100 Creative Challenges #9 Natur und #15 Sand – das Two-in-One-Projekt


 

Time to collect and arrange.

 

Als ich am Strand von Noer angespülte Steine und Scherben aufsammelte, schwebte mir eine bestimmte Farbgruppe vor: Grün und Blau. Beim Betrachten meiner kleinen Sammlung tauchte dann noch Rot als dritte Farbe auf. Die Steine sind so klein, dass ich sie mühelos in einer Schale mit Sand arrangieren konnte:

Teil 2 - steinreich

 

Und schon hatte ich wieder eine Aufgabe der „100 Creative Challenges“ von hotaru erfüllt. Sie lautet:

15 – Erschaffe ein visuelles Werk, für das du Sand brauchst.

Meine Zimmerdekoration, in deren Zentrum sich eine Bienenwachskerze befindet, könnte aber genauso gut hierzu passen:

09 – Arbeite mit der Natur. Geh in den Garten oder in den Park und sammele geeignete Materialien, mit denen du ein visuelles Werk erschaffen kannst.

Auf jeden Fall ist das jetzt nicht bloß ein visuelles, sondern auch ein haptisches Werk geworden. Und wenn es dank der brennenden Kerze im Zimmer nach Bienenwachs duftet, auch noch ein Genuß für die Nase.

Mal sehen, was ich als nächstes ausprobiere.

Sewing by the Sea, Teil 2 — „Up Reisen gohn“ …

 

ist ein Schwank aus der Sammlung von Grimms Kinder- und Hausmärchen.


Teil 2 - Buddel


 

Aber im Gegensatz zur Hauptperson darin hatte ich eindeutig mehr Spaß, trotz ruinierter Nähmaschine, die ich mitgenommen hatte, um bei „Sewing by the Sea“ ein Kleid und einen Rock zu nähen, ein Kunstfell an einem selbstgestrickten Minicape aus Wolle zu befestigen und meinen Rucksack zu reparieren. Jetzt aber mal weg vom Nähen und hin zum Strand, der knackige 20 Gehminuten vom Schloss Noer, dem Ort des Nähtreffens, entfernt lag. In der Eckernförder Bucht konnte ich zunächst keine nennenswerte Strömung erkennen, wagte es aber trotzdem, meine mitgebrachte Flaschenpost in hohem Bogen ins Wasser zu befördern.

Teil 2 - Buddel im Wasser

Teil 2 - Buddel von nah

Und tatsächlich war eine halbe Stunde nach Einwurf von der Buddel nichts mehr zu sehen. Ob sie gesunken oder fortgetragen, ja das weiß kein Mensch zu sagen. Leider bin ich überfragt, was die Strömungsverläufe vor Ort angeht, und so kann ich nur hoffen, dass sie im Gegensatz zu meiner ersten Briefbuddel, die ich in den Main geworfen hatte, vielleicht irgendwann anlandet. Meinetwegen gerne auch in Eckernförde. Hauptsache, jemand findet sie. 

Wo ich übrigens auch eine Flaschenpost entdeckt habe, aber niemals dort vermutet hätte: In einem Ausstellungsraum des Klingspormuseums in Offenbach am Main. Hier war ich eigentlich nur wegen der Werbegrafiken aus der Zeit zwischen 1900 und 1930,  und dass ich einen Blick ins Hochregal geworfen habe, war purer Zufall.

Teil 2 - Buddel im Museum


Back to the beach …   In jener halben Stunde ging ich kleine blaugraue Steine sammeln, und was dabei zusammenkam, hat mich „steinreich“ gemacht, obwohl sich kein einziger Hühnergott finden ließ. Aber dafür anderes Strandgut, wie z.B. grüne, von Wasser und Sand abgeschliffene Flaschenscherben, und weil Scherben Glück bringen sollen, habe ich auch sie mitgenommen – Material für ein Stilleben im Sand. Be creative! Den Muschelsuchern, die außer mir noch unterwegs waren, bin ich auch nicht in die Quere gekommen. Die würden zu meiner Bastelei, die ich vorhabe, auch gar nicht passen. 

Teil 2 - Abschlussfoto

Doch dazu an anderer Stelle mehr.

Sewing by the Sea, Teil 1 — Up Reisen gohn …

 

ist ein Schwank, den man bei Grimms Kinder- und Hausmärchen finden kann. Aber im Gegensatz zu dem armen Kerl, der überall nur Dresche kriegt, weil er stets das Falsche sagt, ist mir nichts passiert – aber dafür ist meine Nähmaschine KO gegangen, und das bereits bei der Anreise. Ich war nämlich auf dem Weg zu „Sewing by the Sea“, ein privater Nähtreff mit ca. 26 Personen, der in Noer (eine Gemeinde im Kreis Rendsburg-Eckernförde) stattfand, und jede brachte ihre Nähmaschine mit. An der aufgestellten Pinnwand konnten wir die bei der Vorstellungsrunde präsentierten geplanten Projekte nochmal genauer betrachten:

20170513_092124

Das KO für meine Bernina sah so aus, dass mir die Maschine von einem Koffer rutschte, als ich die Tür zum Abteil öffnen wollte, und kopfüber zu Boden stürzte. Ob das mit einer antiken Maschine auch passiert wäre? 

Ich bin da noch unschlüssig. Aber zum Glück hatten manche sogar zwei Nähmaschinen dabei, und so konnte ich auf der geliehenen W6 meiner Nachbarin doch noch meine Pläne verwirklichen und die kaputte Bernina im Schrank lassen. Deshalb geht an dieser Stelle mein Dank an meine Sitznachbarin, die mir mit ihrer Leihgabe die Veranstaltung gerettet hat, denn sonst hätte ich nur stricken oder mein Handnähprojekt fertigstellen können.

Wie bei allen Nähtreffen dieser Art zuvor auch, sollten wir bereits fertig zugeschnittene Teile mitbringen, denn das Platzangebot war begrenzt. Aus den für den AnNäherung Süd (Oktober 2016) vorbereiteten Projekten wählte ich die folgenden beiden aus:

a) einen Rock aus schwarzer Baumwolle und b) ein gestricktes Schultercape, an das ich ein Kunstfell nähen wollte

Alles hatte vorbereitet und transportbereit auf meinem Nähtisch im Keller gestanden, bis dann die persönliche Katastrophe über mich hereinbrach und ich an der Veranstaltung nicht teilnehmen konnte. Lange Zeit lagen die Sachen beseitegräumt und unangetastet im Regal, weil ich mich zum Nähen einfach nicht aufraffen konnte. Nun bekomme ich aber so langsam wieder Lust dazu, und das erste, was ich dieses Jahr wieder nach Anleitung genäht habe, war ein geradegeschnittenes, knielanges Kleid mit Raglanärmeln und eckigem Halsausschnitt aus der Februar-Burda von 2014. Das dann aber gleich zweimal – und jetzt zum dritten Mal. Eine weise Entscheidung, denn diese Teile nahmen nicht viel Platz im Rollkoffer in Anspruch. Weil ich nämlich beabsichtigte, mit dem Zug anzureisen, schied der voluminöse Mantel, den ich bei der AnNäherung Süd fertignähen wollte, von vornherein aus.

Donnerstag, Freitag, Samstag und den Sonntagvormittag Zeit zum Nähen:

Klingt auf den ersten Blick im Vergleich zur AnNäherung in Bielefeld und der AnNäherung Süd in Würzburg nach unglaublich viel Zeit; kann aber, je nachdem, was man vorhat, zusammenschnurren wie ein Kaschmirpulli bei 60° C in der Waschmaschine oder sich dehnen wie Kaugummi. Einige von uns hatten mehr als drei Projekte dabei, während sich andere auf die Umsetzung nur weniger Pläne beschränkten, darunter ich. Nur zwei Teile zum Nähen auf der Maschine mitzunehmen und den Rest von Hand zu erledigen, war die cleverere Strategie, denn nachdem es zunächst mit dem Kleid so gut gelaufen war, jagte bei dem Rock ein Mißgeschick das nächste.

Das Kleid hatte ich schon am Freitagmittag fertig, dann ging’s ans Nähen des Rocks, und bevor ich den Reißverschluss einsetzte, war auch alles gut. Dann musste ich den Reißverschluss wieder rausnehmen, und da zerriß ich mir beim Trennen zuerst Stoff und Reißverschluss. Bis ich beides geflickt hatte, ging haufenweise Zeit ins Land. Als dann im zweiten Versuch der Reißverschluss richtig saß, passierte der GAU beim Kürzen des Reißverschlusses. Da ich den Metallclip am Ende nicht gesichert hatte, rutschte der mitsamt dem Zipper davon, und ich durfte die Zähnchen mühsam von unten her wieder von Hand in den Zipper einfädeln, was auch nochmal mindestens eine Stunde dauerte. Dann aber saß das Teil so, wie es sollte, und ich sicherte das Ende mit pinkem Garn, damit ich in Zukunft sehen kann, wie weit ich den schwarzen Zipper nach unten ziehen darf. Wenn dann noch die geschrotteten Stellen mit schwarzer Textilfarbe übertüncht sind, kann man von dem Schaden kaum noch etwas sehen.

Und auch wenn ich hinterher festgestellt habe, dass bei dem am Samstagnachmittag fertig gewordenen Rock die Taschen etwas zu tief sitzen und ich dies vielleicht nochmal ändern darf, bin ich mit dem Rock trotzdem zu 90% zufrieden. Er sitzt nämlich richtig gut. Andere taten sich da wesentlich leichter als ich, und so richtig toll fand ich den Mantel, genäht nach einem Schnittmuster aus einer Zeitschrift aus den Zwanziger Jahren:

20170513_230732

Seine Anfertigung hat zwar ein Jahr gedauert, aber dafür ist der nun das ganz spezielle Highlight – genau wie das selbstgenähte Hochzeitskleid einer anderen Teilnehmerin, die unter anderem auch die Spitze eines Taufkleids verarbeitet hat. Bei solch anspruchsvollen Aufgaben kann ich wahrscheinlich nicht mithalten, aber Hauptsache, Nähen macht Spaß – und den habe ich mir trotz unbrauchbar gewordener Nähmaschine nicht verderben lassen.

Und weil mir auf der langen Heimreise gestern wegen des hohen Gewichts meiner Maschine der Arm immer länger geworden ist, habe ich mir heute eine Lösung für dieses auf Reisen entstehende Problem einfallen lassen: In dem Laden, in dem meine Bernina nun repariert wird, habe ich mir eine Maschine ausgesucht, die nicht nur kleiner, sondern auch nur noch halb so schwer ist. Die werde ich heute abend gründlich ausprobieren.

Was es noch zu sagen gäbe über Noer, das wird in einem separaten Beitrag geschehen. Jetzt aber nochmal mein Dank an Alexandra, die das Ganze so toll organisiert hat und auf ihrem Blog mamamachtsachen uns Gelegenheit gibt, unsere Erfahrungen dort zu versammeln. Mal sehen, wie viele dort ihre Berichte hochladen.

100 Creative Challenges #64 : Lieblingsland … „Bonny Scotland“

Schon seit geraumer Zeit schleiche ich um die 64. Aufgabe bei den 100 Creative Challenges herum,

header00x

64 – Hast du ein Lieblingsland? Nutze es als Inspiration für ein visuelles Werk.

dabei habe ich das visuelle Werk, um das es hier geht, jeden Tag vor Augen…


Nach unserer vierwöchigen Schottlandreise, die wir 2008 unternommen haben, galt es, an die 5000 Bilder zu sichten, die allein mein Mann aufgenommen hatte. Allein 300 Aufnahmen entfielen auf die Seehunde, die wir bei einer Bootstour zu den Klippen unterhalb von Dunvegan Castle auf der Isle of Skye bewundern durften. Von den schönsten Bildern haben wir Papierabzüge angefertigt, diese in einem Rahmen zu einer Collage arrangiert und das Werk „Bonny Scotland“ genannt. Seitdem grüßt mich dieses Tag für Tag beim Nachhausekommen.

100 CC 64 1


. Besonders bemerkenswerte Einzelaufnahmen habe ich bei pinterest hochgeladen; hier sind sie nochmal zur Erinnerung, da man auf der Totalansicht ja nicht sehr viel erkennnen kann außer der Wirkung des Gesamtkunstwerks auf den Besucher:

SONY DSC

Ort des Geschehens: The Isla Way bei Dufftown (Speyside)

SONY DSC     Ort des Geschehens: Leuchtturm in Cromarty (Black Isle)

 

SONY DSC

Ort des Geschehens: An der Straße von der Black Isle nach John O’Groats, die Ostküste hinauf.

 

SONY DSC

Ort des Geschehens: Strand bei Cromarty, auf der Black Isle

 

SONY DSC

Ort des Geschehens: Auf den Klippen, unterhalb von Dunvegan Castle (Isle of Skye)


Alle anderen Bilder schwirren auf einem Rechner oder bei photobucket herum. Dort liegen allein schon an die 1200 Bilder. Damit ich sie wiederfinde, habe ich sie mitsamt den dahinführenden Links bei pinterest gespeichert. Aber was ist mit dem Rest? Wo mein Mann sie hingetragen, ja, das weiß ich nicht zu sagen. Aber ich bin fest davon überzeugt, sie eines Tages wiederzufinden. Bis dahin erfreue ich mich an der im Treppenhaus hängenden Collage zur Erinnerung an eine unserer glücklicheren Zeiten.

 

 

 

 

100 Creative Challenges # 43 : Reime

Die „100 Creative Challenges“ stellen mich vor Aufgaben unterschiedlichen Schwierigkeitsgrads, aber erstens kann ich mir aussuchen, was davon ich zwischen dem 1. Januar und dem 31. Dezember 2017 anpacke, und zweitens soll es ja auch noch Spaß machen. Daher picke ich mir die von hotaru gestellten Kreativaufgaben kreuz und quer heraus, ganz wie ich lustig bin.

Habe ich zuletzt vorwiegend Fotografien als sogenannte visuelle Werke präsentiert, so gibt es diesmal von mir einen Wortbeitrag zur Aufgabe Nr. 43:

Arbeite mit Reimwörtern“

Als Einleitung dazu greife ich zu einem abgedroschenen Filmzitat: „Winter is coming“… wie meinen? Leider habe ich die ersten vier Folgen der vierten Staffel von Game of Thrones verpasst. Da habe ich mir gedacht, ich grabe selbst einmal nach Winterbildern und -gedichten, die ich vor längerem selbst kreiert habe.

nasser-monat-43

 

Wasser marsch! Das folgende Gedicht stammt vom 24. Mai 2013, als jener Monat untypischerweise kalt und nass für die damalige Jahreszeit war:


 

Applaus, Applaus!

Bald kommt der Nikolaus

Im Harz, ganz oben auf dem Brocken,

da stürmt und schneit es weiße Flocken:

Was für ein grottenschlechter Jokus,

der Monat Mai ist für den Lokus.

Tuff-Tä! Mit dieser bahnbrechenden Büttenrede rufe ich den Trendschuh des Sommers 2013 aus: Es lebe der Gummistiefel. – Freitag, 24. Mai 2013


 

Die große Dichtkunst war das nicht, aber es reimt sich, und das Versmaß holpert auch nicht. Was will ich mehr?

100 Creative Challenges : #3 – Traum


 

Im Rahmen der „100 Creative Challenges“ auf dem Blog von hotaru, die vom 1. Januar bis 31. Dezember dieses Jahres läuft, möchte ich nach der Aufgabe Nr. 16 die dritte „abarbeiten“:

(3) : Verwende einen Traum, an den du dich erinnern kannst, als Inspiration für ein visuelles Werk.

 

Statt eine eigene Seite dafür anzulegen, widme ich ihr einfach einen neuen Beitrag. Die einzigen visuellen Werke, die ich bis jetzt im Internet präsentieren kann, sind Fotos, und die Fotos, die ich heute präsentiere, haben mit Träumen zu tun, die in der Vergangenheit mehrmals wiedergekehrt sind. Dabei war es immer der gleiche Typ Traum, der mich des nachts heimsuchte. Tatsächlich habe ich bereits 2013 darüber in einem anderen Blog, den ich damals hatte, geschrieben. Den möchte ich nun reaktivieren…


 

Von Zeit zu Zeit habe ich die immer gleichen Träume:

Traum 1 : Auf einer Wanderung oder Radtour (das wechselt von Zeit zu Zeit) folge ich einer steinernen Wegmarkierung mit einer Weinrebe als Motiv, und verliere die Orientierung. Der Traum wiederholt sich, mehrere Tage hintereinander, und es ist immer dieselbe Landschaft, durch die ich irre – dabei kenne ich sie schon in- und auswendig, wenn der Traum wiederkehrt. Manchmal ist mir in einem neuen Traum sogar bewusst, dass ich die Landschaft bereits aus einem früheren Traum kenne …

Traum 2 : Ich betrete einen Dom durch das Hauptportal, und plötzlich entdecke ich eine geheime Tür in der Säule direkt neben diesem Eingang, die vorher noch nicht da war. Ich öffne diese Tür, steige eine gewundene Treppe hinauf und genieße die Aussicht …


 

Und wie es im Leben ab und zu so kommt, hatte ich dann 2012 und 2013 Déjà-vus – auf Reisen, die ich alleine unternahm: 2012 im Dom zu Fulda und 2013 in Edinburgh.

Im Dom zu Fulda entdeckte ich tatsächlich ein Tor in der Wand, fast unmittelbar neben einem der Eingangsportale. Und in Edinburgh war es ein in Stein gehauenes Symbol für die Bäckergilde, die mich an den Wegweiser aus meinem Traum Nr. 1 erinnerte. Was zumindest letzteren angeht, so habe ich eine Theorie. Immer dann nämlich, wenn ich im Leben nicht mehr weiterwußte oder ich mich im Kreis zu drehen schien, hatte ich ihn beinahe jede Nacht, und immer war es derselbe Ablauf. Den Traum mit dem Kirchenportal hatte ich jedoch nur ein einziges Mal. Die Stadt, in der sich der Turm befindet, den ich über die Wendeltreppe erreiche, ist mir jedoch öfters im Traum begegnet.

„NähNerd-Klassenfahrt“ nach Berlin : 11. bis 13. November

stare
Freche Stare, die sich an snackende Caféhausgäste heranpirschen, gibt es nicht nur an der Strandpromenade von Edinburghs Vorort Portobello, sondern auch in Berlin, und zwar überall da, wo an Kiosken geknuspert wird.


Als ich irgendwann dieses Jahr erfahren habe, dass es im November ein Treffen mit Workshops in Berlin geben würde, das den spaßigen Titel „NähNerd-Klassenfahrt“ tragen sollte, stand für mich fest, dass ich mir dieses Ereignis auf keinen Fall entgehen lassen wollte: Übernachtung in einer Gründerzeitvilla im Landhausviertel, Workshops zum Thema Alabama Chanin, Oberteilanpassung o.ä., und dann noch Museums- und Maybachufermarktbesuch, orientalisch Essen gehen…

villa

Schließlich ist es nun schon wieder fünf Jahre her, dass ich zum letzten Mal in Berlin war, und damals hatte ich tagsüber ein umfangreiches Sightseeingprogramm, während Stoffkaufen eher einen niedrigeren Stellenwert hatte (dazu war ich lediglich in einem einzigen Geschäft in Berlin-Mitte gewesen).


Die Nähmaschine darf zu Hause bleiben

Denn die mussten wir nicht mitschleppen; dafür aber einiges an Material für die Workshops, denn schließlich wollte ich schon immer mal wissen, wie ich ein schlechtsitzendes Oberteil so anpassen kann, damit es endlich so sitzt, wie ich es haben will, und wie man Säume mit elastischen Stichen einfasst. Alles passte in mein Rollköfferchen, in dem ich noch extra Platz für Spontankäufe gelassen hatte.

Am Freitag kam dann die Stunde der Entscheidung, als wir uns alle vor dem Eiscafé im Hauptbahnhof trafen: Fahre ich mit einem Teil der Gruppe zum Maybachufermarkt (da war ich in meinem ganzen Leben noch nicht)? Oder doch lieber mit zu Hüco-Stoffe? (auch da war ich noch nie). Da ich bestimmte Vorstellungen hatte und ich ein arges Gedränge auf dem Markt befürchtete, schloß ich mich der „Hüco“-Gruppe an… um schließlich doch auf dem Markt zu landen. War das toll! Und zu Kaffee und Kuchen schafften wir es auch noch.

Die ideale Stärkung für den Schnittanpassungs-Workshop, den die Dozentin, Regine Hielscher-Gotenbach (Lehrbeauftragte an der Kunsthochschule Berlin Weißensee) leitete und sich während der dreistündigen Dauer wirklich ausgiebig Zeit für jede von uns sieben Teilnehmerinnen nahm. Herzlichen Dank dafür. Es war wahnsinnig schön, aber auch überaus anstrengend. Den Abend beschloß ich irgendwann in the middle of the night…

Kunst & Kultur : von Rokoko bis Balenciaga

um verkatert aufzuwachen. Rotwein macht’s möglich. Aber es gibt so Tage, da muß man durch solche Phasen durch. Weil mich der Besuch des Kunstgewerbemuseums reizte und dadurch der ganze Vormittag frei war, fuhren wir spontan ein zweites Mal zum Maybachufermarkt, der mir im Sonnenlicht des frühen Vormittags ein Déjà-vu bescherte. Vor sechs Jahren waren Andy und ich in Amsterdam gewesen und waren stundenlang über den Flohmarkt an den Grachten gebummelt. Zwar gab es auf dem Neuköllner Markt am Landwehrkanal keine Hotdogs, Oliebollen oder Frikandeln, aber dafür leckere Trockenfrüchte, direkt aus Südostasien importierte Gewürze und orientalische Heißgetränke.

Und natürlich das, wofür viele von uns eigentlich hergekommen waren: nach schönen Stoffen suchen; und ich gebe zu, obwohl ich eigentlich nichts kaufen wollte, landeten am Schluss doch noch eine blaue, mit Ballerinas bedruckte Viskose und zwei Meter Jersey in weiß und türkis in meiner Einkaufstüte. Irgendwie war ich von der Idee besessen, dass ich für den Handnähworkshop am nächsten Tag noch Baumwolljersey zum Üben brauchte; was natürlich dummes Zeug war, denn Antje würde uns jede Menge Jerseyreste zur Verfügung stellen.

In der Zwischenzeit bekam der andere Teil unserer Gruppe eine Führung bei Spoonflower inclusive Workshop zum Thema Digitaldruck. Klingt interessant, aber mich interessierte der Teil des Kunstgewerbemuseums, der sich mit Mode vom Barock bis zu den Siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts beschäftigt, viel brennender.

Ich kann mich natürlich irren, aber ich glaube, mit diesem Modell war das Kapitel über Cristobál Balenciaga in der 50er-Jahre-Vintage-Ausgabe der Burda bebildert.


atelier-stoff

In dem just an diesem Nachmittag neueröffneten Atelier, das sich dort auf Dauer befinden wird, kann man verschiedene Schnitte abpausen (inclusive eines schrägen zugeschnittenen Abendleids von Madeleine Vionnet) und einen Reifrock und eine Turnüre anprobieren – ein seltsames Gefühl.

reifrock


Überwältigt von so vielen einzigartigen Eindrücken, hatte ich beim Kragenworkshop, bei dem ich unangemeldete Zuschauerin war, so meine Schwierigkeiten, das Gezeigte aufzunehmen, geschweige denn zu verarbeiten, während bei mir der Hunger mit Nachdruck anklopfte.

mokka

Um acht Uhr abends saßen wir dann aber an einer langen Tafel im Osmanya in Moabit und durften orientalische Köstlichkeiten genießen. Ich hatte ein Menü mit Grillteller, dazu zwischendurch einen Minztee, und zum Abschluß bzw. zum Abrunden des Desserts, einen Mokka. Länger wurde die Nach danach nicht – dank ausgiebigen, angeregten Klönens, begleitet von einem Gläschen Prosecco.


ankerklause

Hier wären wir gerne eingekehrt, aber die einzigen freien Plätze befanden sich in der Raucherecke, und da wollten wir nun wirklich nicht sitzen.

Von der Ankerklause am Maybachufermarkt zum Anker auf Jersey

Bei dem Workshop „Handnähprojekt im Stil von Alabama Chanin“ zeigten uns die Bloggerinnen Nahtzugabe und Machenstattkaufen einige Techniken, mit denen man T-Shirts und andere Kleidungsstücke aus Jersey aufpeppen/upcyceln bzw. kleine Fehler verschwinden lassen kann… Reverse Appliqué heißt das Zauberwort, also das Gegenteil von Applikationen: Grob gesagt, werden zwei Lagen Jersey von Hand aufeinandergesteppt und anschließend aus der oberen Lage ein Ornament ausgeschnitten, so dass die untere Lage zum Vorschein kommt. Während ich mit Hilfe einer Schablone einen Totenkopf auf den Stoff übertragen hatte, arbeiteten bereits die beiden Teilnehmerinnen rechts und links von mir jeweils an einem Anker.

Irgendwie hatte ich aber bereits kurz nach dem Aufwachen zu Kränkeln begonnen, und so hielt sich meine Aufnahmefähigkeit doch so ziemlich in Grenzen. Aber Spaß gemacht hat es trotzdem – alles war super organisiert, und trotz einiger Momente, in denen mich die Melancholie überwältigte, habe ich das lange Wochenende doch sehr genossen. Vielen Dank an mamamachtsachen, die die Nähnerd-Klassenfahrt auf die Beine gestellt und uns mit diesem Treffen eine tolle Zeit beschert hat…. und weil’s da jetzt ein Linktool für unsere Fotos gibt, häng‘ ich mich dort jetzt dran.


PS zum Thema „Tolle Zeit“: Bei der kommenden AnNäherung in Bielefeld kann ich diesmal leider nicht dabei sein, und auch was aus der AnNäherung Süd in Würzburg wird, steht noch in den Sternen – aber bei „Sewing by the Sea“ an der Ostsee wäre ich gerne dabei.

12 letters of handmade fashion ; „Koi-nobori“ mit Kellerfalten

Hach, Urlaub ist was feines! Glaubt man wahrscheinlich gar nicht, weil ich so ernst gucke. Aber ich hab‘ mich köstlich amüsiert…

kleid-1

 

So, dies ist mein erster Beitrag nach 10 Tagen Urlaub; ja, der Alltag hat mich wieder, und er widmet sich der Aktion #12 letters of handmade fashion: Hurra, hurra, es ist ein K! – Tusch! Dabei dachte ich zuerst noch „ach, wie unoriginell“, als ich bei Katha (www.kathastrophal.de) las, dass sie das

                                                       K

gezogen hat. Aber dieses „unoriginell“ bezog sich nicht auf den Buchstaben, sondern auf das, was mir dazu eingefallen ist. Wie es der gesteuerte Zufall so will, stand mein neuestes Kleidungsstück zum Zeitpunkt der Ziehung kurz vor der Vollendung, und zwar ein ………………..

                                                                        Kleid

…….. welch‘ Überraschung – als ob ich nicht gerade erst schon eines genäht hätte. Nun ist es aber so, dass mir eine besonders nette Nachbarin (der Einfachheit halber nenne ich sie B) einen ganzen Kupon Waxprint made in China geschenkt hat, den sie ihrerseits von einer Dame aus ihrer Kirchengemeinde geschenkt bekommen hat. B konnte jedoch mit dem Stoff nichts anfangen, da die leuchtenden Farben auf hellem Grund so gar nicht ihrem Geschmack entsprachen (Farben auf dunklem Grund wären ihr lieber gewesen).

Aber wie das mit geschenkten Gäulen halt so ist, kam mir die Idee, den geschenkten Stoff zu einem Probekleid für das Modell 111 aus der Burdastyle 07/2016 zu verarbeiten, bevor ich zwei Meter feinste (und schweinsteure) italienische Seide anschneide.

Technische Zeichnung:

111-072016-m_large Bildquelle: http://assets.burdastyle.com/patterns/technical_drawings/000/005/451/111-072016-M_large.jpg

Und hier das Foto vom Original:

cbdf7259-cf74-6211-b756-c30cfaa04e83_large   Bildquelle: http://assets.burdastyle.com/pattern_images/assets/000/020/469/cbdf7259-cf74-6211-b756-c30cfaa04e83_large.jpg

—————————-

Der Rock ist in Kellerfalten gelegt, was die Frage beantwortet, ob es nicht es nicht doch etwas anspruchsvolleres zu diesem Buchstaben als das simple „Kleid“ gibt. Tatsächlich habe ich es auf den letzten Drücker vor dem Urlaub fertig bekommen und konnte es beim Weinfest der Mittelmosel anziehen und war der Hingucker auf dem Campingplatz (*angeb*). Leider aber auch der Hingucker auf dem Schiff, mit dem wir letzten Mittwoch eine einstündige Fahrt auf der Mosel unternommen haben, denn der Rock bauschte sich im Fahrtwind, dass mein Mann spontan an den Film mit Marilyn Monroe denken musste, während mich der geblähte Rock eher an einen Windsack erinnerte. Auf den „Geisterfotos“ (Selfies in der Fensterscheibe) kann man es nicht so gut erkennen.

Witzigerweise findet sich auf Wikipedia unter dem Stichwort „Windsack als Dekorationsobjekt“ auch ein Link zu japanischen Karpfenfahnen, die am 5. Mai gehisst werden und als Koi-nobori bezeichnet werden. Zu gerne wäre ich mit diesem Kleid, dessen Oberteil ich nochmal ändern muss, auch beim MeMadeMittwoch dabei gewesen, aber im Urlaub durfte mein Laptop ruhen. 

Was bin ich schon gespannt auf die anderen K’s bei Kathastrophal am 30. September. Und wer weiß, vielleicht schaffe ich es noch bis zum 27. September ein weiteres Stück – diesmal etwas herbstliches – einzureichen.

Unsortierte Gedanken : Das Match des Tages

01 bubble ball

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Fußball-EM ist für mich so was von gestern, denn ich habe es gesehen, das Match des Tages, zwischen den Teams Hangover 96 und Adelskrone United. Während sich hinter uns im Zelt die Musiker von Crossfire warmspielen ♫♯♪ ♫♯♪ ♫♯♪, tobt draußen zu den Klängen von Modern Talking ♫♯♪ ♫♯♪ ♫♯♪ auf dem Sportplatz von Winterkasten der Bär beim Bubble Ball Soccer. Da fliegt nicht nur der Ball, sondern ab und zu auch ein Schuh, und wenn es ganz heiß hergeht, fällt auch mal ein Tor  …………………………………………………………………….. um!

 

 

Jedes Spiel zwischen Teams aus vier Personen, von denen jede in einer riesigen durchsichtigen Kunststoffkugel steckte, dauerte fünf Minuten, aber diese vermeintlich kurze Zeit in der Sonne hatte es wirklich in sich, denn so manch ein Spieler kam dabei gehörig ins Schwitzen. War es uns in luftigen Tops und Hosen auf dem Zuschauerrang schon warm, so muss es sich in so einem Bubble Ball anfühlen wie in einem Bratschlauch, der zu lange in der Sonne gelegen hat.

Oder wie in einem Messerschmitt-Kabinenroller, den wir gestern im Odenwald beim Goggomobiltreffen gesehen haben: ein windschnittiger Zweisitzer mit einer Steuereinheit, die an Formel-Eins-Rennautos erinnert, in den man von oben einsteigt, nachdem man die Rundum-Vollverglasung nach oben geklappt hat. Rundum-Vollverglasung im Sommer – was das bedeutet, möchte ich mir lieber nicht vorstellen. Dann doch lieber so ein Goggomobil, dessen Innenraum ganz stilecht für die Fünfziger Jahre mit einem Blumenväschen geschmückt wird, und von dem ich leider kein Foto habe.

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

20160709_183205

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Dafür habe ich jedoch fleißig Aufnahmen von einer antiken Schiffschaukel gemacht, so wie sie in früheren Zeiten auf beinahe jeder Kirmes zu finden war. „Betrunkene und Unanständige bekommen keinen Zutritt“, stand dort in verschnörkelter Schrift zu lesen; aber ich glaube, ein Betrunkener hätte so ein Schiffchen wohl kaum aus eigener Kraft in Bewegung setzen können.

 

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Zum Abschluß des gelungenen Samstags gönnten wir beide uns noch ein Picknick am Feldrand, das strenggenommen aus einer Flasche edlen Rotweins bestand – als Kontrapunkt zu der ausgesprochen leckeren Currywurst, die es im Festzelt gab.

20160709_200313

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~