Momentaufnahmen 3/26 – Alltagsoasen

Alle 14 Tage blitzen sie auf, die Momentaufnahmen – als Mitmachaktion ins Leben gerufen von aequitasetveritas – heute geht es um die folgende Frage:

Was ist gerade deine Alltagsoase? Was hilft dir, innerlich (wieder) zur Ruhe zu kommen?

Zur Ruhe zu kommen, wenn es so einfach wäre. Zählen Wochenenden noch zum Alltag? Ich definiere Alltag als die Zeit abseits des Urlaubs, die wie geschaffen scheint für kleine Fluchten. Ein Hoch auf den Eskapismus? Flucht insofern, dass mir mittlerweile nicht der Sinn steht nach Nachrichten über die x-ten Hochrechnungen, Statistiken und Inzidenzen, seitdem das Virus auch in meiner Familie zugeschlagen hat. Es zerrt an den Nerven, und nun gilt es, Dinge zu tun, die mich auf andere Gedanken bringen, um nicht so langsam aber sicher durchzudrehen.

Zu diesen Dingen gehören für mich die Tasse Tee am Abend, bei der ich spüren kann, wie die Lebensgeister zurückkehren, mich abends beim Tanzen im Zimmer auszupowern, wenn es nötig ist und nicht zuletzt das Schreiben meiner „unsortierten Gedanken“, die spätestens dann wohlgeordnet sind, wenn ich sie mit anderen teilen möchte. An manchen Tagen möchte ich mich dagegen einfach nur noch berieseln lassen – meine Couch, auf der ich auch so manches spannende oder zu Herzen gehende Buch verschlungen habe, ist geradezu prädestiniert dafür. Film- und Serienabende gönne ich mir dagegen lieber im Bett.

Eskapismus oder Selbstreflexion? Vielleicht ist ja doch etwas dran an dem Satz „Writing is Therapy“ (Schreiben ist Therapie), und damit meine ich nicht die Texte, die allein meiner Fantasie entsprungen sind, sondern das, was entsteht, wenn mir Realität und Erinnerungen dazwischen grätschen. Planbarkeit sieht anders aus, aber warum nicht, wenn sich durch den Mix aus Fiktion und Biografischem unerwünschte Zustände im Vorfeld verhindern lassen. Schreiben als Kataharsis – oder besser gesagt, als Mittel der Verarbeitung heikler Themen, die mir auf der Seele liegen – hätte ich es doch nur viel früher entdeckt. Mir wäre einiges erspart geblieben.

Aktualisierung vom 1. Februar 2021:

Aber wenn Hiobsbotschaften wie eine Bombe nächtens am Telefon einschlagen und mich das Gehörte wie ein Güterzug überrollt, hilf auch alles Tagebuchschreiben und Bloggen nichts. Es dürfte trotz einiger lange vorgeschriebener Beiträge etwas ruhiger hier werden. Meine Alltagsoasen sind landunter.

Momentaufnahmen 2/26 – vom Scheitern

Alle 14 Tage blitzen sie auf, die Momentaufnahmen – als Mitmachaktion ins Leben gerufen von aequitasetveritas – den Auftakt bildete unsere Einstellung gegenüber Vorsätzen fürs neue Jahr halten, nun geht es um die folgende Frage:

Wie gehst du mit Scheitern um – deinem eigenen und dem von anderen?

Beinahe wäre ich zeitlich an dieser Aufgabe gescheitert – aber Spaß beiseite:

Dass das Leben nicht immer wie gewünscht läuft, wer kennt das nicht? Vielleicht ist ja etwas dran an den Sätzen „Das menschliche Schicksal erfüllt sich im Scheitern“ und „Das Recht auf ein gescheitertes Leben ist unantastbar“ aus dem Film „Die fabelhafte Welt der Amélie“. Doch worin besteht der Unterschied zwischen Misserfolg und Scheitern?

Das Scheitern anderer nimmt mich nur dann mit, wenn es sich bei der Person um jemand mir Nahestehendes oder eine von mir bewunderte Person handelt und es diese derart aus den Angeln hebt, dass sie sie sich dazu entschließt, ihr Leben zu beenden. Traurig, aber wahr. Und deshalb bezieht sich der übrige Text nun wirklich auch nur noch auf mich.

Hätte man mich 2015 gefragt, wo ich mich fünf Jahre später sehe, wäre ich im Leben nicht darauf gekommen, dass ich bereits im folgenden Jahr meinen Lebensweg alleine fortsetzen würde. An diesem Verlust war aber nicht das Scheitern, sondern das Schicksal schuld – und mit diesem habe ich auch eine Zeitlang gehadert. Trotz meines Wunschs, die Zeit zurückdrehen zu können, erkannte ich bald, dass ich auf lange Sicht damit nirgends hinkomme, und auch nicht mit dem Versuch, schmerzhafte Erlebnisse zu verdrängen oder mir selbst die Frage zu stellen, wo ich mich in fünf Jahren sehe.

Ach ja, diese Frage, auf die ich am liebsten antworten würde: „Wer nix plant, kann nicht enttäuscht werden.“ – doch es steckt mehr dahinter. Erstens kann sich das ganze Leben mit einem Schlag ändern. Zweitens ist das Leben viel zu kurz, um sich in ursprünglich vermeintlich wichtige Pläne zu verbeißen. Wie sieht es aus, wenn sich die eigenen Prioritäten unmerklich ändern? Kann man es wirklich als Scheitern bezeichnen, wenn sich das ursprünglich angestrebte Ziel nicht erreichen lässt?

2012 hatte ich im Kleinen so ein Erlebnis. Nach ausführlicher Vorbereitung einer mehrtägigen Wanderung entlang eines Teilstücks des Jakobswegs (alleine und Ende Februar), kam unterwegs alles anders. Während ich durch verschneite Auen und eisige Wälder wanderte, dachte ich: „Pfeif drauf. Brich es ab. Der Weg ist das Ziel.“ Welch abgedroschene Weisheit, doch in diesem speziellen Fall war es einfach nicht mein Weg, das Ziel auf Biegen und Brechen erreichen zu wollen.

Im Großen fällt mir nur das ein oder andere Erlebnis im Verlauf meines Berufslebens ein, bei dem ich mich teilweise gefragt habe, wie es dazu bloß kommen konnte. Allerdings ist Aufgeben auch keine Option; und mich entmutigen zu lassen, noch weniger – so schlau bin ich inzwischen auch schon geworden. Never give up. Und wer weiß, vielleicht hat vermeintliches Scheitern ja auch etwas Gutes und es tun sich Möglichkeiten auf, an die man vorher nie gedacht hätte.

Momentaufnahmen 1/26 – die Vorsätze fürs neue Jahr

Happy New Year! Auch wenn 2021 jetzt nicht mehr so neu ist und diesen Spruch einige gar nicht mehr hören möchten…

Und deshalb starte ich nun auch sofort durch in die nächsten Projekte, die mich zum Mitmachen verlockt haben. Zu den beiden Schreibprojekten, die mich schon seit längerem begeistern (#writing friday und ABC-Etüden) kommen nun noch die von aequitasetveritas ausgerufenen 26 „Momentaufnahmen“ hinzu: Zu 26 Fragen aus dem Tagebuch können sich alle, die diese Aktion reizt, ihre eigenen Gedanken dazu machen und diese unter dem Stichwort „Momentaufnahmen“ hier virtuell festhalten.

Nach der groben Zusammenfassung „in a nutshell“, worum es bei dieser Aktion geht, kommt nun auch schon die erste Frage:

Wagst du es vor dem Hintergrund der Erfahrungen von 2020 noch, für das neue Jahr Pläne zu schmieden, gute Vorsätze aufzustellen?

Wie praktisch, dass ich diesem Thema mit der ersten Aufgabe bei elizzys #writing friday bereits am 1. Januar vorgegriffen habe, denn dabei ging es um das Fassen von sogenannten Nicht-Vorsätzen, also Dingen, die man nicht bzw. nicht mehr tun möchte. Die möchte ich zwar nicht mehr recyceln, aber um ein paar weitgeführende Gedanken und die passende Musik ergänzen.

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Die erweiterte Neujahrsansprache

Woher kommt die Neigung, Dinge aufzuschieben?

Lange habe ich mit mir gerungen, mich immer wieder selbst in den Allerwertesten getreten und versucht, den inneren Schweinehund auf die Beine zu scheuchen und im Feuer unterm Hintern zu machen. Wie das im Einzelnen ausgegangen ist, möchte ich lieber nicht vertiefen, aber Fakt ist, dass das schlechte Gewissen in diesem Punkt mein ständiger Begleiter war. Doch damit ist jetzt Schluss. Aber nicht mit der Prokrastination – falls ihr das geglaubt hat, seid ihr einer falschen Fährte gefolgt – sondern mit dem schlechten Gewissen. Denn so wie ich jetzt öfter meinen Nicht-Geburtstag feiere, habe ich als Nicht-Vorsatz entschieden, Prokrastination nicht mehr grundsätzlich als etwas Schlechtes zu betrachten.

Warum soll ich mich deshalb nur unnötig belasten? Denn wo kein schlechtes Gewissen, da auch kein Stress. Das war jetzt weder grammati(kali)sch korrektes Deutsch, sondern hatte auch noch ganz schön viele „Nicht“s in sich, und obendrein im scheinbaren Widerspruch zu meinen nicht nur im letzten Jahr gemachten Erfahrungen in Bezug auf das Aufschieben von Lebensträumen und vor langer Zeit geschmiedeten Plänen, zumindest was das Reisen oder persönliche Rituale angeht. „Kein Zurück“ von Wolfsheim war mein Motto – dem Song, demzufolge irgendwann auch ein Traum zu lange her ist.

… Dein Leben dreht sich nur im Kreis, so voll von weggeworf’ner Zeit. Deine Träume schiebst Du endlos vor Dir her.

Du willst noch leben irgendwann, doch wenn nicht heute, wann denn dann? Denn irgendwann ist auch ein Traum zu lange her …


Das Lied von Wolfsheim (gefunden auf youtube – https://www.youtube.com/watch?v=UjsvyeBWNQQ) ist schon älter – eine Pandemie hatte niemand auf dem Radar.

Aber selbst diese Erkenntnis hatte ich nicht über Nacht oder gar pünktlich zu Silvester, sondern sie war Teil einer Entwicklung, die sich schon viel früher abzeichnete; denn sonst wäre ich wohl kaum 2018 zu meiner eigenen kleinen „Weltreise“ aufgebrochen oder hätte gar letztes Jahr den Sprung bzw. Flug über den „Großen Teich“ gewagt, der stellvertretend für das steht, was ich „weise Voraussicht“ nenne.

In weiser Voraussicht habe ich 2019 nach dem Eintreffen einer Glücksbotschaft den Plan mit der Traumreise sofort durchgezogen, anstatt fünf Jahre damit zu warten. „Was weiß denn ich, was in fünf Jahren ist?“ – diese Frage aus einem Telefonat mit Freundinnen im Januar 2019 habe ich jetzt noch im Gedächtnis. Allerdings dachte ich dabei eher daran, dass ich nicht jünger werde und vielleicht 2024 nicht mehr so fit wie jetzt durch die Gegend turne. Die Eingebung war zwar richtig – aber fünf Jahre?

Ein Jahr trifft’s eher. Denn wer von uns hätte denn 2019 geahnt, dass bereits im nächsten Jahr ein unbekanntes Virus um die Ecke kommen würde, das nicht nur vielen das Leben kostete, sondern das Leben der anderen auf vielen Ebenen tiefgreifend veränderte oder gar lahmlegte? In dieser Hinsicht war ich froh, dass ich das getan habe, was andere als Fassen guter Vorsätze bezeichnen. Für mich rangiert diese Episode mit meiner Reise nach Kanada unter „Nicht lang schnacken“: Warum soll ich umständlich einen Vorsatz fassen, wenn ich statt dessen gleich loslegen kann? Wie gesagt, „A little less conversation, a little more action“ – denn dieser Meinung war auch schon Elvis (auch wenn der Sinn dahinter vermutlich ein anderer war).

gefunden auf youtube – https://www.youtube.com/watch?v=WWVMXLSS1cA

Dagegen sind nicht geputzte Fenster oder die Staubschicht auf den Schränken der reinste Pipifax – mich von dem durch mein ewiges Aufschieben verursachten schlechten Gewissen zu befreien, ist doch ein super Vorsatz bzw. Nicht-Vorsatz für 2021. Lasst mich Prokrastination in „kreative Ruhepause“ umbenennen, und schon wird alles leichter. Was ich außerdem nicht bzw. nicht mehr haben will, ist:

Corona (worauf ich nur bedingt Einfluss habe) — mein Chaos im Wohnzimmer (weshalb ich mit dem Aufräumen schon vor Weihnachten angefangen habe) — mein Leben vorwiegend im Schlafzimmer stattfinden zu lassen (auch wenn dort jetzt ein neuer, noch schönerer Kalender als der vom letzten Jahr hängt und zum Verweilen einlädt) — mich zu früh von Sachen trennen, die mit angenehmen Erinnerungen verbunden sind (weshalb ein bestimmter Kalender von 2010 dieses Jahr zu neuen Ehren kommt) — und zuletzt noch, ganz wichtig: das Weiterschlummern von eingeschlafenen Kontakten.

In diesem Sinne bin ich jetzt schon gespannt, was daraus in den nächsten Monaten werden wird. Vielleicht kommen ja noch ein paar neue hinzu.

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