Media Monday #597 : Advent Advent

Zweiter Advent, Türchen Nummer 4, und Adventskalender Nummer 8… bei den vielen Zahlen werde ich noch ganz wirr. Und jetzt noch eine wichtige Zahl, mit der wir den Beginn der neuen Woche einläuten: Media Monday Nummer 597 – noch drei Mal, dann haben wir nicht nur Ausgabe 600, sondern auch den ersten Weihnachtsfeiertag.

Jetzt widme ich mich erst mal der 597. Ausgabe des Media Monday:

Media Monday # 597

1. Unfassbar, dass ausgerechnet ich mit dem Gedanken spiele, 2024 nach Wacken zu fahren, obwohl ich eine Dilettantin bin, was den Aufbau eines Zelts angeht.

2. Selbstgemachtes Knoblauchöl mit Zitrusnote ist ein durchaus schönes Weihnachtsgeschenk, schließlich steckt Liebe drin, und der weibliche Gourmet in meinem Freundeskreis freut sich über den Gaumenschmaus.

3. Ich will ja nicht unken, aber wenn ich mich mit meinem Beitrag zu „Mein Buch für Dich“ in dem Tempo ranhalte, bin ich lange vorm endgültigen Abgabetermin fertig und könnte damit anfangen, das Werk ins Englische zu übersetzen. Das wäre doch mal eine wirkliche Herausforderung.

4. So manche/r, von der/dem ich gerade den Namen nicht weiß, ist ein vollkommen unterschätztes Talent und wartet bis heute auf die Würdigung, die ihr/ihm gebührt. Wenn mir jemand einfällt, reiche ich den entsprechenden Namen nach.

5. Wo es gerade Trend zu sein scheint dass sich dank TikTok beim Horrorfilm „Smile – siehst du es auch“ Kinder im Kino tummeln, hilft es ungemein, genügend Zeit verstreichen zu lassen, bis wieder die eigentliche Zielgruppe die Mehrheit im Kinosaal bildet, nämlich das Publikum ab 16. Aber ich muss mich korrigieren: oben genanntes Szenario war bei Filmstart angeblich Trend, darum habe ich mit dem Besuch bis jetzt gewartet.

6. Der Hype um die Filme von Quentin Tarantino ist größtenteils an mir vorbeigegangen, und bislang kannte ich nur „Once upon a time in Hollywood“ und „Kill Bill“, doch nachdem ich einen Abend lang eine Aufführung der Musik von Ennio Morricone genießen durfte, hätte ich Lust, mir auch „The hateful eight“ anzuschauen.

Der Tanz der Zuckerfee aus „Der Nussknacker“https://www.youtube.com/watch?v=1YDf-vwA_7o

7. Zuletzt habe ich mir das Ballett „Der Nussknacker“, aufgeführt vom Italian National Ballet, angeschaut und das war ein schönes Erlebnis, weil es für mich nicht nur mein erstes Ballett war, sondern ich den größten Teil der Musik von Tschaikowsky kannte (leider vorwiegend aus der Werbung).

Wattpad-Schreibchallenge „Mein Buch für Dich“: Kapitel 11

Kapitel 11 : Zwei Minuten vor Mitternacht

The world’s at stake
Under an oath that cannot break

-Arch Enemy „Handshake with hell“

„Wie jetzt… Götter?“ entfährt es mir, als ich die traute Zweisamkeit zwischen Flo und Fiona unterbreche, weil ich kaum glauben kann, was er sich da vor ihren Ohren zusammenspinnt.

Ach ja? Dann sag mir doch mal, Miss Superhirn, wie es sein kann, dass wir das fertig gebracht haben, woran Morgaine gescheitert ist?

Morgaine – war ja klar. Natürlich hätte ich mir denken können, dass er jetzt schon wieder mit seinem Fantasykram anfängt. Ich fasse es nicht.

„Götter? Ganz ehrlich, Flo: Du hast doch ‘nen Vogel!“ – und zwar einen gewaltigen. Der Stein als Schlüssel zum Jenseits? Fragen Sie Sprung-in-der Schüssel.de oder Flo, der glaubt so einen Stuss. Und Fiona lässt sich auch noch von ihm einlullen.

„Mensch Jo, halt mich meinetwegen für bekloppt, aber ich wette, ohne den Stein wäre die Insel gar nicht erst aus dem Nebel aufgetaucht. Auf deinen ach so tollen Karten war sie jedenfalls nicht eingezeichnet. Oder wir sind meilenweit vom Kurs abgekommen. Was ich aber nicht glaube.“

Meine ach so tollen Karten? Wenn Flo noch länger so weiter macht, platzt mir der Kragen. Im Gegensatz zu dem GPS, das er und die anderen so in den Himmel loben, funktionieren die aber wenigstens auch in einem Funkloch. Ich hasse mich ja selbst dafür, dass ich mal wieder den Vernünftigen raushängen lasse, aber bei so viel Ignoranz könnte ich glatt an die Decke gehen. Aber wie heißt es doch so schön? Wer lesen kann, ist klar im Vorteil.

„Schön für dich, Jo“, mault Flo zurück. Anscheinend habe ich an den Vorteil des Lesenkönnens nicht bloß nur gedacht, sondern…  „man muss das Gelesene auch verstehen können.“

So ein Klugscheißer. Lilly und ihr Kind tun mir jetzt schon leid. Mir reicht’s jetzt endgültig. Fehlt nur noch, dass er damit kommt, es müsste nicht Annwn Annwn Annwn, sondern Mospleh Mospleh Mospleh heißen, wie in einem der Bücher, die er dabei hat. Zwerge, Elfen, Drachen… Mir war dieses seltsame Werk, für das die Autorin offenbar von Tolkien abgekupfert hat, viel zu abgedreht. Oh, da war ich bei Flo aber an der falschen Adresse. Der hat dann auch prompt was von „ein Meisterwerk nicht erkennen, wenn es ihn anspringt“ und „von Inkarnationen keine Ahnung haben“ gefaselt und mich wie der letzte Idiot dastehen lassen. Tut mir leid, wenn ich mit so einem Schmarrn nichts anfangen kann, ob linear erzählt oder nicht.

Und jetzt sollen uns diese Leute hier für Götter halten? Glaubt jemand tatsächlich an so einen Hokuspokus? Andererseits – so wie sie um Lilly herumscharwenzeln, könnte man glatt auf den Gedanken kommen. Am besten mache ich mich auf die Socken, um mich vom Gegenteil zu überzeugen, doch noch nicht jetzt. Auch wenn ich bis Mitternacht nicht warten will, ist es jetzt noch viel zu früh.

Als alles schläft, schleiche ich mich im Schutz der Dunkelheit an die Hütte des Dorfältesten heran: Eine Blockhütte mit Fensterluken, vor die sie Felle gehängt haben. Das ist ja wie bei nordamerikanischen Trappern hier. In den nicht überall abgedichteten Ritzen zwischen den unbehauenen Holzbalken glimmt es sanft. Schön, dass die Felle zwar den Wind abhalten, aber den Schall nicht schlucken. Stimmengemurmel dringt an mein Ohr, das ich an eine der Wände gelegt habe. Eines der Felle hängt schief und gibt einen winzigen Spalt frei. 

Mensch, Jo, heute ist dein Glückstag! will ich mir schon selbst gratulieren und in Gedanken auf die Schultern klopfen, da kommt Bewegung in den Fellvorhang und eine Gestalt in Sicht. Mist. Hoffentlich haben sie mich nicht gesehen, zucke ich zusammen und ducke mich tiefer ins Gebüsch. Wie eine Statue füllt der schwarze Schatten die Fensteröffnung aus, rührt sich nicht; die Welt bleibt stehen und mit ihr mein Herz. Für einen Moment, wer weiß wie lange, friert die Zeit ein, und ich traue mich kaum, zu atmen. Nicht, dass er mich doch noch dabei ertappt, wie ich ihn und die anderen belausche.

Nach einer gefühlten Unendlichkeit fällt sanftes Licht durch den Spalt auf die Blätter über mir. Der Schatten hat sich endlich zurückgezogen, so als ob nichts gewesen wäre, und ich atme zitternd und in kleinen Stößen aus. Sammle dich, Jo -jetzt bloß keinen Fehler machen. Eine falsche Bewegung, und es knackt unter deinen Füßen. Jedes Geräusch, und sei es auch noch so klein, könnte mich verraten und das Ende bedeuten.

Vorsichtig richte ich mich auf und schiebe mich in Zeitlupe so weit vorwärts, dass ich gerade mal so über das Fensterbrett hinweg in die Hütte spähen kann. Da stehen sie im Kreis um einen mit kunstvollen Schnitzereien verzierten Tisch herum und halten sich an den Händen, Beschwörungsformeln murmelnd, während der Stein vor ihnen auf dem Tisch in sanftem Gelb pulsiert. Das ist also die ominöse Lichtquelle. Eigentlich hätte ich erwartet, sie um ein Feuer herum gruppiert zu finden, wenn sie sich schon zu einem Ritual versammelt haben, bei dem auch die Hohepriesterin mit ihren charakteristischen Tätowierungen und dem Opfergefäß nicht fehlen darf.

Hilfe! Das hat mir gerade noch gefehlt: Ein Haufen Verrückter, der mit Tierblut hantiert und den Kadaver eines Hasen oder anderen armen Vierbeiners in die Flammen wirft, zu welchem faulen Zauber auch immer.

Aber irgendetwas scheint dabei schiefgegangen zu sein. Aufgeregtes Flüstern. Jetzt wird ein in Häute gebundener Wälzer gezückt und auf den Tisch geworfen. Der Stein glimmt und zittert unheilvoll, wechselt die Farbe. Erst weißlich, dann in kupfernem Orange, und zuletzt blutrot… Taucht die Gesichter der Anwesenden in ein unheilvolles Licht und verzerrt sie zu Teufelsfratzen. Ich kann mir nicht helfen, aber just in diesem Moment kommt mir ein Artikel in den Sinn, den ich vor kurzem erst irgendwo im Internet gelesen habe. Wenn ich nur wüsste, wo…

„Wie man sagt, praktizierten sie auch andere Arten von Menschenopfern. Die einen erschossen sie mit Pfeilen, die anderen pfählten sie in ihren Heiligtümern, oder sie fertigten aus Stroh und Holz ein riesiges Standbild und steckten dann Vieh, wilde Tiere und Menschen hinein, um so ein Brandopfer darzubringen.“

„The Wicker Man“ lässt grüßen. Ich fand den Film auch so schon unsäglich, aber das hier? Die Knochengrube, die ich neulich gesehen habe, kam mir ja schon verdächtig vor, aber nun lässt der Artikel, der mir jetzt wieder durch mein Hirn spukt, diesen gruseligen Zirkel in einem ganz neuen Licht erscheinen.

Noch bis vor etwa 50 Jahren waren keltische Opferhandlungen fast ausschließlich aus diesen Schilderungen antiker Autoren bekannt – und es war nicht ganz sicher, ob man den Berichten über Menschenopfer tatsächlich trauen durfte. Aufsehenerregende neue Funde jedoch machen sie derzeit zum Gegenstand intensiver archäologischer Forschungen und zeigen, dass die antiken Schilderungen nicht aus der Luft gegriffen waren.

Ach, du Sch**** – und jetzt höre ich es ganz deutlich: Sie brauchen etwas Stärkeres. Das Blut eines Neugeborenen. Zu Lughnasadh. Aber das kann doch nicht sein. Erstens kann ich sie klar und deutlich verstehen, als gäbe es keine Sprachbarriere. Und zweitens tun sie so, als wäre das Fest schon morgen, wo es doch mindestens noch sechs Wochen bis da hin sind. Anfang August, wenn ich mich richtig erinnere. Außerdem hat Lilly jedem erzählt, das Kind käme frühestens Mitte/Ende August, wenn nicht sogar erst Anfang September.

Obwohl… manche sollen auch schon mal übertrieben und ihre Feiern mit viel Alkohol auf zwei Wochen verlängert haben. Aber wie lange sie auch immer ihr komisches Opferfest feiern wollen – dass wir tatenlos herumsitzen und warten, dass sie die Messer wetzen, kommt gar nicht in die Tüte. Wir müssen weg von hier, und zwar schnell.

Aber nicht ohne den Stein.

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Die Vorlage zum 11. Kapitel: ein Junge belauscht den Dorfältesten, Leute wollen das ungeborene Baby nach der Geburt opfern, Jugendliche wollen fliehen.

02.12. – Schöne Bescherung | Adventüden

Ich gebe zu, mittlerweile bin ich Fan von Adventskalendern, darum habe ich mir dieses Jahr nicht nur gleich vier gekauft, sondern schreibe auch noch an vier Adventskalendern mit: der erste ist die 24teilige Sammlung von Adventüden, bei der mein Beitrag bereits am zweiten Tag erscheint – die anderen drei gibt es auf Wattpad (24 Türchen, 24 Wohnungen, der Last-Minute-Community-Adventskalender).

Doch nun zu Türchen #2 bei den Adventüden:

Irgendwas ist immer

Guten Morgen, Sternenglanz, die Welt sagt Hallo!«

Sechs Uhr morgens, nach endlosem Gefriemel mit dem Schlüssel im Schloss (ein Wunder, dass er den Schlüssel diesmal nicht abgebrochen hat), kommt er zur Tür hereingewankt, reißt enthusiastisch die Arme in die Höhe und dabei den gerade erst aufgehängten Adventskalender zu Boden, dann folgt das Unvermeidliche: der Sturz!

Planlos tastet er noch nach seinem Taschentuch, dann wird es zappenduster.

Sternenglanz… hallo? Diese Art von Liebeserklärung kann er sich sonst wohin stecken. Doch wohl eher sternhagelvoll oder sturzbetrunken, da hat wohl einer mehr als nur die Hefe… eben das übliche Dezemberdilemma. Ihre Freundinnen können ein Lied davon singen.

Nur gut, dass sie nicht schon am Vorabend die gut gefüllten Gebäckdosen für die Firmenfeier im Flur aufgestellt hat, das hätte eine schöne Schweinerei gegeben, und die ganze Arbeit wäre für die Katz. Aber sei’s drum. Den Teufel wird sie tun und sich wie eine…

Ursprünglichen Post anzeigen 194 weitere Wörter

Dienstags-Gedudel #149 – nach Farben sortiert : der eher nicht so tolle Background

Nachdem „Underneath the colours“ von INXS mit „red blue white“ die ideale Überleitung geschaffen hat und ich sowohl Rot als auch Weiß nun schon hatte, geht es fröhlich hiermit weiter:

Blau

Obwohl… halt! Fröhlich wäre der falsche Ausdruck, denn der Song „Blue Sky Mine“ der australischen Band Midnight Oil dreht sich nicht um das schöne Wetter in Down Under, sondern um die Auswirkungen des Minenbetriebs von Wittenoom, einem der giftigsten Orte der Welt, in dem 2019 nur noch ein Einwohner lebte.

Midnight Oil -1990- https://www.youtube.com/watch?v=Ofrqm6-LCqs

Verwitterte Schilder weisen darauf hin, dass hier immer noch Asbeststaub und -fasern und durch die Luft aufgewirbelt werden schwirren können und man davon schwer erkranken kann – und vielleicht ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis dort hin führende Straßen für immer geschlossen werden.

Media Monday #596 : Let’s take this s*** to a new level

Um wegen unflätiger Ausdrucksweise nicht belangt werden zu können, habe ich das aus dem Zusammenhang gerissene Zitat von Amy Lee (Evanescence) verschlüsselt. Tja nun, was soll ich sagen: Das über zweieinhalb Jahre lange Warten auf das Doppelkonzert von Within Temptation und Evanescence, das wegen Corona dreimal verschoben wurde, hat sich tatsächlich gelohnt. Was nicht nur an dem guten Platz lag, an den ich nur durch Zufall gekommen bin (zwischen Bühne und Wellenbrechern), sondern an beiden Shows, für die die Bands alle Register zogen. Mehr dazu demnächst.

Jetzt widme ich mich erst mal der 596. Ausgabe des Media Monday – vier Sonntage folgen noch, dann haben wir die 600. Ausgabe erreicht und damit der 1. Weihnachtsfeiertag.

Media Monday # 596

1. Nun, wo wir wieder in die Zielgerade des Jahres einbiegen, wartet auf mich noch ein Kessel Buntes an kulturellen Veranstaltungen: Konzerte, Ballett und Musicalvorpremiere. Außerdem hat eine Freundin angekündigt, dass sie gerne den neuen Avatar-Film in 3D sehen würde. Vielleicht gehe ich mit ihr zusammen hin.

2. Die Adventszeit bringt es alljährlich so mit sich, dass sich die Feierlichkeiten häufen, was bei vielen schon Wochen vorher für Schweißausbrüche sorgt. Ich freu‘ mich dagegen schon drauf. Und falls es noch niemand wusste: Gegen übermäßiges Schwitzen soll runterdrosseln der Raumtemperatur helfen. Bei knackigen 19°C wird sich dann eher der gegenteilige Effekt einstellen.

3. Rugby kann durchaus als Wegbereiter für American, Canadian und Australian Football betrachtet werden, denn Regeln und Form des „Balles“ sind einander ähnlich, nur bei den Abmessungen und Ausstattung der Sportbekleidung sammeln sich die Unterschiede. Aber was rede ich da? Rugby ist ja schließlich die Urform diverser Ballsportarten.

4. Ich möchte es ja eigentlich gerne noch schaffen, meine tönernen Weihnachtsgeschenke noch rechtzeitig fertig zu bekommen und euch meinen inneren Schweinehund noch vor Jahresende zu präsentieren. Wer einen Farbwunsch hat, der darf ihn mir gerne im Kommentarfeld mitteilen – der/die erste, bei dem/der sich die gewünschte Glasur realisieren lässt, dessen/deren Namen widme ich dem Figürchen.

5. Meine Wenigkeit ist sicherlich prägend für das Genre gepflegtes Dummschwätzen mit eingestreuten Flachwitzen, schließlich bin ich schon öfters durch kryptische Andeutungen aufgefallen. Okay, diesen Blödsinn habe ich nur deshalb geschrieben, weil ich mich mit Genres nicht so gut auskenne und nicht wusste, was ich sonst schreiben sollte.

6. Gebe es eine Möglichkeit, dass ich mit einer TARDIS zu einem kulturellen Event meiner Wahl reisen könnte, ich würde mir das INXS-Konzert vom 13. Juli 1991 im Londoner Wembley-Stadion aussuchen (auch wenn meine Begeisterung ein wenig gedämpft wurde). Aber ganz ehrlich: Habt ihr etwas anderes erwartet?

7. Zuletzt habe ich online eine Reise nach Kanada gebucht und das war ein zugegeben etwas teurer Glückstreffer, weil ich dadurch tatsächlich eine Strecke von Toronto nach Vancouver zurücklegen werde. Aber im Reisepreis sind alle Flüge enthalten, und das hatte ich bei dem anderen Reiseveranstalter, mit dem ich vor drei Jahren durch Ostkanada gegondelt bin, so nicht.

Wattpad-Schreibchallenge „Mein Buch für Dich“: Kapitel 10

Kapitel 10 : Blog Post #666 – Bringt großen Appetit mit und eure Meinung

Jetzt wär es Zeit, daß Götter träten aus bewohnten Dingen…
Und daß sie jede Wand in meinem Haus umschlügen. Neue Seite.

-Rainer Maria Rilke „Die Welt steht auf mit euch“-

Äpfel. Pilze. Holunder – alles frisch! Ich glaub‘, mein Schwein pfeift. Wir haben noch nicht mal Mitte Juni, und doch ist das Zeug schon reif. Das glaubt mir doch kein Mensch! Das wird mir gerade alles zu viel hier, und ich muss raus aus dieser Waldhütte. Bloß weg von hier und hinauf zu dem Platz, den ich mir ausgesucht habe, wenn ich allein sein möchte. Gerade kann ich von den anderen niemanden ertragen, nicht Flo, nicht Finn und auch nicht Feli, mein liebes Schwesterherz, so wie die sich im Moment aufführen. Kein Wunder, dass sie sich gebauchpinselt fühlen, bei der Verehrung, die man ihnen auf Schritt und Tritt entgegen bringt. Finn hier, Feli da. Im Gegensatz zu euch traue ich diesen Leuten nicht.

Gar nicht mehr einkriegen konnten die sich, als sie mitbekommen haben, wie Feli aus purer Langeweile sich durch die bisher geschossenen Bilder gescrollt hat. Ja, haben die noch nie eine Digitalkamera gesehen? Anscheinend nicht – und plötzlich muss ich wieder an den Film denken, den wir irgendwann im Fernsehen gesehen haben und in dem eine Gruppe zurückgezogener Mönche so eine Kamera wie einen Schatz hüten – „Das Jesus Video“ oder so ähnlich: So, wie sie uns alle anhimmeln, grenzt das ja schon an Heldenverehrung. Vorsprung durch Technik? Wir sind doch keine Götter!

Was ein paar hundert Meter schon ausmachen können. Je mehr Abstand ich zwischen sie und mich bringe, desto besser. Aus der richtigen Entfernung kann ich das seltsame Treiben und das aufgeregte Hibbeln doch viel besser beobachten – welch herrliche Ruhe hier oben! In der frischen Luft hier oben lässt sich doch gleich viel freier atmen. Bei der hektischen Betriebsamkeit da unten wusste ich zuletzt echt nicht mehr, wo mir der Kopf steht. Dass die aber auch immer gleich so hohldrehen wegen eines Festes… Mannomann.

Eigentlich könnte ich jetzt mal einen Gang runterschalten, doch so einfach ist es nicht. Die Gedanken sind frei… und rotieren, denn wenn ich schon mal dabei bin, kann ich genauso gut auch schon meinen nächsten Beitrag für unser Blog vorbereiten – Titel: „666 The Number of the Beast“, schon allein wegen Feli, die meinte, ein Songzitat am Anfang jedes neuen Beitrags würde unsere Texte unheimlich aufpeppen, und was wäre da passender als Iron Maiden? Also in etwa so:

„Blog Post #666 : ‚Let him who hath understanding reckon the number of the beast, for it is a human number, its number is six hundred and sixty-six‘

Ich habe ja mit allem gerechnet, doch diese Ansammlung von Späthippies in Weiß toppt alles bisher Dagewesene. Nicht mal die Walpurgisnacht an den Externsteinen kann da mithalten. Zurück zur Natur? Selbst in der Mittelalterszene nehmen sie das Thema ‚Lagern‘ nicht so ernst wie die Erben Avalons hier: Sammeln von Früchten und Beeren, jagen von Kleinwild mit Pfeil und Bogen und Aufstehen mit den Hühnern ist Teil ihrer täglichen Routine. Dazu die Gebete und Anrufungen. Wobei… einige scheinen so etwas wie ein Schweigegelübde abgelegt zu haben, so wie eine der jüngsten von ihnen, die auf den Namen Raven hört. Jeden Morgen schreitet sie vor Sonnenaufgang hinab zur heiligen Quelle von Ynis Witrin und schöpft das Wasser für die Herrin des Steinkreises.

Oh ja, ich habe den Kreis aus unbehauenen Steinen gesehen, der uns bei unserer Ankunft gar nicht aufgefallen ist. Die Aussicht von dort oben ist spektakulär, und wenn erst mal zur Sommersonnenwende die Feuer entzündet werden…“

Schreiben kann man viel, wenn der Tag lang ist. Nur ist es mit dem Schreiben so eine Sache. Mein 666. Blog Post muss leider noch warten, aber nicht, weil ich als abergläubischer Mensch diesen Humbug von der Zahl des Teufels für bare Münze nehmen würde, sondern weil ich mein Laptop leider gerade nicht zur Hand habe. Und selbst wenn, würde es mir nichts nützen. Wir haben nämlich schlicht und einfach keinen Strom. Der Akku, den wir gerade erst aufgeladen haben, wäre innerhalb kürzester Zeit tot.

Houston, wir haben noch ein ganz anderes Problem. Durch den Dunst unterhalb des Steinkreises sehe ich eine Gestalt den Steinweg hinauf hasten. Flo. So aufgeregt, wie er mir entgegengelaufen kommt, muss irgendwas mit Lilly sein. So schnell kann es mit dem Frieden vorbei sein.

Als wir die Hütte betreten, nippt Lilly an einem Becher. Nach Kräutern duftender Dampf steigt auf. Was auch immer vorher mit ihr los war, jetzt wirkt sie geradezu entspannt. Für einen Moment frage ich mich, ob ich nicht vielleicht doch zu misstrauisch war; denn so, wie sie sich hier um sie kümmern, scheint ihnen Lillys Wohlergehen wichtig zu sein. Nach diesem offensichtlichen Fehlalarm müsste Flo sich doch nun so langsam wieder beruhigen, doch so wie er seine Hände in den Taschen zu Fäusten ballt, spüre ich, dass er sich immer noch in Alarmbereitschaft befindet. Daran können auch all die vielen Kräuter um uns herum nichts ändern.

Er traut den Erben Avalons also genauso wenig über den Weg wie ich. Das ist ja mal eine Überraschung. Nachdenklich folge ich ihm nach draußen.

Kaum sind wir außer Hörweite, legt er auch schon los – davon, dass all das hier nicht normal wäre und dass hier irgendwas ganz und gar nicht stimmen würde.

Von wegen bringt großen Appetit mit und eure Meinung:  „… seit wann sind Äpfel und Holunder schon im Juni reif? Und dann noch die Sache mit den Pilzen…“

Auf einmal weiß ich, was er meint. Frühestens im September dürfte es mit der Pilzsaison losgehen. Wusste ich es doch: Zeitlich kommt das überhaupt nicht hin. Entweder befinden wir uns in einer anderen Zeitzone, oder aber

„… oder aber, und das kommt jetzt wie ein Schock: Auf dieser Insel vergeht die Zeit anders als auf der anderen Seite des Sees.“

Hä? Zuerst verstehe ich nur Bahnhof, doch dann dämmert es mir so langsam. Er spricht von Avalon oder zumindest von dem, was er noch aus dem Roman und dessen unsäglichen Verfilmung in Erinnerung hat.

„… Marion Zimmer-Bradley hätte ihre wahre Freude an uns gehabt!“

Nee, oder?

„Vielleicht würde das erklären, warum sie uns hier Früchte servieren, die eigentlich noch gar nicht reif sein dürften. Oder warum Felis Kamera von jetzt auf gleich den Geist aufgegeben hat.“

Kein Strom? Kann sein, aber womit Flo jetzt rausrückt, verschlägt selbst mir die Sprache: Lilly gehe es schlecht, weil die Zeit hier anders als in unserer Welt verstreiche. Willkommen auf der Ynis Witrin, der Insel der Glückseligen, dem Sitz des Feenvolkes und dem Zugang zu Annwn, der Anderwelt. Ja, dreht er denn jetzt total am Rad? Will er mir ernsthaft weismachen, dass wir in einem Paralleluniversum gelandet sind? Noch dazu in einem, das wir alle bisher für einen Mythos gehalten haben? Oder besser gesagt, für eine Sage aus dem Mittelalter, die auch durch die x-te Neuauflage einer amerikanischen Fantasyautorin nicht glaubhafter wird?

„Erinnere dich: Du hast gesehen, was passiert, als Anjelica Huston auf dem Boot steht und die Nebel mit einer Geste ihrer Arme teilt…“, fängt Flo mit seinem Lieblingsthema an. Ach ja, die alte Leier. Mittlerweile kann ich Lilly verstehen, wenn ihr Liebster ihr auf den Keks geht. Und dabei bin ich noch nicht mal schwanger.

Genervt winke ich ab. Den Spruch kann ich schon auswendig: Als sich die Nebel teilten, kam Avalon in Sicht; und so gebe ich meinen Senf dazu, den vermutlich auch er nicht mehr aufs Brot geschmiert bekommen möchte: „Ja, ja, das Gleiche, das auch Julianna Margulies – pardon, Morgaine – wollte, aber bei der Aufgabe kläglich versagt hat.“

Aber wenn ich geglaubt habe, dass der Keks damit gegessen ist, habe ich nicht mit Flo gerechnet, der mir lauernd an den Lippen gehangen hat.

„Ach ja? Dann sag mir doch mal, Miss Superhirn, wie es sein kann, dass wir das fertig gebracht haben, woran Morgaine gescheitert ist?“

Auf meine Antwort wartet er gar nicht erst, sondern legt, ohne mit der Wimper zu zucken, nach: „Mensch Fiona, mach die Augen auf. Die Kamera ist denen völlig wumpe. Ich sage dir, dieses ganze Gefasel von Göttern, die angeblich zu ihnen gekommen sind, liegt bestimmt nicht daran – nein, es ist der Stein.“

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Die Vorlage zum 10. Kapitel: Jugendliche lernen die spezielle Kultur kennen, stellen fest, dass die Leute sie für Gottheiten halten, weil sie den Schatz haben; einem Mädchen geht es schlecht (schwanger). Jugendliche kommen zu altem Stamm (ähnlich wie Indianer), finden bei den religiösen Siedlern Zuflucht (leben nur mit Material und Nahrungsmitteln aus dem Wald).

ABC-Etüden 2022 – Wochen 46 & 47 – Etüde 4 – Emil

Zur Abschlussrunde der regulären Etüdenrunde  (hier, bei Christiane) vor den Adventüden und der Pause bis zum 8. Januar 2023 wurden folgende Wörter von mir beigesteuert: Rolle, halbherzig und belohnen.

Welche Rollen hatten wir denn noch nicht? Biskuitrollen, mechanische Hilfen oder gar das Ding, mit dem man den Teig ausrollt? Lasst euch überraschen, denn in der Vorweihnachtszeit ruft nicht nur die Weihnachtsbäckerei.

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Emil

„Und heute Abend werde ich meinen ganzen Frust beim Töpfern rauslassen!“

Hatte ich morgens noch laut getönt, wie ich mich an unschuldigem Ton abreagieren würde, so verpuffte nun mein schöner Plan. Man sollte halt auch Ideen mitbringen, meldete sich mein inneres Stimmchen, während ich halbherzig den Ton vor mir auf dem Werktisch betatschte, denn ich war unschlüssig, was daraus werden sollte. Vielleicht eine Teeschale mit Untersetzer und Löffel? Oder Sterne zum Aufhängen? Wie kreativ…

Da war Nicole schon weiter. Mit genauen Vorstellungen hatte sie mich in die offene Werkstatt mitgenommen. Eine riesige Vase sollte es werden, und während sie die Rolle zum Auswalzen des Tons schwang, saß ich nur da und beobachtete.

Auf den Regalen standen Miniaturbüsten, seltsame Gebilde und sogar ein kleines Einhorn einträchtig nebeneinander. Um meine Füße wuselte ein Hund. Emil. Ach, es half ja nichts. Seufzend schnappte ich mir den Sternenausstecher und legte los.

„Brauchst du noch Ton?“

Ohne meine Antwort abzuwarten, schob mir die Keramikmeisterin einen frischen Klumpen vor die Nase. Bizarr geformt, ließ er ein Lebewesen erahnen, und ich begann zu kneten. Hier zusammengedrückt und da gezogen, vorne modelliert und hinten Material weggenommen, um es zu einem Ringelschwänzchen einzurollen… Fertig war die Tierfigur: mein innerer Schweinehund.

„Aber das ist ja der Emil!“

Huch?

Das Entzücken der Keramikmeisterin war unbeschreiblich, und Nicole staunte laut darüber, dass meine Figur einer Mischung aus Fuchs und Corgi glich. Verblüfft betrachte ich mein Werk. Unglaublich, dass ich in der kurzen Zeit tatsächlich etwas zustande gebracht hatte; zwar ohne Farbe, aber in zwei Wochen würden wir alle unsere Objekte fertigmachen.

Doch bevor wir die Werkstatt verließen, belohnte die Meisterin noch uns beide mit einem kleinen Geschenk zum Aussuchen aus ihrem Panoptikum der verlassenen Figuren.

Figuren, die von ihren Schöpfern nicht mehr abgeholt worden waren und die dafür nun wir glasieren durften.

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In 300 Wörtern zum Erfolg? In zwei Wochen sehen wir weiter…

Dienstags-Gedudel #148 – nach Farben sortiert : in memoriam… dieses Jahr zum 25. Mal

Anlässlich des 25. Todestags von Michael Hutchence (* 22.1.1960; † 22.11.1997) habe ich mir heute einen alten Song von INXS ausgesucht, der eher ruhig daherkommt.

red – blue – white

Underneath the colours… red blue white… catch a glimpse of others from the corner of your eye – als Textauszug aus dem Song „Underneath the colours“ vom gleichnamigen Album aus dem Jahr 1981

Live aus frühen Tagen – https://www.youtube.com/watch?v=A3DWJT2qIrU

Dieses Frühwerk besitze ich ausnahmsweise mal nicht. Keine Ahnung, warum.

Media Monday #595 : Was für eine Woche!

Sie sind wieder da !

Stell dir vor, es ist Fußball-WM, und keiner guckt zu. Okay, das wird vermutlich nicht geschehen; trotzdem habe ich es schon in meinen ABC-Etüden anklingen lassen. Ich lasse nebenbei ein Alternativprogramm laufen, und das besteht aus lauter kulturellen Highlights und Sportveranstaltungen, von denen keiner je geglaubt hat, dass sie mich mitreißen würden.

Doch das Wichtigste zuerst: Das Konzert von The Cure, auf das ich seit Wochen hingefiebert habe, hat mich derart mitgenommen (und zwar im positiven Sinn), dass mir der Schlafmangel nichts ausgemacht hat. Sich über zweieinhalb Stunden lang in alten und bisher unveröffentlichten Songs verlieren (16 reguläre + 12 Zugaben), da machte es nichts, dass ausgerechnet der eine dann doch nicht dabei war.

Wie gut, dass ich erst um neun Uhr anfangen und von zu Hause arbeiten durfte – da war die aus Ins-Bett-Fallen um ein Uhr nachts resultierende kurze Nacht nur noch halb so wild.

Nun ist das Wochenende aber auch schon wieder vorbei, und ich habe ein weiteres Kapitel meines laufenden Schreibprojekts „Mein Buch für Dich“ vollendet. Vierzehn habe ich – sieben fehlen noch. Wenn das nichts ist… Und deshalb, ab zum Media Monday – noch fünf Ausgaben, dann haben wir die 600. Ausgabe erreicht.

Media Monday # 595

1. Wenn ich nur daran denke, wie ich Ende der Neunziger Jahre in die „schwarze Szene“ hineinspaziert bin, dann wird mir heute noch warm ums Herz und gleichzeitig ein wenig wehmütig zumute, aber mit dem Konzert vom vergangenen Donnerstag konnte ich die alten Zeiten nochmal aufleben lassen.

2. Ich würde mir ja durchaus wünschen, dass es endlich mal wieder bessere Nachrichten gibt als das, was zur Zeit immer noch so abgeht. Aber hey, dafür habe ich am Samstag und Sonntag die Kraniche zurückkehren hören – das ist ja wenigstens mal etwas Schönes, auch wenn es jetzt richtig kalt wird.

3. Es wäre ja eigentlich genial, wenn ich das Prinzip der TARDIS auf meinen Alltag anwenden könnte. Eine Zeitreise bräuchte ich jetzt nicht unbedingt, aber ihre Besonderheit „innen größer als außen“ würde so manche Probleme in meinem Umfeld lösen und sie wäre die Antwort auf alle meine Fragen. In diesem Sinne:

Nein, das sind nicht The Cure – https://www.youtube.com/watch?v=Z4MYaUX17K8

4. Die Figur der/des Captain Jack Sparrow ist einfach nur kultig, allerdings birgt sie auch die Gefahr in sich, dass Johnny Depp nur noch in solchen Rollen auftauchen wird.

5. Australien ist nicht unbedingt das Reiseziel, das sich so bald anpeilen werde, aber in manchen Momenten stelle ich mir vor, wie es wohl wäre, im Rahmen unseres „Work from Anywhere“-Programms mich in Sydney oder Melbourne für drei Wochen einzumieten und von unserer Niederlassung aus zu arbeiten. Bei einem Zeitunterschied von 10 Stunden müsste ich dann allerdings von 18 Uhr bis 2 Uhr arbeiten, wenn ich in der gleichen Zeitzone wie meine Kollegen bleiben möchte. Ach ja, ein Visum bräuchte ich dann ja auch noch. Für Kanada hätte ich zwar eins, aber das wäre zeittechnisch auch nicht besser – da müsste ich dann schon um zwei oder spätestens vier Uhr morgens anfangen. Örks. Da hatte es mein japanischer Kollege letzte Woche einfacher. Er fing um 16 Uhr an und hörte um halb eins auf.

6. Wenn ich jetzt noch dazu käme, mal endlich an der U2-Fanfiction weiterzuschreiben, mit der ich vor ungefähr einem Jahr angefangen habe, dann würde sich diejenige, für die sie gedacht war, sicherlich sehr freuen.

7. Zuletzt habe ich mir das Finale der Rugby League World Championship angeschaut, und das war ein unerwartetes Vergnügen, weil ich mit diesem Sport bisher noch nichts anfangen konnte und nur ein einziges American-Football-Spiel in meinem Leben gesehen habe (Frankfurt Galaxy gegen Barcelona Dragons), und dabei habe ich mich unsagbar gelangweilt. Jetzt bin ich um einiges schlauer.

Wattpad-Schreibchallenge „Mein Buch für Dich“: Kapitel 9

Kapitel 9 : So weit die Füße tragen

I watched the world float to the dark side of the moon
I feel there’s nothing I can do, yeah
. -3 Doors down „Kryptonite“-

In schlechten Horrorfilmen laufen sie in den Keller oder nach ganz oben. Immer. Niemals versuchen sie, ein Fenster aufzubekommen, und was dann passiert, kann sich jeder denken – nämlich das gleiche, das Fiona und Feli in dieser Sekunde durch den Kopf gehen muss: Warum zum Henker rennen wir wie die Irren blindlings in den Wald hinein?

Lauft!

Ellies Schrei war meilenweit zu hören. Die berühmte Schrecksekunde? Hatten wir nicht – Jo, der mit Ellie im Schlepptau an uns vorbeischoss, ließ uns keine Zeit dazu. Der Wald steht schwarz und schweiget? Jetzt nicht mehr – vierzehn Füße bahnen sich im Affenzahn ihren Weg über Moose und Flechten hinweg und hechten zwischen den Bäumen hindurch. Wege? Sind überbewertet, also auch der Weg, auf dem wir hergekommen sind. Natürlich könnten wir auch so versuchen, uns zum Bulli zurückzuschlagen und zusehen, dass wir Land gewinnen. Ich habe nämlich keine Ahnung, wie lange mein Schatz in ihrem Zustand dieses Hetzen über Stock und Stein noch durchhält, aber da bin ich bei Jo an der falschen Adresse.

„Klar, man könnte auch morgens mit dem Pferd zur Arbeit reiten!“

Und wenn’s geht, noch an den Klippen entlang oder durch den Nebel? Da hat wohl eindeutig jemand zu viele schlechte Werbespots gesehen. Wenn das in diesem mörderischen Tempo noch länger so weitergeht, dann…

„Macht mal langsamer“, höre ich Finn schnaufen, aber nicht aus Rücksicht gegenüber Lilly. Nö, unserem Supersportler geht so langsam der Atem aus; die Puste, aber nicht die Fragen: „Dein Ernst jetzt?“

„Sehe ich so aus, als ob ich Witze mache?“ kommt es von Jo zurück, der nun tatsächlich sein Tempo drosselt. „Schon mal darüber nachgedacht, dass es vielleicht noch mehr von denen geben könnte und sie wissen, dass der Bus uns gehört…“

… Irrtum, es reicht schon die Vermutung, und dann könnte es gut sein, dass sie uns abpassen und wir ihnen geradewegs in die Arme laufen, ergänze ich in Gedanken. Aber ob das, was wir da gerade tun, so viel schlauer ist? Hat von uns auch nur einer irgendeine Ahnung, ob uns die Typen in Schwarz überhaupt noch auf den Fersen sind? Die Gelegenheit ist günstig, als in dem dunstigen Licht Felsen in Sicht kommen.

Sich hinter einem dieser riesigen Blöcke zu sammeln und so leise wie möglich zu atmen, ist immer eine gute Idee. So fehlt uns zwar die Sicht auf das Gebiet, durch das wir wie bekloppt gerast sind, doch dafür sperren wir unsere Lauscher umso aufmerksamer auf. Ob es am immer dichter werdenden Nebel liegt oder nicht, ringsum knackt es gedämpft mal hier, mal da: Nach diesen wildgewordenen Möchtegern-Ninjas klingt das nicht, eher nach einem Tier. Die Luft scheint tatsächlich rein zu sein – das wäre jetzt doch die Gelegenheit, die Strategie zu wechseln.

An sich kein übler Gedanke, aber wenn ich in die ratlosen Gesichter der anderen blicke, haben die genauso wenig einen Plan wie ich. Zum Bulli zurück? Jo ist immer noch dagegen und hat Ellie und Finn auf seiner Seite. Zur nächsten Ortschaft? Ich wette, von uns weiß keiner, wo die ist. Und ohne funktionierendes GPS oder vernünftige Karten? Schwierig. Und durch die Schwaden einfach aufs Geratewohl weiter laufen? Ein Blick auf Lilly neben mir, und ich weiß, dass diese Option bei ihr auf wenig Gegenliebe stößt. Damit hält sich die Anzahl unserer Möglichkeiten in Grenzen. In ziemlich engen Grenzen sogar. Und immer wenn du denkst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her? In Fantasyfilmen naht in solchen Momenten ganz gerne mal die Rettung, wodurch auch immer.

Doch das hier ist kein Fantasyfilm, sondern die Wirklichkeit. Und in der wird das  vorhin noch gedämpfte Knacken immer lauter und lässt in meiner Vorstellung die Ninjas von vorhin hinter dem nächsten Gebüsch erscheinen, und unwillkürlich drücke ich Lillys Hand fester – bereit, mich vor sie zu stellen und zuzuschlagen, falls die Typen auf uns losgehen.

Aber da ist nichts.

Dennoch… ich hätte schwören können, dass da was war. Etwas oder jemand.

Annwn Annwn Annwn…   

„Psst, habt ihr das auch gehört?“ kommt es von Feli. Waren die Stimmen von neulich am Feuer doch keine Einbildung. Wie viele außer mir hören dieses Geraune noch? Oder leiden wir alle unter einer gewaltigen Sinnestäuschung?

Annwn Annwn Annwn…   

Es sollen sich schon ganz andere in diesen Wäldern verlaufen haben und spurlos verschwunden sein. Auch ohne Gangster, die hinter ihnen her sind. Wobei… wenn man vom Teufel spricht… das ist es wieder, das Knacken, und es wird dichter. Schritte im Unterholz, Stimmen im Wind. Das können nur die Typen aus der Burg sein, und inzwischen müssen sie gemerkt haben, dass der Stein weg ist. Und wenn das so ist, dann wissen sie auch, dass wir ihn haben. Jetzt kann uns nur noch ein Wunder retten.

Oh, bitte, bitte, bitte, flehe ich und stolpere hakenschlagend, mit Lilly an der Hand, wie ferngesteuert vorwärts und mitten in die Suppe hinein, die anderen dicht hinter uns. Kalte und feuchte Luft hüllt uns ein. Die Orientierung haben wir in dem schimmernden Weiß längst verloren, ab und zu kommt von vorne Wellengeplätscher. Komisch, an einen See kann ich mich gar nicht erinnern. Aber darüber kann ich mir später immer noch Gedanken machen, jetzt muss ich erst mal Lilly über die sumpfigen Stellen hinweghelfen.

„Da!“ tönt es vom Ende der Schlange, und als ich mich irritiert Lilly zuwende, setzt Jo hinzu: „Jetzt bleibt doch mal stehen.“

Was glaubt der denn, was das hier werden soll? Sollen wir wie die Ölgötzen so lange im Morast stillstehen, bis wir darin versunken sind? Als Moorleichen, die man nach Hunderten von Jahren findet, wollten Lilly und ich eigentlich nicht enden.

Leider aber lässt er nicht locker. „Mensch Leute, da vorne – seht ihr das denn nicht?“

Schön, wenn Leute in Rätseln sprechen – so kryptisch drückt sich ja noch nicht mal Lilly aus, wenn sie mal wieder eine ihrer Schwangerschaftslaunen hat. Dann aber schaue ich genauer hin, und tatsächlich taucht aus dem sich lichtenden Nebel das Ufer eines Sees auf, und mittendrin eine Insel. Trotzdem traue ich dem Frieden nicht – ja, sollen wir denn hinüber waten oder gar tauchen? Inzwischen ist es nämlich merklich kühler geworden, und der Gedanke an eine Nacht im Freien und mit nassen Klamotten lässt mich vor Kälte bibbern.

Alles, bloß nicht das! Ja, gibt es denn keinen anderen Weg?

Als ob jemand meine Gebete erhört hätte, zieht sich plötzlich das Wasser zurück und gibt einen unregelmäßig und grob gepflasterten Weg frei. Wer auch immer den angelegt hat, muss sich an den alten Römerstraßen orientiert haben, oder an dem Fußweg, auf dem man bei Ebbe zum Mont-Saint-Michel hinüber laufen kann.

Annwn Annwn Annwn…   

Jetzt können wir es ganz deutlich hören. Es kommt von der Insel im See. Für Jo eindeutig ein Zeichen, denn als das Wasser auch die letzten Steine freilegt, überholt er uns und reißt die Führung an sich. Do you believe that you can walk on water? Ehe Lilly und ich piep sagen können, finden wir uns am Ende der Gruppe wieder und heften uns an Ellie, die mit ihren rosa und türkisen Strähnen wie leuchtende Zuckerwatte aus dem Nebelgrau heraussticht. Keine Minute zu früh: kaum haben wir die im fahlen Licht silbergrau glänzenden Ufersteine hinter uns gelassen, beginnt auch schon das Wasser zu steigen und verschluckt den hinter uns liegenden Teil des Wegs.

Endlich angekommen, stöhne ich. Eigentlich ginge der Weg sogar noch weiter. Vor uns tut sich eine endlos scheinende Treppe auf, doch erschöpft von dem Gänsemarsch übers Wasser, lassen wir uns einfach fallen. Mir schmerzt jeder Muskel im Leib. Kein Wunder, wenn sich gerade eben noch jeder Schritt so angefühlt hat, als kämpfe man sich durch eine Schicht aus Wackelpudding. Lilly geht es nicht anders, doch mehr als sie in meine Arme zu nehmen, kann ich auch nicht tun, bevor mich eine nie gekannte Müdigkeit überfällt.

Als ich wieder zu mir komme, fällt mein Blick als erstes auf einen in aller Eile und mehr schlecht als recht zusammengezimmerten Tisch mit Hockern drum herum. Beim Anblick des hölzernen Geschirrs, auf dem sich Pilze, Nüsse und Holunderbeeren türmen, macht sich mein Magen bemerkbar. Wann haben wir eigentlich zum letzten Mal etwas gegessen?

Ein Apfel rollt vom Tisch und stößt an ein Paar Füße. Füße mit kupfernen Reifen um die Knöchel, dann schiebt sich eine Kutte in schmutzigem Weiß in mein Blickfeld, und nachdem ich die vor mir stehende Gestalt von unten nach oben gemustert habe, bleibe ich an der Tätowierung hängen, die die Stirn der Fremden ziert. Graues Haar, gebieterische Haltung, ein kupferner Reifen um den Hals… allein der Schmuck muss Tonnen wiegen, doch seine Trägerin bewegt sich mit einer Leichtigkeit durch den Raum unter dem Blätterdach, als ob sie schweben könnte.

Als sie das Wort ergreift, verstummt das Vogelgezwitscher um uns herum und mir wird flau im Magen, aber nicht mein Hunger ist daran schuld. Man muss mich nicht kneifen, damit ich erkenne, dass dies kein Traum ist; auch wenn sich das hier wie ein Alptraum anfühlt: Bedenke wohl, worum du bittest, denn es wird dir gewährt werden, stöhne ich innerlich gequält auf, denn hinter den Nebeln von Avalon aufzuwachen, hat mir nicht vorgeschwebt, als ich um ein Wunder gebeten habe.

Marion Zimmer-Bradley hätte ihre wahre Freude an uns gehabt.

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Die Vorlage zum 9. Kapitel: Jugendliche kommen zu altem Stamm (ähnlich wie Indianer), finden bei den religiösen Siedlern Zuflucht (leben nur mit Material und Nahrungsmitteln aus dem Wald).