Unsortierte Gedanken : Optische Täuschung

 


 

Seit 2015 verfolge ich mit gleichbleibender Begeisterung die Sonntagabends auf BBC One ausgestrahlte Serie „Poldark“, die als sogenanntes Period Drama am Ende des 18. Jahrhunderts in Cornwall angesiedelt ist. Schon damals hatte ich mich über den massiven Einsatz von Filtern gewundert und mir die Frage gestellt, warum Aufnahmen so aussehen müssen, als ob sie bei Sonnenauf- oder -untergang stattfinden. Dass ich damit der Zukunft vorgreifen würde, hätte ich damals auch nicht gedacht.

 

So richtig bewusst wurde mir dieser Gedanke erst wieder, als ich neulich als Einstimmung auf die bevorstehende fünfte und letzte Staffel beim Sichten der vierten Staffel in der siebten Folge ein Déjà-vu hatte – bei dem Klassiker des Kostümdramas schlechthin: Dem Duell – im Hyde Park – bei Morgengrauen und gedämpftem Licht. Was ja nun nichts neues wäre. Was mich aber wirklich verblüfft die Augen reiben ließ, weil ich dachte, ich sähe nicht richtig, war die Tageszeit, bei der diese Filmszene entstand. Ich bin ja gespannt, wem diese optische Täuschung außer mir noch aufgefallen ist – aber zunächst das Video, das ich bei youtube gefunden habe:

 

 

Per Brief hatte der Abgeordnete Monk Adderley Captain Ross Poldark zum Duell mit Pistolen herausgefordert, weil dieser im Unterhaus den Kopf verloren und Adderley vor den anderen Parlamentsmitgliedern am Kragen gepackt hatte. Und nun soll diese illegale Zusammenkunft im Hyde Park stattfinden – selbstverständlich vor Sonnenaufgang, denn Zeugen können sie dabei nicht gebrauchen, und außerdem soll Ross‘ Frau Demelza davon nichts erfahren, die derweil friedlich schlummert…

Zum einen, weil er weiß, was sie von solchen Kämpfen zur Wiederherstellung der Ehre hält und sie vor Angst, ihn zu verlieren, beinahe umkäme. Zwar hat ihr Mann im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg gekämpft und ist ein erfahrener Schütze, aber Adderley ist berüchtigt für seinen zweifelhaften Ruf als begeisterter Duellant, gegen den seine Gegner bisher keine Chance hatten… So weit die Geschichte, die sich dicht an der Romanvorlage orientiert. Und nun die Lösung für alle, die den Filmfehler immer noch nicht gefunden haben:

 

Der Hyde Park im Morgengrauen – wie romantisch

 

Die Kamera hat das gedämpfte Licht wunderbar eingefangen, und weit und breit ist kein Mensch zu sehen, außer den beiden Duellanten und ihren Sekundanten, auf die die hoch am Himmel stehende Sonne herabscheint. Wie bitte? Obwohl sie noch gar nicht aufgegangen sein dürfte, steht sie hoch oben am Himmel?

Die Spanne zwischen der vierzigsten und zweiundvierzigsten Sekunde liefert mit dem Sonnenstand und der Länge der Schatten Aufschluss über diesen Fehler. So kurz sind Schatten in der Regel nur zur Mittagsstunde:

 

 

Wie war das nochmal mit den Filtern?

 

 


Quelle des Videos auf youtube:   https://youtu.be/vB7qh3rRraM

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Unsortierte Gedanken : Das war definitiv nicht mein Jahr …

 

 

 

zumindest nicht die zweite Hälfte davon. Ganz für die Tonne war es nicht. Aber auch nicht zum uneingeschränkten Jubeln. Irgendwas ist ja immer, das ist eine allseits bekannte Binsenweisheit. Und deshalb möchte ich an dieser Stelle all jenen danken, die trotz meines Gejammers nicht ihr Interesse an meinen Texten verloren haben. Was im Januar 2014 (abgesehen von zwei Testbeiträgen im August 2013) als Nähblog mit Tendenz zum Gemischtwarenladen begann, ist vier Jahre später bei Musik, Fotografie und Medien unterschiedlicher Art angekommen.

Und schon bin ich mitten drin, in einem weiteren Jahresrückblick. Dabei war das so nicht von mir geplant. Aber jetzt bin ich schon mitten drin im Countdown des Jahres.

 

Change keeps us moving on“

Was sich 2017 abzuzeichnen begann, hat sich 2018 fortgesetzt. Pläne, die sich in Luft auflösten, durchsetzt mit kleinen und mittleren Katastrophen. Das fing schon im letzten Dezember an, als ich den Abend in der Notaufnahme zusammen mit meiner Mutter verbringen durfte, weil sie gestürzt war. So wollte ich meinen Geburtstag nicht feiern. Der Kommentar meiner Mutter dazu: „Wir haben Deinen Geburtstag schon mal gemeinsam im Krankenhaus verbracht.“ Großes Fragezeichen! „ – na, als ich Dich zur Welt gebracht habe.“ Ich wünschte, ich hätte manchmal ihren Humor. Zu allem Übel kam dann am selben Tag dann auch noch meine Schwester ebenfalls ins Krankenhaus, weil sie in der Küche ausgerutscht war und sich einen Halswirbel gebrochen hatte. Silvester fand für einige von uns dann nicht auf der geplanten Party statt, sondern zu Hause bzw. im Krankenhaus. Aber es gab auch schöne Momente und ein paar kleine Erfolgserlebnisse für mich…

Januar

Eine Fotoexkursion mit Rehen im Schnee und das Nähen von Knopflöchern stellten die Highlights dieses doch eher ereignisarmen Monats dar. Dafür soll dieses Foto stehen:

 

 

Was das Nähen angeht, so war ich dieses Jahr nicht sehr produktiv, denn genäht habe ich übers Jahr verteilt so wenig, dass ich die wenigen tragbaren Kleidungsstücke an einer Hand abzählen kann: Bluse, Kleid, Rock, Jogginghose, Kleid.

Februar & März

Ende Februar bzw. Anfang März versuchte ich während eines verlängerten Nähwochenendes an der Ostsee, einen Blouson (oder Bomberjacke) zu nähen, was aber gründlich mißlang. Ein falscher Stoff und ein für mich unvorteilhafter Schnitt machten es möglich. So wurde dieses verhunzte Stück, das von Anfang an unter keinem guten Stern stand, ein Teil für die Tonne. Dass mir ein gefütterter Bleistiftrock (Pencil Skirt) besonders gut gelang, stimmte mich dann wieder versöhnlich mit meinen verloren geglaubten Fähigkeiten im Nähen.

 

Trotzdem sind genau diese Rubriken zu kurz gekommen, auch wenn ich dann im Oktober nochmal bei einem anderen verlängerten Nähwochenende in Würzburg war. Zwar ist das hier kein Reiseblog, aber was ich bei meinen Reisen dieses Jahr erlebt habe, ergäbe genug Stoff, um ein solches zu füllen.

Der März war dann der Monat, in dem ich eine Überraschung erlebte, als ich aufräumte. Ich wusste zwar, dass ich so einiges an Schallplatten von Pink Floyd, Jean-Michel Jarre und Barclay James Harvest geerbt habe. Dass dabei U2-Alben auftauchten, die auch ich bereits besitze, war mir neu. Dabei kamen auch Schallplatten zum Vorschein, von denen ich wusste, dass ich sie seit über 30 Jahren habe. Aber wie oft hatte ich die gehört? In den 80er Jahren andauernd, danach nie wieder.

Jetzt bekamen sie eine zweite Chance, die sich zur Sucht auswuchs, was sich seitdem in zahlreichen meiner Blogbeiträge niederschlägt, und zwar in der Rubrik „Soundtrack of my life“, die ich ursprünglich mit einer ganz anderen Absicht entworfen hatte.

 

Auch die nächsten beiden Monate kann ich mangels Masse in einem Punkt zusammenfassen.

 

April & Mai

Der große Knall kam wegen der allseits geliebten gefürchteten DSGVO. Wie so viele andere war ich auf die am 25. Mai in Kraft getretene Datenschutzgrundverordnung schlecht bzw. gar nicht vorbereitet. Aber das Bloggen deswegen einstellen? Das Patentrezept hieß in meinem Fall: Erst mal bis zum 24. Mai weiter wie bisher, dann auf Eis gelegt durch Umstellen von „öffentlich“ auf „privat“ und im Hintergrund an allen wichtigen Punkten feilen. Nebenher buchte ich dann noch sämtliche Unterkünfte meines für Juni geplanten zweiwöchigen Urlaubs, der unter dem Motto „Weltreise“ stand.

Juni

Stichwort „Weltreise 2018“: In zwei Wochen kreuz und quer über den Erdball. Das geht nicht? Oh doch – wenn die Stationen „Texas“, „Kamerun“, „Bali“, „Kalifornien“ und „Brasilien“ allesamt in Deutschland liegen, mit der Südsee die dänische Südsee gemeint ist und man dem Dorf „Welt“ einen Besuch abstattet. Diese zwei Wochen waren die beste Zeit des ganzen Jahres, denn so frei, leicht und unbeschwert habe ich mich zuletzt im Sommer 2008 gefühlt, als mein Mann und ich damals mit dem eigenen Auto vier Wochen lang kreuz und quer durch Schottland und England gereist sind. Dieses Gefühl konnte selbst der Zusammenstoß meines japanischen Kleinwagens mit einem Land Rover nicht trüben, denn fahrtüchtig war mein Auto danach ja noch. Nur ein wenig zerbeult.

 

 

Auf meiner Fahrt nach Dänemark hatte ich insofern etwas Pech, dass die Klappe meines Kofferraums nicht vernünftig geschlossen war und ich deshalb auf der Fahrt einen Teil meines Gepäcks verlor: eine Jacke und meine Kameratasche mit kompletter Ausrüstung.

Dass die ohnehin schon leicht lädierte Kamera, das Ladegerät und die Akkus weg waren, konnte ich verschmerzen, aber dass die kompletten Aufnahmen der letzten vier Tage futsch waren, weil ich die unterwegs nicht sichern konnte (ich hatte mein Laptop nicht dabei), das war schon ärgerlich. Da gab’s nur eins: einige Motive auf dem Rückweg nochmal mit dem Smartphone knipsen. Dank meines Smartphones konnte ich dann noch so manch schönen Moment festhalten und auf meinem pinterest-Board ablegen. Und manche Erlebnisse waren dadurch sogar noch besser. Manchmal kann Verlust auch Gewinn bedeuten. Das sehe ich inzwischen ganz nüchtern und kühl.  A propos kühl… etwas kühl war es hier, während zu Hause sich alle die Seele aus dem Leib schwitzten:

 

 

… meanwhile in the Sahara or the Australian outback….. … which is not true. This was a bad joke: The picture was taken on a real cold, rainy, and windy day on the beach of a Danish island – driving sand from the side puts you in danger to lose orientation“. Bei der Insel handelt es sich übrigens um die südlichste Nordseeinsel Dänemarks: Rømø.

Wieder zurück in der Heimat, gönnte ich mir einen Kinobesuch, bei dem ich mich blendend amüsiert habe: Ocean’s Eight.

Juli

Oldtimer-Treffen in Usingen. Was für ein Highlight. Was für eine Show. Und wie schön, die Gelegenheit zu bekommen, als Beifahrerin in einem Oldtimer meiner Wahl zu sitzen und entweder gemütlich zu cruisen (Marlin von 1975) oder richtig Gas zu geben (Jaguar von 1994). Es war super Wetter – blauer Himmel und 30°C. Wer kann da schon Nein zum Cabriofahren sagen?

 

 

Anscheinend eine ganze Menge Leute, denn ich war an diesem Nachmittag die einzige, die sich überhaupt in ein Cabrio gesetzt hat. Die anderen zogen lieber eine Fahrt im geschlossenen Chevy vor.

August & September

Der Sommer drehte nochmal so richtig auf, da hatten alle meine Kollegen während ihres Urlaubs was davon. Mir hat die Hitze jegliche Energie geraubt, aber Blogs lesen und entdecken geht immer. Und deshalb war bei mir dann auch neu im Kühlregal: Blogs, denen ich folgte. Mit jedem neu abonnierten Blog rutscht der eine, dessen Name an dieser Stelle irrelevant ist, immer weiter nach unten und wird, wenn es so weitergeht, aus dem Blickfeld verschwunden sein. Aus den Augen – aber nicht aus dem Sinn. Dafür habe ich den Programmpunkt „in memoriam“, ein Ort des stillen Gedenkens. Gewidmet all jenen, die mir fehlen.

 

 

Mors certa, hora incerta. Ein Thema, das viele gerne meiden. Ich habe ihm deshalb bewusst mit der Aufnahme meiner inzwischen auch verschwundenen Zillo-Tasse ein Denkmal gesetzt. Die elegante Überleitung zu einer Aktion, bei der ich im September mitgemacht habe: 15 Tage – 15 Tassen. Zu der Zeit lag zwar mein Blog noch still, aber ich verlinkte in meinen Kommentaren die auf meinem pinterest-Board gesammelten Fotos meiner Tassen. Was mir beim Betrachten der Tassenfotos der anderen Teilnehmer auffiel: Es waren einige Fan-Tassen dabei, z.B. Game of Thrones, wenn ich mich recht entsinne. Abgesehen von einer geerbten Werner-Tasse konnte ich mit nichts dergleichen punkten. Weder zählt eine Londoner U-Bahn-Tasse noch die bereits genannte Zillo-Tasse dazu. Viel wichtiger aber als diese Kopfnuss war für mich die Frage, was ich mir bei dem Nähwochenende namens „AnNäherung Süd“ in Würzburg nähen wollte.

 

 

Da ich lieber mit kleinem Gepäck reise, hatte ich nur Ausrüstung und Material für zwei Projekte dabei: ein Kleid aus Jersey und eine Jogginghose. Als das Kleid fertig war, gab es als Kontrastprogramm einen Spaziergang in der Sonne und ein leckeres Eis. Eigentlich ein perfekter Ausklang, wenn das Unglück nicht schon bald seinen Lauf genommen hätte…

Oktober & November

denn ich musste innerhalb von fünfzehn Minuten eine Entscheidung treffen, die mit zu den schwersten in meinem Leben gehört. Beim Röntgen meiner kranken Kornnatter stellte sich heraus, dass sich mehrere Rückenwirbel durch eine Geschwulst bereits aufgelöst hatten und die Wirbelsäule so zerstört war, dass auch eine Operation nichts bewirkt hätte. Die einzige Alternative, die ich noch hatte: Einschläfern. Und das drei Wochen, nachdem bereits ein anderes meiner Reptilien an Altersschwäche gestorben war. Innerhalb so kurzer Zeit gleich zwei Haustiere nacheinander zu verlieren, gehört zu den Erfahrungen, die ich nie wieder machen möchte.

 

Anfang Oktober jährte sich der Todestag meines Mannes zum zweiten Mal und fiel diesmal auf einen Samstag. Genau der richtige Tag, um einen schon seit der Tassenaktion vom September wachsenden Plan in die Tat umzusetzen: Ich brauche eine neue Tasse, weil ich meinen Morgenkaffee nicht mehr länger aus der Tasse trinken möchte, die einst Andy gehört hat.

Hunderte von Fotos habe ich zu diesem Zweck gesichtet und mich dann für eins entschieden, das nicht nur den Lieblingsstar zeigt, sondern auch das richtige Format hat und durch einen neutralen Hintergrund besticht. Nur fotografieren lassen möchte sich das Biest nicht. Wie gesagt, irgendwas ist immer.

November war auch der Monat, in dem nicht nur meine Mutter in die Notaufnahme musste, sondern auch meine Freundin operiert wurde. Dass am Ende sechs Wochen daraus werden würde, hätte ich ja nie gedacht. Trotz dieses ganzen Bangens habe ich es an zwei Samstagen geschafft, ins Kino zu gehen. Zum einen A Star is born – und dann Bohemian Rhapsody. Auf den habe ich mich schon seit dem Sommer gefreut und wurde nicht enttäuscht.

Dezember

Dezember war der Monat der nervigen Mails und Meldungen aus sozialen Netzwerken. Ich weiß ja, wie sehr manche ihre Weihnachtsdekorationen lieben, aber auf hartnäckige Kitschoffensiven reagiere ich mit Flucht. Mit Vorliebe an den von mir bevorzugten Glühweinstand und dann an meinem Geburtstag abends ins Kino, in den Film Mary Poppins‘ Rückkehr – ein Sequel mit dem zeitlich größten Abstand zum Originalfilm aus den Sechziger Jahren. Und für mich ein weiterer Film, für den sich der Kinobesuch gelohnt hat. Die Lieder blieben bei mir zwar nicht im Gedächtnis haften, aber mit seinem leicht antiquierten Charme alter Disney-Filme verschaffte er mir 130 Minuten Kurzweil und eine Überraschung in Form von Colin Firth als echter Fiese Möpp (= Fiesling).

Das Wort zum Sonntag

Antiquierten Charme hat es auch, „offline“ ein Tagebuch zu schreiben: Mit Kugelschreiber auf Papier, in ein extra zu diesem Zweck gekauftes Büchlein. Damit habe ich im Sommerurlaub während meiner Blogpause angefangen, jeden Tag ein paar Seiten darin geschrieben und nach dem Urlaub nur noch sporadisch damit weitergemacht. Es war eine interessante Erfahrung für mich.

Genau wie die Tatsache, dass man bestimmte Momente nicht wiederholen kann, wie das folgende Experiment zeigt: 1999 war ich eine Woche in Cornwall unterwegs, wo ich im Auto ein Best-of-Album von ABBA in Dauerschleife laufen ließ. ABBA „Gold“ als Musikkassette, denn der Mietwagen – ein älteres Modell – war nicht mit einem CD-Player ausgestattet, dafür aber mit einem Tape Deck. Dieses Jahr ergatterte ich das Album auf CD und hielt es für eine gute Idee, dieses Erlebnis zu wiederholen und die Vergangenheit wieder aufleben zu lassen. Wie man sich vielleicht denken kann, funktionierte das überhaupt nicht. Genau zwei oder drei Mal habe ich die ABBA-CD laufen lassen, dann wechselte ich wieder zurück zu meinen von zu Hause mitgebrachten CDs und landete schließlich bei einem Greatest-Hits-Album von INXS, das dafür in Dauerschleife lief. Mal sehen, an welcher Musik ich bei der nächsten größeren Rundreise mit dem Auto einen Narren gefressen haben werde.

Und noch eine Entdeckung musste ich nach meiner Blogpause machen: Die meisten Nähbloggerinnen sind inzwischen auf Instagram unterwegs und bloggen nicht mehr. Ich dagegen blogge wieder, aber nicht mehr vorrangig übers Nähen, sondern über Fotografie, Bücher, Musik, Filme und Serien sowie ab und zu auch über Ausstellungen und Reisen.

Filme, mit denen ich eine Bildungslücke geschlossen habe: „Monster“, „The Breakfast Club“, „Kevin allein zu Haus“, „Kevin allein in New York“ und „Alien“ – Was für mich nächstes Jahr noch so kommt? Vermutlich ein Biopic über Elton John und der Downton-Abbey-Film. Da lautet „Abwarten und Tee trinken“ die Devise.

Ja, mach nur einen Plan“

Dieses Lied sang einst Bertolt Brecht. Es handelt von der Unzulänglichkeit des menschlichen Planens. Meine Freundin und ich wollten aus unterschiedlichen Gründen auch gerade für dieses Silvester nichts planen, aber Pläne für 2019 kann ich doch trotzdem schmieden. Sie möchte eine Reise nach Südafrika machen. Und ich? Spiele mit dem Gedanken an einen zweiwöchigen Urlaub im Osten Kanadas, nachdem ich gemerkt habe, dass drei Wochen Urlaub für Australien nicht reichen und ich außerdem lange Flüge hasse wie die Pest.

Mehr nähen wollte ich auch, an dem am 6. Januar beginnenden Fotoprojekt „ABC“ teilnehmen und mich auf eine literarische Reise der anderen Art begeben. Aber diese Reise unternehme ich alleine und behalte meine Erlebnisse für mich. Denn es gibt Dinge, die ich gerne rein privat und unausgesprochen lassen möchte.

Allen anderen wünsche ich einen entspannten Start in das neue Jahr und dass das Glück nicht nur auf Stippvisite hereinschneien möge.

 

Unsortierte Gedanken meets Fundbüro : der Wels, der sich im Sommerloch tummelte

 

Wann ist ein sommerlochfüllendes Thema zu Tode geschrieben? Wenn eine Tageszeitung der benachbarten Großstadt Wochen später einsteigt, nachdem das Heimatblatt mit dem Fall schon längst abgeschlossen hat: in diesem Fall ein mysteriöser Wels im Parkweiher, den niemand gesehen hat, dem aber angeblich etliche Küken zum Opfer gefallen sind.

Als Kamel, das immer gerne mal über die Sache gewachsene Gras wieder abfrisst, habe ich beschlossen, dem Thema „Wally, der kükenkillende Wels, den keiner fangen durfte“, ein paar abschließende Zeilen zu widmen.

 


6. Juli 2018 : Küken-Killer vom Weiher – Fischer sollen gefährlichen Wels beseitigen

10. Juli 2018 : „Stadt bekommt E-Mail-Flut. Tierfreunde kämpfen weiter für Problem-Wels

23. Juli 2018 : „Jagd auf den Wels: Wo ist Wally?

3. August 2018 : „Wels im Weiher des Dreieichparks: Hohe Kosten für nichts


 

Über Wochen hinweg dominierte das Thema die täglichen Seiten in irgendeiner Form, egal ob es um die neuesten Fortschritte auf dem Gebiet der Fischsichtung ging oder ob im Regionalteil besondere Fischrezepte veröffentlicht wurden, der Wels war allgegenwärtig.

In einem sehr interessanten Blogbeitrag über die Stadt Aomori in Japan vom 14. Januar 2018 las ich das folgende Zitat: „Ein Gott kämpft gegen den Wels. Im alten Japan glaubte man, dass Welse Erdbeben auslösen.“ Ob an diesem Glauben etwas dran ist, will ich nicht beurteilen. Oder gar überbewerten. Und schon gar nicht auf aktuelle Ereignisse beziehen. Denn zu der Zeit, in der dieses Tier durch unser Käsblatt und andere Postillen geisterte, war es nur unsagbar heiß und sonst nichts. Das einzige, was die Welt gefühlt zu bewegen schien, war die Fußball-WM, und da war ich im Urlaub.

Auf jeden Fall hat der Wels, den unsere Zeitung Wally (abgeleitet von der anderen Bezeichnung namens Waller für ihn) ins Visier genommen hat, nach wochenlangem Tamtam ein mediales Echo ausgelöst, und wer weiß… vielleicht reise ich doch noch nach Japan. Das wäre nach Australien, Kanada, Neuseeland und Chile ein weiteres Traumziel. Nur eins wird es bei mir nicht geben: Zu Weihnachten Wels auf dem Teller.

Unsortierte Gedanken : (nicht mehr alle) Tassen im Schrank

 


Halte beim Whisky Maß und genieß ihn nicht in Massen,

drum benutze ich ein Glas und trink ihn nicht aus Tassen *).


 

 

Als ich bei der Aktion „15 Tage, 15 Tassen“ mitmachte, fand ich heraus, dass drei meiner fotografierten Schätzchen spurlos verschwunden sind. Und zur Krönung habe ich dann auch noch versehentlich meine orange „Espressionisten“-Tasse geschrottet. Trinken kann man jetzt nicht mehr aus ihr, also dient sie jetzt als Behälter für Schlüssel; da ich sie aus Jux meine „Orange is the new Black“-Tasse getauft habe, kommt mir ihre neue Funktion nun vor wie pure Ironie. Und auch wenn wir viel zu viele Tassen im Haus haben (mitgezählt habe ich nicht die Becher meiner Schwester): So wollte ich meine Bestände nicht reduzieren.

Was mir diese Aktion noch gezeigt hat: Im Gegensatz zu anderen besitze ich keine Fan-Tasse. Die verschwundene Tasse, die ich 1999 anlässlich der Sonnenfinsternis in Stuttgart gekauft habe, zählt für mich nicht dazu. Warum nicht den Tip, mir eine Tasse, mit dem Motiv meiner Wahl bedrucken zu lassen, in die Tat umsetzen? Zumal ich meinen Morgenkaffee seit zwei Jahren aus der Tasse meines verstorbenen Mannes getrunken habe und ich seit einiger Zeit merke, dass ich mich damit nicht mehr wohl fühle. „The time is now“ – für etwas neues. Und darum habe ich mich hingesetzt und versucht, eine Auswahl aus ungefähr hundert Bildern mit Sprüchen, Landschaften oder Stars zu treffen. Einfach war das nicht, denn die meisten Fotos haben das falsche Format oder haben einen unruhigen Hintergrund.

Am Ende habe ich mich dann für eine Aufnahme meines Lieblingssängers entschieden; die habe ich zum Schluss noch mit rechts und links angesetzten Balken in einer zum dunklen Hintergrund passenden Farbe verbreitert und die Balken mit dem Auszug aus einem seiner bekanntesten Songtexte beschriftet: Damit nach dem Aufwachen mein Blick auf ein freundliches Gesicht fällt und nicht auf die geerbte Tasse mit dem Eselchen. Das bekommt nun einen Ehrenplatz in der Küche und darf von den anderen Familienmitgliedern bewundert werden.

 


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Und weil ich schon dabei war, habe ich auch gleich eine Tasse als Geschenk für meine beste Freundin bedrucken lassen; allerdings ist das keine Fan-Tasse geworden, denn sie zeigt eine Aufnahme von ihr mit einem Uhu auf dem Arm, als wir zusammen hinter die Kulissen einer Falknereivorführung schauen durften. Die Tasse soll ein Behältnis für einen Gutschein werden: entweder für einen gemeinsamen Kinobesuch oder – was ich für passender halte – eine Einladung in die Fasanerie. Bis zur nächsten „Besinnlichen Abendwanderung mit Lagerfeuer“ wird sie zwar noch nicht fit sein, weil sie zur Zeit einen Spezialschuh trägt, nachdem sie ihr den Gips abgenommen haben, aber wenn sie weiterhin solche Fortschritte macht wie jetzt, wird der frühestmöglichen Veranstaltung in 2019 kaum etwas im Wege stehen. Schließlich heißt es ja auch nicht umsonst „neues Spiel, neues Glück“.


 

*) Die Tasse vor der Whiskeyflasche abzustellen, war reiner Zufall, aber führte zur Inspiration zu diesem Kurzgedicht. Die einzige Variante, Whiskey aus einer Tasse zu trinken, wäre in Form eines Irish Coffee, aber den Versuch, ihn selbst zu mixen, werde ich so schnell nicht wiederholen (außerdem schmeckt er mir aus einem bauchigen Glas besser), und die Tasse bleibt weiterhin dem Genuß von Kaffee vorbehalten.

Unsortierte Gedanken : The Angels‘ Share oder schottische Single Malts …

 

 … en miniature – special edition: Miniaturen. So weit so gut. Eines Tages, vor ein paar Jahren, meinte mein Mann, was wir bisher an Single Malts gekauft hätten, entspräche in etwa dem Gegenwert eines Kleinwagens. Da ich schon lange nicht mehr Buch über unsere Zu- und Abgänge führe, behaupte ich einfach mal, dass er Recht gehabt hat.

Inzwischen ist vieles davon längst getrunken und zum einen durch preiswerte Neuanschaffungen ersetzt worden; zum anderen bewohnen mein Whiskyregal längst nicht mehr ausschließlich schottische Whiskys, sondern auch irische Whiskeys (für die habe ich dieses Jahr mein Herz entdeckt).

Gestern abend hatte ich spontan Lust auf ein Gläschen Whisky und griff nach einer 10jährigen Abfüllung von Aberlour in Miniaturgröße. Die war bisher noch ungeöffnet. Jedenfalls dachte ich das.

Es hätte mir schon eine Warnung sein sollen, dass ich die Pappröhre nur mit einem ungewohnten Kraftaufwand öffnen konnte. Der Blick auf die Flasche, die noch versiegelt war, ließ mich stutzen: Sie war nur noch zur Hälfte gefüllt. Das muss ein riesiger Angels‘ Share gewesen sein, der mir eine halbvolle Flasche beschert hat. Oder es war ein Betrüger am Werk gewesen, denn das, was ich trotz dieser Alarmsignale probierte, schmeckte dermaßen schauderhaft und nicht nach Alkohol, dass das unmöglich ein 10 Jahre alter Aberlour gewesen sein kann – geschweige denn Whisky oder eine Spirituose überhaupt.

Wer uns dieses Exemplar angedreht hat, weiß ich jetzt auch nicht mehr, aber diese Geschmacksentgleisung wanderte umgehend ins Klosett. Der zweite Versuch mit einer Miniatur eines 12 Jahre alten Jameson war dann erfolgreicher. Jameson ist zwar nicht mein Liebling unter den irischen Whiskeys, aber für den einen Abend war der vollkommen ausreichend. Da so eine Miniatur für mehrere Abende reicht, habe ich sogar noch später etwas davon. Wohl bekomm’s.

Unsortierte Gedanken : Spin-Off zu meinem 60. Media Monday – der Ausgabe Nr. 350

 

 

Ein samstäglicher „English-Contra-Dance“-Workshop, zu dem ich per E-Mail eine Einladung erhalten hatte, ist schuld daran, dass ich nun nach mehrjähriger Abstinenz wieder zum Scottish Country Dancing am Dienstagabend zurückkehre.

Zu dieser Form des Tanzens habe ich durch einen einwöchigen Kurs für Scottish Country Dancing (SCD) in der Eifel gefunden, an dem vor Jahren mein Mann und ich teilgenommen hatten. Dieser Tanzworkshop begann kurz nach Weihnachten und erstreckte sich über Silvester hinaus bis zum 4. Januar, inclusive Silvesterbüffet und -ball. Kurz nachdem ich bei der Verbraucherplattform ciao.de einen ausführlichen Bericht darüber geschrieben hatte, erhielt ich eine Einladung zum Mittanzen beim nächsten Tanzabends des Frankfurter SCD-Clubs.

Seitdem waren wir an jedem Dienstagabend für zwei Stunden dort zum Tanzen und zwischendurch auch bei verschiedenen Ceilidhs. Das sind in Schottland gesellige Abende mit Folkmusik und Tanz. Leider ist dieser Sport in den letzten Jahren viel zu kurz gekommen, und nach dem Tod meines Mannes konnte ich mich erst recht nicht dazu aufraffen. Aber da habe ich ja noch nicht einmal mehr Musik gehört. Der Plattenteller stand still. Die gemeinsamen Erinnerungen waren wohl immer noch viel zu stark, und so wurden eventuell dahingehende Pläne erst einmal auf Eis gelegt. Nachdem nun aber mehr als ein Jahr vergangen ist, habe ich mir einen Ruck gegeben und durfte zu meinem Erstaunen erkennen, wie sehr mir das Tanzen gefehlt hat. Vielleicht ist genau jetzt die Zeit für einen Neuanfang.

Nach diesem Highlight folgt nun mein medialer Tiefpunkt: Alle Bilder und Berichte, die ich auf der Verbraucherplattform „ciao.de“ veröffentlicht habe, sind unwiederbringlich verloren, denn zu Beginn dieses Jahres wurde ciao.de vom Netz genommen. Diese Information konnte ich bei wikipedia finden, wo es u.a. heißt „Die Berichte sind nicht mehr erreichbar, lediglich eine Seite, die den Shutdown mitteilt, wird noch angezeigt“. Deswegen konnte ich auch meine bebilderten Reiseberichte über Schottland und die Schweiz nicht mehr lesen, was ich sehr traurig finde, aber ich kann mich damit trösten, dass ich sie auf irgend einer Festplatte abgelegt habe – genau wie die Rohentwürfe meiner auf ciao.de veröffentlichten anderen Erfahrungsberichte wie z.B. über markante Stimmen in der Rock- und Popmusik, Stimmen wie z.B. der von Johnny Cash, Dave Gahan, Michael Hutchence oder Ville Valo.

Inzwischen würde ich diese Sammlung noch um die Stimme von Samu Haber (Sunrise Avenue) erweitern, aber leider wird da wohl nichts mehr draus. Und wo ich es gerade erwähne, muss ich feststellen, dass mir der Sound des letzten Jahrhunderts mehr liegt als dieses weichgespülte Gedudel, das es Tag für Tag im Radio zu hören gibt. Vielleicht bleibt deshalb der Kasten aus, auch auf längeren Autofahrten. Inzwischen neige ich dazu, Atze Schröders Ansichten über die allgegenwärtigen „Lappen“ zu teilen. Wen man sich darunter vorstellen darf, bleibt jedem selbst überlassen.

Aber nochmal zurück zu meinen Highlights der Woche. Ich mäandere mich auf und ab, von einem Hoch zum Tief und umgekehrt. Nachdem ich mir durch den Englischen Kontertanz einen formidablen Muskelkater eingehandelt hatte, griff ich zur ersten Staffel von „The Paradise“, die ich mir in der Stadtbücherei ausgeliehen hatte. In dieser Serie geht es um ein Kaufhaus in einer englischen Stadt und erinnert in groben Zügen an den Publikumsrenner „Mr. Selfridge“, dabei handelt es sich bei The Paradise um eine Adaption von Emile Zolas „Das Paradies der Damen“, die nach zwei Staffeln wegen nicht zufriedenstellender Zuschauerzahlen nicht mehr fortgesetzt wurde. Schade drum, denn die Serie hat nicht nur eine interessante Handlung und gute Schauspieler zu bieten, sondern glänzt auch noch durch einen liebevoll aufgemachten Vorspann.

Den krönenden und zugleich auch etwas traurigen Abschluss dieser Sammlung von Highlights und Tiefpunkten bildet das Sichten meiner Schallplattensammlung, in der sich zwischen Perlen wie „Back in Black“ von AC/DC, „Broken English“ von Marianne Faithfull oder „The River“ von Bruce Springsteen auch einige Scheiben von Mike Oldfield, U2 und INXS befinden. Eine bunt durcheinandergewürfelte Mischung, die lange zurückliegende Erinnerungen wachruft, sowohl schöne als auch schmerzliche.

Deshalb breche ich jetzt an dieser Stelle ab und setze meine persönliche Rückschau zu einem späteren Zeitpunkt fort.

Unsortierte Gedanken : von Seehunden verfolgt


Seit ich die „Wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen“ zu einem der fünf besten Kinderbücher erklärt und dieses Lob mit dem Foto eines Seehundes (aufgenommen 2008 auf der Isle of Skye) garniert habe, fühle ich mich von Seehunden verfolgt.

Den Anfang machte eine Zeitungsmeldung über Zeitungsartikel über Rekordwerte beim Seehundsnachwuchs: rund 9200 Welpen an der Nordseeküste – was für eine schöne Nachricht! So schön wie das dazugehörende Bild eines jungen Seehundes, der sich am Strand von Cuxhaven sonnt.

Seehundwelpen

Mitte letzter Woche sichtete ich den Festplattenrecorder, um nicht mehr benötigte Filme und Serienfolgen zu löschen und stieß dabei auf eine Sendung, die mein Mann letztes oder vorletztes Jahr aufgenommen hatte: „Abenteuer mit Micky“. Den Cartoon mit dem Campingausflug von Micky, Donald und Goofy kannte ich bereits, und ich stand schon kurz davor, diese Clips von der Platte zu putzen, als der nächste Cartoon anfing: Micky und Pluto besuchen den Zoo.

Seelöwen im Zoo

Seehundmini

Und nun wusste ich auch wieder, warum ich die Sendung nicht gelöscht hatte: die Seehunde, besser gesagt, der kleinste von ihnen, der Micky nach Hause folgt und es sich in dessen Badewanne gemütlich macht.

Schließlich dann noch die Nachricht in der Wochenendausgabe unserer Zeitung über den Robbenflüsterer von Neuseeland, der beim Umsiedeln der Tiere hilft, weil eine Straße neu gebaut werden soll. Eine wahre Sysiphusarbeit, denn die meisten Seebären wandern wieder an den Ausgangspunkt zurück, und dann beginnt der Spaß wieder komplett von vorne.

Seebärflüsterer

Mal sehen, was noch alles auf mich zukommt. Ich hoffe nur, dass dies nicht die Rache dafür ist, dass ich in letzter Zeit öfters Suhsi gegessen habe, wie z.B. das in unserer Kantine, zum unschlagbaren Preis von 6,– Euro pro Teller, das nicht nur bei der Menge keine Wünsche offenließ, sondern auch bei der Qualität.

Unsortierte Gedanken : am Bahnhof

 


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Reden hilft! Zusammenstauchen noch viel mehr.

Ist schon der Montagmorgen in aller Herrgottsfrühe schon nicht so prickelnd, so gibt es immer noch Situationen, die ihn noch blöder machen. Oder Leute, die nicht mehr Herr ihrer Sinne sind. So wie der, dem heute morgen am Bahnhof ein Teil der Zeitung wegflatterte und auf den Gleisen landete. Och nee – der wird doch nicht? Nein, bitte, bitte nicht. Bitte, laß ihn einfach die Zeitung ignorieren und friedlich sein Bierchen weitersüffeln.

Aber nein: Was auch immer er mit der Zeitung wollte, aber er taperte tatsächlich bis an die Bahnsteigkante, grübelte einen Moment und schickte sich an, ins Gleisbett hinabzusteigen. Zeit für eine Ansage …

Weg vom Bahnsteig!“

Hä???!!!!“

Weg von den Gleisen!!“ (du Idiot, ergänze ich in Gedanken)

Was?!“

Nicht auf die Gleise!!! Wenn der Zug kommt, sind Sie tot!!!!“

??? – …. ACH, HALT’S MAUL!“

(Du willst Dich nicht wirklich umbringen, Du willst Dich nicht wirklich umbringen, Du willst Dich nicht wirklich umbringen… *Beschwörungsformel murmelnd*)

Aber das Unfassbare geschah: Er drehte sich brummelnd um, tappte zurück zu seinem Sitzplatz und machte sich noch eine Flasche Bier auf. „Halt’s Maul?“ – Das hab‘ ich diesem Fall gerne gehalten.

Unsortierte Gedanken : der Zufall des Tages *)

*) auch wenn der Zufall schon mehr als 24 Stunden her ist.



Komm, ich erzähl dir eine Geschichte“ – Dieses Büchlein von Jorge Bucay voller unschätzbar wertvoller Weisheiten hielt mich so gefangen, dass ich gestern Abend den Ausstieg verpasste und mit der S-Bahn eine Station weiter fuhr als geplant.

Dadurch musste ich auf einen späteren Bus warten und kam beim Lesen bis zu dem Kapitel „Die Katze des Ashrams“. Und als ich dann ganz zufällig aus dem Fenster sah, erblickte ich eine Plakatwerbung für Katzenfutter, mit einer wirklich hübsch gezeichneten Katze. Was für ein Zufall. Denn in der Geschichte geht es ebenfalls um eine besonders schöne Katze, die kurz vor jeder Andacht weggesperrt wird, um die Gläubigen nicht von ihrem Guru abzulenken.

Am liebsten hätte ich das Plakat fotografiert, doch leider war ich zu langsam. Und heute morgen war es bereits gegen ein anderes ausgetauscht worden. Also habe ich von dieser Momentaufnahme des Zufalls kein Foto.

Wäre ich an der richtigen Station ausgestiegen, hätte ich einen Bus früher nehmen können und wäre an der Haltestelle mit der Katzenfutterwerbung beim Lesen schon bei einem späteren Kapitel angelangt. Und vielleicht hätte ich an jener Stelle auch gar nicht aus dem Fenster gesehen, so dass mir das Plakat entgangen wäre. Ich sehe schon, hier sind gleich mehrere Faktoren zusammengekommen, die ich gerne bequemerweise unter dem Sammelbegriff „Zufall“ zusammenfasse, wenn ich mit meiner Weisheit am Ende bin.

Und dann fühle ich mich in solchen Momenten wie eine Figur aus den vielen Geschichten und Märchen in diesem Buch, das mich so gefangenhielt.