# Writing Friday – November, 45. Woche : Das Praktikum

 

Das Projekt „Writing Friday“ habe ich bei elizzy entdeckt – und darum geht es:

Jeden Freitag wird veröffentlicht. +++ Wählt aus einem der vorgegebenen Schreibthemen. +++ Schreibt eine Geschichte / ein Gedicht / ein paar Zeilen – egal, Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben. +++ Vergesst nicht, den Hashtag #Writing Friday und den Header zu verwenden, schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch. +++ Habt Spaß und versucht, voneinander zu lernen.

 

Dies sind die Schreibthemen für den November

1) Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz: “Jonathan war noch nie in seinem Leben so glücklich wie gerade in diesem Moment. Endlich … ” beginnt. +++ 2) Es ist Zeit für den Winterschlaf – Bruno der Bär berichtet von seinen Vorbereitungen. Gib Bruno einen einmaligen Charakter und sei kreativ! +++ 3) Dein Lesesessel startet eine Demo – wofür protestiert er? Berichte davon. +++ 4) Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter ein: Wind, Comicbuch, klein, Avocado, Eule +++ 5) Welches ist dein Lieblingsgenre? Wieso ist das so? Und was magst du daran?

 

Jonathans Geschichte gab’s in der letzten Woche – heute ist der Text mit den fünf eingeflochtenen Wörtern dran. Ein umgearbeitetes Manuskript von 2018, das eigentlich für einen anderen Zweck vorgesehen war, aber nicht zur Veröffentlichung.

 

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Das Praktikum

Im Studio, drei Türen von unserem entfernt, versuchen sie seit Tagen, ein Musikvideo zu drehen, was sich aber als schwieriges Unterfangen entpuppt: eine kleine, noch nicht bekannte Band will dieses Video über unseren Regionalsender ausstrahlen, anstatt es bei Youtube zu versuchen. Ab und zu bekomme ich einen kurzen Einblick in die Serie ihrer Pleiten und Pannen, und jedes Mal geht irgend etwas anderes schief. Entweder fällt der Strom aus oder es klappt nicht mit dem Zusammenspiel. Als Produzent wäre ich schon längst verzweifelt.

Verzweiflung macht sich auch bei uns breit. Während nebenan die Musik zwischen ein paar zusammengewürfelten Schrottautos und Ölfässern spielt, soll in unserem makellos hergerichteten Studio eine Kochsendung entstehen, mit der Betonung auf „soll“, denn auch wir kommen kein Stück weiter. Kein Wunder, wenn der Meister nicht nur Perfektionist, sondern auch der größte Geizhals unter der Sonne ist. Aber mich darf man ja nicht fragen. Ich mache hier in dieser Klitsche ein schlechtbezahltes Praktikum und bin unterbezahltes Mädchen für alles, das den Caterer spielen darf und darauf achten muss, dass der Spaß nicht viel kostet. Ständig müssen wir etwas anderes wiederholen, weil unser Monsieur Chef de Cuisine, die alte Eule, sein künstlerisches Empfinden gestört sieht: Mal sind die Karotten nicht glänzend genug glasiert oder die Avocados zu weich. Würde der Meisterkoch nicht so einen Wind um seine Sendung machen, wären wir längst fertig. Je länger das dauert, desto hungriger werde ich. Kaffee wäre jetzt auch nicht schlecht. Weit laufen muss ich ja nicht, aber jetzt mal ehrlich: So hatte ich mir mein Praktikum nicht vorgestellt. Bei einer Produktion dabeizusein und den Kameraleuten oder den Technikern am Mischpult über die Schulter zu gucken, hätte mir bestimmt irre viel Spaß gemacht und wäre um einiges spannender gewesen.

Als ich dann mit dem Tablett zurückkomme, wird schwungvoll die Tür aufgerissen, und ein aufgebrachter Typ stürmt heraus. Ausweichen kann ich nicht mehr, und ich fühle mich wie in einem Comicbuch – mit Sprechblasen: Rrrrums, Schepper, Dengel, fliegt das Tablett mit den Bechern durch die Luft, und ich werde geduscht. Alles Gute kommt von oben? Ha Ha Ha: heute mit Kaffee. Heiß und in allen Variationen – dreimal Kaffee schwarz und je einmal Latte Macchiato und Café au Lait. Vorher war die Lieferung auf dem Tablett noch sortiert gewesen, aber jetzt… Die Brühe trieft aus meinen Haaren, und mein vormals weißes Shirt hat nun ein nasses Flecktarnmuster und klebt vor Zucker. Die Wespen haben ihren Spaß – hui, endlich jemand, auf den sie fliegen können. Ich eher weniger, denn das Zeug ist so heiß, dass ich vor Schmerz und Schreck jaule. Der Typ ist weg. Statt dessen naht Hilfe von anderer Seite. Eine Musikerin von der Band nebenan ordnet als Erste-Hilfe-Maßnahme für mich eine kalte Dusche an, bevor sich auf meinem ganzen Oberkörper Brandblasen bilden können. Langsam aber sicher mutiere ich zu einem Eiszapfen. Nach einer Weile kommt Caro, meine Retterin mit einem überdimensionalen Shirt zurück, ich schlüpfe hinein und freue mich, dass ich mich wieder halbwegs zivilisiert unter die Leute wagen kann.

Aber ich habe mich zu früh gefreut. Der Witzbold, der mir entgegen kommt, lässt einen dämlichen Spruch fallen: „High Voltage – uuuuuh! Ssssexy!“ Na toll, ich weiß selbst, wie ich mit dem AC/DC-Aufdruck auf der Brust aussehe. „Besser Starkstrom als überhaupt keine Spannung“, gebe ich prompt zurück und registriere, wie der Typ grinsend durch die Tür verschwindet. In dem Studio, wo sie das Musikvideo drehen. Kann man diesen Tag noch steigern? Die Antwort ist „Ja“, wenn dein Team unter Koffeinentzug leidet und hochgradig verstimmt ist. Daran ist aber nicht mein Malheur mit dem Kaffee schuld, sondern der Unbekannte, der das Auto meines Chefs beschädigt und sich dann aus dem Staub gemacht hat. Ich schätze, für heute hat der Job sich erledigt, und ich kann zum gemütlichen Teil des Tages übergehen.

I would walk five hundred miles“ – für einen Kaffee? Ich komme noch nicht mal hundert Meter weit, denn ich pralle mit Caro zusammen. Sie ist stinksauer, denn ihr Auto ist weg, und sie kann sich denken, wer es sich einfach genommen hat, ohne zu fragen. Ihre Schlüssel lagen ja gut sichtbar für alle im Studio, und der einzige, der fehlt, ist ihr Schlagzeuger. Ach, ihm habe ich meinen unfreiwilligen Outfitwechsel zu verdanken? Na warte – willkommen im Club derer, die noch ein Hühnchen mit ihm zu rupfen haben. Zieh Dich lieber schon mal warm an, denke ich, bis wir Dich finden, ist es nur eine Frage der Zeit, denn früher oder später kriegen wir Dich. Und wenn wir uns zu Fuß auf die Socken machen wollen, kann es später werden. Der Meinung ist auch Caro, und als sie zurückkommt, hat sie auch schon die zündende Idee, von der ich bezweifle, dass es sich dabei um einen gut durchdachten Plan handelt: Ihr Bruderherz weiß mit Sicherheit, wohin sich Josh verkrümelt hat, und da er der einzige ist, der jetzt mit ihm noch vernünftig reden kann, soll er ihn einsammeln, sofern Josh sich nicht bereits sämtliche Lichter ausgeschossen hat. Wenn wir uns beeilen, könnte es noch nicht zu spät sein. Wir. Ich höre immer „wir“; was zum… Ja, ich habe Caro richtig verstanden. Mit „wir“ meint sie nicht sich und meine Wenigkeit, sondern mich und Alex, weil sie nämlich keine zehn Pferde auf sein Motorrad bringen würden. Ach – aber mich etwa? Sehe ich so aus, als ob ich freiwillig bei jemandem mitfahre, den ich nicht kenne? Doch sie bittet mich so sehr, dass ich mich breitschlagen lasse und schließlich doch noch zu ihrer großen Erleichterung zustimme. Wer jetzt noch fehlt, ist Alex.

Surprise, surprise – der Preis ist heiß… Als er dann auftaucht, schlage ich mir innerlich mit der flachen Hand gegen die Stirn. Der Typ mit dem High-Voltage-Spruch von vorhin? Und bei dem soll ich auf dem Soziussitz mitfahren? Na, das kann ja was werden! Können wir bitte diesen Tag ganz aus dem Kalender streichen? Ich will nicht, aber leider habe ich Caro bereits versprochen, dass ich ihr helfe und ihren Bruder auf dem Motorrad begleite. Wenigstens hat er einen zweiten Helm dabei: Safety first. Das sind die Regeln. So geht das Spiel. Hoffen wir mal, dass hier nicht falsch gespielt wird.

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1025 Wörter – nicht zur Veröffentlichung bestimmt? Nun denn… offenes Ende oder nicht, ob’s weitergeht, weiß ich noch nicht.

# Writing Friday – November, 44. Woche : Let’s start a band!

 

Das Projekt „Writing Friday“ habe ich bei elizzy entdeckt – und darum geht es:

Jeden Freitag wird veröffentlicht. +++ Wählt aus einem der vorgegebenen Schreibthemen. +++ Schreibt eine Geschichte / ein Gedicht / ein paar Zeilen – egal, Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben. +++ Vergesst nicht, den Hashtag #Writing Friday und den Header zu verwenden, schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch. +++ Habt Spaß und versucht, voneinander zu lernen.

 

Dies sind die Schreibthemen für den November

1) Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz: “Jonathan war noch nie in seinem Leben so glücklich wie gerade in diesem Moment. Endlich … ” beginnt. +++ 2) Es ist Zeit für den Winterschlaf – Bruno der Bär berichtet von seinen Vorbereitungen. Gib Bruno einen einmaligen Charakter und sei kreativ! +++ 3) Dein Lesesessel startet eine Demo – wofür protestiert er? Berichte davon. +++ 4) Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter ein: Wind, Comicbuch, klein, Avocado, Eule +++ 5) Welches ist dein Lieblingsgenre? Wieso ist das so? Und was magst du daran?

Auch dieser Monat ist der Kreativität gewidmet. Den Auftakt bildet ein musikalisches Thema.

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Let’s start a band!

Jonathan war noch nie in seinem Leben so glücklich wie gerade in diesem Moment. Endlich fügten sich alle Einzelteile zu einem funktionstüchtigen Ganzen zusammen. Wie lange er über dem Bausatz gebrütet und dabei den Tag verflucht hatte, an dem er auf die Idee gekommen war, dieses Instrument selbst bauen zu wollen. Handwerklich begabt war er ja schon immer gewesen, aber das Theremin stellte ihn vor eine Herausforderung, an der er um ein Haar gescheitert wäre. Dabei hatte sich die Beschreibung so einfach gelesen, und wenn der größte Musiker des 20. Jahrhunderts in seinen Konzerten darauf spielte, dann sah das so leicht und mühelos aus. Dass Theorie und Praxis oft meilenweit auseinanderklaffen, hatte er bei seinem Besuch im Museums erfahren dürfen, wo genau so ein Exemplar ausgestellt wurde, das darauf wartete, dass die Besucher es ausprobierten. Bei den meisten kam nur atonales Gequietsche heraus, das noch nicht einmal zur Untermalung von schlechten Horrorfilmen taugte, doch als Jonathan sich vor dem Kasten aufgestellt hatte, war er überrascht gewesen, dass ihm tatsächlich gelungen war, dem Theremin mit ein wenig Konzentration eine kleine Melodie zu entlocken. Zwei, drei weitere Besuche des Museums hatten ihn endgültig davon überzeugt, dass in ihm eine bisher unentdeckte Begabung schlummerte, die er zum Leben erwecken wollte. Aber ohne eigenes Instrument würde alles nur ein schöner Traum bleiben.

Und nun stand es vor ihm, bereit für die Einweihung. Erwartungsvoll stellte sich Jonathan in Pose und hob die Arme, um das berührungslos zu spielende Musikinstrument endlich zum Klingen zu bringen. Da zerriss ein schrilles Geräusch die Stille. Das Display auf seinem Handy blinkte hektisch. „Sag mal, wo bleibst Du denn?!“ bellte ihm die Stimme seines besten Freundes entgegen. Mark war sauer, und die Zeiger der Uhr verrieten Jonathan auch warum. Oh, Shit – beim Brüten über dem Bausatz hatte er die Bandprobe vergessen. Mark und sein Bruder warteten sicher schon ewig auf ihn. Dabei war dies nicht eine x-beliebige Probe, sondern die letzte, bevor es ins Tonstudio ging, um eine Demo-CD aufzunehmen. Darauf hatten sie schon ewig gewartet, und dank Marks Bruder Brian hatte es dann doch noch mit dem Studio geklappt. Seufzend griff Jonathan nach seinem Keyboard und warf noch einen letzten Blick auf das Theremin, bevor er die Wohnung verließ.

Ihre gemeinsame Session war dann doch besser gelaufen als erwartet. Der Bunker, in dem verschiedene Bands probten, lag zum Glück nicht weit von seiner Wohnung entfernt, und so hatten seine Freunde nicht lange auf ihn warten müssen. Während sie ihr gesamtes Repertoire durchexerzierten, besserte sich Marks Laune merklich, und als sie mit ihren Stücken durch waren, musste Jonathan ihm und seinem Bruder erzählen, was ihn so lange aufgehalten hatte. Aber anstatt verständnislos mit dem Kopf zu schütteln, wollte sich Brian nun davon überzeugen, ob sich die Plackerei mit den vielen Teilen auch gelohnt hatte. Auch Mark war nicht weniger neugierig, und so machten sich die drei zu später Stunde auf den Weg zu Jonathans Wohnung. Oben angekommen, drückte er seinen beiden Freunden erst einmal zwei Flaschen Bier aus dem Kühlschrank in die Hand und verstaute sein Keyboard. Noch einen Schluck aus seiner Flasche, denn jetzt war er da, der feierliche Moment. Nun würde sich zeigen, ob ihm das Werk gelungen war oder ob das Gerät stumm blieb.

Andächtig lauschend, saßen sie da, bis die letzten Töne der Erkennungsmelodie von „Inspector Barnaby“ verklungen waren. Zugegeben, im Fernsehen klang das melodischer und flüssiger, aber es war unverkennbar dieses Titelthema, das Jonathan frei aus dem Gedächtnis nachgespielt hatte, wenn auch etwas holprig. „Hey, warum bauen wir das nicht mit in die Proben ein?“, beendete Brian das Schweigen. Ja, warum eigentlich nicht? Inzwischen fand auch Mark die Idee gar nicht so abwegig. Nur Jonathan war skeptisch. Schließlich würde man die zarten Klänge kaum hören können, wenn Marks Gitarrenspiel von seinem Bruder am Bass unterstützt wurde. Allenfalls für eine Soloeinlage würde dieses sehr spezielle Instrument taugen. Aber versuchen konnte man es doch mal.

Aber mal was anderes, Leute“, warf Mark ein. „Habt Ihr Euch schon mal überlegt, wie es weitergehen soll, wenn wir die CD im Kasten haben?“

Brian und Jonathan schauten sich ratlos an. Irgendwie standen sie gerade auf dem Schlauch und hatten keine Ahnung, worauf Mark hinaus wollte.

Na ja, wie sieht’s zum Beispiel aus mit einem Namen?“

Ach herrje, dass sie daran überhaupt nicht mehr gedacht hatten… Aber so, wie sich ihr Repertoire in Richtung 80er Jahre entwickelt hatte, klang der anfangs für ihr Ensemble geplante Name ‚The Kelly Brothers‘ mittlerweile gar nicht mehr passend.

Klingt aber auch nicht besser als Deine Kreation“, sagte Brian zu seinem Bruder. Stimmt, der hatte auch nicht mehr Phantasie bewiesen, als er ‚The Kellys & Friends‘ vorgeschlagen hatte, was schon deswegen zum Scheitern verurteilt war, weil sie nur zu dritt waren. Aber ‚The Kellys & Friend‘ klang noch behämmerter.

Es sei denn, ich frage meinen Kollegen aus der Gitarren-AG“, gab der prompt zurück. Aber ob die Kombination aus Keyboard, zwei Gitarren und einem Bass wirklich so ideal war? Und mit zwei Kellys, einem McIntyre und – falls er Michael wirklich fragte – einem O’Hara, wäre die Illusion eines schottisch-irischen Quartetts perfekt. Allerdings würden sich die Fans der Kelly Family doch ziemlich veralbert vorkommen, zumal ihre Musik mit denen der echten Kellys nicht das Geringste zu tun hatte. Keine perfekte Ausgangsbasis für ihre noch nicht gestartete Karriere als Achtziger-Jahre-Coverband. Ja, ja, das Leben ist grausam und schrecklich gemein, ging es ihm durch den Sinn, als er in Jonathans Wohnung auf und ab wanderte, welches Schweinderl hätten’s denn gern?

Dann fiel sein Blick auf des riesige Konzertplakat, das über dem durchgesessenen Sofa hing: „Oxygène – Jean-Michel Jarre live in Budapest“. Auf dem Tisch daneben stapelten sich CDs des Elektronikkünstlers, und bestimmt besaß Jonathan auch sämtliche Alben von dem Franzosen.

Leute, ich hab’s!“ rief er wie elektrisiert aus. „Verabschiedet Euch von eurem ursprüngichen Plan und vergesst die Kellys. Die Lösung liegt direkt vor unseren Augen. Wie wär’s mit ‚OxyGen‘? Let’s start a band!“

Let’s start a band? Entgeistert starrten Brian und Jonathan ihren Gitarristen an. Was war denn das für ein obskurer Einfall? Aber dann wurde es ihnen klar: Wenn sie noch ein paar Stücke von Jarre einbauten, wären sie nicht bloß eine weitere 80er-Jahre-Coverband, sondern eine Tribute-Band zu Ehren von Jonathans Idol. Und Jonathans selbstgebautes Theremin würde sich bestimmt auch in ihr Programm einbauen lassen.

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Und wer nicht weiß, wie ein Theremin aussieht, hier habe ich ein Foto davon, selbst aufgenommen im Museum für Angewandte Kunst in Frankfurt am Main…

aber meine Versuche dieses Instrument zu spielen, waren nicht von Erfolg gekrönt.

# Writing Friday – Oktober, Woche 43 – Teil 2 : Wovor ich mich fürchte

Das Projekt „Writing Friday“ habe ich bei elizzy entdeckt – und darum geht es:

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Dies sind die Schreibthemen für den Oktober

1) Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz: “Er wischte sich das Blut von den Händen und…” beginnt. +++ 2) Schreibe aus der Sicht eines Hexenbesens. +++ 3) Wovor fürchtest du dich am meisten? Erzähle uns davon. +++ 4) Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter ein: erdrosselt, vergraben, blutig, Schrei, Blutmond +++ 5) Das Böse herrscht – Egal ob Buch, Film oder Videospiel wer ist dein liebster Bösewicht und wieso? Könnte er auch gute Seiten an sich haben?

 

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Wovor ich mich fürchte

Eigentlich wollte ich nur meine Fantasie spielen lassen, aber ab und zu ist ein Ausflug in die Realität auch notwendig. In dem Film „ES“ müssen sich sieben Kinder ihren Ängsten stellen. Also, warum tue ich nicht das Gleiche und halte schriftlich fest, was mir Angst einjagt?

Angst vor großen Höhen, steilen Abhängen und bodenlosen Abgründen: Ausgelöst wurde sie durch den missglückten Versuch, als Anfängerin eine anspruchsvolle Skipiste hinunter zu gelangen. Vereiste Stellen und Geröll-Lawinen waren dabei noch das besondere Highlight bei diesem hoffnungslosen Fall. Angekommen bin ich, aber fragt lieber nicht, wie ich mich danach gefühlt habe. Seitdem graust es mir, wenn ich beim Wandern an eine Stelle komme, die eine Rückblende an dieses Erlebnis auslöst. Steile Rolltreppen, die sich plötzlich in Bewegung setzen, sind ein ähnlicher Horror für mich.

Angst vor großen Menschenansammlungen: Auslöser war ein Open-Air-Konzert. Mein Mann und ich wollten den Platz vor der großen Hauptbühne im Freien verlassen, nachdem das Konzert grade vorbei war. Leider kam uns eine genauso große Menschenmasse entgegen, die zum bevorstehenden Konzert im benachbarten Flugzeughangar wollten – und dann steckte ich genau zwischen beiden Mengen fest. Während ein heftiges Gewitter im Anmarsch war. Die Meldung von der Love-Parade-Katastrophe hat mir dann schließlich den Rest gegeben. 

Und – last but not least: Geräusche unbekannten Ursprungs, die von allem möglichen verursacht werden könnten, besonders im Dunkeln und in einer ländlichen Gegend: Wenn irgend etwas über das Dach meines Wochenendhäuschens tobt und ich an einen Einbrecher denke, es aber am Ende nur ein Waschbär gewesen ist… trotzdem ist mir bei diesem Erlebnis der A**** auf Grundeis gegangen. 

Dagegen bereiten mir schaurige Horrorfilme keine schlaflosen Nächte.

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# Writing Friday – Oktober, 43. Woche : Im Garten der Engel

 

Das Projekt „Writing Friday“ habe ich bei elizzy entdeckt – und darum geht es:

Jeden Freitag wird veröffentlicht. +++ Wählt aus einem der vorgegebenen Schreibthemen. +++ Schreibt eine Geschichte / ein Gedicht / ein paar Zeilen – egal, Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben. +++ Vergesst nicht, den Hashtag #Writing Friday und den Header zu verwenden, schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch. +++ Habt Spaß und versucht, voneinander zu lernen.

Dies sind die Schreibthemen für den Oktober

1) Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz: “Er wischte sich das Blut von den Händen und…” beginnt. +++ 2) Schreibe aus der Sicht eines Hexenbesens. +++ 3) Wovor fürchtest du dich am meisten? Erzähle uns davon. +++ 4) Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter ein: erdrosselt, vergraben, blutig, Schrei, Blutmond +++ 5) Das Böse herrscht – Egal ob Buch, Film oder Videospiel wer ist dein liebster Bösewicht und wieso? Könnte er auch gute Seiten an sich haben?

 

 

Bis ich den idealen Bösewicht gefunden hatte, musste etwas Zeit ins Land gehen, war doch zunächst eine Romanfigur für diese Rolle vorgesehen, doch als ich meine Aufnahmen vom abendlichen Berlin durchsah, hat es plötzlich Klick gemacht. Kein Mensch, sondern ein Engel – und er gehört der Spezies „weinende Engel“ aus der Science-Fiction-Serie „Doctor Who“ an. Ihre perfide Methode, Leute zu killen: Sie schicken ihre Opfer in die Vergangenheit zurück und ziehen ihre Energie aus der daraus entstehenden Zeitspanne, wobei ihnen das Schicksal ihres Opfers gleichgültig ist. „Nett“, nicht wahr? Aber was, wenn einer von ihnen nicht so ist wie die anderen und anderes im Sinn hat?

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Im Garten der Engel

Der Doktor sagte einst, die weinenden Engel seien die einzigen Psychopathen im Universum, die dich auf nette Weise töten. Bisher hatte ich seinen Worten nur wenig Bedeutung beigemessen. Dabei waren Zeitreisen und außerirdische Lebensformen seine Spezialgebiete, aber so richtig glauben konnte ich nicht, was er uns erzählte. Zeitreisen waren für mich schon von je her faszinierend, aber ich hatte sie immer für pure Fiktion gehalten, und als ich das Gegenteil erkannte, war ich völlig unvorbereitet. An Halloween. Mitten in der Nacht.

Tim, mein Retter aus dem Bogside hatte den Angreifer mit einem Schraubenschlüssel niedergeschlagen und ich ihm beim Fesseln mit Kabelbinder geholfen. Die Zeit auf der Wache zog wie ein Film vorbei, und ich war damit einverstanden, dass Tim mich nach Hause bringen wollte. Anstatt zu versuchen, mir näherzukommen, blieb er ganz gentlemanlike ein Stück hinter mir, für den Fall, dass noch jemand aus dem Hinterhalt angreifen wollte, wie er sagte. Das hielt ich für genauso wahrscheinlich wie den Blitz, der an derselben Stelle zweimal hintereinander einschlägt. Außerdem konnte schon allein deshalb nichts passieren, weil es auf dem Weg, der mir vertraut wie meine Westentasche war, keine heiklen Stellen gab, außer vielleicht dem Park, der bald auftauchen würde, und den konnten wir getrost links liegen lassen. Nur noch einen knappen Kilometer bis zu meiner Haustür. Dann sah ich das Plakat: NEU IN DER STADT – DER SKULPTURENGARTEN – 2. NOVEMBER FEIERLICHE ERÖFFNUNG.

Am Eingang zum Park schimmerte ein Absperrband im fahlen Licht. Das musste neu sein. Am Nachmittag war es noch nicht dagewesen. „Wow“, rief Tim aus, „das ist ja schon morgen.“ Irritiert blinzelte ich. Meinte er das jetzt wirklich ernst? Wir hatten gerade erst einen Verbrecher der Polizei ausgeliefert, und jetzt tat er so, als wäre nichts gewesen und wollte sich einen Haufen uninteressanter Statuen anschauen? „Warum gehen wir zwei da ni…..“ Ein Windstoß – dann kam nichts mehr. Dass Tim mitten im Satz aufhörte, gefiel mir gar nicht. Jetzt blinzelte ich nicht mehr irritiert, sondern vor Nervosität. Langsam drehte ich mich um und sah nichts. Wo eben noch Tim gestanden hatte, gähnte mich der leere Bürgersteig an. Mich schauderte. Keine Seele weit und breit. Nur ein paar letzte Nebelschwaden, die in den abgesperrten Park hinein krochen. Irgendwo heulte ein Kauz. Wie sich die Gänsehaut in Wellen über meinen Körper ausbreitete, konnte ich förmlich spüren. Gab es aus diesem Alptraum denn überhaupt kein Erwachen? Seufzend öffnete ich die Augen. Geändert hatte sich nichts. Jedenfalls glaubte ich das. Doch nur wenige Sekunden später registrierte ich eine Bewegung außerhalb meines Gesichtsfeldes und zwang mich, ihr mit den Augen zu folgen. Etwas hatte das Absperrband zum Schwingen gebracht und war in den Park gehuscht. In den Skulpturengarten. Wider besseres Wissen setzte ich zum Sprint an und hielt im letzten Moment inne. Stop, Lara, denk nach! Würde der Doktor einfach in einen Park voller Skultpuren hinein stürmen, ohne vorher die Lage zu sondieren? Natürlich nicht. Aber warum musste ich jetzt an den Doktor denken? Und warum klammerte sich mein Gedanke an „uninteressante Statuen“ so hartnäckig an meinen Hirnwindungen fest?

Ich holte tief Luft und spähte vorsichtig in den wogenden Nebel. Außer einer kleinen weißen Putte aus Marmor sah ich nichts. Schau genauer hin, Lara, gab ich mir innerlich einen Ruck. Dann sah ich, wie die Putte sich bewegte. Das konnte nur vom Schlafmangel kommen, denn der gaukelt Dir Dinge vor, die nicht existieren. Anstatt ruhig zu bleiben, blinzelte ich nur noch heftiger. Zwinker. Da – wieder! Die Putte hatte sich noch ein Stück bewegt. Blinzel… Und noch ein Stück. Jetzt wollte ich es wissen. Zwinker zwinker. Die Figur wackelte provozierend mit dem nackten Hintern und verschwand feixend im Nebel. So eine Frechheit – Dich krieg ich. Aber was, wenn da drinnen noch etwas schlimmeres auf mich wartete als dieser Fratz? Wollte ich dieses Risiko wirklich eingehen? Und noch während ich das Für und Wider abwägte, knirschte es hinter mir auf dem Bürgersteig, gefolgt von einem Stöhnen. Es war Tim, er saß auf dem Boden und sah aus, als ob er einen Geist gesehen hätte. „Lara“, stieß er zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor, wie spät ist es?“ Eine seltsame Frage – schließlich tickte an seinem Handgelenk eine Armbanduhr. Irgendetwas stimmte hier nicht. Erst verschwand er, und dann tauchte er wieder auf – und jetzt unsere Zifferblätter, die zwei verschiedene Uhrzeiten anzeigten: Ging es bei mir bereits auf zwei Uhr zu, ruckten bei ihm die Zeiger bei halb zwei auf der Stelle und kamen nicht vom Fleck. Die Zeit lief und doch wieder nicht, und noch während ich nach dem richtigen Teil für dieses Puzzle suchte, machte es plötzlich laut und deutlich Klick.

DON’T BLINK. Mit exakt diesen Worten hatte der Doktor uns vor den Statuen warnen wollen. DON’T EVEN BLINK AND YOU’RE DEAD. Statuen, die keine waren. Meistens tarnten sie sich als Engel. Oder Putten, wie in meinem Fall. Oder besser gesagt, Tims Fall. „Das Engelchen?“ flüsterte ich. Tims Nicken war Antwort genug. Diesen Wicht würde ich mir kaufen. Weit konnte er auf seinen kurzen Stummelbeinchen kaum gekommen sein. THEY ARE FAST. FASTER THAN YOU EVER BELIEVE. – Was auch geschieht, schärfte ich Tim ein, auf keinen Fall blinzeln! „DON’T TURN YOUR BACK. DON’T TURN AWAY AND DON’T BLINK – Wenn Du etwas Spiegelndes dabei hast, umso besser. Wenn so eine Fratze sich selbst erblickt, erstarrt sie zu Stein, und Du bist sicher.“ Damit war ich aber noch lange nicht aus dem Schneider. Aber ich wusste, was ich zu tun hatte: Das Smartphone auf Selfiemodus stellen, und wenn Dich dieser Knirps auch anspringen will, so wie bei Tim, dann strecktst Du ihm das Phone entgegen, und er darf in seine eigene Visage starren. Dann bist Du Geschichte, mein Engel! So weit die Theorie. Was ich nicht bedacht hatte, war das, was mich im Park erwartete. 

Glasskultpuren, funkelnd wie Eis… aus Holz geschnitzte Fabelwesen… Bronzestatuen… alle gefertigt von unterschiedlichen Künstlern, und mittendrin „Der Kuss“ von Auguste Rodin. Dargestellt waren Paolo Malatesta und seine Schwägerin Francesca da Rimini, in einer leidenschaftlichen Umarmung vereint. Ein verbotener Kuss, der in dieser Nacht nicht von dieser Welt schien. Niemals war das ein echter Rodin, das sinnliche Kunstwerk war viel zu kostbar, um in unserem Park Wind und Wetter ausgesetzt zu werden. Eine Fälschung bist Du aber auch nicht… eher eine von dem Meister inspirierte Kopie, die… Verdammt: Ein Windstoß wirbelte Sand und trockenes Laub auf, und ich kniff die Augen zu, um von dem Schmutz verschont zu bleiben. Böser Fehler. Irgendwo in der Nähe erklang ein leises Kichern wie von dem eines kleinen Kindes, und noch im selben Augenblick trennten sich Paolos Lippen von denen Francescas, er hob den Kopf und sah mir direkt in die Augen. Francesca sank reglos zu Boden, Paolo stieg über sie hinweg und kam langsam auf mich zu, ohne seine Blicke von meinen zu lösen. Dann ergriff er meine Hand und zog mich an sich. Das Smartphone in meiner Hand war nutzlos geworden, denn ich konnte mich seinem Kuss nicht entziehen – er ging mir durch und durch, brachte mein Herz zum Glühen und schickte mich gleichzeitig in ein eisiges Dunkel. Klar und deutlich konnte ich seine wohltönende Stimme hören. „Mia cara. Danke, dass Du mich befreit hast. Endlich hat diese Liaison ein Ende, und auf uns wartet…“

Was auf uns wartete, bekam ich nicht mehr mit, aber ich konnte zwei Männer in Overalls sehen, wie sie damit begannen, das Plakat für den Skulpturengarten auf einer Tafel aus Holz zu befestigen. Viel Zeit war nicht vergangen, ich konnte also immer noch Tim davor bewahren, von dem Engelchen aus Marmor erneut durch die Zeit geschickt zu werden. Kaum war ich wieder auf den Beinen, stand auch schon wieder Paolo vor mir. „Ich musste Dich wiedersehen. Lass mich Dir meine Liebe beweisen, indem ich…“ – Und wieder wurde ich in die Vergangenheit versetzt, diesmal noch weiter zurück. Und bei jeder weiteren Runde durch die Zeitschleife wurde ein neues Stück dieses Rätsels enthüllt.

Inzwischen weiß ich, dass Paolo aus der Art geschlagen ist und seine Energie nicht daraus zieht, dass er mich in längst vergangene Zeiten schickt, sondern durch allein unsere Berührungen, die nicht mehr flüchtig sind und nun länger andauern als zu Beginn. Warum sollte er mich um Jahrzehnte in die Vergangenheit zurückschicken, wenn wesentlich kürzere Zeitspannen dazu geeignet sind, dass wir und öfter wieder begegenen? Lieber viele kurze Zeithappen als nur einen einzigen riesigen Bissen… Da bekommt das Sprichwort „Liebe geht durch den Magen“ eine ganz neue Bedeutung.

Inzwischen freue ich mich sogar auf unsere nächste Begegnung die leider aber erst in drei Monaten sein wird. Sollte mich der Doktor eines Tages fragen, was ich von Zeitreisen halte, dann werde ich ihm antworten, dass ich sie gar nicht so übel finde. Ich meine, wann bekommt man sonst die Gelegenheit, in der Vergangenheit an gewissen Stellschrauben zu drehen und Einfluss auf die Zukunft zu nehmen? Und Paolo ist der beste Beweis, dass nicht alle Weinenden Engel die einsamsten Kreaturen des Universums bleiben müssen und schon gar nicht alle böse sind.

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Kurze Anmerkung zum Schluss: Vermutlich heißt mein Engel gar nicht Paolo, aber da niemand seinen wahren Namen kennt, wird er damit leben müssen. Mit diesem außergewöhnlich langen Gruselmärchen in mehr als 1400 Wörtern als Spin-Off zur britischen Science-Fiction-Serie „Doctor Who“ schließe ich den Monat Oktober ab.

 

 

 

 

# Writing Friday – Oktober, 42. Woche : Do it yourself!

 

Das Projekt „Writing Friday“ habe ich bei elizzy entdeckt – und darum geht es:

Jeden Freitag wird veröffentlicht. +++ Wählt aus einem der vorgegebenen Schreibthemen. +++ Schreibt eine Geschichte / ein Gedicht / ein paar Zeilen – egal, Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben. +++ Vergesst nicht, den Hashtag #Writing Friday und den Header zu verwenden, schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch. +++ Habt Spaß und versucht, voneinander zu lernen.

Dies sind die Schreibthemen für den Oktober

1) Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz: “Er wischte sich das Blut von den Händen und…” beginnt. +++2) Schreibe aus der Sicht eines Hexenbesens. +++ 3) Wovor fürchtest du dich am meisten? Erzähle uns davon. +++ 4) Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter ein: erdrosselt, vergraben, blutig, Schrei, Blutmond +++ 5) Das Böse herrscht – Egal ob Buch, Film oder Videospiel wer ist dein liebster Bösewicht und wieso? Könnte er auch gute Seiten an sich haben?

Nachdem es mit den Betrachtungen eines Hexenbesens etwas ruhiger zuging, geht es heute weiter mit dem Mann mit den blutigen Händen. Doch nicht immer ist alles so, wie es scheint.

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Do it yourself!

Er wischte sich das Blut von den Händen und verschwendete keinen Gedanken daran, dass er jetzt aussah wie ein Schwein. Auch der Schraubenschlüssel, mit dem er den Typen außer Gefecht gesetzt und den er unmittelbar nach dem entscheidenden Schlag fallengelassen hatte, war ihm egal. Nur eines zählte: Dass er gerade noch rechtzeitig aufgetaucht war, um seiner Zufallsbekanntschaft beizustehen. Nicht zum ersten Mal hatte sich seine Vorahnung als richtig herausgestellt…

Natürlich war das Mädchen von neulich nicht identisch mit der Studentin auf dem Zeitungsfoto. Dennoch hatte ihn die starke Ähnlichkeit zunächst zweifeln lassen. Ein Anruf bei Chris hatte ihn schließlich davon überzeugt, dass es ihr gutging: Sein bester Freund hatte an Julia ein winziges Zimmerchen über seiner Werkstatt vermietet und sie an den Apparat geholt, damit sie persönlich mit Tim sprechen konnte. Was hatte ihn bloß geritten, einer völlig Fremden so einen Blödsinn zu erzählen? Von wegen sich vorzustellen, dass sie neulich noch neben ihm an der Bar gesessen hatte. Drei Guinness, Tim, und Du bist nicht mehr zurechnungsfähig. Punkten hatte er bei ihr mit seiner Schauergeschichte nicht können, so schnell, wie sie den Schein auf den Tresen geknallt und das Bogside fluchtartig verlassen hatte. Wohl war ihm dabei nicht. Eine so attraktive Frau zu verscheuchen, war eine neue Erfahrung für ihn, und nun regte sich das schlechte Gewissen. Sie völlig unnötig in Angst und Schrecken zu versetzen, noch bevor sie nähere Bekanntschaft schließen oder sich wenigstens einander vorstellen konnten. Jetzt bloß schnell hinterher, hatte sie doch einen Vorsprung von mehreren Minuten. Minuten, in denen alles passieren konnte.

Obwohl der Nebel zurückging, konnte er zunächst nur ihre Schritte hören, sie aber nicht sehen. Dafür aber den Schatten, der wie aus dem Nichts gekommen war und sich zwischen ihn und Lara geschoben hatte. Ein Schatten mit Armen wie Tentakel, die sich nach seinem Opfer ausstreckten; unnatürlich lange Tentakel, durch das Zwielicht grotesk verzerrt, mit Fingern so dürr wie Spinnenbeine, und sie legten sich in Zeitlupe um ihren Hals. Warum schrie sie nicht? Merkte sie denn nicht, dass sie in Lebensgefahr schwebte? Er wusste nur eines: Wenn er nicht umgehend handelte, dann würde es für sie zu spät sein. In seinem Rucksack bollerte der Schraubenschlüssel bei jedem Schritt, den er vorwärts hastete. Gleich würde er nicht mehr bollern.

Lara konnte ihr Glück kaum fassen: Gerade noch hatten sich zwei Hände von hinten um ihren Hals gelegt und zugedrückt, und nun erschlafften sie plötzlich und ließen von ihr ab. Plopp! Der Film, den sie zu sehen erwartet hatte und ihr Leben im Zeitraffer an ihr vorbeischicken sollte, er blieb aus, denn wer auch immer sie hinterrücks überfallen hatte, ging mit einem dumpfen Geräusch zu Boden. Danach Grabesstille. Erstarrt und wie eingefroren stand Lara da. Eine Statue im fahlen Mondlicht. Die eisige Stille machte es ihr unmöglich, auch nur einen Gedanken zu fassen. Es war vorbei, und sie lebte. Ein Leben gegen ein Leben – ihres gegen seines.

Schön wär’s. Der Kerl atmete noch. Ihr Nachbar vom Tresen mit der beschmierten Jeans beugte sich über ihn. Ihr Retter. Und nun fühlte er ihrem Angreifer den Puls. Geschieht dem Schwein recht. Hoffentlich hatte Crocodile Dundee ihm ordentlich weh getan. Rühren konnte der andere sich jedenfalls nicht mehr. Gut so. Der Schraubenschlüssel aus Tims Rucksack hatte ganze Arbeit geleistet. Sein Besitzer natürlich auch. Ob er noch mehr Werkzeug mit sich herumschleppte? Zugetraut hätte sie es ihm. Nur zwei Schritte, dann war sie bei ihm. Mal einen unauffälligen Blick in seinen halb offenen Rucksack zu werfen, musste doch drin sein, und wenn er nicht ganz so unauffällig war, was konnte sein Besitzer schon dagegen haben. Die Gestalt auf dem Boden rührte sich und stöhnte leise vor sich hin. Schnell, tu was. Aber was? Und noch im selben Moment griff Tim wie sie auch, nach dem Rucksack. Zwei Dumme, ein Gedanke – und der Inhalt kullerte über den Bordstein auf die Fahrbahn. Hey, Tim hatte nicht nur einen Satz Schraubenschlüssel dabei, sondern auch eine Dose Ballistol und, was für ein glücklicher Zufall, Kabelbinder. Zwei Dumme, ein Gedanke? O ja, ein KO-geschlagener Möchtegern-Killer, ein Satz Kabelbinder und ein Verkehrsschild – und sie waren zu zweit gegen einen, für den der Abend jetzt nur noch eines in petto haben würde: eine Privatfestsetzung, bis die Polizei eintraf und sich um alles weitere kümmerte.

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Dies war der dritte Teil des literarischen Horrorctobers, der nicht ganz so gruselig verlaufen ist, wie ich es mir zu Beginn des Monats vorgenommen hatte.

 

 

 

# Writing Friday – Oktober, 41. Woche : La mia signorina – edizione rossa

 

Das Projekt „Writing Friday“ habe ich bei elizzy entdeckt – und darum geht es:

Jeden Freitag wird veröffentlicht. +++ Wählt aus einem der vorgegebenen Schreibthemen. +++ Schreibt eine Geschichte / ein Gedicht / ein paar Zeilen – egal, Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben. +++ Vergesst nicht, den Hashtag #Writing Friday und den Header zu verwenden, schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch. +++ Habt Spaß und versucht, voneinander zu lernen.

 

Dies sind die Schreibthemen für den Oktober

1) Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz: “Er wischte sich das Blut von den Händen und…” beginnt. +++ 2) Schreibe aus der Sicht eines Hexenbesens. +++ 3) Wovor fürchtest du dich am meisten? Erzähle uns davon. +++ 4) Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter ein: erdrosselt, vergraben, blutig, Schrei, Blutmond +++ 5) Das Böse herrscht – Egal ob Buch, Film oder Videospiel wer ist dein liebster Bösewicht und wieso? Könnte er auch gute Seiten an sich haben?

Nach meinem gruseligen Einstieg in den Oktober darf es heute etwas ruhiger zugehen. Sonst stehen ja immer nur die Hexen im Mittelpunkt von Märchen und Fantasyerzählungen. Aber was wäre eine Hexe ohne ihren Besen? Heute darf Carolina Contis Besen auch einmal zu Wort kommen.

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La mia signorina – edizione rossa

Heute ist die Nacht der Nächte. Einmal im Jahr versammeln sich unsere Herrinnen und Herren Anfang Mai an einem geheimen Ort, und dieses Jahr steht das Treffen unter dem Motto „Strega 3000 – mit der Kraft der Gedanken die Welt verändern“. Erst im letzten Moment hat mich Signorina Conti aus der Garage geholt. Ja, Sie haben richtig gelesen. Carolina Conti ist sehr stilbewusst. Eine schnöde Besenkammer für mich kam für sie gar nicht erst in Frage. Schließlich stellt man einen Ferrari ja auch nicht unter einem zugigen Carport ab. Und weil meine Herrin sehr auf ein angemessenes Äußeres hält, hat sie mit der Auswahl ihrer Kleidung eben länger gebraucht. Aber das Ergebnis kann sich sehenlassen: Nur die weicheste Seide und das feinste Leder hat sie sich für den festlichen Anlass zurechtgezaubert. Wie angegossen auf ihre Kurven geschneidert, in hinreißendem Ferrarirot. Diese Farbe hat sie auch mir verpasst, was ich zuerst merkwürdig fand, aber dann fand ich es auch irgendwie cool. Heutzutage achten ja immer weniger auf ihr Äußeres, und niemand nimmt sich mehr die Zeit, sich für den besonderen Anlass ordentlich herauszuputzen. Dennoch… wer hat schon jemals von Hexen beziehungsweise Hexern und ihren Besen im Partnerlook gehört?

Die zwölf, die vor der Ruine des Amphitheaters abgestellt worden sind, jedenfalls nicht. Da lehnt sie lässig an einer Wand – die ganze graue, braune und schwarze Schar, eine einheitliche und unauffällige Masse, während sich drinnen die hohen Herrschaften eingefunden haben, um zu dreizehnt die ganze Nacht hindurch einen Zauber zu wirken, der sie ihrem Ziel ein Stück näherbringen soll. Was da drin vor sich geht, wird uns verborgen bleiben, wir gehören ja nur zum Personal. Aber selbst wenn einer von uns etwas wüsste, würde er es niemandem verraten, denn wir alle haben uns zu absolutem Stillschweigen verpflichtet. Allerdings können sie nicht wissen, dass ich meine Herrin seit Jahren durch und durch kenne und daher auch ihre Pläne für diese Nacht. Schließlich hat sich Carolina Conti nicht ohne Grund in eine besonders aufregende Hülle gekleidet, und dass sie in gewisser Weise der jungen Monica Bellucci ähnelt, wird gewiss den ein oder anderen Anwesenden betören.

Aber nun wird es Zeit für mich, ein wenig Ruhe zu finden, denn wenn die Nacht vorüber ist, muss ich ausgeruht sein für den langen Weg nach Hause oder wohin auch immer.

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Dies war Teil Zwei des literarischen Horrorctobers. Was als nächstes kommt? Lassen wir uns überraschen.

 

# Writing Friday – Oktober, 40. Woche : The Killing Moon

 

Das Projekt „Writing Friday“ habe ich bei elizzy entdeckt – und darum geht es:

Jeden Freitag wird veröffentlicht. +++ Wählt aus einem der vorgegebenen Schreibthemen. +++ Schreibt eine Geschichte / ein Gedicht / ein paar Zeilen – egal, Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben. +++ Vergesst nicht, den Hashtag #Writing Friday und den Header zu verwenden, schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch. +++ Habt Spaß und versucht, voneinander zu lernen.

Dies sind die Schreibthemen für den Oktober

1) Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz: “Er wischte sich das Blut von den Händen und…” beginnt. +++ 2) Schreibe aus der Sicht eines Hexenbesens.   +++   3) Wovor fürchtest du dich am meisten? Erzähle uns davon.   +++   4) Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter ein: erdrosselt, vergraben, blutig, Schrei, Blutmond +++    5) Das Böse herrscht – Egal ob Buch, Film oder Videospiel wer ist dein liebster Bösewicht und wieso? Könnte er auch gute Seiten an sich haben?

Diesen Monat geht es gruselig zu. Da brauche ich keine Horrorfilme – denn beim Writing Friday dürfen wir heute mal so richtige Schauergeschichten erzählen. Ich eröffne meinen literarischen Horrorctober mit einer Geschichte, die die vorgegebenen Wörter in blutigem Rot enthält.

 

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The killing moon

Freunde der Nacht, ich hab euch etwas mitgebracht…,“ stoppte plötzlich das vor sich hin plätschernde Radioprogramm. Plötzlich war Lara hellwach. Endlich Action, dachte sie und horchte auf. Was jetzt wohl kommen würde? Gespannt legte sie ihr Messer aus der Hand. „Macht euch bereit, denn morgen ist es soweit…“ – dramatischer Trommelwirbel – „… morgen ist Halloween – dann ist Blutmond! Und damit ihr in Stimmung kommt, gibt’s den passenden Song dazu: ‚The Killing Moon‘ von Echo & The Bunnymen.“

Na super,  stöhnte sie, sind wir hier wieder in den Achtzigern oder bei American Horror Story, wo eine gestörte Metzgerin ihr Unwesen treibt und die Erde mit dem Blut ihrer Opfer tränkt? Schauder! Das hatte sie nun davon, dass sie ihrem Bruder bei so einem Film Gesellschaft leistete, und das nicht zum ersten Mal, seitdem Julia weg war. Seufzend machte sie weiter mit dem Schneiden der Steaks, die noch auf ihr vierundzwanzigstündiges Bad in der Marinade warteten – auf Wunsch von Lukas, für seinen Grillabend an Halloween. Steaks, so blutig, dass man ihr Muhen noch hörte. Muhaha, der Witz war alt und hatte einen ellenlangen Bart, aber schön, dass Lukas inzwischen wieder so etwas wie Humor aufbrachte und jetzt sogar eine Party feierte, nachdem er sich tagelang in seiner Bude vergraben hatte. Und alles nur, weil er sich mit Julia gestritten hatte. Danach hatte niemand mehr etwas von ihr gehört. Gut so. Wenn es nach Lara ging, brauchte diese Tussi nie mehr wiederzukommen. Lukas war ohne sie so viel besser dran. So, jetzt noch die Barbecuesauce anrühren und über Nacht kalt stellen. Ihren Teil der Vorbereitungen hatte sie getan, und sie konnte beruhigt nach Hause gehen. Als sie die Tür hinter sich zuzog, war der Mond gerade erst aufgegangen und hing wie ein goldenes Ei tief über dem Horizont, inmitten von Nebelschwaden.

Nebel. Überall nur Nebel, und er wurde stetig dichter. Lange würde es nicht mehr dauern, bis sie ihre eigenen Hände nicht mehr sehen konnte. Orientierungslos durch diese Suppe zu irren, war nicht das, was sie sich für ihren Heimweg vorgestellt hatte. Geigenklänge und das schrille Pfeifen einer Flöte waberten auf sie zu, und jemand spielte Schlagzeug. Das Bogside musste sich ganz in der Nähe befinden, wenigstens ein Anhaltspunkt, wo sie sich befand. Aber wohin danach? Lara gefiel die Aussicht, die richtige Abzweigung zu verpassen, gar nicht. Was konnte es schon schaden, wenn sie einen Zwischenstopp in dem irischen Pub einlegte?

Offenbar war sie nicht die einzige mit dieser Idee gewesen. So voll wie beim Berlin-Marathon war es zwar nicht, aber außer zwei leeren Hockern an der Bar waren keine Plätze mehr frei. Unentschlossen ließ Lara ihre Blicke von rechts nach links wandern. Wenn sie nicht stehen wollte, sollte sie sich bald für einen davon entscheiden – die Wahl zwischen Pest und Cholera: Der Typ im speckigen Mantel auf der rechten Seite hatte das Stadium der Nüchternheit schon lange hinter sich gelassen. Wenn sie sich neben ihm platzierte, lief sie entweder Gefahr, von seinen Ausdünstungen ins Koma geschickt oder endlos zugetextet zu werden – etwas, das ihr aber auch von der anderen Seite blühen konnte. Sie kannte Tim nur flüchtig aus dem Fitnessstudio, wo man ihm den Spitznamen Crocodile Dundee verpasst hatte, weil er stets diesen komischen Hut trug, der ihrer Meinung nach schon seit Jahren out war. Manche Leute bleiben wohl für immer in den Achtzigern stecken, dachte sie, da sah sie die Zeitung auf dem Tresen liegen – ihr Rettungsanker. Wenn sie sich nur intensiv genug der Lektüre widmete, merkte Tim vielleicht, dass seine Sprüche bei ihr auf taube Ohren stießen.

The Devil’s Party“ sprang ihr die Titelzeile marktschreierisch entgegen. „Mord an der Uni. Studentin mit Seidenschal erdrosselt.“ Der unbekannte Serientäter hatte wieder zugeschlagen, diesmal auf dem Campus, in der Nähe einer Party. Wie überaus zuvorkommend, das grausige Geschehen so detailliert zu beschreiben, da fühlte man sich doch gleich viel sicherer. Sarkasmus war Laras Spezialität. Darin war sie Profi, besonders nach dem Hinweis auf den Blutmond zu Halloween. Untermalt von dem Song, der nach der Meinung des Radiofritzen der einzig richtige war und an dem heute alle Welt einen Narren gefressen hatte. Und der jetzt schon wieder lief. Jetzt gab auch noch Tim seinen Senf dazu: „Die Story bringen sie heute schon den ganzen Abend.“

Sie hätte wissen müssen, dass die Zeitung für ihn kein Hindernis, sondern eine Aufforderung darstellte. „Pardon?“ Lara musterte ihn über ihre Brille hinweg. Eine beiläufige Handbewegung von ihrem Gegenüber, in Richtung Fernseher oben unter der Decke erklärte alles. „n-tv… seit ich hier sitze, läuft die Geschichte schon zum dritten Mal. Und die Musik macht’s auch nicht besser.“

The killing moon?“ kam es von Lara zurück. Okay, diese rhetorische Frage hätte sie sich sparen können. Stating the Obvious… Lara, Du hast auch schon intelligenteren Output geliefert. Aber Tim schien der Blödsinn, den sie verzapfte, gar nicht aufzufallen. Er widmete sich lieber dem reißerischen Zeitungsartikel. „Das ist jetzt schon die fünfte Tote seit Ostern, und immer erwischt es sie auf die gleiche Art.“

Lara hatte sich mit der Geschichte nicht näher beschäftigt, aber dass hier ein Serienmörder am Werk war, lag für sie klar auf der Hand, so wie für die meisten – jetzt fehlte nur noch, dass sich der Unbekannte stets den gleichen Typ ausgesucht hatte… jung, blond, hübsch. Doch als Tim mit dem Zeigefinger auf das unscharfe Foto tippte und ihr die Zeitung unter die Nase schob, spürte sie, wie sich die feinen Härchen in ihrem Nacken aufrichteten. „Vielleicht geht es ja nur mir so, aber ist es nicht auffällig, dass jeder von diesen Morden in einen bestimmten Zeitraum fällt?“

Entgeistert starrte Lara ihn an. So langsam wurde ihr mulmig. Warum hatte sie sich bloß neben Crocodile Dundee gesetzt? Schauergeschichten waren das letzte, das sie hören wollte, aber ihr Nachbar dachte gar nicht daran, aufzuhören: „Opfer Nummer Eins haben sie Anfang Mai in der Gärtnerei gefunden, stranguliert mit einem Stück Blumendraht. Sechs Wochen später die Nächste. Beim Gassigehen. Mit ’ner Hundeleine. Und bei den letzten beiden Morden….“ – Dass sich beide Dramen, jedes im Abstand von sechs Wochen, ereignet hatten, bekam Lara zwar noch mit, aber den Rest blendete sie mit Absicht aus. Ihr reichte es schon, dass ein Irrer anscheinend nach dem keltischen Jahreskreis mordete, aber auf welche Weise genau diese armen Frauen zu Tode gekommen waren, wollte sie gar nicht wissen.

Doch Tims Stimme ließ sich einfach nicht wegfiltern, da half auch kein Scotch, und was er sagte, gab ihr den Rest. „Und jetzt, zu Halloween, sie hier. Allein, mir vorzustellen, dass sie vielleicht neulich noch hier war und neben mir gesessen hat…“ Kaum hatte er seinen Monolog abgebrochen und seine Hand die Zeitung freigegeben, verstummte auch die Musik. Und im selben Moment, da sie sich das Foto endlich genauer ansehen konnte, durchfuhr es sie in der plötzlich eingetretenen Stille wie ein eiskalter Windstoß: Die Studentin auf dem Foto sah Julia verblüffend ähnlich. Julia, die wie vom Erdboden verschluckt war. Hatte sie sich nicht vorhin noch gewünscht, dass die Ex ihres Bruders bleiben könne, wo der Pfeffer wächst, und jetzt war diese Vorstellung womöglich real geworden? Lara fühlte sich vor den Kopf geschlagen und hatte nur noch einen Wunsch: Weg von hier und auf direktem Weg nach Hause. Ohne sich weiter um ihren linken Nachbarn zu kümmern, zog sie einen Schein aus der Tasche und warf ihn auf den Tresen. Dann verließ sie das Bogside.

Was für ein gruseliger Abend. Beinahe Vollmond. Dabei war Halloween doch erst in ein paar Stunden. Sie fröstelte noch immer, und daran war nicht die kühle, klamme Feuchtigkeit schuld, die der sich verziehende Nebel zurückgelassen hatte. Getrieben von Unwohlsein, schritt sie zügig voran und nahm erst wenig später wahr, dass ihr jemand folgte. Oh nein, nicht auch noch das. Sie war noch nie besonders ängstlich gewesen, aber nach diesem Abend lagen ihre Nerven blank. Sie beschleunigte ihre Schritte, die unbekannte Person hinter ihr auch. Noch schneller. Ging nicht. Sie war schon am obersten Limit, mehr gaben ihre Lungen und ihre Beine nicht her. Es reichte nicht. Wer ihr da auch immer folgte, gleich hatte er sie eingeholt.

Zwei Hände legten sich von hinten um ihren Hals. Laras Schrei erstarb auf ihren Lippen.

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Teil Eins des literarischen Horrorctobers wäre vollendet. Mit mehr als 1300 Wörtern ist er ganz schön lang geworden – ob meine restlichen Beiträge auch so ausufern?

 

 

 

 

 

 

 

 

# Writing Friday – September, 39. Woche

 

Das Projekt „Writing Friday“ habe ich bei elizzy entdeckt – und darum geht es:

Jeden Freitag wird veröffentlicht. +++ Wählt aus einem der vorgegebenen Schreibthemen. +++ Schreibt eine Geschichte / ein Gedicht / ein paar Zeilen – egal, Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben. +++ Vergesst nicht, den Hashtag #Writing Friday und den Header zu verwenden, schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch. +++ Habt Spaß und versucht, voneinander zu lernen.

Dies sind die Schreibthemen für den September

1) Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz: “Sie war tatsächlich zu einer Elfe geworden und das obwohl….” beginnt. +++ 2) Schreibe aus der Sicht von Dornröschen, die über 100 Jahre lang geschlafen hat und im Jahr 2019 wieder erwacht. +++ 3) Clarissa ist 18 Jahre alt und lebt im Jahr 2119 in einer Untergrundorganisation in London. Gegen was setzt sie sich mit den anderen Mitglieder ein? +++ 4) Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter ein: Zaubertrank, entdeckt, Bergkette, verborgen, Sternenhimmel +++ 5) Erzähle von einem Wolfsrudel, welcher Wolf wärst du? Was wäre deine Aufgabe im Rudel?

Manche Vierbeiner kommen in Märchen selten gut weg. Eine solche Figur ist der Wolf. Aber jeder hat mal klein angefangen.

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Romy

Wo ist meine Mami? Ich will zu meiner Mami. Jaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaauuuuuuuul! Ich bin noch klein, aber heulen kann ich schon wie ein Großer. Kaum bin ich raus aus der Kiste, in der man mich hierher transportiert hat, greifen auch schon zwei riesige Pranken nach mir. Huch! Nein! Lass mich los, du Monster! Zu spät – aua, ein Pieks, und schon wird es wieder dunkel.

Och Menno. Die Stelle, wo mich diese Gestalt gepiekt hat, juckt wie Hulle, und macht mich wahnsinnig. Aber bewegen geht auch nicht so richtig, irgendwie fühlt sich das alles komisch an, und drehen tut sich auch alles. Taumel… Jetzt legen sie mich auf einen harten, kalten Untergrund. Wiegen wollen sie mich. Und füttern. Dem komischen Dings, das auf mich zukommt, traue ich nicht. Am Ende drücken sie wieder auf einen Knopf, dann klackert es, und am Schluss kommt wieder so ein greller Blitz raus, dass mir Hören und Sehen vergeht.

Aber was ist das? Diesmal verschonen sie mich: Meinen sie es vielleicht doch gut? Ganz geheuer ist mir das hier noch nicht. Hm. Aber vielleicht ist so ein Fläschchen doch gar nicht so übel. Und was für einen Hunger ich habe, merke ich auch erst jetzt. Dann schleppen sie mich an einen anderen Ort. Da ist es schön warm und kuschelig, und ich schlafe auf der Stelle ein.

Als ich aufwache, bin ich woanders. Angeschmiegt an ein weiches Fell. Das war vorher noch nicht da. Es atmet. Bist du meine Mami? Ich öffne die Augen. Nein, doch nicht. Es ist zum Heulen…. Aber was sehe ich da? Das da drüben auf dem Plakat bin ja ich. In riesengroß sehe ich mich selbst. Nur habe ich da zusammengekniffene Augen. Na klar, wegen dem Blitz. Wenn ich nur wüsste, wozu das gut sein soll. Und warum drängen sich hier vorm Zaun so viele zweibeinige Gestalten? Wollen die etwa alle mich und meine neue Mami sehen?

Bleib liegen und rühr dich nicht“, flüstert mir meine neue Mami zu. „Ich habe sie genau beobachtet. Sie mögen uns nicht, aber Tierbabys ziehen immer, und sobald ein Junges auf die Welt kommt, setzt der Verstand aus.“ Also bleibe ich liegen und tue so, als ob ich schlafe. Macht meine neue Mami, die Lady heißt, übrigens auch. Wie schlau von ihr. Aber sie verrät mir noch mehr. Dass sie mich Romy genannt haben. So wie das Kind, das von einer Wölfin aufgezogen wurde. Aber mich haben sie Lady untergeschoben und keinem Menschenbaby… und Lady hat mich angenommen. Diese Sensation muss natürlich gefeiert werden.

Noch nie hatte der Tierpark so viele Besucher. Anscheinend bin ich der Magnet, der sie alle anzieht. Aber irgendwann ist dieser Zirkus auch vorbei. Spätestens dann, wenn sie etwas neues gefunden haben, das man feiern kann.

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und irgendwann ist der Kleine groß und dann hoffentlich Teil eines passenden Rudels.

# Writing Friday – September, 38. Woche

 

Das Projekt „Writing Friday“ habe ich bei elizzy entdeckt – und darum geht es:

Jeden Freitag wird veröffentlicht. +++ Wählt aus einem der vorgegebenen Schreibthemen. +++ Schreibt eine Geschichte / ein Gedicht / ein paar Zeilen – egal, Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben. +++ Vergesst nicht, den Hashtag #Writing Friday und den Header zu verwenden, schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch. +++ Habt Spaß und versucht, voneinander zu lernen.

 

Dies sind die Schreibthemen für den September

1) Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz: “Sie war tatsächlich zu einer Elfe geworden und das obwohl….” beginnt. +++ 2) Schreibe aus der Sicht von Dornröschen, die über 100 Jahre lang geschlafen hat und im Jahr 2019 wieder erwacht. +++ 3) Clarissa ist 18 Jahre alt und lebt im Jahr 2119 in einer Untergrundorganisation in London. Gegen was setzt sie sich mit den anderen Mitglieder ein? +++ 4) Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter ein: Zaubertrank, entdeckt, Bergkette, verborgen, Sternenhimmel +++ 5) Erzähle von einem Wolfsrudel, welcher Wolf wärst du? Was wäre deine Aufgabe im Rudel?

 

Weibliche Märchenfiguren stehen hoch im Kurs – heute hat Dornröschen ihren Tag. Dieser eine Tag im Leben von Rosie Thorne, der alles veränderte…

 

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Hundert Jahre sind ein Tag

My Stars! Wie bin ich denn vom Speicher in dieses Bett gekommen? Alles so weiß hier: die Wände, die Möbel, sogar die Leute sind weiß gekleidet… Sie kommen herein und reden miteinander über meinen Kopf hinweg, als wäre ich nicht da. Ab und zu beugt sich jemand über mich und fummelt an dem Pflaster herum, das auf meinem Oberarm klebt. Den Jungen in Grün, den ich als erstes erblickt habe, nachdem ich wach geworden bin, habe ich nicht mehr wiedergesehen. Dass seine Lippen meine berührt haben, muss ich wohl geträumt haben.

Ein medizinisches Wunder sagen sie über mich – so lange, wie ich weg gewesen bin, und eigentlich müssten nach der langen Zeit meine Muskeln abgebaut haben. Anscheinend hatte ich gute Pfleger. Nach der langen Zeit? Hm, schon möglich – aber jetzt wüsste ich doch gerne, wie lange das gewesen sein soll. Dass ich zuletzt auf dem Speicher altes Gerümpel auseinander sortiert habe, weiß ich noch ganz genau. Das Zeug haben wir von Tante Fee geerbt, und das meiste davon ist wertloser Plunder. Und weil wir uns die teuren Kohlen nicht leisten können, hatte Papa die Idee, dass wir alles, was aus Holz ist, im Kamin verbrennen können. Bilderrahmen und Kisten zum Beispiel. Und ein altes Spinnrad aus dem hintersten Winkel. Handschuhe hätte ich mir anziehen sollen, dann hätte ich mich an dem blöden Ding auch nicht verletzt. Das kommt davon, wenn man bei schummrigem Licht einfach irgendwo herumwühlt und ohne nachzudenken zupackt. Dämliche Spindel, dämliche…

Ein medizinisches Wunder, sagen sie. Papa und Mama sind auch hier, aber noch dürfen sie nicht zu mir. Und ich nicht zu ihnen. Dass die Leute in Weiß Ärzte sind und sie vorher noch unbedingt mit uns reden wollen, habe ich inzwischen auch begriffen. Aber was sie mir wohl so wichtiges mitteilen möchten? Den netten Jungen in Grün, der mich aufgeweckt hat, kann ich ja leider nicht mehr fragen, denn den haben sie beurlaubt – wahrscheinlich für immer, wegen der Aktion mit dem Kuss. Auch wenn es sich um ein Wachküssen handelte – aber Prinzip ist Prinzip. Bewusstlose Patientinnen auszunutzen, verstößt eindeutig gegen alle Regeln. Denk nicht darüber nach, Rosie Thorne, haben sie gesagt; bereite dich lieber darauf vor, dass sich so einiges verändert hat, in hundert Jahren.

Äh, in hundert Jahren? Der Krieg ist gerade mal ein Jahr vorbei, und schwupps, wache ich im neuen Jahrtausend auf? Hundert Jahre? Ich glaube, ich will gar nicht wissen, was seitdem alles passiert ist – bitte lasst mich wieder einschlafen und nie wieder aufwachen…

♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦

und sie erwachte nimmermehr.

# Writing Friday – September, 36. Woche

 

Das Projekt „Writing Friday“ habe ich bei elizzy entdeckt – und darum geht es:

Jeden Freitag wird veröffentlicht.   +++   Wählt aus einem der vorgegebenen Schreibthemen.   +++   Schreibt eine Geschichte / ein Gedicht / ein paar Zeilen – egal, Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben.   +++   Vergesst nicht, den Hashtag #Writing Friday und den Header zu verwenden, schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch.    +++  Habt Spaß und versucht, voneinander zu lernen.

 

Dies sind die Schreibthemen für den September

1) Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz: “Sie war tatsächlich zu einer Elfe geworden und das obwohl….” beginnt.    +++   2) Schreibe aus der Sicht von Dornröschen, die über 100 Jahre lang geschlafen hat und im Jahr 2019 wieder erwacht. +++   3) Clarissa ist 18 Jahre alt und lebt im Jahr 2119 in einer Untergrundorganisation in London. Gegen was setzt sie sich mit den anderen Mitglieder ein?   +++   4) Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter ein: Zaubertrank, entdeckt, Bergkette, verborgen, Sternenhimmel   +++   5) Erzähle von einem Wolfsrudel, welcher Wolf wärst du? Was wäre deine Aufgabe im Rudel?

Diesen Monat geht es märchenhaft zu: Elfe, Dornröschen… Da liefert die vierte Schreibaufgabe doch den idealen Auftakt, und zwar mit Schneewittchen und den sieben Zwergen, denen ich in meiner Version Namen gegeben habe: Alpha (der Boss), Beta (sein Deputy), Gamma, Delta, Kappa, My (der Kleinste) und Omega (weil er der letzte ist).

 

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Tief verborgen im Wald, hinter den Bergen, bei den sieben Zwergen… doch halt! Wie hätte die Geschichte wohl ausgesehen, wenn sich ein Teil von ihr womöglich ein klein wenig anders zugetragen hätte?

Schneewittchen reloaded

Am östlichen Horizont nahm der verblassende Sternenhimmel bereits eine zarte bläuliche Färbung an, als das Zuhause der sieben Zwerge endlich in Sichtweite kam. Wie sie sich nach der anstrengenden Nachtschicht auf ihre weichen Bettchen freuten – besonders My, der Kleinste von ihnen. Zuerst waren sie ja skeptisch gewesen, ob er die ohnehin schon harte Arbeit in der unbeliebtesten Schicht durchhalten würde, aber wider Erwarten hatte er die Zähne zusammengebissen wie ein Großer und sich wacker geschlagen. Nur noch ein Schluck von dem Trunk, den Kappa zubereitet hatte und nur noch aufwärmen musste, dann konnte My endlich…

Was zum!“ hörte er Gamma rufen, und als dann noch Beta und Delta genauso unerfreut reagierten, ahnte er, dass er so bald keine Ruhe finden würde. „Jemand war hier.“ – mehr musste er gar nicht hören. So ein Mist. Der Kessel war leer: Jemand hatte sich nicht nur über den Kessel hergemacht, sondern sich auch gleich am Käse bedient, und das galt auch für die Wurst, die an einem Haken von der Decke baumelte, um sie vor Mäusen zu schützen. Mäuse konnten das unmöglich gewesen sein. Hatte Omega etwa nicht abgeschlossen? Als letzter der Arbeits- und Wohngemeinschaft der Zwerge hieß er schließlich nicht umsonst so, aber Omega war sich keiner Schuld bewusst. Doch alle Spekulationen waren sinnlos, denn sie hatten ungebetenen Besuch, und alles wies darauf hin, dass er noch nicht fort war. Es war Omega, der die Spuren als Erster entdeckte. Fußabdrücke aus Mehl wiesen ihnen den Weg geradewegs in ihren Schlafbereich hinein. Ab hier übernahm Alpha, der Chef des Bergarbeitertrupps, wieder das Kommando. Nachdem sein Stellvertreter Beta ihm noch schnell einen Kerzenleuchter in die Hand gedrückt und seinen Kollegen geraten hatte, sich ebenfalls zu bewaffnen, öffnete Alpha vorsichtig die Tür, die My vor Arbeitsbeginn zum Glück noch schnell geölt hatte.

Zunächst konnten sie außer undeutlicher Schemen nicht viel erkennen, und doch wussten sie, dass da etwas schlummerte und leise vor sich hin schnarchte. Hoffentlich kein Bär – die gab es zwar nur auf der anderen Seite der Bergkette, in der sie Erz abbauten, aber man konnte nie wissen. Alpha winkte Delta heran, um ihn vorzuschicken. Der hatte erstens die besten Augen von allen und zweitens war er so schlau gewesen, sich einen Besen zu schnappen. Das perfekte Werkzeug, um den Eindringling mit genug Abstand anzustupsen und so herauszufinden, wer sich so dreist in ihrem Haus breitmachte. Die Fingerknöchel weiß, so fest hielt Delta den Besenstiel umklammert, näherte er sich auf Zehenspitzen der gleichmäßig atmenden Gestalt mit einem ungewöhnlich tiefen Schlaf. Noch zwei Schritte, dann erkannte er: Das war kein Bär, und auch weder Fuchs noch Wildkatze. Vor ihm lag ein menschliches Wesen, und es roch nach Alkohol.

Na toll, stöhnte er, als er mit dem Fuß gegen den leeren Krug stieß, der zur Hälfte unter dem Kopf der Bettenreihe hervorlugte: Nicht nur, dass die wichtigsten Nahrungsmittel dem Einbrecher zum Opfer gefallen waren, auch seinen „Zaubertrank“, den er stundenlang und mit viel Liebe aus den Kräutern des Waldes destilliert hatte, hatte es erwischt. Jetzt war Delta wirklich sauer. Als Vegetarier hatte er sich aus Wurst sowieso nie viel gemacht, aber bei seiner hochprozentigen Köstlichkeit, die so manch langen Winterabend erst erträglich machte und sich außerdem hervorragend zum Einreiben gegen Muskelkater eignete, hörte der Spaß auf. Delta sah Rot. Erst unsere Vorräte plündern, dachte er, und dann Deinen Rausch in unseren Betten ausschlafen – Dir geb ich’s, Freundchen! – Und anstatt die vor ihm liegende Person mit dem Stiel zu berühren, drosch er mit den Borsten auf sie ein. Autsch! Das tat ja schon beim Hinsehen weh. Entsetzt hielt My sich die Augen zu. Wenn er es nun totschlägt. Jemand sollte Delta bremsen, bevor es richtig blutig wird.

Aber Deltas Opfer war hart im Nehmen. Jeden anderen hätte er mit Schlägen dieses Kalibers außer Gefecht gesetzt, nicht aber diesen… Moment – das war zwar ein Mensch, aber kein Er, sondern eine Sie. Und sie war wunderschön. Jedenfalls für Kappa, Beta und Gamma, die ungewöhnlich schnell die Fassung wiedererlangt hatten. My musste sich doch sehr über seine Gesellen wundern. Gewiss, mit ihren roten Lippen und rabenschwarzem Haar war sie recht hübsch, und mit einer vornehmen Blässe war sie auch gesegnet, aber warum jetzt auch noch Omega sichtbar dahinschmolz, ging über seinen Verstand. Hilfesuchend wandte er sich an den Boss, in der Hoffnung, dass der für Ordnung sorgen würde. Aber der dachte gar nicht dran, die Schnapsleiche von ihrem Lager zu entfernen. Statt dessen rissen sich seine Kumpel darum, die Betten so zusammenzuschieben, dass alle Platz fanden.

Mir reicht’s!“ zischte My und machte auf dem Absatz kehrt. Die hatten doch nicht mehr alle Nuggets auf der Lore. Wütend stapfte er zurück an die Feuerstelle. Delta setzte sich zu ihm, dem das hier ebenfalls nicht passte. „Hoffen wir mal, dass er dieser Tussi ordentlich die Ohren langzieht, wenn sie wieder nüchtern ist“, sagte er trocken zu My, und die beiden kratzten die letzten Reste zusammen, die die Unbekannte im Kessel übrig gelassen hatte.

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Wie es mit den sieben Zwergen und Schneewittchen weitergeht, ist bekannt. Aber seid Ihr Euch jetzt wirklich immer noch so sicher, dass die Zwerge Schneewittchen nur aus Mitleid bei sich haben wohnen lassen oder weil sie sie gar so hübsch fanden? Das Leben besteht schließlich aus Geben und Nehmen, und wer sich einfach Dinge nimmt, die ihm nicht gehören, ist der perfekte Kandidat zum Verrichten der unangenehmen Arbeiten wie den Hühnerstall auszumisten oder Zwiebeln und Kartoffeln zu schälen. Und am Ende ist dann auch Delta wieder versöhnt, weil er in My eine große Hilfe beim Destillieren gefunden hat. Zusammen denken sie sich neue Rezepte aus – und auch so manch andere kleine Bosheit. Denn schließlich soll das Leben ja spannend bleiben.