Cinema-Scope 2021 im Februar : Die feine Gesellschaft …

… steht teilweise im Fokus oder auch am Pranger in den zehn im Februar von mir ausgewählten Produktionen. In diesem kurzen Monat geht die Auslosung weiter. Von allen aus dem letzten Jahr Übriggebliebenen bekommen jetzt die folgenden DVDs als sogenannte „Leftovers“ eine neue Chance:

Aretha Franklin – Amazing Grace +++ Ballon +++ Big Little Lies, Staffel 2 +++ Bombshell – das Ende des Schweigens +++ Der Hobbit – die Schlacht der fünf Heere +++ Die perfekte Kandidatin +++ Ein leichtes Mädchen +++ Kursk +++Snowpiercer +++ The favourite – Intrigen und Irrsinn +++ Waltz with Bashir

Nachdem ich mir im Januar „Love Story“ gegönnt habe, sind nun noch zehn Filme und eine Serie aus völlig unterschiedlichen Genres übrig, die ich auf die restlichen elf Monate verteilen möchte.

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La Boum 2 – die Fete geht weiter + A United Kingdom + Picnic at Hanging Rock + Der Hobbit – die Schlacht der fünf Heere + Systemfehler – Wenn Inge tanzt + Notting Hill + Juliet, Naked + Agatha und die Wahrheit des Verbrechens + Die Farbe des Horizonts + Nicht auflegen!

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La Boum 2 – die Fete geht weiter (1982): Zwei Jahre nach „La Boum – die Fete – Eltern unerwünscht“: Durch ein Missgeschick lernt Vic (Sophie Marceau) Philippe (Pierre Cosso) kennen und verliebt sich in ihn. Doch außer ein paar harmlosen Knutschereien hat Vic keinerlei Erfahrung in der Liebe, und hinzu kommt noch, dass die Ehe ihrer Eltern noch lange nicht im Lot ist; jetzt entbrennen sich Streits nicht mehr an Seitensprüngen, sondern an der beruflichen Laufbahn des jeweils anderen. Und dann ist da noch die Urgroßmutter, die jetzt eigentlich ihren langjährigen Freund heiraten könnte, nachdem dessen Ehefrau überraschend das Zeitliche gesegnet hat, aber nicht weiß, was sie machen soll. Mag der Film an den Kinokassen nicht ganz so erfolgreich gewesen sein wie sein Vorgänger, so habe ich mich doch blendend amüsiert, als mir nach leichter Unterhaltung war.

A United Kingdom (2016): Eine Liebe gegen alle Widerstände; als sich die Sekretärin Ruth Williams (Rosamund Pike) und Seretse Khama (David Oyelowo) sich im London der Vierziger Jahre ineinander verlieben und heiraten möchten, ahnen sie nicht, dass sie damit auf Ablehnung von allen Seiten stoßen. Seretse ist nämlich nicht irgendwer, sondern Thronfolger des britischen Protektorats Betschuanaland (das spätere Botswana). Und so sind nicht nur die Familien beider gegen die Beziehung, sondern vor allem Südafrika, unterstützt von Großbritannien, das einen Konflikt mit dem wichtigen Partner nicht riskieren möchte und vor allem an Bodenschätzen interessiert ist. Neben Südwestafrika und Rhodesien versucht Südafrika als direkter Nachbar Betschuanalands, die geplante Eheschließung zu verhindern, da diese einen Affront gegen Südafrikas Apartheitspolitik darstellen würde. Was als Liebesdrama beginnt, entwickelt sich schnell zum spannenden Politthriller, in dem Sir Winston Churchill eine unrühmliche Rolle spielt. Weitere Darsteller in diesem mitreißenden Drama: Laura Carmichael (Downton Abbey) als Ruths Schwester Muriel und Tom Felton (Harry Potter) als District Commissioner Rufus Lancaster – letzteren hat es trotz allem nicht gegeben, sondern wurde für die Geschichte frei erfunden, obwohl die Filmbiografie auf der Biografie „Colour Bar: The Triumph of Seretse Khama and His Nation“ der Historikerin Susan Williams basiert.

Picnic at Hanging Rock (2018): Neuauflage des Filmklassikers von Peter Weir, nun als Miniserie mit Natalie Dormer, Yael Stone und Samara Weaving in den Hauptrollen. Anders als der Film aus den Siebziger Jahren, konzentriert sich der australische Sechsteiler auf die Auswirkungen, die das Verschwinden dreier Schülerinnen und einer Lehrerin am Valentinstag des Jahres 1900 auf Mitschülerinnen, Lehrerinnen und Personen aus dem direkten Umfeld der Vermissten hat. In Rückblenden erfährt man mehr über die Geschichten der einzelnen Charaktere, insbesondere über die undurchsichtige Schulleiterin Hester Appleyard, sowie die Beziehungen untereinander. Besonderen Eindruck auf mich haben aber nicht die Kostüme gemacht, sondern die Musik, mit der das teilweise sehr düster wirkende Drama aus der viktorianischen Ära unterlegt ist – beklemmend und hypnotisch, und völlig anders als die Panflötenmusik, die den Soundtrack von Peter Weirs „Picknick am Valentinstag“ bestimmt.

Der Hobbit – die Schlacht der fünf Heere (2014): Was für ein Filmabend. Es ist schon eine Weile her, dass ich sowohl die Bücher gelesen als auch die Verfilmung vom Herrn der Ringe gesehen habe. Dass man nun unbedingt das verhältnismäßig sehr dünne Büchlein über den Hobbit als Trilogie in die Kinos bringen musste und Erzählstränge in der Verfilmung auftauchten, an die ich mich so gar nicht erinnern konnte, hat mich das ein oder andere Fragezeichen in die Luft starren lassen. Aber die Krönung für mich (aber nicht im positiven Sinne) war jene kurze Sequenz, in der ich mich plötzlich im falschen Film wähnte – als nämlich die Sandwümer, Höhlenbohrer oder wie man sie auch immer in Mittelerde nannte, ans Tageslich kamen und eine fatale Ähnlichkeit mit den Sandwürmern aus „Dune – der Wüstenplanet“ aufwiesen. Waren das wirklich fünf Heere? Oder vielleicht doch nur drei oder vier? Egal – der große Wurf war’s nicht, aber ganz okay für einen unterhaltsamen Filmabend mit meiner Schwester, die den Streifen mitgebracht hatte (die temporären Crushs haben wir an diesem Abend sauber unter uns aufgeteilt – für sie war’s Richard Armitage, für mich Aidan Turner).

Systemfehler – Wenn Inge tanzt (2013): Mit „Wenn Inge tanzt“ hat die Punkrock-Band Systemfehler einen ersten kleinen Hit im Radio landen können, und nun winkt der ersehnte Plattenvertrag. Doch die Sache hat einen Haken: Der Song ist ein Schmählied über die „Öko-Tussi“ Inge, die ihren vier Mitschülern verständlicherweise nicht gerade freundlich gesonnen ist, und dann fällt der Gitarrist auch noch durch einen Unall durch eigenes Verschulden bei einem Gig für Wochen aus. Also muss Ersatz her, und da sich niemand vernünftiges findet, muss nun ausgerechnet Inge den an den Handgelenken geschienten Joscha bei einem Konzert als Vorband von Madsen ersetzen… Die Komödie lavierte stellenweise doch arg am Rande des guten Geschmacks vorbei, war für einen gemütlichen Nachmittag, an dem ich Aufheiterung gebrauchen konnte, für mich genau das Richtige. Dass sich die zwei völlig gegensätzlichen Hauptcharaktere Inge (Paula Kalenberg) und Sänger Max (Tim Oliver Schulz) ineinander verlieben – geschenkt. Die wahre Überraschung in dem Film, in dem die Band Systemfehler sich selbst und Jürgen Tarrach den unausstehlichen Hausmeister spielt, war für mich jedoch Peter Kraus. In den 50er Jahren war der Rock’n’Roll-Sänger neben Ted Herold ein Teenageridol – in „Systemfehler – Wenn Inge tanzt“ nimmt er sich selbst auf die Schippe, indem er Max‘ Onkel Herb spielt, der in Erinnerungen an seine große Schlagerkarriere in den 70er Jahren und seine Auftritte in der ZDF-Hitparade schwelgt und jeden Tag so lebt, als sei dieser sein letzter.

Notting Hill (1999): Als es Hollwoodstar Anna Scott (Julia Roberts) nach Notting Hill verschlägt, kann Buchhändler William Thacker (Hugh Grant) sein Glück kaum fassen – zwischen ihm und der Schauspielerin bahnt sich eine Romanze an, doch diese ist leider nicht von langer Dauer, denn es scheint, dass er für sie wohl nicht mehr als nur ein flüchtiger Bekannter ist – gar heftig ist der Liebeskummer, unter dem der arme William daraufhin leidet; und leider ist dann auch diese eine Szene, in der der zu Tode betrübte William in einer einzigen Einstellung durch drei Jahreszeiten über den Straßenmarkt von Notting Hill schlurft, das einzige, was ich an dem Film, den andere für den Inbegriff der romantischen Komödie halten, bemerkenswert fand.

Juliet, Naked (2018): Oder auch „wenn hartgesottene Fans nerven“… In dieser romantischen Komödie reicht es der in einem britischen Küstenstädtchen lebenden Annie (Rose Byrne), nachdem ihr Lebensgefährte Duncan (Chris O’Dowd) ihr nach fünfzehn gemeinsamen Jahren einen Seitensprung beichtet. Eigentlich war die Beziehung vorher schon nicht das Wahre, denn an der Seite des Hardcore-Fans spielt sie im Prinzip nur die zweite Geige, weil ihr Duncan den Independent-Musiker Tucker Crowe (Ethan Hawke) vergöttert. Dieser ist vor Jahren während eines Gigs spurlos verschwunden, und so ranken sich die wildesten Gerüchte um seinen Verbleib. Ausgerechnet mit diesem gerät sie durch Zufall in Kontakt und korrespondiert mit ihm per E-Mail, ohne zu ahnen, dass dieser schon bald in London auftauchen wird. Mit der Verfilmung eines weiteren Romans von Nick Hornby hatte ich viel Vergnügen und mir vorgenommen, bloß nie so zu werden wie Duncan, der ein Zimmer im Keller zu einem Schrein für sein Idol ausgebaut hat und sich das Objekt seiner Fanbegeisterung zum Gegenstand wissenschaftlicher Abhandlungen erklärt hat, und dann den Ärmsten noch nicht mal erkennt, als er persönlich vor ihm steht.

Agatha und die Wahrheit des Verbrechens (2018): „Dieser Film wurde nicht von den Erben (der Erbgemeinschaft) Agatha Christies oder Agatha Christie Limited gebilligt, lizenziert oder autorisiert“, heißt es im Abspann zu diesem Film, der allein auf Spekulationen um das elftägige Verschwinden der Queen of Crime im Jahr 1926 beschäftigt. In dieser Variante versteckt sich Agatha Christie jedoch nicht in einem Kurhotel wie in dem Filmdrama von 1979 mit Vanessa Redgrave in der Hauptrolle, sondern betätigt sich als Privatermittlerin in einem sechs Jahre zurückliegenden und nie gelösten Mordfall, wobei recht schnell ein weiterer Mord geschieht. Doch was sich für mich zunächst noch spannend angehört hat, entwickelt sich recht schnell als Schlaftablette mit Logiklöchern, bei der ich mich am Ende fragte, wieso sich plötzlich alle auf die überführten Täter eingeschossen haben.

Die Farbe des Horizonts (2018): Open Water mit Schiffbruch. Nachdem Hurrikan Raymond 1983 den Segler Richard (Sam Claflin) über Bord gefegt hat, muss seine Verlobte Tami (Shailene Woodley) alleine klarkommen und 41 Tage lang um ihr Überleben kämpfen. „Nach einer wahren Geschichte“ heißt es zu Beginn des Films, und schon bald wurde mir klar, dass nach dem Krimispektakel um Agatha Christie auch dieses Drama meinen Geschmack nicht treffen würde – doch im Gegensatz zu der Hauptdarstellerin wusste ich, dass der Alptraum nach 97 Minuten vorbei sein würde.

Nicht auflegen! (2002): In der Kürze liegt die Würze: Phone Booth – so kurz und knackig, wie der Titel, der sich auf den Schauplatz bezieht, so ist mit 78 Minuten auch die Laufzeit des spannenden und in Echtzeit gedrehten Thrillers mit Colin Farrell in der Hauptrolle des PR-Beraters Stu geraten. Wenn es klingelt, muss man doch abheben, oder nicht? Ach, wie gerne hätte ich diesem Typen im schicken italienischen Anzug und der gefälschten 2000-Dollar-Uhr am Handgelenk jenen Spruch mit auf den Weg gegeben, den ich jahrelang an meinem Festnetzapparat im Büro befestigt hatte: „Kein Telefon hat einen verfassungsmäßigen Anspruch darauf, abgenommen zu werden.“ Normalerweise ist sich der mit allen Wassern gewaschene Stu für keine Lüge zu schade, um durch Manipulation anderer seine Ziele zu erreichen, und wenn er seine Geliebte von einer Telefonzelle aus anruft, nimmt er den Ehering ab. Nun aber steht er in eben dieser Telefonzelle im Fadenkreuz eines psychopathischen Serienkillers (Kiefer Sutherland), der so ähnlich tickt wie „Jigsaw“ in SAW, und muss vor aller Öffentlichkeit nicht nur einen Seelenstriptease vom Allerfeinsten hinlegen, sondern auch um das Leben seiner Frau und seiner Geliebten fürchten, die beide am von Scharfschützen umstellten Tatort aufkreuzen. Interessantes Detail am Rande: Das Drehbuch zu dem filmischen Kammerspiel, das in chronologisch richtiger Reihenfolge gedreht wurde, geht auf eine Idee von Alfred Hitchcock zurück – vielleicht fand ich den Film deshalb so spannend.

Mein Film des Monats war „A United Kingdom“ – die Gurke des Monats dagegen „Agatha und die Wahrheit des Verbrechens“ – allerdings war mir am Ende des Monats nicht mehr nach irgendwelchen Filmen, nachdem Corona auch in meiner Familie mit fatalem Ausgang zugeschlagen hat.

# Writing Friday 2021 – Februar, 9. Woche : aus Rache

Noch ein Versuch mit der dritten Schreibaufgabe zum #Writing Friday von elizzy:

Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz “In einer so unbequemen Lage war er noch nie, doch…” beginnt.

Gut Ding will eben gut geplant und noch besser ausgeführt sein.

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aus Rache

In einer so unbequemen Lage war er noch nie, doch die ganz große Katastrophe war das nicht. Jedenfalls glaubte er das zu diesem Zeitpunkt noch.

Das Gespräch zwischen dem Direx und seinem Klassenlehrer, von Julian auf dem Gang belauscht, versetzte ihn in Unruhe. Sie hatten ihn auf dem Kieker, und wenn er die nächste Chemieklausur versemmelte, war’s das. Sein Vater war ohnehin schon nicht entzückt von seinen Leistungen, und obwohl diese sich auf dem Internat schon stark gebessert hatten, konnte von Entwarnung keine Rede sein, denn Chemie war seine Achillesferse. Beim letzten Referat hatte er sich gründlich blamiert und dumm dagestanden, als er nicht erklären konnte, was Soda ist. Das nächtelange Lernen hatte sich ja echt gelohnt: Die kümmerlichen drei Punkte für diese „Meisterleistung“ waren ein Witz. Ja, macht euch nur lustig über mich, brodelte es in ihm, als er wieder an das misslungene Wortspiel mit seinem Namen auf seine Kosten dachte, aber wartet nur ab, wer als letztes lacht; und er hatte auch schon einen Plan. Sie würden schon noch bereuen, ihn unterschätzt zu haben.

Die Idee hatte Julian aus einem Highschooldrama. Sein Glück, dass die Digitalisierung hier noch keinen Einzug gehalten hatte – so altmodisch, wie diese Schule geführt wurde – und sämtliche Daten noch immer in Papierform vorlagen. So konnte er alles abfotografieren und sich dann gezielt auf die Prüfungsfragen vorbereiten.

Gib moderner Technik keine Chance? Hätte er nur in den vergangenen Wochen besser aufgepasst, als auf dem Gelände vermehrt Angestellte einer Sicherheitsfirma die Schule auf Schwachstellen untersuchten, wegen denen es überhaupt erst zu Einbrüchen gekommen war. Ja, hätte er – denn dann hätte er den kleinen Sensor wahrgenommen, der dafür sorgte, dass seine Bewegungen in der Zentrale von Secur-i-Net einen Alarm auslösten.

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So viel also zum Thema „Alles verlief nach Plan, aber der Plan war Mist.“

Die Schreibthemen im Februar waren: 1) Märchenhaft – schreibe eine Geschichte zu folgender Szene: Lara geht auf einen Maskenball, dort trifft sie auf Clark – es ist Liebe auf den ersten Blick. Doch Clark ist nicht der, für den er sich ausgibt. Lüfte sein Geheimnis am Ende deiner Geschichte. +++ 2) Am 28. Februar ist Tag der Zahnfee! Schreibe ihr zu Ehren einen Brief. +++ 3) Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz “In einer so unbequemen Lage war er noch nie, doch…” beginnt. +++ 4) Schreibe eine Geschichte und lasse folgende Wörter mit einfliessen: karamellisierte Erdnüsse, Liebesgeständnis, rosarot, dunkelblau, Kerzenlicht. +++ 5) Du bist für einen Tag Wettermoderator/in – Schreibe den Text für deine Wettervorhersage fürs Wochenende – sei dabei möglichst originell – Lügen oder Katastrophenvorhersagen sind erlaubt.

Und hier sind die Regeln dazu: Jeden Freitag wird veröffentlicht. +++ Wählt aus einem der vorgegebenen Schreibthemen. +++ Schreibt eine Geschichte/ein Gedicht/ein paar Zeilen – egal, Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben. +++ Vergesst nicht, den Hashtag #Writing Friday und den Header zu verwenden, schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch. +++ Habt Spaß und versucht, voneinander zu lernen.

ABC -Etüden – Woche 8 & 9 – Etüde 2 : Sieben Minuten

Der Frühling naht und mit ihm die Zeit der Aktivitäten im Freien. Und schon war sie da, die Inspiration für die zweite Etüde zur aktuellen Schreibeinladung auf Christianes Blog. Die Wörter Strickjacke, trügerisch und entdecken wurden von wortgeflumselkritzelkram gespendet – die Illustration stammt von Christiane:

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Sieben Minuten

Marlene hatte lange mit sich gerungen. Einmischen oder nicht – einerseits war sie der Meinung, dass Kinder ihre eigenen Erfahrungen machen sollten, auch wenn sie dabei auf die Nase fielen – aber andererseits…

Trügerische Glücksmomente: Dass Alex für Lucy seine liebste Freizeitbeschäftigung hintanstellen wollte, würde den beiden irgendwann garantiert auf die Füße fallen.

Rede ich nun mit ihm oder nicht? Seit ihrer Teestunde im Advent hatte sie Für und Wider gegeneinander aufgerechnet und das Gespräch vor sich her geschoben. Doch der Winter neigte sich dem Ende zu, und bis zur Motorradsaison würde es nicht mehr lange dauern, davon kündeten die ersten warmen Tage mit Temperaturen im zweistelligen Bereich.

Heute war so ein Tag – die Einladung zum Draußensitzen. Der Februar war noch nicht vorbei, und im Freien reichte schon ein T-Shirt. Schade, dass Manfred und Lucy an diesem Samstag in der Spedition nichts davon hatten. Trotz der ungewöhnlich hohen Temperaturen verzichtete Marlene nur ungern auf ihre Strickjacke – sie wusste nicht, ob sie ihr Frösteln dem kühlen Wind verdankte, wenn sich Wolken vor die Sonne schoben, oder eher doch der Aufregung, bei der sie sich fragte, woher diese kam.

Stell dich nicht so an – wir sind hier schließlich nicht beim Vorstellungsgespräch bei der Deutschen Bank, und außerdem erwartest du ja keinen Unbekannten…

Am besten ließ Marlene den Tee einfach zwei Minuten länger ziehen, in der Hoffnung, dass seine beruhigende Wirkung zu einer entspannten Atmosphäre beitrug, auch wenn sie damit über den allgemeinen Empfehlungen für die optimale Zubereitungszeit lag. Aber zu entdecken, dass sich die Sieben-Minuten-Regel vom Pils auch auf ihren Lieblingstee übertragen ließ, war für sie einer Offenbarung gleichgekommen.

Jetzt musste sie nur noch den richtigen Einstieg in das Gespräch unter vier Augen finden.

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285 Wörter reichen nur für eine Momentaufnahme, die für sich alleine stehend, rätselhaft wirken mag – für etwas mehr Klarheit könnte die Teestunde im Rahmen des Projekts #writing friday sorgen („Verzicht als Gradmesser, wie groß seine Liebe zu ihr wirklich war? Zahlt sich selten aus – das wusste sie aus Erfahrung“): Während ihrer Teestunde im Advent kommt Marlene Röder zu dem Entschluss, mit dem Freund ihrer Tochter ein Gespräch zu führen, weil sie sich fragt, ob dieser nicht irgendwann die Idee, seine Freizeitbeschäftigung zugunsten gemeinsamer Zeit mit Lucy einzuschränken, bitter bereuen wird.

Deshalb heißt es: Fortsetzung folgt. Die Frage ist nur: wann…

Dienstags-Gedudel #57 : Reisefieber, Teil 11 – Aus dem Häuschen geraten…

… die brasilianischen Youtube-User bei dieser Version eines immer wieder gerne gesungenen Klassikers: The Girl from Ipanema – interpretiert von Amy Winehouse:

Amy Winehouse, mit 27 leider viel zu früh verstorben – gefunden auf youtube:
https://www.youtube.com/watch?v=fDsU4L15Ip8

Auf dem posthum erschienenen Album „Lioness – Hidden Treasures“, dem dieses Standbild gewidmet ist.

Media Monday # 504 : Der Frühling naht …

… und ich habe einen ersten Eindruck davon gewinnen können. Ob das so bleibt? Keine Ahnung, was aber als feste Konstante bleibt, ist der Media Monday – auf den ich mich nach einer Menge kreativen Outputs zu den ABC-Etüden wie jeden Sonntag freue:

Media Monday # 504

1. Man mag ja von den steigenden Temperaturen halten was man will, aber ich für meinen Teil fand es mal ganz schön, von Vogelgezwitscher geweckt zu werden und die wärmenden Sonnenstrahlen im Gesicht zu spüren – da ging es mit meiner Laune gleich bergauf, auch wenn früher Pollenflug damit einhergeht.

2. Als Ausgleich für fehlende Kinobesuche leihe ich mir fleißig DVDs aus. Reizen würde mich aber auch mal wieder ein Museumsbesuch, wenn auch erst mal nur virtuell – auf die kommende Ausstellung kanadischer Malerei von 1910 bis 1940 in der Frankfurter Schirn freue ich mich jetzt schon.

3. Hätte man mir vor einem Jahr erzählt, dass ich hier ganz alleine vor mich hin werkeln muss, hätte ich es nicht geglaubt.

4. So vieles ist auch so ein lupenreines Retortenprodukt, das mir jetzt überhaupt nicht einfallen will.

5. Manchmal glaube ich, ich sollte besser endlich mit dem Sportprogramm anfangen.

6. Bis vor kurzem habe ich ja nicht einmal geahnt, dass es Skispringen auch bei den Frauen gibt.

7. Zuletzt habe ich mir mal eine frühe Bettruhe gegönnt, und das war für mich seit langem eine erholsame Abwechslung, weil ich schon lange nicht mehr so herrlich geschlafen habe.

ABC -Etüden – Woche 8 & 9 – Etüde 1 : Der Lenz ist nah

Der Frühling naht. Das kommt mir wie gerufen zur aktuellen Schreibeinladung auf Christianes Blogdie von wortgeflumselkritzelkram gespendeten Wörter Strickjacke, trügerisch und entdecken haben mich zu einer Kurzetüde mit 25 Wörtern inspiriert.

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Der Lenz ist nah

Der Frühling naht – das konnte ich beim Blick in den Garten entdecken. Wohl dem, der eine Strickjacke hat, denn noch ist das Wetter trügerisch.

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In der Kürze liegt die Würze, doch die nächsten werden wieder länger.

Projekt ABC – D wie Distillery District

Wortman und aequitasetveritas teilen in diesem Jahr die Mitmachaktionen im 14tägigen Wechsel unter sich auf: „Momentaufnahmen“ und „Projekt ABC“ – hier symbolisiert ein Foto jeden Buchstaben des Alphabets (ohne Ä, Ö und Ü). Für das D habe ich meinen Fundus durchsucht und bei meinen Urlaubsfotos hängengeblieben.

Bei der letzten ABC-Fotoaktion ist beim C die Wahl auf ein Bild von der Isle of Skye (Schottland) gefallen – diesmal steht das D für den Distillery District in Toronto (Kanada). Die Fässer zeigen es – hier war um die Mitte des 19. Jahrhunderts die größte Destillerie der Welt.

Seit 1990 jedoch nicht mehr – da wurde das Unternehmen geschlossen, aber bereits Anfang dieses Jahrtausends stadtplanerisch wiederbelebt: in Form eines Ausgehviertels mit Pubs, Bars, Galerien und Geschäften – und jeder Menge Remmidemmi. Vor allem nachmittags zieht das Areal die Besucher in Scharen an. Davon konnte ich mich an meinem letzten Tag überzeugen, als ich mir in den Kopf gesetzt hatte, unbedingt dort mein Abschiedsbierchen zu trinken.

Diese Bilder habe ich jedoch bereits an meinem ersten Tag in Toronto geschossen, entstanden, und zwar morgens kurz nach 10 Uhr – da war noch alles ruhig, was mir sehr gelegen kam, denn da brachte das warme Morgenlicht die Fassaden aus rotem Backstein erst so richtig schön zur Geltung.

Dafür wirkt die Lampenparade, als hätte ich sie in der Dämmerung (was auch ein D wäre) aufgenommen.

Aber man kann ja nicht alles haben.

# Writing Friday 2021 – Februar, 8. Woche : Mut zur Lücke

Übe Dich an Aufgaben, die Dir nicht so liegen, um an ihnen zu wachsen. Da ich nicht an das Fabelwesen in der zweiten Aufgabe des #writing friday auf dem Blog von elizzy glaube und sie mich auch nie besucht hat, dachte ich, es könnte doch einen Versuch wert sein:

Am 28. Februar ist Tag der Zahnfee! Schreibe ihr zu Ehren einen Brief.

Aber eine großartige Briefeschreiberin war ich auch nie, deshalb habe ich ein kleines Holpergedicht verzapft – Mut zur Lücke (in diesem Fall zur Zahnlücke):

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Mut zur Lücke

O Zahnfee draußen vor der Wand,

wer hat die schönsten Beißerchen im Land?

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Mein Brüderchen Marc und die kleine Carola

haben verkündet, sie verzichten auf Cola

und Süßigkeiten noch und nöcher –

so haben bei ihnen Null Chance die Löcher.

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Geplündert habe ich mein Schwein

voll Münzen und wart‘ auf Dich allein

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Und wird’s Dir zuviel mit unserem Haus,

schick uns als Vertretung die Zähnchenmaus.

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PS: Ich habe im Übrigen weder einen Bruder namens Marc noch eine kleine Schwester, die Carola heißt.

Die Schreibthemen im Februar sind: 1) Märchenhaft – schreibe eine Geschichte zu folgender Szene: Lara geht auf einen Maskenball, dort trifft sie auf Clark – es ist Liebe auf den ersten Blick. Doch Clark ist nicht der, für den er sich ausgibt. Lüfte sein Geheimnis am Ende deiner Geschichte. +++ 2) Am 28. Februar ist Tag der Zahnfee! Schreibe ihr zu Ehren einen Brief. +++ 3) Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz “In einer so unbequemen Lage war er noch nie, doch…” beginnt. +++ 4) Schreibe eine Geschichte und lasse folgende Wörter mit einfliessen: karamellisierte Erdnüsse, Liebesgeständnis, rosarot, dunkelblau, Kerzenlicht. +++ 5) Du bist für einen Tag Wettermoderator/in – Schreibe den Text für deine Wettervorhersage fürs Wochenende – sei dabei möglichst originell – Lügen oder Katastrophenvorhersagen sind erlaubt.

Und hier sind die Regeln dazu: Jeden Freitag wird veröffentlicht. +++ Wählt aus einem der vorgegebenen Schreibthemen. +++ Schreibt eine Geschichte/ein Gedicht/ein paar Zeilen – egal, Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben. +++ Vergesst nicht, den Hashtag #Writing Friday und den Header zu verwenden, schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch. +++ Habt Spaß und versucht, voneinander zu lernen.

Die 5 Besten am Donnerstag : Meine liebsten Seriencharaktere aus 2020

Nach unseren liebsten fünf Filmen und Serien geht die Suche bei Gina bei den Besten am Donnerstag weiter. Letzte Woche waren die weiblichen Seriencharaktere dran, die uns letztes Jahr am besten gefallen haben – jetzt sind es unsere männlichen Lieblingscharaktere aus Serien. Ausgesetzt habe ich letzte Woche, weil mir nichts eingefallen ist. Herren und Damen gibt es deshalb nun im Doppelpack, in völlig willkürlicher Reihenfolge.

Die Ärzte aus Seattle

Dass in diesen doppelten Top Five der Dauerbrenner „Grey’s Anatomy“ auftaucht, wundert wahrscheinlich niemanden. Zur Zeit habe ich mal wieder eine der früheren Staffeln am Wickel, in der noch viele ihr Dasein fristen, die von den Drehbuchautoren noch nicht den Serientod verordnet bekommen haben. Bei den Damen fällt daher meine Wahl auf Dr. Callie Torres (Sara Ramirez), die Heldin der Orthopädie – bei den Herren habe ich mich für Dr. Andrew DeLuca (Giacomo Gianniotti) entschieden.

Die Kämpfernaturen aus der Vergangenheit

In „Vikings“ hat Lagertha Lothbrok (Katheryn Winnick) das Sagen – bei „Hell on Wheels“ arbeitet Südstaatensoldat Cullen Bohannon (Anson Mount) zunächst eine To-Kill-List ab, um dann seine Bestimmung beim transkontinentalen Eisenbahnbau zu finden.

Die Ermittler

In „Miss Fisher’s mysteriöse Mordfälle“ begibt sich die wohlhabende und einem Flirt nicht abgeneigte Phryne Fisher (Essie Davis) im Melbourne der 20er Jahre auf Verbrecherjagd; in „Lucifer“ ist es der Höllenfürst Lucifer (Tom Ellis) persönlich, der das LAPD unterstützt, nicht ohne seinen Charme bei allen zu versprühen, die nicht bei drei auf den Bäumen sind.

This is England *)

Nurse Beatrix Trixie(Helen George) ist eine Hebamme mit Alkoholproblemen in der im Londoner Stadtteil Poplar nach dem 2. Weltkrieg angesiedelten Serie „Call the Midwife“; Vampir John Mitchell (Aidan Turner) versucht in Bristol sein Leben als Krankenpfleger auf die Reihe zu bekommen und auf den Konsum von Blut zu verzichten.

And now for something completely different

Andie Herrera (Jaina Lee Ortiz), Feuerwehrfrau der Station 19 in Seattle – im deutschen Fernsehen ist die Serie unter dem Titel „Seattle Firefighters – die jungen Helden“ als Ableger von „Grey’s Anatomy – die jungen Ärzte“ bekannt. Eigentlich ist es kein Spin-Off, sondern ein Cross-Over. Auf der anderen Seite des Kontinents, nämlich in New York, fällt dem Trickbetrüger und Fälscher Neal Caffrey (Matt Bomer) in „White Collar“ die ehrenvolle Aufgabe zu, das FBI mit seinem Fachwissen zu unterstützen, sonst geht’s für ihn zurück ins Kittchen.

This is England, gefunden auf youtube –
https://www.youtube.com/watch?v=L4YtR9SsY2Q

*) und jetzt muss ich nur noch versuchen, diesen Ohrwurm loszuwerden: The Clash mit „This is England“

Momentaufnahmen 4/26 – Überzeugungen hinterfragen

Alle 14 Tage blitzen sie auf, die Momentaufnahmen – als Mitmachaktion ins Leben gerufen von aequitasetveritas – die vierte Frage beschäftigt sich hiermit:

Gibt es etwas oder jemanden, der deine Überzeugungen hinterfragt bzw. herausfordert?

Es gab tatsächlich mal jemanden, der nicht nur komplett anderer Meinung zu einem Thema war als ich, sondern mir auch noch das Gefühl vermittelt hatte, ich hätte nicht mehr alle Latten am Zaun. Der Kontakt besteht so gut wie gar nicht mehr.

Allerdings kann ich das auch selbst ganz gut: Meine eigenen Überzeugungen von Zeit zu Zeit auf den Prüfstand stellen und mir die Frage zu stellen, ob ich das jetzt immer noch genauso sehe – manchmal mit überraschendem Ergebnis.