# Writing Friday 2021 :  Oktober #3 : Wieso, weshalb, warum 

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Passend zu den vielen Horrorfilmen, die ich mir im Oktober gerne ansehe, sind auch die Schreibaufgaben dieses Monats bei elizzys #writing Friday ganz schön düster. Ging es letzte Woche um eine ausgegrabene Leiche, so findet dieses Thema heute seine Fortsetzung mit der ersten Aufgabe:

Du triffst einen Serienmörder. Welche Fragen hast du an ihn? Schreibe das Gespräch auf.

Leider ist die Heldin in diesem Krimi nicht sehr widerstandsfähig und in Sachen Protokollführung kein Profi, und schon die Vorbereitungen darauf bereiten ihr schlaflose Nächte.

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Wieso, weshalb, warum

Nachts suchen sie dich heim… nur war es jetzt nicht mehr die arme Frau, der die Toten im Schlaf erschienen waren, sondern ich. „Warum?“ Die Frage geisterte durch meine Gedanken, und mit jeder Nacht, mit der der Tag X näher rückte, wurde sie lauter und lauter, bis selbst meine bevorzugten und jahrelang bewährten Einschlafhilfen keine Wirkung mehr zeigten.

Warum? Für die Befragung sah ich jetzt schon schwarz, denn insgeheim ahnte ich, dass von einem Psychopathen wie Robert H keine befriedigende Antwort zu bekommen wäre. Auch das Dossier, das mir Constable Davis in die Hand gedrückt hatte, war mir keine echte Hilfe.  

Bei den blutigen Aufnahmen konnte sich einem schon der Magen umdrehen, so schlimm war es bei mir zum Glück nicht, doch mit dem Essen war das so eine Sache. Vielleicht war ich doch nicht so hartgesotten, wie ich dachte. Zweifel beschlichen mich, ob eine berufliche Laufbahn bei der Polizei wirklich das Richtige für mich war.

„Du schaffst das schon, Lu“, versuchte ich mir einzureden, denn so lange Inspector Cameron die Vernehmung führte, konnte mir nicht viel passieren. Doch gleichzeitig wünschte ich mir, man hätte mich zum Aufschreiben von Falschparkern eingeteilt und jemand anderen an Inspector Camerons Seite gestellt.

Es war kein gewöhnlicher Vernehmungsraum, in dem wir uns Robert H gegenübersehen würden. Eine doppelt und dreifach gesicherte und mehrfachverglaste Zelle, gut einsehbar von allen Seiten – nur dass wir uns in keinem Film befanden, sondern in der Realität. „Das Schweigen der Lämmer“ war vorvorgestern, niemand würde mich alleine mit diesem Irren lassen. Und das war auch gut so. Denn Camerons Katalog war beachtlich. Was er alles wissen wollte… Das Spektrum reichte von „Wie viele waren es genau?“ über „Weshalb ausgerechnet in der Area 51?“ bis hin zu „Wie hatten die Morde so lange unbemerkt bleiben können?“

22. November 2019. Genau 25 Jahre nach der Verurteilung des Serienmörders Robert H.  hat man heute mit der Obduktion der Gebeine begonnen, die man nach einem anonymen Hinweis vor zwei Tagen in einer großangelegten Aktion in einem Massengrab unter dem historischen Wasserturm des Schlachthofs „Area 51“ von Downtown Eastside entdeckt hat. Sollte es sich bei diesem aufsehenerregenden Fund tatsächlich um die Überreste der Personen handeln, die seit den Neunziger Jahren spurlos verschwunden sind, würde sich die Zahl der Opfer des Ice Killers auf sechsundzwanzig erhöhen.

Wieso, weshalb, warum… Reißerische Artikel wie dieser trugen wohl kaum zur Klärung der immer noch rätselhaft wirkenden und auf den ersten Blick doch so eindeutigen Bluttat bei. Und so wunderte es mich gar nicht, dass ich kaum bei der Sache war und nur unter großen Schwierigkeiten das gesamte Gespräch mitschreiben konnte. Konzentration sah anders aus. Die großen, grauen Wattewolken in meinem Hirn kamen nicht von ungefähr, denn wie den berühmt-berüchtigten Elefanten mitten im Zimmer umschiffte Cameron die alles entscheidende Frage nach dem Motiv – die einzige Frage, die mich beschäftigte.

„Warum?“

Erstaunt sah mich mein Vorgesetzter von der Seite an, als ich dem sich kryptisch gebenden Ice Killer direkt in die Augen sah und das aussprach, was zu dem Knoten in meinen Gehirnwindungen geführt hatte. Ungerührt erwiderte er meinen Blick. Seine Antwort verschlug Cameron und mir die Sprache.

„Weil sie es verdient hatten.“

Verdient hatten? Dieser Irre war ja der reinste Abklatsch von Jigsaw, dem selbstgerechten Killer aus „SAW“. Mit allem hätte ich gerechnet – „weil ich es konnte“ oder „weil ich mich lebendig fühlen wollte“ – auch ein „weil es mir Spaß gemacht hat“ hatte ich erwartet. Aber das? Mit einem Eispickel erschlagen und dann unter dem Schlachthof verscharrt – verdient hatte so ein Schicksal niemand, und ich wusste mit Sicherheit, dass nichts von dem, was der Kerl noch zu Protokoll gab, mich von meinem Entschluss, mein Praktikum abzubrechen, abbringen würde.

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Die Aufgaben für den Oktober sind diesmal: Du triffst einen Serienmörder. Welche Fragen hast du an ihn? Schreibe das Gespräch auf. +++ Lu war blind vor Eifersucht und begeht einen grossen Fehler. Erzähle uns davon. +++ Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz „Die Leiche musste wieder ausgegraben werden.“ beginnt. +++ Schreibe eine Geschichte und lasse folgende Wörter mit einfliessen: blutig, ängstlich, Konfetti, Kürbissuppe, Ohnmacht +++ Welchen Zauberspruch könntest du jetzt am meisten gebrauchen? Was würde dieser in deinem Leben verändern?

Und hier sind die Regeln dazu:  Jeden Freitag wird veröffentlicht.  +++ Wählt aus einem der vorgegebenen Schreibthemen. +++ Schreibt eine Geschichte/ein Gedicht/ein paar Zeilen – egal, Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben.  +++ Vergesst nicht, den Hashtag #Writing Friday und den Header zu verwenden, schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch. +++ Habt Spaß und versucht, voneinander zu lernen.

# Writing Friday 2021 :  Oktober #2 : Mitgefangen, mitgehangen

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Im Oktober bei elizzys #writing Friday geht es diesmal magisch und gruselig zu, denn wir nähern uns Halloween. Da lege ich doch mit einer thematisch passenden Geschichte zu Aufgabe Nummer drei nach: Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz „Die Leiche musste wieder ausgegraben werden“ beginnt.

Willkommen in der Area 51, dem Schauplatz in Downtown Vancouver, der bei mir schon letztes Jahr beim #writing friday thematisiert wurde (nämlich hier und hier) und an dem einst ein Serienmörder sein Unwesen getrieben haben soll.

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Mitgefangen, mitgehangen

Die Leiche musste wieder ausgegraben werden. Doch wir hatten keine Ahnung, wo wir suchen sollten. Wir wussten nur, dass wir nicht nur auf eine stoßen würden…“

Bei Camerons Worten lief mir ein Schauer den Rücken hinunter. Als ich einen der begehrten Praktikumsplätze beim Vancouver Police Department hatte ergattern können, wäre keinem von uns im Traum eingefallen, dass man mich ausgerechnet Inspector Cameron von der Mordkommission zuteilen würde. Mein Vater würde toben, hatte er mich doch schon bei einem ganz anderen Dezernat Hilfsarbeiten verrichten sehen. Aber ob Absicht oder Versehen – ein Zurück war ausgeschlossen, geschweige denn eine nachträgliche „Berichtigung“. Da nützte auch das ganze schöne Vitamin B nichts, das mir zu diesem „Traumjob“ verholfen hatte.

Statt dessen musste ich Inspector Cameron auf Schritt und Tritt begleiten und durfte mir seine Schauergeschichten anhören, vor denen mich einer der anderen Praktikanten gewarnt hatte. Als ob der Tag nicht schon verkorkst genug begonnen hätte, fand ich mich nun mit einem Teil des siebenköpfigen Teams in einem Pub unweit der „Area 51“ wieder und musste für die gesamte Truppe die Getränke organisieren und kam mir dabei vor wie eine Mischung aus Servicekraft und FBI-Agentin Clarice Starling, die bei der Jagd auf einen Serienmörder die Hilfe des im Hochsicherheitstrakt einsitzenden Dr. Hannibal Lecter in Anspruch nehmen soll… Nur dass ich in diesem ganz besonderen Fall bald schon dem wirklichen, ganz realen Täter gegenübersitzen würde, dem Ice Killer, der seit fünfundzwanzig Jahren hinter Schloss und Riegel saß – bestens gesichert und streng überwacht. Der Zeitungsartikel war mir wohlbekannt.

22. November 1994: Nach Wochen wurde heute in der Strafsache „Der Staat gegen Robert H“ der Angeklagte für schuldig befunden und zu lebenslanger Haft verurteilt. Angesichts der erdrückenden Beweislast war der mutmaßliche Serientäter schließlich zusammengebrochen. Am Ende des spektakulären Prozesses um den Ice Killler von Vancouver hatte H. gestanden, siebzehn Menschen mit einem Eispickel erschlagen und anschließend zerlegt zu haben. Obwohl man davon ausgeht, dass er noch mehr Morde begangen hat, konnte man ihm diese nicht nachweisen. Ihre Leichen hat man nie gefunden.

Constable Davis, Camerons rechte Hand, hatte ihn mir am Vortag zu Lesen gegeben, damit ich mich, wie er sagte, auf die Begegnung mit Robert H vorbereiten konnte. Fünfundzwanzig Jahre hatten die Behörden im Dunkel getappt, und nun standen sie endlich vor dem ersehnten Durchbruch, weil sie unter dem Wasserturm des historischen Schlachthofs auf ein Massengrab gestoßen waren.

… und ich sollte Recht behalten. Was wir da vor ein paar Tagen an Knochen gefunden haben, reicht für mindestens ein halbes Dutzend mehr.“

Damit griff Cameron nach einem Sandwich von dem Tablett, das ich mit zitternden Händen an meinen Nebenmann weiterreichte, bevor ich die vor mir stehende Kaffeetasse mit eiskalten Fingern umschloss, und mit einem Mal war ich wieder bei der armen Frau, die der Polizei den entscheidenden Hinweis gegeben hatte. Ihr waren die Toten wochenlang im Traum erschienen, und als ein Ermittlerteam den Boden aufgrub, waren sie auf bisher noch nicht näher identifizierte Überreste gestoßen – Überreste von Menschen, grausam ermordet und in der Dunkelheit heimlich verscharrt. Vor langer Zeit erschlagen mit einem Eispickel. In der Area 51…

Mir schnürte es den Hals zu, und ich verstand nicht, wie man angesichts der grausigen Fakten so ruhig bleiben und gleichzeitig dabei auch noch herzhaft in sein Sandwich beißen konnte wie Colin Davis. Allein schon die Vorstellung… aber es half alles nichts – ich würde Inspector Ian Cameron in die Kammer des Schreckens begleiten müssen, ob ich wollte oder nicht.

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Die Aufgaben für den Oktober sind diesmal: Du triffst einen Serienmörder. Welche Fragen hast du an ihn? Schreibe das Gespräch auf. +++ Lu war blind vor Eifersucht und begeht einen grossen Fehler. Erzähle uns davon. +++ Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz „Die Leiche musste wieder ausgegraben werden.“ beginnt. +++ Schreibe eine Geschichte und lasse folgende Wörter mit einfliessen: blutig, ängstlich, Konfetti, Kürbissuppe, Ohnmacht +++ Welchen Zauberspruch könntest du jetzt am meisten gebrauchen? Was würde dieser in deinem Leben verändern?

Und hier sind die Regeln dazu:  Jeden Freitag wird veröffentlicht.  +++ Wählt aus einem der vorgegebenen Schreibthemen. +++ Schreibt eine Geschichte/ein Gedicht/ein paar Zeilen – egal, Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben.  +++ Vergesst nicht, den Hashtag #Writing Friday und den Header zu verwenden, schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch. +++ Habt Spaß und versucht, voneinander zu lernen.

# Writing Friday 2021 :  Oktober #1 : Der Klotz am Bein

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Für mich geht es bei elizzys #writing Friday in die nächste Runde, nachdem dies mein zweiter Beitrag für den September werden sollte, es aber dann doch anders kam. Frei nach dem Motto „Was nicht passt, wird passend gemacht“, präsentiere ich eine Kombination aus Aufgaben des Vormonats *) mit dem folgenden Thema aus diesem Monat:

Schreibe eine Geschichte und lasse folgende Wörter mit einfliessen: blutig, ängstlich, Konfetti, Kürbissuppe, Ohnmacht

Die entsprechenden Worte erscheinen in blauer Schrift. *) Die verwendeten September-Aufgaben stehen am Ende meines aktuellen Beitrags.

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Der Klotz am Bein

So verliebt war er schon lange nicht mehr, doch kaum hatte sich Chris von Julia gelöst und war wieder einigermaßen bei Verstand, meldete sich das schlechte Gewissen. Vorbei war es mit den Schmetterlingen, die wie Konfetti durch sein Inneres taumelten. Wie hatte das nur passieren können? Ausgerechnet Julia, die an seinen besten Freund vergeben war…

Wenn er nicht schnellstens die Reißleine zog, blühte ihm nicht nur Stress mit Tim, sondern auch von Julias Ex. Besser gesagt, den Gorillas von Lukas, denen er und seine kleine Clique nicht ganz grün waren. Die Kerle konnten sie schlichtweg nicht ausstehen und machten sich neuerdings überall breit. Schon der Auftritt dieses einen Typen im Bogside neulich hatte ihm gereicht. Wie ein Schatten hatte sich der Kerl an Julia geheftet, doch zum Glück hatte Max ihn rechtzeitig vertrieben, bevor die Lage eskaliert war. Aber sein Bruder konnte nicht überall sein. Und er alleine gegen Lukas? Da würde er den Kürzeren ziehen. Und das, obwohl Lukas mit dem Auswechseln der Schlösser unmittelbar nach Julias Seitensprung mit Tim, bewiesen hatte, dass er in solchen Dingen keinen Spaß verstand. Gekränkte Eitelkeit oder bitterer Ernst? Chris konnte ihn nicht einschätzen, aber so oder so spielte es keine Rolle.

Nach dem zu urteilen, was Julia ihm über ihren Ex erzählt hatte, konnte sie froh sein, dass sie ihn rechtzeitig losgeworden war und sich Tim noch keine blutige Nase eingefangen hatte. Ihm reichten schon die Spuren, die sie ihm gezeigt hatte. Der typische Fall von häuslicher Gewalt, hatte er entsetzt gedacht, aber leider galt immer noch: Wo kein Kläger, da kein Richter – zwingen konnte man niemanden, und dennoch… Irgendwann hatte sie zugegeben, wie bedauerlich sie es fand, Chris nicht schon viel früher kennengelernt zu haben, anstatt sich von Lukas und seinem anziehenden Äußeren blenden zu lassen. Zwei verschwendete Jahre mit diesem Psycho wären ihr erspart geblieben.

Das hatte Chris für sehr unwahrscheinlich gehalten; einfach nur Jeans und T-Shirt, in Kombination mit einer verwilderten Frisur – Julia hätte ihn doch niemals mit dem Allerwertesten angeguckt. Wie hatte der „Pappkamerad“ im Bogside ihn doch noch gleich genannt, als sie aneinander geraten waren? Motorradfuzzi mit Klitsche von Werkstatt… häßlicher Vogel mit dem Pfeil in der Hand? Das erste war eine absolute Frechheit, über die zweite Bemerkung konnte er nur müde den Kopf schütteln. Dass er rein optisch nicht das große Los gezogen hatte und nicht gerade als Magnet für Frauen galt, war ihm schon in der Realschule klargeworden – und jetzt das! Er konnte kaum glauben, dass Julia offenbar etwas ganz anderes in ihm sah.

Vorsichtig, beinahe ängstlich, um sie nur nicht aufzuwecken, schlüpfte er in seine Jeans und streifte sich ein T-Shirt über. Fröstelnd warf er noch einen letzten Blick auf Julia, die friedlich unter ihrer Daunendecke schlummerte, und verließ ihr Zimmer, um das zu tun, was er immer tat, wenn ein Problem ihn umtrieb: sich in die Arbeit stürzen. Die war paradoxerweise trotz des Flops mit der Harley nicht weniger geworden. Statt Autos waren es nun defekte Roller, die dringend auf eine Reparatur warteten. Außer den üblichen, winzigen Lackschäden, die nicht der Rede wert waren, weil man sie leicht mit einem Radiergummi entfernen konnte, waren es meistens die Bremsen, deren Instandsetzung bei dem ein oder anderen Kunden Schnappatmung oder gar eine veritable Ohnmacht hervorrufen würde, wenn es ans Bezahlen ging, und das war das letzte, was er wollte. Zumindest würden sie sich freuen, wenn der Lack der akribisch polierten Vespas in neuem Glanz erstrahlte, und die ein oder andere unentgeltliche Serviceleistung wie das Beseitigen ähnlich kleiner Schäden würde sie bestimmt bei Laune halten und zum Wiederkommen animieren.

Aber da hatte er noch nicht mit Max gerechnet, dem kein besserer Zeitpunkt als dieser Sonntagmorgen eingefallen war, um in aller Herrgottsfrühe vor der Tür zu stehen. Für das traditionelle Familienessen mit Kürbissuppe war er definitiv einige Stunden zu früh dran. Der geplatzte Deal mit dem Besitzer des Bogside machte seinem Bruder definitiv zu schaffen, doch hinter seiner Angespanntheit steckte noch etwas anderes. Sein Blick auf die abholbereiten Vespas sprach Bände.

„Du weißt ganz genau, dass uns Deine Gutmütigkeit geschäftlich noch das Genick brechen wird“, versetzte er Chris mit säuerlicher Miene einen verbalen Seitenhieb. „Wenn wir weiterhin unsere Dienste unter Wert anbieten, sind wir in spätestens einem halben Jahr pleite.“

Max hatte gut reden – abgesehen davon, musste er gar nicht so weit in die Zukunft gehen, um zu wissen, dass es im Moment für ihr gemeinsames Baby gar nicht gut aussah – seiner Meinung nach war der Punkt schon mit der Harley erreicht, die sie eigentlich hatten verkaufen wollen, die aber nun immer noch in der Werkstatt herumstand und sich mit jedem Tag zur größeren Belastung für sie entwickelte.

Wenn nicht bald ein Wunder geschah, dann blieb ihnen kein halbes Jahr mehr.

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Die Aufgaben für den Oktober sind diesmal: Du triffst einen Serienmörder. Welche Fragen hast du an ihn? Schreibe das Gespräch auf. +++ Lu war blind vor Eifersucht und begeht einen grossen Fehler. Erzähle uns davon. ++ Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz „Die Leiche musste wieder ausgegraben werden.“ beginnt. ++ Schreibe eine Geschichte und lasse folgende Wörter mit einfliessen: blutig, ängstlich, Konfetti, Kürbissuppe, Ohnmacht ++ Welchen Zauberspruch könntest du jetzt am meisten gebrauchen? Was würde dieser in deinem Leben verändern?

Und hier sind die Regeln dazu:  Jeden Freitag wird veröffentlicht.  +++ Wählt aus einem der vorgegebenen Schreibthemen. +++ Schreibt eine Geschichte/ein Gedicht/ein paar Zeilen – egal, Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben.  +++ Vergesst nicht, den Hashtag #Writing Friday und den Header zu verwenden, schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch. +++ Habt Spaß und versucht, voneinander zu lernen.

*) PS: Die von mir verwursteten September-Themen (herausgehoben in der entsprechenden Farbe) lauteten: 3) Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz “So verliebt war er schon lange nicht mehr, doch…” beginnt. / 4) Schreibe eine Geschichte und lasse folgende Wörter mit einfließen: Gorilla, Radiergummi, grün, verwildert. Roller.

#Writing Friday 2021 – September, Teil 1

Nach meiner Sommerpause kommt, was mir für die vierte Aufgabe von elizzys #Writing Friday eingefallen ist:

Schreibe eine Geschichte und lasse folgende Wörter mit einfließen: Gorilla, Radiergummi, grün, verwildert, Roller

Mein erster Beitrag im September… aber ob es aber auch gleichzeitig der letzte ist, wird sich hoffentlich bald zeigen.

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Grundstück zu verpachten

Willkommen in der grünen Hölle.

Nein, wir befanden uns  nicht bei Drehabrbeiten zu „Gorillas im Nebel“ im Dschungel von Ruanda, sondern im eigentlich so idyllischen Taunus, doch das Dickicht hätte tückischer nicht sein können. Als wir hier ankamen, konnten wir nicht ahnen, dass uns eine Bruchbude allererster Güte erwarten würde. Dabei hatte alles so harmlos geklungen und das Grundstück mit der kleinen Holzhütte hinter verwildertem Gestrüpp einen wirklich idyllischen Eindruck gemacht.

Das bisschen Unkraut, hatte ich gedacht, das schaffen wir doch mit links. Ja, in der Vorstellung vielleicht, doch bald schon wurde mir klar, dass ich mit meinen rudimentären Kenntnissen von Gartenarbeit erstens in meinem Schneckentempo nicht weit kommen würde und zweitens bald schon heftige Schwielen an den Händen und einen tierischen Muskelkater davontragen würde – dank der stundenlangen und schweißtreibenden Plackerei, bei der selbst der beste Deoroller kläglich versagen musste.

Brennnesseln können wahrhaft tückisch sein. Nicht einmal eine Regentonne, in die ich meine verkratzten und höllisch brennenden Arme hätte eintauchen können, gab es hier. Was hatte der Vorbesitzer hier bloß getrieben? Im Prinzip war es mir egal, aber neugierig war ich dann doch, als wir uns endlich Zutritt zu der Hütte verschafften. Mein Cottage – am besten legst du dir schon mal Papier, Bleistift und Radiergummi zurecht: Im Geiste ging ich schon mal die Liste der Dinge durch, die wir brauchen würden, um diesen maroden Schuppen wieder in einen bewohnbaren Zustand zu versetzen. Eine Liste, die wir nach Bedarf ändern konnten.

„So, Schatz – jetzt erst mal Pause.“ Recht hatte er, schließlich wurde Rom auch nicht in einem Tag erbaut. Und damit reichte er mir seine Lieblingstasse, aus der es mir aromatisch duftend entgegen dampfte. Es ging doch nichts über einen guten Kaffee, und ich wusste, davon würden wir in den kommenden Monaten noch jede Menge brauchen.

Dass am Ende beim Entrümpeln und Entkernen vor der eigentlichen Sanierung unseres frisch erworbenen Schätzchens zweieinhalb Tonnen Schrott und Altholz zusammenkommen würde, steht allerdings auf einem anderen Blatt und ist eine Geschichte, die ich vielleicht ein anderes Mal erzählen werde.

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Auch wenn ich nicht mehr so oft dabei bin wie früher, weil ich zur Zeit ganz andere Pläne habe, macht mir elizzys Mitmachprojekt immer noch Spaß; leider fällt mir nicht zu allen Aufgaben etwas brauchbares ein. Trotzdem möchte ich diese als Impulsgeber dienende Inspirationsquelle nicht missen.

Und das sind die Schreibthemen im September1) Du wachst auf und stellst fest, dass du im Jahr 3021 erwacht bist. Wie sieht die Welt nun aus? +++ 2) Schreibe einen Beschwerdebrief an den Klimawandel. +++ 3) Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz “So verliebt war er schon lange nicht mehr, doch…” beginnt. +++ 4) Schreibe eine Geschichte und lasse folgende Wörter mit einfließen: Gorilla, Radiergummi, grün, verwildert, Roller+++ 5) Das Inselleben – Freiheit oder Käfig? Wie würdest du dich auf einer Insel fühlen?

Und hier sind die Regeln dazu:  Jeden Freitag wird veröffentlicht.  +++ Wählt aus einem der vorgegebenen Schreibthemen. +++ Schreibt eine Geschichte/ein Gedicht/ein paar Zeilen – egal, Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben.  +++ Vergesst nicht, den Hashtag #Writing Friday und den Header zu verwenden, schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch. +++ Habt Spaß und versucht, voneinander zu lernen.

#Writing Friday 2021 – August, Teil 2

Nach dem Neustart beim #Writing Friday im August mit einem Thema aus dem Juli habe ich mir als nächste Aufgabe eine aus dem August herausgegriffen:

Schreibe eine Geschichte und lasse folgende Wörter mit einfließen: Gemüse, versteckt, Wasser, Schaufel, dreckig.

Diesmal habe ich mich von einem Shoppingausflug am letzten Samstag inspirieren lassen.

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Wenn’s mal wieder länger dauert

„Das ist nicht Dein Ernst. Diesen Fetzen kauf ich nicht!“ Die Entrüstung in der Stimme aus der benachbarten Umkleidekabine war kaum zu überhören. „Da drin sehe ich aus wie die letzte Vogelscheuche!“

„Tust Du gar nicht!“

„Tu ich wohl!“

Typisch junges Gemüse, seufzte ich genervt und wenig nachsichtig in mich hinein. Zugegeben, fair und vorurteilslos war ich in diesem Augenblick nicht, und insgeheim bat ich um Abbitte, aber die beiden Mädchen, die sich anscheinend in dieses jahrzehntealte Traditionskaufhaus verirrt hatten, stritten sich um irgendeine Klamotte und klangen wie zwei Fünfjährige, die sich um die einzige Schaufel im Sandkasten balgten.

„Räumungsverkauf wegen Umbau – 60% auf alles“: Das lockte auch jene in den Laden, die sonst achtlos vorbeigeschlendert wären, auch solche, die man eher nicht der Zielgruppe zurechnen würde. In diesem Fall zwei junge Frauen, die der Stimme nach zu urteilen, allerhöchstens zwanzig sein konnten; so, wie sich die beiden Streithennen aufeinander eingeschossen hatten, konnte das dauern, und nun stellte sich auch noch der Freund der einen, den ich für nicht wesentlich älter hielt, dazu und blockierte den einzigen Spiegel, vor dem ich den Sitz der anprobierten Wäsche hätte überprüfen können. In der Kabine gab es keinen, und eine Verkäuferin, die hätte schlichten und das Chaos entwirren können, war erst recht nicht zu sehen.

Wenn’s mal wieder länger dauert – nur hatte ich statt Snickers ein Fläschchen Wasser dabei. Das zog ich jetzt aus der Tasche und machte es mir auf dem gepolsterten Hocker gemütlich, um den weiteren Verlauf der Debatte abzuwarten. Hoffentlich einigten die drei sich bald, denn ewig wollte ich mich nicht in meiner Kabine versteckt halten, doch solange der Kerl da draußen stand, hatte ich wenig Lust, mich so leichtbekleidet vor drei Augenpaaren zu präsentieren. Oder vielleicht erst recht. Vermutlich würden ihm die Augen aus dem Kopf fallen und er sich mit hochrotem Kopf verkrümeln. Die Stimme der Verkäuferin, die mir die BHs und die passenden Slips gebracht hatte, war auf der anderen Seite des Vorhangs, der mich von dem Trio trennte, klar und deutlich zu hören.

Mit neuer Ware auf dem Arm, zupfte sie an dem Vorhang und richtete ihre Frage, ob alles in Ordnung sei, eindeutig an mich.

„Im Prinzip schon, nur mit dem Rauskommen wird’s etwas schwierig“, antwortete ich und reichte ihr die Wäschestücke, die nicht mehr benötigt wurden. Dieser Wink mit dem Zaunpfahl zeigte endlich den gewünschten Erfolg und ließ den Herrn, der noch immer mehr oder weniger planlos draußen herumstand, innehalten. Entschuldigend räusperte er sich und entfernte sich eilig vom Fleck, aber wenigstens grinste er nicht dreckig.

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Die Regeln: Am Freitag wird veröffentlicht. +++ Wählt aus einem der vorgegeben Schreibthemen. +++ Schreibt eine Geschichte / ein Gedicht / ein paar Zeilen – egal Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben. +++ Vergesst nicht den Hashtag #WritingFriday und den Header zu verwenden. +++ Schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei, lest euch die Geschichten durch und hinterlasst einen Kommentar! +++ Habt Spass und versucht voneinander zu lernen.

Und das sind die Aufgaben: Zeit für #Vanlife: Berichte einen Tag lang aus der Sicht eines Vans / Wohnwagens. +++ Du findest auf der Strasse einen grossen Koffer und nimmst ihn spontan mit nach Hause. Deine Neugier ist so gross, dass du diesen dann auch öffnest, was entdeckst du darin? Und wie sieht der Koffer aus? Beschreibe so genau wie möglich. +++ Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz “Der Kaffee war schon lange kalt, als Henrik wieder zu Bewusstsein kam und…” beginnt. +++ Schreibe eine Geschichte und lasse folgende Wörter mit einfließen: Gemüse, versteckt, Wasser, Schaufel, dreckig. +++ Eine Spielplatz-Schaukel berichtet aus ihrem Leben.

#Writing Friday 2021 – August, Teil 1

Den Überblick, in der wievielten Woche wir nun eigentlich sind, habe ich schon lange verloren – jetzt habe ich den Anschluss an den #writing friday wiedergefunden und hänge leider doch noch hinterher, denn eine der Aufgaben aus dem letzten Monat hat mich mit Verspätung gereizt:

Ein Sommer-Rezept: Ein lauer Sommerabend, du nimmst dir die Zeit draussen etwas zu essen. Verrate uns dein liebstes Sommer Menü – evtl. mit Rezept – und Kochanleitung.

Zwischenzeitlich ist mir der Spaß am Kochen vergangen, doch neuerdings koche ich wieder für zwei – und da ist mir spontan ein kleines, leichtes Menü eingefallen, das ich aus lauter Gerichten zusammengestellt habe, die in den letzten Tagen bei mir auf dem Speiseplan standen.

Was leichtes zum Auftakt: Caprese gegrillt… Wer italienische Speisekarten kennt, wird diesen Salat aus Tomaten, Mozzarella und Basilikum darauf schon einmal gesehen haben. Auf den ersten Blick scheint daran nichts besonders zu sein. Aber wer mich persönlich kennt, wird wissen, dass ich gegen rohe Tomaten allergisch bin und dieses Gericht daher eine Sonderbehandlung von mir bekommt: Die Tomaten schneide ich in Scheiben und lege sie auf den Grill oder brate sie in der Pfanne an, bevor ich sie abwechselnd mit dem Büffelmozzarella auf den Teller lege und mit Basilikumblättern bestreue. Darüber dann noch ein Essig-Öl-Dressing, und das rot-weiß-grüne Wunder ist servierfertig.

Der nächste Schritt: gefüllte Paprikaschoten… In einem Topf brate ich eine kleingehackte Zwiebel an, gieße vorsichtig Brühe hinzu, sobald sie braun wird und lasse den Couscous darin zusammen mit den Gewürzen meiner Wahl (Salz, Pfeffer, Kreuzkümmel, Paprika) kurz quellen. Der Grieß saugt relativ schnell die Flüssigkeit auf. Perfekt, um ausgehöhlte rote Paprikaschoten damit im Wechsel mit Feta zu füllen. Alles Käse, oder was? Toppen lässt sich das Ganze noch mit einer Schicht geriebenem Parmesan – und das ist wörtlich zu nehmen. Bei 200°C wird in zwanzig Minuten aus der Käseschicht eine krosse Kruste, die der vegetarischen Alternative zu dem auf herkömmliche Weise zubereiteten Klassiker eine besondere Würze verleiht.

Der krönende Abschluss: selbtgemachte Eiscreme… Salted Caramel – diese Sorte liegt momentan sehr im Trend; ich habe meine Vorliebe dafür schon vor ein paar Jahren entdeckt. Wie groß war meine Freude, als ich ein Rezept dafür in einer Zeitschrift gefunden habe. Hinein kommen 300 Gramm Zucker (den ich in einer Pfanne schmelze), 50 Gramm Butter, 100 Gramm Schlagsahne, drei bis vier Prisen Fleur de Sel, 400 ml Milch, 5 Eigelb (Größe M) und 6 Esslöffel Erdnussbutter. Okay, man kann jetzt darüber streiten, ob das dann noch Karamell- oder schon Erdnusseis ist. Fest steht, dass das Zeug ziemlich süß und sehr gehaltvoll ist.

Das war mein Ausflug in die Welt des Kochens – und demnächst halte ich mich wieder an die Schreibaufgaben für den August.

Und das sind die Regeln: Am Freitag wird veröffentlicht. — Wählt aus einem der vorgegeben Schreibthemen. — Schreibt eine Geschichte/ein Gedicht/ein paar Zeilen – egal. Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben. — Vergesst nicht, den Hashtag #WritingFriday und den Header zu verwenden. — Schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei, lest euch die Geschichten durch und hinterlasst einen Kommentar! — Habt Spaß und versucht, voneinander zu lernen.

#Writing Friday 2021 – Juli, 28. Woche : Heimlichkeiten

Auch im Juli gibt es wieder neue Schreibaufgaben beim #writing friday von elizzy, und doch reizt mich diesmal nur eine Aufgabe, nämlich die vierte, die da lautet:

„Schreibe eine Geschichte und lasse folgende Wörter mit einfließen: verbunden, Apfelbaum, Fuchs, Heißhunger, bittersüß“

Es ist eine Rückblende geworden, die zu einer längeren Geschichte gehört (mehr dazu am Ende dieses Beitrags).

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Heimlichkeiten

Seit Audrey und er zusammen im Festkomitee waren, war ihr Verhältnis immer intimer geworden, doch je länger es andauerte, desto unwohler fühlte Manfred sich. Inzwischen genügten kleinste Anlässe, um ihn nervös zu machen. So wie jetzt der Apfelbaum im Vorgarten – seine noch immer kahlen Äste  kratzten an der Scheibe des Küchenfensters und verursachten bei ihm eine Gänsehaut. Das Geräusch erinnerte ihn wieder nur allzu deutlich an diesen einen Abend, und schon sah er die kurze Szene wieder vor sich, als wäre sie gerade erst passiert.

Audreys Küsse schmeckten bittersüß und schürten das Verlangen nach mehr, bis es einem Heißhunger gleichkam. Doch je länger das Verhältnis andauerte, desto riskanter wurde es. Schon allein,  weil sich immer mehr in sein Leben zu drängen begann. Manfred hielt die Luft an, als an das Telefon unverhofft läutete. Gerade noch rechtzeitig konnte er Marlene zuvorkommen – nur um im selben Moment innerlich zu Eis zu erstarren. Marlenes fragendes Gesicht in nächster Nähe, und Audreys säuselnde Stimme im Ohr… in einer plötzlichen Eingebung tat er so, als ob ein Unbekannter anrief.

„Falsch verbunden„, räusperte er sich und legte augenrollend auf.

Was war er doch für ein Fuchs, beglückwünschte er sich insgeheim, doch der Triumph währte nur kurz. Oh, diese Dreistigeit, um diese Zeit anzurufen – ihn beschlich das Gefühl, dass Audrey es förmlich darauf anlegte, ihre Affäre auffliegen zu lassen… Das musste aufhören. Schon morgen würde er sein Verhältnis mit Suzannes Mutter für immer beenden.

Zu dumm, dass das geheime Treffen am nächsten Tag nicht unbemerkt geblieben und sogar fotografiert worden war.

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Manfred und Audrey sind Figuren aus meiner Fortsetzungsgeschichte „Nach dem Regen“.

Das sind die Themen im Juli: 1) Frühling, Sommer, Herbst, Winter – stelle uns zu jeder Jahreszeit ein passendes Buch vor. +++ 2) Sommerferien – Moritz muss zu Hause bleiben. Doch davon lässt er sich die Laune nicht verderben, zusammen mit seinen Freunden bauen sie (…eigene Idee…) – erzähle uns was sie bauen und wie sie den Sommer damit / darin verbringen. +++ 3) Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz “Mein Fahrrad ist mein bester Freund, denn…” beginnt. +++ 4) Schreibe eine Geschichte und lasse folgende Wörter mit einfließen: verbunden, Apfelbaum, Fuchs, Heißhunger, bittersüß +++ 5) Ein Sommer-Rezept: Ein lauer Sommerabend, du nimmst dir die Zeit draussen etwas zu essen. Verrate uns dein liebstes Sommer Menü – evtl. mit Rezept – und Kochanleitung.

Die Regeln lauten: Am Freitag wird veröffentlicht +++ Wählt aus einem der vorgegeben Schreibthemen +++ Schreibt eine Geschichte / ein Gedicht / ein paar Zeilen – egal Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben +++ Vergesst nicht den Hashtag #WritingFriday und den Header zu verwenden +++ Schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei, lest euch die Geschichten durch und hinterlasst einen Kommentar! +++ Habt Spass und versucht voneinander zu lernen.

# Writing Friday 2021 – Juni, 26. Woche : Schall und Rauch

Wider Erwarten, habe ich doch noch einen Beitrag für elizzys #Writing Friday – und zwar für die vierte Aufgabe: Schreibe eine Geschichte und lasse folgende Wörter mit einfliessen: Hund, Jagd, Kieselsteine, Wald, Gelächter.

Mit 775 Wörtern hinein ins Wochenende für mich und eine ungewisse Zukunft für die drei Hauptakteure in diesem Spiel.

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Schall und Rauch

„O’Reilly kommt nicht. Der Deal ist gestorben.“

Max‘ Worte holten Julia unsanft in die Wirklichkeit zurück. Vergessen war der schöne Moment, als sie und Chris einander in die Augen gesehen hatten. Blöder Hund, bahnte sich der Ärger in ihr seinen Weg – die beiden Brüder hatten einen Teil der fürs Geschäft so notwendigen Rücklagen in den Kauf eines Motorrads investiert, und nun machte der Besitzer des Irish Pubs, der es hatte kaufen wollen, einen Rückzieher – von der ganzen Arbeit, die sich Chris gemacht hatte und die nun für die Katz war, gar nicht erst zu reden. Schall und Rauch: Wieder ein Kandidat, der nur Reden schwang, aber dann keine Taten folgen ließ.

Zuerst Lukas Förster, der ihr das Blaue vom Himmel versprochen hatte, dann aber schnell sein wahres Gesicht gezeigt hatte… Sie konnte sich sein Gelächter, wenn er von dem Flop erfuhr, lebhaft vorstellen – dass er und seine Mischpoke Chris nicht ausstehen konnten, hatte der Typ an ihrem letzten Ausgehabend ja nun allzu deutlich gezeigt. Und jetzt Calum O’Reilly – keinen Fuß mehr würde sie ins Bogside setzen. Halali, der Schuss ins Brötchen – die Jagd ist eröffnet, dachte sie, kurz vorm Platzen.

„Ich glaub, ich steh‘ im Wald! Warum denn das?“ entfuhr es Chris entgeistert. „Der Kerl kann es sich doch nicht einfach anders überlegen.“

„Leider aber doch“, klärte Max sie auf. „Bei der letzten Inspektion wurde in seinem Laden so einiges beanstandet, und jetzt kommen nicht nur neue Brandschutztüren dazu, sondern er hat auch noch ein Problem mit der Kühlung. Wenn er weiterhin sein ‚Guinness Extra Cold‘ anbieten und nicht riskieren will, dass ihm die letzten Gäste auch noch wegbleiben, muss er eine neue Anlage einbauen – und da ist so eine Harley das letzte, was er gebrauchen kann.“

Geschäft geht vor: Wollte Max ihnen die bittere Pille so erträglicher machen?

Bei Chris wirkte die Besänftigungstour, nur bei ihr wollte sich das Resultat nicht einstellen. Der Ärger lag zwar nicht mehr wie ein Betonklotz in ihrem Magen, war aber auch noch nicht ganz verschwunden, sondern versetzte ihr Stiche – wie wenn man im Sommer barfuß über aufgeheizte Kieselsteine lief. Am besten spülte sie das Geröll wie Max hinfort mit dem Whisky, der eigentlich zum Feiern bestimmt war. Trauerfeier mit anschließender Beerdigung Deiner Träume, dachte sie finster.

Es ist, wie es ist“, kam es von Max zurück. „Ich hoffe nur, dass ich schnell einen anderen Käufer finde.“

Wie praktisch, dass sie jede Menge Fotos aufgenommen hatten – die konnten sie auch gleich für die nächste Annonce bei „Mobile24/7“ verwenden.

Ja, wie überaus praktisch, äffte Julia Max in Gedanken nach, nachdem er sich empfohlen hatte und sie und Chris ratlos zurückließ. Nach dieser Nachricht hatten sie beide keine Ahnung, wie es jetzt weitergehen sollte, falls Max keinen Käufer fand.

„Komm, lass uns mal schauen, was wir bis jetzt haben.“ war Chris‘ einziger Kommentar, bei dem sich Julia fragte, ob ihm diese scheinbare Rückkehr zur Tagesordnung nur helfen sollte, sich seine Enttäuschung über das geplatzte Geschäft nicht anmerken zu lassen und den Schock zu verdauen. Sie konnte nur vage Vermutungen darüber anstellen, was in ihm vorging; das gequälte Lächeln, das er sich abrang und das nicht einmal seine Augen erreichte, sprach für sie Bände, und sie wunderte sich, warum ihr das alles so nahe ging. Aber da Spekulationen und Grübeln ihrer Erfahrung nach zu nichts führten, musste sie zugeben, dass es vielleicht wirklich besser war, wenn sie sich mit dem Sichten der Aufnahmen ablenkten.

Sie nahm noch einen Schluck von dem rauchigen Scotch, dann schwang sie sich auf den klapprigen Bürostuhl, den sie eigentlich nach dem Verkauf der Harley hatte entsorgen wollen – ein Vorhaben, das sich genauso in Schall und Rauch auflöste wie der geplante Kauf einer neuen Kaffeemaschine. Hoppla, eine der Rollen stand kurz davor, sich zu verabschieden. Um nicht das Gleichgewicht zu verlieren, stützte sich Julia irgendwo auf der Tischplatte ab. Ihre Hand berührte die von Chris, als dieser das Laptop startklar machte, und seine Blicke trafen sich mit ihren. Und wieder war es, als stünde die Zeit still. Wie in einem Déjà-vu, dehnten sich erneut die Sekunden zu Minuten, doch diesmal stieß niemand die Tür auf oder räusperte sich verlegen.

Da war nichts und niemand, was sie daran hinderte, nun endlich damit fortzufahren, wobei sie von Max unterbrochen worden waren. Was zwischen ihnen war, hatte nun schon lange genug vor sich hin geschwelt, und es hatte nur noch eine Fotosession gebraucht, um den nächsten Schritt zu wagen. Vergessen waren Laptop, Stuhl und Fotos, Julia und Chris hatten nur noch Augen füreinander und versanken in einem langen, hingebungsvollen Kuss.

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Auch wenn ich nicht oft dabei war, hat es doch Spaß gemacht – und die Schreibaufgaben sind doch immer wieder eine Inspiration und ein Impuls, der mich nicht nur immer wieder aufs neue zum Schreiben motiviert, sondern auch dafür sorgt, dass meine Geschichten oft einen ganz anderen Verlauf nehmen, als anfänglich geplant. Wie für mein Projekt, das ich bei Wattpad unter dem Titel „Verschlungene Pfade“ kapitelweise veröffentliche. Es ist eine Sammlung von Kurzgeschichten, die ich bisher zum #writing friday und den ABC-Etüden auf meinem Blog beigesteuert habe und jetzt zusammengeführt und fortgesetzt werden.

Die Schreibthemen im Juni waren: 1) Ein Pilz berichtet aus seiner Sicht über die vielen Wanderer, die seinen Weg kreuzen. +++ 2) Hendrik kommt in Südafrika an – er hat sich für eine Safari angemeldet. Er schreibt seine Erfahrungen und Gedanken über diesen 3-Wöchigen Urlaub in sein Reisetagebuch. Lass uns einen Blick hineinwerfen. +++ 3) Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz “Der Himmel verdunkelte sich und…” beginnt. +++ 4) Schreibe eine Geschichte und lasse folgende Wörter mit einfliessen: Hund, Jagd, Kieselsteine, Wald, Gelächter. +++ 5) Maja verliebt sich das erste Mal, sie schreibt dies in ihr Tagebuch. Ihr Tagebuch plaudert uns diese Gedanken fröhlich aus – schreibe aus der Sicht des Tagebuchs.

Und hier sind die Regeln dazu: Jeden Freitag wird veröffentlicht. +++ Wählt aus einem der vorgegebenen Schreibthemen. +++ Schreibt eine Geschichte/ein Gedicht/ein paar Zeilen – egal, Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben. +++ Vergesst nicht, den Hashtag #Writing Friday und den Header zu verwenden, schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch. +++ Habt Spaß und versucht, voneinander zu lernen.

# Writing Friday 2021 – Juni, 25. Woche : Rome wasn’t built in a day

Ich gebe zu, ich mache mich so langsam rar beim #Writing Friday von elizzy – schuld daran sind mehrere parallel laufende Schreibprojekte, aber auch in diesem Monat ist es wieder die dritte Aufgabe:

Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz “Der Himmel verdunkelte sich und…” beginnt.

Heute bin ich mal wieder mit einem längeren Text unterwegs.

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Rome wasn’t built in a day

Der Himmel verdunkelte sich und das innerhalb kürzester Zeit.

Mit offenem Mund blieb Angelo wie angewurzelt stehen und starrte reglos vor Entsetzen die Gasse der Balkone entlang bis hinauf zu dem Berg, an dessen Fuß die Stadt lag und auf dessen Gipfel es unheilvoll brodelte. Wieviel Pech konnte ein Mensch haben? Dabei hatte es so gut angefangen, als er mit dem Ticket in die Agentur hineinspaziert war und sich für einen Ausflug in die Antike entschieden hatte. Genauer gesagt, ins Alte Rom. Und er wusste auch schon ganz genau, was er dort als erstes tun wollte.

Eigentlich hätte sein Bruder Ricardo ja die Zeitreise antreten sollen, doch der hatte es mit dem Feiern am Vorabend übertrieben und lag mit einem mörderischen Kater im Bett. Reisen in die Vergangenheit oder in die Zukunft sollte man bei klarem Verstand und mit wachen Sinnen antreten. Dieser Kelch würde an Ricardo vorbeigehen, und wenn er die von zu viel Alkohol verursachte Apokalypse erst einmal überstanden hatte, würde er sich tierisch aufregen. Aber wie hieß es doch so schön, grinste Angelo schadenfroh vor sich hin, Strafe muss sein. Das war seine Chance – da hieß es zugreifen, denn eine solche bot sich ihm nicht jeden Tag. Er hatte schon oft genug hinter seinem älteren Bruder zurückstecken müssen – nun war er an der Reihe.

Das einzige, was seine freudige Erwartung trübte, war der ganze bürokratische Teil mit den vielen Regeln, an die er sich halten und die Verschwiegenheitserklärung, die er unterschreiben sollte. Als ob er später seine Erlebnisse ausposaunen würde! Er war doch nicht lebensmüde. Genießen und schweigen, war seine Devise, auch wenn Angelo sich nicht als Gentleman sah, sondern eher als der Sand im Getriebe oder das eine Puzzleteil, das nicht passen wollte – der Tunichtgut in der Familie.

Er kenne doch seine Schweinchen am Gang, hatte sein Vater den Monolog eingeleitet, mit dem er Angelo auf die vor ihm liegenden Tage vorbereiten wollte und hatte ihm zum Schluss eingeschärft, sich peinlich genau an sämtliche Anweisungen zu halten, die man ihm in der Agentur erteilen würde, vor allem an die zweite Regel: „Reisende Zweiter Klasse müssen sich im Hintergrund halten.“ Schließlich hatte diese Vorschrift ihren Grund. Nicht auszudenken, was geschehen würde, wenn sich durch irgendeine unbedachte Handlung oder ein falsches Wort von ihm der Lauf der Geschichte ändern würde, bis hin zu einem Paradoxon, das die Existenz seiner Familie bedrohen würde, und damit auch seine. Aber ganz ehrlich: Was sprach gegen ein bisschen Spaß, zum Beispiel bei einem Gladiatorenkampf oder einem Wagenrennen in der Arena? Mit der Sprache sollte es keine Probleme geben. Sein Italienisch war zwar nicht ganz fehlerfrei, aber zur Not konnte er sich auch mit Händen und Füßen verständigen.

Außerdem schrien manche Regeln doch förmlich danach, gebrochen zu werden. Etwas gebrochen schien auch bei dieser vermaledeiten Zeitkapsel einiges zu sein, mit deren Hilfe er nach dem Drücken des Knopfs das Tor zur Vergangenheit öffnete. Dass etwas überhaupt nicht stimmte, wurde ihm in dem Moment klar, als er sich im hellen Sonnenlicht dieses Novembermorgens mitten in einer belebten Gasse vor einer Taverne wiederfand. Um nicht von wie aus dem Nichts auftauchenden Handwerkern, umgerannt zu werden, zog er sich hastig in den Eingang eines erstbesten Hauses zurück und ließ sich auf einem Mäuerchen nieder. „XVII Nov 79“ hatte jemand mit Holzkohle an eine der Säulen geschmiert. Lange konnte das da noch nicht gestanden haben – solche Inschriften waren nichts für die Ewigkeit.

Ewig hatte Angelo im sommerlichen Rom auch nicht bleiben wollen, aber Sommer war das hier nicht, und auch nicht das Jahr, das ihm vorgeschwebt war. Ihn beschlich eine ganz seltsame Vorahnung: Wenn schon der Zeitpunkt nicht stimmte, dann vermutlich auch nicht der Ort. Zögernd schob er sich wieder in die belebte Gasse, und folgte den zur Taverne strömenden Bauarbeitern und Gladiatoren mit den Augen. Sein Blick fiel auf die Unzahl von blutroten Inschriften an den Hauswänden in den Seitengassen, angebracht in den Nachtstunden, damit man von ihrem Treiben nichts mitbekam – ein Treiben, für das der jeweilige Auftraggeber, in diesem Fall ein gewisser Lucian, so manchen großzügigen Obolus springen ließ. Natürlich so diskret wie möglich. Aber ihn zog noch etwas anderes in seinen Bann. Hoch und bedrohlich ragte am Ende der Gasse der Vesuv über ihm auf. Das Zeitportal hatte ihn nach Pompeji verschlagen.

Wie er den Nachmittag herumbrachte, entzog sich seiner Erinnerung. Er wusste nur noch, dass er gerne den Schock mit einem ordentlichen Schoppen Wein hinuntergespült hätte. Aber mit welchem Geld? Mit den römischen Münzen, die er bei sich trug, konnte er hier und jetzt nichts anfangen. Doch die Antwort ließ nicht lange auf sich warten, denn unverhofft hatte das Glück ihm mit einem Farbeimer und einem Satz Pinsel in die Hände gespielt. Wahlwerbung für Lucian zu betreiben und für das Geschmiere am nächsten Morgen fürstlich entlohnt zu werden – was für ein genial einfacher Plan. Einen Teil der Münzen gab es jetzt schon. „Aber denk dran, wir haben den Einundzwanzigsten, und uns bleiben nur noch wenige Tage, bis…“

Klar, ich bin ja nicht von gestern, ging es Angelo durch den Kopf. Nur noch wenige Tage – und er war der einzige, dem die Ironie in den Worten seines Instruktors auffiel. Beschwingt vom Wein machte er sich ans Werk und freute sich schon auf die kräftige Mahlzeit, die er sich am nächsten Morgen gönnen würde, und vielleicht blieb noch genug Geld für den Besuch der Arena übrig. Soweit er mitbekommen hatte, feierte man morgen den zehnten Jahrestag der Wiedereröffnung. Nachdem man das Verbot zur Aufführung von Gladiatorenkämpfen endlich aufgehoben hatte, war die Freude grenzenlos gewesen. Aber so richtig bergauf gegangen war es erst mit dem Bauboom, der mit dem Pflastern der Straßen seinen Lauf genommen hatte.

Die Nacht neigte sich ihrem Ende zu, schon färbte sich der Himmel rot, doch der zu erwartende Gesang der Vögel wollte sich nicht einstellen. Angelo schenkte dem keine Beachtung, viel wichtiger waren ihm die pompejanischen Münzen, die nun in seinem Beutelchen klimperten. Müde, aber guten Mutes, zog es ihn zurück in die Taverne, die er jetzt schon zu seinem Stammlokal erklärt hatte. Wie der Eintopf mundete – gierig schaufelte Angelo die dampfende Mischung aus Lammfleisch und ihm unbekanntem Gemüse und Getreide in sich hinein, gönnte sich noch einen Becher Wein und zahlte die Rechnung, bevor er sich auf den Weg zur Arena machte. Wenn er sich ranhielt, konnte er vielleicht noch einen der begehrten Plätze zur Jubiläumsdarbietung ergattern. Ein markerschütterndes Grollen und Beben ließ ihn mitten in der Bewegung innehalten. Der Vesuv war erwacht. Früher als gedacht. Fassungslos beobachtete er die immer höher aufsteigende schwarze Säule aus Rauch und Asche. Gleich würde es Bimsstein regnen…

Porca Miseria! Er musste schleunigst weg, doch seine Füße gehorchten ihm nicht. Wie in Zeitlupe drehte sich Angelo in die entgegengesetzte Richtung und stolperte die Gasse der Balkone entlang. Nicht lange, dann prasselten auch schon die ersten heißen Steinchen von oben auf die Stadt und die sich entweder fliehende oder in den Häusern verschanzende Bevölkerung herab. Wie es endete, kannte Angelo aus dem Geschichtsunterricht – begraben unter einer meterhohen Schicht porösen Gesteins, um dann von der pyroklastischen Flut das Lebenslicht ausgelöscht zu bekommen, so durfte es für ihn nicht enden. Doch war eine Flucht überhaupt möglich? Jetzt, wo es drauf ankam, wollte ihm das Codewort einfach nicht einfallen. Statt dessen erinnerte er sich leider nur zu genau an die dritte Regel für Zeitreisende: „Verlieren Sie Ihr Leben am Zielort, haben Sie hier nie existiert. Die Auflösung Ihrer Existenz wird nicht dokumentiert.“

Er lief und lief… lief, bis er nicht mehr konnte… Lief, bis es zu spät war. Asche und Fetzen giftigen Gases hefteten sich an ihn, nebelten ihn ein und erschwerten seine Sicht auf den Weg vor ihm. Seine Augen wurden trübe, immer dichter werdende Schwärze breitete sich vor ihm aus – Schwärze, so bitter wie dunkle Schokolade.

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1300 Wörter, um genau zu sein – für eine Zeitreisegeschichte, die nicht nach Plan verlaufen ist.

Die Schreibthemen im Juni sind: 1) Ein Pilz berichtet aus seiner Sicht über die vielen Wanderer, die seinen Weg kreuzen. +++ 2) Hendrik kommt in Südafrika an – er hat sich für eine Safari angemeldet. Er schreibt seine Erfahrungen und Gedanken über diesen 3-Wöchigen Urlaub in sein Reisetagebuch. Lass uns einen Blick hineinwerfen. +++ 3) Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz “Der Himmel verdunkelte sich und…” beginnt. +++ 4) Schreibe eine Geschichte und lasse folgende Wörter mit einfliessen: Hund, Jagd, Kieselsteine, Wald, Gelächter +++ 5) Maja verliebt sich das erste Mal, sie schreibt dies in ihr Tagebuch. Ihr Tagebuch plaudert uns diese Gedanken fröhlich aus – schreibe aus der Sicht des Tagebuchs.

Und hier sind die Regeln dazu: Jeden Freitag wird veröffentlicht. +++ Wählt aus einem der vorgegebenen Schreibthemen. +++ Schreibt eine Geschichte/ein Gedicht/ein paar Zeilen – egal, Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben. +++ Vergesst nicht, den Hashtag #Writing Friday und den Header zu verwenden, schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch. +++ Habt Spaß und versucht, voneinander zu lernen.

# Writing Friday 2021 – Mai, 21. Woche : Geisterstunde

In letzter Zeit habe ich beim #Writing Friday von elizzy nicht mehr mitgeschrieben, weil mir die Inspiration gefehlt hat. Für den 21. Mai habe ich mich für die dritte Aufgabe entschieden:

Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz “Geister gab es doch nun wirklich nicht, aber…” beginnt.

Nun denn, mal wieder etwas aus dem echten Leben. Denn das bietet manchmal mehr Horror als jeder Film oder Roman.

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Geisterstunde

Geister gab es doch nun wirklich nicht, aber wer konnte schon wissen, ob an den Erzählungen Alisons, unseres Tourguides, nicht doch etwas dran war? Gerade noch hatten wir auf dem Friedhof und ihren Schilderungen von den im späten 19. Jahrhundert ihr Unwesen treibenden Grabräubern gelauscht – nun stiegen wir hinab in die verborgene Stadt, tief unter dem mittelalterlichen Teil Edinburghs.

„Ghosts & Ghouls“ – das Highlight zum Abschluss meiner Kurzreise, die ich ohne meinen Mann unternommen hatte: Die Tour führte von einem der ältesten Friedhöfe der Stadt, auf der Rückseite des Cafés, in dem Joanne K. Rowling eines ihrer Harry-Potter-Manuskripte auf Servietten gekritzelt hatte, hinüber zur George-IV-Brücke, und durch eine unscheinbare Tür, hinter der eine steile, spärlich beleuchtete Treppe auf uns wartete, hinunter in die Eingeweide der Stadt. Am Ende sollten wir noch die Underground City zu sehen bekommen.

Ein modriger Geruch empfing uns bei unserem Abstieg in den Untergrund. Ich wagte kaum, mir vorzustellen, wie hier einst die Ärmsten der Armen in der unterirdischen Stadt dicht aufeinander gehaust hatten. Unangenehm kalt und feucht war es, von frischer Luft weit und breit keine Spur, und ich sah zu, dass ich den Anschluss an die Gruppe nicht verlor – hier unten, metertief unter einer der Brücken die Orientierung zu verlieren, konnte es einen größeren Alptraum geben? Gerade hatten wir uns in einem Halbkreis um Alison aufgestellt, da senkte sie ihre Stimme um eine halbe Oktave, und noch bevor sie uns alle mit verschwörerischem Tonfall in Unruhe versetzte, streifte mich ein unangenehm kalter Luftzug, und in meinem Nacken stellten sich sämtliche Härchen auf, als die verhängnisvollen Worte fielen.

„Ein böser Geist geht hier um, so sagt man.“

Die plötzlich einsetzende Stille war geradezu mit den Händen greifbar, und mein Herz schlug mir bis zum Hals. Für einen Moment war die Welt eingefroren, und kein Laut kam über meine Lippen. Erst im nächsten Gewölbe kam ich wieder zu mir und konnte spüren, wie sich der Druck von meiner Brust erhob und sich in nichts auflöste. Ob mich die Gruppe weitergeschoben oder sich meine Füße automatisch in Bewegung gesetzt hatten, konnte ich nicht sagen. Das soeben Erlebte fühlte sich so echt und gleichzeitig so surreal an, und Alisons Worte, dass auch in dem Raum, in dem wir uns gerade befanden, ein Geist existierte, ließen mich an meinen Ansichten zweifeln. Zu wirklich hatte sich die Präsenz angefühlt, unter deren Einfluss ich anscheinend gestanden hatte.

Geister gab es nicht? Nachdenklich nahm ich noch einen Absacker, bevor es am nächsten Tag wieder zurück in die Heimat ging.

„Hier, Schatz, der neueste Stern!“ – nanu, dieses Blatt las mein Mann doch sonst nicht, wunderte ich mich, aber schlug neugierig die Zeitschrift auf. Doch es war nicht die Reportage über einen Fotografen, der das Ungeheuer von Loch Ness abgelichtet und seine verblüffend echt wirkenden Aufnahmen mit dem Datum „30. Juni“ versehen hatte, die mich aus meiner Sonntagsruhe riss. Wer Augen im Kopf hatte, konnte schließlich sehen, dass das Monster im See in Wahrheit ein harmloser Gummisaurier in der Badewanne war.

Es war ein Artikel über sogenannten Infraschall. Die in dem Artikel beschriebenen Symptome wie Beklemmung, Unbehagen, Furcht und Druck auf der Brust traten bei extrem niedrigen Schwingungen von 17 Hertz auf und konnten von Windkraftanlagen ausgelöst werden. Oder von dem über die George-IV-Brücke unablässig dahinrollenden Straßenverkehr, und verstärkt durch ihre Pfeiler.

Nein, Geister gab es wirklich nicht.

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Für kurze Zeit habe ich damals wirklich geglaubt, Geister existierten vielleicht doch – aber da es für alles eine wissenschaftliche Erklärung gibt…

Die Schreibthemen im Mai sind: 1) Marlen betritt einen alten Buchladen und entdeckt dabei ein sprechendes Buch. Beschreibe den Buchladen, die Stimmung und lass uns am Gespräch zwischen ihr und dem Buch teilhaben. +++ 2) Eine Wasserleiche taucht beim Badesee auf – schreibe eine Polizeibericht über diesen Vorfall. +++ 3) Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz “Geister gab es doch nun wirklich nicht, aber…” beginnt. +++ 4) Schreibe eine Geschichte und lasse folgende Wörter mit einfliessen: Sonnenschein, Knallbonbon, friedlich, vorwärts, Katze +++ 5) Max darf zum ersten Mal mit seinen Freunden auf den Jahrmarkt. Erzähle von seinem Tag und versuche dabei aus dem Blickwinkel eines 10-Jährigen zu schreiben.

Und hier sind die Regeln dazu: Jeden Freitag wird veröffentlicht. +++ Wählt aus einem der vorgegebenen Schreibthemen. +++ Schreibt eine Geschichte/ein Gedicht/ein paar Zeilen – egal, Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben. +++ Vergesst nicht, den Hashtag #Writing Friday und den Header zu verwenden, schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch. +++ Habt Spaß und versucht, voneinander zu lernen.