ABC -Etüden – Woche 23 & 24 : Etüde 2 – Filmabend

Das Thema „Picknick“ läßt wohl doch nicht so viele Variationsmöglichkeiten zu, wie ich gedacht habe – hier kommt meine zweite aktuelle reguläre Etüde auf Christianes Blog mit den von nellindreams gespendeten Worten Picknickdecke, verwegen und recherchieren.

Diese Episode mit 256 Wörtern kann man für sich stehen lassen (oder aber auch nicht).

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Filmabend

Alles war weiß. Die Kleider, das Geschirr, selbst die Laken, die sie in der Nähe des Wassers ausgebreitet hatten, als Picknickdecken. Soeben hatten die Mädchen noch angeregt geplaudert, jetzt kam ein tiefer Schlummer über sie, so als wäre er nicht von dieser Welt.

Gebannt nahm Lucy auf dem Sofa Platz. Was hatte Laura für ihren Netflixabend ausgesucht? „Picknick am Valentinstag“ mit Natalie Dormer… eine brandneue Verfilmung, als sechsteilige Neuauflage des Filmklassikers aus den Siebziger Jahren. Noch gruseliger ging es ja wohl nicht – für Halloween wäre die Geschichte passender gewesen.

Gerade kam die Stelle, an der die Pensionatsschülerin Miranda ihre Schuhe abstreifte und die kleine Gruppe Freundinnen hinauf durch die unheilvoll über ihnen dräuenden Felsen bis auf deren höchste Erhebung führte, nicht ohne den beiden männlichen Zuschauern am Fluss Blicke zuzuwerfen – Blicke, die schwer zu deuten waren. Später würden die Mädchen sich von ihren Korsetts befreien und diese in den blauen Himmel werfen, auf dass der Wind die einengenden Gebilde aus Fischbein, Stoff und Kordeln davontragen möge. Ganz schön verwegen!

Lucy kannte die Geschichte schon. Nachdem sie den literarischen Hintergrund recherchiert hatte, konnte sie jetzt schon sagen, dass Laura das Ende nicht gefallen würde. Das letzte Kapitel des Buchs, das in dieser Verfilmung fehlte – ein Kapitel, das man auf Wunsch der Schriftstellerin erst nach deren Ableben veröffentlichen durfte. Aber das sagte sie ihrer Freundin nicht. Am besten tat sie überrascht.

Mit der gespielten Überraschung war es jedoch vorbei, als Laura näher an sie heranrückte und Lucy zärtlich über den Arm und durchs Haar strich.

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Diesmal hat es nur zu einer Momentaufnahme anstatt einer richtigen Geschichte gereicht.

ABC -Etüden – Woche 23 & 24 : Etüde 1 – Im Mondenschein

Kaum zu glauben, dass das Jahr so weit vorangeschritten ist und bald die Etüdensommerpause naht – gerade noch rechtzeitig vor meinem Sommerurlaub erscheint nun die aktuelle reguläre Etüde auf Christianes Blog mit den von nellindreams gespendeten Worten Picknickdecke, verwegen und recherchieren.

Ich bin schon sehr gespannt, welche Arten von Picknick bei dieser Ausgabe zusammenkommen – meines ist nicht ganz von dieser Welt.

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Im Mondenschein

Er hatte lange recherchiert und die Hausordnung gründlich studiert. Gefunden hatte er nichts, was seinem kühnen Plan zuwiderlief. Zwölf Wochen Reha, ohne seiner Liebsten nahe sein zu können… dem Schicksal, das ihm so grausam mitzuspielen versucht hatte, musste man doch ein Schnippchen schlagen können.

Geradezu verwegen waren sie sich bei der Idee vorgekommen, die Liebste heimlich nachts in sein Klinikzimmer heimlich einzuschmuggeln und über Nacht dazubehalten. Was machte es da schon, dass sein Einzelbett für zwei Personen im Grunde viel zu schmal war – der Intimität war dieser Umstand nicht abträglich, womöglich sogar für die Romantik eher förderlich, und das Hinausschleichen am nächsten Morgen würde sogar noch den Reiz des Verbotenen erhöhen, auch wenn es womöglich nicht einmal ausdrücklich verboten war.

Außer Rotwein hatte sie nichts im Picknickkorb mitgebracht.

Nun saßen sie eng aneinandergekuschelt auf der Holzbank am Waldrand anstatt auf einer kratzigen Picknickdecke und beobachteten den aufgehenden Vollmond über den Tannenwipfeln. Der Barbera entfaltete sein schweres und verführerisches Bukett, und irgendwo in der Ferne heulte leise ein Kauz. „Auf uns“, stießen sie gemeinsam mit den Kristallgläsern an und sahen einander tief in die Augen, „und dass man uns nicht erwischen möge“.

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192 Wörter habe ich für diese neue Etüde vor der Sommerpause gebraucht.

ABC -Etüden – Extra-Etüde 2 für die 22. Textwoche : Glamping Noir

Auf Kabel Eins lautet das Motto zur Zeit „Camping-Woche“ – wie es der Zufall will, dreht sich auch mein Beitrag zu den Extra-Etüden auf Christianes Blog (fünf der vergangenen sechs Wörter Korsett – rechtsdrehend – dampfen – Baracke – lau – widerfahren, verpackt in einen maximal 500 Wörter langen Text) ums Zelten, wenn auch etwas anders.

Schließlich hat nicht jeder Monat fünf Sonntage.

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Glamping Noir

So einfach konnten sie sein, die kleinen Freuden… Zuerst eine ausgiebige, schön heiße Dusche, und danach einen frisch aufgebrühten, feinwürzig duftenden Kaffee, der mir aus meiner Lieblingstasse entgegen dampfte. Bald würden die Lebensgeister wieder in meinen Körper zurückkehren, nach dieser erbärmlichen Nacht im Zelt. Temperaturen knapp überm Nullpunkt und ein undichter Schlafsack waren keine gute Kombination, auch nicht bei dem M’Era-Luna-Festival.

Unsere Zelte hatten wir auf dem zum Festivalgelände umfunktionierten Fluplatz im Halbkreis so aufgebaut, dass wir den Platz davor mit einer Plane überdachen konnten. Met und Merlot hatten wir auch dabei, und die Schafsfelle und Kissen sorgten für Kuscheligkeit – so ungewöhnlich kühl und regnerisch wie der August in diesem Jahr war. Gut, dass ich mein Korsett zu Hause gelassen hatte. Andere Festivalbesucherinnen waren nicht ganz so schlau gewesen. Ich hatte mich schon bei der Anreise gewundert, wie es jene Damen in den viktorianischen Dessous stundenlang bei diesem Schmuddelwetter aushielten. Ab und zu trug auch ich gerne ein solches Teil, vorwiegend dann, wenn sich die auftretende Künstlerin auch so gewandet hatte.

Doch dieses Jahr standen weder Persephone noch Emilie Autumn auf dem Programm, statt dessen ging die Stilrichtung mehr in Richtung EBM und Industrial – genau das richtige für unsere Freunde, die Vorräte bis zum Abwinken eingepackt hatten. Selbst an meine Lieblingssnacks hatte mein Schatz gedacht. Welches Übel konnte uns jetzt noch widerfahren?

Showtime! Statt gammeligen Duschcontainern gab es diesmal sogar großzügig geschnittene Duschzelte, ausgestattet mit separaten Wasserhähnen für kaltes und warmes Wasser, rechtsdrehend, anstatt der gewohnten Mischbatterien. Oldschool – aber eine Steigerung dem Vorjahr gegenüber. Dafür nahm ich doch gerne einen längeren Weg in Kauf, an der Baracke für die Luftaufsicht vorbei, doch ich hätte den Tag nicht vor dem Abend loben sollen.

In freudiger Erwartung klemmte ich meine Klamotten in den Bauzaun, den man quer durchs Zelt gespannt hatte und drehte das Wasser auf. Was für eine Wohltat – was für ein Luxus. Doch nicht für lange. Ich hatte mich gerade eingeseift, da wurde das soeben noch heiße Nass schlagartig kühler und der Wasserdruck schwächer, bis nur noch ein laues Rinnsal aus dem Brausenkopf tröpfelte.

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Zufälle gibt’s. Ich weiß – diesmal war ich mit 348 Wörtern sparsamer als sonst, auch wenn es mehr hätte sein dürfen. Wem die Namen der genannten Künstlerinnen nichts sagen, hier sind die passenden Links zu Bildern der im Korsett aufspielenden Violinistin Emilie Autumn, deren Album „Laced/Unlaced gerade höre – und Sonja Kraushofer, die unter dem Künstlernamen Persephone auftritt und der ich früher in meiner Heimatstadt das ein oder andere Mal übe den Weg gelaufen bin.

ABC -Etüden – Extra-Etüde 1 für die 22. Textwoche : Pink Flamingo

Fünf Sonntage hat der Mai, und deswegen gibt es als Spezialität auf Christianes Blog die sogenannte Extra-Etüde, bei denen es darum geht, fünf aus den bisherigen sechs Wörter einen Text von maximal 500 Wörtern zu zaubern. Diese lauten diesmal:

Korsett – rechtsdrehend – dampfen – Baracke – lau – widerfahren

Da musste ich nicht lange überlegen, worüber ich schreibe, und alle Wörter (in zartflamingorosa Schrift) konnte ich ebenfalls einbauen.

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Pink Flamingo

„Zurück in die Zukunft“ – für dieses Ballmotto hatte sich die Mehrheit der Anwesenden auf dem Elternabend ausgeprochen, nun wurden Freiwillige für das Festkomitee gesucht, die sich unter anderen um die geeigneten Räumlichkeiten kümmern sollten. Für lau würde es wohl kaum eine Location geben, aber man konnte schon im Vorfeld solch überkandidelten Vorschlägen wie dem der Schrödingers Einhalt gebieten, dachte sich Manfred – Marlene hätte sich um diesen Job bestimmt gerissen – und simsalabim, ehe er sich’s versah, fand er sich in dem Team wieder, das sich der Planung des glanzvollen Festes widmen sollte.

Dass aber auch immer ihm so ein „Glück“ widerfuhr, seufzte Manfred in sich hinein, denn eigentlich hatte er auf so einen Killefitz keine Lust, aber nun konnte er nicht mehr zurück, und außerdem war das Team so groß, dass er die auf ihn zukommende Aufgabe sicher in einem zeitlich vernünftigen Rahmen halten konnte. Neben den Eltern von zwei weiteren Mitschülern Lucys gehörten auch Gerald Reuter, der Vater von Marc und die Mutter von Suzanne dazu – Audrey Cartier.

Reuter verlor keine Zeit – jetzt, wo die Elternversammlung sich früh genug aufgelöst hatte und der Abend noch jung war, ging es geschlossen zum Weinlokal. Entgegen ihres abschreckenden Namens, war die Baracke durchaus gemütlich und für eine erste Lagebesprechung geradezu ideal. Die Weinkarte glänzte durch ausgesuchte italienische und französische Tropfen, und auch die Ofengerichte waren nicht zu verachten. Bald schon ging man zum Du über.

O lala, als der bestellte Flammkuchen vor seiner Tischnachbarin dampfte, beobachtete er fasziniert, wie elegant sie den knusprigen Boden zerteilte und beim ersten Bissen genießerisch die Augen schloss. Warum war Marlene nicht mit demselben Appetit gesegnet wie Suzannes Mutter und aß statt dessen wie ein Spatz? Ja, Audrey, die war eine Frau nach seinem Geschmack. Eine Vorliebe für Bordeaux hatte sie auch und war ausgesprochen hübsch noch dazu. Und hatte er nicht schon immer eine Schwäche für rothaarige Frauen gehabt?

Ach was soll’s – einmal ist keinmal, änderte er seine Meinung und bestellte sich ebenfalls einen Bordeaux, das Auto konnte er ruhig stehenlassen. Nur ein winziges Schlückchen – und das Verhängnis nahm seinen Lauf. Bald war der Abend nicht mehr ganz so jung, und die Baracke leerte sich zusehends, bis nur noch Gerald, Marianne und er übrig waren. Und Audrey. Ihr zartes, nach Maiglöckchen duftendes Parfüm umschmeichelte seine Sinne. Eigentlich hatte er sich von ihr verabschieden und ein Taxi nach Hause nehmen wollen.

In den frühen Morgenstunden schlich er sich ins Haus. Den Mantel hatte er im Flur fallenlassen und er sich selbst auf die Couch – sein Kopf war schwer vom Bordeaux, die Gedanken machten sich selbständig, trudelten rechtsdrehend ins Nichts und verdrängten die letzten Bruchstücke seiner Erinnerung an Audrey im flamingoroten Korsett, nachdem sie gemeinsam im Hotel gelandet waren. Unterlagen holen – der älteste Trick der Welt…

Schon in ein paar Stunden würde er sich an das Ende dieses Elternabends nur noch schwach erinnern, so schwach wie der Duft von Maiglöckchen an seinem Mantel, überlagert von dem Geruch abgestandenen Nikotins.

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Zufälle gibt’s. Ich weiß ja auch nicht, wie ich es schaffe, auf genau 500 Wörter zu kommen – aber schön, dass ich mit der Extra-Etüde eine Gelegenheit hatte, mal Manfreds Affäre etwas genauer unter die Lupe zu nehmen, die später auffliegen wird.

ABC -Etüden – Woche 20 & 21 : Etüde 2 – A star is born

Die von Bernd und seinem Blog redskiesoverparadise gespendeten Wörter für Christianes ABC-Etüden lauten: Baracke – lau – widerfahren.

Kakteen gedeihen in der Wüste – und manchmal macht Sonne albern.

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A star is born

Wenn einem so viel Gutes widerfährt… Blendend gelaunt kochte Cole in der Baracke neben dem Hangar Kaffee. Noch war es ein lauer Morgen, doch bald schon würden die Temperaturen ins Unterträgliche steigen. Was war er doch für ein Glückspilz! Endlich machte sich sein Job in der Einöde bezahlt.

Für die üblichen Frachtmaschinen war hier Sperrgebiet, denn heute drehte sich alles um eine historische Douglas DC-3, organisiert von einem Filmteam. Die Stars waren Cole egal, doch dieser Extrajob wurde gut bezahlt. Dafür lohnte sich die Plackerei, und dank der vielen Extrascheinchen konnte er woanders neu anfangen, bevor er in diesem Wüstenkaff versauerte.

Zufrieden begutachtete er den Drehort: Die in der Sonne glänzenden Harleys standen ordentlich aufgereiht am Rand des Rollfelds – nun mussten nur noch die Stars eintrudeln. Wegen der Hitze war der Käse hoffentlich schnell gegessen.

Wie sehr er sich doch irren sollte.

Der Maschine entstieg das schönste Wesen, das er je gesehen hatte. Ihre langen Haare wehten im Wind, und sie zwinkerte ihm schelmisch zu. Cole verschluckte sich beinahe an seinem Bier und rutschte mit über sein glühendes Gesicht gezogenem Cowboyhut noch tiefer in den durchgesessenen Campingstuhl. Seine Verlegenheit bekam glücklicherweise niemand mit. Ihm war, als ob sich die benzingetränkte Luft jeden Moment entzünden konnte. Nur ein winziger Funke würde genügen.

Am besten hielt er sich im Hintergrund und so weit wie möglich von der heißen Sängerin fern. Der lag die von den Kameras eingefangene Menge zu Füßen. Faszinierend, wie lammfromm die sonst so gefährlich aussehenden Biker auf einmal waren. Er konnte nicht anders – er musste sich die Show aus der Nähe ansehen, und in der nächsten Drehpause mischte er sich unters Volk.

Damit, dass die brünette Schönheit sich jedoch ausgerechnet ihn herausgreifen und ihn vor laufender Kamera aufs heftigste anflirten würde, hatte er jedoch nicht gerechnet.

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299 Wörter für diese aufgeheizte Momentaufnahme – da brennt nicht nur die Luft. Sondern auch so manche Sicherung einfach durch. Dumm nur für den jungen Mann, dass er für seinen unfreiwilligen Anteil an diesem Video nicht gesondert entlohnt worden ist.

PS: Der Fairness halber muss ich an dieser Stelle erwähnen, dass der letzte Satz über diesem Update meiner Fantasie entsprungen ist, im Gegensatz zu dem Video, das für meine Etüde Pate gestanden hat und das Werner Kastens netterweise in den Kommentaren zu dieser Etüde verlinkt hat.

The Corrs „Breathless“ – gefunden auf youtube: https://youtu.be/vzerbXFwGCE?t=0

ABC -Etüden – Woche 20 & 21 : Etüde 1 – Bella Italia

Die von Bernd und seinem Blog redskiesoverparadise gespendeten Wörter für Christianes ABC-Etüden lauten: Baracke – lau – widerfahren.

Was sich daraus wohl zaubern lässt?

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Bella Italia

„Was, in dieser Baracke sollen wir wohnen?“

Papa war fassungslos. Was hatte Erwin da denn bloß für eine Unterkunft an Land gezogen? So ein Pech konnte auch nur uns widerfahren: Die ganze Nacht waren wir durchefahren, hatten uns auf serpentinenreichen Landstraßen durch die Schweiz gequält, um die Maut zu sparen, und nun standen wir an einem lauen Sommerabend vor einem verwahrlosten Palazzo Prozzo auf einer Bergkuppe hoch über der italienischen Riviera. Den Urlaub mit Putzen zu beginnen, nach über fünfzehn Stunden Fahrt, kam für ihn einem Alptraum gleich, und Mama wollte gleich wieder fahren.

Bella Italia: Das Wetter war schön, aber die Laune im Keller. Kein Wunder, wenn man fünfzehn Anrufe brauchte, bis man endlich den Vermieter erreichte. Der konnte unser Problem gar nicht verstehen. Das feudale Anwesen war doch imposant und bot eine fantastische Aussicht, bei klarer Sicht sogar fast bis nach San Remo.

Was interessierte mich San Remo?! Alles was ich wollte, war ein Bett: Ich hätte auch das staubige unter der Treppe mit der muffigen Bettwäsche genommen, dass wir für den Weg zum Strand jedesmal das Auto gebraucht hätten, war mir in diesem Augenblick gleich. Genauso wie die meterhohe Glasfront, die wohl seit Jahren keinen Putzlappen mehr gesehen hatte. Onkel Karl und Tante Waltraud waren genauso angefressen wie Erwin, Liselotte und unseren Eltern – und meiner Schwester war es egal. Mit sieben zu eins war ich also überstimmt und musste mich wieder in unseren alten Opel setzen, mit dem es schließlich in unsere neue Unterkunft für den Rest der Ferien ging, aufgetrieben in letzter Minute, und unsere einzige Lösung mitten in der Hauptsaison: einen Bungalow für fünf Personen, zu Fuß nur eine halbe Stunde vom Strand entfernt – und mit netten, kontaktfreudigen Nachbarn.

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287 Wörter für eine Erinnerung an meinen ersten Italienurlaub während der Fußball-WM.

ABC -Etüden – Woche 18 & 19 : Etüde 3 – Elternabend

Habe ich wirklich gedacht, dass die drei neuen von Nina gespendeten Wörter (Korsett – rechtsdrehend – dampfen) für die aktuelle ABC-Etüde bei Christiane eine so harte Nuss sind?

Eine dritte Etüde hatte ich nicht geplant – und diesmal verschlägt es uns zurück in die Schule.

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Elternabend

Elternabende können sterbenslangweilig sein. Immer das gleiche Geschwätz von denselben Wichtigtuern, während allen übrigen die Hintern auf den unbequemen Stühlen einschliefen. Manfreds Meinung stand fest, mit Tatsachen brauchte man ihm nicht zu kommen – trotzdem musste er daran teilnehmen, weil Marlene erkältet war.

Als er losfuhr, dampfte das Wasser für ihren Inhalator, und nach undefinierbaren Kräutern duftende Schwaden durchzogen das ganze Haus. Vielleicht war es doch nicht so schlecht, diesen Abend außer Haus zu sein. Außerdem hatte das zentrale Thema des Abends, mit dem Marlene ganz zum Schluss herausgerückt war, seine Neugier geweckt: der Schulball, über dessen Motto sie heute abstimmen sollten.

Da hat wohl jemand zu viele Filme gesehen, ging es ihm bei den Vorschlägen durch den Kopf: „Zwanzigtausend Meilen unter dem Meer“, „Zurück in die Zukunft“ oder „Vom Winde verweht“ – vor seinem geistigen Auge zogen Tanzpaare in Uniform und Korsett auf dem Parkett vorbei, natürlich rechtsdrehend, denn links herum wurden den meisten beim Walzer schlecht. Schlecht wurde ihm auch, wenn er hochrechnete, was so ein Abend unter dem Südstaatenmotto kosten würde.

Zum Glück sahen das die meisten Eltern wie er, und so fiel die Wahl auf mit überwältigender Mehrheit auf „Zurück in die Zukunft“. Ein Ball im Stil der Fünfziger Jahre, mit Rock’n’Roll und Petticoats – und die passende Musik zu finden, wäre ein Kinderspiel.

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218 Wörter für eine Etüde aus einer ganz anderen Ecke, aus der vermutlich demnächst noch mehr kommen könnte.

ABC -Etüden – Woche 18 & 19 : Etüde 2 – Verkehrte Welt

Ein neuer Monat und damit neue Beiträge für die Etüdensammlung auf Christianes Blog – die aktuelle Wortspende Korsett – rechtsdrehend – dampfen stammt von Nina mit ihrem Blog , und die hübsche Grafik von Christiane

Etüde Nummer Zwei ist diesmal nur zu gefühlten fünf Prozent meiner Fantasie entsprungen.

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Verkehrte Welt

„Trau Dich!“ – Die Ansage war klar und deutlich: Komm raus aus deiner Bequemlichkeitsnische und raus ans Licht. Schließlich war das Teil zu teuer, um es im Schrank ein Dasein im Dunkeln fristen zu lassen.

Bisher hatte ich mein dunkelgrünes Korsett aus Samt vom Wave-Gotik-Treffen im Vorjahr nur privat getragen; nun sollte es seinen großen Auftritt bekommen. Am besten dort, wo man mich nicht kannte. Und welcher Ort war zum viktorianischen Flanieren besser geeignet als Windsor Castle? Hier stimmte nicht nur das Ambiente, sondern draußen auf den Bänken saßen auch noch unzählige Touristen aus aller Welt, wie die Hühner auf der Stange, an diesem ungewöhnlich warmen Märztag.

So warm, dass sie in ihren Steppjacken vor Hitze dampften – so viel zum Vorurteil gegenüber dem englischen Wetter: Zu Hause hatte es heftig geschneit, als wir uns auf den Weg zum Flughafen gemacht hatten, und hier grünte und blühte es bereits. Gut, dass ich mich rechtzeitig schlau gemacht hatte. Beseelt von der heißen Schokolade auf der anderen Seite der Themse, erhob ich mich würdevoll und schickte mich an, die Fahrbahn zu überqueren, wurde jedoch im letzten Moment zurückgerissen.

„Look right!“ schrie mein Retter – in England floss der Verkehr in entgegengesetzter Richtung. Da blickte man erst nach rechts, weil alle auf der anderen Straßenseite fuhren. Selbst in den vielen Kreiseln war man nicht links-, sondern rechtsdrehend unterwegs. Verkehrte Welt!

Gut, dass mein Retter mich gerade noch auffangen konnte, damit ich nicht zu Boden ging. Ja, so ein Schnürleib verlieh einem zwar eine wahrhaft königliche Haltung, aber er schränkte die Bewegungsfreiheit doch sehr ein – Rittern in voller Rüstung dürfte es nicht anders gegangen sein, wenn sie vom Pferd rutschten. Nächstes Mal, das schwor ich mir, würde ich meine Mutprobe an einem vertrauteren Ort ablegen.

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In 294 Wörtern aus dem Nähkästchen geplaudert. Meine „Mutprobe“ ist tatsächlich etwas anders gelaufen als hier beschrieben – dennoch habe ich die Blicke, die beim Vorbeiflanieren auf mich fielen, sehr genossen.

ABC -Etüden – Woche 18 & 19 : Etüde 1 – Erwischt

Ein neuer Monat und damit neue Beiträge für die Etüdensammlung auf Christianes Blog – die aktuelle Wortspende (Korsett – rechtsdrehend – dampfen) stammt von Nina mit ihrem Blog – und die hübsche Grafik von Christiane.

Hoffentlich ist das Substantiv in dieser Ausgabe kein Omen, denn für mich stellt besonders das Adjektiv eine harte Nuss dar, denn Raum für Interpretationen lässt es nicht viel zu. Aber weil Probieren über Studieren geht, übe ich mich in etwas neuem und bemühe längst verschollen geglaubtes Schulwissen aus dem Chemieunterricht.

Falls der „Held“ in dieser Etüde jemandem bekannt vorkommt – ich hatte ihm schon einmal einen Beitrag für den #writing friday gewidmet: Aus Rache (als ob ich damals schon geahnt hatte, dass dieses Jahr bei den Etüden ein Begiff aus der Chemie drankommen würde).

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Erwischt

Eigentlich ließ das Korsett aus unzähligen Regeln und Vorschriften in diesem Internat nur eine Alternative zu, nachdem ein Eindringling im verschlossenen Büro des Direktorats einen in der Zentrale von Secur-i-Net eingehenden Alarm ausgelöst hatte: den sofortigen Rauswurf.

Sie hätten es sich ja gleich denken können, dass es ausgerechnet der Schüler war, dessen Leistungen in Chemie auf den Nullpunkt zusteuerten und der deshalb zu dem ältesten Trick der Welt gegriffen hatte: Sich ins Büro schleichen, um dort die Fragen der nächsten Klausur abzufotografieren und sich dann besonders den Teil über links- und rechtsdrehende Milchsäuren einzuprägen.

Dummerweise war Julians Plan gründlich schiefgegangen, denn als er das Zimmer verlassen wollte, musste er feststellen, dass sich die Tür anscheinend von selbst verriegelt hatte und sich kurz darauf auch noch zu allem Überfluss Schritte näherten, die er leider nur zu gut kannte: Der Direx war im Anmarsch – jetzt war für Julian wirklich die Kacke am Dampfen, und er ohrfeigte sich innerlich, so blöd gewesen zu sein und das Highschooldrama für bare Münze genommen zu haben.

Eigentlich hätten sie ihn sofort hinauswerfen müssen, doch Herr Morgenstern, der Vertrauenslehrer, war ein Verfechter des Prinzips, dass jeder eine zweite Chance verdient hatte, auch Missetäter wie Julian Meister, der sich bisher noch nichts hatte zuschulden kommen lassen – jedenfalls nicht hier.

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In 213 Wörtern zum Erfolg – der diesmal nicht ganz so üppig ausfallen wird wie in der letzten Runde. Acht Etüden werde ich nicht toppen können. Und wie ich diesen kurzen Text in mein parallel laufendes Projekt einflechte, weiß ich auch noch nicht.

ABC -Etüden – Woche 16 & 17 : Etüde 8 – In Teufels Küche

Das Puzzle nimmt langsam Gestalt an – die aktuelle Wortspende (Pfanne, glücklich, trennen) von Doro für die Etüdensammlung auf Christianes Blog bietet ungeahnte Möglichkeiten, es zu vervollständigen.

Manchmal braucht es ein Ereignis wie in „Die Reklamation“ (Teil 1 und Teil 2) beschrieben, um voneinander getrennte Freunde wieder zusammenzubringen.

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In Teufels Küche

Tom hätte ja seinen bis dahin besten Kumpel ganz anders eingeschätzt, aber dass Andy ihm per WhatsApp schrieb, David hätte auch schon glücklicher ausgesehen, hatte ihm gezeigt, wie sehr Andy sich um den aus den Augen verlorenen Freund sorgte. Der einzige, der nicht wahrhaben wollte, wie es ihm wirklich ging, war David selber. Aber er war ja nun nicht mehr allein. Plötzlich isoliert zu sein, konnte einem schon zusetzen.

War das anstrengend gewesen, die Eltern davon zu überzeugen, dass an dem Schaden nicht Andy und David Schuld waren, sondern ganz allein Julian! Dass sie sich nach Andys Entdeckung in der Fußgängerzone nach und nach wieder zusammengerauft hatten, musste gefeiert werden – am besten mit einem Kurztrip nach New York.

„Doch warum so lange warten?“ hatte David eingeworfen.

Genau deswegen hatten sie sich an Andys Geburtstag, mitten im November auf dieses Escape-Room-Spiel eingelassen. Eine Stunde Zeit blieb ihnen, um den Ausgang zu finden. Sich zu trennen, um die Rätsel jeder für sich zu lösen, war nicht sinnvoll. Hier kam man nur gemeinsam ans Ziel – wie überaus passend. Zwei Drittel der Zeit lagen hinter ihnen, und sie waren bis jetzt auch gut vorangekommen. Wie gesagt, bis jetzt.

Teufels Küche – der Name war Programm: „Siedet die Teile in der Pfanne. Erratet ihr’s, heißt’s Volle Kanne.“

Was zum Teufel sollten sie hier sieden? Und sollten sie die Kanne wirklich wörtlich nehmen? Zefix, die Zeit lief ihnen so langsam aber sicher davon. So kompliziert hatten sie sich dieses Spiel nicht vorgestellt. Es war zum Haareraufen.

Es war David, der doch noch auf die richtige Lösung kam. Doch leider zu spät. Noch bevor er die dritte Zahl am Schloss in die Freiheit einstellen konnte, heulte die gefürchtete Sirene und erschütterte sie bis ins Mark, und damit auch ihre Hoffnung, das Spiel zu gewinnen.

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Und nochmal 300 Wörter (nein, mein Wortzähler ist nicht defekt) als Intermezzo für die Geschichte Nix zu verzollen (#writing friday, 6. Woche).