Cinema-Scope 2021 im November : Wiedersehen macht Freude

Das Jahr rennt förmlich nur so dahin, da wird es Zeit für mich, mal Rückschau zu halten auf das, was ich mir filmisch zu Beginn des Jahres vorgenommen hatte. Der „gute Vorsatz“, mir von meinen 12 noch nicht gesehenen DVDs jeden Monat eine vorzunehmen, ist durch den Horrorctober ein wenig aus dem Fokus geraten, denn es sind noch drei Filme übrig: Ballon, Kursk und Waltz with Bashir. Aus einer Laune heraus hatte ich mich für den letzten entschieden und damit auch gleichzeitig vorschnell mein Motto für den vorletzten Monat des Jahres festgelegt: Animationsfilme – egal aus welchem Genre.

Damit hätte ich den unterschiedlichsten Varianten und Themen Tür und Tor geöffnet, doch dass es dabei nicht bleiben würde, war mir klar, als ich mir neben all den Animationsfilmen auch einen Realfilm ausgeliehen hatte, dem noch weitere folgen sollten – auf DVD, im Fernsehen, auf Youtube und vor allem im Kino.

Doch zuerst, wie so oft bei mir, die Übersicht, in chronologischer Reihenfolge (die beiden Flops vom Monatsanfang lasse ich bewusst weg):

Waltz with Bashir +++ Ice Age 5 – Kollision voraus +++ Last Night in Soho +++ Lunchbox +++ Dogs in Space +++ James Bond 007 – Der Morgen stirbt nie +++ Stein’s Gate – The movie +++ Die Monster-Uni +++ Running Man ++ Das wandelnde Schloss

Deshalb habe ich meinen Monatsrückblick gesplittet. Und nun Vorhang auf für meinen Rückblick, denn Wiedersehen macht Freude.

Animationsfilme

Dass es abseits von Disney-Produktionen noch weitaus Sehenswerteres gibt, das sich in meinen Augen aber nicht für Kinder eignet (Watership down, Wenn der Wind weht, Animal  Farm oder The Wall), war für mich Anlass, bei meinem Besuch der Stadtbücherei gezielt nach Animationsfilmen zu fragen. Dabei durfte ich dann die Erfahrung machen, dass sich die nette Bibliotheksangestellte unter diesem Genre etwas anderes vorgestellt hat als ich, denn auf mich wartete eine wahre Fülle von Anime-Serien,  mit einzelnen Filmen dazwischen. Die Filme, die mir vorschwebten, fand ich dann schließlich doch noch.. in einem anderen Teil der Bücherei.

Waltz with Bashir:

Gekauft habe ich diese DVD bei einem Flohmarkt für einen Euro, hatte aber noch nicht die Muße gefunden, sie mir anzusehen, denn bei der israelisch-französisch-deutschen Co-Produktion von 2008 handelt es sich um schwere Kost, die ich Zartbesaiteten nicht empfehlen würde. In Kürze zusammengefasst geht es um die Aufarbeitung des Massakers von Sabra und Schatila im Jahr 1982 während des Kriegs im Libanon – eine in Teilen biografische Dokumentation mit Interviews, die der Regisseur mit allen Beteiligten und einer Traumatherapeutin führt, und Rückblenden, in denen das Geschehen aus verschiedenen Perspektiven gezeigt wird. Erst am Schluss, der dank der übergangslos eingeblendeten realen Aufnahmen von Getöteten und verzweifelten Überlebenden wie ein Schlag in die Magengrube daherkommt, wird klar, welche Rolle der Interviewer bei seinem Einsatz am Ort des Massakers an den Flüchtlingen gespielt haben muss.

Ice Age 5 – Kollision voraus:

Wer schon immer wissen wollte, was es in „Ice Age“ mit dem ins Eis eingeschlossenen Raumschiff auf sich hat oder woher der Jupiter seinen roten Flecken hat, erfährt jetzt die Vorgeschichte – natürlich ist mal wieder Scrat an dem ganzen Chaos schuld, das auf Manni & Co in Form eines Meteoritenschauers, gefolgt von dem einen lebensbedrohenden Asteroiden wartet. Um den alles vernichtenden Zusammenstoß zu vermeiden, gibt es nur einen Weg: Sie müssen magnetische Kristalle ins Weltall schießen, um den Asteroiden von der Erde wegzulenken. Klingt so abenteuerlich und gewagt wie „Armageddon“, doch angesichts der Tatsache, dass wir uns noch immer zur Zeit der Mammuts und Dinosaurier befinden und jedwede Technik noch nicht mal hörbare Zukunftsmusik ist, war ich gespannt, wie sich der bunt gemischte Freundeskreis bei dieser Aufgabe schlagen würde. Wie sie das am Ende zuwege bringen, damit hätte ich niemals gerechnet, und zu sehen, wie Sids geliebte, süße, aber bösartige Oma in ihrer Jugend so drauf war, fand ich auch recht spaßig. Kritiker fanden den Film entbehrlich, mir hat er jedoch besser gefallen als sein Vorgänger.

Stein’s Gate – The movie:

Zeitreisen beziehungsweise was passiert, wenn mehrere durch Zeitreisen entstandene parallele Zeitlinien für den, der sie besucht hat, durcheinanderkommen – den auf einem Computerspiel und einer Animeserie basierenden Film fand ich nicht nur unterhaltsam, sondern auch richtig gut, auch wenn ich weder das Spiel noch die Serie kenne.

Die Monster-Uni:

Als der fiese Randall noch nicht fies, sondern ein richtig netter Kerl war und der nette Sully aus der Monster-AG noch ein eingebildeter Schnösel. An der Monster-Uni, für erfahrene Schrecker der Monster-AG die beste der Welt, treffen sie sich wieder, und für den kleinen Mike Glotzkowski beginnt ein Studentenleben, das er sich so nicht vorgestellt hat und mich stellenweise an den Film „Sydney White – Campus Queen“ erinnert hat – in dem gibt es auch die überhebliche Studentenverbindung, deren Mitglieder bei Lehrkörper und Unileitung äußerst beliebt sind, und dann die teilweise wirklich schusseligen Nerds, die keiner haben will und die in einer maroden und vom Abriss bedrohten Bruchbude hausen, aber herzensgut sind und in allen Lebenslagen zueinander halten. In einer solchen Nerdverbindung landen Sully und Mike notgedrungen und stellen fest, dass gute Freunde unbezahlbar sind.

Das wandelnde Schloss:

Das Anime von 2004 adaptiert das Kinderbuch der englischen Schriftstellerin Diane Wynne Jones und erzählt die Geschichte der jungen Hutmacherin Sophie, die von einer eifersüchtigen Hexe in eine alte Frau verwandelt wird und als sich selbst eingestellte Putzfrau Unterschlupf in dem wandelnden Schloss des Zauberers Hauro findet und sich unter anderem um die Feuerstelle und den darin lebenden Feuerdämon Calcifer kümmert. In Hauro verliebt, versucht sie, sein Geheimnis zu ergründen. Neben „Chihiros Reise ins Zauberland“ ist dies schon der zweite Film der Ghibli-Studios, der mir so richtig gut gefallen hat, was u.a. auch daran lag, dass die Bilder so wirken, als habe sich jemand aus früheren Jahrhunderten so die Zukunft vorgestellt. Und die Idee, durch ein Stellrad mit unterschiedlich gefärbten Segmenten bestimmen zu können, in welchem Teil des Landes sich die Haustür öffnet, fand ich einfach magisch.

Kommen wir nun zu den Realfilmen.

Realfilme

Mein persönlicher Film des Jahres führt denn auch gleich diesen Teil der Liste an – eine Warnung vorab: Auch bei den anderen Filmen wird es nicht fröhlicher.

Last night in Soho:

Mit einem Stipendium am Londoner College of Fashion glaubt Ellie Turner aus Cornwall das große Los gezogen zu haben, doch mit ihren Kommilitoninnen kommt die angehende Modedesignerin nicht zurecht und sieht sich gezwungen, ein möbliertes Zimmer bei einer älteren, verschrobenen Dame zu mieten und einen Job in einem Pub anzunehmen. Ihr Glück scheint sich zu wenden, als sie eines Nachts im Traum mitten im London der Sechziger Jahre zu sich kommt und ihrem Idol, der blonden Sängerin Sandy begegnet, hat sie sich doch schon immer gewünscht, einmal London in den „Swinging Sixties“ erleben zu dürfen. Aus den Träumen wird jedoch schnell ein Alptraum, da sich Ellie zeitweilig im Körper von Sandy wiederfindet und hautnah miterleben muss, dass auf Sandy nicht die versprochene Gesangskarriere wartet, sondern die junge Frau dem Charme des vermeintlichen Managers auf den Leim gegangen ist und der sie geradewegs in die Prostitution schickt. Zu allem Überfluss sieht sie auch sämtliche Personen aus ihren (Alpträumen) in der Realität… Durch mehrere Trailer wurde ich auf diesen hochspannenden Thriller aufmerksam, der mich lange im Dunkel auf einer falschen Fährte tappen ließ, um mich mit einer Wendung zu schocken, mit der ich so nicht gerechnet habe. Die 117 Minuten des Psychohorror-Stücks mit brillianten Schauspielerinnen (Anya Taylor-Joy, Diana Rigg, Rita Tushingham, Thomasin McKenzie, Synnøve Karlsen) in Haupt- und Nebenrollen haben sich für mich nicht so angefühlt, und danach lag ich noch lange wach, weil ich das Gesehene Revue passieren lassen musste und sich erst im Nachhinein einige kleine Details in das Bild eingefügt haben. Für mich eine echte Überraschung in diesem Herbst.

Lunchbox:

Indien und sein beliebtes Lunchboxsystem – Dabbawala genannte Auslieferer bringen Angestellten in mehrstufigen Lunchboxen das Essen an den Arbeitsplatz – entweder das in einem Restaurant oder – in den meisten Fällen – zu Hause von den Ehefrauen gekocht worden ist. Eine solche Lunchbox mit dem mit besonders viel Liebe gekochten Essen darin landet in dem indischen Spielfilm „Lunchbox“ (im Original „Dabba“) von 2013 jedoch nicht bei Rajeev, sondern bei dem Witwer Saajan Fernandes (Irrfan Khan), der sich bei der Köchin Ila (Nimrat Kaur) mit einem handgeschriebenen Zettel in der leer zurückgeschickten Box prompt für die delikate, wenn auch leicht versalzene Mahlzeit bedankt. Es entsteht ein reger Briefwechsel, der das Leben der beiden nach und nach verändern wird. Es sind vor allem kleine Details, die wie Bindeglieder zwischen den beiden so unterschiedlich verlaufenden Leben von Ila und Saajan wirken und gleichzeitig offenbaren, wie ähnlich sich die beiden im Grunde sind. Das hat diesen Film für mich so spannend gemacht und mir gezeigt, dass Indien eben nicht automatisch auch Bollywood bedeutet. Eine wunderbar zarte und herzerwärmende Romanze mit ungewissem Ausgang – die als Arthouse-Produktion auch vorzüglich in die „Kino kulinarisch“-Reihe passen würde, die es vor einigen Jahren in unserer Stadt gab. Jedenfalls befinden sich die Rezepte dazu einem der DVD beiliegenden Heftchen. Vielleicht koche ich sie sogar demnächst nach.

Dogs in Space:

Das hat ja lange gedauert. Vor einigen Jahren habe ich den Film von 1986 auf Youtube mit x Werbeunterbrechungen gesehen, jetzt ist er nach langer Abwesenheit wieder da: als unsynchronisierte Originalversion ohne Untertitel oder Werbepausen, dafür aber aufgeteilt in vier handliche Häppchen à dreimal 25 und einmal 29 Minuten. Also habe ich kurzerhand das in der Melbourner Punkszene der Siebziger Jahre spielende Drama zum Bordprogramm für meinen Ausflug nach Mainz erklärt. Splitten können eben auch andere ganz toll. Dreh- und Angelpunkt ist ein etwas verwahrlostes Haus in einem Vorort von Melbourne, das sich im Lauf der etwas dünnen Handlung um einen Haufen Punks in eine heruntergekommene und zugemüllte Bruchbude verwandelt. Im Mittelpunkt der teilweise unübersichtlichen Gruppe stehen der Student Luchio (Tony Helou), ein namenloses Mädchen (Deanna Bond), die wechselnden Beschäftigungen nachgehende Anna (Saskia Post) und ihr Freund Sam (Michael Hutchence), Sänger der Punkband „Dogs in Space“. Es dauert nicht lange, bis Anna sich in seine Heroinabhängigkeit mit hineinziehen lässt und eine Überdosis sie das Leben kosten wird (sarkastischerweise an dem Tag, als Luchio seine Klausuren mit Bravour gemeistert hat), während ihr Liebster mit der Schuld weiterleben muss. Das böse Ende habe ich mir allerdings nicht während der Fahrt mit der Bahn angeschaut, sondern im Stillen Kämmerlein zu Hause.

Jetzt aber zu den nächsten Themen…

James Bond 007 – Der Morgen stirbt nie:

Den habe ich tatsächlich 1997 im Kino gesehen, weil ich gespannt war, wie mein ehemaliger Schulkamerad, der im gleichen Jahr mit mir zusammen das Abitur gemacht hat, als Bösewicht auf der Leinwand rüberkommen würde. Es war eine interessante Erfahrung, das zweite Filmabenteuer mit Pierce Brosnan als James Bond mal wieder im Fernsehen zu sehen – interessant, weil es diesmal Judi Dench war, bei der ich mich wunderte, dass ich ihr nicht schon früher Beachtung geschenkt habe. Hier lässt sie mit ihrer Ich-hab’s-Dir-doch-gesagt-Attitüde die Besserwisser vom Militär, die sie anscheinend nicht für voll nehmen oder gar ignorieren, dumm dastehen, während der Agent mit der Lizenz zum Töten mal wieder für die ganze Welt die Kastanien aus dem Feuer holen darf – dies aber natürlich nicht alleine, sondern zusammen mit der chinesischen Agentin Wai Lin (Michelle Yeoh). Wie bei allen Filmen dieser Serie wusste ich zwar zu Beginn schon, wie das zweistündige Spektakel endet, dennoch fand ich „Der Morgen stirbt nie“ unterhaltsamer als seinen Nachfolger, die Gegenspieler glaubwürdiger und die Gags genau richtig (jedenfalls damals):  Wer hätte im wie Fort Knox gesicherten Safe des bösartigen Medienmoguls ausgerechnet eine Blitz-Illu erwartet oder mit eindeutig-zweideutigem Geplänkel zwischen Miss Moneypenny und Bond erwartet?

Running Man:

Basierend auf einem Roman von Stephen King alias Richard Bachman, werden wir in diesem Actionfilm von 1987 in ein Los Angeles von 2017 versetzt, in dem Amerika zum Polizeistaat geworden ist, der die Kommunikation und die Künste zensiert. Um das Volk bei Laune zu halten, wird täglich die Spielshow „Running Man“ ausgestrahlt, in der Strafgefangene um ihr Leben rennen, von denen nur selten welche gewinnen. Eines Tages erwischt es den Polizisten Ben Richards (Arnold Schwarzenegger), der selbst im Gefängnis landet, nachdem er sich geweigert hat, aus einem Hubschrauber heraus auf unbewaffnete Demonstranten zu schießen. Als nicht freiwilliger Kandidat hat er sich zum Ziel gesetzt, die Wahrheit über das perfide System und den tatsächlichen Verbleib der „Gewinner“ der Show ans Licht zu bringen, und schon bald zeigt sich, dass es ein Fehler war, ihn und seine Gefährten zu unterschätzen… Wen ich als Darsteller in kleinen Nebenrollen nicht erwartet hatte, waren zum einen Mick Fleetwood (Fleetwood Mac) in der Rolle von Mic, dem Kopf der im Untergrund agierenden Widerstandsgruppe und zum anderen Dweezil Zapp als Guerillakämpfer eben jener Gruppe. Und wem die Story eventuell bekannt vorkommt: Für das Drehbuch zu dem Fernsehfilm „Das Millionenspiel“ von Tom Toelle aus dem Jahr 1970 hat Wolfgang Menge denselben Roman adaptiert.

Das waren fünf Animationsfilme und fünf Realfilme – beide haben sich also die Waage gehalten.

Horrorctober 2021 : „Meilensteine des Horrorfilms“, Teil 4

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Ein Satz mit X: Das war wohl nix? Falsch gedacht, denn wenn zwei Kandidaten partout nicht anspringen wollen (Tanz der toten Seelen und Der Hund von Baskerville), dann muss eben Ersatz her. An die Stelle von „Tanz der toten Seelen“ ist letzte Woche „Invasion der Aliens“ getreten. Wer allerdings für den Hund von Baskerville einspringt, ist eine echte Überraschung, aber die kommt schon noch. Keine Bange. Von meinen ausgelosten Filmen ist als letztes „Dan Curtis‘ Dr. Jekyll & Mr. Hyde“ aus dem Jahr 1968 übrig geblieben.

Und nun: Vorhang auf für meine Horrorshow

Lamb: Wenn du beim Schäfchenzählen nicht einschläfst, könnte es daran liegen, dass entweder der Kinosessel unbequem ist oder dich der Film in seinen Bann zieht. Im Fall des diesjährigen Regiedebüts von Valdimar Jóhannsson mit Noomi Rapace in der weiblichen Hauptrolle traf beides zu. Im Land der Sagen und Mythen erscheint es dem kinderlosen Paar Maria und Ingvar, das irgendwo in der isländischen Einöde Schafe züchtet und Kartoffeln pflanzt, nicht im mindesten seltsam, dass eines Tages eines ihrer Schafe ein Mischwesen mit dem Kopf eines Schafs und dem Körper eines Kindes zur Welt bringt. Fortan nennen sie den Nachwuchs Ada, nach dem kleinen Mädchen, das sie verloren haben, und ziehen es als ihr eigenes Kind groß. Doch das geschenkte Glück empfindet Maria bald schon als getrübt, weil ihr das Mutterschaf auf Schritt und Tritt folgt und blökend vor der Kinderstube verharrt. Den lebenden, vierbeinigen Vorwurf aus der Welt zu schaffen, liegt nahe – doch der Film wäre kein Mystery-Drama, wenn sich die üble Tat nicht irgendwann rächen würde. „Lamb“ hat mich nicht nur wegen der düsteren Bilder und grandiosen Landschaftsaufnahmen begeistert, sondern auch wegen der oft bedrohlichen Musik, in der das aufziehende Unheil unterschwellig mitschwingt.

Sauwetter, gepaart mit Schafskälte – https://media.outnow.ch/Movies/Bilder/2021/Lamb-II/003.jpg

Bei der Abstimmung im Kino, für die man uns vor Beginn der Vorstellung Stimmkarten ausgehändigt hat, habe ich daher dem Film die volle Punktzahl gegeben: fünf Sterne für den interessantesten Film des gesamten Monats.

Ein Anwärter auf den nächsten Auslands-Oscar – https://media.outnow.ch/Site/Waerbig/2021/Lamb/backl.jpg

Die Geschichte des Dr. Jekyll & Mr. Hyde:  Ein immer wieder gerne erzähltes Sujet von dem von seinen Kollegen mit Häme überschütteten Wissenschaftler Dr. Henry Jekyll, der das Böse im Menschen vom Guten trennen möchte, weil er hofft, dass sich der gute Teil dadurch erst richtig entfalten kann und ein Serum entwickelt, das er sich im Selbstversuch injiziert. Dass sich von den beiden Seelen in seiner Brust dann tatsächlich das Böse durchsetzt und er als Mr. Hyde immer hemmungsloser wird, bis er diese Form ohne Hoffnung auf Umkehrung beibehält, hat er jedoch nicht geahnt. Geschrieben hat den Klassiker Robert Louis Stevenson (1850 – 1894), und seitdem ist der Stoff etliche Male verfilmt worden. In dieser amerikanisch-kanadischen Fernsehproduktion geben sich Jack Palance in der berühmten Doppelrolle und Denholm Elliott als sein Freund George Devlin die Ehre. Gruselig war das Schauspiel zwar nicht, und auch bei den Spezialeffekten war noch Luft nach oben, aber hey – wir haben das Jahr 1968, da lag der Fokus auf anderen Dingen.

Wer mitgezählt hat, ist auf dreizehn Filme gekommen, und doch ist noch Platz für einen vierzehnten. An Halloween hatte RTL 2 einen Film aus Thailand im Programm, der es in sich hatte.

The Pool: Stell dir vor, du schläfst auf deiner Luftmatratze im Schwimmbecken mit Sprungturm ein und musst beim Aufwachen feststellen, dass der Wasserspiegel unaufhaltsam sinkt. Deine Freundin landet schwerverletzt neben dir, und wenn du denkst, es könnte nicht mehr schlimmer kommen, fällt auch noch hungriges Krokodil zu euch in den fast leeren Pool, der sich mit seinen sechs Meter hohen Wänden in eine Falle verwandelt hat, aus der ein Entkommen fast unmöglich scheint…

6 Meter Wand und keine Leiter – https://images.rtl2.de/qD1bPry5zTGC-the-pool-1-q-teaser.jpg

Mit diesem bis zur letzten Minute hochspannenden Schocker aus Thailand, den RTL2 an Halloween im Spätprogramm zeigte, habe ich offiziell meinen persönlichen „Horrorctober“ beendet, in dem dies nun der dritte Film aus dem Genre „Tierhorror“ war – wenn ich „Lamb“ ausklammere, bei dem sich das Grauen an anderer Stelle manifestiert. An dieser Stelle muss ich mich selbst zitieren: „eingesperrt zu sein wie in Cube, ist für mich ja schon schlimm genug“ – aber wenn die Hoffnung auf Entkommen jedes Mal, wenn sie erneut aufkeimt, durch kleine, fiese Twists und Missgeschicke zunichte gemacht wird und man auch noch dabei ein gefährliches Reptil im Auge behalten muss, ist das für mich wie eine Steigerung der bisher gesehenen und mit tödlichen Fallen gespickten Escape Rooms.

kein Kanalligator, aber ein Kroko im Springerbecken – https://www.youtube.com/watch?v=mb7J8JjYdQM

Aufgefallen ist mir, dass dies nicht der erste Thriller zum Thema „Gefangen in einem Pool“ ist, nur ist das Szenario komplett anders. Fazit: Eine echte Überraschung und würdiger Abschluss für diesen Monat im Zeichen des Horrorfilms.

Horrorctober 2021 : „Meilensteine des Horrorfilms“, Teil 3

Fünf Kandidaten für die verbleibenden beiden Wochen im Oktober – das müsste doch zu schaffen sein. Zur Auswahl sind übrig geblieben:

Tanz der toten Seelen + Dan Curtis‘ Dr. Jekyll & Mr. Hyde + Genie des Bösen (1932) + Folter (1968) + Der Hund von Baskerville

Aber ich wäre nicht für eine Überraschung gut, wenn ich nicht spontan beschlossen hätte, von diesem Schema abzuweichen und mir just for fun einen Horrorfilm im Fernsehen anzuschauen, und zwar einen, den ich noch nicht kannte, und darin wird ganz schön viel geschrien. Den Auftakt zum schaurigen Stelldichein bildet aber ein ganz anderer, mit einer erstaunlich gefassten und tatkräftigen Scream Queen.

An RKO Picture – https://i.pinimg.com/564x/0c/dc/a5/0cdca595cf6c8150ce7da5747fb88591.jpg

Und heute im Sonderangebot:

Graf Zaroff – Genie des Bösen: Schiffbruch mit Folgen. Fühlen sich die Überlebenden zunächst noch gut aufgehoben bei Graf Zaroff (Leslie Banks), der ihnen Obdach und Nahrung gibt, so müssen sie bald feststellen, dass der russische Aristokrat mit Leidenschaft für die Jagd sie nur aufgepäppelt hat, um sie anschließend mit drei Stunden Vorsprung quer über die Insel zu jagen. Überlebt hat das bisher niemand, bis ihm „das Schicksal“ den Großwildjäger Robert Rainsford (Joel McCrea) an den Strand spült. Auch er wird mit Vorsprung und mit der ebenfalls schiffbrüchigen Eve Trowbridge (Fay Wray) in den Dschungel entlassen, doch dann entpuppt sich das vermeintlich gefährlichste „Wild“ als zäher als gedacht. Hui, ein Schwarzweißfilm von RKO Pictures in erstaunlich guter Bild- und Tonqualität, mit der Scream Queen aus „King Kong“ höchstpersönlich sowie einer mal nicht heruntergeleiert wirkenden Synchronisation: Der Kurzfilm zum Vorglühen hatte nur 59 Minuten Länge, aber war dafür bis zur letzten Minute spannend.

A propos Schreien…

Scream: Wer kennt sie nicht, die Kombination aus bodenlanger schwarzer Kutte mit Kapuze und schreckenerregender weißer Maske mit grotesk verzerrten „Gesichts“zügen, in der ein psychopatischer Killer Jagd auf seine Opfer macht? Ein Jahr zuvor hat es die Mutter der Schülerin Sidney (Neve Campbell) erwischt – nun ist Sidney selbst an der Reihe. Zuvor aber müssen noch Mitschülerin Casey (Drew Barrymore) und ihr Freund Steve sowie der Schuldirektor dran glauben. Natürlich dürfen in diesem Spektaktel von 1996 keinesfalls die sensationslüsterne Klatschreporterin, der nicht ganz so helle Hilfssheriff und diverse, ebenfalls nicht so ganz intelligenten Schüler fehlen. Zu meiner Überraschung muss ich abschließend zugeben, dass mir dieser nicht im Plan stehende Film von Wes Craven gut gefallen hat – obwohl ich ihn nicht zum Fürchten, sondern eher lustig fand (von den gegen Ende gehäuften Jump Scares mal abgesehen). Und was die Maske angeht – die war anscheinend von Edvard Munchs Gemälde „Der Schrei“ inspiriert – wer’s nicht glaubt, bitte schön:

Folter: Hatten wir nicht neulich erst eine Kammer des Schreckens (nämlich die von Edgar Wallace, und nicht die von Harry Potter)? Wie auch immer, in dieser Folterkammer werden weibliche Opfer in Todesangst versetzt, denn diese Essenz ist für ein von Geologen entdecktes Wesen, bei dem es sich angeblich um kristalline Intelligenz handelt, überlebenswichtig. Doch bald schon kann sich das clevere Kerlchen selbst sein Futter suchen und muss nicht mehr warten, bis die Wissenschaftler es füttern. Schlimmer noch – dank seiner überragenden Geistesschärfe baut es sich seine eigene Energieversorgung auf und schickt sich an, zuerst die Gedanken der Menschen in nächster Nähe zu manipulieren, um anschließend die Weltherrschaft anzustreben. Klingt absurd und nach einer Mischung aus James Bond 007 und Science-Fiction? Bei diesen mexikanischen Billigproduktionen muss man auf alles gefasst sein – in den Verleih gelangten sie jedenfalls erst nach Boris Karloffs Tod.

Invasion der Aliens: Moment mal – wollte ich den nicht schon vor zwei Wochen gucken, und erwähnte ich da schon, dass die Packung falsch beschriftet war? In dieser Box ist so einiges schiefgelaufen, denn dieses krude 90-Minuten-Spektakel von 1971 befindet sich auf einer anderen DVD; abgesehen von der dünnen Handlung wurden hier Schauspieler und Kulissen aus „Folter“ mitverwendet, und auch hier stehen mal wieder Wissenschaftler im Mittelpunkt. Allerdings hundert Jahre früher, und hier sind es keine lebendigen Felsen, die die Gedanken der Menschen kontrollieren, sondern Aliens, die gleich den gesamten Körper übernehmen – und alles nur, weil man die Radioaktivität entdeckt hat und somit eine Bedrohung fürs gesamte Universum darstellt. Beim letzten Satz, den der Außerirdische loslässt, als er in seine fliegende Untertasse steigt, konnte ich allerdings nicht mehr an mich halten: „Wehe, wenn Menschen jemals auf die Idee kommen, die Atomkraft zu nutzen – dann kommen wir zurück“. Vielen Dank für den Brüller des Tages. Oder was man in den Siebziger Jahren halt so dachte. Eingetreten ist dieses Szenario bisher noch nicht. Sollte so ein Fred vom Jupiter eines Tages vor meiner Tür stehen, weiß ich jedenfalls, was zu tun ist.

An dieser Stelle lasse ich die Rückschau für die dritte Woche enden und gebe als Vorschau bekannt, dass es mit den beiden ausgelosten Filmen „Tanz der toten Seelen“ (1962) und „Der Hund von Baskerville“ (1983) nichts werden wird, weil die DVD beschädigt ist.

Horrorctober 2021 : „Meilensteine des Horrorfilms“, Teil 2 

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Neun Filme sind von den dreizehn Ausgelosten noch übrig – verteilt auf drei Wochen, macht das drei pro Woche. Niete, Trostpreis oder Hauptgewinn – das ist auch hier die Frage. Zur Auswahl standen in der vergangenen Woche:

Die Kammer des Schreckens (1940) + Tanz der toten Seelen + Dan Curtis‘ Dr. Jekyll & Mr. Hyde + Genie des Bösen + Willard (1971) + Folter + Die Nacht der lebenden Toten (1968) + Der Hund von Baskerville + Totentanz der Vampire (1970)

Und diese Schweinderln durften es diesmal sein:

Die Nacht der lebenden Toten: Zombiefilm zum Dritten… Diesmal hat meine Schwester den Hauptgewinn gezogen, denn in George A Romeros Kultfilm aus dem Jahr 1968 sind die Zombies keine willenlosen Sklaven mehr, die von einem bösen Meister beherrscht werden, sondern kommen von selbst aus ihren Gräbern gestiegen, um über die Lebenden herzufallen. Da hilft dann nur noch ein Schuss ins Gehirn und das Verbrennen der gerade erst erneut ins Jenseits beförderten Zombies, die nur deshalb zu Untoten geworden sind, weil sie durch eine zur Erde zurückkehrende Raumsonde verstrahlt worden sind. Ein Klassiker des Horrorfilms – so viel zu dem Vorurteil, in einer Box mit so vielen Filmen könne nix dolles enthalten sein. Nach diesem gar nicht mal so üblen Auftakt hoffe ich auf weitere Sternstunden des gepflegten Gruselns.

Bei Willard handelt es sich nicht um die Kleinstadt aus „Die Nacht der lebenden Toten“, sondern um einen jungen, introvertierten Mann (Bruce Davison), der mit der Pflege seiner kranken Mutter (Elsa Lanchster) und der Instandhaltung der viel zu großen Familienvilla überfordert ist und von Al Martin, seinem Chef (Ernest Borgnine) schikaniert und ausgenutzt wird. Ratten sind seine einzigen Freunde – und nachdem Willard die intelligenten und putzigen Tierchen, denen er Namen gibt, dressiert hat, nehmen diese in seinem Leben immer größeren Raum ein, und zwar nicht nur sinnbildlich: Ratten haben nämlich die unwillkommene Eigenschaft, sich unkontrolliert zu vermehren). Mal lässt er sie auf die Gäste von Martins Gartenparty los, zu der er nicht eingeladen wurde – ein anderes Mal dienen sie als Ablenkungsmanöver, um bei reichen Leuten Geld zu entwenden, das er zur Begleichung der Steuerschulden benötigt, um das mit Hypotheken belastete Haus nicht zu verlieren; und besonders gern nimmt er Ben und Sokrates mit ins Büro. Als die unsympathische Sekretärin seines Chefs die beiden Lieblinge Willards eines Tages im Archiv entdeckt und Martin darauf hin ausgerechnet Sokrates tötet, nimmt Willard mit Hilfe von Ben und dem ihm über den Kopf gewachsenen Rudel blutige Rache, doch das ist erst der Anfang… Überraschung: In diesem 95 Minuten langen Vertreter des Subgenres „Tierhorror“ gibt es keinerlei Spezialeffekte – dafür benötigte man für die Szenen mit den in immer größerer Zahl auftretenden Nagern einen Tiertrainer, der im Abspann zusammen mit Ben und Sokrates genannt wird. Von den bisher gesehenen Horrorkandidaten hat mir übrigens dieser hier am besten gefallen, zumal die vierbeinigen Hauptdarsteller in keinem Moment verwahrlost oder räudig wirken, sondern sogar richtig niedlich, obwohl es ein Fehler ist, sie zu unterschätzen – schon allein in dieser schieren Masse.

Nur wo Edgar Wallace draufsteht, ist auch Edgar Wallace drin. Wer allerdings nur die späteren Verfilmungen aus dem deutschsprachigen Raum kennt, dürfte bei dem britischen Schwarz-Weiß-Film „The door with seven locks“ eine Überraschung erleben. Nachdem das British Board of Film Censors Mitte der dreißiger Jahre Filme mit übernatürlichen Themen und Vertreter des Horrorgenres freigab, kam am 12. Oktober 1940 Die Kammer des Schreckens in die Kinos. In dieser Romanverfilmung spielt Lilli Palmer die junge June Lansdowne, die in den Besitz eines der sieben Schlüssel für die Tür zur Grabkammer von Lord Selford gelangt und trotz Unterstützung durch Scotland Yard in Gefahr gerät. Die Synchronisation, die vermutlich neueren Datums sein dürfte, sorgte an manchen Stellen für unfreiwillige Komik – wenn z.B. der die Untersuchungen leitende Beamte der nervigen Freundin Junes mit den Worten „Sagte ich, dass ich an Ihrer Meinung interessiert bin?“ oder diverse unzensierte Flüche seinem Mund entfleuchen. Lustiger Zufall am Rande: Das unterhaltsame Spektakel mit 89 Minuten Lauflänge habe ich mir am 12. Oktober angeschaut – 81 Jahre auf den Tag genau nach dessen Veröffentlichung. 

Zum Abschluss dieser Woche habe ich mir einen Film aus dem Hause „Amicus“, dem Konkurrenzunternehmen zur „Hammer“-Filmschmiede gegönnt: Totentanz der Vampire, einen Episodenfilm mit Christopher Lee und Peter Cushing, bei dem vier kurze Horrorfilme in eine Rahmenhandlung um ein eigenartig veranlagtes Haus eingebunden wurden. Die Themen reichen von um sich greifendem Wahnsinn (Method for Murder) über Wachspuppen mit entsetzlicher Hintergrundgeschichte (Waxworks) und Hexerei mit Voodoopuppen (Sweets to the Sweet) bis hin zu Vampiren und ihrer ganz speziellen Kleidung (The Cloak). Meine Überraschung war groß, als im Abspann für die letzte Episode die Namen Geoffrey Bayldon (Catweazle) und Jon Pertwee (Dr. Who) genannt wurden, denn beide hätte ich nun überhaupt nicht erkannt – und tatsächlich hat mir dieser 102 Minuten lange Film bisher am meisten Spaß gemacht, schon wegen des Vampirthemas in der letzten Episode, in der sich ein Klischee an das andere reiht. Besonders gegruselt habe ich mich dabei nicht – dafür aber blendend amüsiert.

Die Woche ist jetzt zwar noch nicht vorbei, aber ich glaube kaum, dass ich heute und morgen dazu komme, mir einen der restlichen fünf Filme anzusehen – aber der Oktober ist ja erst zur Hälfte vorbei, und das Fantasy-Filmfest steht ja auch noch an, mit zwei Kandidaten, von denen einer auf jeden Fall zum Motto dieses Monats passt.

Cinema-Scope Horrorctober 2021 : „Meilensteine des Horrorfilms“, Teil 1 

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13 aus 33 – dieses Spielchen haben meine Schwester und ich am Tag der Deutschen Einheit am Küchentisch veranstaltet: Aus einer für 20 Euro günstig erworbenen Box mit 33 Horrorfilmen auf 12 DVDs haben wir im Losverfahren folgende 13 Kandidaten für den diesjährigen „Horrorctober“ ermittelt – und auch das ist diesmal anders als sonst: Meine Eindrücke schildere ich lieber jetzt schon und nicht erst an Halloween, um zu vermeiden, dass ein ellenlanger Lagebericht daraus wird.

And the lucky winners are:

Die Kammer des Schreckens + Tanz der toten Seelen + Dan Curtis‘ Dr. Jekyll & Mr. Hyde + Das Bildnis des Dorian Gray (1973) + Genie des Bösen + Invasion der Aliens *) + Willard + Folter + Die Nacht der lebenden Toten + Der Hund von Baskerville + Totentanz der Vampire + King of the Zombies (1941) + Slugs (1988)

Jetzt stelle ich mir die spannende Frage, ob es sich bei diesem Panoptikum tatsächlich um Meilensteine des Horrorfilms handelt, wie die Schachtel verspricht, oder wir nicht haufenweise Nieten gezogen haben. Eröffnet habe ich den schaurigen Reigen mit einem Zombiefilm, und zwar ohne meine Schwester, denn dieses Genre kann sie gar nicht leiden. Voodoo und einem bösen Meister hörige Untote – besser konnte der Montagabend nicht beginnen. Habe ich aber dann auch nur gedacht…

King of the Zombies, auch bekannt unter dem Titel „Herr der Zombies – Insel der Lebenden Toten“ ist mit 67 Minuten der bisher kürzeste Film, den ich mir zu Gemüte führen durfte, und länger hätte das Werk mit mir unbekannten Schauspielern auch nicht sein müssen. Wenn man mit dem Flugzeug auf einer westindischen Insel notlanden muss und feststellt, dass man auf einem Friedhof mit frisch ausgehobenen Gräbern angekommen ist, bietet es sich an, woanders Unterschlupf zu suchen – zu denken sollte es einem allerdings geben, wenn der Herr des Hauses wie Graf Dracula persönlich auftritt und die Gästezimmer schon vorbereitet hat, damit die Gäste es „warm und gemütlich“ haben. Warm und gemütlich… in der Karibik. Echt jetzt? Insgesamt scheitert der Gruselfaktor bei mir an der kaum vorhandenen Spannung, den hanebüchenen Dialogen und der emotionslosen Synchronisation. Wirklich schaurig wirkte auf mich nur die 1942 für einen Oscar nominierte Musik, mit der man auch einen 80er-Jahre-Streifen hätte untermalen können, und den wahren Horror verbreiteten nicht die Zombies, sondern die fehlende Originaltonspur. PS: Laut Wikipedia war der Film als Satire gedacht. Na dann… das erklärt im Nachhinein so einiges.

Augen auf beim Gemüsekauf, denn wer weiß, was sich in den als gesund gepriesenen Salatköpfen so alles verbirgt. Eine gründliche Inspektion wäre besser gewesen, so gesehen in Slugs: Dieser Weg wird schleimig und schwer – denn der Schrecken lauert in allen Ecken und besteht aus tausenden von Schnecken, die es in sich haben und über alles herfallen, was ihnen vor die rasiermesserscharfen Zähnchen kommt. In dieser an den Kinokassen gefloppten Produktion sind die eigentlich harmlosen Vegetarier dank den Abwässern einer Chemiefabrik zu blutrünstigen Fleischfressern mutiert und konnten sich in der Kanalisation gemütlich ausbreiten. Jahrelang hatte niemand Ahnung von ihrer Existenz, doch als auf einer Baustelle bei Vorbereitungen für ein geplantes Einkaufszentrum das Erdreich aufgegraben wird, wird das ganze lichtscheue Gesindel ans Tageslicht befördert – und eine seltsame Reihe von äußerst blutigen Todesfällen nimmt ihren Lauf. Der Plot (zu Horrorgestalten mutierten Tieren kommt man nur mit der totalen Vernichtung durch Chemikalien oder Explosivstoffe bei) ist schon zigmal dagewesen, und trotzdem fand ich den Film im Nachhinein gar nicht so übel, brauche aber auch keine Fortsetzung, obwohl dies dank der einen Schnecke, die das Inferno überlebt, in der Theorie möglich gewesen wäre.

*) „Invasion der Aliens“ stand auf der Verpackung, Isle of the Snake People war dagegen drin. Wie es zu der Verwechslung kommen konnte, kann ich auch nicht sagen – aber vielleicht liegt es daran, dass in beiden mexikanischen Spektakeln von 1971 Boris Karloff auftritt, damit hatte es sich dann aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten. Statt Aliens treiben nun eben Zombies ihr Unwesen, und die vielen Schlangen waren auch ganz nett anzuschauen. Vielleicht war dieses Versehen das Beste, was mir passieren konnte, denn trotz der ultradünnen Handlung um einen Ordnungshüter, der den heidnischen Ritualen auf „seiner“ Insel keinen Einhalt gebieten kann, war das Treiben auf der Insel der „Schlangenmenschen“ wahrscheinlich gehaltvoller als in dem verpassten Film. Wer sich über die Jahresangabe wundert: Der 90 Minuten lange Voodoozauber mit kannibalistischen Einsprengseln wurde erst nach dem Tod von Boris Karloff (23.11.1887 – 2.2.1969) veröffentlicht.

Bewegen wir uns zur Abwechslung mal weg von Zombies und dafür hin zu einem Klassiker der Weltliteratur… Ich habe keine Ahnung, wie oft Oscar Wildes Roman Das Bildnis des Dorian Gray bisher schon verfilmt worden ist, kann mir aber nicht vorstellen, dass all die anderen Filme über einen jungen Mann, dessen Portrait an seiner Statt altert, mehr Horror hergeben, als die wenigen Szenen, in der man die Veränderung des auf den Speicher verbannten Bildes zum Negativen hin zu sehen bekommt. Leider fand ich diesen Fernsehfilm von 1973 mäßig schaurig, sondern mit einer Laufzeit von einer Stunde und fünfzig Minuten auch noch viel zu lang.

Vier von dreizehn hätte ich geschafft, fehlen noch neun – das müsste in den kommenden Wochen doch locker zu schaffen sein. Eines ist mir aber jetzt schon klar: Auf eine Originaltonspur brauche ich auch bei den nächsten ausgelosten Kandidaten nicht zu hoffen, vermutlich war die Filmbox deswegen so günstig.

Ankündigung : 13 aus 33 – der Horrorctober 2021

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Viele haben es schon angekündigt, jetzt ist es auch bei mir soweit: Meine Auswahl an 13 Horrorfilmen für diesen Monat steht – zustandegekommen ist sie mittels Auslosung durch meine Schwester und mich. Das hat sich ein wenig angefühlt wie die Ziehung der Lottozahlen. Nur dass es in unserem Fall keine Kugeln, sondern 33 zusammenfaltete giftgrüne Post-Its mit den Kandidaten waren – 13 aus 33, da war die Spannung groß.

Horrorbox vs Losbox

Und das sind die Kandidaten, die es erwischt hat:

Die Kammer des Schreckens (1940) ++ Tanz der toten Seelen (1962) ++ Dan Curtis‘ Dr. Jekyll & Mr. Hyde (1968) ++ Das Bildnis des Dorian Gray (1973) ++ Genie des Bösen (1932) ++ Invasion der Aliens (1971) ++ Willard (1971) ++ Folter (1968) ++ Die Nacht der lebenden Toten (1968) ++ Der Hund von Baskerville (1983) ++ Totentanz der Vampire (1970) ++ King of Zombies (1941) ++ Slugs (1988)

Allesamt gezogen aus der 33 Filme auf 12 DVDs enthaltenden Box „Meilensteine des Horrorfilms“ – und einige Geschichten sind bestimmt schon x-mal verfilmt worden. Da kann ich noch von Glück sagen, dass wir nicht zwei Versionen von Dr. Jekyll & Mr. Hyde gezogen haben. Berichte folgen demnächst.

Cinema-Scope 2021 im September : „Alles mit S“

Finden Sie ein Thema mit S: Nach „Musik“ für den Mai und „Action“ für den August wollte ich für den September nicht schon wieder mit Science Fiction ankommen. Wie wäre es denn zum Beispiel mit „Starkino“? Ich glaube, an den „Stars“ scheiden sich die Geister – deshalb widme ich mich lieber Zufallsfunden oder Werken, die ich schon lange mal (wieder) sehen wollte und mit (zumindest mir) bekannten Darstellern punkten können – ihre einzige Gemeinsamkeit: Diesmal fangen alle Themen mit einem S an.

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So sind die Tage… und der Mond++ Bombshell – das Ende des Schweigens ++ Fisherman’s Friends – vom Kutter in die Charts ++ Into the wild ++ Crazy Rich ++ Frankenstein Unbound ++ Deine Juliet ++ Der Buchladen der Florence Green ++ Brexit: Chronik eines Abschieds ++ Letztendlich sind wir dem Universum egal ++ The Shape of Water – das Flüstern des Wassers ++ Dune, Part One ++ Hampstead Park – Aussicht auf Liebe ++ Extremely Wicked, Shockingly Evil and Vile ++ Regeln spielen keine Rolle ++ Alles eine Frage der Zeit ++ James Bond 007: Keine Zeit zu sterben

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So sind die Tage… und der Mond (1990): S wie Sommerzeit. Dieser Episodenfilm, bei dem schon am Anfang bekanntgegeben wird, dass in soundsoviel Stunden eine Person aus dem Leben scheiden wird, steht schon seit Jahren auf meiner Liste von Filmen, die ich unbedingt noch einmal sehen wollte. Jetzt hat mir eine Freundin die DVD geschenkt. Welche Auswirkungen der Vollmond und die Zeitumstellung von Winter- auf Sommerzeit hat, ist noch immer nicht ganz klar – hier aber trifft es 13 Menschen, deren Schicksalsfäden in einem Megastau vor Paris zusammenlaufen, ganz besonders nachhaltig. Ich habe mich am Schluss allerdings gefragt, in welchem Universum die Uhren jemals von Freitag auf Samstag umgestellt worden sind.

Bombshell – das Ende des Schweigens (2019): S wie Sexismus. Von dem auf wahren Tatsachen basierenden Film mit Nicole Kidman, Charlize Theron und Margot Robbie in den Hauptrollen hatte ich mir tatsächlich doch etwas mehr versprochen. Das Thema „wir verklagen den Chef wegen sexueller Belästigung und decken frauenfeindliche Strukturen des einflussreichsten Fernsehsenders der USA auf“ hätte mich 2020 glatt ins Kino gezogen, doch dann kam Corona, und ich griff zur DVD. Über weite Strecken hatte ich trotz der Brisanz das Gefühl, dass die Handlung nur so dahinplätschert. Woran es lag? An der Besetzung vermutlich nicht – vielleicht gebe ich dem Werk in ein paar Monaten noch einmal eine zweite Chance.

Fisherman’s Friends – vom Kutter in die Charts (2019): S wie Shantys. Ein echter Geheimtip von meinem jetzigen Chef – als vier Freunde aus dem Londoner Musikbusiness zum Junggesellenabschied nach Cornwall fahren, können die dort ansässigen Fischer, die in ihrer Freizeit Shantys singen, nicht ahnen, dass ihnen eine unglaubliche Musikkarriere blühen wird. Eigentlich war der Vorschlag Troys (Noel Clarke – Dr.Who), den zehn Männern einen Vertrag anzubieten, als Scherz gemeint, doch sein Kumpel Danny nimmt die Sache ernst und nimmt mit der immerhin „653 Jahre alten Boygroup“ ein Demo auf, um für das Album eine Plattenfirma zu finden. Auftauchende Schwierigkeiten und eine sich anbahnende Romanze sind bei dieser romantischen Komödie zum Wohlfühlen ungeschriebenes Gesetz und machen die Story zwar ziemlich vorhersehbar – aber die schöne Landschaft haben mich über gewisse Schwächen in der Story hinwegsehen lassen. PS: Die Fisherman’s Friends gibt’s übrigens immer noch, wenn man dem Abspann glauben darf.

Into the wild (2007): S wie Scheitern. Vom beschaulichen Cornwall schalte ich um ins frostige Alaska. Denn dort hin zieht es Chris, einen jungen Aussteiger, der sich nach Abschluss seines Studiums von Geld und Besitz trennt, um sich nach erfolgreichem Verwischen seiner Spuren nach Alaska aufzumachen, allerdings nicht auf direktem Weg. In Rückblenden offenbart sich jedoch nicht nur, wie es Chris auf seiner Odyssee quer durch Amerika ergeht und welche Menschen er unterwegs trifft (Kristen Stewart, Hal Holbrook), sondern es sind vor allem die Zurückgelassenen, die an der Ungewissheit über seinen Verbleib zerbrechen. Am Ende steht dann eben nicht nur die grenzenlose Freiheit in einer grandiosen Landschaft, eindrucksvoll untermalt durch die Musik von Eddie Vedder (Pearl Jam), sondern auch das Scheitern des Überlebens in der Wildnis sowie die Erkenntnis, dass Glück nur dann wirklich echt ist, wenn man es mit jemandem teilen kann. Eine Erkenntnis, die in Sean Penns 148 Minuten langem Drama an dieser Stelle einhergeht mit dem langen, qualvollen Sterben Chris‘, nachdem er dank einer Verwechslung giftige Pflanzen zu sich genommen hat. Das war für mich schmerzhaft und schwer zu ertragen, und doch bereue ich nicht, mich für diesen Film entschieden zu haben.

Einsamkeit ist das, was du dort findest – https://www.youtube.com/watch?v=sfMZ29P5MHE

Crazy Rich (2018): S wie Singapur. Schauplatzwechsel und absolutes Kontrastprogramm zur bisherigen Kargheit und der Ablehnung weltlicher Güter… Wir befinden uns nun im Singapur der Reichen und Schönen, der Crazy Rich Asians (so der Originaltitel). Diese RomCom habe ich 2019 auf meinem Rückflug von Toronto nach Frankfurt im Bordprogramm genießen dürfen, weil ich wissen wollte, wie der gleichnamige Bestseller von Kevin Kwan umgesetzt wurde. Bis auf zwei britische Snobs zu Beginn des Films sind hier nicht nur sämtliche Darsteller (u.a. Michelle Yeoh, Henry Golding) asiatischer Herkunft, sondern auch der Soundtrack, der u.a. eine Coverversion von Madonnas Hit „Material Girl“ enthält… sagte ich etwas von Snobs? Die gibt es hier zuhauf – und gegen sie anzukommen, fällt der New Yorker Ökonomieprofessorin Rachel, die von ihrem Lebensgefährten Nick in dessen Heimat zur Hochzeit seines besten Freundes Colin eingeladen wird, zunehmend schwerer. Rachel, die nicht ahnen kann, dass Nicks Familie nicht nur äußerst vermögend und traditionsbewusst ist (die Familie geht über das persönliche Glück des Einzelnen), sondern auch sehr einflussreich, muss erkennen dass die Youngs die amerikanische „Goldgräberin“ wegen ihrer Herkunft als Nobody hinter einer zur Schau gestellten Höflichkeit von vornherein ablehnt. Doch aufgeben ist keine Option, und da sie nicht umsonst Spieltheorie unterrichtet, erweist sie sich für die Youngs bald als harte Nuss, an der sich vor allem Frau Mama und Großmutter die Zähne ausbeißen… Den Film fand ich äußerst erfrischend, auch wenn er längst nicht alle Facetten des komplexen und aufschlussreichen Romans einfangen konnte – doch warum man seinen Titel für den deutschen Markt verstümmeln musste, bleibt für mich genauso rätselhaft wie die in ihm dargestellte Gesellschaft.

Frankenstein Unbound (1990): S wie Schweiz, Schauergeschichte oder Sci-Fi. Auf meiner Suche nach einem Trailer für meinen Beitrag zum 532. Media Monday auf Youtube bin ich rein zufällig bei Roger Cormans Film mit Starbesetzung gelandet – in voller Länge und ganz ohne Werbung. Überraschung: Wir starten in New Los Angeles im Jahr 2031. Als Wissenschaftler Joe Buchanan (John Hurt) eine neuartige Laserwaffe entwickelt, die den Feind in Nichts auflösen, aber die Erde schonen soll, geht dieser Schuss nicht nur mächtig nach hinten los, sondern in alle Richtungen. Wie Frankenstein aus Mary Shelleys Roman, hat auch er ein Monster in Form eines Risses in Zeit und Raum erschaffen und landet im Jahr 1817 am Genfer See, wo er die Bekanntschaft mit Viktor Frankenstein (Raoul Julia) macht. Bei einem Prozess lernt er überdies Mary Shelley (Bridget Fonda) kennen, die skandalöserweise gleich mit zwei Männern zusammenlebt: mit ihrem Gatten Percy Shelley (Michael Hutchence) und ihrem Liebhaber Lord Byron (Jason Patric) und sich dann auch noch prompt mit dem sie als Schriftstellerin verehrenden Buchanan in eine Affäre stürzt: „Percy and Byron preach free love… I practice it“ – noch eindeutiger kann eine Aufforderung zum Stelldichein nicht sein, schließlich befinden wir uns im 19. Jahrhundert, so let the show begin… Dass es über kurz oder lang zur Begegnung mit Frankensteins Monster kommen muss, ist nur eine Frage der Zeit. Auf der Rechnung hatte er nicht, dass er Frankenstein bei der Erschaffung einer Gefährtin für das Monster mit Hilfe von Elektrizität helfen soll – genausowenig wie die verheerenden Folgen, die der Einsatz eines Lasers dabei nach sich zieht. Die Idee, einen schon x-mal verfilmten Gruselstoff mit einer Zeitreisegeschichte zu kombinieren, konnte 1990 nur verhältnismäßig wenige Kinobesucher begeistern und gerade mal 335.000 Dollar einspielen. Ich dagegen hatte bei dieser nicht ganz runden Zeitreise meinen Spaß. Zum einen wegen der klischeehaften Darstellungen der Labore und der teilweise echt trashigen Effekte, zum anderen wegen Bridget Fonda als Mary Shelley, der das Drehbuch mehr Raum gegeben hat als den Herren an ihrer Seite. Ihr Gesichtsausdruck, als Buchanan schon mal ihren Roman „Frankenstein“, den sie gerade erst zu schreiben begonnen hat, in voller Länge ausdrucken möchte, ist unbezahlbar.

Klingonen kommen in diesem Streifen nicht vor.

Deine Juliet (2018): S wie Schriftstellerin. In diesem Film von Mike Newell, der den Roman „Club der Guernseyer Freunde von Dichtung und Kartoffelschalenauflauf“ (The Guernsey Literary and Potato Peel Pie Society) mit Lily James, Penelope Wilton (Dr.Who), Katherine Parkinson (The IT Crowd) u.a. verfilmt hat, erreicht die Londoner Journalistin und Schriftstellerin Juliet Ashton ein Brief von einer Insel im Ärmelkanal. Absender ist jener Club, den einige Einheimische während der Besatzung durch deutsche Truppen im Zweiten Weltkrieg aus der Not heraus spontan gegründet haben und der ihnen durch diese Zeit der Entbehrungen hindurchgeholfen hat. Fasziniert von ihrer Geschichte möchte Juliet die Menschen, denen Bücher alles bedeuten, unbedingt kennen lernen und reist umgehend nach Guernsey, wo sie schon bald dem Geheimnis der abwesenden Elizabeth, die an der Clubgründung beteiligt war, auf die Spur kommt – eine Spur, die im deutschen Konzentrationslager Ravensbrück endet… Mir hat diese stimmungsvolle Literaturverfilmung sehr gefallen und ein Stück Geschichte, das mir bislang unbekannt war, auf eine unaufgeregte und sehr berührende Weise nähergebracht. Bücher können Leben retten? Manchmal reicht auch eine einzelne Kerze, um Licht in die Finsternis zu bringen und einen in eine andere Welt zu versetzen.

Der Buchladen der Florence Green (2017): S wie Snobs. Die setzen alles daran, um die lesebegeisterte Mrs Green aus dem Old House zu vertreiben, in dem sie einen Buchladen eingerichtet hat – allen voran Violet Gamart, Ehefrau eines Generals (Patricia Clarkson) und der schleimige Milo North, ein Mitarbeiter der BBC (James Lance) – denn sie möchten hier ein Kulturzentrum etablieren, aber dabei ist Lesen doch auch Kultur. Leider greifen sie zu hinterhältigen Mitteln. So hoffen sie beispielsweise, dass der ins Sortiment des Ladens lancierte Roman „Lolita“ von Vladimir Nabokov, strategisch günstig in der Auslage des Ladens präsentiert, einen Skandal auslöst, doch der gewünschte Erfolg lässt auf sich warten. Den Film, in dem der von mir sehr geschätzte Bill Nighy einen liebenswerten Eigenbrödler und Büchernarren spielt, der sich ganz besonders für die Mars-Chroniken und „Fahrenheit 451“ von Ray Bradbury begeistert, hat mich in der ersten Hälfte eher dahindösen als mitfiebern lassen, auch wenn er jede Menge Lob und Auszeichnungen einheimsen konnte. Die feinen Zwischentöne kamen dann eher spät zum Tragen, so dass ich mich für das hochgelobte Meisterwerk schließlich doch noch erwärmen konnte. Hätte Bill Nighy nicht den feinfühligen Mr. Brundish gespielt, hätte mir der Film nur halb so gut gefallen.

Brexit: Chronik eines Abschieds (2019): S wie Spaltung. Wie es zu dem Referendum und dem allseits bekannten Ergebnis kam, zeigt dieser 92minütige Fernsehfilm mit dem im Original besser passenden Titel „Brexit: The Uncivil War“ mit Benedict Cumberbatch in der Hauptrolle des Leiters der Exit-Kampagne Dominic Cummings. Veränderung um des Veränderns willen… Als Leiter der Exit-Kampagne sieht sich Cummings als Visionär, dem eine komplette Neuausrichtung vorschwebt – auf den erfolgversprechenden Slogan „Kontrolle zurückgewinnen“ kommt er durch einen Ratgeber für werdende Eltern – und greift zu mehr als fragwürdigen Methoden, um potentielle Wähler auszuloten. Im Gegensatz zu Politikern mit langjähriger Erfahrung, sieht er die Zukunft in der Zusammenführung persönlicher Daten, derer man mit Hilfe von AggregateIQ und Cambridge Analytica beim Durchkämmen sämtlicher Social-Media-Kanäle habhaft werden kann. Anders als es der vergleichsweise harmlos wirkende deutsche Titel vermuten lässt, läuft das Spektakel tatsächlich auf einen Krieg hinaus – das wird den Beteiligten spätestens dann klar, als bei einem Anschlag die Abgeordnete Jo Cox ums Leben kommt. Der Tip, sich an unserem gemeinsamen Filmabend damit zu beschäftigen, kam diesmal von meiner Schwester, die mir auch schon „Black Sails“ ans Herz gelegt hat. Ich glaube, ich lasse sie öfters mal die Auswahl treffen.

Letztendlich sind wir dem Universum egal (2018): S wie Seelenwanderung. Jeden  Morgen im Körper einer fremden Person aufzuwachen und deren Bewusstsein für einen Tag zu übernehmen, ist für keinen der Beteiligten ein Spaziergang: weder für A, der auf die Erinnerungen der in Besitz genommenen Person zurückgreifen kann, noch für die „besessene“ Person, die sich am nächsten Tag nur bruchstückhaft an diesen einen, bestimmten Tag erinnert. Unter diesen Bedingungen eine Beziehung zu einem anderen Menschen aufzubauen, erscheint unmöglich – und dennoch sucht A immer wieder den Kontakt zu Schülerin Rhiannon. Irgendwann stellt sich unweigerlich die Frage, ob A in das Leben der „besessenen“ Person eingreifen darf, wenn es sich bei einer solchen um ein Mädchen mit Selbstmordabsichten handelt oder er sogar in Rhiannons Körper schlüpft. Andere waren von dieser Literaturverfilmung unterschiedlich begeistert, ich war davon ziemlich angetan, auch wenn ich von den Darstellern keinen einzigen kannte.

The Shape of Water – das Flüstern des Wassers (2017)S wie Sixties. Eigentlich steckt das S schon im Originaltitel, der für mein Gefühl etwas seltsam ins Deutsche übersetzt wurde. Aber ob seltsam oder nicht – bei so viel Lob, das es auf diversen Blogs für diesen Film von Guillermo del Toro (Pans Labyrinth) schon gegeben hat, war ich zunächst skeptisch, doch als er mir in der Bibilothek unter die Finger kam, wurde ich neugierig, und mit Fortschreiten der Handlung um ein Wesen aus dem Amazonasgebiet, an dem amerikanische Wissenschaftler Versuche durchzuführen planen, wurde ich immer stärker in deren Bann gezogen. Ob es an Bühnenbild, Farbgestaltung und Kostümen lag? Oder allein von dem Plot? Der allein konnte bei mir schon punkten – wir befinden uns nämlich in den Sechziger Jahren und im Wettlauf gegen die Russen im Kampf um die Vorherrschaft im Weltall. Dumm, dass die Russen bisher nur den Raumfahrthund Laika vorzuweisen haben – und da kommt ihnen das Mischwesen – teils Mensch, teils Fisch – wie gerufen, und wenn es die Versuche nicht überlebt – who cares (nebenbei gesagt, sind die Russen auch nicht besser)… Die Lage für den zum „Ding“ degradierten Versuchskandidaten wäre hoffnungslos, gäbe es da nicht die stumme Reinigungskraft Elisa, die aus Mitleid dessen Flucht plant, um ihm in den Docks die Freiheit zu schenken und unerwartete Schützenhilfe durch den als Amerikaner getarnten russischen Wissenschaftler Dr. Robert Hoffstetler. Im Nachhinein muss ich sagen, dass ich öfters den in Blogs geäußerten Lobeshymnen folgen sollte – nach LaLa Land war das schon der zweite Kandidat, der bei mir ins Schwarze getroffen hat.

Dune, Part One (2021): S wie Spice. Als es hieß, Denis Villeneuve habe eine Neuauflage der Romanverfilmung geplant, war ich äußerst gespannt, zumal sämtliche positive Kritiken hervorheben, wieviel Zeit Villeneuve sich für die Erzählung des komplexen Stoffs gelassen habe. Nun ist mir nach zweieinhalb Stunden (die mir übrigens gar nicht so lang vorkamen) klar, dass er damit richtig gelegen hat. Besser als bei David Lynchs Version von 1984 hat mir gefallen, dass Villeneuve anscheinend auf das Prinzip „Show, don’t tell“ gesetzt hat: Hier hält zu Beginn des Films keine Stimme aus dem Off erst einmal eine gefühlte halbe Stunde lang einen Monolog über Geschichte und politische Verwicklungen, sondern es geht sofort los mit dem Wechsel in der Verwaltung von Arrakis, erzählt aus der Sicht eines der Bewohner dieses Planeten. Was es sonst noch Wissenswertes zu erfahren gäbe, wird einem dann in Szenen vor Augen geführt, in denen sich Paul Atreides (Timothée Chalamet) Wissen mit Hilfe von Lehrfilmen aneignet. Und um noch kurz bei diesem Charakter, der noch viel lernen muss, zu bleiben – dessen Zerrissenheit gepaart mit einem Quentchen Naivität und Kindlichkeit nehme ich Timothée Chalamet eher ab als Kyle MacLachlan, der den Messias wider Willen in der Fassung von 1984 gespielt hat und zu diesem Zeitpunkt ebenfalls 25 war. Kostüme und Bühnenbild sind für mich eine wahre Augenweide, und das übrige Staraufgebot (Rebecca Ferguson, Charlotte Rampling, Josh Brolin, Javier Bardem, Stellan Skarsgård) beeindruckend. Wenn ich den Schlußsatz („Und das ist erst der Anfang“) richtig deute, kann ich mich auf eine Fortsetzung freuen, aber ich weiß jetzt schon, dass „Dune“ für mich ein ähnlicher Klassiker werden könnte wie die Fantasy-Trilogie „Der Herr der Ringe“, denn auch hier wartet ein ganzes Universum mit eigenen Sprachen, Sitten und Gebräuchen darauf, entdeckt zu werden. Zur Einstimmung folgt jetzt erst mal ein Trailer.

Gemacht für die große Leinwand und nicht für daheim – https://youtu.be/RYp8xMRaIMQ

Hampstead Park – Aussicht auf Liebe (2017): S wie Siebzehn. Seit so vielen Jahren nämlich lebt Donald Horner (Brendan Gleeson) bereits in einer selbstgezimmerten Hütte auf einem winzigen Fleckchen Land in besagtem Park, hinter Büschen vor neugierigen Blicken verborgen. Seine Zeit verbringt er auf dem Friedhof von Highgate, Gemüse baut er vor der einfachen Hütte an, und zum Baden springt er in den Teich, in dem er auch angelt. Doch seinem idyllischen Leben steht das Aus bevor, denn wegen eines Luxusbauprojekts soll er für immer verschwinden. Schließlich sinken die Grundstückspreises in dem noblen Stadtteil wegen des „Penners im Park. Als die verwitwete Emily (Diane Keaton) rein zufällig durch ein Fernglas sieht, wie der Eigenbrötler überfallen wird, ruft sie die Polizei – und als sie ihn kurz darauf kennenlernt und erfährt, dass die Firma des Mannes ihrer Freundin Fiona hinter dem Bauprojekt steckt, beschließt sie, die drohende Zwangsräumung zu verhindern. Die Geschichte um das ungleiche Paar basiert auf einem tatsächlichen Fall: Als der in einem Park in Highgate lebende Harry Hallowes aus seinem Idyll vertrieben werden soll, zieht der vor Gericht und kämpft um das Land, das er seit Jahren bewohnt, indem er sich auf das Recht der sogenannten „adverse possession“ beruft – in einfachen Worten: Wenn jemand nur lange genug auf einem ungenutzten Grundstück wohnt, ohne dass ihm das Grundstück gehört oder er einen irgendwie gearteten Vertrag mit dem Eigentümer hat, erwirbt er sich das Recht auf Eigentum daran – und das mit Erfolg, denn am Schluss werden ihm 650 Quadratmeter zugesprochen.

Was nun folgt, ist das absolute Kontrastprogramm.

Extremely Wicked, Shockingly Evil and Vile (2019): S wie Serienmörder. Was dem etwas sperrigen Titel nach klingt wie ein Horrorfilm, ist eine als Thriller angelegte Filmbiografie über den Serienmörder Ted Bundy (Zac Efron), erzählt aus der Sicht seiner ehemaligen Freundin Liz (Lily Collins). Als diese sich in den charmanten, attraktiven Jurastudenten verliebt und mit ihm zusammenzieht, ahnt sie noch nicht, dass er für das Verschwinden mehrerer junger Frauen in anderen Bundesstaaten verantwortlich ist. Nachdem er jedoch bei einer Straßenkontrolle in Utah im Gefängnis landet, wird bald klar, dass auch mehrere Vergewaltigungen, Morde und Mordversuche auf sein Konto gehen. Am Schluss können alle Unschuldsbeteuerungen, zwei abenteuerliche Fluchtversuche und das Feuern des Pflichtverteidigers, um sich selbst im Prozess zu vertreten, jedoch nicht verhindern, dass der auf Frauen so anziehend wirkende Psychopath von einem Geschworenengericht nach noch nicht mal sieben Stunden zum Tod auf dem elektrischen Stuhl verurteilt wird. Abgesehen von den wenigen Schockmomenten, in denen der Staatsanwalt, gespielt von Jim Parsons (The Big Bang Theory), etwas näher beschreibt, was die Opfer erleiden mussten, verzichtet der 110 Minuten lange Film glücklicherweise darauf, Bundys Verbrechen detailliert zu zeigen. Statt dessen konzentriert sich das Drama darauf, ihn als hochgradig manipulativen Psychopathen zu zeichnen. Ebenfalls nicht zu kurz kommt die Darstellung dessen, was das für seine Freundin bedeutet, die immer mehr an dem Charakter ihres Liebsten und der Echtheit ihrer Beziehung zu zweifeln beginnt. Zu weiteren Darstellern zählen John Malkovich als Richter Edward Cowart, Haley Joel Osment (The sixth sense) als Liz‘ späterer Ehemann und James Hetfield (Metallica) als Officer Bob Hayward, der ihn wegen zweier missachteter Stopschilder anhält und ihn anschließend verhaftet.

Regeln spielen keine Rolle (2016): S wie Sturzflüge. Die beziehen sich auf die Bruchlandungen, die Howard Hughes (Warren Beatty) regelmäßig mit verschiedenen Flugzeugen hinlegt – eine Tatsache, die seinen Chauffeur Frank (Alden Ehrenreich) nicht gerade beruhigt, als er von seinem Arbeitgeber zu einem Mitflug nach Mexiko aufgefordert wird, zumal der schwerreiche Regisseur mit zunehmendem Alter immer exzentrischer, oder besser gesagt dementer wird. Probeaufnahmen mit der Nachwuchsschauspielerin Marla Mabry (Lily Collins) geraten zur Farce, und als Marla dann auch noch von ihm schwanger wird, zweifelt Hughes ihre Glaubwürdigkeit an. Ärgerlich an diesem Film mit Starbesetzung war für mich nicht nur die ziemlich dünne Handlung, die sich über 127 Minuten erstreckte, sondern der Fokus auf Hughes‘ Rechsttreit mit der Fluggesellschaft TWA. Trotz schöner Kulissen und Kostüme waren diese zwei Stunden für mich verschwendete Zeit.

Alles eine Frage der Zeit (2013): S wie Südengland. Zeitreisen mal anders – oder: Keine Familie ohne Geheimnis. Hier trifft es im beschaulichen Cornwall die Familie Lake. Deren männliche Angehörige können durch die Zeit reisen – allerdings weder in die Zukunft noch in die Jahre vor ihrer Geburt. Beste Voraussetzungen, sein Leben so zu leben, als wäre jeder Tag der letzte, und vor allem begangene Fehler nachträglich zu korrigieren. Doch leider muss Tim (Domhnall Gleeson), dem sein Vater (Bill Nighy) an seinem 21. Geburtstag die frohe Botschaft bringt, die Erfahrung machen, dass das Bereinigen von Fehlern andere positive Wendungen nachträglich wieder zunichte machen können.

James Bond 007: Keine Zeit zu sterben (2021): S wie Spion. Dass dies Daniel Craigs letzter Auftritt als James Bond sei, war schon im Vorfeld immer mal wieder zu lesen. Ohne groß spoilern zu wollen, kann ich nach diesem 165 Minuten langen Spektakel sagen, dass sich diese Ankündigung vermutlich bewahrheiten wird. Ich war so frei, mir das letzte Agentenabenteuer in 2D anzuschauen, obwohl die vielen traumhaften Kulissen (z.B. das italienische Matera) sich geradezu für einen Kinobesuch in 3D anbieten – und bin nicht enttäuscht worden. Zugegeben – die Handlung war teilweise ein wenig verwirrend für mich, nämlich immer dann, wenn ich nicht mehr wusste, um wen oder was es eigentlich geht, aber die verschiedenen Elemente (im Hintergrund agierender Erzfeind, wie auf Drogen agierender Gegenspieler, eine universelle Bedrohung durch Biowaffen) waren dann doch nicht so undurchsichtig, als dass ich gar nicht mehr mitgekommen wäre. Ob es wirklich so clever war, den Maske tragenden Gegenspieler Lyutisfer Safin mit Ramik Malek (Bohmian Rhapsody) zu besetzen, lasse ich mal dahingetellt – und meine Vermutung, dass man hier bereits klammheimlich die kommende Doppelnull eingeschmuggelt hat, beruht auf meiner rein persönlichen Einschätzung. Titelsong von Billie Eilish schön und gut, aber mein ganz persönlicher Favorit war diesmal Q (Ben Whishaw), der einem freien Abend und dem damit verbundenen romantischen Date bei sich zu Hause entgegenfiebert.

Gesehen habe ich übrigens auch noch „Todesfalle Highlands“, der in den schottischen Highlands spielt (noch ein S) – aber nach zwei Wochen kann ich mich kaum noch an das Geschehen erinnern. War vermutlich spät und ich nicht mehr aufnahmefähig. Damit lasse ich es dann mal gut sein für den September, der nun vom nächsten Motto abgelöst wird. Für mich war die Gurke des Monats übrigens diesmal kein Film, sondern das Kino selbst, in dem ich mir den neuesten Bond-Film angesehen habe. Doch dazu werde ich später noch einmal etwas an anderer Stelle schreiben. Nun freue ich mich auf den bevorstehenden Horrorctober und zwei in den nächsten Wochen anlaufenden deutschen Spielfilme.

Cinema-Scope 2021 im August : An Action!

Kaum habe ich den Action-Monat August mit der Lethal-Weapon-Filmreihe eingeläutet, zieht RTL 2 mit der Stirb-Langsam-Reihe nach. Aber mit meinem Statement Nr. 6 vom 527. Media Monday (Ließe man mir die freie Wahl zwischen einer Statistenrolle in „Lethal Weapon“ oder „Die Hard“, sofern ich eine Zeitmaschine hätte, würde ich mich für den ersten Film entscheiden) war ich schneller, ätsch! Aber erst mal der Reihe nach: Bevor wir am 1. August mit der Quadrologie angefangen haben, mussten wir erst mal Black Sails zu Ende bringen.

Dieser Punkt ist abgehakt – aber wann wir die zweite Staffel folgen lassen, ist noch ungewiss – denn nach den Klassikern mit Mel Gibson und Danny Glover ist erst einmal Game of Thrones an der Reihe (jetzt, wo der Sommer fast schon vorbei ist).

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Lethal Weapon 1 – Zwei stahlharte Profis & Lethal Weapon 2 – Brennpunkt LA ++ Man on Wire – der Drahtseilakt ++ American Sniper ++ Escape Room ++ Snowpiercer ++ Lethal Weapon 3 – Die Profis sind zurück ++ Face/Off – Im Körper des Feindes ++ Mad Max ++ Escape Room 2 – No way out ++ Mad Max II – Der Vollstrecker ++ Lethal Weapon 4 – Zwei Profis räumen auf ++ 12 Monkeys

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Lethal Weapon 1 (1987) & Lethal Weapon 2 (1989): Ausgerechnet an seinem 50. Geburtstag bekommt Roger Murtaugh (Danny Glover) vom LAPD einen neuen Partner – den selbstmordgefährdeten Martin Riggs (Mel Gibson), der unter dem Unfalltod seiner Frau leidet und bei seinen Einsätzen den Falschen in die Quere kommt. Im ersten Film der Reihe kommen sie einer Gruppe heroinschmuggelnder CIA-Söldnern auf die Schliche, im zwei Jahre später gedrehten Nachfolger legen sie sich mit südafrikanischen Diplomaten an, die sich bei ihren Drogengeschäften hinter ihrer politischen Immunität verstecken. Die Lage eskaliert, als Riggs erfährt, unter welchen Umständen seine Frau damals wirklich ums Leben gekommen ist… Als ich die Box mit der gesamten Filmreihe im Laden gesehen habe, musste ich einfach zugreifen – und „Brennpunkt L.A.“ ist für mich das absolute Highlight darin.

Man on Wire – der Drahtseilakt (2008): Kein Spielfilm wie „The Walk“ aus dem Jahr 2015 von Robert Zemeckis, sondern ein Dokumentarfilm von James Marsh über Philippe Petit, den Mann, der zusammen mit einer Gruppe von Freunden 1974 in einer Nacht- und Nebelaktion ein Drahtseil zwischen den beiden Türmen des World Trade Centers spannte, um anschließend darauf einen illegalen Hochseillauf hinzulegen. Dokumentarfilm mag ja zunächst vielleicht nicht so spannend klingen, doch der auf youtube verfügbare Film in Originalsprache (englisch und französisch) ist aufgezogen wie ein Heist Movie und enthält Filmmaterial über die Vorbereitungen zu dem riskanten Coup. Die vielen Interviews mit allen Beteiligten fand ich überaus spannend – sie ließen mich vergessen, wie rudimentär meine französischen Sprachkenntnisse bisher waren.

The Script und ihr musikalischer Drahseilakt – https://www.youtube.com/watch?v=QV62YRpIeUA

American Sniper (2014): Schrödingers Drama wäre auch ein Kandidat für die letzte Ausgabe von „Die 5 Besten am Donnerstag gewesen“ – der 132 Minuten lange Film von Clint Eastwood mit Bradley Cooper in der Hauptrolle hat die Lebensgeschichte des von einem Veteranen ermordeten Navy-SEALs Chris Kyle zum Thema; unterbrochen werden Kyles Aufenthalte im Kriegsgebiet durch die Zeiten mit Frau und Kindern in der Heimat, bei denen schnell klar wird, dass er nie wirklich zu Hause angekommen ist, sondern sich immer noch im Krieg befindet und er deshalb mit dem zivilen Leben überhaupt nicht mehr zurechtkommt – Posttraumatische Belastungsstörung wäre meine laienhafte Diagnose, aber professionelle Begleitung kommt hier so gut wie gar nicht vor. Bezeichnenderweise wird Kyle (auf dessen Konto als Scharfschütze 160 Tötungen gehen) dann auch bei einem seiner vier Einsätze im Irak mit „Willkommen zu Hause“ begrüßt. „Schrödingers Drama“ kam mir in den Sinn, weil man den Film als Pro- und auch als Anti-Kriegsfilm sehen kann. Dementsprechend kontrovers haben ihn auch andere aufgenommen. Ich tendiere wegen der Auswirkungen, die dieser fern der Heimat stattfindende Krieg auf alle Beteiligten hat, eher zur Anti-Fraktion.

Escape Room (2019): Weil wir gerne Rätsel lösen, spielen meine beste Freundin und ich seit einiger Zeit diese „Einmal-Exit-Games für zu Hause“, bei denen es nichts zu gewinnen gibt – ganz im Gegensatz zu diesem Escape Room in dem gleichnamigen Horrorfilm von 2019, der mich in Ansätzen an „Cube“, „SAW“ oder „Hostel“ erinnerte. Da winken den ausgewählten Spielern 10.000 Dollar, doch schnell wird ihnen klar, dass es hier um mehr geht, als nur zu entkommen, nämlich um ihr Leben… Gut, dass ich der in einem Würfel versteckten, als Aufforderung getarnten Einladung nicht nachkommen musste, denn ich wäre relativ schnell auf der Strecke geblieben, obwohl mir die Bedeutung einiger Hinweise gleich zu Beginn klar war oder ich bei anderen ein seltsames Gefühl hatte, das ich aber nicht benennen konnte. Aber eins weiß ich jetzt schon: Ich fand diesen Psycho-Horror so spannend, dass ich mir vorgenommen habe, die am 19. August ins Kino kommende Fortsetzung (Escape Room 2 – No Way Out) anzuschauen.

Das Logo der Firma, die diesen Escape Room betreibt.

Snowpiercer (2013): Globale Erwärmung ist Schnee von gestern in dieser Dystopie – nachdem ein Versuch, sie mit Hilfe einer in die obere Atmosphäre gesprühten Substanz einzudämmen, gründlich schiefgegangen ist, hat eine neue Eiszeit die Erde fest im Griff. Ein von einem Perpetuum Mobile angetriebener Zug dient den Überlebenden als Arche, die nach dem Metropolis-Prinzip aufgebaut ist: an der Spitze des Zuges sitzen die Herrschenden und Privilegierten, alle anderen Ränge verteilen sich in absteigender Reihenfolge nach hinten, und ganz am Ende des Zuges hausen alle, die von denen an der Spitze als Abschaum betrachtet werden und von bewaffneten Securityleuten in Schach gehalten werden. Wenn es Wilford (Ed Harris), dem Erbauer des Zuges und seiner Ministerin Mason (Tilda Swinton) ginge, würden alle an dem für sie bestimmten Platz bleiben, doch nach 18 Jahren hat Curtis Everett (Chris Evans) genug von den erbärmlichen Zuständen in den überfüllten, letzten Waggons, und er plant, mit einer Gruppe Aufständischer die Kontrolle über die den Zug antreibende „ewige Maschine“ zu übernehmen… East meets West – diesen „Leftover“ aus dem letzten Jahr hatte ich noch auf Festplatte – angesichts der sommerlich hohen Temperaturen war die in einer Eiswüste spielende Dystopie von Regisseur Bong Joon-ho bestimmt nicht die schlechteste Wahl.

Lethal Weapon 3 (1992): Diesmal sitzen die Bösen in den eigenen Reihen der Polizei und bringen Waffen und eine ganz spezielle Munition mit besonderer Durchschlagskraft, Copkiller genannt, in Umlauf. Mit tödlichen Folgen für den besten Freund von Roger Murtaughs Sohn Nick und einen jungen Polizisten, den es an seinem 22. Geburtstag erwischt. Trotz verschiedener Gags im Zusammenhang mit dem Nebenplot, in dem Riggs versucht, das Rauchen aufzugeben und Anspielungen auf die Filme davor fand ich diese Fortsetzung nicht ganz so spannend wie Teil 2 der Reihe.

Face/Off – Im Körper des Feindes (1997): Nur nicht den Kopf verlieren! Wenn ein FBI-Agent (John Travolta) den Körper mit einem im Koma liegenden Terroristen (Nicolas Cage) tauschen soll, um aus dessen Bruder Informationen über eine Zeitbombe herauszubekommen, die bald detonieren und ganz L.A. auslöschen könnte, so klingt das nach einem ausgeklügelten Plan. Dumm wird es nur dann, wenn der komatöse Troy plötzlich erwacht, die für den Tausch Verantwortlichen ausschaltet, um auf Agent Archer Jagd zu machen und zwar immer noch die Bombe im Fokus hat, aber leider auch weiterreichende Pläne hat. Aufgenommen habe ich den Thriller von John Woo vor einigen Wochen aus dem Spätprogramm eines privaten Fernsehsenders.

Gesichterwechsel in einer Umrundung – der Song im Film : https://www.youtube.com/watch?v=7kx55uEmIl8&t=23s

Mad Max (1979): Endzeitspektakel mit Crash-Garantie. „Ich habe Angst, so zu werden wie die…“ – in einer nicht näher definierten Zukunft befindet sich die Polizei im Kampf gegen mordende Banden, die auf den Straßen Angst und Schrecken verbreiten und auf zwei oder vier Rädern alles umnieten, was ihnen in die Quere kommt. Als bei einer Verfolgungsjagd der aus dem Gefängnis ausgebrochene Kopf einer ganz bestimmten Motorradgang umkommt, schwören die übrigen Mitglieder Rache. Als erstes erwischt es den Kollegen des Polizisten Goose, dem Freund von Max (Mel Gibson), und als die selbe Gruppe von Marodeuren dann auch noch die Familie von Max umbringt, begibt sich dieser seinerseits mit einem 600 PS starken umgebauten Ford auf einen erbitterten Rachefeldzug.

Escape Room 2 – No way out (2021): Noch größer, noch spektakulärer. Dabei sieht zunächst nichts danach aus, als Zoey und Ben auf die Reise nach New York begeben, um den Machern der perfiden Minos-Escape-Rooms das Handwerk zu legen. Doch nachdem jemand ihren U-Bahn-Waggon vom Rest des Zuges abkoppelt, wird ihnen klar, dass sie und ihre Mitfahrer sich schon mitten im Spiel befinden. 88 Minuten Hochspannung… meinetwegen könnte dieses als Psychohorror bezeichnete „Turnier der Champions“ auch als Thriller durchgehen – keine Sekunde lang habe ich mich gelangweilt oder mich dabei ertappt, wie ich nach Logiklöchern suche (was bei dem Tempo, in dem es von Szene zu Szene vorwärts ging, auch so gut wie unmöglich war – und damit entfiel für mich auch das Miträtseln, so wie im Vorgänger „Escape Room“, den ich vor zwei Wochen auf DVD gesehen habe).

Suchen Sie nach versteckten Hinweisen, auch wenn Ihnen die Zeit wegläuft – https://www.youtube.com/watch?v=RHStNEH40Ic

Vielleicht finde ich die Hinweise auf DVD schneller, aber ich könnte mir gut vorstellen, dass bei dem ein oder anderen Twist in zwei Jahren ein dritter Teil folgen könnte und ich dann auch wieder im Kino sitze.

Mad Max II – der Vollstrecker (1981): Noch mehr Chaos – noch mehr Trümmer. Eine Ordnung gibt es Jahre später in einer trostlosen Zukunft, in der Leute wegen ein bisschen Benzin jederzeit ihr Leben verlieren können, schon lange nicht mehr. Kein Wunder, dass die Nachricht, es gäbe irgendwo im Outback eine zur Festung ausgebaute Raffinerie nicht nur jede Menge brutale Gesetzlose anzieht, sondern auch Ex-Polizist Max Rockatansky, dem so langsam der Sprit ausgeht. Eigentlich wollte der den Festungsbewohnern nur einen Deal anbieten, um selbst wieder mobil zu werden, doch dann entscheidet er sich dafür, den Verzweifelten, die sich zweieinhalbtausend Meilen nach Norden absetzen wollen, im Kampf gegen die Verbrecher beizustehen. Waren im Vorgänger noch Schusswaffen, mit mörderischem Tempo gesteuerte Fahrzeuge oder der Einsatz von Feuer die erste Wahl bei den Waffen, kommt jetzt eher vorsintflutliches Arsenal zum Einsatz: Hier fliegen Bumerangs fast genauso häufig wie aus allen möglichen Quellen abgefeuerte Pfeile. Diesen Teil kannte ich übrigens noch nicht.

Lethal Weapon 4 (1998): Zum Abschluss der Reihe stehen diesmal die chinesische Mafia (mit Jet Li als Oberbösewicht) und die Familienplanung von Roger Murtaugh und Martin Riggs im Fokus, die zwischenzeitlich zu Captains befördert werden: Ersterer wird Großvater, ohne zu wissen, dass er bereits einen Schwiegersohn hat (einen von der nervigen Sorte) – und letzterer sieht der Geburt seines ersten Kindes entgegen und zermartert sich das Hirn, ob er seine Liebste heiraten soll oder nicht. Dass diese genauso unentschlossen ist wie er, macht die Entscheidungsfindung nicht leichter. Natürlich dürfen im letzten Film Gags und Verfolgungsjagden nicht fehlen. Riggs verfolgt die Fluchtautos schon wieder zu Fuß? Falsch gedacht – diesmal hängt er sich sich im wahrsten Sinne des Wortes an einen Truck und kann bei der Gelegenheit schon mal die Belastungsfähigkeit von Folie testen… Stellenweise hatte der Film seine Martial-Arts-Momente, und ich fand ihn gelungener als den Vorgänger.

Tina Turner in Action – https://www.youtube.com/watch?v=dc3IEdllaxc

Mad Max – Jenseits der Donnerkuppel (1985): Fürchtet das Glücksrad! Nochmal zwei Jahrzehnte später. Der dritte Teil der Reihe war tatsächlich der einzige, den ich damals im Kino gesehen habe. Grund für den Kinonachmittag: Tina Turner. Die spielt die Aunty Entity, die als Herrscherin über Bartertown, einer Oasensiedlung, gerne den erpresserischen Master Blaster loswerden will und ihre Chance gekommen sieht, als ihrder durch die Wüste irrende Max vor die Füße fällt. Ein Zweikampf in der Donnerkuppel soll es richten, doch zu ihrem Ärger verläuft das Duell nicht so wie gedacht, und so lässt die Rache der Dame nicht lange auf sich warten.

12 Monkeys (1995): Selbserfüllende Prophezeihung oder Zeitschleife? Als Wissesnschaftler James Cole (Bruce Willis) aus dem Jahr 2035 in das Jahr 1996 zurückschicken, um den Ausbruch eines die Menschheit auslöschenden Virus zu verhindern, können sie nicht ahnen, dass nicht nur bei den Zeitreisen etwas schiefgeht, sondern dadurch ein Teufelskreis in Gang gesetzt wird. Nach all der Action hatte ich Lust auf einen Science-Fiction-Film, der mich stellenweise rein optisch an „Brazil“ (einem weiteren Film von Terry Gilliam) erinnert hat – gesehen habe ich ihn vor Jahren schon einmal, aber erst jetzt war ich in der Lage, alle Puzzlestücke, die mich damals verwirrt haben, richtig zusammenzusetzen.

Wenn ich rückblickend sagen müsste, welcher Film ich in diesem Monat am besten gefallen hat, schwanke ich zwischen drei Filmen: 12 Monkeys, Snowpiercer und Face/Off – Im Körper des Feindes. Für Dystopien und alles, was in Richtung Science Fiction geht (Zeitreisen, Identitätstausch u.ä.) bin ich nämlich immer zu haben. Unter dem Aspekt müsste ich dann dieses Trio noch um mindestens einen Film der Mad-Max-Reihe erweitern, aber tatstsächlich fand ich den zweiten am schwächsten. Aber Schwund ist ja irgendwo und irgendwie immer. Jetzt muss ich nur noch ein griffiges Motto für den kommenden Monat finden, und die Auswahl der richtigen Filme und/oder Serien kann beginnen.

Cinema-Scope 2021 im Juli : Menschen mit einer Mission

Leute mit einer Mission: Die einen kämpfen um einen sagenumwobenen Schatz, die anderen sind von Rache getrieben… und dann sind da noch die, deren persönliches Ziel völlig altruistischer Natur ist. Aber liegt nicht jeder guten Story eine solche zu erfüllende Aufgabe zugrunde?

Aber egal ob Film oder Serie – tatsächlich habe ich es geschafft, meine Füße wieder ins Kino zu setzen, denn seit dem 1. Juli kann man die hiesigen Filmtheater wieder besuchen.

Und weil ich Lust drauf hatte, kam auch in diesem Monat wieder eine meiner übrig gebliebenen DVDs aus dem letzten Jahr zum Einsatz. Welcher Kandidat das ist, zeigt die gefettete Schrift in Orange. Denn Orange ist eine zum Sommer passende Farbe.

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+ Bad Luck Banging or Loony Porn +++ Black Sails, Staffel 1 +++ Die perfekte Kandidatin +++ Mit 1000 Euro um die Welt +++ Three Billboards outside Ebbing, Missouri +++ Black Widow +++ Vikings, Staffel 6.1 +

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Bad Luck Banging or Loony Porn : Über den rumänischen Gewinner des Goldenen Bären habe ich mich ja schon beim Media Monday ausgelassen; aufgeteilt war der Film in drei Abschnitte. Im ersten begleitet die Kamera die Lehrerin zum eilig angesetzten Elternabend – während sie auf ihrem Weg quer durch Bukarest versucht, den skandalauslösenden Privatfilm, der im Internet auf einer Pornoseite hochgeladen worden ist, wieder löschen zu lassen. Der zweite, etwas wirre und collagenhafte Abschnitt versucht, diverse Begriffe ähnlich einem Lexikon anschaulich zu erklären, und im letzten und für mich interessantesten, kommt es zur Konfrontation mit der aufgebrachten Elternmeute, die verborgen hinter individuell gestalteten Masken (schließlich haben wir ja immer noch Corona!) ihr wahres Gesicht zeigen. Doch die große Überraschung bei dieser Satire hat man sich bis zum Schluss aufgespart: drei mögliche Enden, von denen eines so grotesk ist, dass ich mich hinterher gefragt habe, ob sich der Regisseur bei dieser Satire nicht doch vielleicht einen Scherz erlaubt hat. Nachdem die Kinos jetzt wieder ihre Pforten öffneten, hatte ich Lust auf einen Film, den man nicht alle Tage zu sehen bekommt, und den Titel fand ich so abgedreht, dass ich das Risiko gerne eingegangen bin. Ich muss sagen, ich habe mich schon schlimmeren Experimenten unterzogen – und als es mir beim Zugucken zu blutig, abstoßend oder dämlich wurde, konnte ich immer noch die Augen schließen und mir mein Teil denken.

Black Sails, Staffel 1 : Langsamgucker aufgepasst! Wir hängen noch immer in der ersten Staffel fest, aber nicht, weil die um historische Personen bereicherte Vorgeschichte zu Robert Louis Stevensons „Schatzinsel“ so langatmig wäre – ganz im Gegenteil – sondern weil die Person, mit der zusammen ich mir diese hochgradig spannende Piratenserie gerade anschaue, so selten vorbeikommt. Alleine gucken mag ich nicht, dabei hat das Werk nicht nur eine Top-Besetzung zu bieten, sondern auch noch einen grandiosen Trailer/Vorspann.

Die perfekte Kandidatin : Eigentlich hatte sich Maryam von einem Verwandten Hilfe mit ihren Papieren erhofft, doch um zu dem Mann vorgelassen zu werden, bleibt ihr nichts anderes übrig, als sich offiziell für die Kandiatur um einen Sitz im Gemeinderat ihrer saudi-arabischen Kleinstadt zu bewerben. Und schon steckt sie mitten drin im lokalen Wahlkampf und nicht auf dem Ärztekongress in Riad. Jammern ist keine Option, denn nun kann sie sich endlich für ihren jahrelangen Herzenswunsch stark machen: die Asphaltierung der Zufahrt zur Notaufnahme in der Klinik, in der sie als Ärztin arbeitet, denn der Eiertanz über die Schlammpiste gestaltet sich zur zeitraubenden Hürde, wenn es im Notfall um Leben und Tod geht. Aber eine Wahlkampagne auf die Beine zu stellen, wenn die einzige weibliche Kandidatin ohne Budget und Erfahrung im Politzirkus ist – dieser Weg ist steinig und schwer, aber Maryam und alle, die ihr beistehen, lassen sich nicht von ihrem ambitionierten Ziel abbringen… Saudi-Arabien war bisher kein Land, das man auf der cineastischen Weltkarte finden konnte, war Kino doch bislang verboten und Musik etwas Anrüchiges – nun öffnen in diesem Königreich so langsam die ersten Lichtspielhäuser ihre Pforten, und da war es nur eine Frage der Zeit, bis eine Regisseurin von dort in den Fokus der Öffentlichkeit gerät. Dieses 100 Minuten lange Feelgood-Movie von Haifaa Al Mansour habe ich letztes Jahr wegen Corona leider nicht mehr im Kino sehen können und deshalb sofort bei der DVD zugegriffen. Top Entscheidung.

Mit 1000 Euro um die Welt : Wie weit kommt man auf auf einer Weltreise, wenn man nur 40 Tage Zeit und ein Budget von 1000 Euro für alle Tickets (Unterkünfte ausgenommen) hat? Dieser Frage geht die Geo-Special-DVD in einem Versuch des Reporters Thomas Niemietz nach. Als Verkehrsmittel war alles möglich: mit dem Flugzeug, der Bahn oder per Anhalter (u.a. im Laderaum eines Transporters), in unterschiedlich luxuriös ausgestatteten Fernbussen oder im Tuk Tuk – theoretisch wäre auch die Ozeanüberquerung auf einem Containerschiff möglich gewesen, aber ausgerechnet diese Variante empfahl sich nicht bei bedrohlich zusammenschrumpfendem Zeitkontingent. So faszinierend diese Weltreise über alle Kontinente (außer der Antarktis) auch wegen der Begegnungen des Reporters mit interessanten Menschen auch war, es gab Momente, da drohte das Experiment zu scheitern – denn am Ende wurde nicht nur die immer knapper werdende Reisekasse, sondern die dahinschwindenden Tage zum Problem.

Three Billboards outside Ebbing, Missouri : Ein ungesühntes Verbrechen und eine Mutter, die die Nase voll davon hat, dass die Suche nach den Vergewaltigern und Mördern ihrer Tochter im Sande verlaufen ist – also mietet sie drei verwaiste Plakatwände vor der Stadtgrenze, um mit folgenden Sätzen darauf den todkranken Polizeichef der Untätigkeit anzuklagen: „Raped While Dying“ („Vergewaltigt beim Sterben“), „Still No Arrests?“ („Und noch keine Verhaftungen?“) und „How come, Chief Willoughby?“ („Wie kommt das, Chief Willoughby?“)… Es dauert nicht lange, bis die Lage eskaliert und einer der Polizisten gefeuert wird. Doch damit ist das Drama noch lange nicht vorbei. Zum ersten Mal hat mich der Film auf eine emotionale Achterbahnfahrt während meines Flugs von Frankfurt Toronto mitgenommen – nun gab es die DVD, und ich habe sofort zugegriffen. Dass die Blaupause für reale Protestaktionen *) ein paar Tage später im Fernsehen laufen würde, konnte ich zum Zeitpunkt des Kaufs allerdings nicht wissen.

*): 71 Tote forderte 2017 der Brand des Londoner Grenfell Towers – 2018 tauchten in London Plakatwände auf, auf denen man folgendes lesen konnte: 71 Dead (71 Tote), And still no arrests? (Und immer noch keine Festnahmen?), How come? (Wie kommt es, dass niemand zur Verantwortung gezogen wird?).

Black Widow : Den wollte ich ebenfalls im letzten Jahr sehen – wegen Corona wurde die Aufführung auf dieses Jahr verschoben. Die Idee, mir ein Ticket zu sichern, hatte ich spontan an einem Freitagabend und buchte am nächsten Morgen eine Karte für eine Vorstellung am frühen Abend. Angesichts der Filmlänge von 134 Minuten eine weise Entscheidung. Was ich zu sehen bekam, war die Lebens- bzw. Familiengeschichte von Natasha Romanoff (Avengers), die sich auf der Flucht befindet und ein Ziel hat: General Dreykoff, der absolute Kontrolle über die Gedanken sämtlicher „Widows“ auf der Welt hat, auszuschalten. Schon bald wird ihr jedoch klar, dass das nur zusammen mit der ganzen Familie geht. Besonders ihre herrlich sarkastische „kleine Schwester“ Yelena (Florence Pugh) trachtet danach, sämtliche Phiolen mit einem Gas an sich zu bringen, das – einmal freigesetzt – dieser Kontrolle ein Ende bereiten kann, indem aus den seelenlosen Killerinnen wieder eigenständig denkende und fühlende junge Frauen werden. Die Frage, ob dieser Film bei jemandem wir mir, die sich in dem Marvel-Universum so gut wie gar nicht auskennt, überhaupt funktionieren konnte (geschweige denn zünden), kann ich getrost mit einem Ja beantworten. Bei der geballten und rasanten Action ohne Atempause konnte ich trotz mangelnder Vorkenntnisse und auch ohne die leider von mir verpasste Szene nach dem Abspann in Bezug auf die Avengers-Reihe der Handlung mühelos folgen und habe mich bestens unterhalten gefühlt – stellenweise hatte ich sogar den Eindruck, mich in einem Bond-Film wiederzufinden, aber damit stehe ich vermutlich alleine da.

Vikings, Staffel 6.1 : Rache ist immer ein starkes Motiv – vor allem, wenn man von seinen Untertanen rausgeworfen wurde und sich nun Verbündete auf seinem Weg aus Russland zurück nach Norwegen suchen muss – während man andernorts auf der Suche nach Land westlich von Island ist… Reisefreudig waren sie, die Wikinger. Und weil’s so spannend ist, geht die kanadisch-irische History/Actionserie in die sechste Staffel, die dem Trend zum Aufsplitten in zwei Teile folgt – eine Unsitte, die mit „Harry Potter“ oder „Die Tribute von Panem“ ihren Anfang nahm. Da ich über die bisherigen Staffeln kaum ein Wort verloren haben, werde ich es mit diesen wenigen Zeilen bei der letzten Staffel damit belassen. Wann ich in den Genuss des zweiten Teils der sechsten Staffel oder gar des Spin-Offs „Valhalla“ kommen werde, steht noch in den Sternen.

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Das war es für den Juli, und da mir diese Woche die Motivation für weitere Filme oder Serienfolgen fehlt, beende ich meinen Rückblick schon ein paar Tage vor dem Ende dieses Monats.

Cinema-Scope 2021 im Juni : der Monat mit dem Sommerloch

Hurra, hurra – ab 1.7. sollen die Kinos wieder geöffnet haben.

Und da ich jetzt nun auch seit dem 18. Juni geimpft bin, sollte einem Kinobesuch nichts mehr im Wege stehen. Ob’s die Vorfreude war oder mein Urlaub, ohne die Möglichkeit mir so viele DVDs wie in den Vormonaten anzusehen? Vielleicht waren aber auch die vielen Recherchen über das Leben im Alten Ägypten schuld, die mich dazu gebracht haben, mir Filme aus dem sogenannten Bildungsfernsehen zu gönnen, anstatt die Flucht in leichte Unterhaltung anzutreten. Daher gab’s diesen Monat für mich keine Spielfilme, aber dafür zwei Serien.

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+ Big Little Lies, Staffel 2 +++ Black Sails, Staffel 1 +++ Schwarze Adler +

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Big Little Lies, Staffel 2: Wohin das Verschweigen einer Straftat führt, zeigt die Fortsetzung von Big Little Lies, in der fünf Freundinnen Madeline (Reese Witherspoon), Celeste (Nicole Kidman), Bonnie (Zoë Kravitz), Jane (Shailene Woodley) und Renata (Laura Dern) zusammen- und anschließend dicht halten, als eine von ihnen Celestes Mann Perry (Alexander Skarsgård) die Treppe hinunterstößt und dieser dabei ums Leben kommt. Eine Tat, die das Leben der fünf Frauen und die Beziehungen untereinander nachhaltig verändert – und als ob es nicht schon reicht, dass sich die Freundinnen zunehmend von den polizeilichen Ermittlungen unter Druck gesetzt fühlen, sorgt die Mutter von Perry (Meryl Streep) für zusätzlichen Zündstoff, als diese sich berufen fühlt, um das Sorgerecht für ihre Enkel zu kämpfen. Für mich ist es bis heute ein Rätsel, warum der Sender „vox“ diese nicht so leicht konsumierbare Miniserie ohne Vorankündigung nach zwei Folgen sang- und klanglos aus dem Programm genommen hat.

Black Sails, Staffel 1: Was hat mir meine Schwester in den Ohren gelegen, mir die Vorgeschichte zu Robert Louis Stevensons „Schatzinsel“ anzusehen – ich muss sagen, der Tip war nicht der schlechteste. Spannende Piratengeschichten schaue ich mir doch immer gerne an. Leider hat es im Juni nur zu den ersten beiden Folgen gereicht.

Schwarze Adler: Die Dokumentation, die noch bis zum 17. Juli in der ZDF-Mediathek verfügbar ist, behandelt das Thema Rassismus im deutschen Fußball und die Anfeindungen, denen schwarze Fußballspieler wie Jimmy Hartwig (ein echter „Offenbacher Bub“), Erwin Kostedde (nach dem das Fanmagazin der Offenbacher Kickers benannt ist), Steffi Jones, Gerald Asamoah oder Patrick Owomoyela täglich ausgesetzt sind.

Das war es in dem vergangenen Monat. Mehr gibt es diesmal nicht – außer der Überraschung, die ich erlebt habe, als ich feststellen musste, dass ich den Film „Ballon“ seltsamerweise doppelt habe. Von den noch nicht gesehenen DVDs, die sich hier stapeln, sind jetzt noch „Ballon“, „Bombshell – das Ende des Schweigens“, „Kursk“, „Snowpiercer“, „Waltz with Bashirund die Blu-Ray aus der 30-Jahre-Jubiläums-Edition des INXS-Albums „KICK“ übrig – sechs Kandidaten, für jeden der sechs kommenden Monate.