Die kleingeschriebene Überschrift… ein Novum. Kein Novum ist meine Teilnahme an den Etüden. Für die bis zum 4. November andauernde Etüdenrunde (hier, bei Christiane) hat Gerhard (mit seinem Blog „Kopf und Gestalt“) die folgenden Wörter beigesteuert:
Lehrer – grob – hauchen
Da ich ganz gerne mal Texte aus schierem Mutwillen umschreibe, habe ich für meine dritte und letzte Etüde einen meiner Lieblingssongs in einen ganz neuen Kontext gesetzt (etwas, das hier demnächst noch öfters auftauchen wird).
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never tear us apart
„Never tear us apart“,hörte ich die seit Jahren geliebte Stimme sehnsuchtsvoll ins Mikrofon hauchen.
Wie unpassend, dachte ich in diesem Augenblick über die langsame und gefühlvolle Ballade auf meiner seit Wochen in Dauerschleife laufenden CD. Sie passte nicht zu meinem rasanten Fahrstil. Jedenfalls nicht in diesem Augenblick. Ein schnellerer Beat wäre jetzt angemessen gewesen. Aber vorspringen bei 90 km/h? Welch grenzenlos blöde Idee!
Gas geben, auf die Tube drücken und den Streifen bis zum Ende ausfahren, bevor du einscherst, erklang in mir die Stimme meines Fahrlehrers.
Das schaffst du nie, höhnte die A3, als ich beschleunigte und die Kolonne sah, die sich lückenlos-stoisch am äußersten Rand vorwärts schob. Nicht so grob, ächzte die Gangschaltung, als ich aufs Gaspedal trat und in den fünften Gang hochschaltete. Oder besser gesagt: hochschalten wollte.
Dass dies wie immer funktionieren würde, hatte ich auch bloß gedacht, denn zu meinem Entsetzen tat sich nichts. Außer höchst verdächtigen Bewegungen meines Fahrzeugs. Das fühlte sich gar nicht gut an. Never tear us apart? Zu hülf!
Nun klopfte er an, der Sensenmann. Oder auch nicht.
Bleib in der Spur…. Um jeden Preis… Und wenn es das letzte ist, was ich tue… so sprach mein innerer Lehrer, der nun die Kontrolle übernahm.
Das Getriebe ächzte. Der Motor jaulte. Die Räder fanden den ersehnten Halt, als ich mit Mühe und Not die Schaltung wieder in den vierten Gang zurückhobelte. Gleich morgen, so schwor ich mir, laut und ein Stoßgebet nach dem anderen gen Himmel schickend, würde ich mir eine Werkstatt suchen, die das Problem so zeitig wie möglich behob. Schließlich stand bereits der Termin für den nächsten TÜV. Und den wollte ich nur ungern als Scheidungsrichter erleben.
Never tear us apart? Nach diesem Beinahe-Zwischenfall würde das schon hunderte Male gehörte Lied für mich auf ewig eine ganz neue Bedeutung haben.
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300 Wörter aus aktuellem Anlass, für ein Erlebnis, das sich im Wesentlichen so zugetragen hat.
Die Wörter für die aktuelle bis zum 4. November andauernde Etüdenrunde (hier, bei Christiane) stammen von Gerhard (und seinem Blog „Kopf und Gestalt“) und lauten:
Lehrer – grob – hauchen
Ich kann gar nicht zählen, wie oft ich diesen Text umgeschrieben habe, doch nun steht er und bedient ein ganz anderes Genre.
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eine steile Karriere
So, jetzt noch vorsichtig auf die Marken hauchen und sie so auf den Umschlägen befestigen, dass…
Ein verdächtiges Knarzen vor der Zimmertür ließ mich hochschrecken und die auf dem Boden liegenden Päckchen mit dem Fuß unters Sofa bugsieren. Hoffentlich nicht allzu grob… Siedende Hitze durchströmte mich, als ich im Geiste bereits die Tür aufgehen sah – hatte ich doch alles so geplant, dass man die Spuren der von mir aufgegebenen Postsendungen unmöglich bis zu mir zurückverfolgen konnte, und nun so etwas.
Die Tat flog auf, noch bevor sie überhaupt erst begangen war, oder bevor ich die Vorbereitungen in Ruhe hatte beenden können? Hektisch riss ich mir die Gummihandschuhe herunter und stopfte sie mir unter den Pulli, dann stand auch schon sie im Zimmer.
Was für ein Alptraum!
Schließlich sollte niemand von meinem Treiben Wind bekommen, und schon gar nicht sie, die die Lehrerin auch im Privatleben nicht ablegen und das Böse in der Luft wittern konnte. Unter keinen Umständen durfte sie die Corpora Delicti sehen. Wo war mein Pokerface, wenn ich es brauchte?
Ich sah sie schon vor mir, die Schlagzeilen: Geheimnis der Drohbriefe gelüftet. Spur führt nach Südhessen. Brave Bürgerin entpuppt sich als Täterin.
„Sag mal, du hast doch nicht etwa…“ hub sie an und verstummte sogleich. Gebannt und zu keiner Regung fähig, folgte ich ihrem mich von oben nach unten taxierenden Blick, der schließlich dort haften blieb, wo nicht hätte verweilen sollen und…
Rrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrriiiiiiiiiiiiiiiiiiiing!!!!
Schweißgebadet und kerzengerade schoss ich in die Höhe und war im gleichen Atemzug froh, dass der Wecker meiner kurzen Karriere als briefbombenversendende Terroristin ein jähes Ende bereitet hatte.
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263 Wörter für einen Alptraum ganz besonderer Güte.
Bei „aequitasetveritas“ frisch entdeckt: die Mitmachaktion „Hand aufs Herz“ mit der Frage „An welche wichtigen historischen Ereignisse erinnerst du dich?“ – Selbst erlebt oder „nur“ aus den Nachrichten – das ist hier die Frage. Schade, dass es in erster Linie Katastrophen sind, die mir als erstes in den Sinn kommen – die wenigen positiven Ereignisse sind mir leider erst später eingefallen. Und da Freud und Leid meist sehr dicht beieinander liegen oder auf den ersten Blick positive Nachrichten negative Folgen nach sich ziehen, mische ich in meiner chronologisch geordneten Aufstellung einfach alles bunt durcheinander, auch wenn das für manche unter der Leserschaft eher makaber rüberkommen könnte.
Et voilà, hier kommen neun Ereignisse, die ich entweder unmittelbar selbst oder durch die Nachrichten mitbekommen habe – sowie eines, das sich vor meiner Zeit ereignet hat, an das ich damals aber permanent erinnert wurde.
1973 – Die Ölkrise: So liebe Kinder, gebt fein acht – heut‘ geht es mit dem Fahrrad in den Garten. Radeln mit Sack und Pack? Autofreie Sonntage machen’s möglich. Das war das erste Ereignis, dessen Folgen wir am eigenen Leib spürten. Als Reaktion auf die damals herrschende Ölkrise verhängte unsere Regierung vier Autofreie Sonntage. Die fanden zwar im November und Dezember statt, doch dadurch kamen meine Eltern überhaupt erst auf den Trichter, den Weg zu unserem dreieinhalb Kilometer entfernten Kleingarten bei jeder Gelegenheit mit dem Fahrrad anstatt mit dem Auto zu bewältigen. Bei brütender Sommerhitze war das nun wirklich nicht immer spaßig, aber was tut man nicht alles für Umwelt und Fitness…
1980 – Boykott der Olympischen Spiele in Moskau: Da wurde mir zum ersten Mal bewusst, wie sehr sportliche Großereignisse zum Politikum werden können.
1985 – Das Live-Aid-Konzert: Es war der 13. Juli und wir hatten herrlichstes Sommerwetter – ideal, um das Wochenende im Kleingarten zu genießen. Leider nicht so ideal, wenn man dem weltumspannenden Meilenstein der Musikgeschichte mit 16stündigem Nonstop-Programm gerne im Fernsehen beiwohnen möchte. Gut, dass Papa die Idee mit dem batteriebetriebenen Radio hatte, das wir überall hin mitnehmen konnten.
1986 – Die Explosion der Raumfähre Challenger kurz nach dem Start: Da zerriss es allen Anwesenden, die den Start der Raumfähre live beobachteten, das Herz: In ungefähr fünfzehn Kilometern Höhe war ein durch Kälte spröde gewordener Dichtungsring die Ursache dafür, dass aus eine Stichflamme aus der rechten Feststoffrakete den Haupttank explodieren ließ. Ein Entkommen gab es für die Besatzung nicht, denn es gab weder einen Notausstieg oder gar Schleudersitze. Vielleicht aber auch hätte beides, falls vorhanden, den acht ums Leben gekommenen Astronauten nichts mehr genützt, so plötzlich kam dieses Unglück über sie (Quelle dieser Information: https://www.deutschlandfunk.de/explosion-am-frostigen-morgen-das-toedliche-ende-der-100.html).
1986 – Die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl: Plötzlich schmeckte das Gemüse nicht mehr. Oder anders herum: Als diese Nachricht kam, war ich so geschockt, dass ich vor lauter Panik gar nichts mehr herunter bekam. Nicht wesentlich besser machte es eine Kollegin, die mir in der Frühstückspause die aktuellen Becquerel-Werte vorlas.
1989 – Der Fall der Berliner Mauer: Daran erinnere ich mich noch besonders gut. Als die Nachricht kam, war mein damaliger Freund geradezu aus dem Häuschen und wollte noch am selben Abend mit mir nach Berlin düsen, um live dabei zu sein. Ich konnte mir leider am nächsten Tag nicht spontan frei nehmen, und so ist er dann ohne mich gefahren.
1994 – Nelson Mandela wird Staatsoberhaupt: Erst saß er jahrelang im Gefängnis, dann änderten sich die Zeiten und Nelson Mandela wurde zum Präsidenten von Südafrika gewählt. Was habe ich damals innerlich gejubelt, während andere Familienmitglieder vorerst skeptisch blieben, was den weiteren Verlauf der Geschichte anging.
2001 : Die Terroranschläge des 11. September: Da blieb mir das Herz stehen. Mitten in das nachmittägliche Einerlei auf der Arbeit platzten Kollegen in unser Großraumbüro mit der Nachricht herein, dass soeben zwei Flugzeuge in die Türme des World Trade Centers gerast waren. Mein erster Gedanke: ein Terroranschlag. Mein zweiter Gedanke: hoffentlich hat es nicht auch noch unsere Kollegen in New York erwischt. Die hatten ihre Geschäftsräume nämlich ganz in der Nähe. Zum Arbeiten kam an diesem Tag natürlich niemand mehr. Doch die ganze Tragödie durfte ich dann am Abend in den Nachrichten erleben, und im Gedächtnis geblieben sind mir die Verzweifelten, die aus den zerstörten Gebäuden in die Tiefe gesprungen sind.
2020 : Der Brexit: Erst ein Referendum Schottlands zum Austritt aus dem Vereinigten Königreich – dann der Austritt Großbritanniens aus der EU: Das erste erzielte nicht das erwünschte Ergebnis, das zweite aber schon – und was das betrifft, waren die Dame in Edinburgh, bei der ich schon viele Male zu Gast war, und ich unterschiedlicher Ansicht. Schauen wir mal, ob sie ihre Meinung inzwischen geändert hat. Und wer weiß, vielleicht schließe ich mit ihr doch noch eine Wette ab, ob Schottland ein erneutes Referendum zum Austritt aus dem Vereinigten Königreich und zum Eintritt in die EU anstrebt (selbst der Deutschlandfunk tutet in dieses Horn – und, nein, ich habe diese Weisheit nicht von dort, das ist mir ganz von allein eingefallen).
Nach so viel Politik auf diesem Kanal folgt nun zu guter Letzt die Nummer 10. Nein, nicht die Hausnummer in der Downing Street, sondern das Attentat auf John F. Kennedy am 22. November 1963:
Da war ich noch nicht einmal geboren. Dennoch ist mir dieses Ereignis im Gedächtnis seit ich lesen kann. Denn irgendwann entdeckte ich beim Spielen eine Sonderausgabe einer inzwischen nicht mehr existierenden Illustrierten in Tapetengröße, die sich mit Leben und Tod des amerikanischen Präsidenten befasste.