# Writing Friday 2020 – August, 38. Woche : Ohne Spuren

Bei den Septemberaufgaben des #Writing Friday auf dem Blog von elizzy habe ich mit dem Recyceln von Figuren begonnen. Die erste war Hexe Carolina Conti (Oktober 2019), dicht gefolgt von Lucy und Tom, die in eine aus dem Ruder gelaufene Party verwickelt waren. Diesmal bietet die vierte Aufgabe mit Lara die Steilvorlage für mich:

Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz „Von Natur aus war Lara eigentlich nicht so, doch…“ beginnt.

Wenn sich bunt das Laub verfärbt, machen Spaziergänge erst so richtig Spaß. Besonders an Halloween. Aber nicht immer…

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Ohne Spuren

„Von Natur aus war Lara eigentlich nicht so, doch irgendwie habe ich das Gefühl, dass sie schon länger so komisch ist. Gut, sie hatte dieses Jahr einige Aussetzer, aber…“

Nervös rieb Lukas seine kalten Hände. Wie aus Eis, dachte er, aber wäre der Beamte an seiner Stelle, ginge es ihm bestimmt auch so. Von jetzt auf gleich war Lara verschwunden. Noch einen Tag vorher hatte sie ihm geholfen bei den Vorbereitungen zu seinem Grillabend, zu dem sie trotz Einladung nicht aufgetaucht war. Grillen an Halloween, sein Stichwort. Es war ihm egal, was andere dachten, und was war denn auch schon dabei… außerdem tat es nichts zur Sache: Lara war weg, und wenn er sie anrief, meldete sich nur die Mailbox. Wie lange musste man bis zum Aufgeben einer Vermisstenanzeige warten? 36 Stunden? Lukas hatte keine Ahnung, und es war ihm auch egal. Dem Beamten war er noch eine Antwort schuldig. Stockend beendete er seinen Satz.

„.. aber in der Woche vor diesem letzten Abend war sie nicht mehr sie selbst.“

Nicht mehr sie selbst. Aber da war sie wenigstens noch da gewesen, wenn auch schweigsamer als sonst. Seinen Witz beim Einlegen der Steaks – Steaks, so blutig, dass man das Muhen noch hören kann – hatte sie nur mit einem müden Lächeln quittiert und sich danach verabschiedet. Sehr neblig war es da gewesen, gut möglich, dass sie vielleicht ihren Weg unterbrochen hatte und in diesen irischen Pub eingekehrt war. In den ging sie manchmal. Ach, hätte er sie doch bloß begleitet! Aber wie hätte er auch wissen können, dass er seine Schwester an diesem Abend zum letzten Mal sehen würde.

Schröder schob die Formulare zusammen, nachdem Lukas das Protokoll unterschrieben hatte und gegangen war. Eigentlich kam es gerade an Halloween oft vor, dass manche sich ins Koma feierten und erst Tage später in verkatertem und manchmal auch zerknirschtem Zustand wieder auftauchten, aber angesichts des Serienmörders und die Schlagzeilen über ihn, musste er Lukas Försters Sorge um seine Schwester ernst nehmen. „The Devil’s Party“, „Mord an der Uni“, „Studentin mit Seidenschal erdrosselt“ – gut, dass sie den Irren jetzt hatten. Dass er sicher verwahrt in einer der Zellen saß, hatten sie dem beherzten Eingreifen zweier Gäste aus dem Bogside zu verdanken, die ihn mit Kabelbinder bewegungsunfähig gemacht hatten.

Die beiden Gäste aus dem Bogside – bei Schröder machte es Klick. Er goss sich noch einen Kaffee ein, dann stattete er seinen Kollegen, die in jener Nacht vor Ort gewesen waren und den Kerl dingfest gemacht hatten, einen Besuch ab. Zehn Minuten später hatte er die Namen: Tim Lorenz und Lara Förster. Zeit für Schröder, diesem Tim Lorenz, der die Vermisste anscheinend als Letzter noch lebend gesehen hatte, so schnell wie möglich auf den Zahn zu fühlen.

Leider hatte die Befragung nicht zu dem gewünschten Ergebnis geführt, und Schröders Team hatte den Verdächtigen wieder laufen lassen müssen, nachdem sich herausgestellt hatte, dass dieser ebenso ratlos über Laras Verbleib war wie die Kriminalbeamten. Den Beweis lieferten die wackeligen Bilder der Überwachungskamera: Vor dem Eingang zum Park war Lorenz zu Boden gegangen, Lara hatte ihm aufgeholfen, dann hatte sie sich in den Park hinein gewagt. Er war ihr erst nach 18 Minuten gefolgt und dann nicht mehr aufgetaucht. So weit die Aufzeichnungen der Kamera vor dem Park – aber im frisch eröffneten Skulpturengarten gab es noch weitere davon, für den Fall, dass Vandalen ihr Mütchen an den Kunstwerken kühlen wollten. Und richtig: Die Kameras hatten eingefangen, wie Tim scheinbar ziellos durch den Park geirrt war, bis er irgendwann die erfolglose Suche nach Lara aufgegeben hatte. Nein, er hatte mit Lara Försters Verschwinden nichts zu tun – die Lösung zu diesem Rätsel lag im Park verborgen.

Sobald es am nächsten Tag hell genug war, durchstreiften Schröder und seine beiden Kollegen den Park. Bei der Kopie von Auguste Rodins Meisterwerk „Der Kuss“ blieben sie stehen, besser gesagt, was davon noch übrig war. Die weibliche Hälfte des Paares, Francesca da Rimini, lag umgestürzt und von Rissen durchzogen am Boden, während ihr Liebhaber, Paolo Malatesta, sich ein gutes Stück entfernt befand. Zu seinen Füßen ein zerschmettertes Tablet und zwischen seinen verkrümmten Fingern ein Damenhandschuh. Beweisstücke? Nun, man würde sehen. Vielleicht kamen die IT-Experten mit den Trümmern weiter, und wenn dies wirklich Lara Försters Handschuh war, dann würde sich bestimmt ihre DNA an seiner Innenseite finden.

Er hatte den richtigen Riecher gehabt. Ein Abgleich mit der Haarbürste der Vermissten lieferte den letzten Beweis dafür, dass an der zerstörten Statue im Park, besser gesagt bei Paolo Malatesta jede Spur von ihr endete. Der seltsame Fall machte Schlagzeilen und erreichte dank der sich förmlich überschlagenden und reißerischen Darstellungen in der internationalen Boulevardpresse ungewöhnliches Aufsehen jenseits der deutschen Grenzen. Auf der anderen Seite des Ärmelkanals wurde man hellhörig. Wie jeden Morgen auf seinem Weg zu Scotland Yard, holte sich DCI Connelly die Morgenausgabe des Guardian. Stets betrat er noch vor Dienstbeginn sein Büro und ließ sich einen Kaffee bringen, denn diese halbe Stunde am Morgen gehörte nur ihm und der Zeitung, der er sich angeregt widmete; sein eigentliches Interesse galt den Nachrichten aus aller Welt, und sie sparte er sich für gewöhnlich bis zum Schluss auf. Heute jedoch begann er seine Lektüre mit ihnen und traute seinen Augen kaum – ein Viertel der Seite wurde von einer Aufnahme Lara Försters eingenommen, und der Text dazu ließ ihn sprachlos zurück. Konnte es wirklich wahr sein? Seit fünf Jahren suchten seine Kollegen vergebens nach Hinweisen auf die Identität der jungen Frau ohne Papiere.

2013 hatten sie sie bei einem dreisten Fall von Einbruch und versuchtem Diebstahl in den Kellergewölben Seiner Lordschaft, Sir Randolph, festgenommen; und seitdem schwieg sie eisern – sowohl darüber wer sie war, als auch über ihren Komplizen, falls sie denn einen hatte. Connelly hatte einen bestimmten Herrn im Verdacht, aber keinen Beweis. In Deutschland wurde eine Frau gesucht, die der unbekannten Gefangenen zum Verwechseln ähnlich sah? Euphorisch griff Connelly zum Telefon und wählte Schröders Nummer. Ganz gleich, was bei dem Gespräch herauskäme, mit einem rechnete er ganz fest: Mit dem Schweigen der seit fünf Jahren einsitzenden Gefangenen würde es nun vorbei sein.

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1016 Wörter inclusive Überschrift. Na bitte, geht doch. Und das Recycling von Charakteren hat ja prächtig funktioniert.

Die Schreibthemen im September sind: 1) Stelle uns ein Buch vor, das dich an den Herbst erinnert oder eine Geschichte erzählt, die im Herbst spielt. +++ 2) Eine Kräuterhexe mixt eine besonderen Tee, für wen ist dieser und welche magische Wirkung hat dieser? Verpacke das ganze in eine kleine Geschichte. +++ 3) Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter ein: Laub, kühl, gesund, Beeren, Vorfreude. +++ 4) Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz „Von Natur aus war Lara eigentlich nicht so, doch…“ beginnt. +++ 5) Der uralte Baum im Park soll gerettet werden, wie verhinderst du das?

Und hier sind die Regeln dazu: Jeden Freitag wird veröffentlicht. +++ Wählt aus einem der vorgegebenen Schreibthemen. +++ Schreibt eine Geschichte/ein Gedicht/ein paar Zeilen – egal, Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben. +++ Vergesst nicht, den Hashtag #Writing Friday und den Header zu verwenden, schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch. +++ Habt Spaß und versucht, voneinander zu lernen.

# Writing Friday 2020 – September, 37. Woche : Die Standpauke

 

Bei den Themen des #Writing Friday auf dem Blog von elizzy ist jetzt auch der Herbst eingekehrt. So langsam wird es jetzt wirklich kühl, doch ich denke gar nicht daran, die Fenster zu verrammeln, nur weil jetzt die Temperaturen sinken.

Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter ein: Laub, kühl, gesund, Beeren, Vorfreude.

Wenn sich bunt das Laub verfärbt, machen Spaziergänge erst so richtig Spaß. Manche Freizeitbeschäftigungen dagegen weniger. Davon können meine recycelten Charaktere ein Lied singen.

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Die Standpauke

So, jetzt noch schnell die Wimpern getuscht, und dann kann es losgehen. Lucy schnappte sich ihr Täschchen und ließ Schlüssel, Lippenstift und ihr Taschengeld hineingleiten. Gleich würde es klingeln. Voller Vorfreude auf ihre Verabredung mit Alex nahm Lucy zwei Stufen auf einmal und streckte ihre Hand nach der Klinke aus.

So gehst Du mir nicht aus dem Haus!“

Die Stimme ihrer Mutter ließ Lucy mitten in der Bewegung wie erstarrt innehalten. Sie konnte sich schon denken, was jetzt kam. Was ihre Mutter wohl jetzt schon wieder zu nörgeln hatte – ihr Outfit war doch einwandfrei. Die knielangen Stiefel, die sie zu ihrem neuen, nicht zu kurzen Strickkleid in Beerentönen trug, brachten ihre wohlgeformten Beine zur Geltung. Alex würde Augen machen, wenn er sie so sah. Handschuhe hatte sie auch dabei, also alles bestens.

Oh Mann!“ schnaubte Lucy und rollte mit den Augen.

Ich bin nicht Dein Mann, junges Fräulein.“ baute sich ihre Mutter hinter ihr auf. „Hast Du mal aus dem Fenster geschaut? Draußen ist es viel zu kühl für diesen dünnen Fummel. Und nur in der Jeansjacke? Vergiss es. Du ziehst sofort Deinen Mantel an, sonst…“

Wie bitte? Sie sollte ihren Mantel anziehen? Das olle Ding? Wie sollte sie denn damit auf Alex‘ Maschine steigen, und außerdem war die Jacke doch viel cooler. Ganz in schwarz. Perfekt zu ihrem Date.

Sonst – was?“ fragte Lucy genervt.

Ach, schnippisch werden wir auch noch“, gab ihre Mutter zurück. „So nicht, junge Dame. Nicht in diesem Ton. Aber Du kannst gerne Deinem Bruder im Garten beim Laubfegen Gesellschaft leisten. Jetzt, wo Tom den Geräteschuppen so schön aufgeräumt hat, warten die Rechen schon auf ihren Einsatz.“

Die Rechen? Tolle Wurst! Mit einem Laubsauger wären sie um so vieles schneller gewesen, aber ihre Eltern hielten moderne Geräte für überflüssigen Schnickschnack. Und jetzt mischte sich auch noch Tom ein.

Ach komm schon, Schwesterherz, Bewegung ist gesund und hat noch keinem geschadet“, stichelte er, „auch Dir nicht.“

So eine Frechheit! Na warte… Aber ehe sie Tom die passende Antwort geben konnte, klingelte es an der Tür. Alex! Hastig drückte Lucy die Klinke hinunter und riss die Tür auf. „Hallo Schatz“, rief Lucy außer Atem und eine halbe Oktave höher als beabsichtigt. Sie wusste, dass Tom, der noch immer im Flur stand, Alex nicht leiden konnte und betonte das ‚Schatz‘ mit besonderem Nachdruck, um ihren Bruder zu ärgern.

Nanu, so stürmisch?“, grinste ‚Schatz‘ belustigt, setzte aber sofort wieder eine halbwegs ernsthafte Miene auf, als er sah, wie finster Tom ihn anstarrte. Was auch immer er ihm getan hatte, aber Öl ins Feuer zu gießen, musste auch nicht sein. Formvollendet überreichte er statt dessen Lucys Mutter ein Sträußchen Blumen und entschuldigte sich für seine Verspätung.

Blumen? Ha! So ein Schleimer, ärgerte sich Tom – seine Eltern hatte dieser Kerl ja schnell um den kleinen Finger gewickelt, aber nicht mit ihm. Reichte es nicht, dass sie ihm die ganzen Strafarbeiten aufgebrummt hatten, während Lucy die letzten Wochen über absolute Narrenfreiheit genoss und dieser langhaarige Typ hier ein und aus gehen durfte. Und das, obwohl sie nicht gerade darüber entzückt waren, dass er Motorrad fuhr. Ein nicht ganz ungefährlicher Spaß, gerade im Herbst.

Blumen? Aber das wäre doch nun wirklich nicht nötig gewesen… Kommen Sie doch herein und trinken Sie eine Tasse Kaffee mit uns, so lange Lucy ihren Mantel holt.“

So lange Lucy ihren Mantel holt, äffte Lucy die Stimme ihrer Mutter innerlich nach, hielt sich aber zurück. „Blumen? Wie hast Du denn die auf dem Motorrad transportiert?“

Nicht mit dem Motorrad. Das ist in der Werkstatt, nach meinem kleinen Mißgeschick gestern mit nassen Blättern auf der Fahrbahn, nachdem so ein Idiot…“

Erschrocken hielt Lucy die Luft an, als sie das Pflaster über seiner rechten Schläfe sah, aber außer ein paar Schrammen schien er nichts abbekommen zu haben. Da hatte er ja noch mal richtig Glück gehabt, und sie gleich mit. Wenn sie an dem Tag hinten drauf gesessen hätte. Da war eine zu dünne Jacke noch das geringste Problem. Oder gar ein altmodischer Mantel, aber den sollte sie nun wirklich mal langsam holen.

Sie hauchte Alex ein Küßchen auf die Wange und ging nachdenklich nach oben.

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698 Wörter einschließlich Überschrift. Na bitte, geht doch. Und das Recycling von Charakteren scheint ja prächtig zu funktionieren. Mal sehen, wem ich noch zu einem Wiedersehen verhelfe.

Die Schreibthemen im September sind: 1) Stelle uns ein Buch vor, das dich an den Herbst erinnert oder eine Geschichte erzählt, die im Herbst spielt. +++ 2) Eine Kräuterhexe mixt eine besonderen Tee, für wen ist dieser und welche magische Wirkung hat dieser? Verpacke das ganze in eine kleine Geschichte. +++ 3) Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter ein: Laub, kühl, gesund, Beeren, Vorfreude. +++ 4) Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz „Von Natur aus war Lara eigentlich nicht so, doch…“ beginnt. +++ 5) Der uralte Baum im Park soll gerettet werden, wie verhinderst du das?

Und hier sind die Regeln dazu: Jeden Freitag wird veröffentlicht. +++ Wählt aus einem der vorgegebenen Schreibthemen. +++ Schreibt eine Geschichte/ein Gedicht/ein paar Zeilen – egal, Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben. +++ Vergesst nicht, den Hashtag #Writing Friday und den Header zu verwenden, schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch. +++ Habt Spaß und versucht, voneinander zu lernen.

# Writing Friday 2020 – September, 36. Woche : Das Große Brauen

 

Beim #Writing Friday auf dem Blog von elizzy habe ich im August die 35. Woche ausgelassen, weil ich verreist war und keine Idee zu den beiden restlichen Aufgaben zu Katze Trix und Nichtleser Erik hatte. Daür steige ich im September gleich mit einer zu den Temperaturen passenden Geschichte ein, denn was passt besser zu diesem Spätsommer als eine schöne Tasse Tee am Abend?

Eine Kräuterhexe mixt einen besonderen Tee, für wen ist dieser und welche magische Wirkung hat dieser? Verpacke das ganze in eine kleine Geschichte.

Die besondere Eigenschaft habe ich farbig hervorgehoben, aber eine kleine Geschichte ist es nicht geworden – eher mal wieder eine längere.

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Das Große Brauen

Kräuter müssen rein. Viele Kräuter. Und Heidelbeeren. Das wird schmecken. Brrr!“ – als Carolina die Likörwerbung im Radio hörte, dankte sie der Göttin, dass ihr Tee ein besseres Aroma hatte. Wilde Kirschen und Holunder waren zum Übertünchen des bitteren Geschmacks geeigneter als Erdbeeren. Bring meine Schwächen zum Verblassen und meine Stärken zum Leuchten!

Mit diesem Tee würde ihr die Revanche für die erlittene Schmach vom Vorjahr gelingen. Bereits in der Vorrunde des Großen Brauens wegen unbeabsichtigter Nebenwirkungen auszuscheiden, hatte ihrem Ruf erheblich geschadet und ihr finanzielle Einbußen gebracht. Dass ihre größte Konkurrentin nicht nur den begehrten Pokal gewonnen hatte, sondern auch Ricardos Herz, war das Tüpfelchen auf dem I. Aber dieses Jahr würde sie es Helena zeigen.

Und in der letzten Kategorie – Aromatische Tränke mit Wirkung – treten an…“

Mit öliger Stimme stellte der Moderator dem Publikum die acht Kandidaten vor. Serafina Miranda Ramirez und Liam O’Connell machten ihr weiter kein Kopfzerbrechen, auch nicht der Neue, Damon Lucas Maddox. Bei den beiden Kandidaten aus der Taiga sah es schon anders aus, doch sie waren nichts gegen ihre erbittertste Rivalin und die einzig wahre Herausforderung: Helena. Als sie in Ricardo den achten Kandidaten erkannte, schwand ihr selbstsicheres Lächeln. Wieso er? Rechneten sich die beiden größere Chancen auf den Sieg aus, indem sie zu zweit antraten?

Und hier nochmal die Regeln…“ verschaffte sich der Moderator Gehör. Weder durften sie ihre Konkurrenten verhexen noch die Jury beeinflussen. „Und nun viel Glück, Sie haben fünfundvierzig Minuten.“ – Verwandlung, Teleportation, Vergessenszauber… mit jeder Runde wurden die Aufgaben schwieriger, und wie Carolina es sich schon gedacht hatte, schieden als erste Ramirez und O’Connell aus. Es dauerte nicht mehr lange, und außer Carolina waren nur noch Helena, Ricardo und Damon übrig. Der Neue, den bisher niemand auf dem Schirm gehabt hatte und den alten Hasen gefährlich wurde, war auf dem Weg ins Finale, sehr zum Entzücken des Moderators, der ihn ausführlich interviewte – und sehr zum Missfallen Helenas, die auf einmal nicht mehr Liebling des Publikums war. Goldlöckchen sah ihre Felle wegschwimmen? Jetzt würde Helena bestimmt erst recht mit falschen Karten spielen – entweder bei der Erschaffung einer Essenz, die Gegenstände unsichtbar machte, oder beim Brauen eines Wahrheitstrunks. Und dann war da noch die Königsdisziplin. „Sie haben 90 Minuten für ein Gebräu, das besondere Fähigkeiten verleiht.“

Eigentlich hatte sie nur mit einem Gegner gerechnet, aber dass sie in der Endrunde gegen Ricardo und Damon antreten musste, war die nächste große Überraschung, und zu verdanken hatten sie sie Helena, zu Fall gebracht durch ihre eigene Hinterlist. Den Mitstreitern ins Handwerk zu pfuschen und deren dringend benötigte Zutaten für die nächste Runde verschwinden zu lassen, dazu brauchte Carolina keine hellseherischen Fähigkeiten. Dumm, dass sie damit nicht bis nach dem Wahrheitstrunk gewartet hatte, denn so war zu ihrem Pech ausgerechnet die Testperson, die Helenas unsportliches Verhalten verfolgt hatte, in den Genuss von Ricardos Spezialkaffee gekommen.

Durchsucht die Betrügerin… und danach das Set von Mr. Maddox!“ hatte die grauhaarige Dame gerufen und die Wahrheit ans Licht gebracht. Gut versteckt zwischen Damons Tiegeln fand man ein wächsernes Täfelchen, in das seltsame Runen eingraviert worden waren. „Sie hat ihm den Fluch untergeschoben.“ Ein Täfelchen mit einem Fluch zu belegen und es einem Konkurrenten unterzujubeln, hätte allein schon genügt, um sie zu disqualifizieren. Da aber Helena ihr Runentäfelchen unsichtbar gemacht und per Teleportation an Damons Tisch versetzt hatte, führte dieser Verstoß gegen die Regel, dass Tränke und Essenzen aus früheren Runden nicht erneut zum Einsatz kommen durften, zu ihrem Ausschluss von allen Wettkämpfen für sieben weitere Jahre. Schimpf und Schande über die Hexe! Carolina fragte sich zwar, warum Damon und nicht sie die Rune erhalten hatte, aber da es jetzt um die Wurst ging, durfte sie sich damit nicht aufhalten. Konzentration, bitte!

Meine Herren, meine Dame – noch zehn Minuten!“

Strawberries, cherries… Noch fünf Sekunden… drei, zwei, eins. Dann schlug der Gong und damit die Stunde der Wahrheit. Ladys First? Das Los, wer anfangen durfte, fiel auf Damon. „Fire & Ice!“ las der Moderator den Inhalt seines Kuverts vor, „Mit diesem Cocktail seid Ihr unverwundbar, Feuer und Eis können Euch nichts anhaben und weder Türen aus Stahl noch Wände aus Stein Euch aufhalten.“ Kaum dass Damon die silbrig schimmernde Flüssigkeit in einem Zug ausgetrunken hatte, in der Wand hinter dem Moderator verschwunden und durch die Tür auf der Gegenseite wieder hereingeschwebt war, kam auch schon Carolina an die Reihe. Der donnernde Applaus verstärkte ihre Nervosität nur noch. Nach Damons grandiosem Auftakt würde sie es schwer haben, allein schon wegen der knapp gehaltenen Beschreibung in ihrem Kuvert.

„Bring meine Schwächen zum Verblassen und meine Stärken zum Leuchten!“ knarzte es aus den Lautsprechern. Sie konnte es ihnen von den Gesichtern ablesen: Das war schon alles? Mehr nicht? Was für eine armselige Show!

Sie sollten sich gewaltig irren, denn ein Schluck genügte, und es wurde finster im Saal. Carolinas Podest wuchs in den Himmel. Eine Göttin erhob sich, ein düsterer Glanz ging von ihr aus… Sie liegen Dir zu Füßen, und zugleich fürchten sie Dich… Nur zu kurz währte die Illusion. Wie gebannt saßen sie auf ihren Plätzen und kamen nicht mehr dazu, sich zu fragen, womit der letzte Finalist seine Vorgänger zu übertrumpfen gedachte.

Versetze Dich in fremde Gedanken. Frauen werden Dich lieben und Männer Dich fürchten – denn Du durchschaust sie alle.“ Der letzte Umschlag war geöffnet und sein Inhalt verkündet worden. Eine unbehagliche Stille breitete sich im Raum aus, als Ricardo den Kelch leerte. Jetzt bloß nichts falsches denken… Eine Woge der Erleichterung ging durch die Reihen, als er ihnen den Rücken kehrte und Helena ins Visier nahm. Voller Entsetzen erkannte diese, dass gleich ihre wahren Absichten ans Licht kommen würden, und stürmte mit einem hysterischen Kreischen auf die Bühne. Damit löste sie einen beispiellosen Tumult aus: Glas zersplitterte, Gegenstände stürzten um, und aus den sich mischenden Essenzen stiegen Funken auf und flogen durch den Saal. Entsetzte Schreie überall – nichts wie raus! Auf den Sitzen hielt es niemanden mehr. Die Masse drängte es zu den Ausgängen, und noch bevor sie erkannten, was geschah, landete eines der glühenden Partikel in Carolinas Göttertrunk. Die Explosion ließ die Menge erstarren. Wie in Zeitlupe senkte sich die Dampfwolke aus Carolinas Kessel über einer Gruppe Zuschauerinnen herab. Dann erlosch das Licht.

Strawberries, cherries…“ summte Carolina Marcella Conti zufrieden vor sich hin. Sie hatte zwar bei dem Großen Brauen keinen Sieg errungen, aber das hatte niemand, denn das Aufkommen für die Schäden, die bei dem Pandämonium entstanden waren, hatte das Preisgeld aufgezehrt. Aber das war nichts im Vergleich zu den unbeabsichtigten Nebenwirkungen ihres Göttertrunks. Wo zuvor noch drei Damen gestanden hatten, grau und nahezu unsichtbar für andere, waren diese nun, nachdem sich die Wolke verflüchtigt hatte, sichtlich verjüngt und voller Energie, Charme und Esprit.

Carolinas Göttertrunk – ein echter Jungbrunnen, den sie sich gleich am nächsten Tag hatte patentieren lassen.

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1142 Wörter einschließlich Überschrift. Ich sollte mich mal wieder im Kurzfassen üben.

Die Schreibthemen im September sind: 1) Stelle uns ein Buch vor, das dich an den Herbst erinnert oder eine Geschichte erzählt, die im Herbst spielt. +++ 2) Eine Kräuterhexe mixt eine besonderen Tee, für wen ist dieser und welche magische Wirkung hat dieser? Verpacke das ganze in eine kleine Geschichte. +++ 3) Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter ein: Laub, kühl, gesund, Beeren, Vorfreude. +++ 4) Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz „Von Natur aus war Lara eigentlich nicht so, doch…“ beginnt. +++ 5) Der uralte Baum im Park soll gerettet werden, wie verhinderst du das?

Und hier sind die Regeln dazu: Jeden Freitag wird veröffentlicht. +++ Wählt aus einem der vorgegebenen Schreibthemen. +++ Schreibt eine Geschichte/ein Gedicht/ein paar Zeilen – egal, Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben. +++ Vergesst nicht, den Hashtag #Writing Friday und den Header zu verwenden, schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch. +++ Habt Spaß und versucht, voneinander zu lernen.

# Writing Friday 2020 – August, 34. Woche : Mystify me – magische Orte – die Spitze des Eisbergs

 

Hochsommer im Hochtaunuskreis – beim #Writing Friday auf dem Blog von elizzy geht es heute um etwas persönliches, denn die Aufgabe lautet  „Sommerferien in der Heimat – erzähle von deinem Lieblings-Sommerplatz in der Heimat.“   Manche Orte sind magisch – meiner könnte auch direkt eine Filmkulisse sein…

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Mystify me : magische Orte – die Spitze des Eisbergs

Mystisch… magisch… meins! Die Eschbacher Klippen – die Spitze des Eisbergs… stop! Halt – die Hitze hat bei mir nicht zur Erweichung der Gehirnwindungen und Halluzinationen von kühleren Orten geführt… So wie bei einem Eisberg die Spitze nur einen kleinen Teil ausmacht, verhält es sich bei dieser Gesteinsformation mit dem, was man sieht und dem, was man nur erahnen kann.

10 Oktober Klippen 2

Die harten Fakten: Quer durch den Taunus – vom Usatal bis in den Usinger Stadtwald – zieht sich über sechs Kilometer Länge ein Quarzgang. Das entspricht dem Löwenanteil des Eisbergs. Die zwölf Meter hohen Felsen, die Eschbacher Klippen, bilden analog dazu dessen Spitze und sind bei schönem Wetter Ziel unzähliger Kletterer. Klettern mit Geschirr, da bin ich weg und komme wieder, wenn dort weniger los ist. Also nicht an den Nachmittagen von Wochenenden.

10 Oktober Klippen 1

Am liebsten bin ich dort in den frühen Morgenstunden oder im Winter. Klettern muss ich dazu nicht, es geht auch ohne viel Zubehör. Stabiles Schuhwerk reicht völlig aus; oben bin ich schnell und kann von dem Gipfelgrat aus weit ins Eschbacher Tal blicken – auch ein Grund, warum ich hier am liebsten entweder ganz früh am Morgen oder in der Dämmerung bin. Dann habe ich das alles für mich ganz allein – andere würden mit ihrem unablässigen Geplapper doch nur stören. Enjoy the silence.

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Mehr wird es diesen Monat nicht werden, denn ich habe Urlaub und mir eine Auszeit genommen, den voerst letzten in diesem Jahr. Abgesehen von zweit Tagen, die ich mir im November oder Dezember gönne.

Die Schreibthemen im August sind: 1) Sommerferien in der Heimat – erzähle von deinem Lieblings-Sommerplatz in der Heimat. +++ 2) Erik – der absolute Nichtleser – liest ein Buch nach deiner Empfehlung – er ist sofort Feuer und Flamme dafür! Welches Buch ist es und wieso gefällt es ihm so gut? +++ 3) Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter mit ein: Maske, Habseligkeiten, müde, absichtlich, Widerling +++ 4) Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz “Emma war verblüfft über die Weiten des Meeres, sie hätte nie gedacht…” beginnt. +++ 5) Berichte aus dem Alltag von Trix, einer dreibeinigen roten Katze mit einem verblüffenden Talent.

Und hier sind die Regeln dazu: Jeden Freitag wird veröffentlicht. +++ Wählt aus einem der vorgegebenen Schreibthemen. +++ Schreibt eine Geschichte/ein Gedicht/ein paar Zeilen – egal, Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben. +++ Vergesst nicht, den Hashtag #Writing Friday und den Header zu verwenden, schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch. +++ Habt Spaß und versucht, voneinander zu lernen.

# Writing Friday 2020 – August, 33. Woche : Völlig losgelöst

 

Das Muster ist bekannt – kaum habe ich das Thema mit den einzuflechtenden Wörtern durch, kommt als nächstes beim #Writing Friday auf dem Blog von elizzy eine Geschichte, die mit einem bestimmten Satz beginnt, heute mit diesem:

 “Emma war verblüfft über die Weiten des Meeres, sie hätte nie gedacht…”

Eine Emma gab es zwar schon bei mir, dennoch wird diese Geschichte keine Fortsetzung und hat folglich mit der Emma, die durch die Zeit reist, nichts zu tun.

 

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Völlig losgelöst

Emma war verblüfft über die Weiten des Meeres, sie hätte nie gedacht, dass von oben betrachtet, dessen Oberfläche in ihrem Blickfeld einem beinahe vollkommenen Kreis glich.

Während ihre Kollegen mit dem Ablesen der Daten beschäftigt waren, nahm Emma andächtig das Bild in sich auf: eine graue Fläche, durchsetzt mit weißen Wirbeln hie und da, kein Luftzug streifte sie. Andere wären von jenen 280 Kilometern kaum beeindruckt gewesen, doch für Emma erfüllte sich genau jetzt ihr sehnlichster Wunsch. Zwanzig lange Jahre hatte sie darauf hingearbeitet, und nun sah sie es mit eigenen Augen. Mare Ingenii, das Meer der Begabung: Auf der sogenannten dunklen Seite des Mondes lag es. Nur wenigen Menschen war es bisher vergönnt gewesen, einen Blick auf diese andere Seite zu werfen, und nun war auch sie eine von ihnen.

Schon als Kind war es ihr Traum gewesen, zum Mond zu fliegen. Tagelang hatte sie aus Leim, Holz und Papier eine windschiefe Rakete gebaut und diese angemalt; rot-weiß, wie in den Comics in ihrem Zimmer. All die Weltraumspaziergänge und Wanderungen über die Oberfläche des Mondes, die es nur in ihrer Fantasie gab… wo andere mit den Jahren ihre Kinderträume aus den Augen verloren, hatte sie zwanzig lange Jahre darauf hingearbeitet, um da hin zu kommen, wo sie nun endlich war: in einer Kapsel, den Mond in seiner Umlaufbahn umkreisend und sich langsam der Oberfläche des Trabanten nähernd.

Unbeschwert und völlig losgelöst, wie in Zeitlupe – auf der Erde springen wir nicht ganz so hoch und fallen dafür umso schneller… bald haben wir das Ziel unserer Mission erreicht, ging es Emma durch den Kopf.

The dark side of the moon!

Ihre Kollegin Irina hatte wirklich ein Händchen für die passende Hintergrundmusik, um sie auf das Ziel ihrer Mission einzustimmen. Als erstes sollten sie das Meer der Begabung kartografieren, denn das hatte vor ihnen noch niemand getan – kein Wunder, bei dreistelligen Temperaturen im Minusbereich; damit würden sie die übertreffen, die lange vor ihnen die noch immer kaum erforschte Seite des Mondes mit eigenen Augen gesehen hatten. Gesteinsproben nehmen gut und schön, aber irgendwann musste jemand einen Schritt weiter gehen. Die erste Mondlandung war in die Geschichte eingegangen, und seitdem hatten sich immer mehr Programme der Raumfahrt auf den Mond konzentriert. Ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein gewaltiger Schritt für die Menschheit? Und in Konsequenz daraus nach ihr die Sintflut?

Die vor Jahrzehnten im Mare Crisium aus Kostengründen zurückgelassenen zerstörten Sonden Luna 15 und 23 sowie Teile von Luna 24 waren das Symbol für diese Vermüllung schlechthin: Wen interessierte schon der Schrott, der sich inzwischen auch im Weltraum ausbreitete? Ganz zu schweigen davon, dass durch die vielen Expeditionen auf dem Mond so viel Regolith aufgewirbelt  und dadurch dunkler Untergrund freigelegt worden war, dass sich die durchschnittlichen Temperaturen des Mondes mit der Zeit messbar verändert hatten.

Lunare Erwärmung – das Schreckgespenst für kommende Projekte? Aber vielleicht gab es ja doch noch so etwas wie Hoffnung. Kartografieren, die Lage sondieren und analysieren, und dann die Bereinigung des Chaos und den Abtransport des Luna-Schrotts in die Wege leiten: Mit dem Scavenger-Programm würden Emma und ihr Team bei dem Versuch, die bedenkliche Entwicklung doch noch aufzuhalten oder wenigstens zu verlangsamen, Pionierarbeit leisten, und niemand konnte wissen, was da draußen, im Mare Crisium, dem Meer der Gefahren, außer dem weitverteilten Schrott noch auf sie wartete.

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Meere gibt es nicht nur auf der Erde, sondern auch auf dem Mond. Und ihnen verdankt er sein „Mondgesicht“. Daran musste ich denken, als ich nachts unterwegs war und mir ein Beinahe-Vollmond den Heimweg erhellte.

Die Schreibthemen im August sind: 1) Sommerferien in der Heimat – erzähle von deinem Lieblings-Sommerplatz in der Heimat. +++ 2) Erik – der absolute Nichtleser – liest ein Buch nach deiner Empfehlung – er ist sofort Feuer und Flamme dafür! Welches Buch ist es und wieso gefällt es ihm so gut? +++ 3) Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter mit ein: Maske, Habseligkeiten, müde, absichtlich, Widerling +++ 4) Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz “Emma war verblüfft über die Weiten des Meeres, sie hätte nie gedacht…” beginnt. +++ 5) Berichte aus dem Alltag von Trix, einer dreibeinigen roten Katze mit einem verblüffenden Talent.

Und hier sind die Regeln dazu: Jeden Freitag wird veröffentlicht. +++ Wählt aus einem der vorgegebenen Schreibthemen. +++ Schreibt eine Geschichte/ein Gedicht/ein paar Zeilen – egal, Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben. +++ Vergesst nicht, den Hashtag #Writing Friday und den Header zu verwenden, schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch. +++ Habt Spaß und versucht, voneinander zu lernen.

# Writing Friday 2020 – August, 32. Woche : Blinder Passagier – Teil 3

 

 

Das Gefühl habe ich in letzter Zeit häufiger beim #Writing Friday auf dem Blog von elizzy: Themen, bei denen ich auf den ersten Blick zögere. Und dann geht später doch noch eine Tür auf, und die Inspiration ist plötzlich da. Den Anfang macht meistens das Thema mit den einzuflechtenden Wörtern oder eine Geschichte, die mit einem bestimmten Satz beginnt.

Diesen Monat dürfen wir die folgenden Wörter in eine Geschichte einflechten: Maske, Habseligkeiten, müde, absichtlich, Widerling.

Fange ich mit diesem Thema an, kommt oft der Rest von ganz allein; und in diesem Fall die Fortsetzung einer Geschichte aus dem Januar mit dem Titel „Blinder Passagier“

 

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Blinder Passagier – Teil 3

Wichtige Nachricht an alle Harmoniesüchtigen dieser Welt: Wenn Ihr zu oft des lieben Friedens Willen nachgebt, seid Ihr am Ende die Dummen. Weil man es ja mit Euch machen kann, so wie mit Chris. Am liebsten hätte er diese Erkenntnis ganz groß an die nächste Wand gesprüht. Nur gut, dass sein Kumpel erst mal für eine Woche mit dem LKW unterwegs war, so musste er sich nicht erneut ärgern; seinen Gast konnte er jetzt natürlich nicht mehr vor die Tür setzen, schließlich hatte er Julia bereits die Zusage gegeben, wenn er nicht als der größte Egoist unter der Sonne dastehen wollte. Seufzend sah sich Chris in der Werkstatt um. Wie es hier aussah! Das reinste Chaos, und mittendrin die Harley, die bei ihm höchste Priorität hatte. Zum Aufräumen blieb ihm da keine Zeit. Es sei denn…

Die Ansage an Tims Zufallsbekanntschaft war kurz und präzise gewesen: „Okay. Du kannst hier wohnen. Dafür hältst Du die Werkstatt in Schuss; zum Aufräumen bin ich in letzter Zeit nämlich nicht gekommen, und ich könnte jemanden gebrauchen, der Ordnung in den Laden bringt. Zahlen kann ich Dir zwar nichts, aber dafür bekommst Du Essen und Trinken und ein Dach überm Kopf.“

Es sollte ja Leute geben, auf die so ein Angebot eher abschreckend wirkt, aber Julia gehörte nicht dazu. Dass sie nicht lange gebraucht hatte, es anzunehmen, ließ darauf schließen, dass sie wirklich in der Klemme steckte, und dank seiner plötzlichen Eingebung hatte sie eine Zuflucht gefunden. Aber auch für die anderen Beteiligten hatte sein Deal mit Julia zu einer Win-Win-Situation geführt: Chris hatte endlich eine aufgeräumte Werkstatt und Max endlich mal nichts zu meckern. Ein aufgeräumtes Büro – wie hatte Chris denn das hinbekommen? Dank Julia, die recht schnell festgestellt hatte, dass ihr aktueller Job sie nicht auslastete und sie daher ihren Wirkungskreis aufs Büro ausgedehnt hatte, war das chaotische Ablagesystem, das Chris hatte einreißen lassen, Schnee von gestern. Ja, damit ließ sich doch arbeiten.

Anerkennend stieß Max einen Pfiff aus, als er das ausgesprochen hübsche Heinzelmännchen erblickte, das schweigend vor sich hin feudelte, während sein Brüderchen genauso konzentriert an dem Motorrad herumschraubte und sich zwischendurch immer mal das ein oder andere Stück Werkzeug von Julia reichen ließ, die in dem Blaumann verdammt sexy aussah. Andere hätten längst die Chance zum Flirten genutzt, doch Chris war das anscheinend völlig egal. Ja, hatte er denn keine Augen im Kopf? Drinks, Dates und hübsche Frauen? Fehlanzeige: Motoren, Öl, und Kraftstoffe – das war anscheinend alles, woran sein Brüderchen dachte. Max fand es ja löblich, dass sich Chris so reinkniete und der Job bei ihm oberste Priorität hatte, aber hieß es nicht auch, „wir leben nicht um zu arbeiten, sondern wir arbeiten, um zu leben?“ Höchste Zeit, dass er dafür sorgte, dass Chris über der ganzen Arbeit nicht vergaß, dass es auch noch andere Dinge im Leben gab. Und er hatte auch schon einen Plan.

So, Bruderherz. Feierabend!“

Mit vier Flaschen aus dem Kühlschrank betrat Max die Werkstatt am nächsten Samstagnachmittag und lehnte sich an die Motorhaube des 1998er Ford Focus, der darauf wartete, nach der Inspektion von seinem Eigentümer abgeholt zu werden. Argwöhnisch betrachtete Chris seinen Bruder, wie er die Hälfte des Bieres an Julia und Tim weiterreichte und die dritte Flasche Chris hinhielt.

Nanu, Du hier? Und das an einem Samstag? Was verschafft uns denn die Ehre?“

Dass Max an einem Wochenende aufkreuzte, noch dazu in Spendierlaune, war ja etwas ganz neues. Max hatte doch etwas vor, Chris war sich nur noch nicht sicher, was. Ihm waren die Blicke nicht entgangen, die Max Julia zuwarf. Wenn das mal keinen Ärger mit Tim gab.

Ach komm schon, Bruderherz – endlich schreiben wir mit unserem Laden schwarze Zahlen. Wenn das kein Grund zum Feiern ist…“

Feiern? Das ließ sich Tim nicht zweimal sagen. Er war die ganze Woche unterwegs gewesen, und der Job als LKW-Fahrer war schon anstrengend genug, und auch nicht gerade abwechslungsreich. Theoretisch hätte er sich so unendlich müde fühlen  müssen. Aber gerade jetzt, wo er und Delia mal wieder miteinander Stress hatten, konnte er etwas Ablenkung gebrauchen. Dumm nur, dass er gerade knapp bei Kasse war, und er keine großen Sprünge machen konnte. Aber unter diesen Umständen…

Feiern? Julia seufzte. Was Max unter Feiern verstand, konnte sie sich lebhaft vorstellen. Zuerst irgendwo nobel speisen, und danach in irgendeinen exklusiven Club. Ha ha. Nicht wirklich, oder? Seit Lukas die Schlösser ausgetauscht hatte, war ihre Garderobe auf ein Minimum reduziert. Außer dem Blaumann, den sie bei der Arbeit trug, hatte sie buchstäblich nur das, was sie am Leibe getragen hatte, als sie an jenem Abend losgezogen war, um es ihm endlich einmal so richtig heimzuzahlen. Der Plan war gründlich nach hinten losgegangen, und am Ende konnte sie froh sein, dass sie eine halbwegs anständige Bleibe gefunden hatte. Leider hatte sie bisher noch nicht die Gelegenheit gehabt, sich Zutritt zu Lukas‘ Haus zu verschaffen, damit sie sich wenigstens einen Teil ihrer Habseligkeiten zurückholen konnte. Und nun wollte Max den geschäftlichen Erfolg gebührend feiern…

Feiern!“ spöttisch unterbrach Chris seinen Bruder. „Und wo soll die große Party steigen?“ Chris war wirklich gespannt, wo Max das sauer verdiente Geld im großen Stil auf den Kopf hauen wollte. Nach einem durchdachten Plan klang das nicht, schließlich waren sie ja jetzt aus de Gröbsten raus, und da wollte Max groß feiern?

ich dachte, wir könnten mal wieder zusammen ins Bogside…“

Wie bitte??! Tim hörte wohl nicht recht. Um ein Haar hätte er sich an seinem Bier verschluckt. Max wollte ins Bogside? Ernsthaft? Der feine Herr passte eher in den Club Chérie oder in eine angesagte Nobeldisco, aber in einem Irish Pub konnte er sich den Geschäftspartner seines besten Freundes nun wirklich nicht vorstellen. Aber andererseits, wenn er die Blicke Julias richtig deutete, fand die seine Idee gar nicht so übel. Er wusste ja selbst, wie unglücklich die letzten Wochen für sie verlaufen waren, ohne die Möglichkeit an ihre Sachen zu kommen, und außer Jeans und Shirt, die beide zum Trocknen auf der Leine hingen, hatte sie nicht viel anzuziehen. Da war das Bogside garantiert nicht die schlechteste Wahl, wenn es ums Ausgehen ging. Gleichzeitig war ihm aber auch klar, dass es so nicht weitergehen konnte. Gleich morgen, so schwor er sich, würde er sich Julia schnappen und Lukas einen Besuch abstatten, damit sie endlich an ihre Sachen kam.

Ins Bogside?“ fragte Julia, um sich zu vergewissern, dass sie ihn richtig verstanden hatte. Sie hätte schwören können, dass Max eher gehobene Etablissements bevorzugte. Wie man sich doch irren konnte. Sie warf ihm einen dankbaren Blick zu. In der irischen Kneipe war sie in Jeans und knallrotem Top jedenfalls nicht underdressed. Wie man sich doch irren konnte.

Okay, also dann ins Bogside“, antwortete Chris an Stelle von Max. Sein Bruder war doch immer wieder für eine Überraschung gut. Vor seinem Studium waren sie öfters in solche Kneipen gegangen, um eine Runde Darts zu spielen. Aber diese Zeiten waren lange vorbei. Und jetzt kam Max mit dieser Idee um die Ecke…

Sie hatten Glück und einer der Dartsautomaten war frei. Zwölf Pfeile und vier Guinness später versammelten sie sich um das Gerät und beratschlagten, ob sie lieber einzeln oder in zwei Teams gegeneinander spielen wollten. Julia war es gleich. Bei solchen Geschicklichkeitsübungen war sie nie besonders gut gewesen. Max und Chris schienen das Spiel da weitaus besser zu beherrschen, im Gegensatz zu Tim, der mit seinen Pfeilen meilenweit daneben warf. Besser, sie hielt sich an Chris, der zwar nicht so glänzend abschnitt wie sein Bruder, aber immer noch besser warf als sie und Tim.

Der hatte sich den Abend bestimmt auch nicht so vorgestellt. Frust auf der ganzen Linie. Erst eine Woche, die sich wie Kaugummi hingezogen hatte, und dann zur Krönung des Ganzen, Chris‘ toller Bruder, der sie zum Feiern auf ein Dartsturnier im irischen Pub am Ende der Straße eingeladen hatte und nun seine Chance gekommen sah, mit Julia zu flirten. Eine Privatparty mit Julia wäre ihm jetzt bedeutend lieber. Doch die hatte nur Augen für Max und lachte auch noch bei dem blödesten seiner dämlichen Jokes. Nein, er zog es vor, wie Queen Victoria „not amused“ zu sein, und in der entsprechenden Stimmung blickte er Julia hinterher, die den Ort des Geschehens verlassen hatte, weil sie für Getränkenachschub sorgen wollte. There she goes!

Julia näherte sich dem Tresen, um die nächste Runde zu ordern. Drei Guinness und eine doppelte Jacky Cola standen auf ihrer überschaubaren Liste. Dass Tim jetzt schon zu Hochprozentigem überging, war das einzige, was ihre gute Laune ein wenig trübte. So komisch war er erst, seitdem sich zeigte, dass sie ihm beim Darts haushoch überlegen war. Na, da hatte sie sich ja vielleicht ein Herzchen angelacht: Jemand, der ganz schlecht im Verlieren war. Aber manche Dinge erfährt man erst später. Oder zu spät… Zu spät registrierte sie leider auch die Anwesenheit von Leuten, die sie am liebsten von hinten gesehen hätte. Es war ja auch zu schön gewesen. Diese himmlische Ruhe würde nicht lange anhalten.

Hey, ist das nicht Julia?“ hörte sie jemanden sagen. Einer von Lukas‘ Freunden. Das hatte ihr gerade noch gefehlt. „Lukas‘ Kleine? Na, sieh mal einer an. Was macht denn die hier so allein?“

Oh Mann! Sie war von niemandem die „Kleine“! Das allein war schon schlimm, aber dass sich dieser Typ aus dem Dunstkreis ihres Ex an ihre Fersen heftete, brauchte sie so dringend wie einen Kropf. Und er würde nicht nur dumm aus der Wäsche gucken, sondern auch umgehend brühwarm Lukas berichten, dass sie mit drei Leuten hier war. Fröhliches Rätselraten, wer davon wohl ihr neuer Lover war. Ha ha. Kleine Korrektur, Max hatte sein Smartphone am Ohr und ging nach draußen. Den drohenden Ärger würde er nicht mitbekommen. Er sah auch nicht den Schatten, der ihr folgte. Zurück am Dartsautomaten, ging es auch schon los mit dem nervigen Geblubber, von wegen „Aha, aha, so so, Madame hat ein Double Date.“

So ein gequirlter Schwachfug. Double Date. Ha! Gab es für diese Nervensäge keinen Aus-Knopf? Der Herr hatte wohl zu tief ins Glas geschaut. Double Dates bestehen in der Regel aus zwei Paaren und nicht aus drei einzelnen Personen. Julia reichte es jetzt. Sie setzte das Tablett mit den Getränken ab und drehte sich um. „Wag es ja nicht!“ fauchte sie. „Noch so ’n Spruch, und hier ist Achterbahn!“

Wenn dieser Widerling sie noch weiter reizte, würde er was erleben. Sie hatte schließlich nicht umsonst ihren Pfeil in der Gesäßtasche deponiert. Bekanntschaft damit zu schließen, war nicht empfehlenswert. Nicht ohne Erste-Hilfe-Kasten und Desinfektionsmittel. Doch der Kerl grinste sie nur spöttisch an – mach doch, Du traust Dich ja doch nicht – und schob sich an ihr vorbei.

Und wer von Euch beiden ist der Glückliche?“

Der Blödmann hatte keine Ahnung und konnte sich nicht entscheiden.

Ach nee. Wen haben wir denn da? Dundee?“

In was für eine illustre Runde war Julias Schatten denn hier geraten? Der Kerl mit dem Hut war Julias Schatten schon lange ein Dorn im Auge. Stolzierte durchs Fitneßstudio, als ob ihm der ganze Laden selbst gehörte. Dass Lukas‘ Freundin auf so einen Westentaschencasanova reinfiel, konnte er sich eigentlich nicht vorstellen, aber da war ja noch der andere. Ach ja, richtig, der Motorradfuzzi mit der Werkstatt. Diesen Kerl konnte er genauso wenig ausstehen.

Er wusste, wie sehr Lukas darauf bedacht war, den Schein zu wahren und  den Coolen zu spielen, der nichts an sich heranließ. Doch er kannte seinen Kumpel und seinen gekränkten Stolz besser: Verlassen zu werden…  wenn Lukas hörte, wen sich Julia an Land gezogen hatte und vor allem wie schnell, würde es hinter seiner  Maske des Unnahbaren ganz gewaltig zu brodeln beginnen. Das würde ein Fest geben. Auf diese Party freute er sich jetzt schon. In ironischem Sinn. Also eher nicht. Denn Lukas würde ausrasten. Toben würde er. Obwohl er eigentlich froh sein konnte, dass er diese *** (hier bitte ein beliebiges Schimpfwort einsetzen) los war.

Oder vielleicht der häßliche Vogel mit dem Pfeil in der Hand? Ich wette, damit kannst Du keinen Treffer landen.“

Das war doch die Höhe! Julia sah rot. Nicht einmal einen harmlosen Abend unter Freunden gönnte man ihr. Okay, mit einem verband sie eher eine „Freundschaft plus“ – dennoch: Konnte sie denn nirgendwo mehr hingehen, ohne dass ihr Ex oder einer seiner Kumpane auftauchte? Das machten die doch absichtlich! Dass er ihre Freunde beleidigte, konnte sie unmöglich zulassen. Julia griff sich den Pfeil und holte mit viel Schwung ganz weit aus, bereit zum Angriff.

Doch der wurde mitten in der Ausführung von Max gestoppt.

Das lässt Du lieber mich regeln. Bevor hier die falsche Person einen Treffer landet, den sie später bereut.“ sprach er ruhig, aber bestimmt. Dann baute er sich vor dem Unruhestifter auf.

Und Du, Freundchen, siehst zu, dass Du Land gewinnst. Aber ein bisschen hurtig – Pappkamerad!“

Pappkamerad. Mit offenem Mund starrten Julia, ihr Schatten und Chris ihn an. Der erste, der sich aus der ehrfürchtigen Erstarrung löste, war Tim, der in schallendes Lachen ausbrach, als der unerwünschte Eindringling davon schlich.

Pappkamerad! Na, dem hast Du’s aber gegeben.“

Ja, ganz großes Kino. So kenne ich mein Bruderherz ja gar nicht.“ Chris war der nächste.

Pappkamerad? Was für ein Kracher! Julia konnte sich das Drama, das sich abzuzeichnen drohte, lebhaft vorstellen. „Oh ja, wirklich ganz große Klasse“, warf sie sarkastisch ein, „glaubt mir – Typen wie den kenne ich. Der hängt nicht nur ständig mit meinem Ex ab, der tickt auch genau wie er, und ich fürchte, das gibt Ärger. Lasst uns besser verschwinden.“

Guter Punkt, unseren Absacker können wir auch bei meinem Kumpel nehmen“, ergänzte Tim, „das wird morgen ohnehin noch ein langer Tag.“ Ein Tag, der es nach dieser Begegnung in sich haben würde, denn weder er noch Julia konnten wissen, was sie erwartete. Aber angenehm würde es mit Sicherheit nicht werden.

(Fortsetzung folgt)

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Und weil ein halbes Jahr doch ein zu langer Zeitraum ist, um sich an den Anfang der Geschichte zu erinnen, gibt es die beiden ersten Teile von „Blinder Passagier“ hier noch einmal zum Nachlesen: Teil Eins und Teil ZweiWann es mit Teil Vier weitergeht? Kann ich noch nicht sagen…

Die Schreibthemen im August sind: 1) Sommerferien in der Heimat – erzähle von deinem Lieblings-Sommerplatz in der Heimat. +++ 2) Erik – der absolute Nichtleser – liest ein Buch nach deiner Empfehlung – er ist sofort Feuer und Flamme dafür! Welches Buch ist es und wieso gefällt es ihm so gut? +++ 3) Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter mit ein: Maske, Habseligkeiten, müde, absichtlich, Widerling +++ 4) Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz “Emma war verblüfft über die Weiten des Meeres, sie hätte nie gedacht…” beginnt. +++ 5) Berichte aus dem Alltag von Trix, einer dreibeinigen roten Katze mit einem verblüffenden Talent.

Und hier sind die Regeln dazu: Jeden Freitag wird veröffentlicht. +++ Wählt aus einem der vorgegebenen Schreibthemen. +++ Schreibt eine Geschichte/ein Gedicht/ein paar Zeilen – egal, Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben. +++ Vergesst nicht, den Hashtag #Writing Friday und den Header zu verwenden, schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch. +++ Habt Spaß und versucht, voneinander zu lernen.

 

# Writing Friday 2020 – Juli, 31. Woche : Als der Regen kam – Kapitel 6

 

Eine Fortsetzungsgeschichte braucht einen Abschluss, und deshalb habe ich den schon fertigen Text noch einmal umgeschrieben, damit es kein Spin-Off wird, sondern zu einer der Aufgaben des Monats Juli passt.

Beim #Writing Friday auf dem Blog von elizzy gab es diesen Monat fünf Themen, von denen mir jedoch zwei nicht genügend Inspiration lieferten. Den im Juni angefangenen Kurzroman mit dem Titel „Als der Regen kam“ habe ich deshalb erneut an das folgende Thema angepasst:

Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter mit ein: Hund, Badeanzug, rosarot, gehüpft, Eiscreme

Ob es ein Happy-End gibt? Der Countdown läuft …

 

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06 – The final countdown

Der Regen fiel in Strömen auf sie herab, nun mussten sie nur noch warten.

Zehn Einsatzfahrzeuge der Polizei und nochmal genauso viele Busse, mit denen die Randalierer abtransportiert wurden und etliche zusätzliche Anzeigen wegen Sachbeschädigung, so sah die Bilanz einer aus dem Ruder gelaufenen illegalen Party am Samstagnachmittag aus. Eine Party, die auf das Konto eines jungen Mannes ging, der nun so schnell niemanden mehr einladen würde.

Neun– bis zehntausend Euro Schaden würden auf Julian Meister wegen seiner Aktion mit dem Tablet zukommen. Da wurde doch der Hund in der Pfanne verrückt. Nicht nur, dass die Umgebung um den am Morgen noch so idyllischen See nach Beendigung des Einsatzes völlig zugemüllt war, auch einige PKWs der Anwohner und im kleinen Bootshafen liegenden Jollen und Segelyachten hatten etwas abbekommen. Herr und Frau Meister würden toben, denn ob ihre private Haftpflichtversicherung für den Schaden ihres noch schulpflichtigen Sprösslings anstandslos aufkommen würde, blieb noch abzuwarten. Geschah ihm Recht, dachte Laura, aber sie konnte sich nicht freuen. Zu aufgewühlt war sie noch nach dem, was sich in den vergangenen Stunden abgespielt hatte. Todesängste hatte sie ausgestanden, als die Menge der Unbekannten immer größer wurde. „Verrammelt die Tür!“ hatte sie geschrien und ein großes Möbelstück vor die Tür geschoben. Die Angst hatte ihr Bärenkräfte verliehen; die anderen standen nur planlos da und starrten sie entgeistert an.

Acht Uhr war es inzwischen, und noch immer gab es von Alex und Lucy keine Spur. Laura hatte Tom beruhigen und davon abhalten wollen, Andy und David rund zu machen; Andy, weil er Alex eingeladen hatte, einen Fremden. David, weil er diesen dazu gebracht hatte, Lucy mitzunehmen. Schließlich wusste doch jeder Blöde, dass man solchen Typen nicht trauen konnte und dass bei der langen Zeit, die die beiden nun schon verschwunden waren, garantiert etwas vorging. Etwas, das Tom nicht gefiel. Eiscreme ließen die beiden sich bestimmt nicht schmecken. Doch dank des Großeinsatzes, der gerade noch das Schlimmste verhindert hatte, blieb den beiden zwar das Donnerwetter erspart – aber nicht die Peinlichkeit, die Beamten aufs Revier begleiten zu müssen.

Sieben hätten es eigentlich sein müssen, und nun waren es nur fünf Personen, die den Beamten Rede und Antwort stehen mussten. Mit Laura ging es am schnellsten. Sie war den ganzen Nachmittag in der Hütte gewesen und konnte daher nichts über Julians Aktivitäten sagen. Auch aus David bekamen sie nichts brauchbares heraus, da der zwar laut Toms Aussage mit Andy und Julian den Nachmittag auf der Decke mit Zocken und Trinken verbracht hatte, aber sich dann ziemlich schnell betrunken hatte und im Prinzip zu nichts mehr zu gebrauchen war. Und Andy? Der hüllte sich in Schweigen, abgesehen davon, dass ihm Julians Daddelei auf den Zeiger gegangen war und deshalb den Tatort relativ schnell verlassen hatte. Am Ende war jeder dabei gewesen, aber keiner hatte etwas gesehen. Im Prinzip war das auch nicht nötig. Julians Timeline sprach Bände, und sein Tablet würde für die Dauer der Ermittlungen sichergestellt bleiben.

Sechs Kilometer weiter südlich ließ der Regen langsam nach. Froh, dass das Gewitter sie verschont hatte, lösten sich Alex und Lucy aus ihrer Umarmung und überlegten sich, ob es noch einen Sinn hatte, ihre Einkaufstour fortzusetzen. Jetzt hatten sie so lange ausgeharrt, da hatte bestimmt keiner der Läden mehr geöffnet. Auch nicht im Einkaufszentrum. Aber andererseits konnte sich Lucy kaum vorstellen, dass Tom nach diesem Monsun noch auf seiner blöden Nachtwanderung bestehen würde. Der Kauf neuer Schuhe war womöglich gar nicht mehr notwendig. Genauso wenig, wie sie jetzt noch einen Badeanzug brauchen würde – sie wäre gerne nochmal ins Wasser gehüpft, doch wärmer würde es ab jetzt sicher nicht mehr werden. Alex ließ Lucy zuerst aufsitzen, dann schwang er sich auf die Maschine und gab Gas.

Fünf Elternpaare wagten ihren Ohren kaum zu trauen, als sie hörten, was ihre Söhne und Töchter angestellt hatten. Töchter? Tom sank kleinlaut in sich zusammen, als er zugeben musste, dass er keine Ahnung hatte, wo Lucy war. Unverantwortlich nannten sie ihn, dass er seine Schwester mit einem Unbekannten hatte losziehen lassen. Lauras Eltern zogen daraus die Konsequenz und verboten ihrer Tochter kurzerhand den Umgang mit Tom. Aber das alles war eine Kleinigkeit im Vergleich zu Julian, den seine Eltern gründlich in die Mangel nahmen. „Wenn die Rechnung kommt, Freundchen“, hatte sein Vater die Tirade beendet, „sprechen wir uns wieder.“ Bis dahin hatte er Arrest. Mit Andy verfuhren sie nachsichtig, er kam von allen am leichtesten davon, während die Abrechnung mit David noch warten musste, bis er wieder nüchtern war. Ihm ins Gewissen zu reden, hatte in seinem Zustand keinen Sinn.

Vier Kilometer lagen noch vor ihnen. Alex hatte ein ungutes Gefühl, als er sah, wie ihm der erste Polizeibus entgegen kam. Seine Unruhe nahm beim Anblick der ihm entgegenkommenden Autos noch zu, und als die Spuren der Verwüstung in seinem Blickfeld stetig zunahmen, stand sein Entschluss fest.

Drei Uniformierte rollten an der Straße, die zum See führte, das Absperrband zusammen und packten ihre Sachen ein. Mit der Sicherung der Spuren waren sie soweit durch; auf die in Richtung See vorbeirollende Enduro achteten sie nicht. Als sie außer Sichtweite kamen, brachte Alex die Maschine zum Stehen und packte sein Smartphone aus.

Zwei Minuten später waren er und Lucy sich einig, dass sie gar nicht erst zur Hütte zurückfahren, sondern sich gleich auf den Rückweg machen würden. Auf eine Konfrontation mit ihren aufgebrachten Eltern hatte Lucy keine Lust, und um ihr Gepäck machte sie sich keine Gedanken – das würde schon jemand einsammeln. Alex hatte sich bereit erklärt, sie direkt zu Hause abzusetzen, nicht ohne jedoch sie vorher noch nach ihrer Telefonnummer zu fragen. Der Himmel war zwar immer noch etwas grau, aber Lucy sah ihn in rosarot.

Eins hatte sie daraus gelernt: So schnell würde sie nicht mehr mit ihrem Bruder auf Tour gehen, und falls Tom es wagen sollte, kein gutes Haar an Alex zu lassen, dann konnte er sich auf was gefasst machen.

Null Toleranz gegenüber diesen Chaoten!“ – Die Titelstory war kurz, knackig und unmissverständlich. Damit sprach das Revolverblatt den Meisters aus dem Herzen. Gleich nach den Ferien würde Julian auf ein Internat wechseln und dort auch bis zum Abitur bleiben. Dem Mangel an sittlicher Reife würde man dort sehr erfolgreich abhelfen, die Erfolgsquote dieser Institution sprach Bände. Null Verständnis hatten auch Toms und Lucys Eltern für das unmögliche Verhalten ihres Sohnes. Während Lucy glimpflich davon kam – im Grunde waren ihre Eltern froh, dass ihr nichts passiert war – , durfte Tom sich auf Hausarrest bis zum Schulbeginn „freuen“. Das passte ihm zwar nicht, aber was blieb ihm schon anderes übrig? Andy und er waren ohnehin geschiedene Leute, Laura durfte er auch nicht mehr wiedersehen, und David und Julian konnten ihm gestohlen bleiben.

Ja, dieses Wochenende war in mehr als einer Hinsicht ins Wasser gefallen, und ein weiteres dieser Art würde es nicht mehr geben.  

Ende 

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Die Komplettübersicht über die bisherigen Kapitel gibt es jetzt hier. Die ersten vier Kapitel habe ich zum selben Thema (Schreibe eine Geschichte mit dem Anfang „Der Regen fiel in Strömen auf sie herab, nun …“) geschrieben, da ich im Juli auf ein anderes Thema umschwenken musste, habe ich mich auf das mit den fünf einzubauenden Wörtern konzentriert.

Herausgekommen ist ein Kurzroman mit dem Titel „Als der Regen kam“ –   Kapitel 1Party of seven  +++ Kapitel 2 Barbecue on the rocks  +++ Kapitel 3Easy Rider   +++  Kapitel 4 Zeter und Mordio   +++ Kapitel 5Music for the masses

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Die Schreibthemen im Juli lauteten: 1) Du gerätst über eine Zeitmaschine ins alte Ägypten, erzähle von diesem Abenteuer. +++ 2) Emma ist gerade in ein neues Haus gezogen, als sie dort den Wandschrank öffnet weht ihr ein kühler Wind entgegen, sie tritt hindurch und ist in einer anderen Welt… (Erzähle die Geschichte weiter) +++ 3) Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter mit ein: Hund, Badeanzug, rosarot, gehüpft, Eiscreme. +++ 4) Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz “Kurt war zum Mörder geboren, könnte man meinen, wenn da nicht…” beginnt. +++ 5) Berichte aus dem Alltag von Simon – ein kleiner bunter Spatz, mit Pilotenbrille und einem mutigen und grossen Herzen.

Und hier sind die Regeln dazu: Jeden Freitag wird veröffentlicht. +++ Wählt aus einem der vorgegebenen Schreibthemen. +++ Schreibt eine Geschichte/ein Gedicht/ein paar Zeilen – egal, Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben. +++ Vergesst nicht, den Hashtag #Writing Friday und den Header zu verwenden, schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch. +++ Habt Spaß und versucht, voneinander zu lernen.

# Writing Friday 2020 – Juli, 30. Woche : Die Konferenz

 

Damit ich auch wenigstens noch eine von den anderen Aufgaben in diesem Monat löse, reiche ich zusätzlich zum Finale meiner Phantasie- und Zeitreise noch einen einzelnen Beitrag zu später Stunde nach, und zwar zu diesem Thema des von elizzy geschaffenen #writing friday: 4) Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz “Kurt war zum Mörder geboren, könnte man meinen, wenn da nicht…” beginnt.

Eigentlich ist das noch nicht mal eine richtige Geschichte – eher ein Fragment oder eine Momentaufnahme…

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Die Konferenz

Kurt war zum Mörder geboren, könnte man meinen, wenn da nicht sein Cousin Mario in einem unbedachten Augenblick geäußert hätte, dass Kurt Onkel Rudolf wie aus dem Gesicht geschnitten sei. Kindermund tut Wahrheit kund? Nun waren die Worte gesagt, und die Zweifel, wer wirklich Kurts Vater war, standen im Raum.

Irgendwie hatten sie es schon immer geahnt: In einer langen Reihe von Ahnen, die allesamt dieselben äußerlichen Merkmale aufwiesen, war der Junge nicht nur rein optisch aus der Art geschlagen. Je länger Tante Wally darüber nachdachte, desto mehr Ähnlichkeiten zu Rudolf, dem schwarzen Schaf der Familie, fielen ihr auf. Mimik, Gestik, seine Unlust das Handwerk zu erlernen, das seine Familie seit Generationen ausübte. Den schwarzen Peter hatte jetzt Kurts Mutter, die nicht wieder geheiratet hatte, seit sie verwitwet war. Gut, dass Robert, das nicht mehr miterleben musste, dankte Tante Wally ihrem Schöpfer.

Tante Wally war stolz auf ihren Stammbaum, der sich bis in die Renaissance zurück verfolgen ließ. Und jetzt gab es zum ersten Mal jemanden, der aus der Art geschlagen war und die Familientradition in Gefahr brachte. Eine Tradition, welche dafür sorgte, dass immer dank des Erstgeborenen die Gilde der Meuchelmörder weiterbestehen konnte. Es wurden ohnehin immer weniger – eine Entwicklung, die ihr gar nicht gefiel. Komische Zeiten waren das; entweder erledigten die Leute gleich selbst aus Geiz den Job, den eigentlich jemand wie ihr Sohn Robert, Gott hab ihn selig, ausgeübt hätte – oder die lästige Konkurrenz griff zu immer exotischeren Mitteln wie Polonium. Die alten Methoden dagegen wendete kaum noch jemand an. Höchste Zeit, den Familienrat einzuberufen.

Lucinda, würde wenig erfreut sein, aber als Kurts Mutter durfte man sie nicht übergehen. In Gedanken ging Wally noch einmal die Liste derer durch, die an der Konferenz teilnahmen: Karl Anton, Lucinda, Marcello, Sabrina, Michele und Franz Ferdinand. Aber sie mussten vorsichtig sein. Wenn Rudolf von dem Treffen Wind bekam, war alles vorbei. Womöglich schaltete er noch Interpol ein, was sie insgeheim jedoch nicht zu hoffen wagte. Aber zuzutrauen wäre es ihm, seufzte sie. Nun gut, man würde sehen.

Zur konspirativen Zusammenkunft in der Familiengruft waren alle pünktlich erschienen. Lucinda rümpfte zwar ob des Modergeruchs die Nase, aber auf solche Empfindlichkeiten konnte Wally nun wirklich keine Rücksicht nehmen – einen Tod mussten sie schließlich alle sterben, und sie waren hier auch nicht bei „Wünsch Dir was“, sondern hatten über die Zukunft zu entscheiden und wie es weitergehen sollte.

Als erstes mussten die erhitzten Gemüter besänftigt werden. Am liebsten hätte Marcello sofort Rudolf die Gurgel umgedreht und Michele seiner Schwester Lucinda die Daumenschrauben angelegt, damit die endlich die Wahrheit gestand. Aber dagegen legten Sabrina und Franz Ferdinand ihr Veto ein. Da konnte Michele noch so sehr toben, dass sich Sabrina gegen ihn stellte, aber ihre Meinung stand fest, dass Frauen zusammenhalten mussten – da konnte ihr Bruder noch so sehr versuchen, sie mit Tatsachen zu verwirren. Das Gezeter war beispiellos, und irgendwann reichte es Karl Anton. Er schlug mit der Faust auf den Sarkophag, dass der Putz von den Wänden sprang und endlich Ruhe einkehrte. Mit seinem Vorschlag, anstatt sich wilden Spekulationen hinzugeben einfach einen DNA-Test durchzuführen, hatte niemand gerechnet. DNA-Test? Auf so eine neumodische Idee konnte auch nur jemand aus der väterlichen Linie kommen. Doch am Ende sahen sie ein, dass sie gegen so viel Vernunft machtlos waren.

Blieb nur noch die Frage zu klären, wer nun die Tradition der Familie fortführen und an Stelle von Kurt in Roberts Fußstapfen treten würde, falls sich herausstellte, dass der kleine Kurt der Sohn Rudolfs war. Das war Wasser auf Sabrinas Mühlen, denn sie hatte schon seit langem so eine Ahnung gehabt, sich aber bisher kein Gehör verschaffen können. Zum Teufel mit der Tradition des Erstgeborenen, war ihre Reaktion – schließlich war sie auch noch da und hatte eine Tochter, die die idealen Anlagen für ein Leben in der Gilde mitbrachte.

Der Erstgeborene – es gab Zöpfe, für die es an der Zeit war, sie abzuschneiden. Die Zeit war reif für frischen Wind und Erneuerung.

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Die Schreibthemen im Juli lauten: 1) Du gerätst über eine Zeitmaschine ins alte Ägypten, erzähle von diesem Abenteuer. +++ 2) Emma ist gerade in ein neues Haus gezogen, als sie dort den Wandschrank öffnet weht ihr ein kühler Wind entgegen, sie tritt hindurch und ist in einer anderen Welt… (Erzähle die Geschichte weiter) +++ 3) Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter mit ein: Hund, Badeanzug, rosarot, gehüpft, Eiscreme. +++ 4) Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz “Kurt war zum Mörder geboren, könnte man meinen, wenn da nicht…” beginnt. +++ 5) Berichte aus dem Alltag von Simon – ein kleiner bunter Spatz, mit Pilotenbrille und einem mutigen und grossen Herzen.

Und hier sind die Regeln dazu: Jeden Freitag wird veröffentlicht. +++ Wählt aus einem der vorgegebenen Schreibthemen. +++ Schreibt eine Geschichte/ein Gedicht/ein paar Zeilen – egal, Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben. +++ Vergesst nicht, den Hashtag #Writing Friday und den Header zu verwenden, schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch. +++ Habt Spaß und versucht, voneinander zu lernen.

# Writing Friday 2020 – Juli, 30. Woche : Nephthys – Teil 2

 

Wenn’s mal wieder länger dauert: Du gerätst über eine Zeitmaschine ins alte Ägypten, erzähle von diesem Abenteuer“ – so lautet eine der fünf Schreibaufgaben von elizzy für den #Writing Friday. Da ich noch nicht wusste, wie lang diese Reise wird, als ich mit dem Schreiben begonnen habe, gibt es nur eine Möglichkeit für mich: Ich splitte meine Reise ins alte Ägypten… Nach „Nephthys – Teil 1“ ist heute der zweite Teil dran, anstatt einer der beiden anderen Aufgaben.

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Nephthys – Teil 2

Diese Dekadenz! Aber ich halte mich bedeckt und verhalte mich am besten unauffällig, dann habe ich vielleicht noch eine Chance, von hier fort zu kommen. Unliebsame Zwischenfälle kann ich mir nicht leisten; von den schweren Platten mit den erlesenen Köstlichkeiten ist mir keine heruntergefallen – jetzt muss es nur noch mit der Getränkeversorgung klappen. Doch auf dem schwankenden Schiff nichts zu verschütten, ist gar nicht so einfach, und das flaue Gefühl in meinem Magen beim Blick auf die vorbeiziehenden Häuser macht mir diese Aufgabe nicht leichter.

Mehr Wein!

Ja, Meister, seufze ich, schrei nicht so, ich bin ja nicht taub. Unermüdlich für stetigen Nachschub zu sorgen, mag vielleicht bei anderen funktionieren, aber nicht bei mir, denn von den schweren Krügen werden mir langsam die Arme lahm und die Beine schwer. Da geschieht es. Ich stolpere und werde mit einem unfreundlichen „Dumme Gans“ grob wieder auf die Füße gerissen. Vor Schreck erstarre ich, aber nicht wegen des Sklaventreibers, dem ich in die Fänge geraten bin, sondern wegen Nephthys, die plötzlich an Deck erschienen ist. Jetzt weiß ich, warum mir in den letzten Stunden immer mulmiger geworden ist. Das waren nicht mehrere Standbilder von derselben Gottheit – es ist die gleiche Gottheit, in Stein gehauen, und sie ist lebendig. Jetzt bloß nicht blinzeln…

Zu spät. An Deck bricht die Hölle los. Das von Kleopatra ausgerichtete luxuriöse Bankett für Antonius wird nicht wie geplant stattfinden. Die Panik um mich herum hat das erfolgreich verhindert, und nun bin als nächste ich in Gefahr, bei der Stampede unter die Hufe zu geraten oder aber von Nephthys… Ein Schrei unterbricht meine Gedanken. „Emma! Schnell, Lauf!“ – Run, you clever girl?… wo kommt der denn jetzt auf einmal her? Es wäre nicht so weit gekommen, wenn sich der Doktor nicht so plötzlich in Luft aufgelöst hätte. Aber jetzt ist er da und stößt mich mit Anlauf von Bord, doch der Aufprall auf der Wasseroberfläche bleibt aus. Statt dessen lande ich unsanft auf allen Vieren – in der TARDIS. Fürs erste sind wir zwar in Sicherheit, aber die TARDIS ist immer noch manövrierunfähig.

Große Neuigkeiten: Der Doktor war in der Bibliothek, die doch nicht zerstört worden ist. „Das ist ein Zeichen!“ ruft er euphorisch und rekapituliert seine Befreiungsaktionen der vergangenen Jahre: Leute aus Wänden und Fußböden, in ein unbekanntes W-Lan gezogene Ahnungslose, eine seiner Begleiterinnen aus einer Bibliothek – und jetzt mich. Aus der Welt der Bücher, eigentlich eine Parallelwelt. Eine Lösung muss her, aber dazu muss er wissen, wie ich in ihr gelandet bin. „Was hattest Du zuletzt getan?“ lautet seine simple Frage. Irgend etwas muss meine unbeabsichtigte Reise ausgelöst haben – ein Getränk, ein Buch, ein Song… „Ein Buch, mit dessen Charakteren Du so sehr mitgefiebert hast, dass es Dich in seinen Bann gezogen hat?“

In einem Paralleluniversum sind solche Redewendungen wörtlich zu nehmen. Ob mein Übertreiben mit den dazu passenden Gin-Cocktails dazu beigetragen hat und der Ohrwurm, den ich hatte, der Auslöser war? „Disappear“ – die Ironie lässt dem Doktor ein Licht aufgehen, aber wie er in dieses Bild passt, darüber schweigt er sich aus. „Das ist es! ‚Disappear‘ – und Du verschwindest. ‚Bring me to life‘ – und Du kehrst zurück“. Den Song hätten wir schon mal. Bei dem Buch wird es schon schwieriger, denn in der TARDIS gibt es keine gedruckten Bücher. Dafür aber E-Books. Nun brauchen wir nur noch eins, das in meiner eigenen Zeit spielt. Internet in der TARDIS – echt jetzt? Aber worüber wundere ich mich eigentlich noch? Dass dies hier mit der Realität rein gar nichts zu tun hat, ist mir schon lange klar. Wenn die Lösung in elektronischen Lesewelten zu finden ist, sollten wir eines der unzähligen Portale mit Fanfiction durchsuchen. Bestimmt finden wir eines in meiner Muttersprache, das mich nach 2020 zurückbringt.

Timelord-Technik ist toll: Mit einem Schallschraubenzieher als Filter, stoßen wir auf einen Roman, der zwar nicht alle Kriterien vollständig erfüllt, aber da wir sowieso nicht vom Fleck kommen, lese ich dem Doktor Kapitel für Kapitel vor, und er überlegt sich, an welcher Stelle ich bei diesem Phantasieprodukt der Autorin ins Spiel kommen soll. Irgendwo in den Tiefen der TARDIS hat der Doktor noch ein paar Flaschen Wein liegen, zufällig ist Cabernet Sauvignon die Lieblingssorte der Autorin.

Und das soll funktionieren?“ Skeptisch nehme ich noch einen Schluck aus dem inzwischen dritten Glas. „Du meinst, wenn ich in acht Stunden hier raus spaziere, befinde ich mich in Kanada im Jahr 2019 – ohne Pass, aber mit Mörderschädel?“

Toller Plan – denn gerade sind sie beim Pilotenstreik. Wenn’s dumm läuft, sitze ich auf der anderen Seite der Erde fest, und dann noch ein halbes Jahr zu früh. Und wenn der Doktor die TARDIS nicht mehr zum Laufen bringt? Doch er scheint einen Plan zu haben – und in dem spielt Nephthys die Hautprolle. Sie oder besser gesagt ihr Abbild aus Stein ist keine gewöhnliche Statue, sondern ein Lebewesen, das seine Opfer bei Kontakt in die Vergangenheit schicken kann, um aus dieser Zeitspanne Energie zu gewinnen. In die Vergangenheit? Was soll ich denn da?

Falsch gedacht Emma, wir befinden uns in einer Parallelwelt, und hier ist alles anders: Die Sternbilder. Die Bibliothek, die noch immer existiert. Die Begegnung zwischen Kleopatra und Marcus Antonius, die nicht stattfindet… Beste Voraussetzung, dass Dein Kontakt mit dem Weinenden Engel – denn das ist Nephthys – den umgekehrten Effekt hat.“

Like a halo in reverse… nur dass es kein Halo ist, sondern ein Engel. Na toll, jetzt habe ich einen Ohrwurm.

Acht Stunden später ist es soweit. Bevor wir uns ein letztes Mal umarmen, drückt er mir ein Papier in die Hand, das Gedanken manipulieren soll. Falls unser Plan funktioniert und ich in Vancouver lande, ist dies mein Pass in die Freiheit und nach Hause. Bereit für die Begegnung mit Nephthys trete ich ins Freie und sehe das verlassene Schiff. Ich kann nur vermuten, dass die Passagiere von ihr in eine andere Zeit versetzt worden sind. „Don’t blink!“ – den Befehl, nicht zu blinzeln, missachte ich ganz bewusst. Tatsächlich ist sie nach einem Wimpernschlag bei mir, ich trete ihr entgegen, um mich von ihren ausgebreiteten Schwingen umfangen zu lassen, und tauche ein in die Dunkelheit.

Als ich wieder zu mir komme, sehe ich bunte Lichterketten an den Häusern vor mir. Stöhnend komme ich auf die Beine und kann gerade noch einer bimmelnden Straßenbahn ausweichen. Es ist der Ebbelwoi-Express – ich bin zurück in Frankfurt. Mein Glück kann ich kaum fassen, und als ich den Kiosk im Südbahnhof betrete, werfe ich einen Blick auf den Zeitungsstapel: Wir haben den 22. Mai 2020 – ein halbes Jahr später als geplant, und doch knapp an der Punktlandung vorbei, denn als ich verschwand, hatten wir den Fünfundzwanzigsten. Aber ich will mich über die fehlenden drei Tage nicht beschweren. Ohne den Engel, der etwas zu viel Energie aufgenommen hat, hätte ich nie mehr zurückgefunden.

Über die fehlenden Tage, in denen mich niemand vermisst hat, breite ich den Mantel des Schweigens, aber eines ist klar: Nie wieder werde ich es so mit den Cocktails übertreiben und mir auch nie wieder wünschen, durch die Zeit reisen zu können.

Ende

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Hoffentlich schrecke ich mit meinen ausufernden Texten nicht irgendwann noch jemanden ab, aber inzwischen habe ich eine Vorliebe für Fortsetzungsreihen entwickelt, und die zu splitten.. – diesmal habe ich aus drei Schreibaufgaben der Monate Juni (Aufwachen im aktuell gelesenen Buch) und Juli (Durchschreiten eines Wandschranks / Zeitreise ins alte Ägypten) eine Geschichte in vier Teilen entwickelt – hier ist die Gesamtübersicht, zum Nachlesen: 1/4 Landmädchen, Du bist bekloppt +++ 2/4 Die blaue Tür  +++ 3/4Nephthys – Teil 1 …

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Die Schreibthemen im Juli lauten: 1) Du gerätst über eine Zeitmaschine ins alte Ägypten, erzähle von diesem Abenteuer. +++ 2) Emma ist gerade in ein neues Haus gezogen, als sie dort den Wandschrank öffnet weht ihr ein kühler Wind entgegen, sie tritt hindurch und ist in einer anderen Welt… (Erzähle die Geschichte weiter) +++ 3) Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter mit ein: Hund, Badeanzug, rosarot, gehüpft, Eiscreme. +++ 4) Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz “Kurt war zum Mörder geboren, könnte man meinen, wenn da nicht…” beginnt. +++ 5) Berichte aus dem Alltag von Simon – ein kleiner bunter Spatz, mit Pilotenbrille und einem mutigen und grossen Herzen.

Und hier sind die Regeln dazu: Jeden Freitag wird veröffentlicht. +++ Wählt aus einem der vorgegebenen Schreibthemen. +++ Schreibt eine Geschichte/ein Gedicht/ein paar Zeilen – egal, Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben. +++ Vergesst nicht, den Hashtag #Writing Friday und den Header zu verwenden, schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch. +++ Habt Spaß und versucht, voneinander zu lernen.

# Writing Friday 2020 – Juli, 29. Woche : Nephthys – Teil 1

 

Zeitreisen per Zeitmaschine? Neben der von H.G. Wells fallen mir dazu nur noch der DeLorean aus „Zurück in die Zukunft“ und die TARDIS aus „Doctor Who“ ein. Dass der blaue Schrank in Wahrheit eine blaue Police Box ist, mit der sich die TARDIS tarnt, war meine Lösung für das erste Thema beim #writing friday von elizzy:

Du gerätst über eine Zeitmaschine ins alte Ägypten, erzähle von diesem Abenteuer

Von der Realität des Jahres 2020 zuerst in die Romanwelt des Jahres 1941, und von da mittels Zeitmaschine aus einer Fernsehserie in das Alte Ägypten? Welche Realitätsebene darf es sein?

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Nephthys – Teil 1

Von innen größer als von außen… und eine Stimme, die spricht „Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos. Trust me – I’m a doctor.“ – O Gott, ein Time Lord, der durch Raum und Zeit reisen kann. Ich kann mein Glück kaum fassen, doch es währt nur kurz: Das rote Licht und die wie geborsten klingenden Glockenschläge weisen auf eine Fehlfunktion der TARDIS hin. Doch was ist das? Wir werden unsanft hin und her geworfen, dann endet der Schleuderkurs mit einem mächtigen Knall. Endstation. Trotz meiner Benommenheit von dem Aufprall möchte ich doch wissen, wo wir gelandet sind. Groß scheint der Schaden nicht zu sein, denn die Tür lässt sich öffnen. Vorsichtig spähe ich durch einen schmalen Spalt nach draußen und erblicke Sand. Sand, wohin das Auge reicht. Ich höre das Meer rauschen, und in der Ferne sehe ich ein Licht, das in der Dämmerung leuchtet. Kaum habe ich die TARDIS verlassen, fällt mein Blick auf die Statue einer geflügelten Figur. Ja, spinne ich denn? Ist es tatsächlich das, wonach es aussieht? Die Bestätigung folgt auf den Fuß.

Okay. Das hätte nicht passieren dürfen“, entfleucht es dem Doktor. „Das alte Ägypten stand nicht auf der Agenda.“ Er zieht mich in die TARDIS zurück und hält mir ein Display vor die Nase. Das Gemälde, das darauf erscheint, zeigt genau jene Figur, die ich draußen gesehen habe. Die Göttin des Südens, auch bekannt als Nephthys, repräsentiert die Göttin Nut, an die das Sternbild der Himmelskuh erinnert.“

Sternbild der Himmelskuh? Altägyptische Mythologie ist noch nie mein Lieblingsthema in Geschichte gewesen, und nun sind wir im Alten Ägypten. Aber in welcher Ära? Nofretete oder Kleopatra? Eigentlich spielt es für mich keine Rolle – wenn das so weitergeht, lande ich noch in der Steinzeit.

Keine Panik“, spricht der Doktor, „dazu lasse ich es nicht kommen. Aber Du hast recht – wir sollten uns langsam mal schlau machen, wer gerade an der Regierung ist. Das da vorne dürfte Alexandria sein, also auf in die Bibliothek! Tutanchamun werden wir also schon mal nicht begegnen.“

Als ob ich Wert darauf legte, einem Pharao zu begegnen. Ich möchte überleben, da halte ich mich am besten schön vom Palast fern. Wenn wir uns unterwegs möglichst unauffällig verhalten, haben wir gute Chancen. Vorausgesetzt, sie existiert überhaupt, denn laut dem Doktor ist sie 48 vor Christus zerstört worden. Am besten bleibe ich dicht bei ihm, andernfalls… Mich alleine durchzuschlagen in einer Stadt, die wegen der anstehenden Feierlichkeiten aus allen Nähten platzt? Alle sind in heller Aufregung. In den engen Gassen ist nur schwer durchzukommen, hinzu kommt ein die Sinne verwirrendes Gemisch verschiedenster Gerüche. Ohne meinen Begleiter hätte ich in diesem Gewirr von Läden längst den Überblick verloren, und ich frage mich, ob er eine Art inneren Kompass besitzt, der ihn auf Umwegen ans Ziel zu führen scheint. Bald schon nähern wir uns dem Hafen, in dem unzählige Schiffe vor Anker liegen. Eines von ihnen sticht mir besonders ins Auge. Es liegt ein wenig abseits und leuchtet golden im Fackelschein. Der Doktor stößt einen anerkennenden Pfiff aus.

Sieht mir ganz nach der Prachtgaleere Kleopatras aus, und dem ganzen Rummel nach zu urteilen, soll hier die Party des Jahrhunderts steigen – pardon, der große Empfang für Antonius…“

Sinn würde es ergeben, schließlich ist es lange her, dass ich so viel Wachpersonal auf einem Haufen gesehen habe.

Au weia!“ höre ich den Doktor rufen. „Der große Empfang für Marcus Antonius war 41 vor Christus…. ich fürchte, was die Bibliothek angeht, haben wir ganz schlechte Karten.“

Das allein klingt schon deprimierend, aber es kommt noch schlimmer – wir werden voneinander getrennt, und ich kann ihn nicht einholen, weil mich Uniformierte ergreifen. Unsanft werde ich vorwärts geschubst und finde mich inmitten einer Gruppe Gefangener wieder. Als ich mir die anderen Pechvögel näher ansehe, bestätigt sich meine Ahnung: Sie sehen aus wie entlaufene Sklaven, und man hält mich für eine von ihnen.

Haben Sklaven Schutzgötter? Ich würde es so gerne glauben, aber man hat uns zusammengetrieben und in Schach gehalten, bis der Oberaufseher erscheint und uns vorwärts scheucht. Fliehen ist zwecklos. Wohin sie uns wohl bringen? Den knappen Befehlen des wortkargen Oberaufsehers konnte ich leider nicht entnehmen, ob er einem ägyptischen oder römischen Haushalt er angehört. Für mich ist das wie die Wahl zwischen Pest und Cholera. Soll ich wirklich so für immer spurlos verschwinden? Vor meinen Augen flimmert es, purpurn und golden.

Wir betreten Kleopatras herausgeputzte Galeere. Das letzte, was ich sehe, ist ein weiteres Standbild in Gestalt einer geflügelten Figur? Schon wieder Nephthys? Plötzlich fröstelt mich, und ich fange an, mir Sogen zu machen. So langsam wird mir die Sache unheimlich. Aber vielleicht gibt es ja doch eine Gottheit, die mich beschützt, denn man teilt mich bei denen ein, die Speisen und Getränke auftragen sollen. Zwar könnten mich immer noch Gäste dieses opulenten Banketts begrapschen, aber wenigstens werde ich nicht in spärlicher Kleidung zur Schau gestellt, um die Meeresnymphe zu geben oder gar „besonders nett“ zu den hochrangigen Gästen sein. Ein Alptraum, wenn ich daran denke, wie berüchtigt die ägyptische Herrscherin für ihre ausschweifenden Feste ist.

(Fortsetzung folgt)

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Mit dieser Reise von 1941 nach Christus in das Jahr 41 vor Christus hat „Die blaue Tür“ von letzter Woche ihre Fortsetzung gefunden – eine Reise, die noch nicht beendet ist. Begonnen hat sie allerdings noch früher, und deshalb kommt an dieser Stelle eine Zusammenfassung dessen, was bisher geschah:   1/4 Landmädchen, Du bist bekloppt  +++   2/4 Die blaue Tür.

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Die Schreibthemen im Juli lauten: 1) Du gerätst über eine Zeitmaschine ins alte Ägypten, erzähle von diesem Abenteuer. +++ 2) Emma ist gerade in ein neues Haus gezogen, als sie dort den Wandschrank öffnet weht ihr ein kühler Wind entgegen, sie tritt hindurch und ist in einer anderen Welt… (Erzähle die Geschichte weiter) +++ 3) Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter mit ein: Hund, Badeanzug, rosarot, gehüpft, Eiscreme. +++ 4) Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz “Kurt war zum Mörder geboren, könnte man meinen, wenn da nicht…” beginnt. +++ 5) Berichte aus dem Alltag von Simon – ein kleiner bunter Spatz, mit Pilotenbrille und einem mutigen und grossen Herzen.

Und hier sind die Regeln dazu: Jeden Freitag wird veröffentlicht. +++ Wählt aus einem der vorgegebenen Schreibthemen. +++ Schreibt eine Geschichte/ein Gedicht/ein paar Zeilen – egal, Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben. +++ Vergesst nicht, den Hashtag #Writing Friday und den Header zu verwenden, schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch. +++ Habt Spaß und versucht, voneinander zu lernen.