# Writing Friday 2020 – Januar, 3. Woche : Blinder Passagier – Teil 2

 

Fünf Themen gibt es im Januar 2020 beim Schreibprojekt #Writing Friday auf dem Blog von elizzy– für jeden Freitag eines. Schöne Idee, und erneut gibt es eine Aufgabe, die ich am liebsten habe – eine Geschichte zu schreiben, in der fünf bestimmte Begriffe vorkommen soll. Bisher hat das immer funktioniert, und da ich noch eine Fortsetzung der Story vom 10. Januar geplant hatte, geht es heute mit der zweiten Aufgabe weiter: Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter mit ein: Geschenk, Pinguin, Tintenfass, ruhig, zart.

 

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Blinder Passagier – Teil 2

Die vom Abend zuvor blitzblank zurückgelassene Küche morgens um fünf in einem solchen Zustand wiederzufinden, war nicht die Art von Morgengruß, die Chris üblicherweise erwartete. Stiefelabdrücke aus getrocknetem Lehm überall, zwei benutzte Gläser, auf der Spüle und auf der Theke Tims Schlüsselbund, an dem ein silberner Pinguin baumelte: Chris hatte eindeutig einen Gast. Und zwar einen, der schon öfters bei ihm logiert und einen Schlüssel für den Bereich über der Werkstatt hatte. Für den Fall, dass er mal wieder Stress mit seiner Lady hatte. Unwillkürlich fiel Chris wieder ein, was er schon häufiger gedacht hatte: „Die einen haben’s mit Zahlen – die anderen sind eher so die Praktiker.“ Und dann gab es da noch solche, die zwar nichts richtig geregelt bekommen, aber dafür gut im Verbreiten von Chaos sind und sich beim Durchmogeln auf ihren Charme verlassen. Tim. O ja, dieses Durcheinander sah ihm ähnlich. Zu faul zum Spülen, also nehmen wir ein zweites, wenn wir mit dem ersten fertig sind? Sein bester Freund war noch nie der Ordentlichste gewesen, aber so ging das auch nicht.

Chris würde ein ernstes Wort mit ihm reden müssen. Inzwischen konnte er ja schon mal die Gläser zusammenräumen. Und noch während er sich über die Lippenstiftspuren wunderte, hörte er von oben plötzlich ein Geräusch. Bleib ganz ruhig, sagte er sich, als der erste Schreck verflogen war, das wird Tim sein. Umso besser. Jetzt, wo der feine Herr wach war, konnte er auch gleich die Küche aufräumen und sich endlich mal für die Gastfreundschaft revanchieren. Bei der Gelegenheit konnte er dann auch gleich mal erklären, von wem die Abdrücke stammten. Von Delia jedenfalls nicht, die bevorzugte dezentere Farben. Außerdem hätten sie ihre Versöhnung bestimmt nicht hier gefeiert. Dass Tim jetzt seine Eroberungen schon mit hierher brachte und für die Privatparty den teuren Scotch zum Abschuss freigab, der ein Geschenk von Delia zu seinem letzten Geburtstag gewesen war, setzte dieser Dreistigkeit die Krone auf.

Er hatte schon die Hand an der Klinke, da wurde die Tür aufgerissen. Aber vor ihm stand nicht sein Freund. Der saß in Jeans auf dem Bett und hatte die Beine lässig übereinandergeschlagen. Wenigstens ein Shirt hätte er sich anziehen können. Da bewies sein Damenbesuch mehr Anstand. Sie war nicht nur vollständig bekleidet, sondern huschte diskret an ihm vorbei aus seiner Sichtweite. Schön für sie. Er hätte schwören können, dass er sie schon einmal irgendwo gesehen hatte, aber vor Ärger kam er nicht drauf – Ärger, so schwarz wie das Tintenfass, das er jetzt am liebsten gegen die Wand dicht über Tims Kopf gefeuert hätte. Oh Mann, Tintenfässer waren nicht verfügbar, aber verdient hätte er es. Hieß es nicht, dass Freundschaft ein zartes Pflänzchen war, das gehegt und gepflegt werden wollte? Aber mit dieser Aktion hatte er nicht nur die Geduld von Chris überstrapaziert, sondern das Pflänzchen mitsamt Wurzeln aus der Erde gerissen. Heimlich und ohne vorherige Absprache einen Übernachtungsgast einzuschmuggeln, ging gar nicht, auch wenn dieser noch so hübsch war. Sein Vertrauen so zu missbrauchen! Bald schon lagen sie sich in den Haaren.

Für Tim stellte sich Chris nur unnötig an, weil dieser wegen dieser Sache jetzt so ein Riesenfass aufmachte. Ja, hätte er ihn denn nachts aus dem Schlaf klingeln sollen, weil er dringend für jemanden ein Dach über dem Kopf brauchte? – Dringend! Wenn Chris das schon hörte… ihm reichte es, dass er für seinen Kumpel der Depp vom Dienst war, und der sich anscheinend in seiner chaotischen Beziehung mit Delia ziemlich bequem eingerichtet hatte. Sollten sie sich gefälligst endlich versöhnen oder trennen – aber dieses ewige Hin und Her, das er jetzt schon seit einem Jahr miterlebte, stand ihm schon längst bis hier! Er war doch nicht die Heilsarmee! Und auch kein Obdachlosenasyl für irgendeinen wahllosen One-Night-Stand. „Krieg endlich Deinen Mist auf die Reihe!“ Fehlte nur noch, dass Tim jetzt mit dem saublöden Spruch um die Ecke kam, dass er sich langsam mal wieder einkriegen könne. Aber Fehlanzeige. Statt dessen platzte die junge Dame, die sich vor dem nahenden Gewitter in Sicherheit gebracht hatte, in die Kampfpause der beiden Streithähne hinein: „Ich sollte besser gehen.“

Ganz Deiner Meinung, dachte Chris sarkastisch, für Tim aber waren diese Worte das falsche Signal. Warum tat sie so, als sei alles ihre Schuld? Okay, den Seitensprung hatte sie absichtlich herbeigeführt, aber dass Lukas ihr das Gepäck vor die Tür gestellt und bereits für den Austausch der Schlösser gesorgt hatte, war der GAU. Nicht nur, dass sie nicht hinein konnte und sich so ihr Plan, ihm die Affäre brühwarm aufs Brot zu schmieren, in Wohlgefallen aufgelöst hatte, aber mitten in der Nacht dazustehen und nicht zu wissen, wohin… Zufälle? Gibt es nicht, und so war Tim auf die ihm einzige praktikabel erscheinende Lösung verfallen, zumal er sich an dem ganzen Debakel mitverantwortlich fühlte: Sie stand auf der Straße, und er hatte einen Zimmerschlüssel. So einfach war das. Warum Chris mitten in der Nacht unnötig behelligen? Und da der Rest ohnehin bekannt war…

Chris fragte sich zwar, seit wann sein Freund die Mitleidstour bevorzugte, ließ sich dann aber schließlich doch dazu breitschlagen, sich Tims seltsamen Vorschlag, Julia für ein paar Tage bei sich wohnen zu lassen, wenigstens anzuhören. Gut, dass Tim ab morgen die ganze Woche mit dem Laster unterwegs war und erst am Freitagabend wiederkam. Es konnte nicht schaden, wenn hier mal etwas Ruhe einkehrte, und diese Julia schien ja so ganz in Ordnung zu sein und nicht so eine aufgedrehte Tussi wie die Ladys, die sein Kumpel sonst so abschleppte. „Meinetwegen“, brummte er und ließ die beiden stehen, um sich der Harley zu widmen, die unten auf ihn wartete. Nur ein paar Tage, dann würden sie weitersehen.

(Fortsetzung folgt)

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Kommt dieser Text nur mir so lang vor? 957 Wörter sind nicht ganz so viele wie im ersten Teil. Wann der dritte Teil folgen wird, steht auf einem anderen Blatt. Die restlichen Aufgaben für den Januar geben eine sofortige Fortsetzung nicht her. Wer’s ganz genau wissen will – hier sind die restlichen Themen für den Januar:

1) Erzähle von einem Vorsatz für 2020. Wieso willst du dieses Ziel erreichen? Wie sieht dein Plan aus? +++ 2) Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter mit ein: Geschenk, Pinguin, Tintenfass, ruhig, zart +++ 3) Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz: “Dieses Jahr wird fabelhaft, weil…” beginnt. +++ 4) Dein Tannenbaum möchte nicht entsorgt werden, berichte von seiner Flucht. +++ 5) Welches ist das erste Buch, das du dir im neuen Jahr gekauft hast? Stelle es kurz vor – wieso war es dieses?

Regeln gibt es auch, und zwar diese: Jeden Freitag wird veröffentlicht. +++ Wählt aus einem der vorgegebenen Schreibthemen. +++ Schreibt eine Geschichte/ein Gedicht/ein paar Zeilen – egal, Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben. +++ Vergesst nicht, den Hashtag #Writing Friday und den Header zu verwenden, schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch. +++ Habt Spaß und versucht, voneinander zu lernen.

# Writing Friday 2020 – Januar, 2. Woche : Blinder Passagier – Teil 1

 

 

Im Sommer 2019 habe ich zum ersten Mal an dem Schreibprojekt #Writing Friday auf dem Blog von elizzy teilgenommen und unter anderem auch Kurzgeschichten gechrieben, die miteinander zusammenhängen, war doch bisher bei den vorgegebenen Themen immer wieder mal eines dabei, das dafür wie geschaffen war. So auch in diesem Monat: 3) Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz: “Dieses Jahr wird fabelhaft, weil…” beginnt. Wenn das mal nicht ein super Einstieg ist…

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Blinder Passagier – Teil 1

Dieses Jahr wird fabelhaft, weil es endlich geklappt hat, Bruderherz!“ Nur zu gut erinnerte sich Chris an das Telefongespräch mit Max, der kaum an sich hatte halten können vor Begeisterung, mit der er die frohe Botschaft überbrachte, sobald die Gewinnzahlen gezogen worden waren. Fünf Richtige für diesen Glückspilz. So war es immer schon gewesen. Während seinem älteren Bruder alles zuflog, war er das vom Pech verfolgte Nesthäkchen. Wie Hohn waren ihm Max‘ Worte damals vorgekommen: Mit seiner Werkstatt krebste Chris am Rande der Zahlungsunfähigkeit herum, konnte die Rechnungen gerade noch so bezahlen und schuftete wie ein Depp, um rechtzeitig mit den Aufträgen fertig zu werden, damit die wenigen Kunden nicht auch noch absprangen. Dieses Jahr wird fabelhaft? Für Max vielleicht: toller Job, tolle Freundin und obendrein auch noch Gewinner im Lotto. Tolle Wurst! Wie war das nochmal mit dem Teufel und dem größten Haufen? Manche Sprichwörter sind eben nicht ohne Grund entstanden. Dass das Jahr dann ganz anders verlaufen war, hatte sich als große Überraschung herausgestellt. Eine Überraschung, deren Folgen Chris noch immer beschäftigten.

Es war mitten in der Nacht, er lag wach und konnte nicht schlafen. Er hatte längst den Überblick verloren, wie oft er sich schon von links nach rechts gedreht hatte. Das letzte Mal war es irgendwann nach drei Uhr gewesen, als er wiederholt auf seinen auf sechs Uhr eingestellten Radiowecker gestarrt hatte. Chris seufzte. Andere waren an solchen Wochenenden bis in die frühen Morgenstunden unterwegs, und er wälzte sich schlaflos hin und her. Wieder einmal, und immer dann, wenn etwas Neues auf ihn zukam. So wie jetzt. Eigentlich sollte er an diesen Zustand längst gewöhnt sein, grübelte er vor sich hin. Die letzten Monate hatten ihm doch deutlich gezeigt, wohin die Reise ging.

Chris hatte es kaum glauben können, dass sich Max, der große Überflieger, innerhalb nur weniger Wochen nach Bekanntgabe der sechsstelligen Gewinnsumme von seiner Freundin getrennt hatte. Das war im Februar gewesen. Den Job hinzuschmeißen, war nur der nächste logische Schritt in dieser Kette, den er allerdings erst im Mai getan hatte. Jetzt ist er völlig irre geworden, hatte Chris da noch gedacht, Max war wohl der Frühling zu Kopf gestiegen. Aber dann hatte der ihm einen Vorschlag gemacht, der überaus vernünftig und verlockend zugleich klang und der auch in gewisser Weise erklärte, woher sein Sinneswandel gekommen war. Was ihm nämlich inzwischen immer stärker gegen den Strich ging, waren die Raffgier und dass für sein Umfeld anscheinend nur noch das Motto „Geld, Geld, Geld“ zählte. Leute, die ihm immer mehr auf den Zeiger gingen. Typisch, ging es Chris durch den Kopf, Max hatte leicht reden, wo er doch selbst genügend davon hatte, während er jeden Monat froh sein konnte, wenn er nicht noch tiefer in den Schulden versank. So eine Zwangsversteigerung kam schneller, als man dachte. Und genau da setzte Max mit seinem Angebot an: Er hatte einfach keine Lust mehr, Leuten, die den Hals nicht voll genug bekamen, auch noch Vorschub zu leisten und mitverantwortlich zu sein, wenn ein mühsam aufgebautes Geschäft am Ende bei der Bank landete. Also hatte er als erstes in der Kanzlei gekündigt, um mit der Hälfte seines Gewinns die Werkstatt seines Brüderchens aus den roten in die schwarzen Zahlen zu befördern. „Sieh es als Investition“, hatte er gesagt, und am Ende war es dann doch eine erheblich höhere Summe gewesen, mit der sich Max an Chris‘ Werkstatt beteiligte. Und seitdem sich Max als Teilhaber bei „M & C Motor Service“ um die Finanzen kümmerte, ging es mit dem Laden endlich langsam aufwärts. Die einen hatten es mehr mit Zahlen und waren handwerkliche Legastheniker, die anderen dagegen eher die Praktiker, denen das Händchen fürs Finanzielle fehlte.

Inzwischen war es schon November, und Chris konnte sich über Aufträge kaum beklagen. Das Jahr raste nur so dahin. Auch wenn er sich über Geld keine Sorgen zu machen brauchte, reichte es noch nicht, jemand zweites für die Werkstatt einzustellen. Da musste er jetzt leider noch für eine Weile alleine durch. Dabei hätte er gerade jetzt Unterstützung gebrauchen können. Beim Gedanken an den Auftrag, den Max für ihn an Land gezogen hatte, fuhr er sich nervös mit den Händen durch das wirr vom Kopf abstehende Haar und schleppte sich zum Fenster. Da unten stand sie, die Maschine, die ihm sein neuester Auftraggeber vor Stunden auf den Hof gerollt hatte. Eine Harley. Custom Made. Von einem Typen, der nach der Devise „Geiz ist Geil“ das Motorrad für einen Spottpreis ersteigert hatte, nun aber damit gar nicht zurecht kam. Das war ja das Dumme an solchen maßgeschneiderten Umbauten: solange man selber damit fährt, ist alles bestens, aber sobald das Fahrzeug den Besitzer wechselt, fängt der Ärger an.

Ein verdächtiges Grollen aus der Ferne ließ nichts gutes erahnen. Ich sollte das edle Teil in die Fahrzeughalle rollen, überlegte sich Chris und streifte sich ein Shirt über. Kurz darauf stand er auch schon in seinen Arbeitsschuhen auf den Hof und bewegte die Maschine langsam in Richtung des geöffneten Hallentors. Ein Traum in Weiß, Rot und Chrom. Für den Käufer war die Harley ein Schnäppchen gewesen, und wie in dessen Augen die Dollarzeichen gestrahlt haben mussten, konnte sich Chris so richtig vorstellen. Wie ein Bündel Uranbrennstäbe. Eigentlich eine Frechheit, wenn kostbare Dinge aus Nachlässen geradezu verschleudert wurden. Als ob die Hinterbliebenen in ihrer Trauer nicht auch so schon genug Probleme hatten. Eigentlich konnte ihm der Umstand, dass der Käufer anscheinend nicht der Hellste war, doch nur recht sein. Das Bike erneut umzubauen und den Bedürfnissen des neuen Eigentümers anzupassen, war für ihn eine der leichteren Übungen und lukrativ noch obendrein. Für eine brandneue Harley hätte der Typ erheblich mehr hinblättern müssen. Trotzdem wurmte es ihn, dass er diesen Kunden ausgerechnet Max verdankte – der selbst mit seinem Anteil das Ende für die Werkstatt abgewendet hatte. Und nun schlug er selbst Profit aus der ganzen Geschichte? Chris wollte gar nicht wissen, wie hoch die Provision für seinen Bruder bei diesem Geschäft war.

Nur noch wenige Meter, dann stand das Schätzchen im Trockenen. Am liebsten hätte Chris jetzt schon losgelegt, aber mitten in der Nacht an einer schweren Maschine herumzuschrauben, fand erstens von seinen wenigen Nachbarn niemand gut. Und zweitens plagte ihn nach der Anstrengung der Durst. Sein Blick fiel auf die Wanduhr über dem Werkzeugschrank: Fünf Uhr – sich jetzt noch einmal hinzulegen, hatte keinen Sinn. Ein Kaffee wäre jetzt genau das Richtige. Bis zur Küche hatte er es nicht weit, sie war von der Werkzeughalle nur durch eine Tür getrennt. Für gewöhnlich war die Tür verschlossen. Heute nicht. Chris schaltete das Licht ein, und das erste was er sah, waren schmutzige Fußabdrücke auf dem gefliesten Boden. Dann fiel sein Blick auf zwei halbvolle, dreckige Gläser auf der Spüle. Die hatten noch nicht dagestanden, als er am letzten Abend die frisch geputzte und aufgeräumte Küche verlassen hatte, kurz bevor die Harley gebracht worden war.

Irritiert begutachtete er das eine, auf dem Abdrücke von Lippenstift prangten, als er von oben plötzlich ein Geräusch hörte.

(Fortsetzung folgt)

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Alte Gewohnheiten sterben nie: Nämlich die Neigung zu langen Geschichten – diesmal bei etwas über 1100 Wörtern. Hätte ich nicht die Idee gehabt, zwei Teile daraus zu machen, wäre sie noch länger.

Hier nochmal die Themen, die im Januar zur Auswahl stehen: 1) Erzähle von einem Vorsatz für 2020. Wieso willst du dieses Ziel erreichen? Wie sieht dein Plan aus? +++ 2) Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter mit ein: Geschenk, Pinguin, Tintenfass, ruhig, zart +++ 3) Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz: “Dieses Jahr wird fabelhaft, weil…” beginnt. +++ 4) Dein Tannenbaum möchte nicht entsorgt werden, berichte von seiner Flucht. +++ 5) Welches ist das erste Buch, das du dir im neuen Jahr gekauft hast? Stelle es kurz vor – wieso war es dieses?

Regeln gibt es auch, und zwar diese: Jeden Freitag wird veröffentlicht. +++ Wählt aus einem der vorgegebenen Schreibthemen. +++ Schreibt eine Geschichte/ein Gedicht/ein paar Zeilen – egal, Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben. +++ Vergesst nicht, den Hashtag #Writing Friday und den Header zu verwenden, schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch. +++ Habt Spaß und versucht, voneinander zu lernen.

# Writing Friday 2020 – Januar, 1. Woche : Der innere Frieden

 

Nachdem ich letztes Jahr erkannt habe, wieviel Freude mir das Schreibprojekt #Writing Friday auf dem Blog von elizzy bereitet hat, möchte ich auch in diesem Jahr wieder dabei sein. Mitmachen kann jeder, und in welcher Form man seinen Gedanken zu vorgegebenen Themen*) freien Lauf lässt, bleibt jeder bzw. jedem selbst überlassen, ob als Gedicht, Geschichte oder auch nur durch ein paar Zeilen. Mehr dazu (Themen und Regeln) gibt es am Ende meines Beitrags.

Jetzt geht es auch schon los mit dem ersten von fünf Themen, und weil das Jahr noch jung ist, habe ich mich für das Erste entschieden: Erzähle von einem Vorsatz für 2020. Wieso willst du dieses Ziel erreichen? Wie sieht dein Plan aus?   –   Nichts leichter als das…

 

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Der innere Frieden

Beenden Sie angefangene Dinge, und Sie werden inneren Frieden erhalten“: Frei nach diesem Motto habe ich mir für 2020 vorgenommen, einige in ihrer Entwicklung stehengebliebene Projekte weiterzuführen oder abzuschließen. Berufliche Ziele meine ich damit nicht – eher Baustellen in meinem Privatleben.

Dazu gehört unter anderem, den inzwischen doch ziemlich verwahrlosten Garten in Angriff zu nehmen – nachdem ich vor ein paar Wochen den Rasen mit dem Mäher bearbeitet habe, ist als nächstes der Wildwuchs bei Bäumen, Büschen und vor allem den Rosen dran. Bisher hatte ich immer eine Gartenfee dafür, aber sie möchte ich im kommenden Jahr schonen, da sie auch nicht jünger wird.

Zum Nähen hatte ich während des letzten Jahres auch eher weniger Lust, aber inzwischen habe ich so viele interessante Ideen geliefert bekommen, dass ich mich diesem lange vernachlässigten Hobby wieder verstärkt widmen möchte. Damit sich das immer noch in großen Lettern erscheinende Stichwort in der Kategoriewolke auf meinem Blog wieder der Realität annähert.

Regelmäßig beim #Writing Friday dabeizusein, ist ein weiteres Ziel. Das und die vage Vorstellung von aufeinander aufbauenden Texten/Kurzgeschichten hat mich zu der Überlegung geführt, meine gesammelten Werke zu einer Art Fortsetzungsroman zusammenzufügen und an anderer Stelle zu veröffentlichen. Schau’n wir mal, was daraus wird. Und vielleicht finde ich über kurz oder lang bzw. immer öfter eine Anwort auf die Frage „What have you done today to make you feel proud?“

 

 

– It’s never too late to try (Heather Small „Proud“ – https://youtu.be/OygsHbM1UCw?t=0) – Was hast Du heute getan, auf das Du stolz sein kannst? – Es ist nie zu spät, es zu versuchen. In diesem Sinne – da freue ich mich noch auf viele vor mir liegende kreative Wochen und viele tolle Geschichten von den anderen, die hier auch wieder dabei sind.

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Diesen Januar können wir unter den folgenden Themen auswählen:

1) Erzähle von einem Vorsatz für 2020. Wieso willst du dieses Ziel erreichen? Wie sieht dein Plan aus? +++ 2) Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter mit ein: Geschenk, Pinguin, Tintenfass, ruhig, zart +++ 3) Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz: “Dieses Jahr wird fabelhaft, weil…” beginnt. +++ 4) Dein Tannenbaum möchte nicht entsorgt werden, berichte von seiner Flucht. +++ 5) Welches ist das erste Buch, das du dir im neuen Jahr gekauft hast? Stelle es kurz vor – wieso war es dieses?

Regeln gibt es auch, und zwar diese:

Jeden Freitag wird veröffentlicht. +++ Wählt aus einem der vorgegebenen Schreibthemen. +++ Schreibt eine Geschichte/ein Gedicht/ein paar Zeilen – egal, Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben. +++ Vergesst nicht, den Hashtag #Writing Friday und den Header zu verwenden, schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch. +++ Habt Spaß und versucht, voneinander zu lernen.

# Writing Friday – Dezember, 52. Woche : We proudly present

 

Dies wird die Abschlussarbeit für dieses Jahr, in dem ich zum ersten Mal bei elizzys Projekt „Writing Friday“ regelmäßig mit von der Partie war. Das Jahr neigt sich dem Ende zu, und die erste Art von Jahresrückblick ist eines von fünf Schreibthemen für diesen Monat. Die sind mir schon seit der letzten Novemberwoche bekannt:

1) Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz: “Der Weihnachtsmann war verschwunden, wer würde Weihnachten jetzt…” beginnt. +++ 2) Du wachst auf in einer Schneekugel – wie sieht deine Welt darin aus? +++ 3) Welches ist dein liebstes Buch zur Weihnachtszeit? Stell es uns kurz vor. +++ 4) Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter ein: Karussell, Zimtschnecken, bitterkalt, grosse Augen, Liebe +++ 5) Welches Schreibthema hat dir am meisten Spass gemacht? Verlinke uns nochmals deine liebste Geschichte beim Writing Friday von 2019.

Wie das Projekt, bei dem jeder mitmachen kann, funktioniert, steht am Ende meines Beitrags. Dieser Abschluss beschäftigt sich mit dem Thema, bei dem ich am meisten Spaß hatte und was dabei herausgekommen ist.

Den Weihnachtsmann habe ich ausgelassen, um mich der Präsentation jener Geschichte zu widmen, die mir am meisten Spaß gemacht hat. Der Link zu ihr ist in der roten Überschrift meiner Geschichte verborgen.

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Thema Nr. 5 : „deine liebste Geschichte beim Writing Friday von 2019“

Prolog: Der Oktober stand bei mir im Zeichen des „Horrorctober“, einem Monat, in dem sich die Teilnehmer dreizehn Horrorfilme ansahen und darüber bloggten. Dazu passten dann auch die Schreibthemen für den Oktober, die auch wieder eine Aufgabe mit bestimmten vorgegebenen Wörtern beinhalteten, die wir in eine Geschichte einbauen sollten, und einen Satzanfang, den es zu einer Geschichte auszubauen galt. Dies sind mir normalerweise die liebsten Aufgaben, doch diesmal hatte es mir die folgende Aufgabe angetan:

5) Das Böse herrscht – Egal ob Buch, Film oder Videospiel wer ist dein liebster Bösewicht und wieso? Könnte er auch gute Seiten an sich haben?

Zuerst hatte ich eine ganz andere Idee. Meine Text sollte sich um den Gegenspieler von Ross Poldark (Hauptcharakter der gleichnamigen BBC-Serie, gespielt von Aidan Turner) drehen, den intriganten Bankier George Warleggan – und das ganze auch noch als Brief an (ja, an wen eigentlich?), geschrieben von einer außenstehenden Person. Aber das Projekt scheiterte schon daran, dass ich einfach keinen Einstieg fand, doch dann erinnerte ich mich daran, dass ich seit Juni schon einige aufeinander aufbauende Storys *) geschrieben hatte und ich die letzte dieser Art erst in der Woche davor veröffentlicht hatte. Bingo! Das wars – und da die Handlung um Halloween herum angesiedelt war, verband ich die Fortsetzung von „Do it yourself“ mit einer Ode an meine Lieblingsbösewichte aus der BBC-Serie „Doctor Who“ – sozusagen meine erste Fan Fiction beim Writing Friday:

Der Doktor sagte einst, die weinenden Engel seien die einzigen Psychopathen im Universum, die dich auf nette Weise töten. Bisher hatte ich seinen Worten nur wenig Bedeutung beigemessen. Dabei waren Zeitreisen und außerirdische Lebensformen seine Spezialgebiete, aber so richtig glauben konnte ich nicht, was er uns erzählte. Zeitreisen waren für mich faszinierend, aber pure Fiktion, und als ich das Gegenteil erkannte, war ich völlig unvorbereitet…“ – Auszug aus

 

Im Garten der Engel

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*) in diesem Fall sind dabei bisher insgesamt fünf Texte herausgekommen, die miteinander zusammenhängen, und ich überlege seit kurzem, ob die Geschichte noch genügend Potential zum Ausbauen hat und ob sie auf einer dafür passenderen Plattform besser aufgehoben sind. Aber wie auch immer: Have fun! Ich freue mich auf viele neue Ideen im kommenden Jahr und auf viele kreative Geschichten von euch. Bis dahin: Frohes Neues Jahr.

Und das sind die Regeln: Jeden Freitag wird veröffentlicht. +++ Wählt aus einem der vorgegebenen Schreibthemen. +++ Schreibt eine Geschichte / ein Gedicht / ein paar Zeilen – egal, Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben. +++ Vergesst nicht, den Hashtag #Writing Friday und den Header zu verwenden, schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch. +++ Habt Spaß und versucht, voneinander zu lernen.

# Writing Friday – Dezember, 51. Woche : Loch Lomond

 

Weihnachten naht – auch beim „Writing Friday“ auf dem Blog von elizzy und hoffentlich auch woanders. Wie das Ganze funktioniert, steht am Ende meines Beitrags. Mitmachen kann jeder, und aus einem von fünf vorgegebenen Themen, die elizzy auf ihrem Blog in der letzten Novemberwoche veröffenlicht, kann man sich jeden Freitag eines aussuchen und dazu seinen Gedanken freien Lauf lassen. Hier sind die bisherigen Schreibthemen für diesen Monat:

1) Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz: “Der Weihnachtsmann war verschwunden, wer würde Weihnachten jetzt…” beginnt. +++ 2) Du wachst auf in einer Schneekugel – wie sieht deine Welt darin aus?+++ 3) Welches ist dein liebstes Buch zur Weihnachtszeit? Stell es uns kurz vor. +++ 4) Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter ein: Karussell, Zimtschnecken, bitterkalt, grosse Augen, Liebe +++ 5) Welches Schreibthema hat dir am meisten Spass gemacht? Verlinke uns nochmals deine liebste Geschichte beim Writing Friday von 2019.

Den Weihnachtsmann überspringe ich, denn ich habe nie an ihn geglaubt. Als ich klein war, kam immer das Christkind – aber das habe ich nie zu Gesicht bekommen.

 

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Loch Lomond

Draußen jammern und jammern sie… „Weihnacht ist’s und noch kein Schnee und kein Eis liegt auf dem See!“ Ha Ha, ihr seid auch bloß glücklich, wenn ihr was zu meckern habt – ja, kommt nur, kommt, hinein zu mir in meine beschauliche Hütte, vor deren Fenster das weiße Zeug von oben rieselt, als gäbe es kein Morgen mehr. Dann und wann bebt es, dass ich mich festhalten muss und die Gläser im Schrank klirren, die weiße Pracht wird hochgewirbelt, und der ganze Spaß geht von vorne los. Mittlerweile sollte ich mich dran gewöhnt haben, doch manche Tage sind nur mit schottischem Whisky in Faßstärke zu ertragen. Selber schuld – mir das einzureden, hilft nur bedingt. Dabei war vermutlich genau das der Grund: Ich habe zuviel genörgelt, dass mich der viele Schnee nervt und ich keinen Bock auf Schneeschippen morgens um sechs Uhr habe. Et voilà: Als ich eines Morgens aufwachte, lag ich zwar noch im Bett, aber es war nicht mehr meines, und als ich aus dem Fenster sah, erstreckten sich die malerischen Hügel der schottischen Highlands unter einer knusprig-weißen Puderschicht. Macht nur so weiter – dann geht es Euch wie mir.

Natürlich war alles nur Illusion. Von wegen Bonnie Bonnie Banks – Loch Lomond ist überall, nur nicht hier. Und die Hügel ufern auch nicht in die Unendlichkeit aus, sondern enden so jäh wie mein Eintreffen hier an einer Wand aus Glas. Ich brauchte zwei volle Tage, um das gesamte Ausmaß meiner fatalen Situation zu ermessen. Was oder wer auch immer es war, das mich in diese Kugel aus Glas verbannt hat – er, sie oder es hatte eine seltsame Art von Humor, mit einer leicht sadistischen Note. Die Glaswand zieht sich rings um die Hügel und den Tümpel. Zu essen habe ich auch noch genug, und im Keller befindet sich ein gut gefülltes Whiskyfass. Eine Axt zum Holzhacken ist im Schuppen, und im Tümpel schwimmen ein paar Fische herum. Für meine Ernährung ist gesorgt, wenn auch auf eine ziemlich einseitige Art. So schön und idyllisch dieser wahrgewordene Traum von einer Landschaft auch sein mag, hier komme ich mir vor wie im Knast. Sei dankbar mit dem, was Du hast, und vorsichtig mit dem, was Du Dir wünschst – diese Lebensweisheit hätte ich besser beherzigt, als es noch nicht zu spät war. Orange is the new black? Fast so, nur ohne Mithäftlinge und ohne Wärter. Wobei… Der Wärter war das Schicksal, das mich in diese Lage gebracht hat -oder meine eigene Dummheit.

Aber wartet. Wartet nur… Ich habe nämlich einen Plan, aber den verrate ich nicht. Wenn es einen Weg nach drinnen gibt, muss es auch einen nach draußen geben – und wenn nicht durch ein Wunder, dann durch die Kraft der Natur. Man muss nur erfinderisch sein. Möge der Wald mit seiner Fülle an Material mir den Weg weisen.

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Und das sind die Regeln: Jeden Freitag wird veröffentlicht. +++ Wählt aus einem der vorgegebenen Schreibthemen. +++ Schreibt eine Geschichte / ein Gedicht / ein paar Zeilen – egal, Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben. +++ Vergesst nicht, den Hashtag #Writing Friday und den Header zu verwenden, schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch. +++ Habt Spaß und versucht, voneinander zu lernen.

# Writing Friday – Dezember, 50. Woche : Zimtschnecken

 

Vier Freitage hat in diesem Monat der „Writing Friday“ auf dem Blog von elizzy – und fünf Themen stehen zur Auswahl. Wie das Mitmachprojekt funktioniert, steht am Ende meines Beitrags zu einem weiteren Thema, ausgewählt aus den folgenden fünf, die bereits Ende November einsehbar waren – hier sind sie nochmal, die Schreibthemen für den Dezember:

1) Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz: “Der Weihnachtsmann war verschwunden, wer würde Weihnachten jetzt…” beginnt. +++ 2) Du wachst auf in einer Schneekugel – wie sieht deine Welt darin aus? +++ 3) Welches ist dein liebstes Buch zur Weihnachtszeit? Stell es uns kurz vor. +++ 4) Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter ein: Karussell, Zimtschnecken, bitterkalt, grosse Augen, Liebe +++ 5) Welches Schreibthema hat dir am meisten Spass gemacht? Verlinke uns nochmals deine liebste Geschichte beim Writing Friday von 2019.

Wenn Liebe nicht immer durch den Magen geht, davon handelt die nächste Geschichte, die nicht ganz so lang ist wie sonst.

 

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Zimtschnecken

Last Christmas I gave you my heart…“ Oh no, dachte Julia, als sie sich der Glühweinhütte näherte… was für eine Schnapsidee! Sie konnte diesen totgedudelten Ohrwurm, mit dem  alle Jahr für Jahr aufs neue „beglückt“ wurden, nicht mehr hören. Sogar auf dem Weihnachtsmarkt gab es kein Entkommen. Warum wollte Tim sie auch unbedingt in der Nähe des altmodischen Karussells treffen? Anscheinend war für ihn ein solcher Ort der Inbegriff von Romantik, Julia jedoch konnte sich nichts schlimmeres vorstellen als sich inmitten eines wuselnden Haufens schreiender Kinder wiederzufinden, die alle mit dem Feuerwehrauto fahren wollten. Nerviges Gedudel und Geplärre – wahrlich die perfekte Kulisse für ein Date. Schon allein dieses Wort trieb Julia Falten auf die Stirn. „Date“ – früher hätte man Rendez-vous dazu gesagt, dabei war dieses Treffen noch nicht mal eins; ein paar Wochen kannten sie sich nun, und was aus einer Laune heraus entstanden war, hatte sich zu einer „Freundschaft plus“ entwickelt. Noch so ein Wort, das sie genau so wenig mochte wie Zimtschnecken, die dieses Jahr auf dem Weihnachtsmarkt der große Renner waren.

Tim war noch nicht da. Typisch. Whats App funktionierte hier auch nicht. Ihn anzufunken, hatte also keinen Sinn. Warten war angesagt, yo! Ihr war ein Rätsel, wie sie mit ihrer Stimme zu ihm durchdringen sollte, bei all dem Lärm. Als ob das, was sie ihm zu sagen hatte, sie nicht schon die ganze Woche über beschäftigte. Da half nur, wenn sie bis zu seinem Erscheinen ihre Stimme ölte. Mit Punsch. Lukas hatte ihr einmal erklärt, dass Alkohol zum Warmhalten völlig ungeeignet war, aber auf den pfiff sie bloß. Wie gut, dass sie den los war, wenn auch unter unschönen Umständen. Ihr war bitterkalt vom Herumstehen im Wind. Komm Julia, kipp weg das Zeug! So langsam konnte der Herr ja auch mal auftauchen. Noch einen Punsch, und sie wäre so blau, dass sie kein vernünftiges Wort mehr herausbringen würde. Und noch eine Woche warten, bis er von seiner nächsten Fahrt zurückkam? Bloß nicht! Zeit, um auf alkoholfreie Getränke umzusteigen. Der heiße Orangensaft duftete verführerisch. Doch Julias Hände griffen ins Leere, weil sie mit einem Mal nichts mehr sah.

Oh Mann! Sich von hinten anschleichen und Leuten die Augen zuhalten – war dieses Spielchen immer noch so beliebt? „Kuckuck“, flötete eine Stimme in höchsten Tönen in ihr Ohr. Daria gehörte diese Stimme schon mal nicht. Ihre beste Freundin weilte nämlich schon seit über einem Monat in Kroatien. Großes Familientreffen zum 80. Geburtstag der Lieblingsoma, das konnte dauern. „Hey, Sweetie! Schau mal, was ich dabei habe!“ rief Tim freudestrahlend, als sie ihre Fassung wiedergewonnen hatte. Hoffentlich nicht das, was sie dachte. Zimtschnecken! Bingo! Frisch vom Stand, zehn Meter weiter. Jetzt rächte es sich, dass sie nie miteinander über ihre Vorlieben, egal welcher Art, gesprochen hatten. Aber wozu auch? Reden war ohnehin nicht so sein Fall, und sie hätte damals schwören können, dass nach dieser einen Nacht ohnehin alles vorbei war und sie sich niemals wiedersehen würden. Ja, mit dem Denken war das so eine Sache. Denke nie, gedacht zu haben, denn wenn Du denkst, dann denkst Du nur, du denkst… Liebe geht durch den Magen? So jedenfalls nicht. Außerdem war jetzt der Moment gekommen, um endlich die Karten auf den Tisch zu legen.

Seine Reaktion verblüffte sie: Zu hören, dass sie jemanden kennengelernt hatte, während er die ganze Woche lang mit dem Laster quer durch das Land gefahren war – jeder andere wäre explodiert. Nicht Tim. „Aber das ist ja fantastisch!“ Wie bitte? Mit großen Augen stand Julia da und traute ihren Ohren nicht, aber es ging noch weiter. „Kenne ich ihn?“ Sie fragte sich, welches Kaninchen er als nächstes aus dem Hut zaubern würde, wenn er auf eine vage Andeutung hin schon so reagierte. Aber wo die Katze schon halb aus dem Sack war, konnte sie auch den Rest davon hinterherschicken.

Natürlich kannte er ihn. Ihr Räuspern und Genestel mit der Tasse sprachen Bände, und er musste nur eins und eins zusammenzählen, um zu erkennen, dass der glückliche Gewinner in diesem ungleichen Match sein bester Freund war, bei dem Julia seit jenem Abend wohnte. Besser gesagt, seit dem Morgen danach – nachdem Julia nach ihrer kurzen, aber heftigen Begegnung durch die Nacht geirrt war. Zugegeben, sie in „sein“ Zimmerchen über der Werkstatt ohne das Wissen des Eigentümers einzuschmuggeln, war keine brilliante Idee gewesen, und Chris hatte sich zu Recht aufgeregt. Aber die richtigen Argumente hatten ihn schließlich überzeugen können und zu dem Deal „Kost und Logie gegen Mitarbeit in der Werkstatt“ geführt. Dass nun der Hase so lief, war im Grunde keine Überraschung für ihn: Er war ja sowieso die ganze Woche auf Achse, und die beiden sahen sich täglich… wenn Chris und Julia miteinander glücklich wurden – warum eigentlich nicht?

Vielleicht war dies ja genau das Signal, damit er endlich damit anfing, ein paar Dinge, die in seinem Privatleben schiefgelaufen waren, gerade zu rücken.

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Und das sind die Regeln: Jeden Freitag wird veröffentlicht. +++ Wählt aus einem der vorgegebenen Schreibthemen. +++ Schreibt eine Geschichte / ein Gedicht / ein paar Zeilen – egal, Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben. +++ Vergesst nicht, den Hashtag #Writing Friday und den Header zu verwenden, schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch. +++ Habt Spaß und versucht, voneinander zu lernen.

# Writing Friday – Dezember, 49. Woche : Mein allerschönstes Weihnachtsbuch

 

Nun wird es weihnachtlich, denn die Adventszeit hat begonnen, eine Stimmung, die auch diesen Monat der „Writing Friday“ auf dem Blog von elizzy ausstrahlt. Wie das Projekt, bei dem jeder mitmachen kann, funktioniert, steht am Ende meines Beitrags. Aus einem von fünf vorgegebenen Themen, die elizzy auf ihrem Blog kurz vor Beginn des kommenden Monats veröffenlicht, kann man sich jeden Freitag eines aussuchen und dazu seinen Gedanken freien Lauf lassen. Hier sind die Schreibthemen für den Dezember:

1) Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz: “Der Weihnachtsmann war verschwunden, wer würde Weihnachten jetzt…” beginnt. +++ 2) Du wachst auf in einer Schneekugel – wie sieht deine Welt darin aus? +++ 3) Welches ist dein liebstes Buch zur Weihnachtszeit? Stell es uns kurz vor. +++ 4) Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter ein: Karussell, Zimtschnecken, bitterkalt, grosse Augen, Liebe +++ 5) Welches Schreibthema hat dir am meisten Spass gemacht? Verlinke uns nochmals deine liebste Geschichte beim Writing Friday von 2019.

Mein erster Beitrag im Dezember widmet sich meinem liebsten Buch.

 

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Mein allerschönstes Weihnachtsbuch

 

Mein allerschönstes Weihnachtsbuch“ lautet nicht nur die Überschrift für meine Liebeserklärung an ein Buch, sondern ist auch der Titel jenes Buchs, das ich schon seit frühester Kindheit besitze. Als kleines Kind habe ich mir mit Begeisterung die hübschen Bilder darin angeschaut, und so lange wir noch nicht lesen konnten, haben unsere Eltern meiner Schwester und mir daraus vorgelesen. Es ist so alt, dass ich noch nicht einmal eine ISBN-Nummer darauf finden konnte. Verfasst haben es Kathryn Jackson und Richard Scarry, und erschienen ist das großformatige und mittlerweile antiquarische Werk mit 76 Seiten im Delphin-Verlag.

 

 

Ganz klein findet sich darin vorne der Hinweis, dass es 1950 von der Western Publishing Company Inc. herausgegeben wurde und ich die zweite Auflage von 1969 in den Händen halte. Gedichte finden sich darin wieder, genau wie allerlei herzerwärmende Geschichten wie die vom frierenden Eichhörnchen, vom eigensinnigen Rentier, vom goldenen Schlitten oder von der klugen Weihnachtsgans. Mein persönlicher Schleusenöffner ist jedoch die letzte Geschichte mit dem Titel „Der kleine Hund, den keiner haben wollte“. Schon beim Lesen des Titels wird mir ganz melancholisch zumute, dabei nimmt die Geschichte des Streuners, der überall nur verjagt wird, doch noch ein gutes Ende. Denn was wäre eine gute Weihnachtsgeschichte ohne ein Happy End?

 

 

Auch die Illustrationen in dem Buch gefallen mir so gut, dass ich es nicht nur zur Weihnachtszeit in die Hände nehme – es lehnt Tag und Nacht an der Wand neben meinem Bett, und als es vom vielen Lesen auseinandergefallen war, habe ich es in einem Buchbinderkurs an der Volkshochschule neu gebunden. Das geschah zwar nicht professionell, sondern mit viel Liebe, und Perfektion wird sowieso überbewertet – genauso wie Weiße Weihnachten. Und weil ich schon dabei bin: Auch dem Thema „Weihnachten ohne Schnee“ widmet sich ein kurzes Gedicht – des einen Freud‘ ist des anderen Leid; während die Menschen sich beklagen, dass ihnen der Schnee fehlt, freuen sich die Tiere des Waldes, denn so kommen sie schneller an ihr Futter und müssen keinen Hunger leiden.

‚Weihnacht ist’s und noch kein Schnee!‘ freun sich Hase Fuchs und Reh. ‚Unter Eichen, Tannen, Buchen können wir nach Wurzeln suchen‘ (…) ‚Weihnacht ist’s und noch kein Schnee und kein Eis liegt auf dem See!‘ hört man an den gleichen Tagen überall die Menschen klagen.“

Mit diesen kurzen Auszügen und zwei hübschen Bildern, damit auch jeder weiß, wovon ich rede, beende ich meinen Artikel zum Thema „mein liebstes Buch zu Weihnachten“.

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Und das sind die Regeln: Jeden Freitag wird veröffentlicht. +++ Wählt aus einem der vorgegebenen Schreibthemen. +++ Schreibt eine Geschichte / ein Gedicht / ein paar Zeilen – egal, Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben. +++ Vergesst nicht, den Hashtag #Writing Friday und den Header zu verwenden, schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch. +++ Habt Spaß und versucht, voneinander zu lernen.

# Writing Friday – November, 47. Woche : The Thrilling Eight

 

Das Projekt „Writing Friday“ habe ich bei elizzy entdeckt – und darum geht es:

Jeden Freitag wird veröffentlicht. +++ Wählt aus einem der vorgegebenen Schreibthemen. +++ Schreibt eine Geschichte / ein Gedicht / ein paar Zeilen – egal, Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben. +++ Vergesst nicht, den Hashtag #Writing Friday und den Header zu verwenden, schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch. +++ Habt Spaß und versucht, voneinander zu lernen.

 

Dies sind die Schreibthemen für den November

1) Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz: “Jonathan war noch nie in seinem Leben so glücklich wie gerade in diesem Moment. Endlich … ” beginnt. +++ 2) Es ist Zeit für den Winterschlaf – Bruno der Bär berichtet von seinen Vorbereitungen. Gib Bruno einen einmaligen Charakter und sei kreativ! +++ 3) Dein Lesesessel startet eine Demo – wofür protestiert er? Berichte davon. +++ 4) Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter ein: Wind, Comicbuch, klein, Avocado, Eule +++ 5) Welches ist dein Lieblingsgenre? Wieso ist das so? Und was magst du daran?

 

Der November ist ein ungemütlicher Monat. Da muss Spannung rein. Besinnlichkeit hebe ich mir für den Dezember auf. Bitte verzeiht mir meine Abschweifungen in Richtung Film.

 

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The thrilling eight

Thriller, Krimis und noch mehr – hol ich mir zum Lesen her

Liebesdramen und Fantasy – lese ich so gut wie nie.

Biografien und Historiendramen – sind nicht nur was für ältere Damen

Für etwas Horror und Sci-Fi – halt‘ ich mir den Abend frei.

 

Sie haben es sicherlich erraten: Mit dieser Ansammlung von Reimpaaren habe ich versucht, meine literarischen Vorlieben und Abneigungen zu beschreiben. Wobei das auch nicht so ganz stimmt, da ich zwischen gedruckten Büchern und Online erschienenen Romanen unterscheide. Lese ich zum Beispiel sehr selten Liebesromane in gedruckter Form, so kann ich mir online sehr wohl und ganz nonchalant die Zeit mit Veröffentlichungen in der Rubrik „Romance“ vertreiben.

Fantasyromane habe früher sehr viele gelesen, und meine Lieblingbücher aus diesem Genre sind die „Herr der Ringe“-Trilogie, die fünfzehnbändige Fantasysaga „Die Chroniken von Deverry“ von Katharine Kerr und die Urban-Fantasy-Reihe „Schwestern des Mondes“ von Yasmine Galenorn. Online lese ich zur Zeit eine „Being Human“-Fanfiction, die sich um eine WG aus einem Geist, einem Vampir und einem Werwolft dreht. Nur läuft diese Geschichte ein wenig anders. Fantasy mag ich zwar noch ab und zu, aber nicht mehr andauernd, da mein Schwerpunkt zur Zeit tatsächlich auf Science Fiction und Dystopien liegt.

Aber die mit Abstand von mir am meisten gelesenen Bücher sind Krimis und Thriller. Das sind auch die von mir bevorzugten Filme, und auf Wattpad durfte ich mich über längere Zeit hinweg an einer Fan Fiction erfreuen, die langsam aber sicher thrillerhafte Züge annahm, bei der die männliche Hauptperson ins Visier einer mafiaähnlichen Organisation gerät. Leider hat die Autorin das nächste Kapitel noch nicht veröffentlicht, und ich habe keine Ahnung, ob sie ihr Projekt auf Wattpad zu Ende führt.

Was bei mir zur Zeit auch noch hoch im Kurs steht, sind Biografien. Es gab eine Zeit, da habe ich mich gerne mit den Lebensgeschichten und Erinnerungen berühmter Personen beschäftigt, z.B. mit der Biografie von Hillary Clinton oder König Georg III, der seinen Verstand verlor, und die Anzahl der von mir bereits gesehenen Biopics ist über die Jahre stetig gewachsen. Allein dieses Jahr habe ich drei Filme über bekannte Künstler (Elton John, Michael Hutchence, M C Escher) gesehen. Da ich letztes Jahr die Filme über Eddie the Eagle und Paul Potts mochte und von „Bohemian Rhapsody“ geradezu überwältigt war, würde ich jetzt auch gerne mal etwas ähnliches in literarischer Form erleben. Es müssen nicht zwingend die Personen aus den Filmen sein, obwohl ich ja bereits schon ein Buch über Escher besitze. Leider habe ich bis auf den Wälzer über AC/DC noch nichts für mich Interessantes gefunden – obwohl mir ja schon die Biografien von Michelle Obama, Harry Belafonte und John Denver ans Herz gelegt worden sind. Und da ich diesen Monat „The Walk“ gesehen habe, könnte ich mich über ein Buch über den Hochseilartisten Philippe Petit erwärmen. Der hat auf einem Drahtseil 1974 den Spaziergang zwischen den beiden Twin Towers des World Trade Centers gewagt.

Um zum Schluss auf das Thema „Krimi und Thriller“ zurückzukommen, gehen manche als Thriller verpackte Kriminalromane dann doch teilweise schon in Richtung „Horror“, gerade wenn ich an die Bücher von Sebastian Fitzek denke, die oft ziemlich blutig sind. Horrorromane von Stephen King habe ich früher geradezu verschlungen, aber jetzt ist mir das dann doch zu langatmig, und ich greife lieber auf die klassischen Schauergeschichten zurück, ob modern oder klassisch – ganz egal. Hauptsache geheimnisvoll und so geschrieben, dass mir die Haare zu Berge stehen und ich aber trotzdem weiß, dass das Beschriebene nie real werden könnte.

Und Historiendramen? Die erinnern mich teilweise echt an Fantasy. Aber: Wenn’s zu real wird (außer bei Biografien), fehlt mir was – nämlich das Eintauchen in eine gänzlich andere Welt.

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Und so endet der letzte Writing Friday des Novembers bei mir mit dem Zitat „In this thriller I can’t leave the field as a winner“ (Seeed „Augenbling“).

# Writing Friday – November, 46. Woche : Der Kontrolletti

 

Das Projekt „Writing Friday“ habe ich bei elizzy entdeckt – und darum geht es:

 

Jeden Freitag wird veröffentlicht. +++ Wählt aus einem der vorgegebenen Schreibthemen. +++ Schreibt eine Geschichte / ein Gedicht / ein paar Zeilen – egal, Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben. +++ Vergesst nicht, den Hashtag #Writing Friday und den Header zu verwenden, schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch. +++ Habt Spaß und versucht, voneinander zu lernen.

 

Dies sind die Schreibthemen für den November

1) Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz: “Jonathan war noch nie in seinem Leben so glücklich wie gerade in diesem Moment. Endlich … ” beginnt. +++ 2) Es ist Zeit für den Winterschlaf – Bruno der Bär berichtet von seinen Vorbereitungen. Gib Bruno einen einmaligen Charakter und sei kreativ! +++ 3) Dein Lesesessel startet eine Demo – wofür protestiert er? Berichte davon. +++ 4) Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter ein: Wind, Comicbuch, klein, Avocado, Eule +++ 5) Welches ist dein Lieblingsgenre? Wieso ist das so? Und was magst du daran?

 

Versuch’s mal mit Gemütlichkeit. Nach Action & Musik wird’s Zeit für Literarisches. Aber gemütlich wird das heute auch nicht..

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Der Kontrolletti

Erschöpft ließen Andy und ich uns aufs Bett fallen. Es war Mitternacht, und soeben hatten wir die größte Möbelrückaktion, seit wir vor sieben Jahren hier eingezogen waren, hinter uns gebracht. Unser Möbeltetris war längst überfällig gewesen. Was hatten wir uns nur dabei gedacht, das größte Zimmer im Obergeschoss zu unserem Schlafzimmer zu machen? Dass es uns in dem kleinen Raum, den wir bisher unser Wohnzimmer genannt hatten, viel zu eng geworden war, hätte uns doch schon damals klar sein müssen. Und das lag nicht nur an den voluminösen Sesseln, die wir zu uns geholt und damit von ihrem Dasein auf dem Speicher bei Freunden erlöst hatten – spätestens da hätten wir den Zimmertausch durchziehen sollen, aber besser spät als nie. Eingeschlafen war Andy schnell, von mir konnte ich das nicht behaupten. Wirre Träume begleiteten mein eher sanftes Schlummern. An ihren Inhalt würde ich mich beim Aufwachen schon nicht mehr erinnern.

Du willst mich loswerden? Vergiss es!“ Die Stimme und die polternden Geräusche im Hintergrund waren so laut, dass ich erschrocken hochfuhr. Nein, das war nicht mein Ex gewesen, der cholerisch durch die Wohnung gewütet hatte, sondern nur einer dieser Träume gewesen. Neben mir lag Andy und schnarchte friedlich vor sich hin, und auch sonst war alles ruhig. Aber war es deshalb gut? Jetzt plagte mich auch noch Durst, und das um drei Uhr morgens. Ach, es half ja doch nichts. Ich würde wohl oder übel aufstehen und ins Bad schleichen müssen, in der Hoffnung, dass ich nicht lange wachbleiben würde. AUTSCH! Verdammte Axt, wieso war der Weg nicht frei? Mein Fuß funkte rote Schmerzsignale an mein Hirn, und schlagartig war ich wach. Na gut, dann konnte ich auch gleich das Licht einschalten. Einschlafen würde ich so bald nicht mehr. Ach, hätte ich es bloß gelassen, denn auf diesen Anblick hätte ich nur zu gerne verzichtet. Vor mir stand einer der Sessel, von denen ich sicher war, dass wir sie ausrangiert hatten, um für das neue Sofa Platz zu machen, das wir heute kaufen und aufbauen wollten. Entweder hatte Andy den Sessel gar nicht erst nach unten geschafft oder ein Witzbold hatte ihn wieder nach oben gebracht und mitten in den Gang gestellt, um mich zu ärgern. Von selbst war der Sessel garantiert nicht herauf spaziert. Ich schubste das gepolsterte Ungetüm wieder ins Wohnzimmer und setzte meinen Weg fort.

Stunden später, wir hatten den Sessel gemeinsam nach unten geschleppt und unseren Gang durchs Möbelhaus mit dem Kauf eines roten Zweisitzers beendet, fuhr Andy den geliehenen Hänger wieder zum Möbelhaus zurück, während ich die handlicheren der separat verpackten Einzelteile wie Füße, Armlehnen und Polster schon einmal nach oben trug, damit wir nur noch dem Gestell zu widmen brauchten und gleich mit dem Zusammenbauen loslegen konnten. Es ging doch nichts über einen durchdachten Plan. Ein Plan, der sich gut anhört und sich auch in der Praxis sicherlich bewährt hätte, wenn mir nicht der mitten im Zimmer thronende Sessel einen Strich durch die Rechnung gemacht hätte. Mitten im Zimmer? Äh, Moment mal! Wieso stand dieses olivgrüne Monster schon wieder hier oben und nicht unten im Hof, wo wir es hingestellt hatten? Wenn ich den erwischte, der uns diesen schon beim ersten Mal nicht lustigen Streich gespielt hatte! Erst Chaos verbreiten und dann abhauen, nicht mit mir! Genervt gab ich dem Teil einen Tritt, um den Weg freizubekommen und staunte nicht schlecht, als mir ein zusammengefalteter Briefbogen vor die Füße flatterte, mit violetten Buchstaben auf fliederfarbenem Papier.

Sie ließ sich in seine Arme sinken und gab sich ganz seiner Liebkosung hin… Ich wollte, ich könnte das Gleiche mit Dir erleben!“ – Ja, spinn‘ ich denn, dachte ich. Wer schreibt mir denn so einen Brief?! Wer auch immer das geschrieben hatte – dieser mißglückte Scherz ging eindeutig zu weit. Andy würde dieses Geschmiere ebenfalls nicht lustig finden. Welcher Mann hat auch gerne einen Nebenbuhler? Da spielt es keine Rolle, dass das Interesse einseitiger Natur ist. Den Ärger sah ich jetzt schon kommen. Dinge, die die Welt nicht braucht. Aber das Pamphlet war noch lange nicht vollendet. „Jahrelang hatte ich Dich für mich allein…“ – Hä? – „Dass Du diese fürchterlichen Liebesschnulzen in meiner Gegenwart verschlungen hast, während der Typ im Sessel neben uns herumgelungert und mit der Chipstüte geraschelt hat, habe ich akezptiert!“ – Das wurde ja immer absurder. Bitte, bitte, flehte ich innerlich um Beistand, bitte lass das nur ein Traum sein. Ich wagte mir nicht vorzustellen, dass es das war, was ich dachte (nein, wir sind hier nicht bei Christine von Stephen King, und mein Sessel hat mir keinesfalls diesen schriftlichen Beweis seiner Eifersucht zukommen lassen) – „Ich habe mich damit getröstet, dass er durch diese komischen gelben Figuren auf dem Bildschirm abgelenkt war und ich wenigstens diese eine Stunde am Abend mit Dir genießen durfte. Aber dass Du mich jetzt rauswirfst, weil Du Dich in einen Jüngeren verguckt hast: DAS. GEHT. ZU. WEIT. So schnell wirst Du mich nicht los.

Die Stimme in meinem Traum war echt gewesen. Ich konnte es nicht fassen: Mein Sessel führte sich auf wie ein eifersüchtiger Liebhaber. Schlimmer noch: Diese Drama Queen stalkte mich. Er war ein Kontollfreak, der beschlossen hatte, sich in meinem Leben festzukrallen wie ein Oktopus, und ich hatte nicht übel Lust, ihn Christian Grey zu nennen. Das hätte zu ihm besser gepasst als Sherlock. Obwohl… so ganz von dieser Welt war Holmes, der berühmte Meisterdetektiv ja auch nicht.

Ob der Sessel, in den ich mich beim Lesen von Krimis gekuschelt hatte, schon durch meine Lektüre von „Christine“ oder erst durch „Fifty Shades of Grey“ so paranoid geworden war, konnte ich nicht sagen, aber ich wusste nur eins: Wenn ich für dieses Problem keine Lösung fand, hatten Andy und ich keine ruhige Minute mehr. Den bösen Geist der Eifersucht und des Kontrollwahns konnte ihm nur ein Exorzist austreiben. Die Suche nach einem solchen würde nicht einfach werden, und bestmmt würde man uns für komplett bekloppt erklären, aber das nahm ich gerne in Kauf – auch wenn uns eine harte Zeit bevorstehen würde, bis es soweit war.

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Ja, manchmal muss man zu drastischen Maßnahmen greifen.

 

# Writing Friday – November, 45. Woche : Das Praktikum

 

Das Projekt „Writing Friday“ habe ich bei elizzy entdeckt – und darum geht es:

Jeden Freitag wird veröffentlicht. +++ Wählt aus einem der vorgegebenen Schreibthemen. +++ Schreibt eine Geschichte / ein Gedicht / ein paar Zeilen – egal, Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben. +++ Vergesst nicht, den Hashtag #Writing Friday und den Header zu verwenden, schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch. +++ Habt Spaß und versucht, voneinander zu lernen.

 

Dies sind die Schreibthemen für den November

1) Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz: “Jonathan war noch nie in seinem Leben so glücklich wie gerade in diesem Moment. Endlich … ” beginnt. +++ 2) Es ist Zeit für den Winterschlaf – Bruno der Bär berichtet von seinen Vorbereitungen. Gib Bruno einen einmaligen Charakter und sei kreativ! +++ 3) Dein Lesesessel startet eine Demo – wofür protestiert er? Berichte davon. +++ 4) Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter ein: Wind, Comicbuch, klein, Avocado, Eule +++ 5) Welches ist dein Lieblingsgenre? Wieso ist das so? Und was magst du daran?

 

Jonathans Geschichte gab’s in der letzten Woche – heute ist der Text mit den fünf eingeflochtenen Wörtern dran. Ein umgearbeitetes Manuskript von 2018, das eigentlich für einen anderen Zweck vorgesehen war, aber nicht zur Veröffentlichung.

 

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Das Praktikum

Im Studio, drei Türen von unserem entfernt, versuchen sie seit Tagen, ein Musikvideo zu drehen, was sich aber als schwieriges Unterfangen entpuppt: eine kleine, noch nicht bekannte Band will dieses Video über unseren Regionalsender ausstrahlen, anstatt es bei Youtube zu versuchen. Ab und zu bekomme ich einen kurzen Einblick in die Serie ihrer Pleiten und Pannen, und jedes Mal geht irgend etwas anderes schief. Entweder fällt der Strom aus oder es klappt nicht mit dem Zusammenspiel. Als Produzent wäre ich schon längst verzweifelt.

Verzweiflung macht sich auch bei uns breit. Während nebenan die Musik zwischen ein paar zusammengewürfelten Schrottautos und Ölfässern spielt, soll in unserem makellos hergerichteten Studio eine Kochsendung entstehen, mit der Betonung auf „soll“, denn auch wir kommen kein Stück weiter. Kein Wunder, wenn der Meister nicht nur Perfektionist, sondern auch der größte Geizhals unter der Sonne ist. Aber mich darf man ja nicht fragen. Ich mache hier in dieser Klitsche ein schlechtbezahltes Praktikum und bin unterbezahltes Mädchen für alles, das den Caterer spielen darf und darauf achten muss, dass der Spaß nicht viel kostet. Ständig müssen wir etwas anderes wiederholen, weil unser Monsieur Chef de Cuisine, die alte Eule, sein künstlerisches Empfinden gestört sieht: Mal sind die Karotten nicht glänzend genug glasiert oder die Avocados zu weich. Würde der Meisterkoch nicht so einen Wind um seine Sendung machen, wären wir längst fertig. Je länger das dauert, desto hungriger werde ich. Kaffee wäre jetzt auch nicht schlecht. Weit laufen muss ich ja nicht, aber jetzt mal ehrlich: So hatte ich mir mein Praktikum nicht vorgestellt. Bei einer Produktion dabeizusein und den Kameraleuten oder den Technikern am Mischpult über die Schulter zu gucken, hätte mir bestimmt irre viel Spaß gemacht und wäre um einiges spannender gewesen.

Als ich dann mit dem Tablett zurückkomme, wird schwungvoll die Tür aufgerissen, und ein aufgebrachter Typ stürmt heraus. Ausweichen kann ich nicht mehr, und ich fühle mich wie in einem Comicbuch – mit Sprechblasen: Rrrrums, Schepper, Dengel, fliegt das Tablett mit den Bechern durch die Luft, und ich werde geduscht. Alles Gute kommt von oben? Ha Ha Ha: heute mit Kaffee. Heiß und in allen Variationen – dreimal Kaffee schwarz und je einmal Latte Macchiato und Café au Lait. Vorher war die Lieferung auf dem Tablett noch sortiert gewesen, aber jetzt… Die Brühe trieft aus meinen Haaren, und mein vormals weißes Shirt hat nun ein nasses Flecktarnmuster und klebt vor Zucker. Die Wespen haben ihren Spaß – hui, endlich jemand, auf den sie fliegen können. Ich eher weniger, denn das Zeug ist so heiß, dass ich vor Schmerz und Schreck jaule. Der Typ ist weg. Statt dessen naht Hilfe von anderer Seite. Eine Musikerin von der Band nebenan ordnet als Erste-Hilfe-Maßnahme für mich eine kalte Dusche an, bevor sich auf meinem ganzen Oberkörper Brandblasen bilden können. Langsam aber sicher mutiere ich zu einem Eiszapfen. Nach einer Weile kommt Caro, meine Retterin mit einem überdimensionalen Shirt zurück, ich schlüpfe hinein und freue mich, dass ich mich wieder halbwegs zivilisiert unter die Leute wagen kann.

Aber ich habe mich zu früh gefreut. Der Witzbold, der mir entgegen kommt, lässt einen dämlichen Spruch fallen: „High Voltage – uuuuuh! Ssssexy!“ Na toll, ich weiß selbst, wie ich mit dem AC/DC-Aufdruck auf der Brust aussehe. „Besser Starkstrom als überhaupt keine Spannung“, gebe ich prompt zurück und registriere, wie der Typ grinsend durch die Tür verschwindet. In dem Studio, wo sie das Musikvideo drehen. Kann man diesen Tag noch steigern? Die Antwort ist „Ja“, wenn dein Team unter Koffeinentzug leidet und hochgradig verstimmt ist. Daran ist aber nicht mein Malheur mit dem Kaffee schuld, sondern der Unbekannte, der das Auto meines Chefs beschädigt und sich dann aus dem Staub gemacht hat. Ich schätze, für heute hat der Job sich erledigt, und ich kann zum gemütlichen Teil des Tages übergehen.

I would walk five hundred miles“ – für einen Kaffee? Ich komme noch nicht mal hundert Meter weit, denn ich pralle mit Caro zusammen. Sie ist stinksauer, denn ihr Auto ist weg, und sie kann sich denken, wer es sich einfach genommen hat, ohne zu fragen. Ihre Schlüssel lagen ja gut sichtbar für alle im Studio, und der einzige, der fehlt, ist ihr Schlagzeuger. Ach, ihm habe ich meinen unfreiwilligen Outfitwechsel zu verdanken? Na warte – willkommen im Club derer, die noch ein Hühnchen mit ihm zu rupfen haben. Zieh Dich lieber schon mal warm an, denke ich, bis wir Dich finden, ist es nur eine Frage der Zeit, denn früher oder später kriegen wir Dich. Und wenn wir uns zu Fuß auf die Socken machen wollen, kann es später werden. Der Meinung ist auch Caro, und als sie zurückkommt, hat sie auch schon die zündende Idee, von der ich bezweifle, dass es sich dabei um einen gut durchdachten Plan handelt: Ihr Bruderherz weiß mit Sicherheit, wohin sich Josh verkrümelt hat, und da er der einzige ist, der jetzt mit ihm noch vernünftig reden kann, soll er ihn einsammeln, sofern Josh sich nicht bereits sämtliche Lichter ausgeschossen hat. Wenn wir uns beeilen, könnte es noch nicht zu spät sein. Wir. Ich höre immer „wir“; was zum… Ja, ich habe Caro richtig verstanden. Mit „wir“ meint sie nicht sich und meine Wenigkeit, sondern mich und Alex, weil sie nämlich keine zehn Pferde auf sein Motorrad bringen würden. Ach – aber mich etwa? Sehe ich so aus, als ob ich freiwillig bei jemandem mitfahre, den ich nicht kenne? Doch sie bittet mich so sehr, dass ich mich breitschlagen lasse und schließlich doch noch zu ihrer großen Erleichterung zustimme. Wer jetzt noch fehlt, ist Alex.

Surprise, surprise – der Preis ist heiß… Als er dann auftaucht, schlage ich mir innerlich mit der flachen Hand gegen die Stirn. Der Typ mit dem High-Voltage-Spruch von vorhin? Und bei dem soll ich auf dem Soziussitz mitfahren? Na, das kann ja was werden! Können wir bitte diesen Tag ganz aus dem Kalender streichen? Ich will nicht, aber leider habe ich Caro bereits versprochen, dass ich ihr helfe und ihren Bruder auf dem Motorrad begleite. Wenigstens hat er einen zweiten Helm dabei: Safety first. Das sind die Regeln. So geht das Spiel. Hoffen wir mal, dass hier nicht falsch gespielt wird.

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1025 Wörter – nicht zur Veröffentlichung bestimmt? Nun denn… offenes Ende oder nicht, ob’s weitergeht, weiß ich noch nicht.