Blueprint of my lover : Jogginghose #106A aus Burda style 4/2017

Bei der von mamamachtsachen organisierten Veranstaltung „AnNäherung Süd“ haben etwas mehr als 30 Nähbegeisterte die Kleidungsstücke ihrer Träume genäht – vom 27. bis 29. September 2018. Genäht habe ich ein Etuikleid aus Jersey und angefangen eine Jogginghose, Modell 106A aus der Zeitschrift „Burdastyle“ vom April 2017.

 

Jogginghose des Grauens oder Clownshose de Luxe ?

 

Eigentlich war nicht der Schnitt oder die Anleitung der pure Horror, sondern der Stoff, der so ausfärbte, dass ich ständig am Händewaschen war. Nein, ich wurde nicht erkennungsdienstlich behandelt – und gut, dass ich daraus keine Bürokleidung genäht habe, denn das wäre ein ziemlicher Flop geworden.

Den Stoff habe ich schon seit Jahren, seit ich ihn bei einem Werksverkauf bei Mark Aurel in Verl gekauft habe. Seitdem lag er und lag, und ich hatte keine Idee, was ich damit anfangen konnte. Als ich das Jogginghosenmodell sah und mir in den Kopf setzte, dass so eine Hose „in edel“ bestimmt eine grandiose Bereicherung für meine Garderobe wäre, entschloss ich mich, den leicht elastischen, blauen Satin mit eingewebtem Rautenmuster dafür zu verwenden. In der Burda ist das schicke Modell nämlich auch aus Satin und wird mit Blazer, Pumps und Bluse kombiniert, soll also bürotauglich sein.



 

Das Nähen der Hose stellte mich vor keine größeren Schwierigkeiten, auch nicht das Einnähen der Reißverschlüsse an den Hosentaschen – lediglich das Einziehen des Gummibandes und das Einschlagen der Ösen war ein ziemliches, teilweise nerviges Gefummel. Da kann man eine noch so leise Maschine haben – und dann ist es mit der Ruhe vorbei, wenn der Hammer zum Einsatz kommt. Insgesamt habe ich nach meiner Rückkehr aus Würzburg noch einmal vier Stunden gebraucht, bis dieses Werk meiner stagnierenden Schneiderkunst fertig wurde.

Dem Ausfärben wollte ich durch Waschen mit Hilfe von Farbfangtüchern entgegenwirken und habe es damit leider übertrieben. Nicht umsonst soll man nur ein Tuch pro Wäsche verwenden und nicht zwei, so wie ich es getan habe. Als Ergebnis habe ich eine Hose bekommen, deren Stoff seinen Glanz und sehr viel Farbe verloren hat, so dass sie jetzt nur noch für zu Hause taugt, weil sie extrem ausgeblichen ist, wie man auf dem Beitragsfoto ganz oben sieht.



 

Außerdem ist der Stoff minimal eingelaufen, so dass mir die Hosenbeine zu kurz vorkommen. Fazit: mit dem Modell und wie es zu Nähen ist, bin ich zufrieden – meine auf diese Weise entstandene Hose betrachte ich als Probemodell, das ich in der Freizeit trage, weil es abgesehen von diesen beiden Schönheitsfehlern dennoch tragbar ist. Auch wenn die Ösen mit der durchgezogenen Kordel nun bei mir auf der Innenseite des Bündchens sitzen und nicht, wie auf dem Foto in der Burda, außen und gut sichtbar für andere.

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Me Made Mittwoch : Oktober 2018 – wenn der Sommer vorbei ist …

 

und der Löwenzahn verblüht – dann gibt es Pusteblumen. Weiße Pusteblumen auf grünem Grund. Dieser einseitig bedruckten Jersey, den ich mir im Sommer in Flensburg gekauft habe, wanderte mit mir zusammen nach Würzburg zur AnNäherung Süd (organisiert von mamamachtsachen.de), um von mir in ein Kleid verwandelt zu werden. Hier ist das Ergebnis in bescheidener Aufnahmequalität, weil es schon spät war und die Fotografin nur gestern Abend verfügbar war:

 

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Vorlage war das Etuikleid Nr. 113 aus der Burda style 10/2018, das zwei Brustabnäher, Abnäher an den Ärmeln, am Rücken und an der hinteren Rockbahn hat; außerdem schräg verlaufende Falten am Hals und an der vorderen Rockbahn.

 

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Bis auf einen einzigen Halsbeleg werden Teile zur Abwechslung mal nicht im Stoffbruch zugeschnitten – die vordere Rockbahn und das vordere Oberteil werden nur einmal benötigt. Daher hält sich der Stoffverbrauch auch stark in Grenzen, weil der Stoff ja nur für die Ärmel, das hintere Oberteil, die Halsbelege und die hinteren Rockteile doppelt gelegt werden muss. Leider habe ich das nicht beachtet und zwei zusätzliche Teile, die ich nicht benötige, wieder mit nach Hause genommen.

 

Vielleicht wird ja noch ein Shirt draus. Egal. Viel spannender finde ich die Frage, wer alles noch beim memademittwoch dabei ist. Das letzte Mal war ich Anfang des Jahres hier, seitdem ist viel Zeit vergangen. Hier geht’s lang zur Galerie. Ich freu‘ mich drauf.

 

 

Meine dritte AnNäherung Süd in Würzburg

 

Kurze Triggerwarnung – bis auf Johnny Cash spiegeln die vorgeschlagenen Lieder zu jedem Abschnitt dieses denkwürdigen Wochenendes nicht meinen persönlichen Musikgeschmack wider. Ich fand lediglich die Titel so passend. Johnny Cash dagegen höre ich schon sehr gern.


 

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Be creative : travel light : enjoy

Schon zum vierten Mal fand das von mamamachtsachen.de organisierte Nähtreffen mit dem Namen „AnNäherung Süd“ in Würzburg statt (2016 habe ich ausgesetzt, deshalb ist es für mich das dritte Mal) – diesmal vom 27. bis 29. September 2018: Um die 30 Frauen treffen sich zum ungestörten Nähen, bis die Nadel glüht oder der Arzt kommt (bildlich gesprochen) und gegenseitigem Geben von hilfreichen Tips und Hilfestellungen. Einen Arzt haben wir nicht gebraucht, und im Gegensatz zu den Nadeln haben nur die Bügeleisen geglüht.

 


 


 

Bewährt, wie auch schon beim letzten Mal, hat sich für mich die Kombination aus einstündiger Fahrt mit dem ICE und Weitertransport mit dem Taxi zur Jugendherberge, weil ich ohnehin nur das Notwendigste dabei habe: also die Nähmaschine, meinen Trolley, gefüllt mit Material, den zugeschnittenen Stoffen und etwas Kleidung zum Wechseln. Zu den Vor- und Nachteilen des Bahnfahrens komme ich am Schluss. Gefahren bin ich so zeitig, dass ich es locker zum Kaffeetrinken um 15 Uhr geschafft habe. ~~~~ Musiktip : „Leichtes Gepäck“ von Silbermond

 

 

my projects : Etuikleid #113 aus Burda style 10/2018 & Jogginghose #106A aus Burda style 4/2017


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Jede hatte mindestens zwei Projekte dabei – ich jedoch nicht, denn ich brauche meistens deutlich länger als andere, auch wenn das jeweils von mir bevorzugte Modell laut Anleitung relativ flott genäht werden kann. In diesem Fall aber lag der Schwierigkeitsgrad bei drei bis vier Punkten, also eher etwas für Könner oder Fortgeschrittene, aber bestimmt nichts, was schnell von der Hand geht. Angefangen habe ich mit dem Etuikleid, bestehend aus asymmetrischen Teilen, am Freitag nach dem Abendbrot und bin am Samstagnachmittag kurz vor 15 Uhr damit fertig geworden. Den Stoff habe ich im Juni dieses Jahres in Flensburg in einem kleinen Laden gekauft: zwei Meter zartgrüner Jersey mit weißen stilisierten Pusteblumen.

 


 

 

 


 

Mit dieser Menge bin ich gerade so hingekommen, weil ich die Nahtzugaben von 1,50 cm auf 1,0 cm und die Saumzugaben von 4 cm auf 3 cm reduziert habe; sonst hätte ich die Schnitteile, von denen nur eins im Stoffbruch zugeschnitten wird, nicht untergebracht. Jedenfalls war das meine These, die ich dann vor Ort sofort revidiert habe, weil mir beim Zuschneiden doch ein Fehler passiert ist. Der bestand darin, dass ich den Stoff doppelt gelegt hatte – auch unnötigerweise bei den Teilen, die nur einmal zugeschnitten werden müssen. Dadurch hatte ich ein vorderes Oberteil und eine vordere Rockbahn doppelt, was mir noch nie passiert ist; und am Ende habe ich diese beiden Reserveteile nicht gebraucht, denn beim Nähen ist alles glattgegangen. Sämtliche Falten laufen bei mir übrigens in dieselbe Richtung, und nicht, wie auf dem Schnittbogen eingezeichnet, beim Oberteil voneinander weg. Die meiste Zeit hat übrigens nicht das Nähen beansprucht, sondern das akkurate Abstecken der acht Abnäher (2 an der hinteren Rockbahn, 4 am Oberteil und 2 an den Ärmeln) und die insgesamt vier Falten am Oberteil und der vorderen Rockbahn. Nichts sieht nämlich bescheidener aus, als Fäden, die vom Vorderteil herabhängen oder daraus hervorschauen; also ziehe ich sie von Hand auf die Rückseite, und das bedeutet Einfädeln in ein viel zu kleines Öhr. Queen of Einfädling werde ich in diesem Leben wohl nicht mehr. ~~~~ Musiktip – link zu youtube : „40 shades of green“ von Johnny Cash

Bevor es mit der Hose weiterging, brauchte ich dringend eine längere Pause im Freien. Mitkommen wollte niemand, und so zog ich alleine los, um den sonnigen Nachmittag bei einer Kugel Erdnußeis zu genießen, dazu noch ein Spaziergang den Main runter und auf der anderen Seite wieder rauf, während ich meine auf dem Handy gespeicherte musikalische Neuerwerbung von 1992 hörte – da waren die Menschenmassen auf der Alten Mainbrücke fast schon wieder erträglich, auch wenn es einer der Straßenmusiker mit seinem Verstärker ordentlich krachen ließ. Weintrinken auf der Brücke unter Dauerbeschallung möchte ich dann doch lieber nicht, wenn das bedeutet, dass ich mich in eine lange Schlange vor dem Weinlokal einreihen muss. ~~~~ Musiktip : „Frische Luft“ von Wincent Weiss

 


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A propos „Einreihen“: Einreihen musste ich diesmal nichts, aber dafür Heften wie ein Meister, und zwar bei der Jogginghose mit Taschen in Hüfthöhe, die mit Reißverschlüssen geöffnet und verschlossen werden können. Verwendet habe ich aber keinen Sweatshirtstoff, sondern einen dunkelblauen Baumwollsatin mit eingewebtem Rautenmuster, den ich bei der zweiten Bielefelder AnNäherung in Verl gekauft hatte und der ausfärbt wie Sau. Von wegen Blau steht jeder Frau. Meine Hände sahen aus wie nach dem erkennungsdienstlichen Abnehmen der Fingerabdrücke.

Ob ich den gutgemeinten Rat von einer anderen Mitstreiterin, die Hose gar nicht erst anzuziehen, beherzige, weiß ich noch nicht. Falls nochmaliges Waschen unter Einsatz von Farbfangtüchern nicht hilft, dieses Problem aus der Welt zu schaffen, habe ich halt das teuerste Probemodell meines Lebens angefertigt.

Die Hose hatte ich schon für ein anderes Nähtreffen im Februar 2018 vorbereitet und zusammen mit dem restlichen Material (Ösen, Kordel, Gummiband) mit an die Ostsee geschleppt, dann aber dort doch nicht genäht. Nun bekam sie eine zweite Chance, wurde aber wieder nicht fertig, da ich mir für das Heften der Teile, die beim Zusammennähen der Hosenbeine nicht verrutschen sollen, viel Zeit nahm und damit erst kurz vor dem Mittagessen abschließen konnte. ~~~~ Musiktip : „Blueprint of my lover“ von den Rainbirds

 


 


 

this is the end : der gelungene Abschluss

 

Nach dem schnell inhalierten Mittagessen gab es den krönenden Abschluss, bei dem jede das vorführte, was sie in der kurzen Zeit genäht hatte. Das sogenannte Defilée wurde in Themen untergliedert, also zuerst die Kleider, dann die Röcke, dann die Hosen, usw. – ich war so frei, mich in meinem Kleid zu präsentieren und dann die Clownshose des Grauens mit Hilfe eines Handtuchs hochzuhalten, damit sie jeder sehen konnte, ich aber keine blauen Finger bekam. Ich mag zwar Wiederholungen, aber zwanzigmaliges Händewaschen gehört nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen.


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Zu den Kleidungsstücken der anderen, die mir am besten gefielen, gehören eine schwarze Hose mit Bindegürtel nach einem russischen Schnitt, ein Kleid mit Flamingoprint und eine Jacke aus Doubleface (von außen dunkelblau – von innen braun mit Pepitamuster) mit Bindegürtel. Ich habe mit Absicht keine Namen genannt – doch wer sich wiedererkennt, darf sich gerne bei mir melden und „hier“ schreien. ~~~~ Musiktip : „Das Model“ von Kraftwerk

 

Vor- und Nachteile des Bahnfahrens.

 

Für Hin- und Rückreise im ICE habe ich für Fahrkarten der 1. Klasse im Großraumwagen 127,50 Euro bezahlt. Darin enthalten sind die Kosten für die Platzreservierung von 6,90 Euro pro Fahrt. Wenn der Preisunterschied zwischen zweiter und erster Klasse 14 Euro beträgt, lohnt es sich schon, mal über eine Reise in der 1. Klasse nachzudenken. Erstens ist das Plazangebot dort besser, wenn man mehrere kleine Gepäckstücke dabei hat, und zweitens bekommt man Speis und Trank an den Platz gebracht. Wider Erwarten war der Kaffee im Porzellanbecher sogar stark und genießbar.

Natürlich kann es immer passieren, dass bei einem Zug plötzlich die Wagen ganz anders aneinadergereiht werden und man in seinen Wagen von einem anderen Gleisabschnitt aus einsteigen darf, wenn man nicht durch den halben Zug pilgern möchte. Blöd wird’s nur dann, wenn der Zug auch noch von einem anderen Gleis abfährt und der Zustieg in den Wagen trotzdem von einem Abschnitt irgendwo in der Mitte des Gleises erfolgen soll.

Das ist mir auf der Rückreise zum Glück nicht passiert, aber 30 Minuten Verspätung sind trotzdem kein Spaß, genauso wenig wie Sauna to go in der zweiten Klasse und Gefriertruhe in der ersten. Wenigstens wusste ich dann wieder, wieso ich die einzige war, die nur im T-Shirt eingestiegen war, während alle anderen Passagiere sich in warme Jacken gehüllt hatten. Zum Glück hatte ich sie schnell aus dem Trolley gezogen. ~~~~ Musiktip : „Deutsche Bahn“ von den Wise Guys.

 


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Trotz der ein oder anderen kleinen Panne war’s ein schönes Wochenende, und ich bedanke mich ganz herzlich bei der Organisatorin dafür – sowie bei allen anderen, ohne die das Treffen kaum so viel Spaß gemacht hätte.

 

 

12 Colours of handmade fashion – rosa : endlich das passende Kleid zum Schuh

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Rosa ist eine Farbe, die man selten in meinem Kleiderschrank antrifft, sieht man mal von dem ab, was geschah, als mir versehentlich ein roter Waschhandschuh zwischen die 60°C-Wäsche geraten war… kaum zu glauben, dass ich als Teenager mal eine schwarz-rosa Phase hatte. Genug der Vorrede, denn genau um diese Farbe ging es bei tweedandgreet im Monat März.

 

Dank des Tauschtischs auf der AnNäherung Süd in Würzburg gelangte nicht nur ein Burda-Heft, sondern auch eine große Bahn eines bi-elastischen Jerseys in meinen Besitz, der in folgenden Farben geringelt ist: weiß, grau, schwarz, khaki oder oliv? – und rosa. In dem Heft aus dem April 2014 fand ich dannn auch das Kleid, das ich schon lange einmal nähen wollte: ein asymmetrisches Schlauchkleid mit verschieden geformten und in unterschiedlicher Höhe und Weise eingenähten Ärmeln (Modell 112), von dem ich überzeugt war, dass man das unmöglich so anziehen könne; schließlich sind Fotos für mich nicht gerade aussagekräftig, weil doch oft irgendeiner mit irgendwelchen Tricks arbeitet… In irgendeinem Blog hatte ich aber von den Erfahrungen mit diesem Modell gelesen, und diese waren dort ziemlich positiv ausgefallen. Das Kleid auf dem Foto ist aus Cloqué genäht worden, aber warum nicht mal einen anderen elastischen Stoff verwenden.

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Um es kurz zu machen: So, wie die Ärmel in dem Oberteil sitzen, sieht es zwar sehr merkwürdig aus, aber das Kleid trägt sich überraschend gut und sieht gar nicht mal so übel aus – sogar zu meinen Schuhen, die ich meistens zu Hosen trage, passt das Kleid ganz ausgezeichnet, weil sich deren Farbe in einem Teil der Streifen wiederfindet. Nur der große Kragen, den ich nach Belieben immer wieder neu drapieren kann, ist für mich noch etwas gewöhnungsbedürftig. Einzig er wird mit einer französischen Naht geschlossen, was für mich ebenfalls eine Premiere war.

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Die Asymmetirie des Kleides zeigt sich im Schnitt, der im Prinzip aus zwei Teilen besteht: ein einzelnes Teil für die Vorder- und Rückseite, das im Stoffbruch zugeschnitten wird – und ein Ärmel (der wiederum wurde von mir später nochmal „zerlegt“, indem ich die in die Schulterkugel gehörende Rundung abgeschnitten habe – denn der linke Ärmel, der ein ganzes Stück tiefer eingesetzt werden soll, ist am oberen Rand ziemlich gerade und nicht gerundet).

 

Während der rechte Ärmel wie üblich eingsetzt wird, muss man das im Stoffbruch liegende Teil im 90°-Winkel zum Fadenlauf einschneiden und den kürzeren Ärmel in dieses so entstandene Loch der kürzere Ärmel einnähen. Hinzu kommt noch eine Raffung in Hüfthöhe auf der rechten Seite – et voilà: Fertig ist das stylische Nachthemd, äh, Kleid, das ich ohne Gürtel getragen habe – im Gegensatz zu der Dame auf dem Foto.

 

 

 

 

 

 

 

AnNäherung 2017 inWürzburg

 


Bei dem zum dritten Mal stattfindenden von Alexandra organisierten Nähwochenende in Würzburg – AnNäherung Süd genannt – war ich dieses Jahr zum zweiten Mal dabei; letztes Jahr musste ich aus familiären Gründen in letzter Sekunde absagen. Da ich mich aber noch sehr gut an die rar gesäten Parkmöglichkeiten erinnern konnte, bin ich mit dem Zug angereist und konnte deshalb nur wenig Gepäck mitnehmen: Nähmaschine, Handtasche und Rollkoffer, angefüllt mit dem absoluten Minimum (zugeschnittene Teile, Kleidung für zwei Tage und Kulturbeutel) – mehr geht einfach nicht. Was aber völlig in Ordnung ist, wenn man vorhat, nur ein Teil zu nähen und zwischendurch auch noch etwas von der Stadt sehen will.



Beim letzten Mal war ich nämlich fast nur in der Jugendherberge gewesen – das wollte ich diesmal anders haben. Das Tolle an der AnNäherung ist nämlich, dass man unter all den netten Teilnehmerinnen immer Gleichgesinnte findet; in diesem Fall zum Bummeln nach dem Mittagessen am Samstag, weil das schöne Wetter zum einen zu verlockend war und weil ich zum andern unter einer kurzzeitigen Flaute litt. Stolz wie Bolle hatte ich nämlich die Seitennähte meines Kleides in einem Rutsch durchgenäht und mich gefreut, dass ich diesmal am Saum keinen Versatz hatte… um festzustellen, dass ich ja eigentlich noch Taschen einnähen wollte. Fail!

Trotzdem nähte ich erst einmal die Ärmel ein, damit ich am angezogenen Modell die Stelle, an der die Taschen sitzen sollte, besser ermitteln konnte. Wie schnell ist es mir nämlich schon z.B. bei einem Rock passiert, dass ich sie viel zu weit unten in der Seitennaht plaziert hatte. Ein Fehler kommt aber selten allein, und so war der nächste Schuldige ein falsch herum eingesetzter Taschenbeutel, bei dem die Spitze anstatt der Rundung nach unten zeigte. Ja, es stimmt schon: in solchen Momenten ist der Nahttrenner der kleine Held der Stunde. Dieser hatte dann zum dritten und letzten Mal seinen Einsatz, als ich bei den Ärmeln nicht auf die Naht der angenähten Ärmelrüsche geachtet hatte. Die soll im Idealfall auf die Seitennaht treffen; nun aber prangte sie gut sichtbar auf dem Oberarm. Dennoch war ich am Samstagabend nach dem Säumen von Hand mit meinem Kleid so früh fertig, dass ich noch einen Bindegürtel nähte.

The result is:

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Der Rest des Abends war dann nur noch zum Quatschen, Stricken und Weintrinken da, und während am Sonntagmorgen noch fleißig bis zum Mittagessen weitergenäht wurde, ließ ich mir ausgiebig Zeit und trank noch einen Kaffee mehr. Fotosession mit Frau H aus E vor der Jugendherberge inclusive. Genäht habe ich übrigens einen Mix aus zwei Kleidern der burdastyle 2/2014: Vorder- und Rückenteil von Kleid Nr. 113 (wie hier) …

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… die Ärmel von Kleid Nr. 112 (klick the link) – der Gürtel ist eine Zugabe von mir und war von Burda nicht vorgesehen, frei nach dem Motto „was nicht passt, wird passend gemacht“.

Passend gemacht wurde an diesem tollen Wochenende so einiges, und es entstanden viele schöne Kleidungsstücke, angefangen bei Kleidern und Röcken, über Hosen, einem Pyjama und Mänteln bis hin zu einem atemberaubend schönen Abendkleid für eine demnächst anstehende Hochzeit.

Berichte dazu findet ihr hier, bei mamamachtsachen.

Me Made Mittwoch : Mein neues Teil von der AnNäherung Süd.


 

Für alle, die es noch nicht gesehen haben – das Kleid, das ich bei der AnNäherung Süd am vergangenen Wochenende im sonnigen Würzburg genäht habe, war heute mein Outfit des Tages.

 

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Das Foto ist am Sonntagmorgen vor der Jugendherberge aufgenommen und erscheint hier in Ermangelung an vernünftigen Tragefotos von heute. Aber ich schwöre, ich hatte das Kleid heute an – mit einem dünnen, kurzärmeligen Rolli in Schwarz drunter, weil der Halsausschnitt weiter als bei meiner übrigen Kleidung ausfällt.     

Das Modell ist das Kleid Nr. 112 aus der Burda 2/2014    – und meine Füße steckten nicht in roten, sondern in schwarzen Stiefeln: den Stilbruch habe ich meiner Erkältung zu verdanken. Eine letzte Kurzinformation zum Schluß: 68 weitere Nähfreundinnen zeigen ihre Kreationen hier – in der MMM-Galerie.

12 Colours of Handmade Fashion : Blau im Juni – die Zweite!

 

Bei den 12 Colours of Handmade Fashion auf dem Blog von Tweedandgreet gibt es jeden Monat eine neue Farbe zu bewundern. Im Juni war es die Farbe Blau.


 

Blau ist eine Farbe, die man häufig in meinem Kleiderschrank findet – mal als Solist, mal als Teil eines Musters. Nachdem ich wochenlang an der „Origami“-Weste gestrickt hatte, wollte ich endlich wieder einmal etwas nähen und hatte mich für die AnNäherung Süd angemeldet – ein Nähtreffen in der Jugendherberge in Würzburg, das bereits zum dritten Mal stattfand, und zwar vom 13. bis 15. Oktober. Mitgebracht hatte ich einen blauen Stoff (50% Wolle & 50% Leinen), den ich auf dem Mittelaltermarkt beim Hayner Burgfest gekauft hatte. Daraus wurde ein Kleid, das ich für mich bereits zweimal und einmal für meine Schwester genäht habe; und jedes Mal aus einem anderen Stoff:

Modell 1 für mich – aus grauem Möbelstoff,

Modell 2 für meine Schwester – aus grüngrundigem Waxprint,

Modell 3 für mich – aus blauem Baumwollstoff, nach einem Motiv von Stella Jean.

 

 

Modell 4 hat zwar immer noch das bewährte Vorder- und Rückenteil, aber zur Abwechslung mal andere Ärmel bekommen, und zwar kurze, deren Saum von einer glockig fallenden Rüsche geschmückt wird, wie man sie momentan an vielen Kleidungsstücken sieht, und zwar so – im Prinzip unterscheiden sich die Kleider wirklich nur durch die Ärmel, und selbst die sind eine Kurzversion des zuerst von mir genähten Kleides, nur mit einem zusätzlichen Volant dran.


 


 

Weil es draußen in den Morgenstunden doch ein wenig frisch war, habe ich die Origami-Weste drübergezogen und festgestellt, dass sich beide Teile durchaus ergänzen, auch wenn der Eindruck entstehen könnte, dass sich die beiden Blautöne beißen.

 

 

Unsortierte Gedanken : MMM meets AnNäherung

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Schon seit langem ist für mich der Mittwoch etwas besonderes, denn er ist die Chance für mich, Selbstgenähtes einem größeren Kreis zu zeigen, wenn mir danach ist. Manchmal ist es ein Klassiker, der sich für mich schon ausgiebig bewährt hat; manchmal aber auch Brandneues, das ich noch nie getragen habe – je nach Lust und Laune. Schon morgens nach der ersten Tasse Kaffee sitze ich dann vor meinem Laptop und verpasse dem Beitrag, der sich um mein selbstgemachtes Kleidungsstück dreht, den letzten Schliff und fiebere dem Moment entgegen, in dem der Startschuss zum Verlinken auf memademittwoch fällt. Dieser Moment birgt für mich immer wieder eine gewisse Aufregung in sich, und mindestens genauso gespannt wie ich auf das Hochladen meines Beitrags dort, bin ich auf die anderen Beiträge, unter denen ich den ein oder anderen interessanten neuen Blog entdecke. Leider macht es mir die Fülle der Beiträge unmöglich, sie alle zu lesen, geschweige denn zu kommentieren – und das tut mir leid, denn jede/r hat Zeit, Mühe und Liebe investiert und hätte gerne ein wertschätzendes Feedback, freue ich mich doch auch immer über kurze Kommentare, selbst wenn sie auf den ersten Blick nicht immer schmeichelhaft formuliert sind. Aufregend aber ist es allemal, eine Reaktion hervorzukitzeln, das liebe ich so am Bloggen.

Genauso aufregend war für mich, in das Podcast Special 2 zur AnNäherung Bielefeld von nahtzugabe 5cm reinzuhören, das aus dreizehn Einzelinterviews besteht, die Chrissy von Chrissys Nähkästchen während dieses unvergeßlichen Wochendendes mit zwölf Teilnehmerinnen und mir geführt hat. Es ist eine Sache, sich bei einem Interview halbwegs eloquent auszudrücken und dabei mehr oder weniger ruhig und gelassen zu bleiben und wieder eine ganz andere, sich das Ergebnis mit eigenen Ohren anzuhören. Ich kann mich noch gut an eine Situation vor vielen Jahren erinnern, als ich just for fun am Zweiten Weihnachtsfeiertag beim Hessischen Rundfunk angerufen und eine Frage, die der Moderator zu den Feiertagsaktivitäten der hr-Hörer hatte, so zu beantworten, dass einem beim Hören nicht sofort die Füße einschlafen. Meine über den Äther gehende Stimme hörte sich in meinen Ohren an wie Mickymaus auf der Flucht im Hamsterrad – einfach viel zu hoch und schmerzhaft schrill… welcome to the Verona-Feldbusch-Contest.

Deshalb habe ich mich im Gespräch mit Chrissy auch sehr bemüht, langsam und mit tieferer Stimme als sonst zu sprechen und dabei keine störenden Geräusche zu verursachen. An der Kleidung zu nesteln oder mit den Händen durchs Haar zu fahren, wird nämlich sehr wohl vom Mikrofon mit aufgenommen und kann jede Aufnahme verhunzen; zum Glück kann ich sagen, dass mir diese Vermeidungstaktik gelungen ist. Dennoch war es irritierend, festzustellen, wie fremd sich meine Stimme anhört. Als würde nicht ich, sondern eine andere Person antworten, die seltsam abgehackt und emotionsarm spricht, (obwohl die Tonlage okay ist), dabei hatten wir doch scheinbar alle Zeit der Welt, und niemand hetzte mich. Vielleicht war auch schon eine Erkältung im Anflug, denn schon am Freitagabend hatte ich das Gefühl, komplett neben mir zu stehen; dabei hatte ich mich so auf das lange Nähwochenende gefreut… und jetzt fehlte mir jeglicher Antrieb. Trotzdem – auch wenn es vielleicht nicht so rüberkam: Es war ein sehr schönes Wochenende, und das Interview mit Chrissy hat mir großen Spaß gemacht. Vielen Dank für diese außergewöhnlichen Momente.

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# 12 letters of handmade fashion : Januar

Bei der letzten AnNäherung hatte ich mit dem Nähen eines Kleides begonnen, das für den diesjährigen Dressmakers Ball bestimmt ist, aber auch hervorragend in das Projekt „12 letters of handmade fashion“ passen würde: An jedem Monatsersten wird bei den Bloggerinnen, die dieses Projekt ins Leben gerufen haben, ein Buchstabe ausgelost, zu dem diejenigen, die daran teilnehmen möchten, bis zum 27. desselben Monats etwas Selbstgemachtes präsentieren sollen. Das kann gestrickt, gehäkelt, genäht, oder was auch immer sein, aber es sollte unbedingt selbstgemacht sein. Gezogen wurde auf dem Blog von tweedandgreet der Buchstabe

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Wie sich schon zu meiner Bestürzung während des AnNäherungswochenendes abgezeichnet hat, wurde das Kleid nicht fertig bzw. es ist zu einer Baustelle mutiert, die bis zum Ball behoben sein muss, denn es ist zu eng geworden. Das bedeutet, ich muss mich nochmal an die Seitennähte machen, denn was gibt es schöneres als das erneute Auftrennen? Ha ha, es sei denn, ich nehme bis zum Ball ein paar Pfündchen ab – aber brauche ich wirklich noch ein Kleid, für das ich abnehmen muss? Die Antwort lautet: Nein! Denn was nicht passt, wird passend gemacht.

Das schaffe ich aber nicht bis zum kommenden Mittwoch, weil ich in den nächsten Tagen selten vor 19 Uhr nach Hause komme, und ob ich dann noch große Lust zum Auftrennen und Neunähen verspüre…. wohl kaum. Und deshalb gibt’s von mir im Rahmen von 12 letters of handmade fashion nicht nur das unvollendete Corpus Delicti, das Wallis-Simpson-Wedding-Dress aus grünem Satin, präsentiert an der Puppe …

sondern auch ein Double Feature, bestehend aus Wollpullover und Wollfilzkappe. Den Pulli habe ich vor einiger Zeit selbst gestrickt, die Kappe ist mein Erstlingswerk im Nassfilzen.

 

 

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Nun hoffe ich, dass beide Objekte noch zu der Aktion passen, denn beide sind schon seit längerem Bestandteil meiner winterlichen Garderobe, bestens bewährt bei Eis und Schnee; und freue mich darauf, die anderen W’s von denen bewundern zu können, die außer mir ebenfalls dabei sind.

AnNäherung 2016 : „Same procedure as last year?“

Same procedure as last year?“ – einerseits ja, andererseits auch wiederum nicht, denn so langsam glaube ich, dass ich wirklich alt werde, denn so gerädert wie diesmal war ich nach den letzten beiden AnNäherungen in Bielefeld nicht gewesen. Aber ich will mich nicht beschweren. Im Gegenteil: Auch wenn es wenig Schlaf gab – es war so toll, bei dem Treffen mit vielen anderen nähbegeisterten Frauen für ein langes Wochenende dabei zu sein; in diesem Jahr vom 15. bis 17. Januar. Dabei entstanden die vielfältigsten Kleidungsstücke: Jacken, Mäntel, Kleider, Hosen, Röcke, Blusen…

Auch von Hand wurde genäht: Jacke und Pulli inspired by Chanel und folglich auch genäht wie bei Chanel, sehr aufwendig und absolut meinen Respekt habend; und ein Jäckchen nach der Alabama-Chanin-Methode, ebenfalls sehr zeitintensiv.

Doch nicht nur das gemeinsame Nähen bereitete mir große Freude (auch wenn ich wieder mal nicht fertig geworden bin) und das Lernen, wie man z.B. einen nahtverdeckten Reißverschluss richtig einnäht, sondern auch die vielen Gespräche, die sich um Gott und die Welt und ums Nähen drehten. Ich glaube, diesmal war ich mehr mit Quatschen als mit konzentriertem Arbeiten beschäftigt. Nicht unerwähnt lassen möchte ich an dieser Stelle die Interviews von chrissys-naehkaestchen für den Podcast von nahtzugabe5cm mit acht anderen Teilnehmerinnen und mir. Den Podcast verfolge ich jedes Mal aufs Neue mit großer Spannung, wenn eine neue Folge davon online geht; und da ich nicht weiß, wer außer mir noch interviewt wurde, freue ich mich jetzt schon auf die Sonderausgabe von der AnNäherung 2016.

Für Technik kann ich mich ja grundsätzlich begeistern, diesmal war es eben mehr der Ton als das Bild, und nicht nur deshalb habe ich nicht sehr viel fotografiert. Vielleicht lag’s auch am Handy, das kaum noch Strom hatte und sich einfach nicht aufladen ließ – für heute muss eine Aufnahme der Pinnwände reichen.

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Auf den beiden Pinnwänden hefteten wir Skizzen unserer Projekte fest, und wer gute Augen hat, kann erkennen, welche Bandbreite sich hier auftat; das Kleid, das ich nähen wollte, wurde leider nicht ganz so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Zum einen machten mir die friemeligen Details ganz schön zu schaffen, zum andern franste der Satin höllisch aus, und so verbrachte ich wieder einmal einen Haufen Zeit damit, jedes der neun Teile einzeln mit Zickzackstich ringsum zu versäubern. Am Samstagabend war ich dann endlich happy, das Kleid so weit fertig zu haben, dass ich nur noch die Ärmel und ein paar Einfaßstreifen daran anzubringen brauchte, aber ach! – den Reißverschluss hatte ich nicht nur falsch, sondern auch noch äußerst lückenhaft eingenäht. Weil ich unter dem Einfluß von gekühltem Veltins die lästige, aber leider notwendige Auftrennerei nicht durchführen wollte, vertagte ich diese zeitraubende Tätigkeit auf den Sonntagvormittag – bei einer Länge von 60 Zentimetern reichte dafür die Zeit zwischen Frühstück und Mittagessen gerade so.

Zum Nähen kam ich nicht mehr; lieber ließ ich mir von kraut und kleid zeigen, wie man den Reißverschluss nach der Methode von The Great British Sewing Bee einnäht, und half ihr im Gegenzug bei den Feinarbeiten für die Gutscheintäschlein, die den lieben Organisatorinnen zugedacht waren. Das führt mich nun zu meinem letzten Anliegen, nämlich dem Orga-Team, bestehend aus alle wünsche werden wahr, drehumdiebolzeningenieur und mamamachtsachen (in alphabetischer Reihenfolge) für dieses wunderbare Wochenende zu danken, das leider mit Unmengen an Schnee gesegnet war.

Erfahrungsberichte zu der diesjährigen AnNäherung gibt’s bei mamamachtsachen.