Unsortierte Gedanken : some special moments… as I’m not sleeping – oder: Schnipsel eines Jahresrückblicks

 

Das Gefühl hatte ich schon bei meinem letzten Aufenthalt in

Toronto

 

Ohne dass es geplant war, wurde meine Reise zunehmend musikalisch geprägt, was sich in den Zwischentiteln meiner einzelnen Reiseberichte niedergeschlagen hat *).

Das fing schon damit an, dass ich zum Walken ständig mit Musik aus meinem mp3-Player auf dem Smartphone unterwegs war und dass ich beim abendlichen Ausgehen und in meinen Walkpausen andächtig den Straßenmusikern in Toronto und Ottawa gelauscht habe, egal ob es sich um Coverversionen von PMJ und Bruno Mars oder um einen Dudelsackspieler in kompletter Montur handelte.

Musikalische Begleitung mit französischem Gesang hatten wir in der Sucrerie de la Montagne sowie eine Fotoausstellung in der National Gallery in Ottawa, untermalt mit Pop-Musik von Tim Buckley („Pleasant Street“).

 

 

Live-Gesang mit akustischer Gitarrenbegleitung gab es im Hard Rock Café zu hören: Some things you just can’t download.

 

 

Dort konnte ich eine eindrucksvolle Gitarrensammlung bewundern, genau wie die sehr kleine Sammlung im Royal Ontario Museum, während die Lücke an Sammlerstücken im Bata Shoe Museum mit den Stiefeln von Elton John geschlossen wurde.

 

 

Nicht zu vergessen das Schild, das auf den legendären Blue Note Club, ein paar Schritte von meinem Hotel in Downtown Toronto, hinweist und das ich erst am letzten Tag entdeckt habe. Den Club gab es von 1959 bis 1969 und sowohl Stevie Wonder als auch die Supremes sind hier aufgetreten.

 

*) Die berühmt-berüchtigte Playlist

Viele wattpad-Autoren haben sie – ich hatte sie bisher noch nicht: Die Playlist. Ich vermute ja stark, dass es sich bei den Songs auf solchen Listen entweder um die absoluten Lieblingslieder der Autoren handelt oder sie diese Songs beim Schreiben ihrer Geschichten gehört haben. Nicht alle Songs, die als Zwischentitel für meine Reiseberichte herhalten mussten, sind meine Lieblingssongs; sie sind mir beim Schreiben des jeweiligen Berichts, passend zum entsprechenden Thema eingefallen. Das wenigste habe ich davon auf meinem mp3-player – in diesem Sinne „Move on“, in alphabetischer Reihenfolge von A bis Z:

Auld Lang Syne : traditional

Crash Boom Bang : Roxette

Creep : Radiohead / PMJ

Diamonds are a girl’s best friends : Marilyn Monroe

Goldfinger : Shirley Bassey

Hangover : Taio Cruz

Ich war noch niemals in New York : Udo Jürgens

Islands in the stream : Dolly Parton & Kenny Rogers

Just a little bit longer : Maurice Williams & the Zodiacs

Just keep walking : INXS

Mister Brightside : Amy MacDonald / The Killers

Move on : ABBA

Not enough time : INXS

Pretty Vegas : INXS

San Francisco : Scott McKenzie / Petula Clark

Searching : INXS

Shine : INXS

Singing in the rain : Gene Kelly

Some like it hot : The Power Station

The Monster Mash : Bobby Pickett

There is a light : U2

The show must go on : Queen

Waterfalls : TLC

You lift me up: Thompson Twins

 

 

Es gibt einen Song, der auf dieser Liste nicht auftaucht, der aber das ausdrückt, was ich bei dieser Reise empfunden habe: „The Lights of Home“ von U2, vom Album „Songs of Experience“. Das Album „Songs of Innocence“ besitze ich nicht.

 

Es hatte bestimmt einen Sinn, dass ich dieses Jahr hier und nirgendwo sonst war.

Mein singender, klingender Adventskalender : Türchen Nr. 25

 

 

Recycling auf meinem Blog. Wir haben den ersten Weihnachsfeiertag und hängen in den Seilen. Oder auch nicht. Je nachdem, wie spät es gestern war, der 25. Dezember ist für mich immer eine prima Gelegenheit, es ruhig angehen zu lassen.

Das spiegelt meine Auswahl für heute zwar nicht wider, denn ich wollte noch einmal meine beste Zeit, die ich dieses Jahr hatte, heraufbeschwören. Mit U2, die dieses Jahr den Soundtrack zu meinen sportlichen Leistungen in Toronto und anderen ostkanadischen Städten beisteuerten, bin ich bei der Platte gelandet, die in den letzten Wochen am häufigsten gelaufen ist.

Das Video zu

You’re the best thing about me“

hatte ich garantiert schon mal auf meinem Blog, aber wie heißt es so schön? Was gut ist, kommt wieder: https://www.youtube.com/watch?v=nd_EYo96lmo    

 

 

Morgen ist der 26. Dezember. Hier feiern wir den 2. Weihnachsfeiertag, während man in England den sogenannten Boxing Day feiert. Welches Juwel in meiner Box schlummert, kommt morgen mit dem Z ans Licht.

 

Mein singender, klingender Adventskalender : Türchen Nr. 23

 

 

 

Depeche Mode, die Vierte. Zwei Originale von der Band selbst und eine Coverversion aus Italien, das macht drei. Mit dem Spielzeugauto über den Atlas rollen, das war – glaube ich – nicht gemeint, als das Trio zu erklären versuchte, was es mit der

World in my eyes“

auf sich hat. Obwohl sich das Lied auf meiner Weltreise letztes Jahr auch gut gemacht hätte, aber da hatte ich anderen Klängen den Vorzug gegeben. Dafür hatten die Jungs dieses Jahr in Kanada ihre Chance – auf meinem mp3-Player – https://www.youtube.com/watch?v=nhZdL4JlnxI 

 

 

So, der Countdown läuft und nähert sich unerbittlich dem Ende. Morgen ist das X dran. Wie passend, denn das englische Wort für Weihnachten lautet Christmas, und im englischsprachigen Raum kürzt man es gerne mit X-Mas ab. Lasst euch kein X für ein U vormachen – der Spaß ist morgen noch nicht zu Ende.

 

 

22 Wochen, 1 Objekt: Woche #20 – Elchalarm im Keller!

 

Es ist ein Elch entsprungen!

Einer? Nein, mehrere, und sie ruhen auf dem Backblech, denn es wurde gebacken – nach Rezepten, die ich in meinem Tagebuch notiert habe. Da stehen nämlich nicht nur die gesammelten Urlaubserinnerungen drin, sondern auch noch manch anderer Gedanke und schlaue Tips für den Haushalt. In der 20. Woche des Fotoprojekts „22 Wochen – 1 Objekt“ (siehe unten) von wortman und aequitasetveritas kommen internationale Genüsse auf den Teller: finnische Windräder mit Marmelade, australisches Schokokonfekt mit salzigem Popcorn und kanadische Kekse mit Ahornsirup. Nicht in Ahornblattform, sondern in Gestalt kleiner Elche, die sich im kühlen Keller beim Schmücken in Rot-Weiß immer noch am wohlsten fühlen. Ob es an der Umgebungstemperatur oder an den Farben der kanadischen Flagge liegt? Die Frage klären wir nächsten Sonntag, dem 4. Advent. Wohl bekomm’s…

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Und nun – zum Schluss – genaueres zu dem Projekt, das nach zwei weiteren Runden beendet sein wird:

Worum geht es bei diesem Projekt?
Ein von euch ausgesuchtes Objekt wird 22 Wochen lang in den unterschiedlichsten Kontexten fotografisch in Szene gesetzt – eurem Ideenreichtum sind hier keine Grenzen gesetzt: euer Handy oder das Haustier, der Schreibtisch im Büro, euer Lieblingsbaum, ein Spielzeug aus der Kindheit. Was, wie, wo etc. ist jedem freigestellt.

Zeitplan?
Das Projekt startete am 4. August mit der Präsentation eures Objektes und endet am letzten Sonntag bzw. in der letzten Woche des Jahres (29. Dezember bzw. KW01). Ihr habt jeweils eine Woche Zeit, euch eine Idee für euer Objekt einfallen zu lassen und es mit dem Handy oder der Kamera „einzufangen“; ihr müsst also nicht gleich am jeweiligen Sonntag einen Beitrag online stellen. Voraus planen dürft ihr natürlich auch. ? Falls ihr heute erst zu uns stoßt: Herzlich willkommen! Und falls euch mal nichts einfällt: auch kein Problem. Es soll ja Spaß machen!

Mein singender, klingender Adventskalender : Türchen Nr. 10

 

 

Change keeps us moving on“, lautete mein Motto für das fast schon vergangene Jahr. Veränderungen im Job – Veränderungen in den Gewohnheiten, und vor allem ein Urlaubsziel auf deer Landkarte, das in völligem Kontrast zu meinen bisherigen Vorlieben stehen sollte: Australien zog gegenüber Kanada den Kürzeren. Und weil mich die Reise in eine französischsprachige Gegend führen würde, suchte ich mir einen Chanson aus, um mein eingerostetes Schulfranzösisch aufzupolieren:

Je veux“

 

von Zaz. Allons ensemble découvrir ma liberté. Oubliez donc vos clichés – https://www.youtube.com/watch?v=0TFNGRYMz1U

 

 

Den Text zu verstehen, hat mir keine Schwierigkeiten bereitet, und obwohl dieses Lied nicht zu dem Album gehört, das ich im Geiste mit meiner Kanadareise verknüpft habe, soll es symbolisch für die Neuentdeckung meiner persönlichen Freiheit stehen, wenn auch nur für einen gewissen Zeitraum. Noch eine aus der Reihe getanzte Urlaubserinnerung liefert morgen das K.

 

Alle Jahre wieder …

 

 

fällt der Startschuss für die Weihnachtszeit schon im Herbst. Die Weihnachtsmärkte werden schon im November eröffnet, und die Werbetrommeln für die neuesten CDs mit Weihnachtsklassikern unterschiedlicher Musiker werden fleißig gerührt. Da war die Ankündigung der Jahrhunderthalle, dass am 24. November der kanadische Sänger Bruce Guthro ein Gastspiel geben würde, eine tolle Nachricht, aber das Motto seiner Tournee durch Deutschland und Dänemark keine Überraschung.

Dieses lautete „Celtic Christmas“, und das Programm sollte laut Ankündigung aus englischen Weihnachtsliedern, irischen Klassikern, Songs aus seiner Heimat und Stücken von Runrig (der Band, für die er nach dem Weggang von Donnie Munro der Sänger war) bestehen. Das klang nach vielversprechenden zwei Stunden – in einer Halle mit einer guten Akustik und ohne Gedrängel, denn es gab keine Stehplätze. Ich hatte einen leicht erhöhten Platz mit erstklassiger Sicht auf die Bühne.

 

Have yourself a merry little Christmas?

Eigentlich hatte ich die Karte ja nicht wegen der englischen Weihnachtslieder oder den angekündigten Songs von Runrig gekauft, sondern weil ich auf sein eigenes Material gespannt war. Ich lasse mich nämlich gern überraschen und mag es eher nicht so gerne, wenn ein Sänger mit einer fantastischen Stimme und hervorragenden eigenen Songs auf die Stimme der Band reduziert wird, für die er 20 Jahre lang gesungen hat, und erwarte daher auch kein Runrig-Konzert, wie das folgende, das 2003 live auf Stirling Castle aufgenommen wurde (Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=ouHH7GVrkTg);

 

 

 

Es war deshalb auch keine Überraschung für mich, dass während der zwei Stunden drei Lieder dieser Band gespielt wurden: „This time of year“, „Hearts of olden glory“ und „Rocket to the moon“. Wer die Band nicht kennt, dem sagen diese Titel nichts; ich verbinde mit den Songs die Zeit, in der Runrig noch einen anderen Sänger hatte, wie hier in diesem Video von Donnie Munros Abschiedskonzert 1997 (Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=g7cId63P65E):

 

 

Jetzt aber genug von Runrig. Hier geht es ja schließlich um Bruce Guthro und seine Begleitmusiker, die aus Irland, England und Dänemark stammen. Richtig schön fand ich, dass ihn sein Sohn und seine Tochter begleiteten: Dylan an der Gitarre und Jodi als Sängerin, die auf der Bühne ihre eigenen Lieder vorstellen durfte, was ich sehr schön fand. Schön fand ich auch, dass die Musiker nicht erst gegen Ende dem Publikum vorgestellt wurden, sondern schon am Anfang des Konzerts. So erfuhr ich auch, dass einer der Musiker schon in England das Musical „Come from away“ musikalisch unterstützt hat – das Musical, an dem ich mich schon in Toronto dieses Jahr erfreuen durfte. So ein Zufall aber auch.

 

Lichterglanz und Schneegestöber?

Eins muss ich sagen: Die Bühnenshow war wirklich stimmungsvoll. Irish Folk, gemischt mit Blues und Gospel, wenn ich das Stichwort „englische Weihnachtslieder“ fällt, muss ich vorwiegend an Christmas Carols denken, mit denen kleine Gesangsgruppen von Haustür zu Haustür ziehen, ähnlich wie bei uns die Sternsinger. Lieder wie „Jingle Bells“, „Let it snow“ oder „Little Drummer Boy“ gehören für mich eher nicht dazu. „Go tell it from a Mountain“ dann schon eher. Gemalte Landschaften im Stil von Thomas Kinkade zaubern mir zwar auch keine weihnachtliche Stimmung herbei, aber wenn die Aufnahmen kanadischer Landschaften überwiegen, dann nehme ich auch kitschige Einsprengsel in Kauf.. Richtig stimmungsvoll wurde es übrigens nach der Pause, als alle sieben um ein Lagerfeuer saßen, um im trauten Kreis Geschichten zu erzählen und ein Akustikset zu spielen. Meinen persönlichen Gänsehautmoment hatte ich, als Bruce mit seinen Kindern den Elvis-Klassiker „Can’t help falling in love“ mit sparsamer Instrumentierung vortrug.

 

Let it snow!

Vor dem Zugabenteil sollte es noch einmal so richtig weihnachtlich werden, und zwar mit dem Anstimmen von „Stille Nacht“ durch das gesamte Publikum. Blöd nur, dass meine Stimme versagte und ich es für „Stille Nacht“ dann doch etwas zu früh fand. Dieses Lied singe ich nämlich am Liebsten an Heiligabend in der Christmette um 22 Uhr; in einer Konzerthalle mit zeitweilig grenzwertiger Beleuchtung eher nicht so gerne.

Was die Beleuchtung angeht, so fragte ich mich des öfteren wirklich, warum die für die Lichttechnik Verantwortlichen nicht die Finger von der Deckenbeleuchtung lassen konnten. Das Geblinke an der Decke, das die Halle in ein kaltes Zwielicht tauchte, das ich ungefähr so gemütlich wie im Wartesaal einer Bahnhofshalle fand, war mein Stimmmungskiller Nummer Eins.

Dicht gefolgt von Filmen und Fotografieren mit dem Smartphone, vor allem dann, wenn jemand meint, die Aufnahme würde mit Blitz besonders gut. Liebe Leute, das tut es nicht! Und aus dem Augenwinkel geblendet zu werden, finde ich auch nicht besonders prickelnd. Aber zum Glück hielt sich dieses Ärgernis sehr in Grenzen und ich hatte noch genügend Spaß an diesem Abend, der mit Schneegestöber auf der Bühne endete.

Niagara : Wenn nicht nur der männliche Hauptcharakter getäuscht wird


Zu Recherchezwecken habe ich mir heute den Film „Niagara“ von Henry Hathaway aus dem Jahr 1953 ausgeliehen. In den Hauptrollen Joseph Cotten als George Loomis und Marilyn Monroe als seine Frau Rose. Warum sie sich in ein Ferienresort eingemietet haben, obwohl Mr. Loomis angeblich die Niagarafälle nicht ausstehen kann, erschließt sich nicht, ist auch nicht von Belang. Recht schnell wird nämlich klar, dass es hier um Betrug geht und um Mord an George. Geplant hat das Verbrechen Rose, und ausführen soll es ihr Liebhaber, mit dem sie sich heimlich an den Niagarafällen trifft.

0519 vom tower 2

Angeschmiert ist aber nicht nur der eifersüchtige Ehemann, sondern das Publikum. Oder bin ich die einzige, der gewisse Logikfehler auffallen? Dabei bin ich keine, die gezielt nach Filmfehlern sucht. Wenn sie mir dagegen von selbst ins Auge springen, werde ich natürlich neugierig, ob es da vielleicht nicht noch mehr Unstimmigkeiten gibt. Meistens tauchen solche Fehler im weiteren Verlauf des Films auf – bei „Niagara“ fängt die Täuschung schon in der Anfangssequenz an, als Mr. Cotten am Fuße der Bridal Veil Falls ziellos umherstreift. Eigentlich müsste er pitschnass von seiner Wanderung in den frühen Morgenstunden zurückkehren, statt dessen betritt er knochentrocken sein Zimmer, in dem seine Frau friedlich vor sich hinschlummert. Selbst die Frisur sitzt perfekt. Respekt! Mir haben nur wenige Minuten auf der kanadischen Seite gereicht, um mir ein Handtuch zum Trocknen der Haare zu wünschen. Und dass es im Film um fünf Uhr morgens schon taghell ist, fiel mir erst im Nachhinein auf. Aber diesen Effekt konnte ich schon 2018 in „Poldark“ bewundern. Geändert hat sich nichts.

A propos „tiefer Schlummer“: Dass in Hollywoodfilmen die weiblichen Charaktere wie aus dem Ei gepellt, also perfekt frisiert und geschminkt, in jeder Lebenslage zu sehen sind, ist ja nichts neues. Die Haare werden beim Duschen mit einer Badekappe geschützt, aber das Make-up ist nach der Dusche noch immer makellos, und nicht nur da, sondern auch beim Rauchen im Bett (was man nicht tun sollte) glänzen Marilyn Monroes Lippen in einem satten Rotton. Aber wenigstens drückt sie die Zigarette ganz vorbildlich im Aschenbecher aus, bevor sie sich schlafend stellt, weil ihr Mann heimkehrt. Denn er soll ja denken, dass sie noch immer tief und fest schläft. Come on: Are you kidding me? Wenn jemand kurz zuvor eine geraucht hat, dann riecht man das, ob Raucher oder nicht. Oder haben Raucher unempfindliche Nasen, die den Geruch gar nicht mehr wahrnehmen? Fragen über Fragen…

Damit man mich nicht falsch versteht: „Niagara“ ist für mich ein wirklich spannender Film mit einem hohen Wiedererkennungswert, was den Ort Niagara Falls auf der kanadischen Seite angeht, und einer Marilyn Monroe in einer mal ganz anderen Rolle, nämlich der der skrupellosen und manipulativen Femme Fatale. Interessanterweise wurde die Rolle der Polly Cutler mit Jean Peters besetzt, die bereits zwei Jahre zuvor in dem Film „Die Piratenkönigin“ selbst eine berechnende und rachsüchtige Frauenrolle spielte, nämlich die der Anne Providence, die ein Piratenschiff kommandiert. Diesen Film habe ich noch am selben Abend gesehen und habe mich über den überraschenden Zufall, gleich zwei Filme mit Jean Peters erwischt zu haben, königlich amüsiert. Das kommt davon, wenn einem Wurst ist, welche Darsteller in winziger Schrift auf der DVD-Hülle aufgeführt sind und man darauf verzichtet, im Internet nach Besetzungsliste und Kritiken zu suchen. Und Joseph Cotten? Der gab 1943 in dem Hitchcock-Thriller „Im Schatten des Zweifels“ den Serienmörder, dem seine „Lieblingsnichte“ Charlie (Teresa Wright) auf die Schliche kommt. An den Stil der Hitchcock-Filme erinnert mich so manche Szene in „Niagara“ dank extralanger Einstellungen im Glockenturm oder auf der menschenleeren Straße.

Menschenleere Straßen und die Tatsache, dass die Hauptpersonen immer genau da einen Parkplatz finden, wo sie ihn brauchen, sind m.E. auch so eine Spezialität Hollywoods. In diesem Fall weist nur herumliegender Abfall auf der Straße darauf hin, dass Niagra Falls kein idyllisches, verschlafenes Nest ist, sondern ein kleines Las Vegas mit Vergnügungspark, Casinos und Remmidemmi.

Achtung: Der Film wurde in Technicolor gedreht und nicht in Schwarzweiß, wie der Trailer suggeriert (Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=dCQB4qRYVEQ – okay, „the High Water Mark in Suspense“ ist angesichts des Hochwassers in Venedig jetzt nicht gerade der sensibelste Slogan, aber das konnte man in den 50er Jahren nun wirklich nicht ahnen):   

Liebe Leute – DAS ist Technicolor (ich wollte, heutiges Fillmmaterial hätte eine solch brilliante Qualität (Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=aDIvP2nyb2E)…

und damals zerbröselten Schallplatten noch, wenn man sie grob behandelte und nicht nett zu ihnen war. Alles in allem, war es ein vergnüglicher Filmabend mit Klassikern, die ich schon lange einmal wiedersehen wollte.

22 Wochen – 1 Objekt: Woche #6

 

Mein Tagebuch ist zusammen mit mir für das Fotoprojekt „22 Wochen – 1 Objekt“ (siehe unten) von aequitasetveritas und wortman auf eine Busrundreise gegangen: Aus den ganzen Bildern habe ich nur ein paar ausgewählt – anstatt des x-ten Foto vom Frühstückssaal gibt es in darum auch nur eines.   

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Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen. In Québec wurde sogar der Kaffee am hübsch gedeckten Tisch ausgeschenkt. Nach mehreren Tagen mit den allgegenwärtigen Pappbechern war es schön, auch mal Porzellangeschirr zu haben.

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Und nun – zum Schluss – genaueres zu dem Projekt:

Worum geht es bei diesem Projekt?
Ein von euch ausgesuchtes Objekt wird 22 Wochen lang in den unterschiedlichsten Kontexten fotografisch in Szene gesetzt – eurem Ideenreichtum sind hier keine Grenzen gesetzt: euer Handy oder das Haustier, der Schreibtisch im Büro, euer Lieblingsbaum, ein Spielzeug aus der Kindheit. Was, wie, wo etc. ist jedem freigestellt.

Zeitplan?
Das Projekt startete am 4. August mit der Präsentation eures Objektes und endet am letzten Sonntag bzw. in der letzten Woche des Jahres (29. Dezember bzw. KW01). Ihr habt jeweils eine Woche Zeit, euch eine Idee für euer Objekt einfallen zu lassen und es mit dem Handy oder der Kamera „einzufangen“; ihr müsst also nicht gleich am jeweiligen Sonntag einen Beitrag online stellen. Voraus planen dürft ihr natürlich auch. ? Falls ihr heute erst zu uns stoßt: Herzlich willkommen! Und falls euch mal nichts einfällt: auch kein Problem. Es soll ja Spaß machen!

 

„the final countdown“ – meine beiden Verlängerungstage

 

Die Rundreise lag nun hinter mir – bis zu meinem Abflug blieben mir noch zwei ganze Tage in

Toronto

der Stadt, von der ich zwar einiges gesehen hatte, aber nicht das, was ich mir insgeheim vorgenommen hatte. Dazu gehörten nicht nur ein Museumsbesuch und eine Fahrt zu den Toronto Islands, sondern auch der Versuch, an Karten für eine Show zu gelangen.

 

Andere waren spontan mehr für Baseball zu haben, da die Blue Jays ein großes Spiel hatten (wofür auch kräftig die Werbetrommel gerührt wurde) – aber mit Sportveranstaltungen kann man mich jagen. Lieber laufe ich selbst, als anderen dabei zuzusehen, wie sie einem Ball, Ei oder Puck nachjagen, sei es Fußball, Baseball, Rugby oder Hockey, von Basketball ganz zu schweigen.

Was Basketball betrifft, gab es am Freitag lange Schlangen vor einem Laden, der die neuesten Air-Jordan-Sneakers feilbot. Die Massen an Leuten mit Campingstühlchen, die von Polizisten und Security bewacht wurden, erinnerten mich an den Hype, wenn ein neues i-phone auf den Markt kommt und jeder als erster so ein Teil haben will.

 

The Monster Mash

Rette sich, wer kann! So lautete der Untertitel der Sonderausstellung „It’s alive“ im Royal Ontario Museum. Von solchen Ausstellungen erfahre ich grundsätzlich erst vor Ort, und in diesem Fall verbarg sich dahinter eine Wanderausstellung mit dem vollen Titel „Classic Horror and Sci-Fi Art from the Kirk Hammett Collection : July 13, 2019 – January 5, 2020“ – die Exponate bestanden aus alten Horrorfilmplakaten und Filmkostümen, die der Gitarrist von Metallica seit Jahren sammelt.

 

Dass sich in der Sammlung auch speziell gestaltete Gitarren befanden, war für mich das Tüpfelchen auf dem I.

Gut, dass ich von meinem ursprünglichen Plan abgewichen bin, das Museum nur wegen der asiatischen Kunst und dessen futuristischer Archtitektur zu besuchen.

Besser gesagt, ist das Museum ein alter Bau mit atemberaubenden Details im Foyer, und nur die Fassade des Anbaus ist modern und verzichtet auf vertikale und horizontale Linien.

 

 

Und weil’s so schön war, schlug ich dem Regen im Bata Shoe Museum ein Schnippchen, die ideale Ergänzung zu „It’s alive“, denn hier konnte ich die zweifarbigen Schuhe von Bela Lugosi bewundern (auch ein Star des Horrorfilms) –

 

– und die Stiefel von Elton John.

Diamonds are a girl’s best friends & Some like it hot

Nach so viel Kultur nahm ich mein Lauf- bzw. Walktraining wieder auf. Im Takt der Musik immer schön vorbei an den hochpreisigen Designerläden in der Bloor Street und den CN-Tower zum x-ten Mal erneut im Blick, walkte ich zur Abwechslung mal eine andere Straße zum Hafen hinunter, um mich nach den Abfahrtszeiten der Wassertaxis zu erkundigen. Lange ausdehnen wollte ich meinen Aufenthalt am nächsten Tag auf einer der Toronto Islands auch nicht, denn das Musical in dem wunderschönen „Elgin & Winter Gardens“-Theater wollte ich auf keinen Fall verpassen. Vorher vielleicht noch ein Bierchen im Distillery District… volles Programm.

 

Kaffee, schwarz, ohne Milch, ohne Zucker, und ohne künstliche Aromen – egal ob im Pappbecher oder nicht – und heiße Musik auf den Ohren, so lässt sich der Nachmittag aushalten. Der Meinung schien auch derjenige zu sein, der in mir die perfekte Begleitung für sein Night Clubbing gefunden zu haben schien und sich gleich meine Handynummer notieren wollte. Well, well, not so quick: Manchmal trügt der Schein, und das Object of Interest hat kein weitergehendes Interesse an einer Fortführung dieses nicht eingetretenen Dates, poor guy., auch wenn Du noch so charmant bist. Aber er nahm’s sportlich und mit Humor. Vielleicht ist ja woanders noch Luft nach oben.

 

Islands in the stream : just like the old times

Wo es allerdings keine Luft mehr nach oben gab, war mein Smartphone – das signalisierte mir, nachdem ich auf der Centre Island einen nach Futter tauchenden Schwan vor der Skyline von Toronto fotografiert hatte, dass nun der Speicher voll sei. Dumm gelaufen, denn öffnen ließen sich die Dateien auch nicht mehr.

Na gut, den Rest des Tages gab es halt kein Geknipse mehr. Auch gut, erleben wir die verbleibende Zeit wieder so wie früher, als ich noch nicht das Bedürfnis hatte, alles und jeden zu fotografieren, und vom Destillery District, wo es auch sehr gutes Bier gab, hatte ich nun schon Bilder in Hülle und Fülle.

 

The show must go on: Elgin & Winter Gardens

Daher habe ich auch keine Innenaufnahmen von diesem über hundert Jahre alten Theater, das einen noch immer funktionstüchtigen und von Hand betriebenen Aufzug aus dem Jahr 1913 besitzt – mit Gittertüren, die man von innen zuziehen kann, wie man sie aus alten französischen Filmen kennt.

Angeschaut habe ich mir das kanadische Musical „Come from away“, das auch schon am Broadway aufgeführt worden ist. Die Show war zwar am Donnerstagabend bereits ausverkauft, aber für die Aufführung am Freitagabend gab es noch vereinzelt Karten. Da habe ich doch gerne zugegriffen, auch wenn 75 Dollar nicht das Schnäppchen des Tages waren. Ganz weit vorne zu sitzen und dann eine Show zu genießen, bei der nicht nur die Darsteller durchweg briliant gespielt haben, sondern die Musik mit Einflüssen aus Folk und Country auch noch meinen Geschmack traf, war mir jeden Cent wert.

Come from away“ hat die Geschichte des kleinen neufundländischen Örtchens Gander zum Thema, das nach dem 11. September 2001 plötzlich 7000 gestrandeten Passagieren, deren Flüge umgeleitet wurden, Unterkunft und Verpflegung gewähren sollte. Auch wenn ich nicht jedes Wort verstanden habe, weil doch ziemlich schnell gesprochen wurde, hat mich die Aufführung mitgerissen, und am Ende gab es Standing Ovations für das gesamte Ensemble, auch für die Musiker, die man die ganze Zeit über gar nicht sehen konnte.

Not enough time : Move on

Wie gerne wäre ich noch länger geblieben, trotz einiger kleiner Pannen wie dem steckengebliebenen Aufzug oder der versehentlich vom Hotel deaktivierten Schlüsselkarte fürs Zimmer. Auch das im Hilton in diesem einen Turm nicht existierende Zimmer oder die Orientierungshilfen im 20. Stock des Chelsea Hotels, die mich an die Dr.-Who-Folge „Götterspeise“ (Praise him) denken ließen, gehören zu den Episoden, die ich mit Humor genommen habe.

 

 

Aber irgendwann muss ja jeder einmal nach Hause, und bekanntlich soll man gehen, wenn es am schönsten ist. Wie wahr, denn am Tag der Abreise goss es wie aus Eimern.

Kein schöner Abschied, aber einer der den Flug nach Hause erträglicher machte. Bei dem ich übrigens in der vordersten Reihe der Economy Class sitzen und mit viel Beinfreiheit das Bordprogramm genießen durfte. „Crazy Rich Asians“ zu gucken und dabei dem Kabinenpersonal zuzusehen, wie es den beiden Klassen im vorderen Bereich Champagner und ausgewählte Leckereien serviert, hat seinen ganz eigenen Charme. Mir hat der französische Rotwein aus der Plastikflasche auch gemundet und kam genauso sicher an wie der Rest um mich herum.   

 


PS: Als ich meine Reiseberichte endlich alle komplett hatte, ist mir aufgefallen, dass diese zwei Wochen doch sehr musikalisch geprägt waren. Doch das ist eine ganz andere Story, die in eine andere Kategorie gehört.

 

 

 

„Der Osten Kanadas“ – Tag 11

 

 

Der Aufreger des Tages erwartete uns auf unserer letzten Etappe

Niagara Falls – Toronto

denn es ging auf direktem Weg zum CN-Tower, wo für uns ein Tisch im schicken Drehrestaurant in luftiger Höhe von 356 Metern reserviert war.

 

Wie, wir kommen vorher nicht ins Hotel und haben keine Chance mehr, uns vor dem Essen umzuziehen? Das war für die meisten nicht das Gelbe vom Ei, und dabei hätten doch eigentlich alle informiert sein müssen, denn es wurde zu Beginn der Reise bekanntgegeben, und solche Pferdefüße merke ich mir immer, und dementsprechend sah dann auch die Wahl meiner Kleidung für diesen Tag aus. Sandaletten mit Absatz an die Füße und die Turnschuhe in den Koffer, und für etwas Schmuck ist auch im kleinsten Rucksäckchen Platz. Et voilà: Fertig ist der Lack.

You lift me up

So ein 360°-Drehrestaurant ist überaus praktisch: Man muss nicht lange nach einem WC suchen, irgendwann kommt eins vorbeigefahren, und wer ganz auf Nummer sicher gehen will, kann sich für eins für Männlein, Weiblein und Diverse entscheiden, muss aber dazu ein Stockwerk tiefer, wo sich die Aussichtsplattform mit Teilstücken aus Glas befindet.

Wer da nicht schwindelfrei ist, sollte den Gang über den Glasboden mit freiem Blick senkrecht nach unten lieber meiden. Ich habe zwar ab und zu auch Anflüge von Höhenangst, aber in diesem Fall war ich so mutig und habe es nicht bereut. Entstanden sind die schrägsten Selfies meines Urlaubs.

 

Den Besuch des Städtchens Niagara on the Lake auszulassen, hätte meiner Meinung nach nicht viel gebracht, da keine Garantie bestand, dass zu diesem Zeitpunkt unser Gepäck schon auf den Zimmern gewesen wäre. Dann lieber so und das schöne Wetter genossen, als im Schweinsgalopp nach Toronto zu hetzen und dann doch keinen Erfolg zu haben.

 

Trotz falsch gebrachten Bieres (ich hatte Porter bestellt und kein Lager) und etwas beengter Sitzanordnung am Tisch, weil für unseren Busfahrer auch noch ein Platz geschaffen werden musste (den neben mir) – oder vielleicht gerade wegen solcher kleinen Pannen – war es ein vergnügter Abend. Schade, dass er so kurz war.

 

 

Die meisten sind dann am nächsten Tag nach Hause geflogen. Ein Teil der Gruppe zog mit der Reiseleiterin weiter nach Calgary, eine nach Winnipeg und Vancouver, und ein paar wenige hängten, so wie ich, noch ein paar Tage in Toronto dran. So richtig schick ausgegangen war ich bisher noch nicht. Das sollte sich ändern.        

 


Das war das Ende der Busrundreise – aber ich hatte noch zwei weitere Tage in Toronto. Wird fortgesetzt.