ABC -Etüden – Woche 14 & 15 : Etüde 1 – Entdecke die Möglichkeiten

Die für die aktuelle, an Ostern ausgerufene Etüde auf Christianes Blog gespendeten Wörter stammen von Ludwig Zeidler (der nicht bloggt) und Christiane selbst. Sie lauten Sonnenhut – haltlos – massieren, und diesmal stehen sogar drei Illustrationen zur Auswahl. Das ruft förmlich nach dem Schreiben mehrerer Etüden. Vielleicht schaffe ich ja doch drei…

Spieglein, Spieglein in meinem Heim – wer mag die Frau mit Hut wohl sein?

♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦

Entdecke die Möglichkeiten

Dieses Treffen hätte Marlene am liebsten aus der Erinnerung gestrichen.

„An Deiner Stelle würde ich ja bei Deinem Herzblatt mal genauer hinsehen.“

Was hatte Nathalie da gerade gesagt? Wie konnte sie nur andeuten, Manfred ginge fremd? Er war auf einer Fortbildung – wie konnte sie ihn da mit einer anderen gesehen haben?

„Bist Du wirklich so naiv? Aber glaub doch, was Du willst – es ist ja auch nicht meine Ehe!“

In Marlenes Ohren rauschte es. Haltlose Unterstellungen? Leider aber nicht: Vor ihr lagen Aufnahmen von Manfred in inniger Umarmung mit einer Rothaarigen vorm Hotel Amethyst: ein wahrhaft schlechter Film, ihre Stimme kommentierte jede seiner Szenen aus dem Off. Überstunden und Fortbildungen… wer’s glaubt! Die roten Flecken auf dem zerknüllten Tempo… Lippenstift! Das kupferrote Haar auf seinem Anzug… nicht von mir, schließlich bin ich blond.

Erschöpft massierte Marlene ihre pochenden Schläfen. Wie hatte es nur so weit kommen können? Seit damals hatte sie sich nicht allzu sehr verändert, war mit Anfang Fünfzig immer noch attraktiv. Sie musste sich bloß die Bilder von der letzten gemeinsamen Tour mit ihren Freundinnen ansehen. Vom Wein berauscht, hatte sie sich vor der Bühne auf der Loreley herumalbernd in Modelpose geworfen und ein Küßchen in Susis Kamera gehaucht.

Trotz des Schattens, den ihr riesiger Sonnenhut warf, konnte man auch heute noch erkennen, wieviel Spaß sie damals gehabt hatte. Aber mit dem Spaß war es nun vorbei. Jetzt, da die Beweise klar auf der Hand lagen, musste sie Manfred mit ihnen konfrontieren. Oder aber…

Natürlich stritt er alles ab, empörte sich über ihr mangelndes Vertrauen und verließ höhnisch lachend das Wohnzimmer. Typisch blond? Das schlug dem übergelaufenen Fass den Boden aus. Marlene war zwar blond, aber nicht so blond. Manfred würde sich noch wünschen, sie nicht unterschätzt zu haben.

♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦

Die Etüde kurz zu halten und die Handlung so dicht wie möglich zu komprimieren, ist mir heute unglaublich schwer gefallen, und am Ende sind es 295 Wörter geworden.

ABC -Etüden – Woche 12 & 13 : Etüde 2 – Mädelsabend

Diesmal waren es die beiden Illustrationen zur aktuellen Etüde auf Christianes Blog mit den von puzzleblume gespendeten Wörtern…

Dackelfalten, fruchtig, scheppern

… die mir beide gefallen so haben, dass ich mich nicht entscheiden konnte und beschlossen habe, noch eine zu schreiben.

An einigen Stellen ist im Zusammenhang mit dem Substantiv der Name eines bestimmten britischen Schauspielers gefallen. Was liegt da näher als ein Filmabend?

♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦

Mädelsabend

„Man ist nie zu alt für einen Mädelsabend! – Hashtag #HughGrant“

Fassungslos starrte Marlene auf die WhatsApp-App von Kirsten. Ein Filmabend war ja okay, aber was sollte der Hashtag? Kirsten wusste doch, dass Marlene den Kerl mit seinen Dackelfalten nicht mochte. Warum konnte es kein Film mit Zac Efron oder Aidan Turner sein? Oder wenigstens mit Colin Farrell…

Gegen sieben war die Runde beinahe komplett. Nathalie und Natascha trudelten gemeinsam ein, Marlene klingelte mit Verspätung. Während Natascha die DVDs studierte, stellte ihre Gastgeberin die Zutaten für die Cocktails zusammen, die später in Strömen fließen würden: Zombie, Mai Tai, Tequila Sunrise… fruchtig und wuchtig. Das würde morgen ordentlich in der Birne scheppern. Nicht bei Marlene, die stets bei Gin Tonic blieb. Jetzt aber schepperte etwas ganz anderes. Nathalie war am Regal hängengeblieben und hatte die alten Fotoalben zu Fall gebracht.

Roskilde, Wacken, Rock am Ring, nichts hatten sie ausgelassen: Kirsten, Natascha und Nathalie im VW-Bus – Marlene und Susi auf ihren Motorrädern. Lang war’s her, doch über die Jahre waren sie Freundinnen geblieben; mit einer Ausnahme: Susi. Seit es sie in der Eifel aus der Kurve getragen hatte, weilte sie nicht mehr unter ihnen.

„Auf Susi“, ergriff Kirsten das Wort. Feierlich schlossen sich die anderen ihr an, überzeugt davon, dass ihre Freundin gerne dabei gewesen wäre, denn einen Film mit Hugh Grant hätte sich Susi nicht entgehen lassen, schon gar nicht an ihrem Jahrestag.

Für Susi, ergänzte Marlene in Gedanken, als sie sich am Ende auf „The Gentlemen“ einigten, doch obwohl sich ihr stiller Wunsch vom Morgen erfüllt hatte, plätscherte der Film an ihr vorbei, und selbst ein weiterer Gin Tonic konnte den Kloß in ihrem Hals nicht davonspülen.

♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦

279 Wörter für eine melancholische Etüde, die insofern zeitlich gut passt, dass heute Abend mal wieder eine Wiederholung des Films „Der Club der Teufelinnen“ läuft – in dem drei Freundinnen (Diane Keaton, Goldie Hawn, Bette Midler) nach dem Ableben der vierten einen ausgetüftelten Plan schmieden, um sich für die von den treulosen (Ex-)Ehemännern erlittene Schmach zu rächen.

ABC -Etüden – Woche 12 & 13 : Etüde 1 – Das Kaffeekränzchen

Moin, schon als ich die drei neuen von puzzleblume gespendeten Wörter sah, wusste ich, das könnte klappen…

Dackelfalten, fruchtig, scheppern

… und die Idee für die aktuelle Etüde auf Christianes Blog war auch schon da, was nicht zuletzt auch an der hübschen Illustration mit den vitaminreichen Früchtchen liegt:

Eine Klasse für sich ist Lauras Jungfernfahrt mit dem VW-Käfer aus einer meiner Extra-Etüden in der fünften Januarwoche („Die Premiere“) gewesen. Was mag sich wohl bei ihr zu Hause während des Wartens abgespielt haben? Erfahren Sie es hier:

♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦

Das Kaffeekränzchen

Emmi und Hugo waren die ersten, die sich zum Kaffeekränzchen eingefunden hatten. Frau König hatte sich diesmal ganz besondere Mühe gegeben: Neben der Sachertorte prangte ein fruchtiger Lemon-Cheescake auf der liebevoll geschmückten Kaffeetafel – extra für Laura, die sich in diesem Moment durch ihre Jungfernfahrt mit dem Käfer zitterte.

Damit war die frischgebackene Führerscheininhaberin jedoch nicht die einzige. Entgegen aller Unkenrufe, war es nicht Tante Emmi, die zu hysterischen Anfällen neigte, sondern Onkel Hugo, der mit in Dackelfalten gelegter Stirn Bedenken äußerte: „Und ihr lasst sie so einfach ganz alleine fahren?“

Um Tante Emmis Augenwinkel zuckte es bedenklich, wie bei Hörnchen Scrat im Film „Ice Age“, ein untrügliches Zeichen dafür, dass man sich am besten schon mal bereit machte, den Enzian zu holen. Aber möglichst so, dass Hugo nichts davon mitbekam.

„Ja, wie soll Laura es denn sonst lernen?!“ In diesem Punkt war Herr König unerbittlich, auch wenn es bei Lauras ersten Fahrten noch ordentlich scheppern würde. Dass Blechschäden nicht ausblieben, kannte er noch aus seiner eigenen Zeit als Anfänger. Doch bevor er das noch weiter vertiefen konnte, öffnete sich die Haustür. Laura war zurück; außer Atem und mit geröteten Wangen.

„Cheesecake? Yammi!“

Mit vollen Backen erzählte Laura aufgeregt von der Straßensperre und dem Stau hinter dem Transporter, hinter dem sich ein SUV, ein tiefergelegter BMW, ein himberroter Smart und ein vollbeladener Pickup wie Perlen auf einer Schnur aufgereiht hatten, und dem Rückwärtsmanöver unter ihrer Regie. Dass sie und der Typ im BMW ihre Handynummern ausgetauscht hatten, überging sie geflissentlich.

Das musste niemand erfahren, vor allem nicht Tante Emmi, die bei Lauras Schilderungen erstaunlich ruhig geblieben war. So ruhig, dass die Flasche mit dem Enzian heute garantiert nicht mehr zum Einsatz kommen würde.

♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦

285 Wörter für eine weitere Momentaufnahme in meinem „Regen“-Universum. Diesmal hat es Laura erwischt.

ABC -Etüden – Woche 10 & 11 : Etüde 2 – Fine Line (Etüde mit Triggerwarnung)

Manchmal kommt die Inspiration trotz familiären Verlustes und gesundheitlicher Schwierigkeiten von ganz woanders her. Youtube-Playlisten machen es möglich, und so bleibe ich auch weiterhin den Etüden auf Christianes Blog erhalten. Die Wörter Klassenkeile, schwammig und trödeln wurden diesmal vom BerlinAutor gespendet.

Die Illustration stammt von Christiane. By the way, war es nicht das Substantiv, sondern das Adjektiv, an dem ich mir – gelinde gesagt – die Zähne ausgebissen habe.

Herausgekommen ist eine weitere figurenrecycelnde Etüde, die mit einer Triggerwarnung (Suchtverhalten) einhergeht. Sie ist einem Charakter gewidmet, der in meinem für den #writing friday geschriebenen Sechsteiler „Als der Regen kam“ bisher nur eine untergeordnete Rolle gespielt hat.

♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦

Fine Line

Solche Konzerte waren der Horror.

Frauen mittleren Alters wurden bei Matthias Reim zu hysterisch kreischenden Fangirls, und wenn sich bei Justin Bieber fast nur Teenager tummelten, war klar, was auf ihn zukam: Kollabierte Mädchen herausziehen, die nach dem Erholen von ihrer Ohnmacht wenig begeistert waren, dass ihr Platz futsch war. Sie töten Dich mit Blicken: Lieber hätte er eine Portion Klassenkeile bezogen. Und jetzt das: „Fine Line – Styles in Concert“ – wieder ein vergeudeter Samstagabend.

Ja, es war unfair, aber als Sanitäter hatte er es wirklich nicht leicht. In letzter Zeit häuften sich die Einsätze, die an seine Substanz gingen: Trödeln bei der Rettungsgasse, von Gaffern gefilmte Unfallopfer, an die Rettungskräfte gerichtete Pöbeleien. Dazu die teilweise echt grausamen Bilder an der Einsatzstelle, von denen er nicht wusste, wie er sie abschütteln konnte. Dagegen war so ein Konzert vielleicht doch so etwas wie ein Spaziergang.

Lass es nur nicht zu nah an Dich ran, hatte ihm ein älterer Kollege geraten, leider hatte der sich bezüglich weiterer Tips bedeckt gehalten. Schwammig eben, war ihm beim ein oder anderen Feierabendbierchen durch den Kopf gegangen. An denen hielt er sich so lange fest, bis nichts mehr schwammig war, sondern sich alles in einem gleichmäßig und wohltuend betäubenden Nebel auflöste. Danach schlief er meistens wie ein Stein, nur das Aufwachen am nächsten Morgen war grenzwertig, aber nach einem Kaffee und zwei Hallo-Wach ging es dann meistens. Doch wie lange noch? Die vor ihm liegende Durststrecke war nicht abzusehen.

Fine Line. Den Hang zum Rausch zwecks gelegentlicher Ablenkung und schwer abzulegende Gewohnheiten trennte oft nur eine hauchfeine Linie, doch ihm fehlte das Gespür, ob sie nicht schon längst überschritten war.

♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦

Mit 275 Wörtern ist diese Momentaufnahme geeignet, das Fundament für weitere in meinem „Regen“-Universum angesiedelte Etüden oder längere Texte zu legen.

ABC -Etüden – Woche 10 & 11 : Etüde 1 – Der Neustart

Die Frühjahrsmüdigkeit hat zugeschlagen und lähmt meine Kreativität sowie die Lust auf jegliche Aktivitäten im Freien. Fliegende Pollen machen’s möglich.

Dennoch: Trotz meines familiären Verlustes und gesundheitlicher Schwierigkeiten versuche ich auch weiterhin, den Etüden auf Christianes Blog treu zu bleiben. Die Wörter Klassenkeile, schwammig und trödeln wurden diesmal vom BerlinAutor gespendet – die Illustration stammt von Christiane.

Meine aktuelle Etüde recycelt eine Person, die in Kurzgeschichten für den #writing friday auftaucht. Oder war auch die ein oder andere ABC-Etüde dabei? Wie auch immer, jedenfalls aber bezieht sie sich auf eine Person aus meinem sechsteiligen Kurzroman „Als der Regen kam“.

♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦

Der Neustart

Das Leben war so viel leichter, seit Julian im Internat war.

Zu diesem Schluss kam Suzanne nach drei Wochen Ostseeurlaub, als sie feststellte, dass das übliche Luftanhalten nach Schulschluss der Vergangenheit angehörte. Warum sein Platz im Englisch-Leistungskurs von nun an leer blieb, ging aus der schwammig formulierten Ansprache des Tutors nicht hervor, doch im Grunde ihres Herzens war es Suzanne egal. Trotzdem wagte sie nicht, näher auf das Thema einzugehen, vielleicht, weil sie fürchtete, plötzlich doch noch aufwachen, um festzustellen, dass alles nur ein Traum war.

Zugegeben, ein schöner Traum: Kein Julian – keine Clique, die sich am Haupteingang breitmachte und den Vorbeigehenden dumme Sprüche hinterherschickte, besonders den Mädchen. Geschichte war auch die Klassenkeile, die allen blühte, die diesen Typen in die Quere kamen. Obwohl Cliquenkeile es besser traf und es die Clique immer noch gab, wenn auch ohne Wortführer. Und ohne den war es mit ihrer Großspurigkeit nicht weit her. Außenstehende konnten ihre Erleichterung nur schwer nachvollziehen, aber es fing schon mit kleinen Dingen an – wo sie sonst nach der letzten Stunde auf dem schnellsten Weg das Schulgebäude verlassen hatte, konnte sie nun nach Herzenslust trödeln.

Und wenn sie sich geschickt genug anstellte, würde sie über kurz oder lang Marc über den Weg laufen, für den sie schon lange schwärmte und der sich während der Ferien anscheinend von Alexandra getrennt hatte. Dem Dunstkreis Julians entzogen, bestand nun vielleicht doch noch Hoffnung, dass sie und er…

Ach ja, seufzte Suzanne verzückt, als sie zu Hause angekommen war – besser konnte das neue Schuljahr nicht beginnen, und vielleicht würden die letzten Semester vor dem großen Abschluss zur besten Zeit ihres Lebens werden.

♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦

In 272 Wörtern zu einer weiteren Momentaufnahme aus meinem „Regen“-Universum.

ABC -Etüden – Woche 8 & 9 – Etüde 2 : Sieben Minuten

Der Frühling naht und mit ihm die Zeit der Aktivitäten im Freien. Und schon war sie da, die Inspiration für die zweite Etüde zur aktuellen Schreibeinladung auf Christianes Blog. Die Wörter Strickjacke, trügerisch und entdecken wurden von wortgeflumselkritzelkram gespendet – die Illustration stammt von Christiane:

♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦

Sieben Minuten

Marlene hatte lange mit sich gerungen. Einmischen oder nicht – einerseits war sie der Meinung, dass Kinder ihre eigenen Erfahrungen machen sollten, auch wenn sie dabei auf die Nase fielen – aber andererseits…

Trügerische Glücksmomente: Dass Alex für Lucy seine liebste Freizeitbeschäftigung hintanstellen wollte, würde den beiden irgendwann garantiert auf die Füße fallen.

Rede ich nun mit ihm oder nicht? Seit ihrer Teestunde im Advent hatte sie Für und Wider gegeneinander aufgerechnet und das Gespräch vor sich her geschoben. Doch der Winter neigte sich dem Ende zu, und bis zur Motorradsaison würde es nicht mehr lange dauern, davon kündeten die ersten warmen Tage mit Temperaturen im zweistelligen Bereich.

Heute war so ein Tag – die Einladung zum Draußensitzen. Der Februar war noch nicht vorbei, und im Freien reichte schon ein T-Shirt. Schade, dass Manfred und Lucy an diesem Samstag in der Spedition nichts davon hatten. Trotz der ungewöhnlich hohen Temperaturen verzichtete Marlene nur ungern auf ihre Strickjacke – sie wusste nicht, ob sie ihr Frösteln dem kühlen Wind verdankte, wenn sich Wolken vor die Sonne schoben, oder eher doch der Aufregung, bei der sie sich fragte, woher diese kam.

Stell dich nicht so an – wir sind hier schließlich nicht beim Vorstellungsgespräch bei der Deutschen Bank, und außerdem erwartest du ja keinen Unbekannten…

Am besten ließ Marlene den Tee einfach zwei Minuten länger ziehen, in der Hoffnung, dass seine beruhigende Wirkung zu einer entspannten Atmosphäre beitrug, auch wenn sie damit über den allgemeinen Empfehlungen für die optimale Zubereitungszeit lag. Aber zu entdecken, dass sich die Sieben-Minuten-Regel vom Pils auch auf ihren Lieblingstee übertragen ließ, war für sie einer Offenbarung gleichgekommen.

Jetzt musste sie nur noch den richtigen Einstieg in das Gespräch unter vier Augen finden.

♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦

285 Wörter reichen nur für eine Momentaufnahme, die für sich alleine stehend, rätselhaft wirken mag – für etwas mehr Klarheit könnte die Teestunde im Rahmen des Projekts #writing friday sorgen („Verzicht als Gradmesser, wie groß seine Liebe zu ihr wirklich war? Zahlt sich selten aus – das wusste sie aus Erfahrung“): Während ihrer Teestunde im Advent kommt Marlene Röder zu dem Entschluss, mit dem Freund ihrer Tochter ein Gespräch zu führen, weil sie sich fragt, ob dieser nicht irgendwann die Idee, seine Freizeitbeschäftigung zugunsten gemeinsamer Zeit mit Lucy einzuschränken, bitter bereuen wird.

Deshalb heißt es: Fortsetzung folgt. Die Frage ist nur: wann…

ABC -Etüden – Woche 8 & 9 – Etüde 1 : Der Lenz ist nah

Der Frühling naht. Das kommt mir wie gerufen zur aktuellen Schreibeinladung auf Christianes Blogdie von wortgeflumselkritzelkram gespendeten Wörter Strickjacke, trügerisch und entdecken haben mich zu einer Kurzetüde mit 25 Wörtern inspiriert.

♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦

Der Lenz ist nah

Der Frühling naht – das konnte ich beim Blick in den Garten entdecken. Wohl dem, der eine Strickjacke hat, denn noch ist das Wetter trügerisch.

♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦

In der Kürze liegt die Würze, doch die nächsten werden wieder länger.

ABC -Etüden – Woche 6 & 7 – Etüde 5 : Watermelon Sugar

Jetzt wird’s wild. Den Rekord vom Vormonat werde ich wohl nicht mehr toppen, trotzdem habe ich noch eine fünfte Etüde in petto – mit den von wortman gespendeten Wörtern blockieren, Affe und neu

… eingebaut in eine Kurzgeschichte mit 265 Wörtern – die hübsche Illustration stammt wie immer von Christiane.

♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦

Watermelon Sugar

Ausgerechnet Charlotte!

Lucy verstand die Welt nicht mehr. Babysitter für eine Dreizehnjährige sollte sie spielen und sie zum Konzert begleiten! Dabei hatte sie sich so auf diesen Samstag gefreut, doch nun blockierte – nein, torpedierte – dieses Gör, das alle paar Monate einen neuen „Crush“ hatte, ihr schon lange geplantes romantisches Wochenende mit Alex.

Jetzt hatte sich Charly, wie sie sich nannte, unsterblich in Harry Styles verguckt und von ihren Eltern zu Weihnachten Konzertkarten geschenkt bekommen. Was hatten die wohl gekostet? Obwohl – geschenkt war noch zu teuer bei diesem langhaarigen Affen, aber wenigstens war Charlys Justin-Bieber-Phase vorbei, sonst hätten sie sich womöglich noch stundenlang bei eisigen Temperaturen in der Schlange anstellen oder gar dort nachts campieren müssen. Zum Glück war es warm, da fiele das Warten vor der Halle nur halb so ätzend aus. Trotzdem: Für Lucy war dieses Weichspülergedudel keine Musik. Ihr reichten die Bilder von kreischenden Mädchen auf seinen Konzerten – selbst Affen waren zivilisierter, um bei dem Bild zu bleiben.

In der Halle konnte es Charly kaum noch erwarten, ganz weit nach vorne zu kommen. Lucy blieb lieber an dem zum Treffpunkt erklärten Getränkestand stehen. Falls wir einander im Getümmel verlieren, hatte sie Charly erklärt, aber etwas ganz anderes gedacht, denn die Frage war nicht falls, sondern wann.

Hier waren Sicht und Akustik besser, und was die Getränke anging, so saß sie hier direkt an der Quelle. Zwei Fliegen mit einer Klappe. Außerdem wurde außer den obligatorischen Brezeln auch Wassermelone angeboten. Vielleicht war der Abend ja doch kein Totalausfall.

Während der nächsten zwei Stunden sollte Lucy noch so manche Überraschung erleben.

♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦

Weichspülergedudel würde ich diese Musik zwar nicht nennen, und vom Verhalten der Fans auch auch nicht auf den Künstler schließen – trotzdem ist Charlottes Crush nicht meiner. Und der einzige aus unserer Familie, der mal jemanden zu einem Konzert begleiten musste, war mein Mann – als Begleitung zu Rock am Ring, und als Babysitter bei einem Green-Day-Konzert.

ABC -Etüden – Woche 6 & 7 – Etüde 4 : vor dem Brexit

Etüde Nummer vier mit den von wortman gespendeten Wörtern blockieren, Affe und neu beschäftigt sich zur Abwechslung mal mit wirklichen Affen und nicht nur mit sprichwörtlichen…

… eingebaut in eine für sich alleine stehende Kurzgeschichte mit einer Punktlandung von exakt 300 Wörter (ohne die Überschrift) – die hübsche Illustration stammt wie immer von Christiane.

♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦

Vor dem Brexit

Die ganze Nacht waren sie durchgefahren, nun standen sie am Strand und kamen gerade noch rechtzeitig zum Sonnenaufgang. „Der Felsen von Gibraltar – Heimat unzähliger Affen“ las Marc vom Display seines neuen Smartphones ab, während Suzanne ihr Badetuch im Sand ausrollte. Kurz darauf stießen sie mit einem Glas Rioja auf den vor ihnen liegenden Tag in der britischen Exklave auf spanischem Boden an.

„Besuchen Sie Gibraltar, so lange es für EU-Bürger ohne Pass oder Visum noch geht“ – damit kamen sie den Spekulationen im Freundes- und Familienkreis darüber, was nach dem Brexit noch ging, geschickt zuvor. Weniger geschickt war das zweite Glas Rioja gewesen – mit ihrer beider Fahrtüchtigkeit war es nicht mehr weit her, aber wenigstens hatte der Alkohol ihr Urteilsvermögen noch nicht vollständig blockiert. Ein Spaziergang zur Seilbahn und dann damit hinauf auf den berühmten Affenfelsen war jetzt genau das Richtige.

Hui, wie das schaukelte. Kam’s von der schwankenden Kabine oder vom Rioja? Egal – froh, endlich oben angekommen zu sein, war Suzanne von dem Ausblick überwältigt. Freie Sicht bis nach Afrika – der Gedanke, ein Foto davon zu schießen, war zwar verlockend, trotzdem ließ sie das besser bleiben; denn so drollig die Berberäffchen auch sein mochten, fand sie doch, dass die Smartphones besser bei ihr und Marc aufgehoben waren als im Warenlager der diebischen Tierchen.

Schon bald waren sie umringt von den pelzigen Gesellen. Nicht füttern, hatte Marc seiner Freundin eingeschärft, und so hatten sie darauf verzichtet, irgendwelche Snacks mit nach oben zu nehmen. Gut, dass sie ihre Telefone sicher verstaut hatten, atmete Suzanne angesichts der Belagerung hörbar auf, als sie plötzlich wie durch einen Nebel ein verräterisches Klimpern wahrnahm. „Die Schlüssel! Verdammter Mist!“ Marcs entsetzter Schrei ließ sie mit einem Schlag nüchtern werden.

Noch nie war ihnen der Weg zurück zum Auto so lang vorgekommen.

♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦

Den Tipp, Smartphone oder Kamera nicht zu benutzen, wenn mir beide wichtig sind, und den darin auftauchenden Satz vom Warenlager mit gestohlenen Handys habe ich irgendwo im Internet gelesen, weiß aber nicht mehr wo. Aus diesem Grund habe ich selbst darauf auch verzichtet, Bilder von meiner Schiffsfahrten entlang der Niagarafälle oder auf dem Sankt-Lorenz-Strom zu schießen: Wäre mein Smartphone nass geworden oder gar über Bord gegangen, hätte ich nicht mehr weiter gewusst.

ABC -Etüden – Woche 6 & 7 – Etüde 3 : von der Muse verlassen

Hoffentlich wird das kein schlechtes Omen. Auf mehreren Hochzeiten gleichzeitig kann niemand tanzen, aber genau so komme ich mir im Moment vor. Egal. ABC-Etüde Nummer drei – den Wörtern blockieren, Affe und neu von wortman entsprungen – ist mir zwischendurch eingefallen und fällt mit 17 Wörtern extrem kurz aus:

♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦

von der Muse verlassen

Wie Affen rasen Gedanken kreuz und quer, neue Ideen folgen, blockieren sich gegenseitig und den Flow: Schreibhemmung.

♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦

Die hübsche Illustration stammt wie immer von Christiane.