Cinema-Scope 2022 : Mai, aus jedem Dorf ein Köter

Manchmal ist das Leben kein Wunschkonzert, oder anders rum: Manchmal ist die Wunschliste so lang, dass man nicht weiß, wie man sie abarbeiten soll. Gespeist wird meine Liste teilweise auch von im Vorprogramm des ersehnten Films laufenden Trailern für andere Filme, deren Handlungen mein Interesse wecken.

Herausgekommen ist bei meinem Wunschkonzert diesmal ein Kessel Buntes aus völlig unterschiedlichen Genres, aber alles davon in 2D. Und da ich weiß, dass ich diesen Monat garantiert nicht mehr ins Kino komme, gibt es diese Zusammenfassung halt schon jetzt.

Downton Abbey II : eine neue Ära

20:20 Uhr an einem Donnerstag – warum auch immer ich schon am Premierentag nicht dazu kam, bleibt mir ein Rätsel, aber das Warten hat sich definitiv gelohnt. Leider musste ich mir dieses Erlebnis alleine gönnen, weil sich die Person, der ich eine Einladung dazu versprochen hatte, nicht wohl fühlte und mich wegen mangelnder Lust auf Kinobesuche alleine losgeschickt hatte. Das fing ja gut an…

Dennoch: Als Fan der Serie schlug mein Herz schon beim ersten Downton-Abbey-Spielfilm höher; jetzt haben Julian Fellowes und sein Team noch eine Schippe draufgelegt und präsentieren den Film im Film, der nicht nur für Fans interessant sein dürfte, denn das Thema „Tonfilm löst den Stummfilm ab und bedeutet für viele Filmstars der alten Garde das Ende der Karriere“ bildet den eigentlichen Handlungsfaden.

Ein Filmteam aus Hollywood hat den Crawley’schen Landsitz zum Set auserkoren, doch weil die als Stummfilm konzipierte Produktion wegen des sich überall durchsetzenden Tonfilms (das bahnbrechende Medium der Zukunft) keinen Erfolg mehr zu versprechen scheint, drängt das Studio auf Abbruch der Aufnahmen. Da kommt die Idee, die bereits gedrehten Szenen nachträglich und noch zu drehende Szenen parallel zu synchronisieren, wie gerufen. Ein Ausweg aus dem Dilemma, schon allein wegen der Hauptdarstellerin Myrna Dalgleish (Laura Haddock), bei der unterirdische Manieren, ein unsäglicher Dialekt und eine unerträgliche Stimmlage in einer Person zusammenkommen. Was liegt da näher, ihren Part von Lady Mary (Michelle Dockery) während der laufenden Aufnahmen direkt am Set ins Mikrofon sprechen zu lassen?

Netter Seitenarm und Running Gag: Dass zur gleichen Zeit ein Teil der Familie nach Südfrankreich reist, bietet die ideale Gelegenheit, den als Spaßbremse fungierenden Mr. Carson vom künftigen Drehort zu verbannen. Grund für den unerwarteten Aufbruch: die Inspektion einer Villa am Meer, die Lady Violet (Maggie Smith) von einem verflossenen Liebhaber aus dem letzten Jahrhundert hinterlassen wurde und nun an ihre Enkeltochter, die kleine Sybil, weitervererbt werden soll. Und plötzlich steht nicht nur die Frage im Raum, was aus der in der Villa lebenden Witwe werden soll, sondern auch, wer nun wirklich der Vater von Lord Grantham (Hugh Bonneville) ist…

Mir hat der Film sehr viel Freude bereitet, schon allein wegen der Kostüme, die die mit zu vielen Zufällen gespickte Handlung wieder aufwiegen; stimmig haben sich für mich aber auch die kleinen Nebenstränge angefühlt, die das Filmerlebnis für mich abgerundet haben.

Fazit: Leichte Unterhaltung, wie gemacht für einen Sommerabend unter freiem Himmel, nicht nur für Fans. Mein Tip fürs Open-Air-Kino

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The Northman

Das fängt ja gut an… Das dachte ich mir auch, als ich mich doch sehr darüber wunderte, warum man die einzige Vorstellung für dieses Werk unter der Woche erst für 22:50 Uhr ansetzt (und auch freitags und samstags nicht wesentlich früher), also zog es mich um 21 Uhr an einem Sonntag ins Kino. Und das bei einem Film von 137 Minuten Laufzeit, wo ich so gar kein Nachtmensch bin. Aber Wikinger faszinieren mich schon länger (nicht umsonst bin ich Fan der Serie „Vikings“), und da Robert Eggers Regie geführt hat, war mir schon beim Trailer auf Youtube klar, dass ich dieses bei diesem Epos mit Willem Dafoe und Björk in Nebenrollen unbedingt sehen möchte.

Wer bei diesem Namen an Hamlet von Shakespeare denkt, liegt richtig: Im Mittelpunkt des Films, der wie ein Buch in Kapitel unterteilt ist, steht Prinz Amleth (Alexander Skarsgård), der seinen von dessen Bruder ermordeten Vater (Ethan Hawke) rächen und seine Mutter (Nicole Kidman) retten will. Zusammen mit einem Trupp Sklaven aus dem Lande der Rus, unter ihnen die als Hexe verschriene Olga (Anya Taylor-Joy) landet er auf Island, auf dem Hof seines verhassten Onkels. Schon bald wähnt er sich am Ziel, doch es gibt da etwas in seiner Vergangenheit, das er so nicht in Erinnerung hatte…

Überwältigend fand ich an „The Northman“ vor allem die gewaltigen Landschaftsaufnahmen Islands und die in kontrastierenden Farben gegeneinander gestellten Szenen, die Realität (rot bzw. warme Farben) und die Mythen der Wikinger (blau bzw. kalte Farben), und das in Bildern, die ich so bisher auch noch nicht erlebt habe. Diese haben mich mehr beeindruckt als die Kampfszenen, die laut mancher Kritiker einem einiges abzuverlangen scheinen. Beim Soundtrack hatte ich stellenweise das Gefühl, dass Björk daran mitgearbeitet hat. Hat sie aber anscheinend wohl doch nicht.

Fazit: Anspruchsvolle Kost mit starken Bildern und starkem Sound, die vermutlich nicht jedermanns Geschmack trifft.

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Dog

Du weißt, dass Du älter wirst, wenn Du nicht wegen des männlichen Hauptdarstellers (Channing Tatum als traumatisierter US-Ranger Jackson Briggs) ins Kino gehst, sondern wegen der vierbeinigen Titelfigur Lulu, für die gleich drei Belgische Schäferhunde vor der Kamera standen. 20 Uhr an einem Samstag, der Zeitpunkt erschien mir ideal, weil ich a) sowieso nichts besseres vorhatte und b) ich den Trailer schon mehrmals gesehen hatte. Eingestellt hatte ich mich auf eine Komödie.

Als aber dann klar wurde, dass die von den Einsätzen im Nahen Osten traumatisierte und hochagressive Lulu eingeschläfert werden soll, nachdem Briggs sie „als Ehrengast“ zur Beerdigung seines verstorbenen ehemaligen Kameraden Rodriguez mitgebracht hat, musste ich schwer schlucken. Was ich mit dem 101 Minuten langen Film unter der Regie von Reid Carolin und Channing Tatum serviert bekam, war eine Mischung aus Road Movie und Buddy Movie, bei der sich ernste und lustige, teilweise ins Absurde abdriftende Momente die Waage hielten, und am Ende war ich doch positiv überrascht.

Fazit: Triggergefahr, wenn man jemanden kennt, der gerade sein Haustier einschläfern musste, aber ansonsten solide Unterhaltung mit ernsten Momenten.

Was ich noch zu sagen hätte: Stell dir vor, du gehst extra früher los, weil Du online kein Ticket kaufen möchtest, und dann wird eine halbe vor dem Beginn der Vorstellung die Schlange länger und länger, weil das Kassensystem einen Totalausfall hatte. Ich sah mich schon vorzeitig wieder nach Hause marschieren, doch dann kam man auf die gleiche schlaue Idee wie ich – warum das Ganze nicht Oldschool abwickeln und die Tickets von Hand erstellen und abstempeln?

Das dauerte zwar, aber sie wurden doch noch so rechtzeitig damit fertig, dass ich mir sogar noch ein Getränk holen und den obligatorischen Gang zum WC antreten konnte.

Cinema-Scope 2022 : April, Tendenz „kein Bock“

Ich weiß ja nicht, wie es anderen so geht, aber nach meiner kurzen Auszeit in den Niederlanden konnte ich mich irgendwie zu nichts aufraffen. Daher hat es mich auch genau ein einziges Mal ins Kino gezogen. Dabei ist meine Wahl auf einen Film gefallen, bei dem ich schon das kollektive Aufjaulen höre. Aber mir war nicht nach Tiefgründigem oder spektakulären Effekten, und schon gar nicht nach Filmen mit Überlänge.

The Lost City – Das Geheimnis der verlorenen Stadt: Wer bei diesem Titel an Filme wie „Auf der Jagd nach dem grünen Diamanten“ oder die Indiana-Jones-Reihe denkt, liegt zumindest beim Genre teilweise richtig. Adventure, gemixt mit Comedy und einer Prise Romantik, da könnte man doch glatt auf die Idee kommen, dass sich das Drehbuch bei den anfangs erwähnten Beispielen bedient haben könnte, und sei es auch nur, um alle möglichen Filmklischees zu verwursten und sich dabei selbst auf die Schippe zu nehmen.

Schon die Handlung, die der Trailer verspricht, klang für mich dermaßen absurd, dass der Film auf meiner Will-ich-sehen-Liste landete: Sandra Bullock als Loretta Sage, Autorin schwülstiger Liebesromane in exotischem Ambiente, die auf ihrer Vorstellungstour ihres letzten Romans von einem exzentrischen Milliardär (Daniel Radcliffe) entführt wird. Dieser jagt nämlich der fixen Idee nach, die versunkene Stadt und dem in ihr verborgenen Schatz aus ihrem Buch gäbe es wirklich und nur sie könne ihn dorthin führen.

Dummerweise hat er die Rechnung ohne Lorettas Covermodel Alan Caprison (Channing Tatum) gemacht. Der will die Angebetete aus den Fängen der Ganoven befreien und zeigen, dass er nicht nur auf dem Cover eine gute Figur macht, sondern auch noch was im Kopf hat. Da aber nicht so genau weiß, wie er das anstellen soll, heuert er seinen ehemaligen Yogalehrer, den Ex-Navy Seal Jack Trainer (Brad Pitt) an, um die Befreiungsaktion mit ihm gemeinsam durchzuziehen. Die geht erwartungsgemäß schief, und da Trainer bedauerlicherweise auf der Strecke bleibt, müssen sich Loretta und Alan fortan gemeinsam durch den Dschungel kämpfen, um den Flughafen auf der anderen Seite der nicht näher benannten Insel im Atlantik zu erreichen.

Never judge a book by its cover? Gute Idee, denn hier hatte ich wirklich mal Unterhaltung, die über den Trailer hinaus ging. Leider habe ich in der Vergangenheit zu viele Filme gesehen, bei denen auch der Trailer gereicht hätte – hier war das nicht so. Tatsächlich habe ich mich prächtig amüsiert. Leider war’s das für diesen Monat auch schon wieder. Verschieben wir die nächsten Kinobesuche also auf den Mai. Zwei Anwärter hätte ich auch schon: „The Northman“ und „Downton Abbey 2“.

Cinema-Scope 2022 : März, Tendenz verschoben

Der März war von Verschiebungen bestimmt. Zum einen war ich es, die den planmäßig am 24.2. angelaufenen Film „Belfast“ in den März verschoben hat, zum anderen ist es „Downton Abbey 2“, der jetzt offiziell nicht mehr am 17. März startet, sondern doch erst am 28. April. Hoffentlich wird nicht wieder so ein Verschiebungsmarathon wie beim letzten James-Bond-Film. Da passt ja auch irgendwie das Bild oben zum gruseligen Wetter von heute („Winter is coming?“ – nein, das war kein Scherz von mir – den Prank hat das Wetter geliefert), der mich fürchten lässt, dass nun auch noch der Frühling weiter verschoben wurde. Wenn dann auch noch die Heizung ausfällt, und das heiße Wasser fehlt, ist das nicht so mega. Hoffentlich sind bis zu meinem Besuch auf dem Keukenhof dann nicht auch noch alle Tulpen erfroren.

Belfast: Eine Kindheit in Belfast, zu einer Zeit, als die Unruhen ihren Lauf nehmen. Der Riss geht mitten durch die Gesellschaft – auf der einen Seite Katholiken, auf der anderen Seite Protestanten – und der neunjährige Buddy, dessen Vater einer Arbeit in England nachgeht und nur ab und zu präsent ist, versteht die Welt nicht mehr. Der ganze Hass nur wegen des Glaubens, während er als Kind einer protestantischen Familie in ein katholisches Mädchen aus seiner Klasse verliebt ist. Absurd wird es dann, wenn man ihm einzureden versucht, die Religion der „anderen“, die man übrigens angeblich an ihren Vornamen erkennen könne, sei von Angst geprägt, und dann droht der protestantische Pfarrer seinen Schäflein mit Hölle und Verdammnis, wenn sie den falschen Weg wählen. Und trotz der zunehmenden Gewalt und des allgegenwärtigen Hasses möchte der Junge nicht weg aus Belfast, obwohl den Eltern ein besseres Leben in England vorschwebt, wenn schon Sydney oder Vancouver nicht in Frage kommen. Ich kann die ganzen Lobeshymnen, die Kenneth Branaghs 99minütiges, fast vollständig in Schwarz-Weiß und mit nur wenigen farbigen Einsprengseln gedreht, sehr gut verstehen. Nicht nur die Musik von Van Morrison möchte ich als positiv hervorheben, auch die Nebenrollen sind mit Catriona Balfe (Outlander), Jamie Dornan, Judi Dench und Colin Morgan (The living and the dead) hervorragend besetzt, und einige Szenen, in denen alle bei Straßenschlachten und Plünderungen aufeinander losgehen, fand ich äußerst beklemmend.

Picknick mit Bären: Dieses Wanderabenteuer von 2015 mit Robert Redford und Nick Nolte in den Hauptrollen wollte ich vor Jahren schon einmal sehen, und zwar im Rahmen der Reihe „Kino Kulinarisch“: Ein in die Jahre gekommener Reiseschriftsteller und sein Kumpel mit Alkoholproblemen, der ihn bei seinem großen Abenteuer unbedingt begleiten will, begeben sich auf eine Fußwanderung entlang des 3500 Kilometer langen Appalachian Trail und sehen sich als völlig ungeübte Wanderer vor ungeahnte Probleme gestellt, auch unter anderem, weil sie ohne vernünftige Vorbereitung losmarschieren und sich nicht um Warnschilder scheren. Da sind hungrige Bären noch das kleinste Problem.

Und das war’s dann leider auch schon wieder. Natürlich habe ich mir ab und zu im Fernsehen noch den ein oder anderen Film angesehen, aber die waren eher mehr zum Berieseln… so richtig behalten habe ich davon nichts.

Viel war’s nicht in diesem Monat. Irgendwie scheint die Luft gerade raus zu sein. Vorgemerkt für den April sind bei mir „The Lost City – das Geheimnis der verlorenen Stadt“ (21. April) und „Downton Abbey 2“ (28. April).

Cinema-Scope 2022 : Februar, Tendenz kurz

Meinen ersten Kinobesuch in diesem Jahr habe ich auf den 1. Februar gelegt, und dabei war das noch nicht einmal ein Film, der auf meiner Wunschliste stand. Meine Schwester wollte unbedingt den Film „Spencer“ sehen, aber nicht alleine gehen. Also habe ich spontan zwei Plätze reserviert. Allerdings gelten jetzt neue Coronaregeln unter Auflagen von 2G+: Ohne Maske die Vorstellung zu genießen, das war einmal. Hast Du aber ein Getränk und haufenweise Snacks dabei, sieht die Sache schon wieder anders aus. So kann man den Umsatz natürlich auch steigern. Genug gequatscht, hier kommt meine Filmübersicht für den Monat Februar.

Spencer: Ich weiß ja nicht, wer schon alles diesen Film als Meisterwerk gepriesen hat, aber ich muss sagen: Die Lobeshymnen sind gerechtfertigt, und das liegt nicht nur an der darstellerischen Leistung Kristen Stewarts als Lady Diana Spencer, die alle anderen Mitglieder der Royal Family überstrahlt. Auch die Musik hat einen nicht unerheblichen Anteil daran, wenn verstörende Klänge das Seelenleben der unter Bulimie und zunehmend auch an Wahnvorstellungen leidenden Prinzessin plakativ widerspiegeln. Kostüme und Bühnenbild, inclusive üppig in Szene gesetzten Speisen auf Tafel und Speisekammer, können sich ebenfalls sehen lassen. Ein Drama mit Timothy Spall (als Major Alistar Gregory), Sally Hawkins (als Kammerzofe) und Jack Farthing (als Prince Charles) in weiteren Rollen, das an realen Schauplätzen, unter anderem auch im Schlosshotel Kronberg im Taunus gedreht wurde und die vielen Auszeichnungen zurecht verdient hat.

Wunderschön: Der Film von Karoline Herfurth, in dem sie auch eine der weiblichen Hauptrollen spielt, sollte bereits im letzten Dezember in den Kinos erscheinen, doch der Filmstart wurde aber wegen der Coronapandemie auf den 3. Februar verschoben. Was im Trailer stark nach einer Komödie mit tragischen Zügen aussah, entpuppte sich als Episodenfilm um fünf Frauen unterschiedlichen Alters, die stark mit ihrem Selbstbild und den Ansprüchen anderer hadern. Während Buchhändlerin Frauke (Martina Gedeck) hofft, ihrer dahindümpelnden Ehe mit dem in Rente gegangenen Ehemann (Joachim Król) durch einen Tangokurs neues Leben einzuhauchen, will ihre Tochter Julie als Model endlich ganz nach oben kommen und treibt sich durch extremes Fasten und die Einnahme von fragwürdigen Pillenkombinationen in den völligen Zusammenbruch. Julies Schwägerin Sonja (Karoline Herfurth) kommt nicht damit zurecht, dass ihr Körper nach zwei Schwangerschaften nicht mehr der alte ist und ihre Karriere auf dem Abstellgleis zum Erliegen gekommen ist. Leyla, die Tochter von Julies Managerin wiederum hängen schon lange die Versuche ihrer Mutter, die Tochter durch penetrantes Verköstigen mit Superfood zum Abnehmen zu bewegen, und konzentriert sich lieber auf ihre neu entdeckte Leidenschaft für den Baseball. Bleibt noch Leylas Lehrerin Vicky (Nora Tschirner), die im Singledasein ihre Bestimmung sucht und als eingeschworene Feministin der Schülerschaft nahezubringen versucht, dass sie ihre Energie nicht darauf verschwenden sollten, unrealistischen Idealen nachzujagen, während ihr Leben im Hintergrund an ihnen vorbeizieht. Dumm nur, wenn man selbst insgeheim einem solchen Ideal nachzueifern versucht… Okay, ich sehe es ein – das Thema ist nicht neu, zumal alle Protagonistinnen zueinander in Beziehung stehen – und eigentlich nie Schnee von gestern – schauspielerisch gut umgesetzt allemal, und ich fand mich während der nicht zu langen 131 Minuten gut unterhalten; als DVD hätte es das mit FSK 6 bewertete Drama jedoch auch getan. Und die Maske vorm Schnabel hätte es dazu auch nicht gebraucht.

Tod auf dem Nil: Hier gingen vorab die Meinungen stark auseinander. Während ein Nachrichtenmagazin vier von fünf Sternen vergab, waren die Filmkritiker auf Youtube weniger gnädig und ließen sich wenig wohlwollend über die missglückten computergenerierten Landschaften aus. Dennoch hatte ich mich mit einer Freundin zum Besuch der Neuverfilmung des Agatha-Christie-Klassikers aus den 70er Jahren verabredet. Zum einen hatte mich der mit der Musik von Depeche Mode unterlegte Trailer gereizt, zum anderen fand ich das angekündigte Eintauchen in Hercule Poirots Vergangenheit durchaus interessant. Herausgekommen sind zwei Stunden guter Unterhaltung, die zu einem großen Teil den Kostümen geschuldet sind. Auch die Musik war für mich stimmig. Nix Depeche Mode, dafür aber Jazz aus der Zeit der Dreißiger Jahre, schließlich befinden wir uns auf einem Raddampfer im Ägypten des Jahres 1937, auf dem nicht nur ein Mord geschieht, sondern gleich drei. Erstaunlicherweise sind nicht nur mir, sondern meiner Freundin sofort diverse Filmfehler ins Auge gesprungen, was sonst komplett an mir vorbeigeht: Karnak liegt a) zwar auf dem 25. Breitengrad, aber laut meiner Freundin, die schon in Südägypten war, kann man dort kaum ausgiebig jene spektakulären Sonnenuntergänge beobachten, da es dort so schnell dunkel wird wie wenn man im Zimmer das Licht ausknipst, und b) vor allem nicht direkt am Nil. Dennoch war es ein kurzweiliges Spektakel, das mir sogar noch besser gefallen hat als Kenneth Branaghs Neuverfilmung von „Mord im Orient-Express“, womit ich vermutlich komplett aus der Reihe tanze.

Das war’s dann auch schon wieder mit den Filmen für diesen Monat. Eigentlich wollte ich mir noch den mit vielen Vorschusslorbeeren bedachten Film „Belfast“ von Kenneth Branagh anschauen, der am 24.2.22 in den deutschen Kinos angelaufen ist. Leider aber ist dieser Tag wohl auch in diesem Jahr von traurigmachenden Ereignissen überschattet. Mal sehen, wie sich der März entwickelt.

Cinema-Scope 2022 : Januar, Tendenz düster

Wie eiskalt ist dies Händchen… Den Anfang in diesem Jahr machte ein Film, den ich auf dem öffentlich-rechtlichen Spartensender ard one gesehen habe: „The Deep“, ein isländischer Spielfilm von 2012, der auf einer wahren Begebenheit beruht. Ob das jetzt mein neues Motto wird oder nicht, wird sich zeigen. Die Grundtendenz war jedenfalls wenig heiter stimmend bzw. bis da hin, wo’s weh tut.

The Deep (gesehen auf ard one): 1984 überlebte der isländische Fischer Guðlaugur Friðþórsson als einziger das Kentern seines Trawlers und legte die fünf Kilometer zur Heimatinsel in fünf Grad kaltem Wasser und bei einer Lufttemperatur von drei Grad Celsius schwimmend zurück, um anschließend barfuß ein Lavafeld zu überqueren, bevor er wieder zu Hause ankam – ein Wunder, das man wissenschaftlich untersuchte und das den Mann mit der außergewöhnlichen Konstitution und dem eisernen Überlebenswillen als „Seehund-Mann“ in die isländische Geschichte eingehen ließ.

Children of men (gesehen auf ZDF Neo): Aus dem Jahr 2006 stammt dieser dystopische Thriller von Alfonso Cuarón, in dem im Jahr 2027 seit 18 Jahren nach einer Grippepandemie weltweit keine Kinder mehr zur Welt gekommen sind und sich das sich von der übrigen Welt abgeschottete Großbritannien zum Polizeistaat entwickelt hat, der gnadenlos Jagd auf sogenannte illegale Einwanderer macht und diese in Lager steckt, wo sie wie Abschaum behandelt werden. Da wird der jüngste Mensch der Erde als Sensation gefeiert, doch das größere Wunder soll sich erst noch ereignen: Ausgerechnet die junge „Illegale“ Kee, die von dem Regierungsbeamton Theo Faron (Clive Owen) an einen sicheren Ort gebracht werden soll, ist seit 18 Jahren als erste Frau schwanger, muss aber ihre Schwangerschaft verheimlichen, weil man ihr sonst das Kind wegnehmen würde. Es beginnt eine Jagd, bei der bald niemand mehr den anderen traut. Beeindruckend war für mich nicht nur die Zukunftsvision, die 14 Jahre nach dem Erscheinen des Films (mit Julianne Moore, Charlie Hunnam und Michael Caine in weiteren Rollen) erschreckend reale Züge zu zeigen scheint, sondern auch die Schnittechnik, die minutenlange Sequenzen wie aus einem Guss entstanden wirken lassen.

12 years a slave (gesehen auf arte): Von Halunken übers Ohr gehauen und über Nacht vom freien Mann zum Sklaven degradiert, dieses Schicksal – eine wahre Geschichte – ereilt den Violinisten Solomon Northup, nachdem er ein Engagement angenommen hat, ohne zu wissen, dass es sich bei den vermeintlichen Schaustellern um Sklavenhändlern handelt, die ihre „Ware“ aus dem amerikanischen Norden an Plantagen im tiefsten Süden verschachern. Fortan ist er der Willkür und Gnade der Plantagenbesitzer ausgeliefert, und es soll insgesamt zwölf Jahre dauern, bis er durch einen Zufall in Form des durchreisenden kanadischen Handwerkers Samuel Bass (Brad Pitt) seiner in New York lebenden Familie eine Nachricht zukommen lassen kann. Doch trotz der mit Nachdruck erwirkten Freilassung bleibt die zu erwartende Gerechtigkeit aus, da er die Schuldigen nicht verklagen, wie sie Weiße sind, und sie somit für ihre Taten niemals belangt werden.

Die Wannseekonferenz (gesehen im Abendprogramm des ZDF): Basierend auf der einzigen Kopie des Konferenzprotokolls, zeichnet der Fernsehfilm von Matti Geschonnek ein Bild jener Konferenz nach, bei der am 20. Januar 1942 in einer feudalen Villa am Wannsee über die sogenannte „Endlösung der Judenfrage“ bzw. deren Organisation beraten wurde, die im Zug der nach Osten vorrückenden Truppen erst den Anfang auf dem Weg zur „Germanisierung Europas“ darstellen sollte. Mit welcher Kaltschnäuzigkeit und akribischen Bürokratie die Beteiligten das weitere Vorgehen in allen Einzelheiten durchgingen, war nicht das Erschreckendste an dieser Zusammenkunft – sondern eher die Sorge um die Täter, denen man die Massenerschießungen und daraus resultierende Traumata unmöglich weiter zumuten konnte, da letztere der Sache nicht dienlich seien. Zu sehen ist der Film in der ZDF-Mediathek bis 2024.

Ins Kino hat es mich diesen Monat nicht gezogen – außer den ersten sechs Folgen der ersten Staffel von „Game of Thrones“ auf DVD wurde mein Filmkonsum vom Fernsehen bestimmt, und das auch nur in homöopathischen Dosen.

Cinema-Scope 2021 : 50 shades of cinema – mein Jahresrückblick

Coronajahr 2.0 – im Gegensatz zu 2020 waren in diesem Jahr ab Juli auf einmal wieder Kinobesuche möglich. Da ich mich zwei Wochen vorher habe impfen lassen, wollte ich mir diese Chance nicht entgehen lassen und freute mich bei meinem ersten Kinobesuch im Sommer schon auf den für September angekündigten Bond-Film (der dann auch prompt mein persönlicher Abschluss für jenen Monat wurde). Welcher Film mich aber dann statt dessen umgehauen hat und welche Filme noch zu meinen persönlichen Highlights wurden, halte ich in diesem Rückblick fest.

Für jeden Monat ein Thema: Was sich im Jahr zuvor durch den September (Sci-Fi), Oktober (Horrorfilme) und November (Noir) bereits sachte angedeutet hat, fand hier die Fortsetzung, wobei einige Mottos ziemlich zusammenkonstruiert wirken. Ob ich das jedoch 2022 auch wieder in dieser Form durchziehe, weiß ich jetzt noch nicht.

Januar : Von gestern – fünf Filme fürs Herz

Hier war Nostalgie angesagt: Entweder bei den Charakteren, die sich auf einen Roadtrip in einem alten VW-Bus begeben oder die vermeintlich gute alte Zeit erneut aufleben lassen wollen – und manchmal war die Handlung gleich ganz in der Vergangenheit angesiedelt. Meine Favoriten waren die Filme „303“, „Mitten ins Herz – ein Song für Dich“, „Road to your heart“ und „Love Story“ sowie der Dreiteiler „A very English scandal“.

Februar : Die feine Gesellschaft – drei völlig unterschiedliche Charaktere

Das Motto schien mir hier schon sehr weit hergeholt, aber sei’s drum. Ich habe mir den Schuh ausgesucht, jetzt muss ich ihn auch tragen. Und so lauten meine Highlights hier „A United Kingdom“, „Systemfehler – wenn Inge tanzt“ und „Nicht auflegen!“

März : Wenn man sich mit den Falschen anlegt – drei Filme mit Konfliktpotenzial

Hier war der Stress vorprogrammiert. Bei den einen war Krawall Programm, bei anderen drohte der Knatsch innerhalb der Familie und mit der besten Freundin, und am englischen Königshof zu leben, war auch kein Spaziergang. Der Mix aus gekauften, mitgebrachten und ausgeliehenen DVDs hat mir besonders bei diesen Filmen gefallen: „Fight Club“, „Kick it like Beckham“ und „The favourite – Intrigen und Irrsinn“.

April : Aus jedem Dorf ein Köter – drei völlig unterschiedliche Kandidaten

In Ermangelung eines vernünftigen Mottos hatte mein Programm Filme aus unterschiedlichen Genres – am Ende machten Produktionen, die in der Sowjetunion spielen, das Rennen: „Wächter der Nacht“ & „Wächter des Tages“ und die Miniserie „Chernobyl“

Mai : der musikalische Monat – drei Werke mit Rhythmus

Hier war größtenteils Musik drin, ob Gothic-Rock-Oper oder Musicalverfilmung… auch ein Film, in dem ein erfundenes Musikfestival am anderen Ende der Welt im Zentrum stand, war mit dabei. Hier hätte ich auch „Wiedersehen macht Freude“ sagen können, denn „Repo! The Genetic Opera“, „Three Summers“ und „The Rocky Horror Picture Show“ habe ich nicht zum ersten Mal gesehen.

Juni : der Monat mit dem Sommerloch – einer geht (doch) noch

„König Fußball“ regierte die Medien und das Fernsehprogramm, und ich gönnte mir eine Auszeit. Der Juni war mein Urlaubsmonat, und so war das einzige, was ich mir über die ZDF-Mediathek anschaute, die Dokumentation „Schwarze Adler“ über den alltäglichen Rassismus im Fußball.

Juli : Menschen mit einer Mission – drei Überraschungsheldinnen

Stecken Sie sich hohe Ziele. Greifen Sie nach den Sternen. Egal ob Superheldin oder Ärztin, die eigentlich nur kranken Menschen helfen möchte… und nicht zuletzt die Mutter, die die Untätigkeit der Polizei nicht mehr ertragen kann. Mit „Die perfekte Kandidatin“, „Three Billboards outside Ebbing, Missouri“ und „Black Widow“ als erstem Film, den ich im Kino gesehen habe standen meine Lieblinge im Juli fest.

August : An Action! – sechsmal geballte Power

Alles, was knallt. Sowohl auf DVD, im Fernsehen oder im Kino… „Lethal Weapon 1“ & „Lethal Weapon 3“, „Snowpiercer“, „Escape Room 2 – No way out“, „12 Monkeys“ und „Face/Off – Im Körper des Feindes“ – da hatte ich noch lange etwas davon.

September : Alles mit S – drei sehenswerte Filme

Nicht die Titel trugen das S in sich, sondern die Stichworte, unter denen ich meine Eindrücke am Ende des Septembers zusammengefasst habe. „The Shape of Water“ und „Fisherman’s Friends“ waren dabei Geheimtips, die mir von mehreren Seiten an Herz gelegt worden waren, und ganz besonders war ich von „Dune, Part One“ beeindruckt. Diese Neuverfilmung hat meine Erwartungen sogar noch übertroffen, und ich bin froh, dass ich gleich nach Erscheinen ins Kino gegangen bin.

Oktober : Horrorctober – sechsmal Schaudern

Nimm eine Box mit 33 Filmen und wähle 13 davon im Losverfahren aus. Ist halt nur blöd, wenn sich darin nicht nur einige Gurken befinden, sondern andere gar nicht erst vom Gerät abgespielt werden können – schlecht für meine Methode, aber gut für die Filme, die ich mir an deren Stelle angesehen habe. „Slugs“ und „Willard“ als Kandidaten aus dem Genre „Tierhorror“ und „Graf Zaroff – Genie des Bösen“ waren für mich tatsächlich echte Meilensteine des Horrorfilms (wenn auch aus der Konserve), die auf dem Fantasy Filmfest mit „Lamb“ und „Gunpowder Milkshake“ ihre Fortsetzung fanden, aber die wahre Überraschung hielt tatsächlich ein Privatsender mit „The Pool“ aus Thailand für mich parat.

November : Wiedersehen macht Freude – drei die mir am Herzen lagen

Okay, hier habe ich ein wenig geschummelt, denn „Last Night in Soho“ war tatsächlich ein brandneuer Kinofilm (für den im Vorfeld kräftig die Werbetrommel gerührt worden war), auch „Lunchbox“ war für mich komplett neu (aber über das in dem indischen Film gezeigte Verteilersystem für in Büros gelieferte Mittagessen hatte ich vor längerem eine Dokumentation gesehen). In die Kategorie „Wiederholungstäter“ fallen daher nur der Anime „Das wandelnde Schloss“ und der Spielfilm „Dogs in Space“ in der australischen Originalversion ohne Untertitel.

Dezember : History Lessons – viermal Nachhilfe in Geschichte

Hier konnte ich wirklich noch etwas lernen. Zum Beispiel wie es der japanischen Bevölkerung nach dem verlorenen Krieg unter russischer Besatzung erging in „Giovannis Insel“, wie brandgefährlich es war, aus der DDR zu fliehen in „Ballon“ und dass manche Spione durch ihr hohes Alter einer Verurteilung entgehen konnten in „Geheimnis eines Lebens“. Den idealen Weihnachtsfilm dagegen lieferte die bezaubernde Literaturverfilmung „Betty und ihre Schwestern“ von 1994.

Und sonst so?

Nicht zum Monatsmotto passten die im Oktober erschienenen deutschen Produktionen „Fly“ und „Contra“ – aber ich fand sie so gut, dass ich sie hier nochmals erwähnen wollte. Und um die 50 vollzumachen, nenne ich als sogenannte „Honorable Mentions“ noch folgende Produktionen:

1) den britischen Animationsfilm „Stickman“ (eine an Weihnachten laufende BBC-Produktion für Kinder) +++ 2) die französische Miniserie „Stalk“ (mit zehn Folgen à 20 Minuten) +++ 3) „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ (das tschechisch-deutsche Original von 1973) +++ 4) „Drei Männer im Schnee“ (passend zur Jahreszeit) +++ 5) „Crocodile Dundee – ein Krokodil zum Küssen“ (als letzter Film des Jahres).

Das waren 50 Top-Filme und Serien, von denen einige für mich eine echte Entdeckung darstellten. Dabei war mein Pensum wesentlich höher, aber auf Verrisse der „Gurken“ habe ich an dieser Stelle bewusst verzichtet, um mir die angenehme Stimmung nicht zu verderben und um mich zu darüber hinweg zu trösten, dass der Film, auf den ich mich im Dezember am meisten gefreut habe, in den Februar verschoben wurde. Was aber auch bedeutet, dass damit auch schon wieder eins der ersten Ziele für 2022 feststeht.

Cinema-Scope 2021 im Dezember: History Lessons

Oft kommt es anders, als man denkt – unter diesem Motto hatte ich eigentlich vor, meinen Rückblick auf den letzten Monat des Jahres erst im Januar erscheinen zu lassen, weil ich nicht wusste, ob ich in der letzten Dezemberwoche doch nochmal ins Kino gehen würde. Doch nachdem sich nun herausgestellt hat, dass der Film „Wunderschön“ von Karoline Herfurth in den Februar verschoben wurde, war es das für mich in diesem Jahr. Also konzentriere ich mich lieber auf die beiden Filme, die von meiner Liste aus dem letzten Jahr noch übrig sind: Ballon und Kursk – beides historische Themen. Et voilà: Das Motto für den Dezember war geboren, und am Ende kam dann das dabei heraus:

Giovannis Insel +++ House of Gucci +++ Die Kennedys +++ Ballon +++ Betty und ihre Schwestern +++ Geheimnis eines Lebens +++ Kursk

Giovannis Insel: Zwei Jungen während des Zweiten Weltkriegs auf einer abgelegenen japanischen Insel und wie sie die Zeit durch russische Besatzung erleben, nachdem Japan den Krieg verloren hat. Trotz aller Entbehrungen verlieren sie nie den Mut in diesem Anime 2014 – auch dann nicht, nachdem ihr Vater wegen unerlaubten Verteilens von Essensvorräten der japanischen Armee an die hungernde Bevölkerung in ein sibirisches Arbeitslager gesteckt wird und alle Inselbewohner ebenfalls auf Lager in Sibirien verteilt werden. Kraft gibt ihnen ein Kinderbuch, nach deren Hauptcharakteren sie von den Eltern getauft worden sind. Beeindruckend fand ich den Film nicht nur wegen der heiteren Töne, die in dem ansonsten düsteren Drama, an vielen Stellen angeschlagen werden, sondern auch die die Beimischung von CGI in den Szenen die das Geschehen in der Fantasie der beiden Kinder schildern. Nach „Chihiros Reise ins Zauberland“ und „Das wandelnde Schloss“ noch ein Anime, der mich tief berührt hat.

Die Kennedys: Ach ja, die Familie…  Komplexe Themen bedürfen eines detailliert ausgearbeiteten Plots, und für diese kanadisch-amerikanische, achtteilige Fernsehserie mit Greg Kinnear und Katie Holmes, ausgestrahlt an mehreren Abenden auf ard one, habe ich alle anderen Programme sausen lassen. Thematisiert wird der Weg John F. Kennedys zum Amt des Präsidenten, immer wieder unterbrochen von Rückblenden, bei denen vor allem der von Ehrgeiz angetriebene Kennedy senior im Mittelpunkt steht, dessen Traum es ist, die Söhne an die Schaltstellen der Macht zu bringen: den einen als Präsidenten, den anderen als Justizminister – koste es, was es wolle. Zur Sprache kommen aber nicht nur die familiären Konflikte, bei denen vor allem die Frauen zu Schachfiguren im Spiel um die Wahrung der idealen Fassade degradiert werden, sondern auch Rassenunruhen, die Kubakrise und der Bau der Berliner Mauer. Leider wirkten die ständigen Rückblenden, auch noch nach den Attentaten auf John F. und Robert Kennedy, eher ermüdend als erhellend.

House of Gucci: Andere Familie, andere Ambitionen. Im Media Monday hatte ich es schon kurz angerissen – neugierig geworden durch den Trailer, war ich am Zweiten Advent im Kino, um mir die 158minütige Produktion von Ridley Scott anzuschauen, von der ich gedacht hatte, dass eigentlich die Geschichte des Mordes an Maurizio Gucci erzählt werden würde, doch bei der beeindruckenden Länge und dem Staraufgebot (Jeremy Irons, Al Pacino, Adam Driver, Jared Leto, Lady Gaga und Salma Hayek) hätte mir klar sein müssen, dass das Porträt, das man im Übrigen nicht für bare Münze nehmen sollte, sehr viel weiter zurückgehen und einen Teil der Gucci-Familiengeschichte erzählen würde. Trotz aller Akribie hatte ich stellenweise keine Ahnung, wie sich die Handlung entwickeln würde, und auch die charakterliche Entwicklung des Maurizio Gucci, der zu Beginn extrem sparsam lebt und dem das familiäre Erbe und Vermögen egal ist und später einen verschwenderischen Lebensstil pflegt, fand ich nicht ganz schlüssig. Alles in allem war dieser Kinonachmittag dennoch keine Zeitverschwendung.

Ballon: Von der abenteuerlichen Flucht der Familien Strelzyk und Wetzel in einem Heißluftballon aus der DDR in den Westen, die 1979 für ein unglaubliches Aufsehen in den Medien gesorgt hat, handelt das Drama von 2018, hochspannend und gleichzeitig berührend inszeniert von Michael „Bully“ Herbig. Als Elfjährige hatte ich mir damals kaum Gedanken darüber gemacht, mit welchen Gefahren alleine die Vorbereitungen verbunden waren, sondern war von dem Mut fasziniert, mit dem die acht Personen in die Gondel des unberechenbaren, weil selbstgebauten Höllengefährts gestiegen sind. Zu jeder Zeit hätte das Projekt scheitern können, und das Gefühl, unablässig beobachtet zu werden, war mit jeder Minute zu spüren. Dank dieser Neuverfilmung des Disney-Films „Mit dem Wind nach Westen“ bin ich jetzt umfassend im Bilde und kann nur sagen: Hut ab. Manche Geschichten sind es durchaus wert, mehrmals erzählt zu werden.

Betty und ihre Schwestern: Die für mich stimmigere und schönere Variante des gleichen Themas (die Verfilmung des Romans „Little Women“ von Louisa May Alcott) als die Neuauflage von 2019 mit dem Titel „Little Women“. In den Hauptrollen Winona Ryder, Kirsten Dunst und Clare Danes als die March-Schwestern und Susan Sarandon als Mutter, die ihre vier Töchter alleine durchbringen und gleichzeitig um den Ehemann bangen muss, der verwundet in einem Lazarett liegt. Der Zusammenhalt der Schwestern als zentrale Botschaft sticht unverkennbar hervor, aber auch Jo und ihr Einstehen für ihre eigenen Ansichten gegenüber gesellschaftlichen Zwängen, der Ehe als einzig erstrebenswertes Lebensziel für Frauen und nicht zuletzt dem Wahlrecht für Frauen machen den Film für mich sehenswert und zu einem passenden Kandidaten für die Weihnachtszeit.

Geheimnis eines Lebens: Basierend auf einer Romanvorlage, die sich an dem Leben von Melita Norwood orientiert, die im Alter von 80 Jahren als sogenannte Oma-Spionin enttarnt wurde. Im Film Joan Stanley genannt und von Judi Dench verkörpert, muss ihr sie als Anwalt vertretender Sohn erkennen, dass sie nicht nur am Bau der Atombombe mitgearbeitet hat, sondern sie nach dem Abwurf auf Hiroshima und Nagasaki die strenggeheimen Pläne an die Russen weitergegeben hat, damit „alle über das gleiche Wissen verfügen“. 

Kursk: Ein heißgelaufener und vorzeitig detonierter Übungstorpedo kostet einem Teil der Besatzung des Atom-U-Boots K-141 Kursk das Leben. Nur zögerlich kommen die letztendlich an Material- und Wartungsmängeln scheiternden Rettungsversuche mit einem Tauchboot in Gang, doch anstatt Hilfe aus dem Ausland unter der Regie Commodore David Russell (Colin Firth) anzunehmen, ist die russische Admiralität mehr um die Wahrung militärischer Geheimnisse bemüht, als die zügige Bergung der am Grund der Barentssee voranzutreiben und verharrt in Untätigkeit. Erst der Druck der Angehörigen, die sich nicht länger mit faulen Ausreden und patriotischen Reden über die glorreiche Vergangenheit abspeisen lassen wollen, entscheidet man sich dann doch dazu, der Royal Navy grünes Licht zu geben – leider aber zu spät, und so warten die 23 Matrosen am Ende dann nur noch auf den Tod und nicht mehr auf ihre Rettung. Kurze Notiz am Rande: Dieser Katastrophe hat die deutsche Mittelalter-Elektronik-Band Helium Vola ihr gleichnamiges Album gewidmet (unüberhörbar in den Stücken „Funerali“ und „Les habitants du soleil“).

That’s it. Aber anstatt mir Steven Spielbergs 1:1-Remake des nur unwesentlich kürzeren Meisterwerks „West Side Story“ von 1961 im Kino anzusehen, habe ich mich lieber dem ersten Teil der sechsten Staffel von „Vikings“ und der ersten Staffel von „Game of Thrones“ (Folgen 1-4) gewidmet – letztere zusammen mit meiner Schwester, die sich auch prompt mit der zweiten Staffel von „Black Sails“ als Weihnachtsgeschenk für mich revanchiert hat. Doch was währen all diese Monatsrückblicke auf den ultimativen Jahresrückblick inclusive „Gurken“ und Kandidaten, die hier noch keine Erwähnung gefunden haben?

Genau – und weil das Jahr noch nicht vorbei ist, folgt der demnächst.

Cinema-Scope 2021 im November : Wiedersehen macht Freude

Das Jahr rennt förmlich nur so dahin, da wird es Zeit für mich, mal Rückschau zu halten auf das, was ich mir filmisch zu Beginn des Jahres vorgenommen hatte. Der „gute Vorsatz“, mir von meinen 12 noch nicht gesehenen DVDs jeden Monat eine vorzunehmen, ist durch den Horrorctober ein wenig aus dem Fokus geraten, denn es sind noch drei Filme übrig: Ballon, Kursk und Waltz with Bashir. Aus einer Laune heraus hatte ich mich für den letzten entschieden und damit auch gleichzeitig vorschnell mein Motto für den vorletzten Monat des Jahres festgelegt: Animationsfilme – egal aus welchem Genre.

Damit hätte ich den unterschiedlichsten Varianten und Themen Tür und Tor geöffnet, doch dass es dabei nicht bleiben würde, war mir klar, als ich mir neben all den Animationsfilmen auch einen Realfilm ausgeliehen hatte, dem noch weitere folgen sollten – auf DVD, im Fernsehen, auf Youtube und vor allem im Kino.

Doch zuerst, wie so oft bei mir, die Übersicht, in chronologischer Reihenfolge (die beiden Flops vom Monatsanfang lasse ich bewusst weg):

Waltz with Bashir +++ Ice Age 5 – Kollision voraus +++ Last Night in Soho +++ Lunchbox +++ Dogs in Space +++ James Bond 007 – Der Morgen stirbt nie +++ Stein’s Gate – The movie +++ Die Monster-Uni +++ Running Man ++ Das wandelnde Schloss

Deshalb habe ich meinen Monatsrückblick gesplittet. Und nun Vorhang auf für meinen Rückblick, denn Wiedersehen macht Freude.

Animationsfilme

Dass es abseits von Disney-Produktionen noch weitaus Sehenswerteres gibt, das sich in meinen Augen aber nicht für Kinder eignet (Watership down, Wenn der Wind weht, Animal  Farm oder The Wall), war für mich Anlass, bei meinem Besuch der Stadtbücherei gezielt nach Animationsfilmen zu fragen. Dabei durfte ich dann die Erfahrung machen, dass sich die nette Bibliotheksangestellte unter diesem Genre etwas anderes vorgestellt hat als ich, denn auf mich wartete eine wahre Fülle von Anime-Serien,  mit einzelnen Filmen dazwischen. Die Filme, die mir vorschwebten, fand ich dann schließlich doch noch.. in einem anderen Teil der Bücherei.

Waltz with Bashir:

Gekauft habe ich diese DVD bei einem Flohmarkt für einen Euro, hatte aber noch nicht die Muße gefunden, sie mir anzusehen, denn bei der israelisch-französisch-deutschen Co-Produktion von 2008 handelt es sich um schwere Kost, die ich Zartbesaiteten nicht empfehlen würde. In Kürze zusammengefasst geht es um die Aufarbeitung des Massakers von Sabra und Schatila im Jahr 1982 während des Kriegs im Libanon – eine in Teilen biografische Dokumentation mit Interviews, die der Regisseur mit allen Beteiligten und einer Traumatherapeutin führt, und Rückblenden, in denen das Geschehen aus verschiedenen Perspektiven gezeigt wird. Erst am Schluss, der dank der übergangslos eingeblendeten realen Aufnahmen von Getöteten und verzweifelten Überlebenden wie ein Schlag in die Magengrube daherkommt, wird klar, welche Rolle der Interviewer bei seinem Einsatz am Ort des Massakers an den Flüchtlingen gespielt haben muss.

Ice Age 5 – Kollision voraus:

Wer schon immer wissen wollte, was es in „Ice Age“ mit dem ins Eis eingeschlossenen Raumschiff auf sich hat oder woher der Jupiter seinen roten Flecken hat, erfährt jetzt die Vorgeschichte – natürlich ist mal wieder Scrat an dem ganzen Chaos schuld, das auf Manni & Co in Form eines Meteoritenschauers, gefolgt von dem einen lebensbedrohenden Asteroiden wartet. Um den alles vernichtenden Zusammenstoß zu vermeiden, gibt es nur einen Weg: Sie müssen magnetische Kristalle ins Weltall schießen, um den Asteroiden von der Erde wegzulenken. Klingt so abenteuerlich und gewagt wie „Armageddon“, doch angesichts der Tatsache, dass wir uns noch immer zur Zeit der Mammuts und Dinosaurier befinden und jedwede Technik noch nicht mal hörbare Zukunftsmusik ist, war ich gespannt, wie sich der bunt gemischte Freundeskreis bei dieser Aufgabe schlagen würde. Wie sie das am Ende zuwege bringen, damit hätte ich niemals gerechnet, und zu sehen, wie Sids geliebte, süße, aber bösartige Oma in ihrer Jugend so drauf war, fand ich auch recht spaßig. Kritiker fanden den Film entbehrlich, mir hat er jedoch besser gefallen als sein Vorgänger.

Stein’s Gate – The movie:

Zeitreisen beziehungsweise was passiert, wenn mehrere durch Zeitreisen entstandene parallele Zeitlinien für den, der sie besucht hat, durcheinanderkommen – den auf einem Computerspiel und einer Animeserie basierenden Film fand ich nicht nur unterhaltsam, sondern auch richtig gut, auch wenn ich weder das Spiel noch die Serie kenne.

Die Monster-Uni:

Als der fiese Randall noch nicht fies, sondern ein richtig netter Kerl war und der nette Sully aus der Monster-AG noch ein eingebildeter Schnösel. An der Monster-Uni, für erfahrene Schrecker der Monster-AG die beste der Welt, treffen sie sich wieder, und für den kleinen Mike Glotzkowski beginnt ein Studentenleben, das er sich so nicht vorgestellt hat und mich stellenweise an den Film „Sydney White – Campus Queen“ erinnert hat – in dem gibt es auch die überhebliche Studentenverbindung, deren Mitglieder bei Lehrkörper und Unileitung äußerst beliebt sind, und dann die teilweise wirklich schusseligen Nerds, die keiner haben will und die in einer maroden und vom Abriss bedrohten Bruchbude hausen, aber herzensgut sind und in allen Lebenslagen zueinander halten. In einer solchen Nerdverbindung landen Sully und Mike notgedrungen und stellen fest, dass gute Freunde unbezahlbar sind.

Das wandelnde Schloss:

Das Anime von 2004 adaptiert das Kinderbuch der englischen Schriftstellerin Diane Wynne Jones und erzählt die Geschichte der jungen Hutmacherin Sophie, die von einer eifersüchtigen Hexe in eine alte Frau verwandelt wird und als sich selbst eingestellte Putzfrau Unterschlupf in dem wandelnden Schloss des Zauberers Hauro findet und sich unter anderem um die Feuerstelle und den darin lebenden Feuerdämon Calcifer kümmert. In Hauro verliebt, versucht sie, sein Geheimnis zu ergründen. Neben „Chihiros Reise ins Zauberland“ ist dies schon der zweite Film der Ghibli-Studios, der mir so richtig gut gefallen hat, was u.a. auch daran lag, dass die Bilder so wirken, als habe sich jemand aus früheren Jahrhunderten so die Zukunft vorgestellt. Und die Idee, durch ein Stellrad mit unterschiedlich gefärbten Segmenten bestimmen zu können, in welchem Teil des Landes sich die Haustür öffnet, fand ich einfach magisch.

Kommen wir nun zu den Realfilmen.

Realfilme

Mein persönlicher Film des Jahres führt denn auch gleich diesen Teil der Liste an – eine Warnung vorab: Auch bei den anderen Filmen wird es nicht fröhlicher.

Last night in Soho:

Mit einem Stipendium am Londoner College of Fashion glaubt Ellie Turner aus Cornwall das große Los gezogen zu haben, doch mit ihren Kommilitoninnen kommt die angehende Modedesignerin nicht zurecht und sieht sich gezwungen, ein möbliertes Zimmer bei einer älteren, verschrobenen Dame zu mieten und einen Job in einem Pub anzunehmen. Ihr Glück scheint sich zu wenden, als sie eines Nachts im Traum mitten im London der Sechziger Jahre zu sich kommt und ihrem Idol, der blonden Sängerin Sandy begegnet, hat sie sich doch schon immer gewünscht, einmal London in den „Swinging Sixties“ erleben zu dürfen. Aus den Träumen wird jedoch schnell ein Alptraum, da sich Ellie zeitweilig im Körper von Sandy wiederfindet und hautnah miterleben muss, dass auf Sandy nicht die versprochene Gesangskarriere wartet, sondern die junge Frau dem Charme des vermeintlichen Managers auf den Leim gegangen ist und der sie geradewegs in die Prostitution schickt. Zu allem Überfluss sieht sie auch sämtliche Personen aus ihren (Alpträumen) in der Realität… Durch mehrere Trailer wurde ich auf diesen hochspannenden Thriller aufmerksam, der mich lange im Dunkel auf einer falschen Fährte tappen ließ, um mich mit einer Wendung zu schocken, mit der ich so nicht gerechnet habe. Die 117 Minuten des Psychohorror-Stücks mit brillianten Schauspielerinnen (Anya Taylor-Joy, Diana Rigg, Rita Tushingham, Thomasin McKenzie, Synnøve Karlsen) in Haupt- und Nebenrollen haben sich für mich nicht so angefühlt, und danach lag ich noch lange wach, weil ich das Gesehene Revue passieren lassen musste und sich erst im Nachhinein einige kleine Details in das Bild eingefügt haben. Für mich eine echte Überraschung in diesem Herbst.

Lunchbox:

Indien und sein beliebtes Lunchboxsystem – Dabbawala genannte Auslieferer bringen Angestellten in mehrstufigen Lunchboxen das Essen an den Arbeitsplatz – entweder das in einem Restaurant oder – in den meisten Fällen – zu Hause von den Ehefrauen gekocht worden ist. Eine solche Lunchbox mit dem mit besonders viel Liebe gekochten Essen darin landet in dem indischen Spielfilm „Lunchbox“ (im Original „Dabba“) von 2013 jedoch nicht bei Rajeev, sondern bei dem Witwer Saajan Fernandes (Irrfan Khan), der sich bei der Köchin Ila (Nimrat Kaur) mit einem handgeschriebenen Zettel in der leer zurückgeschickten Box prompt für die delikate, wenn auch leicht versalzene Mahlzeit bedankt. Es entsteht ein reger Briefwechsel, der das Leben der beiden nach und nach verändern wird. Es sind vor allem kleine Details, die wie Bindeglieder zwischen den beiden so unterschiedlich verlaufenden Leben von Ila und Saajan wirken und gleichzeitig offenbaren, wie ähnlich sich die beiden im Grunde sind. Das hat diesen Film für mich so spannend gemacht und mir gezeigt, dass Indien eben nicht automatisch auch Bollywood bedeutet. Eine wunderbar zarte und herzerwärmende Romanze mit ungewissem Ausgang – die als Arthouse-Produktion auch vorzüglich in die „Kino kulinarisch“-Reihe passen würde, die es vor einigen Jahren in unserer Stadt gab. Jedenfalls befinden sich die Rezepte dazu einem der DVD beiliegenden Heftchen. Vielleicht koche ich sie sogar demnächst nach.

Dogs in Space:

Das hat ja lange gedauert. Vor einigen Jahren habe ich den Film von 1986 auf Youtube mit x Werbeunterbrechungen gesehen, jetzt ist er nach langer Abwesenheit wieder da: als unsynchronisierte Originalversion ohne Untertitel oder Werbepausen, dafür aber aufgeteilt in vier handliche Häppchen à dreimal 25 und einmal 29 Minuten. Also habe ich kurzerhand das in der Melbourner Punkszene der Siebziger Jahre spielende Drama zum Bordprogramm für meinen Ausflug nach Mainz erklärt. Splitten können eben auch andere ganz toll. Dreh- und Angelpunkt ist ein etwas verwahrlostes Haus in einem Vorort von Melbourne, das sich im Lauf der etwas dünnen Handlung um einen Haufen Punks in eine heruntergekommene und zugemüllte Bruchbude verwandelt. Im Mittelpunkt der teilweise unübersichtlichen Gruppe stehen der Student Luchio (Tony Helou), ein namenloses Mädchen (Deanna Bond), die wechselnden Beschäftigungen nachgehende Anna (Saskia Post) und ihr Freund Sam (Michael Hutchence), Sänger der Punkband „Dogs in Space“. Es dauert nicht lange, bis Anna sich in seine Heroinabhängigkeit mit hineinziehen lässt und eine Überdosis sie das Leben kosten wird (sarkastischerweise an dem Tag, als Luchio seine Klausuren mit Bravour gemeistert hat), während ihr Liebster mit der Schuld weiterleben muss. Das böse Ende habe ich mir allerdings nicht während der Fahrt mit der Bahn angeschaut, sondern im Stillen Kämmerlein zu Hause.

Jetzt aber zu den nächsten Themen…

James Bond 007 – Der Morgen stirbt nie:

Den habe ich tatsächlich 1997 im Kino gesehen, weil ich gespannt war, wie mein ehemaliger Schulkamerad, der im gleichen Jahr mit mir zusammen das Abitur gemacht hat, als Bösewicht auf der Leinwand rüberkommen würde. Es war eine interessante Erfahrung, das zweite Filmabenteuer mit Pierce Brosnan als James Bond mal wieder im Fernsehen zu sehen – interessant, weil es diesmal Judi Dench war, bei der ich mich wunderte, dass ich ihr nicht schon früher Beachtung geschenkt habe. Hier lässt sie mit ihrer Ich-hab’s-Dir-doch-gesagt-Attitüde die Besserwisser vom Militär, die sie anscheinend nicht für voll nehmen oder gar ignorieren, dumm dastehen, während der Agent mit der Lizenz zum Töten mal wieder für die ganze Welt die Kastanien aus dem Feuer holen darf – dies aber natürlich nicht alleine, sondern zusammen mit der chinesischen Agentin Wai Lin (Michelle Yeoh). Wie bei allen Filmen dieser Serie wusste ich zwar zu Beginn schon, wie das zweistündige Spektakel endet, dennoch fand ich „Der Morgen stirbt nie“ unterhaltsamer als seinen Nachfolger, die Gegenspieler glaubwürdiger und die Gags genau richtig (jedenfalls damals):  Wer hätte im wie Fort Knox gesicherten Safe des bösartigen Medienmoguls ausgerechnet eine Blitz-Illu erwartet oder mit eindeutig-zweideutigem Geplänkel zwischen Miss Moneypenny und Bond erwartet?

Running Man:

Basierend auf einem Roman von Stephen King alias Richard Bachman, werden wir in diesem Actionfilm von 1987 in ein Los Angeles von 2017 versetzt, in dem Amerika zum Polizeistaat geworden ist, der die Kommunikation und die Künste zensiert. Um das Volk bei Laune zu halten, wird täglich die Spielshow „Running Man“ ausgestrahlt, in der Strafgefangene um ihr Leben rennen, von denen nur selten welche gewinnen. Eines Tages erwischt es den Polizisten Ben Richards (Arnold Schwarzenegger), der selbst im Gefängnis landet, nachdem er sich geweigert hat, aus einem Hubschrauber heraus auf unbewaffnete Demonstranten zu schießen. Als nicht freiwilliger Kandidat hat er sich zum Ziel gesetzt, die Wahrheit über das perfide System und den tatsächlichen Verbleib der „Gewinner“ der Show ans Licht zu bringen, und schon bald zeigt sich, dass es ein Fehler war, ihn und seine Gefährten zu unterschätzen… Wen ich als Darsteller in kleinen Nebenrollen nicht erwartet hatte, waren zum einen Mick Fleetwood (Fleetwood Mac) in der Rolle von Mic, dem Kopf der im Untergrund agierenden Widerstandsgruppe und zum anderen Dweezil Zapp als Guerillakämpfer eben jener Gruppe. Und wem die Story eventuell bekannt vorkommt: Für das Drehbuch zu dem Fernsehfilm „Das Millionenspiel“ von Tom Toelle aus dem Jahr 1970 hat Wolfgang Menge denselben Roman adaptiert.

Das waren fünf Animationsfilme und fünf Realfilme – beide haben sich also die Waage gehalten.

Horrorctober 2021 : „Meilensteine des Horrorfilms“, Teil 4

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Ein Satz mit X: Das war wohl nix? Falsch gedacht, denn wenn zwei Kandidaten partout nicht anspringen wollen (Tanz der toten Seelen und Der Hund von Baskerville), dann muss eben Ersatz her. An die Stelle von „Tanz der toten Seelen“ ist letzte Woche „Invasion der Aliens“ getreten. Wer allerdings für den Hund von Baskerville einspringt, ist eine echte Überraschung, aber die kommt schon noch. Keine Bange. Von meinen ausgelosten Filmen ist als letztes „Dan Curtis‘ Dr. Jekyll & Mr. Hyde“ aus dem Jahr 1968 übrig geblieben.

Und nun: Vorhang auf für meine Horrorshow

Lamb: Wenn du beim Schäfchenzählen nicht einschläfst, könnte es daran liegen, dass entweder der Kinosessel unbequem ist oder dich der Film in seinen Bann zieht. Im Fall des diesjährigen Regiedebüts von Valdimar Jóhannsson mit Noomi Rapace in der weiblichen Hauptrolle traf beides zu. Im Land der Sagen und Mythen erscheint es dem kinderlosen Paar Maria und Ingvar, das irgendwo in der isländischen Einöde Schafe züchtet und Kartoffeln pflanzt, nicht im mindesten seltsam, dass eines Tages eines ihrer Schafe ein Mischwesen mit dem Kopf eines Schafs und dem Körper eines Kindes zur Welt bringt. Fortan nennen sie den Nachwuchs Ada, nach dem kleinen Mädchen, das sie verloren haben, und ziehen es als ihr eigenes Kind groß. Doch das geschenkte Glück empfindet Maria bald schon als getrübt, weil ihr das Mutterschaf auf Schritt und Tritt folgt und blökend vor der Kinderstube verharrt. Den lebenden, vierbeinigen Vorwurf aus der Welt zu schaffen, liegt nahe – doch der Film wäre kein Mystery-Drama, wenn sich die üble Tat nicht irgendwann rächen würde. „Lamb“ hat mich nicht nur wegen der düsteren Bilder und grandiosen Landschaftsaufnahmen begeistert, sondern auch wegen der oft bedrohlichen Musik, in der das aufziehende Unheil unterschwellig mitschwingt.

Sauwetter, gepaart mit Schafskälte – https://media.outnow.ch/Movies/Bilder/2021/Lamb-II/003.jpg

Bei der Abstimmung im Kino, für die man uns vor Beginn der Vorstellung Stimmkarten ausgehändigt hat, habe ich daher dem Film die volle Punktzahl gegeben: fünf Sterne für den interessantesten Film des gesamten Monats.

Ein Anwärter auf den nächsten Auslands-Oscar – https://media.outnow.ch/Site/Waerbig/2021/Lamb/backl.jpg

Die Geschichte des Dr. Jekyll & Mr. Hyde:  Ein immer wieder gerne erzähltes Sujet von dem von seinen Kollegen mit Häme überschütteten Wissenschaftler Dr. Henry Jekyll, der das Böse im Menschen vom Guten trennen möchte, weil er hofft, dass sich der gute Teil dadurch erst richtig entfalten kann und ein Serum entwickelt, das er sich im Selbstversuch injiziert. Dass sich von den beiden Seelen in seiner Brust dann tatsächlich das Böse durchsetzt und er als Mr. Hyde immer hemmungsloser wird, bis er diese Form ohne Hoffnung auf Umkehrung beibehält, hat er jedoch nicht geahnt. Geschrieben hat den Klassiker Robert Louis Stevenson (1850 – 1894), und seitdem ist der Stoff etliche Male verfilmt worden. In dieser amerikanisch-kanadischen Fernsehproduktion geben sich Jack Palance in der berühmten Doppelrolle und Denholm Elliott als sein Freund George Devlin die Ehre. Gruselig war das Schauspiel zwar nicht, und auch bei den Spezialeffekten war noch Luft nach oben, aber hey – wir haben das Jahr 1968, da lag der Fokus auf anderen Dingen.

Wer mitgezählt hat, ist auf dreizehn Filme gekommen, und doch ist noch Platz für einen vierzehnten. An Halloween hatte RTL 2 einen Film aus Thailand im Programm, der es in sich hatte.

The Pool: Stell dir vor, du schläfst auf deiner Luftmatratze im Schwimmbecken mit Sprungturm ein und musst beim Aufwachen feststellen, dass der Wasserspiegel unaufhaltsam sinkt. Deine Freundin landet schwerverletzt neben dir, und wenn du denkst, es könnte nicht mehr schlimmer kommen, fällt auch noch hungriges Krokodil zu euch in den fast leeren Pool, der sich mit seinen sechs Meter hohen Wänden in eine Falle verwandelt hat, aus der ein Entkommen fast unmöglich scheint…

6 Meter Wand und keine Leiter – https://images.rtl2.de/qD1bPry5zTGC-the-pool-1-q-teaser.jpg

Mit diesem bis zur letzten Minute hochspannenden Schocker aus Thailand, den RTL2 an Halloween im Spätprogramm zeigte, habe ich offiziell meinen persönlichen „Horrorctober“ beendet, in dem dies nun der dritte Film aus dem Genre „Tierhorror“ war – wenn ich „Lamb“ ausklammere, bei dem sich das Grauen an anderer Stelle manifestiert. An dieser Stelle muss ich mich selbst zitieren: „eingesperrt zu sein wie in Cube, ist für mich ja schon schlimm genug“ – aber wenn die Hoffnung auf Entkommen jedes Mal, wenn sie erneut aufkeimt, durch kleine, fiese Twists und Missgeschicke zunichte gemacht wird und man auch noch dabei ein gefährliches Reptil im Auge behalten muss, ist das für mich wie eine Steigerung der bisher gesehenen und mit tödlichen Fallen gespickten Escape Rooms.

kein Kanalligator, aber ein Kroko im Springerbecken – https://www.youtube.com/watch?v=mb7J8JjYdQM

Aufgefallen ist mir, dass dies nicht der erste Thriller zum Thema „Gefangen in einem Pool“ ist, nur ist das Szenario komplett anders. Fazit: Eine echte Überraschung und würdiger Abschluss für diesen Monat im Zeichen des Horrorfilms.

Horrorctober 2021 : „Meilensteine des Horrorfilms“, Teil 3

Fünf Kandidaten für die verbleibenden beiden Wochen im Oktober – das müsste doch zu schaffen sein. Zur Auswahl sind übrig geblieben:

Tanz der toten Seelen + Dan Curtis‘ Dr. Jekyll & Mr. Hyde + Genie des Bösen (1932) + Folter (1968) + Der Hund von Baskerville

Aber ich wäre nicht für eine Überraschung gut, wenn ich nicht spontan beschlossen hätte, von diesem Schema abzuweichen und mir just for fun einen Horrorfilm im Fernsehen anzuschauen, und zwar einen, den ich noch nicht kannte, und darin wird ganz schön viel geschrien. Den Auftakt zum schaurigen Stelldichein bildet aber ein ganz anderer, mit einer erstaunlich gefassten und tatkräftigen Scream Queen.

An RKO Picture – https://i.pinimg.com/564x/0c/dc/a5/0cdca595cf6c8150ce7da5747fb88591.jpg

Und heute im Sonderangebot:

Graf Zaroff – Genie des Bösen: Schiffbruch mit Folgen. Fühlen sich die Überlebenden zunächst noch gut aufgehoben bei Graf Zaroff (Leslie Banks), der ihnen Obdach und Nahrung gibt, so müssen sie bald feststellen, dass der russische Aristokrat mit Leidenschaft für die Jagd sie nur aufgepäppelt hat, um sie anschließend mit drei Stunden Vorsprung quer über die Insel zu jagen. Überlebt hat das bisher niemand, bis ihm „das Schicksal“ den Großwildjäger Robert Rainsford (Joel McCrea) an den Strand spült. Auch er wird mit Vorsprung und mit der ebenfalls schiffbrüchigen Eve Trowbridge (Fay Wray) in den Dschungel entlassen, doch dann entpuppt sich das vermeintlich gefährlichste „Wild“ als zäher als gedacht. Hui, ein Schwarzweißfilm von RKO Pictures in erstaunlich guter Bild- und Tonqualität, mit der Scream Queen aus „King Kong“ höchstpersönlich sowie einer mal nicht heruntergeleiert wirkenden Synchronisation: Der Kurzfilm zum Vorglühen hatte nur 59 Minuten Länge, aber war dafür bis zur letzten Minute spannend.

A propos Schreien…

Scream: Wer kennt sie nicht, die Kombination aus bodenlanger schwarzer Kutte mit Kapuze und schreckenerregender weißer Maske mit grotesk verzerrten „Gesichts“zügen, in der ein psychopatischer Killer Jagd auf seine Opfer macht? Ein Jahr zuvor hat es die Mutter der Schülerin Sidney (Neve Campbell) erwischt – nun ist Sidney selbst an der Reihe. Zuvor aber müssen noch Mitschülerin Casey (Drew Barrymore) und ihr Freund Steve sowie der Schuldirektor dran glauben. Natürlich dürfen in diesem Spektaktel von 1996 keinesfalls die sensationslüsterne Klatschreporterin, der nicht ganz so helle Hilfssheriff und diverse, ebenfalls nicht so ganz intelligenten Schüler fehlen. Zu meiner Überraschung muss ich abschließend zugeben, dass mir dieser nicht im Plan stehende Film von Wes Craven gut gefallen hat – obwohl ich ihn nicht zum Fürchten, sondern eher lustig fand (von den gegen Ende gehäuften Jump Scares mal abgesehen). Und was die Maske angeht – die war anscheinend von Edvard Munchs Gemälde „Der Schrei“ inspiriert – wer’s nicht glaubt, bitte schön:

Folter: Hatten wir nicht neulich erst eine Kammer des Schreckens (nämlich die von Edgar Wallace, und nicht die von Harry Potter)? Wie auch immer, in dieser Folterkammer werden weibliche Opfer in Todesangst versetzt, denn diese Essenz ist für ein von Geologen entdecktes Wesen, bei dem es sich angeblich um kristalline Intelligenz handelt, überlebenswichtig. Doch bald schon kann sich das clevere Kerlchen selbst sein Futter suchen und muss nicht mehr warten, bis die Wissenschaftler es füttern. Schlimmer noch – dank seiner überragenden Geistesschärfe baut es sich seine eigene Energieversorgung auf und schickt sich an, zuerst die Gedanken der Menschen in nächster Nähe zu manipulieren, um anschließend die Weltherrschaft anzustreben. Klingt absurd und nach einer Mischung aus James Bond 007 und Science-Fiction? Bei diesen mexikanischen Billigproduktionen muss man auf alles gefasst sein – in den Verleih gelangten sie jedenfalls erst nach Boris Karloffs Tod.

Invasion der Aliens: Moment mal – wollte ich den nicht schon vor zwei Wochen gucken, und erwähnte ich da schon, dass die Packung falsch beschriftet war? In dieser Box ist so einiges schiefgelaufen, denn dieses krude 90-Minuten-Spektakel von 1971 befindet sich auf einer anderen DVD; abgesehen von der dünnen Handlung wurden hier Schauspieler und Kulissen aus „Folter“ mitverwendet, und auch hier stehen mal wieder Wissenschaftler im Mittelpunkt. Allerdings hundert Jahre früher, und hier sind es keine lebendigen Felsen, die die Gedanken der Menschen kontrollieren, sondern Aliens, die gleich den gesamten Körper übernehmen – und alles nur, weil man die Radioaktivität entdeckt hat und somit eine Bedrohung fürs gesamte Universum darstellt. Beim letzten Satz, den der Außerirdische loslässt, als er in seine fliegende Untertasse steigt, konnte ich allerdings nicht mehr an mich halten: „Wehe, wenn Menschen jemals auf die Idee kommen, die Atomkraft zu nutzen – dann kommen wir zurück“. Vielen Dank für den Brüller des Tages. Oder was man in den Siebziger Jahren halt so dachte. Eingetreten ist dieses Szenario bisher noch nicht. Sollte so ein Fred vom Jupiter eines Tages vor meiner Tür stehen, weiß ich jedenfalls, was zu tun ist.

An dieser Stelle lasse ich die Rückschau für die dritte Woche enden und gebe als Vorschau bekannt, dass es mit den beiden ausgelosten Filmen „Tanz der toten Seelen“ (1962) und „Der Hund von Baskerville“ (1983) nichts werden wird, weil die DVD beschädigt ist.