ABC -Etüden – Wochen 36 bis 40 : Etüde 1 – Der kürzere Weg

Nach der Sommerpause geht es nun wieder weiter mit den Etüden (hier, bei Christiane) und der Wortspende (Grenzerfahrung, mutig, abhaken) von Christiane selbst.

Sei mutig, sagte er sich und atmete durch, bevor die sumpfig-düstere Ebene vor ihm betrat, um die sich allerlei Legenden rankten. Abends am Spinnrad zusammenfantasierte Geschichten waren das, eine gruseliger als die andere. Hütet euch vor den Moorgeistern, den Nebelfingern der Unseligen, die dort auf ewig wandeln müssen…

Schauerliches Geheul? Gurgeln aus brodelnden Spalten? Rascheln im Röhricht? Gehölz, das ihn, der nun immer hastiger dahineilte, schwarz und düster anschwieg? Hohl und dumpf tönte der Wind im Röhricht, und doch beschloss er, jene Bilder zu verdrängen und als Spukmärchen alter Weiber abzuhaken.

Doch da: ein rotes Glühen im Gebüsch vor ihm und ein Jaulen, das ihm durch Mark und Bein fuhr. Sollte am Ende die Geschichte von dem im Moor lauernden Höllenhund mit tellergroßen Augen, die leuchteten, doch wahr sein? Das Knurren hinter ihm und der schwarze Schatten im Augenwinkel gaben ihm den Rest.

Hinfort mit dem falschen Mut! Nimm deine Beine in die Hand und lauf!

Was kümmerten ihn die Augen dieses Höllenviehs? Am Ende würden ihn gigantische Reißzähne packen, wenn er nicht Land gewann und den unter ihm quietschenden Torf hinter sich ließ.

Da vorne… die Lampe! Noch sah er nur einzelne Flecken hinter kahlen Ästen tanzen, doch das rettende Dorf war schon zum Greifen nah. Nur noch wenige Schritte, dann wurde ihm unverhofft leicht ums Herz. Bratenduft besänftigte seine aufgewühlten Sinne und verdrängte von Sekunde zu Sekunde den schwefligen Atem, den er soeben noch in seinem Genick gespürt hatte.

Ein letztes Mal noch schaute er hinaus in die Schwärze des Nebelmoors und spürte dem nun ruhigeren Takt seines Herzens nach. Nur noch einen Augenblick, dann wandte er sich endgültig dem Dorf zu. Nach dieser Grenzerfahrung, das schwor er sich, würde er nie wieder die Abkürzung nehmen.

288 Wörter für eine Etüde, für die ich mich von einem Gedicht und der Aufführung des Stücks „Der Hund von Baskerville“ habe inspirieren lassen. Wer das Gedicht errät, bekommt von mir 12 virtuelle Gummipunkte, um die 300 voll zu kriegen.

Das Werk zum Wort ~ 35 : Flugzeug

Mit „über den Wolken“ kann ich heute nicht schon wieder antraben, obwohl es zum Thema passen würde. In der 35. Kalenderwoche (31. August bis 6. September) von Stepnwolfs Mitmachprojekt „Das Werk zum Wort“ steigen wir ins Flugzeug – fragt sich nur in welches.

Aber zuerst nochmal an dieser Stelle, präsentiere ich den Plan:

Dummerweise gibt es diesmal gleich zwei Flugzeuge – und in keines davon möchte ich einsteigen, obwohl dieses hier eindeutig die bessere Wahl wäre: „From a small aeroplane you can see the sea Lot’s of blue very deep blue“.

Die Welt von oben zu sehen, fühlt sich bestimmt toll an, doch hier täuscht die Idylle täuscht. Was die Person im Cockpit tief unter sich sieht, ist ausgetrocknetes Land, denn es herrscht schon seit Jahren extreme Dürre (Four long years one later than the rest). Gut vorstellbar, dass der Pilot in die Lüfte geschickt wurde, um mit Hilfe von „Cloud Seeding“ Wolken zum Regnen zu bringen…

Die Hoffnung, dass es nützen möge *** https://www.youtube.com/watch?v=CXqtmaz_0Aw

… und am Ende kommt dann tatsächlich doch noch der ersehnte Regen: „In his face all the history shows farmer’s pride as the rains came down“.

Flugzeug Nummer Zwei ist dagegen eine ganz andere Nummer, denn es handelt sich um Flug 93, der am 11. September 2001 traurige Berühmtheit erlangte:

you can’t pretend it’s not the truth *** Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=66iKD9vGT2U&list=PLlyUOrg6lZOzy8SXoAqRhzTY0YVYCCqvt

Doch anders als in dem Song, wurden dem hier namenlosen Passagier (im wahren Leben bekannt als Mark Bingham) die Ehren zuteil, die Frau Etheridge sich für ihn gewünscht hat.