Same procedure as every year, James : der Jahresrückblick – Teil 2

 

und die erste Hälfte des Jahres habe ich schon hier Revue passieren lassen. Nun ist die zweite Hälfte dran.

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Juli

Im Juli regierte das Sommerloch, und selbst im Kino wollte der Funke nicht überspringen. Was hatte ich mich doch so auf den Film „Yesterday“ gefreut, dessen Werbetrailer ich im Frühjahr im Kino gesehen hatte… und dann wurde es am Ende doch nur ein Satz mit X. Im Gegensatz zu vielen anderen konnte ich dem hochgelobten Werk nichts abgewinnen und ging mit dem frustrierenden Gefühl nach Hause, für dieses halbgare Etwas einen wirklich sehenswerten Film links liegen gelassen zu haben. Und richtig: Nachholen ließ sich die Vorstellung von „Kursk“ mit Colin Firth zu meinem großen Unmut nicht, denn als ich wieder eine Reihe freier Abende hatte, war von dem Film weit und breit nichts mehr zu sehen.

Sommerlöcher gehören eindeutig gefüllt. Deshalb deckte ich mich mit Filmen und Serien auf DVD ein: The Royals, Vikings und Broadchurch sowie der Komplettbox von „Die Tribute von Panem“ – als ich aber dann erfuhr, dass es am 14. Juli mit der fünften und letzten Staffel von „Poldarklosgehen würde, gab es für mich kein Halten mehr. Kurzes Nachrechnen: Die Folgen, die ich wegen meiner Kanadareise verpassen würde, programmierte ich kurzerhand in meinen Festplattenrecorder. Diesmal war ich fest davon überzeugt, dass mir nicht derselbe Fehler (mit den neuen Folgen die alten zu überspielen) wie im letzten Jahr passieren würde. Eine weitaus ätzendere Überraschung sollte ich nach meiner Rückkehr erleben.

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August

Über diesen Monat muss ich nicht mehr viel schreiben – meine Reise nach Kanada war in jeder Hinsicht ein voller Erfolg. Schon lange hatte ich nicht mehr so viel Spaß. Und ein kleiner, harmloser Flirt war auch noch drin. Summer in the City? Den Song konnte ich jetzt endlich sowas von nachvollziehen. Und noch eins durfte ich feststellen: Auch bei 30°C und extrem hoher Luftfeuchtigkeit kann exzessives Walken etwas ganz Wunderbares sein. Müdes Dahinschlurfen auf Flip Flops war gestern – heute geben wir ordentlich Gas und pushen den Kreislauf mal so richtig. Dann schmeckt auch das Bierchen danach, auch wenn’s ein blumig beschriebenes Craft-Beer war, das ich im Normalfall nie getrunken hätte. Binsenweisheit Nummer Zwei: Erleb‘ mal was, ohne ständiges Knipsen mit dem Smartphone. Man bekommt so viel schneller Kontakt mit seiner Umwelt und den Menschen um einen herum. Let’s get connected.

Connected hätte auch mein SAT-Receiver bleiben sollen – so aber hatte ich statt der ersehnten Poldark-Folgen nur je 60 Minuten lang ein schwarzes Bild, einmal mit einer Sendeinfo zusätzlich, dass dort jetzt die Quizshow „Pointless“ laufen würde. Was für ein schlechter Witz. This recording was indeed… Pointless.

Mein Bild des Monats habe ich als Stellvertreter für ein weiteres sonntägliches Projekt, das mir bis zum Jahresende viel Freude bereitet hat: 22 Wochen – ein Objekt, von aequitasetveritas und wortman. Jeden Sonntag gab es von mir ein Bild, auf dem ich mein Lieblingsobjekt immer wieder anders arrangiert habe.

Bild des Monats:

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September

Stell Dir vor, Du hast 30jähriges Firmenjubiläum, aber Du bist gar nicht da. Ein Tag Sonderurlaub winkt Dir trotzdem, und den könnte man doch auch für ein verlängertes Wochenende zum Wegfahren nutzen. Die Idee kam mir, als ich am Anfang des Monats ziellos durchs Internet surfte und durch ein Bild bei pinterest auf einen Twitter-Eintrag umgeleitet wurde, der verkündete, dass es am letzten Septemberwochenende in Berlin zum neunten Mal das australisch-neuseeländische Filmfestival „Down Under Berlin“ geben würde.

Das Programm las sich vielversprechend: viele Kurzfilme, Small-Budget- und Independent-Filme, von denen ich auch schon so einige in meinem Leben gesehen habe, und zum Abschluss die Filmdokumentation von Richard Loewenstein über Michael Hutchence, den 1997 verstorbenen Sänger der Band INXS. Was gab es da für mich noch groß zu überlegen? – Karte kaufen und nix wie hin. Und mit zwanzig Euro für diesen Film und die schwarze Komödie „Book Week“ am Abend davor auch noch eine für mich günstige Veranstaltung. Dass die Unterkunft dann wegen des zur selben Zeit stattfindenden Berlin-Marathons teurer wurde als gedacht, war mir dann auch wieder egal. Pandas gucken im Zoo war noch ein Programmpunkt, der aber dann daran scheiterte, dass die gerade mal vier Wochen alten Knirpse noch viel zu klein und kälteempfindlich waren, um sie der breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. Aber ich habe mir vorgenommen, im kommenden Jahr noch einmal nach Berlin zu fahren, denn jetzt sind sie raus aus ihrem kuschelig-warmen Refugium hinter den Kulissen.

Das Spielfilmhighlight „Downton Abbey“ genoss ich dann in meinem Lieblings-Arthouse-Kino, dem Cinéma in Frankfurt am Main, bei einem Glas Gin Tonic. An der Stelle gebe ich gerne zu, dass ich mich darauf schon das ganze Jahr gefreut habe – diese Vorfreude toppte noch die auf die Lowenstein’sche Filmdokumentation, aber sie wurde nur noch von meiner Vorfreude auf die Kanadareise übertroffen. Drei Beweise dafür, dass Vorfreude doch immer noch die schönste Freude ist und dass „Yesterday“ wohl nur die unrühmliche Ausnahme war. 

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Oktober

Ein Monat unter einem einzigen Motto – es war Zeit für den sogenannten Horrorctober. Ein Wortspiel aus Horror und October. Deshalb auch die Fettschrift in fröhlichem Schwarz. Ha ha. Ja, genau – es galt, in diesem Monat 13 Horrorfilme zu gucken, und welche das waren, entschieden wir selbst. Eingestiegen bin ich spät, aber umso rasanter habe ich dann aufgeholt, und dann waren es zum Schluss doch noch einer mehr. Hier eine kurze Auswahl dessen, was das Angebot unserer Stadtbücherei so hergab – Horror Light, wenn man so will, aber ich fand’s klasse: „Spring“, „Ghost Ship“, „Fright Night“, „10 Cloverfield Lane“, „Lights Out“, „Black Water“ und „In Fear“ – eine große Bandbreite an unterschiedlichen Spielarten: Komödie, Tierhorror, Horror mit Psychos, unheimlichen Wesen und vermeintlichen Weltuntergangshysterikern… dazwischen neben einer Low-Budget-Produktion auch zwei Filme mit Top Besetzung sowie Schauspielern, die ich in solchen Rollen niemals erwartet hätte. Colin Farrell als Vampir und David Tennant als over the top agierender Showmaster und Vampirjäger wider Willen (Fright Night), und Allen Leech (Downton Abbey) als komplett durchgeknallter Mitfahrer in dem kammerspielartigen, hochspannenden „In Fear“.

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November

Dieser Monat gehört nicht zu meinen Favoriten. Aber wie sagte ich nochmal so schön zu meiner Schwester? Wenn der Monat schon so sch***e ist , soll wenigstens das Kalenderblatt was hermachen. Und weil das so ist, gebe ich mir beim Zusamenstellen von zwölf Bildern für den kommenden Kalender inzwischen besonders viel Mühe. Und damit der Monat gar nicht erst so wird, wie meiner Schwester gegenüber geschildert, habe ich die letzten beiden mir noch zustehenden Urlaubstage am 27. und 28. November genommen. Wobei der erste von den beiden der schönere war. Morgens einen Termin, aber nachmittags eine ausgedehnte Tour durch das riesige Main-Taunus-Zentrum, wo es außer vielen Gelegenheiten, in Sachen Weihnachtgeschenk fündig zu werden, auch kleine Buden mit Lebkuchen, Glühwein und anderen netten Dingen gab – asiatisch Essen gehen musste natürlich auch sein, um mich auf einen musikalischen Abend im Kinopolis einzustimmen, zur weltweiten und einzigen Vorstellung des von 92 auf 98 Minuten erweiterten Konzertfilms „INXS – Live Baby Live“ – die über 70.000 Besucher des Wembley-Stadions am 13.7.1991 wurden noch getoppt von dem Gratiskonzert, das Paul Simon einen Monat später vor 600.000 Zuschauern im Central Park gab.

Übrigens waren bei diesem Film weitaus weniger Besucher im Kino als bei „Depeche Mode – SPIRITS in the Forest“, den ich am 21. November im Offenbacher Cinemaxx gesehen habe, aber hat mich das gestört? Nö. Für mich war’s wie in dem nachstehenden Werbetext: „Forget about being in the crowd. The cinema experience makes you feel like you’re ON THE STAGE! Every instrument, every note, is crystal clear and right there in your face“ (https://www.triplem.com.au/story/review-cinematic-release-of-inxs-live-baby-live-is-a-masterpiece-151608) – normalerweise finde ich solche Texte fast schon peinlich, aber den hier finde ich jetzt wirklich mal erfrischend; vielleicht ist das der ganz spezielle australische Humor. Ha ha. Und der Beweis, dass Kino an dieser Stelle mehr leisten kann als Fernsehen, DVD/BluRay und alle Streamingdienste dieser Welt zusammen.

Vielleicht wäre das mal ein Tip für die übernächste Fußball-WM, wenn es draußen wieder einmal viel zu heiß ist für Public Viewing im Freien oder schlechtbelüfteten Kneipen. Ich kann ja nicht jedesmal in den kühlen Norden ausweichen, so wie 2018 bei meinem Dänemark-Urlaub während jenes Fußballgroßereignisses. Vervollständigt haben diesen Monat das Konzertquartett zum einen das folkig-rockige Weihnachtskonzert „Celtic Christmas“ von Bruce Guthro am 24. November in der Jahrhunderthalle und zum anderen das Konzert der Irischen Band Walking on Cars am 3. November in der Batschkapp, über das jetzt erst mal den Mantel des Schweigens breite, obwohl es nicht an der Band lag, sondern an den unschönen Begleitumständen.

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Dezember

Ja, haben wir denn schon Weihnachten? Die Wartezeit bis dahin habe ich mir mit einem virtuellen Adventskalender versüßt, der aus auf youtube gefundenen Videos zu 26 Liedern aus meiner Smartphone-Playlist bestand; schön alphabetisch geordnet von „A wie Alane“ bis „Z wie Zombie“ bestand. Sogar das Q und die für mich wirklich schwierigen Buchstaben R und V waren darin enthalten, und so hatte ich jeden Tag nette Klänge, auf die ich mich schon morgens freuen konnte. Ein netter Blogger hat mir dann auch prompt noch einen Ohrwurm mit Q beschert, der sich aber nicht lange in meinen Gehörgängen gehalten hat. Da waren dann einige Buchstaben doch stärker. Trotzdem ein dickes Dankeschön an diese Aufmunterung des Tages.

Musikalisch stark geprägt war zwar der November, aber ein ganz besonderes Filmerlebnis erwartete mich am 8. Dezember mit dem Konzertfilm „Aretha Franklin – Amazing Grace“, 1972 in einer Kirche an zwei Abenden mitgeschnitten und mit Cameo-Auftritt von Mick Jagger ganz hinten im Publikum. Was für eine Power. Was für eine Stimme – nein, ich meine nicht Herrn Jagger, sondern die Queen of Soul. Der sechzehnte Film – aber nicht mein letzter, denn mit „Der Leuchtturm“ fand mein Filmjahr seinen krönenden Abschluss – und mit „We salute you“, zwei Stunden geballte Power einer seit zwei Jahren bestehenden AC/DC-Tribute-Band nicht nur der krönende Abschluss meines Konzertjahres 2019, sondern auch eine richtig tolle Möglichkeit, meinen Geburtstag zu feiern, wenn ich an diesem Tag schon arbeiten muss und nicht freibekomme.

Die verspätete Geburtstagsüberraschung bekam ich einen Tag später von der BBC serviert. Durch Zufall darauf an Weihnachten gestoßen, als ich von meiner Schwester gebeten wurde, die Setlist für ein bestimmtes Konzert nachzuschlagen. Manchmal hilft das Lesen des gesamten Artikels anstatt selektives Herausfiltern.

Das war es mit meinem Rückblick auf 2019, der jetzt doch länger ausgefallen ist und nicht nur selektiv auf einzelne/wenige Monate. Steckbriefartig gibt es nun noch eine grobe Zusammenfassung meiner rein subjektiv zusammengestellten Tops und Flops.

Bild des Monats:

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Und hier kommt sie nun, meine höchst subjektive und wahrscheinlich total unfaire Best-of- und Worst-of-Liste:

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Spielfilm des Jahres: „Der Leuchtturm“   —   Würdige Spielfilm-Anwärter: „Downton Abbey“, „Le Mans 66 – gegen jede Chance“, „Official Secrets“   —   Dokumentarfilm des Jahres: „M.C. Escher – Reise in die Unendlichkeit“   —   Würdige Dokumentarfilm-Anwärter: „Depeche Mode – SPIRITS in the Forest“, „Mystify : Michael Hutchence“   —   Verpasste Gelegenheiten zu Filmen, die mich bestimmt sehr beeindruckt hätten: Kursk“, „Systemsprenger“ und „Midsomar“   —   Filmenttäuschungen des Jahres: „Yesterday“ und „Once upon a Time in Hollywood“

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Album des Jahres auf Vinyl: „Songs of Experience“ (U2)   —   Würdige Anwärter auf „Vinyl des Jahres“: „Rockferry“ (Duffy), „Taiga“ (Zola Jesus), „The silent force“ (Within Temptation) und „Born to die – the Paradise Edition“ (Lana del Rey)  —   Vinyl-Oldies des Jahres: „The Swing“ (INXS), „Gold“ (ABBA), „Greatest Hits“ (Queen) und „The unforgettable Fire“ (U2)   —   Enttäuschende Alben des Jahres: „High as hope“ (Florence and the Machine), „Mystify : a musical journey with…“ (Michael Hutchence)

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Konzert des Jahres: We Salute You   —   Konzertflop des Jahres: Walking on Cars   —   Musikvideo des Jahres: „Adore you“ (Harry Styles) — Konzertüberraschung des Jahres: Dixie Chicks, April 2016 – DCXMMXVI World Tour (ausgestrahlt auf 3SAT am 31.12.2019)

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Filme des Jahres auf DVD/im Fernsehen: „Three Summers“, „Hidden Figures“, „Mrs Mallory und der Duft von Curry“, und „Fast Girls“   —   DVD-Flops des Jahres: „Katakomben“, „Ein Goldfisch an der Angel“, „ES“ und „Kinder des Zorns“   —   Bestes Binge-Watching-Erlebnis: „Stirb Langsam“ (Teil 1 bis 4)   —   Weihnachtsfilm des Jahres auf DVD nach der Christmette: „Angels‘ Share – ein Schluck für die Engel“

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Fernsehserien des Jahres im Fernsehen/auf DVD: „Vikings“, „Lucifer“, „9-1-1 Notruf LA“ und „Younger“   —   Serienflops des Jahres: „Charmed“ und „Legacies“   —   Verpasste Serien: „Game of Thrones“ (Staffel 8) und einzelne Folgen von „Poldark“

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Überraschungen des Jahres: Dass ich am 31.12.2019 die fünften Staffel von „Poldark“ im Laden entdeckt habe – und das Silvesterprogramm auf 3SAT mit „Pop Around the Clock“ im Allgemeinen, und davon die Konzerte von The Cure, Metallica, Pink Floyd, Paul Simon und den Dixie Chicks im Einzelnen – bei letzteren fand ich schon allein das Transparent mit der Aufschrift „I postponed my wedding to be here“ mitten im Publikum zum Brüllen. Und diese Frauen sind richtig klasse und rocken das Haus. „Nothing compares 2 U“ die Coverversion mit dem Prince-Logo auf dem purpurnen Vorhang im Hintergrund der Bühne – vorgetragen von einer Sängerin, die mich stark an Pink erinnert.

Mediale Enttäuschungen des Jahres: Die verstümmelte bzw. stark gekürzte Fassung des ursprünglich 92 Minuten langen INXS-Konzerts von 1991 auszustrahlen, auf BBC 2 am 28.12.2019 (57 Minuten) und auf 3SAT am Neujahrsmorgen (74 Minuten). Außerdem das völlig wirre Durcheinandersenden von alten und neuen Dr-Who-Folgen auf ard one. Sowie die wenig hilfreiche Geheimhaltungstaktik mancher Sender, was geplante Serien- und Filmstarts angeht. „Coming Soon“ ist im Juni eine Frechheit, wenn der Film, um den es geht, erst am Jahresende im Spätprogramm läuft.

Enttäuschungen des Jahres im realen Leben: Mein Unvermögen, meine Lieblingsserie aufzunehmen und die Entdeckung, dass es immer schwieriger wird, DVD-Rohlinge zu kaufen. Dann, dass zwei meiner liebsten Kollegen gekündigt haben und jetzt auch noch mein Auto am Tag nach meinem Geburtstag sein Leben ausgehaucht hat.

Entdeckung des Jahres: Dass ich eine Miniserie von aufeinander aufbauenden Kurzgeschichten schreiben konnte und ahne, dass da noch mehr kommen könnte. Der Osten Kanadas und dass ich mich beim Ausgehen pudelwohl gefühlt habe. Das Double-Feature-Bonusprogramm der BBC2 („Mystify : Michael Hutchence“ & „INXS – Live Baby Live“) als verspätetes Birthday Present, rein zufällig beim Surfen gefunden – und weil’s so schön war, auch noch gleich ein ganz besonderes Filmhighlight in der Originalversion – der australische Spielfilm „Three Summers“, den ich so gut fand, dass ich ihn mir gleich auch noch auf einen DVD-Rohling gezogen habe.

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Das war er – mein Jahresrückblick. Ich bin gespannt, was das Jahr so bringt – angefangen hat es schon mal gut. Der Bus war pünktlich. Happy New Year.

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Same procedure as every year, James : der Jahresrückblick – Teil 1

aber vielleicht doch nicht so ganz wie erwartet, geht es nun auch damit bei mir los, hatte ich bereits am 8. Dezember damit angefangen. Etwas verfrüht, berichtete ich unter dem Titel „Mein Kinojahr 2019“ über all die Filme, die ich dieses Jahr gesehen hatte – ohne daran zu denken, dass dies doch noch nicht alles gewesen sein könnte. Entstanden ist dabei ein Querschnitt durch verschiedene Genres (Biopic, Komödie, Horrorfilm, Drama, Blockbuster, Independent-Film, usw) – nur eines fehlte noch: ein Film in Schwarz-Weiß. Das änderte sich am letzten Sonntag vor Weihnachten mit einem Kinobesuch zur Mittagszeit und dem Horrorfilm „The Lighthouse“ (Der Leuchtturm) in der Originalversion ohne Untertitel. Danach war ich so beeindruckt – und das auch noch Tage später, dass ich im Überschwang schrieb, dieser Film könne sich bei meinen bisherigen drei Anwärtern auf den Titel „Film des Jahres“ einreihen. Heute muss ich meine Meinung revidieren. Für mich ist „Der Leuchtturm“ nicht bloß ein Anwärter, sondern tatsächlich Film des Jahres.

Und damit habe ich ihn auch schon gefunden, den Einstieg in meinen persönlichen Rückblick auf das vergangene Jahr, den ich der Länge wegen zweigeteilt habe und dem eine Zusammenfassung meiner persönlichen Highlights und Flops in verschiedenen Kategorien (z.B. Film des Jahres) folgt. Lasst Euch überraschen…

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Januar

Schon zu Beginn des Jahres hatte ich das Gefühl, einmal etwas völlig anderes machen zu müssen. Etwas, das von meinen Gewohnheiten abweicht, und wenn es eine Reise in einen ganz anderen Teil der Welt ist. Japan vielleicht. Oder Hawaii. Oder Australien. Oder… ach, wäre das schön. Aber dafür reichen drei Wochen Urlaub lange nicht aus – also musste ein Reiseziel her, das nicht ganz so weit entfernt ist: Kanada. Dahin wollte ich schon mit Anfang Zwanzig. Auch während meiner Ehe kam dieses Thema einmal kurz zur Sprache, aber setzen Sie einmal einen Raucher für einen Langstreckenflug unter Rauchentzug. No way! Aber was hindert mich eigentlich daran, den verpassten Traum der Jugend jetzt nachzuholen? Richtig: Nichts! Leider führte die Suche im Internet zu keinem brauchbaren Ergebnis. Aber der Gang ins Reisebüro, nachdem ich meinen Urlaub eingetragen hatte, brachte mich meinem Ziel ein großes Stück näher, denn in einem Katalog entdeckte ich eine Busrundreise, die genau in dem Zeitraum meines eingetragenen Urlaubs stattfinden sollte. Das war die Lösung, und kurzerhand buchte ich noch zwei Nächte in Toronto hinzu. Nun fehlte nur noch der Reisepass, und die Planung war so gut wie durch.

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Februar

Im Februar habe ich die Schreibplattform wattpad für mich entdeckt und bin dort auf jede Menge kurzweilig zu lesender Bücher, Kurzgeschichtensammlungen und einer wahren Flut an sogenannter Fan Fiction gestoßen, sowohl in deutsch als auch in englisch. Und weil mich das ganze Spektrum an Literatur so unglaublich fasziniert, lese ich inzwischen viele Geschichten parallel nebeneinander her; eine Marotte, die ich jahrelang mit Hingabe gepflegt habe. Nebenbei dachte ich mir bei dem, was andere so veröffentlichen, dass ich mich mit meinen zusammenfabulierten Geschichten nicht verstecken muss, hatte aber zu diesem Zeitpunkt noch keine Ahnung, dass damit die Saat gestreut war für meine spätere, regelmäßige Teilnahme an einem Projekt, bei dem jede/r mitschreiben kann. Also meldete ich mich bei wattpad ausgerechnet am Valentinstag an und lud etwas später mein erstes Werk, eine Kurzgeschichte namens „Contact“ hoch, die ich hier im Rahmen einer Bloggeraktion bereits vor längerer Zeit veröffentlicht hatte.

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März

In diesem Monat war fleißiges Editieren bisher noch nicht veröffentlichter Texte angesagt, mit denen ich mich in deren bisherigem Zustand unmöglich an die Öffentlichkeit wagen konnte. So dachte ich, und dann kam mir ausgerechnet ein Thema bei dem Projekt „Das Werk zum Wort“ in die Quere, mit dem ich mich schon länger nicht mehr beschäftigt habe, aber das nun förmlich danach schrie, dass ich mich damit erneut auseinandersetzte. Leider kommt es in Wellen, da ich alle für mich wichtigen Personen im Oktober verloren habe: den ersten am 29. Oktober 1992 und den nächsten am 6. Oktober 2016. Manch einen mag das Thema „Trauer“ triggern, bei mir können es immer noch ganz kleine und unerwartete Dinge sein, die mich triggern, und dann ist sie auch schon wieder da, die nächste Welle; aber inzwischen kann ich es aushalten.

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April

Der 1. April ist traditionell der Tag des Aprilscherzes. Der fiel dieses Jahr auf einen Montag und war mein erster Urlaubstag. Wer aber in Urlaub fuhr, war nicht ich, sondern mein Auto, das sich ganz dringend eine Auszeit in der Werkstatt nehmen wollte und mit einem Platten winkte. Ja, ich hatte das Schwenken mit dem Zaunpfahl schon verstanden: Mein Cuore macht Wellnessurlaub, und ich werde zu Sport im Freien verdonnert. Laufen war angesagt – viel Laufen, denn das war die Gelegenheit, für den Ketteler-Lauf im Mai zu trainieren, für den ich mich angemeldet hatte. Letztes Jahr war ich zwar nicht auf dem letzten Platz gelandet, aber jetzt hatte mich der Ehrgeiz gepackt, die fünf Kilometer in weniger als 50 Minuten zu laufen. Bei diesem Training ist mir zum ersten Mal aufgefallen, wie schön manche Ecken der Heimatstadt sein können, wenn man sie zu Fuß erkundet, anstatt nur mit dem Auto daran vorbeizufahren.

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Mai

An dieser Stelle zitiere ich Lückentext Nr. 7 aus dem „Media Monday“ vom 27. Mai

7: Zuletzt habe ich nach dem Kettelerlauf versucht, vom Bett aus noch einen Film zu sehen und das war vergebene Liebesmüh, weil ich von 5 Kilometern und zwei Weißweinschorlen auf Eis danach dermaßen platt war, dass ich über zwölf Stunden durchgeschlafen habe.

Der Ketteler-Lauf war für mich das herausragende Ereignis des Monats, das seit seiner Entstehung unter dem Motto „Lauf dem Krebs davon“ firmiert. Eine sehr gute Freundin von mir hat ihren Mann 2017 nach einer langen Leidenszeit mit dieser tückischen Krankheit, die jeden Teil des Körpers befallen kann, für immer verloren. Und seitdem ist es für mich Ehrensache, an diesem Charitylauf teilzunehmen. Mir geht es dabei nicht ums Gewinnen, sondern meine Grenzen neu zu setzen und daran mitzuwirken, dass der Erlös Sportprogrammen für Krebskranke zugute kommt – Sportangebote, die von der Krankenkasse nicht bezahlt werden.

Kam ich im letzten Jahr noch als fünfundneunzigste von 120 Walkern durch die Ziellinie, so stellte der diesjährige Lauf eine riesige Verbesserung meines Laufergebnisses dar, denn ich brauchte für die Strecke von fünf Kilometern tatsächlich nur 49 Minuten und erreichte somit Platz 35 bei den weiblichen Walkern. Da kann man auch mal zwölf Stunden durchschlafen, bis am nächsten Tag die Sonne lacht.

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Juni

Nachdem ich mein selbstgestecktes Ziel für den Mai mit Bravour erreicht hatte, stand das nächste Projekt auf dem Plan: Kreatives Schreiben unter dem Motto #Writing Friday auf dem Blog von elizzy. Was hatte ich schon groß zu verlieren? Den Pulitzerpreis werde ich mit meinen Texten nie erreichen, aber das ist auch nie mein Ziel gewesen. Beim #Writing Friday geht es darum, sich zu einem oder mehreren vorgegebenen Themen kreativ mit Worten auszudrücken, in welcher Form auch immer. Da unsere Texte immer Freitags auf unseren Blogs erscheinen, hatte meine Woche nun nach dem Sonntag mit dem Media Monday (medienjournal) und dem Werk zum Wort (stepnwolf), dem Serienmittwoch (Corly) und den 5 Besten am Donnerstag (passionofarts) einen weiteren „fixed point in time“ – am Freitag. Schon länger hatte ich damit geliebäugelt, aber nun war die Zeit reif dafür. Zur Auswahl standen folgende Themen:

1) „Julia wollte das alles nicht, doch nun steckte sie zu tief mit drin.” Wie geht die Geschichte weiter?   —   2) Schreibe einen Brief an dein 80-jähriges Ich.   —   3) Du kannst plötzlich fliegen. Würdest du jemandem davon erzählen? Was tust du mit dieser neuen Fähigkeit?   —  4) Deine Vorratsdosen starten einen Aufstand, berichte davon.   —   5) Was bedeutet Freundschaft für dich?

Meine Wahl fiel auf die ersten drei Themen; Mit der vierten Aufgabe konnte ich nichts anfangen, und die letzte war mir (noch) zu persönlich. Dass sich aus der Geschichte zur ersten Aufgabe, die ich „Am Haken“ genannt habe, so etwas wie eine Miniserie entwickeln würde, konnte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen. Die wichtigste Regel von den wenigen, die elizzy aufgestellt hat, lautete: Habt Spaß. Und das machte es definitiv. Ich bekam Lust auf mehr und machte bis zuletzt regelmäßig mit. Ein Ende ist nicht abzusehen.

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An dieser Stelle folgt eine Pause vor den Monaten Juli bis Dezember – zu Teil 2 geht es hier.

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Niagara : Wenn nicht nur der männliche Hauptcharakter getäuscht wird


Zu Recherchezwecken habe ich mir heute den Film „Niagara“ von Henry Hathaway aus dem Jahr 1953 ausgeliehen. In den Hauptrollen Joseph Cotten als George Loomis und Marilyn Monroe als seine Frau Rose. Warum sie sich in ein Ferienresort eingemietet haben, obwohl Mr. Loomis angeblich die Niagarafälle nicht ausstehen kann, erschließt sich nicht, ist auch nicht von Belang. Recht schnell wird nämlich klar, dass es hier um Betrug geht und um Mord an George. Geplant hat das Verbrechen Rose, und ausführen soll es ihr Liebhaber, mit dem sie sich heimlich an den Niagarafällen trifft.

0519 vom tower 2

Angeschmiert ist aber nicht nur der eifersüchtige Ehemann, sondern das Publikum. Oder bin ich die einzige, der gewisse Logikfehler auffallen? Dabei bin ich keine, die gezielt nach Filmfehlern sucht. Wenn sie mir dagegen von selbst ins Auge springen, werde ich natürlich neugierig, ob es da vielleicht nicht noch mehr Unstimmigkeiten gibt. Meistens tauchen solche Fehler im weiteren Verlauf des Films auf – bei „Niagara“ fängt die Täuschung schon in der Anfangssequenz an, als Mr. Cotten am Fuße der Bridal Veil Falls ziellos umherstreift. Eigentlich müsste er pitschnass von seiner Wanderung in den frühen Morgenstunden zurückkehren, statt dessen betritt er knochentrocken sein Zimmer, in dem seine Frau friedlich vor sich hinschlummert. Selbst die Frisur sitzt perfekt. Respekt! Mir haben nur wenige Minuten auf der kanadischen Seite gereicht, um mir ein Handtuch zum Trocknen der Haare zu wünschen. Und dass es im Film um fünf Uhr morgens schon taghell ist, fiel mir erst im Nachhinein auf. Aber diesen Effekt konnte ich schon 2018 in „Poldark“ bewundern. Geändert hat sich nichts.

A propos „tiefer Schlummer“: Dass in Hollywoodfilmen die weiblichen Charaktere wie aus dem Ei gepellt, also perfekt frisiert und geschminkt, in jeder Lebenslage zu sehen sind, ist ja nichts neues. Die Haare werden beim Duschen mit einer Badekappe geschützt, aber das Make-up ist nach der Dusche noch immer makellos, und nicht nur da, sondern auch beim Rauchen im Bett (was man nicht tun sollte) glänzen Marilyn Monroes Lippen in einem satten Rotton. Aber wenigstens drückt sie die Zigarette ganz vorbildlich im Aschenbecher aus, bevor sie sich schlafend stellt, weil ihr Mann heimkehrt. Denn er soll ja denken, dass sie noch immer tief und fest schläft. Come on: Are you kidding me? Wenn jemand kurz zuvor eine geraucht hat, dann riecht man das, ob Raucher oder nicht. Oder haben Raucher unempfindliche Nasen, die den Geruch gar nicht mehr wahrnehmen? Fragen über Fragen…

Damit man mich nicht falsch versteht: „Niagara“ ist für mich ein wirklich spannender Film mit einem hohen Wiedererkennungswert, was den Ort Niagara Falls auf der kanadischen Seite angeht, und einer Marilyn Monroe in einer mal ganz anderen Rolle, nämlich der der skrupellosen und manipulativen Femme Fatale. Interessanterweise wurde die Rolle der Polly Cutler mit Jean Peters besetzt, die bereits zwei Jahre zuvor in dem Film „Die Piratenkönigin“ selbst eine berechnende und rachsüchtige Frauenrolle spielte, nämlich die der Anne Providence, die ein Piratenschiff kommandiert. Diesen Film habe ich noch am selben Abend gesehen und habe mich über den überraschenden Zufall, gleich zwei Filme mit Jean Peters erwischt zu haben, königlich amüsiert. Das kommt davon, wenn einem Wurst ist, welche Darsteller in winziger Schrift auf der DVD-Hülle aufgeführt sind und man darauf verzichtet, im Internet nach Besetzungsliste und Kritiken zu suchen. Und Joseph Cotten? Der gab 1943 in dem Hitchcock-Thriller „Im Schatten des Zweifels“ den Serienmörder, dem seine „Lieblingsnichte“ Charlie (Teresa Wright) auf die Schliche kommt. An den Stil der Hitchcock-Filme erinnert mich so manche Szene in „Niagara“ dank extralanger Einstellungen im Glockenturm oder auf der menschenleeren Straße.

Menschenleere Straßen und die Tatsache, dass die Hauptpersonen immer genau da einen Parkplatz finden, wo sie ihn brauchen, sind m.E. auch so eine Spezialität Hollywoods. In diesem Fall weist nur herumliegender Abfall auf der Straße darauf hin, dass Niagra Falls kein idyllisches, verschlafenes Nest ist, sondern ein kleines Las Vegas mit Vergnügungspark, Casinos und Remmidemmi.

Achtung: Der Film wurde in Technicolor gedreht und nicht in Schwarzweiß, wie der Trailer suggeriert (Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=dCQB4qRYVEQ – okay, „the High Water Mark in Suspense“ ist angesichts des Hochwassers in Venedig jetzt nicht gerade der sensibelste Slogan, aber das konnte man in den 50er Jahren nun wirklich nicht ahnen):   

Liebe Leute – DAS ist Technicolor (ich wollte, heutiges Fillmmaterial hätte eine solch brilliante Qualität (Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=aDIvP2nyb2E)…

und damals zerbröselten Schallplatten noch, wenn man sie grob behandelte und nicht nett zu ihnen war. Alles in allem, war es ein vergnüglicher Filmabend mit Klassikern, die ich schon lange einmal wiedersehen wollte.

Unsortierte Gedanken : Optische Täuschung

 


 

Seit 2015 verfolge ich mit gleichbleibender Begeisterung die Sonntagabends auf BBC One ausgestrahlte Serie „Poldark“, die als sogenanntes Period Drama am Ende des 18. Jahrhunderts in Cornwall angesiedelt ist. Schon damals hatte ich mich über den massiven Einsatz von Filtern gewundert und mir die Frage gestellt, warum Aufnahmen so aussehen müssen, als ob sie bei Sonnenauf- oder -untergang stattfinden. Dass ich damit der Zukunft vorgreifen würde, hätte ich damals auch nicht gedacht.

 

So richtig bewusst wurde mir dieser Gedanke erst wieder, als ich neulich als Einstimmung auf die bevorstehende fünfte und letzte Staffel beim Sichten der vierten Staffel in der siebten Folge ein Déjà-vu hatte – bei dem Klassiker des Kostümdramas schlechthin: Dem Duell – im Hyde Park – bei Morgengrauen und gedämpftem Licht. Was ja nun nichts neues wäre. Was mich aber wirklich verblüfft die Augen reiben ließ, weil ich dachte, ich sähe nicht richtig, war die Tageszeit, bei der diese Filmszene entstand. Ich bin ja gespannt, wem diese optische Täuschung außer mir noch aufgefallen ist – aber zunächst das Video, das ich bei youtube gefunden habe:

 

 

Per Brief hatte der Abgeordnete Monk Adderley Captain Ross Poldark zum Duell mit Pistolen herausgefordert, weil dieser im Unterhaus den Kopf verloren und Adderley vor den anderen Parlamentsmitgliedern am Kragen gepackt hatte. Und nun soll diese illegale Zusammenkunft im Hyde Park stattfinden – selbstverständlich vor Sonnenaufgang, denn Zeugen können sie dabei nicht gebrauchen, und außerdem soll Ross‘ Frau Demelza davon nichts erfahren, die derweil friedlich schlummert…

Zum einen, weil er weiß, was sie von solchen Kämpfen zur Wiederherstellung der Ehre hält und sie vor Angst, ihn zu verlieren, beinahe umkäme. Zwar hat ihr Mann im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg gekämpft und ist ein erfahrener Schütze, aber Adderley ist berüchtigt für seinen zweifelhaften Ruf als begeisterter Duellant, gegen den seine Gegner bisher keine Chance hatten… So weit die Geschichte, die sich dicht an der Romanvorlage orientiert. Und nun die Lösung für alle, die den Filmfehler immer noch nicht gefunden haben:

 

Der Hyde Park im Morgengrauen – wie romantisch

 

Die Kamera hat das gedämpfte Licht wunderbar eingefangen, und weit und breit ist kein Mensch zu sehen, außer den beiden Duellanten und ihren Sekundanten, auf die die hoch am Himmel stehende Sonne herabscheint. Wie bitte? Obwohl sie noch gar nicht aufgegangen sein dürfte, steht sie hoch oben am Himmel?

Die Spanne zwischen der vierzigsten und zweiundvierzigsten Sekunde liefert mit dem Sonnenstand und der Länge der Schatten Aufschluss über diesen Fehler. So kurz sind Schatten in der Regel nur zur Mittagsstunde:

 

 

Wie war das nochmal mit den Filtern?

 

 


Quelle des Videos auf youtube:   https://youtu.be/vB7qh3rRraM

ABC Photography : I wie Illumination

 

 

In der 9. Ausgabe des „neuen/alten Projekts ABC“ von wortman, das seit dem 6. Januar 2019 existiert, wird es diesmal schön hell, denn jetzt ist das I dran, und zwar mit

I wie Illumination

Weder die Sammlung mit Schallplatten meiner Lieblingsband, mein Maßband mit der Maßeinheit Inch oder gar alte Röntgenbilder (Innenleben) – sondern Lichterglanz. In allen geraden Jahren steht nämlich Frankfurt ganz im Zeichen der Luminale: Lichtkunst mit Hunderten von Projekten im gesamten Rhein-Main-Gebiet – als Begleitprogramm zur Messe „Light and Building“. Dreimal war ich bereits mit der Kamera dabei auf Streifzug: 2012, 2014 und 2016. Mit dieser kleinen Auswahl konzentriere ich mich auf alles, was beleuchtet worden ist und anderes illuminiert.

 

Wenn nachts die Stadt von Lichtquellen erhellt wird, erhält man faszinierende Ausblicke von oben:

 

Ein Kunstwerk am Frankfurter Hauptbahnhof und sein Innenleben:

 

Impressionen einer Modenschau, bei denen kleine Lichtquellen die Kleidungsstücke zum Leuchten bringen oder ihre Farben erst durch Schwarzlicht so richtig hervorstechen:

 

Detailaufnahmen von Mode und Kunst:

 

Über die letzte Installation habe ich hier schon einmal geschrieben:

 

Schön anzusehen ist auch die Installation „Überlebenslicht“ auf dem Weiher in der Parkanlage gegenüber dem orange angestrahlten Messeturm: ein Rettungsring inmitten unzähliger kleiner Lichter; Seenotrettungsleuchten, die stellvertretend für all jene Flüchtlinge stehen, die mit teils hochseeuntauglichen Booten übers Mittelmeer übersetzen – „nicht alle kommen an“, um die Worte aus dem Begleitheft zu zitieren.

 

Manches bleibt doch länger im Gedächtnis, als einem bewusst ist. Mal sehen, welche I’s ab heute noch bewundert werden können – und welches Motiv ich mit dem J verewigen werde.

Soundtrack of my life : Media Monday # 390 reloaded

 

Wer an dieser Stelle mit dem x-ten Beitrag zum Thema „meine Lieblingsband“ oder „die tollsten Musikvideos“ gerechnet hat, liegt leider falsch – denn zuerst muss ich den dritten Lückentext des „Media Monday“ vom 17. Dezember korrigieren. Da habe ich nämlich folgendes geschrieben:

 


3. „Pop around the clock“ auf 3Sat an Silvester könnte noch eines der späten Highlights des Jahres werden, denn da gibt es jede Menge Konzerte, die ich mir aufnehmen möchte, z.B. U2, Evanescence und Guns’n’Roses.


 

Mein spätes Highlight habe ich gestern Abend in der Jahrhunderthalle in Frankfurt Höchst gefunden;  Dort trat die niederländische Metalband Within Temptation mit Beyond the Black aus Mannheim als Vorgruppe auf. Within Temptation gibt es seit 1996, und von ihnen besitze ich die ersten beiden Alben. Beyond the Black, die 2014 gegründet wurden, kannte ich noch nicht. Beiden Bands gemeinsam ist, dass ich keine von ihnen je live erlebt habe. Seit gestern bin ich schlauer. Und begeistert. Endlich mal ein Konzert, bei dem auch der Supporting Act frenetisch gefeiert wurde und von dem Zugaben gefordert wurden. In der Hinsicht gab’s von meiner Seite erst mal nichts zu meckern.

 

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Doch das Highlight waren und bleiben für mich Within Temptation. Was für eine grandiose Show. Stücke von ihren ersten Alben waren in der Minderzahl vertreten. Die anderen Songs, von denen ich bisher noch keinen kannte, schickten mich auf eine emotionale Achterbahnfahrt von euphorisch bis melancholisch. Die Krönung schlechthin waren die beiden Akustikversionen; so konnte sich auch der Letzte in der Halle davon überzeugen, welch grandiose Stimme Sharon den Adel hat. Eine Stimme, die mühelos mehrere Oktaven umfasst.

 

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Auch optisch war die Show der Hammer: Außer den üblichen Lichteffekten gab es jede Menge Filmsequenzen, die die Lieder eindrucksvoll untermalten – grafisch auf hohem Niveau. Zur finalen Zugabe wurde die Sängerin, die sich extra dafür umgezogen hatte und nun ein elfenhaftes, bodenlanges grünes Kleid trug, an Schnüren in luftige Höhen gezogen und schwebte wie ein Engel über der Bühne.

 

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Normalerweise schieße ich keine Fotos bei Konzerten, weil die Bilder sowieso nichts werden und ich mich ganz auf die Musik und die Künstler konzentrieren möchte, aber hier habe ich dann doch ein paar Eindrücke festgehalten, auch wenn die Qualität der Bilder zu wünschen übrig lässt. Bessere Bilder gibt es hier und hier mit Konzertbericht und Setlist .

Wie ich dort erfahren habe, muss ich aber noch warten, bis das neue Album erhältlich ist… Macht aber nichts. Der Abend war ein würdiger Vorgeschmack, und jetzt habe ich etwas, auf das ich mich 2019 freuen kann.

 

Unsortierte Gedanken : (nicht mehr alle) Tassen im Schrank

 


Halte beim Whisky Maß und genieß ihn nicht in Massen,

drum benutze ich ein Glas und trink ihn nicht aus Tassen *).


 

 

Als ich bei der Aktion „15 Tage, 15 Tassen“ mitmachte, fand ich heraus, dass drei meiner fotografierten Schätzchen spurlos verschwunden sind. Und zur Krönung habe ich dann auch noch versehentlich meine orange „Espressionisten“-Tasse geschrottet. Trinken kann man jetzt nicht mehr aus ihr, also dient sie jetzt als Behälter für Schlüssel; da ich sie aus Jux meine „Orange is the new Black“-Tasse getauft habe, kommt mir ihre neue Funktion nun vor wie pure Ironie. Und auch wenn wir viel zu viele Tassen im Haus haben (mitgezählt habe ich nicht die Becher meiner Schwester): So wollte ich meine Bestände nicht reduzieren.

Was mir diese Aktion noch gezeigt hat: Im Gegensatz zu anderen besitze ich keine Fan-Tasse. Die verschwundene Tasse, die ich 1999 anlässlich der Sonnenfinsternis in Stuttgart gekauft habe, zählt für mich nicht dazu. Warum nicht den Tip, mir eine Tasse, mit dem Motiv meiner Wahl bedrucken zu lassen, in die Tat umsetzen? Zumal ich meinen Morgenkaffee seit zwei Jahren aus der Tasse meines verstorbenen Mannes getrunken habe und ich seit einiger Zeit merke, dass ich mich damit nicht mehr wohl fühle. „The time is now“ – für etwas neues. Und darum habe ich mich hingesetzt und versucht, eine Auswahl aus ungefähr hundert Bildern mit Sprüchen, Landschaften oder Stars zu treffen. Einfach war das nicht, denn die meisten Fotos haben das falsche Format oder haben einen unruhigen Hintergrund.

Am Ende habe ich mich dann für eine Aufnahme meines Lieblingssängers entschieden; die habe ich zum Schluss noch mit rechts und links angesetzten Balken in einer zum dunklen Hintergrund passenden Farbe verbreitert und die Balken mit dem Auszug aus einem seiner bekanntesten Songtexte beschriftet: Damit nach dem Aufwachen mein Blick auf ein freundliches Gesicht fällt und nicht auf die geerbte Tasse mit dem Eselchen. Das bekommt nun einen Ehrenplatz in der Küche und darf von den anderen Familienmitgliedern bewundert werden.

 


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Und weil ich schon dabei war, habe ich auch gleich eine Tasse als Geschenk für meine beste Freundin bedrucken lassen; allerdings ist das keine Fan-Tasse geworden, denn sie zeigt eine Aufnahme von ihr mit einem Uhu auf dem Arm, als wir zusammen hinter die Kulissen einer Falknereivorführung schauen durften. Die Tasse soll ein Behältnis für einen Gutschein werden: entweder für einen gemeinsamen Kinobesuch oder – was ich für passender halte – eine Einladung in die Fasanerie. Bis zur nächsten „Besinnlichen Abendwanderung mit Lagerfeuer“ wird sie zwar noch nicht fit sein, weil sie zur Zeit einen Spezialschuh trägt, nachdem sie ihr den Gips abgenommen haben, aber wenn sie weiterhin solche Fortschritte macht wie jetzt, wird der frühestmöglichen Veranstaltung in 2019 kaum etwas im Wege stehen. Schließlich heißt es ja auch nicht umsonst „neues Spiel, neues Glück“.


 

*) Die Tasse vor der Whiskeyflasche abzustellen, war reiner Zufall, aber führte zur Inspiration zu diesem Kurzgedicht. Die einzige Variante, Whiskey aus einer Tasse zu trinken, wäre in Form eines Irish Coffee, aber den Versuch, ihn selbst zu mixen, werde ich so schnell nicht wiederholen (außerdem schmeckt er mir aus einem bauchigen Glas besser), und die Tasse bleibt weiterhin dem Genuß von Kaffee vorbehalten.

12 colours of handmade fashion : Fade to grey …

 


 


 

Unter dem sinnigen Titel „Grau ist das neue Schwarz“ ist dieses Jahr am 19. Februar von mir ein Beitrag zum MeMadeMittwoch erschienen, der ganz wunderbar zu dem Monatsmotto der 12letters of handmade fashion auff Selmins Blog tweedandgreet passt –

Oktober : Grau !

Von wegen „Goldener Oktober“. Das Kleid habe ich inzwischen insgesamt vier Mal aus jeweils anderen Stoffen genäht. Wäre der Stoff nach mehrmaligem Waschen nicht schon von Auflösungserscheinungen bedroht (Ausfransen und so…), würde ich das Kleid sicherlich öfters tragen und natürlich auch waschen. Und sowas nennt sich nun Möbelstoff! * beleidigt aus der Wäsche guck* … Die ganze Story gibt es hier nochmal zum Nachlesen.

 

Die Flasche und ihr Inhalt.

Jo-ho-ho, und ’ne Buddel voll Rum. Nein, liebe Leser und Leserinnen, diesen Beitrag habe ich heute beim Stöbern gefunden, nachdem ich mich gerade von einem Flyer über eine Flaschenpostausstellung im Museum für Kommunikation (Frankfurt/M) getrennt habe. Die Ausstellung war letztes Jahr, daher brauche ich den Flyer nicht mehr.

Aber mich juckt es seit geraumer Zeit in den Fingern, auch mal eine Flaschenpost zu verfassen und in den Main zu werfen, in der Hoffnung, dass sie von dort in den Rhein fließen und dann stromabwärts in die Nordsee gelangen möge. Vielleicht nach Ijmuiden – dort, wo wir 2008 so glücklich waren…

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„Ich wusste, dass du mal so etwas machen würdest“, meinte meine Flaschenpost- und Bloggerkollegin Ina, als sie von diesem Projekt erfuhr. Mit „so etwas“ war eine Wanderflaschenpost gemeint. Kannte sie mich aus meinen bisherigen Aktivitäten schon so gut oder hatte ich mal irgendetwas davon verlauten lassen? Keine Anhnung.

bugelverschluss Heutzutage schon selten: Schnappverschluss mit Keramikstopfen

Wie auch immer, die Idee war mir gekommen, als ich bei den Haushaltswaren im Supermarkt eine klare 350 ml Flasche mit Schnappverschuss entdeckte. Weil der Stopfen des Schnappverschlusses aus Keramik war, griff ich sofort zu. Eine goldrichtige Entscheidung, denn schon bei der nächsten Lieferung wenige Tage später waren die Stopfen aus weißem Kunststoff. Und Plastik ist nun mal gegen die Ehre der Flaschenpostlerzunft: anfällig gegen Seewasser, UV-Strahlung oder sonst einen Zahn der Zeit, zerbröselt das Zeug irgendwann und belastet als Microplastik die Umwelt. Außerdem beißt sich das mit meinem nostalgischen Stilempfinden.

Ein Bügelverschluss lässt sich…

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