Media Monday # 472 : Angry Birds !

 

Nein, ich habe mich nicht zur Liebhaberin von Handyspielen entwickelt – ich war am Sonntagmorgen im Zoo. Zwischen all den hübschen bunten Zebrafinken und Sittichen war ein etwas größerer mit schwarzem Gefiede und gelb umrandeten Augen, der auf Krawall gebürstet war. Was für ein Exemplar das war, konnte ich leider nicht herausfinden. Aber sonst war alles friedlich und gechillt, und nachdem ich die ersten beiden Folgen der dritten Staffel von „Nashville“ hinter mir habe, freue ich mich nun auf den 472. Media Monday – ein Fixpunkt in meinem Kalender.

Media Monday # 472

1. Filme – oder auch Bücher – abseits des Mainstream entdecke ich immer öfter in unserer Stadtbücherei. Vor allem werden da verschiedene Genres bedient und nicht nur das, was jeweils gerade „angesagt“ ist.

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2. Ich hätte ja nicht gedacht, einmal ein Faible dafür zu entwickeln, was Online-Käufe von Serien angeht. Nach „American Horror Story“, und „The living and the dead“ habe ich mir nun die dritte Staffel von „Nashville“ gegönnt, nachdem ich sie in unserer Bücherei nicht finden konnte. Dabei ist da so praktisch – überall gucken, wo ich mit meinem Laptop Lust dazu habe, theoretisch sogar in der Hängematte.

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3. Was mir ganz allgemein am Hobby „Mediales“ so zusagt: Es ist so breit gefächert und kann alles beinhalten – Filme, Serien, Spiele, Bücher und noch vieles mehr.

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4. In den letzten Monaten ist ja die Veröffentlichungspolitik – nicht nur, was Kinofilme angeht – gehörig durcheinander geraten. Besonders gewundert hat mich das bei DVD-Neuerscheinungen von Kinofilmen, die ich letztes Jahr gesehen habe; bei einem sollte es am 27. März losgehen – als ich das letzte Mal bei Amazon reingeschaut habe, stand da plötzlich der 29. Mai als Datum. So kann’s gehen.

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5. Dass ich mich auf der Leser- und Autorenplattform „wattpad“ angemeldet habe, war auch so eine Art überraschender Glücksgriff, denn da habe ich nach über einem Jahr inzwischen nicht nur vieles gefunden, was ich gerne lese – in den letzten Wochen habe ich dort auch einiges an selbstgeschriebenen Sachen veröffentlicht. Nur das Formatieren von Texten ist für mich noch etwas gewöhnungsbedürftig.

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6. Lange hatte ich nicht mehr das Gefühl, etwas wäre exakt auf meinen persönlichen Geschmack zugeschnitten worden wie bei gewissen Challenges.

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7. Zuletzt habe ich mich mit einer Freundin in ihrem Kleingarten getroffen, und das war mal wieder so richtig schön, weil es endlich möglich war, mich länger mit ihr zu unterhalten anstatt nur zwischen Tür und Angel oder am Telefon.

30 Days Book Challenge : Tag 28 – ein Held/eine Heldin, der/die Dein Herz berührt hat

 

Es ist ein tierischer Held, ein echter Pechvogel, dessen Hauptpläsier die Bosheit war….

und er hat mir schon immer sooooo leid getan !

Jedenfalls, wenn es nach der Tante geht, die mahnende Worte ob seines Ablebens spricht: „Die Bosheit war sein Hauptpläsier. Drum“, spricht die Tante, „hängt er hier.“ Der Arme! Das hat er nun wirklich nicht verdient. Man fängt halt nun mal kein Wildtier und versucht es, mit Gewalt in den eigenen Haushalt zu integrieren. Die Rede ist von

Hans Huckebein, dem Unglücksraben

Hier sieht man Fritz, den muntern Knaben – nebst Huckebein, dem jungen Raben, und dieser Fritz, wie alle Knaben – will einen Raben gerne haben“ – das reimt sich in jeder Zeile. Wilhelm Busch konnte das sehr gut. In der gar traurigen, schaurigen Mär wird der Rabe gefangen und stürzt den Haushalt von Fritzchens Familie, inclusive Spitz und Kater ins Chaos („und Spitz und Kater flieh’n im Lauf, der größte Lump bleibt oben auf.“)

Dass er sich über den guten Likör der Tante Lotte hermacht, wird ihm am Ende zum Verhängnis.

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Die Liste derer, die mitmachen wird länger und länger – hier ist der neueste Stand:

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Ola

Ich lese

Tempest

Norbpress

Eva

Annuschka

Innenreisewege

 

Weitere Neu- und Späteinsteiger sind herzlich willkommen und werden (falls vorhanden) fortlaufend ergänzt.

 

 

 

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„Broken Strings“ : Chapter 36 – Second Life

Wir sehen uns später? Wenn Du glaubst, dass ich das Thema auf sich beruhen lasse, hast Du Dich gründlich geirrt. Und wieso soll ich meine Stimme schonen? Denk nicht mal dran! – Gut gelaunt ging anders.

Der Rüffel vor versammelter Mannschaft war deutlich genug gewesen: Mr. Obercool versus hysterisches, unterkoffeiniertes Miststück. Blamage hin oder her – wenn es etwas zu klären gab, dann jetzt. Mit meiner Vermutung, ihn draußen auf dem Parkplatz zu erwischen, lag ich richtig.

Kaum brennt die Camel, kommt der Bus – aber passen Sie bloß auf, dass der Sie nicht überrollt. Vor allem dann, wenn Sie in der richtigen Laune sind, also auf Krawall gebürstet.

Um fair zu sein, war das stark übertrieben, aber so ähnlich fühlt es sich an, wenn man die noch immer fehlende Antwort einfordern will, aber auf Hundertachtzig ist und außer Kaffee noch nichts im Magen hat. Wie es aussah, war ich nicht die einzige, was das Nüchternsein anging.

Ein französisches Frühstück und ein Anschiss am Morgen, ist das für Dich die ideale Kombination, um den Tag zu beginnen, wenn es mit dem Quickie nach dem Erwachen nicht geklappt hat? – diese Bosheit lag mir auf der Zunge, aber sollte ich mich wirklich auf dieses Niveau hinunter begeben?

Einen solchen Spruch hätte ich noch am ehesten Frank zugetraut, und allein schon das verhinderte, dass ich Mike, der sich gerade die nächste Kippe angezündet hatte, Worte an den Kopf warf, die ich später mit Sicherheit bereut hätte.

Hey, wusste ich doch, dass ich Dich hier finden würde“, eröffnete ich statt dessen die Konversation, allerdings ohne Gewähr auf Erwiderung.

Aber der erste Schritt war gemacht. Jetzt war er am Zug. Und damit meinte ich nicht den nächsten Nikotinschub aus seiner Lucky Strike. Aber außer einem „Hm“ kam erst mal nichts. Der Herr hüllte sich in Schweigen? Mist. Ein sicheres Zeichen, dass seine Laune auch schon mal besser war, dank meines grandiosen Auftritts von vorhin. Da war wohl eine Entschuldigung fällig.

„Sorry, dass ich vorhin so ausgetickt bin. Aber wenn Du wüsstest…“

Wenn ich was wüsste?“

Das lief ja echt wie geschnitten Brot. Nämlich gar nicht. Also eher besch***en. The Devil’s Party would be a so much nicer place.

„Äh. Hm…“ verdammt, warum druckste ich eigentlich so herum?

Jetzt war ich diejenige, die das tat, was ich bei anderen so hasste. Mensch, Andrea, komm endlich zur Sache. Hol meinetwegen nochmal tief Luft, aber dann sag endlich, was Du auf dem Herzen hast.

„Also schön. Das klingt jetzt ziemlich dämlich, aber wenn zum x-ten Mal die gleiche Story ausgebreitet wird… und dabei habe ich ihm schon ein paar Mal gesagt, wie scheiße ich es finde, dass meine Probleme mit Frank vor allen breitgetreten werden. Und jetzt auch noch vor Steve, den das gar nichts angeht.“

Wenn ich schon in Fahrt war, konnte er ruhig den Rest hören und warum ich so aus der Haut gefahren war, als Bradley alle Beteiligten aufgezählt hatte.

„Das war echt nicht persönlich gemeint. Manchmal bin ich so eine blöde Kuh!“

Ja, Süße. Lass alles raus. Mach aus Deinem Herzen keine Mördergrube.“ Der Spott war nicht zu überhören. Nur weiter so. Das lief ja blendend.

Ich machte mich hier gerade zum Obst, und er genoss das Spektakel auch noch. Hatte ich aber auch nur gedacht, denn schon im nächsten Augenblick ließ er die zur Hälfte gerauchte Lucky einfach fallen, und seine Gesichtszüge entspannten sich.

Danke, und ich dachte schon, Du würdest gar nicht mehr zu mir kommen und …“

Was? Mich bei ihm entschuldigen? Ihm hinterherlaufen, weil ich diesen Unfrieden zwischen uns nicht aushielt? Ihm in die Arme fallen? Shit happens – genau das tat ich nämlich gerade, und als Krönung der Inkonsequenz war ich auch noch so „clever“, ihn zu küssen. Hä? Ich hatte wirklich nicht mehr alle Tassen im Schrank.

… wow! Was war das denn?!“ keuchte er genauso atemlos wie ich, als ich ihn losließ.

Schön, dass ich Mr. Obercool aus der Fassung gebracht hatte. Diese Methode musste ich mir unbedingt für später merken. Mein Triumphgefühl währte jedoch nur kurz. Von wegen aus der Fassung bringen. Das war nur der Auftakt zu einer weiteren Umarmung, und diesmal ging sie von ihm aus.

Was mich wirklich beruhigte, war das sonore Brummen des Motors. Nichts gegen Marks Liebe zu Oldtimern und das schwarze Schätzchen, in dem ich jetzt schon ein paar Mal mitgefahren war, aber das Platzangebot im Ford war unschlagbar, egal wie die neue Anordnung der Passagiere aussah. Oder war es doch wieder die alte? So langsam verlor ich den Überblick, wie oft ich schon Bäumchen wechsle Dich bei der Wahl meines Transportmittels gespielt hatte.

Meinen Kram hatte ich schnell verstaut. So langsam hatte ich den Bogen raus, wie man Gepäcktetris spielte, wenn die Claims abgesteckt waren – sowohl im Kofferraum als auch bei der Verteilung der Sitzplätze: Ryan hatte es sich bereits auf dem Beifahrersitz bequem gemacht, und Brian als unser Fahrer schlürfte noch einen Kaffee, bevor es losging. Da Mike und ich einen Teil der Strecke, die über Richmond und Sidney führte, bereits kannten, hätten wir ein ausgezeichnetes Navigationssystem für unseren Fahrer abgegeben, aber warum sollten wir?

Wenn Brian den Weg erklärt haben wollte, konnte er sich gerne an seinen Beifahrer wenden, oder an John, der dafür strategisch günstiger saß, weil er hinter Ryan Platz genommen hatte. Je weniger sie uns beachteten, desto besser.

Aus dem Smalltalk hatten wir uns schon bald ausgeklinkt. Im vorderen Teil wurde lautstark über die kommende Eishockeysaison debattiert, und da konnte ich nicht mitreden. Was war ich froh, dass die beiden uns ignorierten, denn mit Sport jeglicher Art konnte man mich jagen; ganz im Gegensatz zu Mike, der sich zwar für Autorennen begeisterte, aber ebenso wie ich der falsche Gesprächspartner für Eishockey und anderen Mannschaftssport war.

Nach Reden war uns beiden nicht, und dass John in seiner Ecke hinter dem Beifahrer vor sich hin döste, wirkte nicht gerade gesprächsfördernd. So langsam breitete sich die Schläfrigkeit auf den hinteren Plätzen aus und führte dazu, dass ich mich lieber an Mike kuschelte anstatt mich gegen die harte Fahrzeugwand zu lehnen.

Okay, Süße, wenn man’s genau nimmt, habe ich nicht ganz die Unwahrheit gesagt, aber lass uns später weiter reden“, flüsterte er mir zu, „wo wir unter uns sind. Dann erkläre ich Dir alles…“ – für fremde Ohren war das, was er mir sagen wollte, garantiert nicht bestimmt.

Dabei wäre es gar nicht notwendig gewesen, seine Stimme zu senken, bei dem Lärm, den unsere beiden Hockeyexperten veranstalteten, fühlte ich mich wie von einem Wahrnehmungsfilter umgeben. Ach ja, ’später‘ – das klang gut, denn dank der Wärme, die von Mike ausging, wurde ich nur noch schläfriger. Seine Worte „…. nachher, auf der Fähre…“ waren das letzte, was ich wahrnahm, als ich mich noch enger an ihn schmiegte, back into your arms and drifting to Morphia’s Waltz…

Mag jemand Kaffee?“ hatte Brian in die Runde gerufen, und diesmal hatte ich nicht nein gesagt, denn aus meiner vorschnellen Fehlentscheidung zugunsten einer teeähnlichen Plörre hatte ich gelernt. Here we go again… Dieselbe Fähre auf derselben Strecke nochmal. Nur war es diesmal hell, freundlich und sonnig und längst nicht so windig wie am Vortag.

Mit einem Pott Kaffee ließ es sich an Deck durchaus aushalten, vor allem, wenn man wie ich einen mollig warmen Doctor-Who-Schal um den Hals trug, den ich mir vergangenen Winter gestrickt hatte. Ja, wenn es so geschneit hat, dass man tagelang nirgendwo durchkommt und man sonst nicht viel zu tun hat… Jetzt war ich froh, dass ich das Teil hatte. Trotzdem wunderte ich mich, warum hier oben so wenige Leute die frische Luft genossen.

Alles Memmen, oder was? Oder gab’s unten eine Gratisaktion, von der ich wieder einmal nichts mitbekommen hatte? Mir war das herzlich egal, auch wenn es so gewesen wäre; eigentlich wartete ich nur auf die Gelegenheit, den Faden da wieder aufzunehmen, wo wir ihn zuletzt verloren hatten, nämlich auf dem Hotelparkplatz. Bei dieser Erinnerung wurde mir ganz anders. Gut, dass wir mühelos Plätze ganz weit vorne am Bug ergattert hatten, so waren wir wenigstens ungestört.

Ich war froh, dass ich saß und mich an meinem Becher festhalten konnte, denn ich wurde das Gefühl nicht los, dass dies hier länger dauern konnte. Ein Snickers wäre jetzt schick gewesen, aber man kann ja nicht alles haben, und zunächst klang das was er sagte, so einfach: Nachdem ich ihn mit meiner direkten Art unmittelbar nach dem Aufwachen dermaßen überrumpelt hatte und aus dem Zimmer gestürmt war, hatte er sich erst einmal überlegen müssen, was er mir eigentlich sagen wollte. Leider aber war ich am Tisch so in die Luft gegangen, dass ihm die Lust darauf vergangen war.

Mein aufgebrachter Zustand hatte sein Vorhaben torpediert, und in meinem Zustand wäre sowieso kein vernünftiges Gespräch zustande gekommen. Irgendwann hätte ich mich bestimmt beruhigt, und bis zum Abend allemal – und deshalb also auch die Bemerkung, ich würde meine Stimme noch brauchen. You’ve already finished before it began… Aber was jetzt folgte, hörte sich nicht nach einem Spaziergang für ihn an. Achtung, es wird kompliziert, dachte ich, als er für einen Moment innehielt.

Okay Süße, leider hast Du vorhin ja schon geschlummert,“ fing er an.

Das konnte ja heiter werden! So umständlich war er doch sonst nicht.

„Und vielleicht hast Du’s ja nicht mitbekommen… Wenn man nach dem Kalender geht, hast Du nicht ganz unrecht, und ich kann verstehen, wenn Du deswegen sauer auf mich bist.“

Aha! Wenn ich deswegen sauer auf Dich bin. Wenn jetzt wieder die Leier kommt, von wegen, wenn das mein ganzes Problem ist… Er wollte mich jetzt nicht wirklich als hysterische Bitch, die aus einer Mücke einen Elefanten macht, hinstellen?

Also gut. Der 10. September. Es war 2016. Da haben John und ich gedacht, jetzt ist alles vorbei.“

Ooookayyy… deshalb sollte ich also unseren Keyboarder fragen, falls ich Mike nicht glaubte. Nach diesem etwas holprigen Einstieg, fasste er sich ein Herz, und ich sollte endlich die Wahrheit erfahren.

Der 10. September 2016 war genau so ein schöner Tag wie heute gewesen: trocken und sonnig. Sie hatten auf ihrer Fahrt von Craigellachie nach Vancouver den Trans-Canada Highway hinter sich gelassen und nur noch ein kurzes Stück auf der 5N vor sich. John hatte seinen Van auf der Mittelspur dahinrollen lassen und sich auf den Feierabend gefreut. Dass sie sich dabei am Rande der zulässigen Höchstgeschwindigkeit bewegten, gefiel Mike, der auf dem Beifahrersitz seine Checkliste abhakte, zwar weniger, aber im Grunde war auch er froh, dass es nach dieser sich ewig in die Länge ziehenden Fahrt endlich nach Hause ging.

Johns Familie wohnt da oben, und bei der Entrümpelung ihrer Garage waren Teile aufgetaucht, die wir bei der nächsten Gelegenheit zu Geld machen wollten. Mark sollte einen Blick drauf werfen, schließlich ist er unser Experte für Autos.“

Ihr Van war zwar gut gefüllt gewesen, aber nicht überladen. Es gab also nichts, über das sie sich hätten Sorgen machen brauchen.

Wir hätten vorher rausfahren und einen Kaffee trinken sollen.“, fuhr er fort, dann geriet er ins Stocken. „Bridal Falls Waterpark. Ein Paradies für Familien.“

Seine Stimme zitterte. Nanu, so nah war er doch sonst nicht am Wasser gebaut. Etwas war ganz und gar nicht in Ordnung, aber ich hütete mich, ihn zu unterbrechen. „Ein Paradies für Wochenendausflügler.“

Stimmt. Die Bilder hatte ich im Internet gesehen, als ich auf der Suche nach Freizeittipps für die Region gewesen war. Zu verlockend hatte diese gigantische Landschaft aus Pools und Wasserrutschen ausgesehen, idyllisch gelegen zwischen bewaldeten Bergen und dekorativ verschönert durch blaue Plastikdelphine, rote Riesenwasserhähne und quietschgelbe Enten. Wahrlich, ein Paradies für Familien, die richtig viel Spaß haben wollten…

Leider aber auch für Idioten, die mit ihrer ungesicherten Ladung auf dem offenen Pickup durch die Gegend rasen. Was dann kam, hat keiner von uns beiden kommen sehen…“

Oh, Shit, das hatte ich nicht gewollt. Mike war völlig fertig. Was immer auch dann geschehen war, es hatte ihn aus der Fassung gebracht und ihm so zugesetzt, dass er jetzt …

Nimm ihn in die Arme, Andrea, und dann gib ihm ein paar Minuten, meinetwegen auch noch länger, und so hielt ich ihn für eine Weile, bis er die Kraft fand, weiterzureden. Der größte Alptraum eines jeden Autofahrers war wahrgeworden: Der Fahrer des Pickups auf der rechten Spur hatte seine Ladung nur unzureichend gesichert und bei dem hohen Tempo, mit dem er unterwegs war, hatten sich Teile des hinten aufgehäuften Schrotts gelöst und waren fröhlich durch die Gegend gesegelt.

Nicht ganz so fröhlich für John, der den Schreck seines Lebens bekommen hatte, als ihnen ein riesiger Bottich aus verrostetem Metall entgegen geflogen kam, auf die Motorhaube aufschlug und bei diesem Aufprall noch die Windschutzscheibe touchierte, bevor das Objekt nach hinten weiterflog und aus dem Sichtfeld geriet.

Hätte Mike den Van gesteuert, wäre dieser Zwischenfall nicht so glimpflich abgelaufen. Er hätte wahrscheinlich den Kopf verloren und das Fahrzeug irgendwo dagegengesetzt, und so war es John, der am Ende die Kontrolle behalten und den Van trotz heftigen Schlingerns auf dem Seitenstreifen zum Stehen gebracht hatte. Kalkweiß und völlig am Ende mit den Nerven, waren sie ausgestiegen und hatten sich ein gutes Stück vom Straßenrand entfernt in Sicherheit gebracht.

Keine Minute zu früh, denn kaum waren sie von der Straße runter, kam auch schon der nächste Vollidiot angebrettert und schrammte haarscharf an dem Van vorbei. Oh Mann, wie ich solche Möchtegern-Hamiltons hasste. Die beiden hätten tot sein können. Und der Unfallverursacher hätte davon nichts mitbekommen, denn der war längst über alle Berge. Mir das vorzustellen, war für mich der reinste Alptraum. Ich konnte nicht anders, als sein Gesicht mit beiden Händen zu umfassen und ihn behutsam zu küssen. Dann nahm ich ihn in meine Arme und wiegte ihn wie ein kleines Kind. Wie einen Dreijährigen.

Diesen Tag jetzt noch einmal durchleben zu müssen, hätte jeden aus der Bahn geworfen. Wie in diesen Videos auf youtube, in denen der Blitz dort einschlägt, wo kurz zuvor noch jemand gestanden hat, dachte ich, und im übertragenen Sinn hatte es sogar zwei Einschläge dicht hintereinander gegeben. An diesem Tag hatte sein Leben ein zweites Mal begonnen, was vielleicht auch erklärte, dass Mike seit drei Jahren seinen eigentlichen Geburtstag im Juni nicht mehr feierte und John sich seitdem nie wieder ans Steuer gesetzt hatte. An seiner Stelle hätte ich sogar den Beifahrersitz gemieden und nur noch hinten Platz genommen, aber mit traumatischen Ereignissen ging wohl jeder anders um.

Manche gehen bewusst bestimmten Situationen aus dem Weg, andere verdrängen das Erlebte so lange, bis eines Tages die Erinnerung aus dem Hinterhalt zuschlägt und sie nicht mehr ausweichen können – bei den einen früher, bei den anderen später. Mike hatte es jetzt erwischt. Drei Jahre danach. Es konnte kein Zufall sein, dass er ausgerechnet jetzt damit herausgekommen war.

Klar, ich konnte mir ruhig weiter einbilden, dass unser albernes Herumgeblödel beim Chinesen zu diesem Ergebnis geführt hatte. Dennoch, wäre ihm Tage zuvor nicht diese Story wegen seines angeblichen Geburtstages entschlüpft, hätten die Dinge niemals so ihren Lauf genommen. Hätte er geschwiegen, wäre die damit zusammenhängende Geschichte nicht ans Licht gekommen; früher oder später bringt die Sonne so manche unserer Geheimnisse an den Tag, so sehr wir uns auch bemühen, sie unter Verschluss zu halten.

Vielleicht war es aber auch nicht von ungefähr gekommen, dass er diese Entwicklung mit der inszenierten Privatparty ins Rollen gebracht hatte. Von all dem, was mir durch den Kopf ging, sagte ich jedoch nichts. Keiner von uns sprach auf der zweistündigen Überfahrt auch nur ein Wort; sein Rücken an meine Brust gelehnt, hielt ich ihn in meinen Armen und hüllte uns in meinen überdimensionalen Schal ein wie in einen Kokon.

Reglos ineinander versunken, blickten wir in die gleiche Richtung und ließen die in bunten Herbstfarben leuchtende Inselwelt unbeachtet an uns vorbeiziehen. Vielleicht war es mein Herzschlag, den er durch die Stofflagen hindurch in seinem Rücken spürte oder meine gleichförmigen Bewegungen, mit denen ich ihm durchs Haar strich, aber nach und nach wich seine Anspannung, und als der Hafen in Sicht kam, hatte er sich einigermaßen gefangen.

Komm, lass uns zu den anderen gehen“, sagte er mit halbwegs fester Stimme und reichte mir die Hand, um mir beim Aufstehen zu helfen.

Hach, muss Liebe schön sein“, empfing uns Ryan an der Treppe nach unten, als wir uns eng umschlungen näherten.

Hätte er nicht so dämlich gegrinst, wäre ihm sicher aufgefallen, dass Mike stiller war als sonst und auf diesen blöden Spruch von wegen einer modernen Neuauflage von Titanic mit vertauschten Rollen zu den Klängen von „My Heart will go on“ nicht einging.

„So ruhig, Mitchell? Sind wir etwa seekrank?“

Ha ha, toller Witz, Miller. Du kannst es einfach nicht lassen. Wie schön, dass wir heute alle so fröhlich sind, aber nun wundert mich gar nicht, dass sich Euer Sänger bei so viel Einfühlungsvermögen nicht anmerken lässt, wie beschissen es ihm geht. Und damit wäre er in eurem Team dann schon der zweite Kandidat mit Kurs auf den nächsten Zusammenbruch.

Dementsprechend frostig fiel der Blick aus, den ich ihm zuwarf. Wie gut, dass wir nur noch zwei Stunden Fahrt vor uns hatten, während denen er sich gerne weiterhin mit Brian über sein hochspannendes Lieblingsthema in aller Ausführlichkeit unterhalten durfte. Hauptsache, er ging uns beiden bis Parksville nicht auf die Nerven.

Mein stiller Wunsch fand Gehör, denn er wandte sich tatsächlich von uns ab und schloss sich John und Brian an, die sich zum Einsteigen bereit machten. Unserem Fahrer konnte es nicht schnell genug gehen, weiterzufahren.

Na endlich, schrie sein nervöses Trommeln auf dem Autodach förmlich.

Das wunderte mich, denn ein Blick auf meine Uhr sagte mir, dass wir noch gut in der Zeit lagen. Nach meiner Rechnung würden wir am frühen Abend ankommen, die anderen waren lange vor uns losgefahren, und aufgebaut werden sollte erst morgen – Proben inbegriffen. Wozu also diese Eile? Vorhin war Brian doch noch so entspannt gewesen, und jetzt war er wie ausgewechselt. ‚Auf glühenden Kohlen‘ traf es am besten, und ihn in diesem Zustand zu reizen, hielt ich nicht für empfehlenswert.

Mike im Schlepptau, pfiff ich auf die vorherige Sitzordnung und ließ mich auf den Platz in der Mitte der Rückbank fallen. Kaum hatte der die Tür hinter sich zugezogen, drückte Brian aufs Gaspedal und legte einen formidablen Kavalierstart hin. Kunststück, wir waren ja auch die ersten in einer langen Reihe von Autos, die darauf warteten, endlich von der Fähre herunter zu können. Den drohenden Stau zu vermeiden, indem er als erster die empfohlene Umleitung nahm, war seine Devise. Eine weitere Verzögerung wollte er nicht riskieren, ihm reichte bereits die Tatsache, dass aus den zwei Stunden vermutlich drei bis vier Stunden würden, wenn er nicht gewaltig auf die Tube drückte.

Mir war immer noch nicht klar, warum es so ein Drama war, wenn wir statt um sechs erst um acht Uhr ankämen. Auch John, der bisher am ruhigsten von uns allen geblieben war, begann sich zu fragen, was mit unserem Manager los war. Die einzigen, die unbeteiligt aus dem Fenster schauten, waren Mike und Ryan. Der eine, weil er in Gedanken immer noch bei unserem Gespräch an Deck war und meine Hand umklammert hielt – der andere, weil ihm gar nichts anderes übrig blieb und dem Fahrer nicht noch zusätzlich auf die Nerven fallen wollte.

Meine Ansage auf dem Schiff hatte also gewirkt. Doch dadurch wurde die Atmosphäre im Ford nicht besser. Wie John, hatte ich das Gefühl, dass irgend etwas vorgefallen war, das Brian die Stimmung verhagelt hatte. Wir sollten es bald schon erfahren.

30 Days Book Challenge : Tag 27 – ein Werk, das vertont worden ist, z.B. als Hörbuch oder Hörspiel

 

Ich kannte das Buch und habe mir das Hörbuch zum Geburtstag gewünscht, damit ich beim Bügeln Unterhaltung habe:

ein Werk, das als Hörbuch vertont worden ist

Spannende Krimis, basierend auf wahren Begebenheiten… leider ist nicht jede Erzählung aus dem Buch in der erzählten Fassung zu hören. Ausgerechnet die, die mir am besten gefallen hat…

Verbrechen, von Ferdinand von Schirach

3 CDs, gelesen von Burghart Klaußner (https://i.pinimg.com/564x/f0/d1/62/f0d162cb92847e50429f81ab7d2efa79.jpg)

 

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30 Days Book Challenge : Tag 26 – ein Reiseführer, der bei Dir den Wunsch zu einer Reise geweckt hat

 

Was hat mich bei dieser Tagesaufgabe geritten? Von welchem Verlag der

Reiseführer, der bei mir den Wunsch zu einer Reise geweckt hat

war, weiß ich nicht mehr… Leider ist auch aus der Reise auf

die Azoren

nichts geworden.

Statt eines Buches gibt es an dieser Stelle als Platzhalter gemeinfreie Aufnahmen von diesem Archipel (neun  Inseln… 1369 km westlich von Europa, 1930 km östlich von Neufundland (Kanada) und 3600 km entfernt von New York), mitten im Atlantik, da wo das schöne Wetter herkommt…

… die Inseln Sao Miguel (Bild 1 – https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/c/ce/Azoren_Sao_Miguel_Mosteiros.JPG/1200px-Azoren_Sao_Miguel_Mosteiro.jpg)

und

Flores (Bild 2 – https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/f/f6/Azoren_Flores_Fajazinha_1.jpg/1200px-Azoren_Flores_Fajazinha_1.jpg).

Das viele Grün und der schwarze Sand, beides erinnert mich an Lanzarote (Kanarische Inseln).

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# Writing Friday 2020 – Juli, 28. Woche : Die blaue Tür

 

Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass es diesen Monat beim #Writing Friday auf dem Blog von elizzy – nur schwierige Themen für mich gibt. Zeitreisegeschichten mag ich ja ganz besonders, aber „altes Ägypten“? Da bleibe ich doch vorerst lieber bei reiner Fantasy mit Narnia-Feeling… denn die zweite Aufgabe lautet:

Emma ist gerade in ein neues Haus gezogen, als sie dort den Wandschrank öffnet weht ihr ein kühler Wind entgegen, sie tritt hindurch und ist in einer anderen Welt… (Erzähle die Geschichte weiter)

Welche Welt könnte das wohl sein? Höchstwahrscheinlich keine reale…

 

♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦

Die blaue Tür

Was für ein Schock: nach übermäßigem Gin-Tonic-Genuss in meinem neuen Ferienhäuschen aufzuwachen, ins Freie zu treten und sich in Dorset, England, im Mai des Jahres 1941 wiederzufinden. Muss ich noch betonen, dass das Ferienhäuschen verschwunden ist, als ich mich umdrehe, um mich zu vergewissern, dass dies kein Traum ist?

Wer sich in Geschichte auskennt, weiß, dass sich zu diesem Zeitpunkt das Deutsche Reich mit der halben Welt im Krieg befunden hat, England eingeschlossen. Was für ein Witz! Und ein schlechter noch dazu, denn was ich für einen Traum gehalten habe, nämlich mitten in einem meiner Lieblingsromane aufzuwachen, fühlt sich verdammt echt an – willkommen in meinem höchstpersönlichen, Wirklichkeit gewordenen Alptraum.

Ausgeschlossen, dass ich hier auch nur einen Menschen nach dem Weg fragen darf, denn sobald ich den Mund aufmache, wird man erkennen, dass ich nicht von hier bin. Da hilft es mir auch nicht, dass ich keine Papiere bei mir habe. Wenn ich jedoch genauer darüber nachdenke, kann ich froh sein, dass ich sie zu Hause gelassen habe, eine Plastikkarte aus dem Jahr 2015 würde im Jahr 1941 nur unbequeme Fragen aufwerfen. Am besten gehe ich nicht nur auf Abstand, sondern verstecke mich ganz. Fürs erste bin ich hinter meiner Hecke auf dem Boden sicher, aber man kann nie wissen, wann der nächste Traktor übers freie Feld gefahren kommt. Außerdem muss ich auch irgendwann etwas essen. Denk nach, Emma, versuche ich, mich zusammenzureißen, verschaff Dir einen Überblick und lege Dir für den Notfall einen Plan B zurecht. Die Sache hat nur einen Haken: Für einen Plan B müsste ein Plan A existieren, und genau den habe ich nicht. Dafür aber die freie Sicht an der sich schier endlosen Hecke.

Kleiner Irrtum: Die natürlich gewachsene und von Farmern in Form gebrachte Grenze zwischen Straßen und Ackerland erstreckt sich vielleicht höchstens 500 Meter, dann kommt ein Wäldchen in Sicht, und davor ein Farmhaus, nicht größer als eine Kate. Wenn ich nicht falsch liege, dann dürfte sich jetzt niemand darin aufhalten. Das Leben eines Farmers spielt sich zwischen Sonnenauf- und -untergang vorwiegend im Freien ab, und wenn ich Glück habe, ist die Frau des Hauses mit anderen Dingen beschäftigt als der Zubereitung des Mittagessens. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt – nur dass es bei mir nicht ums Gewinnen geht, sondern um die Wurst; das Verbergen meiner wahren Identität, denn wenn die rauskommt, bin ich geliefert. Aber ich wiederhole mich.

Nachdem sich die paar hundert Meter ewig in die Länge gezogen haben, bin ich tatsächlich am Ziel und blicke mich um: Ich stehe inmitten eines großen Raums, in dem gekocht, gegessen und geschlafen wird. A propos gegessen: So langsam meldet sich mein Magen, doch bevor ich mit meiner Suche nach der Speisekammer beginnen kann, höre ich von draußen Schritte näherkommen. Hektisch blicke ich mich nach einem Versteck um. Ich würde mich gerne unter eines der Betten schieben, doch das kann ich vergessen; in die Wände eingelassen, sind diese Alkoven genau so massiv wie der blaue Schrank, der mitten im Raum steht. Wo ist der denn so plötzlich hergekommen? Viel Zeit mich über seine Existenz und seine Farbe zu wundern, bleibt mir nicht. Mit drei Schritten bin ich bei dem Möbelstück, und zwänge mich in die Dunkelheit, bevor ich die Tür beinahe lautlos hinter mir zuziehe, keine Minute zu früh. Jemand hat die Kate betreten, und ich bin entkommen… fragt sich nur wohin. Eigentlich müssten hier jetzt Kleider, Schuhe und eventuell noch irgendwelcher Krimskrams sein. Statt dessen umfängt mich kalte Zugluft, und am anderen Ende des leeren Raums, in dem ein rötliches Zwielicht herrscht, bewegt sich etwas. Seltsame Geräusche kommen von dort. Kann mein Alptraum noch schlimmer werden? Ein normaler Schrank ist das nicht – denn der hätte nicht solche gewaltigen Ausmaße. Von innen größer als von außen… das darf doch nicht wahr sein!

Aber alles Kneifen ändert nichts an der Tatsache, dass ich nach mehreren Metern vor einer Konsole stehe, die diese Geräuschorgie produziert; es ändert auch nichts daran, dass ich nicht mehr alleine an diesem surrealen Ort. Zwischen zwei dumpfen Glockenschlägen spricht eine Stimme zu mir: „Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos. Trust me – I’m a doctor.“

(Fortsetzung folgt)

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Ich musste etwas tricksen und räumliche Distanz zwischen das Häuschen und den Schrank legen, damit die Fortsetzung zu Landmädchen, Du bist bekloppt aus dem Juni hinhaut und ich einen Ausgangspunkt für einen halbwegs vernünftigen Abschluss habe.

Die Schreibthemen im Juli lauten: 1) Du gerätst über eine Zeitmaschine ins alte Ägypten, erzähle von diesem Abenteuer. +++ 2) Emma ist gerade in ein neues Haus gezogen, als sie dort den Wandschrank öffnet weht ihr ein kühler Wind entgegen, sie tritt hindurch und ist in einer anderen Welt… (Erzähle die Geschichte weiter) +++ 3) Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter mit ein: Hund, Badeanzug, rosarot, gehüpft, Eiscreme. +++ 4) Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz “Kurt war zum Mörder geboren, könnte man meinen, wenn da nicht…” beginnt. +++ 5) Berichte aus dem Alltag von Simon – ein kleiner bunter Spatz, mit Pilotenbrille und einem mutigen und grossen Herzen.

Und hier sind die Regeln dazu: Jeden Freitag wird veröffentlicht. +++ Wählt aus einem der vorgegebenen Schreibthemen. +++ Schreibt eine Geschichte/ein Gedicht/ein paar Zeilen – egal, Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben. +++ Vergesst nicht, den Hashtag #Writing Friday und den Header zu verwenden, schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch. +++ Habt Spaß und versucht, voneinander zu lernen.

Die 5 Besten am Donnerstag : die besten Historienfilme

 

Historienfilme beziehen sich laut Wikipedia auf historischen Figuren, Ereignissen oder Bewegungen. Oft zählen auch die sogenannten Monumentalfilme dazu; wie schön, dass das heutige Thema der Besten am Donnerstag bei passionofarts zum meinem aktuellen Filmkonsum so gut passt, denn da habe ich gleich mehrere monumentale Streifen im Sortiment. Mit den Jahren sind übrigens so viele Historienfilme bei mir zusammengekommen, schon weil ich früher diese sogenannten Sandalenfilme geliebt habe. Schon allein damit ließe sich die Liste der fünf Besten füllen – meine Auswahl habe ich diesmal nach einem ganz anderen Kriterium getroffen:

Fünf Kontinente – fünf Filme (plus)

Die Kontinente sind alphabetisch geordnet – der Schauplatz des betreffenden Films ist auf dem entsprechenden Kontinent angesiedelt. Lasset die Spiele beginnen..

 

Afrika : Land der Pharaonen

Der Bau einer Pyramide, 1955 von Howard Hawks grandios in Szene gesetzt – mit Jack Hawkins als Pharao Cheops und Joan Collins als macht- und habgierige Prinzessin Nellifer, die am Ende ihr blaues Wunder erlebt (https://assets.mubicdn.net/images/film/2276/image-w448.jpg).

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Amerika : Der Patriot (Nord) /  Fitzcarraldo (Süd)

Die meisten Historienfilme beschäftigen sich mit dem Sezessionskrieg (1861 – 1865). Die Anzahl der Filme, die vor dem Hintergrund des Unabhängigkeitskrieges spielen, ist jedoch kürzer. In Erinnerung geblieben ist mir dieser Film von Roland Emmerich aus dem Jahr 2000, mit Mel Gibson in der Hauptrolle als Farmer und Heath Ledger als dessen ältester Sohn, der sich ohne Erlaubnis des Vaters den amerikanischen Truppen anschließt (https://images.mediabiz.de/flbilder/max02/mbiz02/mbiz45/z0245542/b780x450.jpg) –

 

Für Südamerika hätte ich noch Fitzcarraldo mit Klaus Kinski im Angebot – er lehnt sich an eine reale Person an und an dessen Transport seines Schiffs über einen Berg.

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Asien : Der letzte Kaiser

1987 drehte Bernardo Bertolucci dieses Epos über den Kaiser Puyi, der als zwei Jahre altes Kind den Thron bestieg und als Fünfjähriger zur Abdankung gezwungen wurde. Gedreht wurde an Originalschauplätzen – zur Belohnung gab’s neun Oscars und vier Golden Globes (https://images-na.ssl-images-amazon.com/images/I/51R50DC9QWL._SY445_.jpg).

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Australien : Long Walk Home

Zum Stichwort „Gestohlene Generationen“ ist mir dieser Film von 2002 über die Umerziehung der Aborigines im Australien der 30er Jahre eingefallen. Basierend auf einem authentischen Fall, geht es in dem Film um drei Mädchen, die aus einem Kinderheim flüchten, in das sie verschleppt worden sind, nachdem man sie im Auftrag der Regierung ihren Familien entrissen hat; diese Zwangsentfernung von Kindern, die von Weißen und Aborigines abstammten, fand bis ungefähr Ende der 60er Jahre statt. Bei dem langen Weg entlang des sogenannten Kaninchenzauns haben die Mädchen 2000 Kilometer vor sich – und einen Fährtensucher auf den Fersen. Die Filmmusik stammt von Peter Gabriel, der sich von der traditionellen Musik der Aborigines inspirieren ließ (https://m.media-amazon.com/images/I/81bP4dBO97L._SS500_.jpg)

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Europa : Rob Roy

Hier hatte ich die Qual der Wahl. Entscheide ich mich für einen Film über das alte Rom oder lieber Russland zur Zarenzeit? Oder vielleicht für ein Epos über den Ersten oder Zweiten Weltkrieg? – Nö. Mein Herz schlägt für Schottland, und deshalb hat es nicht „Braveheart“, sondern ein Film aus dem Jahr 1995 über den schottischen Volkshelden Robert Roy MacGregor, mit Liam Neeson in der Rolle des Titelhelden und Tim Roth als dessen Gegenspieler Archibald Cunningham (https://www.crew-united.com/Media/Images/907/907190/907190.entity.jpg)   

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Am Ende sind es jetzt doch noch sechs Stück geworden…

30 Days Book Challenge : Tag 25 – ein Buch, auf das Du durch den Klappentext neugierig wurdest

 

Da nicht jedes Buch einen Klappentext hat, wie z.B. Taschenbücher, mache ich aus dieser Stelle einfach aus dem Klappentext etwas anderes…

den Text auf der Rückseite des Einbands, der mich auf das Buch neugierig gemacht hat

Ein Sommerhaus am Chiemsee in den dreißiger Jahren: die Erfüllung eines Traums. Und bald ist es für die Familie der jungen Isabella viel mehr als nur ein Ort für die Sommerfrische… Charme, Selbstironie und treffsicherer Witz – eine Freude für mindestens drei Generationen“ – Die Welt.   +++   Weil ich selbst ein winziges Häuschen im Grünen ohne großen Komfort habe, war ich sehr gespannt auf:

Ein Baum wächst übers Dach von Isabella Nadolny

 

Was als Ferienhäuschen gedacht war, wird bald zum Lebensmittelpunkt für die Familie Nadolny – es ist nicht die Romantik, die sie aufs Land ziehen lässt, sondern finanzielle Schwierigkeiten, die sie dazu zwingen.

Wenn eine Familie wie die unsere sich chronisch in den falschen Ländern ansiedelt und bei politischen Wirren, Kriegen, Revolutionen das Geld immer wieder nicht rechtzeitig in der Schweiz deponiert, dann erleichtert das gewisse Entscheidungen beim Bau eines Sommerhauses sehr: Von zwei Möglichkeiten wählt man immer die billigere. Das spart Kopfzerbrechen“. (Seite 16).

 

 

Die Lektüre ist leicht, und doch schimmern unter der Nonchalance, mit der Isabella Nadolny erzählt, die Schwierigkeiten hindurch, die ihre Versuche, sich in dem neuen Leben zurechtzufinden, mit sich bringen (https://i.pinimg.com/564x/cf/44/82/cf44820c4fe3ac6111dd5df2b5cc25b2.jpg).

Das im Großdruck bei dtv erschienene Taschenbuch hat 377 Seiten und trägt die ISBN 3-423-25246-4

 

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Die Liste derer, die mitmachen wird länger und länger – hier ist der neueste Stand:

Bette Davis left the Bookshop

wortverloren

Kraut und Kleid

aequitasetveritas

Wortgerinnsel

wortman

vro jongliert

Irgendwas ist immer

Verfilmt & Zerlesen

Anicas Medienwelten

Corlys Lesewelt

Myriade

Ola

Ich lese

Tempest

Norbpress

Eva

Annuschka

Weitere Neu- und Späteinsteiger sind herzlich willkommen und werden (falls vorhanden) fortlaufend ergänzt.

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30 Days Book Challenge : Tag 24 – ein Buch, das Du gerne mal verfilmt sehen würdest

 

Fantasy hatten wir schon? Stimmt, aber nicht das Subgenre „Urban Fantasy“ – Mal was ganz anderes als die von mir bevorzugte „High Fantasy“.

ein Buch, das ich gerne mal verfilmt sehen würde

Die Buchreihe „Schwestern des Mondes“ von Yasmine Galenorn entführt uns nach Seattle in die Gegenwart. Den ersten Band der Reihe mit dem Titel

Die Hexe von Yasmine Galenorn

könnte ich mir gut als Pilotfilm zu einer Serie vorstellen. Mystery ist ja eher das Programm von sixx für den Donnerstag. In dem Roman ist Camille, die älteste der d’Artigo-Schwestern, eine attraktive Hexe, der öfters mal ein Zauber danebengeht (https://i.pinimg.com/564x/f1/83/65/f18365bf2812074fe8459c54938544a1.jpg)

 

Ein Unsichtbarkeitszauber, der dazu führt, dass sie splitternackt mitten im Raum steht, wäre so ein Beispiel. Mit ihren zwei Schwestern Delilah (eine Werkatze) und Menolly (Vampirin) befindet sie sich auf einer Mission: zu verhindern, dass das Böse nicht die Erde zerstört.

Ja, ich weiß, klingt nicht gerade originell, aber jedes Buch der Reihe ist abwechselnd aus der Perspektive einer anderen der drei Schwestern geschrieben und wird mit jedem Band spannender.

396 Seiten – droemer-knaur – ISBN-13: 978-3426501559

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Die Liste derer, die mitmachen wird länger und länger – hier ist der neueste Stand:

Bette Davis left the Bookshop

wortverloren

Kraut und Kleid

aequitasetveritas

Wortgerinnsel

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Irgendwas ist immer

Verfilmt & Zerlesen

Anicas Medienwelten

Corlys Lesewelt

Myriade

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Ich lese

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Weitere Neu- und Späteinsteiger sind herzlich willkommen und werden (falls vorhanden) fortlaufend ergänzt.

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„Broken Strings“ : Chapter 35 – Geboren am 18. Juni

♪♫ Liar, liar, you’re such a great big liar. With the tallest tales that I have ever heard.

Ein Ohrwurm zum unpassendsten Zeitpunkt, aber nur allzu wahr. Oh ja, diese Tischrunde war grandios gesprengt worden. Der erste, der den Raum verlassen hatte, war Mike. Danach war ich aufgestanden und hatte mich bei Mark und Sue entschuldigt, um einen Ort aufzusuchen, an den mir niemand folgen würde, um auf mich einzureden. Verwirrt schloß ich die Kabinentür und ließ mich auf der Schüssel nieder. Was hatte ich da bitte gerade gehört? In mir ging es drunter und drüber.

♪♫ Fire, fire, you set my soul on fire, Laughing in the corner as it burns, Right between the ribs it’s sinking in.

Flashback: Hier kommen sämtliche guten Eigenschaften von Dir zusammen! Was für ein abgeschmackter Witz, den keiner von uns komisch gefunden hatte, schon gar nicht nach Mikes Reaktion darauf.

♪♫ Oh, oh, the siren sang so sweet and watched the sailors going down. Oh oh, you talk to me in siren song; yeah, anyone would drown

Liar. Liar. Oh, oh, Deinen Worten habe ich nur zu gerne gelauscht. Sie waren Musik in meinen Ohren. Musik, an der ich mich berauscht.. and the ships go down, following the sound…

Hear. That. Sound. Eine WhatsApp-Nachricht von Jenny war gerade frisch hereingekommen: „Was ist los, Süße?“

Süße? Jetzt du nicht auch noch, stöhnte ich gequält, There’s nothing sweet about me, und im Moment ist eure ‚Süße‘ ziemlich sauer. Augenrollend textete ich zurück: „Ich weiß nicht weiter, Jenn…“

Jenn. O je – wenn Du meinen Namen abkürzt, ist es wirklich ernst.“

Ist es auch. Jenn, wo fängt die Lüge an? Wenn man jemandem nicht die ganze Wahrheit sagt – oder bereits, wenn man jemanden anhand kryptischer Andeutungen die falschen Schlüsse ziehen und ihn in dem Glauben lässt, dass…“

Äh, ich glaube, kryptische Andeutungen machst Du gerade…“

Damit hatte sie zwar recht, aber tiefer ins Detail wollte ich nicht gehen. Tallest tale, auch besser bekannt als Seemannsgarn oder größter Schwindel aller Zeiten… Beim Geburtsdatum zu schummeln, war nur eine kleine Lüge, aber ihre Wirkung konnte ich mir nicht schönreden oder gar -trinken. Vor allem war sie unnötig wie ein Kropf. Hollywooddiven vergangener Zeiten waren bekannt dafür, sich um Jahre jünger zu machen; aber das waren, wohlgemerkt, Jahre und nicht bloß ein paar läppische Monate wie bei Mike.

Ich verstand nicht, wo darin der Witz liegen sollte. Eine Privatparty anlässlich des Beginns seines neuen Lebensjahres, den seine Bandkollegen sowieso nicht feiern wollten? Auch nicht mit einer Überraschungsparty? Der Grund dafür war simpel: September war der falsche Monat, und der Zehnte der falsche Tag. Geboren am 18. Juni. Und dann war es noch nicht mal ein runder Geburtstag.

Neundundzwanzig, Halleluja – wenigstens stimmte das Alter. Und spätestens hier drehte ich mich im Kreis, von wegen Hollywooddiven, ihr Alter, und so… Und wenn er schon bei so einer Lappalie geflunkert hatte, wobei dann noch? Von all dem schrieb ich Jenny natürlich nichts. Stark verkürzt teilte ich ihr mit, dass es schon eine Weile her war, dass mich jemand so verschaukelt hatte, und ich mich fragte, warum.

Da es bei ihr zu Hause schon spät war, schob ich noch ein „Lass uns morgen telefonieren“ hinterher und zog mich aus dem Chat zurück. Aber etwas musste ich dabei falsch gemacht haben, denn auf dem Display öffnete sich ein Fenster und zeigte mir den Text, an dem Mike zuletzt stehengeblieben war: „Schlangen-Menschen sind materialistisch und schielen gerne nach dem Besitz anderer. Sie besitzen von allem gerne das Beste, empfinden allerdings keine Leidenschaft für Shopping.“

Keine Leidenschaft für Shopping… Okay, nicht jeder Blödsinn war es wert, vor versammelter Mannschaft wiedergegeben zu werden, und das hier hätte ich an Mikes Stelle auch weggeklickt. Aber à propos Mike… wie ich ihn kannte, war er garantiert zum Rauchen nach draußen gegangen.

Jeder hatte so seine Methoden, sich zu beruhigen, und ich gehörte zu denen, die nicht auf Nikotin zurückgreifen wollten. Das hatte ich früher oft genug getan. Mit dem Ergebnis, dass irgendwann meine Kondition immer schlechter geworden war: Wo ich davor locker zwanzig Bahnen oder mehr im Schwimmbecken heruntergerissen hatte, war ich zum Schluss nur noch auf einen Bruchteil der im Wasser zurückgelegten Strecke gekommen und hatte der elenden Qualmerei endgültig abgeschworen.

Ein anderes Mittel musste her, denn so konnte ich auf keinen Fall vor die Tür treten; die anderen würden sofort merken, dass etwas nicht stimmte – beste Voraussetzungen für eine harmonische Rückfahrt.

Ironie off!, Andrea, und denk scharf nach. Irgendwo auf Deinem Handy hast Du doch bestimmt die passende Musik gespeichert, die Du wählen würdest, wenn Du die Herzfrequenz senken wolltest. Settle, relax and chill out. Here we go: Zola Jesus? – Zu viele Beats drin, und die Stimme kann ich jetzt nicht ertragen… Conjure One?

Schon besser, aber als Schlaflied eignet sich kein Lied davon… Goldfrapp. Tales of Us? – That’s it. Und tatsächlich: Alison Goldfrapp, begleitet von ruhigen Klängen, erreichte mit ihrer Stimme, dass sich meine Atmung und mein Puls verlangsamten und ich nicht länger mein Herz bis zum Hals klopfen hörte. Schön, ich war angeschmiert worden, aber sollte ich mir dadurch wirklich den Rest des bisher so angenehmen Tages, verderben lassen? Einen Indian Summer würde ich so schnell kein zweites Mal erleben, und jetzt war definitiv nicht die Zeit für einen Streit, vor allem nicht vor den anderen. Ich würde mir Mike vorknöpfen, wenn wir unter uns waren.

Alles verlief nach Plan, aber der Plan war der größte Mist aller Zeiten – um im Voraus wissen zu können, dass wir für den Rückweg ewig brauchen würden, hätte ich im Besitz einer Kristallkugel sein müssen. Staus sind grundsätzlich der blanke Horror für mich, auch ohne den Druck, eine bestimmte Fähre erreichen zu müssen. Mit Hängen und Würgen ergatterten wir einen Platz auf dem letzten Schiff nach Richmond zurück, und nur die Tatsache, dass mir Mark die Musikauswahl überließ, bewahrte mich davor, innerlich die Wände hochzugehen.

Er wunderte sich, warum ich mit Sue die Plätze tauschen wollte, und dass ich meine Sendersuche abbrach, als ich bei Countrymusik hängenblieb, rief bei ihm ein weiteres Stirnrunzeln hervor. Aber er hielt sich mit Kommentaren wohlweislich zurück und konzentrierte sich aufs Fahren. Auf dem Schiff war ich dann auch die Erste, die den Impala verließ. Sollten die anderen sich um einen Platz kümmern; ich erklärte mich für die Getränke zuständig und stellte mich in der Schlange an. Zehn Leute vor mir, das konnte dauern. Nicht so gut für Mark, der dringend einen Koffeinschub benötigte, und auch nicht für Sue, deren Hals sich sicher gefreut hätte, wenn ich ihr einen Becher heißen Tee gereicht hätte.

Ich war dagegen froh, erst einmal etwas zu tun zu haben und auch räumlich etwas Abstand zwischen Mike und mich zu bringen. Was im Auto trotz des begrenzten Platzes funktioniert hatte, war auf der Fähre nicht ganz so einfach. Sich hier aus dem Weg zu gehen, war nahezu unmöglich, wenn ich mich nicht die ganze Fahrt über im Klo einschließen wollte. Meine Mitfahrer würden sich schön bedanken und wissen wollen, warum ich mich so anstellte. Erklärungsbedarf gut und schön, aber nicht jetzt und nicht so. Dafür war ich noch nicht in der richtigen Stimmung, ihnen meine Befindlichkeiten haarklein auseinanderzuklamüsern, und schon gar nicht Mike – sollte der doch erst mal…

Zu spät! Wenn ich gedacht hatte, dass mir mein Platz in der Schlange einen Puffer verschafft hatte, war ich gewaltig im Irrtum. Jemand drängte sich zwischen mich und meinen Hintermann, schlang beide Arme um meine Taille und legte seinen Kopf auf meine Schulter. Na super – wenn man vom Teufel spricht… Mist. Weglaufen war nicht drin. Ob Mike den Braten gerochen hatte? Vermutlich nicht, so anlehnungsbedürftig, wie er war. Oder vielleicht doch? Jetzt hatte er mich, und ich konnte ihm nicht mehr weglaufen; seit heute Nachmittag hatte er sich nämlich schon gefragt, ob er sich nur einbildete, dass ich ihm aus dem Weg ging. Bingo. Volle Kanne. Was sollte ich darauf antworten?

Jemanden auf ‚ignore‘ zu setzen, funktioniert vielleicht in Internetforen, aber im echten Leben? Und dabei hatte ich einen so tollen Plan gefasst: Pokerface aufsetzen, nichts Unüberlegtes sagen und ihn in dem Glauben lassen, dass ich meine Stimme schonen wollte. Einen idiotischen Plan zu haben, der funktioniert, war schon schlimm genug – aber was, wenn man einen guten Plan hat, der im richtigen Leben versagt?

Meine Ausrede war plausibel, wenn man danach ging, wie oft ich mir das Ungetüm von Schal um den Hals geschlungen hatte… und jetzt kam er mir so. Ja, mach nur einen Plan – und so zerbröselt der Keks… Resistance is futile? Nicht ganz. Wenn er sich vorgenommen hatte, mich durch sein Anschmusen aus dem Hinterhalt weichklopfen und am Ende doch noch herumkriegen zu können, würde er nicht weit kommen. Heute Nacht würde sich mit Sicherheit nichts mehr zwischen uns abspielen.

♪♫ Bring on the headless horses, wherever they may roam – shiver and say the word of every lie you’ve heard...

Eleven o’clock tick tock? Von wegen – es war kurz nach sieben. Wer um alles in der Welt hatte den Radiowecker bloß auf so eine unmenschlich frühe Uhrzeit gestellt? Ich war’s nicht gewesen; und nach den wenigen Stunden, die ich mehr schlecht als recht geschlafen hatte, wäre ich niemals auf eine so bescheuerte Idee gekommen. Dass derjenige sich die Mühe gemacht und einen Sender gesucht hatte, der morgens genau die Songs im Programm hatte, die ich liebte, obwohl ich zu ihrer Entstehungszeit noch gar nicht geboren war, tröstete mich auch nicht.

Es war ja nicht die frühe Stunde allein. Die Stimme, die mir aus der winzigen Konservendose von Lautsprecher entgegen schepperte, musste ausgerechnet meinen Lieblingssong aus dem Film „Pretty in Pink“ singen. Welche Ironie. Der Text fasste unser ganzes Dilemma in wenigen Zeilen zusammen und klang genau deshalb wie der blanke Hohn in meinen Ohren: „First I’m gonna make it, then I wanna break it till it falls apart. Hating all the faking and shaking while you’re breaking my brittle heart.“

Kleine Sünden bestraft der Herrgott sofort. Für meine gefakten Halsschmerzen revanchierte sich das Universum mit der Holzkeule. Zaunpfähle sind out – nimm ’nen Baseballschläger, auch wenn der nur akustisch daherkommt und sich als New-Wave-Klassiker tarnt.

Morgens um sieben war die Welt vielleicht für andere in Ordnung. In mir aber köchelte es; nur ahnte Mike davon noch nichts. Mit Echo & The Bunnymen nach vier Stunden tiefsten Schlafs geweckt zu werden und sich an die Liebste zu kuscheln, war seine Traumvorstellung von einem gelungenen Start in den Tag. Die Liebste entzog sich seinen Zärtlichkeiten? Blöd gelaufen, aber warum nicht weiter probieren…

Dass jedoch alle Bemühungen in dieser Richtung für die Katz waren und die Süße heute morgen so gar keine Lust auf einen Quickie verspürte, dämmerte ihm erst nach und nach. O Lord, let it rain some brain. Ja, wenn man morgens zunächst nur in der Lage ist, mit anderen Teilen des Körpers zu denken, die tatsächliche Schaltzentrale erst mit fortschreitendem Grad des Wachseins aktiviert wird, und erst am End‘ der Groschen fällt…

Oh, was war ich fies. Oder ‚gut drauf‘, wie Jenny jetzt gesagt hätte. Ich bin klein und gemein! Aber so gemein, ihn aus dem Bett zu schubsen, auch wieder nicht. Da reichte schon ein ganz anderer Schubs. Auf die Frage, was mit mir los wäre, weil ich ja schon seit gestern so komisch drauf sei, hatte ich schon gewartet und die Antwort in Form einer simplen Gegenfrage vorbereitet: „Warum hast Du mich angelogen?“

Seine Augen wurden schmal: „Ich Dich angelogen?“

Offenbar begriff er nicht, wovon ich sprach. Auch gut, Mr. Mitchell. Dann wollen wir mal nachhelfen und das Geheimnis lüften.

Oh, jetzt enttäuschst Du mich aber. Wer ist denn gestern Nachmittag so plötzlich vom Tisch aufgesprungen und hätte Mark um ein Haar rund gemacht?“

Aber es klingelte immer noch nicht bei ihm. Wenn dezente Hinweise nicht zur Klärung beitrugen, musste ich wohl deutlicher werden. Der Zwilling und seine zwei Gesichter… seinen Stimmungsumschwung hatte ich noch ganz deutlich in Erinnerung, genau wie diesen Schweizer Käse, den Mark zitiert hatte – und genau den gab ich jetzt wieder: „Der Zwilling. Problemlos findet er die richtigen Worte, um das Objekt seiner Begierde glücklich und in sich verliebt zu machen. Er flirtet wie ein Weltmeister, ohne jedoch ernsthaft an eine feste Beziehung zu denken…“

Okay, das mit der Beziehung war irrelevant, und das schob ich auch sofort hinterher, bevor ich mit dem Rest fortfuhr: „Wie war das nochmal? Sternzeichen Zwilling mit Aszendent Zwilling. Da sind sie gleich doppelt ausgeprägt. Deine Eigenschaften.“

Und?“

Und?“ Jetzt war ich diejenige, die nicht verstand, wie jemand so begriffsstutzig sein konnte. Oder handelte er nach dem Motto ‚Einmal dumm gestellt, hilft einem durchs ganze Leben‘?

„Dann erklär mir doch mal, wieso wir im September Deinen Geburtstag feiern, wenn der schon seit Monaten vorbei ist? Nur wegen unserer kleinen ‚Privatparty‘ hättest Du nicht so einen Aufriss machen müssen, von wegen ’neues Lebensjahr‘ und so. Wer weiß, was Du mir noch verschweigst, wenn Du schon bei so einer Kleinigkeit …“

Aha. Kleinigkeit…“ – Mike starrte mich an, als ob ich nicht ganz bei Trost wäre. „Und das ist Dein ganzes Problem?“ Mein ganzes Problem? Komm mir jetzt bloß nicht so, dachte ich. „Echt jetzt?“

Ja, redete ich denn chinesisch? Woran er bei mir war, hatte er von Anfang an gewusst – anders herum war ich mir da nicht mehr so sicher, erklärte ich noch einmal. Wenn das Schummeln schon bei solchen ‚Kleinigkeiten‘ anfängt, wo hört das dann auf? Vermutlich würde ich es nicht mehr erfahren, weil ich dann schon im Flieger nach Deutschland säße, aber diese Bemerkung schluckte ich hinunter. „

Also schön. Da Du mir ja offenbar nicht glaubst – frag John.“

John? Was hatte denn der jetzt damit zu tun? Das wurde mir jetzt eindeutig zu blöd hier.

Okay, jetzt raus mit der Sprache. Dass der elfte September seit 2001 kein Tag zum Jubeln ist, weiß ich auch. Aber was soll dieses Theater um den Zehnten? Und warum soll ich John fragen? Der ist erstens nicht hier, und zweitens will ich keine zweite Meinung einholen, sondern es von Dir hören. Und zwar jetzt.“

Ich wartete noch ein, zwei, drei Sekunden. Dann hatte ich endgültig genug. Wie mich dieses Herumgedruckse nervte! Aus dem Bett freigeschaufelt hatte ich mich schon, und auch damit begonnen, mich anzuziehen. Schlafen war jetzt sowieso nicht mehr drin, also konnte ich genauso gut auch aufstehen und für eine geregelte Koffeinzufuhr sorgen. Ohne Kaffee fühlte ich mich nur wie ein halber Mensch.

Na, hattet Ihr einen schönen Tag?“ wurde ich von Madlyn begrüßt. Klar, Sue war noch nicht wach, aber sie hätte ihr auch so nicht viel erzählen können. Also hielt sie sich an mich.

Frag bloß nicht.“, stöhnte ich und holte mir einen großen Becher extrastarken Kaffee.

Keinen Bissen brachte ich hinunter, denn der Appetit war mir gründlich vergangen. Außer Kaffee und meiner Ruhe wollte ich nichts, aber dieser Wunsch sollte nicht in Erfüllung gehen. Madlyn war nämlich der Meinung, dass mich ein detaillierter Bericht über ihren vergangenen Tag brennend interessierte. Im Normalfall schon, aber mir war nicht danach, mir die Erfolgserlebnisse anderer Leute anzuhören: zuerst beim Bowling, wo sie und ihr Schatz mehrmals hintereinander alle Pins abgeräumt und Ryan und John haushoch geschlagen hatten; danach hatten sie sich ein mehrgängiges Menü in einem indischen Restaurant gegönnt und die kulinarische Entdeckung des Jahres gemacht – worin auch immer die bestand.

Zuletzt hatten sie in einem Pub Darts gespielt. Das war Dannys Idee gewesen, aber leider hatten er und John erleben müssen, dass sie und Ryan auch hier richtig abräumten und bei der Revanche ebenfalls gewannen. Und das bei den Meistern des Darts! Na, da hatte ja jemand Erfolg auf der ganzen Linie gehabt, war mein Gedanke dabei, und wenigstens war für eine der Tag besser gelaufen. Wie sich die anderen mit nicht ganz so viel Glück fühlten, fragte ich besser nicht. Manche nehmen das Verlieren nicht so locker und schießen sich aus Frust die Lichter aus. Wie ich mich überzeugen konnte, war das große Besäufnis jedoch ausgeblieben. Puh! Da hatten wir nochmal Schwein gehabt.

A propos Schwein. Kaum war Madlyn aufgestanden, um sich noch einen Teller Pancakes zu holen, setzte sich auch schon der nächste neben mich: Steve. Genüsslich begann er damit, seine Portion Schweinswürstchen zu verspeisen. Och nö, musste das jetzt sein, so direkt vor meiner Nase? Mir wurde ja von dem Geruch schon schlecht, aber auch die Rühreier und die gebackenen Bohnen konnten diesen olfaktorischen Angriff nicht abmildern. Wie konnten die Leute am frühen Morgen nur schon so viel essen? Und dann noch glauben, dass dies die ideale Zeit für ein Gespräch war, das über Smalltalk hinausging?

Okay, ich war ja selbst keinen Deut besser, dass ich Mike kurz nach dem Wachwerden zur Rede gestellt hatte. Nun aber meinerseits von Steve über meine Antipathie gegenüber Frank ausgequetscht zu werden, entsprach nicht dem, was ich mir unter einer angenehmen Unterhaltung vorstellte.

Ich verstehe nicht, was er für ein Problem mit Dir hat“, fasste er seinen Monolog abschließend zusammen. „Ich meine, es war doch von Anfang an klar, dass ich wiederkommen würde. Mein Job war nie wirklich in Gefahr.“

Ich glaube, das versteht keiner“, mischte sich Bradley ein. „Ihm hat Andie doch nichts weggenommen. Im Gegenteil – er kann doch froh sein, dass er nicht die ganze Arbeit alleine machen soll. Wenn sich vielleicht einer zu beschweren gehabt hätte, dann wäre das Steve gewesen, aber das Thema ist ja nun vom Tisch.“

Ich glaube, da kann ich Licht ins Dunkel bringen.“ Erstaunt blickten wir auf. Vor uns stand Kevin mit einem Teller Rührei mit Speck und zog sich den letzten freien Stuhl an Land. „Ich habe zwar nicht das ganze Drama mitbekommen, aber ich glaube, da gibt es etwas, das Ihr wissen solltet.“

Nun waren wir alle gespannt, welche News uns erwarteten. Wenn er es nur nicht so spannend machen würde, dachte ich. Aber Kevin zog es vor, erst einmal einen langen Schluck aus seinem Kaffeebecher zu nehmen.

Oh Mann, Stewart – komm endlich zur Sache“, stöhnte Bradley genervt in die Runde.

Keep cool, Jackson, gönn Deinem Kollegen doch wenigstens seinen Kaffee, solange er noch heiß ist.“

Typisch Stewart. Erst die Leute heiß machen und dann im Regen stehen lassen“

Ja, bitte“, sprang ich Bradley bei, denn auf die Folter ließ auch ich mich nicht gerne spannen. Mein Bedarf an Männern, die mit der Sprache nicht herausrückten, war für heute gedeckt.

Achtung, jetzt ging es los. Kevin setzte den Becher ab und beugte sich nach vorne. Mit verschwörerischer Miene und gesenkter Stimme erzählte er von einem Telefonat, das er vor einiger Zeit rein zufällig aufgeschnappt hatte. Zunächst hatte er sich keinen Reim darauf machen können, und eigentlich gingen ihn Franks Gespräche auch gar nichts an, aber dann war Steves Name gefallen; also hatte er genauer hingehört und damit begonnen, den Roadie genauer unter die Lupe zu nehmen. Und schließlich hatte er die Bestätigung: Frank hatte sich lang und breit bei jemandem aus seinem Dunstkreis darüber ausgekotzt, wie sehr es ihn immer noch wurmte, dass ich den Job nur wegen meiner Affäre mit Mike bekommen hatte. – Oh, wow! Was für eine Neuigkeit, lasst uns diese Sensation feiern!

Oh Mann, Stewart. Und ich dachte, wir würden mal was wirklich Neues erfahren“, reagierte ich dann auch prompt entsprechend.

Die Story von meiner angeblichen Bevorzugung kannte doch inzwischen jeder; und Steve wahrscheinlich auch schon längst. Neu für uns aber war, dass Frank lieber selbst jemanden aus seinem eigenen Dunstkreis an meiner Stelle platziert hätte. Der Typ, mit dem Frank so ausgiebig telefoniert hatte, war selbst scharf auf den Job gewesen, weil er hoffte, auf diese Weise einen Fuß in das Business zu bekommen und eine steile Karriere hinzulegen. Schön blöd!

Ich konnte mir sehr gut vorstellen, welche Worte bei dem Gespräch zwischen Frank und dessen Kumpel gefallen waren – ‚dahergelaufene Tussis, die glauben, dass der Weg nach oben durchs Bett führt und mit dieser Masche auch noch durchkommen…‘ Neid, Dein Name ist Parker, in giftgrünen Buchstaben vor schwefelgelbem Hintergrund. Der Weg nach oben. Aha. Klar, ich hatte mir Mr. Mitchell an Land gezogen, um einen schlechtbezahlten und zeitlich begrenzten Aushilfsjob zu ergattern, und da mir der Womanizer Number One so unglaublich schwer widerstehen konnte…

Was glaubst Du denn, wie oft Brian ihm verklickert hat, dass das nie zur Debatte stand?“ Ja, wie oft wohl, ging es mir bei Kevins Gegenfrage an Steve durch den Kopf. Der hatte nicht glauben können, was Kevin ihm zu erklären versucht hatte. Gut, dass ich davon nicht jedes Wort mitbekommen hatte, sonst wäre ich so rot angelaufen wie eine Bloody Mary.

Ich glaube, er will das nicht verstehen“, warf Bradley ein und wendete sich nun mir zu: „Typen wie er brauchen jemanden, den sie schikanieren und an dem sie ihren Frust ablassen können. Und da bist Du ihm gerade recht gekommen.“

Okay, fein. Lasst uns Franks Mobbing mir gegenüber zum Thema machen.

„Aber weißt Du, was ich am wenigsten kapiere? – O nein, bitte nicht – „Dass Du das so lange für Dich behalten hast.“

Verdammt nochmal, sollte das ein Verhör werden? Wie schlimm konnte der Tag noch werden? Dabei hatte er doch gerade erst angefangen. Verstimmt verschränkte ich meine Arme vor der Brust und schob meinen Becher von rechts nach links. Genervtes Trippeln mit der Fußspitze unter dem Tisch.

„Musst Du diese alte Geschichte schon wieder aufwärmen?“ nörgelte ich dann auch prompt zurück.

Ja, weil es ja sonst keiner tut. Wir alle haben die blauen Flecken und die Schrammen gesehen. Ich, Ryan, Mike…“

Oh Mann!“ fuhr ich dazwischen, „Hör mir bloß auf mit denen!“

Vielleicht kam meine Antwort eine Spur zu scharf bei ihm an, oder ich war zu laut gewesen – plötzlich wurde es um mich herum ganz still. Shit. Das war genau die Situation, die ich schon in Filmen so peinlich finde: Jemand lästert über einen anderen vor versammelter Mannschaft, und dieser steht dann ohne Vorwarnung in Hörweite und bekommt alles brühwarm in aller Ausführlichkeit mit. Der formvollendete Sprung in den nächsten Fettnapf. In Wannengröße.

Lasst mich raten – entweder Ryan oder Mike waren aufgetaucht und waren Zeuge meines Ausbruchs in voller Lautstärke geworden. Meinetwegen. Sollten sie doch. Spätestens jetzt wusste der letzte Blöde, dass ich geladen war. Oh ja, das kann ich gut: Mich so richtig in etwas hineinsteigern. The Queen of Drama Queens.

Schon Deine Stimme, Süße. Du brauchst sie heute Abend noch“, ließ Mike trocken in die Runde fallen. „Wir sehen uns später.“

Der Meister des Sarkasmus hatte gesprochen und den Raum verlassen, und er hatte mich ganz schön blöd dastehen lassen. Was ich vor allem nicht verstand: Wieso würde ich meine Stimme heute Abend noch brauchen? Wollte er mit seiner ausstehenden Antwort, die mir zu lange gedauert hatte, wirklich bis zum Abend warten und mich so lange schmoren lassen? Das Singen konnte er nicht gemeint haben, denn die nächste Show war für den 17. September geplant. Ein Dienstag – Vive la France! An Dienstagen war das Publikum ohnehin schon kleiner als an anderen Tagen, und bei unserem Konzert im ersten Kaff auf Vancouver Island konnten wir uns ausrechnen, wie gut besucht die Hütte wirklich war.

Nein, mein Freund – das wollte ich dann doch schon vorher geklärt haben. Welche Ausmaße Schwelbrände annehmen konnten, hatte ich während meiner Ausbildung gelernt, und darauf konnte ich getrost verzichten.