Mein Kinojahr 2020 : alle Filme im Überblick

Nachdem ich 2019 mit dem Aufzählen und Kategorisieren der von mir im Kino gesehenen Filme angefangen habe und auf insgesamt 17 Filme in fünf Kategorien gekommen bin, habe ich mir dieses Jahr noch eine weitere Kategorie einfallen lassen: Die „Gurke des Jahres“ als Pendant zum „Film des Jahres“.

Zum aktuellen Zeitpunkt sind die Kategorien am Ende dieser Jahreszusammenfassung auch schon wieder ein alter Hut. Statt dessen hebe ich in jedem Monat die Filme, von denen ich ganz besonders angetan war, fett hervor. Welche für mich eher nicht so der Brüller waren, erscheinen in Kursivschrift. Zur Auswahl stehen die folgenden Beiträge, in chronologischer Reihenfolge (mit der Anzahl der Filme in den betreffenden Monaten in Klammern):

Januar (3) : Parasite Little Women — Mystify: Michael Hutchence

Februar (4) : Jojo Rabbit The Lodge — La Gomera – verpfiffen und verraten — The Gentlemen

März (0) : Mangels Masse gibt es hier weder einen Flop noch ein Highlight. Wobei – doch, einen hätte ich: den Anwärter auf die Gurke des Jahres, und die finden Interessierte dann doch am Ende dieser Rückschau, die sich ab jetzt (bis auf eine Ausnahme) auf die von mir gesehenen DVDs bezieht.

April (15) : Der Zauberer von Oz — West Side Story — The Breakfast Club — We want sex — Loreena McKennitt – Nights from the Alhambra — In guten Händen — Ray — Die Nebel von Avalon — Wie angelt man sich einen Millionär — Zimt und Koriander — Vom Winde verweht — 25 km/h — Murder in the first — The witness for the prosecution — Good Morning Vietnam

Mai (12) : Zurück in die Zukunft I – III — INXS – Live Baby Live — Sliding Doors — Downton Abbey : Highland Special — Blow – Matrix — Virus – Schiff ohne WiederkehrThe Peanut Butter Falcon — Hustlers — Knives Out – Mord ist Familiensache

Juni (6) : Der Fall Collini — Alles steht kopf — Ocean’s Eight — Susi & Strolch – I & II — Highlander – es kann nur einen geben

Juli (22) : Eins, zwei, drei — Die Frau, von der man spricht — Cleopatra — Belle de Jour – Schöne des Tages — Bonnie & Clyde — Die Nacht des Jägers — Sein Mädchen für besondere Fälle — Die Erfindung der Wahrheit — Pitch Perfect 1 und 2 — Metropolis — High Rise — Match Point — Wahrheit oder Pflicht — Das Totenschiff — The Artist — Eine total, total verrückte Welt — Nur ein kleiner Gefallen — Muriels Hochzeit — Infam — A cure for wellness — Porträt einer jungen Frau in Flammen (übrigens der einzige Film, den ich bei einer Open-Air-Kinovorführung gesehen habe.

August (8) : Der rote Korsar — Look away — Ghostland — Get Out — Midsommar — Náufragos – Gestrandet — Dolores — Gone Girl – das perfekte Opfer

September (16) : Dune – Der Wüstenplanet — A world beyond — Synchronicity — Passengers — WALL·E – der letzte räumt die Erde auf — Blade Runner 2049 — Dark Star — Traumschiff Surprise – Periode 1 — Der Marsianer – Rettet Mark Watney — Interstellar — Life — Spaceballs — Glenn No. 3948 — Das fünfte Element — Gravity — District 9

Oktober (15) : Alien — Behind the mask — Carrie — Della Morte Dellamore — Der Unsichtbare — Die Addams Family in verrückter Tradition — Die Vögel — Morty — Ouija – spiel nicht mit dem Teufel — Paranormal Activity — Ring – das Original — So finster die Nacht — The Neon DemonThe Crow — Voice from the Stone – Ruf aus dem Jenseits

November (28) : Warte, bis es dunkel ist — Taxi Driver — M – eine Stadt sucht einen Mörder — Die zwölf Geschworenen — Wartezimmer zum Jenseits — Niagara — Badlands – Zerschossene Träume — Außer Atem —Im Schatten des Zweifels — Himmel ohne Sterne — Der dritte Mann — Ich kämpfe um Dich — Das Mädchen und der Kommissar — Vier im roten Kreis — Elf Uhr nachts – ’71 – Hinter feindlichen Linien — Berüchtigt — Sorry We missed you — Shutter Island — Ein Kind war Zeuge — The Good German – In den Ruinen von Berlin — The Boy next Door — Der Mann, der zuviel wusste — The Gambler — Die Taschendiebin — The Number 23 — 10×10 — Insomnia – Schlaflos

Dezember (2) : Cinema Paradiso — Midnight in Paris

Dank des Rekordmonats November bin ich damit auf 131 Filme gekommen.

Film des Jahres (hat mich im Kino umgehauen): Parasite / Film des Jahrs auf DVD: The Peanut Butter Falcon +++ Filme, die mich nachhaltig begeistert haben – im Kino : Jojo Rabbit, The Gentlemen / auf DVD: The Artist +++ Filme, bei denen der Fangirl-Faktor den Ausschlag gab: Mystify : Michael Hutchence / Das Pendant dazu auf DVD: Loreena McKennitt – Nights from the Alhambra / INXS – Live Baby Live +++ Filme, die ganz okay waren: La Gomera / Knives Out und noch einige andere von dieser Liste. Die alle aufzuzählen, würde zu weit führen +++ Filme, die mich enttäuscht haben: Little Women, The Lodge / Highlander – es kann nur einen geben, Blade Runner 2049 +++

Gurke des Jahres: CORONA – denn das hat meine schönen Pläne durchkreuzt und die Existenz vieler Betriebe gefährdet oder gar zunichte gemacht, und ich möchte gar nicht wissen, wie viele kleine Kinos davon betroffen sind.

+++ Filme, die ich noch sehen wollte: Bombshell – das Ende des Schweigens (habe ich jetzt auf als DVD), Für Sama, Jean Seberg, Black Widow, James Bond 007 – keine Zeit zu sterben, Tenet, Antebellum, West Side Story und Dune. Der erste ist auf jeden Fall schon für diesen Monat eingeplant.

Mein Kinojahr 2020 : Dezember und das, was vom Jahr noch übrigblieb

Drama, Baby!

Wegen Corona waren Kinobesuche dieses Jahr für mich nicht möglich. Deshalb habe ich mir einige Filme, die ich sehen wollte, auf DVD gekauft. Gesehen habe ich davon bisher nur einen, und deshalb wollte ich diesen Übriggebliebenen jetzt ihre Chance geben, aber dann kam alles anders. An Filmen habe ich tatsächlich nur zwei gesehen, und die waren ausgeliehen – die restliche Zeit habe ich mir mit drei Serien vertrieben, auf die ich später noch zurückkommen werde.

Bleibt noch zu hoffen, dass das vor uns liegende Jahr nicht genauso wird wie dieses.

⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥

Drama-Dezember : die Filme

+ Cinema Paradiso + Midnight in Paris +

⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥

Drama-Dezember : die Serien

+ Nashville, Staffeln 3 und 4 + Babylon Berlin, Staffel 1 + Hell on Wheels, Staffeln 1 bis 5 +

⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥

Cinema Paradiso (1988) : Eine der schönsten Liebeserklärungen an das Kino, aus einer Zeit, als noch das ganze sizilianische Dorf zur gemeinsamen Vorführung in der Kirche zusammenkam, wo sie sich an Filmen erfreuen durfte, die vorher vom Pfaffer (von wem auch sonst) zensiert wurden. Damit auch ja kein Schweinkram gezeigt wird.

Der kleine Toto hat keinen sehnlicheren Wunsch, als in die Fußstapfen des Filmvorführers Alfredo zu treten, und als dieser stirbt, kehrt Toto in sein Heimatdorf zurück, nicht ahnend, dass sein Freund aus Kindertagen sämtliche aus den Filmrollen herausgeschnittenen Kußszenen zu einem Film zusammengefügt hat – als Erinnerung an vergangene Zeiten.

⪥⪥⪥

Midnight in Paris (2011): Den Film von Woody Allen habe ich bei einer Bloggerin als Empfehlung gelesen und war neugierig, ob mich dieses Werk mit Owen Wilson in der Hauptrolle genauso begeistern würde. Jetzt, mit zwei Wochen zeitlichem Abstand, muss ich sagen, dass dieser Tip genau meinen Geschmack getroffen hat, obwohl ich angesichts des Bildes auf der DVD-Hülle gewettet hätte, dass es den Hauptcharakter bei seiner unvorhergesehen Zeitreise nicht bloß in die „Goldenen Zwanziger“ oder in die Belle Epoque versetzt hätte, sondern er sogar Vincent van Gogh persönlich getroffen hätte. Aber Salvador Dalí zu treffen oder gemeinsam mit Dalís Muse (Marion Cotillard) eine Begegnung mit Toulouse-Lautrec, meinem Lieblingskünstler der Belle Epoque zu erleben, ist auch nicht so übel – zumal ich aufgeatmet habe, dass Gil (Owen Wilson) und seine nervige Verlobte (Rachel McAdams) irgendwann endlich getrennte Wege gingen und auf den hoffnungslosen Romantiker dann doch noch ein Happy End wartet, wenn auch anders als erwartet.

⪥⪥⪥

Mit nur zwei ausgeliehenen Filmen und drei Werken, die ich im Fernsehen bewundern durfte (Eat Pray Love / Wasser für die Elefanten / Happy New Year) fällt der letzte Monat des Jahres im Verhältnis zu allen vorigen äußerst mager aus – mir war nämlich viel mehr nach Serien, bei denen ich jetzt den folgenden Stand erreicht habe:

Babylon Berlin (Staffel 1): Hochgelobt wurde diese Romanverfilmung, die im Berlin der 20er Jahre angesiedelt ist, kurz vor dem weltweiten Börsenkrach von 1929. Warum ich nicht weiter dran geblieben bin, als diese Produktion zum ersten Mal in der ARD lief, ist mir ein Rätsel. Dennoch werde ich es bei dieser Staffel belassen, denn mich reizt ein anderes Babylon viel mehr. Neues Jahr, neues Glück.

Hell on Wheels (Staffel 5): Was ich angesichts dieses Titels beim losen Überfliegen für eine Serie im Stil von „Sons of Anarchy“ gehalten habe, entpuppte sich bei näherer Betrachtung um eine Westernserie, die sich um den transkontinentalen Eisenbahnbau direkt nach dem Sezessionskrieg dreht – und um eine richtig gute Serie noch dazu. So gut, dass ich mehrere Folgen pro Tag hintereinander weg gesehen habe („Bingewatching“ hatte ich das letzte Mal bei Downton Abbey) und mir auch die Extras zu Gemüte geführt habe.

Nashville (Staffel 4): Nach einem echt fiesen Cliffhanger am Ende der vierten Staffel habe ich erst mal eine Pause gebraucht. Und ich fürchte, so schnell werde ich auch nicht in den Genuss der nächsten Staffel kommen, weil sie momentan nicht verfügbar ist. Schau’n wir mal, wie’s 2021 wird.

Eine finale Rückschau auf dieses seltsame „Kinojahr“ habe ich schon seit längerem geplant – wann die erscheinen wird, weiß ich allerdings noch nicht.

Mein Kinojahr 2020 : November Noir – Teil vier.

Advent, Advent, die erste Kerze brennt – und es ist Zeit für den vierten und letzten Teil meines „November Noir“. Sieben Filme – für jeden Tag einen, das war der Plan. Zu den von mir ausgewählten Filmen führt die Übersicht aller bisherigen Teile am Ende dieses Monatsrückblicks.

⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥

+ The Boy next Door + Der Mann, der zuviel wusste + The Gambler + Die Taschendiebin + The Number 23 + 10×10 + Insomnia – Schlaflos +

⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥

The Boy next door (2015): Für sie ist es nur eine einmalige Sache – für ihn aber ist sie die Frau fürs Leben. Für die im Trennungsjahr lebende Highschool-Lehrerin Claire (Jennifer Lopez) entwickelt sich der One-Night-Stand mit dem 19jährigen Noah (Ryan Guzman) zum Alptraum ihres Lebens, denn der Neffe ihres Nachbarn entpuppt sich als gewalttätiger und psychopathischer Stalker, der auch vor Erpressung und versuchtem Mord an Claires Noch-Ehemann Garrett (John Corbett) nicht zurückschreckt. Warum der Film als Mix aus Horror und Thriller angepriesen wurde und an den Kinokassen so erfolgreich war, ist mir ein Rätsel. Ob es an der Besetzung Jennifer Lopez (als Produzentin und Gewinnerin der Goldenen Himbeere als schlechteste weibliche Hauptdarstellerin) und Ryan Guzman (Eddie Diaz in „9-1-1 Notruf LA) lag? Dank der nur spärlich eingestreuten Horrorelemente konnte der insgesamt ziemlich unrund wirkende Film nicht so richtig bei mir zünden.

⪥⪥⪥

Der Mann, der zuviel wusste (1956): Die meisten kennen Hitchcocks zweite Version mit James Stewart und Doris Day, weshalb ich mich auf das schwarz-weiße Original von 1934 mit Peter Lorre gefreut habe, doch dann – Überraschung! – durfte ich mich an der „Storm Clouds Cantata“ in Farbe erfreuen. Irgendwas ist schiefgegangen, und man hat in der Bücherei die DVD falsch beschriftet, oder die DVD vertauscht – und wer sich auf den Klassiker von 1956 gefreut hat, musste nun mit der Originalfassung vorlieb nehmen. Viel geschwätzt, aber nichts gesagt – hier kommt die Kurzfassung. Die McKennas gönnen sich nach einem Ärztekongress ein paar Tage in Marokko und geraten mitten in ein Komplott. Und damit die McKennas ihren Mund über das in London geplante Attentat auf einen ausländischen Staatsmann halten, entführen die Verschwörer den Sohn der McKennas. In dem spannenden Thriller konnte Doris Day zeigen, was in ihr steckt. Sie in einer anderen Rolle als in den leichten Komödien als die, mit denen sie bekannt geworden ist, zu erleben – nämlich als um das Leben ihres Kindes fürchtende Mutter – hat mich zutiefst berührt.

⪥⪥⪥

The Gambler (2014): „The only way out is all in“ – Literaturdozent Jim Bennett (Mark Wahlberg) hat eine Viertelmillion Dollar Spielschulden und leiht sich 50.000 Dollar „Spielgeld“ bei der Konkurrenz, weil er hofft, mit dem Gewinn all seine Schulden begleichen zu können Weil das nicht klappt, muss Jims Mutter (Jessica Lange) helfen. Doch anders als sie erwartet hat, verspielt er auch dieses Geld und sieht nur noch einen Ausweg: Sich von dem skrupellosen Frank (John Goodman) Ersatz für das verspielte Geld seiner Mutter zu beschaffen und einen riskanten Plan durchzuziehen, in den zwei seiner Studenten involviert sind, den talentierten Basketballer Lamar Allen und Dexter, ein Ass im Tennis, aber mäßig intelligent. Wer mich bei diesem 111 Minuten langen Selbstzerstörungstrip beeindruckt hat, ist John Goodman als eiskalter Geldgeber, der vor nichts zurückschreckt und am Schluss feststellen muss, dass seine F***-You-Attitüde von seinem neuesten Schuldner höchst eigenwillig ausgelegt wird.

⪥⪥⪥

Taschendiebin (2016): Die Taschendiebin Sook-hee soll Hideko, die Nichte eines Goldminenbesitzers und Buchsammlers, ausspionieren und diese dazu bringen, sich in einen als japanischen Grafen auftretenden Hochstapler zu verlieben. Doch der Plan des „Grafen“, Hideko zu ehelichen, deren Vermögen in die Finger zu bekommen und sie anschließend in eine Nervenheilanstalt zu stecken, nimmt eine unerwartete Wendung, als sich Sook-Hee und Hideko ineinander verlieben und dann auch noch Sook-Hee statt Hideko in der Anstalt landet. Doch da nichts so ist, wie es zunächst scheint, wartet die in den Dreißiger Jahren angesiedelte Handlung mit einem abrupten Perspektivwechsel und damit verbundenen weiteren überraschenden Wendungen auf. Neben der ungeplanten Version von „Der Mann, der zuviel wusste“, stellt in diesem Monat dieser knapp zweieihalbstündige Film aus Südkorea die größte Überraschung dar. Ich glaube, im neuen Jahr nehme ich koreanische und japanische Filme mal etwas genauer unter die Lupe.

⪥⪥⪥

The Number 23 (2007): Jim Carrey in der Rolle des Hundefängers Walter Sparrow, der von seiner Frau Agatha (Virginia Madsen) ein mysteriöses, im Selbstverlag erschienenes Buch mit dem Titel „The Number 23“ geschenkt bekommt. Die Warnung „Wer Ähnlichkeiten zu lebenden oder verstorbenen Persönlichkeiten entdeckt, sollte an dieser Stelle aufhören zu lesen“ ignorierend, entdeckt er mit jedem gelesenen Kapitel immer mehr Ähnlichkeiten mit seinem eigenen Leben und entwickelt eine Besessenheit für die Zahl 23. Die Frage, wer der unbekannte Autor Topsy Kretts (was schnell gesprochen, sich wie „Top Secret“ anhört) ist und woher er so viel über Walters Leben weiß, wird zu seiner persönlichen Mission, in die er seine Frau und seinen Sohn mit hineinzieht, und am Ende sehen sie überall Verbindungen zu der unheilvollen Zahl. Filmkritiker waren von dem düsteren Mysterythriller eher weniger begeistert (8% auf Rotten Tomatoes und eine Goldene Himbeere für Jim Carrey sind ja nicht unbedingt der Hit), im Gegensatz zu mir. Ich habe mich nämlich dabei ertappt, wie ich versucht habe, alle möglichen Zahlen- und Buchstabenkombinationen, die 23 (vorwärts und rückwärts) ergeben, zu finden. Sogar die Nummernschilder 906 8TC und 023 5HJ wurden von mir genauestens unter die Lupe genommen. Die Auflösung zu diesem Rätsel *) gibt es am Ende dieses Wochenrückblicks.

⪥⪥⪥

10×10 (2018): Zunächst sieht es nach einer von langer Hand geplanten Entführung eines Psychopathen aus, der die Blumenhändlerin Cathy Newland (Kelly Reilly) am hellichten Tag zum Opfer gefallen ist. Irgendwann wird jedoch klar, dass Cathy nicht die ist, die sie zu sein vorgibt, denn ihr Entführer Lewis (Luke Evans) scheint genauestens über sie Bescheid zu wissen und beabsichtigt, sie so lange festzuhalten und immer wieder zu verhören, bis sie endlich ihre Schuld an dem Versterben mehrerer Patienten eingesteht. Doch dass Cathy in ihrer nahezu schalldicht isolierten Zelle ungeahnte Kräfte entwickelt, hat er nicht bedacht, und bald schon ist es Lewis, der um sein Leben fürchten muss. Andere mögen das kammerspielartig inszenierte Katz-und-Maus-Spiel so spannend wie eingeschlafene Füße finden, für mich war der noch nicht mal anderthalbstündige britische Thriller eine echte Überraschung; und den Abspann durch einfache weiße Linien dargestellte Elemente des Films habe ich mir bis zum Schluss (inklusive Danksagung der Regie) angeschaut.

⪥⪥⪥

Insomnia – Schlaflos (2002): In Alaska sind Sommertage feucht und kühl und vor allem sehr lang. Dass es hier niemals dunkel wird, setzt dem Polizisten Will Dormer (Al Pacino) genauso zu wie die Untersuchungskommission, die ihn wegen einer Unregelmäßigkeit bei einem alten Fall im Visier hat. Zusammen mit seinem Partner Hap soll er in einer Kleinstadt bei den Ermittlungen in einem Mordfall helfen. Als Hap ankündigt, dass er sich auf einen Deal mit der Kommission eingelassen hat, gerät Will in Panik und erschießt ihn während eines Einsatzes. Ob absichtlich oder aus Versehen, bleibt dahingestellt, und die Erleichterung über die vermeintlich glückliche Wendung des Schicksals währt nicht lange, denn der Schriftsteller Finch (Robin Williams), für Dormer einer der Verdächtigen im aktuellen Mordfall, hat ihn beobachtet und beginnt ein Katz-und-Maus-Spiel mit dem angeschlagenen Dormer, mit dem es im weiteren Verlauf immer mehr bergab geht. Für mich war es eine Überraschung, den Schauspieler Jonathan Jackson, den ich aus der Serie „Nashville“ (als Singer/Songwriter Avery Barkley) kenne, in der Rolle des unter Hauptverdacht stehenden Freundes der ermordeten Schülerin Kay zu sehen. In „Insomnia“ wird der arme Kerl zur Zielscheibe von Dormer und Finch, in deren Fadenkreuz er gerät und fingierte „Beweise“ untergejubelt bekommt.

⪥⪥⪥

Das waren die letzten sieben düsteren Filme; der Dezember aussieht kommt mit Dramen um die Ecke, die aus diesem Jahr übrig geblieben sind und mit zwei Serien, die ich in unserer Bücherei entdeckt habe. Aber wie ich den letzten Cinema-Scope-Monat nenne, weiß ich noch nicht zu hundert Prozent. Entweder „Drama Dezember“ oder „The leftovers“. Zu den drei Teilen gelangt man durch Klicken auf das jeweilige Datum: Teil eins gab es am 8. November, Teil zwei am 15. November und Teil drei am 22. November.

⪥⪥⪥

*) Wie angekündigt, folgt zum Schluss die Auflösung des Zahlenpuzzles: „906 8TC“: 9+6+8 = 23 / T (20. Buchstabe des Alphabets + C (3. Buchstabe des Alphabets ) = 23. — „023 5HJ“: 23 / 5 + H (8. Buchstabe des Alphabets) + J (10. Buchstabe des Alphabets) = 23.

Mein Kinojahr 2020 : November Noir – Teil drei

Sieben Filme – für jeden Tag einen; Teil eins gab es am 8. November, Teil zwei am fünfzehnten… Kommen wir jetzt zu den nächsten sieben Werken, diesmal sind nicht alle so alt wie die in den vergangenen Wochen und auch nicht unbedingt das, was Kenner unter „Noir“ verstehen würden. Und ich verabschiede mich an dieser Stelle von dem, welche Merkmale man solchen Filmen allgemein zuschreibt. Gemeinsam haben sie alle jedoch eins: Die Lage ist ernst und teilweise hoffnungslos.

Und sollte es doch irgendwo einen Anflug von Heiterkeit geben, ist auch die bloß aufgesetzt – mit dem Ergebnis, dass ich mich frage, was der Regisseur damit sagen wollte.

⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥

++ Elf Uhr nachts + ’71 – Hinter feindlichen Linien +++ Berüchtigt +++ Sorry We missed you +++ Shutter Island +++ Ein Kind war Zeuge +++ The Good German – In den Ruinen von Berlin ++

(Fortsetzung folgt)

⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥

Elf Uhr nachts (1965): Vom Leben gelangweilt, brennt Ferdinand (Jean-Paul Belmondo) mit der undurchsichtigen und gar nicht so harmlosen Marianne (Anna Karina) durch und flieht mit ihr quer durchs ganze Land nach Südfrankreich, nachdem sie einen Mord begangen hat. Zunächst noch wie Pech und Schwefel, gegen sie sich bald schon gegenseitig auf die Nerven. Irgendwann werden sie getrennt, weil Verbrecher hinter Marianne her sind, und als sie sich in Toulon durch Zufall wieder treffen, hat Marianne einen Liebhaber, der Waffen schmuggelt. Gut geht das nicht aus, und so absurd wie mir etliche Szenen in dem Film vorkamen, wirkt der Schluss des Films, der in einem Dialog aus dem Off zwischen Ferdinand und Marianne über die wiedergefundene Ewigkeit endet.

⪥⪥⪥

’71 – Hinter feindlichen Linien (2014): Wenn du statt nach Deutschland nach Belfast versetzt wirst und erkennen musst, dass deine Vorgesetzten ein falsches Spiel spielen, dann bist du in der Hölle gelandet. Für den englischen Soldaten Gary Hook wird dieser Alptraum zur Realität, als er bei einer aus dem Ruder gelaufenen Hausdurchsuchung von seiner Einheit getrennt wird und sich vor einem Lynchmob verstecken muss. Nachdem die Luft rein zu sein scheint, versucht er, zu Fuß und als Zivilist ohne Ortskenntnisse getarnt, im nächtlichen Belfast den Weg zu seiner Kaserne zurückzufinden. Die Situation eskaliert, als er durch Zufall mitbekommt, wie in dem Hinterzimmer eine Bombe zusammengebaut wird, und da einer der Personen im Hinterzimmer zu dem Kreis seiner Vorgesetzten gehört, sind nun alle hinter ihm her, um ihn auszuschalten. Ein Entkommen aus diesem Teufelskreis scheint unmöglich, weder für ihn noch für die Kinder auf allen Seiten, denen der Hass schon früh eingeimpft wird.

⪥⪥⪥

Berüchtigt (1946): Ingrid Bergman als „Femme Fatale“ Alicia Huberman, eine „Dame“ mit Alkoholproblem und zweifelhaftem Ruf, die von amerikanischen Agenten in Brasilien in eine Organisation aus Nazis eingeschleust wird. Deren Kopf Alexander Sebastian (Claude Rains) hatte schon immer eine Schwäche für sie und da er vermutet, sie habe ein Verhältnis mit dem Agenten Devlin (Cary Grant), macht er ihr einen Heiratsantrag – eigentlich die ideale Methode, die Verbrecher auszuspionieren. Durch ein Missgeschick im Weinkeller Sebastians fliegt jedoch der Plan Devlins auf, und die Sebastians sinnen auf eine Methode, Alicia unauffällig verschwinden zu lassen, ohne dass die anderen Mitglieder ihrer Organisation davon Wind bekommen. Denn die würden die Schwachstellen eliminieren, ohne mit der Wimper zu zucken.

⪥⪥⪥

Sorry We missed you (2019): Die Turners sind eine von vielen Familien, die seit der Finanzkrise von 2008 vor lauter Schulden kein Bein mehr auf den Boden bekommen. Abby schuftet in Dreizehnstundenschichten als Altenpflegerin und wird nicht für die aufgewendete Zeit, sondern pro „Klient“ bezahlt; ihr Mann Ricky hat einen Job als sogenannter Franchisenehmer bei einem Kurierdienst angenommen. Vierzehn Stunden täglich, von Montag bis Samstag muss er Pakete fahren und steht unter enormem Zeitdruck, getriezt von einem Chef, den familiäre Probleme nicht interessieren. Du willst frei haben, weil Du bei der Polizei vorstellig werden musst oder auf Deine Röntgenbilder wartest, nachdem Dich eine Bande ausgeraubt und Deinen Scanner zerstört hat? Organisier Dir selber jemanden, der für Dich einspringt. Andernfalls werden saftige Bußgelder fällig, die ein noch tieferes Loch in die Kasse reißen. Ach ja, und den Scanner musst Du auf eigene Kosten ersetzen. Ob ein Ende dieses prekären Alptraums abzusehen ist, bleibt abzuwarten.

⪥⪥⪥

Shutter Island (2010): Auf einer abgelegenen Insel in einer Nervenheilanstalt für geisteskranke Kriminelle während eines aufziehenden Hurrikans in der Sache einer verschwundenen Patientin zu ermitteln, gerät für die US-Marshals Chuck Aule (Mark Ruffalo) und Teddy Daniels (Leonardo diCaprio) zum nervenaufreibenden und lebensgefährlichen Höllentrip. Der Verdacht, dass mit Daniels etwas nicht stimmt, kann man schon am Anfang erkennen, und je länger die beiden auf der Insel verweilen, desto häufiger treten bei ihm Migräneanfälle und Visionen auf, in denen er nicht nur vom Geist seiner toten Frau heimgesucht wird, sondern auch von dem, was er bei der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau erlebt hat. Trotz aller Schwierigkeiten ist er davon überzeugt, schon bald die schreckliche Wahrheit über Shutter Island aufzudecken. Mit 138 Minuten zwar der längste Film in dieser Sammlung, aber das Werk von Martin Scorsese hat nicht umsonst jede Menge Preise und Nominierungen abgeräumt.

⪥⪥⪥

Ein Kind war Zeuge (1952): Gerade hat Maschinist Chris Lloyd (Dirk Bogarde) auf einem Trümmergrundstück aus Eifersucht den Liebhaber seiner Frau umgebracht, da läuft ihm der siebenjährige Robbie noch am Tatort über den Weg. Also nimmt Lloyd kurzerhand den Kleinen mit, der vor seinen Adoptiveltern davongelaufen ist, nachdem er in seiner Wohnung verbotenerweise gezündelt hat. Von der Polizei gesucht, versucht das ungleiche Duo, sich zu Fuß und nahezu ohne Geld nach Schottland durchzuschlagen, wo Chris‘ Bruder lebt. Ein gefährliches Unterfangen, und als schon die Freiheit winkt, wird Robbie krank…

⪥⪥⪥

The Good German – In den Ruinen von Berlin (2006): Ein Thriller in Schwarz-Weiß mit George Clooney, Cate Blanchett und Tobey Maguire in den Hauptrollen – angesiedelt 1945 in Berlin während der Potsdamer Friedenskonferenz, über die der amerikanische Journalist Jake Geismar (Clooney) berichten soll. Als sein Fahrer Tully (Maguire) erschossen aufgefunden wird, versucht er, die Wahrheit herauszufinden und gerät dabei in Gefahr, zumal Tullys Freundin Lena (Blanchett), mit der er vor einiger Zeit ein Verhältnis hatte, mehr weiß, als allen lieb ist. Stellenweise erinnerte der Film mich in Stimmung, Kameraführung und Konstellation der Personen an den Klassiker „Der Dritte Mann“, und ich finde es schade, dass der Film bei Publikum und Kritikern so wenig Anklang gefunden hat – aber wenigstens hat er 2007 eine Oscarnominierung für die beste Filmmusik bekommen. Harfenklänge als Untermalung für beklemmende Szenen ist mir bisher jedenfalls noch nicht untergekommen.

Der letzte Teil meiner teilweise nicht ganz so schwarzen, aber immer noch düster angehauchten Sammlung des Novembers folgt demnächst.

Mein Kinojahr 2020 : November Noir – Teil zwei

Eine Chance für die Filme, die es im Oktober nicht geschafft haben oder einen erneuten Durchlauf bekommen sollen? Der November wird düster – die nächsten sieben Filme von meiner Liste, bei denen sich einige bestimmt fragen, was daran denn „noir“ sein soll, folgen jetzt, als Fortsetzung von dem am 8. November veröffentlichten Teil eins.

Sieben Filme – für jeden Tag einen, zum Teil in Schwarz-Weiß, und alles aus dem letzten Jahrhundert. Die Grundstimmung ist melancholisch oder gar düster, und die Helden sind nicht immer die Guten. Eher sind die Guten die Bösen, oder die ganze Situation ist aussichtslos und lässt nur Verlierer zu.

⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥

Außer Atem + Im Schatten des Zweifels + Himmel ohne Sterne + Der dritte Mann + Ich kämpfe um Dich + Das Mädchen und der Kommissar + Vier im roten Kreis

(Fortsetzung folgt)

⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥

Außer Atem (1960): Noch jemand, der wie Romeo und Julia sein möchte. Doch anders als die kindliche Holly in „Badlands“, will die amerikanische Studentin Patricia (Jean Seberg) erst noch herausfinden, ob sie nun den Autodieb Michel Poiccard (Jean-Paul Belmondo) liebt oder nicht. „Ich weiß nicht, ob ich unglücklich bin, weil ich nicht frei bin – oder ob ich nicht frei bin, weil ich unglücklich bin“ – während sie tiefschürfende Gedanken wälzt, ist der Bogart verehrende Michel eher einfach gestrickt und würde sich für das Nichts entscheiden, wenn er zwischen diesem und dem Leiden zu wählen hätte. Nachdem der Ganove bei einer Verkehrskontrolle einen Polizisten erschossen hat, sucht er Unterschlupf bei Patricia. Und schon bald heftet sich die Polizei den beiden bei ihrer ziellosen „Flucht“ quer durch Paris an die Fersen.

⪥⪥⪥

Im Schatten des Zweifels (1943): Es kann sich nur um Gedankenübertragung handeln – kaum denkt Charlie Newton (Teresa Wright) daran, wie schön es wäre, wenn ihr Onkel und Seelenzwilling Charles (Joseph Cotten) zu Besuch käme, da steht er auch schon vor der Tür. Doch die anfängliche Begeisterung wandelt sich in pures Grauen, als sich die Anzeichen verdichten, dass der liebe Onkel kein ehrbarer Geschäftsmann, sondern ein Serienmörder ist, den die Polizei schon seit einiger Zeit sucht und ihn nun gefunden zu haben glaubt; und als der Onkel seiner Nichte gegenüber sein wahres Gesicht zeigt, muss sie um ihr Leben fürchten.

⪥⪥⪥

Himmel ohne Sterne (1955): In diesem Drama aus dem geteilten Deutschland steht eine Flucht im Mittelpunkt, die so nicht geplant war. Noch ist der eiserne Vorhang nicht befestigt, also besucht die Fabrikarbeiterin Anna Kaminski (Eva Kotthaus) aus dem thüringischen Broditz immer wieder heimlich ihren kleinen Sohn, den sie bei den Großeltern in Oberfranken nicht ganz freiwillig zurücklassen musste. Eines Tages reicht es ihr. Kurzerhand entführt sie das Kind in den Osten, doch unterwegs werden sie getrennt, und ausgerechnet der bayerische Grenzpolizist Carl Altmann (Erik Schumann) hilft bei der Familienzusammenführung. Bald schon verlieben sich die beiden ineinander, doch ihre heimlichen Treffen auf einem verfallenen Bahnhof im sogenannten Niemandsland werden zusehends gefährlicher. Die Hoffnung haben die Liebenden schon lange verloren, und so gibt es nur noch eine Lösung: die gemeinsame Flucht, aber diesmal von Ost nach West, und zwar mit der gesamten Familie Kaminski. Ich ahnte da bereits, dass dies kein gutes Ende nimmt – doch dass es dann als erstes den russischen Soldaten Mischa (Horst Buchholz) erwischen muss, der einen Passierschein für Anna und ihr Kind organisieren konnte, empfand ich geradezu als zynisch.

⪥⪥⪥

Der dritte Mann (1949): Nicht nur Berlin war nach dem Zweiten Weltkrieg geteilt, sondern auch Wien. Die Stadt liegt zu großen Teilen in Trümmern, und der Schwarzmarkt floriert. Und mit ihm das Verbrechen – in dieses Milieu gerät der amerikanische Westernautor Holly Martins (Joseph Cotten), als er von einem alten Freund Harry Lime (Orson Welles) eingeladen wird – nur kommt es nie zu einem Treffen, da Lime bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen ist. Dessen Todesumstände machen Martins stutzig, und er beginnt auf eigene Faust zu recherchieren und muss bald erfahren, dass Lime ein skupelloser Penicillinfälscher ist, der es in Kauf nimmt, dass Menschen durch das gepanschte Medikament zu Schaden kommen oder ihr Leben verlieren. Die Flucht durch die Kanalisation und die Trümmerhaufen Wiens ist mit ihren starken Kontrasten und überdimensionalen Schatten legendär, aus einer diagonalen Perspektive heraus gefilmt, erzeugen eine düstere und bedrohliche Stimmung. Das klassische Beispiel für einen „Film noir“ schlechthin.

⪥⪥⪥

Ich kämpfe um Dich (1945): Amnesie! Der Mann, der nichts mehr weiß und glaubt, einen Mord begangen zu haben, wird in diesem Psychothriller von Gregory Peck verkörpert. Ingrid Bergman spielt die Psyhologin Dr. Petersen, die sich Hals über Kopf ihn ihn verliebt hat und das Geheimnis seiner Identität lüften möchte. Eine Konfrontation mit der triggernden Umgebung und Situation soll dabei Licht ins Dunkel bringen. Ohne die hypnotische Musik würde der Film (und vor allem der sonst so harmlos und gentelemanlike erscheinende Hauptdarsteller) weit weniger bedrohlich wirken – man unterschätze nie die Stimmung, die so ein Theremin erzeugen kann. Kleines, aber interessantes Detail am Rande: Die Traumsequenz wurde von Salvador Dalí entworfen. Das fand ich spannender als die Suche nach der Szene, in der Hitchcock einen winzigen Auftritt hat. Für einen winzigen Augenblick gibt es sogar einen roten Farbklecks in dem in Schwarz-Weiß gefilmten Drama mit starken Kontrasten: Wenn sich die Mündung eines Revolvers direkt auf die Kamera richtet und die Hand den Abzug betätigt.

⪥⪥⪥

Das Mädchen und der Kommissar (1971): Für Max (Michel Piccoli), Kommissar und ehemaliger Richter, wird sein Wunsch, die Verbrecher auf frischer Tat zu ertappen, zur fixen Idee. Getrieben von seiner Obsession, manipuliert er die Prostituierte Lili (Romy Schneider) und sorgt so dafür, dass sie wichtige Details über hohe Einzahlungen bei einer kleinen Bankfiliale an ihren Liebhaber, Kopf einer Bande von Kleinkriminellen, weitergibt. Dass ein weiteres Bandenmitglied als Zuträger von Informationen in diesem Spiel mit von der Partie ist, läuft unter „Doppelt genäht hält besser“ und lässt den Plan wasserdicht erscheinen – nicht aber, dass in Max der Beschützerinstinkt für Lili geweckt wird und er sie gegen den Willen des für den Fall direkt zuständigen Kommissars Rosinsky (François Périer) ungeschoren davonkommen lasssen will.

⪥⪥⪥

Vier im roten Kreis (1970): Surprise, surprise! Soeben noch als Kommissar zu sehen, der die Mitwisser einer Bande vor Gericht sehen will, spielt François Périer in diesem Heist Movie nun selbst den Informanten. Diesmal ist keine Bank das Ziel eines Überfalls, sondern eine Gruppe Gangster (Alain Delon, Gian Maria Volonté und Yves Montand), die den Einbruch bei einem Juwelier plant. Der erste ist wegen guter Führung vorzeitig entlassen worden, der zweite ist ein geflüchteter Häftling und der dritte ein ehemaliger Polizist mit Alkoholproblemen. Letzterer soll für die ersten beiden als Scharfschütze die Alarmanlage ausschalten, und zunächst läuft der Coup auch wie am Schnürchen, doch dann haben sie nicht mit dem Polizisten gerechnet, der ihnen als Hehler getarnt, ins Handwerk pfuscht. „Sie kommen unschuldig auf die Welt, aber sie bleiben es nicht“, lautet zum Schluss die Moral von der Geschicht‘.

⪥⪥⪥

Fortsetzung folgt – ich bin schon gespannt, was ich bei meiner Suche noch so finde. Vielleicht mal etwas moderneres.

Mein Kinojahr 2020 : November Noir – Teil eins

Eine Chance für die Filme, die es im Oktober nicht geschafft haben oder einen erneuten Durchlauf bekommen sollen?

Zum ersten Mal habe ich den Wunsch verspürt, bei der „Noirvember“ genannten Challenge mitzumachen, habe aber den Namen für mich etwas modifiziert. Ich habe mich nämlich schon öfters gefragt, was einen sogenannten Film Noir ausmacht. Elemente wie die Femme Fatale, den Privatdetektiv oder die Gangster? Eine besondere Stimmung? Eine besondere Art der Kameraführung und/oder Beleuchtung?

Da ich mich mit Zuordnungen schwertue, habe ich in unserer Bücherei bei den von A bis Z sortierten Klassikern zugegriffen, und herausgekommen ist eine Mischung, bei der sich bestimmt einige fragen, was ich mir dabei gedacht habe. Da die Grundstimmung dieser Auswahl ernst und melancholisch bis düster ist, passen sie vorzüglich zu dem gruseligen Wetter, das den November meistens bestimmt.

⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥

+++ Warte, bis es dunkel ist +++ Taxi Driver +++ M – eine Stadt sucht einen Mörder +++ Die zwölf Geschworenen +++ Wartezimmer zum Jenseits +++ Niagara +++ Badlands – Zerschossene Träume +++

(Fortsetzung folgt)

⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥

Warte, bis es dunkel ist (1967): Gangster auf der Suche nach einer mit Heroin gefüllten Puppe, die einem einem ahnungslosen Fluggast, dem Mann von Suzy Hendrix untergejubelt worden ist – nun versuchen die Verbrecher mit allen Tricks, aus Suzy (Audrey Hepburn) herauszubekommen, wo sie das Objekt der Begierde versteckt hat. Doch sie haben die blinde Frau unterschätzt, die die Herren schneller durchschaut, als ihnen allen lieb ist – bis sie sich mit dem psychopatischen Anführer (Alan Arkin) einen Kampf auf Leben und Tod liefert. Als mit ihrem Handicap hadernde Suzy Hendrix in diesem langsam, aber stetig Spannung aufbauenden Thriller spielt Audrey Hepburn für mich eine ihrer besten Rollen, und spätestens als in der Wohnung kein einziges Licht mehr brennt, ist der Bildschirm dann auch tatsächlich schwarz und damit wortwörtlich „noir“; die bedrohliche Musik tut ihr übriges, und der Jump Scare ist auch nicht von schlechten Eltern.

⪥⪥⪥

Taxi Driver (1976): Weil er dringend Geld braucht und nachts nicht schlafen kann, fährt Travis Bickle (Robert De Niro) stets die Nachtschicht und dann auch noch in Gegenden, in die sich niemand gerne freiwillig begibt. Den ihm unterwegs begegnenden „Abschaum“ würde er am liebsten beseitigen. Im Lauf der Handlung zeigen sich seine sozialen Defizite immer deutlicher, sein Date mit einer Wahlkampfhelfern (Cybill Shepherd) gerät zum Fiasko, und sein Versuch, die minderjährige Prostituierte Iris (Jodie Foster) zu retten, endet auf tragische Weise. Der Verlierer als Held. Oder Antiheld. Je nachdem.

⪥⪥⪥

M – eine Stadt sucht einen Mörder (1931): Nach monatelanger, erfolgloser Suche nach einem Kindermörder reicht es den organisierten Verbrechern, da die vielen Razzien schlecht fürs Geschäft sind. Nachdem man die Bettler eingespannt und die Stadt mit einem dichten Netz aus Spitzeln überzogen hat, dauert es nicht mehr lange, bis der Gesuchte in die Falle geht und man ihn einkesselt und verschleppt, um das Urteil über ihn zu sprechen. Auf dem Dachboden einer leerstehenden Schnapsfabrik entscheidet sich sein Schicksal.

⪥⪥⪥

Die zwölf Geschworenen (1957): Wenn sich Geschworene in einem Mordzprozess zur Beratung zurückziehen, muss das Urteil „schuldig“ oder „nicht schuldig“ einstimmig getroffen werden. In dem Kammerspiel steht es zu Beginn elf zu eins, denn Geschworener Nummer 8 (Henry Fonda) zieht so ziemlich alles an dem Prozess in Zweifel, und als man sich daran macht, den Fall im Hinterzimmer zu rekonstruieren und auf Herz und Nieren zu überprüfen, ziehen immer mehr der übrigen elf Geschworenen nach, bis es am Ende spiegelbildlich eins zu elf steht; dabei tun sich Abgründe auf, da jeder der am Anfang auf „schuldig“ plädierenden Herren unbewusst ganz andere Gründe für seine Einschätzung hat.

⪥⪥⪥

Wartezimmer zum Jenseits (1964): Zahle oder stirb! In dieser Verfilmung eines Kriminalromans von James Hadley Chase wird ein schwerreicher Brite erpresst, und weil der die Zahlung an das Verbrechersyndikat „Die Schildkröte“ verweigert, lassen die Verbrecher ihn durch den Messerwerfer Shapiro (Klaus Kinski) ermorden und entführen dessen Neffen Don Micklern (Götz George). Womit der Kopf des Syndikats jedoch nicht rechnet, ist der Verrat durch seine eigene Frau Laura (Hildegard Knef), die von dem unsteten Leben schon lange genug hat und von dem nun stark gestiegenen Lösegeld selbst ein ordentliches Sümmchen abzweigen will. Klingt nach Edgar Wallace, stammt aber lediglich vom Regisseur der Edgar-Wallace-Filme – und deshalb sehr unterhaltsam.

⪥⪥⪥

Niagara (1953): Habe ich den nicht erst gesehen? Irrtum, das war letztes Jahr, einige Zeit nach meinem Kanada-Urlaub. Diesmal hatte ich andere Beweggründe. Nach Verbrechern, die sich gegenseitig umbringen, wollte ich diesmal einen Film mit einer echten Femme Fatale sehen, in deren Rolle in diesem Thriller Marilyn Monroe geschlüpft ist. Von wegen naives Dummchen – diese Frau ist eiskalt und plant, ihren Mann durch ihren Liebhaber aus dem Weg räumen und die Tat wie einen Selbstmord aussehen zu lassen. Leider aber geht etwas dabei gründlich schief, und am Ende muss sie um ihr Leben fürchten.

⪥⪥⪥

Badlands – zerschossene Träume (1973): „Es ist noch immer besser, eine Woche mit jemandem zu verbringen, der mich so liebte, wie ich war, als Jahre voller Einsamkeit“ (Sissy Spacek als Holly Sargis). Sie wären so gerne wie Romeo und Julia – die fünfzehnjährige Holly (Sissy Spacek) und der zehn Jahre ältere Kit (Martin Sheen), der optisch James Dean nacheifert und schon als Kind davon träumte, kriminell zu werden, wenn er mal groß ist. Hollys Papa ist gegen die Beziehung der beiden Tagträumer? Kurzerhand erschießt Kit ihn und begibt sich mit seiner Liebsten auf die Flucht quer durch die Great Plains in Richtung Montana – eine Flucht, auf der noch so einige ihr Leben verlieren werden.

⪥⪥⪥

Sieben Filme – für jeden Tag einen. Der November hat gerade erst angefangen, und der Stapel schrumpft allmählich.

Welche Highlights ich mir noch angeschaut habe, offenbart der zweite Teil meiner „düsteren Phase“, mit Betonung der Themen Flucht und Verzweiflung.

Mein Kinojahr 2020 : Der Horrorctober – 2/2

Weiter geht es mit einer Aktion, bei der ich zum zweiten Mal mit von der Partie bin. Gut, dass ich mir meine Liste selbst zusammenstellen kann, denn ich versuche, ein möglich breites Spektrum abzudecken, ohne dass es dabei zu blutig zugeht. Auch dieses Jahr habe ich meinen Beitrag in zwei Teile gesplittet.

Den ersten Teil gab es am 11. Oktober – heute folgen die nächsten Filme, weitgehend ausgeliehen aus unserer Stadtbücherei:

⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥

Fortsetzung

⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥

+ Morty + Ouija – spiel nicht mit dem Teufel + Paranormal Activity + Ring – das Original + So finster die Nacht + The Neon Demon + The Crow + Voice from the Stone – Ruf aus dem Jenseits +

⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥

Morty (1995): Kommt ein Mann zum Arzt… in dem Fall ist der Arzt Psychologe (Wes Craven) und Mentor des Psychologiestudenten Richard, der einige Komilitonen in eine gemütliche Hütte irgendwo in den Wäldern zu einem Wochenendworkshop einlädt, bei dem sie sich ihren Ängsten stellen sollen. Die Idee wäre an sich nicht schlecht, gäbe es da nicht eine lebensgroße Holzpuppe namens Morty, vor der Richard schon als Kind Angst hatte – und weil alle so beeindruckt von dem hölzernen Gesellen sind, lassen sie sich dazu überreden, der Figur ihre Ängste anzuvertrauen. Leider aber hat vor Urzeiten ein Indianer die Puppe mit einem Fluch belegt, und nun macht sie sich auf, die Wochenendgäste das Fürchten zu lehren. Ach, hätten sie den Kerl doch bloß da gelassen, wo er die ganze Zeit über war, nämlich in der Schublade. So aber durfte ich mich durch einen Film langweilen, bei dem das einzig Gruselige die schauderhafte und stets wiederkehrende Synthesizermusik war.

⪥⪥⪥

Ouija – spiel nicht mit dem Teufel (2014): Ouija – Gläserrücken 2.0, ein Spiel mit drei ganz einfachen Regeln. Erstens: Spiel es nicht alleine; zweitens: Spiel es niemals auf einem Friedhof; drittens: Sag stets Auf Wiedersehen… wenn es denn einfach bloß ein Spiel wäre. Dem ist nicht so, denn in früheren Zeiten waren Seancen, bei denen die Geister Verstorbener durch ein Medium zu den Anwesenden sprachen, sehr beliebt – und mit einem solchen Brett versuchen ein paar Teenager, Kontakt zu ihrer vor kurzem durch Suizid aus dem Leben geschiedenen Freundin Debbie aufzunehmen. Damit beschwören sie jedoch einen bösen Geist herauf, der sie fortan verfolgt und einen nach dem anderen in den Tod treibt. Den als Prequel gefilmten Nachfolger habe ich letztes Jahr bereits gesehen und wollte das Experiment nicht noch einmal wiederholen.

⪥⪥⪥

Paranormal Activity (2007): Nachdem ich bei meinem letzten Versuch, einen Film über einen Poltergeist anzusehen, mittendrin eingeschlafen bin, habe ich bei dieser mit relativ niedrigem Budget von 15000 Dollar gedrehten Produktion ähnliches erwartet. Die Kritiken überschlagen sich ja auch nicht gerade mit Lob, da in dem Film im Stil einer Dokumentation eigentlich nicht wirklich viel passiert: Ein junges Paar wird Nacht für Nacht von einer unsichtbaren Präsenz terrorisiert, und so kommt er auf die Idee, das nächtliche Geschehen mit einer im Schlafzimmer aufgebauten Kamera zu dokumentieren. Ein hinzugezogener Experte bleibt ratlos, und es kommt heraus, dass es der Dämon oder Geist auf die junge Frau abgesehen hat und ihr überall hin folgt, seit sie acht Jahre alt ist. Zwischendurch kommt ein Ouija-Brett zum Einsatz, und irgendwann wird aus der akustischen Bedrohung eine körperliche mit blutigem Ausgang. Wie gesagt, hatte ich nichts besonderes erwartet, aber bei abgehackt wirkenden Bewegungen wird mir ganz seltsam, und bei manchen Geräuschen musste ich an ein eigenes Erlebnis aus dem letzten Jahr denken, bei dem ich heute noch eine Gänsehaut bekomme. Fazit: Filme über Poltergeister schaue ich mir so schnell nicht mehr an.

⪥⪥⪥

Ring – das Original (1998): Abgehackte Bewegungen, Teil 2. Wenn Du ein bestimmtes Video siehst, und danach einen Anruf erhältst, in dem man Dir verkündet, dass Du in sieben Tagen stirbst, dann klingt das zunächst nach einem schlechten Scherz. In der japanischen Verfilmung eines Romans von Kōji Suzuki sterben jedoch tatsächlich die Personen, die das mysteriöse Video, das scheinbar aus einer Aneinanderreihung verstörender und scheinbar keinen Sinn ergebender Szenen besteht, nach genau sieben Tagen mit vor Grauen verzerrten Gesichtern. Auf ihrer Spurensuche kommen die Journalistin Asakawa und ihr Ex-Mann hinter die grauenerregende Wahrheit und öffnen bei dem Versuch, dem Bösen ein Ende zu bereiten, erst recht die Büchse der Pandora. Die amerikanische Neuverfilmung habe ich 2002 im Kino gesehen, jetzt musste das Original her. Welche Version für mich die spannendere war, kann ich nicht sagen, da ich beide gut finde.

⪥⪥⪥

So finster die Nacht (2008): Von wegen Gruselschloss. In diesem Film aus Schweden befindet sich ein Vampir mitten unter den Bewohnern eines tristen Stockholmer Vororts, heißt Eli und ist 12 Jahre alt (und das schon seit Jahren). Trotz des älteren Helfers, mit dem sie zusammenlebt und der für sie auf die Jagd nach Opfern geht, deren Blut er abzapft, ist Eli einsam. Eines Abends lernt Eli auf dem Spielplatz der Siedlung den gleichaltrigen Nachbarsjungen Oscar kennen, der in der Schule terrorisiert wird. Im Lauf der Zeit entwickelt sich zwischen den beiden Außenseitern eine Freundschaft, und Oscar beginnt, sich gegen seine Peiniger zu wehren. Besonders gruselig fand ich den Film nicht, aber dafür sehr melancholisch und rührend zugleich, und stellenweise fast schon poetisch. Ein Higlight.

⪥⪥⪥

The Neon Demon (2016): Das war nix: 16jähriges Nachwuchsmodel wird zur Bedrohung für die Konkurrenz, der die Felle wegschwimmen bzw. die Aufträge wegbleiben. Abgesehen von der Frage, wie die weibliche Hauptperson ohne Job ihr Motelzimmer bezahlen kann und es schafft, sich den schmierigen Motelbesitzer vom Hals zu halten, waren in diesem Kunstfilm die Schockmomente dünn gesät und bestanden aus blutigen bis abstoßenden Szenen zum Thema Nekrophilie und Kannibalismus. Mag sein, dass der Film mit Keanu Reeves in einer winzigen und unsympathischen Nebenrolle als künstlerisch wertvoll eingestuft und die Musik preiswürdig ist. Aber bei diesem surrealen Ausflug in die Welt des Mode(l)business habe ich mich gefragt, ob ich nicht mit Heidi Klums immerwährenden Suche nach Deutschlands Topmodel besser dran gewesen wäre.

⪥⪥⪥

The Crow (1994): Wenn Tote keine Ruhe finden, kann eine Krähe sie ins Diesseits zurückbringen – nämlich dann, wenn sie auf besonders tragische Weise verstorben sind, so wie Eric Draven (Brandon Lee) und seine Verlobte Shelly Webster, in dieser düsteren Verfilmung der gleichnamigen Graphic Novel von James O’Barr. Ein Jahr zuvor sind Eric und Shelly in der Nacht vor Halloween einer Gang auf bestialische Weise zum Opfer gefallen, nun kehrt Eric aus dem Grab zurück und begibt sich in der Maske eines Harlekins auf einen Rachefeldzug und knöpft sich ein Gangmitglied nach dem anderen vor, bis er dem Kopf der Bande gegenüber steht. Sie sind bereits tot, sie wissen es nur noch nicht. Damit ist über das unausweichliche Ende fast schon alles gesagt. Visuell und akustisch für mich absolut top, und von diesem Teil meiner Liste für den Oktober bisher mit Abstand der beste Film.

⪥⪥⪥

Voice from the Stone – Ruf aus dem Jenseits (2017): Ein Junge, der seit dem Tod seiner Mutter kein Wort mehr gesprochen hat, aber dafür ihre Stimme aus der Wand zu ihm sprechen hört, ein überforderter Vater und ein Kindermädchen, dessen Aufgabe es ist, den Jungen zum Sprechen zu bringen. Angesiedelt in der Toskana der 50er Jahre und gefilmt in melancholischen Bildern, habe ich lange gerätselt, warum unsere Stadtbücherei dieses Werk mit Emilia Clarke in die Kategorie „Horror“ einsortiert hat. Gemächlich plätschert die Handlung dahin, eine Liebesgeschichte scheint sich anzubahnen, doch dann standen mir stellenweise wirklich die Haare zu Berge. Schon allein die Vorstellung von dem Brauch, beim Bau des Hauses eine lebende Katze mit einzumauern, um das Böse abzuwehren. Der Grusel schleicht sich unbemerkt von hinten an, um hinterrücks zuzuschlagen. In den Kinos ist der Film bei uns überigens nie gelaufen, sondern gleich auf DVD veröffentlicht worden. Die schlechte Bewertung seitens Kritikern und Nutzern der IMDB-Datenbank war mir, ehrlich gesagt, egal. Und musikalisch gab’s auch nichts zu meckern.

⪥⪥⪥

Das war mein Horrorctober… Eigentlich waren nur 13 Filme geplant, aber dann sind es doch mehr geworden. Für den November habe ich mir Filme vorgenommen, die man dem „Film Noir“ zuordnen könnte, obwohl das Genre sich nicht klar definieren oder eingrenzen lässt. November Noir – in Anlehnung an den Noirvember. Und was im Dezember kommt? Vielleicht was fürs Herz, vielleicht immer wieder gern gesehene Klassiker? Lasst euch überraschen.

Mein Kinojahr 2020 : Der Horrorctober – 1/2

Bei dieser Aktion war ich letztes Jahr mit einer breit gefächerten Auswahl dabei – von Komödie über Tierhorror bis hin zum Geisterschiff. Dieses Jahr besteht meine Liste, bis auf zwei, aus 14 Filmen, die sich schon länger in meinem DVD-Regal befinden.

Aus dem September ist noch eine Leih-DVD übrig geblieben – ein Film, den man auch dem Science-Fiction-Genre zuordnen kann; dem Genre, dem ich im September den Vorzug gegeben hatte. Wegen des nahenden Abgabetermins habe ich ihn mir als erstes angesehen, und rein zufällig ist er auch der erste im Alphabet.

Und weil es sonst wieder einmal zu lang würde und ich nicht bis zum Ende des Monats warten möchte, splitte ich auch dieses Jahr meinen Beitrag in zwei Teile zu je sieben Filmen.

⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥

+ Alien + Behind the mask + Carrie + DellaMorte DellAmore + Der Unsichtbare + Die Addams Family in verrückter Tradition + Die Vögel +

⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥

(Teil 2 folgt am 23.10.20)

⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥

Alien (1979): Der von Ridley Scott inszenierte Horrortrip im Weltall schlechthin. Der Raumfrachter Nostromo folgt einem vermeintlichen Notsignal und birgt auf einem fremden Planeten ein Ei, in dem etwas heranwächst. An Bord der Nostromo wird das außerirdische Wesen zur Bedrohung, und es beginnt eine nervenaufreibende Suche nach dem entkommenen Parasiten und ein erbitterter Kampf auf Leben und Tod. Die von H.R. Giger geschaffenen Kulissen sind legendär, und für Sigourney Weaver war es der Durchbruch in ihrer Filmkarriere.

⪥⪥⪥

Behind the mask (2006): Die Corona-Maske ist mit dem Titel zu diesem Spektakel nicht gemeint, sondern die Maske des sympathischen jungen Mannes, hinter der sich ein Serienmörder verbirgt. Leslie Vernon lebt ein wenig zurückgezogen, pflegt ein gutes Verhältnis zu seinem Nachbarn, dem „im Ruhestand befindlichen“ Mörder Eugene und dessen Frau und eifert seinen großen Vorbildern Jason Vorhees, Michael Myers und Freddie Krueger nach – so sehr, dass er drei Studenten beauftragt, ihn mit der Kamera bei den Vorbereitungen für seinen großen Tag zu begleiten, an dem er eine eigens ausgesuchte Gruppe Teenager ins Jenseits befördern möchte. Alles läuft bestens, bis die drei Journalisten in spe merken, dass sie bei dem grausamen Spiel plötzlich nicht mehr nur dabei sind, sondern mittendrin. Makabres, im Stil einer Fake-Dokumention gedrehtes Spektakel mit Robert Englund als Psychiater. Ich fand den Streifen mit seinem trockenen Humor sehr unterhaltsam.

⪥⪥⪥

Carrie (2013): Neuverfilmung des Klassikers von 1974, mit Julianne Moore als religiöse Fanatikerin, die ihre Tochter Carrie weltfremd erzieht und unterdrückt. Als das in der Schule gemobbte und verschüchterte Mädchen ihre telekinetischen Fähigkeiten entdeckt und sie auf dem Abschlussball eine weitere Demütigung erleiden muss, startet Carrie einen blutigen Rachefeldzug mit tödlichem Ausgang. Viel neues gab es in diesem Remake nicht, denn die angebliche Neuinterpretation ist ein Aufguss im Verhältnis 1:1, nur ohne die Ausdruckskraft von Sissy Spacek, die die Carrie in der Originalversion äußerst beeindruckend gespielt hat.

⪥⪥⪥

DellaMorte DellAmore (1994): Andere Titel „Cemetary Man“ oder „Zombie Graveyard“ – da weiß man, was man hat. Wohnt man am Friedhof, hat man die ruhigsten Nachbarn der Welt, außer sie kommen nach einer Woche als Zombies aus ihren Gräbern. Dann muss der Totengräber Francesco DellaMorte (Rupert Everett) sie erschießen. Dessen ansonsten ereignisarmes Leben ändert sich, als er mit einer jungen Witwe eine Affäre anfängt, die beiden sich aber dummerweise als Ort für ihr amouröses Beisammensein das Grab ihres verstorbenen Mannes aussuchen. Der erscheint als Zombie, und der Liebsten bleibt vor Schreck das Herz stehen. Als auch sie nach sieben Tagen wiederkehrt, tötet Francesco den Zombie, muss dann aber leider feststellen, dass diese in jener Nacht nur scheintot bei ihrer Rückkehr quicklebendig war. Man hätte aus diesem B-Movie auch einen Kurzfilm machen können. Statt dessen war für mich die Story nach 45 Minuten auserzählt, während die restlichen 47 Minuten aus einer Aneinanderreihung sinnloser Szenen und Dialoge bestanden, so dass ich das Werk lieber „Friedhof der Bekloppten“ genannt hätte.

⪥⪥⪥

Der Unsichtbare (2020): Remake eines Films von 1933 und Adaption eines Romans von H.G.Wells. Regie führte der Drehbuchautor von „SAW“. Cecilia ist vor ihrem gewalttätigen Freund untergetaucht. Nachdem dieser sich umgebracht und ihr sein Vermögen hinterlassen hat, beginnt der Terror, und Cecilia beginnt sich zu fragen, ob ihr Ex wirklich tot ist und wie sie beweisen kann, dass sie von einem Unsichtbaren verfolgt wird, der es nicht nur auf sie, sondern auf die Menschen abgesehen hat, die ihr nahestehen. Den Film wollte ich dieses Jahr im Kino sehen, kam aber wegen Corona nicht mehr dazu. Als die DVD in den Handel kam, habe ich sofort zugegriffen. Für einen Fernseh- bzw. DVD-Abend eine gute Wahl, aber im Kino hätte mir wahrscheinlich die perfekt abgestimmte Musik die Haare zu Berge stehen lassen – die machte für mich einen großen Teil des Grusels aus. Und eins weiß ich jetzt ganz sicher: Feuerlöscher retten Leben.

⪥⪥⪥

Die Addams Family in verrückter Tradition (1993): Wenn die lieben Kinderlein den Nachwuchs loswerden wollen und die Eltern damit überfordern, engagieren diese ein Kindermädchen – in diesem Fall ist die durchtriebene Debbie (Joan Cusack) jedoch eine ohne Erfolg gesuchte Serienmörderin, die es auf reiche Junggesellen abgesehen hat, um diese nach der Hochzeitsnacht zu töten. Jetzt ist sie hinter Onkel Fester her, doch Töchterchen Wednesday (Christina Ricci) kommt der „Schwarzen Witwe“ schon bald auf die Schliche. Blöd für Debbie, die prompt die Eltern Gomez (Raul Julia) und Morticia Addams (Anjelica Huston) dazu überredet, die Kinder in ein Sommercamp für privilegierte Jugendliche zu schicken, um freie Bahn zu haben. Ihr Plan, den frischgebackenen Ehemann umgehend zu beseitigen, hat nur einen Haken: die Kinder, die zunächst jedoch erst mal das Feriencamp ordentlich aufmischen. Morbide und liebenswerte Komödie mit Cynthia Nixon (Sex and the City) und Tony Shalhoub (Monk) in winzigen Nebenrollen mit meinem persönlichen Highlight: Wednesday, wie sie im Feriencamp zarte Bande mit einem der Außenseiter knüpft und als Pocahontas dem Theaterstück eine bitterböse und ungeplante Wendung gibt.

⪥⪥⪥

Die Vögel (1963): Tierhorror vom Meister der Spannung, Sir Alfred Hitchcock. Wenn unsere sonst so friedlichen gefiederten Freunde sich zusammenscharen und zum Angriff übergehen, dann ist das Ende nah. Krähen, Möwen, selbst harmlose Spatzen werden zum Schrecken, dem man nicht entkommen kann, denn sie sind überall und terrorisieren nicht nur den beschaulichen Küstenort Bodega Bay, sondern auch Santa Rosa und… Spinnt man den Gedanken weiter und zieht man in Betracht, dass die Zahl dieser geflügelten Spezies weltweit die der Menschen übertrifft, könnte man nach dem apokalyptischen Bild der letzten Szene leicht auf den Gedanken kommen, dass es nirgendwo mehr sicher sein wird – auch nicht in San Francisco. Legendär ist für mich die Szene, in der Melanie Daniels (Tippi Hedren) auf das Ende der Schulstunde wartet und sich auf dem Gerüst hinter ihr eine Krähe nach der anderen einfindet, in nahezu vollkommener Stille. Schauder!

⪥⪥⪥

Das waren die ersten sieben – die nächsten sieben folgen demnächst; eigentlich wollte ich die Beschreibungen so knapp wie möglich halten, aber das war gar nicht so einfach. Dennoch halte ich es, wie bereits am 30. September angekündigt: Beim Horrorctober schalte ich einen Gang zurück. Übrigens habe ich die Filme nicht nur in alphabetischer Reihenfolge sortiert, sondern mir auch genau nach ihr angeschaut.

Mein Kinojahr 2020 : Science-Fiction im September – all those stars…

My stars! *** Space up your life – oder doch lieber „Wake me up when September ends“? Nach dem filmischen Sommerloch kommt jetzt das schwarze Loch. Oder darf es eine Reise zum Wüstenplaneten sein? Da ich im August nur eine einzige Sternschnuppe gesehen habe, die dafür aber mit bloßem Auge, habe ich mich diesen Monat der Raumfahrt gewidmet – auf DVD. *** Sci-Fi im September… it’s magic.

⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥

Dune – Der Wüstenplanet

A world beyond

Synchronicity

Passengers

WALL·E – der letzte räumt die Erde auf

Blade Runner 2049

Dark Star

Traumschiff Surprise – Periode 1

Der Marsianer – Rettet Mark Watney

Interstellar

Life

Spaceballs

Glenn No. 3948

Das fünfte Element

Gravity

District 9

⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥

Dune (1984): Die Mutter aller Sci-Fi- und Fantasy-Serien. Okay, damit lehne ich mich sehr weit aus dem Fenster, aber sehr viele Szenen erinnerten mich an Motiven aus anderen Serien, die wesentlich später kamen… Star Trek (wir verbiegen den Raum um uns, um woanders hin reisen zu können), Torchwood – The Children of Earth (der Navigator in seinem Gefährt), Game of Thrones (der atomar zerstörte Wall)… ich hatte mit diesem Werk gleich zweimal meinen Spaß: einmal mit der synchronisierten Kinofassung – und ein paar Tage später mit der Fernsehfassung in der Originalversion – beide Versionen befinden sich in einer Spezialedition, die sich in meinem DVD-Fundus befindet. Warum auch immer sich der Regisseur von der TV-Fassung distanziert hat, ist mir ein Rätsel – denn die fand ich ausführlicher (auch dank des Prologs) und interessanter, auch wenn es sie nur in der Originalversion gibt. Jetzt bin ich auf das Remake gespannt, das im Dezember in die Kinos kommen soll. The spice must flow.

⪥⪥⪥

A world beyond (2015): Der Disney-Themenbereich Tomorrowland als Vorbild für eine Parallelwelt, in der man landet, wenn man einen ganz speziellen Button von der Weltausstellung von 1964 berührt. Eine faszinierende Welt, ein geheimer Ort, an dem jede erdenkliche Erfindung gemacht werden kann, und sei sie auch noch so verrückt – die Sache hat nur einen Haken: die dort lebenden Wissenschaftler haben etwas Schlimmes gebaut, und nun steht der Welt die Apokalypse bevor. Die Welt soll nun ausgerechnet die junge Casey Newton (Britt Robertson) zusammen mit Frank Walker (George Clooney) und dem humanoiden Roboter Athena (Raffey Cassidy) retten. Ihnen bleiben noch 58 Tage, um das durch die selbsterfüllende Prophezeihung vorhergesagte Unheil abzuwenden. Das familientaugliche Sci-Fi-Abenteuer mit seinem Happy-End aus dem Hause Disney fand ich sehr erfrischend und unterhaltsam.

⪥⪥⪥

Synchronicity (2015): Wir haben mit Hilfe radioaktiven Materials in zwei Schritten ein Wurmloch konstruiert und schicken uns nun selber durch, aus Furcht, der Investor könnte sonst die Früchte unserer Arbeit an sich reißen! Yay! – Blöd nur, dass es eine Zeitschleife ist, die den Physiker Jim Beale (Chad McKnight) fünf Tage in die Vergangenheit zurückgeschickt hat, wo er um ein Haar sich selbst begegnet. Der Alptraum eines jeden Zeitreisenden – denn dass er sich nun in der Vergangenheit eines Paralleluniversums befindet, macht die Sache nicht nur nicht besser, sondern die Geschichte noch verworrener, und irgendwann habe ich aufgegeben, die Zusammenhänge verstehen zu wollen, um auf eine Lösung für das grundlegende Problem zu kommen. Sicher ist nur, dass Jim 2 auch in diesem Paralleluniversum schwächer wird, wenn er auf Jim 1 trifft. Außerdem siecht er genau so dahin wie die Dahlie, die ursprünglich durch das Wurmloch geschickt werden sollte, und er trifft dort auf seine bereits gestorbenen Ichs. Abgesehen von der verwirrenden Handlung und der nervigen Synthie-Musik im Stil der 80er Jahre, fand ich diese Low-Budget-Produktion gar nicht so übel.

⪥⪥⪥

Passengers (2016): Sich einfrieren lassen, um schlafend in der Kältekammer die 120 Jahre dauernde Reise zur Kolonie Homestead II irgendwo in den Tiefen des Alls anzutreten… die Idee hat was, ist aber nicht neu. Es klang ja auch zu schön, um wahr zu sein – als der Mechaniker Jim Preston (Chris Pratt) aus dem Kälteschlaf erwacht, muss er zu seinem Entsetzen feststellen, dass ihn eine Fehlfunktion seiner Schlafkammer 90 Jahre zu früh aufgeweckt hat, während alle anderen wie geplant weiterschlafen. Seine Versuche, die Schlafkammer wieder zu aktivieren und in Sicherheitsbereiche zu gelangen, bleiben ohne Erfolg; Nachrichten an die Erde zu senden, erweist sich als sinnlos, da es Jahrzehnte dauern würde, bis er eine Antwort erhält; Kommunikation ist nur mit Androiden, wie z.B. dem Barkeeper Arthur, möglich. Nach einem Jahr hält er die Einsamkeit nicht mehr aus, doch anstatt sich umzubringen, weckt er die Journalistin Aurora Lane (Jennifer Lawrence) auf, nachdem er sich in ihr Persönlichkeitsprofil verliebt hat – lässt sie aber in dem Glauben, auch ihre Schlafkapsel hätte eine Fehlfunktion. Beide werden ein Paar und versuchen, das Beste aus der Situation zu machen. Doch das Glück endet jäh, als Aurora dank des sich verplappernden Barkeepers die Wahrheit herausfindet.

Die Beschreibung auf der DVD-Hülle ließ mich bei „Passengers“ auf einen spannenden Actionfilm tippen – statt dessen schlug der Film eher leise Töne an und erinnerte mich ein wenig an „Gravity“ mit Sandra Bullock und George Clooney, der mir sehr gut gefallen hat. Vielleicht hat mich „Passengers“ deswegen in seinen Bann gezogen. Nicht zuletzt wegen der Frage, ob es moralisch vertretbar ist, eine Mitreisende aufzuwecken, um an der Einsamkeit nicht zugrunde zu gehen – auch wenn diese dann das gleiche Schicksal erleidet. Und tatsächlich wirft Aurora Jim genau das vor, dass er ihr ihr Leben genommen hat. Doch im Moment der größten Gefahr besinnt sie sich anders und versucht, Jim das Leben zu retten. Beeindruckt haben mich auch die exzellenten visuellen Effekte, wie z.B. die Szene, in der genau in dem Moment die Schwerkraft ausfällt, als Aurora im Pool ihre Bahnen zieht und in einer gigantischen Wasserblase zu ertrinken droht.

⪥⪥⪥

WALL·E – der letzte räumt die Erde auf (2008): In dieser Zukunftsvision aus dem Hause Pixar hat die Menschheit beschlossen, ihr Müllproblem auf der Erde zu lösen, indem sie auf dem Raumschiff Axiom durchs All cruisen, während ein WALL·E-Team (Waste Allocation Load Lifter Earth Class) derweil den Schrott aufräumt. Doch aus den geplanten fünf Jahren wurden 700, und der in die Jahre gekommene Roboter WALL·E ist der letzte. Tagein tagaus formt er den Müll zu Würfeln und türmt diese zu Pyramiden, wobei er alles sammelt und in seiner Behausung hortet, was ihm interessant erscheint. Bis eines Tages die High-Tech-Sonde EVE (Extraterrestrial Vegetation Evaluator) auf der Erde ausgesetzt wird, um nach Anzeichen von Photosynthese zu forschen. Für WALL·E ist es Liebe auf den ersten Blick, und als er ihr als echter Kavalier eine Pflanze schenkt, die er gefunden hat, setzt er damit den Prozess in Gang, der die Axiom wieder zurück zur Erde bringen soll. Leider aber gibt es da noch den Autopiloten OTTO, und der ist alles andere als begeistert über die plötzliche Kursänderung.

Was mich an „WALL·E“ begeistert hat, sind die Szenen, in der die Roboter miteinander in reduzierter Sprache kommunizieren und dabei menschliche Verhaltensweisen an den Tag legen. Besonders rührend fand ich den kleinen Schweißer Burn-E, dem die eigene Neugier zum Verhängnis wird, oder der Putzroboter M-O, der jedesmal eine Krise bekommt, wenn er auf eine neue Spur von unbekannten Schadstoffen stößt.

Eine Klasse für sich ist die Reparaturstation, auf der durchgeknallte Androiden überholt werden sollen. Die Musik, u.a. Ausschnitte aus „2001 – Odyssee im Weltraum“ ist das Tüpfelchen auf dem I. Übrigens hat mich die Unfähigkeit oder der fehlende Willen der Menschen, ihr Abfallproblem in den Griff zu bekommen, wenig überrascht. Wie auf der Erde, so auch im All, produziert man hier fröhlich Müll und bläst ihn mit Hilfe von WALL·A-Bots („Waste Allocation Load Lifter Axiom-Class“) durch die Luftschleuse in die unendlichen Weiten. Wie praktisch. Ob das den Rückkehrern jedoch bei der geplanten Ankunft auf der Erde helfen wird? Ich bezweifle es.

⪥⪥⪥

Blade Runner 2049 (2017): Mit 164 Minuten Laufzeit war ich von diesem Spektakel förmlich wie erschlagen. Die Erde ist im Jahr 2049 genauso vermüllt und lebensfeindlich wie in Wall-E, damit hat es sich aber auch schon mit der Ähnlichkeit. In der Fortsetzung von „Blade Runner“ aus dem Jahr 1982 spielt Ryan Gosling einen künstlichen Menschen – den Replikanten Officer K, der als sogenannter Blade Runner noch existierende Replikanten mit unbegrenzter „Lebensdauer“ für immer ausschalten soll. Als er den Spezialauftrag erhält, das Kind einer Replikantin, die bei der Geburt gestorben ist, zu finden, wird der Jäger zum Gejagten.

⪥⪥⪥

Dark Star (1974): Nach dem visuell beeindruckenden „Blade Runner 2049“ gab es das volle Kontrastprogramm. Ich hatte keine Ahnung, was mich bei der 82 Minuten langen Low-Budget-Produktion in Trashoptik erwartete. Erfreuen durfte ich mich an den absurden Dialogen zwischen der demotivierten und sich gegenseitig nervenden Crew der schrottreifen „Dark Star“, dem mit gelangweilter Stimme Anweisungen gebenden Bordcomputer und der sprechenden Bombe Nr. 20, die sich weigert, korrigierende Befehle auszuführen. Als der an Bord befindliche Exot, der wie ein gigantischer Hüpfball mit Klauen aussieht, bei seiner Fütterung ausbüxt und in verschiedenen Bereichen für Chaos sorgt und das Raumschiff beim Flug durch ein Asteoridenfeld beschädigt wird, eskaliert die Situation. Bombe 20, mit der ein weiterer instabiler Planet gesprengt werden soll, verhakt sich in ihrer Halterung und weigert sich, den korrigierenden Befehlen zur Entschärfung auszuführen – es entspinnt sich eine philosophische Diskussion zwischen dem Kommandanten und der Bombe, die sich daraufhin zum Nachdenken in den Bombenschacht zurückzieht und schließlich zu einer bahnbrechenden Erkenntnis gelangt – mit verheerenden Folgen.

⪥⪥⪥

Traumschiff Surprise – Periode 1 (2004): So lasset uns denn in das Jahr 2004 per Zeitmaschine zurück reisen, um das UFO eines Außerirdischen zu zerstören, der in der Wüste Nevada gelandet ist. Nur so können wir die Besiedlung des Mars verhindern und damit den Plan des Marsregulators, die Erde zu vernichten. So weit die Theorie. In der Praxis ist jedoch die Zeitmaschine nie ausprobiert worden, und da den Job keiner machen möchte, bleibt da nur noch die Crew der Surprise, die mit ihrem Raumschiff von ihrem Kurs abgekommen ist. Von wegen Mopsgeschwindigkeit – das Raumschiff hat einen Marderschaden und ist auch sonst nicht von dieser Welt. Per Spacetaxi in der Regierungszentrale gelandet, werden die Auserwählten umgehend in die Vergangenheit geschickt, landen aber durch einen Fehler in den Schaltkreisen nicht in Nevada, sondern im Mittelalter, irgendwo in England und müssen nun alles daransetzen, ihre Mission doch noch irgendwie zu erfüllen.

In der Komödie von 2004 ziehen Bully Herbig und seine aus „Der Schuh des Manitu“ bekannten Kollegen so einiges durch den Kakao: Star Trek, Star Wars, Das fünfte Element, Minority Report… und nicht zuletzt den Schuh des Manitu – denn Spucky & Co kreuzen dank defekter Zeitmaschine die Wege des Oberfieslings Santa Maria, bevor es zum Showdown kommt.

⪥⪥⪥

Der Marsianer – Rettet Mark Watney (2015): Nach geballtem Klamauk nun ein anderes Thema, bei dem der Mars eine zentrale Rolle spielt. Ein Sandsturm zwingt das Team der Marsmission ARES III, die Erforschung des roten Planeten abzubrechen und diesen umgehend zu verlassen. Leider erwischt es Mark Watney (Matt Damon), der von einem umherfliegenden Metallteil getroffen wird. Während man auf der Erde ein Staatsbegräbnis für den Astronauten arrangiert, muss sich der Totgeglaubte etwas einfallen lassen, wenn er bis zum Eintreffen von ARES IV überleben will. Als es ihm gelingt, Kartoffeln anzupflanzen und mit Hilfe von Resten des Marsroboters Pathfinder Kontakt zur Raumfahrtzentrale herzustellen, beginnt auf der Erde ein Wettlauf gegen die Zeit.

Klingt nach spektakulärer Action? Fehlanzeige, und genau das hat mir an diesem Film von Ridley Scott gefallen: nicht nur die Schwierigkeiten, mit denen er zurückgelassene Watney und die Crew auf der Erde, die sich in wesentlichen Fragen uneins sind, zu kämpfen haben, sondern auch die Fragen, die sich Mark Watney zu stellen beginnt. Besonders aber beeindruckt haben mich die grandiosen Landschaftsaufnahmen – diesmal aus Jordanien. Da hätte ich stundenlang noch verweilen können. Etwas Humor zwischendurch muss auch sein: Das Rettungsprojekt, das zu Beginn noch als geheim vorgesehen war, soll den Namen Elrond erhalten – witzigerweise wird der daran beteiligte Crewleiter Mitch Henderson von Sean Bean dargestellt, der in „Der Herr der Ringe“ den von Pfeilen durchbohrten Boromir gespielt hat.

„Der Marsianer – Rettet Mark Watney“ von Ridley Scott wäre zum Besipiel einer der Filme, die ich mir gut in meinem eigenen DVD-Regal vorstellen könnte.

⪥⪥⪥

Interstellar (2014): Die Menschheit ist dem Untergang geweiht. Die Wissenschaft ist zum Erliegen gekommen, statt zu forschen und zu entdecken, geht es ums Bewahren… obwohl es immer weniger Nutzpflanzen gibt, die man noch anbauen kann. Obwohl der Raumfahrt jegliche finanzielle Unterstützung gestrichen wurde, verfolgt das, was von der NASA noch übrig ist, im Geheimen das sogenannte Lazarus-Projekt: die Erforschung bewohnbarer Planeten in einer fremden Galaxie jenseits eines Wurmlochs in der Nähe des Saturns. NASA-Pilot Cooper (Matthew McConaughey) begibt sich mit einem Team auf die gefährliche Reise und entdeckt eine ernüchternde Wahrheit.

Müssen für Sci-Fi-Abenteuer meist Wüstengegenden als Kulisse für fremde Planeten herhalten, entstanden diesmal in Island die Außenaufnahmen für einen der drei für eine eventuelle Besiedlung in Frage kommenden Planeten nahe des Schwarzen Lochs. Und Jessica Chastain und Matt Damon in einem weiteren Film dieses Genres zu sehen, nur zwei Tage nachdem ich „Der Marsianer“ gesehen hatte.

⪥⪥⪥

Life (2017): Es gibt Leben auf dem Mars! Und es ist intelligent – leider aber auch extrem schnell wachsend und bereit, alles für sein Überleben zu tun. Zu spät erkennt die Besatzung der ISS-Mission Pilgrim 7, was sie sich da an Bord geholt hat, als die fremde Lebensform aus dem Labor entfleucht. Von nun an muss das Team unter allen Umständen verhindern, dass das auf den Namen Calvin getaufte Wesen auf die Erde gelangt und den Fortbestand der Menschheit bedroht. Und so zieht einer nach dem anderen den Kürzeren gegen Calvin, bis nur noch Quarantänebeauftragte Dr. Miranda North (Rebecca Ferguson) und Bordarzt Dr. David Jordan (Jake Gyllenhaal) übrig sind, die einen Plan entwickeln, bevor die ISS in die Erdatmosphäre eintreten kann.

Regisseur Daniél Espinosa sagt selbst, er habe sich von „Alien“ inspirieren lassen (und an den erinnert mich der Film auch sehr stark in Teilen), außerdem u.a. noch „Solaris“ (aber da bin ich raus, da ich bei „Solaris“ zu Beginn schon eingeschlafen bin) – allerdings wirkte das Alien in „Life“ auf mich anfangs noch niedlich und erinnerte mich mit zunehmendem Wachstum an einen glibberigen Seestern und später an einen Riesenkraken, auf den ersten Blick also nicht so furchteinflößend wie das Alien aus Ridley Scotts bekanntestem Werk… und bei dem überraschenden Ende habe ich mich extrem gegruselt.

⪥⪥⪥

Spaceballs (1987): Der Film, der sich selbst enthält, die Star-Wars-Filme und deren exzessives Merchandising parodiert und auch an Seitenhieben auf andere Klassiker des Genres nicht spart. Auf ihrer Flucht vor dem trantütigen Prinzen Valium, den Prinzessin Vespa heiraten soll, kreuzt sie den Weg von Lord Helmchen. Den hat Skroob, der Präsident des Planeten Spaceballs losgeschickt, um die Prinzessin zu entführen und so von ihrem Vater, dem König des Nachbarplaneten Druidia einen Sicherheitscode zu erpressen. Spaceballs geht nämlich so langsam die Luft aus, und hat er diesen Code erst, kann ihn nichts mehr daran hindern, Druidia die Luft abzusaugen. Haben er und Lord Helmchen aber auch nur gedacht, denn sie haben die Rechnung ohne den Weltraumabenteurer Lone Star und dessen Begleiter Waldi gemacht – die brauchen ihrerseits ganz dringend eine Million Spacedollars, um ihre gigantischen Schulden bei dem Bösewicht Pizza Mampf zu begleichen – diese Summe zahlt Papi doch bestimmt gerne, wenn Lone Star und Waldi ihm die Prinzessin heil und unversehrt zurückbringen.

„It works on Star Trek – im Raumschiff Entenscheiß funktioniert es ja auch“? Was nach einem durchdachten Plan klingt und sich zunächst gut anlässt, auch dank der Schützenhilfe durch den Weisen Yoghurt, nimmt eine dramatische Wendung, als Lord Helmchen und seine Crew zurückschlagen und die Prinzessin auf ihr Raumschiff entführen. Dieses hat sich inzwischen zu einer gigantischen „Weltraumputze“ transformiert, die damit begonnen hat, Druidia mit ihrem Staubsauger durch eine Luke in der Atmosphäre die gesamte Luft abzusaugen…

Achtzig Minuten Klamauk unter der Regie von Mel Brooks, der so einige Genres durch den Kakao gezogen hat, mit Rick Moranis als Lord Helmchen, Mel Brooks als Skroob und Yoghurt, Bill Pullman als Lone Star und Daphne Zuniga als Prinzessin Vespa. Und dass Michael Winslow nicht nur in „Police Academy“ alle möglichen Geräusche täuschend echt nachahmen kann, stellt er an Bord des Raumschiffs von Lord Helmchen unter Beweis, als er die Geräusche eines 80er-Jahre-Bordcomputers simuliert.

⪥⪥⪥

Glenn No. 3948 (2010): Hausroboter lernt Klavierspielen und verfeinert sein Spiel so meisterhaft, dass er zur ernstzunehmenden Konkurrenz für den Meisterpianisten Henry Goldmill zu werden droht. Die Lage eskaliert, als Glenns Meister betrunken laut darüber nachdenkt, wie es wohl wäre, wenn man jemanden an ein Klavier fesseln könnte, in dem eine Bombe steckt. Denn der Roboter nimmt die im Suff geäußerten Worte für bare Münze und setzt den vermeintlichen Gedanken in die Tat um, indem der den verhassten Rivalen bei der nächsten Gelegenheit bewusstlos schlägt und in in einem leeren Brennkessel einsperrt. Aus er ihn dann endlich freilässt, steht ihm eine schier unlösbare Aufgabe bevor: Die Bombe entschärft sich, wenn Du es für kurze Zeit schaffst, genau so Klavier zu spielen wie Glenn Gould;aber wehe, Du spielst 30 Sekunden lang gar nicht – dann wird der Zünder ausgelöst, und alles fliegt in die Luft. Und nun: Bonne Chance – aber die Uhr läuft. Und ob ein Neustart wirklich so eine gute Idee ist?

Die Idee, dass ein Roboter keine moralischen Skrupel kennt und wie die Pechvögel versuchen, aus einer scheinbar ausweglosen Situation herauszukommen, fand ich an dem 80 Minuten kurzen Film aus Belgien, in Kombination mit klassischer Klaviermusik, sehr erfrischend. Witzigerweise trägt nicht nur der Roboter den Vornamen von Glenn Gould – der Darsteller des Pianisten Henry Goldmill heißt Dominic Gould. Jack, den Rivalen von Henry, wird gespielt von Billy Boyd (Pippin aus „Herr der Ringe“), und Gérard Depardieu hat eine Minirolle als Nachrichtensprecher.

⪥⪥⪥

Das fünfte Element (1997): Vier Steine, verborgen in einer ägyptischen Pyramide, verkörpern die Elemente Feuer, Wasser, Luft und Erde – doch es bedarf noch eines fünften, eines göttlichen Wesens, mit dem das Böse und die Vernichtung allen Lebens im Universum aufgehalten werden kann. Aber wehe, die fünf Elemente fallen den Falschen in die Hände. Ausgerechnet jenes Wesen mit dem klangvollen Namen Leeloo Minai Lekatariba-Lamina-Tchai Ekbat De Sebat (Milla Jovovich), der Einfachheit halber Leeloo abgekürzt, fällt dem Taxifahrer Korben Dallas (Bruce Willis) von oben in sein Fahrzeug. Pater Vito Cornelius (Ian Holm) klärt ihn erst einmal über den Status Quo auf, und so machen sich Korben und Leeloo gemeinsam zum Planeten Fhloston Paradise auf, um die Steine zu bergen, bevor der Waffenhändler Zorg (Gary Oldman) sie an sich bringen kann. Dieser actionreiche Klassiker von Luc Besson gehört zu meinen Lieblingsfilmen des Genres, und nicht nur wegen der Handlung und der Kostüme, die Jean-Paul Gaultier gewonnen hat, sondern auch wegen der Darsteller (trotz der Goldenen Himbeeren für Milla Jovovich und Chris Tucker) und ganz besonders wegen der Musik – der Auftritt der Diva in Blau mit ihrem glasklaren Sopran ist legendär.

⪥⪥⪥

Gravity (2013): Sandra Bullock als Dr. Ryan Stone, die nach einem schweren Unglück 600 Kilometer über der Erde plötzlich alleine klarkommen muss: Trümmerteile von einem irrtümlich gesprengten Satelliten haben nicht nur das Hubble-Teleskop und ihr Space Shuttle zerstört, sondern sie wird auf dem Weg zur ISS auch noch von Matt Kowalski (George Clooney), dem einzigen, noch verbliebenen Kollegen, getrennt. Da auch die ISS beschädigt ist, gibt es nur noch einen Ausweg – mit der Sojus zur über 100 Kilometer entfernten chinesischen Station Tiangong zu gelangen. Doch die ist ebenfalls beschädigt und befindet sich bereits auf ihrem Weg in Richtung Erdatmosphäre.

Ich hätte nicht gedacht, dass mich dieser Film so fesseln würde. Ich konnte förmlich Dr. Stones Verzweiflung spüren, die kurz davor steht, sich in der scheinbar ausweglosen Situation das Leben zu nehmen und sich dann nach einer Halluzination doch anders entscheidet. Und dass die Bedrohung diesmal nicht von obskuren Aliens oder egozentrischen Astronauten ausgeht, sondern von Weltraummüll, empfand ich als einen spannenden und realistischen Ansatz.

⪥⪥⪥

District 9 (2009): Für den Schluss habe ich mir einen Science-Fiction-Film aus Südafrika aufgehoben. Im Stil einer Dokumentation mit eingestreuten Interviews erzählt der Science-Fiction-Film von Neill Blomkamp von Aliens, die Anfang der 80er Jahre mit ihrem defekten Raumschiff in Johannesburg gestrandet und von dem privaten Sicherheits- und Militärunternehmen MNU in District 9, einem ursprünglich als Provisorium geplanten Flüchtlingslager interniert worden sind. Dreißig Jahre später nimmt die MNU, die ausschließlich an der fremden Waffentechnologie interessiert ist, die desolaten Zustände des Lagers – inzwischen ein riesiger Slum – zum Anlass für eine Evakuierungsmaßnahme: Die 1,8 Millionen Aliens, verächtlich Shrimps genannt, sollen in ein neues Lager 200 Kilometer von Johannesburg entfernt, umgesiedelt werden. Als Wikus van de Merwe, der Leiter dieser Aktion, versehentlich mit einer außerirdische Flüssigkeit in Kontakt gerät, beginnt seine DNA sich zu verändern und er wird einem Alien immer ähnlicher, und plötzlich ist er der einzige Mensch, der die nur auf Alien-DNA reagierenden Waffen der „Shrimps“ bedienen kann. Teilweise wirken die Szenen erschreckend real und stellen einen Bezug zur Geschichte Südafrikas her, die jahrzehntelang von Apartheid geprägt war, doch jetzt sind es die Aliens und die Menschen, die voneinander getrennt werden sollen. Und vollends absurd wird es, wenn die Umzusiedelnden ein Formular unterschreiben sollen, mit dem sie der „Evakuierung“ zustimmen. Da wird einem Vater auch schon mal gedroht, ihm sein Kind wegzunehmen, wenn er nicht „freiwillig“ mitmacht. Und an der Vermehrung sollen die Gestrandeten auch gehindert werden, was in den Augen der MNU jedes Mittel rechtfertigt. Ich fand „District 9“ hochgradig spannend und beklemmend und erschreckend real zugleich.

⪥⪥⪥

Das war’s. Sechzehn Filme zum Thema Space bzw. Science Fiction. „Valerian“ und „Prospect“ habe ich nicht mehr geschafft. Der Horrorctober kann also kommen – allerdings schalte ich dann einen Gang zurück, auch wenn die ersten Kandidaten schon in den Startlöchern stehen.

Mein Kinojahr 2020 : August – die Bekämpfung des Sommerlochs

 

 

Nach dem Rekordmonat folgt das filmische Sommerloch, denn ich hatte zwei Wochen Urlaub ohne Kino, Fernsehen, DVD und Internet. Open-Air-Kino hatte ich im Juli, die nächste Herausforderung wäre das Autokino… aber schau’n wir mal – ins Autokino wollte ich schon früher mal, aber es ist nie etwas draus geworden.

Nun also wieder die ein Rückblick auf die wenigen, im Juni auf DVD und im Fernsehen von mir gesehenen Filme. Wo im August andere schon die Lebkuchen feilbieten, greife ich Halloween und dem Horrorctober vor, denn mein Schwerpunkt lag auf dem Genre Horror. Und was kommt im September? Space Movies oder doch lieber September Songs? Genug geschnackt – fahr ab, die Streifen!

⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥

Der rote Korsar

Look away

Ghostland

Get Out

Midsommar

Náufragos – Gestrandet

Dolores

Gone Girl – das perfekte Opfer

⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥

Der rote Korsar (1952) : What shall we do with the drunken sailor? Die Mutter aller Piratenfilme ist eine familientaugliche Komödie mit Slapstickeinlagen und eine gekonnte Mischung aus Action, Romantik und Klamauk. Und eine prima Gelegenheit für Burt Lancaster und Nick Cravat, ihre artistischen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Stuntmen konnte man sich an diesem Set sparen, denn beide Schauspieler waren ausgebildete Akrobaten am Hochseil und Trapez. Lancaster spielt den Piratenkapitän Vallo, gefürchtet als „der rote Korsar“, der von seiner Mannschaft hintergangen und gemeinsam mit seinem besten Freund (Nick Cravat) und einem Wissenschaftler in einem Boot auf dem Meer ausgesetzt wird, während die Tochter des Rebellenführers El Libre, in die er sich Hals über Kopf verliebt hat, verhaftet wird und an einen tyrannischen Gouverneur verheiratet werden soll. Nebenbei erfindet der Wissenschaftler noch das Nitroglycerin, man baut eine Montgolfière und ein U-Boot – und nimmt die Bösewichte mit aus Fässern zusammengeschusterten Schützenpanzern unter Beschuss. Schiff Ahoi!

⪥⪥⪥

Look away (2018): Wenn Dein Spiegelbild ein Eigenleben entwickelt und die Kontrolle übernimmt: Zunächst erscheint der Außenseiterin Maria der Tausch mit ihrem Spiegelbild Airam nach der letzten Demütigung auf dem Winterball noch als Ausweg aus ihrem Dilemma. Gefangen hinter den Spiegeln, muss sie hilflos mit ansehen, wie sich Airams Rachefeldzug Airams zu einem Alptraum gerät, aus dem es kein Entkommen gibt. Weder für ihre Peiniger noch für sie selbst. Entgegen der Bewertung auf Rotten Tomatoes fand ich das kanadische Drama mit Mira Sorvino und Jason Isaacs gar nicht so übel, bis auf den Schluss, der Raum für Spekulationen lässt.

⪥⪥⪥

Ghostland (2018): „Glauben Sie am besten nur die Hälfte von dem, was Sie sehen.“ Diesen Ratschlag des Roten Korsaren würde ich jetzt für mich als Fazit aus diesem kanadisch-französischen Horrorspektakel ziehen. „Incident in a Ghostland“ – mit diesem Buch landet die erfolgreiche Horrorautorin Elizabeth Keller einen weiteren Bestseller, basiert er doch auf eigenen Erlebnissen. 16 Jahre vorher sind Beth, ihre Schwester Vera und ihre Mutter Pauline (Mylène Farmer) schon beim Einzug in das von ihrer Tante geerbte Haus von psychopathischen Familienkillern überfallen worden. Als nun Beth an den Schauplatz der grausigen Tat zurückkehrt, um Mutter und Schwester zu besuchen, muss sie feststellen, dass Vera das Grauen Nacht für Nacht aufs Neue erlebt und auch ihre Mutter sich äußerst seltsam verhält. Nach einem weiteren Angriff auf Vera schärft Pauline Beth ein, nicht auf ihre Schwester zu hören, und verschwindet – und plötzlich befindet sich Beth wieder mitten in den Ereignissen vor 16 Jahren. Puppen sind die neuen Clowns? Die Hölle ist echt, und ihr Leben als Schriftstellerin nur Schein. Oder doch nicht? Woran es lag, dass ich mich bei diesem Film extrem unwohl fühlte, kann ich so genau auch nicht sagen – war es das Verschwimmen der Grenzen zwischen Fiktion und Realität? Oder ich Szenen, die mich an „Hostel“ erinnern, noch nie gut aushalten konnte? Oder wenn Schreie nach Hilfe nicht nach außen dringen, weil laute Musik alles übertönt?

⪥⪥⪥

Get Out (2017): „Hau ab!“ Dieser Aufforderung wäre Chris am besten nachgekommen – für den afroamerikanischen Fotografen entwickelt sich der Antrittsbesuch bei der Familie seiner weißen Freundin zu einem wahren Horrortrip. Schwarz ist das neue Weiß? Als ob die ständigen rassistischen Bemerkungen nicht schon genug wären, so benehmen sich ausnahmslos alle äußerst merkwürdig. Die schwarzen Dienstboten wirken wie ferngesteuert, und dann gerät er auch noch in die Fänge der Mutter seiner Freundin, die ihn hypnotisiert – aber zu welchem Zweck, das erkennt er erst, als es schon fast zu spät ist… In Horrorfilmen muss für mich nicht kübelweise Blut fließen. Permanentes Gemetzel oder Leutequälen ist schon gar nicht mein Fall – wenn das Grauen allerdings getarnt unterwegs ist oder über die psychologische Schiene daherkommt, finde ich das Geschehen weitaus stimmiger und um Längen spannender.

⪥⪥⪥

Midsommar (2019): mein Kommentar zu einem Blogbeitrag zu einem Blogbeitrag über einen Film, der bei großer Hitze für Erleichterung sorgen soll: „Ich habe mir gestern den Horrorfilm „Midsommar“ angesehen. Erstens soll ja Gruseln für Gänsehaut sorgen bzw. dafür, dass es einem kalt den Rücken herunterläuft – zweitens fing der Film mit Schneegestöber und tief verschneiten Wäldern an – und drittens waren es in Schweden im Juni nur 15 Grad. Allerdings fand ich den Film nicht ganz so schaurig.“ – Das war die Kurzfassung.

Die Langfassung wird ein bißchen deutlicher.

Hau ab!“ – das würde ich am liebsten auch den drei amerikanischen Studenten zurufen, die ihrem schwedischen Komilitonen Pelle auf den Leim gehen. Der lädt sie in seine Heimatkommune in der schwedischen Provinz Hälsingland ein, um an einem Festival teilzunehmen, das zur Sommersonnenwende neun Tage lang gefeiert wird und bei dem das ganze Dorf in traditionellen Gewändern archaische Bräuche pflegt. Wie archaisch, das geht den „Gästen“ im Laufe der nur alle 90 Jahre abgehaltenen Zeremonie erst nach und nach auf. Und nach und nach verschwindet einer nach dem anderen.

Ich war ja zunächst skeptisch, ob es wirklich so eine gute Idee war, mir ausgerechnet bei Außentemperaturen von 40° Celsius einen Horrorfilm auszuleihen, der zudem noch viele an „The Wicker Man“ erinnern und viele grausame Szenen enthalten soll. Aber da ich diesen Horrorfilmklassiker nicht kenne und letztes Jahr schon auf diesen Film neugierig wurde, habe ich zugegriffen und wurde angenehm überrascht. Ja, es geht blutig zu… und in manchen Momenten konnte ich schon ahnen, was als nächstes passieren würde. In dieser Hinsicht waren die Malereien an den Wänden sehr aufschlussreich. Dass ich dann doch angenehm überrascht wurde, lag nicht allein an der Untermalung mit schöner und zugleich verstörender Musik. Stimmungsvolle Aufnahmen der idyllischen Landschaft durchmischen sich mit den Alpträumen der Studentin Dani vom erweiterten Suizid ihrer Familie, so dass ich mich zu fragen begann, ob sie das Gezeigte wirklich erlebt oder es sich um Halluzinationen handelt, ausgelöst von dem Tee aus Magic Mushrooms, den sie bei ihrem Eintreffen in Hårga getrunken hat. Angesichts der Bilder von verschneiten Wäldern zu Beginn des Films zu sehen sind, war es gar nicht so verkehrt, mir diesen Film auszuleihen, auch wenn es mir nicht eiskalt den Rücken hinunter lief. Für mich einer der besten Horrorfilme der letzten Jahre.

⪥⪥⪥

Náufragos – Gestrandet (2001): An dieser Stelle sollte eigentlich ein Bericht über den Horrorfilm „Under the Skin“ mit Scarlett Johansson stehen, aber nachdem sich die DVD nach einer Stunde aufgehängt und ich kurz zuvor meine ABC-Etüde dem Thema Weltraum gewidmet hatte, griff ich zu einem Film aus meinem Regal, in dem eine Gruppe Astronauten zu Schiffbrüchigen wird. Auf dem Mars. Am Äquator. Bei Minus 80 Grad, extremer Strahlung und so gut wie keiner Kompression. Vorräte sind auch begrenzt und reichen nicht für alle fünf. Der Film legt ein ruhiges Erzähltempo vor und konzentriert sich lieber auf die essentiellen Fragen, die die neue Situation aufwirft. Bequem ist das nicht – und der letzte Spaziergang, den drei von den fünf Überlebenden antreten, entwickelt sich dann doch nicht so ganz wie erwartet. Gigantisch sind an diesem spanischen Science-Fiction-Streifen mit mir unbekannten Darstellern (außer Johnny Ramone) die Landschaften, die mir auf Anhieb bekannt vorkamen, denn sämtliche Außenaufnahmen entstanden auf der Vulkaninsel Lanzarote – auch wenn man manche Stellen genauso gut auch für den Grand Canyon oder das Death Valley halten könnte. Erkannt habe ich nicht nur die Lavafelder und die Feuerberge im Timanfaya Nationalpark, sondern auch den kleinen grünen See am Ende des Films, an dessen Ufer ich schon selbst gestanden habe.

⪥⪥⪥

Dolores (1995): Es gibt nicht viele Verfilmungen von Stephen-King-Romanen, die ich für gelungen halte. Neben „Stand by me – das Geheimnis eines Sommers“, „Die Verurteilten“ und „The Green Mile“ gehört auch „Dolores“ dazu. Wer einen Horrorfilm erwartet, liegt komplett daneben, auch wenn Kathy Bates die weibliche Hauptrolle der Dolores Claiborne spielt, die unter Verdacht steht, ihre Arbeitgeberin Vera Donovan ermordet zu haben. Detective John Mackey (Christopher Plummer) ist felsenfest davon überzeugt, dass Dolores eine Mörderin mit einem 1,6 Millionen Dollar schwerem Motiv ist. Beweise sind spärlich, wenn nicht sogar fast gar nicht vorhanden, und so langsam kristallisiert sich heraus, dass Mackey Dolores wegen einer anderen Tat hinter Gitter bringen möchte, die achtzehn Jahre zurückliegt und bis heute nachwirkt, ganz besonders bei Dolores‘ Tochter Selena (Jennifer Jason Leigh). Im Mittelpunkt des Films steht nicht nur die Verbissenheit Mackeys, sondern auch die gestörte Beziehung zwischen Mutter und Tochter… und für mich liegt einer der Stärken des Films nicht nur an dem geschickten Einsatz von Rückblenden bzw. wie Vergangenheit und Gegenwart in bestimmten Szenen miteinander verwoben sind, sowie die folgenreiche un minutenlange Filmsequenz während Sonnenfinsternis gegen Ende des Films.

⪥⪥⪥

Gone Girl – das perfekte Opfer (2014): Nach „Dolores“ der zweite Film von meiner gutgefüllten Festplatte, auf der sich jetzt nur noch zwei Staffeln der Serie „Lucifer“ befinden. Warum ich mir diesen mit zweieinhalb Stunden Laufzeit für meinen Geschmack viel zu langen Film von David Fincher angetan habe, ist mir im Nachhinein ein ziemliches Rätsel. Dass an dem Verschwinden von Amy (Rosamund Pike) etwas nicht stimmen kann, schwant nicht nur der Ermittlerin, sondern auch irgendwann mir. Leider schleppt sich die Handlung nach dem Plot Twist nur noch mühsam vorwärts und schafft es nicht mehr, mich zu fesseln. Aber das ist ja das Schöne an Festplatten: Man kann eine Aufnahme ohne Reue auch wieder löschen.