ABC-Etüden – Wochen 26 & 27 : Der Kölner Glühwein-Express

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Es ist Zeit für eine neue Etüde auf Christianes Blog mit maximal 300 Wörtern, in der die von stepnwolf gespendeten Wörter Reagenzglas – übermächtig – vergessen vorkommen sollen.

Die Illustration stammt von Christiane.

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Der Kölner Glühwein-Express

Mer losse de Dom in Kölle, denn da jehört er hin!“

Sein Kölsch klang schauderhaft. Ich hasse es, wenn Leute ungekonnt andere Dialekte imitieren. Hoffentlich sparte er sich solche Kamellen, wenn wir dort auf den Weihnachtsmärkten aufkreuzen, dachte ich, denn so würden wir uns hundertprozentig blamieren. In zwei Stunden in diesem Sonderzug konnte noch viel passieren, und Wetzlar hatten wir gerade erst hinter uns gelassen. Damit die Fahrgäste nicht auf dem Trockenen saßen, gab es für alle Glühwein und Kölsch gegen einen zivilisierten Obolus.

Zweifelnd warf ich einen Blick auf Tommys Tasse – den Glühwein darin wollte ich geschenkt nicht haben, denn bei dem Preis konnte man vernünftige Qualität vergessen. Die süße Plörre war ein Garant für Kater der besonders hartnäckigen Sorte. Dann doch lieber Kölsch. Aber das konnte er wiederum nicht verstehen: „Das Zeug schenken’s im Reagenzglas aus!“ lästerte er.

Oha, da hatte wohl jemand zu viel Michael Mittermeier geguckt. Inzwischen war er bei seinem dritten Glühwein. Seine Freundin Moni und ich schauten uns an, zwei Dumme – ein Gedanke: Nahezu übermächtig war unser Wunsch, ihn an den Sitz zu fesseln und auf Glühweinentzug zu setzen. Was natürlich nicht ging, und das sah Andy, der vierte aus unserer Clique, ähnlich. Nachschub, war seine Devise. Irgendwann schlummerte Tommy friedlich vor sich hin. Bis Köln wäre er hoffentlich wieder friedlich.

Darauf noch ein Kölsch, Moni!“ nickte ich seiner Freundin zu und stieß mit ihr an.

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Die Idee kam mir, weil bald die Adventüden losgehen – ich musste an eine Fahrt zum Kölner Weihnachtsmarkt vor sieben Jahren denken und an eine Bemerkung Michael Mittermeiers über die Ausschankgröße von Bier – alles in allem diesmal verpackt in 236 Wörter.

ABC-Etüden – Wochen 24 & 25: Glänzende Aussichten

Noch eine Etüde, diesmal mit einem ganz anderen Thema, gibt es heute von mir, nachdem ich schon eine mit exakt dreihundert Wörtern verzapft habe.

Zur Erinnerung: Für die Etüden der Wochen 24 und 25 mit maximal 300 Wörtern sind auf Christianes Blog die folgenden drei Wörter gespendet worden: Geräteschuppen – kupferfarben – feiern. Die Wortspende stammt von Susanne (https://books2cats.wordpress.com/) und die Illustration von Christiane

So richtig nett wird’s auch diesmal nicht:

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Glänzende Aussichten

Ach, und Eure Heldentat sollen wir jetzt auch noch feiern?“ Toms Vater war wütend. Was sein Sohn und dessen Freunde sich mit der gesprengten Massenparty geleistet hatten, war der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hatte. „Nix gibt’s, Freundchen.“

Seine Meinung stand fest. Dafür, dass das eigentlich harmlose Wochenende so aus dem Ruder gelaufen war, dass die Polizei mit mehreren Einsatzwagen hatte anrücken müssen, würde sein Sohn jetzt die Quittung bekommen. Hausarrest bis zum Ende der Ferien. Und damit Tom gar nicht erst auf die Idee kam, in dieser Zeit auf der faulen Haut zu liegen und stundenlang am Rechner zu zocken, hatte er sich eine besondere Aufgabe für ihn einfallen lassen: „Räum den Geräteschuppen auf.“

Nun stand Tom vor dem Chaos, das einmal wohl sortiert gewesen war. Zerbeulte Gießkannen lagen unordentlich in der einen Ecke, auf einem Balken dicht unter dem Dach hatten sich mehrere Rechen, Harken und Schaufeln ineinander verkeilt. Tom fluchte bei dem Gedanken, dass er aussehen würde wie ein Schwein, wenn der Rost dieser Gartengeräte auf ihn herab rieseln würde, sobald er sie auch nur anrührte.

Rostiges Gelump, einst kupferfarben, in seinen Augen nur ein Haufen Schrott, aber sein Vater war zu geizig, sich von dem alten Gerümpel zu trennen. Warum wegwerfen, wenn man es mit etwas Arbeit wieder zum Glänzen bringen kann. Eine Arbeit, für die Toms Vater den idealen Kandidaten gefunden hatte. Der Rest der Ferien würde im Nu verfliegen, spottete Tom. Ein Traum.

Wirklich, glänzende Aussichten!

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Diesmal waren es 246 Wörter.

ABC-Etüden – Wochen 24 & 25: Finale – oho!

Für die neue Etüde mit maximal dreihundert Wörtern sind auf Christianes Blog die folgenden drei Wörter gespendet worden: Geräteschuppen – kupferfarben – feiern. Die Wortspende kommt diesmal von Susanne  und die Illustration von Christiane:

Manchmal dauert’s etwas länger, bis die zündende Idee entsteht.

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Finale – oho!

Tag Zwei bei Shopping Queen. Am Finaltag sind wir bei Schmuckdesignerin Nicole, von ihren Freunden liebevoll Nicky genannt: ‚Glänzende Aussichten – sei der Hingucker in Metallic‘ lautet das Motto dieser Woche. Doch bevor Nicky heute mit Sandra, ihrer Shoppingbegleitung loszieht, begleiten wir sie nach draußen. Nicky hat sich für die anderen etwas besonderes ausgedacht. Die warten drinnen schon ganz gespannt.“

Ende der Durchsage. Statt der Stimme aus dem Off ist nun Nicky dran. Sie wirft sich vor dem Geräteschuppen in Pose und wiederholt den Spruch, der schon zu Beginn der Woche die Zuschauer „entzückt“ hat: „Ich werde Shopping Queen, weil ich das Gold zur Krone schon hier habe.“

Die Kamera zoomt Nicky heran und verweilt auf ihrem sonnenstudioverwöhnten Teint und der kupferfarbenen Spange an ihrem Arm.

Es ist nicht alles Gold, was glänzt“, säuselt die Stimme des Sprechers. Gut, dass Nicky ihn nicht gehört hat, denn das wird alles später für die spätere Ausstrahlung zusammengeschnitten.

So, Mädels, damit Ihr Euch nicht langweilt, habe ich vier Objekte versteckt“, verkündet sie. „Findet die Schmuckstückchen und bringt sie heute Abend an den Laufsteg mit.“

Nicky klimpert noch einmal betörend mit den Wimpern, dann wirft sie ihr wasserstoffblondes Haar neckisch über die Schulter und stöckelt beseelt zurück ins Haus. Während Kamera Eins ihr folgt, streift der zweite Kameramann durch den Garten und filmt die versteckten Ersatzkrönchen für Nickys Mitstreiterinnen, begleitet von einem Voice-Over mit Nickys bezauberndem Stimmchen:

Vier Krönchen für Sarah, Aylin, Dorothea und Kim – damit wir morgen bei Guido meinen Sieg gebührend feiern können.“

Die Quittung dafür bleibt nicht lange aus: „Wenn sich unsere angehende Königin des Einkaufsbummels damit mal nicht gnadenlos überschätzt. Warten wir es ab.“

Und damit ist auch die letzte Szene im Kasten, und die Sendung wird in ein paar Wochen über die Mattscheiben flimmern.

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Die Bosheit ist mein Hauptpläsier, drum hab ich 300 Wörter hier… und das Maximum voll ausgereizt.

ABC -Etüden – Extra-Etüde für die 23. Textwoche

Wegen des fünften Sonntags im Mai gibt es auf Christianes Blog eine Extra-Etüde – eine Fingerübung, bei der diesmal fünf von sechs vorgegebenen Wörtern in einen Text aus maximal 500 Wörtern eingebaut werden sollten – in welcher Form auch immer. Ob Lyrik, ob Prosa oder Sachtext – alles ist möglich. Die von Gerhard (Blog „Kopf und Gestalt“) und Olpo Olponator gespendeten Wörter lauten:

Katamaran großspurigtotschweigen / Zeitplan schlimmfallen

Die Illustration von Christiane fasst das Wesentliche zusammen:

Schiff Ahoi, kann ich da nur sagen…

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Port Reagh, 22. Januar 2020

Sehr geehrter Herr Rossetti,

Vielen Dank für das Interesse, das Sie an dem Törn mit unserem Katamaran entlang der Hebriden gezeigt haben. Die Anzahl der eingehenden Bewerbungen war groß, und nach eingehender Prüfung haben wir uns dafür entschieden, Sie als Skipper zu engagieren. Die „Mara“ bietet Platz für insgesamt zehn Personen, und der Zeitplan lässt genügend Raum für Ausflüge zu besonderen Orten auf den Inseln, wie z.B. den Steinkreisen auf Lewis und Uist oder dem Old Man of Storr auf Skye.

Wir stechen am 25. Mai in See, und falls Ihnen einer der Vorbereitungstermine nicht zusagt, so ist das nicht schlimm. Sie wissen ja selbst, dass es nicht einfach ist, alle Teilnehmer unter einen Hut zu bekommen. Zu Ihrer Information habe ich die Liste aller Termine auf einem Extrablatt diesem Schreiben beigefügt. Die meisten fallen auf einen Samstag. Ich denke, das sollte für Sie kein Hindernis darstellen.

Wir freuen uns, Sie bei den geplanten Treffen näher kennenzulernen und bald an Bord begrüßen zu dürfen.

Mit freundlichen Grüßen

Anne K. Bunt

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Nun war das Schreiben unterwegs. Die anderen neun ebenso. Nicht umsonst hatten sie Herrn Rossetti ausgesucht. Die Privatsekretärin lächelte in sich hinein. Es war ein von langer Hand geplantes Unterfangen mit einigen Anlaufschwierigkeiten gewesen. Schließlich wollte die Zusammenstellung einer solchen Crew wohlüberlegt sein. Zumal ihr Auftraggeber niemals den sicheren Hafen verlassen, sondern von der Ferne die Fahrt der Mara überwachen würde. Ein- oder zweimal war sie versucht gewesen, ihren Auftraggeber zu bitten, von dem Vorhaben abzulassen. Doch sie musste sich nur jenen Indizienprozess ins Gedächtnis zu rufen, und sie war wieder auf Kurs.

Wie großspurig Rossetti damals in diesem Indizienprozess aufgetreten war! Mit einem Victoryzeichen der ausgestreckten Finger seiner linken Hand und einem verächtlichen Lächeln auf den Lippen, der feine Herr Staatsanwalt. Er war der perfekte Kandidat, genau wie die neun anderen, um die es ebenfalls nicht schade war, wenn die Mara auf ihrem Kurs in Richtung Orkneys langsam vom Radar verschwinden würde.

Das Meer mit seinen unergründlichen Tiefen würde diesen Akt der Vergeltung totschweigen.

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Simsalabim – 345 Wörter. Ich habe trotzdem alle sechs Wörter untergebracht. Und nicht immer muss man das Maximum ausreizen.

 

ABC -Etüden – Wochen 21 & 22 : Der Mann Deiner Träume? – Ällabätsch !

 

Noch ’ne Etüde, und siehe da: Es geht noch kürzer. Die Fingerübung, bei der drei Wörter in einen Text aus maximal 300 Wörtern eingebaut werden sollen, ist etwas, das mir unglaublichen Spaß macht, seit ich sie auf Christianes Blog entdeckt habe. Die Wörter, die von Gerhard (Blog „Kopf und Gestalt“) vorgegeben wurden, lauten: Zeitplan – schlimm – fallen

Daraus lässt sich bestimmt was tolles backen, äh, basteln… Die Illustration stammt übrigens von Christiane:

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Der Mann Deiner Träume? – Ällabätsch !

Als Single auf eine Party eingeladen zu werden, hat schon seltsame Seiten: Pärchen, aufgepaßt! Nehmt Euch in acht! Frauen, bringt Eure Männer in Sicherheit – die Singlefrau ist im Anmarsch und hat es auf alles abgesehen, was nicht bei Drei auf dem nächsten Baum ist. Oder so. Ich weiß ja nicht, was in den Köpfen mancher Leute vorgeht, aber seit ich wieder alleinstehend bin, werde ich nur noch selten auf Feten eingeladen. Das ist nicht nur nervig, sondern sogar richtig schlimm. Wenn ich dagegen jemanden mitbrachte…

Aber wer sollte das sein? Steffi, die mich für den kommenden Samstag zu ihrer Einweihungsparty in ihre neue Wohnung eingeladen hatte, war der Meinung, dass der richtige Mann für mich erst noch gebacken werden müsste. War ich wirklich so wählerisch? Einen Mann backen? Es gibt Sprüche, mit denen kann man mir echt auf die Nerven fallen. Aber halt! Plötzlich hatte ich eine Idee.

816544… Steffis Nummer wusste ich auswendig. Mit gespielter Arglosigkeit flötete ich ihr durch den Hörer die Frage entgegen, ob sie etwas dagegen hätte, wenn ich noch jemanden mitbrächte. Warum auch nicht, antwortete sie und fragte sich bestimmt, wer das wohl sein könnte. Grinsend legte ich auf.

Jetzt konnte ich beruhigt in die heiße Phase durchstarten. Alles was ich dazu brauchte, waren noch die richtigen Zutaten, mit denen mein Plan konkrete Formen annahm. Mein Anruf, der zwischen der Entstehung meines Plans und der Party lag, kam wie immer auf den letzten Drücker, doch noch lag ich gut im Zeitplan.

Steffi würde staunen, wenn sie Schrödi zu Gesicht bekam – ein wahrer Prachtkerl aus Hefeteig und Rosinen. Ein Mann, den ich mir selbst gebacken hatte.

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Do-it-yourself, lautet meine Devise. Mit 272 Wörtern.

ABC -Etüden – Wochen 21 & 22 : Die Maschine

 

Wir haben Mitte Mai, und auf Christianes Blog gibt es eine neue Etüde – eine Fingerübung, bei der drei vorgegebene Wörter in einen Text aus maximal 300 Wörtern eingebaut werden sollten – in welcher Form auch immer. Ob Lyrik, ob Prosa oder Sachtext – alles ist möglich. Ich habe mich mal wieder für die mir liebste Textform entschieden: eine Kurzgeschichte, in die ich die von Gerhard (Blog „Kopf und Gestalt) gespendeten Wörter eingebaut habe. Sie lauten:

Zeitplan
schlimm
fallen

Ein Gedicht schreibe ich diesmal übrigens nicht auch noch, denn ich habe andere Pläne. Die Illustration stammt übrigens von Christiane:

Und nun geht es auch schon los mit einer Momentaufnahme, die die Obergrenze von 300 Wörtern komplett ausreizt.

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Die Maschine

Diese Sauklaue ist echt schlimm! Wer soll denn das lesen können? K.Mahoney, K.Mallory, K.Marley… dieses Geschmiere könnte alles mögliche heißen.“

Julia seufzte genervt. Die Unterlagen waren ein Chaos, die Steuer machte sich nicht von selbst, und die Kaufabrechnung für die Harley würde dem Finanzamt sicherlich nicht gefallen, wenn weder Name noch Adresse leserlich darauf ausgewiesen waren. Noch lagen sie gut im Zeitplan, aber wenn noch mehr solche Highlights auf sie warteten, sah sie schwarz. Sie würde wohl Max danach fragen müssen. Der hatte die Maschine schließlich angeschleppt, aber der wäre erst wieder am Samstag da.

Eine tolle Aufgabe hatte sie sich mit diesem Chaosbüro aufgehalst. Berge von Papier: Das war keine Zettelwirtschaft mehr, sondern eine ausgewachsene Gastronomiekette. Bildlich gesprochen. Sie hatte jetzt schon keine Lust mehr, und dabei war erst Montag. Aber à propos Gastronomie. Ein Kaffee wäre jetzt schön. Während die schwarzbraune Flüssigkeit in der altersschwachen Kaffeemaschine vor sich hin blubberte, ließ Julia ihren Blick durch die Glasscheibe der Trenntür zwischen Büro und Werkstatt fallen.

Da stand die Maschine, an der Chris jetzt schon seit Wochen herumwerkelte. Max hatte sie zu einem Spottpreis erworben. Ein unschlagbar günstiges Angebot, hatte er gesagt; ob das Teil aus einer Konkursmasse stammte oder aus einem Nachlass, entzog sich ihrer Kenntnis, spielte aber auch keine Rolle. Vermutlich war das Bike weit unter Wert zwangsversteigert worden, und so wie sie Max einschätzte, würde er es mit einem satten Gewinn weiterverkaufen, wenn Chris mit seiner Arbeit fertig war. Ach ja, seufzte sie, manche Dinge änderten sich eben nie.

Wozu leider auch gehörte, dass sie nie selbst in den Genuss einer Fahrt darauf kommen würde. Selbst wenn er nur die üblichen Kosten auf den Kaufpreis drauf rechnete, würde die Harley für Julia nur ein Traum bleiben. Ein Traum in Rot und Silber, maßangefertigt, für wen auch immer.

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Falls die Personen in dieser Momentaufnahme jemandem bekannt vorkommen: Ja, es sind die gleichen wie in einer meiner letzten Etüden, denn das hat einen Grund. Während eines anderen Projekts, bei dem ich seit letztem Sommer mitmache, habe ich kurze Storys geschrieben, die zum Teil aufeinander aufbauen und sich aufeinander beziehen; und mir schwebt vor, daraus ein Buch zu machen.

Der grobe Plan steht bereits, nun fehlen nur noch eine ganze Reihe von Kapiteln, eine sinnvolle Reihenfolge und ein gewisses Feintuning.

 

 

ABC -Etüden – Wochen 19 & 20 : Sommergedicht

 


Übung macht den Meister, vor allem wenn ich einen neuen Versuch unter dem Motto „Fasse Dich kurz“ bei den abc-Etüden auf Christianes Blog wage: diesmal mit einem Gedicht aus maximal 300 Wörtern, in dem die von Olpo Olponator gespendeten Wörter „Katamaran“, „großspurig“ und „totschweigen“ vorkommen.

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Sommergedicht

Ein Sommertag…  ich seh Dich winken
an diesem See. Dort schwimmt ein Schwan
Du lädst mich ein, etwas zu trinken
mit Dir auf dem Katamaran.

Großspurig habe ich verkündet
„Bestimmt gibt’s jemanden da draußen
denn heißt es nicht ‚wer sucht, der findet?‘
– den Fernsehabend lass ich sausen“

Nun ist er da, der Augenblick
Dein Bild, es sprach mich an.
Von nun an gibt es kein Zurück
bei diesem Traum von einem Mann.

Ein Traum, zu schön um wahr zu sein,
das dachte ich, als ich Dich sah.
Nicht immer aber trügt der Schein
und ich bin Dir so nah.

Ein Rendez-vous auf einem Boot
gab’s immer nur in meinen Träumen
Nun steh’n wir hier im Abendrot
und nähern uns unter den Bäumen.

Du siehst mich an, reichst mir die Hand
mein Glück kann ich nicht fassen.
Du führst mich über diesen Strand
und kannst den Blick nicht von mir lassen

Vergessen hab ich Zeit und Raum,
Musik schwingt durch die Lüfte
Ich wand’le mit Dir wie im Traum
und schwebe durch die Blumendüfte.

Beseelt betrete ich die Planken
und fühle mich leicht schwummerig,
der Weg an Deck beginnt zu schwanken.
Im Kerzenlicht wirkt alles schummerig.

So schlidd’re ich, verlier den Halt,
entgleite Dir und fall‘ von Bord,
stürze ins Wasser, elend kalt.
und hasse diesen finst’ren Ort.

Du traust Dich nicht, mir nachzufolgen.
Mein Traumgebilde, es stürzt ein.
Ernüchtert fall‘ ich aus den Wolken:
Mein Rendez-vous sollt‘ wohl nicht sein.

Mein Date, es war mir nicht vergönnt,
an jenem Tag am See.
Totschweigen bis in den Advent
sollt‘ ich’s, wenn fällt der Schnee.

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Für den Schrifttyp kann ich nichts, der hat sich bei dieser Formatierung automatisch gezogen. Die Illustration zu meiner 268 Wörter kurzen Etüde stammt diesmal von mir.

ABC -Etüden – Wochen 19 & 20 : Gefährliche Brandung

 

Es ist Zeit für neue Etüden – drei neue Begriffe sind auf Christianes Blog erschienen, und aus denen gilt es einen Text mit maximal 300 Wörtern zu schreiben. Sie lauten

Katamaran – großspurig – totschweigen

und wurden gespendet von Olpo Olponator. Ein maritimes Thema – lasst Euch überraschen, welches Seemansgarn ich heute gesponnen habe.

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Gefährliche Brandung

Die Planken knarrten – sie hatten ihr Ziel erreicht: Julia, Chris und Tim. Max kam als letzter mit den Tickets hinzu. Vor ihnen war er, der Katamaran – die größte Schiffschaukel weit und breit.

Großspurig hatte Max alle eingeladen und sich gebrüstet, dass dieses Karussell das einzig Wahre sei: nichts gegen den Klabautermann, aber hiermit konnte eine popelige Geisterbahn nicht mithalten. Für Max, den Meister der Achterbahnen, war die große Stunde gekommen; schon, weil er nun endlich seinen Bruder und Julia miteinander verkuppeln konnte. Er musste nur noch sicherstellen, dass Tim ihm nicht dazwischenfunkte.

Kaum hatten sie Platz genommen, läutete es, und der Katamaran setzte sich in Bewegung. Chris erbleichte. Max lächelte in sich hinein; er wusste, gleich griff Julia nach dessen Hand, um ihn zu beruhigen. Der Rest war ein Kinderspiel. Schlecht konnte seinem Bruder nicht werden, er hatte ja nichts gegessen, dafür hatte Max gesorgt. Schade nur, dass Chris nun nicht mehr in den Genuss der Tintenfischringe kommen würde, denn die letzte Portion hatte Max ergattert. Aber vielleicht warteten ganz andere Genüsse auf ihn. Man konnte nie wissen, was der Abend noch brachte. Der Katamaran nahm Fahrt auf.

Die Tintenfischringe rollten… mit jedem Schwung der Schaukel wurde ihm immer sonderbarer. Windstärke 6. Kalter Schweiß auf der Stirn: Julia sah ihn besorgt an. Er gefiel ihr gar nicht, mit jeder Woge wurde er blasser. Windstärke 9 – Sturmtief. Max‘ Gesicht war so grün wie wogendes Seegras. Gleich brach er zusammen – im Auge des Sturms.

Schiffschaukel mit Überschlag.

Nein, doch nicht. Zum Glück ebbte die Brandung ab. Der Tsunami war ausgeblieben, doch nur Chris und Julia waren heil davongekommen. Mit Max war nichts mehr anzufangen. Und Tim? Der war genauso blass, doch wenn er klug war, würde er dieses Erlebnis genauso totschweigen wie sie.

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Die Illustration zu meiner 295 Wörter kurzen Etüde stammt diesmal von mir.

 

 

 

 

 

 

 

ABC -Etüden – Wochen 17 & 18 : Room Service

Das Thema lässt mich anscheinend nicht los. Auf Christianes Blog habe ich gelesen, dass manche Etüdenschreiber richtig fleißig sind und weitaus mehr als eine Etüde schreiben. Und nachdem ich mit den von Myriade gespendeten Wörtern meine eigenen Reiseerinnerungen niedergeschrieben habe, habe ich mich an eine weitere Etüde mit den folgenden Wörtern gesetzt:

Teppich – gläsern – flattern

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Room Service

Gina betrat die Lobby. Die Schlüsselkarte in der Brusttasche ihres Trenchcoats pochte gegen ihr Herz. Noch zwölf Stockwerke mit dem Hotelaufzug, und sie stünde in dem langen Gang. Dort angekommen, gab es kein Zurück mehr. War der Boden gefliest oder mit weichem Teppich ausgelegt? Vorsichtshalber zog sie die Sandaletten aus. Besser, man hörte sie nicht. Der gläserne Mensch, rumorte es in ihr, und Steven war am gläsernsten.

Vertrauen gegen Vertrauen? Dass einmal ihre guten Vorsätze davon flattern würden, hätte sie sich nie träumen lassen. Aber er war ja auch selbst schuld, wenn sie sein Laptop mitbenutzen durfte und er seine Mailbox offenstehen ließ. Mit dieser einen, nicht gelöschten Mail. Von Jessica. Zimmer 1218.

1233: Die Schuhe wippten in ihrer Hand. 1228: Lautlos zählte sie die Nummern auf den Zimmertüren. 1223: Fünferweise abwärts. 1218: Da war es. Endlich. Steven würde Augen machen und sein blaues Wunder erleben, wenn sie das Zimmer betrat und nicht seine heimliche Affäre.

Room Service“ flötete sie mit verstellter Stimme das Codewort, bevor sie die Karte durch den Schlitz zog. Sie konnte sich schon vorstellen, wie er sich auf dem Bett verführerisch in Pose warf. Gina sog die Luft ein und öffnete die Tür, bereit für seine vor Entsetzen erstarrten Gesichtszüge, wenn er sich der falschen Frau gegenüber sah, und im Geiste rieb sie sich schon die Hände.

Das Triumphieren in ihrem Gesicht erstarb, als sie die Rosen und den Champagner erblickte und er sie mit seinem strahlendsten Lächeln begrüßte: „Hallo Gina. Schönen Valentinstag, Schatz. Tritt ein. Ich habe Dich schon sehnsüchtig erwartet.“

Volltreffer! Der Tip seines besten Freundes mit der gefälschten Mail war nicht der dümmste Schachzug gewesen, um seiner Liebsten einen Denkzettel für ihre Neugier zu verpassen und gleichzeitig herauszufinden, wieviel ihr noch an ihm lag und wie weit sie gehen würde.

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Eine kleine boshafte Rachefantasie mit 297 Wörtern: Ich nähere mich der 300er-Marke. Die Illustration mit dem Teppich wurde von Christiane zur Verfügung gestellt.

ABC -Etüden – Wochen 17 & 18 : Sky High

 

Noch bis Ende Juni erscheinen alle 14 Tage auf Christianes Blog drei neue Worte zum Bilden einer Etüde – eines Textes, der aus höchstens 300 Wörtern bestehen soll. Die diesmal von Myriade gespendeten Wörter lauten:

Teppich
gläsern
flattern

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Sky High

Next Stop CN-Tower!“ erklang die Stimme der Reiseleiterin, als sie während der Fahrt um unsere Aufmerksamkeit bat. Im Gegensatz zu den anderen, die in Gedanken schon im Hotel beim Umkleiden für den Abschiedsabend waren, wusste ich, dass daraus nichts werden würde. Von Niagara on the Lake ohne Zwischenstopp ans Ziel, das hatte sie uns schon am Anfang verkündet, aber das hatte die Mehrheit unserer Reisegruppe wieder vergessen.

Ja, heißt das, dass wir so, wie wir jetzt sind, dort zu Abend essen?“ fragte jemand fassungslos.

Yo, ergänzte ich in Gedanken, genau das heißt es. In Wanderklamotten. Und alle Eure schicken Sachen sind in den Koffern auf dem Weg zum Hotel, und Ihr seht sie erst nach dem Dinner. Was Ihr wüsstet, wenn Ihr gestern hingehört hättet. Also bleibt mal schön auf dem Teppich.

Wenn jemand Grund zur Aufregung hatte, dann ich. Weil ein Essen im Drehrestaurant hoch über Toronto für mich etwas Besonderes war, hatte ich mich ganz bewusst in Schale geworfen. Meinetwegen konnten die anderen underdressed sein und sich über mein Outfit wundern – mich als aufgeregt zu beschreiben, war stark untertrieben: Ich spürte meine Nerven flattern, aber nicht wegen des edlen Ambientes oder meines ausgesprochen sympathischen und attraktiven Tischnachbarn, sondern wegen der Aussichtsplattform in 350 Metern Höhe mit ihrem gläsernen Boden. Schon beim Gedanken an den Blick, senkrecht nach unten, wurde mir ganz anders.

Entspann Dich, Du hast schon ganz andere Hürden gemeistert, versuchte ich, mich zu beruhigen. Und tatsächlich: Lag es am Drei-Gänge-Menü, an der Konversation mit den anderen oder gar an dem langsam vorbeiziehenden Panorama? Dieses Dinner brachte mich auf andere Gedanken. Gewappnet schritt ich zur Tat und betrat den gefürchteten Boden, ohne meine hochhackigen Sandalen.

Barfuß auf Glas – es war ein herrliches Gefühl.

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Eine Reiseerinnerung mit 290 Wörtern, die Illustration mit dem Teppich, die mich dazu inspiriert hat, wurde von Christiane zur Verfügung gestellt.