# Writing Friday 2021 :  Oktober #3 : Wieso, weshalb, warum 

.

Passend zu den vielen Horrorfilmen, die ich mir im Oktober gerne ansehe, sind auch die Schreibaufgaben dieses Monats bei elizzys #writing Friday ganz schön düster. Ging es letzte Woche um eine ausgegrabene Leiche, so findet dieses Thema heute seine Fortsetzung mit der ersten Aufgabe:

Du triffst einen Serienmörder. Welche Fragen hast du an ihn? Schreibe das Gespräch auf.

Leider ist die Heldin in diesem Krimi nicht sehr widerstandsfähig und in Sachen Protokollführung kein Profi, und schon die Vorbereitungen darauf bereiten ihr schlaflose Nächte.

♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦

Wieso, weshalb, warum

Nachts suchen sie dich heim… nur war es jetzt nicht mehr die arme Frau, der die Toten im Schlaf erschienen waren, sondern ich. „Warum?“ Die Frage geisterte durch meine Gedanken, und mit jeder Nacht, mit der der Tag X näher rückte, wurde sie lauter und lauter, bis selbst meine bevorzugten und jahrelang bewährten Einschlafhilfen keine Wirkung mehr zeigten.

Warum? Für die Befragung sah ich jetzt schon schwarz, denn insgeheim ahnte ich, dass von einem Psychopathen wie Robert H keine befriedigende Antwort zu bekommen wäre. Auch das Dossier, das mir Constable Davis in die Hand gedrückt hatte, war mir keine echte Hilfe.  

Bei den blutigen Aufnahmen konnte sich einem schon der Magen umdrehen, so schlimm war es bei mir zum Glück nicht, doch mit dem Essen war das so eine Sache. Vielleicht war ich doch nicht so hartgesotten, wie ich dachte. Zweifel beschlichen mich, ob eine berufliche Laufbahn bei der Polizei wirklich das Richtige für mich war.

„Du schaffst das schon, Lu“, versuchte ich mir einzureden, denn so lange Inspector Cameron die Vernehmung führte, konnte mir nicht viel passieren. Doch gleichzeitig wünschte ich mir, man hätte mich zum Aufschreiben von Falschparkern eingeteilt und jemand anderen an Inspector Camerons Seite gestellt.

Es war kein gewöhnlicher Vernehmungsraum, in dem wir uns Robert H gegenübersehen würden. Eine doppelt und dreifach gesicherte und mehrfachverglaste Zelle, gut einsehbar von allen Seiten – nur dass wir uns in keinem Film befanden, sondern in der Realität. „Das Schweigen der Lämmer“ war vorvorgestern, niemand würde mich alleine mit diesem Irren lassen. Und das war auch gut so. Denn Camerons Katalog war beachtlich. Was er alles wissen wollte… Das Spektrum reichte von „Wie viele waren es genau?“ über „Weshalb ausgerechnet in der Area 51?“ bis hin zu „Wie hatten die Morde so lange unbemerkt bleiben können?“

22. November 2019. Genau 25 Jahre nach der Verurteilung des Serienmörders Robert H.  hat man heute mit der Obduktion der Gebeine begonnen, die man nach einem anonymen Hinweis vor zwei Tagen in einer großangelegten Aktion in einem Massengrab unter dem historischen Wasserturm des Schlachthofs „Area 51“ von Downtown Eastside entdeckt hat. Sollte es sich bei diesem aufsehenerregenden Fund tatsächlich um die Überreste der Personen handeln, die seit den Neunziger Jahren spurlos verschwunden sind, würde sich die Zahl der Opfer des Ice Killers auf sechsundzwanzig erhöhen.

Wieso, weshalb, warum… Reißerische Artikel wie dieser trugen wohl kaum zur Klärung der immer noch rätselhaft wirkenden und auf den ersten Blick doch so eindeutigen Bluttat bei. Und so wunderte es mich gar nicht, dass ich kaum bei der Sache war und nur unter großen Schwierigkeiten das gesamte Gespräch mitschreiben konnte. Konzentration sah anders aus. Die großen, grauen Wattewolken in meinem Hirn kamen nicht von ungefähr, denn wie den berühmt-berüchtigten Elefanten mitten im Zimmer umschiffte Cameron die alles entscheidende Frage nach dem Motiv – die einzige Frage, die mich beschäftigte.

„Warum?“

Erstaunt sah mich mein Vorgesetzter von der Seite an, als ich dem sich kryptisch gebenden Ice Killer direkt in die Augen sah und das aussprach, was zu dem Knoten in meinen Gehirnwindungen geführt hatte. Ungerührt erwiderte er meinen Blick. Seine Antwort verschlug Cameron und mir die Sprache.

„Weil sie es verdient hatten.“

Verdient hatten? Dieser Irre war ja der reinste Abklatsch von Jigsaw, dem selbstgerechten Killer aus „SAW“. Mit allem hätte ich gerechnet – „weil ich es konnte“ oder „weil ich mich lebendig fühlen wollte“ – auch ein „weil es mir Spaß gemacht hat“ hatte ich erwartet. Aber das? Mit einem Eispickel erschlagen und dann unter dem Schlachthof verscharrt – verdient hatte so ein Schicksal niemand, und ich wusste mit Sicherheit, dass nichts von dem, was der Kerl noch zu Protokoll gab, mich von meinem Entschluss, mein Praktikum abzubrechen, abbringen würde.

♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦

Die Aufgaben für den Oktober sind diesmal: Du triffst einen Serienmörder. Welche Fragen hast du an ihn? Schreibe das Gespräch auf. +++ Lu war blind vor Eifersucht und begeht einen grossen Fehler. Erzähle uns davon. +++ Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz „Die Leiche musste wieder ausgegraben werden.“ beginnt. +++ Schreibe eine Geschichte und lasse folgende Wörter mit einfliessen: blutig, ängstlich, Konfetti, Kürbissuppe, Ohnmacht +++ Welchen Zauberspruch könntest du jetzt am meisten gebrauchen? Was würde dieser in deinem Leben verändern?

Und hier sind die Regeln dazu:  Jeden Freitag wird veröffentlicht.  +++ Wählt aus einem der vorgegebenen Schreibthemen. +++ Schreibt eine Geschichte/ein Gedicht/ein paar Zeilen – egal, Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben.  +++ Vergesst nicht, den Hashtag #Writing Friday und den Header zu verwenden, schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch. +++ Habt Spaß und versucht, voneinander zu lernen.

Unsortierte Gedanken : Self-Statements – The importance of being asked

Ich sortiere diesen Fragebogen unter „unsortierte Gedanken“ ein, eigentlich ein Widerspruch in sich… diesmal sind es 20 Fragen mit 20 Antworten, und zwar zum Thema Horror (gefunden bei Bette Davis left the Bookshop) ursprünglich stammt er diesmal von Treevenge und Gina:

Hier geht’s los:

1. Welcher war der erste Horrorfilm, den du im Kino gesehen hast? – Ich glaube, das war „Cat People“, aber doll fand ich ihn damals nicht. Und jetzt habe ich keine Erinnerung mehr an den Inhalt, außer dass Nastassja Kinski mitgespielt hat.

2. Welche war die erste Horrorserie, die du geschaut hast? – American Horror Story, aber alle Staffeln durcheinander.

3. Zelebrierst du Halloween und wenn ja, wie? – Nicht so wirklich, und dieses Jahr ist mir nicht nach Feiern zumute.

4. Welchen Horrorfilm hast du zuletzt abgebrochen? – „Scream“ – aber nicht weil er so schlecht war, sondern weil es schon so spät war – meine Schwester und ich haben ihn dann gestern zu Ende geschaut.

5. Welcher Horrorfilm ist in deinen Augen der schlechteste? – Da gibt es so viele Streifen, dass ich mich gar nicht entscheiden kann. Ist es „Texas Chainsaw Massacre“, die x-te Fortsetzung von „SAW“ oder das absolut unnötige Remake von „Nightmare on Elm Street“? Oder gar ein ganz anderer Kandidat? Ich bin da unentschlossen.

6. Welcher Horrorfilm-Klassiker hat deiner Meinung nach, diesen Titel nicht verdient? – Bestimmt mache ich mich unbeliebt, wenn ich mich für „Scream“ entscheide. Ich finde ihn bis auf die Jump-Scares und wegen der Massen von Kunstblut an den für Horrorfilme so typischen blutigen Stellen eher lustig und überzogen als zum Fürchten. Zudem für einen Klassiker nicht alt genug – denn Klassiker fangen bei mir in den Achtziger Jahren an. Unter Klassiker würde ich eher „Der Exorzist“ oder „Rosemary’s Baby“ einsortieren.

7. Gibt es einen Horrorfilm, den du jedes Jahr schaust? – Nein, aber dafür andere Filme, wenn sie mal wieder im Fernsehen laufen. Stünde allerdings die „Final Destination“-Filmreihe auf dem Programm, sähe die Sache vermutlich anders aus.

8. Wärst du lieber eine Hexe/ein Hexer, ein Werwolf/eine Werwölfin oder ein Vampir/eine Vampirin? – Ich glaube, ein Werwesen – aber kein Werwolf, sondern ein Selkie. Seehunde sind ja so anmutig und elegant in ihren Bewegungen im Wasser.

9. Welches Horrorfilm-Set ist für dich das coolste? – Das Haus aus „Rose Red“ (Stephen Kings Haus der Verdammnis), das sich selbst umbaut, anbaut und vergrößert. Den Baumeister hat es schon lange in den Wahnsinn getrieben, und so mancher Gang, der einst war, ist längst im Nirgendwo verschwunden.

10. In welchem Horrorfilm wärst du gerne dabei gewesen? – In „Final Destination“, aber nicht als eine der vom Tod Heimgesuchten.

11. Bist du ein „Final Girl“ oder doch eher der, der Holz holt und nicht mehr wieder kommt? – Da stelle ich mir die Gegenfrage: Was macht der, der das Holz holt, und wohin entschwindet er? Ich könnte mir gut vorstellen, mich zwischendurch vom Acker zu machen und Beistand zu organisieren. Zum Beispiel einen Exorzisten oder – wie in Fright Night (mein Nachbar, der Vampir) – jemanden, der sich mit der Bekämpfung von Vampiren auskennt.

12. Fährst du mit 4 Teenagern (die natürlich deine Freunde sind) in den Wald? – Muss es der Wald sein? Ginge auch eine abgelegene Insel? Oder ein Campingtrip aufs platte Land?

13. Magst du Horror-Film-Parodien? Wenn ja, welche ist deiner Meinung nach die beste? – Da schließe ich mich Bette Davis left the Bookshop an und küre die im Fake-Documentary-Stil gedrehte Komödie 5 Zimmer, Küche, Sarg zur besten Parodie. Die ganzen Scary-Movie-Filme dagegen mag ich gar nicht.

14. „Scream“ bekommt einen weiteren Teil: findest du es gut oder hat es sich auch mal ausgeschrieen? – Der erste von den Scream-Filmen reicht mir, glaube ich.

15. Deine neue Nachbarin erzählt dir, dass in deinem Haus jemand brutal gestorben sei: glaubst du ihr? – Ich denke schon. Aber Auswirkungen auf mein Leben wird diese Neuigkeit vermutlich nicht haben.

16. Über dir sind Schritte zu hören, obwohl über dir niemand wohnt. Was tust du jetzt? – Mich fragen, ob es Vögel, Nagetiere oder gar ein Waschbär sein könnte, der da über mir randaliert. Und dann Lärm schlagen – funktioniert aber nicht immer. Genauso wenig wie lautes und extra schräges Singen. Vielleicht lässt sich das nervige Wesen über meinem Kopf auch mit dröhnendem Techno oder heftiger Heavy-Metal-Musik vertreiben.

17. In welchem Horrorszenario möchtest du niemals gefangen sein? – Eindeutig in dem von SAW. Eingesperrt zu sein wie in Cube, ist ja schon schlimm genug, aber mich selbst verstümmeln zu müssen, um überhaupt den Hauch einer Chance aufs Entkommen zu haben – und dann vielleicht auch noch dabei gefilmt zu werden, wie in Hostel? No way.

18. Du bist gefangen und wirst jeden Moment sterben, außer es kommt jemand und rettet dich. Das ist der Hauptcharakter aus der letzten Serie, die du geschaut hast. Bist du verloren? – Ich glaube, jetzt bin ich so richtig gekniffen, denn je nachdem welchen Piraten oder gar Piratin aus Black Sails mir das Schicksal zugeteilt hat, stünden meine Chancen so fifty-fifty.

19. Würdest du dich um schuldenfrei zu werden auf ein Spiel einlassen, bei dem du dein Leben verlieren könntest? – Nein, nicht mal wenn es sich um so einen Irrgarten wie in Escape Room handelt. Oder so ein Spiel wie in „Nerve“ – Das Spiel ist aus, wenn wir es sagen? Die Aussicht, um mein Leben kämpfen zu müssen, während draußen in der weiten Welt des Internet oder Darknet gelangweilte Individuen Wetten abschließen, wer das Rennen macht, klingt wie ein Tritt in den Allerwertesten, und ich würde mich wie verhöhnt fühlen.

20. Jemand ist in deinem Haus: Wer ist es und wie wirst du dich verteidigen? – Bei ungebetenen Gästen irdischer Art gibt es eigentlich nur eines: mich verstecken und die Polizei holen. Halten sich allerdings Zombies, Aliens oder andere übersinnliche Gestalten, hätte ich massive Probleme, da mir genau in so einer Situation kein probates Mittel einfallen würde.

Jetzt bin ich mal gespannt, wer zu diesem gruseligen Thema auch seine Gedanken beisteuern möchte – mitmachen können jedenfalls alle, die Lust dazu haben.

Die 5 Besten am Donnerstag : Schaurige Orte in Serien

Nach schaurigen Orten in Filmen sind jetzt ihre Pendants in Serien dran – als aktuelles Thema bei den „5 Besten am Donnerstag“ auf dem Blog von Gina. Dabei müssen es nicht immer Horror- oder Mysteryserien sein, auch wenn das naheläge. Oft verbirgt der wahre Horror sich ganz woanders.

Lucifer: Die Hölle. Von wegen heiß. Dunkel und kalt ist es dort in manchen Kerkern. Und von Dämonen gepeinigt zu werden, ist das unangenehme Tüpfelchen auf dem I.

Die Hölle ist ein dunkler, und nicht immer sehr warmer Ort – https://n-cdn.serienjunkies.de/review/77690-hell.jpg

Chernobyl: Die atomare Hölle des Reaktors. Wer sie überlebt hat, wünscht sich, bei der Explosion gestorben zu sein. Und sie strahlt noch heute. Leider keine Fiktion, sondern bittere Realität.

Der brennende Reaktor – https://cdn.mdr.de/nachrichten/serie-chernobyl-102_v-variantBig16x9_w-576_zc-915c23fa.jpg

American Horror Story: Mindestens genauso schaurig wie die Irrenanstalt ist das Hotel in der gleichnamigen Staffel. Pate stand für diese Staffel anscheinend das Horor-Hotel des H. H. Holmes, der ein Hotel mit unzähligen eingebauten Fallen errichten ließ, um darin Menschen verschwinden zu lassen und umzubringen. Als ich eine Dokumentation über dieses Chicagoer Anwesen des Grauens sah, wurde mir ganz anders.

Das Grauen lauert hinter falschen Türen und ins Nirgendwo führenden Gängen – https://imgix.bustle.com/rehost/2016/9/13/52fe9a50-91c0-47f3-b8a6-fab3730147d8.png

Twin Peaks: Der ganze Ort, für mich aber ganz besonders das Schild am Ortseingang. Reisende sollten hier besser alle Hoffnungen fahren lassen. Heute würde ich nicht mehr so denken – damals aber habe ich mich ordentlich gegruselt.

Gotham: Die ganze Stadt. Die ganze Serie lang habe ich nicht durchgehalten, obwohl die wenigen Folgen, die ich gesehen habe, sogar richtig spannend waren – aber das ganze Setting war mir zu düster.

A propos düstere Settings…

Um ein Haar hätten hier ein paar Sätze zu „Babylon Berlin“ gestanden, aber die Serie habe ich in der Mitte der ersten Staffel abgebrochen und danach einen weiteren Versuch vollends aufgegeben – obwohl es hier sicherlich genug gruselige Orte im nächtlichen Berlin gegeben hätte.

düstere Vergangenheit – https://derwahlberliner105122535.files.wordpress.com/2020/10/2020-10-10-babylon-berlin-folge-17-staffel-3-folge-1-foto-10.jpg

Oder Ereignisse wie Aufmärsche mit Fackelbeleuchtung, bei denen mir schon von bloßen Schilderungen im Geschichtsunterricht so richtig blümerant wurde.

Dienstags-Gedudel #91 : Reisefieber, Teil 45 – Arrivederci Roma

Es lebe das Kontrastprogramm, denn bevor es nach Nordwesten weitergeht, gibt es einen Richtungswechsel. Willkommen auf den griechischen Inseln… Mit Katja Ebsteins „Stern von Mykonos“, den sie 1973 besungen hat, wird es mediterran. Die Idee zu diesem spontanen Abstecher ins Mittelmeer kam mir bei der letzten Staffel von DSDS, als die Teilnehmer auf Mykonos um ihren Einzug ins Finale kämpften:

Lang lang ist es hier, auf youtube findet man sie alle wieder:
https://youtu.be/QwhXD-EFJTM?list=RDGMEMQ1dJ7wXfLlqCjwV0xfSNbAVMQwhXD-EFJTM

Man stelle sich vor – da wird ein Traum für einen jungen Mann wahr – und für die Liebste wird diese Erfüllung zum Alptraum: „Die andern kehrten heim, nur einer kam nicht wieder“.

Die tieftraurige Ballade wird gern in die Sparte „Schlager“ einsortiert, für mich ist dieses Lied von dem Schlager, wie ich ihn in den letzten Jahren unfreiwilligerweise mithören durfte, so weit entfernt wie der Mars von der Venus.

Media Monday #538 : Das Kontrastprogramm

.

Überraschung! Wir sind mittendrin im Horrorctober, und ich brauchte mal eine Abwechslung zu den ganzen ausgelosten Gruselfilmen von anno Dazumal – ein aktueller Film aus deutschen Landen mit 107 Minuten Lauflänge, der am 14. Oktober in den Kinos angelaufen ist: „Fly“, ein Tanzfilm von Katja von Garnier, mit Jasmin Tabatabai, Nicolette Krebitz und Katja Riemann (letztere in einer Nebenrolle), und nicht zu vergessen, ganz tollen Hip-Hop-Tänzern und -Tänzerinnen (allen voran Benjamin Wichert). Und jetzt genug gelobhudelt – zum aktuellen Media Monday geht es hier entlang.

Media Monday # 538

1. Grundsätzlich ist es schon schön, dass es mittlerweile wieder möglich ist, ins Kino zu gehen und Leute wie ich nicht befürchten müssen, dass sich hochgewachsene Leute direkt vor mich setzen.

2. Wenn es ein Drehbuch gibt, das mich jüngst mit Einfallsreichtum und Esprit begeistert hat, dann muss ich immer noch scharf nachdenken. Wahrscheinlich kommt die Erkenntnis erst, wenn dieser Beitrag hochgeladen worden ist – dass mich „Fly“ so begeistert und mich tief berührt hat, lag aber nicht unbedingt am Drehbuch, sondern am Schnitt, der Musik, der Kameraführung und den Darstellern.

Manchmal kann Tanzen fast wie Fliegen sein – https://www.youtube.com/watch?v=u2_rsrYqQko

3. Jeder Horrorfilm spielt im Grunde ja auch immer wieder mit den Grundängsten der Menschen, aber wenn es nur noch um Gemetzel des Gemetzels und der blutigen Effekte Willen geht, dann bin ich raus. Unterschwelliger Grusel oder (Psycho-)Horror mit länger anhaltender Wirkung ist mir lieber.

4. Eine hervorragende Besetzung ist zwar hilfreich, am Ende aber auch nur die halbe Miete. Schön zu sehen bei/in „Little Women“, bei dem ich vor lauter Zeitsprüngen gar nicht mehr mitgekommen bin.

5. Kann es bitte bald mal wieder so einen richtig geilen Soundtrack geben wie den von West Side Story? Aber dann bitte dann den des Originals aus den 60er Jahren… Zugegeben, das war nicht besonders originell, und außerdem habe ich ihn, glaube ich, seit Sonntagnachmittag schon gefunden.

6. One Direction verwechsle ich ja gern schon einmal mit One Republic, einfach weil ich mich mit deren Musik nicht näher beschäftigt habe. Außerdem habe ich von Popmusik jüngeren Datums nicht so viel Ahnung (und von Boybands auch nicht).

7. Zuletzt habe ich einen Anfall von seniler Bettflucht gehabt, und das war verstörend, weil ich mir unter Ausschlafen etwas anderes vorstelle, als um zehn vor sieben hellwach im Bett zu sitzen.

ABC-Etüden – Woche 42 & 43 – Etüde 2: Die lieben Kollegen

.

Push the Button! Was auch immer mir die Inspiration für meinen zweiten Beitrag zu den ABC-Etüden auf Christianes Blog eingegeben hat, die drei von Puzzleblume gespendeten Wörter Biedermeier – niederträchtig – flöten unterzubringen, fand ich im zweiten Durchgang bedeutend schwieriger.

Auf Knopfdruck funktioniert sowas halt meistens nicht. Diesmal ist es ein rein meiner Fantasie entsprungener Ausflug in die Arbeitswelt und Feiern, für die man sich eigentlich nur fremdschämen kann.

♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦

Die lieben Kollegen

„Lieber hochschwanger als niederträchtig“, flötete Wally angesäuselt. Wie unsensibel der armen Claudi gegenüber, die sich auf ihre Elternzeit freute und mit ihren Kollegen auf das freudige Ereignis anstoßen wollte. Vertieft ins Gespräch mit Leo, unserem Praktikanten, dem man das Digitalisieren der im Archiv lagernden Akten zugeschustert hatte, hörte sie glücklicherweise diese Gemeinheit nicht.

O Herr, lass Hirn vom Himmel regnen, flehte ich lautlos, und sie diese Tatsache unkommentiert lassen. Doch da hoffte ich vergebens, denn die Gratisdrinks lockerten nicht nur Wallys spitze Zunge, sondern brachten auch ihre unschönen Seiten zum Vorschein. Und bei Wally Neumann, die als Protegé des Personalchefs Narrenfreiheit genoss, waren sie leider nur zu ausgeprägt. Jetzt fiel ihr Blick auf das angeregt plaudernde Paar.

„Leo ist auch so ein richtiger Biedermeier!“

Obwohl sie offenließ, wen sie mit „auch“ meinte, wusste ich sofort, dass diese Spitze gegen mich gerichtet war. Einmal hätte ich sie fast erwischt, doch ich konnte ihr nichts beweisen – ihr hämisches Lachen hatte ich jetzt wieder im Ohr. Doch das war mir in diesem Moment egal, genauso wie es keine Rolle spielte, dass sie bei Leo abgeblitzt war oder nun allen klar sein musste, dass man ihre Ausfälligkeiten unmöglich ernst nehmen konnte. Das Maß war voll, denn Leo mochte zwar „der Nerd aus dem 37. Stock mit Hornbrille und Strickjacke“ sein, aber ein Langweiler war er mit Sicherheit nicht. Des Nachts der Man in Black, und am Tag wieder ganz anders.

Ach wenn sie nur wüssten, sie würden sich wundern.

Spätestens am Montag nach dieser unsäglichen Feier würden Leo und ich dafür sorgen, dass in diesem Laden Nägel mit Köpfen gemacht würden – als Neffe des Chefs hatte er mit seinen verdeckten Ermittlungen ins Schwarze getroffen und die liebe, schon länger unter Verdacht stehende Wally würde so schnell keinen unserer männlichen Auszubildenden und Praktikanten mehr belästigen.

♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦

300 Wörter sind es auch diesmal wieder geworden.

ABC-Etüden – Woche 42 & 43 – Etüde 1: Schöner Wohnen

x

Der Herbst geht in die Vollen – nicht mehr lange, und wir dürfen uns an den Adventüden erfreuen. Doch noch läuft alles wie gewohnt auf Christianes Blog und ihren ABC-Etüden, zu denen die aktuelle Wörter (Biedermeier – niederträchtig – flöten) von Puzzleblume gespendet wurden.

Dass ich die Adventüden erwähnt habe, kommt nicht von ungefähr; Christianes hübsche Illustration erinnert mich an Springerle und daran, dass ich so langsam mit der Weihnachtsbäckerei anfangen sollte. Die Reifröcke waren an der Inspiration für diese Etüde nicht ganz unschuldig.

♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦

Schöner Wohnen

„Im Biedermeier (1815 bis 1848) stand der Rückzug ins Private hoch im Kurs“, leitete der Begleittext zu den Bildern im neuesten Katalog zu den unter den Hammer kommenden Objekten über. Obwohl sie fast nie zu solchen Auktionen ging, ließ sich meine Freundin Christa den Katalog immer noch regelmäßig schicken.

Förmlich hingerissen hielt ich den Atem an. Was für schöne Möbelstücke!

Allgemein als hausbacken oder konservativ verschrien, war mir dieses Einsortieren in Schubladen schon immer geradezu niederträchtig vorgekommen, denn besonders die Stühle mit ihren in ansprechenden Farben gestreiften Polstern und sanft geschwungenen Beinen hatten es mir angetan. Schlicht, elegant und gleichzeitig gemütlich… kein Wunder, wenn sich wegen eines Vulkanausbruchs das Klima weltweit so veränderte, dass einem nur die Flucht nach drinnen blieb.

Trotz der schönsten Sonnenuntergänge hielten sich die meisten in jenen Jahren lieber drinnen auf, also sollte es gemütlich sein. Besonders bei Soiréen mit Hausmusik, bei denen aber anscheinend niemand flötete, sondern Klavier spielte… ein solcher Abend musste wunderbar sein, doch Christa holte mich auf den Boden der Tatsachen zurück.

„Ich weiß selbst, dass bei Dir finanziell nichts geht“, unterbrach sie meine Träumerei – sie hatte beruflich mit Antiquitäten zu tun und kannte die Preise, aber sie wollte auf etwas anderes hinaus. „und ich kenne Deine nostalgische Ader, aber gemütlich waren damals wohl nur die Sitzmöbel.“

Verstohlen rieb ich mir das Hinterteil, das mir schon bei der Vorstellung von abendfüllenden Hauskonzerten in Korsett und Reifrock wehtat. Da konnte man nicht bequem genug sitzen, und dennoch schielte ich im Geiste nach meinen Neuerwerbungen aus der aktuellen Kollektion einer bekannten österreichischen Modedesignerin, die ich zu so einer Auktion tragen würde: eine Bluse mit den für die zu versteigernden Möbel aus jener Epoche so typischen Streifen und eine sündteure Jeans – bequem und trotzdem stilvoll, und als Teile aus der sogenannten Biedermeier-Kollektion zudem noch passend.

♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦

300 Wörter für den Ausflug in die Welt des guten Geschmacks. Obwohl Geschmack und guter Stil ja Ansichtssache sind – denn nichts ist so vergänglich wie die Mode, und wenn ich allein schon an die Damenhüte aus dieser Zeit denke… die Trägerinnen solcher Schuten dürften kein größeres Gesichtsfeld gehabt haben als Pferde mit Scheuklappen.

PS: Die Modekollektion dieses Namens gibt es übrigens wirklich, und die Teile sind wirklich sehr kostspielig, aber eine gestreifte Bluse kommt in ihr nicht vor (dafür aber so ein Kleid).

PPS: Manchmal braucht es keinen Vulkanausbruch wie den des Tambora 1815, der für ein Jahr ohne Sommer sorgte – bei der Pandemie, die wir seit letztem Jahr haben, spielte sich über Monate das Leben doch ebenfalls drinnen ab.

Projekt ABC – U wie Unterwasserfotografie

Nur noch wenige Buchstaben trennen uns vom Ende des Alphabets – heute ist beim fotografischen Projekt von wortman das U an der Reihe. 

Wer bei diesem Motiv denkt, ich wolle euch allen ein X für ein U vormachen, kann ja nicht wissen, dass nicht Quallen mein Thema sind, sondern …

… Unterwasserfotografie. Außerdem steht mein X schon lange fest.

Horrorctober 2021 : „Meilensteine des Horrorfilms“, Teil 2 

.

Neun Filme sind von den dreizehn Ausgelosten noch übrig – verteilt auf drei Wochen, macht das drei pro Woche. Niete, Trostpreis oder Hauptgewinn – das ist auch hier die Frage. Zur Auswahl standen in der vergangenen Woche:

Die Kammer des Schreckens (1940) + Tanz der toten Seelen + Dan Curtis‘ Dr. Jekyll & Mr. Hyde + Genie des Bösen + Willard (1971) + Folter + Die Nacht der lebenden Toten (1968) + Der Hund von Baskerville + Totentanz der Vampire (1970)

Und diese Schweinderln durften es diesmal sein:

Die Nacht der lebenden Toten: Zombiefilm zum Dritten… Diesmal hat meine Schwester den Hauptgewinn gezogen, denn in George A Romeros Kultfilm aus dem Jahr 1968 sind die Zombies keine willenlosen Sklaven mehr, die von einem bösen Meister beherrscht werden, sondern kommen von selbst aus ihren Gräbern gestiegen, um über die Lebenden herzufallen. Da hilft dann nur noch ein Schuss ins Gehirn und das Verbrennen der gerade erst erneut ins Jenseits beförderten Zombies, die nur deshalb zu Untoten geworden sind, weil sie durch eine zur Erde zurückkehrende Raumsonde verstrahlt worden sind. Ein Klassiker des Horrorfilms – so viel zu dem Vorurteil, in einer Box mit so vielen Filmen könne nix dolles enthalten sein. Nach diesem gar nicht mal so üblen Auftakt hoffe ich auf weitere Sternstunden des gepflegten Gruselns.

Bei Willard handelt es sich nicht um die Kleinstadt aus „Die Nacht der lebenden Toten“, sondern um einen jungen, introvertierten Mann (Bruce Davison), der mit der Pflege seiner kranken Mutter (Elsa Lanchster) und der Instandhaltung der viel zu großen Familienvilla überfordert ist und von Al Martin, seinem Chef (Ernest Borgnine) schikaniert und ausgenutzt wird. Ratten sind seine einzigen Freunde – und nachdem Willard die intelligenten und putzigen Tierchen, denen er Namen gibt, dressiert hat, nehmen diese in seinem Leben immer größeren Raum ein, und zwar nicht nur sinnbildlich: Ratten haben nämlich die unwillkommene Eigenschaft, sich unkontrolliert zu vermehren). Mal lässt er sie auf die Gäste von Martins Gartenparty los, zu der er nicht eingeladen wurde – ein anderes Mal dienen sie als Ablenkungsmanöver, um bei reichen Leuten Geld zu entwenden, das er zur Begleichung der Steuerschulden benötigt, um das mit Hypotheken belastete Haus nicht zu verlieren; und besonders gern nimmt er Ben und Sokrates mit ins Büro. Als die unsympathische Sekretärin seines Chefs die beiden Lieblinge Willards eines Tages im Archiv entdeckt und Martin darauf hin ausgerechnet Sokrates tötet, nimmt Willard mit Hilfe von Ben und dem ihm über den Kopf gewachsenen Rudel blutige Rache, doch das ist erst der Anfang… Überraschung: In diesem 95 Minuten langen Vertreter des Subgenres „Tierhorror“ gibt es keinerlei Spezialeffekte – dafür benötigte man für die Szenen mit den in immer größerer Zahl auftretenden Nagern einen Tiertrainer, der im Abspann zusammen mit Ben und Sokrates genannt wird. Von den bisher gesehenen Horrorkandidaten hat mir übrigens dieser hier am besten gefallen, zumal die vierbeinigen Hauptdarsteller in keinem Moment verwahrlost oder räudig wirken, sondern sogar richtig niedlich, obwohl es ein Fehler ist, sie zu unterschätzen – schon allein in dieser schieren Masse.

Nur wo Edgar Wallace draufsteht, ist auch Edgar Wallace drin. Wer allerdings nur die späteren Verfilmungen aus dem deutschsprachigen Raum kennt, dürfte bei dem britischen Schwarz-Weiß-Film „The door with seven locks“ eine Überraschung erleben. Nachdem das British Board of Film Censors Mitte der dreißiger Jahre Filme mit übernatürlichen Themen und Vertreter des Horrorgenres freigab, kam am 12. Oktober 1940 Die Kammer des Schreckens in die Kinos. In dieser Romanverfilmung spielt Lilli Palmer die junge June Lansdowne, die in den Besitz eines der sieben Schlüssel für die Tür zur Grabkammer von Lord Selford gelangt und trotz Unterstützung durch Scotland Yard in Gefahr gerät. Die Synchronisation, die vermutlich neueren Datums sein dürfte, sorgte an manchen Stellen für unfreiwillige Komik – wenn z.B. der die Untersuchungen leitende Beamte der nervigen Freundin Junes mit den Worten „Sagte ich, dass ich an Ihrer Meinung interessiert bin?“ oder diverse unzensierte Flüche seinem Mund entfleuchen. Lustiger Zufall am Rande: Das unterhaltsame Spektakel mit 89 Minuten Lauflänge habe ich mir am 12. Oktober angeschaut – 81 Jahre auf den Tag genau nach dessen Veröffentlichung. 

Zum Abschluss dieser Woche habe ich mir einen Film aus dem Hause „Amicus“, dem Konkurrenzunternehmen zur „Hammer“-Filmschmiede gegönnt: Totentanz der Vampire, einen Episodenfilm mit Christopher Lee und Peter Cushing, bei dem vier kurze Horrorfilme in eine Rahmenhandlung um ein eigenartig veranlagtes Haus eingebunden wurden. Die Themen reichen von um sich greifendem Wahnsinn (Method for Murder) über Wachspuppen mit entsetzlicher Hintergrundgeschichte (Waxworks) und Hexerei mit Voodoopuppen (Sweets to the Sweet) bis hin zu Vampiren und ihrer ganz speziellen Kleidung (The Cloak). Meine Überraschung war groß, als im Abspann für die letzte Episode die Namen Geoffrey Bayldon (Catweazle) und Jon Pertwee (Dr. Who) genannt wurden, denn beide hätte ich nun überhaupt nicht erkannt – und tatsächlich hat mir dieser 102 Minuten lange Film bisher am meisten Spaß gemacht, schon wegen des Vampirthemas in der letzten Episode, in der sich ein Klischee an das andere reiht. Besonders gegruselt habe ich mich dabei nicht – dafür aber blendend amüsiert.

Die Woche ist jetzt zwar noch nicht vorbei, aber ich glaube kaum, dass ich heute und morgen dazu komme, mir einen der restlichen fünf Filme anzusehen – aber der Oktober ist ja erst zur Hälfte vorbei, und das Fantasy-Filmfest steht ja auch noch an, mit zwei Kandidaten, von denen einer auf jeden Fall zum Motto dieses Monats passt.

# Writing Friday 2021 :  Oktober #2 : Mitgefangen, mitgehangen

.

Im Oktober bei elizzys #writing Friday geht es diesmal magisch und gruselig zu, denn wir nähern uns Halloween. Da lege ich doch mit einer thematisch passenden Geschichte zu Aufgabe Nummer drei nach: Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz „Die Leiche musste wieder ausgegraben werden“ beginnt.

Willkommen in der Area 51, dem Schauplatz in Downtown Vancouver, der bei mir schon letztes Jahr beim #writing friday thematisiert wurde (nämlich hier und hier) und an dem einst ein Serienmörder sein Unwesen getrieben haben soll.

♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦

Mitgefangen, mitgehangen

Die Leiche musste wieder ausgegraben werden. Doch wir hatten keine Ahnung, wo wir suchen sollten. Wir wussten nur, dass wir nicht nur auf eine stoßen würden…“

Bei Camerons Worten lief mir ein Schauer den Rücken hinunter. Als ich einen der begehrten Praktikumsplätze beim Vancouver Police Department hatte ergattern können, wäre keinem von uns im Traum eingefallen, dass man mich ausgerechnet Inspector Cameron von der Mordkommission zuteilen würde. Mein Vater würde toben, hatte er mich doch schon bei einem ganz anderen Dezernat Hilfsarbeiten verrichten sehen. Aber ob Absicht oder Versehen – ein Zurück war ausgeschlossen, geschweige denn eine nachträgliche „Berichtigung“. Da nützte auch das ganze schöne Vitamin B nichts, das mir zu diesem „Traumjob“ verholfen hatte.

Statt dessen musste ich Inspector Cameron auf Schritt und Tritt begleiten und durfte mir seine Schauergeschichten anhören, vor denen mich einer der anderen Praktikanten gewarnt hatte. Als ob der Tag nicht schon verkorkst genug begonnen hätte, fand ich mich nun mit einem Teil des siebenköpfigen Teams in einem Pub unweit der „Area 51“ wieder und musste für die gesamte Truppe die Getränke organisieren und kam mir dabei vor wie eine Mischung aus Servicekraft und FBI-Agentin Clarice Starling, die bei der Jagd auf einen Serienmörder die Hilfe des im Hochsicherheitstrakt einsitzenden Dr. Hannibal Lecter in Anspruch nehmen soll… Nur dass ich in diesem ganz besonderen Fall bald schon dem wirklichen, ganz realen Täter gegenübersitzen würde, dem Ice Killer, der seit fünfundzwanzig Jahren hinter Schloss und Riegel saß – bestens gesichert und streng überwacht. Der Zeitungsartikel war mir wohlbekannt.

22. November 1994: Nach Wochen wurde heute in der Strafsache „Der Staat gegen Robert H“ der Angeklagte für schuldig befunden und zu lebenslanger Haft verurteilt. Angesichts der erdrückenden Beweislast war der mutmaßliche Serientäter schließlich zusammengebrochen. Am Ende des spektakulären Prozesses um den Ice Killler von Vancouver hatte H. gestanden, siebzehn Menschen mit einem Eispickel erschlagen und anschließend zerlegt zu haben. Obwohl man davon ausgeht, dass er noch mehr Morde begangen hat, konnte man ihm diese nicht nachweisen. Ihre Leichen hat man nie gefunden.

Constable Davis, Camerons rechte Hand, hatte ihn mir am Vortag zu Lesen gegeben, damit ich mich, wie er sagte, auf die Begegnung mit Robert H vorbereiten konnte. Fünfundzwanzig Jahre hatten die Behörden im Dunkel getappt, und nun standen sie endlich vor dem ersehnten Durchbruch, weil sie unter dem Wasserturm des historischen Schlachthofs auf ein Massengrab gestoßen waren.

… und ich sollte Recht behalten. Was wir da vor ein paar Tagen an Knochen gefunden haben, reicht für mindestens ein halbes Dutzend mehr.“

Damit griff Cameron nach einem Sandwich von dem Tablett, das ich mit zitternden Händen an meinen Nebenmann weiterreichte, bevor ich die vor mir stehende Kaffeetasse mit eiskalten Fingern umschloss, und mit einem Mal war ich wieder bei der armen Frau, die der Polizei den entscheidenden Hinweis gegeben hatte. Ihr waren die Toten wochenlang im Traum erschienen, und als ein Ermittlerteam den Boden aufgrub, waren sie auf bisher noch nicht näher identifizierte Überreste gestoßen – Überreste von Menschen, grausam ermordet und in der Dunkelheit heimlich verscharrt. Vor langer Zeit erschlagen mit einem Eispickel. In der Area 51…

Mir schnürte es den Hals zu, und ich verstand nicht, wie man angesichts der grausigen Fakten so ruhig bleiben und gleichzeitig dabei auch noch herzhaft in sein Sandwich beißen konnte wie Colin Davis. Allein schon die Vorstellung… aber es half alles nichts – ich würde Inspector Ian Cameron in die Kammer des Schreckens begleiten müssen, ob ich wollte oder nicht.

♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦

Die Aufgaben für den Oktober sind diesmal: Du triffst einen Serienmörder. Welche Fragen hast du an ihn? Schreibe das Gespräch auf. +++ Lu war blind vor Eifersucht und begeht einen grossen Fehler. Erzähle uns davon. +++ Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz „Die Leiche musste wieder ausgegraben werden.“ beginnt. +++ Schreibe eine Geschichte und lasse folgende Wörter mit einfliessen: blutig, ängstlich, Konfetti, Kürbissuppe, Ohnmacht +++ Welchen Zauberspruch könntest du jetzt am meisten gebrauchen? Was würde dieser in deinem Leben verändern?

Und hier sind die Regeln dazu:  Jeden Freitag wird veröffentlicht.  +++ Wählt aus einem der vorgegebenen Schreibthemen. +++ Schreibt eine Geschichte/ein Gedicht/ein paar Zeilen – egal, Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben.  +++ Vergesst nicht, den Hashtag #Writing Friday und den Header zu verwenden, schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch. +++ Habt Spaß und versucht, voneinander zu lernen.