02.12. – Schöne Bescherung | Adventüden

Ich gebe zu, mittlerweile bin ich Fan von Adventskalendern, darum habe ich mir dieses Jahr nicht nur gleich vier gekauft, sondern schreibe auch noch an vier Adventskalendern mit: der erste ist die 24teilige Sammlung von Adventüden, bei der mein Beitrag bereits am zweiten Tag erscheint – die anderen drei gibt es auf Wattpad (24 Türchen, 24 Wohnungen, der Last-Minute-Community-Adventskalender).

Doch nun zu Türchen #2 bei den Adventüden:

Irgendwas ist immer

Guten Morgen, Sternenglanz, die Welt sagt Hallo!«

Sechs Uhr morgens, nach endlosem Gefriemel mit dem Schlüssel im Schloss (ein Wunder, dass er den Schlüssel diesmal nicht abgebrochen hat), kommt er zur Tür hereingewankt, reißt enthusiastisch die Arme in die Höhe und dabei den gerade erst aufgehängten Adventskalender zu Boden, dann folgt das Unvermeidliche: der Sturz!

Planlos tastet er noch nach seinem Taschentuch, dann wird es zappenduster.

Sternenglanz… hallo? Diese Art von Liebeserklärung kann er sich sonst wohin stecken. Doch wohl eher sternhagelvoll oder sturzbetrunken, da hat wohl einer mehr als nur die Hefe… eben das übliche Dezemberdilemma. Ihre Freundinnen können ein Lied davon singen.

Nur gut, dass sie nicht schon am Vorabend die gut gefüllten Gebäckdosen für die Firmenfeier im Flur aufgestellt hat, das hätte eine schöne Schweinerei gegeben, und die ganze Arbeit wäre für die Katz. Aber sei’s drum. Den Teufel wird sie tun und sich wie eine…

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ABC-Etüden 2022 – Wochen 46 & 47 – Etüde 4 – Emil

Zur Abschlussrunde der regulären Etüdenrunde  (hier, bei Christiane) vor den Adventüden und der Pause bis zum 8. Januar 2023 wurden folgende Wörter von mir beigesteuert: Rolle, halbherzig und belohnen.

Welche Rollen hatten wir denn noch nicht? Biskuitrollen, mechanische Hilfen oder gar das Ding, mit dem man den Teig ausrollt? Lasst euch überraschen, denn in der Vorweihnachtszeit ruft nicht nur die Weihnachtsbäckerei.

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Emil

„Und heute Abend werde ich meinen ganzen Frust beim Töpfern rauslassen!“

Hatte ich morgens noch laut getönt, wie ich mich an unschuldigem Ton abreagieren würde, so verpuffte nun mein schöner Plan. Man sollte halt auch Ideen mitbringen, meldete sich mein inneres Stimmchen, während ich halbherzig den Ton vor mir auf dem Werktisch betatschte, denn ich war unschlüssig, was daraus werden sollte. Vielleicht eine Teeschale mit Untersetzer und Löffel? Oder Sterne zum Aufhängen? Wie kreativ…

Da war Nicole schon weiter. Mit genauen Vorstellungen hatte sie mich in die offene Werkstatt mitgenommen. Eine riesige Vase sollte es werden, und während sie die Rolle zum Auswalzen des Tons schwang, saß ich nur da und beobachtete.

Auf den Regalen standen Miniaturbüsten, seltsame Gebilde und sogar ein kleines Einhorn einträchtig nebeneinander. Um meine Füße wuselte ein Hund. Emil. Ach, es half ja nichts. Seufzend schnappte ich mir den Sternenausstecher und legte los.

„Brauchst du noch Ton?“

Ohne meine Antwort abzuwarten, schob mir die Keramikmeisterin einen frischen Klumpen vor die Nase. Bizarr geformt, ließ er ein Lebewesen erahnen, und ich begann zu kneten. Hier zusammengedrückt und da gezogen, vorne modelliert und hinten Material weggenommen, um es zu einem Ringelschwänzchen einzurollen… Fertig war die Tierfigur: mein innerer Schweinehund.

„Aber das ist ja der Emil!“

Huch?

Das Entzücken der Keramikmeisterin war unbeschreiblich, und Nicole staunte laut darüber, dass meine Figur einer Mischung aus Fuchs und Corgi glich. Verblüfft betrachte ich mein Werk. Unglaublich, dass ich in der kurzen Zeit tatsächlich etwas zustande gebracht hatte; zwar ohne Farbe, aber in zwei Wochen würden wir alle unsere Objekte fertigmachen.

Doch bevor wir die Werkstatt verließen, belohnte die Meisterin noch uns beide mit einem kleinen Geschenk zum Aussuchen aus ihrem Panoptikum der verlassenen Figuren.

Figuren, die von ihren Schöpfern nicht mehr abgeholt worden waren und die dafür nun wir glasieren durften.

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In 300 Wörtern zum Erfolg? In zwei Wochen sehen wir weiter…

ABC-Etüden 2022 – Wochen 46 & 47 – Etüde 3 – Alles inklusive 

Der Etüdenregen reißt nicht ab – mit den zur Abschlussrunde der regulären Etüdenrunde (hier, bei Christiane) von mir beigesteuernden Wörtern Rolle, halbherzig und belohnen. Bleiben wir heute noch einmal beim Themenkreis „Sport und Spiel“.

Nein, mit einem wohlbekannten Schokoriegel, der auch als Teekesselchen eine gute Figur machen würde, weil die NASA ihn im Visier hat, hat meine Etüde nichts zu tun. Mit meiner Etüde möchte ich einen Gegenpol zur umstrittenen Fußball-WM (die ich im übrigen genauso boykottiere wie die olympischen Winterspiele in Saudi-Arabien) setzen.

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Alles inklusive

Samstagnachmittag, vierzehn Uhr: Ich liege mit einem ausklingenden Kater vom Vortag auf dem Sofa und zappe mich halbherzig durch das öde Fernsehprogramm und lande bei der BBC, von der ich ebenfalls nichts Großes erwarte.

Der britische Sender verkündet: Rugby League World Championship 2022, und zwar das Finale. Rugby? Die Urform, aus der sich American Football neben anderen ähnlichen Ballsportarten entwickelt hat und bei der die Spieler als einzigen Schutz nur den für die Zähne tragen? Warum eigentlich nicht…

Als ich dann mitbekomme, dass nicht nur die Damen- sondern auch die Herrenmannschaften im selben Stadion nacheinander antreten und zwischendurch zu den Rollstuhlteams hinübergeschaltet wird, bin ich interessiert und ahne noch nicht, dass mir von den australischen und neuseeländischen Damen gleich 2 fesselnde Halbzeiten von je 40 Minuten Länge geliefert werden und ich bei einem Ergebnis von 54:4 für die Jillaroos genannten Australierinnen schlagartig nüchtern sein werde.

Und während ich noch völlig aus dem Häuschen über das sensationelle Ergebnis bin, wird ein Motivationsvideo von Dwayne „The Rock“ Johnson gesendet, mit dem er seine Unterstützung für das Samoanische Team bekundet. Leider aber verlieren die heimlichen Favoriten im abschließenden, nicht ganz so elegant über den Platz gehenden Spiel gegen Australien zehn zu dreißig.

Hinterher weiß ich: Australische Teams mögen beim Fußball vielleicht nicht die Stärksten sein, aber bei diesem Ballsport sind sie unangefochten ganz weit vorne, und diesmal sogar doppelt.

Danach haben sich alle ganz doll lieb, auch wenn sie vor dem Spiel auf ihre Gegnerinnen und Gegner eingebrüllt haben, außerdem fielen weder Trainer noch Fans aus der Rolle. Dagegen überschlugen sich die Kommentatoren regelrecht vor Begeisterung (so wie ich auf dem Sofa), und am Ende wurde meine Ausdauer mit einem Erlebnis der Sonderklasse belohnt.

Mein Fazit: Vielleicht schaue ich mir in der kommenden Saison auch einmal Spiele unseres heimischen Vereins „in echt“ an.

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300 Wörter für ein inklusives Sportereignis, bei dem ich gestern Nachmittag so richtig mitgefiebert habe und hinterher erstaunt war, dass mich ein Sport, von dem ich immer nur am Rande etwas mitbekommen habe, so fesseln konnte. Der Fairness und Statistik halber möchte ich noch erwähnen, dass das Spiel der Rollstuhlmannschaften England gegen Frankreich vor 5000 Zuschauern 28:24 ausging.

Damit ist für mich diese Weltmeisterschaft eine echte Alternative zu der aktuellen Fußball-WM in Katar und den kommenden olympischen Winterspielen in Saudi-Arabien; und von wegen, wir machen alles separat im Sinne von „Männlein und Weiblein getrennt“ oder „erst die olympischen Spiele und danach erst die Paraylympics“ – nö, hier fand alles im gleichen Zeitraum statt und kommt meiner Vorstellung von Inklusion ein wenig näher.

ABC-Etüden 2022 – Wochen 46 & 47 – Etüde 2 – Ab 18 

Zur Abschlussrunde der regulären Etüdenrunde (hier, bei Christiane) vor den Adventüden und der Pause bis zum 8. Januar 2023 wurden folgende Wörter von mir beigesteuert: Rolle, halbherzig und belohnen.

Kommen wir heute mal zu dem, was ich im Vorwort zu meiner letzten Etüde als Teekesselchen bezeichnet habe (Wörter mit mehreren Bedeutungen): In meiner Kindheit war dieses Spiel auf Kindergeburtstagen der Hit. Zu einer Zeit, da die Rollerskates der letzte Schrei waren und ich als einzige mit größenverstellbaren Rollschuhen unterwegs war.

Deshalb sei diesem Spiel meine nächste Etüde gewidmet.

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Ab 18

„Du, weißt du noch?“

„Was denn?“

„- Mein Teekesselchen kann leuchten. – Mein Teekesselchen kann man essen.“

„Ach herrje. Diese olle Kamelle. Wie kommst du denn darauf?“

„Ach, nur so. Weil doch morgen die Inka…“

„Stimmt. Da war doch was. Ihr dreizehnter Geburtstag. An einem Freitag, den Dreizehnten.“

„Da haben wir das Spiel übrigens zum letzten Mal gespielt. Weil wir ja plötzlich viel zu erwachsen waren für diesen Kinderkram. Schokoladenspiel mit Papier von der Klorolle? Was für Babys. Nee, Flaschendrehen war danach angesagt!“

Oh ja, ich erinnere mich, als meine Freundin diesen „Partykracher“ erwähnt, bei dem ich nur halbherzig mitgemacht habe, um nicht als Weichei dazustehen.

„Äh, lass mal gut sein. Mit diesem schauderhaften Flaschengedöns kannst du mich jagen. Dann doch lieber das gute alte Ratespiel. Da wird das Team belohnt, das zum Erraten weniger Hinweise braucht.“

Ein Spiel, das man übrigens auch in der hochgetunten Ab-18-Variante spielen könnte, aber das verrate ich ihr nicht. Es würde auch überhaupt keine Rolle spielen, denn früher oder später käme sie von alleine drauf. So wie jetzt.

„Pfft. Flaschendrehen. Alles alte Hüte. Pass mal auf: – Mein Teekesselchen erfordert Nacktheit vor anderen Leuten. – Mein Teekesselchen kann man abwickeln. – Mein Teekesselchen fällt ganz gerne aus sich selbst…“

„Äh…“ Nacktheit vor anderen Leuten? So genau wollte ich das gar nicht wissen und stehe dennoch auf dem Schlauch. Zu gerne würde ich jetzt ihr Gesicht sehen, aber am Telefon geht das so schlecht.

„- Mein Teekesselchen kann sich auch ohne Beine oder Räder vorwärts bewegen. – Mein Teekesselchen ist voller Fäden. – Mein Teekesselchen gibt es beim Turnen“

Oh wei, bei so viel Aufgedrehtheit gebe ich auf. Mein Hirn ist wie vernebelt.

„Stop! Du bist ja völlig von der Rolle…“

„Bingo. Der Kandidat hat 99 Punkte.“

„Und der Extrapunkt?“

„Gibt’s für die Rolle, die du zwar nicht erraten, aber trotzdem erwähnt hast.“

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300 Wörter für meine zweite Etüde in Dialogform, der besseren Lesbarkeit halber mal wieder in zwei Farben. Und wer weiß – vielleicht kommt noch was nach.

ABC-Etüden 2022 – Wochen 46 & 47 – Etüde 1 – Nur ausnahmsweise…

Zur Abschlussrunde der regulären Etüdenrunde (hier, bei Christiane) vor den Adventüden und der Pause bis zum 8. Januar 2023 wurden folgende Wörter von mir beigesteuert: Rolle, halbherzig und belohnen.

Zunächst einmal möchte ich mich bei Dir, Christiane für dieses Kleinod in der Bloggerwelt und auch für Dein Kompliment bedanken, dass ich sehr genau wüsste, was ich tue. Inzwischen sollte es kein Geheimnis mehr sein, dass ich bei meinen Spenden gerne zu „Teekesselchen“, also Wörtern mit mehreren Bedeutungen, greife. Wörter sind, was Du draus machst? Umso mehr erstaunt es mich, dass ich so lange gebraucht habe, selbst eine Etüde zu schreiben.

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Nur ausnahmsweise…

Frauen in den Wechseljahren – eine neue Rolle in ihrem Leben, in die Sie schon lange vorher hineinzuwachsen beginnen…

Bla bla bla, denke ich und lege den Schmöker beiseite. Warum nur tue ich mir so ein Geschwurbel an? Ich hätte es wissen sollen, als ich mir diesen Ratgeber zugelegt habe. Per Bestellung im Internet, ganz gegen jede Gewohnheit.

Und das, wo ich doch wenigstens einmal nach langer Zeit wieder etwas richtig machen und meiner Gesundheit etwas Gutes tun wollte, denn schon seit längerem habe ich das Gefühl, dass ich in meinem Leben etwas ändern sollte; und wenn’s eine Umstellung der Ernährung ist. Jetzt schon den ganzen Zipperleins vorbeugen, um später mit Beweglichkeit und einem guten Allgemeinbefinden belohnt zu werden? Welch traumhafte Aussichten!

Doch schon nach den ersten Kapiteln wurde mir klar, dass ich bei diesem Kauf wieder einmal halbherzig bei der Sache gewesen bin und dass auch dieses Buch auf den Stapel der angefangenen und nicht zu Ende gelesenen Bücher wandern wird.

Ganz ehrlich? Dieses Experiment hat mir vor Augen geführt, dass ich Bücher nie wieder online (auch nicht ausnahmsweise, weil es schnell gehen musste) kaufe, sondern wieder in einer Buchhandlung, mit ausführlicher Beratung.

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192 Wörter für eine Etüde, die so nicht geplant war.

ABC-Etüden 2022 – Wochen 44 & 45 – Etüde 2 – Sky full of stars

Nach dem melancholischen Auftakt zur aktuellen Etüdenrunde (hier, bei Christiane) kommt eine vom letzten „Konzertabend“ inspirierte Etüde. Die Wörter Schildkröte, großzügig und flehen hat diesmal Fundevogelnest gespendet.

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Sky full of Stars

Die bunten Lichter im Stadion erinnern mich von oben an den geschuppten Panzer einer Schildkröte. Es flackert bunt, der Boden bebt unter den Füßen der Besucher und liefert die Energie, die teilweise in die LED-Beleuchtung fließt. Die Menge ist außer Rand und Band, Raketen steigen in die Luft und illuminieren großzügig, ja beinahe verschwenderisch den Himmel über dem Stadion, an dem der zu dieser Stunde eher spärliche Verkehr vorbeifließt, gleichgültig gegenüber dem historischen Moment, den wir hier gleich erleben werden.

Es ist der Auftritt einer iranischen Schauspielerin, die zu Twittereinblendungen mit Sympathiebekundungen für Mahsa Amini das Lied „Baraye“ mit einer Inbrunst singt, dass selbst mir die Tränen kommen – und nicht dieser: „Sky full of Stars“.

Obwohl ich geneigt bin, auch das als historisch zu betrachten.

Chris Martin fleht die Menge an, den von ihm soeben nach wenigen Takten abgebrochenen Song am eigenen Leib und live und ohne vors Gesicht gehaltene Elektronik, pur und unverfälscht zu erleben. Erinnerungen werden wach, als sich Amy MacDonald nach langer coronabedingter Zwangspause so sehr freute, endlich wieder vor Publikum zu spielen, dass sie sich von Herzen wünschte, in all die schönen Gesichter blicken zu können.

74000 Zuschauer in Wembley, 1991 ohne Ausrüstung bei INXS – oder über eine halbe Million in Buenos Aires, 2022 mit dem Smartphone in der Hand bei zehn Coldplay-Konzerten: In solchen Momenten denke ich, dass früher vielleicht doch einiges besser war und komme mir vor wie ein Dinosaurier oder die uralte Morla, die sich noch an Zeiten erinnert, als wir Konzerte besuchten, um den Auftritt mit eigenen Augen zu genießen.

In meinem Fall auf einer Leinwand, aber selbst im Kino schoss der ein oder andere in den vorderen Reihen noch Fotos vom Geschehen oder filmte Teile davon mit.

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285 Wörter für den Nachfolger.

ABC-Etüden 2022 – Wochen 44 & 45 – Etüde 1 – Letzte Reise

Neues Spiel, neues Glück. Nachdem mir bei der letzten Etüdenrunde vor lauter Stress nicht viel eingefallen ist, versuche ich es bei der aktuellen (hier, bei Christiane). Die Wörter Schildkröte, großzügig und flehen hat diesmal Fundevogelnest gespendet.

An dieser Stelle vorab eine Triggerwarnung (Tod/Begräbnis): Wer sich mit einem Gang über den Friedhof nicht befassen oder einen Text über den Tod lesen möchte, ist mit dem Auslassen der Etüde womöglich besser beraten.

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Letzte Reise

Es gibt Tage, da wäre ich am liebsten eine Schildkröte. Man hält sie für behäbig, und doch doch kann sie ungeahnt beschleunigen, wenn’s drauf ankommt. Und sie kann sich, wenn ihr alles zuviel wird, in ihren Panzer zurückziehen. Das hätte ich gestern gerne gehabt. Denn an diesem Tag feiern zwar zwei Menschen, die bei meiner Hochzeit Trauzeugen waren, ihren Geburtstag, doch es ist auch der Todestag meines Vaters. Und letzterer ist nun schon dreißig Jahre her.

Dass mich das so mitnehmen würde, hatte ich allerdings nicht geahnt, als ich großzügig zwei Karten für die Übertragung des Coldplay-Konzerts aus Buenos Aires kaufte – für diesen Abend.

Letztendlich war es aber nicht der Gang zum Grab meiner Eltern, sondern die Tatsache, dass das Gräberfeld, auf dem meine Oma 1993 bestattet worden ist, nun endgültig geräumt und ihre „letzte Ruhestätte“ demnächst verschwunden sein wird. Vermutlich werden sie auch nicht damit warten, bis ihr Geburtstag nächsten Donnerstag verstrichen ist, da kann ich innerlich so viel flehen wie ich will.

Verlängert wird ihr Platz nicht werden, davon überzeugte mich meine Tante, das letzte noch lebende ihrer Kinder, denn auch ihr fällt der Gang ans Grab mit ihrem Rollator immer schwerer.

In dieser Hinsicht ist der Zug wohl endgültig abgefahren, und so bleibt als Erinnerung nichts als ein letztes Foto zum Abschied. Ruhe sanft auf deiner nun wirklich letzten Reise.

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Der 22. Januar – ein wahrhaft denkwürdiger Tag

Mit diesem Foto beschließe ich meine erste Etüde der aktuellen Runde, bestehend aus 222 Wörtern.

ABC-Etüden 2022 – Wochen 42 & 43 – Etüde 1 – Bunt gemischt

Oh Mann, kennt das jemand? Da freut man sich auf die aktuelle Etüdenrunde  (die gibt es wie immer hier, bei Christiane), und was ist? Trotz wirklich schöner Illustrationen will einem einfach nichts einfallen. Das ist bei mir ja mal was ganz neues, denn an den von allerleigedanken gespendeten Wörtern Billard, aktuell und gestalten kann es nicht liegen. Zum Glück hatte ich dann doch noch eine Eingebung. Warum nicht mal wieder ein Gespräch aufzeichnen? Der besseren Lesbarkeit halber zweifarbig.

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Bunt gemischt

„Du, weißt du schon das Neueste?“

„Was?“

„Bei uns haben sie mal wieder damit anzufangen, alles zu verschlimmbessern.“

„Echt jetzt? Und was genau meist du damit?“

„Na ja, aktuell sieht es so aus, dass unsere Teams neu gemischt werden. Am Montag geht’s los.“

„Hä? Wie soll ich mir denn das vorstellen? Ihr seid doch nur ein paar Nasen.“

„Ja-haa, das denkst du. Hier vielleicht. Aber aus unseren zwei kleinen örtlichen Teams und drei größeren aus dem Nachbarland werden vier neue. Zusammenwachsen ist das Zauberwort.“

„Aha. Die Sprache ist also auf einmal kein Hindernis?“

„Nö. Sprechen ja alle englisch. Manche mit mehr, manche mit weniger Akzent.“

„Also deutsch, englisch, holländisch, französisch – bunt gemischt. So wie die Kugeln hier auf dem Tisch.“

„Du hast japanisch und italienisch vergessen.“

„Ich kann es schon förmlich sehen und hören – das wird lustig.“

„Wohl eher nicht, aber mal was anderes, wenn wir schon beim Billard sind: Natürlich hat die Geschäftsleitung vier Kugeln, äh Mitarbeiter gesucht, die vorher noch freiwillig ausscheiden. Das war vielleicht was.“

„Ach du sch*** – was für einen Krampf hat das denn gegeben?“

„Genau das. Aber immer wenn wir M gefragt haben, wie er sich das neue Konstrukt vorstellt, kam der mit dem Spruch ‚Ich hab’s nicht entworfen‘. Boah-ey, ich kann’s nicht mehr hören!“

„Na ja, ganz unrecht hat er vielleicht nicht. Aber was jetzt? Wie ich dich kenne, hast du doch bestimmt deine vorlaute Klappe nicht halten können.“

„Und wie! Beim letzten Meeting war’s mir dann zu bunt und mir ist als Antwort ‚Du bist nicht der Architekt, aber wir dürfen’s ausbaden‘ rausgerutscht.“

„Und dann?“

„Nix. Der hat mich nur ganz sparsam angeschaut und gemeint: ‚Wie ihr euer Miteinander gestaltet, ist nicht mein Bier‘ In diesem Sinne: Prost Mahlzeit!“

„Apropos Bier.  Wie sieht’s aus? Soll ich uns noch ’ne Runde holen?“

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Für die 300 Wörter lange Etüde habe ich mich von den vergangenen Wochen und Monaten inspirieren lassen.

ABC-Etüden 2022 – Wochen 40 & 41 – Etüde 3 – Der Whistleblower

Und noch eine Etüde für die aktuelle Runde (hier, bei Christiane) mit von Werner Kastens (mit Worten Gedanken horten) gespendeten Wörtern Zeitlupe, behäbig und verprassen – kryptisch gehalten. So kann sich jede/r sein bzw. ihr eigenes Bild machen:

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Der Whistleblower

Der Adler ist gelandet.

Vier Worte per WhatsApp an ihn gesendet. Er wusste nicht, was tun. War das das vorab vereinbarte geheime Zeichen? Entschlossen öffnete er den Rechner und gab den vierstelligen Code in das dafür vorgesehene Feld ein. Mit dem behäbigen Herumliegen war es vorbei. Jetzt war Zeit für Taten. Er hatte lange genug geschlafen.

Die Meldung ist raus.

Vier Worte per WhatsApp zurück an den Absender der Adler-Nachricht. Zu schade, dass er ihr Gesicht nicht sehen konnte, wenn sie es nachher aus den Nachrichten erfahren würde. Schließlich hatte er nicht nur Zeit und Geld verprasst, um hinter alle Informationen zu kommen, die dank Wikileaks bald kein ängstlich gehütetes Geheimnis mehr wären.

Wovon bitte redest du?

Vier Worte einer Frage an ihn, die den Grad ihrer Verwirrung beschrieb. Und damit er nicht länger im Dunkel tappen musste, schob sie noch ein Bild nach, das sie soeben während des Konzerts geknipst hatte. Damit er wusste, welchen Song sie gemeint hatte.

Ach, du heilig’s Blechle.

Vier Worte, gefolgt von einem Fluch, die sein Entsetzen in einem einzigen Satz zusammenfassten. Sein triumphierendes Lächeln gefror in Zeitlupe. Das geheime Zeichen war DAS nicht gewesen. Zu früh gefreut, doch ein Zurück gab es nicht mehr. Der Vogel war ausgeflogen und konnte nicht mehr eingefangen werden.

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Für die 211 Wörter lange Etüde habe ich mich von der Zugabe „The Eagle has landed“ beim Saxon-Konzert gestern Abend inspirieren lassen.

ABC-Etüden 2022 – Wochen 40 & 41 – Etüde 2 – Ohne Titel

Zur neuen Etüdenrunde (hier, bei Christiane) mit von Werner Kastens (mit Worten Gedanken horten) gespendeten Wörtern Zeitlupe, behäbig und verprassen steuere ich heute eine Schnell- bzw. Kurzetüde bei:

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Ohne Titel

Behäbig geht das Jahr zur Ruh, der Sommer will nicht weichen – verprasst der Sonne letzte Strahlen in einer Fülle, als ob’s kein Morgen gäbe. Sommer und Herbst in Zeitlupe? Ach, wenn das übrige Jahr auch so verliefe.

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37 Wörter für einen Kalender- oder Postkartenspruch, der keines Fotos bedarf.