Meine dritte AnNäherung Süd in Würzburg

 

Kurze Triggerwarnung – bis auf Johnny Cash spiegeln die vorgeschlagenen Lieder zu jedem Abschnitt dieses denkwürdigen Wochenendes nicht meinen persönlichen Musikgeschmack wider. Ich fand lediglich die Titel so passend. Johnny Cash dagegen höre ich schon sehr gern.


 

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Be creative : travel light : enjoy

Schon zum vierten Mal fand das von mamamachtsachen.de organisierte Nähtreffen mit dem Namen „AnNäherung Süd“ in Würzburg statt (2016 habe ich ausgesetzt, deshalb ist es für mich das dritte Mal) – diesmal vom 27. bis 29. September 2018: Um die 30 Frauen treffen sich zum ungestörten Nähen, bis die Nadel glüht oder der Arzt kommt (bildlich gesprochen) und gegenseitigem Geben von hilfreichen Tips und Hilfestellungen. Einen Arzt haben wir nicht gebraucht, und im Gegensatz zu den Nadeln haben nur die Bügeleisen geglüht.

 


 


 

Bewährt, wie auch schon beim letzten Mal, hat sich für mich die Kombination aus einstündiger Fahrt mit dem ICE und Weitertransport mit dem Taxi zur Jugendherberge, weil ich ohnehin nur das Notwendigste dabei habe: also die Nähmaschine, meinen Trolley, gefüllt mit Material, den zugeschnittenen Stoffen und etwas Kleidung zum Wechseln. Zu den Vor- und Nachteilen des Bahnfahrens komme ich am Schluss. Gefahren bin ich so zeitig, dass ich es locker zum Kaffeetrinken um 15 Uhr geschafft habe. ~~~~ Musiktip : „Leichtes Gepäck“ von Silbermond

 

 

my projects : Etuikleid #113 aus Burda style 10/2018 & Jogginghose #106A aus Burda style 4/2017


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Jede hatte mindestens zwei Projekte dabei – ich jedoch nicht, denn ich brauche meistens deutlich länger als andere, auch wenn das jeweils von mir bevorzugte Modell laut Anleitung relativ flott genäht werden kann. In diesem Fall aber lag der Schwierigkeitsgrad bei drei bis vier Punkten, also eher etwas für Könner oder Fortgeschrittene, aber bestimmt nichts, was schnell von der Hand geht. Angefangen habe ich mit dem Etuikleid, bestehend aus asymmetrischen Teilen, am Freitag nach dem Abendbrot und bin am Samstagnachmittag kurz vor 15 Uhr damit fertig geworden. Den Stoff habe ich im Juni dieses Jahres in Flensburg in einem kleinen Laden gekauft: zwei Meter zartgrüner Jersey mit weißen stilisierten Pusteblumen.

 


 

 

 


 

Mit dieser Menge bin ich gerade so hingekommen, weil ich die Nahtzugaben von 1,50 cm auf 1,0 cm und die Saumzugaben von 4 cm auf 3 cm reduziert habe; sonst hätte ich die Schnitteile, von denen nur eins im Stoffbruch zugeschnitten wird, nicht untergebracht. Jedenfalls war das meine These, die ich dann vor Ort sofort revidiert habe, weil mir beim Zuschneiden doch ein Fehler passiert ist. Der bestand darin, dass ich den Stoff doppelt gelegt hatte – auch unnötigerweise bei den Teilen, die nur einmal zugeschnitten werden müssen. Dadurch hatte ich ein vorderes Oberteil und eine vordere Rockbahn doppelt, was mir noch nie passiert ist; und am Ende habe ich diese beiden Reserveteile nicht gebraucht, denn beim Nähen ist alles glattgegangen. Sämtliche Falten laufen bei mir übrigens in dieselbe Richtung, und nicht, wie auf dem Schnittbogen eingezeichnet, beim Oberteil voneinander weg. Die meiste Zeit hat übrigens nicht das Nähen beansprucht, sondern das akkurate Abstecken der acht Abnäher (2 an der hinteren Rockbahn, 4 am Oberteil und 2 an den Ärmeln) und die insgesamt vier Falten am Oberteil und der vorderen Rockbahn. Nichts sieht nämlich bescheidener aus, als Fäden, die vom Vorderteil herabhängen oder daraus hervorschauen; also ziehe ich sie von Hand auf die Rückseite, und das bedeutet Einfädeln in ein viel zu kleines Öhr. Queen of Einfädling werde ich in diesem Leben wohl nicht mehr. ~~~~ Musiktip – link zu youtube : „40 shades of green“ von Johnny Cash

Bevor es mit der Hose weiterging, brauchte ich dringend eine längere Pause im Freien. Mitkommen wollte niemand, und so zog ich alleine los, um den sonnigen Nachmittag bei einer Kugel Erdnußeis zu genießen, dazu noch ein Spaziergang den Main runter und auf der anderen Seite wieder rauf, während ich meine auf dem Handy gespeicherte musikalische Neuerwerbung von 1992 hörte – da waren die Menschenmassen auf der Alten Mainbrücke fast schon wieder erträglich, auch wenn es einer der Straßenmusiker mit seinem Verstärker ordentlich krachen ließ. Weintrinken auf der Brücke unter Dauerbeschallung möchte ich dann doch lieber nicht, wenn das bedeutet, dass ich mich in eine lange Schlange vor dem Weinlokal einreihen muss. ~~~~ Musiktip : „Frische Luft“ von Wincent Weiss

 


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A propos „Einreihen“: Einreihen musste ich diesmal nichts, aber dafür Heften wie ein Meister, und zwar bei der Jogginghose mit Taschen in Hüfthöhe, die mit Reißverschlüssen geöffnet und verschlossen werden können. Verwendet habe ich aber keinen Sweatshirtstoff, sondern einen dunkelblauen Baumwollsatin mit eingewebtem Rautenmuster, den ich bei der zweiten Bielefelder AnNäherung in Verl gekauft hatte und der ausfärbt wie Sau. Von wegen Blau steht jeder Frau. Meine Hände sahen aus wie nach dem erkennungsdienstlichen Abnehmen der Fingerabdrücke.

Ob ich den gutgemeinten Rat von einer anderen Mitstreiterin, die Hose gar nicht erst anzuziehen, beherzige, weiß ich noch nicht. Falls nochmaliges Waschen unter Einsatz von Farbfangtüchern nicht hilft, dieses Problem aus der Welt zu schaffen, habe ich halt das teuerste Probemodell meines Lebens angefertigt.

Die Hose hatte ich schon für ein anderes Nähtreffen im Februar 2018 vorbereitet und zusammen mit dem restlichen Material (Ösen, Kordel, Gummiband) mit an die Ostsee geschleppt, dann aber dort doch nicht genäht. Nun bekam sie eine zweite Chance, wurde aber wieder nicht fertig, da ich mir für das Heften der Teile, die beim Zusammennähen der Hosenbeine nicht verrutschen sollen, viel Zeit nahm und damit erst kurz vor dem Mittagessen abschließen konnte. ~~~~ Musiktip : „Blueprint of my lover“ von den Rainbirds

 


 


 

this is the end : der gelungene Abschluss

 

Nach dem schnell inhalierten Mittagessen gab es den krönenden Abschluss, bei dem jede das vorführte, was sie in der kurzen Zeit genäht hatte. Das sogenannte Defilée wurde in Themen untergliedert, also zuerst die Kleider, dann die Röcke, dann die Hosen, usw. – ich war so frei, mich in meinem Kleid zu präsentieren und dann die Clownshose des Grauens mit Hilfe eines Handtuchs hochzuhalten, damit sie jeder sehen konnte, ich aber keine blauen Finger bekam. Ich mag zwar Wiederholungen, aber zwanzigmaliges Händewaschen gehört nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen.


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Zu den Kleidungsstücken der anderen, die mir am besten gefielen, gehören eine schwarze Hose mit Bindegürtel nach einem russischen Schnitt, ein Kleid mit Flamingoprint und eine Jacke aus Doubleface (von außen dunkelblau – von innen braun mit Pepitamuster) mit Bindegürtel. Ich habe mit Absicht keine Namen genannt – doch wer sich wiedererkennt, darf sich gerne bei mir melden und „hier“ schreien. ~~~~ Musiktip : „Das Model“ von Kraftwerk

 

Vor- und Nachteile des Bahnfahrens.

 

Für Hin- und Rückreise im ICE habe ich für Fahrkarten der 1. Klasse im Großraumwagen 127,50 Euro bezahlt. Darin enthalten sind die Kosten für die Platzreservierung von 6,90 Euro pro Fahrt. Wenn der Preisunterschied zwischen zweiter und erster Klasse 14 Euro beträgt, lohnt es sich schon, mal über eine Reise in der 1. Klasse nachzudenken. Erstens ist das Plazangebot dort besser, wenn man mehrere kleine Gepäckstücke dabei hat, und zweitens bekommt man Speis und Trank an den Platz gebracht. Wider Erwarten war der Kaffee im Porzellanbecher sogar stark und genießbar.

Natürlich kann es immer passieren, dass bei einem Zug plötzlich die Wagen ganz anders aneinadergereiht werden und man in seinen Wagen von einem anderen Gleisabschnitt aus einsteigen darf, wenn man nicht durch den halben Zug pilgern möchte. Blöd wird’s nur dann, wenn der Zug auch noch von einem anderen Gleis abfährt und der Zustieg in den Wagen trotzdem von einem Abschnitt irgendwo in der Mitte des Gleises erfolgen soll.

Das ist mir auf der Rückreise zum Glück nicht passiert, aber 30 Minuten Verspätung sind trotzdem kein Spaß, genauso wenig wie Sauna to go in der zweiten Klasse und Gefriertruhe in der ersten. Wenigstens wusste ich dann wieder, wieso ich die einzige war, die nur im T-Shirt eingestiegen war, während alle anderen Passagiere sich in warme Jacken gehüllt hatten. Zum Glück hatte ich sie schnell aus dem Trolley gezogen. ~~~~ Musiktip : „Deutsche Bahn“ von den Wise Guys.

 


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Trotz der ein oder anderen kleinen Panne war’s ein schönes Wochenende, und ich bedanke mich ganz herzlich bei der Organisatorin dafür – sowie bei allen anderen, ohne die das Treffen kaum so viel Spaß gemacht hätte.

 

 

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Meine Weltreise 2018 – der Abschluß

 

War ich von Sønderborg nach Kalifornien nicht auf direktem Weg von A nach B gefahren, so legte ich auf der Heimreise eine Extratour ein. Mein Umweg führte mich über Rüterberg und die Eisenbahn-Elbbrücke bei Dömitz nach Kamerun, wo ich endlich das Geheimnis der Schafe lüftete, die mich schon beim letzten Besuch so freudig begrüßt hatten: Es waren Heidschnucken.


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Da ich immer noch auf der Suche nach TEXAS war, gab ich als neues Ziel Hessisch-Oldendorf im Ruhrgebiet in mein Navi ein. Dazu musste ich noch nicht mal von meiner geplanten Route abweichen, die mich in Richtung Groß-Oesingen führte, wo es ein Dorf namens Texas geben soll. So ein Zufall! Dass ich am Ende fast 300 Kilometer auf Landstraßen zurücklegte, um hinter Celle endlich auf einer Autobahn zu landen, hätte ich zu Beginn auch nicht gedacht. Das Wetter wurde immer schlechter, und weil ich dank der einsetzenden Finsternis und der Regenkaskaden nicht mehr viel sah, brach ich das Unternehmen ab und gab als aktuelles und für diese Reise letztes Ziel Eschbach bei Usingen in mein Navi ein.


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Im Gegensatz zu den anderen hatte ich kaum Staus zu beklagen, war schließlich aber dann doch froh, als endlich die Ausfahrt in Richtung Bad Nauheim nahte und ich ohne nerviges Gedrängel endlich entspannt die letzten Kilometer durch den Taunus gondeln konnte. Dank der heißen Musik aus dem CD-Spieler ließ ich mich dann aber doch zum Gasgeben verführen… und wurde prompt in einer Ortschaft wegen zu schnellen Fahrens geblitzt. Das war mir aber dann doch egal, denn am Ende war ich eigentlich nur noch froh, so rechtzeitig in Eschbach anzukommen, dass ich um 22 Uhr noch die dritte Folge der aktuellen (vierten) Staffel der Serie „Poldark“ auf BBC One sehen konnte.

Zum Schluß nochmal eine Aufstellung der insgesamt gefahrenen Kilometer:

1. TEXAS (Groß Oesingen): 386 km

2. von dort über KAMERUN nach Hitzacker: ca. 80 km

3. von dort über WELT nach Flensburg: ca. 333 km

4. von dort nach Sønderborg (in der Nähe der dänischen Südsee): 45 km

5. von zurück nach KALIFORNIEN und BRASILIEN: 161 km

6. zurück nach Usingen: 594 km

Das ergibt eine Summe von rund 1600 Kilometern netto. Netto deshalb, weil darin noch nicht die Umwege und Ausflüge enthalten sind. Hinzu kommen die Rundfahrt um die Flensburger Förde, die Fahrten über die Insel Als und die Reise nach Rømø, mehr oder weniger 700 bis 800 Kilometer. Macht insgesamt ungefähr 2500 Kilometer, großzügig gerechnet. Ich glaube, damit bin ich gewappnet für längere Strecken.


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Mein Fazit: diese Weltreise war am Ende interessanter als ich mir sie vorgestellt hatte. Im Endeffekt sind hier alle Kontinente zusammengekommen. Ich bin auf deutschen und dänischen Straßen durch Europa gefahren, habe die Schilder eines afrikanischen Landes (Kamerun) und zweier Länder in Nord- und Südamerika (Kalifornien und Brasilien) entdeckt, habe ein weiteres in Asien (Bali) entdeckt, chilenischen Wein getrunken und Musik aus Australien gehört. Der einzige Kontinent, der mir noch fehlt, ist die Antarktis. Aber auch dazu fällt mir bestimmt noch etwas ein. Denn mit Dömitz habe ich jetzt auch noch jedes deutsche Bundesland besucht – außer Bremen, das noch in dieser Sammlung fehlt. Wie wäre es mit einem Besuch der Pinguine im dortigen Zoo?


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Die nächste Reise ist schon in Planung, und vielleicht nehme ich dann eine Freundin mit: und zwar mit an das Weingut am Nil. Das liegt in der Region von Bad Dürkheim an der Weinstraße. Prosit. Möge es nützen.

Meine Weltreise 2018 – Teil 4 : Kalifornien (21. bis 24. Juni)

 

 

Welcome to the Hotel California… Besser nicht, am Ende dürfen Sie zwar jederzeit auschecken, aber das Hotel niemals verlassen. Mit diesem Flachwitz wollte ich nur kundtun, dass ich sowieso nicht im Beach Hotel California gebucht hatte, sondern in einem Hotel, das direkt daneben lag und auf der anderen Seite von einer Fischräucherei flankiert wurde. Nach Fisch roch es dort aber zum Glück nicht. Zu meiner großen Freude befand sich 700 Meter weiter Brasilien. Der Spaziergang auf der Deichkrone war schon alleine deshalb ein Genuss, weil Seeschwalben in einem Höllentempo dicht über dem Boden bis an mich heranflogen, um im letzten Moment abzudrehen, und das mit wachsender Begeisterung. Und trotzdem fühlte ich mich zu keiner Zeit wie im Hitchcock-Film „Die Vögel“.


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Dabei war ich noch nicht mal auf direktem Weg von Sønderborg nach Kalifornien gefahren. Dank eines Umwegs über WELT mit Mittagessen in Silberstedt und dichten Verkehrs in Kiel, durch das ich während der Kieler Woche durch musste, erreichte ich mein Hotelzimmer erst zwanzig Minuten vor Ende des Fußballspiels „Australien gegen Dänemark“. Ein Blick auf den Bildschirm bewies mir, dass ich nichts verpasst hatte. Eine Tageszeitung in Flensburg hatte den Stil dieser Mannschaft wie folgt beschrieben: „Australien spielt Fußball wie von einem anderen Stern. Einem Stern, der in der Vergangenheit liegt.“ Diesen Eindruck hatte ich auch. Ich ließ Fußball Fußball sein und gönnte mir lieber ein riesiges Stück Erdbeertorte.


 


Im Fischrestaurant schloss die Küche zwar schon um halb neun, und ich erschien zwei Minuten vor halb neun, aber man brachte mir trotzdem noch Fisch, auf den ich mich schon den ganzen Tag gefreut hatte. Und weil die Leute hier so freundlich waren und das Essen so gut, kam ich am nächsten Tag wieder. Dann aber schon um 18 Uhr. Und weil ich das auch noch nie gemacht habe, ging ich morgens zur Kurverwaltung und mietete einen Strandkorb. Schon immer hatte ich mir das so romantisch vorgestellt und mich gefragt, was für ein Gefühl das wohl sein mochte. Danach wusste ich es: Verdammt hart und unbequem – nach drei Stunden tat mir der Hintern weh, und ich gab den Schlüssel zurück, noch bevor die Verwaltung ihre Pforten für den Tag schloss.

An meinem letzten Tag fuhr ich nach Laboe, um mir von der Strandpromenade die Windjammerparade anzuschauen. Ein Großsegler nach dem anderen, begleitet von kleineren Segelschiffchen und noch kleineren Booten fuhr von Kiel aus durch die Kieler Förde und wurde von allen auf der Promenade bewundert und ausgiebig fotografiert.


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Mit dem Handy kamen dabei zwar nicht die prickelndsten Bilder dabei heraus, aber für mich zur Erinnerung reichten sie durchaus. Prickelnd war dafür der Wind, besser gesagt: er biß ziemlich und ging mir durch und durch; da war mir immer mehr nach einem Saunabesuch. Aber damit fing die Misere erst an. Das Bad an der Strandpromenade von Laboe hatte zwar eine Schwimmhalle, aber keine Sauna. Die Schwimmhalle in Preetz hatte zwar auch eine Sauna, war aber wegen Grundreinigungsarbeiten noch bis einschließlich Sonntag geschlossen. Und die Therme in Schönkirchen hatte eine Saunalandschaft, aber zum Schwimmen nur ein winziges Solebecken.


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Das Gelbe vom Ei war diese Lösung zwar nicht, aber auf meiner Odyssee durch das Probsteier Land habe ich eine winzige Siedlung namens Bali entdeckt – klar, dass auch dieses Schild in meine Weltreisesammlung aufgenommen wurde. Und weil der Tag so anstrengend, aber auch so interessant gewesen war, schaute ich zusammen mit drei Gästen aus Hamburg und dem Hotelbesitzer das Vorrundenspiel „Deutschland gegen Schweden“ an.

Meine Weltreise 2018 – Teil 3 : Sønderborg (15. bis 21. Juni)

 

 

Südjütland ist wunderschön. Willkommen im Land an der dänischen Südsee. Aloha! – Davon konnte ich mich bei ausgedehnten Ausflügen überzeugen; aber nicht mit dem Fahrrad, sondern mit dem Auto. Wenn ich schon mal meinen Kleinen laufenlassen kann, dann will ich es aber richtig wissen. Angeschaut habe ich mir unter anderem: Nordborg — Augustenborg — Gråsten — Rømø — Aarø — und natürlich Sønderborg .


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Den Versuch, die gefahrenen Kilometer zu ermitteln, habe ich irgendwann aufgegeben. Aber ich hatte schon einen neuen Plan geschmiedet: Weil ich das Schloß von Glücksburg noch gar nicht gesehen hatte, begab ich mich am Sonntag auf „große Fahrt“. Der Plan bestand darin, das Auto in Glücksburg abzustellen, von dort aus die Fördefahrt nach Flensburg und zurück mitzumachen – mit einer Stunde Aufenthalt in Flensburg, um dort die verlorenen Bilder ein zweites Mal zu knipsen – und dann nach Glücksburg zurückzufahren. Leider machte mir der Parkscheinautomat einen Strich durch die Rechnung, also fuhr ich nach dem Genuß einer Tasse Kaffee mit dem Auto weiter nach Flensburg, vorbei an meinem Hotel, und stellte das Auto vor dem ZOB ab.


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Und weil kein Werktag war, konnte ich mir mittags in meinem Lieblingslokal endlich die gegrillte Makrele bestellen, die es unter der Woche nur abends gab. Das Wetter war an diesem Tag auch viel besser zum Fotografieren, und ich konnte das Dampfschiff Alexandra bei den Vorbereitungen zum Ablegen beobachten. Fahrten mit diesem Schiff sind rar, nur an wenigen Sonntagen im Jahr – und genau einen davon hatte ich erwischt… aber keine Lust, mitzufahren. Von außen gesehen, fand ich den Dampfer sowieso viel faszinierender. Was allerdings nicht klappte, war das Fotografieren bestimmter Grafiken und Ampelmännchen in der Fußgängerzone. Die Einkaufspassage, in der die Grafiken hingen, war abgesperrt und die Ampeln abgeschaltet, weil Sonntag war. Schade drum, aber nicht zu ändern.


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Lasset die Spiele beginnen: Game of Thrones – Pippi Langstrumpf – Avatar (Aufbruch nach Pandora) – Sons of Anarchy.


In Dänemark fand ich dann auch ein Geburtstagsgeschenk für meine Schwester und ganz viele wunderbare Erlebnisse: hilfsbereite Menschen, idyllische Strände, lustige Verkehrs-, Straßen- und Nummernschilder, Yachten und Segelschiffe, leckere Eissorten und andere Leckereien (Burger, Spareribs, Flammkuchen, Toast mit Shrimps, Pasta….), eine super Stimmung beim Harleytreffen am Amerikatag und beim Public Viewing jeden Tag, ein Holzskulpturenfestival, haufenweise saubere Toiletten alle Nase lang und die Erkenntnis, dass die ich die Mittsommernacht im falschen Land erleben würde.

Und was die WM angeht: Ja, ich als latente Nicht-Fußballguckerin fieberte mit vielen Teams mit, ob sie den Sprung von der Vorrunde ins Achtelfinale schaffen würden – und es war mir ganz egal, dass Deutschland gegen Mexiko verlor. Die mexikanischen Fans waren völlig aus dem Häuschen und in ihrer ungebremsten Freude der Knaller. Geschminkt, kostümiert und ausgelassen, ohne ausfallend zu werden – Chapeau! Aber nicht den Sombrero: den durften die Jungs gerne behalten.


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Der Knaller waren auch die Eissorten: Karamelleis, Eis mit Daimstückchen, Lakritzeis… und die Hotdogs erst! Besser als Burger. Der letzte Teil der Reise führte mich nach Kalifornien und Brasilien

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Meine Weltreise 2018 – Teil 2 : Flensburg (13. bis 15. Juni)

Sie haben Ihr Ziel erreicht.“

Toll – und wo? So ratlos stand ich am Nachmittag am Rande einer belebten Durchgangsstraße in Flensburg, nachdem ich in WELT zu Mittag gegessen und den berüchtigten Elbtunnel bewältigt hatte. Diese Fahrt war äußerst lehrreich gewesen. So wusste ich jetzt zum Beispiel, wie man nach Wacken kommt und wo Uetersen liegt – der Ort, nach dem unsere Rosen in Eschbach benannt sind. Später ging mir dann auf, dass ich nach meinem Kurzbesuch in Mecklenburg-Vorpommern nun in wirklich jedem Bundesland außer in Bremen gewesen bin. Doch dort würde ich auf meiner Reise nicht mehr hinfahren. Meine Pläne stieß ich so schnell nicht um? Oder doch? Vorerst jedoch nicht. Das Hotel bzw. das Gästehaus fand ich dann doch noch, indem ich eine Runde um den Block fuhr und dann das Ziel erneut ansteuerte. Es befindet sich an einer stark befahrenen, vierspurigen Straße, doch zum Glück ging mein Zimmer im dritten Stock (Jugendstilbau ohne Aufzug) nicht nach vorne zur Straße raus, sondern zum Nachbarhaus.


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Und weil der große Saal im Erdgeschoß (einst ein Tanzsaal) gerade renoviert wurde, führte der Weg zum Frühstücksraum zunächst zur Haustür raus und die Treppenstufen zur Straße runter und dann auf der anderen Seite wieder rauf. Über einen Mangel an Bewegung konnte ich mich nicht beklagen, und auch das Frühstück war top, was störte mich da der verblasste Glanz des Jugendstils? Außerdem waren die Gastgeber herzlich und zuvorkommend, und die Bushaltestelle und eine Bäckerei befanden sich genau gegenüber. Da konnte ich das Auto stehenlassen und mit dem Bus in die Stadt fahren, besser gesagt zum ZOB, um von dort zu meinen Spaziergängen durch den Hafen aufzubrechen. Fischbrötchen und Limo von einer Bude schmecken auf der Hafenmole am Abend noch besser, wenn man einen Blick auf die Schiffe werfen kann, die hier vor Anker liegen.

Ein großes Fährschiff der Irish Ferries interessierte mich besonders. Bei einer knapp zweistündigen Fördefahrt an den Ochseninseln vorbei nach Glücksburg und zurück kamen wir an der W.B.Yeats vorbei, die in dieser Werft gerade neu gebaut wird. Ein Neubau mit Hindernissen, die in diesem Artikel (den Text zum Link gibt’s ganz unten) beschrieben werden.

In Flensburg besuchte ich außerdem das Schiffahrtsmuseum mit dem darin befindlichen Rum-Museum und begab mich auf Shoppingtour, bei der ich ein paar Autofahrerhandschuhe aus blauem Leder und ein paar Handschuhe aus Wollwalk in Magenta erstand. Winter is coming… irgendwann. Die kluge Frau baut vor. Außerdem fanden auch noch mehrere Meter Stoff (African Waxprint made in the Netherlands) und ein paar neue CDs den Weg in mein Gepäck: neben einem Album von The Script und einer Greatest-Hits-CD von Runrig auch das Album „Gold“ von ABBA. Diese Sammlung der bekanntesten Hits habe ich mir als Musikkassette 1999 auf meiner Reise durch Cornwall gekauft, als ich entdeckte, daß mein Mietwagen nur ein Tapedeck besaß. Da dies, neben einer Single-Kassette von Garbage, so ziemlich die einzige Musik gewesen war, lief sie eine Woche lang in Dauerschleife, und trotzdem war das ein super Urlaub gewesen, trotz einiger Pannen.


 

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Kann man so ein Gefühl wiederholen? Die Antwort lautet Nein. Jedenfalls nicht mit ABBA. Doch dafür machte ich eine andere Entdeckung. Ich hatte, neben einem spannenden Hörbuch, das man nur einmal hören kann, so viele gute CDs dabei (alphabetisch geordnet): ABBA, Depeche Mode, Florence & The Machine, INXS, Loreena McKennitt, Pink, Runrig, Zola Jesus… und trotzdem ertappte ich mich dabei, wie ich ständig zur gleichen Greatest-Hits-CD griff und ich sozusagen in einer Art australischer Dauerschleife durch die Weltgeschichte fuhr. Create your own soundtrack while the film changes its plot from day to day.


 

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Leider war damit war das Schicksal der australischen Fußballmannschaft bei der WM besiegelt, denn sie schieden noch vor dem Achtelfinale aus – aber das ist eine Geschichte, die sich später ereignen sollte. Richtig losgehen mit der WM sollte es nämlich in Dänemark, auf das ich mich schon so richtig freute. Mein Ziel lag auch nur 45 Kilometer entfernt von Flensburg, also Zeit genug für mich, um die Gegend zu erkunden.


 

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Was ich statt dessen erkundete, waren ein Rastplatz an der E45, den Strand von Sønderborg mit seiner Promenade (und der Eisbude darauf) und die Innenstadt von Sønderborg, weil ich das Hotel nicht fand. Mein Navi funktionierte in Dänemark nicht, weil ich die entsprechende Software nicht hatte. Aber wozu hat man denn ein Telefon und die Nummer der Vermieterin? Die erklärte mir den Weg, und nach einer weiteren Fragerunde in einem Baumarkt kam ich dann auch tatsächlich an.


 

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Allerdings nur noch mit einem Teil meines Gepäcks, denn unterwegs hatte sich die Kofferraumklappe geöffnet und eine Jacke und meine Kameratasche mit meinem Fotoapparat und allem Zubehör (Kabel, Ladegerät, Akkus) in die Freiheit entlassen. Gut, dass ich wenigstens sämtliche Bilder der vergangenen vier Jahre auf dem Rechner zu Hause abgespeichert hatte, dennoch waren alle Fotos der letzten vier Tage unwiederbringlich verloren. In diesem Moment wurde mir klar, dass ein neuer Plan her musste.
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Doch dazu komme ich im nächsten Kapitel. Vorher gibt’s zum Schluss noch den Artikel aus den Kieler Nachrichten über die W.B. Yeats: 

Die Flensburger Schiffbau-Gesellschaft hat größere Probleme als erwartet mit dem Neubau W.B.Yeats. Die für Juni geplante Ablieferung des Neubaus muss deshalb verschoben werden. Die für Juli geplanten Abfahrten des neuen Schiffes musste die Reederei jetzt fast komplett absagen. Wie die Fährreederei in Dublin mitteilte, sei man gezwungen, die Abfahrten zwischen dem 12. und 29. Juli mit der „W.B.Yeats“ zu streichen. Betroffen seien davon etwa 2300 Kunden, die bereits am Freitag per Mail informiert wurden, teilte die Reederei in Dublin mit. Jedem Kunden sei eine vollständige Rückerstattung des Fahrpreises oder eine Umbuchung auf die andere Fähre angeboten worden. Die meisten Kunden entscheiden sich laut der Reederei für eine andere Fähre von Irish Ferries. Auf der Route von Dublin nach Cherbourg betreibt die Reederei die Fähre „Oscar Wilde“, bei der es sich um die ehemalige Kiel-Oslo-Fähre „Kronprins Harald“ handelt. Sie wird jetzt einen Großteil der Buchungen der „W.B.Yeats“ übernehmen.

Die Probleme beim Bau der W.B.Yeats liegen in der Ausrüstung. Die Fähre war im Januar als größter Neubau in der Geschichte der Werft vom Stapel gelaufen und sollte den Weg in das Segment der Kreuzfahrtschiffe einläuten. Der 194 Meter lange Neubau soll bis zu 165 Lastwagen und 300 PKW sowie 1885 Passagiere befördern können. An Bord gibt es 435 Kabinen. Einige Suiten sollen sogar einen eigenen Balkon bekommen. Unter der Baunummer 771 war der Bau im April 2017 begonnen worden. Während der Rumpf in Flensburg in der Werfthalle gebaut wurde, kamen die Aufbauten in drei Sektionen aus Polen. Das Auftragsvolumen liegt laut Reederei bei rund 150 Millionen Euro.“

Deshalb hatte ich auch die Chance, das Schiff abzulichten. Wäre es planmäßig ausgeliefert worden, hätte ich es nicht mehr gesehen.

Meine Weltreise 2018 – Teil 1 : Hitzacker (11. bis 13. Juni)

 

Mit einem GEO-Magazin über Weltreisen hatte alles angefangen: So plante ich nun meine eigene, ganz private „Weltreise“: über Texas und Kamerun nach Hitzacker, weil ich mir die Dorfrepublik Rüterberg anschauen und die Schönheit der Elbauen auf mich wirken lassen wollte. Von dort sollte es dann weiter über das Dorf WELT nach Flensburg gehen, von dort nach Sønderborg, und zum Schluss nach Kalifornien und Brasilien, bevor ich nach Hause zurückkehren würde. Aus nostalgischen Gründen und weil ich Geld sparen wollte, übernachtete ich in der Jugendherberge von Hitzacker.

In dem kleinen Städtchen an der Elbe kaufte ich ein Tagebuch, um es mit meinen Erlebnissen handschriftlich zu füllen – dort entdeckte ich auch, dass es in der Festung Dömitz eine Marunde-Ausstellung gab. Marunde ist ein bekannter Cartoonist, dessen Comics früher in jeder Ausgabe der Zeitschrift BRIGITTE zu finden waren.


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In Dömitz erfuhr ich dann nicht nur, dass sich die Ausstellung auf einen Raum beschränkte, sondern auch von der Dame, die die Eintrittskarten verkauft, wie es war, in Rüterberg, zu DDR-Zeiten doppelt eingezäunt, aufzuwachsen. Passieren durfte man den Grenzposten nur zwischen fünf Uhr morgens und elf Uhr nachts – wer später kam, hatte Pech gehabt. Wenn ich so überlege, dann muss Rüterberg eine Exklave der DDR, als Enklave auf dem Staatsgebiet der DDR gewesen sein. Und dennoch wollte anscheinend keiner von dort weg. Auch nicht in die Bundesrepublik, die am anderen Elbufer begann. Am 8. November 1989 gab es dort eine Versammlung, auf der die Anwesenden einstimmig ihre eigene Republik ausrufen, nach dem Schweizer Vorbild mit dem Rütli-Schwur. Am nächsten Tag kam dann aber die Wende, und trotzdem darf das Dorf offiziell die Bezeichnung „Dorfrepublik 1967-1989“ führen. Ich bekam das Gefühl, mich nicht nur auf einer Weltreise zu befinden, sondern auch auf einer Zeitreise.


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Auch die Eisenbahn-Elbbrücke von Dömitz mit ihren scheinbar unendlich vielen Bögen aus korrodiertem Metall noch einmal zu sehen, die sich malerisch in die Elbauen erstrecken, hatte etwas nostalgisches für mich. Für viele ein geschichtsträchtiger Ort, für mich ein Denkmal der Industriekultur, für den neuen Eigentümer ein Investment, an dem sich der Staat beteiligen darf: Angeblich soll die Brücke begehbar gemacht werden – mit einem Glasboden? Hm, vermutlich wird er später Eintritt verlangen, und ich wette, viele Touristen werden sich diesen Spaß etwas kosten lassen. Somit wären dann zwar alle fein raus, aber mit der Ruhe wäre es dann vorbei.


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A propos Ruhe: Die hatte ich zwar in der JuHe nicht, aber ich hatte sie auch nicht erwartet. Und sogar in dem ansonsten stillen Hitzacker (die Rush-Hour um 19 Uhr bestand aus ganzen zehn Autos) gab es musikalische Unterhaltung der anderen Art: eine Privatfeier in einem Haus, bei der jemand sang und ein anderer Gitarre spielte, verlockte mich dazu, es mir draußen auf einer Bank gemütlich zu machen und den Klängen zu lauschen. Einfach schön. Die absolute Ruhe habe ich dagegen in Kamerun gefunden, wo man auf dem Deich spazierengehen und die wunderbare Aussicht genießen kann.


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Meine Weltreise 2018 – Vorwort

 

 

Texas – Kamerun – Südsee – Kalifornien – Brasilien – Bali …

Bis auf Australien und die Antarktis ist jeder Kontinent dabei. Wer jetzt zweifelt, ob zwei Wochen für diese Stationen reichen, der hat noch nicht mit mir und meiner Hinterhältigkeit gerechnet, denn für diese Reise brauche ich weder Schiff noch Flugzeug, die Kilometerzahl hält sich in Grenzen, und ich muss dazu noch nicht einmal Europa verlassen, denn geplant hatte ich folgende Route:

1. TEXAS (Groß Oesingen)

2. von dort über KAMERUN nach Hitzacker

3. von dort über WELT nach Flensburg

4. von dort nach Sønderborg (in der Nähe der dänischen Südsee)

5. von Sønderborg zurück nach KALIFORNIEN und BRASILIEN

Die Hinterhältigkeit bestand also darin, meine Kollegen einmal gründlich auf den Arm zu nehmen, nachdem sie sich gegenseitig von ihren tollen Kreuzfahrten vorgeschwärmt haben – die einzige Kreuzfahrten, die ich je unternommen habe, war die Fahrt an mehreren Autobahnkreuzen vorbei, auf dem Weg in den Urlaub.

Aber wie kommt man bloß auf so eine Idee?

Mit einem GEO-Magazin über Weltreisen fing alles an. Durch einen erheiternden, aber trotzdem liebevoll geschriebenen Artikel über eine Reise in das nordfriesische Dorf Welt, in der Nähe von Eiderstedt, fand ich Gefallen daran, auch einmal eine solche Reise zu unternehmen; zumal ich durch Urlaube in unterschiedlichen Gegenden Deutschlands von Ortschaften mit exotischen Namen wusste.

Eine Idee war geboren: Meine persönliche Weltreise würde mich nach Welt führen – aber eben auch an all die Orte, die man mit anderen Kontinenten verbindet: Texas, Kamerun, die Südsee, Kalifornen und Brasilien. Warum nicht die Reiseroute so legen, dass ich möglichst viele „fremde Länder“ erkunden konnte? Nach mehreren Runden Landkarten-Tetris kam ich zu einer brauchbaren Reihenfolge…

1. TEXAS (Groß Oesingen): 386 km

2. von dort über KAMERUN nach Hitzacker: ca. 80 km

3. von dort über WELT nach Flensburg: ca. 333 km

4. von dort nach Sønderborg (in der Nähe der dänischen Südsee): 45 km

5. von Sønderborg zurück nach KALIFORNIEN und BRASILIEN: 161 km

6. zurück nach Usingen: 594 km

Das sah zwar aus wie mit der Kirche ums Dorf gefahren, enthielt aber keine Schleifen oder Loops, und da bekanntlich der Weg das Ziel ist, buchte ich meine Unterkünfte in den entsprechenden Orten vier Wochen bevor es losgehen sollte.

11. bis 13. Juni: Jugendherberge in Hitzacker

13. bis 15. Juni: Gästehaus in Flensburg

15. bis 21. Juni: Hotel Garni in Sønderborg

21. bis 24. Juni: Hotel in Kalifornien (Schönberger Strand)

Mit genügend Musik, meiner Kamera und genügend aufgeladenen Akkus im Gepäck, konnte es dann am 11. Juni endlich losgehen, nachdem ich dieser Reise so lange entgegengefiebert hatte. Dass ich so einiges an Änderungen erlebte, konnte ich bei der Planung noch nicht ahnen.

Die Jugendherberge in Hitzacker kannte ich bereits von einem Besuch vor einigen Jahren. Sie hatte ich als etwas abgelegen und mit einem großen Parkplatz in Erinnerung, und dass es lebhaft werden würde, war mir schon bei der Buchung klar. Als ich dann am frühen Nachmittag ankam, sorgten drei Schulklassen auf Klassenfahrt für genug Leben in der Bude. Aber warum soll ich mich an pubertierenden Schülern auf demselben Stockwerk stören, wenn ich ein Vierbettzimmer ganz für mich alleine haben kann und mich niemand anmeckert, weil ich nachts mit weit geöffnetem Fenster schlafen möchte? Bier gab es auch, das Wetter war schön, das Städtchen Hitzacker noch schöner, das Essen prima, und was noch fehlte, konnte ich unterwegs problemlos nachkaufen. Leider sollte dieser Fall schneller eintreten, als mir lieb war, wenn auch auf ganz andere Art.

Nachkaufen kann man jedoch nicht die Bilder, die unwiederbringlich verschwunden sind, wenn man die Kamera verliert. Diese Erfahrung schon zu Beginn der Reise zu machen, war zwar bitter; aber als mir klar wurde, dass die Erinnerungen in meinem Kopf und meinem Herzen für immer mir gehören, so lange ich noch alle meine Sinne beisammen habe, und dass sie mir auch keiner nehmen kann, fiel mir der Verlust schon leichter. Aber diese Episode gehört zu einem anderen Kapitel, das noch folgt.

Fürs erste belasse ich es mit diesem Vorwort, denn die Erinnerungen, die ich auf die alte Art handschriftlich in einem Tagebuch festgehalten habe, fasse ich in gekürzter Form in sechs Kapiteln zusammen: Hitzacker – Flensburg – Dänemark – Ostsee – Rückkehr – Nachwort.

Wer auf Texas in dieser Aufstellung hofft, der wartet vergeblich, denn Texas habe ich nicht gefunden. Dafür aber Bali – und das bedarf einer gesonderten Erwähnung. Aber auch hier gilt, frei nach Michael Ende: Das ist eine andere Geschichte, und die soll ein andermal erzählt werden.

Ankündigung – Reiseberichte mit Bildern : Meine Weltreise oder Schnitzeljagd für Anfänger

 

Als meine Kollegen mich fragten, wo ich dieses Jahr denn meinen Urlaub verbringen würde, musste ich ihnen gestehen, dass ich leider nicht an der geplanten Kreuzfahrt mit einem Expeditionsschiff rund um Island teilnehmen würde, sondern das gesparte Geld in vierstelliger Höhe lieber für eine zweiwöchige Weltreise ausgeben würde. Meine Kollegen zweifelten schon an der Machbarkeit dieses Vorhabens, doch da kennen sie mich und mein Organisationstalent aber schlecht!

Was daraus geworden ist, inclusive Fotos, veröffentliche ich demnächst nach und nach in einzelnen Abschnitten. Die Reise habe ich während meiner Blogpause unternommen und die Bilder anschließend in einem Album auf pinterest gesammelt. Meine Erlebnisse habe ich von Hand in einem Tagebuch festgehalten und nach der Reise auf dem Laptop zusammengefasst. Die Texte über die einzelnen Etappen der Reise werden daher manchen relativ kurz erscheinen, im Verhältnis zu dem, was ich erlebt habe.

Ein Wort vorab – für mich war es die beste Zeit seit langem. Reisen individuell zu planen und ohne Unterstützung eines großen Reiseveranstalters nach eigenem Gusto zu gestalten, hat mir schon immer großen Spaß gemacht – ein Vergnügen, das ich nun wiederentdeckt habe. Die Spannung, das Fiebern, ob die Puzzleteile passen werden und am Schluss die Freude, wenn der Plan aufgeht – das hatte ich zuletzt 2008, als ich unsere Reise durch Schottland und England organisiert habe. In den Jahren danach ist dies leider verloren gegangen.

Und nachdem ich meinen Mann im Oktober 2016 nach knapp 15 Jahren Ehe verloren hatte, musste ich mich völlig neu orientieren, was mir zu Beginn unheimlich schwer gefallen ist; niemals hätte ich gedacht, dass es mir eines Tages möglich sein würde, mich wieder frei, leicht und unbeschwert zu fühlen und vor allem den Blick wieder nach vorne zu richten und nicht alles schwarz oder wie in einem diffusen Nebel zu sehen.