Cinema-Scope 2021 im November : Wiedersehen macht Freude

Das Jahr rennt förmlich nur so dahin, da wird es Zeit für mich, mal Rückschau zu halten auf das, was ich mir filmisch zu Beginn des Jahres vorgenommen hatte. Der „gute Vorsatz“, mir von meinen 12 noch nicht gesehenen DVDs jeden Monat eine vorzunehmen, ist durch den Horrorctober ein wenig aus dem Fokus geraten, denn es sind noch drei Filme übrig: Ballon, Kursk und Waltz with Bashir. Aus einer Laune heraus hatte ich mich für den letzten entschieden und damit auch gleichzeitig vorschnell mein Motto für den vorletzten Monat des Jahres festgelegt: Animationsfilme – egal aus welchem Genre.

Damit hätte ich den unterschiedlichsten Varianten und Themen Tür und Tor geöffnet, doch dass es dabei nicht bleiben würde, war mir klar, als ich mir neben all den Animationsfilmen auch einen Realfilm ausgeliehen hatte, dem noch weitere folgen sollten – auf DVD, im Fernsehen, auf Youtube und vor allem im Kino.

Doch zuerst, wie so oft bei mir, die Übersicht, in chronologischer Reihenfolge (die beiden Flops vom Monatsanfang lasse ich bewusst weg):

Waltz with Bashir +++ Ice Age 5 – Kollision voraus +++ Last Night in Soho +++ Lunchbox +++ Dogs in Space +++ James Bond 007 – Der Morgen stirbt nie +++ Stein’s Gate – The movie +++ Die Monster-Uni +++ Running Man ++ Das wandelnde Schloss

Deshalb habe ich meinen Monatsrückblick gesplittet. Und nun Vorhang auf für meinen Rückblick, denn Wiedersehen macht Freude.

Animationsfilme

Dass es abseits von Disney-Produktionen noch weitaus Sehenswerteres gibt, das sich in meinen Augen aber nicht für Kinder eignet (Watership down, Wenn der Wind weht, Animal  Farm oder The Wall), war für mich Anlass, bei meinem Besuch der Stadtbücherei gezielt nach Animationsfilmen zu fragen. Dabei durfte ich dann die Erfahrung machen, dass sich die nette Bibliotheksangestellte unter diesem Genre etwas anderes vorgestellt hat als ich, denn auf mich wartete eine wahre Fülle von Anime-Serien,  mit einzelnen Filmen dazwischen. Die Filme, die mir vorschwebten, fand ich dann schließlich doch noch.. in einem anderen Teil der Bücherei.

Waltz with Bashir:

Gekauft habe ich diese DVD bei einem Flohmarkt für einen Euro, hatte aber noch nicht die Muße gefunden, sie mir anzusehen, denn bei der israelisch-französisch-deutschen Co-Produktion von 2008 handelt es sich um schwere Kost, die ich Zartbesaiteten nicht empfehlen würde. In Kürze zusammengefasst geht es um die Aufarbeitung des Massakers von Sabra und Schatila im Jahr 1982 während des Kriegs im Libanon – eine in Teilen biografische Dokumentation mit Interviews, die der Regisseur mit allen Beteiligten und einer Traumatherapeutin führt, und Rückblenden, in denen das Geschehen aus verschiedenen Perspektiven gezeigt wird. Erst am Schluss, der dank der übergangslos eingeblendeten realen Aufnahmen von Getöteten und verzweifelten Überlebenden wie ein Schlag in die Magengrube daherkommt, wird klar, welche Rolle der Interviewer bei seinem Einsatz am Ort des Massakers an den Flüchtlingen gespielt haben muss.

Ice Age 5 – Kollision voraus:

Wer schon immer wissen wollte, was es in „Ice Age“ mit dem ins Eis eingeschlossenen Raumschiff auf sich hat oder woher der Jupiter seinen roten Flecken hat, erfährt jetzt die Vorgeschichte – natürlich ist mal wieder Scrat an dem ganzen Chaos schuld, das auf Manni & Co in Form eines Meteoritenschauers, gefolgt von dem einen lebensbedrohenden Asteroiden wartet. Um den alles vernichtenden Zusammenstoß zu vermeiden, gibt es nur einen Weg: Sie müssen magnetische Kristalle ins Weltall schießen, um den Asteroiden von der Erde wegzulenken. Klingt so abenteuerlich und gewagt wie „Armageddon“, doch angesichts der Tatsache, dass wir uns noch immer zur Zeit der Mammuts und Dinosaurier befinden und jedwede Technik noch nicht mal hörbare Zukunftsmusik ist, war ich gespannt, wie sich der bunt gemischte Freundeskreis bei dieser Aufgabe schlagen würde. Wie sie das am Ende zuwege bringen, damit hätte ich niemals gerechnet, und zu sehen, wie Sids geliebte, süße, aber bösartige Oma in ihrer Jugend so drauf war, fand ich auch recht spaßig. Kritiker fanden den Film entbehrlich, mir hat er jedoch besser gefallen als sein Vorgänger.

Stein’s Gate – The movie:

Zeitreisen beziehungsweise was passiert, wenn mehrere durch Zeitreisen entstandene parallele Zeitlinien für den, der sie besucht hat, durcheinanderkommen – den auf einem Computerspiel und einer Animeserie basierenden Film fand ich nicht nur unterhaltsam, sondern auch richtig gut, auch wenn ich weder das Spiel noch die Serie kenne.

Die Monster-Uni:

Als der fiese Randall noch nicht fies, sondern ein richtig netter Kerl war und der nette Sully aus der Monster-AG noch ein eingebildeter Schnösel. An der Monster-Uni, für erfahrene Schrecker der Monster-AG die beste der Welt, treffen sie sich wieder, und für den kleinen Mike Glotzkowski beginnt ein Studentenleben, das er sich so nicht vorgestellt hat und mich stellenweise an den Film „Sydney White – Campus Queen“ erinnert hat – in dem gibt es auch die überhebliche Studentenverbindung, deren Mitglieder bei Lehrkörper und Unileitung äußerst beliebt sind, und dann die teilweise wirklich schusseligen Nerds, die keiner haben will und die in einer maroden und vom Abriss bedrohten Bruchbude hausen, aber herzensgut sind und in allen Lebenslagen zueinander halten. In einer solchen Nerdverbindung landen Sully und Mike notgedrungen und stellen fest, dass gute Freunde unbezahlbar sind.

Das wandelnde Schloss:

Das Anime von 2004 adaptiert das Kinderbuch der englischen Schriftstellerin Diane Wynne Jones und erzählt die Geschichte der jungen Hutmacherin Sophie, die von einer eifersüchtigen Hexe in eine alte Frau verwandelt wird und als sich selbst eingestellte Putzfrau Unterschlupf in dem wandelnden Schloss des Zauberers Hauro findet und sich unter anderem um die Feuerstelle und den darin lebenden Feuerdämon Calcifer kümmert. In Hauro verliebt, versucht sie, sein Geheimnis zu ergründen. Neben „Chihiros Reise ins Zauberland“ ist dies schon der zweite Film der Ghibli-Studios, der mir so richtig gut gefallen hat, was u.a. auch daran lag, dass die Bilder so wirken, als habe sich jemand aus früheren Jahrhunderten so die Zukunft vorgestellt. Und die Idee, durch ein Stellrad mit unterschiedlich gefärbten Segmenten bestimmen zu können, in welchem Teil des Landes sich die Haustür öffnet, fand ich einfach magisch.

Kommen wir nun zu den Realfilmen.

Realfilme

Mein persönlicher Film des Jahres führt denn auch gleich diesen Teil der Liste an – eine Warnung vorab: Auch bei den anderen Filmen wird es nicht fröhlicher.

Last night in Soho:

Mit einem Stipendium am Londoner College of Fashion glaubt Ellie Turner aus Cornwall das große Los gezogen zu haben, doch mit ihren Kommilitoninnen kommt die angehende Modedesignerin nicht zurecht und sieht sich gezwungen, ein möbliertes Zimmer bei einer älteren, verschrobenen Dame zu mieten und einen Job in einem Pub anzunehmen. Ihr Glück scheint sich zu wenden, als sie eines Nachts im Traum mitten im London der Sechziger Jahre zu sich kommt und ihrem Idol, der blonden Sängerin Sandy begegnet, hat sie sich doch schon immer gewünscht, einmal London in den „Swinging Sixties“ erleben zu dürfen. Aus den Träumen wird jedoch schnell ein Alptraum, da sich Ellie zeitweilig im Körper von Sandy wiederfindet und hautnah miterleben muss, dass auf Sandy nicht die versprochene Gesangskarriere wartet, sondern die junge Frau dem Charme des vermeintlichen Managers auf den Leim gegangen ist und der sie geradewegs in die Prostitution schickt. Zu allem Überfluss sieht sie auch sämtliche Personen aus ihren (Alpträumen) in der Realität… Durch mehrere Trailer wurde ich auf diesen hochspannenden Thriller aufmerksam, der mich lange im Dunkel auf einer falschen Fährte tappen ließ, um mich mit einer Wendung zu schocken, mit der ich so nicht gerechnet habe. Die 117 Minuten des Psychohorror-Stücks mit brillianten Schauspielerinnen (Anya Taylor-Joy, Diana Rigg, Rita Tushingham, Thomasin McKenzie, Synnøve Karlsen) in Haupt- und Nebenrollen haben sich für mich nicht so angefühlt, und danach lag ich noch lange wach, weil ich das Gesehene Revue passieren lassen musste und sich erst im Nachhinein einige kleine Details in das Bild eingefügt haben. Für mich eine echte Überraschung in diesem Herbst.

Lunchbox:

Indien und sein beliebtes Lunchboxsystem – Dabbawala genannte Auslieferer bringen Angestellten in mehrstufigen Lunchboxen das Essen an den Arbeitsplatz – entweder das in einem Restaurant oder – in den meisten Fällen – zu Hause von den Ehefrauen gekocht worden ist. Eine solche Lunchbox mit dem mit besonders viel Liebe gekochten Essen darin landet in dem indischen Spielfilm „Lunchbox“ (im Original „Dabba“) von 2013 jedoch nicht bei Rajeev, sondern bei dem Witwer Saajan Fernandes (Irrfan Khan), der sich bei der Köchin Ila (Nimrat Kaur) mit einem handgeschriebenen Zettel in der leer zurückgeschickten Box prompt für die delikate, wenn auch leicht versalzene Mahlzeit bedankt. Es entsteht ein reger Briefwechsel, der das Leben der beiden nach und nach verändern wird. Es sind vor allem kleine Details, die wie Bindeglieder zwischen den beiden so unterschiedlich verlaufenden Leben von Ila und Saajan wirken und gleichzeitig offenbaren, wie ähnlich sich die beiden im Grunde sind. Das hat diesen Film für mich so spannend gemacht und mir gezeigt, dass Indien eben nicht automatisch auch Bollywood bedeutet. Eine wunderbar zarte und herzerwärmende Romanze mit ungewissem Ausgang – die als Arthouse-Produktion auch vorzüglich in die „Kino kulinarisch“-Reihe passen würde, die es vor einigen Jahren in unserer Stadt gab. Jedenfalls befinden sich die Rezepte dazu einem der DVD beiliegenden Heftchen. Vielleicht koche ich sie sogar demnächst nach.

Dogs in Space:

Das hat ja lange gedauert. Vor einigen Jahren habe ich den Film von 1986 auf Youtube mit x Werbeunterbrechungen gesehen, jetzt ist er nach langer Abwesenheit wieder da: als unsynchronisierte Originalversion ohne Untertitel oder Werbepausen, dafür aber aufgeteilt in vier handliche Häppchen à dreimal 25 und einmal 29 Minuten. Also habe ich kurzerhand das in der Melbourner Punkszene der Siebziger Jahre spielende Drama zum Bordprogramm für meinen Ausflug nach Mainz erklärt. Splitten können eben auch andere ganz toll. Dreh- und Angelpunkt ist ein etwas verwahrlostes Haus in einem Vorort von Melbourne, das sich im Lauf der etwas dünnen Handlung um einen Haufen Punks in eine heruntergekommene und zugemüllte Bruchbude verwandelt. Im Mittelpunkt der teilweise unübersichtlichen Gruppe stehen der Student Luchio (Tony Helou), ein namenloses Mädchen (Deanna Bond), die wechselnden Beschäftigungen nachgehende Anna (Saskia Post) und ihr Freund Sam (Michael Hutchence), Sänger der Punkband „Dogs in Space“. Es dauert nicht lange, bis Anna sich in seine Heroinabhängigkeit mit hineinziehen lässt und eine Überdosis sie das Leben kosten wird (sarkastischerweise an dem Tag, als Luchio seine Klausuren mit Bravour gemeistert hat), während ihr Liebster mit der Schuld weiterleben muss. Das böse Ende habe ich mir allerdings nicht während der Fahrt mit der Bahn angeschaut, sondern im Stillen Kämmerlein zu Hause.

Jetzt aber zu den nächsten Themen…

James Bond 007 – Der Morgen stirbt nie:

Den habe ich tatsächlich 1997 im Kino gesehen, weil ich gespannt war, wie mein ehemaliger Schulkamerad, der im gleichen Jahr mit mir zusammen das Abitur gemacht hat, als Bösewicht auf der Leinwand rüberkommen würde. Es war eine interessante Erfahrung, das zweite Filmabenteuer mit Pierce Brosnan als James Bond mal wieder im Fernsehen zu sehen – interessant, weil es diesmal Judi Dench war, bei der ich mich wunderte, dass ich ihr nicht schon früher Beachtung geschenkt habe. Hier lässt sie mit ihrer Ich-hab’s-Dir-doch-gesagt-Attitüde die Besserwisser vom Militär, die sie anscheinend nicht für voll nehmen oder gar ignorieren, dumm dastehen, während der Agent mit der Lizenz zum Töten mal wieder für die ganze Welt die Kastanien aus dem Feuer holen darf – dies aber natürlich nicht alleine, sondern zusammen mit der chinesischen Agentin Wai Lin (Michelle Yeoh). Wie bei allen Filmen dieser Serie wusste ich zwar zu Beginn schon, wie das zweistündige Spektakel endet, dennoch fand ich „Der Morgen stirbt nie“ unterhaltsamer als seinen Nachfolger, die Gegenspieler glaubwürdiger und die Gags genau richtig (jedenfalls damals):  Wer hätte im wie Fort Knox gesicherten Safe des bösartigen Medienmoguls ausgerechnet eine Blitz-Illu erwartet oder mit eindeutig-zweideutigem Geplänkel zwischen Miss Moneypenny und Bond erwartet?

Running Man:

Basierend auf einem Roman von Stephen King alias Richard Bachman, werden wir in diesem Actionfilm von 1987 in ein Los Angeles von 2017 versetzt, in dem Amerika zum Polizeistaat geworden ist, der die Kommunikation und die Künste zensiert. Um das Volk bei Laune zu halten, wird täglich die Spielshow „Running Man“ ausgestrahlt, in der Strafgefangene um ihr Leben rennen, von denen nur selten welche gewinnen. Eines Tages erwischt es den Polizisten Ben Richards (Arnold Schwarzenegger), der selbst im Gefängnis landet, nachdem er sich geweigert hat, aus einem Hubschrauber heraus auf unbewaffnete Demonstranten zu schießen. Als nicht freiwilliger Kandidat hat er sich zum Ziel gesetzt, die Wahrheit über das perfide System und den tatsächlichen Verbleib der „Gewinner“ der Show ans Licht zu bringen, und schon bald zeigt sich, dass es ein Fehler war, ihn und seine Gefährten zu unterschätzen… Wen ich als Darsteller in kleinen Nebenrollen nicht erwartet hatte, waren zum einen Mick Fleetwood (Fleetwood Mac) in der Rolle von Mic, dem Kopf der im Untergrund agierenden Widerstandsgruppe und zum anderen Dweezil Zapp als Guerillakämpfer eben jener Gruppe. Und wem die Story eventuell bekannt vorkommt: Für das Drehbuch zu dem Fernsehfilm „Das Millionenspiel“ von Tom Toelle aus dem Jahr 1970 hat Wolfgang Menge denselben Roman adaptiert.

Das waren fünf Animationsfilme und fünf Realfilme – beide haben sich also die Waage gehalten.

Projekt ABC – X wie „X“

Wir befinden uns mitten im Endspurt – beim fotografischen Projekt von wortman nach dem X folgen nur noch zwei Buchstaben, denn Ä , Ö und Ü entfallen dieses Jahr.

Den Kandidaten für diesen Buchstaben hatte ich schon sehr früh in diesem Jahr ermittelt: X

Das Nachfolgealbum zu KICK von INXS trägt den simplen Titel „X“ und gehört zu den Alben, die ich (noch) nicht auf Vinyl habe. Spart Platz und kann von mir auch im Auto gehört werden. Oder beim Schneidern in der Küche, wo ich es zuletzt tatsächlich in der letzten Zeit wieder öfters habe laufen lassen (der Todestag von Michael Hutchence am 22. November war allerdings nicht der Grund dafür).

stapelbar und gut bewacht von Hasi.

Ein weiteres X ist in Planung, denn das hätte hier nicht mehr hineingepasst.

Media Monday #543 : Auf ein neues

Schade, dass mein Urlaub schon wieder vorbei ist – bis auf die Gartenarbeit, die ich mir halbherzig vorgenommen hatte, konnte ich in der vergangenen Woche mehr oder weniger alles in die Tat umsetzen, auch den Ausflug nach Mainz zum Besuch der Banksy-Ausstellung. So wurde zum Beispiel aus meiner Home-Office-Ecke in der Küche ein temporäres Nähstudio, das ich ab jetzt, da ich wieder arbeiten muss, nur noch an den Wochenenden öffnen werde. Mit dem Retro-Kleid von 1950 aus der diesjährigen Juli-Burda bin ich ganz gut voran gekommen – allerdings hatte ich stellenweise Probleme, die Nähanleitung zu verstehen und habe mit Tricks arbeiten müssen – und was Fotos angeht, mit denen ich meinen Beitrag zum 543. Media Monday garnieren könnte, so fehlt mir dazu schlichtweg die Lust.

Media Monday # 543

1. Ich würde ja schon gerne wissen, wie ich so manche Beschreibungen im Nähjournal umzusetzen habe, denn manche hören sich sehr schwierig oder gar unlogisch an.

2. Es wäre wirklich großartig, wenn ich beim Anprobieren der bereits genähten Teile jemanden gehabt hätte, der die Passform kontrolliert – so musste ich mich selbst in die mit Nadeln gespickten Teile hineinwursteln und das Ergebnis mit Hilfe mehrerer Spiegel begutachten.

3. Der November ist ja auch hauptsächlich dafür bekannt, nicht gerade fröhliche Stimmung bei mir hervorzurufen, was teilweise auch am Wetter liegt, wie ich gerade jetzt wieder erleben durfte. Vier trübe und ein sonniger Tag waren die Ausbeute einer Woche.

4. In unserer Stadt letzten Montag bereits den Weihnachtsmarkt ohne großes Gedöns zu eröffnen und auf die Intelligenz der Besucher, sich nicht an den Buden zu stapeln, zu vertrauen, hat auch mehr geschadet als genützt, schließlich ist das Ergebnis dieses Susi-Sorglos-Verfahrens, dass ab heute nun das gesamte Areal eingezäunt wurde und nach der 2G-Regel Einlass gewährt wird. Hätte man das nicht schon letzte Woche so machen können?

5. Man könnte es auch mit gutem Gewissen bleiben lassen, mir heute lustige Bildchen oder Filmchen per WhatsApp zu schicken (auch wenn die Karnevalssaison vor 11 Tagen angefangen hat); aber auch wenn es für so manchen befremdlich klingt, ist der 22. November ist für mich ein spezieller Gedenktag. Wenn ich so darüber nachdenke, war es bei meinen Eltern ähnlich, denn die haben nach dem Attentat auf Kennedy, das sich am 22.11.1963 ereignete, alles Mögliche zu diesem Thema gesammelt.

6. Bei der schieren Masse an Filmen ist es mir schwergefallen, mich für einen zu entscheiden, aber jeder Film aus der Herr-der-Ringe-Trilogie wäre wohl ein gänzlich anderer Film geworden, wenn man die drei Teile nicht am Stück gedreht hätte, sondern mit zeitlichem Abstand voneinander.

7. Zuletzt habe ich versucht, zwei Teile miteinander zu verbinden, und das war eine harte Nuss, weil beiden zwei unterschiedliche Konfektionsgrößen zugrunde lagen, aber am Ende habe ich es dann doch noch hinbekommen. Perfektion sieht anders aus. Das Ergebnis werde ich demnächst präsentieren, sobald ich den schwierigsten Part mit dem Reißverschluss hinbekommen habe. Im jetzigen Zustand erinnert das Modell eher an das Kostüm einer Zirkusreiterin der Belle Epoque als an ein weitschwingendes Kleid im Stil von Dior.

ABC-Etüden – Woche 46 & 47 – Schweine im Weltall

Vor den Adventsetüden (den Adventüden) kommt bei Christiane jetzt noch eine letzte, reguläre ABC-Etüde mit den von Erinnerungswerkstatt gespendeten Wörtern Museum, biografisch und erinnern.

Da dachte ich mir, schreibe ich eben zur Feier des Tages eine Fan-Etüde, die aber nicht den Muppets gewidmet ist.

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Schweine im Weltall

„Alles Gute für den Ruhestand!“

Was mir mein Schwesterherz da aus der Zeitung vorlas, war doch die Höhe. Soweit ich mich erinnerte, hatte ich schon öfters mit dem Gedanken gespielt, früher in Rente zu gehen, aber geplant war nichts. Sie musste mich also nicht ständig damit aufziehen.

„Nein, ich meine doch Chris Murphy. Der plant den Bau eines Dorfs für Ruheständler inclusive Kreativzentrum und INXS-Museum…“

„Bitte was?!“ Ungläubig riss ich ihr die Zeitung aus der Hand und überflog die Seite, während ich ihr nur halb zuhörte. Schweine im Weltall! Vernommen hatte ich das Gerücht schon früher, es aber für ein Luftschloss des Bandmanagers gehalten, jetzt aber davon zu lesen und die Abbildung einer Computersimulation des rostroten Gebäudes in X-Form dabei zu sehen…

„Das ideale Urlaubsziel, für dich als Hardcore-Fan“, sinnierte sie. „Und dabei kannst du dir auch gleich diese Statue für Michael Hutchence angucken.“

Huch? Ich war zwar nur für die biografische Dokumentation über den Sänger und seine Rolle im Film „Dogs in Space“ zum neuseeländisch-australischen Filmfestival trotz hoher Hotelpreise nach Berlin gereist, aber ich war niemand, der nur für ein Depeche-Mode-Konzert von Ulan Bator nach Berlin und wieder zurück flog.

Wenn jemand ein hartgesottener Fan war, dann doch wohl sie mit ihrer Story, wie sie einst Bono in Dublin getroffen und sein leeres Glas als Reliquie nach Hause geschmuggelt hatte. Außerdem wusste sie, dass da finanziell bei mir nichts ging. Mein Körper kompensierte eben 16000 Kilometer nicht mehr so schnell wie früher, und wenn es mir an einem mangelte, dann an Zeit.

Aber ich hätte es wissen müssen, dass Schwesterherz den Zeitungsartikel mal wieder nur zur Hälfte gelesen hatte, denn ihm zufolge stand das ambitionierte Projekt, das aus der Luft bestimmt der Hingucker gewesen wäre, nach dem Tod des Managers im Januar mehr als nur noch in den Sternen.

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Den in dieser 300 Wörter langen Etüde genannten Artikel gibt es nur online – darin findet sich auch eine Abbildung, wie der Künstler sich das Gebäude vorgestellt hat.

Projekt ABC – V wie Vinyl

Musik spielt eine wichtige Rolle in meinem Leben, was man an etlichen Beiträgen von mir (unter „Dienstags-Gedudel“, „Soundtrack of my Life“ und „INXS“) sowie meiner Teilnahme an der 30-Days-Song Challenge sehen kann.

Und deshalb zeige ich stellvertretend für das V beim fotografischen Projekt von wortman nun Bilder eines Teils meiner Vinylsammlung, und zwar den bunten Teil, denn das Leben ist bunt und zu vielfältig, um mich nur auf ein Genre festzulegen.

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La vie en rose : Amy Winehouse – „Frank“

Bordeauxrot : U2 – „The unforgettable fire“

LP Nr. 1 in sattem Tomatenrot : Queen – „Greatest Hits“

LP Nr. 2 in sattem Tomatenrot : U2 – „How to dismantle an atomic bomb“

Das Rot kommt nur leider auf den Bildern nicht so gut heraus.

transparentes Blau : U2 – „Songs of Experience“

transparentes Weiß : INXS – „The Swing“

Ganz in Weiß : Duffy – „Rockferry“

meliertes Weiß mit Grau : Zola Jesus – „Conatus“

transparentes Vinyl, in unterschiedlichen Brauntönen meliert : Zola Jesus – „Taiga“

Schwarz-weiß marmoriert : Zola Jesus – „Okovi“

Die Goldmedaille : ABBA – „Gold“

eine Legende in zartem Pastellgelb : Joan Baez mit ihrem Debütalbum

Grün ist die Hoffnung : INXS – „KICK“

Nicht nur stilistisch aus dem Rahmen gefallen, sondern auch vom Format her – und eine der wenigen Picture-Discs, die ich besitze: Hagalaz Runedance … klein, aber fein

Optisch das Highight der Sammlung : Eine Picture Disc von Iron Maiden – als Doppelalbum

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Hui, dass dieser Beitrag länger ausfällt, war mir von vornherein klar – diesmal ist es nicht nur bei einem Bild geblieben, sondern bei einer ganzen Galerie.

Media Monday #537 : Invasion der Tanzmäuse

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Wir sind mittendrin im Horrorctober, und die Überschrift taugt keinen Schuss Pulver. *) Außerdem hat der Oktober erst angefangen und glänzt mit dem Attribut, das man gemeinhin als „golden“ bezeichnet, da wollen Gruselgefühle sich nur langsam einstellen. Und bis Halloween ist es noch lange hin. Das war vor Jahren noch anders – da war der ganze Oktober mein persönlicher Horrormonat, da ich in diesem Monat geliebte Menschen für immer verloren habe. So, genug der vorangeschickten Worte, bevor Erinnerungen übermächtig werden – was nun folgt, ist ein liebgewonnenes Sonntagabendritual: mich von den sieben Lückentexten des Media Monday überraschen zu lassen. 

Bitteschön, hier ist er:

Media Monday # 537

1. Langsam aber sicher erscheinen lang erwartete und oft verschobene Kinofilme, die ich schon lange sehen wollte, im Kino, und zumindest bei zweien war ich schon zu Beginn des Jahres so richtig hibbelig: „Dune“ und „007 – Keine Zeit zu sterben“. Worauf ich mich aber jetzt schon freue, sind die deutschen Produktionen „Fly“ und „Contra“, die für den Oktober angekündigt worden sind, und „House of Gucci“ im November – sowie das Fantasy-Filmfest Ende Oktober in der Harmonie in Frankfurt am Main. Von Steven Spielbergs Version der „West Side Story“ werde ich dagegen die Finger lassen. Und ob „Moonfall“ von Roland Emmerich, der 2022 ansteht, etwas taugt, bleibt auch noch abzuwarten.

2. Für mich ist „Dune“ auch ein richtiger Geniestreich, wenn man bedenkt, dass ich davor nur die Verfilmung von David Lynch von 1984 kannte und mich immer gefragt habe, was man bei einer Neuauflage anders machen könnte und wie wohl diese gigantischen Sandwürmer auf der großen Leinwand wirken könnten. Jetzt weiß ich es.

3. Ich hätte ja nicht gedacht, mich so dafür begeistern zu können, wie ein kleines Kind beim Warten aufs Christkind, dass sich ein als Komponist genannter Musiker dafür bedankt, dass ein bestimmter Song anscheinend eine Milliarde Mal gestreamt worden ist. Vom Verlinken zu Youtube war vermutlich nicht die Rede, oder zählt das auch dazu?  

4. So manche lieblose Synchronisation treibt mich regelmäßig zur Weißglut, denn wenn die Dialoge sich wie heruntergeleiert oder vom Blatt abgelesen anhören, killt das die ganze Atmosphäre. Umso ärgerlicher ist es dann, wenn man sich den Film nur in der Synchronfassung ansehen kann. Dabei kann man doch glatt verrückt werden. So wie dieser Herr hier:

Da wird doch der Hund in der Pfanne verrückt – https://www.youtube.com/watch?v=4Fc67yQsPqQ&list=RDGMEMQ1dJ7wXfLlqCjwV0xfSNbA&index=30

5. Langsam wird es kälter und ungemütlicher draußen. Immerhin wieder ein guter Anlass, um Tee zu trinken oder einen gehaltvollen Rotwein zu genießen, während ich schmökere oder an neuen Kapiteln für diverse Fortsetzungsgeschichten tüftele.

6. Gemeinsam einen netten Abend zu verbringen, ist auch immer eine schöne Beschäftigung, schließlich weiß man nie, wieviel Zeit die betreffenden Personen für einen haben. PS: Guten Freunden schenkt man doch gerne ein Küßchen, und wenn’s nur ein singendes, klingendes ist. Die Dame und ihre Band habe ich während meiner „schwarzen Phase“ Ende der 90er Jahre oft und gerne gehört:

dass es diese Combo noch gibt – https://www.youtube.com/watch?v=HpcNaqkrPm8&list=RDGMEMQ1dJ7wXfLlqCjwV0xfSNbA&index=29

7. Zuletzt habe ich diverse Grabstätten aufgesucht und das war dank des „goldenen Oktoberwetters“ bei strahlendem Sonnenschein weniger hart, als ich vorab befürchtet hatte, weil meine Schwester mit dabei war. Nur Blumen gab es keine schönen zu kaufen, da musste es ein einfaches Grablicht für die Laterne tun.

*) „Invasion der Tanzmäuse“ wäre auch ein schöner Titel für einen Horrorfilm – wenn das Tanzevent zum Horrortrip gerät. Wobei man Tanzmaus so oder so auslegen kann, für Vorschläge in alle Richtungen bin ich durchaus offen.

Projekt ABC – T wie Traumtyp

Nur noch wenige Buchstaben trennen uns vom Ende des Alphabets – heute ist beim fotografischen Projekt von wortman das T an der Reihe. Wer bei der Überschrift auf eine Enthüllung hofft, für wen mein Herz schlägt, wird eine Enttäuschung erleben…

Wenn Träume wahr werden

Im Sommer 2008 ist für mich mit vier Wochen Schottland und England ein Traum wahr geworden – und bei einem Bootsausflug durch die Gewässer unterhalb von Dunvegan Castle auf der Isle of Skye kam uns dieser knuffige Geselle vor die Linse, den ich nach der Reise in meinen Mails an Freunde als „Traumtyp“ bezeichnet habe.

das schönste Bild, das bei dieser Fotosafari entstanden ist.

Ebenfalls auf der Isle of Skye ist dieses Foto mit mir und der Telefonzelle entstanden:

Phone Booth

Zurück in Edinburgh, sah ich sie dann: die Polizei-Notrufzelle, Fans der Serie „Doctor Who“ ist sie auch als TARDIS bekannt:

Einen anderen Traum habe ich 2019 für mich wahr gemacht, als ich spontan eine Rundreise durch den Osten Kanadas gebucht habe, die dann ihren Anfang in Toronto genommen hat und auch dort endete. Genau da, wo jetzt die Fontänen lustig sprudeln, befindet sich im Winter eine Eisbahn, auf der ich gerne mal ein paar Runden drehen würde.

Aber selbst die schönste Traumreise geht einmal zu Ende – da kann man hinterher nur noch in Ruhe seinen Erinnerungen nachhängen und hoffen, dass einmal bessere Tage kommen.

In diesem Sinne hat sich eines bewährt… .

.. abwarten und Tee trinken. Vielleicht nicht gerade auf den Treppenstufen

…. aber dafür mit der zu diesem Bild (Treppenstufen = The Stairs) passenden musikalischen Begleitung.

Cinema-Scope 2021 im September : „Alles mit S“

Finden Sie ein Thema mit S: Nach „Musik“ für den Mai und „Action“ für den August wollte ich für den September nicht schon wieder mit Science Fiction ankommen. Wie wäre es denn zum Beispiel mit „Starkino“? Ich glaube, an den „Stars“ scheiden sich die Geister – deshalb widme ich mich lieber Zufallsfunden oder Werken, die ich schon lange mal (wieder) sehen wollte und mit (zumindest mir) bekannten Darstellern punkten können – ihre einzige Gemeinsamkeit: Diesmal fangen alle Themen mit einem S an.

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So sind die Tage… und der Mond++ Bombshell – das Ende des Schweigens ++ Fisherman’s Friends – vom Kutter in die Charts ++ Into the wild ++ Crazy Rich ++ Frankenstein Unbound ++ Deine Juliet ++ Der Buchladen der Florence Green ++ Brexit: Chronik eines Abschieds ++ Letztendlich sind wir dem Universum egal ++ The Shape of Water – das Flüstern des Wassers ++ Dune, Part One ++ Hampstead Park – Aussicht auf Liebe ++ Extremely Wicked, Shockingly Evil and Vile ++ Regeln spielen keine Rolle ++ Alles eine Frage der Zeit ++ James Bond 007: Keine Zeit zu sterben

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So sind die Tage… und der Mond (1990): S wie Sommerzeit. Dieser Episodenfilm, bei dem schon am Anfang bekanntgegeben wird, dass in soundsoviel Stunden eine Person aus dem Leben scheiden wird, steht schon seit Jahren auf meiner Liste von Filmen, die ich unbedingt noch einmal sehen wollte. Jetzt hat mir eine Freundin die DVD geschenkt. Welche Auswirkungen der Vollmond und die Zeitumstellung von Winter- auf Sommerzeit hat, ist noch immer nicht ganz klar – hier aber trifft es 13 Menschen, deren Schicksalsfäden in einem Megastau vor Paris zusammenlaufen, ganz besonders nachhaltig. Ich habe mich am Schluss allerdings gefragt, in welchem Universum die Uhren jemals von Freitag auf Samstag umgestellt worden sind.

Bombshell – das Ende des Schweigens (2019): S wie Sexismus. Von dem auf wahren Tatsachen basierenden Film mit Nicole Kidman, Charlize Theron und Margot Robbie in den Hauptrollen hatte ich mir tatsächlich doch etwas mehr versprochen. Das Thema „wir verklagen den Chef wegen sexueller Belästigung und decken frauenfeindliche Strukturen des einflussreichsten Fernsehsenders der USA auf“ hätte mich 2020 glatt ins Kino gezogen, doch dann kam Corona, und ich griff zur DVD. Über weite Strecken hatte ich trotz der Brisanz das Gefühl, dass die Handlung nur so dahinplätschert. Woran es lag? An der Besetzung vermutlich nicht – vielleicht gebe ich dem Werk in ein paar Monaten noch einmal eine zweite Chance.

Fisherman’s Friends – vom Kutter in die Charts (2019): S wie Shantys. Ein echter Geheimtip von meinem jetzigen Chef – als vier Freunde aus dem Londoner Musikbusiness zum Junggesellenabschied nach Cornwall fahren, können die dort ansässigen Fischer, die in ihrer Freizeit Shantys singen, nicht ahnen, dass ihnen eine unglaubliche Musikkarriere blühen wird. Eigentlich war der Vorschlag Troys (Noel Clarke – Dr.Who), den zehn Männern einen Vertrag anzubieten, als Scherz gemeint, doch sein Kumpel Danny nimmt die Sache ernst und nimmt mit der immerhin „653 Jahre alten Boygroup“ ein Demo auf, um für das Album eine Plattenfirma zu finden. Auftauchende Schwierigkeiten und eine sich anbahnende Romanze sind bei dieser romantischen Komödie zum Wohlfühlen ungeschriebenes Gesetz und machen die Story zwar ziemlich vorhersehbar – aber die schöne Landschaft haben mich über gewisse Schwächen in der Story hinwegsehen lassen. PS: Die Fisherman’s Friends gibt’s übrigens immer noch, wenn man dem Abspann glauben darf.

Into the wild (2007): S wie Scheitern. Vom beschaulichen Cornwall schalte ich um ins frostige Alaska. Denn dort hin zieht es Chris, einen jungen Aussteiger, der sich nach Abschluss seines Studiums von Geld und Besitz trennt, um sich nach erfolgreichem Verwischen seiner Spuren nach Alaska aufzumachen, allerdings nicht auf direktem Weg. In Rückblenden offenbart sich jedoch nicht nur, wie es Chris auf seiner Odyssee quer durch Amerika ergeht und welche Menschen er unterwegs trifft (Kristen Stewart, Hal Holbrook), sondern es sind vor allem die Zurückgelassenen, die an der Ungewissheit über seinen Verbleib zerbrechen. Am Ende steht dann eben nicht nur die grenzenlose Freiheit in einer grandiosen Landschaft, eindrucksvoll untermalt durch die Musik von Eddie Vedder (Pearl Jam), sondern auch das Scheitern des Überlebens in der Wildnis sowie die Erkenntnis, dass Glück nur dann wirklich echt ist, wenn man es mit jemandem teilen kann. Eine Erkenntnis, die in Sean Penns 148 Minuten langem Drama an dieser Stelle einhergeht mit dem langen, qualvollen Sterben Chris‘, nachdem er dank einer Verwechslung giftige Pflanzen zu sich genommen hat. Das war für mich schmerzhaft und schwer zu ertragen, und doch bereue ich nicht, mich für diesen Film entschieden zu haben.

Einsamkeit ist das, was du dort findest – https://www.youtube.com/watch?v=sfMZ29P5MHE

Crazy Rich (2018): S wie Singapur. Schauplatzwechsel und absolutes Kontrastprogramm zur bisherigen Kargheit und der Ablehnung weltlicher Güter… Wir befinden uns nun im Singapur der Reichen und Schönen, der Crazy Rich Asians (so der Originaltitel). Diese RomCom habe ich 2019 auf meinem Rückflug von Toronto nach Frankfurt im Bordprogramm genießen dürfen, weil ich wissen wollte, wie der gleichnamige Bestseller von Kevin Kwan umgesetzt wurde. Bis auf zwei britische Snobs zu Beginn des Films sind hier nicht nur sämtliche Darsteller (u.a. Michelle Yeoh, Henry Golding) asiatischer Herkunft, sondern auch der Soundtrack, der u.a. eine Coverversion von Madonnas Hit „Material Girl“ enthält… sagte ich etwas von Snobs? Die gibt es hier zuhauf – und gegen sie anzukommen, fällt der New Yorker Ökonomieprofessorin Rachel, die von ihrem Lebensgefährten Nick in dessen Heimat zur Hochzeit seines besten Freundes Colin eingeladen wird, zunehmend schwerer. Rachel, die nicht ahnen kann, dass Nicks Familie nicht nur äußerst vermögend und traditionsbewusst ist (die Familie geht über das persönliche Glück des Einzelnen), sondern auch sehr einflussreich, muss erkennen dass die Youngs die amerikanische „Goldgräberin“ wegen ihrer Herkunft als Nobody hinter einer zur Schau gestellten Höflichkeit von vornherein ablehnt. Doch aufgeben ist keine Option, und da sie nicht umsonst Spieltheorie unterrichtet, erweist sie sich für die Youngs bald als harte Nuss, an der sich vor allem Frau Mama und Großmutter die Zähne ausbeißen… Den Film fand ich äußerst erfrischend, auch wenn er längst nicht alle Facetten des komplexen und aufschlussreichen Romans einfangen konnte – doch warum man seinen Titel für den deutschen Markt verstümmeln musste, bleibt für mich genauso rätselhaft wie die in ihm dargestellte Gesellschaft.

Frankenstein Unbound (1990): S wie Schweiz, Schauergeschichte oder Sci-Fi. Auf meiner Suche nach einem Trailer für meinen Beitrag zum 532. Media Monday auf Youtube bin ich rein zufällig bei Roger Cormans Film mit Starbesetzung gelandet – in voller Länge und ganz ohne Werbung. Überraschung: Wir starten in New Los Angeles im Jahr 2031. Als Wissenschaftler Joe Buchanan (John Hurt) eine neuartige Laserwaffe entwickelt, die den Feind in Nichts auflösen, aber die Erde schonen soll, geht dieser Schuss nicht nur mächtig nach hinten los, sondern in alle Richtungen. Wie Frankenstein aus Mary Shelleys Roman, hat auch er ein Monster in Form eines Risses in Zeit und Raum erschaffen und landet im Jahr 1817 am Genfer See, wo er die Bekanntschaft mit Viktor Frankenstein (Raoul Julia) macht. Bei einem Prozess lernt er überdies Mary Shelley (Bridget Fonda) kennen, die skandalöserweise gleich mit zwei Männern zusammenlebt: mit ihrem Gatten Percy Shelley (Michael Hutchence) und ihrem Liebhaber Lord Byron (Jason Patric) und sich dann auch noch prompt mit dem sie als Schriftstellerin verehrenden Buchanan in eine Affäre stürzt: „Percy and Byron preach free love… I practice it“ – noch eindeutiger kann eine Aufforderung zum Stelldichein nicht sein, schließlich befinden wir uns im 19. Jahrhundert, so let the show begin… Dass es über kurz oder lang zur Begegnung mit Frankensteins Monster kommen muss, ist nur eine Frage der Zeit. Auf der Rechnung hatte er nicht, dass er Frankenstein bei der Erschaffung einer Gefährtin für das Monster mit Hilfe von Elektrizität helfen soll – genausowenig wie die verheerenden Folgen, die der Einsatz eines Lasers dabei nach sich zieht. Die Idee, einen schon x-mal verfilmten Gruselstoff mit einer Zeitreisegeschichte zu kombinieren, konnte 1990 nur verhältnismäßig wenige Kinobesucher begeistern und gerade mal 335.000 Dollar einspielen. Ich dagegen hatte bei dieser nicht ganz runden Zeitreise meinen Spaß. Zum einen wegen der klischeehaften Darstellungen der Labore und der teilweise echt trashigen Effekte, zum anderen wegen Bridget Fonda als Mary Shelley, der das Drehbuch mehr Raum gegeben hat als den Herren an ihrer Seite. Ihr Gesichtsausdruck, als Buchanan schon mal ihren Roman „Frankenstein“, den sie gerade erst zu schreiben begonnen hat, in voller Länge ausdrucken möchte, ist unbezahlbar.

Klingonen kommen in diesem Streifen nicht vor.

Deine Juliet (2018): S wie Schriftstellerin. In diesem Film von Mike Newell, der den Roman „Club der Guernseyer Freunde von Dichtung und Kartoffelschalenauflauf“ (The Guernsey Literary and Potato Peel Pie Society) mit Lily James, Penelope Wilton (Dr.Who), Katherine Parkinson (The IT Crowd) u.a. verfilmt hat, erreicht die Londoner Journalistin und Schriftstellerin Juliet Ashton ein Brief von einer Insel im Ärmelkanal. Absender ist jener Club, den einige Einheimische während der Besatzung durch deutsche Truppen im Zweiten Weltkrieg aus der Not heraus spontan gegründet haben und der ihnen durch diese Zeit der Entbehrungen hindurchgeholfen hat. Fasziniert von ihrer Geschichte möchte Juliet die Menschen, denen Bücher alles bedeuten, unbedingt kennen lernen und reist umgehend nach Guernsey, wo sie schon bald dem Geheimnis der abwesenden Elizabeth, die an der Clubgründung beteiligt war, auf die Spur kommt – eine Spur, die im deutschen Konzentrationslager Ravensbrück endet… Mir hat diese stimmungsvolle Literaturverfilmung sehr gefallen und ein Stück Geschichte, das mir bislang unbekannt war, auf eine unaufgeregte und sehr berührende Weise nähergebracht. Bücher können Leben retten? Manchmal reicht auch eine einzelne Kerze, um Licht in die Finsternis zu bringen und einen in eine andere Welt zu versetzen.

Der Buchladen der Florence Green (2017): S wie Snobs. Die setzen alles daran, um die lesebegeisterte Mrs Green aus dem Old House zu vertreiben, in dem sie einen Buchladen eingerichtet hat – allen voran Violet Gamart, Ehefrau eines Generals (Patricia Clarkson) und der schleimige Milo North, ein Mitarbeiter der BBC (James Lance) – denn sie möchten hier ein Kulturzentrum etablieren, aber dabei ist Lesen doch auch Kultur. Leider greifen sie zu hinterhältigen Mitteln. So hoffen sie beispielsweise, dass der ins Sortiment des Ladens lancierte Roman „Lolita“ von Vladimir Nabokov, strategisch günstig in der Auslage des Ladens präsentiert, einen Skandal auslöst, doch der gewünschte Erfolg lässt auf sich warten. Den Film, in dem der von mir sehr geschätzte Bill Nighy einen liebenswerten Eigenbrödler und Büchernarren spielt, der sich ganz besonders für die Mars-Chroniken und „Fahrenheit 451“ von Ray Bradbury begeistert, hat mich in der ersten Hälfte eher dahindösen als mitfiebern lassen, auch wenn er jede Menge Lob und Auszeichnungen einheimsen konnte. Die feinen Zwischentöne kamen dann eher spät zum Tragen, so dass ich mich für das hochgelobte Meisterwerk schließlich doch noch erwärmen konnte. Hätte Bill Nighy nicht den feinfühligen Mr. Brundish gespielt, hätte mir der Film nur halb so gut gefallen.

Brexit: Chronik eines Abschieds (2019): S wie Spaltung. Wie es zu dem Referendum und dem allseits bekannten Ergebnis kam, zeigt dieser 92minütige Fernsehfilm mit dem im Original besser passenden Titel „Brexit: The Uncivil War“ mit Benedict Cumberbatch in der Hauptrolle des Leiters der Exit-Kampagne Dominic Cummings. Veränderung um des Veränderns willen… Als Leiter der Exit-Kampagne sieht sich Cummings als Visionär, dem eine komplette Neuausrichtung vorschwebt – auf den erfolgversprechenden Slogan „Kontrolle zurückgewinnen“ kommt er durch einen Ratgeber für werdende Eltern – und greift zu mehr als fragwürdigen Methoden, um potentielle Wähler auszuloten. Im Gegensatz zu Politikern mit langjähriger Erfahrung, sieht er die Zukunft in der Zusammenführung persönlicher Daten, derer man mit Hilfe von AggregateIQ und Cambridge Analytica beim Durchkämmen sämtlicher Social-Media-Kanäle habhaft werden kann. Anders als es der vergleichsweise harmlos wirkende deutsche Titel vermuten lässt, läuft das Spektakel tatsächlich auf einen Krieg hinaus – das wird den Beteiligten spätestens dann klar, als bei einem Anschlag die Abgeordnete Jo Cox ums Leben kommt. Der Tip, sich an unserem gemeinsamen Filmabend damit zu beschäftigen, kam diesmal von meiner Schwester, die mir auch schon „Black Sails“ ans Herz gelegt hat. Ich glaube, ich lasse sie öfters mal die Auswahl treffen.

Letztendlich sind wir dem Universum egal (2018): S wie Seelenwanderung. Jeden  Morgen im Körper einer fremden Person aufzuwachen und deren Bewusstsein für einen Tag zu übernehmen, ist für keinen der Beteiligten ein Spaziergang: weder für A, der auf die Erinnerungen der in Besitz genommenen Person zurückgreifen kann, noch für die „besessene“ Person, die sich am nächsten Tag nur bruchstückhaft an diesen einen, bestimmten Tag erinnert. Unter diesen Bedingungen eine Beziehung zu einem anderen Menschen aufzubauen, erscheint unmöglich – und dennoch sucht A immer wieder den Kontakt zu Schülerin Rhiannon. Irgendwann stellt sich unweigerlich die Frage, ob A in das Leben der „besessenen“ Person eingreifen darf, wenn es sich bei einer solchen um ein Mädchen mit Selbstmordabsichten handelt oder er sogar in Rhiannons Körper schlüpft. Andere waren von dieser Literaturverfilmung unterschiedlich begeistert, ich war davon ziemlich angetan, auch wenn ich von den Darstellern keinen einzigen kannte.

The Shape of Water – das Flüstern des Wassers (2017)S wie Sixties. Eigentlich steckt das S schon im Originaltitel, der für mein Gefühl etwas seltsam ins Deutsche übersetzt wurde. Aber ob seltsam oder nicht – bei so viel Lob, das es auf diversen Blogs für diesen Film von Guillermo del Toro (Pans Labyrinth) schon gegeben hat, war ich zunächst skeptisch, doch als er mir in der Bibilothek unter die Finger kam, wurde ich neugierig, und mit Fortschreiten der Handlung um ein Wesen aus dem Amazonasgebiet, an dem amerikanische Wissenschaftler Versuche durchzuführen planen, wurde ich immer stärker in deren Bann gezogen. Ob es an Bühnenbild, Farbgestaltung und Kostümen lag? Oder allein von dem Plot? Der allein konnte bei mir schon punkten – wir befinden uns nämlich in den Sechziger Jahren und im Wettlauf gegen die Russen im Kampf um die Vorherrschaft im Weltall. Dumm, dass die Russen bisher nur den Raumfahrthund Laika vorzuweisen haben – und da kommt ihnen das Mischwesen – teils Mensch, teils Fisch – wie gerufen, und wenn es die Versuche nicht überlebt – who cares (nebenbei gesagt, sind die Russen auch nicht besser)… Die Lage für den zum „Ding“ degradierten Versuchskandidaten wäre hoffnungslos, gäbe es da nicht die stumme Reinigungskraft Elisa, die aus Mitleid dessen Flucht plant, um ihm in den Docks die Freiheit zu schenken und unerwartete Schützenhilfe durch den als Amerikaner getarnten russischen Wissenschaftler Dr. Robert Hoffstetler. Im Nachhinein muss ich sagen, dass ich öfters den in Blogs geäußerten Lobeshymnen folgen sollte – nach LaLa Land war das schon der zweite Kandidat, der bei mir ins Schwarze getroffen hat.

Dune, Part One (2021): S wie Spice. Als es hieß, Denis Villeneuve habe eine Neuauflage der Romanverfilmung geplant, war ich äußerst gespannt, zumal sämtliche positive Kritiken hervorheben, wieviel Zeit Villeneuve sich für die Erzählung des komplexen Stoffs gelassen habe. Nun ist mir nach zweieinhalb Stunden (die mir übrigens gar nicht so lang vorkamen) klar, dass er damit richtig gelegen hat. Besser als bei David Lynchs Version von 1984 hat mir gefallen, dass Villeneuve anscheinend auf das Prinzip „Show, don’t tell“ gesetzt hat: Hier hält zu Beginn des Films keine Stimme aus dem Off erst einmal eine gefühlte halbe Stunde lang einen Monolog über Geschichte und politische Verwicklungen, sondern es geht sofort los mit dem Wechsel in der Verwaltung von Arrakis, erzählt aus der Sicht eines der Bewohner dieses Planeten. Was es sonst noch Wissenswertes zu erfahren gäbe, wird einem dann in Szenen vor Augen geführt, in denen sich Paul Atreides (Timothée Chalamet) Wissen mit Hilfe von Lehrfilmen aneignet. Und um noch kurz bei diesem Charakter, der noch viel lernen muss, zu bleiben – dessen Zerrissenheit gepaart mit einem Quentchen Naivität und Kindlichkeit nehme ich Timothée Chalamet eher ab als Kyle MacLachlan, der den Messias wider Willen in der Fassung von 1984 gespielt hat und zu diesem Zeitpunkt ebenfalls 25 war. Kostüme und Bühnenbild sind für mich eine wahre Augenweide, und das übrige Staraufgebot (Rebecca Ferguson, Charlotte Rampling, Josh Brolin, Javier Bardem, Stellan Skarsgård) beeindruckend. Wenn ich den Schlußsatz („Und das ist erst der Anfang“) richtig deute, kann ich mich auf eine Fortsetzung freuen, aber ich weiß jetzt schon, dass „Dune“ für mich ein ähnlicher Klassiker werden könnte wie die Fantasy-Trilogie „Der Herr der Ringe“, denn auch hier wartet ein ganzes Universum mit eigenen Sprachen, Sitten und Gebräuchen darauf, entdeckt zu werden. Zur Einstimmung folgt jetzt erst mal ein Trailer.

Gemacht für die große Leinwand und nicht für daheim – https://youtu.be/RYp8xMRaIMQ

Hampstead Park – Aussicht auf Liebe (2017): S wie Siebzehn. Seit so vielen Jahren nämlich lebt Donald Horner (Brendan Gleeson) bereits in einer selbstgezimmerten Hütte auf einem winzigen Fleckchen Land in besagtem Park, hinter Büschen vor neugierigen Blicken verborgen. Seine Zeit verbringt er auf dem Friedhof von Highgate, Gemüse baut er vor der einfachen Hütte an, und zum Baden springt er in den Teich, in dem er auch angelt. Doch seinem idyllischen Leben steht das Aus bevor, denn wegen eines Luxusbauprojekts soll er für immer verschwinden. Schließlich sinken die Grundstückspreises in dem noblen Stadtteil wegen des „Penners im Park. Als die verwitwete Emily (Diane Keaton) rein zufällig durch ein Fernglas sieht, wie der Eigenbrötler überfallen wird, ruft sie die Polizei – und als sie ihn kurz darauf kennenlernt und erfährt, dass die Firma des Mannes ihrer Freundin Fiona hinter dem Bauprojekt steckt, beschließt sie, die drohende Zwangsräumung zu verhindern. Die Geschichte um das ungleiche Paar basiert auf einem tatsächlichen Fall: Als der in einem Park in Highgate lebende Harry Hallowes aus seinem Idyll vertrieben werden soll, zieht der vor Gericht und kämpft um das Land, das er seit Jahren bewohnt, indem er sich auf das Recht der sogenannten „adverse possession“ beruft – in einfachen Worten: Wenn jemand nur lange genug auf einem ungenutzten Grundstück wohnt, ohne dass ihm das Grundstück gehört oder er einen irgendwie gearteten Vertrag mit dem Eigentümer hat, erwirbt er sich das Recht auf Eigentum daran – und das mit Erfolg, denn am Schluss werden ihm 650 Quadratmeter zugesprochen.

Was nun folgt, ist das absolute Kontrastprogramm.

Extremely Wicked, Shockingly Evil and Vile (2019): S wie Serienmörder. Was dem etwas sperrigen Titel nach klingt wie ein Horrorfilm, ist eine als Thriller angelegte Filmbiografie über den Serienmörder Ted Bundy (Zac Efron), erzählt aus der Sicht seiner ehemaligen Freundin Liz (Lily Collins). Als diese sich in den charmanten, attraktiven Jurastudenten verliebt und mit ihm zusammenzieht, ahnt sie noch nicht, dass er für das Verschwinden mehrerer junger Frauen in anderen Bundesstaaten verantwortlich ist. Nachdem er jedoch bei einer Straßenkontrolle in Utah im Gefängnis landet, wird bald klar, dass auch mehrere Vergewaltigungen, Morde und Mordversuche auf sein Konto gehen. Am Schluss können alle Unschuldsbeteuerungen, zwei abenteuerliche Fluchtversuche und das Feuern des Pflichtverteidigers, um sich selbst im Prozess zu vertreten, jedoch nicht verhindern, dass der auf Frauen so anziehend wirkende Psychopath von einem Geschworenengericht nach noch nicht mal sieben Stunden zum Tod auf dem elektrischen Stuhl verurteilt wird. Abgesehen von den wenigen Schockmomenten, in denen der Staatsanwalt, gespielt von Jim Parsons (The Big Bang Theory), etwas näher beschreibt, was die Opfer erleiden mussten, verzichtet der 110 Minuten lange Film glücklicherweise darauf, Bundys Verbrechen detailliert zu zeigen. Statt dessen konzentriert sich das Drama darauf, ihn als hochgradig manipulativen Psychopathen zu zeichnen. Ebenfalls nicht zu kurz kommt die Darstellung dessen, was das für seine Freundin bedeutet, die immer mehr an dem Charakter ihres Liebsten und der Echtheit ihrer Beziehung zu zweifeln beginnt. Zu weiteren Darstellern zählen John Malkovich als Richter Edward Cowart, Haley Joel Osment (The sixth sense) als Liz‘ späterer Ehemann und James Hetfield (Metallica) als Officer Bob Hayward, der ihn wegen zweier missachteter Stopschilder anhält und ihn anschließend verhaftet.

Regeln spielen keine Rolle (2016): S wie Sturzflüge. Die beziehen sich auf die Bruchlandungen, die Howard Hughes (Warren Beatty) regelmäßig mit verschiedenen Flugzeugen hinlegt – eine Tatsache, die seinen Chauffeur Frank (Alden Ehrenreich) nicht gerade beruhigt, als er von seinem Arbeitgeber zu einem Mitflug nach Mexiko aufgefordert wird, zumal der schwerreiche Regisseur mit zunehmendem Alter immer exzentrischer, oder besser gesagt dementer wird. Probeaufnahmen mit der Nachwuchsschauspielerin Marla Mabry (Lily Collins) geraten zur Farce, und als Marla dann auch noch von ihm schwanger wird, zweifelt Hughes ihre Glaubwürdigkeit an. Ärgerlich an diesem Film mit Starbesetzung war für mich nicht nur die ziemlich dünne Handlung, die sich über 127 Minuten erstreckte, sondern der Fokus auf Hughes‘ Rechsttreit mit der Fluggesellschaft TWA. Trotz schöner Kulissen und Kostüme waren diese zwei Stunden für mich verschwendete Zeit.

Alles eine Frage der Zeit (2013): S wie Südengland. Zeitreisen mal anders – oder: Keine Familie ohne Geheimnis. Hier trifft es im beschaulichen Cornwall die Familie Lake. Deren männliche Angehörige können durch die Zeit reisen – allerdings weder in die Zukunft noch in die Jahre vor ihrer Geburt. Beste Voraussetzungen, sein Leben so zu leben, als wäre jeder Tag der letzte, und vor allem begangene Fehler nachträglich zu korrigieren. Doch leider muss Tim (Domhnall Gleeson), dem sein Vater (Bill Nighy) an seinem 21. Geburtstag die frohe Botschaft bringt, die Erfahrung machen, dass das Bereinigen von Fehlern andere positive Wendungen nachträglich wieder zunichte machen können.

James Bond 007: Keine Zeit zu sterben (2021): S wie Spion. Dass dies Daniel Craigs letzter Auftritt als James Bond sei, war schon im Vorfeld immer mal wieder zu lesen. Ohne groß spoilern zu wollen, kann ich nach diesem 165 Minuten langen Spektakel sagen, dass sich diese Ankündigung vermutlich bewahrheiten wird. Ich war so frei, mir das letzte Agentenabenteuer in 2D anzuschauen, obwohl die vielen traumhaften Kulissen (z.B. das italienische Matera) sich geradezu für einen Kinobesuch in 3D anbieten – und bin nicht enttäuscht worden. Zugegeben – die Handlung war teilweise ein wenig verwirrend für mich, nämlich immer dann, wenn ich nicht mehr wusste, um wen oder was es eigentlich geht, aber die verschiedenen Elemente (im Hintergrund agierender Erzfeind, wie auf Drogen agierender Gegenspieler, eine universelle Bedrohung durch Biowaffen) waren dann doch nicht so undurchsichtig, als dass ich gar nicht mehr mitgekommen wäre. Ob es wirklich so clever war, den Maske tragenden Gegenspieler Lyutisfer Safin mit Ramik Malek (Bohmian Rhapsody) zu besetzen, lasse ich mal dahingetellt – und meine Vermutung, dass man hier bereits klammheimlich die kommende Doppelnull eingeschmuggelt hat, beruht auf meiner rein persönlichen Einschätzung. Titelsong von Billie Eilish schön und gut, aber mein ganz persönlicher Favorit war diesmal Q (Ben Whishaw), der einem freien Abend und dem damit verbundenen romantischen Date bei sich zu Hause entgegenfiebert.

Gesehen habe ich übrigens auch noch „Todesfalle Highlands“, der in den schottischen Highlands spielt (noch ein S) – aber nach zwei Wochen kann ich mich kaum noch an das Geschehen erinnern. War vermutlich spät und ich nicht mehr aufnahmefähig. Damit lasse ich es dann mal gut sein für den September, der nun vom nächsten Motto abgelöst wird. Für mich war die Gurke des Monats übrigens diesmal kein Film, sondern das Kino selbst, in dem ich mir den neuesten Bond-Film angesehen habe. Doch dazu werde ich später noch einmal etwas an anderer Stelle schreiben. Nun freue ich mich auf den bevorstehenden Horrorctober und zwei in den nächsten Wochen anlaufenden deutschen Spielfilme.

Media Monday #535 : Disappear…

„Ich bin dann mal weg“, sagte das Wochende. Aber wo ist es denn so schnell hin?

Nach einem spontanen Kneipenbesuch am Freitagabend, der seine Fortsetzung bei meiner netten Begleitung auf dem Balkon fand, stand für mich fest, dass sich solche unverhofften Abende leider nicht mehr so oft einstellen wie früher. Wie sagte doch Loriot so schön? Früher war mehr Lametta. Gut, Lametta brauche ich jetzt nicht unbedingt, aber mal ein bißchen feiern und stundenlang quatschen ab und zu, ist ja auch mal ganz schön. Was der liebe Wulf für uns parat hat, offenbaren die neuesten Lückentexte des Media Monday:

Media Monday # 535

1. Ein Familienfilm par excellence – allerdings aus früheren Jahren – ist der, in dem der kleine Michel aus Lönneberga das Weihnachtsfest rettet. Leider weiß ich nicht mehr, wie der Film heißt.

2. Schwarz-Weiß-Fotografie hat mich schon vor Jahren begeistert, schließlich habe ich früher tatsächlich mal mit einer Kleinbildkamera und Schwarz-Weiß-Film fotografiert, als es die digitale Fotografie noch nicht gab, und auch in einem Labor Filme entwickelt und Abzüge vergrößert. Das waren wirklich spannende Momente. Vielleicht mag ich deswegen immer noch Spielfilme in Schwarz-Weiß wie z.B. „The Artist“ oder „Der Leuchtturm“. Und gelegentlich findet man sogar auf Youtube noch Musikvideos fast ohne „Farbe“ – wie zum Beispiel dieses zu einem Song von Pink:

Küßchen, Küßchen – die Rache der Frauen ist fürchterlich – https://www.youtube.com/watch?v=3jNlIGDRkvQ&list=RDGMEMQ1dJ7wXfLlqCjwV0xfSNbA

3. Hingegen habe ich meine Konzentrationsfähigkeit im Straßenverkehr deutlich besser in Erinnerung gehabt, denn sonst wäre ich nicht geblitzt worden. Das Foto auf diesem Brief gehört nicht zu den Dingen, die ich brauche – dann lieber den Screenshot aus dem Clip in „Hallo Deutschland“ über unsere Tanzgruppe (in dem ich die in grünem Oberteil und blauem Rock bin):

Besser so als geblitzt zu werden

4. Es scheint heutzutage auch gar nicht mehr das Wissen da zu sein, wie viele verschiedene Kameratypen es früher gab – jedenfalls mit Sicherheit nicht mehr bei der breiten Masse.

5. Ich würde mir ja wünschen, dass sich die Schwarz-Weiß-Malerei auf Kunst, Film und Fotografie beschränkt und nicht das Denken vieler Zeitgenossen bestimmt. Die Gefahr dazu ist jedenfalls groß, und ich muss mich da teilweise selbst ab und zu mal wieder hinterfragen, um nicht in die gleiche Falle zu tappen.

6. Hier regelmäßig Videos von meinen Lieblingssongs einzubinden (wie zum Beispiel das zu „Disappear“, das ja auch in Schwarz-Weiß gedreht worden ist), reizt mich ja immer wieder und denke mir dann doch teilweise, ob ich es vielleicht nicht doch so langsam übertreibe. Obwohl es ja wesentlich schlimmeres auf der Welt gibt.

Ich bin dann mal weg – https://www.youtube.com/watch?v=qKAa20ukR-s

7. A propos Schwarz-Weiß: Zuletzt habe ich seit Jahren mal wieder Post mit einem „schönen“ Foto von mir in Schwarz-Weiß bekommen, und das war gruselig, weil ich auf den von dem Blitzer geschossenen Foto so angespannt aussehe. Zu schnell gefahren? Shit happens.

Media Monday #534 : Neulich, im Kino…

Da sitzt man nichtsahnend im Kino wegen des Films, auf den man schon ewig gewartet hat, und dann kommen die nächsten Trailer für Filme, die im Oktober anlaufen. Zwei deutsche Spielfilme („Contra“ von Sönke Wortman und „Fly“ von Katja von Garnier) sowie der neue Bond-Film „Keine Zeit zu sterben“. Noch nie erschien mir der Werbeblock so lange wie vor dem von „Dune“. Aber das Warten hat sich mehr als gelohnt.

Was es diese Woche noch so gab: Der Verein, in dem ich schottisch tanze (Scottish Country Dancing) hatte Besuch vom ZDF – und der fünf bis sechs Minuten lange Clip wird heute abend in der Sendung „Hallo Deutschland“ ausgestrahlt. Da ich zu diesem Zeitpunkt noch arbeite, werde ich mir die Sendung aufnehmen (obwohl es ja auch noch die Option der Mediathek gäbe)… Und nun zu den aktuellen sieben Lückentexten des Media Monday:

Media Monday # 534

1. Selten habe ich ein so überzeugendes Ensemble erlebt wie in „This is us“ – eine Serie, von der ich die dritte Staffel leider immer noch nicht, wie geplant, ein zweites Mal gesehen habe. Dabei habe ich genau durch sie (im Fernsehen) die Serie überhaupt erst kennengelernt.

2. Ein Film steht und fällt ja oft mit den Darstellern – aber mindestens genauso wichtig ist für mich bei Fortsetzungen, dass der Anschluss zum Vorgänger nicht in zu großem zeitlichen Abstand erfolgen sollte. Als positives Beispiel möchte ich „Escape Room 2“ herausgreifen, den ich im August gesehen habe (zwei Wochen, nachdem ich den Vorgänger auf DVD erworben hatte). Bei dem vierten Film der Matrix-Reihe bin ich dagegen skeptisch. Und weil ich gerade so schön in Stimmung bin, versüße ich mir den neuen Tag mit einem Song von Dua Lipa, der das charakteristische Gitarrenriff aus dem INXS-Hit „Need you tonight“ enthält, dessen Video mich aber tatsächlich mehr an „Escape Room 2“ erinnert:

Escape Room 2 vibes – https://www.youtube.com/watch?v=Nj2U6rhnucI

3. Die traurige Tatsache, dass Corona für viele kleine Fachgeschäfte finanziellen Genickbruch bedeutet, hat nun auch die Zoohandlung erwischt, bei der ich stets das Futter für meine kleine Kornnatter gekauft habe – nun darf ich mich wieder nach einer neuen Futterquelle umsehen, da der reguläre Heimtierbedarf keine Option für mich ist.

4. Denis Villeneuves Neuverfilmung von „Dune“ ist ja wohl spektakulär sondergleichen, schließlich sind nicht nur die Darsteller top, sondern auch Optik, Bühnenbild und Kostüme. Besonders interessant fand ich die eindeutig von Libellen inspirierten Fluggeräte, und dem Hauptdarsteller (der übrigens am gleichen Tag wie ich Geburtstag hat) nehme ich die Charakterdarstellung von Paul Atreides eher ab als dem Herrn, der ihn in David Lynchs Film von 1984 gespielt hat.

5. Von all den angekündigten Serienprojekten habe ich keine Kenntnis – aber mein eigenes Projekt sieht lange Episodenabende mit der Game-of-Throne-Komplettbox und dem zweiten Versuch von „Bablyon 5“ vor.

6. Das Thema Buch-Adaptionen ist so präsent wie eh und je und oft kenne ich nicht mal die Buchvorlage – wie zuletzt bei Dune – und bei den James-Bond-Filmen sowieso nicht. Das führt mich zu dem nächsten Thema, dem am 30. September anlaufenden „Keine Zeit zu sterben“, bei dem wir Daniel Craig zum letzten Mal als Spion im Geheimdienst Seiner Majestät erleben dürfen. Zur Einstimmung gibt’s heute diesmal einen Song von Shirley Bassey. Der war zwar nie in einem Bond-Soundtrack zu hören, erinnert mich aber trotzdem frappierend daran.

Get the 007-feeling – https://www.youtube.com/watch?v=vqNcyFNMfLM&list=RDvqNcyFNMfLM&start_radio=0

7. Zuletzt habe ich mit meiner besten Freundin eine Radtour unternommen und das war anstrengender als üblich, weil es ständig bergauf und bergab ging und wir am Schluss herausgefunden haben, dass man uns in die falsche Richtung geschickt hat. Und statt an einer Eisdiele haltzumachen, haben wir bei einem lokalen Imker Honig gekauft.