ABC -Etüden – Woche 12 & 13 : Oster-Alarm

Es ist Zeit für eine neue literarische Fingerübung mit weniger als 300 Wörtern – bekannt unter dem StichwortABC-Etüden, diesmal mit drei frühlingshaften Begriffen (Substantiv, Adjektiv und Verb), die fett hervorgehoben in meinem Beitrag erscheinen (laut Statistik übrigens der 1111. insgesamt auf meinem Blog):

Forsythien/lächerlich/erfrieren

In österlicher Vorfreude, auch wenn der Osterhase diesmal schlappmacht, ist sie nun da, meine neueste Etüde mit 224 Wörtern:

♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦

Oster-Alarm

Ostern fällt diesmal aus. Wegen Bodennebel!“

Ungläubig schaute ich Tim an. Aprilscherze zu reißen, hatte ihm noch nie gelgen, aber der hier war an Dämlichkeit kaum zu überbieten. Wo war die versteckte Kamera? „Mach dich doch nicht lächerlich“, fauchte ich.

Das ist kein Witz, Delia.“ Tim warf mir die Zeitung zu. Stirnrunzelnd überflog ich die Meldungen auf der Titelseite. „Kälteschock in Holland: Tulpen erfrieren in Amsterdam. Massensterben bei den Osterglocken“ Aber diese Nachricht konnte er kaum meinen. Nach nochmaligem Suchen fand ich es dann doch: „Bistum Mainz sagt Ostergottesdienste ab.“

Wegen der Kältewelle?

„Nein, wegen Corona“, antwortete er, und zog ein Gesicht, als ob man dem Osterhasen zu Quarantäne verdonnert hätte. Klar, bei der Hiobsbotschaft: „Ich bin mit dem LKW unterwegs. Damit die Märkte endlich ihren Klopapiernachschub bekommen. Dieser Monat ist echt für den Allerwertesten!“

Wie passend! Ostern ohne Tim, weil er wegen der blöden Hamsterkäufer jetzt Sonderschichten fahren musste. An Ostern Waren ausliefern… resigniert seufzte ich. Und dabei hatten wir uns so auf ein paar freie Tage gefreut. Wegfahren war ja nun gestrichen – nur gut, dass wir noch nichts gebucht hatten. Und Urlaub in Balkonien konnte durchaus auch etwas für sich haben. Gut, dass wir von der Kältewelle verschont geblieben waren und ich mich an unserem Garten erfreuen konnte. Dort blühten schon Tulpen, Hyazinthen und Forsythien. Hoffentlich noch lange genug.

♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦

Die Wortspende stammt diesmal übrigens von Elke H. Speidel (Transworte auf Litera-Tour) – auf die nächste Sonderetüde, die in zwei Wochen erscheint, freue ich mich schon.

ABC -Etüden – Woche 10 & 11 – Come, fly with me

 

Gerade erst noch herzlich begrüßt von der lieben Christine, kommen nun auch schon die nächsten drei Wörter für die 10. und 11. Woche, die von Corly (Corlys Lesewelt) für die ABC-Etüden  *) gespendet wurden:

Sonnenuntergang/warm/fliegen

Da lege ich doch gerne sofort los, und zwar mit einer weiteren Momentaufnahme, die sich mit 168 Wörtern auf das Wesentliche beschränkt, und ergänzt um eine Triggerwarnung, nachdem ich mir meinen Text noch einmal durchgelesen habe:

Für Menschen, die an Flugangst leiden (so wie ich), ist meine Etüde eher nicht geeignet.

♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦

Come, fly with me

Ladies and Gentlemen, hier spricht Ihr Kapitän“.

Bei dieser Durchsage stoppte das Bordprogramm. Gerade hatte ich es mir unter der warmen Decke gemütlich gemacht, die ich mir von der netten Stewardess hatte bringen lassen, um mich gegen die kühle Zugluft abzuschirmen. Frierend nach Hause zu fliegen, war ein absolutes No-Go für mich und kam auf meiner Alptraum-Skala gleich nach Fluggästen, die zu viel Parfüm aufgelegt hatten und ungeschmeidigen Landungen. So eine hatte ich auf dem Flug von Frankfurt nach Toronto erlebt: Anstatt sanft und stetig abwärts zu gleiten, war die Maschine von Turbulenz zu Turbulenz gesackt. Allen anderen war es im Gegensatz zu mir nach der Landung blendend gegangen.

Bitte, bitte, dachte ich, erspare man mir eine Wiederholung dieses Dramas. Warum wohl meldete sich der Pilot so lange nach dem Start? Um uns einen geruhsamen Flug zu wünschen?

Turbulenzen …“

Oh nein, da war es, das verhängnisvolle Wort!

… sind keine zu erwarten. Die Sicht ist klar, das Wetter schön, die Nacht wird ruhig – genießen Sie den Sonnenuntergang.“

♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦

Vielen Dank an Corly für die Wortspende, auf die nächsten Etüden, die am 15. März starten, freue ich mich jetzt schon.

*) ABC-Etüden sind die literarischen Fingerübungen zum Schmieden von Texten mit maximal 300 Wörtern Länge.

ABC -Etüden – Woche 8 & 9 – Schabernack/breit/erleben

 

In der Kürze liegt die Würze. Bei den ABC-Etüden, die mir schon das ein oder andere Mal begegnet sind, geht es darum, einen Text mit drei vorgegebenen Begriffen (Substantiv, Adjektiv und Verb) zu veröffentlichen, der höchstens 300 Wörter haben darf. Die Regeln gibt es hier – und die aktuellen Wörter, aus denen es einen Text zu entwickeln gilt, lauten Schabernack, breit und erheben. Diese Wörter habe ich in meinem Beitrag fett hervorgehoben.

Da ich bei mir eine Neigung zu ausufernden Geschichten festgestellt habe, die bei mir regelmäßig freitags erscheinen, ist das für mich doch genau die richtige Herausforderung, mich auf das Wesentliche zu beschränken. In meiner ersten Fingerübung – der Momentaufnahme einer Vereinsfeier – habe ich es tatsächlich geschafft, die Maximalzahl mit 160 Wörtern deutlich zu unterbieten.

♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦

… und so lasset uns die Gläser erheben auf…“

Endlich!, dachte ich, ist es soweit. Ich hasste ausufernde Ansprachen, in denen sich lang und breit darüber ausgelassen wurde, was man im vergangenen Jahr ach so tolles auf die Beine gestellt hatte. Dabei wartete doch im Grunde nur jeder auf die Eröffnung des Büffetts. Wie schön, dass es nun gleich soweit sein würde. Doch zuvor noch den Namen des- oder derjenigen, die es zu ehren galt in dem altehrwürdigen Verein TSV 1865 Schabernack.

„ … unsere Tanzgruppe: 20 Neuanmeldungen beim Line Dance, liebende Anwesende, ist ein neuer Rekord, den wir gebührend feiern wollen. Ein Hoch auf unsere liebe Julia, die etwas ganz fantastisches auf die Beine gestellt hat.“

Tusch! Tusch! Applaus! Ach Herrje, das hatte ich wirklich nicht erwartet. Verlegen räusperte ich mich und lächelte zutiefst gerührt in die Menge. Für einen Moment stand die Zeit still, dann verklang der Applaus, und die erlösenden Worte fielen: „Das Büffett ist eröffnet.“

♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦

PS: Ob es den TSV 1865 Schabernack tatsächlich gibt, ist mir nicht bekannt; allerdings gibt es einen Ortsteil mit diesem Namen wirklich. Die Stadt, zu der er gehört, trägt die Postleitzahl 16945 und liegt knapp 85 km entfernt von Schwerin.

PPS: Die Wörter für diese Etüde kommen von René (BerlinAutor). Und: Ich freue mich schon auf die nächsten Etüden, die am 1. März ausgerufen werden