Unsortierte Gedanken : Seltsame Moden im Laufe der Geschichte

 

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Seit Anfang dieses Jahres die Neuverfilmung der Poldark-Romane auf BBC 1 zu sehen war, habe ich wieder angefangen, die Romane zu lesen; und gerade habe ich Band 7 beeindet und mit dem achten begonnen. Aber bevor es wieder in der Versenkung verschwindet, möchte ich einige Zeilen aus dem siebten Band notieren, weil mich seit Tagen dieser Ohrwurm ohne Melodie plagt: 

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Shepherds, I have lost my waist,
Have you seen my body?
Sacrificed to modern taste,
I’m quite a hoddy doddy!
For fashion I that part forsook
Where sages place the belly;
T’is gone – and I have not a nook
For cheesecake, tart, or jelly.

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Ich habe einen Briten gefragt, was der Ausdruck „hoddy doddy“ bedeutet, aber er musste auch erst mal im Internet danach suchen. Wir kamen dann beide zu der Ansicht, dass unter all den zu diesem Begriff aufgeführten Wörter am besten die Übersetzung „kurzbeinige plumpe Person“ dazu passt. Auf dem Blog janeaustensworld habe ich nicht nur ein paar treffende Karikaturen dazu gefunden, sondern ich konnte mich auch davon überzeugen, dass dieses Lied keine Erfindung des Schriftstellers Winston Graham ist, sondern tatsächlich existiert hat.

Es basiert auf dem Lied „Shepherds I have lost my love, have you seen my Anna“ und nimmt in Spottversen die Mode der Regency-Periode auf die Schippe. Kleider im Empirestil zeichneten sich durch fließende Stoffe und das Fehlen der Taille aus. Böse Zungen behaupten sogar, dass jene Kleider wohl eher Ähnlichkeit mit Unterwäsche als mit Oberbekleidung gehabt hätten, was in der folgenden Szene aufs schönste zum Ausdruck kommt:

She began to get ready at eight, and eventually slipped into her new gown at a quarter before nine. When Ross turned round and saw it he said: ‚That is very pretty. But where is the gown?‘

‚This is it! This is what I have bought!‘

‚That’s a petticoat.‘

‚Oh, Ross, you are provoking! You know well it is nothing of the sort.‘ (…) ‚I think,‘ he said, looking down at her brushed and combed and tidy hair. ‚I think I’ll go in my nightgown. It might provoke a new fashion‘. (Winston Graham „The angry tide“, p. 287-288)

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Empirekleider, und passende Frisuren dazu.

 

 

Zwei Seiten vorher wird diese Mode noch ein wenig genauer beschrieben: Fashions had changed. Everything was of the simplest, finest, slightest. (…) Waists were high, almost under the armpit, both for day and for evening. Neck and bust were much exposed but could be hidden or part hidden in a veil of chiffon. Ostrich feathers in the hair, or a few pearls. Demelza said, how interesting, and why do so many people wear spectacles in London? Perhaps they live more in artificial light, said Caroline; but then of course it is rather the fashion. I think, Demelza said, folk would walk on crutches in London if someone said it was the fashion.“

Und was lerne ich daraus? Dass Erich Kästner nicht der erste war, der sich über seltsame Moden und Gebräuche lustig gemacht hat. Und demnächst halte ich weitere literarische Perlen, die mich beschäftigt haben, fest.

 

25. April – Zeit für mein Lieblings-Period Drama.

……………………………………………………………………………………………………………….

Nach sieben Wochen lief gestern abend auf BBC 1 die letzte Folge von „Poldark“, eine Neuadaption der gleichnamigen zwölfbändigen Saga des britischen Schriftstellers Winston Graham (1908 – 2003). Die ersten sieben Bücher dieser Romanserie wurden bereits in den Siebziger Jahren äußerst erfolgreich für das Fernsehen verfilmt, und nun wagte die BBC mit Drehbuchautorin Debbie Horsfield einen neuen Versuch. Viele Fans der ersten Stunde (mich eingeschlossen) waren drum auch skeptisch, ob dieser gelingen würde, aber bereits nach kurzer Zeit war mir klar, dass dies meine neue Lieblingsserie werden würde. Was nicht allein an den hervorragenden Hauptdarstellern lag, sondern daran, dass diese Verfilmung sehr dicht an der literarischen Vorlage blieb und sich aufs Wesentliche beschränkte. Gleichzeitig kam auch die Darstellung der Lebensweise von Minenarbeitern und ländlicher Bevölkerung nicht zu kurz. Da nur die ersten beiden Romane verfilmt wurden, konnte man sich mit dem Aufbau eines sinnvollen Spannungsbogens genug Zeit lassen, und so endete die letzte Folge gestern abend mit einem sogenannten Cliffhanger. Dass es eine zweite Staffel geben wird, konnte ich zu meiner großen Freude schon vor einigen Tagen in Erfahrung bringen:

Poldark series two is due to return to BBC1 in spring 2016“

gefunden auf: http://www.radiotimes.com/news/2015-04-26/poldark-episode-8-review-aidan-turners-ross-poldark-faces-tragedy-on-all-fronts)… Drama an allen Ecken und Enden! Falls aber vier weitere Staffeln anstehen und somit auch endlich alle 12 Romane verfilmt werden, würde ich mich noch viel mehr freuen und sich so die Spekulationen auf radiotimes.com als wahr herausstellen würden. Aber am allerschönsten für mich wäre es, wenn ich ein vernünftiges Foto von dem Mantel finden würde, den Eleanor Tomlinson als Demelza getragen hat. Der wäre doch wie gemacht für den Film- und Fernsehserien-SewAlong (FFUSA). Momentan muss ich mich noch mit „halben“ Bildern begnügen, so wie das hier.

 

Gefunden habe ich es hier. Ähnliche Bilder habe ich auf meinem pinterest-Board festgehalten. Oder ich knipse ein Standbild vom Bildschirm. Wie gut, dass ich alle Folgen aufgezeichnet habe.