ABC -Etüden – Woche 3 & 4 – Etüde 6 : Zwischenfall im Frachtraum

Das Ende des Etüdenregen mit meiner Wortspende aus den Wörtern Lautsprecher, orange und erschüttern zu Christianes ABC-Etüden ist erreicht, und es schließt an eine Etüde an, mit der das Unheil seinen Anfang und seinen Lauf genommen hat: Aurora Australis – Ordnung muss sein.

Wie es die dank ihrer Anwesenheit bei verbotenem Sprayen zu 150 Sozialstunden verurteilte Melanie ausgerechnet zum Putzdienst auf die Aurora Australis verschlagen hat, konnte man hier, hier und hier miterleben. Nun lauert das nächste Hindernis auf dem langen Weg nach Hause.

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Zwischenfall im Frachtraum

Ausgerüstet mit meinen Arbeitsutensilien und ziemlich in Eile, bin ich auf dem Weg zum Frachtraum, denn den Weckruf aus dem Lautsprecher in meiner winzigen Schlafkoje habe ich zu spät gehört.

Melanie die Weltraumputze – über den Spitznamen, den mir Marcs Kumpel zu Hause verpasst haben, lachen sie sich wahrscheinlich immer noch scheckig; aber schön, dass sie alle so fröhlich sind, im Jugendknast gibt es für sie nicht viel zu lachen. Dabei sitzen sie kürzer als ich ein! Bestimmt beneidet mich Benny, dieser Blödmann sogar noch um meinen „Job“. Den fände er wenig prickelnd, wenn er sich mit zentimeterdicken Schichten von Zementstaub abplagen oder ausgelaufene Flüssigkeiten wegschrubben müsste, was nahezu ständig vorkommt. Kaum zu glauben, was die Aurora Australis alles transportiert.

Das frage ich mich auch, als ich hinter der nächsten Biegung Stiefelabdrücke sehe. Genervt feudele ich ihrer rotbraunen Spur bis zum Frachtraum hinterher. Leise zischend schließt sich die Tür hinter mir, während ich mich umschaue. Trotz des spärlichen Lichts nehme ich eine Bewegung aus dem Augenwinkel war: etwas oranges, auf halb zwei. Ich will hinterher, komme aber nur bis zum nächsten Gang, dann hebt es mich mit einem lauten Knall von den Füßen. Ein Schlag erschüttert den Frachter, alles dreht sich, und mir wird übel, als ich sehe, wir mir eines der Regale in Zeitlupe entgegen kommt. Mein Leben als Film im Zeitraffer? Fehlanzeige – dafür habe ich einen Blackout vom Allerfeinsten.

Als ich wieder bei Sinnen bin, wartet der nächste Schock: Ich bin nicht allein. Zwar kann ich mich halbwegs frei bewegen, doch ein leeres Regal hat jemanden erwischt, der von den Resten der vorhin noch meterhohen Konstruktion eingeklemmt wurde und nun vor Schmerz stöhnt – ein Typ in einem orangen Gefängnisoverall.

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283 Wörter für die sechste Etüde unter dem Motto „Geschnappte Verbrecher und andere Pechvögel“.

ABC -Etüden – Woche 3 & 4 – Etüde 5 : Spielgeld

Der Etüdenregen mit meiner Wortspende aus den Wörtern Lautsprecher, orange und erschüttern zu Christianes ABC-Etüden geht weiter, und ich mäandere mich vorwärts. Inspirationsquelle für diese ungeplante Etüde war diesmal ein Zeitungsartikel vom 23. Januar über die Tricks der Geldfälscher, die dank Corona immer weniger Erfolg zeigen.

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Spielgeld

„Harte Zeiten für Geldfälscher. Seit wegen Corona Jahrmärkte und andere Feste ausgefallen sind, schwinden die Gelegenheiten, Falschgeld unters Volk zu bringen“, höre ich eine Stimme aus dem Fernsehlautsprecher. Sie gehört zu einem Herrn Beermann, der als Vorstand der Deutschen Bundesbank das Publikum beeindrucken möchte. „Zwanziger und Fünfziger“, doziert er, mit Zahlen um sich werfend, „36,3 entfallen auf die blauen Scheinchen, 30,9 dagegen auf die braunen…“ und schiebt im selben Atemzug hinterher, dass Kriminelle zunehmend auf kleinere Noten setzen. Dieser Wichtigtuer!

Zu meinem Ärger zeigen sie nun auch noch einen bei einer Razzia gefundenen Zehn-Euro-Schein mit dem Aufdruck „Prop copy“ unter der Seriennumer auf der Rückseite: eine Filmrequisite, die sich ohne den roten Aufdruck auf den ersten Blick von einer echten Banknote kaum unterscheiden ließe, wären die orangen Bereiche auf ihr nicht eine Spur blasser.

Schweinerei! Beiträge wie diese sind daran schuld, wenn nach Jahrzehnten die Leute immer noch völlig legale Blüten mit Falschgeld verwechseln und damit uns in einen Topf mit organisierten Verbrechern werfen. Irgendwie kann ich immer noch nicht fassen, dass sie uns eingebuchtet haben. Ich war erschüttert, als sie unser Haus umstellten und uns per Megaphon aufforderten, mit erhobenen Händen heraus zu kommen und uns getrennt voneinander aufzustellen.

In der Verhandlung kam dann heraus, dass zwei von uns versucht haben, mit dem Spielgeld ihren Kaffee zum Mitnehmen zu bezahlen, in dem Glauben, man würde sie wegen der Gesichtsmasken nicht erkennen. Dumm nur, dass Leo und Harry nicht daran gedacht haben, dass ausgerechnet ihr Schmuck sie verraten sollte: bei dem einen war es ein klobiger Ring mit einem Stein aus Onyx, bei dem anderen das auffällige Pythontattoo am linken Unterarm und das Augenbrauenpiercing. Aber wartet nur, bis ich in drei Jahren wieder frei bin. Meine Rache wird fürchterlich sein.

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292 Wörter für die fünfte Etüde unter dem Motto „Geschnappte Verbrecher und andere Pechvögel“.

ABC -Etüden – Woche 3 & 4 – Etüde 4 : Böses Erwachen

Die Wortspende zu Christianes ABC-Etüden stammt diesmal von mir und setzt sich zusammen aus Lautsprecher, orange und erschüttern. So langsam nähere ich mich der eigentlichen Geschichte, in die ich diese Wörter einbauen wollte, denn geplant ist ein größeres Projekt, für das ich am Zusammenstellen von Material bin. Es kann daher gut sein, dass ich in den nächsten Tagen noch eine Etüde schreibe.

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Böses Erwachen

Orange brachten die letzten Sonnenstrahlen das weitläufige Areal zum Glühen, doch in Gina sah es finster aus. Noch benommen von dem Aufprall am Fuße der Felsen, der das Höllengefährt mitsamt seiner beiden Passagiere erschüttert hatte, musste sie sich zum Verhör führen lassen, getrennt von ihrem Mann. Innerlich ohrfeigte sie sich für diese Schnapsidee.

Die Fahrt mit dem raketenangetriebenen Schlitten in der Wüste Nevadas hatte sie sich als Krönung ihrer Spontanhochzeit in der kitschigen Wedding Chapel vorgestellt – statt dessen warteten nun jede Menge unbequeme Fragen auf sie und Steve, einzeln voneinander und jeder für sich. Alles zog sich in ihr zusammen, und das ohrenbetäubende Blöken der metallisch schnarrenden, verzerrt klingenden Stimme aus den vielen Lautsprechern in der Armeebasis machte es nicht besser. Denken war dabei unmöglich. Auch eine Methode, Eindringlinge und nichteingeladenen Besuch mürbe zu machen.

Die stundenlangen Befragungen ließen sie jedes Zeitgefühl verlieren, und das Eingesperrtsein in der kleinen Zelle verstärkte diesen Effekt noch. An Schlaf war kaum zu denken, und als sie Steve endlich wiedersah, fühlte sie sich um Jahre gealtert. Nicht viel Zeit blieb ihnen jetzt noch, um sich angemessen voneinander zu verabschieden.

Nicht, nachdem die beiden Delinquenten ihr Geständnis unterschrieben hatten, denn für ihren Aufenthalt in einem militärischen Sperrgebiet und den illegalen Erwerb von gestohlenem Raketentreibstoff sah das Protokoll die sofortige Überführung in den Strafvollzug vor.

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220 Wörter für die vierte Etüde unter dem Motto „Geschnappte Verbrecher und andere Pechvögel“, im Rahmen eines größeren Projekts.

ABC -Etüden – Woche 3 & 4 – Etüde 3 : Aufgegabelt – Etüde mit Triggerwarnung

Wie viel man aus meiner Wortspende zu Christianes ABC-Etüden (Lautsprecher, orange und erschüttern) machen kann, war mir gar nicht bewusst, als ich sie eingereicht habe.

Die Idee stammt aus meinem reichhaltigen Fundus persönlicher Erinnerungen und behandelt ein eher nicht so erfreuliches Thema und geht mit einer Triggerwarnung einher: Wer mit Beschreibungen von Verkehrsunfällen ein Problem hat, sollte diese Etüde lieber nicht lesen.

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Aufgegabelt

Ein sonniger Tag im August – schade nur, dass die Sommerferien vorbei sind – und ich radele nach Hause. Vor Freude auf das Mittagessen, das Mama täglich für meine Schwester und mich kocht, nähere ich mich der Kreuzung, an der ich nach links abbiegen muss. Da vorne wird es kniffelig: Nur ein paar Zentimeter zu weit rechts oder links, und man gerät mit dem Vorderreifen in die Straßenbahnschienen. So ein Mädchenfahrrad ist schließlich kein BMX-Rad, mit dem man über Stock und Stein… Der Rest meiner Gedanken verschwindet im Dunkel, als mich ein dumpfer Schlag von hinten erschüttert.

Als ich schließlich wieder zu mir komme, nehme ich zunächst nur die Dreizehn-Uhr-Nachrichten aus den vorderen Lautsprechern wahr, während mich Sanitäter aus dem Auto auf eine auf dem Bürgersteig ausgebreitete Decke heben. Derweil läuft die Fahrerin, die mich „auf die Hörner genommen“ hat, aufgelöst herum und stammelt „mein Auto, mein Auto“, doch ich kann nur daran denken, dass es ein Uhr mittags ist und meine Mama mit dem Essen auf mich wartet.

„Ich geh‘ dann mal. Ist ja nicht weit“, sage ich und versuche mich aufzurichten. Dass es in Wirklichkeit 750 Meter bis nach Hause sind, verdränge ich in dem Moment, und ein Sanitäter kann mich gerade noch aufhalten, bevor sie mich in den Rettungswagen schaffen.

Später werden sie sich fragen, wie mich die Fahrerin in meinem türkisen T-Shirt und gelb-orange gestreiften Shorts übersehen konnte und warum sie während der 250 Meter langen Strecke nicht gebremst hat. Schließlich war es ein sonniger Tag im August.

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Damit komme ich auf 253 Wörter, die ich um ein Nachwort ergänze. Auch wenn ich niemandem eine solche Nacht auf der Intensiv- und zwei Wochen auf der Kinderstation, mit wochenlangem Schleudertrauma danach wünsche – den Unfall habe ich ohne bleibende Langzeitschäden überstanden, und ich war damals meinen Eltern dafür dankbar, dass sie mich danach nicht in Watte gepackt und mir das Fahrradfahren verwehrt haben.

ABC -Etüden – Woche 3 & 4 – Etüde 2 : Hausarrest

Die Wortspende zu Christianes ABC-Etüden stammt diesmal von mir und setzt sich zusammen aus Lautsprecher, orange und erschüttern. Die eigentliche Geschichte, in die ich diese Wörter einbauen wollte, muss noch etwas warten – daraus folgt, dass es bei nur einer Etüde in diesen beiden Wochen nicht bleiben wird, denn dazu sind es dann doch zu viele Ideen, von denen ich keine Ahnung habe, wo sie auf einmal hergekommen sind.

Kommen wir nun zu einer Begebenheit, die sich in unserem Haushalt vor einigen Jahren tatsächlich so zugetragen hat – 258 Wörter sollten genügen, um das Absurde daran zu verdeutlichen.

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Hausarrest

Du kommst hier nicht rein. Fassungslos stand die nette Dame des Pflegedienstes, die uns allmorgendlich besuchte, vor unserem Haus und bekam die Tür nicht auf, weil über Nacht die Schließanlage kaputtgegangen war. Obwohl es mir nicht gefiel, zu Hause zu bleiben und einen Handwerker zu organisieren, versuchte ich, mich davon nicht erschüttern zu lassen.

Zu meinem Glück hatte nicht nur mein Chef Verständnis für meine Misere, sondern ich fand auch noch einen Betrieb, der mich nicht auf später vertröstete, sondern mir noch gegen Mittag jemanden vorbeischicken würde. Nach dieser guten Nachricht ließ ich mir erste einmal einen extrastarken Kaffee aus meiner orangen Lieblingstasse schmecken und beschloss, mir die Wartezeit mit einer DVD zu versüßen. In dieser Hinsicht brauchte sich unsere Stadtbücherei nicht hinter diversen Streamingdiensten zu verstecken, denn ihr Film- und Serienangebot konnte sich durchaus sehen lassen.

„The animals, the animals…“

Mittlerweile konnte ich die aus dem Lautsprecher dudelnde Erkennungsmelodie von „Orange is the new black“ auswendig, doch es brauchte noch drei weitere Folgen dieser Staffel, bis ich das Groteske meiner Lage erkannte: gefangen im eigenen Haus, über die Mattscheibe flimmert eine Serie über ein amerikanisches Frauengefängnis, und dazu schwarzer Kaffee aus einer orangen Tasse… war noch mehr Ironie möglich? Oder sollte das dicke Ende erst noch kommen?

Langer Rede kurzer Sinn: Der nette Herr mit dem Werkzeugkasten musste noch zweimal vorbeikommen, aber alles in allem kam uns dieser Besuch weniger teuer zu stehen als eine komplett neue Tür, und nun sind wir besser gesichert als Fort Knox, auch wenn es bei mir nichts zu holen gibt.

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Inzwischen ist „Orange is the new black“ bei mir Geschichte, und auch besagte Tasse gibt es nicht mehr. Was es aber noch gibt: eine oder zwei weitere Etüden, wenn es mit der Inspiration so weiterläuft.

ABC -Etüden – Woche 3 & 4 – Etüde 1 : nicht ganz korrektes Haiku (aus aktuellem Anlass)

Als mich Christiane fragte, ob ich mich als Wortspenderin an den ABC-Etüden beteiligen möchte, hatte ich nicht nur eine ganz andere Geschichte im Kopf, sondern auch nicht damit gerechnet, so bald an der Reihe zu sein mit meinen Wörtern

Lautsprecher — orange — erschüttern

die mich aus aktuellem Anlass zu einer Textform inspiriert haben, die ich nur selten verwende: ein Gedicht, in diesem Fall ein Haiku. Traditionell besteht diese japanische Lyrikform aus drei Zeilen und insgesamt 17 Silben, nach einem bestimmten Schema.

Ausufernde Beschreibungen haben da keinen Platz, also musste ich abstrahieren; nicht ganz korrekt mag so manch eine/r den Inhalt finden – tatsächlich habe ich in erster Linie dabei an die Aufteilung der Silben (5-6-6 anstatt 7-5-7) gedacht.

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nicht ganz korrektes Haiku

Schreihals in orange

hetzt auf per Lautsprecher.

Die Welt wird erschüttert.

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Mit dieser Momentaufnahme eines Ereignisses, das mich neulich fassungslos vor dem Fernseher zurückgelassen hat, konnte ich meinen bisherigen Rekord in Bezug auf die Kürze diesmal sogar noch unterbieten, und bei elf Wörtern muss ich auch keines der gespendeten Wörter extra hervorheben.

ABC -Etüden – Woche 1 & 2 : Kurz & Knackig – Etüde 02

Die ersten ABC-Etüden auf Christianes Blog in diesem Jahr sind diesmal für mich nicht nur kreativitätsfördernd, sondern mit den von Ludwig Zeidler gespendeten drei Wörtern Zetermordio — weichmütig — backen eine echte Herausforderung, zu der mir auf halber Strecke noch eine zweite eingefallen ist, mit der ich alle meine bisher erschienenen Etüden unterbiete…

… denn mit 33 Wörtern ist sie wahrscheinlich meine bisher kürzeste.

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Kurz & knackig

Samstagnachmittags, wenn sie bei Enie wieder backen, bleibt mein Glotzophon aus, denn ich bin momentan zu weichmütig, um das Programm auf den ganzen Zetermordio-Sendern zu ertragen. Dann doch lieber einen Roman mit Happy-End.

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Die Sendung „Das Große Backen“ mit Enie van de Mejklokjes läuft samstags auf sixx, ein Sender, den ich sehr oft einschalte, im Gegensatz zu den von einer ehemaligen Kollegin als „Krawallsender“ bezeichneten Privatkanälen.

ABC -Etüden – Woche 1 & 2 : Mitgefangen, mitgehangen – Etüde 01

Hui, fängt das neue Jahr schon mal gut an – es geht wieder los mit den ABC-Etüden auf Christianes Blog, einem kreativitätsfördernden Langzeitprojekt, bei dem alle Mitschreibenden aus maximal 300 Wörtern einen Text entwickeln, in dem je ein vorgegebenes bzw. gespendetes Substantiv, Adjektiv und Verb auftauchen sollen. Da mir das unglaublich viel Spaß macht, bin ich auch dieses Jahr wieder regelmäßig mit dabei, denn manche Wörter sind für mich eine echte Herausforderung, so wie die für diese Ausgabe von Ludwig Zeidler gespendeten drei Wörter

Zetermordio — weichmütig — backen

Vielleicht inspiriert mich ja diese hübsche, von Christiane gestaltete Illustration:

Die hübschen Vögelchen deuten jedenfalls eine Richtung an, die ich nicht einschlage – jedenfalls heute nicht:

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Mitgefangen, mitgehangen

„Und ich muss wirklich nur die Augen offen halten?“

„Logisch“, versicherte mir Marc genervt, „und notfalls nehmen wir die Beine in die Hand und laufen. Darauf kannst Du Dir ein Ei backen.“

Nun verdrehte ich die Augen. Abhauen? Na toll! Was musste er darauf anspielen, dass ich nicht umsonst im Staffellaufteam unserer Schule war und nach Bennys Pfeife tanzen! Anstatt mich zur Airbase mitzuschleppen, hätte er den Jungs besser absagen sollen. Benny war schon schlimm, aber Lukes Vorschlag, mich bei ihrer geheimen Aktion Schmiere stehen zu lassen, war echt die Höhe. Und dann erst sein Klaps auf meinen Hintern!

„Und jetzt verzieh Dich, Kleine“.

Kleine? Na wartet, dachte ich. Das Gelächter der anderen dröhnte in meinen Ohren. Das würde ihnen noch leid tun. Wütend ging ich zur letzten Kurve zurück. Von da hatte ich den idealen Überblick übers Feld und würde rechtzeitig sehen, wenn jemand näherkam. Noch war alles ruhig, und die Straße lag in absoluter Dunkelheit, doch das konnte sich jeden Moment ändern, und dann musste es schnell gehen, sonst gäbe es Zetermordio.

Die Lichter des rasch herannahenden Streifenwagens flackerten. Mein Einsatz und das Signal zum Abhauen waren jetzt gefragt. Schmiert es euch in die Haare, schnaubte ich, obwohl mir Marc doch irgendwie leid tat. Elektrisiert sprang ich auf, das Jaulen der Sirene in meinen Ohren. Sprinten konnte ich. Zu meiner Genugtuung ließ ich die anderen schnell hinter mir. Jedenfalls dachte ich das – bis mich eine Wurzel zu Fall brachte und ich nicht mehr auf die Beine kam.

Alles Leugnen war vergebens. Sie verfrachteten uns in den Streifenwagen und ich konnte nur noch hoffen, dass der für uns zuständige Richter weichmütig war und uns beide glimpflich davonkommen lassen würde.

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284 Wörter sollten im Prinzip als Fingerübung zum Reinkommen genügen – solch kurze Häppchen würden sich auch vorzüglich als Zwischenkapitel für umfangreichere Bücher eignen; mal sehen, was sich daraus noch so alles entwickelt.

09.12. – Jedes Jahr das Gleiche | Adventüden – Nr. 11

Jeden zweiten Sonntag gibt es auf dem Blog von Christiane drei neue Wörter, aus denen wir uns einen Text mit maximal 300 Wörten einfallen lassen konnten – die ABC-Etüden.

Da ich dort schon sehr oft mitgeschrieben habe, wollte ich auch etwas zu den adventlichen ABC-Etüden, den Adventüden, beitragen. Meine Gedanken füllen heute das elfte Türchen – ich bin schon sehr gespannt auf die anderen, die bis kurz vor Weihnachten noch folgen. Und: Tusch! Damit habe ich meinen 1500. Beitrag auf meinem Blog veröffentlicht.

Irgendwas ist immer

Lebkuchen im August, Wichteln bei der Firmenweihnachtsfeier … och nö! Und dann das Gedudel im Radio: »Last Christmas« – der Minnesang der Neuzeit? Warum keine Christmas Carols wie bei den Sternsingern? Statt dessen die tot gedudelten Evergreens aus Amerika mit Kaminabenden oder einer Schlittenfahrt mit Glöckchengebimmel durch ein Winterwunderland.

In den Bergen muss die weiße Pracht ein Traum sein, aber hier? Bis sieben Uhr morgens darf ich diese graue Pest weggeräumt haben. Zu hülf! Dann habe ich halt das Etikett »Weihnachtsmuffel«, aber das war nicht immer so. Weihnachten daheim gab es Schweinsbraten mit Semmelknödeln, danach sind wir mit Mama und Papa zum Rodeln in den Park, und abends lasen sie uns aus unserem großen Märchenbuch vor.

Jetzt habe ich Halloween lieber: gruselig kostümierte Kinder, Nebelschwaden, ausgehöhlte Kürbisse… und die Kleinen haben ihren Spaß bei der Jagd auf Süßes. So einer Prozession kleiner Gespenster, Hexen oder Vampire gebe ich doch gerne etwas…

Ursprünglichen Post anzeigen 202 weitere Wörter

ABC -Etüden – Wochen 47 & 48 : Geheime Aktion

Aller guten Dinge sind drei. Eine ungeplante Zusatzetüde, die mir heute ganz spontan eingefallen ist, hat dazu geführt. Vor den Adventüden ist dies nun die letzte reguläre Etüde auf Christianes Blog – mit den gespendeten Wörtern Quelle, griesgrämig und stöbern von Ulli Gaus und dem Blog „Café Weltenall

Auf die bin ich schon sehr gespannt. Mit meiner Etüde liefere ich den Hintergrund zu „Aurora Australis – Ordnung muss sein“ (Etüde der Wochen 39 & 40) und wie es zu dem Urteil „einhundertfünfzig Sozialstunden“ kam.

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Geheime Aktion

Die Airbase lag scheinbar verlassen da, aus der Ferne schlug eine Turmuhr elfmal. In Bennys Rucksack klapperten die Spraydosen – Spezialfarben, die es nicht überall gab und deshalb nicht billig gewesen waren. Aber so war das eben mit besonderen Quellen für besondere Waren.

Nervös zog Benny an seiner Kippe. Jetzt konnte es nicht mehr lange dauern, bis die anderen eintrafen; und tatsächlich – Minuten später war die Truppe komplett, bis auf… Marc. Außer Atem und mit Verspätung tauchte er aus dem Dunkel auf, und dann auch noch mit seiner kleinen Schwester im Schlepptau.

So ein Mist, fluchte Benny griesgrämig, so hatten sie das aber nicht abgesprochen. Keine Außenstehenden, hatte er seinen Jungs eingeschärft, und nun kam Marc mit Mellie an. Es war Benny völlig wumpe, was Marc jetzt schon wieder für eine Ausrede hatte. Aber den schönen Plan jetzt einfach fallenzulassen, kam auch nicht in die Tüte.

Der Vorschlag, die Kleine Schmiere stehen zu lassen, kam von Luke. Benny war skeptisch: Wenn man herausfand, wo sie heute Nacht zuschlagen und man sie vor Ort aufstöbern würde, dann war’s das. Dann war Laufen angesagt, aber da sie laut Marc eine der besten Sprinterinnen der Schule war…

Meinetwegen, dachte er, hoffen wir mal, dass man uns nicht schnappt, und schnitt ein Loch in den Zaun. Die verwaisten Baracken in tristem Grau bildeten die perfekte Leinwand für sein Statement in Überlebensgröße.

Er hatte das Wort „Mörder“ noch nicht beendet, da hörte er schon die Sirene. Hilflos musste er mit ansehen, wie seine Jungs in alle Richtungen auseinander stoben, wie ein Mopsrudel, in dessen Mitte ein Böller hochgegangen war, nur um doch noch einkassiert zu werden.

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272 Wörter – nicht immer muss es ein ganzer Roman sein. Ein Prequel tut es manchmal auch, und jetzt habe ich endlich einen Namen für meine weibliche Hauptperson.