Media Monday # 474 : Nebenjob Kammerjäger

Schön ist das nicht. Ich habe zwar gejammert, dass es hier so still ist und ich so viel alleine bin, seit ich im Home Office arbeite. Trotzdem habe ich nicht die Lebensmittelmotten gemeint, als ich mir Gesellschaft in der Küche gewünscht habe. Äh, nein – plötzlich ist der Schrank so leer und die Vorräte dezimiert. Und der Appetit ist mir vergangen. Schau’n wir mal, was der Media Monday so bringt. Vielleicht sind ja diesmal brauchbare Küchentips dabei.

 

Media Monday # 474

 

1. Kennt ihr eigentlich eure nähere Umgebung? Weil für mich ein Urlaub mit ständigem Tragen einer Maske vorm Gesicht bei 30°C unvorstellbar ist und mein Urlaub dieses Jahr sich vorwiegend in der Heimat abspielt, habe ich mit dem Planen von Entdeckungsreisen begonnen. Am Samstag war der Hessenpark in Neu-Anspach (Taunus) dran – vielleicht widme ich mich demnächst mal dem Besinnungsweg bei Freigericht-Somborn, wobei 24 km auch erst mal erwandert sein wollen.

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2. Die Begeisterung für die Musik meiner Lieblingsband könnte ich im Homeoffice theoretisch ungehemmt ausleben, wenn da nicht die Tatsache wäre, dass ich mich konzentrieren muss und keine Ablenkung gebrauchen kann – auch nicht durch Musik im Hintergrund. Ja, im Moment ist es zu Hause ziemlich still und außerdem Jammern auf hohem Niveau. Ich könnte die Musik ja auch leise laufen lassen.

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3. Was ich mittlerweile ja durchaus sehr zu schätzen weiß, ist eine aufgeräumte Küche, schon allein weil ich mich darin mindestens acht Stunden pro Tag aufhalte.

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4. Hauptgrund – meiner Meinung –, dass so viele Adaptionen zum Scheitern verurteilt sind, ist das Hinzudichten von Handlungsfäden, die es im Buch so nie geben würde, oder das komplette Verbiegen der eigentlichen Handlung. Am übelsten ist mir das beim Ende der „Unendlichen Geschichte“ aufgestoßen: Da wurde die komplette zweite Hälfte unterschlagen und Fuchur, dessen Filmgestalt überhaupt nicht mein Fall ist, auf die Menschheit im realen Leben losgelassen. Und die Romanze zwischen Zwerg Kili und Elbin Tauriel in „Der Hobbit“ war für einige Zuschauer bestimmt eine nette Zugabe, war aber für die Handlung m.E. nicht nötig. Blöderweise waren beide Filme an den Kinokassen recht erfolgreich – das Scheitern ist also nur auf meinen persönlichen Geschmack bezogen.

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5. Ein wirklich originelles Setting, wenn nicht gar „Worldbuilding“, hat für mich der Film „The Artist“, obwohl die meiste Zeit kein Wort darin gesprochen wird, aber wie der Übergang vom Stummfilm zum Tonfilm am Ende doch noch funktioniert, war für mich „ganz großes Kino“. Selbst der Vorspann des Films erinnert sehr an die Filme der frühen 30er Jahre.

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6. Geht es um Spiele jedweder Art, kann ein schlechter Verlierer schon ein ziemlicher Stimmungstöter sein, denn wenn jedesmal das große Drama angesichts einer Pechsträhne für einen solchen Menschen droht und andere Mitspieler ihn oder sie gewinnen lassen, vergeht mir die Lust an solchen Spielerunden.

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7. Zuletzt habe ich mit meiner besten Freundin einen Ausflug in den Taunus unternommen, und das war ein richtig schöner Tag, und nicht nur weil ich ihr mal ein paar Ecken zeigen konnte, die sie noch nicht kannte, sondern weil wir zum ersten Mal gemeinsam essen waren, auch wenn das mit dem Hinterlassen der Adressdaten noch etwas ungewohnt für mich war. Wenn demnächst das Telefon nicht klingelt, weiß ich, dass alles glattgegangen ist und keiner an dem Tag coronaverdächtig war.

„Broken Strings“ : Chapter 40 – Sonderprogramm

 

Mach Dir keine Sorgen. Das kriegen wir hin.“

Wie gerne hätte ich Marks Optimismus geteilt, aber vor lauter Lampenfieber und Nervosität wurde mir immer schlechter, je näher unsere Sondervorstellung kam. Im Prinzip hatte er zwar recht. Was sollte auch schon passieren, wo doch den größten Teil die Band stemmte, vor allem er und Danny.

Da Celia Crawford eine Vorliebe für folkig-rockige Klänge mit einer Prise Punk und neuerdings auch Wave hatte, und somit eine Schwäche für Bands wie die Pogues oder die Dropkick Murphys, würde das Instrumentalstück „Highland Cathedral“ bestimmt super bei ihr ankommen.

‚Der Oberknaller‘, hätte Jenny jetzt gesagt. Aber die war nicht hier, um mir das Händchen zu halten. Dabei hätte ich gerade jetzt jemand Unbeteiligtes gebraucht. Jemand, der verstand, wie gespalten ich zu unserem geplanten Duett stand. Ich kam mir vor wie bei ‚Canada’s got talent‘, und wenn wir es versiebten, dann sprang der Buzzer viermal an – vier Kreuze in rot, der Knock Out. Und da würde es keine Rolle spielen, ob das Duett „Shallow“ hieß oder „Creep“.

Mark hat recht“, versuchte Mike, mich zu beruhigen, „denk einfach an diesen einen Tag, als Du ganz alleine da oben gestanden hast und ich dazu gekommen bin.“

Welche Szene er meinte, wusste ich genau. Wie von selbst waren die Töne an diesem Tag aus uns heraus geflossen. Nur war das damals eine Probe ohne Zuschauer gewesen und die Idee dazu aus einer Laune heraus entstanden – und mit dem, was vor uns lag, nicht zu vergleichen. Außerdem konnte man spontane Eingebungen nicht wiederholen, ohne dass dabei Murks herauskam. Und wenn sie doch recht hatten?

An der Tatsache, dass wir zusammen am Mikrofon stehen würden, änderte sich im Grunde nichts, nur an der Anzahl der Leute um uns herum.

„Achte nicht auf sie. Auf nichts und niemanden. Außer auf mich.“

Ja, Andrea, ergänzte ich in Gedanken, in der Hoffnung, dass sich meine Aufregung dadurch etwas legte, Du weißt, was Du kannst, also achte darauf, dass Du Deinen Einsatz nicht verpasst. Und dann sieh nur Deinen Partner an und vergiss alles um Dich herum. Egal, wer da sitzt.

Und wenn etwas schief ging? – Egal. Na ja, ganz egal vielleicht nicht, aber Du bist nicht alleine Schuld, wenn dieser Nachmittag eine Pleite wird.

Stimmt. Um mich herum gab es genügend Profis, die wussten, was sie taten. Oder es zumindest wissen sollten.

Ein Saal, in den locker ein Sinfonieorchester hinein gepasst hätte, doch hier befanden wir uns nicht auf dem Gelände eines lokalen Radiosenders, sondern auf dem weitläufigen Areal einer bedeutenden Tageszeitung, bei der kulturelle Veranstaltungen kein Nischendasein fristeten. Sogenannte Meet & Greets hatte es hier schon viele gegeben, und ich wollte gar nicht wissen, wer im Lauf der Jahre dabei schon zu Gast gewesen war. Celine Dion, Avril Lavigne, Nickelback, Alanis Morrissette, von den unzähligen Nachwuchstalenten einmal abgesehen… natürlich fand sich immer jemand, der einem von den glorreichen Zeiten der Vergangenheit vorschwärmte, aber das war das letzte, was ich hören wollte.

Viel mehr interessierte mich, wie die Show ablaufen sollte. Brighter than a thousand suns? Ein hell erleuchteter Saal konnte es ja wohl auch nicht sein, aber Bedingungen, wie bei den letzten unserer Shows würde es genauso wenig geben. Es ging kein Weg daran vorbei: Das sehr kleine Publikum, das aus höchstens hundert Personen bestand, hätte einen hervorragenden Blick auf mich, und ich auf das Publikum. Tausend Tode würde ich sterben.

Und als ich schon durchzudrehen glaubte, erklangen aus dem Hintergrund die ersten Akkorde eines Klaviers, die unsere Coverversion im Stil der Vierziger Jahre einleiteten. Die Version, an der ich mich bei unserer Probe versucht und in die Mike nach dem Refrain eingestiegen war. Und obwohl wir nicht abgesprochen hatten, dass außer unseren Stimmen nur Pianoklänge zu hören sein würden, erreichte diese diese Änderung das, was mir den ganzen Tag über nicht gelungen war. Mein Puls verlangsamte sich, und wie ein Mantra kehrten Mikes Worte vom Vormittag zu mir zurück.

Achte nicht auf sie. Auf nichts und niemanden. Außer auf mich.

Die Wirkung war verblüffend: Wie aufs Stichwort fiel die Nervosität von mir ab, als ob ein Igor den entscheidenden Schalter umgelegt hätte. Von der vielköpfigen Menge in meinem Blickfeld wendete ich mich ab und dafür meinem Gesangspartner zu, der auf meinen Einsatz wartete. Achte auf nichts und niemanden. Außer auf mich…

♪♫ ♪ When you were here before, Couldn’t look you in the eye, You’re just like an angel, Your skin makes me cry. You float like a feather, In a beautiful world… ♪♫ ♪

Den Text kannte ich im Schlaf und hätte ihn mit geschlossenen Augen singen können. Dennoch widerstand ich der Versuchung. Und schaute ihm, wie vor unserem gemeinsamen Auftritt besprochen, direkt in die Augen, als er bei der nächsten Strophe an die Reihe kam.

♫ ♪ ♫ … I don’t care if it hurts, I want to have control, I want a perfect body, I want a perfect soul … ♫ ♪ ♫

What the hell are we doing here? Ein bißchen spät, sich das zu fragen, wo es doch nur eine Antwort geben konnte: Die Herausforderung zu meistern und die Leute, auf die es heute ankam, zu überzeugen.

But I’m a creep, I’m a weirdo. What the hell am I doing here? I don’t belong here…

John hatte schon nach der Hälfte des Satzes aufgehört zu spielen, nun waren es nur noch unsere Stimmen, die verhallten und auf Stille trafen. Eine sekundenlange Stille, die mir endlos vorkam. Vergeigt. Mist. Das hatten wir anscheinend schon besser drauf gehabt – nur zu verständlich, wenn jetzt die Special Guests das Weite suchten. Gut, dass jemand ein Einsehen hatte und das Licht hier vorne dimmte. So war die Blamage nicht ganz so groß.

Dafür aber das Déjà-vu, als mir Mike das Mikrofon aus der Hand nehmen und mich an sich ziehen wollte. Glaub mir, Baby, Du gehörst absolut hierher? – Träum schön weiter, und dann…

Donnernder Applaus! Entgeistert ließ ich das Mikrofon fallen und blickte mich fassungslos um. So totenstill, wie es eben noch gewesen war, hatte ich fest damit gerechnet, ausgebuht zu werden, und jetzt das?!

Kneif mich, sonst glaub ich’s nicht“, stieß ich Mike an, der mein Mikrofon gerade noch aufgefangen hatte, bevor es zu Boden gehen und ein unschönes Geräusch produzieren konnte.

Ich hab‘ sogar eine noch bessere Idee, funkelten seine Augen zurück, und er nahm mich in seine Arme, um mich lange und heftig zu küssen. Sehr lange. Und sehr heftig. Auch eine Methode, jemanden in die Realität zurück zu holen, wenn Kneifen flachfällt, weil die betreffende Person schon genügend Schrammen und blaue Flecke hat.  

Diesen Bann zu brechen, erfordert eine ungeheure Energiemenge – für die einen liefert die ein Kuss vor über hundert Leuten, für die anderen begeistertes Klatschen und Standing Ovations von genau diesen hundert Leuten.

Besser?“

Dass er mich das fragte, noch dazu mit einem unverschämten Grinsen! ‚Besser‘ war eindeutig der falsche Ausdruck – Erleichterung traf es eher. Doch die währte nicht sehr lange. Das Konzert war nämlich hiermit beendet, was übrigens auch für die Möglichkeit galt, sich zurückziehen zu können.

Aber das war mir bereits in genau der Sekunde klar geworden, als die ersten zu applaudieren begannen. Ich konnte mir natürlich einreden, dass der Beifall nicht mir persönlich galt, sondern dem Gesamtkonzept, das änderte aber nichts daran, dass ich in das Meet & Greet einbezogen wurde, und das passte mir gar nicht.

Jetzt aber einfach unterzutauchen, konnte ich aber auch nicht bringen. Dazu steckte ich viel zu tief drin. Wie heißt es doch so treffend? Mitgefangen, mitgehangen.

Das wird schon,“ flüsterte mir Mike aufmunternd zu. „Du hast Dich während unseres Duetts wacker geschlagen, da überstehst Du den Rest des Abends auch noch. Außerdem waren wir doch gar nicht so übel.“

Das fand auch Celia Crawford, die wir CeCe nennen sollten. Nach dem Misserfolg mit Brandon Cole war ich vorsichtig geworden. Es ging zwar nicht um mich, aber wer wusste schon so genau, was Leute im Schilde führten, die mit jedem gleich per Du waren und persönliche Spitznamen oder Abkürzungen nur zu freigiebig verteilten.

Womöglich war ich hoffnungslos hinterm Mond, und das war in dieser Branche so üblich. Unsicher, wie ich die ganze Situation einschätzen sollte, beschloss ich, mich lieber abseits zu halten und gar nichts zu sagen oder wenigstens nichts dummes.

Zur Not konnte ich mich immer noch in meinen buntgestreiftes Monster von einem Schal wickeln und Stimmprobleme vortäuschen. Aber das war nicht nötig.

Mit Eurer Version von der Highland Cathedral könntet Ihr direkt Runrig Konkurrenz machen!“ strahlte CeCe und zückte ihre Karte. „Meine Assistentin hat mir nicht zu viel versprochen. Das war echt top!“

Man sollte niemals die Assistentin unterschätzen, dachte ich. Besonders die nicht, die über sämtliche Schritte der Konkurrenz bestens orientiert war und nun die Chance für ihr Label gekommen sah, weil sie bereits geahnt hatte, dass Mr. Coles Plan gar nicht gut bei Brian und seinen Kollegen ankommen würde.

Sich nur die Kirsche von der Sahnehaube zu picken, geht gar nicht“, fuhr sie fort. „Bei mir gibt’s nur eins: Entweder Euch alle zusammen oder keinen von Euch. Ganz oder gar nicht. Wir sind zwar nicht so groß wie VC Star Records und können Euch nicht den Mega-Deal anbieten. Aber wir stehen voll und ganz hinter unseren Leuten und können Euch mit unseren Connections weiter bringen.“

Ich grübelte noch darüber nach, wie das mit den Connections gemeint war, da setzte sie noch einen oben drauf. „Und vor allem geht uns das dämliche Motto ‚Sex Sells‘ am Allerwertesten vorbei, das gewisse Leute ja ganz groß schreiben.“

Aha, ein Seitenhieb auf den schmierigen Konkurrenten, der zum Glück kein Thema mehr war. War ich zu Beginn noch skeptisch gewesen, wurde mir diese Frau immer sympathischer. Viel verstand ich ja nicht von dem Smalltalk, den sie mit Brian und dem Rest der Band wechselte, aber wenn ich nicht völlig danebenlag, hatten wir dieses Zusammentreffen im Prinzip Lindsay Cooper zu verdanken, die am anderen Ende dieser Kette von Kontakten saß.

Frauen müssen zusammenhalten?

Der Gedanke war gar nicht so abwegig. Anscheinend war der Anteil Frauen, die bei Spirit Chase Records etwas zu sagen hatten, höher als anderswo in dieser Branche.

War nett, Euch kennenzulernen. Also, Jungs, Ihr wisst jetzt, woran Ihr seid. Überlegt es Euch und meldet Euch in den nächsten Tagen. Meine Karte habt Ihr ja. Und alles weitere besprecht Ihr am besten mit meiner Assistentin.“

Aber à propos… wo steckte die überhaupt? Seit unserer Begegnung mit CeCe hatten wir sie nicht ein einziges Mal zu Gesicht bekommen.

Ach, da hinten ist sie ja. Und wie immer schwer beschäftigt.“ CeCe winkte ihr quer durch den Raum zu.

Die Gesuchte winkte zurück und kam näher, das Smartphone am Ohr. Von weitem erinnerte sie mich an Pink, nur dass sie größer und schlanker war und dunkle Haare hatte. Und haufenweise Tattoos, mit denen sie der Sängerin locker Konkurrenz machen konnte. Was für eine Erscheinung, gegen die Pink im direkten Vergleich aus der Nähe betrachtet, optisch den Kürzeren zog.

Wow, war alles, was ich im ersten Moment dachte, als sie dann endlich vor uns stand. Hoffentlich gingen ihr die Herren nicht wegen ihres attraktiven Äußeren auf den Leim, ohne vorher die Vertragsbedingungen gründlich studiert zu haben. Wie war das nochmal mit dem dämlichen Motto ‚Sex Sells‘, das Euch am Allerwertesten vorbeigeht?

Ja, ja, wer’s glaubt, seufzte ich – jedenfalls schien sie genau Brians Typ zu sein, oder warum starrte er sie die ganze Zeit über mit offenem Mund an? Zu meiner Verwunderung verhielten sich die anderen genauso seltsam, mit Ausnahme von Mike. Er war der einzige, der nicht in plötzliche Schockstarre verfallen war.

Schön, dass wir Dich jetzt auch kennenlernen“, begrüßte er sie freundlich, „wo CeCe uns in den höchsten Tönen von Dir vorgeschwärmt hat“.

Okay, dieses Kompliment war vielleicht etwas dick aufgetragen, aber wenn die anderen nur Maulaffen feil hielten anstatt sich wie normale Menschen zu benehmen, musste ja einer den Anfang machen. Offensichtlich wirkte dieser Wink mit dem Zaunpfahl aber, denn jetzt war es CeCe, die das Gespräch wieder aufnahm, auch wenn für ihren Geschmack alles wesentliche längst gesagt worden war.

Ach ja, wie unhöflich von mir. Manchmal bin ich aber auch vergesslich. Also, Leute, darf ich Euch vorstellen? Meine Assistentin – Lee Channing.“

So sieht man sich wieder“, entfuhr es Ryan, der als erstes die Fassung wiedergewonnen hatte. „Ich glaube, die Vorstellungsrunde können wir abkürzen. Wir kennen uns bereits.“

Wie – Ryan und Lee kannten sich? Das waren wirklich interessante Neuigkeiten, aber noch steigerungsfähig.

Da muss ich Miller recht geben, CeCe. Wir kennen uns tatsächlich. Von früher.“

Das wurde ja immer besser. Aber groß schien seine Freude über das Wiedersehen nicht zu sein. Auch Danny und Mark hatten schon glücklicher ausgesehen.

„Tja, Lee, dass wir uns nochmal über den Weg laufen würden, hätte ich auch nie gedacht. Was für eine Überraschung!“

Offensichtlich keine angenehme, und dann machte es bei mir plötzlich Klick.

Bei Celia Crawfords Assistentin handelte es sich um die Lee: die ehemalige Sängerin von OxyGen, die vor dem großen Gig abgesprungen war, um auf Nimmerwiedersehen zu verschwinden. Um jetzt wieder aufzutauchen.

# Writing Friday 2020 – Juli, 30. Woche : Die Konferenz

 

Damit ich auch wenigstens noch eine von den anderen Aufgaben in diesem Monat löse, reiche ich zusätzlich zum Finale meiner Phantasie- und Zeitreise noch einen einzelnen Beitrag zu später Stunde nach, und zwar zu diesem Thema des von elizzy geschaffenen #writing friday: 4) Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz “Kurt war zum Mörder geboren, könnte man meinen, wenn da nicht…” beginnt.

Eigentlich ist das noch nicht mal eine richtige Geschichte – eher ein Fragment oder eine Momentaufnahme…

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Die Konferenz

Kurt war zum Mörder geboren, könnte man meinen, wenn da nicht sein Cousin Mario in einem unbedachten Augenblick geäußert hätte, dass Kurt Onkel Rudolf wie aus dem Gesicht geschnitten sei. Kindermund tut Wahrheit kund? Nun waren die Worte gesagt, und die Zweifel, wer wirklich Kurts Vater war, standen im Raum.

Irgendwie hatten sie es schon immer geahnt: In einer langen Reihe von Ahnen, die allesamt dieselben äußerlichen Merkmale aufwiesen, war der Junge nicht nur rein optisch aus der Art geschlagen. Je länger Tante Wally darüber nachdachte, desto mehr Ähnlichkeiten zu Rudolf, dem schwarzen Schaf der Familie, fielen ihr auf. Mimik, Gestik, seine Unlust das Handwerk zu erlernen, das seine Familie seit Generationen ausübte. Den schwarzen Peter hatte jetzt Kurts Mutter, die nicht wieder geheiratet hatte, seit sie verwitwet war. Gut, dass Robert, das nicht mehr miterleben musste, dankte Tante Wally ihrem Schöpfer.

Tante Wally war stolz auf ihren Stammbaum, der sich bis in die Renaissance zurück verfolgen ließ. Und jetzt gab es zum ersten Mal jemanden, der aus der Art geschlagen war und die Familientradition in Gefahr brachte. Eine Tradition, welche dafür sorgte, dass immer dank des Erstgeborenen die Gilde der Meuchelmörder weiterbestehen konnte. Es wurden ohnehin immer weniger – eine Entwicklung, die ihr gar nicht gefiel. Komische Zeiten waren das; entweder erledigten die Leute gleich selbst aus Geiz den Job, den eigentlich jemand wie ihr Sohn Robert, Gott hab ihn selig, ausgeübt hätte – oder die lästige Konkurrenz griff zu immer exotischeren Mitteln wie Polonium. Die alten Methoden dagegen wendete kaum noch jemand an. Höchste Zeit, den Familienrat einzuberufen.

Lucinda, würde wenig erfreut sein, aber als Kurts Mutter durfte man sie nicht übergehen. In Gedanken ging Wally noch einmal die Liste derer durch, die an der Konferenz teilnahmen: Karl Anton, Lucinda, Marcello, Sabrina, Michele und Franz Ferdinand. Aber sie mussten vorsichtig sein. Wenn Rudolf von dem Treffen Wind bekam, war alles vorbei. Womöglich schaltete er noch Interpol ein, was sie insgeheim jedoch nicht zu hoffen wagte. Aber zuzutrauen wäre es ihm, seufzte sie. Nun gut, man würde sehen.

Zur konspirativen Zusammenkunft in der Familiengruft waren alle pünktlich erschienen. Lucinda rümpfte zwar ob des Modergeruchs die Nase, aber auf solche Empfindlichkeiten konnte Wally nun wirklich keine Rücksicht nehmen – einen Tod mussten sie schließlich alle sterben, und sie waren hier auch nicht bei „Wünsch Dir was“, sondern hatten über die Zukunft zu entscheiden und wie es weitergehen sollte.

Als erstes mussten die erhitzten Gemüter besänftigt werden. Am liebsten hätte Marcello sofort Rudolf die Gurgel umgedreht und Michele seiner Schwester Lucinda die Daumenschrauben angelegt, damit die endlich die Wahrheit gestand. Aber dagegen legten Sabrina und Franz Ferdinand ihr Veto ein. Da konnte Michele noch so sehr toben, dass sich Sabrina gegen ihn stellte, aber ihre Meinung stand fest, dass Frauen zusammenhalten mussten – da konnte ihr Bruder noch so sehr versuchen, sie mit Tatsachen zu verwirren. Das Gezeter war beispiellos, und irgendwann reichte es Karl Anton. Er schlug mit der Faust auf den Sarkophag, dass der Putz von den Wänden sprang und endlich Ruhe einkehrte. Mit seinem Vorschlag, anstatt sich wilden Spekulationen hinzugeben einfach einen DNA-Test durchzuführen, hatte niemand gerechnet. DNA-Test? Auf so eine neumodische Idee konnte auch nur jemand aus der väterlichen Linie kommen. Doch am Ende sahen sie ein, dass sie gegen so viel Vernunft machtlos waren.

Blieb nur noch die Frage zu klären, wer nun die Tradition der Familie fortführen und an Stelle von Kurt in Roberts Fußstapfen treten würde, falls sich herausstellte, dass der kleine Kurt der Sohn Rudolfs war. Das war Wasser auf Sabrinas Mühlen, denn sie hatte schon seit langem so eine Ahnung gehabt, sich aber bisher kein Gehör verschaffen können. Zum Teufel mit der Tradition des Erstgeborenen, war ihre Reaktion – schließlich war sie auch noch da und hatte eine Tochter, die die idealen Anlagen für ein Leben in der Gilde mitbrachte.

Der Erstgeborene – es gab Zöpfe, für die es an der Zeit war, sie abzuschneiden. Die Zeit war reif für frischen Wind und Erneuerung.

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Die Schreibthemen im Juli lauten: 1) Du gerätst über eine Zeitmaschine ins alte Ägypten, erzähle von diesem Abenteuer. +++ 2) Emma ist gerade in ein neues Haus gezogen, als sie dort den Wandschrank öffnet weht ihr ein kühler Wind entgegen, sie tritt hindurch und ist in einer anderen Welt… (Erzähle die Geschichte weiter) +++ 3) Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter mit ein: Hund, Badeanzug, rosarot, gehüpft, Eiscreme. +++ 4) Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz “Kurt war zum Mörder geboren, könnte man meinen, wenn da nicht…” beginnt. +++ 5) Berichte aus dem Alltag von Simon – ein kleiner bunter Spatz, mit Pilotenbrille und einem mutigen und grossen Herzen.

Und hier sind die Regeln dazu: Jeden Freitag wird veröffentlicht. +++ Wählt aus einem der vorgegebenen Schreibthemen. +++ Schreibt eine Geschichte/ein Gedicht/ein paar Zeilen – egal, Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben. +++ Vergesst nicht, den Hashtag #Writing Friday und den Header zu verwenden, schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch. +++ Habt Spaß und versucht, voneinander zu lernen.

# Writing Friday 2020 – Juli, 30. Woche : Nephthys – Teil 2

 

Wenn’s mal wieder länger dauert: Du gerätst über eine Zeitmaschine ins alte Ägypten, erzähle von diesem Abenteuer“ – so lautet eine der fünf Schreibaufgaben von elizzy für den #Writing Friday. Da ich noch nicht wusste, wie lang diese Reise wird, als ich mit dem Schreiben begonnen habe, gibt es nur eine Möglichkeit für mich: Ich splitte meine Reise ins alte Ägypten… Nach „Nephthys – Teil 1“ ist heute der zweite Teil dran, anstatt einer der beiden anderen Aufgaben.

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Nephthys – Teil 2

Diese Dekadenz! Aber ich halte mich bedeckt und verhalte mich am besten unauffällig, dann habe ich vielleicht noch eine Chance, von hier fort zu kommen. Unliebsame Zwischenfälle kann ich mir nicht leisten; von den schweren Platten mit den erlesenen Köstlichkeiten ist mir keine heruntergefallen – jetzt muss es nur noch mit der Getränkeversorgung klappen. Doch auf dem schwankenden Schiff nichts zu verschütten, ist gar nicht so einfach, und das flaue Gefühl in meinem Magen beim Blick auf die vorbeiziehenden Häuser macht mir diese Aufgabe nicht leichter.

Mehr Wein!

Ja, Meister, seufze ich, schrei nicht so, ich bin ja nicht taub. Unermüdlich für stetigen Nachschub zu sorgen, mag vielleicht bei anderen funktionieren, aber nicht bei mir, denn von den schweren Krügen werden mir langsam die Arme lahm und die Beine schwer. Da geschieht es. Ich stolpere und werde mit einem unfreundlichen „Dumme Gans“ grob wieder auf die Füße gerissen. Vor Schreck erstarre ich, aber nicht wegen des Sklaventreibers, dem ich in die Fänge geraten bin, sondern wegen Nephthys, die plötzlich an Deck erschienen ist. Jetzt weiß ich, warum mir in den letzten Stunden immer mulmiger geworden ist. Das waren nicht mehrere Standbilder von derselben Gottheit – es ist die gleiche Gottheit, in Stein gehauen, und sie ist lebendig. Jetzt bloß nicht blinzeln…

Zu spät. An Deck bricht die Hölle los. Das von Kleopatra ausgerichtete luxuriöse Bankett für Antonius wird nicht wie geplant stattfinden. Die Panik um mich herum hat das erfolgreich verhindert, und nun bin als nächste ich in Gefahr, bei der Stampede unter die Hufe zu geraten oder aber von Nephthys… Ein Schrei unterbricht meine Gedanken. „Emma! Schnell, Lauf!“ – Run, you clever girl?… wo kommt der denn jetzt auf einmal her? Es wäre nicht so weit gekommen, wenn sich der Doktor nicht so plötzlich in Luft aufgelöst hätte. Aber jetzt ist er da und stößt mich mit Anlauf von Bord, doch der Aufprall auf der Wasseroberfläche bleibt aus. Statt dessen lande ich unsanft auf allen Vieren – in der TARDIS. Fürs erste sind wir zwar in Sicherheit, aber die TARDIS ist immer noch manövrierunfähig.

Große Neuigkeiten: Der Doktor war in der Bibliothek, die doch nicht zerstört worden ist. „Das ist ein Zeichen!“ ruft er euphorisch und rekapituliert seine Befreiungsaktionen der vergangenen Jahre: Leute aus Wänden und Fußböden, in ein unbekanntes W-Lan gezogene Ahnungslose, eine seiner Begleiterinnen aus einer Bibliothek – und jetzt mich. Aus der Welt der Bücher, eigentlich eine Parallelwelt. Eine Lösung muss her, aber dazu muss er wissen, wie ich in ihr gelandet bin. „Was hattest Du zuletzt getan?“ lautet seine simple Frage. Irgend etwas muss meine unbeabsichtigte Reise ausgelöst haben – ein Getränk, ein Buch, ein Song… „Ein Buch, mit dessen Charakteren Du so sehr mitgefiebert hast, dass es Dich in seinen Bann gezogen hat?“

In einem Paralleluniversum sind solche Redewendungen wörtlich zu nehmen. Ob mein Übertreiben mit den dazu passenden Gin-Cocktails dazu beigetragen hat und der Ohrwurm, den ich hatte, der Auslöser war? „Disappear“ – die Ironie lässt dem Doktor ein Licht aufgehen, aber wie er in dieses Bild passt, darüber schweigt er sich aus. „Das ist es! ‚Disappear‘ – und Du verschwindest. ‚Bring me to life‘ – und Du kehrst zurück“. Den Song hätten wir schon mal. Bei dem Buch wird es schon schwieriger, denn in der TARDIS gibt es keine gedruckten Bücher. Dafür aber E-Books. Nun brauchen wir nur noch eins, das in meiner eigenen Zeit spielt. Internet in der TARDIS – echt jetzt? Aber worüber wundere ich mich eigentlich noch? Dass dies hier mit der Realität rein gar nichts zu tun hat, ist mir schon lange klar. Wenn die Lösung in elektronischen Lesewelten zu finden ist, sollten wir eines der unzähligen Portale mit Fanfiction durchsuchen. Bestimmt finden wir eines in meiner Muttersprache, das mich nach 2020 zurückbringt.

Timelord-Technik ist toll: Mit einem Schallschraubenzieher als Filter, stoßen wir auf einen Roman, der zwar nicht alle Kriterien vollständig erfüllt, aber da wir sowieso nicht vom Fleck kommen, lese ich dem Doktor Kapitel für Kapitel vor, und er überlegt sich, an welcher Stelle ich bei diesem Phantasieprodukt der Autorin ins Spiel kommen soll. Irgendwo in den Tiefen der TARDIS hat der Doktor noch ein paar Flaschen Wein liegen, zufällig ist Cabernet Sauvignon die Lieblingssorte der Autorin.

Und das soll funktionieren?“ Skeptisch nehme ich noch einen Schluck aus dem inzwischen dritten Glas. „Du meinst, wenn ich in acht Stunden hier raus spaziere, befinde ich mich in Kanada im Jahr 2019 – ohne Pass, aber mit Mörderschädel?“

Toller Plan – denn gerade sind sie beim Pilotenstreik. Wenn’s dumm läuft, sitze ich auf der anderen Seite der Erde fest, und dann noch ein halbes Jahr zu früh. Und wenn der Doktor die TARDIS nicht mehr zum Laufen bringt? Doch er scheint einen Plan zu haben – und in dem spielt Nephthys die Hautprolle. Sie oder besser gesagt ihr Abbild aus Stein ist keine gewöhnliche Statue, sondern ein Lebewesen, das seine Opfer bei Kontakt in die Vergangenheit schicken kann, um aus dieser Zeitspanne Energie zu gewinnen. In die Vergangenheit? Was soll ich denn da?

Falsch gedacht Emma, wir befinden uns in einer Parallelwelt, und hier ist alles anders: Die Sternbilder. Die Bibliothek, die noch immer existiert. Die Begegnung zwischen Kleopatra und Marcus Antonius, die nicht stattfindet… Beste Voraussetzung, dass Dein Kontakt mit dem Weinenden Engel – denn das ist Nephthys – den umgekehrten Effekt hat.“

Like a halo in reverse… nur dass es kein Halo ist, sondern ein Engel. Na toll, jetzt habe ich einen Ohrwurm.

Acht Stunden später ist es soweit. Bevor wir uns ein letztes Mal umarmen, drückt er mir ein Papier in die Hand, das Gedanken manipulieren soll. Falls unser Plan funktioniert und ich in Vancouver lande, ist dies mein Pass in die Freiheit und nach Hause. Bereit für die Begegnung mit Nephthys trete ich ins Freie und sehe das verlassene Schiff. Ich kann nur vermuten, dass die Passagiere von ihr in eine andere Zeit versetzt worden sind. „Don’t blink!“ – den Befehl, nicht zu blinzeln, missachte ich ganz bewusst. Tatsächlich ist sie nach einem Wimpernschlag bei mir, ich trete ihr entgegen, um mich von ihren ausgebreiteten Schwingen umfangen zu lassen, und tauche ein in die Dunkelheit.

Als ich wieder zu mir komme, sehe ich bunte Lichterketten an den Häusern vor mir. Stöhnend komme ich auf die Beine und kann gerade noch einer bimmelnden Straßenbahn ausweichen. Es ist der Ebbelwoi-Express – ich bin zurück in Frankfurt. Mein Glück kann ich kaum fassen, und als ich den Kiosk im Südbahnhof betrete, werfe ich einen Blick auf den Zeitungsstapel: Wir haben den 22. Mai 2020 – ein halbes Jahr später als geplant, und doch knapp an der Punktlandung vorbei, denn als ich verschwand, hatten wir den Fünfundzwanzigsten. Aber ich will mich über die fehlenden drei Tage nicht beschweren. Ohne den Engel, der etwas zu viel Energie aufgenommen hat, hätte ich nie mehr zurückgefunden.

Über die fehlenden Tage, in denen mich niemand vermisst hat, breite ich den Mantel des Schweigens, aber eines ist klar: Nie wieder werde ich es so mit den Cocktails übertreiben und mir auch nie wieder wünschen, durch die Zeit reisen zu können.

Ende

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Hoffentlich schrecke ich mit meinen ausufernden Texten nicht irgendwann noch jemanden ab, aber inzwischen habe ich eine Vorliebe für Fortsetzungsreihen entwickelt, und die zu splitten.. – diesmal habe ich aus drei Schreibaufgaben der Monate Juni (Aufwachen im aktuell gelesenen Buch) und Juli (Durchschreiten eines Wandschranks / Zeitreise ins alte Ägypten) eine Geschichte in vier Teilen entwickelt – hier ist die Gesamtübersicht, zum Nachlesen: 1/4 Landmädchen, Du bist bekloppt +++ 2/4 Die blaue Tür  +++ 3/4Nephthys – Teil 1 …

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Die Schreibthemen im Juli lauten: 1) Du gerätst über eine Zeitmaschine ins alte Ägypten, erzähle von diesem Abenteuer. +++ 2) Emma ist gerade in ein neues Haus gezogen, als sie dort den Wandschrank öffnet weht ihr ein kühler Wind entgegen, sie tritt hindurch und ist in einer anderen Welt… (Erzähle die Geschichte weiter) +++ 3) Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter mit ein: Hund, Badeanzug, rosarot, gehüpft, Eiscreme. +++ 4) Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz “Kurt war zum Mörder geboren, könnte man meinen, wenn da nicht…” beginnt. +++ 5) Berichte aus dem Alltag von Simon – ein kleiner bunter Spatz, mit Pilotenbrille und einem mutigen und grossen Herzen.

Und hier sind die Regeln dazu: Jeden Freitag wird veröffentlicht. +++ Wählt aus einem der vorgegebenen Schreibthemen. +++ Schreibt eine Geschichte/ein Gedicht/ein paar Zeilen – egal, Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben. +++ Vergesst nicht, den Hashtag #Writing Friday und den Header zu verwenden, schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch. +++ Habt Spaß und versucht, voneinander zu lernen.

Serienmittwoch bei Corly # 136 : Biografien oder wahre Begebenheiten

 

Beim aktuellen Serienmittwoch auf dem Blog von Corly gibt es ein Thema, das bei mir voll ins Schwarze getroffen hat, denn es geht darum, wie wir Biografien oder wahre Begebenheiten im Film finden. Das Leben schreibt die besten Geschichten? Vielleicht stehen deshalb Bio-Pics und Filmproduktionen, die sich auf wirkliche Ereignisse beziehen, bei mir hoch im Kurs.

Zuletzt hatte ich mit „Soul Surfer“ so ein Erlebnis – die Geschichte der Surferin Bethany Hamilton, die bei einem Angriff durch einen Hai ihren linken Arm verliert und der durch eiserne Disziplin, die Unterstützung durch Freunde und Familie und nicht zuletzt durch ihren tiefen Glauben ein sensationelles Comeback gelingt… sensationell waren für mich auch die Bilder von Hawaii,wo der Film zumeist spielt.

Nach diesem Einstieg komme ich nun zu den Filmen, die mir noch lange nach dem Kinobesuch bzw. dem DVD-Abend in Erinnerung geblieben sind, bevor ich mich ganz zum Schluss dem Film widme, der noch auf meiner Liste steht. Getrennt nach Kategorie, habe ich zur größeren Übersichtlichkheit jeweils sechs Filme ausgewählt.

 

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Wahre Ereignisse

Beste Geschichten“ trifft hier nur bedingt zu. Gut kann ich gerade bei dem Film ganz oben auf der Liste die furchtbaren Ereignisse, die sich heute zum neunten Mal jähren, nämlich nicht finden.

Utøya 22. Juli: Am 22. Juli 2011 kamen bei dem Massaker auf der norwegischen Insel 69 Menschen ums Leben, die Zahl der Toten erhöhte sich um die acht Personen, die bei der Explosion einer Autobombe in Oslo starben.

Le Mans 66 – Gegen jede Chance: Der Wettlauf zwischen Ford und Ferrari beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans im Jahr 1966, mit Christian Bale und Matt Damon

Deepwater Horizon: 2010 brannte im Golf von Mexiko die Ölplattform Deepwater Horizon. Bei dem Film mit Mark Wahlberg als Chefelektriker Mike Williams habe ich Rotz und Wasser geheult.

Amy und die Wildgänse: Wie die 14jährige Amy einem Schwarm Kanadagänse mit Hilfe eines Ultraleichtflugzeugs das Fliegen beibringt, zeigt dieser herzerwärmende Film für die ganze Familie

Im Namen des Vaters: Daniel Day-Lewis als Gerry Conlon, der wegen erpresster Geständnisse und fingierter Ermittlungsergebnisse im Zuge der neuen britischen Anti-Terror-Gesetze zu lebenslanger Haft verurteilt wird und zusammen mit den „Guildford Four“ in den Hungerstreit tritt, um zu seinem Recht zu kommen.

Green Book – Eine besondere Freundschaft: Eine Konzerttournee durch die amerikanischen Südstaaten der Sechziger Jahre – mit Mahershala Ali als schwarzer Jazzpianist Don Shirley und Viggo Mortensen als sein weißer Chauffeur Tony Vallelonga. Der Titel des Films bezieht sich auf den „Negro Motorist Green Book“ gerannten Reiseführer für afroamerikanische Autofahrer, der die Tankstellen, Restaurants und Unterkünfte auflistet, die auch farbige Kundschaft akzeptieren.

 

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Biografien

Die meisten Biopics, die ich bisher gesehen habe, drehen sich um Musiker und Musikerinnen (Johnny Cash, The Runaways, u.a.) – diese sechs Filme sind 50:50 auf porträtierte Damen und Herren verteilt

Die Queen: Helen Mirren als Königin Elizabeth II, in der Regierungskrise

Frida: Salma Hayek spielt die mexikanische Malerin Frida Kahlo.

Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen beschäftigt sich mit den für das Mercury- und das Apollo-Programm der NASA wicbtigen Mathematikerinnen Katherine Johnson, Dorothy Vaughan und Mary Jackson (Taraji P. Henson, Octavia Spencer und Janelle Monáe)

M.C. Escher – Reise in die Unendlichkeit: Aus Briefen, Tagebüchern und Interviews zusammengestellter Dokumentarfilm über den niederländischen Grafiker M. C. Escher (1898-1972), der sich selbst eher als Mathematiker sah.

Mystify : Michael Hutchence: Aus Interviews, Material aus dem privaten Archiv des Künstlers und Konzertmitschnitten zusammengesetzter Dokumentarfilm über den 1997 verstorbenen Sänger der australischen Rockband INXS.

Rocketman: Der im Musicalstil gedrehte Film hat den Werdegang von Elton John (Taron Egerton) zum Thema.

 

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Was noch fehlt

Kursk: Vor zwanzig Jahren sank das russische Atom-U-Boot K-141 Kursk. Der Film schildert die Ereignisse danach. Wann ich den Film mit Colin Firth in der Hauptrolle als Commander sehen werde, steht aber noch in den Sternen.

„Broken Strings“ : Chapter 39 – Unlucky numbers

 

Wenn es darum ging, sich um Entscheidungen herumzudrücken, war ich nicht die Einzige. Brian war es genauso unangenehm, dass ich das lästige Thema erneut ansprach. Dabei hätte doch ihm am allermeisten an einem ordnungsgemäßen Ablauf gelegen sein müssen. Dass in einem Monat das Ende der Fahnenstange erreicht war, wusste er selbst nur zu gut, und ihm war auch klar, dass irgendwer jetzt endlich mal langsam in die Gänge kommen musste, anscheinend aber hatte er ein ganz anderes Zeitgefühl als ich. Vier Wochen schienen für ihn ein länger Zeitraum zu sein als für mich.

Vier Wochen? Da kann noch viel passieren“, orakelte er.

Mir schwante, dass er mit der Organisation meiner Angelegenheiten so lange warten wollte, bis er keine andere Wahl mehr hatte. Klar, dachte ich, Dir läuft ja auch nicht die Zeit davon, sondern mir, und ich fühlte mich allmählich wie ein Alien. Ein Alien mit Lover, der genauso sorglos in den Tag hinein lebte wie die anderen.

Ja, verschließ auch Du ruhig Deine Augen vor den Tatsachen. Umso heftiger ist das Erwachen.

Leider war mir weder nach Scherzen noch nach Schadenfreude zumute. Und da ich bei Brian auf Granit biss, sah ich ein, dass ich zu diesem Zeitpunkt nicht viel ausrichten konnte. Konzentriere Dich statt dessen lieber auf heute Abend, tönte meine innere Stimme, und sieh zu, dass Du Dir keine peinlichen Schnitzer leistest. Denn wenn es eines gab, das ich tun konnte, dann meinen Job so zu erledigen, dass sich außer mir auch kein anderer für mich zu schämen brauchte, und am wenigsten Sue.

Sie hatte endlich begriffen, dass ich niemals die Absicht gehabt hatte, sie zu verdrängen, und so verstanden wir drei uns inzwischen besser denn je. Wenigstens etwas gutes, dachte ich, während ich mit einem Knoten im Magen registrierte, dass auch dieser Monat zu Ende ging.

Wie schnell doch die Zeit verflog – Zeit, in der es Sue zunehmend besser ging, so dass für sie eine reelle Chance bestand, wieder auf die Bühne zurückzukehren. Natürlich nicht den ganzen Abend lang, sondern vorerst nur bis zur Pause. Ich war auf Stand-By eingestellt, für den Fall, dass ich doch bereits früher einspringen musste.

Das erste Wochenende im Oktober war dafür der ideale Zeitpunkt. Ein Konzert in der Nähe von Vancouver, fiel mir wieder ein. Die Location stand schon lange fest. Anhand der Anzahl der verkauften Tickets würde es der ganz große Abend werden.

Hoffentlich endet der nicht vorzeitig mit einem großen Knall.

Aber meine Kollegen waren zuversichtlich. Mike drückte mir sein Smartphone in die Hand: „Hier, Süße, lies selbst“ – Gespannt scrollte ich mich durch den Artikel, den er wer weiß wo ausgegraben hatte: … Zweitausend verkaufte Tickets…“, „… dank der hervorragenden PR von Lindsay Cooper…“, „… unglaublicher Fan Support…“ – bla bla bla, verdrehte ich die Augen.

Und dann überfiel mich die Erkenntnis. O Schreck, 2000 Tickets! Hatte ich wirklich richtig gelesen? Hektisch sprang ich zurück an den Beginn des Artikels, der in der Vancouver Sun unter der Rubrik ‚Arts & Life‘ erschienen war. Die Vancouver Sun… wer auch immer dieser noch relativ unbekannten Band zu einem Online-Artikel in einer der meistgelesenen Zeitungen Kanadas verholfen hatte, der hatte meinen Respekt verdient.

Ich musste nicht lange überlegen, bis ich dahinterkam, dass dafür niemand anderes in Frage kommen konnte als die in dem Artikel genannte und von mir anfangs so respektlos als PR-Tante bezeichnete Fotografin. Natürlich hatte auch sie ihre Kontakte, und die wiederum ihre, und so weiter und so fort…

Ein Artikel in der Vancouver Sun – wow!“ war alles, was ich herausbekam. „Ist Dir klar, was das für Euch heißt?“ reagierte ich fassungslos, während ich ihm das Phone wieder zurückgab.

Klar ist es das“, klinkte sich Mark, der unser Gespräch mitbekommen hatte, ein. „Endlich zahlt sich die Schinderei aus.“

Na klasse, immer schienen da, wo Mike und ich uns aufhielten, Ohren aus der Luft zu wachsen. Diesmal war es der Songschreiber von OxyGen. Wenigstens konnten wir bei ihm sicher sein, dass er seiner Antwort keine dummen Bemerkungen folgen lassen würde. Bei unserem Drummer war ich mir da nicht so sicher. A propos. Wo war der überhaupt?

Die Frage hätte ich mir auch sparen können, denn die Antwort lag bereits auf der Hand: Bei seinem neuen Best Buddy, um auf den Überraschungserfolg anzustoßen. O nein, mein Freund – so hatten wir nicht gewettet. Ein Fall von Gedankenübertragung?

Du wartest hier, Süße“, sagte Mike, drückte mir hastig einen Kuss auf die Wange und verschwand nach drinnen, wo er das Schlimmste zu verhindern hoffte.

Zweifelnd blickte ich ihm hinterher. Na, das ging ja gut los. Schon am frühen Morgen einen bechern? Und das vor der Probe, wo am Abend zum ersten Mal wieder Sue ans Mikrofon zurückkehren würde, mit mir als Back-Up, wie besprochen.

Das wird schon“, murmelte Mark ihr beruhigend zu und legte einen Arm um ihre Taille.

Einen solchen Zuspruch hätte ich jetzt auch gebrauchen können; aber was konnte ich auch von einem Tag, der schon merkwürdig begonnen hatte, anderes erwarten?

Na gut“, seufzte ich und ließ die beiden stehen, „dann mach‘ ich mich jetzt am besten auch mal auf die Suche.“

Dass ich auf alles gefasst war und angesichts der Uhrzeit so langsam schwarz für die Proben sah, musste ich den beiden ja nicht unbedingt auf die Nase binden. Wie ich vermutet hatte, waren keine Instrumente zu hören, wie ich es von einer Probe eigentlich kannte. Nicht einmal Danny, der sonst keine Gelegenheit zum Spielen auf seiner heißgeliebten Gitarre ausließ, war zu hören. Im Gegenteil: Es war verdächtig ruhig. Zu ruhig für meinen Geschmack.

Ich warne Dich, Mike Mitchell, kochte ich vor mich hin, wenn Du Dich dem Trinkgelage angeschlossen hast, schleife ich Dich eigenhändig nach draußen und mach Dir dort die Hölle heiß. Oh ja, im Ausmalen von katastrophalen Szenarien und Hineinsteigern in diese war ich richtig gut. Ich sah sie schon vor mir, die Wodkaflasche, wie sie immer leerer wurde…

Wie man sich doch täuschen kann! Noch eine weitere Ecke, an der ich abbiegen musste, und dann sah ich sie vor mir: John, Ryan und Mike, wie sie über einem ausgedruckten Plan brüteten. So viel Eintracht? Das fand ich ungewöhnlich. Die Szene erinnerte mich an eine konspirative Sitzung, und mein Eindruck verstärkte sich noch, als ich näher kam und Mike, wie von der Tarantel gestochen, hochfuhr und versuchte, das Papier verschwinden zu lassen. Zu spät. Ich hatte es schon gesehen und griff danach, in dem Versuch, es an mich zu bringen.

Leider aber hielten die Kerle zusammen und entfernten das Corpus Delicti aus meiner Reichweite. Was zum Teufel wurde hier gespielt? Wir sind doch nicht mehr in der Grundschule, wo wir einen aus der Klasse ärgern, indem wir ihm die Mütze klauen und die uns gegenseitig zuwerfen… Der Wisch befand sich nun in Ryans Händen, der ihn seelenruhig zusammenfaltete und in seiner Gesäßtasche deponierte, während Mike sich zwischen uns stellte und mich an den Schultern festhielt.

Halt, Süße, bevor Du in die Luft gehst“, fing er umständlich an. „Ich muss Dir was sagen.“

Na hoffentlich, dachte ich. Eure kindischen Spielchen gehen mir nämlich langsam wirklich auf die Nerven. Ich war es so leid, die Luft anzuhalten und den Kopf einzuziehen, weil sich bereits das nächste Desaster ankündigte.

Du kannst Dich doch bestimmt noch an dieses Wochenende erinnern, als dieser Simon-Cowell-Verschnitt uns auseinander reißen wollte“, fuhr er fort. Dieter Bohlen trifft es zwar eher, aber bitte, wenn Du nur endlich zum Punkt kommen würdest…

Ja. Und?“ Meine Ungeduld hätte der letzte Depp meinem Tonfall entnehmen können, aber Mike ließ sich nicht aus der Ruhe bringen.

Und an das, was wir hinterher besprochen haben?“

Ja, dass nichts und niemand die Gruppe auseinanderbringen würde.“ So weit konnte ich mich noch erinnern.

Das auch“, war Mikes rätselhafte Antwort darauf.

Ich hasste kryptische Andeutungen. Angestrengt durchkämmte ich meine Hirnwindungen. Aber ohne Erfolg. Mich so auf die Folter zu spannen, machte mich kein Deut schlauer.

Na, dann will ich deiner Süßen mal aus der Patsche helfen“, kam es von Ryan. „Ich kann das Elend nicht mehr mit ansehen. Du willst doch Andrea nicht wirklich dumm sterben lassen?“

Danke, Ryan, wie überaus hilfreich. Auf diese Erklärung war ich jetzt wirklich gespannt. Aber bitte ohne langes Blabla. Meiner stummen Bitte kam er auch sogleich nach. Er redete von den Extrawürsten. Die Extrawürste… Irgendwo in meinem Kopf machte es Klick. Auf einmal ergab alles einen Sinn. Keine Alleingänge, dafür aber auch keine Bevormundung durch den Manager, und – was für mich das wichtigste war – keine Duette mehr.

Nein! Sag, dass das nicht wahr ist. Und ob das wahr war: leider nämlich doch. Aber für wen?

Nie wieder, habt Ihr geschworen!“ zischte ich wütend. Ich fasste es nicht. „Und kommt mir jetzt nicht mit den zweitausend Fans. Die können auf solche Mätzchen nämlich sehr wohl verzichten. Also daher Eure Heimlichtuerei mit dem Plan.“

Dem Plan, den sie mir vorenthalten wollten. Was für eine riesige Verarsche! Wenn ich schon Teil des abgekarteten Spiels sein sollte, dann wollte ich auch wissen, was dieses Trio Infernal hinter unserem Rücken ausgeheckt hatte.

Und jetzt her mit dem Ding, Ryan – aber ein bißchen zackig. Oder soll ich ihn mir selber holen?“

Mach doch. Ich warte.“

Worauf Du wetten kannst – von wegen, ‚wir spielen keine Spielchen’… jetzt kannst Du was erleben.

Dass ich mich an Mike vorbeischob und zwei, drei, vier Schritte nach vorne tat, hatte keiner von ihnen erwartet. Wenn mir der Geduldsfaden riss, kannte ich nichts. Vor allem keine Hemmungen. Sie konnten ruhig merken, dass ich mich nicht abschrecken ließ. Und einschüchtern schon gar nicht. Es war John, der dazwischen ging, bevor es eskalierte.

Er zog Ryan das Blatt aus der Hosentasche, nahm mich an die Seite und zog seinen Kollegen verbal die Ohren lang: „Da Ihr beide ja nicht in der Lage seid, Tacheles zu reden, übernehme ich jetzt.“

Endlich hatte jemand Erbarmen. „Also, der Plan sieht so aus…“

Auf den ersten Blick hatte er nichts auffälliges an sich. Bis auf den Passus „Duett“ – an der Stelle, wo Mike für gewöhnlich „By my side“ oder eine andere Ballade sang. Am meisten aber irritierte mich die fettgedruckte Überschrift in Blockbuchstaben: SONDERVORFÜHRUNG VS & RC. Und noch bevor ich fragen konnte, was VS & RC bedeutete und warum nur ein Teil der Band etwas von einer Sondervorführung wusste, füllten hauchzarte Klänge einer Akustikgitarre den ganzen Raum aus, und für einen Augenblick blieb die Zeit stehen.

♪♫ When you were here before, couldn’t look you in the eye… you’re just like an angel, Your skin makes me cry… ♫ ♪

CREEP?! Wer hatte sich diesen abgeschmackten Witz ausgedacht, und warum? Vor mir stand Mike und sang „unser Lied“ vom Soundcheck, das niemals für die Öffentlichkeit bestimmt gewesen war, begleitet von Danny und seiner Akustikgitarre Jetzt sollte es bei einer Sondervorführung zum Einsatz kommen – für ein kleines Publikum, das sich zusammensetzte aus Fans, die die Tickets bei einer Verlosung der Vancouver Sun gewonnen hatten, Leuten von der Zeitung selbst und, für mich die größte Überraschung: von einem Plattenlabel.

RC steht für Record Company“, erklärte John, nachdem die Musik verklungen war. „Vorhin kam ein Anruf von einer Celia Crawford von Spirit Chase Records.“

Namen von Plattenfirmen sagten mir nichts, außer es handelte sich um die ganz großen. Von dieser hatte ich noch nie etwas gehört, aber das hatte ich ja auch nicht bei der von Brandon Cole.

„Viel hat diese Celia Crawford, oder CeCe, wie sie sich genannt hat, ja nicht gesagt. Nur dass jemand von ihrem Label auf einem unserer Konzerte war und ihr davon so lange in den höchsten Tönen vorgeschwärmt hat, bis CeCe sich selbst ein Bild von uns machen wollte. Deshalb die Sondervorstellung – nur ist sie zur Zeit noch in Nova Scotia unterwegs und schafft es nicht zu unserem Auftritt heute Abend. Aber dank der Vancouver Sun gibt es den Termin morgen, und zu dem bringt sie ihre Assistentin mit.“

Zwei Frauen von einem kleinen Label, das noch kleiner war als VC Star Records und sich auf Bands in den Bereichen Folk und Rock konzentrierte. Manchmal nahmen sie auch Künstler unter Vertrag, die ihr Publikum mit Anleihen an Punk und Rockabilly begeisterten. „Change keeps us moving on“, schien ihr Motto zu sein, und deshalb wollten sie bei Spirit Chase Records nun auch noch auf Sounds im Stil der 80er Jahre setzen. Obwohl das glaubwürdiger klang als das, was sich der andere Scout für seine Firma vorgestellt hatte, war ich skeptisch.

Wenn die bisherigen Konzerte doch so toll gewesen waren, wozu brauchten sie dann bei der Show am nächsten Tag noch „Creep“, gesungen im Duett, von Mike und mir? Mir hatte schon der Versuch mit „Shallow“ gereicht, und deshalb war ich so froh gewesen, als sie nach der Pleite mit Mr. Cole beschlossen hatten, dass es solche Showeinlagen nicht mehr geben würde.

Hoch und heilig hatten sie es geschworen, und kaum rief eine exzentrische Tussi von einem Plattenlabel an, war plötzlich alles vergessen? Und wer hatte die Arschkarte? Natürlich ich, denn wenn ich mich querstellte, war es meine Schuld, wenn es mit dem Vertrag nichts wurde?

Dann gebt Gas und haut rein!“ Aha, Danny vervollständigte unser Quintett, mit einem Spruch, der schon so einen Bart hatte. „Und zeigt mal, was Ihr beide drauf habt.“

Was wir beide drauf haben? – Als ob Du das nicht schon längst wüsstest…

Hatte er etwa schon unsere Jam Session vergessen? Oder die Probe, bei der wir die One-Woman-Show der PMJ-Coverversion mit Hayley Reinhart am Mikrofon in ein Doppel mit verteilten Rollen verwandelt hatten? Was war ich doch beruhigt, dass ich bei dieser Extra-Einlage vor ausgewähltem Publikum nicht ganz alleine die Stimmbänder zum Vibrieren bringen musste.

Und wenn die Stimme versagte, half nicht Wick Blau, sondern Danny Rodriguez mit seiner E-Gitarre? Das hatte hatte ja auch schon bei „Shallow“ funktioniert. Warum nicht auch hier?

Hey, Leute, das wird super!“

Brians Applaus beruhigte mich überhaupt nicht. Auch nicht, dass sein Bruder und der Rest der Gruppe der gleichen Meinung waren. Als eine von zwei Backgroundsängerinnen die Band vor einem zweitausendköpfigen Publikum zu unterstützen, war etwas, womit ich mich gerade so arrangieren konnte. Da stand ja auch nicht ich im Mittelpunkt, und zu sehen waren Madlyn und ich auch nicht ständig.

Aber im Zentrum der Aufmerksamkeit eines kleineren, aber sehr speziellen Kreises von Leuten zu stehen? Das altbekannte Problem – mein größter Alptraum stand mir bevor, und dabei hatte ich den unangenehmsten Teil daran noch gar nicht realisiert: Die Sondervorstellung bei der Vancouver Sun fiel auf ein Datum, das ich am liebsten übersprungen hätte.

Der 6. Oktober. Ein Sonntag. Ein Tag, den meine Welt nicht brauchte. Morgen jährte sich dieses grässliche Datum zum zehnten Mal. Angeblich kommt ja Jubiläum von Jubeln, aber danach war mir nicht zumute. An jedem verdammten Sechsten des Oktobers zündete ich in der Kirche eine Kerze für Sean McAllister an.

Eine Kerze für meinen Vater, dessen Herz an diesem Tag nach sechsunddreißig Stunden im künstlichen Koma nach einem Infarkt für immer zu schlagen aufgehört hatte. Multiples Organversagen – als Spender nicht geeignet. Was das bedeutete, hatte ich mit meinen zehn Jahren noch nicht begreifen können. Dazu hatte es die folgenden Jahre gebraucht.

Zehn Jahre waren eigentlich eine lange Zeit. In der Theorie. Tatsächlich aber fühlte ich mich, als hätte jemand die Reset-Taste gedrückt und mein Leben an diese Stelle zurückgespult. Natürlich kann kein Mensch in Wirklichkeit die Zeit nach Belieben vor- oder zurückspulen, auch nicht langsamer oder schneller laufen lassen, auch wenn ich mir das noch so sehr wünschte, wie zum Beispiel jetzt: Bitte einmal per Knopfdruck diesen einen Tag überspringen…

Dienstags-Gedudel #26 : Der Erklärbär – Teil 8 (das Duett)

 

Dieses Duett mögen viele gar nicht, und werden meine Idee, es für heute auszuwählen, für ziemlich gaga halten… (https://www.youtube.com/watch?v=bo_efYhYU2A)

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ob die Untertitel wirklich notwendig waren, lasse ich mal dahingestellt, aber ich könnte mir an der mit VOCALIZATION betitelten Stelle auch sehr gut ein Solo auf der E-Gitarre vorstellen. Oder auf dem Dudelsack?

Nein, das wäre dann wohl zu gaga und würde diese hübsche Aktion, von nellindreams ins Leben gerufen, wohl endgültig ad absurdum führen. Denn Gedudel soll ja keine Abwertung sein, sondern immer noch der Name dieser Aktion, die bei mir eine eigene Kategorie hat und die das „Moving Picture of the day“ abgelöst hat.

Media Monday # 473 : cat content 18 +…

 

(dis)approved:

Irgendwie komme ich mir vor wie bei Schrödingers Katze. Bei dem ist sie tot und gleichzeitig lebendig. Gerade erst habe ich mit „Metropolis“ einen DVD-Marathon hinter mir und entdecke bei meinen Vorbereitungen zu den nächsten Ausgaben des „Dienstagsgedudels“ ein Video, bei dem ich ein Déjà-vu habe. Doch dazu mehr im letzten der sieben Lückentexte des Media Monday.

Der ist jeden Sonntag übrigens auch ein wiederkehrendes Déjà-vu, was aber für mich völlig in Ordnung ist.

Media Monday # 473

1. Gäbe es nicht mein kleines Domizil im Taunus, ich würde wohl niemals zwischendurch zu neuen Kräften kommen – ohne diese kleine Zuflucht ohne Komfort käme ich wohl nie zum Durchschnaufen.

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2. So manche Band oder mancher DJ ist in meinen Augen ja gnadenlos überschätzt, aber ich muss ja nicht alles gut finden – habe ich schon in den 80er Jahren nicht getan, und tue ich auch heute nicht. Auch wenn es mir keiner glaubt: Ich bin nicht im letzten Jahrhundert stehengeblieben, und für Tips bin ich immer offen – besonders für die von manchen Bloggern. Dass solche Empfehlungen aber auch aus einer ganz anderen Richtung kommen können, damit beschäftigt sich Text Nummer fünf.

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3. Oft genug entgehen einem ja Sachen, wie etwa, dass vermeintlich abgeschlossene Buchreihen nach Jahren doch noch fortgesetzt werden.

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4. Das Lesen von Büchern in ausschließlich digitaler Form ist ja schon merklich etwas anderes, als das von gedruckten Exemplaren, wobei beide ihre Vor- und Nachteile haben. An gedruckten Büchern liebe ich oft ihre schöne Gestaltung, wenn da nur nicht das Problem der Unterbringung wäre, wenn es sehr viele sind. Bei den digitalen Exemplaren, die ich zur Zeit lese, liegt der Vorteil ganz eindeutig darin, dass sie nicht viel Platz benötigen und dass oft auch Videos eingebunden sind.

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5. Hätte ich nur früher gewusst, dass bei der Schwärmerei meiner Schwester für U2 eine wirklich gute Empfehlung für die Band „Inhaler“ herausspringen würde, hätte ich mal genauer recherchiert, denn außer dass Bonos Sohn die Indie-Rock-Band zusammen mit drei Komilitonen am St. Andrews College in Dublin gegründet hat, wusste ich nichts darüber. Dank youtube bin ich nun wieder etwas schlauer (https://www.youtube.com/watch?v=DlmqLOq-YmU) – dabei gibt’s youtube schon länger.

 

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6. Eine neue Fortsetzungsgeschichte zu schreiben, beschäftigt mich schon geraume Zeit, aber obwohl ich ungefähr weiß, wie die Handlung verlaufen soll, weiß ich noch nicht, wie ich’s anpacken soll.

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7. Zuletzt habe ich mit Madonna und „Express Yourself“ ein Déjà-vu gehabt, und das war ein Gefühl wie bei Schrödingers Katze, weil ich mich nicht entscheiden konnte, was ich von diesem „Zufall“ halten soll. Dass das monumentale Filmepos „Metropolis“ mit seinem grandiosen Setting als Inspirationsquelle dient, ist angesichts der Ähnlichkeiten kaum zu übersehen: der dürre Spitzel – die Stadt der Arbeiter tief unter dem Moloch Metropolis. Wer’s nicht glaubt, springe bis 2:02 vor oder lese gleich die Worte am Schluss: „Without the heart there can be no understanding between the hand and the mind.“ – Verblüfft hat mich auch die Ähnlichkeit bei den Produktionskosten – das Video hat David Fincher gedreht, für fünf Millionen Dollar (https://www.youtube.com/watch?v=GsVcUzP_O_8) – Metropolis 6.0  (FSK 18):

 

– bei „Metropolis“ waren es fünf Millionen Reichsmark.

Beide gelten als die teuersten Filme ihrer Zeit, nur sind Stimmung und Ergebnis bei Fincher ganz anders als bei dem Vorbild von 1927, das man heute problemlos als FSK 0 bzw. 6 einstufen würde.

Bei dem mit mehreren Preisen ausgezeichneten Musikvideo bin ich mir da nicht so sicher.

„Broken Strings“ : Chapter 38 – The eel deal

 

 

Manchmal bekommt man Schützenhilfe aus einer ganz anderen Richtung und wenn man sie nicht erwartet hat. Aber davon ahnten wir zu diesem Zeitpunkt noch nichts; im Augenblick herrschte Stillstand, in jeder Beziehung. Oder fast jeder.

Das einzige, was nicht still stand, war ich. Verärgert wanderte ich auf dem Parkplatz ziellos auf und ab. Oh, diese Arroganz! Jetzt wusste ich wieder, was ich an solchen Meetings so hasste: Irgendeiner wurde immer vorgeführt, und in diesem Fall kam noch hinzu, dass Mr. Cole mit seinem in seinen Augen unschlagbaren Angebot nur auf Brian zugekommen war. Zugegeben, Brian managte die Band und organisierte die Auftritte, aber wenn Mr. Cole Mike so toll fand, warum war er nicht direkt zu ihm gekommen?

Jeder andere hätte ihm zumindest seine Karte zugesteckt. Man konnte es auch so machen wie er, den offiziellen Weg einschlagen und zuerst mit Brian reden – in der Annahme, dass dieser ersten Kontaktaufnahme ein Gespräch unter vier Augen folgen würde und nicht eine offizielle Betriebsversammlung.

Was mich aber am meisten aufregte, war die Stelle mit dem „sexy Girl auf der Bühne“ und dass Brian ihm spätestens hier nicht gepflegt den Vogel gezeigt und den feinen Herrn in den Wind geschossen hatte. Frustriert nippte ich an meinem Kaffee, den ich mir auf dem Weg nach draußen im Vorbeigehen geschnappt hatte. Von wegen uneingeschränkter Koffeingenuss – so heiß, wie der war, konnte ich ihn unmöglich trinken. Noch so ein Punkt, der mich störte.

Manche Tage gehörten echt in die Tonne, und dieser war so ein Fall. Irgendwo wurde eine Tür aufgerissen, ich nahm anschwellendes Stimmengewirr wahr, dann schlug die Tür mit einem Knall zu. Füße in Bikerboots stapften hörbar genervt über den Asphalt, Schritte, die ich kannte und die nun näherkamen. Aha, Mike war genauso geladen wie ich.

Hey“, war alles, was er herausbrachte, als er mir von hinten die Arme um die Taille legte und sein Gesicht in meinen Haaren vergrub.

Hey“, war meine knappe Antwort auf diese klassische Begrüßung; Kommunikation, auf ein Minimum reduziert.

Mir ging es nicht anders als ihm, und mehr zu sagen oder Fragen zu stellen, war in diesem Augenblick nicht nötig, denn wie ich ihn kannte, würde er mir über kurz oder lang erzählen, wie es drinnen weitergegangen war, nachdem ich so unverhofft die Zusammenkunft verlassen hatte. Mit dieser Einschätzung lag ich richtig. Nur dass er mir so bald gefolgt war und genauso schnell mit der Sprache herausrückte, überraschte mich dann doch etwas.

Mit einem lauten und deutlichen „Ich wüsste nicht, was es da noch groß zu entscheiden gibt“ hatte er alle Anwesenden schlagartig zum Verstummen gebracht und beschrieb die Szene so, dass ich sie mir nur zu gut vorstellen konnte: Eine Stecknadel hätte man fallen hören können.

Wäre ich sitzengeblieben, hätte ich wahrscheinlich genauso reagiert – ich hätte wetten können, dass er geradezu auf den Absprung gewartet hatte und ihm dieses Angebot mehr als gelegen kam: eine Solokarriere – der Jackpot schlechthin! Und jetzt das?!

Und da wird auch nichts entschieden!“, erklärte er mir in einem Tonfall, der keinen Zweifel daran ließ, wie verärgert er wirklich war.

Dass es in ihm gewaltig brodelte, ging mir in dem Moment auf, als ich mich zu ihm herumdrehte und ihm in die Augen sah. Es konnte unmöglich nur daran liegen, dass die Auflösung von OxyGen ernsthaft als Möglichkeit in Erwägung gezogen worden war und die Existenz der Band nun von ihm abhing. Natürlich war das nicht der Grund dafür.

Allein schon für diesen Spruch mit dem sexy Girl auf der Bühne hätte ich ihm am liebsten eine reingehauen!“

Wem? Brian?

„Oh, wie ich solche Typen gefressen habe! Typen, die glauben, dass sie sich alles rausnehmen können.“

Ach so, er meinte den anderen, für den ich einige wenig schmeichelhafte Bezeichnungen auf Lager hatte. Fairerweise verzichtete er darauf, dem Überbringer der schlechten Nachricht den Kopf abzureißen. Don’t you put the blame on the messenger: „Ja, lieber toure ich mit den Jungs drei Jahre lang nonstop durch ganz Kanada, als mich auf so einen Deal einzulassen!“

Noch deutlicher konnte man seine Ablehnung nicht zeigen, und tatsächlich ließen seine letzten Worte, mit denen er seine Kollegen sprachlos zurückgelassen hatte, keine Fragen offen: „Entweder wir alle oder keiner von uns!

Wow! Dieses Statement war für seine Kollegen eine genauso große Überraschung gewesen wie für mich: Lieber dauerhaft Strapazen auf sich zu nehmen und immer mit dem Risiko, dass dabei nicht viel oder gar nichts heraussprang anstatt den vermeintlich sicheren Hafen anzusteuern und nach der Pfeife eines Managements tanzen zu müssen, das ihn in eine Schablone presste, die ihm nicht passte.

Seien wir doch mal ehrlich: Außer Singen kann ich nichts. Ich beherrsche kein Instrument und Songs kann ich auch keine schreiben. Mein einziger Versuch in dieser Richtung war ein Fall für die Tonne…“

ein Versuch, den ich nie zu Gesicht bekommen hatte

„… aber die Songs, die Mark schreibt, sind richtig gut. Oder was glaubst Du, warum ich damals bei OxyGen unbedingt einsteigen wollte?“

Stimmt. Ich erinnerte mich: Ihnen war gerade erst die Sängerin abgesprungen, und trotzdem hatten sie ihren Auftritt nicht abgesagt. Und dann war Mike aufgetaucht und hatte sich ihnen als Sänger angeboten, und da sie ohnehin nichts mehr zu verlieren gehabt hatten… Schon beim ersten Mal hatte ich mich bei der Story gefragt, warum Mike so erpicht darauf gewesen war, sich der Band anzuschließen.

Jetzt wusste ich es. Nicht die Chance, endlich als Sänger groß rauskommen zu können, hatte bei ihm im Vordergrund gestanden, sondern die Tatsache, dass er hier auf eine Gruppe gestoßen war, die ihn von der ersten Note an überzeugt hatte. Jetzt klang er selbst wie ein Talentscout, und zwar wie ein besserer als dieser Typ von VC Star Records.

Was Mark an Songs schreibt, ist echt toll. Aber ob ich mit ‚Star Records‘ noch genauso viel Glück habe?“

Worauf er hinaus wollte, konnte ich mir denken. Bei OxyGen wusste er wenigstens, was er hatte und woran er mit ihnen war, auch wenn es öfters mal Stress gab. Der Kreis der Verantwortlichen war überschaubar, aber bei diesem Label wäre er nichts anderes als eine Marionette. Während er redete, gingen mir alle möglichen Castingshows, Knebelverträge und angebliche Stars, die nach spätestens einem Jahr Schnee von gestern waren, durch den Kopf, und mit einem Mal wusste ich, an wen mich das wenige, das ich über diesen Brandon Cole gehört hate, erinnerte.

Ein Produzent, der in seiner Show der eigentliche Star war und die Kandidaten entweder in den Himmel lobte oder sie gnadenlos niedermachte. Einen größeren Unsympathen als den konnte ich mir nicht vorstellen, und ich beglückwünschte Mike insgeheim zu seinem gesunden Menschenverstand, dass er sich nicht hatte blenden lassen.

Hoffentlich sehen das die anderen auch so, dachte ich, aber leider hast Du durch Deinen überstürzten Aufbruch ihre unmittelbare Reaktion nicht mehr mitbekommen. Wirklich zu schade.

Fein, damit waren wir schon zu zweit. Aber worüber zerbrach ich mir eigentlich den Kopf? In ein paar Minuten, spätestens wenn es weiter ging, würden wir wissen, woran wir waren. Den Tourneeplan hatte ich noch so ungefähr im Kopf, denn die Liste der Orte, wo wir auftreten würden, war zum Glück nicht lang: Port Hardy, Nanaimo, Campbell River, Courtenay, Sidney, Victoria… vielleicht nicht unbedingt in genau dieser Reihenfolge.

Aber warum sollte ich mir auch jedes Detail merken? Es reichte doch, wenn unser Fahrer die Route im Kopf hatte.

Er gab das Signal zum Aufbruch, und wenn es nach ihm gegangen wäre, hätten wir uns schon längst auf der vierstündigen Fahrt zum nördlichsten Punkt der Insel befunden. Sightseeing? Heute? Ach nein, ich hatte mal wieder vergessen, dass wir nicht ohne Grund irgendwo hinfuhren. Brian war so schlau gewesen, die nächste Location am anderen Ende von Vancouver Island zu organisieren. Das lästige Hin- und Herfahren fiel damit flach, und die Enfernungen zwischen den einzelnen Orten blieben überschaubar und in kurzer Zeit zu bewältigen. Oder in noch kürzerer Zeit.

Während wir die BC 19 entlang tuckerten, ließ ich mir den Plan noch einmal geben. Manche davon waren wirklich ein Witz. Eine halbe Stunde Fahrt zwischen A und B: Are you kidding me? Andere Bands hatten da wirklich ganz andere Distanzen zu überbrücken, vor allem wenn ich an solche dachte, die monatelang unablässig von Pub zu Pub gegurkt waren, malerisch verteilt über einen ganzen Kontinent. Aber das war in den 80er Jahren gewesen, wenn ich jener Biografie Glauben schenken durfte – dagegen bewegten wir uns auf einer räumlich begrenzten Insel.

Andererseits konnten wir so mehrere Tage an einem Ort bleiben und bei der Übernachtung einen nicht zu unterschätzenden Mengenrabatt herausschlagen. Im Nachhinein betrachtet, war der Plan gar nicht so übel.

„Living the adventure“ las ich auf dem Eingangsschild, als wir die Grenzen des Ortes passierten. Was für ein Motto, was für ein Spruch! Nach Abenteuern war mir nicht zumute, und Überraschungen der unangenehmen Art konnten mir gestohlen bleiben. Living the adventure… Preisfrage: Welches Schweinderl hätten’s denn gern? Eine Schiffspassage nach Alaska? Eine Runde Eislaufen mit dem Liebsten? Oder den absoluten Hauptgewinn in Form einer Sporthalle als Location für den kommenden Mittwoch?

Wenn die finnischen Metal Heroes von Lordi in einer popeligen Turnhalle auftreten konnten und eine halbwegs berühmte Rammstein-Coverband ebenso, dann waren OxyGen mit dem aktuellen Veranstaltungsort doch in allerbester Gesellschaft. Und so groß war dieses Städtchen nun auch wieder nicht, als dass das Publikum zu Tausenden hierher strömte, und schon gar nicht aus eine mehr oder weniger bekannte Band aus dem 460 Kilometer entfernten Vancouver, die noch immer als Geheimtipp gehandelt wurde und gerade an einem fragwürdigen Plattenvertrag entlang geschrammt war.

The Eel Deal, dachte ich für einen Moment: Wenn man sich bei diesem Spiel für die Playstation nicht vorsieht, landet der Held im Wasser und wird von Stomstößen gegrillt. Aale und ihre Elektrizität eben. Jeder Elektrozaun war eine leichte Hürde dagegen. Da war es wieder, das verhängnisvolle Wort.

Hätte ich nicht bei dieser Annonce angebissen und mich bei diesem Work-and-Travel-Programm beworben… Ja, hätte, hätte. Und hätten wir nicht diese parodistische Vorstellung für den Typen von VC Star Records gegeben, hätte wiederum er nicht angebissen, und wir hätten nie sein wahres Gesicht zu sehen bekommen.

Ich war heilfroh, als ich hörte, wie das Meeting nach dem plötzlichen Verschwinden von Mike weitergegangen war und sich herausstellte, dass die Anwesenden alle derselben Meinung waren: Das ging gar nicht! Also würden sie so weitermachen, wie ursprünglich gedacht, und die Tournee bis zum Ende durchziehen, und zwar ohne Extrawürste, für wen auch immer.

Ich glaube, dieser Schock war heilsam“, nahm mich Madlyn später beiseite. „Dass sie mal alle an einem Strang ziehen würden, habe ich schon länger nicht mehr erlebt.“

Stimmt, dachte ich: Besonders für Brian musste dieses unangenehme Erlebnis eine Lehre gewesen sein, denn er reagierte nicht mehr wegen jeder Kleinigkeit genervt. Statt dessen ließ er ließ seinen Leuten etwas mehr Freiraum. Und jetzt, wo endlich allen klar geworden war, wie sie zueinander standen, würde es solche Eskapaden wie in der letzten Zeit wohl so schnell nicht mehr geben. Manchmal brauchte es etwas negativen Input, um allen Beteiligten die Augen zu öffnen und sie enger zusammenzuschweißen. Keine Extrawürste: Was war ich erleichtert!

Das bedeutete aber auch, dass sie bei ihrem Programm bleiben würden, egal ob schon der nächste Brandon Cole mit einem Plattenvertrag winkte. Ein weiteres Mal „Shallow“ im Duett mit Mike singen zu müssen, würde mir zum Glück erspart bleiben. Hoffentlich hielten sie sich auch daran. Das würde mir Luft verschaffen für die wirklich wichtigen Dinge, wie zum Beispiel mich voll auf meinen Aushilfsjob am Mikrofon zu konzentrieren, denn Sues Genesung schritt nur langsam voran, aber sie machte Fortschritte, wenn auch nur kleine.

Dauerhaftes Schweigen war nicht notwendig, erfuhr sie am Telefon; es reichte vollkommen aus, wenn sie sich an die Anweisungen hielt, die sie zuletzt erteilt bekommen hatte: viel trinken, viel frische Seeluft und wenig sprechen, ohne zu schreien oder zu flüstern, denn beides war Gift für ihre Stimmbänder. Wärmere Luft wäre sicher optimal gewesen, aber inzwischen stand der Herbstanfang vor der Tür und mit ihm der Punkt, an dem Nacht und Tag gleich lang waren.

Wärmer würde es nicht werden. Es war ja jetzt schon teilweise unangenehm frostig, und des Nachts war es ratsam, sich in einen kuschelig warmen Pyjama zu hüllen. Wie gut, dass ich erstens keine Frostbeule war und zweitens jemanden hatte, der mich wärmte, wenn auch nicht mehr für sehr lange, denn was die ganzen Streiks anging, zeichneten sich akzeptable Ergebnisse für alle Beteiligten ab. Die Möglichkeit, dass ich meine Heimreise wie geplant antreten konnte, rückte in greifbare Nähe. Wenn sich so langsam alle Probleme wie von selbst auflösten, warum war mir dann nicht nach Jubeln zumute?

Nur zu gerne hätte ich gewusst, warum ich mich so niedergeschlagen fühlte und so gänzlich ohne Elan. Das Aufstehen am Morgen fiel mir zunehmend schwerer – solche Probleme hatte ich mit kalten Temperaturen und feuchtem Klima doch noch nie gehabt, und selbst zu Beginn meines Work-und-Travel-Jahres hatte ich mich nicht so zerschlagen gefühlt.

Geh halt früher ins Bett“, schrieb mir Jenny über WhatsApp.

Ja klar, toller Tip – und wie sollte ich das anstellen, wenn ich teilweise bis Mitternacht auf der Bühne stand, die Meute danach noch feiern wollte und Mike und ich dabei unseren Keyboarder im Auge behalten sollten? Diesen Job hatten wir in den letzten Tagen so ziemlich vernachlässigt. Und wenn ich schon bei diesem Thema war, so war da ja auch noch ein gewisser Partner an meiner Seite…

Jenny hatte echt gut reden. Seit ihrer Verlobung mit meinem Brüderchen war sie wie ausgewechselt, und ich erkannte sie teilweise nicht wieder. Mit solchen Ratschlägen war sie mir doch früher nicht gekommen, und jetzt hörte sie sich schon an wie meine Mutter. Dinge, die eine Freundschaft nicht braucht. Hoffentlich wurde ich nicht mal so. Höchste Zeit, dass ihr jemand den Kopf gerade rückte.

Den Kopf zurechtrücken – leichter gesagt als getan. Mit einer TARDIS wäre das alles kein Problem gewesen: in Sekundenbruchteilen nach Hause eilen, mit Jenny Tacheles reden und anschließend wieder um den halben Erdball düsen, um rechtzeitig vor dem nächsten Auftritt zurück zu sein. Flüge mit Air Canada wären damit gleichzeitig natürlich Geschichte, und auslaufende Visa sowieso…

Mensch, Andrea, was soll das? Anstatt Dir so einen Blödsinn auszudenken, solltest Du lieber der Realität ins Auge sehen: Deine Zeit hier ist bald um. Der einzige Haken daran: Ich wollte nicht. Aber ich musste. Ich weiß, dass Du eine Meisterin darin bist, Dich um solche Entscheidungen herumzudrücken, aber schnapp Dir endlich Brian und bring es hinter Dich. Bevor Du es Dir noch anders überlegst. Ach, wie gerne ich es mir anders überlegt hätte…

Kein Wunder, dass Deine Laune im Keller ist“, nahm mich Bradley in der City Hall in einer ruhigen Minute beiseite. „Madlyn ist das auch schon aufgefallen.“

Ach, was Du nicht sagst, meldete sich meine innere Stimme in ironischem Tonfall, darauf wäre ich ja nie von selbst gekommen. Ich wusste schon, warum die 22 niemals meine persönliche Glückszahl werden würde. Jetzt, wo ein weiterer Streik in der Luftfahrt nicht mehr zu befürchten war, war das Datum des Grauens bereits am Horizont zu sehen. Jeder andere hätte sich gefreut, seine Freunde und vor allem die Familie wiederzusehen. Ja, wie gesagt, jeder andere…

7 aus 12 | Etüdensommerpausenintermezzo II-2020 – Juli … #2

Die ABC-Etüden gehen in die Sommerpause, und deshalb hat Christiane das

Etüdensommerpausenintermezzo

initiiert, bei dem wir aus zwölf Wörtern sieben auswählen dürfen. Dabei spielen Länge, Zeit und Ort keine Rolle, aber es gibt zwei Bedingungen. Die erste gibt die Mindestzahl der vorgegebenen Wörter (7 von diesen 12:

Blaupause – Diätwahn – Herzschmerz – Kantine – Kommentar –
Ohrenkneifer – Sahnewölkchen – Stoppelfeld – Strandkorb – Vulkan – Windjammer – Zwischentöne

aber es dürfen auch mehr sein). Die zweite lautet:

#stayathome, #supportyournachbarschaft – Wenigstens ein Teil eurer Geschichte spielt an einem echten (öffentlichen) Ort, den man wiedererkennen kann, den ihr gut kennt. Damit hatte ich ursprünglich zwar im engeren Sinne euren Wohnort gemeint, aber das will bestimmt nicht jede*r und es wohnt ja auch nicht jede*r in einer größeren Stadt.

Ich weiß nicht, wie ihr das am besten löst. Die Idee ist jedenfalls, dass jemand, der eure Geschichte liest, an diesen Ort kommt, sich umschaut und denkt: Aha, ich erkenne das Setting wieder. Und ich würde ziemlich gern mit euch durch – keine Ahnung – Berlin, Bremen, Hamburg, Köln, Frankfurt, Hannover, Freiburg, Wien etc. … irgendeine Strandpromenade eines Kaffs an Nord-, Ost-, Boden-, Neusiedler See ? oder Adria ? Laufen … „

Mehr als sieben Wörter konnte ich in meiner ersten Juli-Etüde nicht unterbringen. Damit auch die anderen nicht zu kurz kommen, reiche ich eine zweite Etüde nach. Think Big!

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Diese Stadt ist ein Moloch

Der erste Eindruck zählt, denkt sie, als sie endlich die Ankunftshalle hinter sich gelassen hat. Ein Taxi hat sie schnell gefunden, um ein Haar hätte sie sich blamiert, als sie vorne Platz nehmen wollte, wo bereits eine Tasche lag – das Lunchpaket des Fahrers. Hierzulande sitzen Fahrgäste hinten; auf einen entsprechenden Kommentar hat der Fahrer verzichtet – vermutlich hat er alle Nase lang Leute wie sie, die das nicht wissen. Andere Länder, andere Sitten, und in diesem Fall ein ganzer Kontinent – aber wenigstens wird auf der rechten Straßenseite gefahren, und nicht links, wie sie gedacht hatte. Das kommt davon, wenn man glaubt, dass die Queen das Staatsoberhaupt ist. Aber nun gut, sei’s drum, jetzt ist sie auf dem Weg in die Stadt und zu ihrem Hotel.

Eine Stunde hat die Fahrt gedauert. Um sechzig Dollar ärmer, betritt sie das riesige Foyer, um einzuchecken. Es dauert noch, sagt man ihr. Also begibt sie sich in den Speisesaal, in den die Kantine zu Hause fünfmal hinein passen würde. Aber an daheim wollte sie eigentlich nicht schon wieder denken; sie hat sich so lange schon auf diese Reise gefreut, bei deren Planung sie mit alten Gewohnheiten gebrochen hatte. Lebe jetzt und nicht irgendwann, war das Motto, mit dem sie in das neue Jahr gestartet war. Und auch wenn sich ab und zu immer noch der Herzschmerz meldete, piepegal! Du kannst Dich nicht ständig in Watte packen, aus Furcht, von der Trauer überrollt zu werden. Das ist jetzt Deine Zeit – die schlechten Energien schickst Du in die Sommerpause und machst endlich Deine Träume wahr…

Kaffee gibt’s hier nur im Becher, was für eine Enttäuschung – aber die Dessertauswahl ist ein Traum. Gegen die üppigen Kuchen und Torten hat der Diätwahn keine Chance; und ein weiterer Beweis, dass hier alles größer ist als in der Heimat. In erster Linie hat sie dabei an die Entfernungen gedacht; jetzt fragt sie sich, ob sie nicht lieber auf Entdeckungstour gehen soll, anstatt auf ihren Zimmerschlüssel zu warten. Bis zu dem gewaltigen See mit seiner Strandpromenade, an der sie bei ihrer Fahrt zum Hotel entlanggefahren ist, ist es zu Fuß bestimmt kein Katzensprung; auf dem Weg zum See zwischen den Häuserschluchten dieser Millionenstadt dampfgegart zu werden, stellt sie sich nicht verlockend vor. Wie war das nochmal mit dem ersten Eindruck? Summer in the City? Zwei Millionen Einwohner, viel Beton und wenig Grün, hatte sie im Taxi gedacht – diese Stadt ist ein Moloch. In der Schwüle der sommerlichen Hitze wähnt sie sich auf der Oberfläche eines Vulkans.

Zu ihrem Erstaunen bleibt das Gefühl, gegen gallertartige Luftmassen ankämpfen zu müssen, schon nach den ersten Metern auf der Hauptstraße aus. Bin ich denn die Einzige, der das Klima nichts ausmacht, fragt sie sich. Vielleicht ist es auch die Aussicht auf eine frische Brise von der Harbourfront, die sie beflügelt und neue Energie verleiht. Von wegen Betonwüste, von wegen Häuserschluchten… links von ihr kommt ein viktorianisches Theater in Sicht. Allmählich beginnt sie, auf Zwischentöne in der Architektur zu achten, und als sie eine halbe Stunde später mit dem Wassertaxi zu der größten der Inseln mit ihren ausgedehnten Parklandschaften übersetzt, entfaltet sich vor ihren Augen das Panorama der Skyline. Der Centre Island Park ist nicht mehr weit. Als das Boot anlegt, dauert es nicht lange, bis sie ganz für sich ist und ein Plätzchen gefunden hat, an dem sie entspannen und dem Gezwitscher der Vögel lauschen kann.

Die Enten im Wasser vor ihr gehen auf Tauchstation, in der Ferne glitzert die Skyline in unterschiedlichen Farben und mit dem Fernsehturm, auf den Steinen zu ihren Füßen sonnt sich ein Ohrenkneifer. Niemals hätte sie gedacht, dass auf sie am Ende doch noch so ein Idyll auf sie warten würde. Diese Stadt ist ein Moloch? Jetzt vielleicht nicht mehr.

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Vom beschaulichen Sonderburg in Dänemark zur größten Stadt Kanadas – die anderen fünf Wörter, die ich in der ersten Etüde ausgelassen habe, sind bei dieser Erinnerung an meine Reise aus dem letzten Sommer zum Einsatz gekommen. Auf die Aufgabe, die am 2. August folgt, bin ich schon sehr gespannt.