Architekturfotografie : Brutalismus ~ 3

Asymmetrie, Klaustrophobie, Dystopie… Drei Begriffe, die mir bei der Durchsicht meiner Ergebnisse zur Aufgabe 05 (Weite) einfallen. Tatsächlich könnte man auch sagen: Je später der Abend, desto düsterer die Räume. Frei nach dem Prinzip der sogenannten Gelsenkirchener Schule, nach dem am Bildaufbau nichts verändert werden soll, entfiel hier also das Betätigen des Lichtschalters. Es hätte auch nicht viel genutzt, weil sich in den weitläufigen und verwinkelten Räumen das zusätzlich eingebrachte Licht hoffnungslos verloren hätte. Da war Fantasie gefragt oder Umdenken …


Asymmetrie:

Klaustrophobie:

Dystopie:

… doch egal, wohin ich mich auch stellte, es wurde nicht besser. Ich versuchte es trotzdem weiter.


Vielleicht kommen ja diese beiden Kompositionen dem Thema näher? Überzeugt war ich noch nicht…


… aber dann erinnerte ich mich: Hatte unsere Kursleiterin uns nicht etwas von Luftigkeit erzählt? Und was symbolisiert Luftigkeit besser als große Fensterfronten, die Licht in die Dämmerung bringen? Et voilà – schon hatte ich mein Motiv bzw. meine Motive gefunden:


Zu diesem Zeitpunkt war ich nun schon drei Stunden im und ums Rathaus unterwegs und auf den Beinen – doch die sechste und damit letzte Aufgabe stand noch aus:  „Und jetzt geht ihr los und macht euer Bild des Tages! Ob drinnen oder draußen – alles geht.“


Unser Bild des Tages, bevor es zur gemeinsamen Besprechung unserer Aufnahmen geht? Und wieder „nur“ eine halbe Stunde. Die können schnell rum sein oder sich ziehen wie Kaugummi, je nachdem wie stark man motiviert ist oder ob die Luft komplett raus ist. Ich musste gar nicht erst überlegen, denn ich hatte meines schon „im Kasten“:


Zum Schluss waren wir dann nur noch zu viert, weil der Herr mit seiner Plattenkamera bereits vorher schon den Heimweg angetreten hatte. Schließlich war er mit seinen zwölf Aufnahmen durch und musste sie noch entwickeln.

Das bedeutete, dass es bei unserer Nachbesprechung um insgesamt acht Aufnahmen ging: zwei Bilder pro Person, auszuwählen in zwei Minuten. Bei mir ging das fix, denn ich schnappte mir mein Bild des Tages und mein Ergebnis zur dritten Aufgabe (Pflanzen und Beton), die ich an dieser Stelle noch einmal nebeneinander stelle:

Am Ende ernannte ich dann kurzerhand nicht das Foto mit der Spieglung zum Bild des Tages (links), sondern das andere, weil es die Umsetzung von gleich drei Aufgaben miteinander vereinte: Pflanzen, Blau und Weite.

Insgesamt war es ein sehr lehrreicher, spannender und dabei unterhaltsamer, aber gleichzeitig auch wahnsinnig anstrengender Ausflug, der mich zu der Erkenntnis gebracht hat, dass ich für die 52-Wochen-Challenge verstärkt meine Digitalkamera einsetzen und mich demnächst auf die Suche nach weiteren Gebäuden im gleichen Baustil machen werde.

Und vielleicht kann ich mit dieser Kamera auch Neonreklamen ansprechender umsetzen.

Architekturfotografie : Brutalismus ~ 2

Egal, mit wem ich mich früher unterhielt, sobald die Sprache auf unser Rathaus kam, hieß es „O Gott, wie hässlich!“ – womit sie nicht ganz Unrecht hatten, denn von außen ist das Gebäude auf den ersten Blick nun wirklich kein echter Hingucker. Aber wie heißt es so schön – wahre Schönheit kommt von innen?

Und damit komme ich auch schon zu den nächsten Aufgaben, die wir in den Innenräumen des Rathauses erfüllen sollten; als da wären, die zahlreichen Pflanzen mit dem allgegenwärtigen Beton zu verbinden (Aufgabe 03) und die Farbe Blau in den Fokus zu nehmen (Aufgabe 04).


Hier lag für mich die Schwierigkeit darin, dass die Lichtverhältnisse bei den von mir bevorzugten Pflanzen zu gruseligen Ergebnissen führten – während das restliche Grün vorwiegend aus Ficus und Schlingpflanzen besteht und darum nicht zu meinen Favoriten zählt.

Lieber hätte ich mich für diese Aufgabe auf die vielen Blumen im Freien konzentriert, aber gefragt waren Innenaufnahmen. Warum also nicht die Kamera auf die Tür zum Balkon richten und die Bäume auf der anderen Straßenseite mit einbeziehen? Dass ich dieses Bild später noch zu einem anderen Zweck zum Einsatz kommen würde, konnte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen.

Ich war nur froh, dass ich mit dem Ficus (links im Bild) die Aufgabe noch so einigermaßen lösen konnte: Hier stehen die zarten Blättchen der Pflanze (ich glaube, es ist der allseits beliebte Ficus) im Vordergrund, während der Beton tatsächlich nur schemenhaft im Hintergrund zu sehen ist.


Blau: Aber nicht irgendwas. Sinn des Unterfangens sollte nicht sein, soviel blaue Elemente wie möglich auf das Bild zu bekommen, sondern Blau als dominierende Farbe auftreten zu lassen.

Das mag jetzt zwar widersprüchlich klingen, aber tatsächlich ist es ein Unterschied, ob ich jetzt ein Gemälde in vielen Blautönen fotografiere (denn die gibt es im Rathaus auch) – oder ob ich einen blauen Gegenstand so ablichte, dass der Blick automatisch auf ihn gelenkt wird.

Also eher so (der Hausalarm wurde nicht nur von mir verewigt):

Anstatt so:


Damit möchte ich es an dieser Stelle erst einmal gut sein lassen, obwohl die Zeit an dieser Stelle noch nicht um war.

~ wird fortgesetzt ~