Cinema-Scope 2021 im März : wenn man sich mit den Falschen anlegt

Was passiert, wenn man sich mit den Falschen anlegt, ist ein Motto, das sich diesen Monat wie ein roter Faden durch die meisten Filme zieht, die ich mir für diesen Monat ausgesucht habe und bei denen Action im Fokus steht, weil mir weder nach herzzerreißenden Dramen noch nach überdrehten Komödien der Sinn gestanden hat.

Als kleine Flucht vom tristen Alltag sind sie also bestens geeignet – und das Raten, welcher Leftover aus dem letzten Jahr eine neue Chance bekommt, geht weiter: Aretha Franklin – Amazing Grace +++ Ballon +++ Big Little Lies, Staffel 2 +++ Bombshell – das Ende des Schweigens +++ Ein leichtes Mädchen +++ Kursk +++ Snowpiercer +++ The favourite – Intrigen und Irrsinn +++ Waltz with Bashir… davon sind jetzt noch neun Filme und eine Serie übrig…

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Brügge sehen… und sterben? +++ Ca$h +++ True Grit +++ The Circle +++ Lonely Hearts Killers +++ Gesetz der Rache +++ Chronicle – wozu bist du fähig? +++ Fight Club +++ Teen Spirit +++ Kick it like Beckham +++ The Favourite – Intrigen und Irrsinn +++ Queen & Slim

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Brügge sehen…und sterben? (2008): Nach einem nicht ganz so glatt gelaufenen Auftrag finden sich die Auftragskiller Ken (Brendan Gleeson) und Ray (Colin Farrell) auf dem Abstellgleis bzw. im mittelalterlichen Brügge wieder, um in einem kleinen Hotel auf einen Anruf ihres Chefs Harry (Ralph Fiennes) zu warten. Während Ken von der geschichtsträchtigen Umgebung schier begeistert ist, langweilt sich Ray zu Tode. Was er nicht weiß: Ken soll seinen das Chaos anziehenden Kollegen umbringen, bringt es aber nicht übers Herz, als es soweit ist – und als es ihm schließlich gelingt, Ray in einen Zug zu setzen, kommt dann doch alles anders…

Ca$h (2010): Alles Gute kommt von oben? Nicht, wenn auf der Motorhaube ein Koffer voller Geld landet, den ein skrupelloser Verbrecher wiederhaben will und nicht lockerlässt, nachdem der „glückliche“ Finder Sam (Chris Hemsworth) und dessen Frau Leslie (Victoria Profeta) von der Beute schon einen Teil ausgegeben haben – auf das Geld zu verzichten ist für Pyke Kubic (Sean Bean) keine Option, also zieht das ungleiche Trio los, um durch eine Serie von Raubüberfällen auf diverse Läden an die fehlenden dreizehntausend Dollar zu gelangen.

True Grit (2010): Zusammen mit dem dauerbetrunkenen US-Marshal Reuben Cogburn (Jeff Bridges) und zeitweilig begleitet von dem Texas Ranger LaBoeuf (Matt Damon) begibt sich die vierzehnjährige Mattie Ross (Hailee Steinfeld) auf eine ganz private Mission, um Tom Chaney (Josh Brolin), den Mörder ihres Vaters, zur Strecke zu bringen, nachdem sie von den Behörden keine Hilfe bekommen hat. Dass Mattie sich das Stellen des Übeltäters etwas zu einfach vorgestellt hat, geht ihr dann auch just in dem Moment auf, als ihr Revolver versagt und Chaney und seine Bande nun ihrerseits das Mädchen überwältigen und kidnappen – doch die Banditen haben ihre Rechnung ohne Cogburn und La Boeuf gemacht. Während der knapp zwei Stunden konnte ich mich ausgiebig an den Weiten von Texas und New Mexico erfreuen, und dramaturgisch gab’s für mich auch nichts zu meckern. Einzig bei der sich ständig wiederholenden Musik, insbesondere bei dem Kirchenlied „Leaning on the everlasting arms“, musste ich permanent an den Film „Die Nacht des Jägers“ denken – ein Eindruck, den die die am Horizont entlang reitende Silhouette in Schwarz vor einem sich rötlich färbenden Himmels noch verstärkt hat.

Die Musik zu True Grit, gefunden auf youtube- https://www.youtube.com/watch?v=VmhBUxUDPTA

The sleepless hunter, ebenfalls gefunden auf youtube – https://www.youtube.com/watch?v=9PyNL2ahKwc

The Circle (2017): Jeder weiß über jeden Bescheid, und das nicht nur bei „The Circle“, sondern überall auf der Welt: So sieht es aus, das Ziel dieser Firma (einer Mischung aus Google und Facebook), mit der man sich besser nicht anlegt. Dabei haben es die Firmengründer doch bloß gut gemeint: Alle Daten unter einem Dach und alles aus einer Hand – wer kann dazu schon nein sagen? Und überhaupt – das Zauberwort ist „sharing is caring“ oder, holprig für die deutsche Synchronfassung in „teilen ist heilen“ übersetzt; was zu der Schlussfolgerung führt, dass all jene, nicht freiwillig mitmachen, etwas zu verbergen haben. Du willst wählen? In Zukunft aber nur noch, wenn Du ein Circle-Account hast. Und natürlich geht damit auch die Verpflichtung zum Wählen einher – ein kleiner Preis, den man für die Verwirklichung der vollkommenen Demokratie doch gerne zu zahlen bereit sein wird. Demokratie pur – oder vielleicht doch eher die totale Diktatur? Denn wo die Möglichkeit zur sanktionsfreien Enthaltung fehlt, kann von Freiheit keine Rede mehr sein. In der Verfilmung des dystopischen Romans von Dave Eggers (mit Emma Watson und Tom Hanks in den Hauptrollen) steht eine erschreckende Zukunft mit vollkommener Datenkontrolle bereits vor der Tür. Auch wenn in weiten Teilen die Atmosphäre des Buchs wiedergegeben wurde, hat mich der Film mit gemischten Gefühlen zurückgelassen.

Lonely Hearts Killers (2006): Die Jagd auf das sich als Geschwisterpaar ausgebende Serienmörderpärchen Martha Beck & Raymond Fernandez, auch bekannt als Lonely Hearts Killers, ist eröffnet, und die Cops (John Travolta/James Gandolfini) geben keine Ruhe, bis sie das mörderische Paar zur Strecke gebracht haben. Der Film basiert auf einer wahren Geschichte – Opfer waren stets alleinstehende, wohlhabende Frauen, die auf den Heiratsschwindler hereinfielen und dabei leider nicht nur ihr Vermögen, sondern auch ihr Leben verloren. Den schmierigen Raymond, der von der manipulativen Martha (Salma Hayek) dominiert wird, konnte Jared Leto glaubhaft verkörpern, und mindestens genauso überzeugend kam für mich John Travolta als Polizist, der seine Frau durch Suizid verloren hat, in diesem spannenden Thriller rüber.

Gesetz der Rache (2009): Dass Jura nichts mit dem Gesetz zu tun haben muss, möchte der von Rache getriebene Clyde Shelton (Gerard Butler) mit drastischen Maßnahmen allen vor Augen führen, die seiner Meinung für alles stehen, was im amerikanischen Rechtssystem verkehrt läuft. Dabei beweist sein Rachefeldzug, dem nacheinander die Mörder seiner Familie, mehrere Justizangestellte, der Strafverteidiger und die Richterin zum Opfer fallen, dass Vergeltung nichts mit Gerechtigkeit zu tun hat. Actiongeladener Thriller, der es an einigen Stellen mit der Action und der Pyrotechnik arg übertreibt und es mir als Zuschauerin unmöglich gemacht hat, mich für eine bestimmte Seite zu entscheiden.

Chronicle – wozu bist du fähig? (2012): Wenn man durch den Kontakt mit einem rätselhaften Objekt telekinetische Fähigkeiten entwickelt und nicht weiß, wie man mit seinen gerade erst entdeckten Superkräften umgehen soll, dann hat man einen weiteren Film, dem man einem bestimmten Genre zuordnen könnte: In „Chronicle“ sind es drei Schüler, die zu Superhelden wider Willen mutieren und bald gar nichts mehr im Griff haben. Found Footage meets „Carrie“? So ähnlich habe ich mich bei dem Mix stellenweise gefühlt, fand das 83 Minuten kurze Spektakel mit interessantem Ausgang dann aber doch unterhaltsamer als zunächst befürchtet.

Fight Club (1999): Mit dem durchgeknallten Tyler Durden (Brad Pitt) sollte man sich besser nicht anlegen, wenn man von heute auf morgen nicht alles verlieren möchte. Diese Erfahrung muss der nicht näher benannte Hauptcharakter (Edward Norton) machen, nachdem er zusammen mit Durden geheime und nicht ganz legale Zweikämpfe organisiert. Doch was als regelmäßiges Ventil zum Dampfablassen am Samstagabend begonnen hat, entwickelt sich bald zum Selbstläufer mit gestellten „Hausaufgaben“ wie dem Anzetteln von Schlägereien oder Zerstörung von Läden, bis hin zur Bildung einer terroristischen Vereinigung mit Filialen überall in den USA unter dem Decknamen „Projekt Chaos“. Dass mit dem mysteriösen Tyler Durden etwas ganz und gar nicht stimmt, kann man schon zu Beginn erahnen, wenn seine Gestalt immer nur für Bruchteile von Sekunden im Bild erscheint.

Teen Spirit (2018): Elle Fanning als schüchterne, in einem kleinen Dorf auf der Isle of Wight lebende Violet, die an der Talentshow „Teen Spirit“ teilnimmt und Unterstützung durch den ehemaligen kroatischen Opernsänger Vlad erhält. Gewinnt sie oder gewinnt sie nicht – das ist in solchen Filmen die entscheidende Frage; doch nicht, dass sie als Gewinnerin aus diesem Wettbewerb hervorgeht, ist das Interessante an der im Prinzip vorhersehbaren Handlung, sondern das Wie und der Weg dort hin. Gefallen hat mir an dem Drama die Musik und dass mir von der Besetzung außer Elle Fanning kein einziger Name etwas gesagt hat, und für einen entspannten Nachmittag bei Schietwetter hat die Musik allemal etwas getaugt. Nicht die schlechteste Wahl zum Ablenken.

Kick it like Beckham (2002): Von wegen Fußball ist langweilig. Missverständnisse ziehen sich durch diese britisch-deutsche Komödie: Die einen haben Jess (Parminder Nagra) beim Knutschen mit einem Jungen an der Bushaltestelle gesehen, andere erhaschen Fetzen eines Gesprächs zwischen Jess und Jules (Keira Knightley) und schließen daraus messerscharf, die beiden wären ein Paar. Dabei möchte Jess doch nur Fußball spielen – in einer Mädchenmannschaft, und sie und Jules sind bloß beste Freundinnen und Teamkolleginnen – doch Fußballspielen schickt sich für ein indisches Mädchen nicht. Dass sich Jess trotz aller Bemühungen, es allen recht zu machen, dann auch noch in ihren Trainer Joe (Jonathan Rhys Meyers) verliebt und er sich in sie, setzt dem Drama die Krone auf, weil eine solche Beziehung nicht nur nicht erlaubt ist, sondern ausgerechnet Jules bis über beide Ohren in Joe verknallt ist… Den Film hat meine Schwester angeschleppt, und als wir ihn uns zusammen angeschaut haben, musste ich feststellen, dass der Film nicht nur durch die Besetzung, sondern auch durch die mitreißende Musik bei mir auf ganzer Linie punkten konnte.

The Favourite – Intrigen und Irrsinn (2018): Stoppt die Infektion! Nein, mit Corona hat dieser das achte Kapitel einleitende Satz in diesem bitterbösen Historiendrama, einer eigenwilligen Mischung aus Drama und Komödie, nichts zu tun. Denn die Handlung ist im England des 18. Jahrhunderts angesiedelt und dreht sich um das Intrigenspiel am Hofe von Königin Anne (Olivia Colman), und im Kampf um die Gunst der von Gicht geplagten Königin schrecken Sarah Churchill, die Duchess of Marlborough (Rachel Weisz) und ihre Kusine Abigail Masaham (Emma Stone) vor nichts zurück. Es hat nicht sehr lange gedauert, bis ich mich gefragt habe, wer hier eigentlich wen manipuliert und wer wirklich die Macht im Königreich hat…

Queen & Slim (2019): Eine aus dem Ruder gelaufene Polizeikontrolle, bei der der Polizist an einer Schussverletzung stirbt, führt dazu, dass sich ein junges afroamerikanischen Paares, das sich gerade erst über Tinder kennengelernt hat, plötzlich auf der Flucht befindet. Zum Ziel ihrer Reise, während der sie von den einen zu Ikonen der Black-Lives-Matter-Bewegung hochstilisiert und von den anderen mit Bonnie und Clyde verglichen werden, haben sie Kuba auserkoren. Wer aber weiß, wie die Geschichte von Bonnie und Clyde ausgeht, fragt sich, ob sie ihr Ziel jemals erreichen werden und ob man diesen Vergleich vielleicht nicht doch besser nicht gemacht hätte.

Damit lasse ich es für diesen Monat auch schon wieder gut sein, denn zwölf Filme reichen mir vollends, auch wenn ich hier noch welche herumliegen habe – dann kommen sie halt im April an die Reihe. Außerdem hat der Mittwochabend bei mir wieder seinen festen Sendeplatz mit zwei Serien.

„9-1-1 : Notruf LA“ ist zurück und hat einen Ableger bekommen, denn von Ryan Murphy und Brad Falchuk, den Schöpfern von „American Horror Story“ gibt es nach „9-1-1 : Notruf LA“ nun eine neue Serie mit dem klangvollen Namen „9-1-1: Lone Star“.

Klingt nach Wildwest-Abenteuer, spielt aber in Austin (Texas). Hier soll Owen Strand (Rob Lowe), der eine Feuerwache in Manhattan geleitet hat, eine komplett neue Wache aufbauen, nachdem es hier ein flammendes Inferno gegeben hat. Kein leichtes Unterfangen, denn er beißt gleich zu Beginn bei Captain Michelle Blake (Liv Tyler), die bei den Sanitätern das Sagen hat und damit eigentlich an der Spitze steht, auf Granit.

Eine Klasse für sich bzw. eine harte Nuss sind auch die Einstellungs- bzw. Rekrutierungsgespräche, mit denen eine neue Crew gefunden werden soll. Diese musikalisch mit dem Hit „Need you tonight“ von INXS in voller Länge zu untermalen, darauf muss man auch erst mal kommen, denn diesen Kontext hatten die Komponisten dieses 80er-Jahre-Klassikers garantiert nicht im Sinn gehabt. Alles in allem bin ich gespannt, wie sich dieser Spin-Off entwickelt.

Film des Monats: The favourite – Intrigen und Irrsinn / Gurke des Monats: keine.

Cinema-Scope 2021 im Februar : Die feine Gesellschaft …

… steht teilweise im Fokus oder auch am Pranger in den zehn im Februar von mir ausgewählten Produktionen. In diesem kurzen Monat geht die Auslosung weiter. Von allen aus dem letzten Jahr Übriggebliebenen bekommen jetzt die folgenden DVDs als sogenannte „Leftovers“ eine neue Chance:

Aretha Franklin – Amazing Grace +++ Ballon +++ Big Little Lies, Staffel 2 +++ Bombshell – das Ende des Schweigens +++ Der Hobbit – die Schlacht der fünf Heere +++ Die perfekte Kandidatin +++ Ein leichtes Mädchen +++ Kursk +++Snowpiercer +++ The favourite – Intrigen und Irrsinn +++ Waltz with Bashir

Nachdem ich mir im Januar „Love Story“ gegönnt habe, sind nun noch zehn Filme und eine Serie aus völlig unterschiedlichen Genres übrig, die ich auf die restlichen elf Monate verteilen möchte.

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La Boum 2 – die Fete geht weiter + A United Kingdom + Picnic at Hanging Rock + Der Hobbit – die Schlacht der fünf Heere + Systemfehler – Wenn Inge tanzt + Notting Hill + Juliet, Naked + Agatha und die Wahrheit des Verbrechens + Die Farbe des Horizonts + Nicht auflegen!

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La Boum 2 – die Fete geht weiter (1982): Zwei Jahre nach „La Boum – die Fete – Eltern unerwünscht“: Durch ein Missgeschick lernt Vic (Sophie Marceau) Philippe (Pierre Cosso) kennen und verliebt sich in ihn. Doch außer ein paar harmlosen Knutschereien hat Vic keinerlei Erfahrung in der Liebe, und hinzu kommt noch, dass die Ehe ihrer Eltern noch lange nicht im Lot ist; jetzt entbrennen sich Streits nicht mehr an Seitensprüngen, sondern an der beruflichen Laufbahn des jeweils anderen. Und dann ist da noch die Urgroßmutter, die jetzt eigentlich ihren langjährigen Freund heiraten könnte, nachdem dessen Ehefrau überraschend das Zeitliche gesegnet hat, aber nicht weiß, was sie machen soll. Mag der Film an den Kinokassen nicht ganz so erfolgreich gewesen sein wie sein Vorgänger, so habe ich mich doch blendend amüsiert, als mir nach leichter Unterhaltung war.

A United Kingdom (2016): Eine Liebe gegen alle Widerstände; als sich die Sekretärin Ruth Williams (Rosamund Pike) und Seretse Khama (David Oyelowo) sich im London der Vierziger Jahre ineinander verlieben und heiraten möchten, ahnen sie nicht, dass sie damit auf Ablehnung von allen Seiten stoßen. Seretse ist nämlich nicht irgendwer, sondern Thronfolger des britischen Protektorats Betschuanaland (das spätere Botswana). Und so sind nicht nur die Familien beider gegen die Beziehung, sondern vor allem Südafrika, unterstützt von Großbritannien, das einen Konflikt mit dem wichtigen Partner nicht riskieren möchte und vor allem an Bodenschätzen interessiert ist. Neben Südwestafrika und Rhodesien versucht Südafrika als direkter Nachbar Betschuanalands, die geplante Eheschließung zu verhindern, da diese einen Affront gegen Südafrikas Apartheitspolitik darstellen würde. Was als Liebesdrama beginnt, entwickelt sich schnell zum spannenden Politthriller, in dem Sir Winston Churchill eine unrühmliche Rolle spielt. Weitere Darsteller in diesem mitreißenden Drama: Laura Carmichael (Downton Abbey) als Ruths Schwester Muriel und Tom Felton (Harry Potter) als District Commissioner Rufus Lancaster – letzteren hat es trotz allem nicht gegeben, sondern wurde für die Geschichte frei erfunden, obwohl die Filmbiografie auf der Biografie „Colour Bar: The Triumph of Seretse Khama and His Nation“ der Historikerin Susan Williams basiert.

Picnic at Hanging Rock (2018): Neuauflage des Filmklassikers von Peter Weir, nun als Miniserie mit Natalie Dormer, Yael Stone und Samara Weaving in den Hauptrollen. Anders als der Film aus den Siebziger Jahren, konzentriert sich der australische Sechsteiler auf die Auswirkungen, die das Verschwinden dreier Schülerinnen und einer Lehrerin am Valentinstag des Jahres 1900 auf Mitschülerinnen, Lehrerinnen und Personen aus dem direkten Umfeld der Vermissten hat. In Rückblenden erfährt man mehr über die Geschichten der einzelnen Charaktere, insbesondere über die undurchsichtige Schulleiterin Hester Appleyard, sowie die Beziehungen untereinander. Besonderen Eindruck auf mich haben aber nicht die Kostüme gemacht, sondern die Musik, mit der das teilweise sehr düster wirkende Drama aus der viktorianischen Ära unterlegt ist – beklemmend und hypnotisch, und völlig anders als die Panflötenmusik, die den Soundtrack von Peter Weirs „Picknick am Valentinstag“ bestimmt.

Der Hobbit – die Schlacht der fünf Heere (2014): Was für ein Filmabend. Es ist schon eine Weile her, dass ich sowohl die Bücher gelesen als auch die Verfilmung vom Herrn der Ringe gesehen habe. Dass man nun unbedingt das verhältnismäßig sehr dünne Büchlein über den Hobbit als Trilogie in die Kinos bringen musste und Erzählstränge in der Verfilmung auftauchten, an die ich mich so gar nicht erinnern konnte, hat mich das ein oder andere Fragezeichen in die Luft starren lassen. Aber die Krönung für mich (aber nicht im positiven Sinne) war jene kurze Sequenz, in der ich mich plötzlich im falschen Film wähnte – als nämlich die Sandwümer, Höhlenbohrer oder wie man sie auch immer in Mittelerde nannte, ans Tageslich kamen und eine fatale Ähnlichkeit mit den Sandwürmern aus „Dune – der Wüstenplanet“ aufwiesen. Waren das wirklich fünf Heere? Oder vielleicht doch nur drei oder vier? Egal – der große Wurf war’s nicht, aber ganz okay für einen unterhaltsamen Filmabend mit meiner Schwester, die den Streifen mitgebracht hatte (die temporären Crushs haben wir an diesem Abend sauber unter uns aufgeteilt – für sie war’s Richard Armitage, für mich Aidan Turner).

Systemfehler – Wenn Inge tanzt (2013): Mit „Wenn Inge tanzt“ hat die Punkrock-Band Systemfehler einen ersten kleinen Hit im Radio landen können, und nun winkt der ersehnte Plattenvertrag. Doch die Sache hat einen Haken: Der Song ist ein Schmählied über die „Öko-Tussi“ Inge, die ihren vier Mitschülern verständlicherweise nicht gerade freundlich gesonnen ist, und dann fällt der Gitarrist auch noch durch einen Unall durch eigenes Verschulden bei einem Gig für Wochen aus. Also muss Ersatz her, und da sich niemand vernünftiges findet, muss nun ausgerechnet Inge den an den Handgelenken geschienten Joscha bei einem Konzert als Vorband von Madsen ersetzen… Die Komödie lavierte stellenweise doch arg am Rande des guten Geschmacks vorbei, war für einen gemütlichen Nachmittag, an dem ich Aufheiterung gebrauchen konnte, für mich genau das Richtige. Dass sich die zwei völlig gegensätzlichen Hauptcharaktere Inge (Paula Kalenberg) und Sänger Max (Tim Oliver Schulz) ineinander verlieben – geschenkt. Die wahre Überraschung in dem Film, in dem die Band Systemfehler sich selbst und Jürgen Tarrach den unausstehlichen Hausmeister spielt, war für mich jedoch Peter Kraus. In den 50er Jahren war der Rock’n’Roll-Sänger neben Ted Herold ein Teenageridol – in „Systemfehler – Wenn Inge tanzt“ nimmt er sich selbst auf die Schippe, indem er Max‘ Onkel Herb spielt, der in Erinnerungen an seine große Schlagerkarriere in den 70er Jahren und seine Auftritte in der ZDF-Hitparade schwelgt und jeden Tag so lebt, als sei dieser sein letzter.

Notting Hill (1999): Als es Hollwoodstar Anna Scott (Julia Roberts) nach Notting Hill verschlägt, kann Buchhändler William Thacker (Hugh Grant) sein Glück kaum fassen – zwischen ihm und der Schauspielerin bahnt sich eine Romanze an, doch diese ist leider nicht von langer Dauer, denn es scheint, dass er für sie wohl nicht mehr als nur ein flüchtiger Bekannter ist – gar heftig ist der Liebeskummer, unter dem der arme William daraufhin leidet; und leider ist dann auch diese eine Szene, in der der zu Tode betrübte William in einer einzigen Einstellung durch drei Jahreszeiten über den Straßenmarkt von Notting Hill schlurft, das einzige, was ich an dem Film, den andere für den Inbegriff der romantischen Komödie halten, bemerkenswert fand.

Juliet, Naked (2018): Oder auch „wenn hartgesottene Fans nerven“… In dieser romantischen Komödie reicht es der in einem britischen Küstenstädtchen lebenden Annie (Rose Byrne), nachdem ihr Lebensgefährte Duncan (Chris O’Dowd) ihr nach fünfzehn gemeinsamen Jahren einen Seitensprung beichtet. Eigentlich war die Beziehung vorher schon nicht das Wahre, denn an der Seite des Hardcore-Fans spielt sie im Prinzip nur die zweite Geige, weil ihr Duncan den Independent-Musiker Tucker Crowe (Ethan Hawke) vergöttert. Dieser ist vor Jahren während eines Gigs spurlos verschwunden, und so ranken sich die wildesten Gerüchte um seinen Verbleib. Ausgerechnet mit diesem gerät sie durch Zufall in Kontakt und korrespondiert mit ihm per E-Mail, ohne zu ahnen, dass dieser schon bald in London auftauchen wird. Mit der Verfilmung eines weiteren Romans von Nick Hornby hatte ich viel Vergnügen und mir vorgenommen, bloß nie so zu werden wie Duncan, der ein Zimmer im Keller zu einem Schrein für sein Idol ausgebaut hat und sich das Objekt seiner Fanbegeisterung zum Gegenstand wissenschaftlicher Abhandlungen erklärt hat, und dann den Ärmsten noch nicht mal erkennt, als er persönlich vor ihm steht.

Agatha und die Wahrheit des Verbrechens (2018): „Dieser Film wurde nicht von den Erben (der Erbgemeinschaft) Agatha Christies oder Agatha Christie Limited gebilligt, lizenziert oder autorisiert“, heißt es im Abspann zu diesem Film, der allein auf Spekulationen um das elftägige Verschwinden der Queen of Crime im Jahr 1926 beschäftigt. In dieser Variante versteckt sich Agatha Christie jedoch nicht in einem Kurhotel wie in dem Filmdrama von 1979 mit Vanessa Redgrave in der Hauptrolle, sondern betätigt sich als Privatermittlerin in einem sechs Jahre zurückliegenden und nie gelösten Mordfall, wobei recht schnell ein weiterer Mord geschieht. Doch was sich für mich zunächst noch spannend angehört hat, entwickelt sich recht schnell als Schlaftablette mit Logiklöchern, bei der ich mich am Ende fragte, wieso sich plötzlich alle auf die überführten Täter eingeschossen haben.

Die Farbe des Horizonts (2018): Open Water mit Schiffbruch. Nachdem Hurrikan Raymond 1983 den Segler Richard (Sam Claflin) über Bord gefegt hat, muss seine Verlobte Tami (Shailene Woodley) alleine klarkommen und 41 Tage lang um ihr Überleben kämpfen. „Nach einer wahren Geschichte“ heißt es zu Beginn des Films, und schon bald wurde mir klar, dass nach dem Krimispektakel um Agatha Christie auch dieses Drama meinen Geschmack nicht treffen würde – doch im Gegensatz zu der Hauptdarstellerin wusste ich, dass der Alptraum nach 97 Minuten vorbei sein würde.

Nicht auflegen! (2002): In der Kürze liegt die Würze: Phone Booth – so kurz und knackig, wie der Titel, der sich auf den Schauplatz bezieht, so ist mit 78 Minuten auch die Laufzeit des spannenden und in Echtzeit gedrehten Thrillers mit Colin Farrell in der Hauptrolle des PR-Beraters Stu geraten. Wenn es klingelt, muss man doch abheben, oder nicht? Ach, wie gerne hätte ich diesem Typen im schicken italienischen Anzug und der gefälschten 2000-Dollar-Uhr am Handgelenk jenen Spruch mit auf den Weg gegeben, den ich jahrelang an meinem Festnetzapparat im Büro befestigt hatte: „Kein Telefon hat einen verfassungsmäßigen Anspruch darauf, abgenommen zu werden.“ Normalerweise ist sich der mit allen Wassern gewaschene Stu für keine Lüge zu schade, um durch Manipulation anderer seine Ziele zu erreichen, und wenn er seine Geliebte von einer Telefonzelle aus anruft, nimmt er den Ehering ab. Nun aber steht er in eben dieser Telefonzelle im Fadenkreuz eines psychopathischen Serienkillers (Kiefer Sutherland), der so ähnlich tickt wie „Jigsaw“ in SAW, und muss vor aller Öffentlichkeit nicht nur einen Seelenstriptease vom Allerfeinsten hinlegen, sondern auch um das Leben seiner Frau und seiner Geliebten fürchten, die beide am von Scharfschützen umstellten Tatort aufkreuzen. Interessantes Detail am Rande: Das Drehbuch zu dem filmischen Kammerspiel, das in chronologisch richtiger Reihenfolge gedreht wurde, geht auf eine Idee von Alfred Hitchcock zurück – vielleicht fand ich den Film deshalb so spannend.

Mein Film des Monats war „A United Kingdom“ – die Gurke des Monats dagegen „Agatha und die Wahrheit des Verbrechens“ – allerdings war mir am Ende des Monats nicht mehr nach irgendwelchen Filmen, nachdem Corona auch in meiner Familie mit fatalem Ausgang zugeschlagen hat.

Cinema-Scope 2021 im Januar : Von gestern – 8 x Nostalgie auf DVD (mit Zufällen)

Drama, Baby! – Neues Spiel, neues Glück – eine neue Chance für all jene, die letztes Jahr leider draußen bleiben mussten (aus meinem DVD-Player). Das war der ursprüngliche Plan. Diese zwölf „Leftovers“ sind für dieses Jahr fest eingeplant:

Aretha Franklin – Amazing Grace / Ballon / Big Little Lies, Staffel 2 / Bombshell – das Ende des Schweigens / Der Hobbit – die Schlacht der fünf Heere / Die perfekte Kandidatin / Ein leichtes Mädchen / Kursk / Love Story / Snowpiercer / The favourite – Intrigen und Irrsinn / Waltz with Bashir

Elf Filme und eine Serie aus völlig unterschiedlichen Genres – für jeden Monat eine DVD; welche davon es in den Januar geschafft hat, zeigt der Monatsrückblick auf Filme und Serien, die entweder schon älter sind, in einer vergangenen Epoche spielen oder sonstwie nostalgisch angehaucht sind. Und deshalb ist das Beitragsbild ebenso nostalgisch angehaucht.

Ausgelost hat der Zufallsgenerator übrigens:

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+++ Love Story +++ Die neue Zeit +++ A very English scandal +++ Mitten ins Herz – ein Song für Dich +++ Road to your heart +++ 303 +++ Im Rausch der Sterne +++ La Boum – die Fete – Eltern unerwünscht +++

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Tatü Tata! Screenshot aus „A very English scandal“ – da zittern all die Verbrecher, die nicht ganz so helle sind.

Love Story (1970): Ryan O’Neal und Ali MacGraw in einer tragischen Liebesgeschichte – Oliver Barrett IV ist Sprössling einer schwerreichen, erzkonservativen Familie, Jennifer Cavilleri die aus einfachen Verhältnissen stammende Tochter italienischer Einwanderer. Gemeinsam gegen alle Widerstände beißen sie sich durch. Alles könnte so schön sein, bis bei der jungen Frau eine unheilbare, nicht näher bezeichnete Krankheit festgestellt wird und dem Paar nur noch kurze Zeit bleibt. Der Film war nicht nur ein Kassenschlager in den frühen Siebziger Jahren, sondern O’Neal & MacGraw waren für lange Zeit das Traumpaar schlechthin. Für böse Zungen mag „Love Story“ eine sentimentale Schnulze sein, mich hat die ein oder andere Szene eiskalt erwischt und zu Tränen gerührt. Und wirklich beeindruckend war für mich, wie unverblümt Jennifer beim Flirten Gas gibt und dabei kein Blatt vor den Mund nimmt, und die selbstgestaltete Hochzeit ohne übertriebenen Schnickschnack dürfte so manchen Hochzeitsplaner die Stirn runzeln lassen; und angesichts des Fehlens jeglicher geistlichen Komponente könnten sich religiöse Menschen gegebenenfalls brüskiert fühlen.

Die neue Zeit (2019): Sechsteilige Miniserie, an deren Produktion die öffentlich-rechtlichen Sender ZDF und arte beteiligt war. Erzählt wird in Rückblenden aus der Sicht von Walter Gropius (August Diehl) die Geschichte des Bauhauses in Weimar (später Dessau) und der Studentin Dörte Helm (Anna-Maria Mühe). Im Gegensatz zu „Babylon Berlin“, das im Berlin der späten Zwanziger Jahre angesiedelt ist, fand ich diese Serie richtig spannend und auch in technischer Hinsicht spannend umgesetzt, auch wenn sich die letzten beiden Folgen fühlbar in die Länge zogen.

A very English scandal (2018): Hugh Grant als Jeremy Thorpe, von 1967 bis 1976 Vorsitzender der Liberal Party, dem eine Verschwörung zum Verhängnis wird. Das Drehbuch für die auf dem gleichnamigen Roman von John Preston basierende Serie schrieb Russell T. Davies – Regie führte Stephen Frears. In der dreiteiligen Miniserie der BBC. In den insgesamt drei Folgen, einer kurzweiligen Mischung aus Drama und schwarzer Komödie wird detailliert geschildert, wie Mr. Thorpe plant, seinen ehemaligen, deutlich jüngeren Liebhaber Norman Scott (Ben Whishaw) umzubringen, da dieser zunehmend unbequem für ihn und seine politische Laufbahn wird. Gleichgeschlechtliche Beziehungen waren zwar nicht mehr grundsätzlich illegal, aber auch nicht gerade einer Karriere förderlich, und schon gar nicht, wenn man Parteivorsitzender werden möchte. Blöd nur für Herrn Thorpe, dass er sich bei seinem Plan mit den nicht gerade Hellsten zusammentut. Interessante Details am Rande: In der Serie befürwortet Thorpe den Anschluss Großbritanniens an die EU. Und Eve Myles, die ich auch schon in Torchwood bewundern durfte, hat hier eine kleine Nebenrolle als Freundin Norman Scotts, die dann aber leider kein schönes Ende erlebt.

Mitten ins Herz – ein Song für Dich (2007): Hugh Grant, die zweite. Diesmal wieder in einer romantischen Komödie. Alex Fletcher, der seit den 80er Jahren keinen nennenswerten Hit mehr landen konnte und kurz vor einer Art Comeback steht, trifft auf Sophie Fisher (Drew Barrymore), die nur seine Pflanzen gießen wollte. Durch eine vorlaute Bemerkung landet sie unversehens in der Rolle der Texterin für einen Song, den Alex für den exzentrischen Star Cora Corman (Haley Bennett) schreiben will. Mir war schon zu Beginn klar, wie der Hase laufen wird – aber nicht, wieviel Spaß ich beim Anschauen tatsächlich hatte. Schuld daran waren die Songs und ihre Interpreten, bei denen ich gerätselt habe, wer für sie als Inspirationsquelle gedient haben könnte. Wham! für Alex und seine Band PoP! in den den 80 Jahren – und Shakira für Cora Corman? Ich habe den ganzen Film über mitgerätselt.

Road to your heart (2014): Und noch etwas fürs Herz – hier dachte ich bei diesem Titel tatsächlich für einen Moment, es handele sich um einen Liebesfilm; doch ich bekam ein echtes Roadmovie zu sehen, bei dem ich das „to your heart“ irgendwann für mich anders interpretiert habe. Der Weg ist das Ziel: Der ausschließlich vom Profit angetriebene Basson van Rendsburg soll in spätestens fünf Tagen bei der Beerdigung seines Vaters erscheinen, andernfalls wird er nicht CEO im Familienunternehmen. Fliegen darf er nicht (und will es auch nicht), und den direkten Weg zu nehmen, ist auch nicht drin, den der Verstorbene hat sich für seinen Sohn eine Art Schnitzeljagd oder Autorallye ausgedacht, bei der er zwangsläufig mit Menschen in Kontakt kommen wird, die anders ticken als er.

Dass dieser Film nicht mal bei Wikipedia bekannt ist, könnte vielleicht daran liegen, dass er aus einem Land stammt, das bei mir bis jetzt in filmischer Hinsicht ein eher untergeordnetes Dasein gefristet hat (abgesehen von „District 9“): Südafrika. Noch dazu mit Songs in Afrikaans. Da hatte ich beim Lesen der öfters im Bild auftauchenden Bucket List und bei den Songs in dieser Sprache teilweise echte Verständnisprobleme.

303 (2018): Noch ein Roadmovie, diesmal liefert ein Wohnmobil (Hymer+Mercedes 303) die Portion Nostalgie – gesteuert wird es von der 24jährigen Studentin Jule, die damit auf dem Weg zu ihrem Freund ist, von dem sie ein Kind erwartet. Unterwegs nimmt sie den per Anhalter reisenden gleichaltrigen Studenten Jan zunächst nur bis nach Köln mit, der von dort aus mit dem Bus nach Spanien weiterfahren möchte, um endlich seinen leiblichen Vater kennenzulernen. Die Zeit vergeht wie im Flug, und weil sie beide für ihr Leben gern über Gott und die Welt diskutieren, setzen sie die Fahrt dann doch gemeinsam fort – und was zunächst als reine Fahrgemeinschaft gedacht war, entwickelt sich während der mehr als 500 Kilometer schon bald zu mehr.

Im Rausch der Sterne (2015): Kochen wie früher? Nicht, wenn man sich einen dritten Michelin-Stern erkochen möchte so wie Adam Jones (Bradley Cooper), der nach einem Komplettabsturz in London gelandet ist, um nochmal neu durchzustarten. Was ich zu sehen bekam, waren zwar toll gefilmte und ästhetische Bilder sowie einen Eindruck, wie der Arbeitsalltag in den gehobenen Küchen vermutlich ist – aber so richtig erwärmen konnte ich mich für dieses halbgare Drama nicht wirklich, meine Begeisterung köchelte hier eher auf Sparflamme. Was mir vor allem wehtat, war die unglaubliche Verschwendung von Lebensmitteln seitens des cholerischen Chefkochs: Der Teller ist nicht perfekt? Weg damit! Ich weiß, es ist „nur ein Film“, aber trotzdem.

La Boum – die Fete – Eltern unerwünscht (1980): Der Kultfilm meiner Generation. Leider hatte ich nie das Vergnügen und konnte jetzt endlich nach 40 Jahren eine Bildungslücke schließen. Sorgen und Nöte von 13jährigen Teenagern. Zwar findet die 13jährige Vic (Sophie Marceau) nach dem Umzug in die französische Hauptstadt schnell Freunde und auf einer Party die erste Liebe, aber auch schon bald ebenso großen Liebeskummer, denn der Liebste hat anscheinend noch ein weiteres Eisen im Feuer. Zwar findet sie Trost und Beistand bei ihrer lebenserfahrenen Urgroßmutter Poupette – die wahre Katastrophe ist jedoch bereits im Anrollen: Die Ehe der Eltern steht auf dem Spiel, als Mama herausfindet, dass Papa (Claude Brasseur) schon seit einiger Zeit eine Affäre mit einer Parfümverkäuferin hat und sich Mama ihrerseits mit dem Englischlehrer (Bernard Giraudeu) tröstet. Relativ schnell hat sich am Ende übrigens auch Vic getröstet, die sich zwar mit Mathieu wieder versöhnt, aber sich dann Hals über Kopf auf einer Party in einen anderen verliebt.

Ich habe mich bei dem Film prächtig amüsiert, was nicht zuletzt auch an der Uroma lag, die einen waghalsigen Fahrstil pflegt. In diesem DVD-Doppelpack ist auch „La Boum 2 – die Fete geht weiter“ enthalten, aber den nicht ganz so erfolgreichen Nachfolger habe ich mir für den Februar aufgespart.

Mein Fazit: Mein Film des Monats war „303“ – zur Gurke des Monats küre ich „Im Rausch der Sterne“

Mein Kinojahr 2020 : alle Filme im Überblick

Nachdem ich 2019 mit dem Aufzählen und Kategorisieren der von mir im Kino gesehenen Filme angefangen habe und auf insgesamt 17 Filme in fünf Kategorien gekommen bin, habe ich mir dieses Jahr noch eine weitere Kategorie einfallen lassen: Die „Gurke des Jahres“ als Pendant zum „Film des Jahres“.

Zum aktuellen Zeitpunkt sind die Kategorien am Ende dieser Jahreszusammenfassung auch schon wieder ein alter Hut. Statt dessen hebe ich in jedem Monat die Filme, von denen ich ganz besonders angetan war, fett hervor. Welche für mich eher nicht so der Brüller waren, erscheinen in Kursivschrift. Zur Auswahl stehen die folgenden Beiträge, in chronologischer Reihenfolge (mit der Anzahl der Filme in den betreffenden Monaten in Klammern):

Januar (3) : Parasite Little Women — Mystify: Michael Hutchence

Februar (4) : Jojo Rabbit The Lodge — La Gomera – verpfiffen und verraten — The Gentlemen

März (0) : Mangels Masse gibt es hier weder einen Flop noch ein Highlight. Wobei – doch, einen hätte ich: den Anwärter auf die Gurke des Jahres, und die finden Interessierte dann doch am Ende dieser Rückschau, die sich ab jetzt (bis auf eine Ausnahme) auf die von mir gesehenen DVDs bezieht.

April (15) : Der Zauberer von Oz — West Side Story — The Breakfast Club — We want sex — Loreena McKennitt – Nights from the Alhambra — In guten Händen — Ray — Die Nebel von Avalon — Wie angelt man sich einen Millionär — Zimt und Koriander — Vom Winde verweht — 25 km/h — Murder in the first — The witness for the prosecution — Good Morning Vietnam

Mai (12) : Zurück in die Zukunft I – III — INXS – Live Baby Live — Sliding Doors — Downton Abbey : Highland Special — Blow – Matrix — Virus – Schiff ohne WiederkehrThe Peanut Butter Falcon — Hustlers — Knives Out – Mord ist Familiensache

Juni (6) : Der Fall Collini — Alles steht kopf — Ocean’s Eight — Susi & Strolch – I & II — Highlander – es kann nur einen geben

Juli (22) : Eins, zwei, drei — Die Frau, von der man spricht — Cleopatra — Belle de Jour – Schöne des Tages — Bonnie & Clyde — Die Nacht des Jägers — Sein Mädchen für besondere Fälle — Die Erfindung der Wahrheit — Pitch Perfect 1 und 2 — Metropolis — High Rise — Match Point — Wahrheit oder Pflicht — Das Totenschiff — The Artist — Eine total, total verrückte Welt — Nur ein kleiner Gefallen — Muriels Hochzeit — Infam — A cure for wellness — Porträt einer jungen Frau in Flammen (übrigens der einzige Film, den ich bei einer Open-Air-Kinovorführung gesehen habe.

August (8) : Der rote Korsar — Look away — Ghostland — Get Out — Midsommar — Náufragos – Gestrandet — Dolores — Gone Girl – das perfekte Opfer

September (16) : Dune – Der Wüstenplanet — A world beyond — Synchronicity — Passengers — WALL·E – der letzte räumt die Erde auf — Blade Runner 2049 — Dark Star — Traumschiff Surprise – Periode 1 — Der Marsianer – Rettet Mark Watney — Interstellar — Life — Spaceballs — Glenn No. 3948 — Das fünfte Element — Gravity — District 9

Oktober (15) : Alien — Behind the mask — Carrie — Della Morte Dellamore — Der Unsichtbare — Die Addams Family in verrückter Tradition — Die Vögel — Morty — Ouija – spiel nicht mit dem Teufel — Paranormal Activity — Ring – das Original — So finster die Nacht — The Neon DemonThe Crow — Voice from the Stone – Ruf aus dem Jenseits

November (28) : Warte, bis es dunkel ist — Taxi Driver — M – eine Stadt sucht einen Mörder — Die zwölf Geschworenen — Wartezimmer zum Jenseits — Niagara — Badlands – Zerschossene Träume — Außer Atem —Im Schatten des Zweifels — Himmel ohne Sterne — Der dritte Mann — Ich kämpfe um Dich — Das Mädchen und der Kommissar — Vier im roten Kreis — Elf Uhr nachts – ’71 – Hinter feindlichen Linien — Berüchtigt — Sorry We missed you — Shutter Island — Ein Kind war Zeuge — The Good German – In den Ruinen von Berlin — The Boy next Door — Der Mann, der zuviel wusste — The Gambler — Die Taschendiebin — The Number 23 — 10×10 — Insomnia – Schlaflos

Dezember (2) : Cinema Paradiso — Midnight in Paris

Dank des Rekordmonats November bin ich damit auf 131 Filme gekommen.

Film des Jahres (hat mich im Kino umgehauen): Parasite / Film des Jahrs auf DVD: The Peanut Butter Falcon +++ Filme, die mich nachhaltig begeistert haben – im Kino : Jojo Rabbit, The Gentlemen / auf DVD: The Artist +++ Filme, bei denen der Fangirl-Faktor den Ausschlag gab: Mystify : Michael Hutchence / Das Pendant dazu auf DVD: Loreena McKennitt – Nights from the Alhambra / INXS – Live Baby Live +++ Filme, die ganz okay waren: La Gomera / Knives Out und noch einige andere von dieser Liste. Die alle aufzuzählen, würde zu weit führen +++ Filme, die mich enttäuscht haben: Little Women, The Lodge / Highlander – es kann nur einen geben, Blade Runner 2049 +++

Gurke des Jahres: CORONA – denn das hat meine schönen Pläne durchkreuzt und die Existenz vieler Betriebe gefährdet oder gar zunichte gemacht, und ich möchte gar nicht wissen, wie viele kleine Kinos davon betroffen sind.

+++ Filme, die ich noch sehen wollte: Bombshell – das Ende des Schweigens (habe ich jetzt auf als DVD), Für Sama, Jean Seberg, Black Widow, James Bond 007 – keine Zeit zu sterben, Tenet, Antebellum, West Side Story und Dune. Der erste ist auf jeden Fall schon für diesen Monat eingeplant.

Mein Kinojahr 2020 : Dezember und das, was vom Jahr noch übrigblieb

Drama, Baby!

Wegen Corona waren Kinobesuche dieses Jahr für mich nicht möglich. Deshalb habe ich mir einige Filme, die ich sehen wollte, auf DVD gekauft. Gesehen habe ich davon bisher nur einen, und deshalb wollte ich diesen Übriggebliebenen jetzt ihre Chance geben, aber dann kam alles anders. An Filmen habe ich tatsächlich nur zwei gesehen, und die waren ausgeliehen – die restliche Zeit habe ich mir mit drei Serien vertrieben, auf die ich später noch zurückkommen werde.

Bleibt noch zu hoffen, dass das vor uns liegende Jahr nicht genauso wird wie dieses.

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Drama-Dezember : die Filme

+ Cinema Paradiso + Midnight in Paris +

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Drama-Dezember : die Serien

+ Nashville, Staffeln 3 und 4 + Babylon Berlin, Staffel 1 + Hell on Wheels, Staffeln 1 bis 5 +

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Cinema Paradiso (1988) : Eine der schönsten Liebeserklärungen an das Kino, aus einer Zeit, als noch das ganze sizilianische Dorf zur gemeinsamen Vorführung in der Kirche zusammenkam, wo sie sich an Filmen erfreuen durfte, die vorher vom Pfaffer (von wem auch sonst) zensiert wurden. Damit auch ja kein Schweinkram gezeigt wird.

Der kleine Toto hat keinen sehnlicheren Wunsch, als in die Fußstapfen des Filmvorführers Alfredo zu treten, und als dieser stirbt, kehrt Toto in sein Heimatdorf zurück, nicht ahnend, dass sein Freund aus Kindertagen sämtliche aus den Filmrollen herausgeschnittenen Kußszenen zu einem Film zusammengefügt hat – als Erinnerung an vergangene Zeiten.

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Midnight in Paris (2011): Den Film von Woody Allen habe ich bei einer Bloggerin als Empfehlung gelesen und war neugierig, ob mich dieses Werk mit Owen Wilson in der Hauptrolle genauso begeistern würde. Jetzt, mit zwei Wochen zeitlichem Abstand, muss ich sagen, dass dieser Tip genau meinen Geschmack getroffen hat, obwohl ich angesichts des Bildes auf der DVD-Hülle gewettet hätte, dass es den Hauptcharakter bei seiner unvorhergesehen Zeitreise nicht bloß in die „Goldenen Zwanziger“ oder in die Belle Epoque versetzt hätte, sondern er sogar Vincent van Gogh persönlich getroffen hätte. Aber Salvador Dalí zu treffen oder gemeinsam mit Dalís Muse (Marion Cotillard) eine Begegnung mit Toulouse-Lautrec, meinem Lieblingskünstler der Belle Epoque zu erleben, ist auch nicht so übel – zumal ich aufgeatmet habe, dass Gil (Owen Wilson) und seine nervige Verlobte (Rachel McAdams) irgendwann endlich getrennte Wege gingen und auf den hoffnungslosen Romantiker dann doch noch ein Happy End wartet, wenn auch anders als erwartet.

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Mit nur zwei ausgeliehenen Filmen und drei Werken, die ich im Fernsehen bewundern durfte (Eat Pray Love / Wasser für die Elefanten / Happy New Year) fällt der letzte Monat des Jahres im Verhältnis zu allen vorigen äußerst mager aus – mir war nämlich viel mehr nach Serien, bei denen ich jetzt den folgenden Stand erreicht habe:

Babylon Berlin (Staffel 1): Hochgelobt wurde diese Romanverfilmung, die im Berlin der 20er Jahre angesiedelt ist, kurz vor dem weltweiten Börsenkrach von 1929. Warum ich nicht weiter dran geblieben bin, als diese Produktion zum ersten Mal in der ARD lief, ist mir ein Rätsel. Dennoch werde ich es bei dieser Staffel belassen, denn mich reizt ein anderes Babylon viel mehr. Neues Jahr, neues Glück.

Hell on Wheels (Staffel 5): Was ich angesichts dieses Titels beim losen Überfliegen für eine Serie im Stil von „Sons of Anarchy“ gehalten habe, entpuppte sich bei näherer Betrachtung um eine Westernserie, die sich um den transkontinentalen Eisenbahnbau direkt nach dem Sezessionskrieg dreht – und um eine richtig gute Serie noch dazu. So gut, dass ich mehrere Folgen pro Tag hintereinander weg gesehen habe („Bingewatching“ hatte ich das letzte Mal bei Downton Abbey) und mir auch die Extras zu Gemüte geführt habe.

Nashville (Staffel 4): Nach einem echt fiesen Cliffhanger am Ende der vierten Staffel habe ich erst mal eine Pause gebraucht. Und ich fürchte, so schnell werde ich auch nicht in den Genuss der nächsten Staffel kommen, weil sie momentan nicht verfügbar ist. Schau’n wir mal, wie’s 2021 wird.

Eine finale Rückschau auf dieses seltsame „Kinojahr“ habe ich schon seit längerem geplant – wann die erscheinen wird, weiß ich allerdings noch nicht.

Mein Kinojahr 2020 : November Noir – Teil vier.

Advent, Advent, die erste Kerze brennt – und es ist Zeit für den vierten und letzten Teil meines „November Noir“. Sieben Filme – für jeden Tag einen, das war der Plan. Zu den von mir ausgewählten Filmen führt die Übersicht aller bisherigen Teile am Ende dieses Monatsrückblicks.

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+ The Boy next Door + Der Mann, der zuviel wusste + The Gambler + Die Taschendiebin + The Number 23 + 10×10 + Insomnia – Schlaflos +

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The Boy next door (2015): Für sie ist es nur eine einmalige Sache – für ihn aber ist sie die Frau fürs Leben. Für die im Trennungsjahr lebende Highschool-Lehrerin Claire (Jennifer Lopez) entwickelt sich der One-Night-Stand mit dem 19jährigen Noah (Ryan Guzman) zum Alptraum ihres Lebens, denn der Neffe ihres Nachbarn entpuppt sich als gewalttätiger und psychopathischer Stalker, der auch vor Erpressung und versuchtem Mord an Claires Noch-Ehemann Garrett (John Corbett) nicht zurückschreckt. Warum der Film als Mix aus Horror und Thriller angepriesen wurde und an den Kinokassen so erfolgreich war, ist mir ein Rätsel. Ob es an der Besetzung Jennifer Lopez (als Produzentin und Gewinnerin der Goldenen Himbeere als schlechteste weibliche Hauptdarstellerin) und Ryan Guzman (Eddie Diaz in „9-1-1 Notruf LA) lag? Dank der nur spärlich eingestreuten Horrorelemente konnte der insgesamt ziemlich unrund wirkende Film nicht so richtig bei mir zünden.

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Der Mann, der zuviel wusste (1956): Die meisten kennen Hitchcocks zweite Version mit James Stewart und Doris Day, weshalb ich mich auf das schwarz-weiße Original von 1934 mit Peter Lorre gefreut habe, doch dann – Überraschung! – durfte ich mich an der „Storm Clouds Cantata“ in Farbe erfreuen. Irgendwas ist schiefgegangen, und man hat in der Bücherei die DVD falsch beschriftet, oder die DVD vertauscht – und wer sich auf den Klassiker von 1956 gefreut hat, musste nun mit der Originalfassung vorlieb nehmen. Viel geschwätzt, aber nichts gesagt – hier kommt die Kurzfassung. Die McKennas gönnen sich nach einem Ärztekongress ein paar Tage in Marokko und geraten mitten in ein Komplott. Und damit die McKennas ihren Mund über das in London geplante Attentat auf einen ausländischen Staatsmann halten, entführen die Verschwörer den Sohn der McKennas. In dem spannenden Thriller konnte Doris Day zeigen, was in ihr steckt. Sie in einer anderen Rolle als in den leichten Komödien als die, mit denen sie bekannt geworden ist, zu erleben – nämlich als um das Leben ihres Kindes fürchtende Mutter – hat mich zutiefst berührt.

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The Gambler (2014): „The only way out is all in“ – Literaturdozent Jim Bennett (Mark Wahlberg) hat eine Viertelmillion Dollar Spielschulden und leiht sich 50.000 Dollar „Spielgeld“ bei der Konkurrenz, weil er hofft, mit dem Gewinn all seine Schulden begleichen zu können Weil das nicht klappt, muss Jims Mutter (Jessica Lange) helfen. Doch anders als sie erwartet hat, verspielt er auch dieses Geld und sieht nur noch einen Ausweg: Sich von dem skrupellosen Frank (John Goodman) Ersatz für das verspielte Geld seiner Mutter zu beschaffen und einen riskanten Plan durchzuziehen, in den zwei seiner Studenten involviert sind, den talentierten Basketballer Lamar Allen und Dexter, ein Ass im Tennis, aber mäßig intelligent. Wer mich bei diesem 111 Minuten langen Selbstzerstörungstrip beeindruckt hat, ist John Goodman als eiskalter Geldgeber, der vor nichts zurückschreckt und am Schluss feststellen muss, dass seine F***-You-Attitüde von seinem neuesten Schuldner höchst eigenwillig ausgelegt wird.

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Taschendiebin (2016): Die Taschendiebin Sook-hee soll Hideko, die Nichte eines Goldminenbesitzers und Buchsammlers, ausspionieren und diese dazu bringen, sich in einen als japanischen Grafen auftretenden Hochstapler zu verlieben. Doch der Plan des „Grafen“, Hideko zu ehelichen, deren Vermögen in die Finger zu bekommen und sie anschließend in eine Nervenheilanstalt zu stecken, nimmt eine unerwartete Wendung, als sich Sook-Hee und Hideko ineinander verlieben und dann auch noch Sook-Hee statt Hideko in der Anstalt landet. Doch da nichts so ist, wie es zunächst scheint, wartet die in den Dreißiger Jahren angesiedelte Handlung mit einem abrupten Perspektivwechsel und damit verbundenen weiteren überraschenden Wendungen auf. Neben der ungeplanten Version von „Der Mann, der zuviel wusste“, stellt in diesem Monat dieser knapp zweieihalbstündige Film aus Südkorea die größte Überraschung dar. Ich glaube, im neuen Jahr nehme ich koreanische und japanische Filme mal etwas genauer unter die Lupe.

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The Number 23 (2007): Jim Carrey in der Rolle des Hundefängers Walter Sparrow, der von seiner Frau Agatha (Virginia Madsen) ein mysteriöses, im Selbstverlag erschienenes Buch mit dem Titel „The Number 23“ geschenkt bekommt. Die Warnung „Wer Ähnlichkeiten zu lebenden oder verstorbenen Persönlichkeiten entdeckt, sollte an dieser Stelle aufhören zu lesen“ ignorierend, entdeckt er mit jedem gelesenen Kapitel immer mehr Ähnlichkeiten mit seinem eigenen Leben und entwickelt eine Besessenheit für die Zahl 23. Die Frage, wer der unbekannte Autor Topsy Kretts (was schnell gesprochen, sich wie „Top Secret“ anhört) ist und woher er so viel über Walters Leben weiß, wird zu seiner persönlichen Mission, in die er seine Frau und seinen Sohn mit hineinzieht, und am Ende sehen sie überall Verbindungen zu der unheilvollen Zahl. Filmkritiker waren von dem düsteren Mysterythriller eher weniger begeistert (8% auf Rotten Tomatoes und eine Goldene Himbeere für Jim Carrey sind ja nicht unbedingt der Hit), im Gegensatz zu mir. Ich habe mich nämlich dabei ertappt, wie ich versucht habe, alle möglichen Zahlen- und Buchstabenkombinationen, die 23 (vorwärts und rückwärts) ergeben, zu finden. Sogar die Nummernschilder 906 8TC und 023 5HJ wurden von mir genauestens unter die Lupe genommen. Die Auflösung zu diesem Rätsel *) gibt es am Ende dieses Wochenrückblicks.

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10×10 (2018): Zunächst sieht es nach einer von langer Hand geplanten Entführung eines Psychopathen aus, der die Blumenhändlerin Cathy Newland (Kelly Reilly) am hellichten Tag zum Opfer gefallen ist. Irgendwann wird jedoch klar, dass Cathy nicht die ist, die sie zu sein vorgibt, denn ihr Entführer Lewis (Luke Evans) scheint genauestens über sie Bescheid zu wissen und beabsichtigt, sie so lange festzuhalten und immer wieder zu verhören, bis sie endlich ihre Schuld an dem Versterben mehrerer Patienten eingesteht. Doch dass Cathy in ihrer nahezu schalldicht isolierten Zelle ungeahnte Kräfte entwickelt, hat er nicht bedacht, und bald schon ist es Lewis, der um sein Leben fürchten muss. Andere mögen das kammerspielartig inszenierte Katz-und-Maus-Spiel so spannend wie eingeschlafene Füße finden, für mich war der noch nicht mal anderthalbstündige britische Thriller eine echte Überraschung; und den Abspann durch einfache weiße Linien dargestellte Elemente des Films habe ich mir bis zum Schluss (inklusive Danksagung der Regie) angeschaut.

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Insomnia – Schlaflos (2002): In Alaska sind Sommertage feucht und kühl und vor allem sehr lang. Dass es hier niemals dunkel wird, setzt dem Polizisten Will Dormer (Al Pacino) genauso zu wie die Untersuchungskommission, die ihn wegen einer Unregelmäßigkeit bei einem alten Fall im Visier hat. Zusammen mit seinem Partner Hap soll er in einer Kleinstadt bei den Ermittlungen in einem Mordfall helfen. Als Hap ankündigt, dass er sich auf einen Deal mit der Kommission eingelassen hat, gerät Will in Panik und erschießt ihn während eines Einsatzes. Ob absichtlich oder aus Versehen, bleibt dahingestellt, und die Erleichterung über die vermeintlich glückliche Wendung des Schicksals währt nicht lange, denn der Schriftsteller Finch (Robin Williams), für Dormer einer der Verdächtigen im aktuellen Mordfall, hat ihn beobachtet und beginnt ein Katz-und-Maus-Spiel mit dem angeschlagenen Dormer, mit dem es im weiteren Verlauf immer mehr bergab geht. Für mich war es eine Überraschung, den Schauspieler Jonathan Jackson, den ich aus der Serie „Nashville“ (als Singer/Songwriter Avery Barkley) kenne, in der Rolle des unter Hauptverdacht stehenden Freundes der ermordeten Schülerin Kay zu sehen. In „Insomnia“ wird der arme Kerl zur Zielscheibe von Dormer und Finch, in deren Fadenkreuz er gerät und fingierte „Beweise“ untergejubelt bekommt.

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Das waren die letzten sieben düsteren Filme; der Dezember aussieht kommt mit Dramen um die Ecke, die aus diesem Jahr übrig geblieben sind und mit zwei Serien, die ich in unserer Bücherei entdeckt habe. Aber wie ich den letzten Cinema-Scope-Monat nenne, weiß ich noch nicht zu hundert Prozent. Entweder „Drama Dezember“ oder „The leftovers“. Zu den drei Teilen gelangt man durch Klicken auf das jeweilige Datum: Teil eins gab es am 8. November, Teil zwei am 15. November und Teil drei am 22. November.

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*) Wie angekündigt, folgt zum Schluss die Auflösung des Zahlenpuzzles: „906 8TC“: 9+6+8 = 23 / T (20. Buchstabe des Alphabets + C (3. Buchstabe des Alphabets ) = 23. — „023 5HJ“: 23 / 5 + H (8. Buchstabe des Alphabets) + J (10. Buchstabe des Alphabets) = 23.

Mein Kinojahr 2020 : November Noir – Teil drei

Sieben Filme – für jeden Tag einen; Teil eins gab es am 8. November, Teil zwei am fünfzehnten… Kommen wir jetzt zu den nächsten sieben Werken, diesmal sind nicht alle so alt wie die in den vergangenen Wochen und auch nicht unbedingt das, was Kenner unter „Noir“ verstehen würden. Und ich verabschiede mich an dieser Stelle von dem, welche Merkmale man solchen Filmen allgemein zuschreibt. Gemeinsam haben sie alle jedoch eins: Die Lage ist ernst und teilweise hoffnungslos.

Und sollte es doch irgendwo einen Anflug von Heiterkeit geben, ist auch die bloß aufgesetzt – mit dem Ergebnis, dass ich mich frage, was der Regisseur damit sagen wollte.

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++ Elf Uhr nachts + ’71 – Hinter feindlichen Linien +++ Berüchtigt +++ Sorry We missed you +++ Shutter Island +++ Ein Kind war Zeuge +++ The Good German – In den Ruinen von Berlin ++

(Fortsetzung folgt)

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Elf Uhr nachts (1965): Vom Leben gelangweilt, brennt Ferdinand (Jean-Paul Belmondo) mit der undurchsichtigen und gar nicht so harmlosen Marianne (Anna Karina) durch und flieht mit ihr quer durchs ganze Land nach Südfrankreich, nachdem sie einen Mord begangen hat. Zunächst noch wie Pech und Schwefel, gegen sie sich bald schon gegenseitig auf die Nerven. Irgendwann werden sie getrennt, weil Verbrecher hinter Marianne her sind, und als sie sich in Toulon durch Zufall wieder treffen, hat Marianne einen Liebhaber, der Waffen schmuggelt. Gut geht das nicht aus, und so absurd wie mir etliche Szenen in dem Film vorkamen, wirkt der Schluss des Films, der in einem Dialog aus dem Off zwischen Ferdinand und Marianne über die wiedergefundene Ewigkeit endet.

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’71 – Hinter feindlichen Linien (2014): Wenn du statt nach Deutschland nach Belfast versetzt wirst und erkennen musst, dass deine Vorgesetzten ein falsches Spiel spielen, dann bist du in der Hölle gelandet. Für den englischen Soldaten Gary Hook wird dieser Alptraum zur Realität, als er bei einer aus dem Ruder gelaufenen Hausdurchsuchung von seiner Einheit getrennt wird und sich vor einem Lynchmob verstecken muss. Nachdem die Luft rein zu sein scheint, versucht er, zu Fuß und als Zivilist ohne Ortskenntnisse getarnt, im nächtlichen Belfast den Weg zu seiner Kaserne zurückzufinden. Die Situation eskaliert, als er durch Zufall mitbekommt, wie in dem Hinterzimmer eine Bombe zusammengebaut wird, und da einer der Personen im Hinterzimmer zu dem Kreis seiner Vorgesetzten gehört, sind nun alle hinter ihm her, um ihn auszuschalten. Ein Entkommen aus diesem Teufelskreis scheint unmöglich, weder für ihn noch für die Kinder auf allen Seiten, denen der Hass schon früh eingeimpft wird.

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Berüchtigt (1946): Ingrid Bergman als „Femme Fatale“ Alicia Huberman, eine „Dame“ mit Alkoholproblem und zweifelhaftem Ruf, die von amerikanischen Agenten in Brasilien in eine Organisation aus Nazis eingeschleust wird. Deren Kopf Alexander Sebastian (Claude Rains) hatte schon immer eine Schwäche für sie und da er vermutet, sie habe ein Verhältnis mit dem Agenten Devlin (Cary Grant), macht er ihr einen Heiratsantrag – eigentlich die ideale Methode, die Verbrecher auszuspionieren. Durch ein Missgeschick im Weinkeller Sebastians fliegt jedoch der Plan Devlins auf, und die Sebastians sinnen auf eine Methode, Alicia unauffällig verschwinden zu lassen, ohne dass die anderen Mitglieder ihrer Organisation davon Wind bekommen. Denn die würden die Schwachstellen eliminieren, ohne mit der Wimper zu zucken.

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Sorry We missed you (2019): Die Turners sind eine von vielen Familien, die seit der Finanzkrise von 2008 vor lauter Schulden kein Bein mehr auf den Boden bekommen. Abby schuftet in Dreizehnstundenschichten als Altenpflegerin und wird nicht für die aufgewendete Zeit, sondern pro „Klient“ bezahlt; ihr Mann Ricky hat einen Job als sogenannter Franchisenehmer bei einem Kurierdienst angenommen. Vierzehn Stunden täglich, von Montag bis Samstag muss er Pakete fahren und steht unter enormem Zeitdruck, getriezt von einem Chef, den familiäre Probleme nicht interessieren. Du willst frei haben, weil Du bei der Polizei vorstellig werden musst oder auf Deine Röntgenbilder wartest, nachdem Dich eine Bande ausgeraubt und Deinen Scanner zerstört hat? Organisier Dir selber jemanden, der für Dich einspringt. Andernfalls werden saftige Bußgelder fällig, die ein noch tieferes Loch in die Kasse reißen. Ach ja, und den Scanner musst Du auf eigene Kosten ersetzen. Ob ein Ende dieses prekären Alptraums abzusehen ist, bleibt abzuwarten.

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Shutter Island (2010): Auf einer abgelegenen Insel in einer Nervenheilanstalt für geisteskranke Kriminelle während eines aufziehenden Hurrikans in der Sache einer verschwundenen Patientin zu ermitteln, gerät für die US-Marshals Chuck Aule (Mark Ruffalo) und Teddy Daniels (Leonardo diCaprio) zum nervenaufreibenden und lebensgefährlichen Höllentrip. Der Verdacht, dass mit Daniels etwas nicht stimmt, kann man schon am Anfang erkennen, und je länger die beiden auf der Insel verweilen, desto häufiger treten bei ihm Migräneanfälle und Visionen auf, in denen er nicht nur vom Geist seiner toten Frau heimgesucht wird, sondern auch von dem, was er bei der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau erlebt hat. Trotz aller Schwierigkeiten ist er davon überzeugt, schon bald die schreckliche Wahrheit über Shutter Island aufzudecken. Mit 138 Minuten zwar der längste Film in dieser Sammlung, aber das Werk von Martin Scorsese hat nicht umsonst jede Menge Preise und Nominierungen abgeräumt.

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Ein Kind war Zeuge (1952): Gerade hat Maschinist Chris Lloyd (Dirk Bogarde) auf einem Trümmergrundstück aus Eifersucht den Liebhaber seiner Frau umgebracht, da läuft ihm der siebenjährige Robbie noch am Tatort über den Weg. Also nimmt Lloyd kurzerhand den Kleinen mit, der vor seinen Adoptiveltern davongelaufen ist, nachdem er in seiner Wohnung verbotenerweise gezündelt hat. Von der Polizei gesucht, versucht das ungleiche Duo, sich zu Fuß und nahezu ohne Geld nach Schottland durchzuschlagen, wo Chris‘ Bruder lebt. Ein gefährliches Unterfangen, und als schon die Freiheit winkt, wird Robbie krank…

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The Good German – In den Ruinen von Berlin (2006): Ein Thriller in Schwarz-Weiß mit George Clooney, Cate Blanchett und Tobey Maguire in den Hauptrollen – angesiedelt 1945 in Berlin während der Potsdamer Friedenskonferenz, über die der amerikanische Journalist Jake Geismar (Clooney) berichten soll. Als sein Fahrer Tully (Maguire) erschossen aufgefunden wird, versucht er, die Wahrheit herauszufinden und gerät dabei in Gefahr, zumal Tullys Freundin Lena (Blanchett), mit der er vor einiger Zeit ein Verhältnis hatte, mehr weiß, als allen lieb ist. Stellenweise erinnerte der Film mich in Stimmung, Kameraführung und Konstellation der Personen an den Klassiker „Der Dritte Mann“, und ich finde es schade, dass der Film bei Publikum und Kritikern so wenig Anklang gefunden hat – aber wenigstens hat er 2007 eine Oscarnominierung für die beste Filmmusik bekommen. Harfenklänge als Untermalung für beklemmende Szenen ist mir bisher jedenfalls noch nicht untergekommen.

Der letzte Teil meiner teilweise nicht ganz so schwarzen, aber immer noch düster angehauchten Sammlung des Novembers folgt demnächst.

Mein Kinojahr 2020 : November Noir – Teil zwei

Eine Chance für die Filme, die es im Oktober nicht geschafft haben oder einen erneuten Durchlauf bekommen sollen? Der November wird düster – die nächsten sieben Filme von meiner Liste, bei denen sich einige bestimmt fragen, was daran denn „noir“ sein soll, folgen jetzt, als Fortsetzung von dem am 8. November veröffentlichten Teil eins.

Sieben Filme – für jeden Tag einen, zum Teil in Schwarz-Weiß, und alles aus dem letzten Jahrhundert. Die Grundstimmung ist melancholisch oder gar düster, und die Helden sind nicht immer die Guten. Eher sind die Guten die Bösen, oder die ganze Situation ist aussichtslos und lässt nur Verlierer zu.

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Außer Atem + Im Schatten des Zweifels + Himmel ohne Sterne + Der dritte Mann + Ich kämpfe um Dich + Das Mädchen und der Kommissar + Vier im roten Kreis

(Fortsetzung folgt)

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Außer Atem (1960): Noch jemand, der wie Romeo und Julia sein möchte. Doch anders als die kindliche Holly in „Badlands“, will die amerikanische Studentin Patricia (Jean Seberg) erst noch herausfinden, ob sie nun den Autodieb Michel Poiccard (Jean-Paul Belmondo) liebt oder nicht. „Ich weiß nicht, ob ich unglücklich bin, weil ich nicht frei bin – oder ob ich nicht frei bin, weil ich unglücklich bin“ – während sie tiefschürfende Gedanken wälzt, ist der Bogart verehrende Michel eher einfach gestrickt und würde sich für das Nichts entscheiden, wenn er zwischen diesem und dem Leiden zu wählen hätte. Nachdem der Ganove bei einer Verkehrskontrolle einen Polizisten erschossen hat, sucht er Unterschlupf bei Patricia. Und schon bald heftet sich die Polizei den beiden bei ihrer ziellosen „Flucht“ quer durch Paris an die Fersen.

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Im Schatten des Zweifels (1943): Es kann sich nur um Gedankenübertragung handeln – kaum denkt Charlie Newton (Teresa Wright) daran, wie schön es wäre, wenn ihr Onkel und Seelenzwilling Charles (Joseph Cotten) zu Besuch käme, da steht er auch schon vor der Tür. Doch die anfängliche Begeisterung wandelt sich in pures Grauen, als sich die Anzeichen verdichten, dass der liebe Onkel kein ehrbarer Geschäftsmann, sondern ein Serienmörder ist, den die Polizei schon seit einiger Zeit sucht und ihn nun gefunden zu haben glaubt; und als der Onkel seiner Nichte gegenüber sein wahres Gesicht zeigt, muss sie um ihr Leben fürchten.

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Himmel ohne Sterne (1955): In diesem Drama aus dem geteilten Deutschland steht eine Flucht im Mittelpunkt, die so nicht geplant war. Noch ist der eiserne Vorhang nicht befestigt, also besucht die Fabrikarbeiterin Anna Kaminski (Eva Kotthaus) aus dem thüringischen Broditz immer wieder heimlich ihren kleinen Sohn, den sie bei den Großeltern in Oberfranken nicht ganz freiwillig zurücklassen musste. Eines Tages reicht es ihr. Kurzerhand entführt sie das Kind in den Osten, doch unterwegs werden sie getrennt, und ausgerechnet der bayerische Grenzpolizist Carl Altmann (Erik Schumann) hilft bei der Familienzusammenführung. Bald schon verlieben sich die beiden ineinander, doch ihre heimlichen Treffen auf einem verfallenen Bahnhof im sogenannten Niemandsland werden zusehends gefährlicher. Die Hoffnung haben die Liebenden schon lange verloren, und so gibt es nur noch eine Lösung: die gemeinsame Flucht, aber diesmal von Ost nach West, und zwar mit der gesamten Familie Kaminski. Ich ahnte da bereits, dass dies kein gutes Ende nimmt – doch dass es dann als erstes den russischen Soldaten Mischa (Horst Buchholz) erwischen muss, der einen Passierschein für Anna und ihr Kind organisieren konnte, empfand ich geradezu als zynisch.

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Der dritte Mann (1949): Nicht nur Berlin war nach dem Zweiten Weltkrieg geteilt, sondern auch Wien. Die Stadt liegt zu großen Teilen in Trümmern, und der Schwarzmarkt floriert. Und mit ihm das Verbrechen – in dieses Milieu gerät der amerikanische Westernautor Holly Martins (Joseph Cotten), als er von einem alten Freund Harry Lime (Orson Welles) eingeladen wird – nur kommt es nie zu einem Treffen, da Lime bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen ist. Dessen Todesumstände machen Martins stutzig, und er beginnt auf eigene Faust zu recherchieren und muss bald erfahren, dass Lime ein skupelloser Penicillinfälscher ist, der es in Kauf nimmt, dass Menschen durch das gepanschte Medikament zu Schaden kommen oder ihr Leben verlieren. Die Flucht durch die Kanalisation und die Trümmerhaufen Wiens ist mit ihren starken Kontrasten und überdimensionalen Schatten legendär, aus einer diagonalen Perspektive heraus gefilmt, erzeugen eine düstere und bedrohliche Stimmung. Das klassische Beispiel für einen „Film noir“ schlechthin.

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Ich kämpfe um Dich (1945): Amnesie! Der Mann, der nichts mehr weiß und glaubt, einen Mord begangen zu haben, wird in diesem Psychothriller von Gregory Peck verkörpert. Ingrid Bergman spielt die Psyhologin Dr. Petersen, die sich Hals über Kopf ihn ihn verliebt hat und das Geheimnis seiner Identität lüften möchte. Eine Konfrontation mit der triggernden Umgebung und Situation soll dabei Licht ins Dunkel bringen. Ohne die hypnotische Musik würde der Film (und vor allem der sonst so harmlos und gentelemanlike erscheinende Hauptdarsteller) weit weniger bedrohlich wirken – man unterschätze nie die Stimmung, die so ein Theremin erzeugen kann. Kleines, aber interessantes Detail am Rande: Die Traumsequenz wurde von Salvador Dalí entworfen. Das fand ich spannender als die Suche nach der Szene, in der Hitchcock einen winzigen Auftritt hat. Für einen winzigen Augenblick gibt es sogar einen roten Farbklecks in dem in Schwarz-Weiß gefilmten Drama mit starken Kontrasten: Wenn sich die Mündung eines Revolvers direkt auf die Kamera richtet und die Hand den Abzug betätigt.

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Das Mädchen und der Kommissar (1971): Für Max (Michel Piccoli), Kommissar und ehemaliger Richter, wird sein Wunsch, die Verbrecher auf frischer Tat zu ertappen, zur fixen Idee. Getrieben von seiner Obsession, manipuliert er die Prostituierte Lili (Romy Schneider) und sorgt so dafür, dass sie wichtige Details über hohe Einzahlungen bei einer kleinen Bankfiliale an ihren Liebhaber, Kopf einer Bande von Kleinkriminellen, weitergibt. Dass ein weiteres Bandenmitglied als Zuträger von Informationen in diesem Spiel mit von der Partie ist, läuft unter „Doppelt genäht hält besser“ und lässt den Plan wasserdicht erscheinen – nicht aber, dass in Max der Beschützerinstinkt für Lili geweckt wird und er sie gegen den Willen des für den Fall direkt zuständigen Kommissars Rosinsky (François Périer) ungeschoren davonkommen lasssen will.

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Vier im roten Kreis (1970): Surprise, surprise! Soeben noch als Kommissar zu sehen, der die Mitwisser einer Bande vor Gericht sehen will, spielt François Périer in diesem Heist Movie nun selbst den Informanten. Diesmal ist keine Bank das Ziel eines Überfalls, sondern eine Gruppe Gangster (Alain Delon, Gian Maria Volonté und Yves Montand), die den Einbruch bei einem Juwelier plant. Der erste ist wegen guter Führung vorzeitig entlassen worden, der zweite ist ein geflüchteter Häftling und der dritte ein ehemaliger Polizist mit Alkoholproblemen. Letzterer soll für die ersten beiden als Scharfschütze die Alarmanlage ausschalten, und zunächst läuft der Coup auch wie am Schnürchen, doch dann haben sie nicht mit dem Polizisten gerechnet, der ihnen als Hehler getarnt, ins Handwerk pfuscht. „Sie kommen unschuldig auf die Welt, aber sie bleiben es nicht“, lautet zum Schluss die Moral von der Geschicht‘.

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Fortsetzung folgt – ich bin schon gespannt, was ich bei meiner Suche noch so finde. Vielleicht mal etwas moderneres.

Mein Kinojahr 2020 : November Noir – Teil eins

Eine Chance für die Filme, die es im Oktober nicht geschafft haben oder einen erneuten Durchlauf bekommen sollen?

Zum ersten Mal habe ich den Wunsch verspürt, bei der „Noirvember“ genannten Challenge mitzumachen, habe aber den Namen für mich etwas modifiziert. Ich habe mich nämlich schon öfters gefragt, was einen sogenannten Film Noir ausmacht. Elemente wie die Femme Fatale, den Privatdetektiv oder die Gangster? Eine besondere Stimmung? Eine besondere Art der Kameraführung und/oder Beleuchtung?

Da ich mich mit Zuordnungen schwertue, habe ich in unserer Bücherei bei den von A bis Z sortierten Klassikern zugegriffen, und herausgekommen ist eine Mischung, bei der sich bestimmt einige fragen, was ich mir dabei gedacht habe. Da die Grundstimmung dieser Auswahl ernst und melancholisch bis düster ist, passen sie vorzüglich zu dem gruseligen Wetter, das den November meistens bestimmt.

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+++ Warte, bis es dunkel ist +++ Taxi Driver +++ M – eine Stadt sucht einen Mörder +++ Die zwölf Geschworenen +++ Wartezimmer zum Jenseits +++ Niagara +++ Badlands – Zerschossene Träume +++

(Fortsetzung folgt)

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Warte, bis es dunkel ist (1967): Gangster auf der Suche nach einer mit Heroin gefüllten Puppe, die einem einem ahnungslosen Fluggast, dem Mann von Suzy Hendrix untergejubelt worden ist – nun versuchen die Verbrecher mit allen Tricks, aus Suzy (Audrey Hepburn) herauszubekommen, wo sie das Objekt der Begierde versteckt hat. Doch sie haben die blinde Frau unterschätzt, die die Herren schneller durchschaut, als ihnen allen lieb ist – bis sie sich mit dem psychopatischen Anführer (Alan Arkin) einen Kampf auf Leben und Tod liefert. Als mit ihrem Handicap hadernde Suzy Hendrix in diesem langsam, aber stetig Spannung aufbauenden Thriller spielt Audrey Hepburn für mich eine ihrer besten Rollen, und spätestens als in der Wohnung kein einziges Licht mehr brennt, ist der Bildschirm dann auch tatsächlich schwarz und damit wortwörtlich „noir“; die bedrohliche Musik tut ihr übriges, und der Jump Scare ist auch nicht von schlechten Eltern.

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Taxi Driver (1976): Weil er dringend Geld braucht und nachts nicht schlafen kann, fährt Travis Bickle (Robert De Niro) stets die Nachtschicht und dann auch noch in Gegenden, in die sich niemand gerne freiwillig begibt. Den ihm unterwegs begegnenden „Abschaum“ würde er am liebsten beseitigen. Im Lauf der Handlung zeigen sich seine sozialen Defizite immer deutlicher, sein Date mit einer Wahlkampfhelfern (Cybill Shepherd) gerät zum Fiasko, und sein Versuch, die minderjährige Prostituierte Iris (Jodie Foster) zu retten, endet auf tragische Weise. Der Verlierer als Held. Oder Antiheld. Je nachdem.

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M – eine Stadt sucht einen Mörder (1931): Nach monatelanger, erfolgloser Suche nach einem Kindermörder reicht es den organisierten Verbrechern, da die vielen Razzien schlecht fürs Geschäft sind. Nachdem man die Bettler eingespannt und die Stadt mit einem dichten Netz aus Spitzeln überzogen hat, dauert es nicht mehr lange, bis der Gesuchte in die Falle geht und man ihn einkesselt und verschleppt, um das Urteil über ihn zu sprechen. Auf dem Dachboden einer leerstehenden Schnapsfabrik entscheidet sich sein Schicksal.

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Die zwölf Geschworenen (1957): Wenn sich Geschworene in einem Mordzprozess zur Beratung zurückziehen, muss das Urteil „schuldig“ oder „nicht schuldig“ einstimmig getroffen werden. In dem Kammerspiel steht es zu Beginn elf zu eins, denn Geschworener Nummer 8 (Henry Fonda) zieht so ziemlich alles an dem Prozess in Zweifel, und als man sich daran macht, den Fall im Hinterzimmer zu rekonstruieren und auf Herz und Nieren zu überprüfen, ziehen immer mehr der übrigen elf Geschworenen nach, bis es am Ende spiegelbildlich eins zu elf steht; dabei tun sich Abgründe auf, da jeder der am Anfang auf „schuldig“ plädierenden Herren unbewusst ganz andere Gründe für seine Einschätzung hat.

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Wartezimmer zum Jenseits (1964): Zahle oder stirb! In dieser Verfilmung eines Kriminalromans von James Hadley Chase wird ein schwerreicher Brite erpresst, und weil der die Zahlung an das Verbrechersyndikat „Die Schildkröte“ verweigert, lassen die Verbrecher ihn durch den Messerwerfer Shapiro (Klaus Kinski) ermorden und entführen dessen Neffen Don Micklern (Götz George). Womit der Kopf des Syndikats jedoch nicht rechnet, ist der Verrat durch seine eigene Frau Laura (Hildegard Knef), die von dem unsteten Leben schon lange genug hat und von dem nun stark gestiegenen Lösegeld selbst ein ordentliches Sümmchen abzweigen will. Klingt nach Edgar Wallace, stammt aber lediglich vom Regisseur der Edgar-Wallace-Filme – und deshalb sehr unterhaltsam.

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Niagara (1953): Habe ich den nicht erst gesehen? Irrtum, das war letztes Jahr, einige Zeit nach meinem Kanada-Urlaub. Diesmal hatte ich andere Beweggründe. Nach Verbrechern, die sich gegenseitig umbringen, wollte ich diesmal einen Film mit einer echten Femme Fatale sehen, in deren Rolle in diesem Thriller Marilyn Monroe geschlüpft ist. Von wegen naives Dummchen – diese Frau ist eiskalt und plant, ihren Mann durch ihren Liebhaber aus dem Weg räumen und die Tat wie einen Selbstmord aussehen zu lassen. Leider aber geht etwas dabei gründlich schief, und am Ende muss sie um ihr Leben fürchten.

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Badlands – zerschossene Träume (1973): „Es ist noch immer besser, eine Woche mit jemandem zu verbringen, der mich so liebte, wie ich war, als Jahre voller Einsamkeit“ (Sissy Spacek als Holly Sargis). Sie wären so gerne wie Romeo und Julia – die fünfzehnjährige Holly (Sissy Spacek) und der zehn Jahre ältere Kit (Martin Sheen), der optisch James Dean nacheifert und schon als Kind davon träumte, kriminell zu werden, wenn er mal groß ist. Hollys Papa ist gegen die Beziehung der beiden Tagträumer? Kurzerhand erschießt Kit ihn und begibt sich mit seiner Liebsten auf die Flucht quer durch die Great Plains in Richtung Montana – eine Flucht, auf der noch so einige ihr Leben verlieren werden.

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Sieben Filme – für jeden Tag einen. Der November hat gerade erst angefangen, und der Stapel schrumpft allmählich.

Welche Highlights ich mir noch angeschaut habe, offenbart der zweite Teil meiner „düsteren Phase“, mit Betonung der Themen Flucht und Verzweiflung.

Mein Kinojahr 2020 : Der Horrorctober – 2/2

Weiter geht es mit einer Aktion, bei der ich zum zweiten Mal mit von der Partie bin. Gut, dass ich mir meine Liste selbst zusammenstellen kann, denn ich versuche, ein möglich breites Spektrum abzudecken, ohne dass es dabei zu blutig zugeht. Auch dieses Jahr habe ich meinen Beitrag in zwei Teile gesplittet.

Den ersten Teil gab es am 11. Oktober – heute folgen die nächsten Filme, weitgehend ausgeliehen aus unserer Stadtbücherei:

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Fortsetzung

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+ Morty + Ouija – spiel nicht mit dem Teufel + Paranormal Activity + Ring – das Original + So finster die Nacht + The Neon Demon + The Crow + Voice from the Stone – Ruf aus dem Jenseits +

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Morty (1995): Kommt ein Mann zum Arzt… in dem Fall ist der Arzt Psychologe (Wes Craven) und Mentor des Psychologiestudenten Richard, der einige Komilitonen in eine gemütliche Hütte irgendwo in den Wäldern zu einem Wochenendworkshop einlädt, bei dem sie sich ihren Ängsten stellen sollen. Die Idee wäre an sich nicht schlecht, gäbe es da nicht eine lebensgroße Holzpuppe namens Morty, vor der Richard schon als Kind Angst hatte – und weil alle so beeindruckt von dem hölzernen Gesellen sind, lassen sie sich dazu überreden, der Figur ihre Ängste anzuvertrauen. Leider aber hat vor Urzeiten ein Indianer die Puppe mit einem Fluch belegt, und nun macht sie sich auf, die Wochenendgäste das Fürchten zu lehren. Ach, hätten sie den Kerl doch bloß da gelassen, wo er die ganze Zeit über war, nämlich in der Schublade. So aber durfte ich mich durch einen Film langweilen, bei dem das einzig Gruselige die schauderhafte und stets wiederkehrende Synthesizermusik war.

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Ouija – spiel nicht mit dem Teufel (2014): Ouija – Gläserrücken 2.0, ein Spiel mit drei ganz einfachen Regeln. Erstens: Spiel es nicht alleine; zweitens: Spiel es niemals auf einem Friedhof; drittens: Sag stets Auf Wiedersehen… wenn es denn einfach bloß ein Spiel wäre. Dem ist nicht so, denn in früheren Zeiten waren Seancen, bei denen die Geister Verstorbener durch ein Medium zu den Anwesenden sprachen, sehr beliebt – und mit einem solchen Brett versuchen ein paar Teenager, Kontakt zu ihrer vor kurzem durch Suizid aus dem Leben geschiedenen Freundin Debbie aufzunehmen. Damit beschwören sie jedoch einen bösen Geist herauf, der sie fortan verfolgt und einen nach dem anderen in den Tod treibt. Den als Prequel gefilmten Nachfolger habe ich letztes Jahr bereits gesehen und wollte das Experiment nicht noch einmal wiederholen.

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Paranormal Activity (2007): Nachdem ich bei meinem letzten Versuch, einen Film über einen Poltergeist anzusehen, mittendrin eingeschlafen bin, habe ich bei dieser mit relativ niedrigem Budget von 15000 Dollar gedrehten Produktion ähnliches erwartet. Die Kritiken überschlagen sich ja auch nicht gerade mit Lob, da in dem Film im Stil einer Dokumentation eigentlich nicht wirklich viel passiert: Ein junges Paar wird Nacht für Nacht von einer unsichtbaren Präsenz terrorisiert, und so kommt er auf die Idee, das nächtliche Geschehen mit einer im Schlafzimmer aufgebauten Kamera zu dokumentieren. Ein hinzugezogener Experte bleibt ratlos, und es kommt heraus, dass es der Dämon oder Geist auf die junge Frau abgesehen hat und ihr überall hin folgt, seit sie acht Jahre alt ist. Zwischendurch kommt ein Ouija-Brett zum Einsatz, und irgendwann wird aus der akustischen Bedrohung eine körperliche mit blutigem Ausgang. Wie gesagt, hatte ich nichts besonderes erwartet, aber bei abgehackt wirkenden Bewegungen wird mir ganz seltsam, und bei manchen Geräuschen musste ich an ein eigenes Erlebnis aus dem letzten Jahr denken, bei dem ich heute noch eine Gänsehaut bekomme. Fazit: Filme über Poltergeister schaue ich mir so schnell nicht mehr an.

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Ring – das Original (1998): Abgehackte Bewegungen, Teil 2. Wenn Du ein bestimmtes Video siehst, und danach einen Anruf erhältst, in dem man Dir verkündet, dass Du in sieben Tagen stirbst, dann klingt das zunächst nach einem schlechten Scherz. In der japanischen Verfilmung eines Romans von Kōji Suzuki sterben jedoch tatsächlich die Personen, die das mysteriöse Video, das scheinbar aus einer Aneinanderreihung verstörender und scheinbar keinen Sinn ergebender Szenen besteht, nach genau sieben Tagen mit vor Grauen verzerrten Gesichtern. Auf ihrer Spurensuche kommen die Journalistin Asakawa und ihr Ex-Mann hinter die grauenerregende Wahrheit und öffnen bei dem Versuch, dem Bösen ein Ende zu bereiten, erst recht die Büchse der Pandora. Die amerikanische Neuverfilmung habe ich 2002 im Kino gesehen, jetzt musste das Original her. Welche Version für mich die spannendere war, kann ich nicht sagen, da ich beide gut finde.

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So finster die Nacht (2008): Von wegen Gruselschloss. In diesem Film aus Schweden befindet sich ein Vampir mitten unter den Bewohnern eines tristen Stockholmer Vororts, heißt Eli und ist 12 Jahre alt (und das schon seit Jahren). Trotz des älteren Helfers, mit dem sie zusammenlebt und der für sie auf die Jagd nach Opfern geht, deren Blut er abzapft, ist Eli einsam. Eines Abends lernt Eli auf dem Spielplatz der Siedlung den gleichaltrigen Nachbarsjungen Oscar kennen, der in der Schule terrorisiert wird. Im Lauf der Zeit entwickelt sich zwischen den beiden Außenseitern eine Freundschaft, und Oscar beginnt, sich gegen seine Peiniger zu wehren. Besonders gruselig fand ich den Film nicht, aber dafür sehr melancholisch und rührend zugleich, und stellenweise fast schon poetisch. Ein Higlight.

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The Neon Demon (2016): Das war nix: 16jähriges Nachwuchsmodel wird zur Bedrohung für die Konkurrenz, der die Felle wegschwimmen bzw. die Aufträge wegbleiben. Abgesehen von der Frage, wie die weibliche Hauptperson ohne Job ihr Motelzimmer bezahlen kann und es schafft, sich den schmierigen Motelbesitzer vom Hals zu halten, waren in diesem Kunstfilm die Schockmomente dünn gesät und bestanden aus blutigen bis abstoßenden Szenen zum Thema Nekrophilie und Kannibalismus. Mag sein, dass der Film mit Keanu Reeves in einer winzigen und unsympathischen Nebenrolle als künstlerisch wertvoll eingestuft und die Musik preiswürdig ist. Aber bei diesem surrealen Ausflug in die Welt des Mode(l)business habe ich mich gefragt, ob ich nicht mit Heidi Klums immerwährenden Suche nach Deutschlands Topmodel besser dran gewesen wäre.

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The Crow (1994): Wenn Tote keine Ruhe finden, kann eine Krähe sie ins Diesseits zurückbringen – nämlich dann, wenn sie auf besonders tragische Weise verstorben sind, so wie Eric Draven (Brandon Lee) und seine Verlobte Shelly Webster, in dieser düsteren Verfilmung der gleichnamigen Graphic Novel von James O’Barr. Ein Jahr zuvor sind Eric und Shelly in der Nacht vor Halloween einer Gang auf bestialische Weise zum Opfer gefallen, nun kehrt Eric aus dem Grab zurück und begibt sich in der Maske eines Harlekins auf einen Rachefeldzug und knöpft sich ein Gangmitglied nach dem anderen vor, bis er dem Kopf der Bande gegenüber steht. Sie sind bereits tot, sie wissen es nur noch nicht. Damit ist über das unausweichliche Ende fast schon alles gesagt. Visuell und akustisch für mich absolut top, und von diesem Teil meiner Liste für den Oktober bisher mit Abstand der beste Film.

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Voice from the Stone – Ruf aus dem Jenseits (2017): Ein Junge, der seit dem Tod seiner Mutter kein Wort mehr gesprochen hat, aber dafür ihre Stimme aus der Wand zu ihm sprechen hört, ein überforderter Vater und ein Kindermädchen, dessen Aufgabe es ist, den Jungen zum Sprechen zu bringen. Angesiedelt in der Toskana der 50er Jahre und gefilmt in melancholischen Bildern, habe ich lange gerätselt, warum unsere Stadtbücherei dieses Werk mit Emilia Clarke in die Kategorie „Horror“ einsortiert hat. Gemächlich plätschert die Handlung dahin, eine Liebesgeschichte scheint sich anzubahnen, doch dann standen mir stellenweise wirklich die Haare zu Berge. Schon allein die Vorstellung von dem Brauch, beim Bau des Hauses eine lebende Katze mit einzumauern, um das Böse abzuwehren. Der Grusel schleicht sich unbemerkt von hinten an, um hinterrücks zuzuschlagen. In den Kinos ist der Film bei uns überigens nie gelaufen, sondern gleich auf DVD veröffentlicht worden. Die schlechte Bewertung seitens Kritikern und Nutzern der IMDB-Datenbank war mir, ehrlich gesagt, egal. Und musikalisch gab’s auch nichts zu meckern.

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Das war mein Horrorctober… Eigentlich waren nur 13 Filme geplant, aber dann sind es doch mehr geworden. Für den November habe ich mir Filme vorgenommen, die man dem „Film Noir“ zuordnen könnte, obwohl das Genre sich nicht klar definieren oder eingrenzen lässt. November Noir – in Anlehnung an den Noirvember. Und was im Dezember kommt? Vielleicht was fürs Herz, vielleicht immer wieder gern gesehene Klassiker? Lasst euch überraschen.