Mein Kinojahr 2020 : Der Monat März im Zeichen der Erschöpfung

 

Wegen eines Unfalls in der Familie hatte ich mehr als sonst zu tun und war abends zu nichts mehr zu gebrauchen. Doch dann fand sich doch noch ein Abend, an dem ich allerdings nicht mehr bis nach Frankfurt gondeln wollte. Deshalb habe ich beschlossen, den Besuch der Filmvorführung von „Bombshell – Das Ende des Schweigens“ noch einmal zu vertagen. Statt dessen habe ich mir den gerade erst angelaufenen Film „The Gentlemen“ angesehen und diese Umdisponierung nicht bereut. Auf noch mehr Drama konnte ich an diesem Abend verzichten. Mir stand der Sinn nach leichter und gleichzeitig schräger Unterhaltung. Für eine wahre Geschichte wie die von „Bombshell“ hätte ich keine Energie mehr aufgebracht.

Verschieben wir’s auf Morgen – mit diesem Zitat aus „Vom Winde verweht“ eröffne ich den vorgezogenen Monatsrückblick wegen akuter Planänderung, denn wegen jenes Unfalls hatte ich keine Lust, mich abends auf den Weg ins Kino zu machen. Dafür hätte es wirklich genügend Filme gegeben, die ich mir gerne angesehen hätte.

Russland von oben   —   Für Sama   —   Bombshell – das Ende des Schweigens   —   Die perfekte Kandidatin   —   Jean Seberg – Against all Enemies

Zwei Dokumentarfilme und drei Filme, die sich um Frauen drehen – ob ich wenigstens einen davon sehen werde, steht noch in den Sternen. Der Start des Films über Jean Seberg wurde wegen Corona erst einmal verschoben. Vielleicht gibt ja mein DVD-Regal einen passenden Ersatz her. Aber „Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs“ gehört sicherlich nicht dazu.

Außerdem hatten meine Freundin und ich Karten für den 17. März – für eine Übertragung der Oper Fidelio aus dem Londoner Royal Opera House ins Kino. Nach einem unerfreulichen Erlebnis in der S-Bahn im Zusammenhang mit dem grassierenden Virus benutze ich seit jenem Montag keine öffentlichen Verkehrsmittel mehr. Das Risiko, diesen Sch*** an meine 80 Jahre alte Mutter zu übertragen, möchte ich so gut es geht vermeiden, da wir in einem Haus zusammen leben.

Also habe ich mir lieber Serien auf DVD angeschaut: die zweite Staffel von „Nashville“ und den Zwölfteiler „Titanic : Blood and Steel“, der sich mit dem Bau der Titanic in der Belfaster Werft Harland & Wolff beschäftigt sowie die politischen und gesellschaftlichen Spannungen Nordirlands thematisiert. In verschiedenen Rollen glänzen Derek Jacobi, Kevin Zegers, Neve Campbell und Chris Noth.

Media Monday # 453 : Very British

 

 

Zuerst ein Lichtbildervortrag über Cornwall am letzten Wochenende, an diesem Wochenende bzw. Freitag (der für mich auch dazu zählt) ein Kinobesuch – für einen Film, der mich begeistert hat. Mir war nach etwas leichtem, lustigem oder absurdem, und da bot sich die Gangsterkomödie „The Gentlemen“ von Guy Ritchie an. Tatort England, aber Sil hatten die im Film auftauchenden „Gentlemen“ keinen:

Ich käme nie auf die Idee, einen sündteuren Glenfarclas von 1974 auf Eis und dann auch noch aus einem Tumbler (Becherglas) zu trinken. Edlen Scotch/Single Malt genießt man am besten wie einen guten Cognac – aus dem entsprechenden, bauchigen Glas. Jetzt aber genug gelästert – beschäftigen wir uns lieber mit dem Media Monday, bei dem es auch heute wieder sieben Lückentexte zum Ausfüllen gibt, von denen nur die ersten sechs variieren:

Media Monday # 453

1. In meiner Kindheit/Jugend haben mir ja Filme/Serien ein völlig falsches Bild davon vermittelt, wie der Alltag von Fernfahrern aussieht. Am Brotausliefern unter Zeitdruck finde ich nun wirklich nichts spannendes oder abenteuerliches. Davon haben mich die Erzählungen meines Mannes später restlos überzeugt.

2. Auch ist es ja gang und gäbe, Charaktere eines bestimmten Alters mit deutlich jüngeren/älteren Schauspieler*innen zu besetzen, wobei ich finde, dass die Diskrepanz zwischen dem Alter der Rolle und dem tatsächlichen Alter der darstellenden Person nicht zu groß sein sollte, sonst wird’s unglaubwürdig. Unfair finde ich es allemal.

3. Dass „Parasite“ bei der Oscarverleihung nicht leer ausgegangen ist, ist eine mehr als freudige Entwicklung in Anbetracht der Tatsache, dass in den Jahren zuvor etliche Filme mit Auszeichnungen nur so überhäuft wurden, dass mich das nur noch gelangweilt hat. Bitte, wozu muss man einen Film mit 8 Oscars auszeichnen?

4. Früher wäre mir ja nie in den Sinn gekommen, mich mal ein wenig näher mit bestimmten Musikrichtungen zu befassen, doch das Silvesterprogramm von 3Sat (ein Konzert von den Dixie Chicks) und das Spezialprogramm meines Lieblingskinos (eine Opernaufführung als Live-Übertragung aus London) haben es mir leicht gemacht, meine Meinung zu ändern.

5. Robert Pattinson ist ein – meines Erachtens – noch immer viel zu wenig beachtetes Talent, schließlich hat er mich mit seiner Rolle in „Der Leuchtturm“ sehr beeindruckt, und seit ich am Freitag den Trailer zu „Tenet“ gesehen habe, in dem er auch mitspielt, überlege ich, ob ich mir dieses von vielen Bloggern erwartete Werk von Christopher Nolan vielleicht doch anschaue.

6. Was ich lange vernachlässigt habe – und mich auch darüber ärgere – ist unser Garten. Aber so schlimm wie bei Familie Flodder sieht es dort noch nicht aus.

7. Zuletzt habe ich mit der zweiten Staffel von „Nashville“ angefangen, und das war Entspannung und Spannung zugleich, weil die Musik auf mich entspannend wirkt und ich es spannend finde, welche Leichen dort noch aus dem Keller auftauchen.

Mein Kinojahr 2020 : Es lebe die Vielfalt im Februar

 

Meinen Rückblick auf den Februar gibt es an einem historischen Datum, dem 29. Februar – einen Tag, der nur alle vier Jahre im Kalender steht. In der Theorie ein Tag mehr zum Ins-Kino-Gehen, aber aus familiären Gründen musste ich meinen letzten Filmabend auf den Tag davor legen.

Filmtechnisch gingen der Januar und der Februar ineinander über. Ein Wochenende im Zeichen des Films? Nicht ganz, aber zwei Kinoabende hintereinander hatte ich erst letzten September (am 28. und 29.) – diesmal fielen die beiden Filme auf den 31. Januar und den 1. Februar, mit dem absoluten Kontrastprogramm: zuerst eine australische Filmbiografie in einem nahezu leeren Kino, am nächsten Tag eine neuseeländische Satire in einem komplett ausgebuchten Kino.

Die in der Überschrift genannte Vielfalt bezieht sich diesen Monat aber nicht nur auf die Art der Vorstellungen, sondern auch ihre Uhrzeiten. Da ist diesmal das ganze Spektrum dabei: Matinee, Vorstellung am frühen Abend, beliebteste Tageszeit und Nachtprogramm. Hier kommt meine Retrospektive des Februars unter dem Stichwort „Cinema-Scope“ – pro & contra beziehen sich nicht immer auf den Film, sondern teilweise auf die Vorstellung an sich:

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Februar

1. Februar – 19:30 Uhr – Astor, Frankfurt: Jojo Rabbit   +++   8. Februar – 23:00 Uhr – Cinestar Metropolis, Frankfurt: „The Lodge“   +++   15. Februar – 21:00 Uhr – Harmonie, Frankfurt: „La Gomera – verpfiffen und verraten“  +++   23. Februar – 11:15 Uhr – Cinéma Frankfurt: „Südwestengland für Fortgeschrittene“   +++   28. Februar – 20:05 Uhr – Cinemaxx Offenbach: „The Gentlemen

Nach meinem Ausflug nach Darmstadt war ich auf den Geschmack gekommen, mal woanders als sonst Filme zu sehen. Der nächste Kandidat auf meiner Liste war Jojo Rabbit von dem neuseeländischen Regisseur Taika Waititi. Bisher kannte ich nur seine Fake-Dokumentation „5 Zimmer Küche Sarg“ von 2014 über eine Vampir-WG. Und das habe ich auch erst jetzt herausgefunden. Den Trailer zu „Jojo Rabbit“, dem zehnjährigen Hitlerjungen Jojo Betzler, der den Führer zum imaginären Freund hat und der eines Tages entdeckt, dass seine Mutter (Scarlett Johansson) ein jüdisches Mädchen versteckt, fand ich so herzerwärmend und gleichzeitig so herrlich absurd, dass die Satire schon letztes Jahr zum Top-Kandidaten auf meiner „Will ich sehen“-Liste wurde. Gesehen und für positiv befunden.   +++   Pro: Der skurrile Plot und die „Gespräche“ zwischen Jojo und dem imaginären Freund  +++Kontra: nichts.


Eine Filmzeitschrift beschreibt The Lodge als eiskalten Psychothriller mit zermürbenden Bildern und vergibt für das Drama mit Alicia Silverstone und Richard Armitage vier von fünf Punkten. Dafür, dass sich solche Bewertungen nicht immer mit meinen Eindrücken decken, ist dieser Film den ich am 8. Februar im Spätprogramm gesehen habe, ein interessantes Beispiel, wobei ich das Attribut „unterkühlt“ für durchaus passend halte. Dass ich den Film trotz „nur“ 109 Minuten Laufzeit streckenweise als langatmig empfand, lag nicht daran, dass ich ihn in der 23-Uhr-Vorstellung gesehen habe. Den gleichen Eindruck hätte ich auch um 18:00 oder 20:00 Uhr gehabt: Erstens erinnerte mich der Schauplatz (eingeschneite Hütte am See, mitten im Nirgendwo) doch sehr an den Horror-Klassiker „The Shining“, und zweitens empfand ich die Darsteller in diesem kammerspielartigen Drama über ein eskalierendes Familienwochenende mitten im Nirgendwo als zu distanziert, um mit ihnen mitfühlen oder eine Beziehung zu ihnen aufbauen zu können. Dabei hätte man aus dem Thema des verzweifelten Versuchs, von den Kindern als neue Partnerin des Vaters akzeptiert zu werden, durchaus mehr machen können.  +++   Pro: Die Auflösung der mysteriösen Situation,bevor sie vollends aus dem Ruder läuft.  +++   Kontra: Leider halte ich Richard Armitage in seiner Rolle als größtenteils abwesender Familienvater für unterfordert.


Eine Woche später gab es das meteorologische und geografische Kontrastprogramm – mit „La Gomera – verpfiffen und verraten“, Rumäniens Anwärter auf den Oscar in der Kategorie „Bester ausländischer Film“ mit dem klassischen Motiv des Gangsterfilms, der Femme Fatale. Es geht um 30 Millionen Euro: Ein korrupter Polizist, der mit der rumänischen Mafia gemeinsame Sache macht, soll Informationen über den inhaftierten Matratzenfabrikanten Zsolt (Sabin Tambrea, Ku’damm 56) herausbekommen, da nur der weiß, wo das Geld geblieben ist. Die Zeit drängt, denn verschiedene Gruppen wollen Zsolt befreien, und so bespitzelt jeder jeden. Um seiner nervigen Vorgesetzten Magda und deren Überwachung zu entkommen, setzt er sich auf die Kanareninsel La Gomera ab, um dort die Pfeifsprache „Silbo“ zu erlernen, mit denen sich die Ganoven verständigen. Als „Dolmetscherin“ fungiert die schöne Gilda, die zur Mafia gehört und mit der er in Bukarest „zum Schein“ eine heiße Affäre hatte. Klingt verwirrend, war es auch. Für mich war es einer der Filme, bei denen es auch die DVD getan hätte.   +++   Pro: Handlung & Landschaft, Zwischentitel in den Farben des Regenbogens.  +++   Kontra: Leider war die Handlung stellenweise etwas wirr.


Zur Vorbereitung auf meinen Sommerurlaub besuchte ich am 23. Februar einen Lichtbildervortrag im Cinéma in Frankfurt mit dem Titel „Südwestengland für Fortgeschrittene“ – aber da es ich bei dieser Veranstaltung um keinen Film handelt, zählt sie auch nicht dazu. Deshalb gibt es auch kein Pro und Contra.


Dafür aber gibt es noch eine kurze Bemerkung zu meinem letzten Kinobesuch im Februar. Nach einer extrem stressigen Woche hatte ich keine Lust mehr, bis nach Frankfurt zu fahren, also blieb ich in Offenbach und schaute mir die Gangsterkomödie The Gentlemen von Guy Ritchie mit Starbesetzung an: Matthew McConaughey (als Oberhaupt eines Cannabis-Imperiums), Charlie Hunnam (als dessen rechte Hand), Michelle Dockery (als dessen Ehefrau), Colin Farrell (als schmieriger Box-Coach) und Hugh Grant (als Erpresser)… eine wirklich „reizende“ Gesellschaft, die so „over the top“ agiert und mit derartig übertriebenen Sprüchen glänzt, dass ich das Gefühl hatte, der Film nimmt sich komplett selbst auf die Schippe. +++   Pro: Hugh Grant als selbstgefälliger Erpresser, schräge total an den Haaren herbeigezogene Story, Kostüme und Gags am Rande der Geschmacklosigkeit  +++   Kontra: die Deppen im Publikum, die lieber quatschten und ständig auf dem Smartphone daddelten.

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Media Monday # 450: Ein Kinobesuch mit Konsequenzen…

 

klingt wenig prickelnd.

Wenn der Film an sich mich nicht mitreißen kann, mir die emotionale Nähe zu den Figuren fehlt, das Werk auch noch unnötige Längen und Wiederholungen aufweist und zu allem Überfluss auch noch wie ein Mix aus Horrorfilmklassikern (die ich aber nicht nennen kann, ohne zu spoilern), dann habe ich es mit einem Fall von „ging so, war ganz okay, aber völlig überbewertet“ zu tun.

Oder mit anderen Worten – wenn der Trailer wieder einmal mehr verspricht als der eigentliche Film und ich einen der Schauspieler für stark unterfordert halte, dann ist das für mich kein Kandidat für den Film des Jahres. Um welchen Film es geht? Schaut einfach in Text Nr. 7 des Media Monday, und ihr habt die Antwort. Da die Oscar-Verleihungen vor der Tür stehen, sind auch die restlichen sechs Lückentexte darauf eingestellt:

Media Monday # 450

1. Die Oscar-Verleihung 2020 werde ich mir nicht anschauen – das einzige, was mich am Ergebnis interessiert: Wenn es einen Film träfe, den ich noch nicht gesehen habe und jetzt nochmal im Kino läuft, so dass ich die Chance habe, ihn schließlich doch noch zu sehen.

2. Die Sache mit diesen Filmpreisen und Auszeichnungen ist, dass sie meist an Filme vergeben werden, die mich nicht interessieren oder ein völlig überzogener Rummel gemacht wird und andere, die für mich herausragend sind, mit keiner Silbe eine Erwähnung finden.

3. Jemand, der mir nicht einfällt, wird, was solche Ehrungen angeht, meines Erachtens völlig zu Unrecht ein ums andere Mal übergangen/ignoriert, schließlich fehlt mir auch hier jegliche Information, wer ständig nominiert, aber nicht geehrt wurde.

4. Eine Kategorie, die mal wirklich toll und lohnend wäre für Preise jedweder Art will mir nicht einfallen, und ehrlich gesagt, habe ich bei x Kategorien den Überblick veloren und auch nicht das Bedürfnis, eventuelle Wissenslücken zu schließen.

5. Wäre doch schön, wenn es bei solchen Veranstaltungen wie eben den Oscars nicht so ein Gewese um die Klamotten der Stars auf dem roten Teppich gemacht werden würde.

6. Welche Bedeutung/Gewichtung haben Auszeichnungen und Nominierungen im Allgemeinen bei deiner persönlichen Filmauswahl? Keine nennenswerte, da andere Kriterien für mich ausschlaggebend sind.

7. Zuletzt habe ich ein Experiment gestartet, und das war der Besuch einer Spätvorstellung im Kino, weil ich nach langer Zeit wieder einmal wissen wollte, wie das sich anfühlt, zu nachtschlafender Zeit einen aktuellen Film zu sehen. Die letzten Erlebnisse dieser Art waren einige Sneak Previews und der Besuch einer langen Jack-Nicholson-Filmnacht (Wenn der Postmann zweimal klingelt/Shining/Die Hexen von Eastwick) in den 90er Jahren.

Jetzt war es der Film „The Lodge“, den ich um 23 Uhr gesehen habe. Ich glaube, auch zu einer anderen Uhrzeit hätte ich ihn nicht besser gefunden. Aber was ich am Ende dieser Spätvorstellung wirklich hatte, war zum einen ein Bärenhunger und zum anderen die Erkenntnis, dass ich mir davon mehr versprochen hatte. Dass um sieben die Nacht für mich nach fünf Stunden Schlaf vorbei war, steht auf einem anderen Blatt.

Mein Kinojahr 2020 : Es lebe die Vielfalt im Januar

 

Wie schon in der Ankündigung erwähnt, fiel für meinen ersten Kinobesuch in diesem Jahr meine Wahl auf „Parasite“, der gleich in mehreren Kategorien für einen Oscar nominiert ist. Das wusste ich aber bei meiner Entscheidung nicht, und für sie hätte es auch keine Rolle gespielt, da die Anzahl der eingesackten Oscars für mich kein Qualitätskriterium ist.

Mich muss bei Spielfilmen entweder die Story interessieren oder die darstellerische Leistung der Schauspieler überzeugen – ganz gleich, ob es sich um eine Komödie, ein Drama oder einen Horrorfilm handelt. Bei Dokumentarfilmen und Biopics (die ohnehin meistens subjektiv sind und eine persönliche Sichtweise des Regisseurs zeigen) lege ich für mich andere Maßstäbe an. Dabei muss ich nicht zwingend ein Fan der Person sein, mit der sich der Film beschäftigt, sonst hätte ich in meinem Leben nicht Dutzende solcher Filme gesehen. Aber wenn der Film zu reißerisch oder zu überladen daherkommt, dann bin ich weniger begeistert. Gefühlt Tausende von Informationen verwirren mich mehr, als dass sie ein rundes Bild der beschriebenen Person ergeben.

Nun aber genug der Vorrede. Die Retrospektive unter dem Stichwort „Cinema-Scope“ kann nun endlich beginnen, weitgehend spoilerfrei:

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Januar

14. Januar – 18:00 Uhr – Harmonie, Frankfurt: Parasite   +++   19. Januar – 14:00 Uhr – Cinema Frankfurt: Little Women   +++ 31. Januar – 17:45 Uhr – Citydome Darmstadt: Mystify: Michael Hutchence

Genau an jenem ersten Abend in diesem Monat, den ich nach meinem Gusto gestalten konnte, lief kein einziger der Filme, die ganz oben auf meiner Prioritätenliste standen. Das war die Chance für Parasite, der sich auf meinem Radar ganz am Rand bewegt hatte und nun in den Fokus meines Interesses rückte. Gute Entscheidung, denn das war eine der erfreulicheren Entdeckungen, die ich in dem noch jungen Jahr machen durfte. Ich liebe solche bitterbösen, sarkastischen Filme.   +++   Pro: originelle Handlung, mit schwarzem Humor und interesantem Twist / Kontra: das sich doch etwas arg hinziehende Ende.


Am 30. Januar sollte eine Literaturverfilmung anlaufen, deren Trailer ich schon 2019 gesehen hatte und von der ich mir viel versprach: Little Women, die wievielte filmische Umsetzung des Romans von Louisa May Alcott, mit hochkarätiger Besetzung (Soairse Ronan, Emma Watson, Florence Pugh, Laura Dern und Meryl Streep). Daher war es für mich unumgänglich, mir am 19. Januar die Vorpremiere anzuschauen. Ich fand ihn gut, aber vielleicht nicht ganz so gut wie die Kritiker, die ihn ohne Einschränkung in den Himmel loben. Saoirsa Ronan als Jo, die ihren Weg auch ohne Ehemann machen möchte, und zwar als Schriftstellerin, fand ich überragend. Auch Emma Watson fand ich sehr gut in ihrer Rolle als älteste Schwester, die aus Liebe einen Lehrer heiratet und fortan mit ihrer Familie am Existenzminimum lebt. Leider aber wurde ich weder aus den ständigen Zeitsprüngen noch aus der Rolle schlau, die der Enkel des Nachbars spielt. Mal ist er in Jo verliebt, dann wieder in ihre Schwester. Mir war das leider etwas zu viel an Informationen, die mich verwirrt und dafür gesorgt haben, dass ich den Film mit 134 Minuten Laufzeit als zu lang empfand.  +++   Pro: Saoirse Ronans darstellerische Leistung, stimmungsvolles Gesellschaftsporträt / Kontra: zu viele Details, Zeitsprünge und Längen, insgesamt zu lang und überladen.


Murmeltier-Alarm: Am 30. Januar kam ein weiterer Film in die Kinos, der ebenfalls auf meiner „Will ich sehen“-Liste stand, obwohl ich die australische Originalfassung bereits am 29.9.19 gesehen habe: die von der BBC mitproduzierte Dokumentation Mystify: Michael Hutchence über den 1997 verstorbenen Sänger der Band INXS. Die lief am 28.12.19 im Fernsehprogramm der BBC2, im Doppelpack mit dem Konzert von 1991 im Wembleystadion. Play it again, Sam? Nicht ganz, denn in der Filmzeitschrift war nirgends die Rede von einer Originalversion, was nur bedeuten konnte (so meine Schlussfolgerung), dass die 102 Minuten lange Biografie mit deutschen Untertiteln versehen wurde. Da aber in keinem einzigen Frankfurter Kino der Film im Programm stand, unternahm ich einen Ausflug nach Darmstadt und fand meine Vermutung bestätigt. Ich hätte auch warten können, denn eine Woche später hat ihn das Frankfurter Programmkino „Orfeos Erben“ ins Programm genommen. Hätte, hätte… Oops, I did it again? Ja, warum denn auch nicht? Es soll ja Leute geben, die Dirty Dancing 50mal gesehen haben, was ich persönlich wiederum nicht brauche, auch wenn mich ein Film begeistert oder zum Nachdenken gebracht hat.   +++   Pro: Einfühlsames Charakterporträt (in der Originalversion mit hilfreichen Untertiteln), das das Puzzle aus Youtube-Schnipseln zu einem stimmigen und sinnvollen Bild abrundet. / Kontra: für mich persönlich nichts, aber für andere eventuell zu speziell, um in „den“ (Frankfurter) Kinos einen Verleih zu finden.

Zwei Oscar-nominierte Filme und eine Dokumentation, die mir sehr am Herzen lag – ein gelungener, leicht durchwachsener Start in das Kinojahr 2020.

Mein Kinojahr 2020 : Es lebe die Vielfalt!

 

Ja, mach‘ nur einen Plan – und dann gehst Du nicht in „Knives Out“ oder „The Peanut Butter Falcon“, und schon gar nicht in „Pavarotti“, sondern in „Parasite“, der von verschiedenen Bloggern und auch woanders dermaßen gelobt wurde, dass ich neugierig geworden bin. „Der beste Plan ist der, der nie geschmiedet wurde“ – dieses Filmzitat könnte auch als Motto für den ersten Abend im Januar stehen, der mir einen richtig guten Film beschert hat. Vermutlich wird dies nicht die einzige Planänderung sein, die auf mich wartet, denn ich habe das Gefühl, dass dieses Jahr noch mehr Überraschungen auf mich warten, was die Fülle von neuen Filmen betrifft.

Für zwei Sondervorführungen liegen schon die Tickets bereit, und mit dem Ausprobieren neuer Lichtspielhäuser habe ich gerade erst begonnen. Das Lobpreisen der Vielfalt bezieht sich daher nicht allein auf meine Filmauswahl. Und wenn ich schon dabei bin, ergänze ich die Liste der Veränderungen um die Uhrzeiten der Vorstellungen. Doch zunächst mal ein kurzer Rückblick. Man kann nie zu früh damit anfangen.

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Was bisher geschah

2018 war ich viermal im Kino: „Ocean’s Eight“, „Bohemian Rhapsody“, „A Star is Born“ und „Mary Poppins‘ Rückkehr“. Alles sehenswerte Filme – kein einziger Flop. Ich war begeistert. Vor allem schon allein deswegen, weil ich da erst gemerkt habe, wie sehr ich es früher geliebt habe, ins Kino zu gehen und manche Filme sogar mehrmals zu sehen (zuerst in der Originalversion, danach in der Synchronfassung). Die Anzahl der 2019 von mir in verschiedenen Kinos gesehenen Filme beläuft sich auf siebzehn. Eine Vervierfachung der Vorjahresmenge. Aber Quantität und Qualität decken sich nicht immer. Hier meine äußerst subjektive Einteilung, von Top bis Flop

Einer hat mich regelrecht umgehauen: The Lighthouse. Schade, dass der in den Nominierungen für den Oscar fehlt. 


 Vier haben mich nachhaltig begeistert:  Wir, Le Mans 66 – gegen jede Chance, Official Secrets und Amazing Grace – Aretha Franklin.  Bei solchen Filmen ist mir dann auch die Überlänge egal.


Bei fünf weiteren führte der Fangirl-Faktor zu einem Kinoerlebnis der besonderen Art:  Downton Abbey, Mystify: Michael Hutchence, M C Escher – Reise in die Unendlichkeit, Depeche Mode : SPIRITS in the forest und INXS : Live Baby Live.  Die hätten auch ruhig noch länger sein dürfen (kleiner Joke).


Vier von dieser Liste fand ich insgesamt ganz okay:  Manhattan Queen, Plötzlich Familie, Green Book – eine besondere Freundschaft und Book Week. Da hätte es auch ein DVD-Abend getan.   —


Und drei haben mich dagegen regelrecht enttäuscht: Yesterday, Once upon a time in Hollywood und Nurejew The White Crow. Hier habe ich mich dabei ertappt, wie ich zwischendurch immer wieder auf die Uhr geschielt habe. Ein typischer Fall von Zeitverschwendung, und gerade im Fall von „Yesterday“ hätte ich mir statt dessen viel lieber „Kursk“ angesehen, aber als ich dann wieder Zeit hatte, lief er nicht mehr. Kurzer Nachtrag zwischendurch: Inzwischen gibt es den Film auch auf DVD – einem Abend, an dem ich den Film dann doch noch sehen kann, steht eigentlich nichts mehr im Wege.

Und bevor gleich der große Aufschrei beginnt („Was? Once upon a Time… – Aber das ist doch ein Tarantino!“) kommt hier meine Gegenfrage: „Ja – und?“ Der Name eines Regisseurs ist nicht immer ein Garant dafür, dass mir ein Film gefällt. Zum Beispiel mag ich „Kill Bill“, aber mit dieser hochgelobten und für einige Oscars nominierten Hommage an Hollywood konnte ich einfach nichts anfangen. Dafür können andere meine Begeisterung für einen Teil der Filme auf meiner Liste nicht teilen. Wie meine Bilanz für 2020 aussieht, werden die kommenden Monate zeigen. Dann folgt eine Rückschau – pro Monat eine.

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meine Bilanz für 2020

Eine monatliche Rückschau mit Datum und Ort, ergänzt durch Pro und Kontra, erscheint mir sinnvoll. Ein Jahresrückblick, fortlaufend geschrieben und zeitnah aufbereitet, solange die Eindrücke noch frisch sind, und ergänzt um meine Vorlieben bei den Veranstaltungsorten.

Bisher waren meine Lieblingskinos in Frankfurt die sogenannten Arthouse-Kinos: Das Cinema am Rossmarkt und die Harmonie am Lokalbahnhof. Ich kenne beide noch unter der Bezeichnung „Programmkino“, und was sie gemeinsam haben, sind wechselnde Zeiten bei den Vorführungen, anders als bei den großen Kinos, die vorwiegend Blockbuster zeigen. Einen Star-Wars-Film oder das neueste Werk von Quentin Tarantino wird man dort vergeblich suchen. Statt dessen darf man sich dort auf Filme wie „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ oder „Das geheime Leben der Bäume“ freuen. Auch Biografien wie die über Miles Davis oder Luciano Pavarotti sind ein Fall für diese Lichtspielhäuser. Das ist schön, hat aber einen Haken: Manchmal kollidieren die Termine der Vorführungen mit meinen Feierabendaktivitäten. Genug der Vorrede – let the show begin – schon sehr,  sehr bald in diesem Theater.