„Der Osten Kanadas“ – Tag 5 und 6

 


Noch französischer wurde es auf unserer nächsten Teilstrecke

Montréal – Québec

wo wir noch näher an den Sehenswürdigkeiten übernachten würden. Das gab es bei dem Rest der Reise (Ottawa – Midland – Niagara Falls – Toronto) nicht mehr. Hier hatten wir am Nachmittag eine Stadtrundfahrt, denn der nächste Tag stand jedem zur freien Gestaltung offen. Wer keine Walbeobachtungstour gebucht hatte, konnte Québec auf eigene Faust erkunden. Da blieb für mich nur der Abend, denn beim „Whale Watching“ wollte ich unbedingt mit dabei sein.

Dass Québec mit seiner romantischen Altstadt den meisten aus meiner 39köpfigen Gruppe gefiel, erkannte ich sofort, als wir vor dem durchaus beeindruckenden Wandgemälde standen, auf dem nicht nur die Geschichte Québecs, sondern auch die vier Jahreszeiten und die Moderne dargestellt werden. Dass derselben Meinung auch die 5000 Passagiere eines vor Anker liegenden Kreuzfahrtschiffes sind, war für mich aber leider auch die Kehrseite der Medaille und des Romantik-Overkills.

 

There is a light

Viel mehr nach meinem Geschmack waren die direkt hinter unserem Hotel verlaufende Rue St. Jean mit dem ältesten Kaufhaus J.A.Moisan …

 

… und die Rue Cartier mit ihren Straßenlaternen: keine schmiedeeisernen Lampen im viktorianischen Stil, sondern Lampenschirme, die von Kunststudenten alle völlig unterschiedlich bemalt sind.

 

In der Dunkelheit leuchten die so wunderschön und farbenprächtig, dass ich sie alle ablichten musste. Und zwar jede einzelne. Das ist auch äußerst hilfreich, wenn man sich verlaufen hat: Einfach die Lampe suchen, die man zuerst fotografiert hat.

 

Don’t go chasing waterfalls

Die schönsten warten noch. Viel interessanter für mich als die Montmorency Falls außerhalb von Québec, die im Winter einfrieren und dadurch wie geschaffen für den Bau eines Eishotels sind, war der doppelte Regenbogen auf der Rückfahrt und natürlich die dreistündige Fahrt hinaus auf den Sankt-Lorenz-Strom zur Beobachtung von Belugawalen, Finnwalen und Zwergwalen.

 

 

Kein Scherz: Wir haben wirklich welche gesehen, nur mein Smartphone hatte ich wasserdicht verpackt, denn ich hatte keine Lust, von rempelnden und rennenden Zeitgenossen geschubst zu werden und das gute Stück für immer zu verlieren. Außerdem, wie war das nochmal mit der Postkarte, die ich neulich für den Writing Friday entworfen haben? „Do more things that make you forget to check your phone“ – Momente ungefiltert und echt zu erleben, das war genau das, was mir so vorschwebte. Dass mich auf diesem Ausflug jedoch alles an Schottland 2008 erinnern würde, konnte ich nicht ahnen. In diesem Moment wurde mir so richtig bewusst, dass wir damals ebenfalls im August mit dem Boot aufgebrochen waren, um Delphine und Tümmler zu beobachten, und schon befand ich mich mittendrin in einem Film, den ich am liebsten vorzeitig verlassen hätte. Dennoch war ich am Ende froh, dabei gewesen zu sein und tatsächlich so viele Wale gesehen zu haben. Spektakuläre Wolkenformationen krönten diesen Tag.

 

 

Erst sehr viel später auf dieser Reise habe ich erfahren, dass in diesen Teil Kanadas viele Schotten ausgewandert sind; kein Wunder, dass ich diesen Flashback hatte.      

 


Wird fortgesetzt.

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Das Werk zum Wort 30/52 : Chance

 

Willkommen zur 30. Woche des Projekts Das Werk zum Wort“ von Stepnwolf :

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Ein Jahr lang jede Woche ein Wort. Dazu ein passendes Werk. Musikalisch, filmisch, literarisch. Alles geht. Alles darf. Solange sich das Werk dem Wort widmet. Und einige Worte zum Werk entstehen. Mitmachen darf jeder. Eine Woche lang. Bis zum nächsten Wort. Einfach in den Kommentaren euer Werk zum Wort verlinken. Und hier jede Woche das nächste Wort erwarten.“

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Heute dreht sich das Werk zum Wort um den Begriff der

 

Chance

– und hier führt mich mein Weg in die Welt des Films, in das Jahr 2007.

Dass das Leben endlich ist, wissen wir nicht erst seit Dr. Eckart von Hirschhausen, und das gilt auch für die Hauptcharaktere des Films  Das Beste kommt zum Schluss“ (The Bucket List) von Rob Reiner: Jack Nicholson und Morgan Freeman spielen zwei Krebspatienten, die sich im Krankenhaus kennenlernen und erfahren, dass sie nicht mehr lange zu leben haben.

So erstellen sie, jeder für sich, die sogenannte Löffel-Liste (The Bucket List): eine Liste all der Dinge, die sie noch erleben wollen, bevor sie den Löffel abgeben. Nicht dass sie am Ende ihres Lebens bereuen, bei welchen Chancen, die ihnen das Leben geboten hat, sie nicht zugegriffen haben, denn einen Weg zurück gibt es nicht (Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=toLnj5x0J1M).

 

 

Das hatte mich zwar gleich danach inspiriert, meine eigene, ganz persönliche „Bucket List“ zu entwerfen, aber da konnte ich auch noch nicht ahnen, dass mich das Thema acht Jahre später selbst einholen würde. Und da sich Wünsche, Träume und Ziele bei mir auch öfters mal ändern können, habe ich daraus etwas für mich Wichtigeres gelernt: Wenn mir etwas sehr am Herzen liegt, es nicht einfach nur zu planen und auf einen unbestimmten Zeitpunkt in der Zukunft zu verschieben, sondern auch so schnell wie möglich Taten folgen zu lassen. Sonst ist es nämlich nicht nur wie in dem Lied Not enough time“ *) – sondern ganz speziell wie in „Kein Zurück“ **)  – wenn man feststellen muss, dass irgendwann auch ein Traum zu lange her ist.

 

Das nächste Wort: –  Wasser 

 


*) INXS „Not enough time“ – https://www.youtube.com/watch?v=LhBOpcK3-Bk   ~~~   **) Wolfsheim „Kein Zurück“ – https://www.youtube.com/watch?v=TOV5M0lWWLc

    

 

 

 

Media Monday # 415: Das krumme Jubiläum steht vor der Tür …

 

denn beim Media Monday mit sieben Lückentexten bin ich zum 125. Mal dabei. Pfingsten, ja da bin ich in Gedanken beim diesjährigen Wave-Gotik-Treffen, das ich in den sogenannten Nullerjahren zweimal besucht habe. Ob ich dort jemals wieder hinfahren werde, steht in den Sternen.

Nachdem ich die zweite Staffel von „Broadchurch“ beendet und zurückgegeben habe, bin ich durch mein DVD-Regal gegangen und habe die angefangene sechste Staffel von „American Horror Story“ gleich mit beendet. Von den mir bisher sieben bekannten war dies für mich die mit Abstand blutigste, und hätte das Ensemble nicht aus so brillianten Schauspielern wie Kathy Bates, Angela Bassett und Cuba Gooding jr bestanden, hätte ich das Experiment wahrscheinlich längst abgebrochen. Jetzt ist die Zeit reif für ein heitereres Programm oder einfach nur mal was fürs Herz.

Reif ist auch die Zeit für den 18-Uhr-Fragebogen:

Media Monday # 415

1. So ein verlängertes Pfingstwochenende ist ideal, um mal wieder etwas leckeres zu kochen und abends einen Gin Tonic zu trinken. An Abenden, bevor ich am nächsten Morgen früh raus muss, ist sowas eher kontraproduktiv.

2. Wenn es eins gibt, das ich nicht bräuchte, dann sind das Hektiker, die auf jeder Party und bei jedem gemütlichen Beisammensein jeden Pups mit dem Smartpone fotografieren und dadurch eine Unruhe verbreiten. Liebe Leute, haltet doch einfach mal die Füße still und bleibt auf eurem Allerwertesten sitzen.Wie entspannt könnte ein solcher Abend doch verlaufen.

3. Die 2.Staffel von „Broadchurch“ war ja ein regelrechter Besetzungs-Coup, schließlich gab es hier ein Wiedersehen mit des halben Dr.Who- und Torchwood-Ensembles, allen voran David Tennant.

4. Es gibt wohl kaum eine/n Film/Serie, wo ich so sehr lange Pausen eingelegt habe wie bei „American Horror Story – Staffel 6“ und „The Living and the Dead“.

5. Abgesehen von diversen Meldungen vom Tod bestimmter Künstler, an die ich mich noch heute so gut erinnern kann: Das Unglück der Raumfähre Challenger am 28. Januar 1986 hat mich seinerzeit tief bewegt, einfach weil jeder – nicht nur die Menschen am Bildschirm – sondern auch die gesamten Angehörigen der Besatzung die Katastrophe des explodierenden und auseinanderbrechenden Raumschiffs ungefiltert und in voller Länge mitansehen konnte; auch die Schulklasse der Lehrerin an Bord. Gerade heute bin ich bei youtube auf Filmmaterial gestoßen, das das ganze Entsetzen der Crew in der Bodenzentrale dokumentiert. Dass bereits drei Monate später ein ganzes AKW in die Luft fliegen würde und für immerwährende Verseuchung sorgen würde, kommt mir vor wie grausame Ironie.

6. Ich hätte ja gern gesehen, was fähigere Leute aus dem Film „Das Jesus Video“ von Andreas Eschbach hätten machen können, schließlich ist das Buch nicht nur auf pure Action ausgelegt, doch leider überwiegt gerade im zweiten Teil des Films das sinnlose Geballer, und der eigentliche Aspekt der Probleme, die Zeitreisen mit sich bringen, kommt viel zu kurz.

7. Zuletzt habe ich leckeren Kartoffelsalat gemischt und das war rein mengenmäßig eine kleine Enttäuschung, weil ein Teil der ohnehin zuwenig vorhandenen Kartoffeln auch noch faule Stellen hatte. Aber da ich noch Gurkensalat gemacht habe, werden wir am Pfingstmontag wohl kaum hungern müssen.

 

ABC Photography : S wie Schlangen

 

Mit meinem heutigen Motiv zum „neuen/alten Projekt ABC“ von wortman, das seit dem 6. Januar 2019 existiert, könnten viele ein Problem haben, denn Reptilien sind nicht jedermanns Geschmack – genauer gesagt, die Gattung „Serpentes“:

S wie Schlangen

Meine beiden Süßen sind vor einiger Zeit von mir gegangen. Zuerst vor ein paar Jahren das Weibchen (rot) und letztes Jahr das Männchen (grau):

 

 

Dieses Bild bleibt mir zur Erinnerung an sie, genau wie ihr Nachwuchs, meine kleine Houdini, die Ausbruchskünstlerin, die einst nur deshalb auf Wanderschaft gegangen ist, weil sie ein warmes Plätzchen unter der Heizung gesucht hat.

Das Werk zum Wort 9/52 : Trauer

 

Triggerwarnung: Dieser Beitrag dreht sich um die Themen Tod und Trauer, wie man der Überschrift entnehmen kann – in meinem Fall betrifft es mich persönlich. Daher bitte ich schon jetzt die um Verzeihung, die damit nicht gut umgehen können.

 

Nach diesem Vorwort komme ich nun zur Woche 9 des Projekts „Das Werk zum Wort“ von Stepnwolf – 43 weitere sollen folgen; nur werde ich nicht bei allen dabei sein.

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Ein Jahr lang jede Woche ein Wort. Dazu ein passendes Werk. Musikalisch, filmisch, literarisch. Alles geht. Alles darf. Solange sich das Werk dem Wort widmet. Und einige Worte zum Werk entstehen. Mitmachen darf jeder. Eine Woche lang. Bis zum nächsten Wort. Einfach in den Kommentaren euer Werk zum Wort verlinken. Und hier jede Woche das nächste Wort erwarten.“

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Wenn mich das Thema der letzten Woche schon herausgefordert hat, so tut es das heutige noch etwas mehr, denn es geht mich persönlich an:

Trauer

Irgend jemand hat mal geschrieben „Je älter man wird, desto näher kommen die Einschläge“. Daran mag etwas sein, aber wenn man wie ich mit Mitte Zwanzig damit konfrontiert wird und die Trauer nicht zulässt oder sie gar verdrängt, dann rächt sich das Jahre später umso mehr. Einen der beiden nächsten Angehörigen, der die wichtigste Person in meinem Leben gewesen ist, durch Suizid zu verlieren, ist etwas, das ich niemandem wünsche. Selbstvorwürfe, Schuldzuweisungen und die zwölf Jahre zu spät gekommene Erkenntnis, dass es seine ureigenste Entscheidung war, von der ihn niemand hätte abhalten können… all das kommt auch Jahre später, von Zeit zu Zeit wieder hoch, und das ist etwas, das ich wohl niemals werde ablegen können.

Vierundzwanzig Jahre später dann den geliebten Partner (von dem ich gedacht hatte, dass ich mit ihm alt werde würde) durch einen Herzinfarkt zu verlieren, dieser schwarze Tag liegt nun auch schon etwas mehr als zwei Jahre zurück. Und auch wenn ich letztes Jahr gemerkt habe, wie die Freude am Leben bei mir nach und nach wieder zurückkehrt, wo wird mich diese Trauer auf lange Sicht vermutlich nicht verlassen. Nur werde ich diesmal den Fehler, sie zu unterdrücken, nicht mehr machen.

Letztes Jahr am 7. Oktober, genau einen Tag nach seinem Todestag kam wie aus dem Nichts dieses Brett. Da surfte ich ziellos auf youtube herum und landete bei einem Video, das aus Szenen des Films „Die Frau des Zeitreisenden“ besteht (Quelle: https://youtu.be/sDJ1HKxih2k)

 

 

 

 

 

Die Musik taucht vermutlich an keiner Stelle in dem Film auf, und ich frage mich, warum derjenige, der das Video hochgeladen hat, diesen Song (geschrieben von Andrew Farriss und Desmond Child) aud dem Jahr 2005 ausgewählt hat.

Der folgende Auszug aus dem Text symbolisiert das, was ich in der ersten Zeit nach Andys Tod empfunden habe. Warum noch an morgen denken? Die Welt soll aufhören, sich zu drehen, was sie natürlich nicht tut.

 

Here I am, lost in the ashes of time, but who wants tomorrow?
In between the longing to hold you again
I’m caught in your shadow, I’m losing control
My mind drifts away, we only have today

 

Auch wenn in dem Film er nicht wirklich stirbt, sondern in der Zeit hin und her geschickt wird, so fühlt es sich für sie vermutlich jedesmal wie erneutes Sterben und wie ein Abschied für immer an.

 

„As I let you go I will find my way“


In meinem Fall fällt mir das Loslassen, noch immer nicht leicht. Und wann es soweit ist, kann ich nicht sagen.

 

Das nächste Wort ist „Theater“

Unsortierte Gedanken : Das war definitiv nicht mein Jahr …

 

 

 

zumindest nicht die zweite Hälfte davon. Ganz für die Tonne war es nicht. Aber auch nicht zum uneingeschränkten Jubeln. Irgendwas ist ja immer, das ist eine allseits bekannte Binsenweisheit. Und deshalb möchte ich an dieser Stelle all jenen danken, die trotz meines Gejammers nicht ihr Interesse an meinen Texten verloren haben. Was im Januar 2014 (abgesehen von zwei Testbeiträgen im August 2013) als Nähblog mit Tendenz zum Gemischtwarenladen begann, ist vier Jahre später bei Musik, Fotografie und Medien unterschiedlicher Art angekommen.

Und schon bin ich mitten drin, in einem weiteren Jahresrückblick. Dabei war das so nicht von mir geplant. Aber jetzt bin ich schon mitten drin im Countdown des Jahres.

 

Change keeps us moving on“

Was sich 2017 abzuzeichnen begann, hat sich 2018 fortgesetzt. Pläne, die sich in Luft auflösten, durchsetzt mit kleinen und mittleren Katastrophen. Das fing schon im letzten Dezember an, als ich den Abend in der Notaufnahme zusammen mit meiner Mutter verbringen durfte, weil sie gestürzt war. So wollte ich meinen Geburtstag nicht feiern. Der Kommentar meiner Mutter dazu: „Wir haben Deinen Geburtstag schon mal gemeinsam im Krankenhaus verbracht.“ Großes Fragezeichen! „ – na, als ich Dich zur Welt gebracht habe.“ Ich wünschte, ich hätte manchmal ihren Humor. Zu allem Übel kam dann am selben Tag dann auch noch meine Schwester ebenfalls ins Krankenhaus, weil sie in der Küche ausgerutscht war und sich einen Halswirbel gebrochen hatte. Silvester fand für einige von uns dann nicht auf der geplanten Party statt, sondern zu Hause bzw. im Krankenhaus. Aber es gab auch schöne Momente und ein paar kleine Erfolgserlebnisse für mich…

Januar

Eine Fotoexkursion mit Rehen im Schnee und das Nähen von Knopflöchern stellten die Highlights dieses doch eher ereignisarmen Monats dar. Dafür soll dieses Foto stehen:

 

 

Was das Nähen angeht, so war ich dieses Jahr nicht sehr produktiv, denn genäht habe ich übers Jahr verteilt so wenig, dass ich die wenigen tragbaren Kleidungsstücke an einer Hand abzählen kann: Bluse, Kleid, Rock, Jogginghose, Kleid.

Februar & März

Ende Februar bzw. Anfang März versuchte ich während eines verlängerten Nähwochenendes an der Ostsee, einen Blouson (oder Bomberjacke) zu nähen, was aber gründlich mißlang. Ein falscher Stoff und ein für mich unvorteilhafter Schnitt machten es möglich. So wurde dieses verhunzte Stück, das von Anfang an unter keinem guten Stern stand, ein Teil für die Tonne. Dass mir ein gefütterter Bleistiftrock (Pencil Skirt) besonders gut gelang, stimmte mich dann wieder versöhnlich mit meinen verloren geglaubten Fähigkeiten im Nähen.

 

Trotzdem sind genau diese Rubriken zu kurz gekommen, auch wenn ich dann im Oktober nochmal bei einem anderen verlängerten Nähwochenende in Würzburg war. Zwar ist das hier kein Reiseblog, aber was ich bei meinen Reisen dieses Jahr erlebt habe, ergäbe genug Stoff, um ein solches zu füllen.

Der März war dann der Monat, in dem ich eine Überraschung erlebte, als ich aufräumte. Ich wusste zwar, dass ich so einiges an Schallplatten von Pink Floyd, Jean-Michel Jarre und Barclay James Harvest geerbt habe. Dass dabei U2-Alben auftauchten, die auch ich bereits besitze, war mir neu. Dabei kamen auch Schallplatten zum Vorschein, von denen ich wusste, dass ich sie seit über 30 Jahren habe. Aber wie oft hatte ich die gehört? In den 80er Jahren andauernd, danach nie wieder.

Jetzt bekamen sie eine zweite Chance, die sich zur Sucht auswuchs, was sich seitdem in zahlreichen meiner Blogbeiträge niederschlägt, und zwar in der Rubrik „Soundtrack of my life“, die ich ursprünglich mit einer ganz anderen Absicht entworfen hatte.

 

Auch die nächsten beiden Monate kann ich mangels Masse in einem Punkt zusammenfassen.

 

April & Mai

Der große Knall kam wegen der allseits geliebten gefürchteten DSGVO. Wie so viele andere war ich auf die am 25. Mai in Kraft getretene Datenschutzgrundverordnung schlecht bzw. gar nicht vorbereitet. Aber das Bloggen deswegen einstellen? Das Patentrezept hieß in meinem Fall: Erst mal bis zum 24. Mai weiter wie bisher, dann auf Eis gelegt durch Umstellen von „öffentlich“ auf „privat“ und im Hintergrund an allen wichtigen Punkten feilen. Nebenher buchte ich dann noch sämtliche Unterkünfte meines für Juni geplanten zweiwöchigen Urlaubs, der unter dem Motto „Weltreise“ stand.

Juni

Stichwort „Weltreise 2018“: In zwei Wochen kreuz und quer über den Erdball. Das geht nicht? Oh doch – wenn die Stationen „Texas“, „Kamerun“, „Bali“, „Kalifornien“ und „Brasilien“ allesamt in Deutschland liegen, mit der Südsee die dänische Südsee gemeint ist und man dem Dorf „Welt“ einen Besuch abstattet. Diese zwei Wochen waren die beste Zeit des ganzen Jahres, denn so frei, leicht und unbeschwert habe ich mich zuletzt im Sommer 2008 gefühlt, als mein Mann und ich damals mit dem eigenen Auto vier Wochen lang kreuz und quer durch Schottland und England gereist sind. Dieses Gefühl konnte selbst der Zusammenstoß meines japanischen Kleinwagens mit einem Land Rover nicht trüben, denn fahrtüchtig war mein Auto danach ja noch. Nur ein wenig zerbeult.

 

 

Auf meiner Fahrt nach Dänemark hatte ich insofern etwas Pech, dass die Klappe meines Kofferraums nicht vernünftig geschlossen war und ich deshalb auf der Fahrt einen Teil meines Gepäcks verlor: eine Jacke und meine Kameratasche mit kompletter Ausrüstung.

Dass die ohnehin schon leicht lädierte Kamera, das Ladegerät und die Akkus weg waren, konnte ich verschmerzen, aber dass die kompletten Aufnahmen der letzten vier Tage futsch waren, weil ich die unterwegs nicht sichern konnte (ich hatte mein Laptop nicht dabei), das war schon ärgerlich. Da gab’s nur eins: einige Motive auf dem Rückweg nochmal mit dem Smartphone knipsen. Dank meines Smartphones konnte ich dann noch so manch schönen Moment festhalten und auf meinem pinterest-Board ablegen. Und manche Erlebnisse waren dadurch sogar noch besser. Manchmal kann Verlust auch Gewinn bedeuten. Das sehe ich inzwischen ganz nüchtern und kühl.  A propos kühl… etwas kühl war es hier, während zu Hause sich alle die Seele aus dem Leib schwitzten:

 

 

… meanwhile in the Sahara or the Australian outback….. … which is not true. This was a bad joke: The picture was taken on a real cold, rainy, and windy day on the beach of a Danish island – driving sand from the side puts you in danger to lose orientation“. Bei der Insel handelt es sich übrigens um die südlichste Nordseeinsel Dänemarks: Rømø.

Wieder zurück in der Heimat, gönnte ich mir einen Kinobesuch, bei dem ich mich blendend amüsiert habe: Ocean’s Eight.

Juli

Oldtimer-Treffen in Usingen. Was für ein Highlight. Was für eine Show. Und wie schön, die Gelegenheit zu bekommen, als Beifahrerin in einem Oldtimer meiner Wahl zu sitzen und entweder gemütlich zu cruisen (Marlin von 1975) oder richtig Gas zu geben (Jaguar von 1994). Es war super Wetter – blauer Himmel und 30°C. Wer kann da schon Nein zum Cabriofahren sagen?

 

 

Anscheinend eine ganze Menge Leute, denn ich war an diesem Nachmittag die einzige, die sich überhaupt in ein Cabrio gesetzt hat. Die anderen zogen lieber eine Fahrt im geschlossenen Chevy vor.

August & September

Der Sommer drehte nochmal so richtig auf, da hatten alle meine Kollegen während ihres Urlaubs was davon. Mir hat die Hitze jegliche Energie geraubt, aber Blogs lesen und entdecken geht immer. Und deshalb war bei mir dann auch neu im Kühlregal: Blogs, denen ich folgte. Mit jedem neu abonnierten Blog rutscht der eine, dessen Name an dieser Stelle irrelevant ist, immer weiter nach unten und wird, wenn es so weitergeht, aus dem Blickfeld verschwunden sein. Aus den Augen – aber nicht aus dem Sinn. Dafür habe ich den Programmpunkt „in memoriam“, ein Ort des stillen Gedenkens. Gewidmet all jenen, die mir fehlen.

 

 

Mors certa, hora incerta. Ein Thema, das viele gerne meiden. Ich habe ihm deshalb bewusst mit der Aufnahme meiner inzwischen auch verschwundenen Zillo-Tasse ein Denkmal gesetzt. Die elegante Überleitung zu einer Aktion, bei der ich im September mitgemacht habe: 15 Tage – 15 Tassen. Zu der Zeit lag zwar mein Blog noch still, aber ich verlinkte in meinen Kommentaren die auf meinem pinterest-Board gesammelten Fotos meiner Tassen. Was mir beim Betrachten der Tassenfotos der anderen Teilnehmer auffiel: Es waren einige Fan-Tassen dabei, z.B. Game of Thrones, wenn ich mich recht entsinne. Abgesehen von einer geerbten Werner-Tasse konnte ich mit nichts dergleichen punkten. Weder zählt eine Londoner U-Bahn-Tasse noch die bereits genannte Zillo-Tasse dazu. Viel wichtiger aber als diese Kopfnuss war für mich die Frage, was ich mir bei dem Nähwochenende namens „AnNäherung Süd“ in Würzburg nähen wollte.

 

 

Da ich lieber mit kleinem Gepäck reise, hatte ich nur Ausrüstung und Material für zwei Projekte dabei: ein Kleid aus Jersey und eine Jogginghose. Als das Kleid fertig war, gab es als Kontrastprogramm einen Spaziergang in der Sonne und ein leckeres Eis. Eigentlich ein perfekter Ausklang, wenn das Unglück nicht schon bald seinen Lauf genommen hätte…

Oktober & November

denn ich musste innerhalb von fünfzehn Minuten eine Entscheidung treffen, die mit zu den schwersten in meinem Leben gehört. Beim Röntgen meiner kranken Kornnatter stellte sich heraus, dass sich mehrere Rückenwirbel durch eine Geschwulst bereits aufgelöst hatten und die Wirbelsäule so zerstört war, dass auch eine Operation nichts bewirkt hätte. Die einzige Alternative, die ich noch hatte: Einschläfern. Und das drei Wochen, nachdem bereits ein anderes meiner Reptilien an Altersschwäche gestorben war. Innerhalb so kurzer Zeit gleich zwei Haustiere nacheinander zu verlieren, gehört zu den Erfahrungen, die ich nie wieder machen möchte.

 

Anfang Oktober jährte sich der Todestag meines Mannes zum zweiten Mal und fiel diesmal auf einen Samstag. Genau der richtige Tag, um einen schon seit der Tassenaktion vom September wachsenden Plan in die Tat umzusetzen: Ich brauche eine neue Tasse, weil ich meinen Morgenkaffee nicht mehr länger aus der Tasse trinken möchte, die einst Andy gehört hat.

Hunderte von Fotos habe ich zu diesem Zweck gesichtet und mich dann für eins entschieden, das nicht nur den Lieblingsstar zeigt, sondern auch das richtige Format hat und durch einen neutralen Hintergrund besticht. Nur fotografieren lassen möchte sich das Biest nicht. Wie gesagt, irgendwas ist immer.

November war auch der Monat, in dem nicht nur meine Mutter in die Notaufnahme musste, sondern auch meine Freundin operiert wurde. Dass am Ende sechs Wochen daraus werden würde, hätte ich ja nie gedacht. Trotz dieses ganzen Bangens habe ich es an zwei Samstagen geschafft, ins Kino zu gehen. Zum einen A Star is born – und dann Bohemian Rhapsody. Auf den habe ich mich schon seit dem Sommer gefreut und wurde nicht enttäuscht.

Dezember

Dezember war der Monat der nervigen Mails und Meldungen aus sozialen Netzwerken. Ich weiß ja, wie sehr manche ihre Weihnachtsdekorationen lieben, aber auf hartnäckige Kitschoffensiven reagiere ich mit Flucht. Mit Vorliebe an den von mir bevorzugten Glühweinstand und dann an meinem Geburtstag abends ins Kino, in den Film Mary Poppins‘ Rückkehr – ein Sequel mit dem zeitlich größten Abstand zum Originalfilm aus den Sechziger Jahren. Und für mich ein weiterer Film, für den sich der Kinobesuch gelohnt hat. Die Lieder blieben bei mir zwar nicht im Gedächtnis haften, aber mit seinem leicht antiquierten Charme alter Disney-Filme verschaffte er mir 130 Minuten Kurzweil und eine Überraschung in Form von Colin Firth als echter Fiese Möpp (= Fiesling).

Das Wort zum Sonntag

Antiquierten Charme hat es auch, „offline“ ein Tagebuch zu schreiben: Mit Kugelschreiber auf Papier, in ein extra zu diesem Zweck gekauftes Büchlein. Damit habe ich im Sommerurlaub während meiner Blogpause angefangen, jeden Tag ein paar Seiten darin geschrieben und nach dem Urlaub nur noch sporadisch damit weitergemacht. Es war eine interessante Erfahrung für mich.

Genau wie die Tatsache, dass man bestimmte Momente nicht wiederholen kann, wie das folgende Experiment zeigt: 1999 war ich eine Woche in Cornwall unterwegs, wo ich im Auto ein Best-of-Album von ABBA in Dauerschleife laufen ließ. ABBA „Gold“ als Musikkassette, denn der Mietwagen – ein älteres Modell – war nicht mit einem CD-Player ausgestattet, dafür aber mit einem Tape Deck. Dieses Jahr ergatterte ich das Album auf CD und hielt es für eine gute Idee, dieses Erlebnis zu wiederholen und die Vergangenheit wieder aufleben zu lassen. Wie man sich vielleicht denken kann, funktionierte das überhaupt nicht. Genau zwei oder drei Mal habe ich die ABBA-CD laufen lassen, dann wechselte ich wieder zurück zu meinen von zu Hause mitgebrachten CDs und landete schließlich bei einem Greatest-Hits-Album von INXS, das dafür in Dauerschleife lief. Mal sehen, an welcher Musik ich bei der nächsten größeren Rundreise mit dem Auto einen Narren gefressen haben werde.

Und noch eine Entdeckung musste ich nach meiner Blogpause machen: Die meisten Nähbloggerinnen sind inzwischen auf Instagram unterwegs und bloggen nicht mehr. Ich dagegen blogge wieder, aber nicht mehr vorrangig übers Nähen, sondern über Fotografie, Bücher, Musik, Filme und Serien sowie ab und zu auch über Ausstellungen und Reisen.

Filme, mit denen ich eine Bildungslücke geschlossen habe: „Monster“, „The Breakfast Club“, „Kevin allein zu Haus“, „Kevin allein in New York“ und „Alien“ – Was für mich nächstes Jahr noch so kommt? Vermutlich ein Biopic über Elton John und der Downton-Abbey-Film. Da lautet „Abwarten und Tee trinken“ die Devise.

Ja, mach nur einen Plan“

Dieses Lied sang einst Bertolt Brecht. Es handelt von der Unzulänglichkeit des menschlichen Planens. Meine Freundin und ich wollten aus unterschiedlichen Gründen auch gerade für dieses Silvester nichts planen, aber Pläne für 2019 kann ich doch trotzdem schmieden. Sie möchte eine Reise nach Südafrika machen. Und ich? Spiele mit dem Gedanken an einen zweiwöchigen Urlaub im Osten Kanadas, nachdem ich gemerkt habe, dass drei Wochen Urlaub für Australien nicht reichen und ich außerdem lange Flüge hasse wie die Pest.

Mehr nähen wollte ich auch, an dem am 6. Januar beginnenden Fotoprojekt „ABC“ teilnehmen und mich auf eine literarische Reise der anderen Art begeben. Aber diese Reise unternehme ich alleine und behalte meine Erlebnisse für mich. Denn es gibt Dinge, die ich gerne rein privat und unausgesprochen lassen möchte.

Allen anderen wünsche ich einen entspannten Start in das neue Jahr und dass das Glück nicht nur auf Stippvisite hereinschneien möge.

 

(Moving) Picture of the day : The stairs

  … storey to storey, building to building, street to street – we pass each other on the stairs…   One of my favourite songs of the 80s/90s came to my mind when I walked on by a sculpture in … Weiterlesen

Unsortierte Gedanken : (nicht mehr alle) Tassen im Schrank

 


Halte beim Whisky Maß und genieß ihn nicht in Massen,

drum benutze ich ein Glas und trink ihn nicht aus Tassen *).


 

 

Als ich bei der Aktion „15 Tage, 15 Tassen“ mitmachte, fand ich heraus, dass drei meiner fotografierten Schätzchen spurlos verschwunden sind. Und zur Krönung habe ich dann auch noch versehentlich meine orange „Espressionisten“-Tasse geschrottet. Trinken kann man jetzt nicht mehr aus ihr, also dient sie jetzt als Behälter für Schlüssel; da ich sie aus Jux meine „Orange is the new Black“-Tasse getauft habe, kommt mir ihre neue Funktion nun vor wie pure Ironie. Und auch wenn wir viel zu viele Tassen im Haus haben (mitgezählt habe ich nicht die Becher meiner Schwester): So wollte ich meine Bestände nicht reduzieren.

Was mir diese Aktion noch gezeigt hat: Im Gegensatz zu anderen besitze ich keine Fan-Tasse. Die verschwundene Tasse, die ich 1999 anlässlich der Sonnenfinsternis in Stuttgart gekauft habe, zählt für mich nicht dazu. Warum nicht den Tip, mir eine Tasse, mit dem Motiv meiner Wahl bedrucken zu lassen, in die Tat umsetzen? Zumal ich meinen Morgenkaffee seit zwei Jahren aus der Tasse meines verstorbenen Mannes getrunken habe und ich seit einiger Zeit merke, dass ich mich damit nicht mehr wohl fühle. „The time is now“ – für etwas neues. Und darum habe ich mich hingesetzt und versucht, eine Auswahl aus ungefähr hundert Bildern mit Sprüchen, Landschaften oder Stars zu treffen. Einfach war das nicht, denn die meisten Fotos haben das falsche Format oder haben einen unruhigen Hintergrund.

Am Ende habe ich mich dann für eine Aufnahme meines Lieblingssängers entschieden; die habe ich zum Schluss noch mit rechts und links angesetzten Balken in einer zum dunklen Hintergrund passenden Farbe verbreitert und die Balken mit dem Auszug aus einem seiner bekanntesten Songtexte beschriftet: Damit nach dem Aufwachen mein Blick auf ein freundliches Gesicht fällt und nicht auf die geerbte Tasse mit dem Eselchen. Das bekommt nun einen Ehrenplatz in der Küche und darf von den anderen Familienmitgliedern bewundert werden.

 


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Und weil ich schon dabei war, habe ich auch gleich eine Tasse als Geschenk für meine beste Freundin bedrucken lassen; allerdings ist das keine Fan-Tasse geworden, denn sie zeigt eine Aufnahme von ihr mit einem Uhu auf dem Arm, als wir zusammen hinter die Kulissen einer Falknereivorführung schauen durften. Die Tasse soll ein Behältnis für einen Gutschein werden: entweder für einen gemeinsamen Kinobesuch oder – was ich für passender halte – eine Einladung in die Fasanerie. Bis zur nächsten „Besinnlichen Abendwanderung mit Lagerfeuer“ wird sie zwar noch nicht fit sein, weil sie zur Zeit einen Spezialschuh trägt, nachdem sie ihr den Gips abgenommen haben, aber wenn sie weiterhin solche Fortschritte macht wie jetzt, wird der frühestmöglichen Veranstaltung in 2019 kaum etwas im Wege stehen. Schließlich heißt es ja auch nicht umsonst „neues Spiel, neues Glück“.


 

*) Die Tasse vor der Whiskeyflasche abzustellen, war reiner Zufall, aber führte zur Inspiration zu diesem Kurzgedicht. Die einzige Variante, Whiskey aus einer Tasse zu trinken, wäre in Form eines Irish Coffee, aber den Versuch, ihn selbst zu mixen, werde ich so schnell nicht wiederholen (außerdem schmeckt er mir aus einem bauchigen Glas besser), und die Tasse bleibt weiterhin dem Genuß von Kaffee vorbehalten.