Unsortierte Gedanken meets Fundbüro : der Wels, der sich im Sommerloch tummelte

 

Wann ist ein sommerlochfüllendes Thema zu Tode geschrieben? Wenn eine Tageszeitung der benachbarten Großstadt Wochen später einsteigt, nachdem das Heimatblatt mit dem Fall schon längst abgeschlossen hat: in diesem Fall ein mysteriöser Wels im Parkweiher, den niemand gesehen hat, dem aber angeblich etliche Küken zum Opfer gefallen sind.

Als Kamel, das immer gerne mal über die Sache gewachsene Gras wieder abfrisst, habe ich beschlossen, dem Thema „Wally, der kükenkillende Wels, den keiner fangen durfte“, ein paar abschließende Zeilen zu widmen.

 


6. Juli 2018 : Küken-Killer vom Weiher – Fischer sollen gefährlichen Wels beseitigen

10. Juli 2018 : „Stadt bekommt E-Mail-Flut. Tierfreunde kämpfen weiter für Problem-Wels

23. Juli 2018 : „Jagd auf den Wels: Wo ist Wally?

3. August 2018 : „Wels im Weiher des Dreieichparks: Hohe Kosten für nichts


 

Über Wochen hinweg dominierte das Thema die täglichen Seiten in irgendeiner Form, egal ob es um die neuesten Fortschritte auf dem Gebiet der Fischsichtung ging oder ob im Regionalteil besondere Fischrezepte veröffentlicht wurden, der Wels war allgegenwärtig.

In einem sehr interessanten Blogbeitrag über die Stadt Aomori in Japan vom 14. Januar 2018 las ich das folgende Zitat: „Ein Gott kämpft gegen den Wels. Im alten Japan glaubte man, dass Welse Erdbeben auslösen.“ Ob an diesem Glauben etwas dran ist, will ich nicht beurteilen. Oder gar überbewerten. Und schon gar nicht auf aktuelle Ereignisse beziehen. Denn zu der Zeit, in der dieses Tier durch unser Käsblatt und andere Postillen geisterte, war es nur unsagbar heiß und sonst nichts. Das einzige, was die Welt gefühlt zu bewegen schien, war die Fußball-WM, und da war ich im Urlaub.

Auf jeden Fall hat der Wels, den unsere Zeitung Wally (abgeleitet von der anderen Bezeichnung namens Waller für ihn) ins Visier genommen hat, nach wochenlangem Tamtam ein mediales Echo ausgelöst, und wer weiß… vielleicht reise ich doch noch nach Japan. Das wäre nach Australien, Kanada, Neuseeland und Chile ein weiteres Traumziel. Nur eins wird es bei mir nicht geben: Zu Weihnachten Wels auf dem Teller.

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Unsortierte Gedanken : (nicht mehr alle) Tassen im Schrank

 


Halte beim Whisky Maß und genieß ihn nicht in Massen,

drum benutze ich ein Glas und trink ihn nicht aus Tassen *).


 

 

Als ich bei der Aktion „15 Tage, 15 Tassen“ mitmachte, fand ich heraus, dass drei meiner fotografierten Schätzchen spurlos verschwunden sind. Und zur Krönung habe ich dann auch noch versehentlich meine orange „Espressionisten“-Tasse geschrottet. Trinken kann man jetzt nicht mehr aus ihr, also dient sie jetzt als Behälter für Schlüssel; da ich sie aus Jux meine „Orange is the new Black“-Tasse getauft habe, kommt mir ihre neue Funktion nun vor wie pure Ironie. Und auch wenn wir viel zu viele Tassen im Haus haben (mitgezählt habe ich nicht die Becher meiner Schwester): So wollte ich meine Bestände nicht reduzieren.

Was mir diese Aktion noch gezeigt hat: Im Gegensatz zu anderen besitze ich keine Fan-Tasse. Die verschwundene Tasse, die ich 1999 anlässlich der Sonnenfinsternis in Stuttgart gekauft habe, zählt für mich nicht dazu. Warum nicht den Tip, mir eine Tasse, mit dem Motiv meiner Wahl bedrucken zu lassen, in die Tat umsetzen? Zumal ich meinen Morgenkaffee seit zwei Jahren aus der Tasse meines verstorbenen Mannes getrunken habe und ich seit einiger Zeit merke, dass ich mich damit nicht mehr wohl fühle. „The time is now“ – für etwas neues. Und darum habe ich mich hingesetzt und versucht, eine Auswahl aus ungefähr hundert Bildern mit Sprüchen, Landschaften oder Stars zu treffen. Einfach war das nicht, denn die meisten Fotos haben das falsche Format oder haben einen unruhigen Hintergrund.

Am Ende habe ich mich dann für eine Aufnahme meines Lieblingssängers entschieden; die habe ich zum Schluss noch mit rechts und links angesetzten Balken in einer zum dunklen Hintergrund passenden Farbe verbreitert und die Balken mit dem Auszug aus einem seiner bekanntesten Songtexte beschriftet: Damit nach dem Aufwachen mein Blick auf ein freundliches Gesicht fällt und nicht auf die geerbte Tasse mit dem Eselchen. Das bekommt nun einen Ehrenplatz in der Küche und darf von den anderen Familienmitgliedern bewundert werden.

 


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Und weil ich schon dabei war, habe ich auch gleich eine Tasse als Geschenk für meine beste Freundin bedrucken lassen; allerdings ist das keine Fan-Tasse geworden, denn sie zeigt eine Aufnahme von ihr mit einem Uhu auf dem Arm, als wir zusammen hinter die Kulissen einer Falknereivorführung schauen durften. Die Tasse soll ein Behältnis für einen Gutschein werden: entweder für einen gemeinsamen Kinobesuch oder – was ich für passender halte – eine Einladung in die Fasanerie. Bis zur nächsten „Besinnlichen Abendwanderung mit Lagerfeuer“ wird sie zwar noch nicht fit sein, weil sie zur Zeit einen Spezialschuh trägt, nachdem sie ihr den Gips abgenommen haben, aber wenn sie weiterhin solche Fortschritte macht wie jetzt, wird der frühestmöglichen Veranstaltung in 2019 kaum etwas im Wege stehen. Schließlich heißt es ja auch nicht umsonst „neues Spiel, neues Glück“.


 

*) Die Tasse vor der Whiskeyflasche abzustellen, war reiner Zufall, aber führte zur Inspiration zu diesem Kurzgedicht. Die einzige Variante, Whiskey aus einer Tasse zu trinken, wäre in Form eines Irish Coffee, aber den Versuch, ihn selbst zu mixen, werde ich so schnell nicht wiederholen (außerdem schmeckt er mir aus einem bauchigen Glas besser), und die Tasse bleibt weiterhin dem Genuß von Kaffee vorbehalten.

Unsortierte Gedanken : The Angels‘ Share oder schottische Single Malts …

 

 … en miniature – special edition: Miniaturen. So weit so gut. Eines Tages, vor ein paar Jahren, meinte mein Mann, was wir bisher an Single Malts gekauft hätten, entspräche in etwa dem Gegenwert eines Kleinwagens. Da ich schon lange nicht mehr Buch über unsere Zu- und Abgänge führe, behaupte ich einfach mal, dass er Recht gehabt hat.

Inzwischen ist vieles davon längst getrunken und zum einen durch preiswerte Neuanschaffungen ersetzt worden; zum anderen bewohnen mein Whiskyregal längst nicht mehr ausschließlich schottische Whiskys, sondern auch irische Whiskeys (für die habe ich dieses Jahr mein Herz entdeckt).

Gestern abend hatte ich spontan Lust auf ein Gläschen Whisky und griff nach einer 10jährigen Abfüllung von Aberlour in Miniaturgröße. Die war bisher noch ungeöffnet. Jedenfalls dachte ich das.

Es hätte mir schon eine Warnung sein sollen, dass ich die Pappröhre nur mit einem ungewohnten Kraftaufwand öffnen konnte. Der Blick auf die Flasche, die noch versiegelt war, ließ mich stutzen: Sie war nur noch zur Hälfte gefüllt. Das muss ein riesiger Angels‘ Share gewesen sein, der mir eine halbvolle Flasche beschert hat. Oder es war ein Betrüger am Werk gewesen, denn das, was ich trotz dieser Alarmsignale probierte, schmeckte dermaßen schauderhaft und nicht nach Alkohol, dass das unmöglich ein 10 Jahre alter Aberlour gewesen sein kann – geschweige denn Whisky oder eine Spirituose überhaupt.

Wer uns dieses Exemplar angedreht hat, weiß ich jetzt auch nicht mehr, aber diese Geschmacksentgleisung wanderte umgehend ins Klosett. Der zweite Versuch mit einer Miniatur eines 12 Jahre alten Jameson war dann erfolgreicher. Jameson ist zwar nicht mein Liebling unter den irischen Whiskeys, aber für den einen Abend war der vollkommen ausreichend. Da so eine Miniatur für mehrere Abende reicht, habe ich sogar noch später etwas davon. Wohl bekomm’s.

Unsortierte Gedanken : Spin-Off zu meinem 60. Media Monday – der Ausgabe Nr. 350

 

 

Ein samstäglicher „English-Contra-Dance“-Workshop, zu dem ich per E-Mail eine Einladung erhalten hatte, ist schuld daran, dass ich nun nach mehrjähriger Abstinenz wieder zum Scottish Country Dancing am Dienstagabend zurückkehre.

Zu dieser Form des Tanzens habe ich durch einen einwöchigen Kurs für Scottish Country Dancing (SCD) in der Eifel gefunden, an dem vor Jahren mein Mann und ich teilgenommen hatten. Dieser Tanzworkshop begann kurz nach Weihnachten und erstreckte sich über Silvester hinaus bis zum 4. Januar, inclusive Silvesterbüffet und -ball. Kurz nachdem ich bei der Verbraucherplattform ciao.de einen ausführlichen Bericht darüber geschrieben hatte, erhielt ich eine Einladung zum Mittanzen beim nächsten Tanzabends des Frankfurter SCD-Clubs.

Seitdem waren wir an jedem Dienstagabend für zwei Stunden dort zum Tanzen und zwischendurch auch bei verschiedenen Ceilidhs. Das sind in Schottland gesellige Abende mit Folkmusik und Tanz. Leider ist dieser Sport in den letzten Jahren viel zu kurz gekommen, und nach dem Tod meines Mannes konnte ich mich erst recht nicht dazu aufraffen. Aber da habe ich ja noch nicht einmal mehr Musik gehört. Der Plattenteller stand still. Die gemeinsamen Erinnerungen waren wohl immer noch viel zu stark, und so wurden eventuell dahingehende Pläne erst einmal auf Eis gelegt. Nachdem nun aber mehr als ein Jahr vergangen ist, habe ich mir einen Ruck gegeben und durfte zu meinem Erstaunen erkennen, wie sehr mir das Tanzen gefehlt hat. Vielleicht ist genau jetzt die Zeit für einen Neuanfang.

Nach diesem Highlight folgt nun mein medialer Tiefpunkt: Alle Bilder und Berichte, die ich auf der Verbraucherplattform „ciao.de“ veröffentlicht habe, sind unwiederbringlich verloren, denn zu Beginn dieses Jahres wurde ciao.de vom Netz genommen. Diese Information konnte ich bei wikipedia finden, wo es u.a. heißt „Die Berichte sind nicht mehr erreichbar, lediglich eine Seite, die den Shutdown mitteilt, wird noch angezeigt“. Deswegen konnte ich auch meine bebilderten Reiseberichte über Schottland und die Schweiz nicht mehr lesen, was ich sehr traurig finde, aber ich kann mich damit trösten, dass ich sie auf irgend einer Festplatte abgelegt habe – genau wie die Rohentwürfe meiner auf ciao.de veröffentlichten anderen Erfahrungsberichte wie z.B. über markante Stimmen in der Rock- und Popmusik, Stimmen wie z.B. der von Johnny Cash, Dave Gahan, Michael Hutchence oder Ville Valo.

Inzwischen würde ich diese Sammlung noch um die Stimme von Samu Haber (Sunrise Avenue) erweitern, aber leider wird da wohl nichts mehr draus. Und wo ich es gerade erwähne, muss ich feststellen, dass mir der Sound des letzten Jahrhunderts mehr liegt als dieses weichgespülte Gedudel, das es Tag für Tag im Radio zu hören gibt. Vielleicht bleibt deshalb der Kasten aus, auch auf längeren Autofahrten. Inzwischen neige ich dazu, Atze Schröders Ansichten über die allgegenwärtigen „Lappen“ zu teilen. Wen man sich darunter vorstellen darf, bleibt jedem selbst überlassen.

Aber nochmal zurück zu meinen Highlights der Woche. Ich mäandere mich auf und ab, von einem Hoch zum Tief und umgekehrt. Nachdem ich mir durch den Englischen Kontertanz einen formidablen Muskelkater eingehandelt hatte, griff ich zur ersten Staffel von „The Paradise“, die ich mir in der Stadtbücherei ausgeliehen hatte. In dieser Serie geht es um ein Kaufhaus in einer englischen Stadt und erinnert in groben Zügen an den Publikumsrenner „Mr. Selfridge“, dabei handelt es sich bei The Paradise um eine Adaption von Emile Zolas „Das Paradies der Damen“, die nach zwei Staffeln wegen nicht zufriedenstellender Zuschauerzahlen nicht mehr fortgesetzt wurde. Schade drum, denn die Serie hat nicht nur eine interessante Handlung und gute Schauspieler zu bieten, sondern glänzt auch noch durch einen liebevoll aufgemachten Vorspann.

Den krönenden und zugleich auch etwas traurigen Abschluss dieser Sammlung von Highlights und Tiefpunkten bildet das Sichten meiner Schallplattensammlung, in der sich zwischen Perlen wie „Back in Black“ von AC/DC, „Broken English“ von Marianne Faithfull oder „The River“ von Bruce Springsteen auch einige Scheiben von Mike Oldfield, U2 und INXS befinden. Eine bunt durcheinandergewürfelte Mischung, die lange zurückliegende Erinnerungen wachruft, sowohl schöne als auch schmerzliche.

Deshalb breche ich jetzt an dieser Stelle ab und setze meine persönliche Rückschau zu einem späteren Zeitpunkt fort.

Unsortierte Gedanken : von Seehunden verfolgt


Seit ich die „Wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen“ zu einem der fünf besten Kinderbücher erklärt und dieses Lob mit dem Foto eines Seehundes (aufgenommen 2008 auf der Isle of Skye) garniert habe, fühle ich mich von Seehunden verfolgt.

Den Anfang machte eine Zeitungsmeldung über Zeitungsartikel über Rekordwerte beim Seehundsnachwuchs: rund 9200 Welpen an der Nordseeküste – was für eine schöne Nachricht! So schön wie das dazugehörende Bild eines jungen Seehundes, der sich am Strand von Cuxhaven sonnt.

Seehundwelpen

Mitte letzter Woche sichtete ich den Festplattenrecorder, um nicht mehr benötigte Filme und Serienfolgen zu löschen und stieß dabei auf eine Sendung, die mein Mann letztes oder vorletztes Jahr aufgenommen hatte: „Abenteuer mit Micky“. Den Cartoon mit dem Campingausflug von Micky, Donald und Goofy kannte ich bereits, und ich stand schon kurz davor, diese Clips von der Platte zu putzen, als der nächste Cartoon anfing: Micky und Pluto besuchen den Zoo.

Seelöwen im Zoo

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Und nun wusste ich auch wieder, warum ich die Sendung nicht gelöscht hatte: die Seehunde, besser gesagt, der kleinste von ihnen, der Micky nach Hause folgt und es sich in dessen Badewanne gemütlich macht.

Schließlich dann noch die Nachricht in der Wochenendausgabe unserer Zeitung über den Robbenflüsterer von Neuseeland, der beim Umsiedeln der Tiere hilft, weil eine Straße neu gebaut werden soll. Eine wahre Sysiphusarbeit, denn die meisten Seebären wandern wieder an den Ausgangspunkt zurück, und dann beginnt der Spaß wieder komplett von vorne.

Seebärflüsterer

Mal sehen, was noch alles auf mich zukommt. Ich hoffe nur, dass dies nicht die Rache dafür ist, dass ich in letzter Zeit öfters Suhsi gegessen habe, wie z.B. das in unserer Kantine, zum unschlagbaren Preis von 6,– Euro pro Teller, das nicht nur bei der Menge keine Wünsche offenließ, sondern auch bei der Qualität.

Unsortierte Gedanken : am Bahnhof

 


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Reden hilft! Zusammenstauchen noch viel mehr.

Ist schon der Montagmorgen in aller Herrgottsfrühe schon nicht so prickelnd, so gibt es immer noch Situationen, die ihn noch blöder machen. Oder Leute, die nicht mehr Herr ihrer Sinne sind. So wie der, dem heute morgen am Bahnhof ein Teil der Zeitung wegflatterte und auf den Gleisen landete. Och nee – der wird doch nicht? Nein, bitte, bitte nicht. Bitte, laß ihn einfach die Zeitung ignorieren und friedlich sein Bierchen weitersüffeln.

Aber nein: Was auch immer er mit der Zeitung wollte, aber er taperte tatsächlich bis an die Bahnsteigkante, grübelte einen Moment und schickte sich an, ins Gleisbett hinabzusteigen. Zeit für eine Ansage …

Weg vom Bahnsteig!“

Hä???!!!!“

Weg von den Gleisen!!“ (du Idiot, ergänze ich in Gedanken)

Was?!“

Nicht auf die Gleise!!! Wenn der Zug kommt, sind Sie tot!!!!“

??? – …. ACH, HALT’S MAUL!“

(Du willst Dich nicht wirklich umbringen, Du willst Dich nicht wirklich umbringen, Du willst Dich nicht wirklich umbringen… *Beschwörungsformel murmelnd*)

Aber das Unfassbare geschah: Er drehte sich brummelnd um, tappte zurück zu seinem Sitzplatz und machte sich noch eine Flasche Bier auf. „Halt’s Maul?“ – Das hab‘ ich diesem Fall gerne gehalten.

Unsortierte Gedanken : der Zufall des Tages *)

*) auch wenn der Zufall schon mehr als 24 Stunden her ist.



Komm, ich erzähl dir eine Geschichte“ – Dieses Büchlein von Jorge Bucay voller unschätzbar wertvoller Weisheiten hielt mich so gefangen, dass ich gestern Abend den Ausstieg verpasste und mit der S-Bahn eine Station weiter fuhr als geplant.

Dadurch musste ich auf einen späteren Bus warten und kam beim Lesen bis zu dem Kapitel „Die Katze des Ashrams“. Und als ich dann ganz zufällig aus dem Fenster sah, erblickte ich eine Plakatwerbung für Katzenfutter, mit einer wirklich hübsch gezeichneten Katze. Was für ein Zufall. Denn in der Geschichte geht es ebenfalls um eine besonders schöne Katze, die kurz vor jeder Andacht weggesperrt wird, um die Gläubigen nicht von ihrem Guru abzulenken.

Am liebsten hätte ich das Plakat fotografiert, doch leider war ich zu langsam. Und heute morgen war es bereits gegen ein anderes ausgetauscht worden. Also habe ich von dieser Momentaufnahme des Zufalls kein Foto.

Wäre ich an der richtigen Station ausgestiegen, hätte ich einen Bus früher nehmen können und wäre an der Haltestelle mit der Katzenfutterwerbung beim Lesen schon bei einem späteren Kapitel angelangt. Und vielleicht hätte ich an jener Stelle auch gar nicht aus dem Fenster gesehen, so dass mir das Plakat entgangen wäre. Ich sehe schon, hier sind gleich mehrere Faktoren zusammengekommen, die ich gerne bequemerweise unter dem Sammelbegriff „Zufall“ zusammenfasse, wenn ich mit meiner Weisheit am Ende bin.

Und dann fühle ich mich in solchen Momenten wie eine Figur aus den vielen Geschichten und Märchen in diesem Buch, das mich so gefangenhielt.

 

Unsortierte Gedanken : Winter is coming – a song of ice and fire

 


 

Click mich! Ich bin eine gefakte Überschrift, die mit dem erwarteten Text nicht das geringste zu tun hat, denn die Rede ist nicht von Game of Thrones sondern von einem Film aus dem verschneiten Schottland, der mit Musik von Runrig unterlegt worden ist: An Cuibhle Mòr – auf Englisch „The big wheel“. Der Link zu dem Video befindet sich im folgenden Absatz.

Da die Anfangssequenz des Songs wie das Anrollen eines Dampfzugs klingt (und wahrscheinlich auch aus diesem und anderen Bahnhofsgeräuschen besteht), wählte derjenige, der den Film auf youtube hochgeladen hat, das Naheliegende: Schottische Dampfzüge im Winter. Da hat es noch richtig fett Schnee, und nicht so einen Wischiwaschi-Winter wie dieses Jahr im Taunus, mit Temperaturen, die sogar eingelagerte Zwiebeln zum Keimen bringen. Yammie! Aber zurück zum Ursprungsthema.

Wo Schnee, da Eis – und damit der Zug auch über die Gleise rasen kann, bedarf es kräftigen Männern mit Muskeln, die den Schnee wegschippen und Heizern, die Kohlen schippen wie der Teufel und das Feuer am Brennen halten. Et voilà: Eis in der wunderschönen schottischen Landschaft, und Feuer im Heizkessel – fertig ist das Lied von Eis und Feuer.

Es lebe der gepflegte Flachwitz (ein Wortspiel von „zauberponys für alle“). Aber ist der Film trotzdem nicht wunderschön? Besonders an den Stellen, in denen die Schafe auftauchen (3:01) und ein schwarzes Pferd durch die Hügel galoppiert (3:17). Besonders bemerkenswert finde ich den Zug, der den klangvollen Namen „Barbados“ trägt. Das Video ist zwar nicht ganz das, was ich zu „An Cuibhle Mòr“, einem meiner absoluten Lieblingslieder erwartet hätte, aber auf seine Art passend. Das Lied wird komplett in gälisch gesungen und hat mich vor Jahren mal zu einer Kurzgeschichte inspiriert, die aber leider bei diversen Umzügen für immer verloren gegangen ist.

Hach ja, was tut man nicht alles als Fan. Sogar den Wunsch hegen, eine komplizierte Fremdsprache zu lernen, in der man sich keine Eselsbrücken bauen kann. Ausgerechnet Gälisch. Und weil ich’s nie gelernt habe, kam ich auf die absurde Idee, den Song nach Gehör mitzusingen – Muttersprachler würden sich vermutlich mit Grausen abwenden, wenn sie sich dieses schräg gesungene Kauderwelsch mitanhören müssten; da aber niemand sonst dabei anwesend ist, wen interessiert’s?

Worum es in dem Song geht? Keine Ahnung, aber eine Menge Wörter im Text sind geografische Namen, die ich 2008 in Schottland auf Wegweisern zum ersten Mal gesehen habe und die mir im Wetterbericht auf BBC Alba begegnen.

 

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Glaschu – Glasgow

Dun Eideann – Edinburgh

Inbhirnis – Inverness

Sruighlea – Stirling.

Steornabhagh – Stornoway

Obar Dheadhain – Aberdeen

An Gearasdan – Fort William

Dun Deagh – Dundee

Lunnainn – London

A’Ghearmailt – Germany

Eirinn – Ireland

Ameiriga – America.

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Eigentlich wäre das schon wieder eine Aufgabe für die 100 Creative Challenges, und allein beim Ansehen der Buchstabenkombinationen kann sich leichter Schwindel einstellen. Da braucht’s noch nicht mal ’nen Whisky. Bei manchen Namen liegt die englische Übersetzung nahe, wie z.B. bei Inverness oder Stornoway. Beim Fort William ist die Ähnlichkeit kaum zu erkennen bzw. für mich gar nicht vorhanden. A’Ghearmailt kling für mich nach Gerstenmalz, eine für die Whiskyherstellung elementar wichtige Zutat. Und: Lesen ist zwar das Eine, die Namen aber auszusprechen etwas ganz anderes. Und wer sich beim Singen nicht die Zunge verknotet, bekommt von mir ein virtuelles Bonbon oder ein wee dram spendiert.

Unsortierte Gedanken : ein Tartan für mich – Triggerwarnung # in Memoriam

 

 

Als Nachtrag zum Media Monday von vorgestern schreibe ich meine Eindrücke nieder, die ich während meines DVD-Abends hatte. Da ich auf Romeo und Julia am Montagabend keine Lust hatte, sagte ich mir, dass es an der Zeit wäre, mir die Downton-Abbey-Folge anzuschauen, die ich vor längerem aufgezeichnet hatte, als das ZDF sie eines Sonntagnachmittags zeigte: „A Journey to the Highlands“. Diese Folge hatte in meiner Sammlung bisher noch gefehlt; auf die Tasse Tee und das Glas Whisky habe ich allerdings verzichtet:


7. Zuletzt habe ich mir eine Aufnahme des Highland-Specials von Downton Abbey aus dem Fernsehen angeschaut und das war vorhin , weil mich das Fernsehprogramm („Romeo und Julia“) nicht vom Hocker riß und ich heute abend mal eine Downton-Abbey-Folge sehen wollte, die ich noch nicht kannte. Witzigerweise war die ausgestrahlte Version von „Romeo und Julia“ von Julian Fellowes, dem Erfinder von Downton Abbey – habe ich aber erst hinterher festgestellt.


 

Dass mich die Erinnerungen einholen würden, damit hätte ich jedoch nicht gerechnet. Plötzlich nämlich war da der Jägerball auf Schloss Duneagle, und die feine Gesellschaft nebst Personal tanzte all die Tänze, die ich bis vor zwei Jahren auch noch gekannt hatte.

Jeden Dienstag waren Andy und ich abends zum Scottish Country Dancing nach Frankfurt gefahren, wo wir in einer Gruppe ständig wechselnder Stärke zwei Stunden lang fleißig übten. Aus beruflichen und gesundheitlichen Gründen waren wir aber nun lange nicht mehr mit von der Partie gewesen.

Aber schön, dass Matthew Crawleys Tanzkünste ausreichen, um einen „Dashing White Sergeant“ zu tanzen – ich hätte ja gerne gesehen, wie bei dem Jägerball ein „Reel of the 51st Division“ oder „Shiftin‘ Bobbins“ getanzt wird; an dieser Stelle die Tänze im Einzelnen zu erklären, würde jetzt aber nun wirklich zu weit führen. Den nächsten Flashback erlebte ich dann beim Anblick des Tartans, den einige der Gäste trugen.

Genau so einen hatte mein Andy, und den trug er dann auch, als ich ihn zum letzten Mal vor der Trauerfeier sah. Ein Strathspey-Tartan, ehemals getragen von einem Regiment, das aber mittlerweile nicht mehr existiert und somit dieses Muster freigegeben worden ist. So jedenfalls wurde uns das erklärt, als wir den Stoff bestellten und die Maßanfertigung des Kilts für Andy in Auftrag gaben.

Ob es ein Fehler war, just an diesem Abend genau diese Folge sehen zu wollen? Es ist ein Kreuz mit diesen Erinnerungen. Sie kommen und gehen, ungefiltert und in den unpassendsten Momenten. Vielleicht sind sie der Grund, warum ich mich seit jenem Tag nicht überwinden kann, die angefangene Staffel von „Star Trek Voyager“ weiterzuschauen, dabei habe ich „Voyager“ geliebt. Aber immer, wenn wir es zusammen einschalteten, war es wie „a sort of homecoming“ (Assoziationen zu „The Unforgettable Fire“ von U2 sind nicht beabsichtigt, aber auch nicht unerwünscht).

Vielleicht werde ich eines Tages an der Stelle fortfahren, wo die Handlung über Nacht eingefroren wurde, doch bis dahin wird es seine Zeit brauchen. Trotzdem würde ich gerne im neuen Jahr mit dem Schottischen Tanz von neuem beginnen.

Unsortierte Gedanken : kritze kratze *iek*


 

 

 

Seit Tagen erlebe ich Abend für Abend das gleiche nervtötende Theater. Kaum bin ich zu Hause und mache es mir auf dem Sofa gemütlich, egal ob ich stricken, bloggen oder fernsehen möchte – oder aber einfach nur entspannen bei einer Tasse Tee, geht es auch schon los, das Kratzen und Scharren von kleinen Krallen irgendwo im Stockwerk über mir, oberhalb der Zimmerdecke. Ab und zu auch noch Gepolter obendrein… Was kann das bloß sein? In dem Film, der in meinem Kopf abläuft, tummeln sich Mäuse oder noch größere Tiere im Zwischenboden, d.h. im Gebälk zwischen beiden Etagen. Auf dem Speicher ist nichts zu hören, und da scheint der Urheber der beunruhigenden Geräusche nicht zu hausen, denn ich habe mich heimlich hinaufgeschlichen und in die Dunkelheit hineingelauscht – aber von irgendwelchen Bewohnern herrschte Fehlanzeige.

Ein Vierbeiner im Zwischenboden wäre mein persönlicher GAU; denn hast Du erst einmal einen Waschbären im Haus, so hast Du einen „Freund“ fürs Leben. Hm. Oder so. Und darauf habe ich so gar keine Lust. Das Geräusch verfolgt mich: sowohl im Wohnzimmer als auch im Schlafgemach – vorzugsweise immer abends oder mittlerweile auch schon in den frühen Morgenstunden.

Doch gestern hatte ich eine Eingebung. Was wäre, wenn es kein Vierbeiner, sondern überwinternde Singvögel wären? Anzunehmen wäre es, denn ich habe sie im Sommer ständig gesehen – die Einschlupfluken unterm Dach; zumal ich neulich erst ein Blaumeisenpärchen gesehen habe, wie es den Eingang zum neuen Winterdomizil (da, wo im Sommer immer die Mauersegler leben) inspiziert hat. Wenn das meine Mitbewohner sind, dann muss ich mir keine Sorgen mehr machen. Nur Futter für die kleinen Kerlchen im Garten hinhängen.