Auf der Liste der von mir zu erledigenden Aufgaben gehört auch das Pflegen meiner Rubrik „Cinema Scope“. Auch wenn es für den Zeitraum von Mitte Mai bis Ende Juni nur eine Handvoll Vorführungen gab, über die ich im Normalfall sofort geschrieben hätte. Für geistige Verrenkungen hatte ich jedoch gar keinen Sinn, weshalb über das erste Werk, das hier auftaucht, ein gesonderter Bericht folgen wird. Gesehen habe ich folgende Filme/Sondervorstellungen (mit dem jeweiligen Datum dazu):
******* Die Walküre (am 14. Mai) *** Final Destination 6: Bloodlines (am 21. Mai) *** Kein Tier. So wild (am 23. Mai) *** Lilo & Stitch (am 24. Juni) *** Martin Margiela – Mythos der Mode (am 27. Juni) *******
Nach dieser übersichtlichen Übersicht folgen nun meine Gedanken dazu:
„Die Walküre“: Aufführung der Wagner-Oper, die direkt aus dem Londoner Opernhaus ins Kino übertragen wurde. In Anbetracht der Länge von Pi mal Daumen fünf Stunden erfolgt ein einzelner Beitrag an anderer Stelle.
„Final Destination 6: Bloodlines“: Eigentlich dachte ich, dass mit dem Ende von „Final Destination 5“ aus dem Jahr 2011 die Reihe mit ihren immer gleich ablaufenden Geschichten auserzählt gewesen wäre; nur soll man niemals Nie sagen. Und so kam es, dass 14 Jahre später ein Prequel mit FSK 18 folgen würde, das in den 1960er Jahren während der Eröffnungsfeier eines Drehrestaurants auf einem Aussichtsturm spielt. Das Szenario in und auf dem Gebäude, das im Hau-Ruck-Verfahren gebaut und vorzeitig eröffnet wurde, liefert jede Menge Potential für hunderte, wenn nicht gar tausende von (hypothetischen) Todesfällen, und natürlich für groteske Arten, auf die die Nachkommen der Person, die das Unglück 1968 verhindert hat, ums Leben kommen. Der Spruch, dass die meisten Unfälle immer noch im Haushalt passieren, trifft – wie meistens in dieser Horrorfilm-Reihe – hier nicht zu.
„Kein Tier. So wild“: Schwere Kost aus deutschen Landen – das hatte ich von meinem Spontanbesuch. Sehen wollte ich den schon länger, nur hatte ich keine Gelegenheit dazu. Die Rezeptur: Man nehme Shakespeare, versetze Richard III ins Berlin von heute und lasse die sich im Krieg befindlichen Häuser York und Lancaster durch zwei verfeindete arabische Clans repräsentieren. In der Rolle des titelgebenden und sich nach oben mordenden Bösewichts, der selbst vor Kindsmord nicht zurückschreckt: Rachida York. Eine sehr ästhetische Optik, mit Einstellungen im Niemandsland, in Straßenunterführungen oder auf der Baustelle für eine Moschee (welche später gegen ein Einkaufszentrum ausgetauscht wird) und eine auffallend gedehnte Sprechweise der Hauptdarstellerin ließen mich tatsächlich an eine Bühneninszenierung denken und gaben mir das Gefühl, dass letzteres der wahre Grund für die Länge von 142 Minuten war.
„Lilo & Stitch (2025)“: Da ich die Originalversion von 2002 noch nie gesehen habe, stand für mich schon zu Beginn des Jahres fest, dass ich die „Real“-Variante aus diesem Jahr sehen musste. Nun gab es das zuckersüße Spektakel auch noch in 3D, und so fand ich mich zusammen mit zwei anderen Personen in einer Nachmittagsvorstellung wieder, um mit der abenteuerlichen Reise des missglückten Experiments 626 mitzufiebern. Wegen seiner Zerstörungswut, gepaart mit einer überragenden Intelligenz soll 626 von seinem Heimatplaneten in die Verbannung geschickt werden. Und so stürzt das Raumschiff mit dem kleinen, blauen und sechsbeinigen Außerirdischen (und mit ihm seine „Wächter“) auf eine hawaiianische Insel. Zunächst gelingt es „626“, im Tierheim unterzutauchen, doch dann kommt es zur Begegnung mit der kleinen Lilo, die sich nach einem Freund sehnt und sich bei einem „Kometen“absturz einen solchen gewünscht hat – und, schwupps! – mutiert der kleine Chaot, dem Zerstören bisher stets eine unbändige Freude bereitet hat, zu einem neuen und ungewöhlichen Familienmitglied. Doch Stitch, wie Lilo „626“ umgetauft hat, befindet sich nicht nur im Fadenkreuz seiner verhassten Wächter, sondern wird auch von der Regierungsvertreterin seines Heimatplaneten und einem CIA-Agenten verfolgt.
„Martin Margiela – Mythos der Mode“: Oberteile, zusammengenäht aus Handschuhen; Jacken, zusammengesetzt aus Perücken; Kleidung, zusammengenäht aus recycelten Second-Hand-Stücken – diese „Mode“ sorgte in den späten 1980er Jahren für ratlose Gesichter und Unverständnis. Waren die Laufstege alles andere als glamourös, sondern befanden sich an wenig glanzvollen Orten, und der Mensch, der sie schuf, niemand, der sich gerne im Rampenlicht sonnte. Im Gegenteil – der belgische Modeschöpfer, mit dessen Leben und Werk sich die 90minütige Dokumentation von Reiner Holzemer beschäftigt, war weitestgehend ein Unbekannter, der großen Wert auf Anonymität legt. So eigenwillig, wie der Herr, der schon früh für seine Barbiepuppen nähte, ist auch seine Vorstellung von den Menschen, die sie tragen. Hier mal ein Beispiel aus einer alten Kollektion, die aus einer Zusammenarbeit mit dem Modehaus des Designers und H&M stammt (Quelle des Bildes : https://christinakwarteng.com/2017/10/16/horizontally-worn-dress/):
das Kleid habe ich übrigens auch, als Second-Hand-Exemplar
Und da ihm Star- bzw. Personenkult ein Gräuel ist, weil er seine Kreationen für sich sprechen lassen und nicht mit seinem Gesicht verknüpft sehen möchte, hat er dieses Prinzip noch weiter getrieben, indem er von der Straße gecastete Personen, mit verhüllten Gesichtern über die Laufstege schickte. Was die Barbiepuppen angeht, so war er in diesem Punkt noch weiter als ich, die zwar mit dem Gedanken gespielt, aber ihn schnell wieder verworfen hatte. Für mich war der Film eine faszinierende Doku, die nur einen winzigen Makel hatte: es gab keine Untertitel, und so musste ich versuchen, mit meinen nur noch rudimentär vorhandenen Französischkenntnissen die Französisch sprechenden Personen, wie z.B. Jean-Paul Gaultier, zu verstehen.


