07.12. – Fernweh | Adventüden

Adventszeit ist Adventüdenzeit… dass ich auch dieses Jahr wieder bei diesem ganz besonderen Adventskalender mitmachen darf, freut mich sehr – und nun nicht lang geschnackt, hier geht es auch schon los:

Irgendwas ist immer

Wie wär’s, wenn wir an Silvester zur Abwechslung mal wegfahren?«, hatte meine beste Freundin mich im Sommer bei einem GlasEisteegefragt und sofort mein Interesse geweckt. Doch von der anfänglichen Euphorie war nicht mehr viel übrig. Das Ziel bereitete mir keinKopfzerbrechen, denn nach Hamburg hatte ich schon immer ein zweites Mal gewollt, doch vor der Tür stand bereits Halloween, und wir hatten noch immer keine Unterkunft – so langsam lief uns die Zeit davon. Schon seit Monaten war selbst die von mir anvisierte Jugendherberge an den St. Pauli Landungsbrücken ausgebucht.

»Und wenn wir auf die Übernachtung verzichten?«, druckste ich zwischen Kürbissuppe undBratapfelherum. Mittags mit dem Zug hin- und anschließend gleich wieder zurückfahren, wenn wir Glück hatten. »Oder wir schlagen uns die Nacht auf der Reeperbahn um die Ohren und nehmen einen Zug, der uns zum Katerfrühstück wieder nach Hause bringt…« Je länger ich redete, desto mehr begeisterte ich mich für meinen…

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ABC-Etüden – Woche 46 & 47 – Bonjour Tristesse

Mein heutiger Beitrag zu den ABC-Etüden auf Christianes Blog speist sich aus meinen noch immer recht frischen Eindrücken der noch bis zum 16. Januar 2022 in Mainz laufenden Ausstellung „The Mystery of Banksy“. Das Thema „Kunst“ lässt sich also bestens mit den von Erinnerungswerkstatt gespendeten Wörtern Museum, biografisch und erinnern in Einklang bringen.

Allerdings stelle ich ihr eine Warnung voran – fröhlich ist das von mir behandelte Thema nicht; das Lesen meines Textes, der sich mit den düsteren Seiten des Lebens beschäftigt, dürfte bei manchen Lesern/Leserinnen ungute Gefühle auslösen und sollte daher mit Vorsicht genossen werden.

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Bonjour Tristesse

Erinnert sich noch jemand an den Pferdefleischskandal vor ein paar Jahren? Für eine Weile war die in britischen Supermärkten verkaufte falsch deklarierte Lasagne omnipräsent, doch wie schon so oft der Fall, schien auch dieses Thema aus dem kollektiven Gedächtnis verschwunden zu sein. Bis 2015 im englischen Badeort Weston-super-Mare der Antifreizeitpark „Dismaland“ eröffnete, der als zeitlich begrenztes Kunstprojekt von Banksy und vielen anderen Künstlern eine bitterböse Parodie auf Disneyland darstellen sollte, symbolisiert durch eine grotesk verzerrte Ariellefigur, die im Teich vor einem zerfallenden Cinderellaschloss posiert.

Wenn man erst einmal weiß, dass das englische Wort „dismal“ für „bedrückend“ oder „trostlos“ steht, wundert man sich dann auch nicht mehr über die trübe dreinschauenden Angestellten, erkennbar an ihren Mickymausohren, oder die Tristesse des Ortes selbst, bei dem es sich um ein stillgelegtes Spaßbad handelte.

Gewinnen konnte man beim Minigolf oder Dosenwerfen selbstverständlich nichts, die Szene mit der umgestürzten Kutsche und der herausgeschleuderten Cinderella inmitten eines gnadenlosen Blitzlichtgewitters bekam in Anbetracht des Unfalls von Prinzessin Diana einen beklemmend biografischen Charakter, und zwischen den bunten Holzpferdchen eines nostalgischen Pferdekarussells thronte ein Pferdemetzger mit Lasagneschachteln an seiner Seite. Womit wir wieder beim Ausgangsthema wären.  Der für Kinder ungeeignete Famiilien-Freizeitpark (Zitat Banksy) löste einen Besucheransturm sondergleichen aus, schloss aber bereits nach 36 Tagen wieder seine Pforten.

Wer jetzt etwas in Weston-super-Mare besichtigen möchte, muss nun mit dem Hubschrauber-Museum Vorlieb nehmen, was aber für Filmfreunde nicht uninteressant sein dürfte, denn auf seiner Webseite werben die Betreiber mit dem Mi8-Helikopter, aus dem Nathasha Romanoff im Marvel-Film „Black Widow“ gesprungen ist.

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Die 250 Wörter dieser Etüde beschreiben zur Abwechslung mal wieder Tatsachen und nichts, was ich mir von A bis Z ausgedacht habe. An diesen bedrückenden „bemusement park“ (bemusement = Irritation/Verwirrung) wurde in der Banksy-Ausstellung mit einem kurzen Film erinnert. Bei mir hinterließ das befremdliche Treiben ein schales Gefühl, ähnlich dem, das ich nach exzessivem Genuss von Fast Food habe oder nach dem ausgiebigen Besuch eines echten „amusement parks“.

ABC-Etüden – Woche 46 & 47 – Schweine im Weltall

Vor den Adventsetüden (den Adventüden) kommt bei Christiane jetzt noch eine letzte, reguläre ABC-Etüde mit den von Erinnerungswerkstatt gespendeten Wörtern Museum, biografisch und erinnern.

Da dachte ich mir, schreibe ich eben zur Feier des Tages eine Fan-Etüde, die aber nicht den Muppets gewidmet ist.

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Schweine im Weltall

„Alles Gute für den Ruhestand!“

Was mir mein Schwesterherz da aus der Zeitung vorlas, war doch die Höhe. Soweit ich mich erinnerte, hatte ich schon öfters mit dem Gedanken gespielt, früher in Rente zu gehen, aber geplant war nichts. Sie musste mich also nicht ständig damit aufziehen.

„Nein, ich meine doch Chris Murphy. Der plant den Bau eines Dorfs für Ruheständler inclusive Kreativzentrum und INXS-Museum…“

„Bitte was?!“ Ungläubig riss ich ihr die Zeitung aus der Hand und überflog die Seite, während ich ihr nur halb zuhörte. Schweine im Weltall! Vernommen hatte ich das Gerücht schon früher, es aber für ein Luftschloss des Bandmanagers gehalten, jetzt aber davon zu lesen und die Abbildung einer Computersimulation des rostroten Gebäudes in X-Form dabei zu sehen…

„Das ideale Urlaubsziel, für dich als Hardcore-Fan“, sinnierte sie. „Und dabei kannst du dir auch gleich diese Statue für Michael Hutchence angucken.“

Huch? Ich war zwar nur für die biografische Dokumentation über den Sänger und seine Rolle im Film „Dogs in Space“ zum neuseeländisch-australischen Filmfestival trotz hoher Hotelpreise nach Berlin gereist, aber ich war niemand, der nur für ein Depeche-Mode-Konzert von Ulan Bator nach Berlin und wieder zurück flog.

Wenn jemand ein hartgesottener Fan war, dann doch wohl sie mit ihrer Story, wie sie einst Bono in Dublin getroffen und sein leeres Glas als Reliquie nach Hause geschmuggelt hatte. Außerdem wusste sie, dass da finanziell bei mir nichts ging. Mein Körper kompensierte eben 16000 Kilometer nicht mehr so schnell wie früher, und wenn es mir an einem mangelte, dann an Zeit.

Aber ich hätte es wissen müssen, dass Schwesterherz den Zeitungsartikel mal wieder nur zur Hälfte gelesen hatte, denn ihm zufolge stand das ambitionierte Projekt, das aus der Luft bestimmt der Hingucker gewesen wäre, nach dem Tod des Managers im Januar mehr als nur noch in den Sternen.

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Den in dieser 300 Wörter langen Etüde genannten Artikel gibt es nur online – darin findet sich auch eine Abbildung, wie der Künstler sich das Gebäude vorgestellt hat.

ABC-Etüden – Woche 44 & 45 – Spectaculum nocturnum

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Hach ja, nun ist mir doch noch eine Etüde eingefallen: Ein nicht ganz ernstzunehmendes Spektakel, das teils der Wirklichkeit und teils meiner Fantasie entsprungen ist – aus den von Wortverdreher gespendeten Wörtern Kürbis, kitzlig und krakeln – als Nachschlag und damit fünften Beitrag zu den ABC-Etüden auf Christianes Blog.

Viel Spaß beim Rätseln, was davon gelogen ist…

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Spectaculum nocturnum

Kehrt aus, kehrt aus, räumt leer das Haus… Legt weg die Sense und die Maus… Räumt leer die Truhen und den Keller… Sonst gibt es nichts mehr auf dem Teller.

Ratlos grübelten mein Schatz und ich über den kunstvoll angekokelten und auf antik getrimmten Fetzen Papier, auf den unsere Freunde die diesjährige Einladung zu ihrer Halloweenparty gekrakelt hatten. Was hatte sich Andrea wohl diesmal spektakuläres ausgedacht? In der Vergangenheit war so einiges dabei gewesen: das großflächige Fenstergemälde vor drei Jahren, den unter großem Getöse aus einer Kürbistorte gestiegenen Klabautermann vom letzten Jahr, und nicht zuletzt die über dem mit Spinnenweben dekorierten Garten schwebenden Himmelslaternen. Bei diesem Anblick gruselte es mich noch heute.

Hoffentlich sprang nicht wieder so eine Sensenfrau aus dem Gebüsch, um mich mit ihren spitzen Fingern zu traktieren, wo ich doch so kitzlig war. Mein Schatz hatte wahre Überzeugungsarbeit und einen Wegezoll in Form von drei Litern selbstgebrauten Met leisten müssen, um mich aus ihren Fängen zu befreien und ich hatte mich noch drei Tage später an einem exquisiten Muskelkater „erfreuen“ dürfen.

Groß und voll hing der Blutmond über dem an den Kirchhof angrenzenden Garten, in dessen vorderen Teil das schwarzgewandete Partyvolk in kleinen Grüppchen zu den mittelalterlichen Klängen irgendeiner Rockband beisammenstand. Weiter hinten, nahe bei der Friedhofsmauer, hatte man schon eine Grube ausgehoben und die Erde fein säuberlich verteilt.

Sanft wehte das Absperrband im Wind.

Plötzlich setzte die Musik aus, und mitten in die Stille hinein dröhnte Bachs Toccata in ohrenbetäubender Lautstärke. Wie das Rote Meer im Alten Testament teilte sich die Menge, als Andrea mit ihrem Gefolge nahte, um den Topf mit Kürbissuppe, der jahrelang im Keller geschlummert hatte, in einer feierlichen Prozession durch den Garten zu tragen und ihm so die letzte Ehre zu erweisen, bevor sie ihn in der feuchten Erde für immer versenkten.

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300 Wörter sind es, um genau zu sein.

ABC-Etüden – Woche 44 & 45 – Der Endgegner

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Wieviel man aus den von Wortverdreher gespendeten Wörtern Kürbis, kitzelig und krakeln basteln kann, hat mich selbst erstaunt – und so serviere ich heute meinen vierten und letzten Beitrag mit 300 Wörtern zu den ABC-Etüden auf Christianes Blog.

Schon als ich damals mit der Fortsetzungsgeschichte „Nach dem Regen“ anfing, war mir klar, dass Marlenes Rache für den Betrug durch ihren Mann etwas anders laufen würde. Nun haben die Röders den Salat und eine „Bombenstimmung“.

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Der Endgegner

„Aaaargh!“ die Todesschreie, die aus dem Zimmer hinter der verschlossenen Tür kamen, gefolgt von grausigen Stöhngeräuschen und ersticktem Röcheln, hallten durchs ganze Haus. Ein „Bitte nicht stören“ musste Tom nicht erst draußen hin krakeln, damit man sich fernhielt. Wenn er zockte, kam man ihm besser nicht in die Quere, außer man wollte seinen Zorn auf sich ziehen, wenn er sein Spiel vergeigte. Medi Evil: nur halb so böse? Fiese Gegner warteten auf den Held des Spiels zuhauf, und im aktuellen Level lauerte als Endgegner die Kürbisschlange.

Auf sie war Marlenes Blick gefallen, als Tom die Pausentaste gedrückt und beim Verlassen der Zockerhöhle die Tür sperrangelweit offen gelassen hatte. Die Snacks trugen sich schließlich nicht von selbst ins Spieleparadies, und seinen Besuch empfing er lieber selbst anstatt diesen Job die Mama erledigen zu lassen. Zumal von ihnen allen niemand gerade gut auf sie zu sprechen war: Einfach zu verschwinden und ohne ein Wort nach Tagen wieder aufzutauchen. Auf ihre Erklärung warteten er, Lucy und Papa bis heute noch. War die Stimmung zu Hause schon nicht berauschend gewesen, war sie jetzt richtig im Keller. Ohne seine Mutter zu beachten, zog er Lilly hinter sich her und warf die Tür ins Schloss.

Schon bald übertönte schrilles Gewieher die lauten Geräusche des Konsolenspiels. Lilly konnte sich gar nicht mehr einkriegen, so kitzlig wie sie war. Tom hatte mal so etwas erwähnt. Was auch immer da drinnen vor sich ging, gegen Lillys durchdringendes Lachen hatten die Kürbismonster keine Chance. Von denen war nichts mehr zu hören, nur lautes Gepolter, ein dumpfer Schlag. Dann war es ruhig. Zu ruhig. Was nun?

Innerlich hin- und hergerissen rang Marlene mit sich, dann beschloss sie, den beiden noch ein paar Minuten zu geben, bevor sie sich durch lautes Türklopfen bemerkbar machte, auch wenn sie dadurch zum realen Endgegner mutierte.

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Das oben beschriebene Spiel gibt es tatsächlich: „Medi Evil“ war ursprünglich ein Spiel für die Playstation 1 und erfreut sich so großer Beliebtheit, dass es nun auch auf der Playstation der neuesten Generation gespielt werden kann. Außerdem habe ich diesmal das Wort „kitzlig“ tatsächlich wörtlich genommen und nicht mehr im übertragenen Sinn.

ABC-Etüden – Woche 44 & 45 – Halbe Etüde

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Zu später Stund, weil Kürbissaison ist, präsentiere ich heute für die ABC-Etüden auf Christianes Blog eine gedichtete „Halbe Etüde“, denn sie hat nur 150 Wörter, gebastelt aus den von Wortverdreher gespendeten Wörter Kürbis, kitzelig und krakeln.  

    

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Halbe Etüde

Er ist ein kleiner Kürbis nur, doch dies hier bringt ihn aus der Spur: Die Uhr schon wieder umzustellen, dann sich nach draußen zu gesellen

zu anderen, die auf ihn warten, zu Halloween geschmückt im Garten. Soll er lieber liegenbleiben? Oder seine Memoiren schreiben?

Und findet er ein Publikum? Vermutlich schon – als Unikum. Als Mutation, die nichts erschüttert, nicht kitzlig und auch nicht verbittert.

So wankt und rollt er an das Fenster, mit Blick auf jammernde Gespenster. Ein gar unheimliches Spektakel, beflügelt fängt er an zu krakeln.

Zutiefst versunken in sein Tun, so schreibt er ohne Rast und Ruh’n. Vertieft und in sein Werk verschossen, kommen die Worte rausgeflossen.

So flieht die Zeit und er vergisst, dass er doch nur ein Kürbis ist. So hat er leider auch vergessen, dass man beschloss ihn aufzuessen.

Was blieb von seinem Griff nach den Sternen? – Nur seine Schale voll mit Kernen.

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Ob ich allerdings noch eine vierte schreibe, das steht noch in den Sternen.

ABC-Etüden – Woche 44 & 45 – Halloween-Rückschau

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Ob wir an Halloween Klingelgeister hatten oder nicht – der versprochene Lagebericht folgt nun als Nachtrag zu meiner letzten Oktober-Etüde zu der neuen Aufgabe mit den von Wortverdreher gespendeten Wörter Kürbis, kitzlig und krakeln

… und wird damit offiziell die erste November-Etüde als Beitrag zu den ABC-Etüden (auf Christianes Blog). Es ist wahr, dass niemand bei uns um Süßes gebeten hat – der Rest dagegen ist vollständig meiner Fantasie entsprungen.

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Aus die Maus

Produktivität sah anders aus.

„Ich kann das süße Zeug nicht mehr sehen“, jammerte mein Schwesterchen und hielt sich den Bauch. Fasziniert beobachtete ich, wie sie sich trotzdem noch ein Colafläschchen in den Mund schob. In dem Zustand eine leserliche Einkaufsliste zu produzieren, konnte sie vergessen, wenn sie so weitermachte: „Kürbis“ konnte ich bei dem, was sie auf den Zettel gekrakelt hatte, gerade noch erkennen, doch der Rest…  

„Keiner hat Dich gezwungen, den Kram in Dich reinzustopfen, bis er Dir zu den Ohren rauskommt“, maulte ich. „Auch wenn bei uns an Halloween niemand geklingelt hat, die fünf Dosen müssen wir nicht sofort vernichten. Und eine haben wir ja schon verschenkt. Aber lass uns tauschen: Ich schreibe die Liste, und Du widmest Dich dem Gedicht für mein Blog als Nachtrag zu Halloween.“

Darauf war ich schon sehr gespannt, denn Nachwuchstalenten gab ich doch gerne eine Chance, auch wenn das mit den Talenten oft eine kitzlige Sache war. Die drei Worte standen fest, nun durfte mein kleines Dichtgenie zeigen, was es konnte – so schwer konnte die Aufgabe ja wohl für sie nicht sein, wenn sie meinte, ich könnte eine Fanfiction über ihre Lieblingsband U2 für sie aus dem Ärmel schütteln. Da war so ein kurzes Gedichtchen doch geradezu ein Klacks.

Kaum hatte ich meine Liste um Ingwer, Kokosmilch und Orangensaft ergänzt und den Stift aus der Hand gelegt, warf ich einen Blick auf die wenigen Zeilen auf dem Schmierzettel meiner Schwester und stand kurz davor, mir mit der Hand gegen die Stirn zu klatschen:

Kitzlig, Kürbis, krakeln: Warte nur auf den Geist mit den Tentakeln. +++ Krakeln, kitzlig, Kürbis: Statt orange mag ich’s türkis. +++ Kürbis, krakeln, kitzlig: Diesen Nonsens find ich witzig.

Das war’s?

Aus die Maus! Ab sofort waren Colafläschchen und weiße Mäuse vom Speiseplan gestrichen, wenn deren Genuss zu solchen Halluzinationen führte.

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Diese Nachschau besteht aus 300 Wörtern, die darin gleich mehrfach auftauchen, wenn auch in völlig verdrehtem Kontext.

ABC-Etüden – Woche 44 & 45 – Halloween-Etüde

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Viele können ja Halloween nichts abgewinnen und meiden alles, was damit zusammenhängt, wie der Teufel das Weihwasser. Dann sollten sie meine Etüde vielleicht besser nicht lesen. Nach dieser vorausgeschickten Warnung widme ich mich meinem aktuellen Beitrag zu den ABC-Etüden (auf Christianes Blog), die sich diesmal um die von Wortverdreher gespendeten Wörter Kürbis, kitzlig und krakeln drehen.

250 Wörter sind es diesmal bei dieser auf Halloween eingestellten Etüde geworden.

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Die Stunde der Wahrheit

Ding Dong… Süßes oder Saures… Wer will nochmal? Wer hat noch nicht? Vor meinem geistigen Auge zogen die Halloween-Szenarien der vergangenen Jahre noch einmal vorbei. In dem einen Jahr hatte ich mich auch trotz des fehlenden Kürbisses vor lauter Klingelgeistern kaum retten können, und mir hatten die enttäuscht dreinschauenden kleinen Gespenster, Vampire und Hexen unsagbar leidgetan. Im Jahr darauf hingegen hatte ich mich rechtzeitig mit Massen an Süßigkeiten eingedeckt, aber obwohl ein besonders gruselig geschnitzter und mit einer Kerze zum Leuchten gebrachter Grinsekopf in Orange einladend auf unserer Altpapiertonne thronte, hatte kein einziges kostümiertes Kind geschellt, und ich war bis ins Frühjahr hinein auf Lakritz und Fruchtgummis sitzengeblieben. Und in den Jahren danach hatten sie mich schlichtweg vergessen. Waren in Scharen an unserem Haus vorbeigezogen, bis dann Corona kam…

Und dieses Jahr? Ich wage es kaum niederzuschreiben, aber ich werde mich einfach überraschen lassen. Die Dosen mit weißen Mäusen, Schnullern, Colafläschchen und sauren Gurken stehen auf jeden Fall bereit. Unter Hygieneauflagen werde ich die Leckereien mit behandschuhten Fingern in Tüten verpackten und der Dinge (oder besser Besucher gesagt) harren, die da kommen oder aber auch nicht. Falls letzteres zutrifft, habe ich wenigstens die Sorten im Haus, die ich selbst am liebsten nasche – bloß kein Lakritz oder gar eine Mischung aus beidem… Bei diesem kitzligen Thema kann ich sehr speziell werden. Aber vielleicht sollte ich ein paar nette Worte auf einen Zettel krakeln und den an unseren Briefkasten kleben. Vielleicht in etwa so?: „Süßes oder saures? Bei mir bekommt ihr beides.“ 

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Über den Fortgang der Geschichte werde ich euch auf jeden Fall auf dem Laufenden halten.

ABC-Etüden – Woche 42 & 43 – Etüde 4: Zu später Stunde

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Nicht alles ist, was es zu sein scheint. So auch bei den ABC-Etüden (auf Christianes Blog) mit den folgenden drei Wörtern von Puzzleblume: Biedermeier – niederträchtig – flöten.

Mir war zur Abwechslung mal wieder nach einem gruseligen Schauplatz.

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Zu später Stunde

Süß flötete die Amsel über Patrick im Baum.

Vogel müsste man sein, seufzte er, oder irgendwie anders der Wirklichkeit entfliehen. Die Gläubiger saßen ihm im Genick, und er traute sich kaum noch nach Hause.

„Ich weiß, wo dein Haus wohnt“: Ein Pflasterstein, eingewickelt in die Nachricht in blutroten Lettern, niederträchtig durch sein Schlafzimmerfenster geschleudert, der Fußboden übersät mit Tausenden von Scherben, das war das Signal gewesen, seine Liebste in Sicherheit zu bringen. Niemals würde er sich verzeihen, wenn Tatjana in Juris Fänge geriet. Sie heimlich woanders unterzubringen, war einfach gewesen nun gab es nur noch eines: Den „Geist der Rose“ am ältesten Teil des Friedhofs aus der Epoche des Biedermeiers dem Mittelsmann zu übergeben. Ciao, Sorgen! Dass der rosa Diamant nicht echt war, würde nur dem versiertesten Profi auffallen. Ein eiskalter Hauch wehte Patrick vom Seitenportal des Gottesackers entgegen. Hoch über ihm thronte ein Engel auf der Friedhofsmauer.

Das letzte Mal war dieser noch nicht dagewesen.

Mit einem mulmigen Gefühl taxierte Patrick das marmorne Antlitz der Statue, und noch im selben Moment spürte er, wie sich die Nackenhärchen aufstellten und eine Gänsehaut seinen ganzen Körper überzog. Dass der Engel sich bewegt hatte, musste er sich eingebildet haben. Real dagegen war Leon, der am vereinbarten Ort mit hochgeschlagenem Kragen seines Trenchcoats ziellos auf und ab lief und dabei an seiner Zigarette zog. Nur noch wenige Schritte, dann hatte er es. Die Tattoos auf seiner Haut pulsierten unangenehm, und dann geschah es: Wie aus dem Nichts stellte sich ihm der Engel in den Weg und breitete die Schwingen aus. Ein heller Blitz, und Patrick war verschwunden. Fassungslos rieb sich Leon die Augen und trat eilig den Rückzug an, als sich der Engel ihm zuwandte.

Nur eine Packung Zigaretten war das einzige, was zurückblieb. In der Nähe flötete eine Amsel ihr einsames Lied.

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300 Wörtern für eine Schauermär, passend zu Halloween.

ABC-Etüden – Woche 42 & 43 – Etüde 3: Märchenstunde

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Welche Textform hatten wir noch nicht? Richtig – schon lange nicht mehr habe ich mit einem Gedicht an den ABC-Etüden (auf Christianes Blog) teilgenommen. Diesmal hat mir ein Märchen die Inspiration eingegeben, die drei von Puzzleblume gespendeten Wörter Biedermeier – niederträchtig – flöten in zehn Reimblöcken unterzubringen…

eine Marke der Deutschen Bundespost aus dem letzten Jahr – https://images.shop.deutschepost.de/MEDIA/PROD_ProductCatalog/efim2310054_Z_1_151104903_095_SPWz_Rattenfaenger_von_Hameln_800x600.jpg

… auch wenn das dafür Pate stehende Märchen bedeutend älter ist.

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Märchenstunde

Ob erlogen oder wahr, Oma erzählt sie jedes Jahr: Die Moritat des Biedermeier als Krönung einer jeden Feier.

„Die ganze Stadt fand sich in Not, denn alle Katzen waren tot. Kein Mittel gab’s gegen die Ratten, so dass wir nichts zu lachen hatten.

Die Speisekammern waren leer, wir wünschten uns ein Wunder her. Ein Zaubertrank, geext zur Nacht, hat unsre Wünsche wahr gemacht.

Wie hergezaubert stand er da: Jean-Claude, ein Mann mit güld‘nem Haar. Zur Probe hub er an zu flöten, um mit dem Schall den Ratz zu töten.

Der erste Ratz verstarb vor Schreck, da waren alle hin und weg. Der Handel wurde abgeschlossen und auch sogleich mit Wein begossen.

Der Rebensaft, er floss in Massen und machte alle ausgelassen. Dem Fremden folgten alle Ratten, von ihnen blieb nicht mal ein Schatten.

Wir feierten, als gäb’s kein Morgen, und wir vergaßen unsre Sorgen. Der nächste Tag war noch nicht helle, da stand der Ärger auf der Schwelle.

Jean-Claude verlangte seinen Lohn, doch man bedachte ihn mit Hohn. Dies Treiben war gar niederträchtig, und wir erkannten bald: das rächt sich.

So manche suchte nach dem Kinde – hinfort war’n sie – in alle Winde. Davongeführt in tiefster Nacht, und nichts hat sie zurückgebracht.“

Und die Moral von der Geschicht: Vergesst bloß die Bezahlung nicht. Dem Sparen an der falschen Stelle folgt nämlich sonst die schlimmste Hölle.  

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Mit 225 Wörtern habe ich das Limit diesmal nicht ausgereizt – und den Vornamen habe ich nur wegen des Rhythmus‘ ausgewählt. Da dem Rattenfänger bisher noch niemand einen Namen gegeben hat, habe ich es hiermit nachgeholt.