls nicht mehr komplett besitze), die ersten Scrapbooks – ich nenne sie Erinnerungsbücher. Außerdem stapeln sich in einer Ecke im Haus Fotoalben, in die ich Papierabzüge von damals noch analog aufgenommenen Fotos eingeklebt habe.

So weit die Vorgeschichte. Wenn ich Vergleiche zu dem, was damals war, ziehe, so entspricht mein Laptop der elektrischen Reiseschreibmaschine (nur dass das Laptop wesentlich leichter, flacher und handlicher ist und auch keine Farbbandkassette braucht) und mein Blog den Erinnerungsbüchern, kombiniert mit meinen Fotoalben. Ich glaube, wenn ich auf einmal weder Computer noch Blog hätte, müsste ich wieder dort weitermachen, wo ich aufghört habe: mit den analogen Medien. Das wäre zwar ziemlich zeitaufwendig, nicht gerade platzsparend und mit Kosten (z.B. für Papier, Kladden, Fotoabzügen, Farbbänder etc.) verbunden – aber es würde mich dazu zwingen, eine bewusste Auswahl zu treffen und vor allem mir zur sogenannten Entschleunigung verhelfen.

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Copyright : Ulrike Sextro

In der digitalen Welt hat man eben nicht nur schnell einen Beitrag geschrieben, sondern diesen auch unter Umständen viel zu schnell hochgeladen bzw. abgeschickt; kaum ist der Gedanke entstanden, ist er auch schon entschlüpft und steht gut sichtbar da für alle und jeden. Wenn’s dumm läuft und der Gedanke ist einem im Nachhinein peinlich, dann ist es unglaublich schwierig, den Schaden einzudämmen. Den ausgeschriebenen Gedanken wieder zurückzuholen, ist m.E. schier unmöglich. Deshalb schreibe ich meine Artikel lieber erst einmal in Word vor und kopiere sie dann in mein Blog.

In der analogen Welt würde meine Pamphlete wahrscheinlich niemand lesen; aber das wäre eine neue Geschichte, die ich an dieser Stelle nicht weiter ausführen möchte.

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(18:52 Uhr)

NaBloPoMo #26 … 26.Juli „Schulzeit“

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Am 26. Juli des National Blog Posting Month (NaBloPoMo), der letzte der von mir übersprungenen Tage,ging es um ein Thema, das für mich nahe an „Die Feuerzangenbowle“ herankommt. In dem Film geht ein würdiger, gesetzter Herr, als Schüler verkleidet, noch einmal zur Schule. Und jetzt kommt die NaBloPoMo-Aufgabe:

Wenn du noch einmal in der Schule wärst, gibt es eine Sache, die du besser können möchtest? Gibt es etwas, was du bereust nicht richtig gelernt zu haben?“

(18:53 Uhr) – diesmal ohne Foto.

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Auweia, ich soll nochmal zur Schule gehen? Oder drehe ich das Rad der Zeit zurück? Ach, es gibt so vieles, was ich beizeiten hätte besser machen können, wie zum Beispiel dem Idioten, der mich jahrelang gepiesackt hat, rechtzeitig richtig Kontra geben. Und zwar mit Schmackes. Dann wäre mir die nervige Ablenkung in den naturwissenschaftlichen Fächern, insbesondere Biologie und Physik erspart geblieben. Vielleicht wäre ich dann auf die Idee gekommen, Forstwirtschaft, Meeresbiologie oder ähnliches zu studieren. Vielleicht auch Lichttechnik, denn das ist die Technik der Zukunft. Oder, oder, oder… Hätte Hätte Fahrradkette, um mit den Worten eines ehemaligen Kollegen zu sprechen.

Was ich auch gerne nochmal, diesmal aber richtig lernen möchte: Volleyballspielen und beim Schwimmen die Techniken „Kraul“ und „Schmetterling“ bzw. „Delphin“ – das hätte meinem Notendurchschnitt beim Abi vielleicht doch noch den Drive verpasst. Oder beim Geräteturnen den anderen eins vor und auf der Nase herumtanzen, dann wäre aus mir doch noch die Sportskanone schlechthin geworden, und ich hätte mich nicht der Demütigung des als letzten in die Mannschaft gewählten Schülers aussetzen müssen.

Ach, ich sehe schon: beim zweiten Beispiel versteige ich mich gerade in Ideen, wie ich bei anderen beliebter hätte werden können. Und ob das der richtige Weg ist? Es sollte doch um etwas gehen, was ich für mich tun kann und nicht für im Prinzip andere… Des öfteren habe ich auch schon mit dem Gedanken gespielt, wie es gewesen wäre, wenn ich statt Französisch Latein gelernt hätte. Das kann doch auch nicht so viel schwerer sein, und damit hätte ich echte Chancen, die Inschriften in den in Museen ausgestellten römischen Fundstücken lesen zu können.

Ach ja, ganz sicherlich würde ich nicht noch einmal den Fehler machen, jemanden anzuhimmeln, der gar nichts von mir will; und: ich würde von dem Schwimmbad, in dem ich schwimmen gelernt habe, noch einen Haufen Fotos machen und mir ein Erinnerungsbuch basteln. Aber ich glaube, das war mit dem Thema nicht gemeint. Und schließlich komme ich noch zu meinen letzten Schuljahren. Mit dem Abitur in der Tasche hätte ich auch Bibliothekswissenschaften studieren können; nur hätte ich dazu nach Karlsruhe gemußt, und das wollte ich damals nicht. Vielleicht hätte mir das sogar gutgetan und ich wäre früher selbständig geworden.

Eins führt mir diese ständige Wiederholung von Vielleichts vor Augen: mit dieser Auswahl bin ich, ehrlich gesagt, überfordert – und deshalb beschließe ich, dass es so, wie es bisher gelaufen ist, zwar nicht das Optimum erreicht wurde, aber wer weiß, was mir an Gutem alles entginge, würde ich einen gänzlich anderen Weg einschlagen. Und darum verzichte ich darauf, meine Schulzeit noch einmal aufleben zu lassen, um alles anders zu machen.

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(19:09 Uhr) — Hui, das sind diesmal sogar weniger als zwanzig Minuten; ein prima Ausgleich für das Thema vom 27. Juli. Da habe ich die Zeit nicht gestoppt und garantiert länger an dem Text gesessen.

NaBloPoMo #25 … 25.Juli „Freunde“

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Nur noch zwei Beiträge zum National Blog Posting Month (NaBloPoMo), innerhalb von zwanzig Minuten geschrieben, haben bisher noch gefehlt – und zwar die für den 25. und 26. Juli. Diese folgen nun, nach und nach.

Copyright : Ulrike Sextro

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Am 25. Juli hatte mich die NaBloPoMo-Liste (National Blog Posting Month) vor folgende Aufgabe gestellt: Beende den Satz: “Mein engster Freund ist…”

 

(18:07 Uhr)

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Gute Freunde soll man niemals trennen? Ein Freund, ein guter Freund, das ist das schönste, was es gibt auf der Welt. La La La. Nun ja, gesungen und gedichtet wurde ja schon viel – auch Tiere konnten da schon mal die Rolle des Freundes einnehmen („der Hund bleibt mir im Sturme treu, der Mensch nicht mal im Winde“), und davon mag man halten, was man will. Was unterscheidet für mich Freunde von Bekannten? Bekanntschaften auf Internetplattformen wie zum Beispiel WKW (das es nicht mehr gibt), Twitter, MySpace oder Facebook, sind für mich nicht zwingend notwendig Freunde.

Freunde, das sind die Menschen, die mir vertraut sind, die einem nicht böse sind, wenn man sich länger nicht gesehen hat. Menschen, mit denen ich mich auch ohne große Worte verstehe, und mit denen ich mich im Einklang fühlen kann. Die kann ich aber auch übers Internet kennengelernt haben – und manche meiner Freunde treffe ich wiederum nicht im Internet. Klingt kompliziert? Gut, ich füge an dieser Stelle die nächste Stufe hinzu: Engen Freunden, und dabei spielt es keine Rolle, wie lang wir uns kennen, habe ich schon so manche Gedanken und Träume anvertraut. Und da reichten schon wenige Momente nach längerer Abwesenheit, um die alte Vertrautheit wieder aufblühen zu lassen.

Komme ich nun auf den „engsten Freund“ zu sprechen, wird die Luft schon ziemlich dünn. Denn an der Spitze der Pyramide „Bekannte – Freunde – enge Freunde – engster Freund“ hat nur eine Person Platz, und das ist nicht die Freundin aus Kindertagen, der ich zeitweilig entfremdet war, sondern – wer hätte das gedacht…. Mein über alles geliebter Mann.

Also: “Mein engster Freund ist mein Mann”

Wenn ich besonders kitschig sein möchte, sülzete ich die Zeilen mit dem schon so oft strapazierten Begriff vom Seelenverwandten voll; dennoch ist es verblüffend, wie kurz mit die Zeit vorkommt, die wir uns schon kennen (als ob es erst gestern und nicht schon 2000 gewesen wäre), und doch spricht oft der eine aus, was der andere denkt (was m.E. nur funktioniert, wenn man einander schon lange kennt. Oft träumen wir sogar fast das Gleiche – seltsamerweise zeitlich parallel mit einer lieben Freundin in Bayern, die wir auch schon lange nicht mehr gesehen haben.

Und mit wem kann ich über den größten Dummfug blödeln oder einfach nur so daliegen und den Wolken nachschauen und dabei über Gott und die Welt sinnieren – oder in Erinnerungen an * ähem * Werbesprüche schwelgen, die uns seit unserer Kindheit ins Gedächtnis eingebrannt sind? Bei diesen Zeilen komme ich mir doch gleich zwanzig Jahre jünger vor und hoffe, dass wir uns beide noch lange das innere Kind erhalten mögen.

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(18:27 Uhr)

NaBloPoMo #24 … 24.Juli „Museal“

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Drei Beiträge zum National Blog Posting Month (NaBloPoMo), innerhalb von zwanzig Minuten geschrieben, haben bisher noch gefehlt – und zwar die für den 24., 25. und 26. Juli – ich muß gestehen, ich war zum einen noch nicht so weit, und zum andern war am Freitag ein kulturelles Programm angesagt; über dieses habe ich heute ohne Internetzugang geschrieben und außerdem meinen Beitrag für den 27. Juli vorbereitet.

Nun folgen die übersprungenen Beiträge, und mit dem, der für den letzten Freitag vorgesehen war, fange ich an – wie passend, denn genau an jenem Tag waren mein Mann und ich bei einer Veranstaltung im Rahmen der „Tage der Industriekultur Rhein-Main“

Der Schreibimpuls stellt mir unter dem Motto „Museal“ die folgende Aufgabe: „Im Jahr 2115 wirst du von einem Museum gefragt, ob du die Einführung zu einem Katalog über Leben & Kultur im Jahr 2015 schreiben möchtest. Was schreibst du?

(17:27 Uhr)
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Hektik und Stillstand, alt und neu, Fortschritt und Rückschritt, Kommunikation und Schweigen – mit unserer Ausstellung „Infinity Loop : Offene und verborgene Gegensätze“ möchten wir eine Zeit herausgreifen, die nun hundert Jahre zurückliegt. In einer Welt, die sich immer rasanter drehte, bildeten sich kleine Inseln und Nischen, in denen man Atem schöpfen und einen Kontrapunkt zu all der Hektik und dem „Jede-Woche-eine-neue-Welt-Prinzip“ setzen wollte. Mutige Menschen, die den Glauben an ein Leben ohne das allgegenwärtige Ex und Hopp noch nicht verloren hatten, suchten nach Wegen, um beispielsweise dem sich immer schneller drehenden Modekarussell zu entkommen und auf Schonung der Ressourcen zu setzen. Sie mixten altes mit neuem und schufen einen Stil, der Modernität und Wertigkeit in einem verkörperte.

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Copyright : Ulrike Sextro

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Charakteristisch für 2015 war jedoch auch die Verwischung von Grenzen zwischen beruflichem und privatem bis teilweise hin zu ihrer Auflösung: immer auf dem Sprung und ständig erreichbar sein zu müssen. Die Art der Kommunikationsmittel: modernste Technik, gekleidet in nostalgische Optik und Klangfarben. Wie Menschen miteinander kommunizieren: Der Blick in mobile Geräte ersetzt den Blick in die Augen des Gegenübers, nach Restaurants fragt man nicht mehr Menschen auf der Straße, sondern eine Applikation auf dem mobilen Kommunikator…

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Copyright : Ulrike Sextro

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Elektronik war allgegenwärtig. Auch in der Musik bediente man sich gerne der allerneuesten Technik, trachtete aber danach, so zu klingen wie Jahrzehnte zuvor. Der herkömmliche, hausgemachte Song nach dem Schema „Strophe, Refrain, Strophe“ schien ausgedient zu haben. Erfolgreich waren jene, die einzelne Passagen herausgriffen, um diese sich in scheinbar endloser Abfolge wiederholen zu lassen – Endlosloops zu wahlweise entspannten oder schnellen Beats“; Versatzstücke der Vergangenheit, aufpoliert und zu neuem Glanze verholfen…

Mit unserer Ausstellung haben wir einen kurzen Querschnitt durch Mode, Musik, Technik und Kommunikation im Jahre 2015 zusammengestellt und laden Sie herzlich zu einer Reise in die nicht all zu ferne Vergangenheit und wünschen Ihnen erhellende Einblicke in das Lebensgefühl von 2015 .“

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(17:47 Uhr)

NaPoBloMo #27 ,,, 27.Juli „A bis Z“

Drei Beiträge zum National Blog Posting Month (NaBloPoMo), innerhalb von zwanzig Minuten geschrieben, fehlen noch – und zwar die für den 24., 25. und 26. Juli – ich muß gestehen, ich war zum einen noch nicht so weit, und zum andern war am Freitag ein kulturelles Programm angesagt; über dieses habe ich gestern ohne Internetzugang geschrieben und außerdem meinen Beitrag für den 27. Juli vorbereitet. Allerdings habe ich dabei nicht auf die Uhr geschaut.

 

Schreibe einen Text (Kurzgeschichte, Gedicht, Non-Fiction), der 26 Sätze enthält. Der Satz beginnt mit “A”, der zweite mit “B” usw.

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Auf einem Ast saßen zwei Krähen. Beide waren äußerst mißgestimmt. „Croax! Croax!“ krächzte die eine.“ Die andere starrte mißmutig vor sich hin, bevor sie zu jammern begann: „Es ist zum Auswachsen – seit Tagen schon diese Affenhitze, da wird man ja im eigenen Federkleid gesotten und geschmort.“ Fix und fertig sah sie aus.

Gerne hätte sie einen ordentlichen Kälteeinbruch mit Blitz und Donner gehabt. „Halb soviel davon wäre auch gut gewesen“, setzte sie hinzu.

Ich weiß nicht, ich weiß nicht“, erwiderte die erste. „Jammern hilft ja doch nichts…“

Klagen wird man ja wohl noch dürfen!“ empörte sich Krähe Nummer zwei.

Leider biß sie damit bei der ersten auf Granit. „Meine Laune ist auch wegen dieser Hitze im Keller, aber was können wir schon tun – das Wetter ändern?“ kam von dieser zurück.

Nichts tun zu können, macht mich wahnsinnig, aber der Ärger muß raus, sonst drehe ich noch durch.“ krächzte die zweite als Erwiderung.

Ob es woanders kühler ist?“ sinnierte die erste, die dem Gejammer nur mit halbem Ohr gefolgt war und ihre Gedanken gen Norden schweifen ließ, wo sie einst zur Welt gekommen war und lange Jahre gelebt hatte, bis es ihr in den Sinn gekommen war, in wärnere Gefilde aufzubrechen – ohne zu ahnen, dass sie damit unbewusst in ein Wespennest gestochen hatte, denn sonst hätte sie keine derartige Reaktion erwartet… Prima Idee, lass uns hinfliegen – am besten gleich an den Nordpol!“ – der Sarkasmus in den Worten der zweiten war unverhohlen offen; als ob sie das völlig Unmögliche vorgeschlagen hätte.

Quatsch mit Soße… Nordpol – warum in die Ferne schweifen, denn das Gute liegt nur eine halbe Tagesreise von uns entfernt, und da gibt es Wälder so weit das Auge reicht; und das Wasser in den Seen ist so rein und klar, davon träumst du hier nur!“

Richtig toll klingt das… jetzt werde ich wirklich gleich neidisch… aber warum eigentlich nicht, was haben wir schon zu verlieren?“ lenkte die bisher so heftig schimpfende plötzlich ein.

So erhoben sie sich in den Abendhimmel und schlugen einen nördlichen Kurs ein. Tief unter ihnen brütete das Land in der noch immer flimmernden Sommerhitze des langsam dahinscheidenden Tages.

Und nach und nach schwand das Licht, um der heraufziehenden Nacht zu weichen. Vereinzelt schwirrten die ersten Fledermäuse aus, auf der Suche nach Beute, und derer gab es reichlich, denn viele Insekten waren ebenfalls unterwegs. Wie von Zauberhand, erschienen sie, tausende und abertausende Glühwürmchen, und tanzten einen Reigen, der seinesgleichen suchte. Xanadu hätte kaum größere Wunder bieten können, und staunend zogen die beiden schwarzen Gesellen, die vorher noch so verstimmt ihr Schicksal beklagt hatten, in ehrfürchtigem Schweigen auf ausgebreiteten Schwingen ihre Kreise.

Yes, my dear“, wisperte irgendwann Krähe Nummer zwei, „das war wirklich eine gute Entscheidung.“

Zu wissen, dass man recht hat, ist immer ein gutes Gefühl, dachte die erste still und leise für sich und überließ ihrer Begleitung nur zu gerne das letzte Wort.

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