Media Monday #580 : Die Schwärmerei des Monats

Nachdem ich in meinem Blogs auffallend viele Anglizismen verwende, habe ich beschlossen, den oft gelesenen Begriff „Crush“ in Schwärmerei umzutaufen. Dabei habe ich gar nichts gegen dieses Wort, nämlich zum Beispiel dann, wenn es Teil eines Songtitels ist (z.B. „#1 Crush“ von Garbage – oder „Orange Crush“ von REM). Was das Schwärmen angeht, hat sich bei mir nicht viel geändert – aber falls ja, dann könnte ich mir vorstellen, mir fürs nächste Jahr einen Kalender aus den in dafür in Frage kommenden Kandidaten zu basteln. So, genug geplaudert – und deshalb geht es jetzt auch schon hinüber, zu den sieben Lückentexten zum 580. Media Monday:

Media Monday # 580

1. Wenn auf eine Kinoveröffentlichung schon von vornherein verzichtet wird, ist das besonders dann ärgerlich, wenn es ein Film gewesen wäre, der auf der großen Leinwand erst richtig gezündet hätte. Donnie Darko hätte ich zu gerne im Kino gesehen. Aber andererseits ist es dann besonders erfreulich, wenn ein Film, den es bisher nur auf DVD gab, im Kino als überarbeitete Fassung in einer spitzen Tonqualität gezeigt wird, so wie der Konzertmitschnitt des INXS-Konzerts vom 13. Juli 1991 in der Wembley-Arena, und dann sogar noch um einen Song und insgesamt sechs Minuten länger als auf DVD.

2. Dass ein Projekt kurz vor seiner Vollendung gänzlich eingestampft wird, habe ich auch schon bei Büchern erlebt. Da wurde aber gleich die ganze Fantasysparte von dem betreffenden Verlag aufgegeben, so dass ich mir die letzten Bände der Fortsetzungsreihe in der englischen Originalausgabe kaufen musste.

3. Man könnte meine, es wäre egal, dass man Musik streamt und weder auf CD noch auf Vinyl braucht, aber da bin ich dann doch lieber dem Medium treu, das ich auch noch in die Hände nehmen kann. Und auch da kann man immer noch auf so manche Überraschung stoßen. Während z.B. Harry Styles sein aktuelles Album im Pappschuber auf den Markt bringen lässt, setzen Florence & The Machine bei ihrem aktuellen Album auf eine besonders luxuriöse Verpackung in Form eines künstlerisch besonders ansprechenden Buchs, in dem man die CD dann ganz hinten im Einband versteckt hat.

4. Brad Pitt wirkt schon wie jemand, der mit den Jahren immer interessanter für mich auf der Leinwand wird, was auch nicht so oft bei mir vorkommt. Hier mal eine kurze Auswahl: zuerst in „Once upon a time in Hollywood“, dann in „The Lost City“ und jetzt wieder in „Bullet Train“ (super Film, übrigens), in dem – O Wunder – ebenfalls Sandra Bullock und Channing Tatum in kleineren Rollen zu sehen waren (dabei hatten wir diese Konstellation dieses Jahr bereits, nur da war Mr. Pitt bereits nach zehn Minuten weg vom Fenster).

Hier nützt einem das 9-Euro-Ticktet zur Abwechslung mal nichts : https://www.youtube.com/watch?v=b8IapomRPZc

5. Ich mag es ja, wenn in Filmen/Serien das Ende nicht von vornherein auf eine Fortsetzung ausgelegt ist.

6. Könnte ich etwas noch einmal vorbehaltlos gänzlich neu für mich entdecken, es wäre die ein oder andere Band, für die ich eigentlich nicht zur angestrebten Zielgruppe gehöre.

7. Zuletzt habe ich mich in diverse Bücher auf Wattpad vertieft, und das war teilweise völliges Neuland für mich, weil einige Fan Fictions darunter waren, die sich mit einer Band beschäftigen, mit der ich bislang noch keine Berührungspunkte hatte (und mit der man einige, die das hier lesen, vermutlich jagen kann):

mal was neues auf die Ohren – https://www.youtube.com/watch?v=FA2w-PMKspo

Das war sie übrigens (die Band, nicht die Fan Fiction).

Jubiläumsedition – der Etüden-Spin-Off : vierter Akt 2/3

Mit Riesenschritten schreitet die Zeit voran, und bis zum Ende der Etüdenpause sind es nur noch ein paar Wochen – darum folgt jetzt das nächste Kapitel meiner Monster-Etüde.

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Auf Eis gelegt – vierter Akt : Der Engel, der ein Teufel war (Teil 2)

„Da lag er vor mir, und ich… ich…“ weiter kam Erna Kind nicht.

Ihr Versuch, dem Stuhlkreis zu beschreiben, wie sie ihren geliebten Erwin zusammengebrochen im Kellerdurchbruch gefunden und die bis an den Rand gefüllte Salatschüssel fallengelassen hatte, ging in herzzereißendem Schluchzen unter. Gerade noch hatte sie mit zitternder Stimme geschildert, wie er mit einem Armvoll Rattenfallen ins Kellergeschoss hinabgestiegen war, um den frisch angelegten Vorrat an Kartoffeln zu schützen. Eine Jungratte kam schließlich selten allein, und wo eine war, da war bestimmt ein ganzes Nest. Doch was spielten Nagetiere jetzt noch eine Rolle, selbst wenn sie in Rudeln auftauchen sollten? Sie hatte Erwin unwiderruflich verloren, was kümmerten da Erna noch die Kartoffeln oder gar ihr Kartoffelsalat.

Ratlos blickte der Pfarrer in die Runde, die betreten schaute und nicht wusste, was sie sagen oder tun sollte. Sie alle hatten Erwin gekannt, mehr oder weniger (oder zumindest hatten sie es geglaubt); dass er jetzt so plötzlich von ihnen gehen musste, wo er doch immer gesund und munter gewesen war, das ging den meisten von ihnen über den Verstand. Wahrlich, Gottes Wege waren unergründlich…

Am liebsten wäre Giulia aufgesprungen und hätte dem Pastor für seine salbungsvollen Worte die rote Karte gezeigt. An den Hals gesprungen und gewürgt anstatt geknuddelt… Ja, glaubte der Pfarrer denn, dass sie den Trauernden weiterhalfen? Wirklich nicht! Es reichte, wenn er sie sich für den Trauergottesdienst aufsparte. Dass er den Mord an ihrem Roberto taktvoll ausließ und die blutige Tag nicht auch noch in die Unerforschlichkeit von Gottes Wegen einbezog, hatte ihm im übertragenen Sinne nochmal den Hals gerettet.

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Skeptisch beäugte Giulia den mit gerunzelter Stirn dasitzenden Schrödinger, wie er in einer Pause zwischen zwei Schluchzern nach ihrer Hand griff und zu tröstenden Worten ansetzte. Worte, die an ihr vorbei rauschten, während sie ihre Blicke durch die Buddelkiste, bis hin zur Tür und wieder zurück zum Verkaufstresen schweifen ließ, hinter dem die blauhaarige Betty Speisekarten sortierte.

Ach, ersetzen wir jetzt auch mal die abgegriffenen Exemplare durch neue? Wurde ja auch langsam mal Zeit, ging es Giulia durch den Kopf. Woher diese Gedanken kamen, wusste Giulia selbst nicht so genau. Jetzt sei doch nicht mal so, schoss es ihr durch den Kopf, schließlich hat das Café erst gestern wieder aufgemacht, und da gibt es sicherlich wichtigere Dinge.

Dennoch pendelte ihr Blick wieder und wieder zwischen der jungen Frau auf ihrem Barhocker hinter dem Tresen und der Tür mit dem noch immer daran klebenden „Geschlossen“-Schild hin und her.

Okay, kann man vergessen abzumachen, und wenn man so will, ist auch ein Trauercafé eine geschlossene Veranstaltung, trotzdem… inzwischen dürfte auch der Letzte begriffen haben, was den Kinds zugestoßen war.  Ihr drängte sich immer stärker der Eindruck auf, dass an dem ganzen Arrangement etwas nicht stimmte.

Immer unruhiger huschte Giulias Blick zwischen der kaugummikauenden Betty und dem Türschild hin und her. Reiß Dich zusammen und hör auf, so zu starren… Doch die Selbstermahnung kam um Sekunden zu spät. Mitten im erneuten Blicke-Ping-Pong hob die blauhaarige Servicekraft den Kopf und hielt im Kauen inne, Giulia mit den Augen folgend. Wie in Zeitlupe klappte die junge Frau die soeben erst geöffnete Karte zu und ließ sich träge von dem Hocker herabgleiten und betont langsam und bewusst gleichgültig zur Tür hinüber schleichen. Ein wenig zu langsam, und ein wenig zu gleichmütig, wie Giulia fand. Die Eile, mit der die Servicekraft den Zettel abriss und im Abfalleimer verschwinden ließ, schien so gar nicht dazu zu passen.

Verwirrt wendete sich Giulia wieder der kleinen Trauergruppe zu. Erna schien sich inzwischen wieder gefangen zu haben, dafür aber war es nun an Schrödinger, sich über die Floristin zu wundern. Die verdrehte die Augen in Richtung Betty und gab ihm mit einem vielsagenden Hochziehen ihrer Augenbrauen und kaum merklichen Anheben ihres Kinns zu verstehen, dass er besser daran tat, seine Aufmerksamkeit möglichst unauffällig für sämtliche Anwesenden auf die blauhaarige Serviererin zu lenken. Ihr ganzes Verhalten suggerierte, dass etwas ganz und gar nicht in Ordnung war.

Schrödinger wusste zwar nicht, was genau Giulia sich so merkwürdig benehmen ließ und was sie vorhatte, doch er beschloss, ihr Spiel mitzuspielen. Schon stand die Italienerin vor Erna, der die Taschentücher ausgegangen waren und drückte der Witwe ein paar ihrer eigenen in die Hand.

„Geh rüber und lenk Madame Schlumpf ab… aber so, dass sie mich nicht sieht“, raunte Giulia ihm leise zu. Das würde sie ihm später erklären müssen. Egal. Irgendetwas war hier faul, und je eher sie herausfanden, was das war desto besser.

Am besten ging er hinüber und verwickelte sie in ein Gespräch über den Punsch, den sie auch am Nikolausmarkt ausschenkten. Den noch in eine der hässlichen Tassen von der Punschbude, geziert von dem Abbild eines Wichtels, gefüllt, und sie konnten das Gebräu als Wunschpunsch verkaufen. Während Betty ihm geduldig Auskunft auf all seine Fragen rund um das kulinarische Thema beantwortete und ihm all die leckeren Zutaten zeigte, die beim weihnachtlichen Verkaufsschlager der Buddelkiste zum Einsatz kamen, schlenderte Giulia zum Papierkorb, als ob sie alle Zeit der Welt hätte und nichts gewesen wäre. Aus dem Augenwinkel konnte er beobachten, wie sie ein angekokeltes Blatt Papier herausfischte und in ihrer Handtasche verschwinden ließ.

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Über den abendlichen Himmel zogen irisierende, perlmuttschimmernde Wolken, als Schrödinger am Kirchhof vorbei schritt, zu seiner Rechten ein Marmorengel, der in dem fahlen Licht des untergehenden Mondes wie nicht von dieser Welt, ja geradezu entrückt, wirkte. Gut, dass es bis zur Blumenhandlung nur noch wenige Schritte waren. Je eher er ins Warme kam, desto besser. Seltsam… hatte der Engel sich bewegt? Ach was, so ein Blödsinn. So ein Seemannsgarn, die ganze Sache nahm ihn anscheinend mehr mit, als er sich eingestehen wollte. Jetzt sah er schon Gespenster, da wo keine waren. Bestimmt war das wieder nur ein Schatten. Im Radio hatten sie erneut ungewöhnlich starke Aktivitäten im Fuhrmann gemeldet.

Er atmete auf, als er endlich die Blumenhandlung betreten und auf Giulias Geheiß das „Geschlossen“-Schild umdrehen konnte, um bei der gemeinschaftlichen Sondierung der Lage im von der Straße kaum einsehbaren Gewächshaus, ungestört zu sein. Die Stunde der Wahrheit war gekommen. Auf welche Spur Giulia auch immer gestoßen war, nun war es an der Zeit, die Karten auf den Tisch zu legen. In diesem Fall einen Zettel mit angesengten Rändern. Dieses Pamphlet kannte er doch: „Wegen eines Trauerfalls bleibt die Buddelkiste die nächste Woche geschlossen. Wir bitten um Ihr Verständnis. Ihre Familie Kind“.

Und deswegen machte Giulia so einen Stress? Das war das große Mysterium, das sie in Unruhe versetzt hatte?

„Nein, mein Lieber. Nicht die Vorderseite!“

Wie man sich doch irren konnte. Denn es war die Rückseite, auf die jemand drei kurze Sätze gekrakelt hatte:

Ich weiß, was Du vorhast. Aber es wird Dir nichts nützen. Denn ich beobachte Dich ganz genau.

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1112 Wörter – und bevor es aufs Ende zugeht, habe ich folgende Wörter aus den letzten fünf Etüdenjahren darin untergebracht:

2017: Kellerdurchbruch.

2019: Salatschüssel, Kartoffel, Jungratte.

2020: knuddeln, Wichtel, Wunschpunsch.

2021: suggerieren, krakeln

Das sind zwar nicht ganz so viele wie bisher, aber die Auswahl sinkt mit jeder Episode. Und wieder heißt es:

Fortsetzung folgt.

Serienmittwoch #142 : Wiederholungstäter

Long time no see… Irgendwie hat mir des öfteren die Lust gefehlt, beim Serienmittwoch mitzumachen, doch diesmal hat Corly mal wieder eine für mich interessante Frage: „Von welchen männlichen Seriendarstellern hast du mehr als eine Serie gesehen und wie fandest Du sie darin?

Die folgende Aufstellung stellt keine Wertung dar – vielmehr habe ich die Herren der Schöpfung in der Reihenfolge aufgezählt, in der sie mir eingefallen sind. Nach ein paar salbungsvollen Worten zu jedem der Schauspieler (inclusive meiner Eindrücke von der jeweiligen Rolle) folgen die Serien, in denen ich sie gesehen habe (teilweise mit, teilweise ohne „Wertung“).

David Tennant: Da ich aktuell mal wieder alte Dr.-Who-Folgen schaue, fällt mir natürlich dieser Schauspieler als erstes ein, der in etlichen Serien (und Filmen) mitgespielt hat – aus dieser Fülle herausgegriffen habe ich die folgenden Serien:

Doctor Who (für mich der beste von allen Doktoren in der noch immer laufenden Serie) – Broadchurch – Der Anwalt des Teufels (als moralisch fragwürdiger Charakter fand ich diese Darstellung erfrischend anders).

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John Simm: Beim Stichwort „Dr. Who“ darf der „Master“ als Gegenspieler des Doktors nicht fehlen – auch dieser Schauspieler glänzt durch eine beachtliche Anzahl an Serien, in denen er mitgespielt hat. Davon kenne ich aber leider nur:

Doctor Who (seine Darstellung als Schurke am Rande des Wahnsinns war für mich in manchen Momenten noch spannender als die des Doktors) – State of Play, auch bekannt als Mord auf Seite eins (wieder eine ganz anderer Charakter, nämlich der des Journalisten, der ein politisches Komplott aufdeckt, aber auch gut).

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Aidan Turner: Bleiben wir noch ein wenig im Vereinigten Königreich und gehen wir zurück ins 18. bzw. 19. Jahrhundert. Oder darf’s doch das Bristol der Gegenwart sein? Oder vielleicht doch lieber auf eine abgelegene Insel gegen Ende der 1930er Jahre? Man könnte aber auch nach Mittelerde… Halt, Stopp! Bevor wir endgültig ins falsche Medium abdriften, zurück zu den Serien, in denen ich den irischen Schauspieler erleben durfte:

Poldark (für mich inzwischen die interessantere Variante eines Charakters, den es in den 1970er Jahren schon einmal gab) – Being Human (als Vampir mit Selbsthilfegruppe für „anonyme Bluttrinker“ für mich faszinierender als der Minenbesitzer aus Cornwall. Leider war nach drei Staffeln Schluss, weil die Rolle des Zwergs Kili in „der Hobbit“ winkte) – And then there were none (noch ein düsterer Charakter. Ich liebe ja so etwas).

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Matt Bomer: A propos düstere Typen – in der 5. Staffel von „American Horror Story“ (Hotel) spielte er den dämonischen Liebhaber der Countess (Lady Gaga), der das Hotel Cortez (inspiriert von dem berüchtigten Chicagoer Horror-Hotel des H.H. Holmes) gehört – wesentlich bekannter dagegen ist seine Darstellung als charmanter, den Luxus liebender Trickbetrüger Neal Caffrey in „White Collar“:

American Horror Story (als Bösewicht faszinierend) – White Collar (als ambivalenter Charakter – der im Grunde gute Mensch in der Gestalt und Rolle des Ganoven – hat er mir besser gefallen, eben weil sich dieser Charakter in einer Grauzone tummelt).

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Willie Garson: Bleiben wir noch ein wenig im New Yorker Serienuniversum. Als Neal Caffreys Sidekick Mozzie in „White Collar“ und Stanford Blatch, dem schwulen besten Freund von Carrie Bradshaw in „Sex and the City“ fand ich ihn jedesmal knuffig und sympathisch:

White Collar – Sex and the City.

Quelle: https://de.web.img3.acsta.net/pictures/21/10/08/16/40/0656658.jpg

Milo Ventimiglia: Denken die meisten bei „Gilmore Girls“ an Jared Padalecki als Dean, fällt meine Wahl dagegen auf Jess Mariano, der seinen Onkel, den Cafébesitzer Luke mit seinen Eskapaden an den Rand des Wahnsinns treibt und eine etwas schwierige Beziehung mit Rory Gilmore hat. Noch besser hat er mir jedoch in der Serie „This is us“ als Jack Pearson gefallen:

Gilmore Girls– This is us.

Quelle: https://aisvip-a.akamaihd.net/masters/1796064/800×450/milo-ventimiglia-suesse-worte-ueber-this-is-us-co-star-mandy-moore.jpg

Ich bin sicher, ich hätte noch viel mehr Schauspieler gefunden, wenn ich noch länger gesucht hätte (z.B. Chris Carmack aus „Nashville“ und „Grey’s Anatomy“), aber sechs müssen für dieses Mal reichen.

ABC-Etüden 2022 : „7 aus 12 – das Etüdensommerpausenintermezzo 2022“, Teil 3

Ich habe mir eine Pause vom Job genommen, aber nicht von den Etüden. Hier kommt Nummer drei – diesmal mit neun von zwölf Begriffen, die Christiane ausgelost hat (näheres gibt es hier). Das wären zwei mehr als das Minimum von sieben, einzubinden in eine Etüde von beliebiger Länge, die auch noch den Satz „Wie wenig wir einander kennen“ enthalten soll.

Aus dem Lostopf wurden gezogen: Flohzirkus, Flughafen, Herrgottsfrühe, Kulleraugen, Milonga, Regionalbahn, Schatten, Sommerpause, Tischtuch, Ukraine, Wasserrationierung und Wasserratte.

Diesmal habe ich mich von einer Annonce in unserer Zeitung inspirieren lassen und die Handlung in den hohen Norden verlegt – die von mir verwendeten Wörter habe ich oben (und nicht im Etüdentext) gefettet.

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Auf der Suche

Bloß raus aus der Sonne und hinein in den Schatten. Seit dieser unsäglichen Wasserrationierung in unserem Block hatte ich beschlossen, anstrengende Tätigkeiten und damit verbundenes Schwitzen zu vermeiden, um weniger duschen zu müssen und so Wasser zu sparen. Eine Wasserratte war ich ohnehin nie gewesen, aber ob diese Methode auf Dauer Erfolg versprach?

Betty, deren Arbeitgeber gerade in die Sommerpause gegangen war und alle Angestellten in Zwangsurlaub geschickt hatte, war da eher skeptisch eingestellt, auch wenn sie mir im Grunde beipflichtete. Während sie das Gartentor hinter sich schloss, nahm ich unter dem großen Sonnenschirm in ihrem Garten Platz. Erschöpft von der anstrengenden Fahrt mit der nichtklimatisierten Regionalbahn, lehnte ich mich in meinem Stuhl zurück und ließ meinen Blick über den Gartentisch schweifen. Aufgeschlagen vor mir, lag die Seite mit den Stellenanzeigen.

Sargträger (m/w/d) – Geringfügige Beschäftigung: Die Sargträger/innen erhalten pro Einsatz eine Pauschale von 35.00 €. Die vollständige Stellenausschreibung können Sie auf unserer Internetseite www-xxxxxx-de-Stellenausschreibungen einsehen.

Den Text in großen Lettern hatte Betty dick mit roten Filzstiftstrichen umrahmt.

Wie wenig wir einander doch kannten: Seit wann war denn Betty auf der Suche nach einer zusätzlichen Beschäftigung? Dass sie das Geld so nötig hatte… und dabei verdiente sie als Verkäuferin bei Metzger Blohm doch gar nicht so schlecht. Ja, das hatte ich die ganze Zeit über geglaubt, aber dank des Kriegsausbruchs in der Ukraine fürchtete sie erhöhte Gaspreise. Da konnte es nicht schaden, schon mal für ein finanzielles Polster zu sorgen und alles zu nehmen, was schöne Nebeneinkünfte versprach, so ihre Meinung zu dem Thema.

Aber Betty als Sargträgerin? Das konnte ich mir nun so gar nicht vorstellen.

„Na, besser als in aller Herrgottsfrühe aufzustehen und Zeitungen auszutragen!“ erwiderte sie, „und sich den Unmut all derer zuzuziehen, die den Sch**** Einkauf Aktuell nicht haben wollen.“

Da musste ich ihr recht geben. Betty als Sargträgerin? Aber anscheinend war es ihr ernst damit.

„Oder hier,“ fuhr sie fort, „das Café Milonga sucht noch nach Servicepersonal: dreckiges Geschirr und benutzte Gläser abräumen, Tischtücher wechseln, Sahnesyphons austauschen… ein Traum!“

Das neue Café im Nachbarort? Den Namen hatte es anscheinend von den Salsa-Abenden, die jeden Mittwochabend dort stattfanden. Gefallen hatte es den Einwohnern von Bali nicht, als die Konkurrenz zur Buddelkiste in greifbare Nähe gerückt war, bis die ersten eingeknickt waren, weil die Neugier gesiegt hatte. Mit einem Salsa-Meister wie diesem Miguel Andrés, dessen Kurse in Kiel auf Wochen ausgebucht waren, konnten die Torten und Kuchen der Erna Kind nur schwerlich mithalten. Und jetzt wollte Betty genau dort anheuern?

Fair fand ich das nicht gerade, also versuchte ich, es mit einem Appell an ihre Sparsamkeit zu versuchen.

„Überleg es dir gut, ob Du das tägliche Pendeln auf Dich nehmen willst. Ob sich das noch rechnet, wenn Du die Fahrtkosten vom Lohn abziehst?“

Doch da hatte ich die Rechnung ohne Betty und ihr Geburtstagsgeschenk gemacht, das sie mir nun strahlend vorführte: ihr Dreißig-Gänge-High-Tech-Rad, eine Gabe von ihrem Langzeitverlobten Max, Sport- und Fitnessfreak vorm Herrn, der es nicht mehr hatte mitansehen können, wie sich sein Herzblatt auf einer alten, schon leicht angerosteten Scherbe den Deich entlang quälte.

Eine Tüte Mitleid, bitte! Das hatte er bestimmt nicht ohne Hintergedanken getan. Bestimmt hatte es ihm gestunken, dass Betty bei ihren gemeinsamen Radtouren ständig hinterherhing. Aber was Max konnte, das konnte ich auch.

Gleich morgen würde ich Erna fragen, ob sie nicht vielleicht doch eine Tätigkeit in ihrer Buddelkiste für Betty zu vergeben hatte. Da würde Betty vielleicht nicht ganz so viel verdienen wie im Milonga, aber dafür musste sie sich auch nicht so früh aus den Federn erheben.

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In 587 Wörtern zur Etüde. Ob es für noch eine reicht? Schau’n wir mal.

Dienstags-Gedudel #132 : Nach Farben sortiert – Let the sun shine in

Nach Gelb kommt Orange? Im Prinzip ja, aber ich wollte die Sonne reinlassen, und die ist in diesem Fall rot. Also wechseln wir gleich mal die Farbfamilie, bevor wir uns auf Mischtöne einlassen.

Red Red Sun

Wer übrigens bei der Nennung der Farbe Rot auf ein fröhliches Trinklied gehofft hat, muss noch ein Weilchen warten. In diesem Fall muss ich den bzw. die Künstler nicht nochmal extra erwähnen – das im Standbild festgehaltene Plattencover spricht Bände.

eine heiße Scheibe – https://www.youtube.com/watch?v=gMG4FR-V8RY

Auf jeden Fall ist es mein persönlicher Wachmacher für diesen Tag. Chillen kann ich auch an einem anderen Tag.

Media Monday #579 : Wieder zuhaus‘

Kaum angekommen, wäre ich am liebsten auch wieder weggefahren, denn die Temperaturen in Hamburg mit um die 20 bis 24 Grad (manchmal auch 28 Grad) haben mir bedeutend besser gefallen als diese Sauna To Go in Frankfurt. Aber es ist, wie es ist – machen wir das Beste draus.

Die erste Abkühlung hatte ich übrigens bereits am vergangenen Dienstag beim Iron-Maiden-Konzert im Stadion, wo ich das Spektakel aus luftiger Höhe aus genießen durfte, womit aber auch schon eines feststeht: Sollte ich jemals noch einmal einen Fuß in dieses Stadion setzen, dann nur noch in einer Reihe, die sich am Kopf der „Freitreppe abwärts“ befindet, und am liebsten den Platz direkt an der Treppe. Panik beim Treppensteigen? Fehlende Geländer und zu enge Reihen machen’s möglich.

Beschäftigen wir uns lieber erst einmal mit dem Media Monday, dessen Lückentexte zur 579. Ausgabe ich tatsächlich erst heute ausgefüllt habe:

Media Monday # 579

1. Nicht auszudenken, was gewesen wäre, wenn wir nicht nach Hamburg sondern wie geplant nach Amsterdam gefahren wären. Uns wären womöglich zwei wunderbare Aufführungen und eine Fahrt mit dem Riesenrad entgangen. Und ob man eine nächtliche Fahrt mit der Barkasse durch den Containerhafen und die Speicherstadt inclusive zweier Feuerwerke noch toppen kann? Sich neben einem riesigen Containerschiff plötzlich ganz klein zu fühlen, da kann eine Grachtenfahrt nicht mithalten.

2. Manch offenkundige Schwäche im Drehbuch lässt sich durch die Adaption für die Bühne im Idealfall ausbügeln: Die Edgar-Wallace-Verfilmung „Die Tür mit den sieben Schlössern“ von 1962 fand ich trotz Klaus Kinski als Bösewicht eher so lala, doch bei der Komödie in einem Krimitheater auf der Reeperbahn habe ich mich prächtig amüsiert. Ähnlich ging es meiner Freundin, die den Film „König der Löwen“ furchtbar kitschig fand, aber von dem Musical rundum begeistert war.

3. Die 2015 gestartete Neuauflage der britischen Fernsehserie „Poldark“ mag ambitioniert gestartet haben, aber wenn dann aus den angekündigten sechs Staffeln nur fünf werden und davon nur die ersten vier auf den Romanen basieren, während die Handlung der letzten frei erfunden ist, frage ich mich, woran dieser Sinneswandel wohl gelegen haben mag. Es war zwar nicht ganz das, was ich erwartet hatte, aber ein Weltuntergang war es jetzt auch nicht.

4. Ich frage mich ja manchmal, ob es wirklich nur an der Lautstärke liegt, wenn einem nach einem Konzert die Ohren klingeln. Nach dem Open-Air-Konzert im Frankfurter Waldstadion (jetzt Deutsche-Bank-Park) hatte ich das Problem seltsamerweise nicht – nach der von einem Partyboot zu unserer kleinen Barkasse hinüber dröhnenden Schlagermusik dagegen beinahe schon.

5. Ohne die Beteiligung von „Powerwolf“, einer deutschen Metalband, wäre wohl das Vorprogramm des Iron-Maiden-Konzerts mein persönlicher Fall für die Tonne gewesen.

6. Die australische Hardrockband „Airbourne“ wäre nicht meine erste Wahl gewesen, um das Vorprogramm beim Iron-Maiden-Konzert zu bereichern, und mit dieser Meinung war ich nicht die einzige an diesem Abend.

7. Zuletzt habe ich mal wieder ausgiebig Kaffee im Bett getrunken, und das war einfach herrlich , weil ich dabei meine Ruhe hatte.

Dienstags-Gedudel #131 : Nach Farben sortiert – Das Gelbe vom Ei

Der Goldjunge mit dem gelben Südwester hat das Gebäude verlassen, da bleiben wir doch am besten gleich mal bei der Farbe Gelb. Auch wenn das Hauptmotiv der letzten Woche das kühle Nass war, tauche ich nicht im Gelben U-Boot der Beatles ab, sondern bleibe noch ein Weilchen mit Coldplay an der See und begleite Chris Martin auf seinem Strandspaziergang, mit dem kurzen und bündigen Titel

YELLOW

Der Dämmerungs-Walk – https://www.youtube.com/watch?v=yKNxeF4KMsY

Den Song haben sie schon 2000 geschrieben, und immer noch bleibt die Frage: Wird der Sonnenaufgang kommen, bevor der Song zu Ende ist, oder nicht? Wer auf Nummer sicher gehen und die Sonne sehen (oder einen Song darüber hören) möchte, muss sich noch ein wenig gedulden. Denn was kommt nach Gelb?

Richtig: Orange………. eine meiner Lieblingsfarben, jedenfalls wenn’s ums Markieren in Texten geht.

Jubiläumsedition – der Etüden-Spin-Off : vierter Akt 1/3

Lang hat’s gedauert, aber schließlich hatte ich dann doch die zündende Idee, wie es mit dieser Monster-Etüde weitergeht.

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Auf Eis gelegt – vierter Akt : Der Engel, der ein Teufel war (Teil 1)

„… ich schwöre, wenn ich den Teufel erwische, der ihm das angetan hat, dann…“

Ob Prophezeiung oder leere Drohung einer trauernden Schwester, Frau Millefiores Worte noch deutlich im Ohr, erwachte Schrödinger am nächsten Morgen zerschlagen und mit schweren Gliedern, wie nach einer durchzechten Nacht. Die Blumenhändlerin zu beruhigen und ihr gut zuzureden, damit sie ihren Worten nicht irgendwann eine Verzweiflungstat folgen lassen würde, hatte doch stärker an seinen Kräften gezehrt als gedacht.

Halbherzig setzte er sich an den Frühstückstisch. Irgendwie wollte der Kaffee heute morgen so gar nicht schmecken, und auch das herzhafte Aroma von gebratenen Würstchen bereitete ihm ein Unbehagen, das er in dieser Form auch schon lange nicht mehr verspürt hatte. Wann war er zuletzt so verkatert gewesen? Eines der zehn Bierchen muss verdorben gewesen sein? Was für ein blöder Witz! Dabei hatte er noch nicht einmal den Reagenz-Gin aus dem Dorfkrug angerührt. Lustlos rührte Schrödinger in seiner Tasse und ließ das Radioprogramm aus der hintersten Ecke des Frühstücksraums an sich vorbei plätschern.

„Mit Firma Brück zum Abfallglück“, schreckte ihn plötzlich eine schnarrende Stimme, begleitet von einem Fanfarentusch und schrillen Klängen aus dem Lautsprecher, auf. Wessen Idee es auch immer gewesen war, das Radio mit seinem Lokalsender, dessen Frequenz selbst den NDR überlagerte, ohne Vorwarnung lauter zu drehen, im Nachhinein war er dankbar für die Störung mit gleitendem Übergang zu den Acht-Uhr-Nachrichten. Ob sie den Täter schon gefasst hatten? Er hoffte es sehr für Giulia Millefiore, die geschworen hatte, etwas zu unternehmen, wenn nicht bald etwas geschah. So oder so überschatteten die beiden Todesfälle, die vermutlich nicht einmal etwas miteinander zu tun hatten, den ersehnten Weihnachtszauber.

Ungeachtet jeglicher Hoffnungen, brachten die aktuellen Nachrichten nichts Neues, im Gegenteil, ohne viel Federlesens ging man gleich zu den nationalen und globalen Nachrichten über, um die Sendung mit dem Bericht über eine wissenschaftliche Entdeckung abzuschließen.

„Peking. FAST, das größte Radioteleskop der Welt, hat über 1600 Strahlungsausbrüche eines einzigen Objekts im Sternbild Fuhrmann aufgezeichnet. Mit dieser Intensität an Strahlung ist der FRB 121102 eine astronomische Sensation, die selbst den gerade erst wieder in den Fokus gerückten Supernovaüberrest in der Großen Magellanschen Wolke in den Schatten stellt.“

Warum auch immer ihn diese Meldung aufhorchen ließ, aber dieses Phänomen erschien ihm als Erklärung für das ungewöhnliche Himmelsleuchten vom Wochenende plausibler als das, was der Pastor bei seiner Sternenführung über die wilden Farbspiele erzählt hatte. Salbungsvolle Worte bei einer Predigt waren das eine, aber poetische Ausführungen zu nicht alltäglichen Erscheinungen am Firmament nach Sonnenuntergang, eine ganz andere Baustelle. Durchsetzt mit Bezügen zum Alten und Neuen Testament und der stillen Hoffnung, mutvoll und mit Zuversicht der Ankunft des Herrn entgegenzublicken, hatte seine lange Rede jeglichen Sinn verloren, als sie Roberto Millefiore gefunden hatten. Die vor der Baracke der örtlichen NABU-Gruppe ausgebreitete Picknickdecke, nur wenige Meter abseits des Tatorts hatte die Bluttat in ein noch schaurigeres Licht gerückt und gleichzeitig seltsamerweise verhindert, dass seine Schwester noch an Ort und Stelle vollends zusammengebrochen war. Ein Zusammenbruch, der nun mit Verzögerung eingetreten war und dazu geführt hatte, dass die Blumenhandlung nun endgültig geschlossen war, zumindest für die nächsten Tage.

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Landvermesser mit Stativ ermordet.

Ja, wie oft denn noch? Wie eine Raubkatze im Zoo, tigerte Giulia Millefiore in ihrem Gewächshaus auf und ab. Sich hinzulegen, hatte nur bedingt geholfen. Was für ein Glück, dass dieser Herr Schrödinger zur Stelle gewesen war und ihr beigestanden hatte, und er hatte wahrlich mit Engelszungen auf sie eingeredet, bis sie nachgegeben und etwaige Rachepläne auf Eis gelegt hatte. Auch wenn er im Prinzip damit recht hatte, dass mit blinder Rache niemandem geholfen war (und am wenigsten ihr selbst), eine Logik, die sie geradezu ansprang und sie dort biss, wo es am meisten wehtat, gärte es unterschwellig in ihr weiter. Aufgeschoben war nicht gleich aufgehoben? Gefangen in einer Spirale der Unzufriedenheit, hervorgerufen durch in dieser Hinsicht ambivalente Gefühle, spürte sie, wie sie dieses erzwungene Nichtstun so langsam aber sicher noch verrückt machte.

Wenn nicht bald etwas geschah und das Team rund um die Fuchs zu einem Ergebnis kam, wäre sie spätestens zur Wintersonnenwende ein komplettes Wrack. Und nicht nur sie. Sie hatte zwar Herrn Schrödinger versprochen, nichts Unüberlegtes zu tun; dennoch rotierten ihre Gedanken fieberhaft. Ob es schadete, auf eigene Faust tätig zu werden und hier und da ein paar unverfängliche Fragen zu stellen? Je länger Giulia Millefiore darüber nachdachte, desto brillianter erschien ihr ihre Eingebung. Dass Herr Schrödinger, anscheinend selbst Polizist, noch nicht selbst darauf gekommen war! Aber wie sollte er auch… Und selbst wenn: Als langjähriger Stammgast war er leider immer noch Außenseiter, und als solcher würde es ihm wohl kaum gelingen, in das Kaleidoskop von Verbindungen, die sich durch Bali wie ein Spinnennetz zogen, einzutauchen, geschweige denn, auch nur an der Oberfläche zu kratzen. Als unmittelbar Betroffene hatte dagegen sie die besseren Karten.

Vielleicht bekam sie beim vom Pastor ins Leben gerufene Trauercafé, jeden Dienstagabend im Pfarrhaus, die Gelegenheit dazu. Sie war schließlich nicht die Einzige, die einen geliebten Menschen verloren hatte. Auch die verwitwete Erna Kind, deren Liebster unter wesentlich weniger dramatischen (wenn auch nicht minder tragischen) Umständen von ihr gegangen war, würde dem Stuhlkreis regelmäßig beiwohnen.

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Die Teilnahme Giulia Millefiores am Trauerkreis als Herumstochern im Ameisenhaufen? Das ewige Herumsitzen und Blättern in Büchern und Unterlagen, die er schon zum x-ten Mal gelesen hatte, gefiel Schrödinger so gar nicht. Dennoch war er mäßig begeistert, wusste er doch, dass Miss-Marple-Spielen auch durchaus nach hinten losgehen konnte, wenn dem vorsichtigen Ausloten oder Herumtasten doch eher die Tendenz zum Stich ins Wespennest anhaftete. Außerdem gab er nur ungern den Mister Stringer, obwohl… Wenn er es recht bedachte, war der Plan seiner potentiellen „Partnerin in Crime“, die Partitur für eine Solistin in eine für ein Duett umzuwandeln, vielleicht gar nicht so verkehrt.

Sich dumm zu stellen, mochte zwar nur bedingt weiterhelfen, wenn man sich vor Augen hielt, dass seine Tätigkeit bei der Berliner Polizei den meisten in Bali bekannt war. Andererseits: Was hatte er zu verlieren? Wenn er es geschickt anstellte, und sich als durch seine angeschlagene Gesundheit leicht bis mittelschwer zerstreuter Biedermeier gab, würde niemand so schnell dahinter kommen, dass seine grauen Zellen noch einwandfrei funktionierten.

Vielleicht hatte er ja doch bessere Anlagen zum Geheimkünstler, als ihm bewusst war.

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1024 Wörter – und diesmal habe ich folgende Wörter aus den letzten fünf Etüdenjahren darin untergebracht:

2017: Frequenz

2018: FRB 121102, Supernovaüberrest.

2019: Abfallglück, verdorben, beißen, gleitend, Verzweiflungstat, ambivalent, Weihnachtszauber, Wintersonnenwende.

2020: plätschern, Sonnenuntergang, mutvoll, zehren, Idee.

2021: Lautsprecher, Baracke, Picknickdecke, herzhaft, Prophezeiung, Geheimkünstler, Biedermeier, Partitur.

Fortsetzung folgt.

ABC-Etüden 2022 : „7 aus 12 – das Etüdensommerpausenintermezzo 2022“, Teil 2

Urlaub steht vor der Tür, und trotzdem lasse ich noch eine Etüde auf die Menschheit los. Der Grund: Christiane hat 12 Begriffe ausgelost (näheres gibt es hier), und wir müssen auch nicht zwölf in einer Etüde beliebiger Länge unterbringen, sondern es genügen auch sieben (das Minimum); außerdem soll als Neuerung der Satz „Wie wenig wir einander kennen“ darin enthalten sein (in welcher Form auch immer). Aus dem Lostopf wurden gezogen:

Flohzirkus, Flughafen, Herrgottsfrühe, Kulleraugen, Milonga, Regionalbahn, Schatten, Sommerpause, Tischtuch, Ukraine, Wasserrationierung und Wasserratte.

Da ich in meiner „Kattitüde“ alle Wörter unterbringen konnte, habe ich auch nichts gefettet.

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Sommerfreuden

Wie wenig wir einander kennen… seufzte Maren Fuchs und nippte an ihrer Tasse, aus der es verführerisch dampfte. Ob heiß, ob kalt: Tee ging immer, auch im Sommer.

Gerade erst vom Flughafen zurückgekehrt, an den sie ihre älteste Freundin gefahren hatte, wollte sie nach der elenden Fahrerei nur noch die Füße hochlegen. Doch der Tag war noch nicht vorbei, obwohl es ein langer Tag gewesen war, der schon in aller Herrgottsfrühe begonnen hatte. Im Nachhinein hätte sie Claudia am liebsten geraten, sich selbst um eine Transportmöglichkeit zu kümmern, doch die zeitraubende Kombination aus Taxi, Bus und Regionalbahn hätte sie selbst ihrer ärgsten Feindin nicht empfohlen. Dabei war doch Claudia gar nicht so; für gewöhnlich war ihre Freundin die Ruhe selbst, doch auf dieser Fahrt war sie auf dem Beifahrersitz zu einem veritablen  Zappelphilipp mutiert und hatte sich auch nicht durch das dudelnde Radio beruhigen lassen. Das reinste HB-Männchen.

Ob es an ihrer bevorstehenden Reise über den Atlantik lag? Von Hamburg nach Rio de Janeiro war es ja nicht gerade ein Katzensprung, und was tat so manche Frau nicht alles, um ihr Ziel zu erreichen, das mit Milonga anfing und mit Schule aufhörte… wo doch Brasilien quasi um die Ecke lag? Kein sehr gelungenes Wortspiel, wie Maren zugeben musste. Oder waren vielleicht doch die Nachrichten an Claudias Hibbeligkeit schuld? Nachrichten, oder besser gesagt Hiobsbotschaften, angefangen bei den neuesten Entwicklungen in der Ukraine, bis hin zu eventuellen Wasserrationierungen im kalifornischen Stil; Kalifornien, das war das Stichwort, das sie wieder zum eigentlichen Thema zurückführte. Hier oben an der See hatten sie eine Vorliebe für exotische Namen: Kalifornien, Brasilien, Bali. Der Transport von Claudias Kater würde so wenigstens keiner halben Weltreise gleichkommen. Der Kater, ach ja…

Bowie, der kleine Schelm, den sie aus dem Tierheim hatte und der seinen Namen seinen verschiedenfarbigen Kulleraugen verdankte, war schon bei seinem Einzug in Claudias Haushalt ein kleiner Satansbraten gewesen. Süß und knuffig aber mit den Jahren nicht pflegeleichter, im Gegenteil: Zur Begrüßung war ihr der Sieben-Kilo-Wirbelwind entgegengesprungen, aber nicht um sich streicheln und kraulen zu lassen, sondern um ihr die ausgefahrenen Krallen in die Waden zu schlagen. Jauuul! Na, das konnte ja spaßig werden. Auf einen Flohzirkus aufzupassen, wäre wahrscheinlich einfacher gewesen, aber da musste sie nun durch. Trotz allen guten Zuredens hatte es ewig gedauert, bis sie den Kleinen im Transportkörbchen und dieses im Auto so verstaut hatten, dass das Tierchen im Schatten saß und es bequem hatte. Vorsichtshalber hatte sie noch ein ausrangiertes Tischtuch über die Rückbank drapiert, man konnte schließlich nicht wissen, ob der vierbeinige Passagier vor Aufregung vielleicht nicht doch ein Bächlein fließen ließ.

Bei den zu erwartenden Temperaturen würde das trotz Klimaanlage bestimmt kein Vergnügen werden, schon gar nicht, als Maren merkte, dass sie in einen formidablen Stau hineingeraten war, verursacht durch irgendeinen Deppen, der mal wieder die Geschwindigkeitsbeschränkungen ignoriert hatte und in einen Trecker hineingerasselt war, derweil Bowie in seinem Körbchen immer unruhiger wurde und gestresst vor sich hin maunzte. Idioten kannten eben keine Sommerpause. Schier endlos hatte sich die Schlange über die kurvenreiche Landstraße vor sich hin gewälzt, und nach Stunden im Stop-and-Go-Verkehr erreichte Maren endlich ihr Bali, dem Kaff (so hatte sich Claudia einst ausgedrückt), in dem nie etwas passierte. Also ideal zum Katzenhüten.

Wasserrationierungen, pah! Claudia hatte doch einen Vogel; ernsthaft von ihr, Maren zu erwarten, dass sie darauf verzichtete, die Badewanne zu füllen. Vor allem jetzt, da sie einen Feriengast auf vier Pfoten bei sich beherbergte. Was konnte es schöneres geben als ein kühles Bad bei dieser Witterung?

Kaum zu glauben, dass sich bei diesem Thema die Gemüter dermaßen erhitzt hatten, so dass zwischen den beiden Freundinnen im Auto ein handfester Streit entbrannt war, dessen unangenehme Schwingungen Bowie nur unnötig gestresst hatten. Es würde Stunden dauern, bis der Gemütszustand des Tierchens wieder so weit ausgeglichen war, dass ein entspanntes, besseres gegenseitiges Kennenlernen möglich war.

Noch ein letzter Schluck von dem handgepflückten Minztee aus dem eigenen Garten, dann konnte sie das kühle Wasser einlassen und der flauschigen Wasserratte beim Paddeln im nassen Element zuschauen. Sie hoffte, dass diese Geste der Freundschaft die Wogen glättete, denn heute war es schon reichlich spät. Aber gleich morgen früh würde sie das neugekaufte Zehntausendliterbecken aus dem Baumarkt ordentlich volllaufen lassen.

Für Bowie.

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In 700 Wörtern zur Etüde. Ich kann also auch länger, wenn ich es möchte. Übrigens: Wer gedacht hat, dass ich mir die vierbeinige Wasserratte nur ausgedacht habe, kann sich in diesem Artikel über die Van-Katze schlau machen.

in ihrem Element – Quelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/4/46/Turkish_Van_Example.jpg/440px-Turkish_Van_Example.jpg (This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license

So eine Katze hatte ich zwar selbst noch nicht, stelle mir das Leben mit so einem Tierchen aber absolut spannend vor. Fast so spannend wie mit einer norwegischen Waldkatze, die Bäume nicht nur hoch-, sondern auch wieder hinunterklettern kann.

Cinema-Scope 2022 : Juli – Überraschungen für Nostalgiker

Nicht nur im Hafenkino Open Air 2022 – in meiner Heimatstadt vom 10. Juni bis zum 27. August – laufen so richtig gute Filme. Zum Beispiel Licorice Pizza. Oder The French Dispatch. Genau dieselben Filme konnte ich aber auch in den Frankfurter Arthouse-Kinos, unter dem Stichwort „Sommerflimmern“, sehen. Und mit dem frisch erworbenen „Filmfreund:in“-Pass sogar zwei Euro pro Vorstellung günstiger.

ELVIS

Nachdem bei diesem Biopic die Woge der Begeisterung anderer auf mich übergesprungen ist, habe ich meine Skrupel vor überlangen Filmen überwunden und habe mich auf das Erlebnis eingelassen. Schließlich bin ich mit der Musik Elvis‘ großgeworden – nur mit seiner Zeit in Las Vegas konnte ich nicht so viel anfangen, und genau die nimmt großen Raum in dem 159 Minuten langen Film sein. Eine solch lange Laufzeit könnte sich ziehen, wäre das Leben der Hauptperson (wie in diesem Genre oft so üblich), in chronologischer  Reihenfolge nacherzählt worden – und genau das ist hier der springende Punkt.

Nicht nur, dass der Film zwischen den Stationen des „King of Rock & Roll“ hin und her springt – und das tut er ganz schön oft. Hinzu kommt, dass sich nicht alles ausschließlich um Elvis Aron Presley dreht, sondern sehr ausführlich auch um seinen Manager: Colonel Tom Parker (Tom Hanks), der in seinem Schützling die goldene Gans gefunden hat, die er nach Herzenslust ausnehmen kann, nachdem er dessen Eltern ordentlich eingewickelt und eingeseift hat. Nur dumm, dass die goldene Gans irgendwann beschließt, keine Eier mehr zu legen und den Manager zu feuern, nachdem sie herausgefunden hat, dass sie im wahrsten Sinne verraten und verkauft worden ist. Diese Schmach kann der so abrupt Hinausgeworfene nicht verwinden und macht nun seinerseits der Familie Presley eine Rechnung auf, die sich gewaschen hat

Tom Hanks als Unsympath? Ihn eines Tages als einen solchen Charakter erleben zu dürfen, war eine echte Überraschung für mich. Keine Überraschung war jedoch, dass Regisseur Baz Luhrmann (von dem ich noch keinen schlechten Film gesehen habe) mit Austin Butler als Elvis einen absoluten Glücksgriff getan hat. Nach wie vor bleibe ich dabei: Egal wie groß die Ähnlichkeit zwischen Schauspieler und dargestellter Person ist, sobald man nur noch jene Person – in diesem Fall Elvis – sieht und nicht mehr den Darsteller, dann hat jemand alles richtig gemacht. Beeindruckend fand ich auch die stellenweise eingesetzte Split-Screen-Technik oder ganze Passagen als Comic.

Licorice Pizza –

Filmtipp Nummer zwei – welcome to the 70s. Eigentlich ist von Anfang an klar, dass die beiden irgendwann zueinander finden würden: Gary Valentine, fünfzehnjähriger Kinderstar und Jungunternehmer (gespielt von Cooper Hoffman), der einer hippen Geschäftsidee nach der anderen hinterherjagt, und Alana Kane (dargestellt von Alana Kane), die mit 25 noch immer als Assistentin des Schulfotografen arbeitet und eigentlich viel lieber Schauspielerin wäre. Leider müssen beide feststellen, dass es mit einem alternativen beruflichen Standbein schwieriger ist als gedacht, und das nicht nur wegen der Ölkrise… Ich muss zugeben, ich hatte große Erwartungen angesichts der Lobeshymnen all derer, die den Film schon längst gesehen hatten und in Anbetracht der Darstellerliste, die sich sehen lassen kann: Sean Penn, Tom Waits, Bradley Cooper, Maya Rudolph. Im großen und ganzen hat mir der Film auch gefallen, aber mit 133 Minuten Länge fand ich ihn gerade am Schluss einfach zu lang.

The French Dispatch

Starkino mal ganz anders. Wenn sich ein Ensemble aus bekannten Namen wie Tilda Swinton, Frances McDormand, Timothée Chalamet, Benicio del Toro oder Bill Murray (die Liste ist aber noch viel länger) auf einen Film von 108 Minuten Länge aus vier in sich abgeschlossenen Episoden verteilt und dabei in absurden Situationen glänzt, klingt das nach einem Film wie für mich gemacht. Tatsächlich wurde mir das kunterbunte Werk von Wes Anderson wärmstens empfohlen, und nun kam ich auch endlich in den Genuss. Wenn ich meinen Gemütszustand während und nach dem Schauen des Films beschreiben sollte, dann würden es die Wörter „verwirrt“ oder „überfordert“ am ehesten treffen, denn teilweise wusste ich nicht, wohin ich zuerst schauen sollte. Vielleicht aber auch noch „ohne Brille aufgeschmissen“, denn ohne Nasenfahrrad vor meinen mit den Jahren auch nicht besser werdenden Äuglein entgehen mir Details, die mir erst beim nochmaligen Anschauen auf Youtube auffallen, wie das nur scheinbar vorhandene Product Placement, wenn die Zigaretten nicht Gauloises, sondern Gaullistes heißen.

Filmisch (gerade was das Bühnenbild betrifft) und darstellerisch top, gab mir jedoch die Art und Weise, wie deutsche Über- bzw. Untertitel in den Szenen, in denen aus dem Nichts französisch gesprochen wird, eingesetzt wurden, Rätsel auf. Mal waren sie da, dann wieder nicht, aber sei’s drum – ich hatte bei den Geschichten aus der fiktiven französischen Stadt Ennui-sur-Blasé (der Name! Langweile-über-blasiert) meinen Spaß. Schon allein die Anfangssequenz, in der der Kellner ein volles Tablett in die Redaktionsräume des von einer halben Million Menschen abonnierten Magazins „The French Dispatch“ trägt und dabei durch ein Labyrinth von Treppen muss, hat mich doch stark an die Szene in Jacques Tatis Film „Mein Onkel“ erinnert, in der besagter Onkel durch ein verschachteltes Treppenhaus zu seiner Dachwohnung hinaufsteigt.

Mein Onkel, gefunden auf youtube – https://youtu.be/6mtluyHcOnk

The French Dispatch, gefunden auf: https://www.youtube.com/watch?v=UUTK_LdLEjk

Mein Fazit: Ein Film, der unbedingt auf die große Leinwand gehört, aber wegen der vielen entgangenen Kleinigkeiten die Anschaffung auf DVD oder BluRay lohnt.

Und nun noch was fürs Heimkino:

– Ganz weit hinten –

Starkino, die Zweite – oder aber auch: Ein Familienurlaub, der keiner war. Wenn die Eltern geschieden sind, man aber eigentlich die Sommerferien viel lieber beim Vater verbringen möchte anstatt im Strandhaus des Freundes der Mutter. In diesem Fall hat dieses Pech der 14jährige Duncan, der wegen seiner Schüchternheit und Introvertiertheit nur schwer Anschluss an Gleichaltrige findet und deshalb lieber alleine ist.

Dass Trent (Steve Carrell), der nervige Freund seiner Mutter (Toni Collette), permanent auf ihn einredet, wie wichtig es doch sei, Kontakte zu knüpfen (offenbar nur, um den Jungen loszuwerden), macht die Sache nicht besser. Dass er mit den anderen Jugendlichen am Ort nichts anfangen kann (und sie nicht mit ihm) und die lärmige Nachbarin Betty, die ihm ihren 12jährigen Sohn Peter aufhalsen möchte, um mit Trent und seinen Freunden am Strand Party machen zu können, führt dazu, dass Duncan schließlich auf einem rosa Kinderfahrrad die Flucht ergreift und aus Neugier in einem schon etwas angejahrten Wasserpark landet und von Parkmanager Owen (Sam Rockwell) angestellt wird. Es dauert nicht lange, bis der Junge aufblüht und Selbstvertrauen entwickelt, und so werden Owen und seine Freunde so etwas wie eine Familie für ihn – und der Wasserpark der einzige Ort, an dem der sich wirklich wohlfühlt. Mit dem Zusammenhalt und gemeinsamem Miteinander sieht es innerhalb seiner eigenen (Patchwork-)Familie dagegen komplett anders aus, und die Situation eskaliert, als er Trent mit einer anderen Frau in einer leidenschaftlichen Umarmung erwischt und Duncans Mutter vor versammeltem Freundeskreis herausfindet, dass Trent sie belogen hat…

Gesehen habe ich den Film im Anschluss an eine Komödie mit Sam Rockwell als Auftragsmörder mit moralischen Skrupeln – an meinem letzten Wochenende vor meinem Urlaub, als ich mich wegen der Hitze zum Weggehen nicht aufraffen konnte. Der Wasserpark versprach Abkühlung (was aber nicht wirklich funktioniert hat), und meine nostalgischen Momente hatte ich beim Soundtrack zu dem Coming-of-Age-Film. Auf die Kombination einer Breakdance-Szene mit dem 80er-Jahre-Kracher „New Sensation“ von INXS muss man auch erst einmal kommen, aber wenn ich diesem Beitrag Glauben schenken darf, steckt mehr in der Songauswahl, als so manch eine/r vermutet hat.

New sensation by INXS meets Headspins – https://www.youtube.com/watch?v=-QklHmei5pg&t=368s

Ich schwöre, diese Szene war eine echte Überraschung für mich, und ich hatte keine Ahnung, dass ausgerechnet dieser Song hier und dann auch noch so ungewöhnlich lange gespielt wird. Überrascht war ich auch von Steve Carrell in der Rolle eines echten und ganz und gar nicht lustigen Unsympathen, der als „Patchwork-Daddy“ mit seiner hemdsärmeligen Art und seinem ständigen „Kumpel“ auch für mich unerträglich gewesen wäre. Überraschung Nummer drei: Dies war für mich der bereits dritte Film mit Sam Rockwell in irgendeiner Rolle (hier war’s eine sympathische Nebenrolle), und dabei hatte ich diesen Schauspieler bisher noch überhaupt nicht auf dem Radar. Ich musste erst mal googeln um zu erfahren, warum mir sein Gesicht so bekannt vorkam: „Three Billboards outside Ebbing, Missouri“ war das Stichwort. Da hat es dann „Klick!“ gemacht.

Was ich im Juli auch noch gerne gehabt hätte: „Liebesdings“ und „Thor: Love and Thunder“; außerdem hatte ich vor, mir ein Ticket für die Vorpremiere von „Monsieur Claude und sein großes Fest“ zu holen und mir als eine der ersten 100 Besucher ein Glas Marmelade schenken zu lassen, aber leider habe ich bei diesem Versuch in die Röhre geguckt. Seit Wochen ausverkauft? Nun, da waren wohl andere, die es spannender fanden, dass der Schauspieler Noom Diawara ebenfalls zugegen sein sollte, dummerweise schneller als ich gewesen.

Der Juli ist zwar noch nicht vorbei, aber da ich nicht weiß, ob ich diese Woche noch in ein Filmtheater komme, gibt’s diesen Monatsrückblick eben schon jetzt.