ABC -Etüden – Wochen 39 & 40 : Die Führung

Kurzes Update – gerade habe ich es gesehen: Auf meinem Blog ist dies der 1400. Beitrag – ohne die Etüden und den #writing friday hätte ich bedeutend weniger geschrieben und wäre nicht da, wo ich heute bin.

Ich muss ja nicht immer ins All reisen. Aus der Wortspende von kommunikatz für Christianes aktuelle Etüde (Pilze – traurig – schlafen) kann man so viel machen; zum Beispiel eins der Wörter in eine Metapher verwandeln.

Wie in der Illustration beschrieben, ist das Ziel ein Text aus weniger als 300 Wörtern (ohne die Überschrift und das ganze Drumherum). „Reisen bildet“, sagt man. Manchmal kann man aber auch einfach nur ziemlich dumm dastehen.

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Die Führung

„Komm, lass uns hier abbiegen!“ riss Lukas seine Freundin aus ihren Gedanken.

Bloß nicht, stöhnte sie innerlich. Sie wollte nach zweihundert Meilen über die Landstraße nur noch ankommen und schlafen. So kurz vorm Ziel und dann einfach aus einer Laune heraus die Route verlassen? Als sie das Schild sah, wusste sie Bescheid: Natürlich, ihr Herzblatt musste unbedingt noch eine Destillerie besichtigen – davon hatten sie in den letzten beiden Wochen doch schon wirklich genug abgeklappert…

Der nächste Tag brachte nichts als Nebel, nicht ungewöhnlich für die Isle of Skye und ideal für eine geführte Tour durch die Destillerie, deren Lagerhäuser manchmal vom Meerwasser geflutet wurden und die deswegen für ihre maritimen Whiskys bekannt war. „Ob man statt Gerste auch anderes Getreide nehmen kann?“ überlegte Julia halblaut.

Mit einem Mal wurde es mucksmäuschenstill um sie herum. Die beiden Guides waren plötzlich hinter ihr in Bruchteilen von Sekunden aufgetaucht – wie Pilze aus dem Boden gewachsen. Alle Augen waren auf sie gerichtet, und Julia fühlte sich so klein wie Bilbo Beutlin gegenüber einem sehr zornigen Gandalf, der zu einem Vortrag über die wahre Natur des Einen Rings ansetzte.

„Das“, sprach die junge Schottin, während sie Julia von Kopf bis Fuß musterte, „wäre dann aber kein Single Malt mehr, sondern Bourbon!“ Der andere Guide schnaubte konsterniert.

Julia konnte die Todesverachtung spüren, mit der man sie musterte, und ließ traurig den Kopf hängen, als Lukas von ihr weg rückte, als gehöre sie nicht dazu.

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243 Wörter für diese Momentaufnahme. Vielleicht war das nicht die letzte.

ABC -Etüden – Wochen 39 & 40 : Aurora Australis – Ordnung muss sein

Bei mir steht, auch was Filme angeht, der September im Zeichen von Science-Fiction bzw. Themen rund ums Weltall. Die Wortspende für die aktuelle Etüde bei Christiane kommt diesmal von kommunikatz und setzt sich zusammen aus den folgenden Wörtern: Pilze – traurig – schlafen:

Daraus habe ich einen Text mit weniger als 300 Wörtern entwickelt (ohne die Überschrift und das ganze Drumherum). Da beschränkt man sich doch gerne aufs Wesentliche.

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Aurora Australis Ordnung muss sein

Hinter mir schließt sich die Tür mit einem Plopp, während ich den Schaden begutachte. Hier stehe ich nun im Frachtraum und lasse den Lichtkegel meiner Stablampe über die Regale wandern. War ja zu erwarten, so wie vor lauter Zeitdruck die Ladung nicht vernünftig gesichert wird und beim nächsten Ausfall des Schwerkraftmoduls alles durcheinander fliegt. Wenigstens funktioniert es jetzt dank der Techniker wieder, doch während sie und die meisten der Besatzung schlafen, dürfen meine Kollegen und ich aufräumen.

Einfach traurig, dieser Anblick: Schon zwei ungesicherte Container haben genügt, um ganze Arbeit zu leisten. Werkzeuge und botanische Proben sind zwar verschont geblieben, aber dafür hat es die Lebensmittel erwischt. Bis ich sämtliche Beutel mit Trockennahrung eingesammelt habe, werden Stunden vergehen. Früchte und Pilze können wir abschreiben: die sind pulverisiert worden und haben sich mit ausgelaufenem Öl zu einem widerlichen Schmierfilm vermischt. Wenn ich nicht stürzen und mir den Hals brechen will, ist Putzen angesagt. Ein Traum!

Schön, dass ich zwar wenigstens so weit wie möglich weg von den anderen bin, denen das Gleiche blüht, aber woanders. So habe ich mir meine Zeit auf diesem Raumfrachter dann doch nicht vorgestellt, und inzwischen würde ich die mir aufgebrummten einhundertfünfzig Stunden gemeinnütziger Arbeit wirklich lieber zu Hause abreißen wie die anderen, und nicht auf der Aurora Australis.

Woher sollte ich auch wissen, dass sie hier draußen die Zeit anders messen und ich hier vermutlich für Jahre festsitzen werde, anstatt nur ein paar Monate…

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238 Wörter für ein Space-Thema für den September. Die Illustration habe ich diesmal selbst entworfen.

ABC -Etüden – Wochen 37 & 38 : Schatzsuche

Nach dem Etüdensommerpausenintermezzo von Christiane geht es wieder weiter mit der Aufgabe, aus den drei von Ludwig Zeidler gespendeten Wörtern Idee – engelhaft – vergraben einen Text zu kreieren, der aus höchstens 300 Wörtern (ohne die Überschrift und das ganze Drumherum) bestehen soll – veranschaulicht durch Christianes Illustration.

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Schatzsuche

Die Idee hatte was. Schade, dass dein Motorrad kaputt ist – aber wie wäre es mit einer Schatzsuche?

Alex hatte zuerst keine Ahnung gehabt, was Lucy meinte, aber dann war ihm ein Licht aufgegangen. Geocaching, die liebste Freizeitbeschäftigung ihres Bruders, doch der hatte nun keine Gelegenheit dazu, das Objekt zu suchen.

Selber schuld, dachte Lucy. Leute einzuladen, von denen einer ein vollkommener Idiot war, der per Facebook eine Einladung an andere rausgejagt hatte, und zwar öffentlich. Da musste sich niemand wundern, wenn so viele Fremde kommen und eine Schneise der Verwüstung hinterlassen, dass die Polizei der „Party des Jahres“ ein Ende bereitet. An den entstandenen Schäden hatten zwar hauptsächlich die Eltern des Verursachers ihre „Freude“ gehabt, aber mitgefangen war mitgehangen, und nur die Tatsache, dass sie und Alex bei diesem Fiasko nicht dabei gewesen waren, hatte ihre Eltern davon abgehalten, Lucy dazu zu verdonnern, ihrem Bruder bei der Strafe Gesellschaft zu leisten.

Und nun durchstreiften sie den Wald. Es dauerte zwar ein wenig, aber am Fuße des Hexenbergs wurden sie fündig. Begeistert zog Lucy den Behälter unter einem Holzstapel hervor. Gut, dass man ihn nicht vergraben durfte – das hätte beim Ausbuddeln eine schöne Schweinerei gegeben. Gespannt öffnete Alex den Deckel und griff hinein, um sich in das Logbuch einzutragen und die Zwei-Dollar-Münze darin gegen ein Vorhängeschloss auszutauschen.

Tom würde schön dumm gucken, dachte Lucy, wenn er wüsste, dass sie ihm die Sonderprägung gerade vor der Nase wegschnappte… So engelhaft Toms Schwester auch auf andere wirken mochte, manchmal konnte sie ein boshaftes Teufelchen sein.

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Mit 264 Wörtern bin ich auf dem besten Wege, mich kurz zu fassen, Was bei dem neuen Editor auch ratsam ist.

Das Alphabet | Etüdensommerpausenintermezzo III-2020 – I see stars

 

My stars!

Einer ist mir noch zum Etüdensommerpausenintermezzo von Christiane eingefallen, als ich mich gestern mit meinem nächsten Beitrag für den #writing friday beschäftigt habe. Zur Zeit tut Abkühlung not, und wo ist es kühler als im Weltraum?

Der Weltraum – unendliche Weiten: Mein zweites Alphabet driftet ab… into the outer space. Möge die Kreativität auch weiterhin mit euch sein. Mich erinnert die Illustration übrigens an die Initialen, mit denen die Kapitel der Unendlichen Geschichte von Michael Ende anfangen:

Und wo ich persönlich nicht so recht weiterwusste, habe ich andere Quellen zu Rate gezogen. Bei den mit einem Stern *)gekennzeichneten Begriffen gilt: Fragen Sie nicht mich nach Details oder ausführlichen wissenschaftlichen Erklärungen, sondern lieber wikipedia und/oder einen Astrophysiker.

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Sternenkunde von A bis Z

Astronomie: Hieß es nicht früher Himmelskunde – im Gegensatz zur Erdkunde, der Geographie? Sternenkunde trifft es vermutlich besser, und den Anfang des astronomischen Alphabets könnte genausogut auch eine App machen, die ich auf mein Handy laden kann, um sofort zu wissen, auf welchen Himmelskörper mein Smartphone zeigt. Leider habe ich noch keine App gefunden, die mir zusagt.

Beteigeuze/Betelgeuze: Der Riesenstern im ohnehin schon markanten Sternbild des Orion befindet sich auf der linken Seite, im Verhältnis zum Stern an der Spitze auf ungefähr zehn Uhr. Ohne ihn als Quell der Inspiration, wären wir vermutlich nicht in den Genuss von Klassikern wie „Per Anhalter durch die Galaxis“, „Planet der Affen“ und „Beetlejuice“ gekommen, auch wenn mit letzterem Tim Burton diesen schönen Namen doch arg verballhornt hat.

Challenger-Katastrophe: Die häßlichen Seiten der Raumfahrt. Der 28. Januar 1986 war ein schwarzer Tag für die bemannte Raumfahrt, denn kurz nach dem Start zerriss es die Raumfähre in 15 Kilometern Höhe. Die gesamte Besatzung kam bei diesem Unglück ums Leben, und an die Bilder erinnere ich mich heute noch.

Delta-Quadrant: Wenn mich Astronomie oder Astrologie nicht weiter bringen, sollte ich es mal mit Science-Fiction versuchen. Im Delta-Quadranten findet sich die Besatzung der Voyager, unter der Führung von Captain Janeway wieder und ist nun verzweifelt auf der Suche nach einem schnelleren Weg nach Hause.

Eisriesen *): Neptun und Uranus sind die beiden äußersten Planeten unseres Sonnensystems, nachdem man Pluto im Jahr 206 offiziell den Planetenstatus aberkannt hat und dieser nun zu den Zwergplaneten zählt. Wegen ihrer immensen Größe und ihrer Zusammensetzung aus flüchtigen chemischen Verbindungen (auch Eis genannt) zählen sie zu den Eisriesen: Neptun hat das 58fache Erdvolumen, Uranus das 65fache) – und beide erscheinen auf Voyager-2-Aufnahmen von 1986 und 1989 blau. Wenn man den Planetenweg zwischen Hainburg und Seligenstadt am Main entlang radelt, muss man jedenfalls ganz schön lange strampeln, bis man die beiden Metallkugeln erreicht hat. Dann hat man sich auf jeden Fall ein Eis verdient.

Finsternis: Mondfinsternisse habe ich schon einige gesehen – diese kommen öfters vor. Meine Ausbeute an Sonnenfinsternissen ist dagegen eher gering. Was war ich aufgeregt, als ich am 11. September 1999 mit dem ICE nach Stuttgart fuhr und dann eine riesige Enttäuschung erlebte, als sich der Himmel zuzog und es in Strömen zu regnen begann. Die totale Sonnenfinsternis konnte man nur anhand der einsetzenden Dunkelheit erahnen. Gesehen habe ich dafür jede Menge Regenschirme, die im Blitzlichtgewitter lustig bunt flackerten. Ähnlich meine verpasste, diesmal ringförmige Sonnenfinsternis am 3. Oktober 2005 auf Ibiza: Kurz bevor es losgehen sollte, versperrten Wolken die Sicht und zogen erst wieder fort, als das Spektakel, das man nur erahnen konnte, vorbei war.

Geklappt hat es dann leider erst im März 2015, und das war dann auch die letzte – totale Sonnenfinsternis -, die ich nicht nur zusammen mit meinem Mann erleben durfte, sondern vermutlich auch für den Rest meines Lebens. Es sei denn, ich hätte die Möglichkeit, nächsten Juni nach Nordkanada zu reisen, doch wegen Corona wird vermutlich nichts draus. Um sicherzugehen, könnte ich auch bis 2022 warten, dann gibt’s in Europa eine partielle, oder bis 2023 – dann gäbe es eine hybride, allerdings in Australien. A propos Corona – mit K geschrieben, bezieht sie sich auf den Strahlenkranz bei einer totalen Sonnenfinsternis.

Gravitation: Angeblich soll Sir Isaac Newton hinter ihr Geheimnis gekommen sein, als er unter einem Baum saß und ihm ein Apfel auf den Kopf fiel. Er ist nicht der erste, der sich mit diesem Phänomen beschäftigte – neben einer Reihe anderer Namen in ihrer Entdeckungsgeschichte ist auch der Galileis verbürgt. Galileo Galilei wird auch von David Randolph Scott zitiert, als er als Commander der Apollo-15-Mission mit einer Feder und einem Hammer beweisen möchte, dass Objekte im luftleeren Raum gleich schnell fallen, egal wie groß oder schwer sie sind.

Heliozentrisches Weltbild: „Mein Vater Erklärt Mir Jeden Sonntag Unsere Neun Planeten“, diese Eselsbrücke veranschaulicht, in welcher Reihenfolge – von innen nach außen gesehen – die Planeten um die Sonne kreisen: Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun, Pluto. Okay, seit 2006 sind es nur noch acht, und die Suche nach einem richtigen neunten Planeten geht weiter. Aber wie auch immer: Diesen Wissensstand zu erreichen, war harte Arbeit, denn lange Zeit herrschte das geozentrische Weltbild vor, demzufolge Sonne und die anderen Planeten um die Erde kreisen. Seit der Antike in Stein gemeißelt, drohte Ungemach, wenn man davon abwich, denn da verstand die Kirche keinen Spaß. Diese Erfahrung musste auch Galileo Galilei machen, der von der katholischen Kirche verurteilt wurde. Sie konnten nicht verhindern, dass sich das heliozentrische Weltbild, in dem die Planeten um die Sonne kreisen, nach und nach durchsetzte. Am 31. Oktober 1992 wurde Herr Galilei dann von Papst Johannes Paul II rehabilitiert (Quelle: http://www.vatican.va/content/john-paul-ii/de/speeches/1992/october/documents/hf_jp-ii_spe_19921031_accademia-scienze.html), aber da war er schon seit Jahrhunderten tot, und seine Erkenntnis schon lange in Wissenschaft und Allgemeinbildung fest verankert.

Internationale Raumstation ISS: Eine Zeitlang konnten wir die sogar von unserem Garten aus sehen, aber permanent da drin leben und arbeiten möchte ich nicht – da bekommt das Wort Home Office doch gleich eine ganz andere Bedeutung. Die aktuelle Besatzung wird sich vorerst zwar keine Gedanken über Corona machen müssen, aber rund um die Uhr einen Gehörschutz tragen zu müssen, stelle ich mir auch nicht so lustig vor. Und ob ich es so prickelnd finde, permanenter Strahlung ausgesetzt zu sein oder Gefahr zu laufen, von einem Sonnenwind erwischt zu werden… dann doch lieber hier unten bleiben und mir die Sterne von der Erde aus anschauen.

Jungfrau: Die hellsten Sterne dieses zweitgrößten Sternbildes, am Himmel „angesiedelt“ zwischen Löwe und Waage (wie im Horoskop), sollen angeblich eine liegende Person darstellen. Ein Schelm, der Unanständiges dabei denkt.

Kassiopeia: Dieses sehr auffällige Sternbild in W-Form, das man bei uns das ganze Jahr über bewundern kann, wird in anderen Sprachen auch mit einem C geschrieben.

Leoniden: Warum ich diesen Strom von Sternschnuppen noch immer mit den Perseiden (Laurentiustränen) verwechsele, ist ein bisher ungelöstes Rätsel. Hätten die Leoniden nämlich etwas mit dem Sternbild des Löwen zu tun, würde man sie nicht erst im November sehen, sondern bereits im August. Aber dieses Jahr werde ich beide beobachten, das habe ich mir vorgenommen. Kurzinfo zum Bild – Leonid Meteor Storm 1833 – painting by Edmund Weiß – E. Weiß: ““Bilderatlas der Sternenwelt““ (1888) * “’Description:“‘ Leonid Meteor Strom, as seen over North America in the night of November 12./13., 1833. * Copyright expired (book printed in 1888, author died in 1917) {{PD-Old}} – das sieht fast aus wie bei den Niagarafällen:

M4: In England ist das eine Autobahn mit mautpflichtigem Teilstück (Expressway) – im Weltraum ist das ein Kugelsternhaufen – eine Ansammlung von unzähligen Sternen, die auf Fotografien eindrucksvoll wirken. Ich hatte als Kind ein Buch über Sterne und Planeten, in denen einige Kugelsternhaufen abgebildet waren – in rot und blau. Ich war fasziniert.

Nächtliche Beobachtungen mit bloßem Auge: In Ballungszentren wegen der vielen Lichtquellen extrem schwierig; besser ist der dran, der sein Glück auf dem Land versucht. Ein gutes Fernglas kann unterstützend wirken, ideal wäre jedoch ein Teleskop. Bonne chance.

Orion: Dieses Sternbild ist so markant – ich würde es jederzeit und überall wiedererkennen… auch auf der Südhalbkugel; in Papua-Neuguinea zum Beispiel gelten seine Gürtelsterne als Kanuinsassen.

Pferdekopfnebel: Mit dem bloßen Auge ist er nicht sichtbar – dazu braucht es schon ein Teleskop, um den wie einen Pferdekopf geformten Emissionsnebel in seiner vollen Schönheit bewundern zu können.

Quasar *): Abgeleitet von dem englischen Begriff „quasi-stellar radio source“, ist damit der Kern einer aktiven Galaxie gemeint – oft befinden sich dort Schwarze Löcher, eine Briefmarke der Deutschen Post aus der „Astrophysik“-Serie trägt die Bezeichnung „Schwarzes Loch / Quasar“.

Roter Planet: Umgangssprachliche Bezeichnung für unseren nächsten Nachbarn, den Mars. Erforscht wird er jedenfalls schon fleißig, und vor einiger Zeit wurden Leute im Radio befragt, ob sie sich denn vorstellen könnten, an einer Expedition zum Mars ohne Rückfahrkarte teilzunehmen. Die Antworten fielen unterschiedlich aus. Erinnern kann ich mich an keine – ich wäre zum damaligen Zeitpunkt womöglich mitgeflogen, wenn man mich gefragt hätte. Heute sähe meine Antwort vermutlich anders aus. Auch wenn die Vorstellung aus unzähligen Science-Fiction-Büchern und -Filmen bestimmt hochgradig spannend und faszinierend ist, in absehbarer Zeit wird es zu einer Bewohnbarmachung des Mars vermutlich nicht kommen (PS: Ein Internet-Joke über Leben auf dem Mars gibt es auch schon.)

Schwarzes Loch: Wer dort hineingezogen wird, ist verloren. Ein Entkommen ist unmöglich, aber was genau passiert, wenn man hineingerät, möchte ich so genau dann lieber doch nicht wissen. Die einen sagen so, die anderen so, aber das Ende wird kein gutes sein, und vielleicht ist einem das Schicksal vorher schon gnädig. Das ist die zweite hässliche Seite der Raumfahrt – Gefahren überall.

Teleskop: Lange Zeit stand es unbenutzt in einer Ecke, doch jetzt wird es wieder zum Einsatz kommen, wenn ich in meinem nächsten Urlaub den nächtlichen Himmel nach Sternen, Planeten und Meteoren absuchen möchte.

Uranus *): Der andere Eisriese in unserem Sonnensystem. Als siebter Planet mit 1,9 Millarden Kilometern Entfernung von der Sonne, wälzt sich dieser blassblaue Koloss auf seiner Umlaufbahn um die Sonne und braucht dafür rund 84 Jahre. Wenn ich das richtig verstanden habe, dauert dann ein Polartag 42 Jahre, denn nach jedem halben Umlauf ist einmal die Nord- bzw. Südhalbkugel der Sonne zugewandt. Dafür rotiert er schneller um die eigene Achse als die Erde. Aber das fällt bei der Länge eines Uranusjahres auch nicht groß ins Gewicht. Viel spannender fände ich die Frage, ob man denn darauf leben könnte, wenn man das wollte. So schön der Anblick von 27 Monden auch sein mag, aber leider, leider muss ich jetzt alle Neugierigen (und mich selbst) enttäuschen. Schon allein wegen der langen Polartage bzw. -nächte. Und die Atmosphäre soll auch nicht unbedingt so gesund sein. Hauptsächlich Methan. Wohlfühltemperaturen sehen auch anders aus, bei mehr als zweihundert Grad unter Null könnte man hier so einiges an Lebensmittel frisch halten, aber für wen? Starke Winde wären jetzt auch nicht mein Fall – gegen die waren Orkan Kyrill und Hurrikan Katrina laue Lüftchen.

Venus: Lange Zeit wusste ich nicht, welchen Stern ich da allabendlich bewundere, der vor meinem bloßen Auge so hell erstrahlt und die Ähnlichkeit von drei Punkten auf einem Haufen hat, bis mir eine Freundin erklärt hat, um welchen Himmelskörper es sich tatsächlich handelt.

Weltraum, der: Unendliche Weiten… Spielplatz für Science Fiction und Objekt wissenschaftlicher Untersuchungen. Forschung und Spekulation; Astronomie und Astrologie… die menschliche Vorstellungskraft ist vielfältig.

X-ray Dim Isolated Neutron Stars (XDINS) *): befindet sich ein massereicher Stern in seiner Entwicklung im Endstadium, spricht man von einem Neutronenstern; ein XDIN ist zwischen 100.000 und 1.000.000 Jahren alt und befindet sich in der sogenannten Abkühlungsphase.

Yed Prior *): Nein, das ist nicht der Oberste der Yedi-Ritter, sondern der Eigenname eines Sterns im Sternbild „Schlangenträger“, wo er mit Yed Posterior einen sogenannten Doppelstern bildet: Vordere Hand und Nachfolgende Hand. Alternativ fällt mir zum Ypsilon noch die im Dunkeln leuchtende Sternkarte aus dem Yps-Heft ein, die ich als Kind geschenkt bekommen und über meinem Bett aufgehängt habe – damit ich auch nachts in die Sterne gucken konnte, wenn der Schlaf nicht kommen wollte.

Zenit: Nicht nur die Sonne kann an diesem höchsten Punkt (meist gegen Mittag) stehen, sondern auch andere Himmelskörper wie z.B. die Kassiopeia. Wenn die Laurentiustränen fallen, ist genau diese Zeit die beste zur Beobachtung – nachts, zwischen zwei und vier Uhr. Im Erdkundeunterricht habe ich gelernt, dass am Äquator die Sonne stets zur gleichen Zeit im Zenit steht, so wie sie auch stets zur gleichen Zeit auf und unter geht.

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Gereimt hat sich heute nichts.

Aber dafür hat dieser Ausflug in den Orbit und darüber hinaus vielleicht bei dem/der ein oder anderen für Abkühlung gesorgt. Ich habe jedenfalls sehr darauf geachtet, der Sonne nicht zu nahe zu kommen, denn davon hatten wir jetzt reichlich. Mit Sternchen markierte Begriffe werden hier nochmal genauer erklärt: EisriesenQuasarUranusXDINSYed Prior .

Das Alphabet | Etüdensommerpausenintermezzo III-2020 – August

 

Die ABC-Etüden sind in der Sommerpause, und deshalb gibt es bei Christiane das

Etüdensommerpausenintermezzo,

bei dem es diesmal eine besondere Herausforderung gibt – das Alphabet.

Zu einem Oberthema – in meinem Fall „Reisen“ – gilt es nun, ein Alphabet aus Begriffen zu kreieren, die mit allen 26 Buchstaben anfangen, und zu denen dann beschreibende Sätze oder Geschicht(ch)en entstehen sollten, siehe Illustration oben… Eine Aufgabe, die mich an meinen singenden, klingenden Adventskalender vom Dezember 2019 erinnert und die mich zu einer Etüde inspiriert hat, die von Wilhelm Buschs naturgeschichtlichem Alphabet in 26 Zweizeilern beeinflusst wurde, wenn auch arg holprig. Et voilà – lasset die Reise beginnen.    

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Reisefieber von A bis Z

Australien, Hawaii und Tennessee – An diesen Orten war ich noch nie.

Basler Fasnacht zum Morgestraich – Fürs nächste Jahr buch‘ ich das gleich!

In Cornwall war es wunderschön – Zum Jubliäum wollt‘ ich’s seh’n…

Doch leider heißt es #stayathome – Da reicht’s nur für den Kölner Dom

Englisches Frühstück mag ich sehr – Drum hol ich mir die Bohnen her.

Französisch lernen ist beschwerlich – Doch für Québec ist’s unentbehrlich.

Gemse, Steinbock, Mumeltier – Findet am Großglockner ihr!

Höhenangst ist nicht der Hit – will ich zu Aussichtspunkten mit.

Im Intercity durch das Land – Bringt manche glatt um den Verstand.

Jersey und die Channel Islands – Kenn ich nicht, dafür die Highlands.

Erst Kamerun, dann Dänemark – An einem Tag: das ist kein Quark!

Läuten die Glocken in der Früh – Sind’s beim Almabtrieb die Küh‘

M4-Expressway ist was Feines – Die Maut dafür etwas Gemeines.

Mit dem Nachtzug nach Toulouse – ist ohne Schlafplatz kein Genuss.

Obers, Marillen und Paradeiser – Damit bin ich in Wien der Kaiser.

Pandababys in Berlin – Würd ich gern seh’n, ich komm nur nicht hin.

Québecs Altstadt war das Ziel – Mir war jedoch der Kitsch zu viel.

Rechtsverkehr kann man sich sparen – Will man in Irland Auto fahren.

Schwarze Strände, grünes Land – Dafür ist Lanzarote bekannt.

Toronto hat mich fasziniert – Drum bin ich dort auch viel spaziert.

Urlaub machen, das muss sein – Und im Taunus ist’s auch fein.

Vier Sterne für Schottland in manchem Jahr – Drum war ich auch so oft schon da.

Whiskytasting in der Destille – Und zwar auf Islay, das ist mein Wille.

Xmal hab ich es versucht – Und doch nicht im Internet gebucht.

Yalla Yalla – Eil Dich, Eil Dich“? – Muße im Urlaub ist unvergleichlich!

Zimmer mit Aussicht hab ich gerne – Um zu genießen den Blick in die Ferne.

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Holpern du musst, wenn du reimst? Lyrische Meisterleitungen sehen zwar anders aus, aber wenigstens kann ich sagen, dass ich es versucht habe und dass alle Buchstaben einen Bezug zum Oberthema haben. Mission accomplished – Ziel erfüllt.

7 aus 12 | Etüdensommerpausenintermezzo II-2020 – Juli … #2

Die ABC-Etüden gehen in die Sommerpause, und deshalb hat Christiane das

Etüdensommerpausenintermezzo

initiiert, bei dem wir aus zwölf Wörtern sieben auswählen dürfen. Dabei spielen Länge, Zeit und Ort keine Rolle, aber es gibt zwei Bedingungen. Die erste gibt die Mindestzahl der vorgegebenen Wörter (7 von diesen 12:

Blaupause – Diätwahn – Herzschmerz – Kantine – Kommentar –
Ohrenkneifer – Sahnewölkchen – Stoppelfeld – Strandkorb – Vulkan – Windjammer – Zwischentöne

aber es dürfen auch mehr sein). Die zweite lautet:

#stayathome, #supportyournachbarschaft – Wenigstens ein Teil eurer Geschichte spielt an einem echten (öffentlichen) Ort, den man wiedererkennen kann, den ihr gut kennt. Damit hatte ich ursprünglich zwar im engeren Sinne euren Wohnort gemeint, aber das will bestimmt nicht jede*r und es wohnt ja auch nicht jede*r in einer größeren Stadt.

Ich weiß nicht, wie ihr das am besten löst. Die Idee ist jedenfalls, dass jemand, der eure Geschichte liest, an diesen Ort kommt, sich umschaut und denkt: Aha, ich erkenne das Setting wieder. Und ich würde ziemlich gern mit euch durch – keine Ahnung – Berlin, Bremen, Hamburg, Köln, Frankfurt, Hannover, Freiburg, Wien etc. … irgendeine Strandpromenade eines Kaffs an Nord-, Ost-, Boden-, Neusiedler See ? oder Adria ? Laufen … „

Mehr als sieben Wörter konnte ich in meiner ersten Juli-Etüde nicht unterbringen. Damit auch die anderen nicht zu kurz kommen, reiche ich eine zweite Etüde nach. Think Big!

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Diese Stadt ist ein Moloch

Der erste Eindruck zählt, denkt sie, als sie endlich die Ankunftshalle hinter sich gelassen hat. Ein Taxi hat sie schnell gefunden, um ein Haar hätte sie sich blamiert, als sie vorne Platz nehmen wollte, wo bereits eine Tasche lag – das Lunchpaket des Fahrers. Hierzulande sitzen Fahrgäste hinten; auf einen entsprechenden Kommentar hat der Fahrer verzichtet – vermutlich hat er alle Nase lang Leute wie sie, die das nicht wissen. Andere Länder, andere Sitten, und in diesem Fall ein ganzer Kontinent – aber wenigstens wird auf der rechten Straßenseite gefahren, und nicht links, wie sie gedacht hatte. Das kommt davon, wenn man glaubt, dass die Queen das Staatsoberhaupt ist. Aber nun gut, sei’s drum, jetzt ist sie auf dem Weg in die Stadt und zu ihrem Hotel.

Eine Stunde hat die Fahrt gedauert. Um sechzig Dollar ärmer, betritt sie das riesige Foyer, um einzuchecken. Es dauert noch, sagt man ihr. Also begibt sie sich in den Speisesaal, in den die Kantine zu Hause fünfmal hinein passen würde. Aber an daheim wollte sie eigentlich nicht schon wieder denken; sie hat sich so lange schon auf diese Reise gefreut, bei deren Planung sie mit alten Gewohnheiten gebrochen hatte. Lebe jetzt und nicht irgendwann, war das Motto, mit dem sie in das neue Jahr gestartet war. Und auch wenn sich ab und zu immer noch der Herzschmerz meldete, piepegal! Du kannst Dich nicht ständig in Watte packen, aus Furcht, von der Trauer überrollt zu werden. Das ist jetzt Deine Zeit – die schlechten Energien schickst Du in die Sommerpause und machst endlich Deine Träume wahr…

Kaffee gibt’s hier nur im Becher, was für eine Enttäuschung – aber die Dessertauswahl ist ein Traum. Gegen die üppigen Kuchen und Torten hat der Diätwahn keine Chance; und ein weiterer Beweis, dass hier alles größer ist als in der Heimat. In erster Linie hat sie dabei an die Entfernungen gedacht; jetzt fragt sie sich, ob sie nicht lieber auf Entdeckungstour gehen soll, anstatt auf ihren Zimmerschlüssel zu warten. Bis zu dem gewaltigen See mit seiner Strandpromenade, an der sie bei ihrer Fahrt zum Hotel entlanggefahren ist, ist es zu Fuß bestimmt kein Katzensprung; auf dem Weg zum See zwischen den Häuserschluchten dieser Millionenstadt dampfgegart zu werden, stellt sie sich nicht verlockend vor. Wie war das nochmal mit dem ersten Eindruck? Summer in the City? Zwei Millionen Einwohner, viel Beton und wenig Grün, hatte sie im Taxi gedacht – diese Stadt ist ein Moloch. In der Schwüle der sommerlichen Hitze wähnt sie sich auf der Oberfläche eines Vulkans.

Zu ihrem Erstaunen bleibt das Gefühl, gegen gallertartige Luftmassen ankämpfen zu müssen, schon nach den ersten Metern auf der Hauptstraße aus. Bin ich denn die Einzige, der das Klima nichts ausmacht, fragt sie sich. Vielleicht ist es auch die Aussicht auf eine frische Brise von der Harbourfront, die sie beflügelt und neue Energie verleiht. Von wegen Betonwüste, von wegen Häuserschluchten… links von ihr kommt ein viktorianisches Theater in Sicht. Allmählich beginnt sie, auf Zwischentöne in der Architektur zu achten, und als sie eine halbe Stunde später mit dem Wassertaxi zu der größten der Inseln mit ihren ausgedehnten Parklandschaften übersetzt, entfaltet sich vor ihren Augen das Panorama der Skyline. Der Centre Island Park ist nicht mehr weit. Als das Boot anlegt, dauert es nicht lange, bis sie ganz für sich ist und ein Plätzchen gefunden hat, an dem sie entspannen und dem Gezwitscher der Vögel lauschen kann.

Die Enten im Wasser vor ihr gehen auf Tauchstation, in der Ferne glitzert die Skyline in unterschiedlichen Farben und mit dem Fernsehturm, auf den Steinen zu ihren Füßen sonnt sich ein Ohrenkneifer. Niemals hätte sie gedacht, dass auf sie am Ende doch noch so ein Idyll auf sie warten würde. Diese Stadt ist ein Moloch? Jetzt vielleicht nicht mehr.

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Vom beschaulichen Sonderburg in Dänemark zur größten Stadt Kanadas – die anderen fünf Wörter, die ich in der ersten Etüde ausgelassen habe, sind bei dieser Erinnerung an meine Reise aus dem letzten Sommer zum Einsatz gekommen. Auf die Aufgabe, die am 2. August folgt, bin ich schon sehr gespannt.

7 aus 12 | Etüdensommerpausenintermezzo II-2020 – Juli … #1

 

Die ABC-Etüden gehen in die Sommerpause, und damit wir auch weiterhin in Übung bleiben und so schön kreativ sein können, hat sich Christiane für uns das

Etüdensommerpausenintermezzo

ausgedacht, bei dem wir aus zwölf Wörtern sieben auswählen dürfen. Dabei spielen Länge, Zeit und Ort keine Rolle, aber es gibt zwei Bedingungen. Die erste gibt die Mindestzahl der vorgegebenen Wörter (7 von diesen 12:

Blaupause – Diätwahn – Herzschmerz – Kantine – Kommentar –
Ohrenkneifer – Sahnewölkchen – Stoppelfeld – Strandkorb – Vulkan – Windjammer – Zwischentöne

aber es dürfen auch mehr sein). Die zweite lautet:

#stayathome, #supportyournachbarschaft – Wenigstens ein Teil eurer Geschichte spielt an einem echten (öffentlichen) Ort, den man wiedererkennen kann, den ihr gut kennt. Damit hatte ich ursprünglich zwar im engeren Sinne euren Wohnort gemeint, aber das will bestimmt nicht jede*r und es wohnt ja auch nicht jede*r in einer größeren Stadt.

Ich weiß nicht, wie ihr das am besten löst. Die Idee ist jedenfalls, dass jemand, der eure Geschichte liest, an diesen Ort kommt, sich umschaut und denkt: Aha, ich erkenne das Setting wieder. Und ich würde ziemlich gern mit euch durch – keine Ahnung – Berlin, Bremen, Hamburg, Köln, Frankfurt, Hannover, Freiburg, Wien etc. … irgendeine Strandpromenade eines Kaffs an Nord-, Ost-, Boden-, Neusiedler See ? oder Adria ? laufen … „

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Leichtes Gepäck

Bunt sind schon die Wälder, Gelb die Stoppelfelder, Und der Herbst beginnt.
Rote Blätter fallen, Graue Nebel wallen, Kühler weht der Wind…“

Kühler weht der Wind? … ach, wenn er das doch täte: Nun hatten wir schon seit Wochen diese mörderischen Temperaturen dicht an der 40-Grad-Marke, weshalb ich es kaum noch erwarten konnte, meine Reise in den Norden anzutreten. Eine Weltreise sollte es werden, hatte ich im Freundes- und Kollegenkreis verkündet, doch nur meine beste Freundin, wusste, was ich tatsächlich im Schilde führte. Zwei Tage lang war ich voll beschäftigt damit, die letzten Klamotten einzupacken und mein Blog Blaupause7 von öffentlich auf privat umzustellen, um mir mit der Überarbeitung nach meiner Rückkehr Zeit zu lassen. Nachrichten wieBlaupause7, Sie haben 524 Kommentare“ wollte ich nicht erleben, denn das hätte meiner entspannten Laune ein schnelles Ende bereitet. Dank der guten Vorbereitung vergingen die zwei Tage wie im Flug, und so näherte ich mich zuversichtlich meinem ersten Etappenziel: Texas.

Gut, dass ich den Kollegen nicht verraten hatte, welchen Orten ich auf meiner Reise einen Besuch abstatten wollte, denn schon beim ersten Punkt auf meiner Liste versagte mein Navi und ließ mich ratlos auf dem Parkplatz eines Baumarkts stranden. Mit Zwischentönen hatte es dieses dämliche Gerät wohl nicht – aber übermäßig viel Zeit auf die Suche danach wollte ich auch nicht verschwenden. Noch heute wollte ich bis nach Kamerun kommen; und auch wenn meine gebuchte Unterkunft nicht allzu weit davon entfernt lag – mitten in der Nacht wollte ich dort nicht eintrudeln.

Es bringt nichts, sich den Kopf über Katastrophen zu zerbrechen, die möglicherweise nie eintreten. Zu diesem Ergebnis kam ich schon ein paar Tage später bei einer Tasse Tee vor dem Schlafengehen, nachdem ich es mir auf der Fensterbank in meinem Zimmer gemütlich gemacht hatte. Die Sahnewölkchen in meiner Tasse mit dem Löffel verteilend, ließ ich den Tag meiner Ankunft auf dänischem Boden Revue passieren.

Unbeschreiblich war der Schreck gewesen, als ich nach wenigen Kilometern Autobahn in unserem Nachbarland im Norden erkannt hatte, dass mein Navi kein Kartenmaterial für Nordeuropa besaß und ich – was noch viel schwerer wog – einen Teil meines Gepäcks verloren hatte. Eine nicht vernünftig schließende Heckklappe war der Grund dafür gewesen. Heute haben wir Tag der offenen Tür und entrümpeln bei der Gelegenheit unseren Kofferraum – großes Gepäck ist ohnehin überbewertet, und fotografieren konnte ich auch mit dem Smartphone. Mit meinen Fotos aus der dänischen Südsee hatte ich ohnehin nicht vor, sie beim nächsten Fotowettbewerb des National Geographic einzureichen.

Schnappschüsse, um die kostbaren Momente einzufangen, waren mir schon seit langem wichtiger. Hinter mir das Schlösschen aus dem 12. Jahrhundert mit seiner rötlichen Fassade, vor mir der Hafen mit den großen Windjammern; die Avatar, die Pippilotta, und noch viele andere mehr… Was machte es da schon, dass es an dem feinsandigen Strand an der Promenade nicht einen einzigen Strandkorb gab, wenn doch die Hotdog- und Eisbuden nicht fern waren und ich einen idyllischen Blick auf die Windmühle auf der anderen Seite des Fjords genießen durfte. Manche Momente waren eben unbezahlbar, und mit leichtem Gepäck ein einzigartiges Gefühl.

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Das war meine Etüde mit den Wörtern Blaupause – Kommentar – Sahnewölkchen – Stoppelfeld – Strandkorb – Windjammer – Zwischentöne.  Jetzt hätte ich Lust, auch mit den übrigen Wörtern etwas anzustellen – drei Wochen Zeit müssten doch locker reichen, bevor Christiane am 2. August mit einer neuen Aufgabe winkt.

ABC-Etüden – Wochen 26 & 27 : Der Kölner Glühwein-Express

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Es ist Zeit für eine neue Etüde auf Christianes Blog mit maximal 300 Wörtern, in der die von stepnwolf gespendeten Wörter Reagenzglas – übermächtig – vergessen vorkommen sollen.

Die Illustration stammt von Christiane.

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Der Kölner Glühwein-Express

Mer losse de Dom in Kölle, denn da jehört er hin!“

Sein Kölsch klang schauderhaft. Ich hasse es, wenn Leute ungekonnt andere Dialekte imitieren. Hoffentlich sparte er sich solche Kamellen, wenn wir dort auf den Weihnachtsmärkten aufkreuzen, dachte ich, denn so würden wir uns hundertprozentig blamieren. In zwei Stunden in diesem Sonderzug konnte noch viel passieren, und Wetzlar hatten wir gerade erst hinter uns gelassen. Damit die Fahrgäste nicht auf dem Trockenen saßen, gab es für alle Glühwein und Kölsch gegen einen zivilisierten Obolus.

Zweifelnd warf ich einen Blick auf Tommys Tasse – den Glühwein darin wollte ich geschenkt nicht haben, denn bei dem Preis konnte man vernünftige Qualität vergessen. Die süße Plörre war ein Garant für Kater der besonders hartnäckigen Sorte. Dann doch lieber Kölsch. Aber das konnte er wiederum nicht verstehen: „Das Zeug schenken’s im Reagenzglas aus!“ lästerte er.

Oha, da hatte wohl jemand zu viel Michael Mittermeier geguckt. Inzwischen war er bei seinem dritten Glühwein. Seine Freundin Moni und ich schauten uns an, zwei Dumme – ein Gedanke: Nahezu übermächtig war unser Wunsch, ihn an den Sitz zu fesseln und auf Glühweinentzug zu setzen. Was natürlich nicht ging, und das sah Andy, der vierte aus unserer Clique, ähnlich. Nachschub, war seine Devise. Irgendwann schlummerte Tommy friedlich vor sich hin. Bis Köln wäre er hoffentlich wieder friedlich.

Darauf noch ein Kölsch, Moni!“ nickte ich seiner Freundin zu und stieß mit ihr an.

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Die Idee kam mir, weil bald die Adventüden losgehen – ich musste an eine Fahrt zum Kölner Weihnachtsmarkt vor sieben Jahren denken und an eine Bemerkung Michael Mittermeiers über die Ausschankgröße von Bier – alles in allem diesmal verpackt in 236 Wörter.

ABC-Etüden – Wochen 24 & 25: Glänzende Aussichten

Noch eine Etüde, diesmal mit einem ganz anderen Thema, gibt es heute von mir, nachdem ich schon eine mit exakt dreihundert Wörtern verzapft habe.

Zur Erinnerung: Für die Etüden der Wochen 24 und 25 mit maximal 300 Wörtern sind auf Christianes Blog die folgenden drei Wörter gespendet worden: Geräteschuppen – kupferfarben – feiern. Die Wortspende stammt von Susanne (https://books2cats.wordpress.com/) und die Illustration von Christiane

So richtig nett wird’s auch diesmal nicht:

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Glänzende Aussichten

Ach, und Eure Heldentat sollen wir jetzt auch noch feiern?“ Toms Vater war wütend. Was sein Sohn und dessen Freunde sich mit der gesprengten Massenparty geleistet hatten, war der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hatte. „Nix gibt’s, Freundchen.“

Seine Meinung stand fest. Dafür, dass das eigentlich harmlose Wochenende so aus dem Ruder gelaufen war, dass die Polizei mit mehreren Einsatzwagen hatte anrücken müssen, würde sein Sohn jetzt die Quittung bekommen. Hausarrest bis zum Ende der Ferien. Und damit Tom gar nicht erst auf die Idee kam, in dieser Zeit auf der faulen Haut zu liegen und stundenlang am Rechner zu zocken, hatte er sich eine besondere Aufgabe für ihn einfallen lassen: „Räum den Geräteschuppen auf.“

Nun stand Tom vor dem Chaos, das einmal wohl sortiert gewesen war. Zerbeulte Gießkannen lagen unordentlich in der einen Ecke, auf einem Balken dicht unter dem Dach hatten sich mehrere Rechen, Harken und Schaufeln ineinander verkeilt. Tom fluchte bei dem Gedanken, dass er aussehen würde wie ein Schwein, wenn der Rost dieser Gartengeräte auf ihn herab rieseln würde, sobald er sie auch nur anrührte.

Rostiges Gelump, einst kupferfarben, in seinen Augen nur ein Haufen Schrott, aber sein Vater war zu geizig, sich von dem alten Gerümpel zu trennen. Warum wegwerfen, wenn man es mit etwas Arbeit wieder zum Glänzen bringen kann. Eine Arbeit, für die Toms Vater den idealen Kandidaten gefunden hatte. Der Rest der Ferien würde im Nu verfliegen, spottete Tom. Ein Traum.

Wirklich, glänzende Aussichten!

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Diesmal waren es 246 Wörter.

ABC-Etüden – Wochen 24 & 25: Finale – oho!

Für die neue Etüde mit maximal dreihundert Wörtern sind auf Christianes Blog die folgenden drei Wörter gespendet worden: Geräteschuppen – kupferfarben – feiern. Die Wortspende kommt diesmal von Susanne  und die Illustration von Christiane:

Manchmal dauert’s etwas länger, bis die zündende Idee entsteht.

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Finale – oho!

Tag Zwei bei Shopping Queen. Am Finaltag sind wir bei Schmuckdesignerin Nicole, von ihren Freunden liebevoll Nicky genannt: ‚Glänzende Aussichten – sei der Hingucker in Metallic‘ lautet das Motto dieser Woche. Doch bevor Nicky heute mit Sandra, ihrer Shoppingbegleitung loszieht, begleiten wir sie nach draußen. Nicky hat sich für die anderen etwas besonderes ausgedacht. Die warten drinnen schon ganz gespannt.“

Ende der Durchsage. Statt der Stimme aus dem Off ist nun Nicky dran. Sie wirft sich vor dem Geräteschuppen in Pose und wiederholt den Spruch, der schon zu Beginn der Woche die Zuschauer „entzückt“ hat: „Ich werde Shopping Queen, weil ich das Gold zur Krone schon hier habe.“

Die Kamera zoomt Nicky heran und verweilt auf ihrem sonnenstudioverwöhnten Teint und der kupferfarbenen Spange an ihrem Arm.

Es ist nicht alles Gold, was glänzt“, säuselt die Stimme des Sprechers. Gut, dass Nicky ihn nicht gehört hat, denn das wird alles später für die spätere Ausstrahlung zusammengeschnitten.

So, Mädels, damit Ihr Euch nicht langweilt, habe ich vier Objekte versteckt“, verkündet sie. „Findet die Schmuckstückchen und bringt sie heute Abend an den Laufsteg mit.“

Nicky klimpert noch einmal betörend mit den Wimpern, dann wirft sie ihr wasserstoffblondes Haar neckisch über die Schulter und stöckelt beseelt zurück ins Haus. Während Kamera Eins ihr folgt, streift der zweite Kameramann durch den Garten und filmt die versteckten Ersatzkrönchen für Nickys Mitstreiterinnen, begleitet von einem Voice-Over mit Nickys bezauberndem Stimmchen:

Vier Krönchen für Sarah, Aylin, Dorothea und Kim – damit wir morgen bei Guido meinen Sieg gebührend feiern können.“

Die Quittung dafür bleibt nicht lange aus: „Wenn sich unsere angehende Königin des Einkaufsbummels damit mal nicht gnadenlos überschätzt. Warten wir es ab.“

Und damit ist auch die letzte Szene im Kasten, und die Sendung wird in ein paar Wochen über die Mattscheiben flimmern.

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Die Bosheit ist mein Hauptpläsier, drum hab ich 300 Wörter hier… und das Maximum voll ausgereizt.