# Writing Friday – September, 36. Woche

 

Das Projekt „Writing Friday“ habe ich bei elizzy entdeckt – und darum geht es:

Jeden Freitag wird veröffentlicht.   +++   Wählt aus einem der vorgegebenen Schreibthemen.   +++   Schreibt eine Geschichte / ein Gedicht / ein paar Zeilen – egal, Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben.   +++   Vergesst nicht, den Hashtag #Writing Friday und den Header zu verwenden, schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch.    +++  Habt Spaß und versucht, voneinander zu lernen.

 

Dies sind die Schreibthemen für den September

1) Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz: “Sie war tatsächlich zu einer Elfe geworden und das obwohl….” beginnt.    +++   2) Schreibe aus der Sicht von Dornröschen, die über 100 Jahre lang geschlafen hat und im Jahr 2019 wieder erwacht. +++   3) Clarissa ist 18 Jahre alt und lebt im Jahr 2119 in einer Untergrundorganisation in London. Gegen was setzt sie sich mit den anderen Mitglieder ein?   +++   4) Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter ein: Zaubertrank, entdeckt, Bergkette, verborgen, Sternenhimmel   +++   5) Erzähle von einem Wolfsrudel, welcher Wolf wärst du? Was wäre deine Aufgabe im Rudel?

Diesen Monat geht es märchenhaft zu: Elfe, Dornröschen… Da liefert die vierte Schreibaufgabe doch den idealen Auftakt, und zwar mit Schneewittchen und den sieben Zwergen, denen ich in meiner Version Namen gegeben habe: Alpha (der Boss), Beta (sein Deputy), Gamma, Delta, Kappa, My (der Kleinste) und Omega (weil er der letzte ist).

 

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Tief verborgen im Wald, hinter den Bergen, bei den sieben Zwergen… doch halt! Wie hätte die Geschichte wohl ausgesehen, wenn sich ein Teil von ihr womöglich ein klein wenig anders zugetragen hätte?

Schneewittchen reloaded

Am östlichen Horizont nahm der verblassende Sternenhimmel bereits eine zarte bläuliche Färbung an, als das Zuhause der sieben Zwerge endlich in Sichtweite kam. Wie sie sich nach der anstrengenden Nachtschicht auf ihre weichen Bettchen freuten – besonders My, der Kleinste von ihnen. Zuerst waren sie ja skeptisch gewesen, ob er die ohnehin schon harte Arbeit in der unbeliebtesten Schicht durchhalten würde, aber wider Erwarten hatte er die Zähne zusammengebissen wie ein Großer und sich wacker geschlagen. Nur noch ein Schluck von dem Trunk, den Kappa zubereitet hatte und nur noch aufwärmen musste, dann konnte My endlich…

Was zum!“ hörte er Gamma rufen, und als dann noch Beta und Delta genauso unerfreut reagierten, ahnte er, dass er so bald keine Ruhe finden würde. „Jemand war hier.“ – mehr musste er gar nicht hören. So ein Mist. Der Kessel war leer: Jemand hatte sich nicht nur über den Kessel hergemacht, sondern sich auch gleich am Käse bedient, und das galt auch für die Wurst, die an einem Haken von der Decke baumelte, um sie vor Mäusen zu schützen. Mäuse konnten das unmöglich gewesen sein. Hatte Omega etwa nicht abgeschlossen? Als letzter der Arbeits- und Wohngemeinschaft der Zwerge hieß er schließlich nicht umsonst so, aber Omega war sich keiner Schuld bewusst. Doch alle Spekulationen waren sinnlos, denn sie hatten ungebetenen Besuch, und alles wies darauf hin, dass er noch nicht fort war. Es war Omega, der die Spuren als Erster entdeckte. Fußabdrücke aus Mehl wiesen ihnen den Weg geradewegs in ihren Schlafbereich hinein. Ab hier übernahm Alpha, der Chef des Bergarbeitertrupps, wieder das Kommando. Nachdem sein Stellvertreter Beta ihm noch schnell einen Kerzenleuchter in die Hand gedrückt und seinen Kollegen geraten hatte, sich ebenfalls zu bewaffnen, öffnete Alpha vorsichtig die Tür, die My vor Arbeitsbeginn zum Glück noch schnell geölt hatte.

Zunächst konnten sie außer undeutlicher Schemen nicht viel erkennen, und doch wussten sie, dass da etwas schlummerte und leise vor sich hin schnarchte. Hoffentlich kein Bär – die gab es zwar nur auf der anderen Seite der Bergkette, in der sie Erz abbauten, aber man konnte nie wissen. Alpha winkte Delta heran, um ihn vorzuschicken. Der hatte erstens die besten Augen von allen und zweitens war er so schlau gewesen, sich einen Besen zu schnappen. Das perfekte Werkzeug, um den Eindringling mit genug Abstand anzustupsen und so herauszufinden, wer sich so dreist in ihrem Haus breitmachte. Die Fingerknöchel weiß, so fest hielt Delta den Besenstiel umklammert, näherte er sich auf Zehenspitzen der gleichmäßig atmenden Gestalt mit einem ungewöhnlich tiefen Schlaf. Noch zwei Schritte, dann erkannte er: Das war kein Bär, und auch weder Fuchs noch Wildkatze. Vor ihm lag ein menschliches Wesen, und es roch nach Alkohol.

Na toll, stöhnte er, als er mit dem Fuß gegen den leeren Krug stieß, der zur Hälfte unter dem Kopf der Bettenreihe hervorlugte: Nicht nur, dass die wichtigsten Nahrungsmittel dem Einbrecher zum Opfer gefallen waren, auch seinen „Zaubertrank“, den er stundenlang und mit viel Liebe aus den Kräutern des Waldes destilliert hatte, hatte es erwischt. Jetzt war Delta wirklich sauer. Als Vegetarier hatte er sich aus Wurst sowieso nie viel gemacht, aber bei seiner hochprozentigen Köstlichkeit, die so manch langen Winterabend erst erträglich machte und sich außerdem hervorragend zum Einreiben gegen Muskelkater eignete, hörte der Spaß auf. Delta sah Rot. Erst unsere Vorräte plündern, dachte er, und dann Deinen Rausch in unseren Betten ausschlafen – Dir geb ich’s, Freundchen! – Und anstatt die vor ihm liegende Person mit dem Stiel zu berühren, drosch er mit den Borsten auf sie ein. Autsch! Das tat ja schon beim Hinsehen weh. Entsetzt hielt My sich die Augen zu. Wenn er es nun totschlägt. Jemand sollte Delta bremsen, bevor es richtig blutig wird.

Aber Deltas Opfer war hart im Nehmen. Jeden anderen hätte er mit Schlägen dieses Kalibers außer Gefecht gesetzt, nicht aber diesen… Moment – das war zwar ein Mensch, aber kein Er, sondern eine Sie. Und sie war wunderschön. Jedenfalls für Kappa, Beta und Gamma, die ungewöhnlich schnell die Fassung wiedererlangt hatten. My musste sich doch sehr über seine Gesellen wundern. Gewiss, mit ihren roten Lippen und rabenschwarzem Haar war sie recht hübsch, und mit einer vornehmen Blässe war sie auch gesegnet, aber warum jetzt auch noch Omega sichtbar dahinschmolz, ging über seinen Verstand. Hilfesuchend wandte er sich an den Boss, in der Hoffnung, dass der für Ordnung sorgen würde. Aber der dachte gar nicht dran, die Schnapsleiche von ihrem Lager zu entfernen. Statt dessen rissen sich seine Kumpel darum, die Betten so zusammenzuschieben, dass alle Platz fanden.

Mir reicht’s!“ zischte My und machte auf dem Absatz kehrt. Die hatten doch nicht mehr alle Nuggets auf der Lore. Wütend stapfte er zurück an die Feuerstelle. Delta setzte sich zu ihm, dem das hier ebenfalls nicht passte. „Hoffen wir mal, dass er dieser Tussi ordentlich die Ohren langzieht, wenn sie wieder nüchtern ist“, sagte er trocken zu My, und die beiden kratzten die letzten Reste zusammen, die die Unbekannte im Kessel übrig gelassen hatte.

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Wie es mit den sieben Zwergen und Schneewittchen weitergeht, ist bekannt. Aber seid Ihr Euch jetzt wirklich immer noch so sicher, dass die Zwerge Schneewittchen nur aus Mitleid bei sich haben wohnen lassen oder weil sie sie gar so hübsch fanden? Das Leben besteht schließlich aus Geben und Nehmen, und wer sich einfach Dinge nimmt, die ihm nicht gehören, ist der perfekte Kandidat zum Verrichten der unangenehmen Arbeiten wie den Hühnerstall auszumisten oder Zwiebeln und Kartoffeln zu schälen. Und am Ende ist dann auch Delta wieder versöhnt, weil er in My eine große Hilfe beim Destillieren gefunden hat. Zusammen denken sie sich neue Rezepte aus – und auch so manch andere kleine Bosheit. Denn schließlich soll das Leben ja spannend bleiben.

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# Writing Friday – week 35.2

 

Das Projekt „Writing Friday“ habe ich bei elizzy entdeckt – und darum geht es:

Jeden Freitag wird veröffentlicht. +++ Wählt aus einem der vorgegebenen Schreibthemen. +++ Schreibt eine Geschichte / ein Gedicht / ein paar Zeilen – egal, Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben. +++ Vergesst nicht, den Hashtag #Writing Friday und den Header zu verwenden, schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch. +++ Habt Spaß und versucht, voneinander zu lernen.

Dies sind die Schreibthemen für den August:

1) Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz: “Der Regen brannte auf ihrer Haut, weil…” beginnt.

2) Schreibe aus der Sicht deiner Zimmerpflanze.

3) Erkläre deinem SuB wieso du keine Zeit für ihn hast.

4) Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter ein: Malkasten, Sonnenblumen, hungrig, Orange, Unglück

5) Du entwirfst Postkarten mit Lebensweisheiten darauf, was würde auf einer davon stehen? Lebst du danach?

Dies wird heute noch ein Freitag, an dem ich mich eines zweiten Schreibthemas annehme, denn schließlich will der eine ausgefallene Freitag ja irgendwie kompensiert werden.

 

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Der Regen brannte auf ihrer Haut, weil sie innerlich glühte: Vierzig Grad Fieber, und draußen waren es 38°C. Sarah schleppte sich wieder zurück vom Balkon in ihre winzige Wohnung, die sich anfühlte wie ein Backofen. Dabei war es erst Juni. Den Versuch, sich ein kaltes Bad einzulassen, hatte sie recht schnell aufgegeben, nachdem nur noch lauwarmes Wasser aus der Leitung gekommen war. Eis oder Cool Packs hatte sie auch keine im Haus, und um welche zu kaufen, hätte sie das Haus verlassen müssen, aber ihr fehlte die Kraft dazu. Sarah gelang es gerade noch, eine SMS an Andy zu schicken, dann sackte sie erschöpft auf dem Sofa zusammen. Sie konnte nur noch warten, dass er nach Hause kam. Hoffentlich war er bald da…

Es war schon dunkel, als Andy kurz nach zehn die Wohnungstür öffnete, und er wusste sofort: Hier war etwas ganz und gar nicht in Ordnung, denn sonst empfing ihn die volle Festbeleuchtung, wenn Sarah zu Hause war. Musik lief auch keine. Nur das Ticken der Uhr war zu hören. Und Atemgeräusche direkt neben ihm, die vom Sofa kamen. Dass Sarah im Wohnzimmer ein Nickerchen machte, und dann auch noch so früh, war ebenfalls ungewöhnlich. Beunruhigt schaltete er das funzelige Licht im Wohnzimmer an. Vor ihm auf dem Sofa lag Sarah, zusammengekrümmt und mit Schweiß auf der Stirn, während ihr ganzer Körper zitterte, als ob es tiefster Winter wäre.

Automatisch berührte er ihre Stirn und zog die Hand im selben Moment zurück, als ob seine Freundin in Flammen stünde und seine Hand gleich mit. Und nun wusste er auch, was Sarahs Nachricht zu bedeuten hatte und warum sie auf seine Antwort nicht mehr reagiert hatte. Schon da war ihm mulmig gewesen, aber er hatte die Zentrale nicht verlassen können, bevor seine Schicht beendet war.

Eine Lösung musste her, und zwar schnell. Bis die Cool Packs, die er auf dem Rückweg bei der erstbesten Tankstelle gekauft hatte, die richtige Temperatur hatten, um Sarah die nötige Kühlung zu verschaffen, würde es ewig dauern. Eiswürfel? Fehlanzeige! Es gab nur noch eines, was er tun konnte. „Wach auf, Schatz“, weckte er sie und drückte ihr ein Glas mit Sprudelwasser aus dem Kühlschrank in die Hand „Trink das her erst mal aus. Und dann komm mit.“

Zwanzig Minuten später hatte er sie endlich ins Auto verfrachtet und lenkte den Wagen hinaus aus der Stadt. Der Fahrtwind, den sie durch die geöffneten Fenster spürten, zeigte bereits Wirkung, doch erst am idyllisch im Wald gelegenen Badesee, weit draußen vor der Stadt, konnte sie auf Linderung hoffen, denn dort war es bedeutend kühler. Zwar nur fünf Grad, aber die genügten bereits. Zum Glück hatte der Biergarten direkt am See noch geöffnet. Er würde zwar bald schließen, aber für ein großes Radler war noch ausreichend Zeit. Und für Eiswürfel. Jede Menge Eiswürfel. Und wenn das nicht reichte, die nächste Tankstelle, bei der es „Crushed Ice“ im Beutel gab, kam auch bestimmt.

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Und damit hätte ich es dann zum ersten Mal geschafft, zu allen Themen etwas zu schreiben. In Erinnerung an den ersten ungewöhnlich heißen Sommer, den ich 2003 „erleben“ durfte.

# Writing Friday – week 35.1

 

Das Projekt „Writing Friday“ habe ich bei elizzy entdeckt – und darum geht es:

Jeden Freitag wird veröffentlicht. +++ Wählt aus einem der vorgegebenen Schreibthemen. +++ Schreibt eine Geschichte / ein Gedicht / ein paar Zeilen – egal, Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben. +++ Vergesst nicht, den Hashtag #Writing Friday und den Header zu verwenden, schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch. +++ Habt Spaß und versucht, voneinander zu lernen.

Dies sind die Schreibthemen für den August:

1) Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz: “Der Regen brannte auf ihrer Haut, weil…” beginnt.   +++   2) Schreibe aus der Sicht deiner Zimmerpflanze.   +++ 3) Erkläre deinem SuB wieso du keine Zeit für ihn hast.  +++4) Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter ein: Malkasten, Sonnenblumen, hungrig, Orange, Unglück.   +++5) Du entwirfst Postkarten mit Lebensweisheiten darauf, was würde auf einer davon stehen? Lebst du danach?

Damit auch im Urlaub meine Zimmerpflanze nicht zu kurz kommt und meine Vertretung es einfacher beim Gießen hat, habe ich ihr ein Helferlein an die Seite gestellt. Was meine Pflanze davon hält, könnt ihr heute lesen.

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So ein Großmaul

Als ob ich nicht schon viel zu wenig Platz in diesem kleinen Topf hätte, jetzt kommt die da und bringt mir auch noch den da mit. „Die da“ ist das wandelnde Geschöpf, das sich eigentlich um mich kümmern sollte, aber lieber durch die Weltgeschichte gondelt und mich allein in dieser Messiebude zurücklässt. Obwohl ich ja eigentlich nicht alleine bin. Als neueste Errungenschaft protzt da so ein junger Hüpfer von Aloe Vera mit seinen stacheligen Blättern. „Seht her, wie groß und stark ich schon bin – und mit wie wenig Wasser ich auskomme!“ Der Angeber! Ha ha, so ein Wüstenbewohner hat ja auch leicht reden. Obwohl… reden tut der genauso wenig wie ich. Aber obwohl er auch anders könnte, zieht er es vor, nicht zu kommunizieren. Der perfekte Geselle für dieses geschuppte Ungetüm, das Tag für Tag auf seinem Lieblingsast im Terrarium abhängt.

Meine Süße, meine Schönheit…“ och, menno, für mich hat „Die da“ keine so netten Koseworte. Ich kann ja schon froh sein, wenn sie mal die Jalousien runterlässt, damit ich nicht so viel Sonne abkriege oder, was ganz selten ist, „Hallo“ zu mir sagt. Aber wenigstens bekomme ich wieder regelmäßig frisches Wasser. Das war nicht immer so. Und darum war meine Rache auch gnadenlos: Ich habe alle Blätter zu Stroh werden lassen und von mir geworfen. Damit ihr Staubsauger auch mal was zu tun hat. Ha! Der hab ich‘ s aber gezeigt. Vielleicht hat sie dieses eine, übriggebliebene Blatt zum Umdenken bewegt, und sie gießt mich jetzt endlich öfters. Und weil das anscheinend keine einmalige, kurzlebige Phase war, dachte ich, ich bin mal nicht so und fahre neue Blättchen aus, in frischem, hellem Grün. Schließlich besteht das Leben aus Geben und Nehmen. Gegeben hat „die da“ mir, wie schon erwähnt, „den da“: ein dickbauchiges Großmaul in Orange, das nur so dasitzt und mich mit dem Allerwertesten nicht anblickt. Quaken kann dieser Plastikfrosch auch nicht. Dafür kommt jetzt die Gießvertretung alle paar Tage angeschlappt und füllt das Großmaul mit Wasser, damit ich nicht verdurste. Na ja, besser als nichts, und bald ist „die da“ auch wieder von ihrer Reise zurück. Ob mir bis dahin ein passenderer Name für sie einfällt? Eine zweite Chance hätte sie ja verdient.

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Großmaul

 

Was für eine Diva. Sie ist zwar noch klein, aber schmollen kann sie schon wie eine Große. Wie gut, dass sie nicht nachtragend ist und noch ein paar neue Blättchen hervorgebracht hat.

# Writing Friday – week 34.2

 

Das Projekt „Writing Friday“ habe ich bei elizzy entdeckt – und darum geht es:

Jeden Freitag wird veröffentlicht.   +++   Wählt aus einem der vorgegebenen Schreibthemen.    +++   Schreibt eine Geschichte / ein Gedicht / ein paar Zeilen – egal, Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben.   +++   Vergesst nicht, den Hashtag #Writing Friday und den Header zu verwenden, schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch.    +++   Habt Spaß und versucht, voneinander zu lernen.

 

Dies sind die Schreibthemen für den August:

1) Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz: “Der Regen brannte auf ihrer Haut, weil…” beginnt.   +++   2) Schreibe aus der Sicht deiner Zimmerpflanze.   +++   3) Erkläre deinem SuB wieso du keine Zeit für ihn hast.   +++   4) Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter ein: Malkasten, Sonnenblumen, hungrig, Orange, Unglück.   +++   5) Du entwirfst Postkarten mit Lebensweisheiten darauf, was würde auf einer davon stehen? Lebst du danach?

Die Woche 33 habe ich ausfallen lassen, weil ich Urlaub hatte und meinem SuB (Stapelchen des ungelesenen Buchs) eine Ansichtskarte von den Niagarafällen mitbringen wollte. Pünktlich zum Freitag ist ein Fragment fertig geworden, das den Versuch einer Geschichte mit eingeflochtenen Worten darstellen soll.

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Jet Lag

Die Farbe Orange wird oft mit Geselligkeit, Genuss und Aktivität assoziiert, dachte ich und war nun erst recht hellwach. Nun war es da, das Unglück, vor dem mich alle gewarnt hatten, wenn auch in anderer Form. Hunger! Gewiss war der gerahmte Kunstdruck an der Wand gegenüber daran schuld. Wer ist denn auch so blöd, ausgerechnet van Goghs Sonnenblumen in ein Hotelzimmer zu hängen.

Du wirst an einem üblen Jet Lag leiden, wenn du nach Toronto fliegst“, hatten sie gesagt und mich gefragt, ob ich nicht doch lieber im Urlaub wieder nach Schottland fahren wollte, oder nach England, oder nach… Nein, sorry, liebe Leute – auf keinen Fall wollte ich in diesem alten Trott weitermachen wie bisher. Viel zu lange hatte ich an alten Gewohnheiten festgehalten – Zeit, dieses Jahr mal etwas neues zu wagen, und weil drei Wochen für eine Reise nach und durch Australien nicht ausreichen, ich aber unbedingt auf einen anderen Kontinent wollte, hatte ich mich für Kanada entschieden. Da war es schön grün: so viele Wälder, so viele Seen – und der Flug war nicht so lang. Trotzdem hatten sieben Stunden gereicht, dass ich jetzt um zwei Uhr nachts kerzengerade im Bett saß und nur noch ans Essen denken konnte. Dass jetzt diese vermaledeite Farbe durch mein Hirn spukte, machte es nicht besser. Dank ihr war ich jetzt erst recht hungrig, und Frühstück würde es erst in viereinhalb Stunden geben. Das Licht zu löschen und Schäfchen zu zählen, war ebenfalls keine Lösung. Die wolligen Vierbeiner verwandelten sich in hüpfende Burger, einer saftiger als der andere. Die Vorhänge ließ ich am besten gleich zugezogen, denn wenn ich aus dem Fenster sah, strahlte mir wie zum Hohn die grelle Leuchtreklame eines Diners entgegen. Grummel!

Ein Malkasten bietet so große Möglichkeiten zur Auswahl – wer für die Zimmergestaltung verantwortlich war, hätte doch sicher ein beruhigenderes Motiv wie den Seerosenteich oder die Sternennacht an die Wand hängen können, wenn es schon ein Gemälde von van Gogh sein musste. Frustriert griff ich zu meinem Schmöker, der auf meinem Nachttisch lag. „Die Tribute von Panem – Gefährliche Liebe“ – das Gemetzel in der Arena würde mir garantiert den Appetit verderben, und schlafen konnte ich ohnehin nicht. Da konnte ich mir auch einen dystopischen Thriller reinziehen und hoffen, dass die wiederkehrenden Beschreibungen, wie die Arena nun genau aufgebaut war, den gewünschten Effekt herbeiführen würden. Dass die Helden der Geschichte in den Genuss von essbaren Sponsorengeschenken kommen würden, war jedenfalls so bald nicht zu erwarten. Entschlossen blätterte ich die Seiten um. Konnte es eine passendere Beschäftigung geben?

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An dieser Stelle beende ich das Experiment zur 34. Woche – am Ende bin ich dann doch eingeschlafen, als ich erkennen musste, wie langsam sich die Beziehung zwischen Katniss und Peeta entwickelt.

# Writing Friday – week 34.1

 

Das Projekt „Writing Friday“ habe ich bei elizzy entdeckt – und darum geht es:

Jeden Freitag wird veröffentlicht. +++ Wählt aus einem der vorgegebenen Schreibthemen. +++ Schreibt eine Geschichte / ein Gedicht / ein paar Zeilen – egal, Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben. +++ Vergesst nicht, den Hashtag #Writing Friday und den Header zu verwenden, schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch. +++ Habt Spaß und versucht, voneinander zu lernen.

 

Dies sind die Schreibthemen für den August:

1) Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz: “Der Regen brannte auf ihrer Haut, weil…” beginnt.   +++   2) Schreibe aus der Sicht deiner Zimmerpflanze.   +++   3) Erkläre deinem SuB wieso du keine Zeit für ihn hast.   +++   4) Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter ein: Malkasten, Sonnenblumen, hungrig, Orange, Unglück   +++   5) Du entwirfst Postkarten mit Lebensweisheiten darauf, was würde auf einer davon stehen? Lebst du danach?

 

Mit einer Postkarte habe ich mich in den Sommerurlaub verabschiedet, um für zwei Wochen auf Tauchstation zu gehen. Passend dazu widme ich mich heute dem SuB – dem Stapel ungelesener Bücher, den ich während dieser Zeit zu Hause zurückgelassen habe. Eigentlich ist es ein Stapelchen, weil es zur Zeit nur aus einem Buch besteht.

 

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Liebes Stapelchen, es fällt mir schwer, doch jetzt ist es soweit:

Du bist zwar klein, dennoch lass‘ ich Dich allein.

Lang hab ich gesucht und die Traumreise gebucht.

Ich reise gern mit leichtem Gepäck, und deshalb flieg‘ ich ohne Dich weg.

Im Koffer ist der Platz begrenzt, drum hab‘ ich Dich nicht rein gezwängt.

Erleben möchte ich die große Sause, und darum gönn‘ ich Dir ’ne Pause.

Bestimmt hast Du von mir genug – ach Mensch, die Zeit vergeht doch wie im Flug.

Damit Du nicht so traurig bist, greife ich zu einer List.

Ich zeig Dir meine Lieblingsstelle vom Fuß der Niagarafälle.

Ich hoffe, Du hast nicht sehr geweint; sehr bald schon sind wir neu vereint.

Dann widme ich mich Dir aufs Neue und halt‘ Dir weiterhin die Treue.

Mit sonnigen Grüßen – von Deiner Leseratte.

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Und damit das Stapelchen nicht traurig sein muss, habe ich ihm aus dem Urlaub eine schöne Ansichtskarte aus Kanada mitgebracht.

# Writing Friday – week 32

 

Das Projekt „Writing Friday“ habe ich bei elizzy entdeckt – und darum geht es:

Jeden Freitag wird veröffentlicht. — Wählt aus einem der vorgegebenen Schreibthemen. — Schreibt eine Geschichte / ein Gedicht / ein paar Zeilen – egal, Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben. — Vergesst nicht, den Hashtag #Writing Friday und den Header zu verwenden. — Schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch. — Habt Spaß und versucht, voneinander zu lernen.

 

Dies sind die Schreibthemen für den August:

1) Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz: “Der Regen brannte auf ihrer Haut, weil…”  beginnt. +++ 2) Schreibe aus der Sicht deiner Zimmerpflanze.  +++ 3) Erkläre deinem SuB wieso du keine Zeit für ihn hast. +++ 4) Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter ein: Malkasten, Sonnenblumen, hungrig, Orange, Unglück. +++ 5) Du entwirfst Postkarten mit Lebensweisheiten darauf, was würde auf einer davon stehen? Lebst du danach?

Da ich gerne bastele und immer nach Ideen zur Verwendung meiner Schnappschüsse suche, kommt mir das Postkartenthema sehr entgegen; leider ist es gestern so spät geworden, dass ich nichts mehr geregelt bekommen habe. Und weil viele anscheinend auch nichts mehr ohne Smartphone geregelt bekommen, habe ich für meine Karte den dazu passenden Spruch ausgewählt, den ich vor längerem auf Pinterest gefunden habe:

 

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Aber Wasser predigen und Wein trinken – das trifft in diesem Fall nicht auf mich zu, denn ich unternehme tatsächlich vieles ohne permanentes Daddeln auf dem Handy.  Damit ich mittendrin bin und nicht bloß dabei.

# Writing Friday : week 30

 

Der Writing Friday ist ein Projekt, das ich bei elizzy entdeckt habe.

Jeden Freitag veröffentlichen alle Mitmachenden einen Beitrag, den sie zu einem vorgegebenen Thema geschrieben haben, sei es als Kurzgeschichte, Gedicht, oder ähnlichem – genaueres steht in den Regeln ganz am Schluss, und der Juli hatte wieder interessante Schreibaufgaben zu bieten.

Meine Geschichte „Projektwoche“, die mit dem Satz: “Dieser Sommertag, war nicht wie jeder andere, denn…” begann, bildete die Fortsetzung zu „Simplicissimus“, in der die Wörter „Schneckenhaus, grasgrün, Baum, Gelächter und Buch“ vorkamen. Nun findet die Reihe mit der Aufgabe, über eine Romanze in einer Gelateria zu schreiben, vorerst ihren Abschluss…

 

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Der gefrorene Moment

Was hast Du Dir bloß dabei gedacht? Wenn er sich nicht wie ein Weltmeister in einem Affenzahn die Finger wund getippt hätte, wären wir niemals rechtzeitig mit diesem Referat fertig geworden. Und schon gar keine zehn Punkte dafür bekommen. Und so dankst Du es ihm: Indem Du einfach ein Foto schießt und dann abhaust? Wenigstens fragen hättest Du können. Jetzt ist er bestimmt sauer. Und das zu Recht… Dass sie sich einfach so angeschlichen und den Auslöser betätigt hatte – wie leicht das doch gewesen war. Jetzt plagte sie das schlechte Gewissen.

Das Motiv war aber auch zu verlockend gewesen. Ihr erstes Foto für ihr Projekt, das einzige an diesem Tag: in der Mitte gestochen scharf, und der konzentrierte Gesichtsausdruck ihres Klassenkameraden an der Gitarre als zentrales Bildmotiv, an den Rändern leicht verwischt. Heute morgen war der Film dann doch noch voll geworden. Lea hatte ihn kurz darauf entwickelt und sich geradewegs in die Früchte ihrer Arbeit verliebt. Kontrastreiche Aufnahmen waren genau ihr Ding, und jetzt konnte sie womöglich davon nur einen Teil verwenden. Es war zum Heulen! Bilder von Leuten ohne deren Zustimmung zu veröffentlichen oder irgendwo hochzuladen, war für sie persönlich tabu – auch wenn angeblich alle Teilnehmer an der Projektwoche mit ihrer Unterschrift auf einem Wisch ihr Einverständnis dazu gegeben hatten. Die Aufnahmen sollten ja nicht online gestellt werden, sondern in einer gedruckten Sonderausgabe der Schülerzeitung für die erste Woche des neuen Schuljahres erscheinen. Ja, träumt schön weiter. Ihr werdet schön dumm gucken, wenn die ersten Beschwerden eintrudeln. Nein, so lange das nicht geklärt war, blieb dieses Foto unter Verschluss. Es half nichts, sie musste so schnell wie möglich mit Michael reden.

Leider war ihr Fotomodell wider Willen wie vom Erdboden verschluckt. Lea hatte das gesamte Schulgelände durchkämmt, musste sich dann aber geschlagen geben und die Suche abbrechen, denn sie war um fünfzehn Uhr mit Sally bei Claudio verabredet, und sie wollte sie nicht versetzen. Mit den Negativen und einigen Abzügen in ihrer Tasche, betrat sie kurz vor drei das Eiscafé. Sally erwartete sie bereits mit Spannung. Auch Lea war neugierig auf das, was Sally im Alleingang fabriziert hatte. Sie hoffte, dass sie dadurch auf eine sinnvolle Idee für ihr gemeinsames Projekt kamen.

Bild für Bild wanderte aus Sallys Mappe auf den kleinen Cafétisch, auf dem es bald schon kein freies Fleckchen mehr gab, so dass der Kellner Mühe hatte, die beiden Milchshakes – Schokolade für Sally und Limette für Lea – so zu plazieren dass sie nicht umkippten und sich über die Fotos ergossen. Das wäre schade, denn Sally war gestern unglaublich produktiv gewesen. Zwar war Finn auffallend oft auf den Bildern zu sehen, aber dafür hatte sie auch einen ordentlichen Querschnitt durch das gesamte Kursangebot der Projektwoche eingefangen. Natürlich waren die Basketballer doch dabei gewesen, wenn auch ohne Jo. Wetten, dass der von ihr Angebetete dieselbe Idee gehabt hatte? Sally hatte sich also immer noch nicht von dieser fixen Idee verabschiedet, ihrem Schwarm auf Schritt und Tritt zu folgen.

Du warst ja richtig fleißig – im Gegensatz zu mir.“ Das Kompliment fiel ihr nicht leicht, und im Gegenzug wollte Sally wissen, ob das stimmte. „Hier, bitte“, sagte Lea und holte die wenigen Aufnahmen aus der Tasche: Fahrräder im Detail – so früh am Morgen war sie dabei niemandem im Weg gewesen; das Arbeitsmaterial und die Schneiderpuppen der Näh-AG – ein bißchen wenig, um das Ergebnis zu erraten; und schließlich die Reagenzgläser, Kittel und Schutzbrillen der Chemie-AG in ihrem Versuchslabor. Die Negative, die zwischen den Bildern lagen, waren Sally egal. Ihr Interesse galt den Bildern. Warum hatte Lea nicht mehr aus ihnen herausgeholt? Und warum waren es so wenige, wo sie doch so viele Negativstreifen hatte? Sie war sich sicher, dass die Partnerin ihr etwas verheimlichte. Es musste einen Grund haben, dass sie vorhin so hastig und gleichzeitig übertrieben lässig ihre Arbeiten aus der Tasche gezogen hatte. Sallys Moment war gekommen, als Lea zur Toilette ging: Mit fliegenden Fingern arbeitete sie sich durch deren riesige Tasche. Dass Lea ein kleiner Messie war, hatte sie schon gestern geahnt, aber dieses Chaos übertraf alles. Wonach suchte sie eigentlich konkret? So langsam lief ihr die Zeit davon… doch halt! Was war das? Wieso hatte Lea dieses geniale Foto unterschlagen? Ein Typ an der Gitarre, das erste Bild, auf dem Lea eine Person abgelichtet hatte und das endlich mal interessant war. Aber was für eines… Fasziniert starrte sie diesen Gesichtsausdruck an, den nur Menschen haben können, die in ihr Tun so vertieft sind, dass sie alles um sich herum vergessen…

So wie Sally gerade in diesem Augenblick.

Erwischt! Da gehe ich bloß für fünf Minuten aufs Klo, und die Kollegin schnüffelt einfach in meinen Sachen? Ohne mich vorher zu fragen? Halt, Sally Thompson. Sie werden… zu meinem nächsten Opfer. Gedacht, getan – ohne nachzudenken, griff sie nach ihrer Kamera, die sie die ganze Zeit über umhängen hatte und visierte Sally an. Diese saß wie eingefroren da und starrte das Foto an, das Lea von Michael geschossen hatte, und konnte ihren Blick nicht von ihm lösen. Vergessen war Finn, der ihr bisher sowieso nur die kalte Schulter gezeigt hatte. Sie musste blind gewesen sein. Warum hatte Lea ihr dieses Foto vorenthalten? Und vor allem: Wer war er? Ein Räuspern riss sie aus ihren Tagträumen. Lea stand plötzlich hinter ihr – was für ein peinlicher Moment. Vor lauter Schreck kiekste Sallys Stimme eine Oktave höher das erstbeste, das ihr einfiel: „Wer ist denn dieser schnuckelige Typ an der Gitarre?“ – So ein affiges Getue! Kein Wunder, dass Lea wenig begeistert war: „Erstens ist das privat und geht dich nichts an“, gab sie zurück und entriss ihr das Foto. „Und zweitens heißt ‚der schnuckelige Typ‘ Michael und sitzt dort drüben.“ – Da drüben… was für eine kryptische Angabe: Unter den Sonnenschirmen konnte Sally ihn jedenfalls nicht entdecken. Oh Mann, wie schwer von Begriff konnte man sein? Lea fasste sich innerlich an die Stirn und deutete mit ihrem ausgestreckten Eislöffel quer über den Platz, an dessen anderem Ende ihr Klassenkamerad mit einer Gitarre auf einem Hocker saß und spielte, während Passanten Kleingeld in die Zigarrenkiste zu seinen Füßen warfen. Lange konnte er da noch nicht sitzen, und sie wusste, wenn er sie sah, war die Situation da, die sie insgeheim fürchtete: der Moment, Farbe zu bekennen.

Fasziniert folgte Sally Leas Wegweiser mit den Augen und blieb an ihm hängen. Ja, das war er – genauso chaotisch wie auf dem Bild, aber irgendwie süß. Hatte Michael Leas Gefuchtel mit dem Löffel mitbekommen oder war das ein Fall von Gedankenübertragung? Als er den Kopf hob, traf sein Blick den von Sally. Für einen Moment stand die Erde still, und die Zeit fror ein. Michael hörte auf, zu spielen. Stille. Selbst das Gezwitscher im Baum über ihnen verstummte. Welche Ähnlichkeit mit dem Film „Matrix“ diese Szene auf einmal hatte – ein Bann, den für die wenigen, sich unendlich anfühlenden Sekunden nichts und niemand brechen konnte. Nicht der Kellner mit seinem Gewusel, nicht Lea, und nicht die vorbeihuschenden Leute. Dann kam er wie in Zeitlupe auf die beiden Mädchen zu, von denen ihn eine mit offenem Mund anstarrte, während das Eis in ihrem Glas dahinschmolz. Und die wiederum von Lea ins Visier genommen wurde. Ach ja, richtig, mit Lea hatte er ja auch noch ein Hühnchen zu rupfen. Sie hatte etwas, das ihm gehörte, aber da er mit seiner AG den ganzen Vormittag auf der Musikmesse gewesen war, hatte es noch keine Gelegenheit gegeben, sie zur Rede zu stellen. Wie praktisch, dass sie hier war. Zwar nicht allein, aber seltsamerweise machte ihm das nicht das Geringste aus. Verflogen war der Ärger über die peinliche Aktion mit dem Foto. Leas Freundin war genau sein Fall. Und das war genau sein Problem – mit dem Ansprechen von Mädchen, die ihm gefielen, hatte er es bisher nicht so gehabt. Dazu war er viel zu schüchtern. Aber irgend etwas war heute anders. Vielleicht war die unangenehme Sache mit Leas Foto daran schuld.

Das Foto: Ohne lange nachzudenken, griff er nach dem dritten Stuhl, schwang sich darauf und nahm es vom Tisch. Lea hatte ihn wirklich gut getroffen. Respekt. Aber sein Gesicht in der Schülerzeitung? Dazu würde es nicht kommen, denn jetzt diente das Bild einem anderen Zweck. Aus seiner Jeansjacke zauberte er einen Kuli hervor und kritzelte etwas auf die Rückseite des Fotos, das er mit einer nonchalanten Geste Sally überreichte. Dann wendete er sich Lea zu und ließ sich von ihr des Streifen mit seinem Negativ aushändigen. „Den Rest bekommst Du morgen von mir zurück.“, verabschiedete er sich und warf Sally einen letzten Blick zu. „Wir sehen uns.“ Dann nahm er seine Gitarre und verschwand.

Sally sah ihm noch lange hinterher. Dass Lea neben ihr zusammenpackte und den Kellner rief, um zu zahlen, nahm sie nur undeutlich wahr. Und selbst nachdem Lea schon gegangen war, saß sie noch da und versuchte, ihre Achterbahn fahrenden Gedanken zu sortieren. In ihrer Hand hielt sie noch immer das Foto mit seiner Telefonnummer auf der Rückseite. Er hatte den ersten Schritt getan. Jetzt war sie am Zug.

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That’s it.. Wenn ich eines gemerkt habe, dann dass meine Texte mit jedem Mal länger werden (Teil 1 = zwischen 900 und 1000 Wörtern, Teil 2 = mehr als 1500 Wörter, Teil 3 = auch fast 1500). Hugis gruseliges Erlebnis hatte auch an die zwölfhundert. Wenn also jemand Tips für mich hat, wie’s auch kürzer geht, fände ich das spitze. So, und nun die üblichen Worte zum Abschluss:

 

Die restlichen Schreibaufgaben für den Juli lauteten:

  • Schreibe über eine Romanze in einer Gelateria.
  • Fippo der Fuchs hat sich in die Stadt verirrt. Was erlebt er dort?

 

Die Regeln:

  • Jeden Freitag wird veröffentlicht
  • Wählt aus einem der vorgegeben Schreibthemen
  • Schreibt eine Geschichte / ein Gedicht / ein paar Zeilen – egal Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben
  • Vergesst nicht den Hashtag #WritingFriday und den Header zu verwenden
  • Schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch!
  • Habt Spaß und versucht voneinander zu lernen

 

# Writing Friday : week 29

 

Der Writing Friday ist ein Projekt, das ich bei elizzy entdeckt habe. Jeden Freitag veröffentlichen die Teilnehmer und Teilnehmerinnen einen Beitrag, den sie zu einem vorgegebenen Thema geschrieben haben. Am Ende meines Beitrags stehen die Regeln und die Themen, und von denen habe ich „Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz: ‚Dieser Sommertag, war nicht wie jeder andere, denn…‘ beginnt“ zu einer wortreichen Fortsetzung meiner Kurzgeschichte von vor zwei Wochen ausgebaut.

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Projektwoche

Dieser Sommertag war nicht wie jeder andere, denn die 10c befand sich auf Klassenfahrt, und Lea war nicht dabei.

Auf die Daheimgebliebenen wartete die Projektwoche. Für Lea war diese Woche vor den Sommerferien die interessanteste im ganzen Schuljahr. Unter Dutzenden von Workshops konnte man ein Projekt wählen, das einem am meisten lag, und Lea hatte sich für die Foto-AG entschieden. Die kam ihr sehr entgegen. Nicht nur, weil sie es hochspannend fand, wie die Mischung aus belichteten und unbelichteten Stellen unter Rotlicht auf dem empfindlichen Material Gestalt annahm. Da sie ausgedehnten Aufenthalten im Sonnenschein nicht viel abgewinnen konnte und die Sommernachmittage am liebsten an einem schattigen Plätzchen verbrachte, war die Zeit in der Dunkelkammer ein angenehmer Nebeneffekt. In aufgeräumter Stimmung betrat sie Punkt acht Uhr dreißig den Chemiesaal. Der Spaß konnte beginnen.

Schröder – Seidler – Thompson. That’s it!“ – Englischlehrer Mr. McNamara, der die AG leitete, hatte soeben die letzten drei seiner acht Schützlinge – sechs Jungen und zwei Mädchen – abgehakt und nach jedem Namen ein „Anwesend“ geerntet. Nun hielt er es für eine gute Idee, dass Sally Thompson und Lea Seidler, die sich bisher nur vom Sehen kannten, ein Team bildeten. Sally war das nur recht. Im Grunde war ihre Wahl auf diese AG gefallen, weil sie gehofft hatte, ihrem Schwarm näherzukommen. Leider behandelte Finn sie hier aber nur wie Luft. Konkrete Vorstellungen von dem, was sie erwartete, hatte Sally nicht – im Gegensatz zu Lea, die sich darauf freute, Fotos zu einem bestimmten Thema zu schießen, den Film im Labor zu entwickeln und die Bilder zu vergrößern und zu retuschieren. Analog und Oldschool. Dass die Foto-AG dieses Jahr unter einem anderen Motto stand, konnte sie nicht ahnen… O Schreck: „Seid als Reporter eine Woche lang für die Journalismus-AG unterwegs und sammelt Eindrücke von der Projektwoche.“ – Ta-daa! – So hatten sich die beiden Mädchen das nicht vorgestellt. Aber andererseits… war das Thema vielleicht gar nicht so schlecht. So mussten sie wenigstens nicht krampfhaft überlegen, was sie vor die Linse nehmen würden. Endlose Serien von Fahrradspeichen oder Ansammlungen von Reagenzgläsern würde es nicht geben; nur auf die einzelnen Teilnehmer kam es an.

Aber wo anfangen? „Setzt euch am besten zusammen und steckt eure Bereiche ab, damit ihr euch nicht gegenseitig in die Quere kommt.“ Lea war skeptisch, ob die Idee des Gruppenleiters bei allen dieselbe Begeisterung auslösen würde. Finn und Max waren natürlich wieder einmal die ersten. Die Streber wollten sich auf die Naturwissenschaftler konzentrieren, und ihre Meinung, welche Gruppen sich für welches Team am besten eignen würden, stand auch schon fest. Nähen und Emaillieren für Lea und Sally, Die Sportler für Luca und Stefan und das musizierende Volk für Cem und Mario… Weil Musik bekanntlich der Völkerverständigung dient… Really? Klischees lassen wir heute aber überhaupt nicht aus! Ha ha. Innerlich zeigte Lea Finn den Vogel und machte ihm und dessen Partner klar, was sie davon hielt. Zum Glück stand sie mit ihrer Meinung nicht alleine da. „Es lebe das Vorurteil, oder was? Wir lassen uns doch von euch nicht vorschreiben, was wir fotografieren.“ Cems Worte waren deutlich. Und Luca hatte sowieso andere Pläne. Aber die verrieten weder er noch sein Kollege. Super, wie glatt dieses Brainstorming gelaufen war! Nämlich gar nicht. Ganz deutlich konnte Lea dies dem Flunsch entnehmen, den Finn angesichts der Torpedierung seines durchdachten Vorhabens zog. Was fand Sally nur an ihm? Er war ja noch nerviger als Jo Hansen! Na ja, wenigstens war der auf Klassenfahrt, zusammen mit dem Rest der 10c. Aus den Augen, aus dem Sinn…

Schön wär’s gewesen. Das gibt’s doch nicht, dachte Lea, als sie und Sally am nächsten Morgen auf dem Sportplatz der Basketball-AG über den Weg liefen. Was um alles in der Welt tat Jo denn hier? Der war doch auf Klassenfahrt… Dass er aus Geldmangel zu Hause geblieben war, konnte sie sich nun gar nicht vorstellen, aber wenn etwas vorgefallen war, würde er es ihr garantiert nicht auf die Nase binden. Nach dem kurzen Moment der Überraschung nahm er statt dessen die Gelegenheit wahr, sich als Dribbelkönig in Szene zu setzen. Aber gestellte Aufnahmen? Nein danke… lautete die einhellige Meinung der beiden Mädchen. Sie würden sich also weiter umschauen müssen. Es gab ja noch genügend andere Gruppen. Bei einem Automatenkaffee beschlossen sie, erst einmal getrennt voneinander loszuziehen und sich am nächsten Tag im Eiscafé Claudio über ihre Fortschritte auszutauschen. Sally war begeistert, denn das war die Gelegenheit, ihre Chancen bei Finn auszuloten. Na, dann viel Spaß, meldete sich Leas innere Stimme, vor Sarkasmus triefend, wenn Du meinst, dass Dich Stalken weiterbringt und zu brauchbaren Ergebnissen führt… Jetzt konnte sie ungestört arbeiten und sich unauffällig in die anderen Gruppen einklinken – im Zweierpack fiel man immer gleich so auf! Aber Glück sah für sie irgendwie anders aus – die AG der Hobbyschneider wollte nicht, dass ihr Projekt vor der großen Abschlussmodenschau publik wurde, und dem Fahrradworkshop stand jeder, der nicht dazugehörte, nur dumm im Weg herum. Und das waren nur zwei Beispiele. Entmutigt ließ Lea sich mit einem Becher der gräßlichen Automatenplörre in eine Ecke sinken – das Zeug so schwarz und bitter wie ihre Stimmung. Siebzehn Uhr. Wenn das so weiterging, hatte sie morgen nachmittag nichts vorzuweisen. Was hielt sie eigentlich noch hier? Aber erst trank sie noch ihren Becher aus.

Durch das Gebäude, das sich weitgehend geleert hatte, waberten die verzerrten Klänge einer E-Gitarre. Interessant. Jemand übte, auch wenn der- oder diejenige schon längst über das Anfängerstadium hinaus war. Sie konnte nur nicht erkennen, was für ein Lied da so hingebungsvoll geübt wurde. Um das herauszufinden, musste sie den Klängen folgen. „November Rain“ auf halber Treppe… ja, das war um Längen besser als das Geklimper zu Hause, produziert auf dem Klavier. Vom Sohn der Nachbarn. „Yesterday“ und „Vielen Dank für die Blumen“ stundenlang in Dauerschleife hören zu müssen, war der wahre Horror. Dann doch lieber dieser Übungsstunde zuhören, auch wenn der ein oder andere schräge Ton dabei war. Wer da auch immer spielte, vor lauter Vertieftsein in die Musik spielte Zeit für ihn oder sie keine Rolle. Da würde es sicher nicht auffallen, wenn sie diese Etüden still und unauffällig aus dem Hintergrund beobachtete.

Je näher sie kam, desto lauter wurde es. Und besser. Sie hatte den Flur im ersten Stock erreicht, da versiegten die Töne plötzlich. Dann wurde umgeschwenkt auf Green Day. Da war aber jemand in seinem Element. Ein solcher Enthusiasmus gehörte auf jeden Fall belohnt. Mit unverstelllten Aufnahmen, die umso authentischer wirkten, wenn die betreffende Person nicht wusste, dass sie fotografiert wurde. Ob sie die Fotos jemals veröffentlichen würde, stand auf einem anderen Blatt. Aber noch war es nicht soweit. Noch hatte sie die Bilder nicht im Kasten. Vorsichtig öffnete sie die Tür. Nur einen Spaltbreit. Und schob sich seitlich in den Musiksaal hinein. Wie die Teilnehmerin an einem konspirativen Treffen. Oder wie ein Paparazzi. Letzteres traf es eher. Aus der letzten Reihe hatte sie freie, ungehinderte Aussicht auf die Zielperson, die völlig selbstvergessen die Saiten mit dem Plektron bearbeitete. Er hatte ihr zwar den Rücken zugekehrt, dennoch kam er ihr bekannt vor. Es gab an dieser Schule nicht viele, die mit einer so chaotischen Frisur herumliefen. Gebannt schlich Lea näher. Es konnte ja sein, dass sie sich irrte. Nur noch ein Meter trennte sie voneinander, dann hatte sie Gewissheit. Volltreffer: Nach Jo Hansen hatte sie nun auch den Letzten aus ihrer Deutsch-Gruppe mit dem Simplicissimus-Referat gefunden. Und Michael O’Hara hatte keine Ahnung, dass sie nur eine Armlänge von ihm entfernt stand. Mit gezückter Kamera, den Finger bereit zum Auslösen.

Ein einziges Foto reichte, und die Tarnung war dahin. Auslösen, Umdrehen, Weglaufen… Vergiss es! Dazu war sie nicht schnell genug, und zur überstürzten Flucht taugte das, was sie anhatte, keinen Schuss Pulver. Aber warum nicht gleich Farbe bekennen? Schließlich war sie ja in offiziellem Auftrag unterwegs. Und wenn sie es geschickt anstellte und ihre bisher noch unentdeckten Überredungskünste aktivierte, hätte sie gute Chancen, von ihm grünes Licht für die Verwendung der Aufnahme zu bekommen. Zeit für ein Gespräch unter vier Augen.

Vielleicht bei einem Eis unterm Sonnenschirm, so wie in all den Wochen zuvor…

 

(wird eventuell fortgesetzt)

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Die Schreibaufgaben für den Juli:

  • Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz: “Dieser Sommertag, war nicht wie jeder andere, denn…” beginnt.
  • Schreibe über eine Romanze in einer Gelateria.
  • Eine Spinne sitzt in ihrem Netz, begleite sie einen Tag lang.
  • Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter ein: Schneckenhaus, grasgrün, Baum, Gelächter, Buch
  • Fippo der Fuchs hat sich in die Stadt verirrt. Was erlebt er dort?

die Regeln:

  • Jeden Freitag wird veröffentlicht
  • Wählt aus einem der vorgegeben Schreibthemen
  • Schreibt eine Geschichte / ein Gedicht / ein paar Zeilen – egal Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben
  • Vergesst nicht den Hashtag #WritingFriday und den Header zu verwenden
  • Schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch!
  • Habt Spaß und versucht voneinander zu lernen

# Writing Friday : week 28

 

Der Writing Friday ist ein Projekt, das ich bei elizzy entdeckt habe. Jeden Freitag veröffentlichen die Teilnehmer und Teilnehmerinnen einen Beitrag, den sie zu einem vorgegebenen Thema geschrieben haben. Letzte Woche hatte ich eine Kurzgeschichte geschrieben, in der bestimmte Wörter auftauchen sollten – diesmal handelt mein Beitrag von einem Tag im Leben einer Spinne im Netz. Regeln und übrige Aufgaben stehen am Ende meines Beitrags. Hier nochmal der genaue Wortlaut der von mir ausgewählten Aufgabe: Eine Spinne sitzt in ihrem Netz, begleite sie einen Tag lang.

 

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Arachnophobie

Neun von zehn Spinnen haben Angst vor hysterisch kreischenden Frauen.

Hugi wusste nicht mehr, wer dieses Gerücht in die Welt gesetzt hatte, und im Grunde war ihm jemand, der hysterisch schrie, lieber als die Zweibeiner, die sich nicht mit Gebrüll aufhielten, sondern gleich zuschlugen und seine Artgenossen plattmachten. Oder schnurrende Vierbeiner, die zwischendurch gerne mal ein leckeres Insekt als Snack verspeisten. Wenigstens spielten diese Untiere nicht Katz und Maus mit ihrem Futter, sondern ließen es gleich mit einem Happs im Maul verschwinden. Übertroffen nur noch von schreddernden Staubsaugern.

Erschöpft saß Hugi in einer Ecke seines Netzes, das er in der Nacht, besser gesagt in den Stunden vor Morgengrauen gewoben hatte. Irgendjemand hatte sein letztes Kunstwerk aus purer Zerstörungswut zerrissen, und nun hatte er wieder von vorne anfangen dürfen. Äußerlich wirkte er gelassen, doch innerlich war er angespannt. Außer als stundenlang zu warten, dass in den klebrigen Fäden neue Beute auftauchte, konnte er vorerst nichts tun.

Noch war es früh, da konnte ein kleiner Schlummer nicht schaden, doch dazu war er viel zu aufgekratzt. Zum Glück hatte er für sein neues Netz einen höher gelegenen Ort ausgewählt. Katzenfreie Zone. Zweibeiner hatten ihn auch noch keine entdeckt. Hach ja, was war Hugi doch für ein cleveres Kerlchen. Absolut niemand war auf ihn aufmerksam geworden. Vielleicht war ja heute wirklich sein Glückstag, und er konnte sich nach all der Mühe endlich entspannen…

Der Morgen zog sich zäh dahin. Kein Wunder, wenn sich kein Insekt in seine Nähe verirrte. Nicht mal eine klitzekleine Mücke hatte den Weg in sein Netz gefunden. Ob er mit der Wahl seines Platzes vielleicht doch einen Fehler gemacht hatte? Etwas tiefer lief er zwar Gefahr, von Menschen statt von diesen vierbeinigen Ausgeburten der Hölle entdeckt zu werden, aber dafür bestand dort auch eher die Aussicht auf eine nahrhafte Mahlzeit. Hugi fasste einen Entschluss: Wenn sich in den nächsten Stunden hier oben nichts tat, waren Abseilen und ein neuer Netzbau angesagt. Von fern waren die Glockenschläge einer Kirchturmuhr zu hören. Hugi zählte mit: Erst vier helle, melodische Klänge – dann ein dumpfer, sonorer Schlag. Diese Geräusche sollten vorerst seine einzige Unterhaltung bleiben.

Irgendwann hatte Hugi es aufgegeben, die Schläge der Uhr mitzuzählen; genug untätig herumgesessen, jetzt würde er dem geschmiedeten Plan Taten folgen lassen, denn er hatte nicht vor, aus Langweile oder vor Hunger zu sterben. Hugi fühlte, dass jetzt der ideale Zeitpunkt war, sich nach unten schweben zu lassen und ein neues Bauwerk zu beginnen, eines das noch größer und noch prächtiger war.  No risk, no fun? Toller Spruch. Worin das Risiko bestehen sollte, war ihm ein Rätsel. Schließlich hatte sich an diesem verlassenen Ort seit Stunden nichts ereignet. Wie es aussah, befand er sich in einem absolut sicheren Bereich. Mit neuem Elan machte er sich ans Werk.

Man soll den Tag nie vor dem Abend loben. Soeben noch hatte er sich über die Abgeschiedenheit seines Plätzchens gefreut und sich selbstzufrieden über die Vollkommenheit seines Neubaus in der äußersten Ecke zurückgelehnt, um auf die ersten Besucher zu warten, die sicher noch irgendwo in der Luft herumschwirrten, da spürte er eine Erschütterung, verursacht von einer aufgerissenen Tür. „Sechzehn Uhr – Kaffeepause!“ brüllte es zu ihm nach draußen, dann ergoss sich ein Schwall polternder Füße über den Asphalt unter ihm. Mist. Mit ihrem Lärm würden diese Trampel ihm noch seine ganzen Pläne zunichte machen. Aber wenigstens war der Spuk gleich vorbei. Die Meute zog vorüber und verschwand aus seinem Blickfeld. Aber bestimmt würden sie bald wieder zurückkommen. Also noch länger warten, bis potentielle Opfer im Anflug waren und den in der Sonne glitzernden Fäden seines Geflechts nicht widerstehen konnten. Na gut, dann wartete er eben. Ihm blieb ja auch nichts anderes übrig. Er sollte nicht mehr lange warten.

Professor Huub van Osten und seine Mitarbeiterin Jana Frederiksen blickten der Delegation nach, die soeben das Gebäude verlassen hatte, um den wohlverdienten Kaffee zu genießen. Normalerweise betraten sie die Forschungsanstalt durch den Vordereingang, aber vor einer halben Stunde war die Glastür in Hunderte von Einzelteilen zersprungen, und niemand wusste wieso. Also musste jetzt jeder durch diesen Seiteneingang, und ausgerechnet hier sollte sich nun Hugis Schicksal erfüllen. Leider gehörte Jana Frederiksen zu der Spezies, die beim Anblick einer Spinne weder in Panik geriet oder von Mordlust ergriffen wurde. Jana hatte anderes im Sinn. „Huub, brauchen wir nicht noch ein Exemplar für die nächste Testreihe?“ Van Osten kam näher und fragte wieso. Was für eine Frage. Jana blieb ihm die Antwort schuldig und deutete auf Hugi. Mist. Damit hatte er nicht gerechnet. Was auch immer diese beiden Gestalten im Schilde führten – Hugi fühlte sich auf einmal äußerst unwohl. Dass der Professor auf einmal verschwand und mit einem großen Behälter wiederkam, versetzte Hugi in Panik. Totstellen als herkömmliche Taktik brachte gar nichts. Und eine Flucht war schier unmöglich. Eine riesige Hand senkte sich über ihn. Dann wurde es dunkel…

Als Hugi das Bewusstsein wiedererlangte, glaubte er, geträumt zu haben. Der einzige Unterschied zu vorher war, dass er sich nicht mehr im Freien befand, sondern in einem riesigen Raum mit Wänden aus Glas, und die Zeitansage kam aus einem quäkenden Kasten aus schwarzem Plastik anstatt von einer Turmuhr. „Hier ist Rado X, der Sender zum Mitmachen. Wir machen eure Träume wahr. Wir haben halb sechs, und im Studio haben wir Professor Yoshiko Kamazaki zu Gast.“ Der Rest ging in unverständlichem Geblubber unter, denn die Delegation, die vorher zum Kaffeetrinken ausgeschwärmt war, kam nun wild durcheinander redend, in den Raum, in dessen Mitte sich Professor van Osten aufgestellt hatte, um den Leuten zum Abschluss seines ereignisreichen Tages nun noch das Forschungslabor mit den Arachniden zu präsentieren. Was er von sich gab, war für Hugi unverständliches Zeugs, von dem er nur eines verstand, dass er nicht alleine hier war. Den Professor ignorierend, näherte er sich der Scheibe, um seine Umgebung näher in Augenschein zu nehmen, und tatsächlich: Es gab hier noch mehr solcher Kästen, in denen jeweils eine Spinne in ihrem Netz hockte.

Aber, ach., was waren das denn für seltsame Gebilde?

In dem einen klafften riesige Löcher, und die gesamte Konstruktion sah wenig durchdacht aus. Dem nächsten fehlten sämtliche Querverbindungen. Nummer drei und vier waren überhaupt nicht fertig geworden. Mit einem weiteren hatte der darin sitzende Baumeister zwar angefangen, schlummerte aber nun friedlich vor sich hin. Und das letzte sah völlig wirr und chaotisch aus. Ihm fehlte jegliche Struktur. Dieser Anblick verstörte Hugi, doch was ihn beinahe den Verstand verlieren ließ, war die Ansprache des Professors, der seine Versuchsreihe mit den Worten „Arachniden und ihre Arbeitsweise unter Einfluß bewusstseinsverändernder Substanzen“ einleitete.

Ihm schwante Übles.

Das mit den riesigen Löchern und der planlosen Struktur war unter Einfluss von Ecstasy entstanden. Der Spinne, deren Netz an eine Kinderzeichnung von Sonnenstrahlen erinnerte, hatte man eine Dosis LSD verpasst, und die Tatsache, dass einige Netze gar nicht fertig geworden waren, führte der Professor auf die Verabreichung von Marihuana und Mescalin zurück. Dass die vorletzte Spinne friedlich schlief, lag an den Schlafpillen, mit denen sie ihr Futter präpariert hatten, und beim letzten war Kaffee die Ursache gewesen. So weit die Studie der NASA – die Professor van Osten und seine Assistentin um einige andere Drogen zu erweitern gedachten, wie zum Beispiel Alkohol, Matchapulver, Antihistaminika, Steroide und Barbiturate. Und Hugi war einer der Auserwählten, mit denen die neue Testreihe beginnen würde.

Als Referenzmodell für normale Spinnennetze.  

 

ENDE

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Die Schreibaufgaben für den Juli:

  • Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz: “Dieser Sommertag, war nicht wie jeder andere, denn…” beginnt.
  • Schreibe über eine Romanze in einer Gelateria.
  • Eine Spinne sitzt in ihrem Netz, begleite sie einen Tag lang.
  • Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter ein: Schneckenhaus, grasgrün, Baum, Gelächter, Buch
  • Fippo der Fuchs hat sich in die Stadt verirrt. Was erlebt er dort?

die Regeln:

  • Jeden Freitag wird veröffentlicht
  • Wählt aus einem der vorgegeben Schreibthemen
  • Schreibt eine Geschichte / ein Gedicht / ein paar Zeilen – egal Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben
  • Vergesst nicht den Hashtag #WritingFriday und den Header zu verwenden
  • Schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch!
  • Habt Spaß und versucht voneinander zu lernen

 

# Writing Friday – week 27

 

Der Writing Friday ist ein Projekt, das ich bei elizzy entdeckt habe. Jeden Freitag veröffentlichen die Teilnehmer und Teilnehmerinnen einen Beitrag, den sie zu einem vorgegebenen Thema geschrieben haben, sei es als Kurzgeschichte, Gedicht, oder ähnlichem – genaueres steht in den Regeln, die ich am Ende meines Beitrags aufgeführt habe. Und im Juli gibt es wieder einige neue Schreibaufgaben, aus denen wir uns aussuchen dürfen, was wir möchten. Meine Wahl ist diesmal auf folgendes Thema gefallen: Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter ein: Schneckenhaus, grasgrün, Baum, Gelächter, Buch“

 

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Simplicissimus

…. and the winner is… dramatischer Trommelwirbel … Lea!“

Das Gelächter um sie herum schwoll zu ohrenbetäubender Lautstärke an. Am liebsten hätte Lea sich in ihr Schneckenhaus zurückgezogen. Alles, nur das nicht, dachte sie: Nicht nur, dass ihr soeben per Los das uninteressanteste Thema für ihre Semesteraufgabe zugefallen war, wo sie doch nichts mehr hasste als das Vortragen von Referaten und Aufsätzen… bei dieser Lotterie wurden auch die übrigen Mitglieder ihrer Arbeitsgruppe ermittelt, und am liebsten hätte sie ausgerechnet diese beiden auf den Mond geschossen. Ausgeschlossen, dass von den anderen mit ihr, der Außenseiterin, jemand tauschen würde. Sie, Jo und Michael – ihr würde wohl nichts anderes übrig bleiben, als das Ergebnis der Auslosung zu akzeptieren.

Dass mit Jo, diesem Großmaul, ebenfalls niemand tauschen wollte, war das einzige, das sie halbwegs tröstete. Geschieht ihm recht, dachte sie, dass ihm das nicht passt, mit den größten Losern weit und breit ein Team bilden zu müssen. Ja, dumm gelaufen für ihn. Vor seinen Freunden würde er jetzt nicht ganz so toll dastehen, aber die Schadenfreude währte nur kurz. In den nächsten Wochen würden sie zusammen das langweiligste Buch aller Zeiten durcharbeiten müssen, um einen halbwegs brauchbaren Vortrag zum Thema „Komödie“ zusammenzuschustern. Ihr war schon von vornherein klar, wie die Arbeitsaufteilung aussah: Sie durfte sich alleine durch diese dicke Schwarte aus dem 17. Jahrhundert ackern, während Jo das Werk vortragen würde. Für diesen Angeber war das doch ein Kinderspiel. Die Schreibarbeit dagegen würde an dem Dritten im Bunde hängenbleiben, schließlich konnte Michael am schnellsten tippen und hatte, wenn’s ums Notieren von Hand ging, noch die leserlichste Handschrift von ihnen – kaum zu glauben, wenn man nach seinem abgerissenen Äußeren ging. Wir machen uns extra hässlich, damit uns die anderen in Ruhe lassen? Was für ein Freak. Aber irgendwie kam ihr das bekannt vor…

Lea seufzte. Je eher sie die erste Teambesprechung hinter sich brachten, desto besser. Die 700 Seiten Grimmelshausen lasen sich schließlich nicht von alleine, und so wenig sie sich mit diesem Wälzer auch anfreunden konnte, hätte sie sich auf der Stelle damit unter einen ganz bestimmten Baum an ihrem etwas abgelegenen Lieblingsplatz im Park verzogen und mit dem Lesen angefangen, aber da es sich um eine Gruppenarbeit handelte… Sie konnte wohl kaum erwarten, dass die Treffen bei einem von ihnen zu Hause stattfinden würden. Jo würde sich wohl kaum dazu herablassen, das Gruftgirl und den Freak bei sich zu Hause zu empfangen, und genauso ungern würde er vom anderen Ende der Stadt in das Viertel fahren, in dem sie beide wohnten. Also ein Treffpunkt im Stadtzentrum, am besten öffentlich. Die italienische Eisdiele vielleicht?

Eiscafé Claudio. 15 Uhr. Und seid ja pünktlich, ihr Freaks.“ – Bingo. Hatte sie es doch gewusst. Ja, damit konnte sie leben, auch wenn Jos Wortwahl doch sehr zu wünschen übrig ließ. Außerdem musste man nicht ihr sagen, dass sie sich nicht verspäten sollte, sondern Teamplayer Nummer drei. Ausnahmsweise war der aber bereits da und rauchte erst mal eine. Anscheinend war es ihm gelungen, einen Tisch unterm Sonnenschirm zu ergattern. Schirme, so grasgrün wie sein T-Shirt, das Lea mit seinem St.Patrick’s-Day-Aufdruck schon von weitem ins Auge stach. Nur Kinder und einfache Leute mögen lebhafte Farben, meldete sich Goethe aus den Tiefen ihres Hirns. Ja, und Sonne macht albern. Reiß dich zusammen, Lea, bremste sie sich gerade noch rechtzeitig: Auch wenn ich mit meiner Zeit was besseres anfangen kann, sind wir hier, um einen Plan zu machen und nicht, um einen Schönheitswettbewerb zu gewinnen.

Aber wenigstens darin waren sich alle drei einig. Auch wenn sie zusammengewürfelt worden waren, konnten sie doch wenigstens halbwegs zivilisiert miteinander umgehen.

Zwei Eiskaffee, einen doppelten Espresso und drei Milchshakes später hatten sie den wichtigsten Teil hinter sich und stellten mit Erstaunen fest, dass sie die Zeit herumgebracht hatten, ohne sich anzuschweigen oder anzufauchen. Ihre schlimmsten Macken hatten sie heute zu Hause gelassen: Jo seine Großspurigkeit und Michael seine Ihr-könnt-mich-alle-mal-Attitüde. Und Lea? Auch sie war weniger kratzbürstig als sonst und musste plötzlich an den Film denken, den sie erst neulich gesehen hatte: Der Frühstücksclub. Irgendwie kam sie sich ein bißchen vor wie die Schwarzgekleidete in dieser Gruppe von fünf Schülern, die gezwungen wurden, einen Samstag miteinander nachzusitzen und einen mindestens tausend Wörter langen Aufsatz über sich selbst zu schreiben.

Ja, sie waren wirklich ein wenig wie dieser Frühstücksclub aus dem Film, aber ohne Superhirn und ohne Ballprinzessin. Aber vor allem ohne Stress.

(Fortsetzung möglich)

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Und hier sind sie nochmal, die Regeln:

  • Jeden Freitag wird veröffentlicht
  • Wählt aus einem der vorgegeben Schreibthemen
  • Schreibt eine Geschichte / ein Gedicht / ein paar Zeilen – egal Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben
  • Vergesst nicht den Hashtag #WritingFriday und den Header zu verwenden
  • Schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch!
  • Habt Spaß und versucht voneinander zu lernen.

 

Die Schreibaufgaben für den Juli:

  • Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz: “Dieser Sommertag, war nicht wie jeder andere, denn…” beginnt.
  • Schreibe über eine Romanze in einer Gelateria.
  • Eine Spinne sitzt in ihrem Netz, begleite sie einen Tag lang.
  • Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter ein: Schneckenhaus, grasgrün, Baum, Gelächter, Buch
  • Fippo der Fuchs hat sich in die Stadt verirrt. Was erlebt er dort?