ABC-Etüden 2022 – Wochen 3&4 : Etüde 3 – Die Herausforderung

Willkommen zur dritten Runde mit der Wortspende zu Christianes ABC-Etüden von Stachelbeermond (Wackelpudding, unverdrossen und knistern) – mit einem Blick hinter die Kulissen eines von mir abonnierten Youtube-Kanals und einem Assistenten, der aus dem Nähkästchen plaudert.

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Die Herausforderung

Willkommen in unserer Experimentalküche. In unserer neuesten Episode werde ich Basti vor eine ganz neue Herausforderung stellen, nachdem er Ramen mit Shrimpsgeschmack erfolgreich nachgebaut hat und ihm das zu einfach gewesen ist. Unverdrossen beharrt unser Star darauf, dass er endlich mal eine knifflige Aufgabe bekommen möchte, und deswegen gibt’s trotzdem wieder etwas Süßes, auch wenn er darauf schon lange keine Lust mehr hat. Ta-daa! Purpur-orange-türkisen Wackelpudding aus dem Hause Professor Plörrer mit dem klangvollen Namen „Galaktika“, ein schreiend bunter Glibber aus dem Baltikum. Der Partyspaß mit dem gewissen Etwas.

Nein, mit Wodka habe ich das Pulver nicht angerührt. Das wäre ja zu einfach und außerdem nicht vereinbar mit dem Verhaltenskodex unseres Youtubekanals im Auftrag des öffentlich-rechtlichen Fernsehens mit Bildungsauftrag. Auf seine Grimasse, wenn der Puddingkern auf seiner Zunge zu knistern anfängt, freue ich mich jetzt schon.

Knallbrause, mit Zucker umschlossene Kohlenstoffdioxidbläschen: Einem gelernten Lebensmittelchemiker wie ihm dürfte ihm das prickelnde Extrabonbon nicht schwer fallen. Doch was ihm wirklich zu schaffen machen wird, sind Geschmack und Farbe des geleeartigen Desserts mit der extrem künstlichen Geschmacksnote.

Dank einer neuen EU-Vorschrift sind bestimmte Zusatzstoffe der E-Klasse in Lebensmitteln nämlich nicht mehr erlaubt, und nun wünsche ich ihm ganz viel Spaß beim Nachahmen des Mango-Wildkirsch-Curaçao-Aromas und erwarte, dass ihm bei dieser Aufgabe der Kopf ordentlich raucht. Aber wie ich ihn kenne, wird er die passenden Tinkturen und Pülverchen auftreiben und mir einen Nachbau kredenzen, der sich gewaschen hat. Ich hoffe nur, das Resultat wird nicht zu gruselig, denn schließlich bin es ja ich, der es im direkten Vergleich mit dem Original verkosten darf.

So, und jetzt trinke ich mir erst mal Mut an, als Gast in Tinka Krauses regionalem Lifestylemagazin „dreisam.de“, in der sie heute Weingütern in ausgewählten badischen Steillagen einen Besuch abstattet.

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Ein Monolog in 288 Wörtern als Hommage an die ZDF-Sendung „Besseresser“, in der kulinarische Produkte aus dem Supermarktregal wie Benjamin-Blümchen-Torte, veganer Käse oder besagte Instantnudeln von einem Experten, der die Tricks der Lebensmittelindustrie kennt, nachgebaut werden.

ABC-Etüden 2022 – Wochen 3&4 : Etüde 2 – Glückskeksmomente

Wusste ich doch, dass man aus der Wortspende von Stachelbeermond (Wackelpudding, unverdrossen und knistern) zu Christianes ABC-Etüden noch mehr machen kann. Begeben wir uns heute zu einem frei erfundenen Abend unter Freunden.

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Glückskeksmomente

„Glück ist wie Wackelpudding. Es braucht kaum Zutaten und dennoch nicht greifbar.“

Grinsend studierte ich den Spruch auf hauchdünnem Papier, während im Hintergrund die von Jan aufgelegte Schallplatte knirschte und knisterte. Die vertrauten Klänge seiner Lieblingsband verstärkten die Behaglichkeit, die während des üppigen Mahls in unsere Runde eingekehrt war, obwohl Depeche Mode nicht zu dem passte, was er uns aufgetischt hatte: thailändische Spezialitäten, zubereitet von unserem Freund, der neuerdings einen Sieben-Länder-Kochkurs besuchte und uns mit seinen Erfolgen beglücken wollte.  

Dies war nun der dritte Abend, und noch vier weitere würden folgen, und ich sah ihnen mit gemischten Gefühlen entgegen. Nichts gegen Jan und seinen unverdrossenen Enthusiasmus, aber nachdem das italienische Menü misslungen und beim indischen Abend dank zu viel Chili das Mutton Korma zu Vindaloo eskaliert war, hatte ich vor diesem Abend förmlich gezittert und mich schon mit einer aus den Fingern gesogenen Krankheit entschuldigen wollen, aber das hatte ich dann doch nicht übers Herz gebracht.

Und nun? Saßen wir hier und sezierten unsere Glückskekse, erleichtert, dass der große GAU ausgeblieben war. Jetzt fehlte nur noch das Dessert. Wenn das auch so gut war, wie würde dann erst das australische Barbecue zum Abschluss der Länderserie werden?

„Ladys and Gentlemen, Sie haben die Wahl“, verkündete Jan vollmundig, „landestypisches Obst oder Bananen-Pancakes mit Mangoklebreis“.

Mangos, Ananas, Feigen: Begeistert übertönten sich meine Freunde gegenseitig und harrten ehrfürchtig der Dinge, die sich gleich ereignen würden. Ich war schon gesättigt genug und erbot mich, auf dem Rückweg vom Stillen Örtchen den Pflaumenwein aus der Hausbar mitzubringen.

Als ich die Tür zum Speisezimmer öffnete, bot sich mir ein grauenerregender Anblick: Die eben noch so fröhliche Tischrunde hing schnaufend und keuchend am aufgerissenen Fenster und schnappte stöhnend nach Luft, während die mitten auf dem Tisch prangende aufgeschnittene Durianfrucht aus ihrem puddingähnlichen Inneren einen infernalischen Duft verströmte.

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300 Wörter für den Partycrasher, dessen Mitnahme in den öffentlichen Verkehrsmitteln Singapurs verboten ist. Laut Wikipedia lösen die Früchte gelegentlich Alarme wegen angeblich undichter Gaslecks aus, so geschehen an der Universität von Canberra, als eine in der Bibliothek zurückgelassene Frucht zu einem Feuerwehreinsatz führte.

ABC-Etüden 2022 – Wochen 3&4 : Etüde 1 – Lauras Stern

Die Wortspende zu Christianes ABC-Etüden stammt diesmal von Stachelbeermond und besteht aus den Wörtern Wackelpudding, unverdrossen und knistern. Bei dieser Kombination wird es womöglich nicht bei nur einer Etüde bleiben.

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Lauras Stern

„Woher weißt Du, dass es Liebe ist?“

Lauras Frage traf sie unvorhergesehen, aber so war es schon immer gewesen. Ihre Freundinnen, die ihren Rat suchten bei den abenteuerlichsten Fragen. Und nun war sie da, die eine Frage, bekannt aus unzähligen Songs, Filmen und Romanen, und von der sie nicht erwartet hatte, dass ausgerechnet ihre „kleine“ Schwester sie ihr stellen würde. Was sollte sie ihr bloß sagen?

Wenn es knistert, sobald er den Raum betritt, und Du glaubst, nicht mehr atmen zu können? Wenn bei seinem Anblick Dein Herz schneller schlägt und Du Dich fühlst, als wären nicht nur Deine Beine aus Wackelpudding, sondern auch Dein Gehirn?

„Ich meine, tatsächlich Liebe und nicht bloß eine Phase.“

Oooookay, jetzt hatte sie ein Problem: Der Kummerkasten war geschlossen und verweigerte die Annahme von weiteren Anfragen. Phase? War dieser ominöse Max, den sie nie kennenlernen durfte, etwa schon wieder Geschichte und Laura schwärmte heimlich für einen neuen, ohne dass jemand davon etwas mitbekommen hatte? Angestrengt durchkämmte Cora ihre kleinen grauen Zellen, doch ihr fiel nicht einmal eine Gegenfrage ein, mit der sie Laura aus der Reserve locken konnte.

„Wenn Du unverdrossen seine Nähe suchst, obwohl er sich Dir nicht offenbart.“

Zweifelnd starrte Laura sie auf diesen halbherzigen und geschraubten Erklärungsversuch hin an. Mist, so ging es nicht. Da half nur noch eine geballte Ladung Kitsch?

„Wenn Du Dir eine gemeinsame Zukunft in den schönsten Farben ausmalst oder Du nachts dem hellsten Stern seinen Namen gibst…“

Wenn sie ihr damit mal keinen Floh ins Ohr gesetzt hatte. Das fragte sich Cora noch Stunden später, als sie vom Gassigehen zurückkehrte und ihr Laura mit einem sternenübersäten Briefkuvert in der Hand entgegenkam. Ein Brief, den sie geschrieben haben musste, nachdem sie so plötzlich in ihrem Zimmer verschwunden war und der an ihre beste Freundin Lucy adressiert war.

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300 Wörter für eine Szene, in der schwesterlicher Rat lieb und teuer ist, aber vielleicht doch nicht ganz der richtige war.

ABC-Etüden 2022 – Wochen 1&2 : Etüde 4 – Neulich, auf youtube …

Diesmal besteht mein Beitrag zu den ABC-Etüden bei Christiane mit den von Ludwig Zeidler gespendeten Wörtern Hoffnungsschimmer, unverzeihlich und nähen aus einem Dialog, bei dem sich beide Personen, mit U und F abgekürzt, gegenseitig nichts schenken, auch wenn es nicht so aussehen mag. Ich schätze, bei dem Anblick hat das Fangirl in mir aus dem Hinterhalt zugeschlagen.

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Neulich, auf youtube …

(♪ Laute Musik ♪) (dröhnender Applaus, grelles Scheinwerferlicht) (♪ „… you might know of the original sin…“ ♪)

U: Hm. Ich hab mir doch neulich diesen Stoff mit Sternen-Print gekauft. Fünfzackig. Schwarzweißen Streifenstoff hätte ich auch noch irgendwo.

F: Und?

(Großaufnahme der Band: Sänger wird in die Totale gezoomt. Aufgeregtes Gefuchtel von U zum Bildschirm hin)

U: Na, die Hosen! Die waren schon bei Nena der Hit! Oder bei der Tochter von Mick Jagger. Einen Bikini in dem Stil könnte ich mir auch gut vorstellen…

(genervtes Augenrollen von F)

F: Waaaas? Dieses scheußliche Teil willst Du Dir nähen? Für die nächste Bad-Taste-Party oder was?

(Mit dieser Reaktion hätte U nun wirklich nicht gerechnet)

U: Warum nicht? Ich find die mega-cool. Und außerdem: Einen schönen Menschen entstellt nichts!

(♪ „and wake up to a brand new day“ ♪) (Großaufnahme von vorne)

F: Schönen Menschen? Ach, geh fort! Damit kannst du höchstens zum Fasching gehen oder an Halloween Leute erschrecken. Fehlt nur noch das scheußliche Hemd vom Schluss des Konzerts.

(Jetzt reicht es U. Wen interessiert, ob’s zusammenpasst oder nicht? So eine anderthalbstündige Show unter grellem Scheinwerferlicht in langärmeligen Bühnenoutfits ist extrem schweißtreibend. Da sollte man schon darauf achten, dass man sich hinterher gut abtrocknet und etwas frisches überwirft, um sich nicht zu erkälten oder einen Zug zu holen, auch wenn’s mitten im Juli ist. Einheitliche Farben und Muster sind ohnehin total überbewertet. Und sie erkennt: Jeglicher Hoffnungsschimmer, dass F ihre Begeisterung teilt oder sich dumme Kommentare bei Videos ihrer Lieblingsband verkneift, verweht in diesem Augenblick wie Asche vom Holzkohlengrill nach dem letzten Barbecue).

U: Weißt Du was? Geh Du doch fort. Dein Geläster ist unverzeihlich. Damit kannst Du einem die ganze schöne Stimmung kaputtmachen. Dann schau ich mir in Zukunft meine Band halt ohne dich an.

(Was sie fortan auch tat).

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Die Diskussion in dieser 300 Wörter langen Szene habe ich aus dem Stegreif frei erfunden. Die Hose (im Mittelalter nannte man diese Aufteilung mi-parti) gab es jedoch wirklich, und zwar in diesem Video auf youtube.

ABC-Etüden 2022 – Wochen 1&2 : Etüde 3 – Der Bär

Im Prinzip hätte ich die Schauermär um Doktor Victor Frankenstein, der in einem Schweizer Bergdorf die Nachfolge des alten Landarztes antritt, auch weiterspinnen können; aber dann hatte ich eine andere, nicht weniger gruselige Idee, die zu meinem dritten Betrag zu den ABC-Etüden bei Christiane geführt hat – dabei fand ich es gar nicht so einfach, die von Ludwig Zeidler gespendeten Wörtern Hoffnungsschimmer, unverzeihlich und nähen möglichst abwechslungsreich miteinander zu verbinden.

Wer sich eventuell von der Kombination aus Kindern und Grusel getriggert fühlt, sollte vielleicht nicht weiterlesen (aber vielleicht empfinde ja auch nur ich das dabei entstehende Kopfkino als schaurig und für Halloween eher geeignet).

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Der Bär

Ein Schreckensschrei, mitten in der Nacht, brachte mich mit einem Ruck auf die Füße und an das Kinderbett. Dann saß ich auch schon an Pascals Seite, der mit tellergroß aufgerissenen Augen am Kopfende seines Bettchens kauerte.

„D-d-d-d-a war ein B-b-b-b-är!“ war alles, was er herausbrachte, mit starrem Blick auf die Zimmerecke schräg gegenüber. Ich folgte ihm mit den Augen und fasste mir ein Herz. Mögen es andere für unverzeihlich halten, einem Fünfjährigen sein Spielzeug wegzunehmen, aber seit Tante Betty ihm den Teddy zu Weihnachten geschenkt hatte, war die vielbesungene Stille Nacht zu einem Hoffnungsschimmer geschrumpft.

Seitdem gab es ständig Streit zwischen Lisa und Pascal, weil Tante Betty nur einen genäht hatte und Lisa leer ausgegangen war. Dieses Gezerre um diesen blöden Bären würde ich nicht länger mitmachen, und bei Alpträumen war für mich Schluss mit lustig. Gleich morgen würde ich Betty vor die Wahl stellen: Entweder sie nähte auch für Lisa einen oder ich verkaufte das Vieh beim nächsten Hausflohmarkt. Energisch packte ich es und verließ das Zimmer, um Pascal ein Glas Milch mit Honig und ein angewärmtes Dinkelkissen zu holen. Nachdem ich unseren Jüngsten beruhigt hatte und er eingeschlafen war, erklomm ich die ausziehbare Leiter zum Speicher und verbannte den Delinquenten in die hinterste Ecke zu den Flohmarktboxen.

Rot glühten die Augen des Bären im Schummer der Taschenlampe.

Auf dem Rückweg warf ich noch einen Blick auf Lisa, aus deren Zimmer kein einziger Mucks gekommen war. Wie ich die Kleine um ihren gesegneten Schlaf und das ihre Lippen sanft umspielende Lächeln beneidete. Gerührt strich ich ihr übers Haar und wandte mich um. Der Anblick ihres Basteltischchens ließ mich auf der Stelle erstarren.

Zwischen zerdrückten Klebstofftuben und rosa Plastikperlen türmten sich kleine Häufchen aus Woll- und Stoffresten, aus denen ein dichtgespicktes Nadelkissen hervorlugte. Es hatte die Form eines kleinen Bären.

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300 Wörter für  dieses Szenario.

ABC-Etüden 2022 – Wochen 1&2 : Etüde 2 – Hausbesuch

Kurz und schmerzlos folgt hier nun mein zweiter Betrag zu den ABC-Etüden bei Christiane, mit den von Ludwig Zeidler gespendeten Wörtern Hoffnungsschimmer, unverzeihlich und nähen.

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Hausbesuch

Liebes Tagebuch…

Lobpreiset den Herrn! Frohlocket, denn unsere Gebete wurden erhört.

Unverzeihlich hatten wir es gefunden, dass sich unser alter Doktor zur Ruhe setzte, ohne einen Nachfolger zu bestimmen. Da sahen wir ganz schön alt aus, denn es war fast unmöglich, jemanden zu finden, der sich das Dasein eines Landarztes freiwillig antun wollte. Als sie hörten, dass sie ihre weitversprengten Schäfchen nur über serpentinenreiche, teils erbärmliche Straßen erreichen würden und erfahren mussten, wie unberechenbar das Wetter in den Bergen sein kann, haben die meisten Bewerber im letzten Augenblick das Weite gesucht. Mit jeder Absage schwand ein Stück unserer Zuversicht, bis uns kaum noch ein Hoffnungsschimmer blieb.

O diese Freude, als unser Pfarrer verkündete, dass der Vertrag mit dem neuen Doktor in trockenen Tüchern war und es bald losgehen würde. Ein Segen, dass er nähen kann und wir nicht mehr wegen jeder Platzwunde ins Krankenhaus am Ende der Welt fahren müssen, denn es braucht nur wenige Schritte vom Dorfkrug bis zu ihm. Da passiert ja gerne mal was.

Mit Brot und Salz besuchten wir ihn am Nachmittag, um ihn willkommen zu heißen. Auf gute Nachbarschaft… Wir mussten zwar mehrmals an dem altmodischen Klingelzug ziehen, bis er uns die Tür öffnete, doch nachdem er uns durch die Praxis geführt hatte, war das Eis schnell gebrochen. Ein wirklich sympathischer Mensch, dieser Doktor Frankenstein. So ein netter und kompetenter Mann. Ich glaube, mit unserem neuen Landarzt haben wir das große Los gezogen.

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238 Wörter für  diesen Tagebucheintrag.

ABC-Etüden 2022 – Wochen 1&2 : Etüde 1 – Auf ein Neues

Happy New Year & Frohes Neues Jahr.

Mein Entzücken war grenzenlos, als mir am zweiten Tag des neuen Jahres aufging, dass die Zeit der ABC-Etüden bei Christiane wieder begonnen hat – den Auftakt machen die von Ludwig Zeidler gespendeten Wörter Hoffnungsschimmer, unverzeihlich und nähen. In Kombination mit dieser hübschen Illustration oben müsste es schon mit dem Teufel zugehen, wenn mir dazu nichts einfiele – so mein erster Gedanke. Am Ende ist dann folgendes dabei herausgekommen:

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Auf ein Neues

All die schönen Stoffe, die schon so lange im Keller lagern – geradezu unverzeihlich, seufze ich.

Obwohl ich doch Monat für Monat neue Inspirationen in Heftform ins Haus geliefert bekomme, waren die Momente, in denen ich Lust verspürte, den großen Küchentisch einfach abzuräumen und loszulegen, leider viel zu selten. Denn warum anfangen, wenn sich Motten über meine Schätze hergemacht haben? Die Angst davor saß wohl zu tief. Bisher. Und dennoch wage ich nun den Gang ins Untergeschoss, um einen Blick in die aufgestapelten Kisten zu riskieren. Wird mir das Gespinst des Grauens entgegen grinsen? Oder haben die überall aufgehängten Fallen ihr Werk tun können?

Ächzend wuchte ich das oberste Ungetüm zu mir herunter, um es vorsichtig zu öffnen. Nanu? Weiter als bis zu dem als Abdeckung dienenden Bettlaken sind die geflügelten Zerstörer nicht gekommen? Sollten meine Befürchtungen am Ende doch nicht wahrgeworden sein? Ein Hoffnungsschimmer regt sich.

Inzwischen ist die erste Bahn gewaschen. Nun fehlt mir nur noch die passende Idee, was ich daraus nähen soll.

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165 Wörter … auf dass ich noch eine weitere Inspiration bekommen möge. Sowohl fürs Nähen als auch für die Etüde.

07.12. – Fernweh | Adventüden

Adventszeit ist Adventüdenzeit… dass ich auch dieses Jahr wieder bei diesem ganz besonderen Adventskalender mitmachen darf, freut mich sehr – und nun nicht lang geschnackt, hier geht es auch schon los:

Irgendwas ist immer

Wie wär’s, wenn wir an Silvester zur Abwechslung mal wegfahren?«, hatte meine beste Freundin mich im Sommer bei einem GlasEisteegefragt und sofort mein Interesse geweckt. Doch von der anfänglichen Euphorie war nicht mehr viel übrig. Das Ziel bereitete mir keinKopfzerbrechen, denn nach Hamburg hatte ich schon immer ein zweites Mal gewollt, doch vor der Tür stand bereits Halloween, und wir hatten noch immer keine Unterkunft – so langsam lief uns die Zeit davon. Schon seit Monaten war selbst die von mir anvisierte Jugendherberge an den St. Pauli Landungsbrücken ausgebucht.

»Und wenn wir auf die Übernachtung verzichten?«, druckste ich zwischen Kürbissuppe undBratapfelherum. Mittags mit dem Zug hin- und anschließend gleich wieder zurückfahren, wenn wir Glück hatten. »Oder wir schlagen uns die Nacht auf der Reeperbahn um die Ohren und nehmen einen Zug, der uns zum Katerfrühstück wieder nach Hause bringt…« Je länger ich redete, desto mehr begeisterte ich mich für meinen…

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ABC-Etüden – Woche 46 & 47 – Bonjour Tristesse

Mein heutiger Beitrag zu den ABC-Etüden auf Christianes Blog speist sich aus meinen noch immer recht frischen Eindrücken der noch bis zum 16. Januar 2022 in Mainz laufenden Ausstellung „The Mystery of Banksy“. Das Thema „Kunst“ lässt sich also bestens mit den von Erinnerungswerkstatt gespendeten Wörtern Museum, biografisch und erinnern in Einklang bringen.

Allerdings stelle ich ihr eine Warnung voran – fröhlich ist das von mir behandelte Thema nicht; das Lesen meines Textes, der sich mit den düsteren Seiten des Lebens beschäftigt, dürfte bei manchen Lesern/Leserinnen ungute Gefühle auslösen und sollte daher mit Vorsicht genossen werden.

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Bonjour Tristesse

Erinnert sich noch jemand an den Pferdefleischskandal vor ein paar Jahren? Für eine Weile war die in britischen Supermärkten verkaufte falsch deklarierte Lasagne omnipräsent, doch wie schon so oft der Fall, schien auch dieses Thema aus dem kollektiven Gedächtnis verschwunden zu sein. Bis 2015 im englischen Badeort Weston-super-Mare der Antifreizeitpark „Dismaland“ eröffnete, der als zeitlich begrenztes Kunstprojekt von Banksy und vielen anderen Künstlern eine bitterböse Parodie auf Disneyland darstellen sollte, symbolisiert durch eine grotesk verzerrte Ariellefigur, die im Teich vor einem zerfallenden Cinderellaschloss posiert.

Wenn man erst einmal weiß, dass das englische Wort „dismal“ für „bedrückend“ oder „trostlos“ steht, wundert man sich dann auch nicht mehr über die trübe dreinschauenden Angestellten, erkennbar an ihren Mickymausohren, oder die Tristesse des Ortes selbst, bei dem es sich um ein stillgelegtes Spaßbad handelte.

Gewinnen konnte man beim Minigolf oder Dosenwerfen selbstverständlich nichts, die Szene mit der umgestürzten Kutsche und der herausgeschleuderten Cinderella inmitten eines gnadenlosen Blitzlichtgewitters bekam in Anbetracht des Unfalls von Prinzessin Diana einen beklemmend biografischen Charakter, und zwischen den bunten Holzpferdchen eines nostalgischen Pferdekarussells thronte ein Pferdemetzger mit Lasagneschachteln an seiner Seite. Womit wir wieder beim Ausgangsthema wären.  Der für Kinder ungeeignete Famiilien-Freizeitpark (Zitat Banksy) löste einen Besucheransturm sondergleichen aus, schloss aber bereits nach 36 Tagen wieder seine Pforten.

Wer jetzt etwas in Weston-super-Mare besichtigen möchte, muss nun mit dem Hubschrauber-Museum Vorlieb nehmen, was aber für Filmfreunde nicht uninteressant sein dürfte, denn auf seiner Webseite werben die Betreiber mit dem Mi8-Helikopter, aus dem Nathasha Romanoff im Marvel-Film „Black Widow“ gesprungen ist.

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Die 250 Wörter dieser Etüde beschreiben zur Abwechslung mal wieder Tatsachen und nichts, was ich mir von A bis Z ausgedacht habe. An diesen bedrückenden „bemusement park“ (bemusement = Irritation/Verwirrung) wurde in der Banksy-Ausstellung mit einem kurzen Film erinnert. Bei mir hinterließ das befremdliche Treiben ein schales Gefühl, ähnlich dem, das ich nach exzessivem Genuss von Fast Food habe oder nach dem ausgiebigen Besuch eines echten „amusement parks“.

ABC-Etüden – Woche 46 & 47 – Schweine im Weltall

Vor den Adventsetüden (den Adventüden) kommt bei Christiane jetzt noch eine letzte, reguläre ABC-Etüde mit den von Erinnerungswerkstatt gespendeten Wörtern Museum, biografisch und erinnern.

Da dachte ich mir, schreibe ich eben zur Feier des Tages eine Fan-Etüde, die aber nicht den Muppets gewidmet ist.

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Schweine im Weltall

„Alles Gute für den Ruhestand!“

Was mir mein Schwesterherz da aus der Zeitung vorlas, war doch die Höhe. Soweit ich mich erinnerte, hatte ich schon öfters mit dem Gedanken gespielt, früher in Rente zu gehen, aber geplant war nichts. Sie musste mich also nicht ständig damit aufziehen.

„Nein, ich meine doch Chris Murphy. Der plant den Bau eines Dorfs für Ruheständler inclusive Kreativzentrum und INXS-Museum…“

„Bitte was?!“ Ungläubig riss ich ihr die Zeitung aus der Hand und überflog die Seite, während ich ihr nur halb zuhörte. Schweine im Weltall! Vernommen hatte ich das Gerücht schon früher, es aber für ein Luftschloss des Bandmanagers gehalten, jetzt aber davon zu lesen und die Abbildung einer Computersimulation des rostroten Gebäudes in X-Form dabei zu sehen…

„Das ideale Urlaubsziel, für dich als Hardcore-Fan“, sinnierte sie. „Und dabei kannst du dir auch gleich diese Statue für Michael Hutchence angucken.“

Huch? Ich war zwar nur für die biografische Dokumentation über den Sänger und seine Rolle im Film „Dogs in Space“ zum neuseeländisch-australischen Filmfestival trotz hoher Hotelpreise nach Berlin gereist, aber ich war niemand, der nur für ein Depeche-Mode-Konzert von Ulan Bator nach Berlin und wieder zurück flog.

Wenn jemand ein hartgesottener Fan war, dann doch wohl sie mit ihrer Story, wie sie einst Bono in Dublin getroffen und sein leeres Glas als Reliquie nach Hause geschmuggelt hatte. Außerdem wusste sie, dass da finanziell bei mir nichts ging. Mein Körper kompensierte eben 16000 Kilometer nicht mehr so schnell wie früher, und wenn es mir an einem mangelte, dann an Zeit.

Aber ich hätte es wissen müssen, dass Schwesterherz den Zeitungsartikel mal wieder nur zur Hälfte gelesen hatte, denn ihm zufolge stand das ambitionierte Projekt, das aus der Luft bestimmt der Hingucker gewesen wäre, nach dem Tod des Managers im Januar mehr als nur noch in den Sternen.

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Den in dieser 300 Wörter langen Etüde genannten Artikel gibt es nur online – darin findet sich auch eine Abbildung, wie der Künstler sich das Gebäude vorgestellt hat.