Mein Kinojahr 2020 : Es lebe die Vielfalt im Januar

 

Wie schon in der Ankündigung erwähnt, fiel für meinen ersten Kinobesuch in diesem Jahr meine Wahl auf „Parasite“, der gleich in mehreren Kategorien für einen Oscar nominiert ist. Das wusste ich aber bei meiner Entscheidung nicht, und für sie hätte es auch keine Rolle gespielt, da die Anzahl der eingesackten Oscars für mich kein Qualitätskriterium ist.

Mich muss bei Spielfilmen entweder die Story interessieren oder die darstellerische Leistung der Schauspieler überzeugen – ganz gleich, ob es sich um eine Komödie, ein Drama oder einen Horrorfilm handelt. Bei Dokumentarfilmen und Biopics (die ohnehin meistens subjektiv sind und eine persönliche Sichtweise des Regisseurs zeigen) lege ich für mich andere Maßstäbe an. Dabei muss ich nicht zwingend ein Fan der Person sein, mit der sich der Film beschäftigt, sonst hätte ich in meinem Leben nicht Dutzende solcher Filme gesehen. Aber wenn der Film zu reißerisch oder zu überladen daherkommt, dann bin ich weniger begeistert. Gefühlt Tausende von Informationen verwirren mich mehr, als dass sie ein rundes Bild der beschriebenen Person ergeben.

Nun aber genug der Vorrede. Die Retrospektive unter dem Stichwort „Cinema-Scope“ kann nun endlich beginnen, weitgehend spoilerfrei:

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Januar

14. Januar – 18:00 Uhr – Harmonie, Frankfurt: Parasite   +++   19. Januar – 14:00 Uhr – Cinema Frankfurt: Little Women   +++ 31. Januar – 17:45 Uhr – Citydome Darmstadt: Mystify: Michael Hutchence

Genau an jenem ersten Abend in diesem Monat, den ich nach meinem Gusto gestalten konnte, lief kein einziger der Filme, die ganz oben auf meiner Prioritätenliste standen. Das war die Chance für Parasite, der sich auf meinem Radar ganz am Rand bewegt hatte und nun in den Fokus meines Interesses rückte. Gute Entscheidung, denn das war eine der erfreulicheren Entdeckungen, die ich in dem noch jungen Jahr machen durfte. Ich liebe solche bitterbösen, sarkastischen Filme.   +++   Pro: originelle Handlung, mit schwarzem Humor und interesantem Twist / Kontra: das sich doch etwas arg hinziehende Ende.


Am 30. Januar sollte eine Literaturverfilmung anlaufen, deren Trailer ich schon 2019 gesehen hatte und von der ich mir viel versprach: Little Women, die wievielte filmische Umsetzung des Romans von Louisa May Alcott, mit hochkarätiger Besetzung (Soairse Ronan, Emma Watson, Florence Pugh, Laura Dern und Meryl Streep). Daher war es für mich unumgänglich, mir am 19. Januar die Vorpremiere anzuschauen. Ich fand ihn gut, aber vielleicht nicht ganz so gut wie die Kritiker, die ihn ohne Einschränkung in den Himmel loben. Saoirsa Ronan als Jo, die ihren Weg auch ohne Ehemann machen möchte, und zwar als Schriftstellerin, fand ich überragend. Auch Emma Watson fand ich sehr gut in ihrer Rolle als älteste Schwester, die aus Liebe einen Lehrer heiratet und fortan mit ihrer Familie am Existenzminimum lebt. Leider aber wurde ich weder aus den ständigen Zeitsprüngen noch aus der Rolle schlau, die der Enkel des Nachbars spielt. Mal ist er in Jo verliebt, dann wieder in ihre Schwester. Mir war das leider etwas zu viel an Informationen, die mich verwirrt und dafür gesorgt haben, dass ich den Film mit 134 Minuten Laufzeit als zu lang empfand.  +++   Pro: Saoirse Ronans darstellerische Leistung, stimmungsvolles Gesellschaftsporträt / Kontra: zu viele Details, Zeitsprünge und Längen, insgesamt zu lang und überladen.


Murmeltier-Alarm: Am 30. Januar kam ein weiterer Film in die Kinos, der ebenfalls auf meiner „Will ich sehen“-Liste stand, obwohl ich die australische Originalfassung bereits am 29.9.19 gesehen habe: die von der BBC mitproduzierte Dokumentation Mystify: Michael Hutchence über den 1997 verstorbenen Sänger der Band INXS. Die lief am 28.12.19 im Fernsehprogramm der BBC2, im Doppelpack mit dem Konzert von 1991 im Wembleystadion. Play it again, Sam? Nicht ganz, denn in der Filmzeitschrift war nirgends die Rede von einer Originalversion, was nur bedeuten konnte (so meine Schlussfolgerung), dass die 102 Minuten lange Biografie mit deutschen Untertiteln versehen wurde. Da aber in keinem einzigen Frankfurter Kino der Film im Programm stand, unternahm ich einen Ausflug nach Darmstadt und fand meine Vermutung bestätigt. Ich hätte auch warten können, denn eine Woche später hat ihn das Frankfurter Programmkino „Orfeos Erben“ ins Programm genommen. Hätte, hätte… Oops, I did it again? Ja, warum denn auch nicht? Es soll ja Leute geben, die Dirty Dancing 50mal gesehen haben, was ich persönlich wiederum nicht brauche, auch wenn mich ein Film begeistert oder zum Nachdenken gebracht hat.   +++   Pro: Einfühlsames Charakterporträt (in der Originalversion mit hilfreichen Untertiteln), das das Puzzle aus Youtube-Schnipseln zu einem stimmigen und sinnvollen Bild abrundet. / Kontra: für mich persönlich nichts, aber für andere eventuell zu speziell, um in „den“ (Frankfurter) Kinos einen Verleih zu finden.

Zwei Oscar-nominierte Filme und eine Dokumentation, die mir sehr am Herzen lag – ein gelungener, leicht durchwachsener Start in das Kinojahr 2020.

Mein Kinojahr 2020 : Es lebe die Vielfalt!

 

Ja, mach‘ nur einen Plan – und dann gehst Du nicht in „Knives Out“ oder „The Peanut Butter Falcon“, und schon gar nicht in „Pavarotti“, sondern in „Parasite“, der von verschiedenen Bloggern und auch woanders dermaßen gelobt wurde, dass ich neugierig geworden bin. „Der beste Plan ist der, der nie geschmiedet wurde“ – dieses Filmzitat könnte auch als Motto für den ersten Abend im Januar stehen, der mir einen richtig guten Film beschert hat. Vermutlich wird dies nicht die einzige Planänderung sein, die auf mich wartet, denn ich habe das Gefühl, dass dieses Jahr noch mehr Überraschungen auf mich warten, was die Fülle von neuen Filmen betrifft.

Für zwei Sondervorführungen liegen schon die Tickets bereit, und mit dem Ausprobieren neuer Lichtspielhäuser habe ich gerade erst begonnen. Das Lobpreisen der Vielfalt bezieht sich daher nicht allein auf meine Filmauswahl. Und wenn ich schon dabei bin, ergänze ich die Liste der Veränderungen um die Uhrzeiten der Vorstellungen. Doch zunächst mal ein kurzer Rückblick. Man kann nie zu früh damit anfangen.

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Was bisher geschah

2018 war ich viermal im Kino: „Ocean’s Eight“, „Bohemian Rhapsody“, „A Star is Born“ und „Mary Poppins‘ Rückkehr“. Alles sehenswerte Filme – kein einziger Flop. Ich war begeistert. Vor allem schon allein deswegen, weil ich da erst gemerkt habe, wie sehr ich es früher geliebt habe, ins Kino zu gehen und manche Filme sogar mehrmals zu sehen (zuerst in der Originalversion, danach in der Synchronfassung). Die Anzahl der 2019 von mir in verschiedenen Kinos gesehenen Filme beläuft sich auf siebzehn. Eine Vervierfachung der Vorjahresmenge. Aber Quantität und Qualität decken sich nicht immer. Hier meine äußerst subjektive Einteilung, von Top bis Flop

Einer hat mich regelrecht umgehauen: The Lighthouse. Schade, dass der in den Nominierungen für den Oscar fehlt. 


 Vier haben mich nachhaltig begeistert:  Wir, Le Mans 66 – gegen jede Chance, Official Secrets und Amazing Grace – Aretha Franklin.  Bei solchen Filmen ist mir dann auch die Überlänge egal.


Bei fünf weiteren führte der Fangirl-Faktor zu einem Kinoerlebnis der besonderen Art:  Downton Abbey, Mystify: Michael Hutchence, M C Escher – Reise in die Unendlichkeit, Depeche Mode : SPIRITS in the forest und INXS : Live Baby Live.  Die hätten auch ruhig noch länger sein dürfen (kleiner Joke).


Vier von dieser Liste fand ich insgesamt ganz okay:  Manhattan Queen, Plötzlich Familie, Green Book – eine besondere Freundschaft und Book Week. Da hätte es auch ein DVD-Abend getan.   —


Und drei haben mich dagegen regelrecht enttäuscht: Yesterday, Once upon a time in Hollywood und Nurejew The White Crow. Hier habe ich mich dabei ertappt, wie ich zwischendurch immer wieder auf die Uhr geschielt habe. Ein typischer Fall von Zeitverschwendung, und gerade im Fall von „Yesterday“ hätte ich mir statt dessen viel lieber „Kursk“ angesehen, aber als ich dann wieder Zeit hatte, lief er nicht mehr. Kurzer Nachtrag zwischendurch: Inzwischen gibt es den Film auch auf DVD – einem Abend, an dem ich den Film dann doch noch sehen kann, steht eigentlich nichts mehr im Wege.

Und bevor gleich der große Aufschrei beginnt („Was? Once upon a Time… – Aber das ist doch ein Tarantino!“) kommt hier meine Gegenfrage: „Ja – und?“ Der Name eines Regisseurs ist nicht immer ein Garant dafür, dass mir ein Film gefällt. Zum Beispiel mag ich „Kill Bill“, aber mit dieser hochgelobten und für einige Oscars nominierten Hommage an Hollywood konnte ich einfach nichts anfangen. Dafür können andere meine Begeisterung für einen Teil der Filme auf meiner Liste nicht teilen. Wie meine Bilanz für 2020 aussieht, werden die kommenden Monate zeigen. Dann folgt eine Rückschau – pro Monat eine.

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meine Bilanz für 2020

Eine monatliche Rückschau mit Datum und Ort, ergänzt durch Pro und Kontra, erscheint mir sinnvoll. Ein Jahresrückblick, fortlaufend geschrieben und zeitnah aufbereitet, solange die Eindrücke noch frisch sind, und ergänzt um meine Vorlieben bei den Veranstaltungsorten.

Bisher waren meine Lieblingskinos in Frankfurt die sogenannten Arthouse-Kinos: Das Cinema am Rossmarkt und die Harmonie am Lokalbahnhof. Ich kenne beide noch unter der Bezeichnung „Programmkino“, und was sie gemeinsam haben, sind wechselnde Zeiten bei den Vorführungen, anders als bei den großen Kinos, die vorwiegend Blockbuster zeigen. Einen Star-Wars-Film oder das neueste Werk von Quentin Tarantino wird man dort vergeblich suchen. Statt dessen darf man sich dort auf Filme wie „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ oder „Das geheime Leben der Bäume“ freuen. Auch Biografien wie die über Miles Davis oder Luciano Pavarotti sind ein Fall für diese Lichtspielhäuser. Das ist schön, hat aber einen Haken: Manchmal kollidieren die Termine der Vorführungen mit meinen Feierabendaktivitäten. Genug der Vorrede – let the show begin – schon sehr,  sehr bald in diesem Theater.

Same procedure as every year, James : der Jahresrückblick – Teil 2

 

und die erste Hälfte des Jahres habe ich schon hier Revue passieren lassen. Nun ist die zweite Hälfte dran.

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Juli

Im Juli regierte das Sommerloch, und selbst im Kino wollte der Funke nicht überspringen. Was hatte ich mich doch so auf den Film „Yesterday“ gefreut, dessen Werbetrailer ich im Frühjahr im Kino gesehen hatte… und dann wurde es am Ende doch nur ein Satz mit X. Im Gegensatz zu vielen anderen konnte ich dem hochgelobten Werk nichts abgewinnen und ging mit dem frustrierenden Gefühl nach Hause, für dieses halbgare Etwas einen wirklich sehenswerten Film links liegen gelassen zu haben. Und richtig: Nachholen ließ sich die Vorstellung von „Kursk“ mit Colin Firth zu meinem großen Unmut nicht, denn als ich wieder eine Reihe freier Abende hatte, war von dem Film weit und breit nichts mehr zu sehen.

Sommerlöcher gehören eindeutig gefüllt. Deshalb deckte ich mich mit Filmen und Serien auf DVD ein: The Royals, Vikings und Broadchurch sowie der Komplettbox von „Die Tribute von Panem“ – als ich aber dann erfuhr, dass es am 14. Juli mit der fünften und letzten Staffel von „Poldarklosgehen würde, gab es für mich kein Halten mehr. Kurzes Nachrechnen: Die Folgen, die ich wegen meiner Kanadareise verpassen würde, programmierte ich kurzerhand in meinen Festplattenrecorder. Diesmal war ich fest davon überzeugt, dass mir nicht derselbe Fehler (mit den neuen Folgen die alten zu überspielen) wie im letzten Jahr passieren würde. Eine weitaus ätzendere Überraschung sollte ich nach meiner Rückkehr erleben.

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August

Über diesen Monat muss ich nicht mehr viel schreiben – meine Reise nach Kanada war in jeder Hinsicht ein voller Erfolg. Schon lange hatte ich nicht mehr so viel Spaß. Und ein kleiner, harmloser Flirt war auch noch drin. Summer in the City? Den Song konnte ich jetzt endlich sowas von nachvollziehen. Und noch eins durfte ich feststellen: Auch bei 30°C und extrem hoher Luftfeuchtigkeit kann exzessives Walken etwas ganz Wunderbares sein. Müdes Dahinschlurfen auf Flip Flops war gestern – heute geben wir ordentlich Gas und pushen den Kreislauf mal so richtig. Dann schmeckt auch das Bierchen danach, auch wenn’s ein blumig beschriebenes Craft-Beer war, das ich im Normalfall nie getrunken hätte. Binsenweisheit Nummer Zwei: Erleb‘ mal was, ohne ständiges Knipsen mit dem Smartphone. Man bekommt so viel schneller Kontakt mit seiner Umwelt und den Menschen um einen herum. Let’s get connected.

Connected hätte auch mein SAT-Receiver bleiben sollen – so aber hatte ich statt der ersehnten Poldark-Folgen nur je 60 Minuten lang ein schwarzes Bild, einmal mit einer Sendeinfo zusätzlich, dass dort jetzt die Quizshow „Pointless“ laufen würde. Was für ein schlechter Witz. This recording was indeed… Pointless.

Mein Bild des Monats habe ich als Stellvertreter für ein weiteres sonntägliches Projekt, das mir bis zum Jahresende viel Freude bereitet hat: 22 Wochen – ein Objekt, von aequitasetveritas und wortman. Jeden Sonntag gab es von mir ein Bild, auf dem ich mein Lieblingsobjekt immer wieder anders arrangiert habe.

Bild des Monats:

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September

Stell Dir vor, Du hast 30jähriges Firmenjubiläum, aber Du bist gar nicht da. Ein Tag Sonderurlaub winkt Dir trotzdem, und den könnte man doch auch für ein verlängertes Wochenende zum Wegfahren nutzen. Die Idee kam mir, als ich am Anfang des Monats ziellos durchs Internet surfte und durch ein Bild bei pinterest auf einen Twitter-Eintrag umgeleitet wurde, der verkündete, dass es am letzten Septemberwochenende in Berlin zum neunten Mal das australisch-neuseeländische Filmfestival „Down Under Berlin“ geben würde.

Das Programm las sich vielversprechend: viele Kurzfilme, Small-Budget- und Independent-Filme, von denen ich auch schon so einige in meinem Leben gesehen habe, und zum Abschluss die Filmdokumentation von Richard Loewenstein über Michael Hutchence, den 1997 verstorbenen Sänger der Band INXS. Was gab es da für mich noch groß zu überlegen? – Karte kaufen und nix wie hin. Und mit zwanzig Euro für diesen Film und die schwarze Komödie „Book Week“ am Abend davor auch noch eine für mich günstige Veranstaltung. Dass die Unterkunft dann wegen des zur selben Zeit stattfindenden Berlin-Marathons teurer wurde als gedacht, war mir dann auch wieder egal. Pandas gucken im Zoo war noch ein Programmpunkt, der aber dann daran scheiterte, dass die gerade mal vier Wochen alten Knirpse noch viel zu klein und kälteempfindlich waren, um sie der breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. Aber ich habe mir vorgenommen, im kommenden Jahr noch einmal nach Berlin zu fahren, denn jetzt sind sie raus aus ihrem kuschelig-warmen Refugium hinter den Kulissen.

Das Spielfilmhighlight „Downton Abbey“ genoss ich dann in meinem Lieblings-Arthouse-Kino, dem Cinéma in Frankfurt am Main, bei einem Glas Gin Tonic. An der Stelle gebe ich gerne zu, dass ich mich darauf schon das ganze Jahr gefreut habe – diese Vorfreude toppte noch die auf die Lowenstein’sche Filmdokumentation, aber sie wurde nur noch von meiner Vorfreude auf die Kanadareise übertroffen. Drei Beweise dafür, dass Vorfreude doch immer noch die schönste Freude ist und dass „Yesterday“ wohl nur die unrühmliche Ausnahme war. 

Bild des Monats:

 

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Oktober

Ein Monat unter einem einzigen Motto – es war Zeit für den sogenannten Horrorctober. Ein Wortspiel aus Horror und October. Deshalb auch die Fettschrift in fröhlichem Schwarz. Ha ha. Ja, genau – es galt, in diesem Monat 13 Horrorfilme zu gucken, und welche das waren, entschieden wir selbst. Eingestiegen bin ich spät, aber umso rasanter habe ich dann aufgeholt, und dann waren es zum Schluss doch noch einer mehr. Hier eine kurze Auswahl dessen, was das Angebot unserer Stadtbücherei so hergab – Horror Light, wenn man so will, aber ich fand’s klasse: „Spring“, „Ghost Ship“, „Fright Night“, „10 Cloverfield Lane“, „Lights Out“, „Black Water“ und „In Fear“ – eine große Bandbreite an unterschiedlichen Spielarten: Komödie, Tierhorror, Horror mit Psychos, unheimlichen Wesen und vermeintlichen Weltuntergangshysterikern… dazwischen neben einer Low-Budget-Produktion auch zwei Filme mit Top Besetzung sowie Schauspielern, die ich in solchen Rollen niemals erwartet hätte. Colin Farrell als Vampir und David Tennant als over the top agierender Showmaster und Vampirjäger wider Willen (Fright Night), und Allen Leech (Downton Abbey) als komplett durchgeknallter Mitfahrer in dem kammerspielartigen, hochspannenden „In Fear“.

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November

Dieser Monat gehört nicht zu meinen Favoriten. Aber wie sagte ich nochmal so schön zu meiner Schwester? Wenn der Monat schon so sch***e ist , soll wenigstens das Kalenderblatt was hermachen. Und weil das so ist, gebe ich mir beim Zusamenstellen von zwölf Bildern für den kommenden Kalender inzwischen besonders viel Mühe. Und damit der Monat gar nicht erst so wird, wie meiner Schwester gegenüber geschildert, habe ich die letzten beiden mir noch zustehenden Urlaubstage am 27. und 28. November genommen. Wobei der erste von den beiden der schönere war. Morgens einen Termin, aber nachmittags eine ausgedehnte Tour durch das riesige Main-Taunus-Zentrum, wo es außer vielen Gelegenheiten, in Sachen Weihnachtgeschenk fündig zu werden, auch kleine Buden mit Lebkuchen, Glühwein und anderen netten Dingen gab – asiatisch Essen gehen musste natürlich auch sein, um mich auf einen musikalischen Abend im Kinopolis einzustimmen, zur weltweiten und einzigen Vorstellung des von 92 auf 98 Minuten erweiterten Konzertfilms „INXS – Live Baby Live“ – die über 70.000 Besucher des Wembley-Stadions am 13.7.1991 wurden noch getoppt von dem Gratiskonzert, das Paul Simon einen Monat später vor 600.000 Zuschauern im Central Park gab.

Übrigens waren bei diesem Film weitaus weniger Besucher im Kino als bei „Depeche Mode – SPIRITS in the Forest“, den ich am 21. November im Offenbacher Cinemaxx gesehen habe, aber hat mich das gestört? Nö. Für mich war’s wie in dem nachstehenden Werbetext: „Forget about being in the crowd. The cinema experience makes you feel like you’re ON THE STAGE! Every instrument, every note, is crystal clear and right there in your face“ (https://www.triplem.com.au/story/review-cinematic-release-of-inxs-live-baby-live-is-a-masterpiece-151608) – normalerweise finde ich solche Texte fast schon peinlich, aber den hier finde ich jetzt wirklich mal erfrischend; vielleicht ist das der ganz spezielle australische Humor. Ha ha. Und der Beweis, dass Kino an dieser Stelle mehr leisten kann als Fernsehen, DVD/BluRay und alle Streamingdienste dieser Welt zusammen.

Vielleicht wäre das mal ein Tip für die übernächste Fußball-WM, wenn es draußen wieder einmal viel zu heiß ist für Public Viewing im Freien oder schlechtbelüfteten Kneipen. Ich kann ja nicht jedesmal in den kühlen Norden ausweichen, so wie 2018 bei meinem Dänemark-Urlaub während jenes Fußballgroßereignisses. Vervollständigt haben diesen Monat das Konzertquartett zum einen das folkig-rockige Weihnachtskonzert „Celtic Christmas“ von Bruce Guthro am 24. November in der Jahrhunderthalle und zum anderen das Konzert der Irischen Band Walking on Cars am 3. November in der Batschkapp, über das jetzt erst mal den Mantel des Schweigens breite, obwohl es nicht an der Band lag, sondern an den unschönen Begleitumständen.

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Dezember

Ja, haben wir denn schon Weihnachten? Die Wartezeit bis dahin habe ich mir mit einem virtuellen Adventskalender versüßt, der aus auf youtube gefundenen Videos zu 26 Liedern aus meiner Smartphone-Playlist bestand; schön alphabetisch geordnet von „A wie Alane“ bis „Z wie Zombie“ bestand. Sogar das Q und die für mich wirklich schwierigen Buchstaben R und V waren darin enthalten, und so hatte ich jeden Tag nette Klänge, auf die ich mich schon morgens freuen konnte. Ein netter Blogger hat mir dann auch prompt noch einen Ohrwurm mit Q beschert, der sich aber nicht lange in meinen Gehörgängen gehalten hat. Da waren dann einige Buchstaben doch stärker. Trotzdem ein dickes Dankeschön an diese Aufmunterung des Tages.

Musikalisch stark geprägt war zwar der November, aber ein ganz besonderes Filmerlebnis erwartete mich am 8. Dezember mit dem Konzertfilm „Aretha Franklin – Amazing Grace“, 1972 in einer Kirche an zwei Abenden mitgeschnitten und mit Cameo-Auftritt von Mick Jagger ganz hinten im Publikum. Was für eine Power. Was für eine Stimme – nein, ich meine nicht Herrn Jagger, sondern die Queen of Soul. Der sechzehnte Film – aber nicht mein letzter, denn mit „Der Leuchtturm“ fand mein Filmjahr seinen krönenden Abschluss – und mit „We salute you“, zwei Stunden geballte Power einer seit zwei Jahren bestehenden AC/DC-Tribute-Band nicht nur der krönende Abschluss meines Konzertjahres 2019, sondern auch eine richtig tolle Möglichkeit, meinen Geburtstag zu feiern, wenn ich an diesem Tag schon arbeiten muss und nicht freibekomme.

Die verspätete Geburtstagsüberraschung bekam ich einen Tag später von der BBC serviert. Durch Zufall darauf an Weihnachten gestoßen, als ich von meiner Schwester gebeten wurde, die Setlist für ein bestimmtes Konzert nachzuschlagen. Manchmal hilft das Lesen des gesamten Artikels anstatt selektives Herausfiltern.

Das war es mit meinem Rückblick auf 2019, der jetzt doch länger ausgefallen ist und nicht nur selektiv auf einzelne/wenige Monate. Steckbriefartig gibt es nun noch eine grobe Zusammenfassung meiner rein subjektiv zusammengestellten Tops und Flops.

Bild des Monats:

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Und hier kommt sie nun, meine höchst subjektive und wahrscheinlich total unfaire Best-of- und Worst-of-Liste:

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Spielfilm des Jahres: „Der Leuchtturm“   —   Würdige Spielfilm-Anwärter: „Downton Abbey“, „Le Mans 66 – gegen jede Chance“, „Official Secrets“   —   Dokumentarfilm des Jahres: „M.C. Escher – Reise in die Unendlichkeit“   —   Würdige Dokumentarfilm-Anwärter: „Depeche Mode – SPIRITS in the Forest“, „Mystify : Michael Hutchence“   —   Verpasste Gelegenheiten zu Filmen, die mich bestimmt sehr beeindruckt hätten: Kursk“, „Systemsprenger“ und „Midsomar“   —   Filmenttäuschungen des Jahres: „Yesterday“ und „Once upon a Time in Hollywood“

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Album des Jahres auf Vinyl: „Songs of Experience“ (U2)   —   Würdige Anwärter auf „Vinyl des Jahres“: „Rockferry“ (Duffy), „Taiga“ (Zola Jesus), „The silent force“ (Within Temptation) und „Born to die – the Paradise Edition“ (Lana del Rey)  —   Vinyl-Oldies des Jahres: „The Swing“ (INXS), „Gold“ (ABBA), „Greatest Hits“ (Queen) und „The unforgettable Fire“ (U2)   —   Enttäuschende Alben des Jahres: „High as hope“ (Florence and the Machine), „Mystify : a musical journey with…“ (Michael Hutchence)

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Konzert des Jahres: We Salute You   —   Konzertflop des Jahres: Walking on Cars   —   Musikvideo des Jahres: „Adore you“ (Harry Styles) — Konzertüberraschung des Jahres: Dixie Chicks, April 2016 – DCXMMXVI World Tour (ausgestrahlt auf 3SAT am 31.12.2019)

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Filme des Jahres auf DVD/im Fernsehen: „Three Summers“, „Hidden Figures“, „Mrs Mallory und der Duft von Curry“, und „Fast Girls“   —   DVD-Flops des Jahres: „Katakomben“, „Ein Goldfisch an der Angel“, „ES“ und „Kinder des Zorns“   —   Bestes Binge-Watching-Erlebnis: „Stirb Langsam“ (Teil 1 bis 4)   —   Weihnachtsfilm des Jahres auf DVD nach der Christmette: „Angels‘ Share – ein Schluck für die Engel“

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Fernsehserien des Jahres im Fernsehen/auf DVD: „Vikings“, „Lucifer“, „9-1-1 Notruf LA“ und „Younger“   —   Serienflops des Jahres: „Charmed“ und „Legacies“   —   Verpasste Serien: „Game of Thrones“ (Staffel 8) und einzelne Folgen von „Poldark“

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Überraschungen des Jahres: Dass ich am 31.12.2019 die fünften Staffel von „Poldark“ im Laden entdeckt habe – und das Silvesterprogramm auf 3SAT mit „Pop Around the Clock“ im Allgemeinen, und davon die Konzerte von The Cure, Metallica, Pink Floyd, Paul Simon und den Dixie Chicks im Einzelnen – bei letzteren fand ich schon allein das Transparent mit der Aufschrift „I postponed my wedding to be here“ mitten im Publikum zum Brüllen. Und diese Frauen sind richtig klasse und rocken das Haus. „Nothing compares 2 U“ die Coverversion mit dem Prince-Logo auf dem purpurnen Vorhang im Hintergrund der Bühne – vorgetragen von einer Sängerin, die mich stark an Pink erinnert.

Mediale Enttäuschungen des Jahres: Die verstümmelte bzw. stark gekürzte Fassung des ursprünglich 92 Minuten langen INXS-Konzerts von 1991 auszustrahlen, auf BBC 2 am 28.12.2019 (57 Minuten) und auf 3SAT am Neujahrsmorgen (74 Minuten). Außerdem das völlig wirre Durcheinandersenden von alten und neuen Dr-Who-Folgen auf ard one. Sowie die wenig hilfreiche Geheimhaltungstaktik mancher Sender, was geplante Serien- und Filmstarts angeht. „Coming Soon“ ist im Juni eine Frechheit, wenn der Film, um den es geht, erst am Jahresende im Spätprogramm läuft.

Enttäuschungen des Jahres im realen Leben: Mein Unvermögen, meine Lieblingsserie aufzunehmen und die Entdeckung, dass es immer schwieriger wird, DVD-Rohlinge zu kaufen. Dann, dass zwei meiner liebsten Kollegen gekündigt haben und jetzt auch noch mein Auto am Tag nach meinem Geburtstag sein Leben ausgehaucht hat.

Entdeckung des Jahres: Dass ich eine Miniserie von aufeinander aufbauenden Kurzgeschichten schreiben konnte und ahne, dass da noch mehr kommen könnte. Der Osten Kanadas und dass ich mich beim Ausgehen pudelwohl gefühlt habe. Das Double-Feature-Bonusprogramm der BBC2 („Mystify : Michael Hutchence“ & „INXS – Live Baby Live“) als verspätetes Birthday Present, rein zufällig beim Surfen gefunden – und weil’s so schön war, auch noch gleich ein ganz besonderes Filmhighlight in der Originalversion – der australische Spielfilm „Three Summers“, den ich so gut fand, dass ich ihn mir gleich auch noch auf einen DVD-Rohling gezogen habe.

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Das war er – mein Jahresrückblick. Ich bin gespannt, was das Jahr so bringt – angefangen hat es schon mal gut. Der Bus war pünktlich. Happy New Year.

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Same procedure as every year, James : der Jahresrückblick – Teil 1

aber vielleicht doch nicht so ganz wie erwartet, geht es nun auch damit bei mir los, hatte ich bereits am 8. Dezember damit angefangen. Etwas verfrüht, berichtete ich unter dem Titel „Mein Kinojahr 2019“ über all die Filme, die ich dieses Jahr gesehen hatte – ohne daran zu denken, dass dies doch noch nicht alles gewesen sein könnte. Entstanden ist dabei ein Querschnitt durch verschiedene Genres (Biopic, Komödie, Horrorfilm, Drama, Blockbuster, Independent-Film, usw) – nur eines fehlte noch: ein Film in Schwarz-Weiß. Das änderte sich am letzten Sonntag vor Weihnachten mit einem Kinobesuch zur Mittagszeit und dem Horrorfilm „The Lighthouse“ (Der Leuchtturm) in der Originalversion ohne Untertitel. Danach war ich so beeindruckt – und das auch noch Tage später, dass ich im Überschwang schrieb, dieser Film könne sich bei meinen bisherigen drei Anwärtern auf den Titel „Film des Jahres“ einreihen. Heute muss ich meine Meinung revidieren. Für mich ist „Der Leuchtturm“ nicht bloß ein Anwärter, sondern tatsächlich Film des Jahres.

Und damit habe ich ihn auch schon gefunden, den Einstieg in meinen persönlichen Rückblick auf das vergangene Jahr, den ich der Länge wegen zweigeteilt habe und dem eine Zusammenfassung meiner persönlichen Highlights und Flops in verschiedenen Kategorien (z.B. Film des Jahres) folgt. Lasst Euch überraschen…

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Januar

Schon zu Beginn des Jahres hatte ich das Gefühl, einmal etwas völlig anderes machen zu müssen. Etwas, das von meinen Gewohnheiten abweicht, und wenn es eine Reise in einen ganz anderen Teil der Welt ist. Japan vielleicht. Oder Hawaii. Oder Australien. Oder… ach, wäre das schön. Aber dafür reichen drei Wochen Urlaub lange nicht aus – also musste ein Reiseziel her, das nicht ganz so weit entfernt ist: Kanada. Dahin wollte ich schon mit Anfang Zwanzig. Auch während meiner Ehe kam dieses Thema einmal kurz zur Sprache, aber setzen Sie einmal einen Raucher für einen Langstreckenflug unter Rauchentzug. No way! Aber was hindert mich eigentlich daran, den verpassten Traum der Jugend jetzt nachzuholen? Richtig: Nichts! Leider führte die Suche im Internet zu keinem brauchbaren Ergebnis. Aber der Gang ins Reisebüro, nachdem ich meinen Urlaub eingetragen hatte, brachte mich meinem Ziel ein großes Stück näher, denn in einem Katalog entdeckte ich eine Busrundreise, die genau in dem Zeitraum meines eingetragenen Urlaubs stattfinden sollte. Das war die Lösung, und kurzerhand buchte ich noch zwei Nächte in Toronto hinzu. Nun fehlte nur noch der Reisepass, und die Planung war so gut wie durch.

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Februar

Im Februar habe ich die Schreibplattform wattpad für mich entdeckt und bin dort auf jede Menge kurzweilig zu lesender Bücher, Kurzgeschichtensammlungen und einer wahren Flut an sogenannter Fan Fiction gestoßen, sowohl in deutsch als auch in englisch. Und weil mich das ganze Spektrum an Literatur so unglaublich fasziniert, lese ich inzwischen viele Geschichten parallel nebeneinander her; eine Marotte, die ich jahrelang mit Hingabe gepflegt habe. Nebenbei dachte ich mir bei dem, was andere so veröffentlichen, dass ich mich mit meinen zusammenfabulierten Geschichten nicht verstecken muss, hatte aber zu diesem Zeitpunkt noch keine Ahnung, dass damit die Saat gestreut war für meine spätere, regelmäßige Teilnahme an einem Projekt, bei dem jede/r mitschreiben kann. Also meldete ich mich bei wattpad ausgerechnet am Valentinstag an und lud etwas später mein erstes Werk, eine Kurzgeschichte namens „Contact“ hoch, die ich hier im Rahmen einer Bloggeraktion bereits vor längerer Zeit veröffentlicht hatte.

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März

In diesem Monat war fleißiges Editieren bisher noch nicht veröffentlichter Texte angesagt, mit denen ich mich in deren bisherigem Zustand unmöglich an die Öffentlichkeit wagen konnte. So dachte ich, und dann kam mir ausgerechnet ein Thema bei dem Projekt „Das Werk zum Wort“ in die Quere, mit dem ich mich schon länger nicht mehr beschäftigt habe, aber das nun förmlich danach schrie, dass ich mich damit erneut auseinandersetzte. Leider kommt es in Wellen, da ich alle für mich wichtigen Personen im Oktober verloren habe: den ersten am 29. Oktober 1992 und den nächsten am 6. Oktober 2016. Manch einen mag das Thema „Trauer“ triggern, bei mir können es immer noch ganz kleine und unerwartete Dinge sein, die mich triggern, und dann ist sie auch schon wieder da, die nächste Welle; aber inzwischen kann ich es aushalten.

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April

Der 1. April ist traditionell der Tag des Aprilscherzes. Der fiel dieses Jahr auf einen Montag und war mein erster Urlaubstag. Wer aber in Urlaub fuhr, war nicht ich, sondern mein Auto, das sich ganz dringend eine Auszeit in der Werkstatt nehmen wollte und mit einem Platten winkte. Ja, ich hatte das Schwenken mit dem Zaunpfahl schon verstanden: Mein Cuore macht Wellnessurlaub, und ich werde zu Sport im Freien verdonnert. Laufen war angesagt – viel Laufen, denn das war die Gelegenheit, für den Ketteler-Lauf im Mai zu trainieren, für den ich mich angemeldet hatte. Letztes Jahr war ich zwar nicht auf dem letzten Platz gelandet, aber jetzt hatte mich der Ehrgeiz gepackt, die fünf Kilometer in weniger als 50 Minuten zu laufen. Bei diesem Training ist mir zum ersten Mal aufgefallen, wie schön manche Ecken der Heimatstadt sein können, wenn man sie zu Fuß erkundet, anstatt nur mit dem Auto daran vorbeizufahren.

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Mai

An dieser Stelle zitiere ich Lückentext Nr. 7 aus dem „Media Monday“ vom 27. Mai

7: Zuletzt habe ich nach dem Kettelerlauf versucht, vom Bett aus noch einen Film zu sehen und das war vergebene Liebesmüh, weil ich von 5 Kilometern und zwei Weißweinschorlen auf Eis danach dermaßen platt war, dass ich über zwölf Stunden durchgeschlafen habe.

Der Ketteler-Lauf war für mich das herausragende Ereignis des Monats, das seit seiner Entstehung unter dem Motto „Lauf dem Krebs davon“ firmiert. Eine sehr gute Freundin von mir hat ihren Mann 2017 nach einer langen Leidenszeit mit dieser tückischen Krankheit, die jeden Teil des Körpers befallen kann, für immer verloren. Und seitdem ist es für mich Ehrensache, an diesem Charitylauf teilzunehmen. Mir geht es dabei nicht ums Gewinnen, sondern meine Grenzen neu zu setzen und daran mitzuwirken, dass der Erlös Sportprogrammen für Krebskranke zugute kommt – Sportangebote, die von der Krankenkasse nicht bezahlt werden.

Kam ich im letzten Jahr noch als fünfundneunzigste von 120 Walkern durch die Ziellinie, so stellte der diesjährige Lauf eine riesige Verbesserung meines Laufergebnisses dar, denn ich brauchte für die Strecke von fünf Kilometern tatsächlich nur 49 Minuten und erreichte somit Platz 35 bei den weiblichen Walkern. Da kann man auch mal zwölf Stunden durchschlafen, bis am nächsten Tag die Sonne lacht.

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Juni

Nachdem ich mein selbstgestecktes Ziel für den Mai mit Bravour erreicht hatte, stand das nächste Projekt auf dem Plan: Kreatives Schreiben unter dem Motto #Writing Friday auf dem Blog von elizzy. Was hatte ich schon groß zu verlieren? Den Pulitzerpreis werde ich mit meinen Texten nie erreichen, aber das ist auch nie mein Ziel gewesen. Beim #Writing Friday geht es darum, sich zu einem oder mehreren vorgegebenen Themen kreativ mit Worten auszudrücken, in welcher Form auch immer. Da unsere Texte immer Freitags auf unseren Blogs erscheinen, hatte meine Woche nun nach dem Sonntag mit dem Media Monday (medienjournal) und dem Werk zum Wort (stepnwolf), dem Serienmittwoch (Corly) und den 5 Besten am Donnerstag (passionofarts) einen weiteren „fixed point in time“ – am Freitag. Schon länger hatte ich damit geliebäugelt, aber nun war die Zeit reif dafür. Zur Auswahl standen folgende Themen:

1) „Julia wollte das alles nicht, doch nun steckte sie zu tief mit drin.” Wie geht die Geschichte weiter?   —   2) Schreibe einen Brief an dein 80-jähriges Ich.   —   3) Du kannst plötzlich fliegen. Würdest du jemandem davon erzählen? Was tust du mit dieser neuen Fähigkeit?   —  4) Deine Vorratsdosen starten einen Aufstand, berichte davon.   —   5) Was bedeutet Freundschaft für dich?

Meine Wahl fiel auf die ersten drei Themen; Mit der vierten Aufgabe konnte ich nichts anfangen, und die letzte war mir (noch) zu persönlich. Dass sich aus der Geschichte zur ersten Aufgabe, die ich „Am Haken“ genannt habe, so etwas wie eine Miniserie entwickeln würde, konnte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen. Die wichtigste Regel von den wenigen, die elizzy aufgestellt hat, lautete: Habt Spaß. Und das machte es definitiv. Ich bekam Lust auf mehr und machte bis zuletzt regelmäßig mit. Ein Ende ist nicht abzusehen.

Bild des Monats:

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An dieser Stelle folgt eine Pause vor den Monaten Juli bis Dezember – zu Teil 2 geht es hier.

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