Architekturfotografie : Brutalismus ~ 4

Sechs gestellte Aufgaben und ungefähr 160 Aufnahmen, von denen einige mit den sechs umzusetzenden Themen nichts zu tun haben. Gründe dafür: Weder habe ich die Bilder draußen aufgenommen noch kann man darauf kaum Pflanzen sehen, jedenfalls nicht im Rathaus, sondern draußen, also eher dezent im Hintergrund. Auch symbolisieren sich nicht Weite, und blaue Elemente sucht man auf ihnen vergeblich, es sei denn, der leichte Blaustich würde auch dazu zählen. Kurzum – sie laufen sozusagen „außer Konkurrenz“.

Genau jenen Aufnahmen möchte ich jetzt einen Platz geben.


Also fange ich an mit einer Wanddekoration, die ich zuerst für die Aufgabe 04 (Blau) festhalten wollte, dann aber erkannte, dass das Blau hier nur eine untergeordnete Rolle spielt:

Bleiben wir noch ein wenig bei den von mir abgelichteten Wanddekorationen. Was hier blau aussieht, ist in Wirklichkeit schwarz:

Hier ein ähnliches Bild, das sehr schön die Maserung der im Sichtbetonguss zum Einsatz kommenden Holzverschalungen hervorhebt und das Feld unten rechts eher grau denn schwarz erscheinen lässt:


Was mir an der Gestaltung der Innenräume besonders gut gefällt, ist die Art der Beleuchtung, d.h. die Kombination aus Leuchtstoffröhren und quadratischen Lichtbausteinen, die man anscheinend seit den 1970er Jahren nicht ausgetauscht hat:

Die würden sich auch fantastisch für meine Serie „NEON, Baby!“ eignen.


Doch bevor ich dazu übergehe, möchte ich lieber noch ein paar Bilder zu einem Thema zeigen, das mir sehr am Herzen liegt. Besser gesagt, ein Objekt, das auf einer Insel mitten auf einer Durchgangsstraße prangte und an dem ich als Kind Tag für Tag vorbei kam. Was für ein Drama, als die Figur irgendwann zu meiner großen Enttäuschung abmontiert wurde: Was für ein Drama: Mein Bär! Weg! Einfach schnöde und herzlos entsorgt!

Ich hätte es besser wissen müssen – denn der Berliner Bär, das Geschenk, das die Offenbacher Bürger 1962 von den Arbeitern aus Berlin-Wedding erhielten, verschwand nicht einfach sang- und klanglos irgendwo in der Versenkung. Nein, in unserem Rathaus hatte es ein neues Zuhause gefunden. Allerdings nicht mitten im Foyer, sondern ein wenig versteckt im ersten Stockwerk. Und mit ein wenig Suchen wurde ich auch bald fündig:

Google Maps sagt zwar 541 Kilometer von Offenbach nach Berlin, aber vielleicht hat man die Entfernung von Stadtrand zu Stadtrand gemessen, was im Prinzip aber auch keine Rolle spielt. Konnte ich früher nur einen Blick beim Vorbeifahren erhaschen und die Skulptur nicht im Bild festhalten, so hatte ich nun die Gelegenheit dazu, und zwar von vorne und im Profil:

Täusche ich mich oder sehe ich ihn tatsächlich wie die Bärchen in der Haribo-Werbung lächeln? Und zum Schluss dieses „Bärentreffs“ noch ein Detail – die Tatze:


Die letzten Aufnahmen beschäftigen sich mit einem Thema, das nicht Gegenstand der gestellten Aufgaben war: Spiegelung (und nicht nur in den Fensterscheiben).

Hier spiegelt sich die Häuserzeile gegenüber in den Fensterfronten des Haupteingangs:

Hier sind es die Fenster auf der Rückseite des Gebäudes:

Diesmal habe ich den Blick nach Osten gewählt und die Oberfläche eines Schaukastens mit einem Modell der Stadtplanung zum Spiegeln ausgewählt:

Und das verbirgt sich in diesem Schaukasten:

Aber ich habe keine Ahnung, welcher Teil unserer Stadt hier dargestellt wird.

Und damit schließe ich diese Serie zum Thema „Architekturfotografie“ ab. Wenn ich mich nicht irre, warten noch weitere architektonische Fundstücke auf mich. Doch dazu später – zu einem noch nicht näher bestimmten Zeitpunkt – mehr.

Architekturfotografie : Brutalismus ~ 3

Asymmetrie, Klaustrophobie, Dystopie… Drei Begriffe, die mir bei der Durchsicht meiner Ergebnisse zur Aufgabe 05 (Weite) einfallen. Tatsächlich könnte man auch sagen: Je später der Abend, desto düsterer die Räume. Frei nach dem Prinzip der sogenannten Gelsenkirchener Schule, nach dem am Bildaufbau nichts verändert werden soll, entfiel hier also das Betätigen des Lichtschalters. Es hätte auch nicht viel genutzt, weil sich in den weitläufigen und verwinkelten Räumen das zusätzlich eingebrachte Licht hoffnungslos verloren hätte. Da war Fantasie gefragt oder Umdenken …


Asymmetrie:

Klaustrophobie:

Dystopie:

… doch egal, wohin ich mich auch stellte, es wurde nicht besser. Ich versuchte es trotzdem weiter.


Vielleicht kommen ja diese beiden Kompositionen dem Thema näher? Überzeugt war ich noch nicht…


… aber dann erinnerte ich mich: Hatte unsere Kursleiterin uns nicht etwas von Luftigkeit erzählt? Und was symbolisiert Luftigkeit besser als große Fensterfronten, die Licht in die Dämmerung bringen? Et voilà – schon hatte ich mein Motiv bzw. meine Motive gefunden:


Zu diesem Zeitpunkt war ich nun schon drei Stunden im und ums Rathaus unterwegs und auf den Beinen – doch die sechste und damit letzte Aufgabe stand noch aus:  „Und jetzt geht ihr los und macht euer Bild des Tages! Ob drinnen oder draußen – alles geht.“


Unser Bild des Tages, bevor es zur gemeinsamen Besprechung unserer Aufnahmen geht? Und wieder „nur“ eine halbe Stunde. Die können schnell rum sein oder sich ziehen wie Kaugummi, je nachdem wie stark man motiviert ist oder ob die Luft komplett raus ist. Ich musste gar nicht erst überlegen, denn ich hatte meines schon „im Kasten“:


Zum Schluss waren wir dann nur noch zu viert, weil der Herr mit seiner Plattenkamera bereits vorher schon den Heimweg angetreten hatte. Schließlich war er mit seinen zwölf Aufnahmen durch und musste sie noch entwickeln.

Das bedeutete, dass es bei unserer Nachbesprechung um insgesamt acht Aufnahmen ging: zwei Bilder pro Person, auszuwählen in zwei Minuten. Bei mir ging das fix, denn ich schnappte mir mein Bild des Tages und mein Ergebnis zur dritten Aufgabe (Pflanzen und Beton), die ich an dieser Stelle noch einmal nebeneinander stelle:

Am Ende ernannte ich dann kurzerhand nicht das Foto mit der Spieglung zum Bild des Tages (links), sondern das andere, weil es die Umsetzung von gleich drei Aufgaben miteinander vereinte: Pflanzen, Blau und Weite.

Insgesamt war es ein sehr lehrreicher, spannender und dabei unterhaltsamer, aber gleichzeitig auch wahnsinnig anstrengender Ausflug, der mich zu der Erkenntnis gebracht hat, dass ich für die 52-Wochen-Challenge verstärkt meine Digitalkamera einsetzen und mich demnächst auf die Suche nach weiteren Gebäuden im gleichen Baustil machen werde.

Und vielleicht kann ich mit dieser Kamera auch Neonreklamen ansprechender umsetzen.

Architekturfotografie : Brutalismus ~ 2

Egal, mit wem ich mich früher unterhielt, sobald die Sprache auf unser Rathaus kam, hieß es „O Gott, wie hässlich!“ – womit sie nicht ganz Unrecht hatten, denn von außen ist das Gebäude auf den ersten Blick nun wirklich kein echter Hingucker. Aber wie heißt es so schön – wahre Schönheit kommt von innen?

Und damit komme ich auch schon zu den nächsten Aufgaben, die wir in den Innenräumen des Rathauses erfüllen sollten; als da wären, die zahlreichen Pflanzen mit dem allgegenwärtigen Beton zu verbinden (Aufgabe 03) und die Farbe Blau in den Fokus zu nehmen (Aufgabe 04).


Hier lag für mich die Schwierigkeit darin, dass die Lichtverhältnisse bei den von mir bevorzugten Pflanzen zu gruseligen Ergebnissen führten – während das restliche Grün vorwiegend aus Ficus und Schlingpflanzen besteht und darum nicht zu meinen Favoriten zählt.

Lieber hätte ich mich für diese Aufgabe auf die vielen Blumen im Freien konzentriert, aber gefragt waren Innenaufnahmen. Warum also nicht die Kamera auf die Tür zum Balkon richten und die Bäume auf der anderen Straßenseite mit einbeziehen? Dass ich dieses Bild später noch zu einem anderen Zweck zum Einsatz kommen würde, konnte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen.

Ich war nur froh, dass ich mit dem Ficus (links im Bild) die Aufgabe noch so einigermaßen lösen konnte: Hier stehen die zarten Blättchen der Pflanze (ich glaube, es ist der allseits beliebte Ficus) im Vordergrund, während der Beton tatsächlich nur schemenhaft im Hintergrund zu sehen ist.


Blau: Aber nicht irgendwas. Sinn des Unterfangens sollte nicht sein, soviel blaue Elemente wie möglich auf das Bild zu bekommen, sondern Blau als dominierende Farbe auftreten zu lassen.

Das mag jetzt zwar widersprüchlich klingen, aber tatsächlich ist es ein Unterschied, ob ich jetzt ein Gemälde in vielen Blautönen fotografiere (denn die gibt es im Rathaus auch) – oder ob ich einen blauen Gegenstand so ablichte, dass der Blick automatisch auf ihn gelenkt wird.

Also eher so (der Hausalarm wurde nicht nur von mir verewigt):

Anstatt so:


Damit möchte ich es an dieser Stelle erst einmal gut sein lassen, obwohl die Zeit an dieser Stelle noch nicht um war.

~ wird fortgesetzt ~

Architekturfotografie : Brutalismus ~ 1

Unter dem Motto „Die Schönheit des Brutalismus“ bekamen wir nach und nach sechs verschiedene Aufgaben gestellt:

Dafür hatten wir je eine halbe Stunde Zeit. Für die ersten beiden Aufgaben gingen wir im Freien auf Motivsuche. Und da komme ich auch schon zur ersten Hürde. „Zeig jemand Fremdem, wo wir sind“. Der naheliegende Gedanke: Nimm den Schriftzug „RATHAUS“ auf – doch den verwarf ich schnell, weil der im grellen Sonnenlicht einfach nichts hergab. Warum dann nicht statt dessen die Adresse des Rathauses? – Leider hatte ich dabei übersehen, dass der Bezug zu unserer Stadt in den Bildern auch noch auftauchen sollte – da war für mich die zweite Aufgabe besser umsetzbar: „Zeige das Rathaus aus verschiedenen Perspektiven“. Und da zu dem Rathaus noch zwei Pavillons gehören, nahm ich auch diese ins Visier.



Hier habe ich mit unterschiedlichen Belichtungszeiten experimentiert – so wie zuvor schon bei der Plattenkamera.

*** Wird demnächst fortgesetzt ***