Zum Abschluss der 52-Wochen-Challenge von Norbert Eder gibt es von mir in der 52. Kalenderwoche (23. bis 29. Dezember) ein symbolisch gemeintes Foto zum Thema Fernweh.
Mit aufblasbaren Schwimmtieren verbinde ich Familienurlaub am Meer; gefunden habe ich das Motiv durch puren Zufall in einem Erlebnisbad, das ich heute besucht habe (Datum der Aufnahme: 2. Januar 2025).
Fehlen nur noch zwei Aufgaben: Die für die 49. und die für die 51. Kalenderwoche.
Frohes Neues Jahr an alle, die sich hier Woche für Woche einfinden, um den „Besten Fünf“ ein kleines, virtuelles Denkmal zu errichten – so wie auch diesmal bei Passion-of-Arts mit unseren fünf Top Lieblingsfilmen aus dem letzten Jahr:
*** Das Filmjahr 2024 war mit Höhen und Tiefen bestückt. Aber wir wollen uns nicht weiter mit den schlechten Filmen daraus herumplagen, sondern die Highlights hervorbringen. Gleich zu Anfang des Monats wollen wir eure Lieblingsfilme aus dem Jahr 2024 wissen! ***
Ein kurzer Rückblick auf das vergangene Jahr
Irgendwie hatte ich den Eindruck, dass ich in 2024 noch seltener im Kino war als im Jahr davor. Hinzu kommt noch, dass ich mich Wochen später nur noch mit Mühe an die zurückliegenden Kinobesuche erinnern konnte. Und anscheinend war mein 2024 von Unbeständigkeit geprägt, wozu auch die monatelange Flaute zählt – inclusive dem Umstand, dass ich aus Vergesslichkeit meine drei Tickets für das Irish Film Festival und die Karte für die Übertragung des Balletts „Schwanensee“ verfallen ließ.
Dafür bin ich dann jedoch in der letzten Dezemberwoche gleich fünfmal im Kino gewesen. Die ersten vier Besuche galten Filmen, die ich überhaupt nicht auf dem Radar hatte – der letzte Besuch stand im Zeichen der Übertragung des Silvesterkonzerts aus der Berliner Philharmonie. Was aus den Filmen wurde, die ich eigentlich sehen wollte?
Woodwalkers? Gesehen und für so la la befunden. Freud? Gar nicht erst hingegangen und erzählt und bestätigt bekommen, dass ich mich vermutlich durch den Film gelangweilt bzw. gequält hätte. Auch nicht optimal. Der Herr der Ringe: Die Schlacht der Rohirrim? Komplett verpasst, aber nachholbar. A complete unknown? Läuft erst im Februar an.
Und nun? – Natürlich die Top Five
The Substance: „Hast du jemals davon geträumt, eine bessere Version von dir zu sein? Du. Nur besser. Ernsthaft. Du musst dieses neue Produkt ausprobieren, The Substance. ES HAT MEIN LEBEN VERÄNDERT. Es kreiert ein weiteres Du. Ein neues, jüngeres, schöneres, perfekteres Du. Und es gibt nur eine Regel: Du teilst die Zeit. Eine Woche für dich. Eine Woche für dein neues Ich. Jeder sieben Tage. Die perfekte Balance. Einfach. Oder?“ (Quelle: Verleih). Hier hatte ich einen Science-Fiction-Film erwartet, doch was ich bei dieser Produktion von 2024 unter der Regie von Coralie Fargeat bekam, war ein Body-Horror-Film mit Demi Moore, Margaret Qualley und Dennis Quaid in den Hauptrollen. Dass bei dem Hinweis „Was soll schon schiefgehen, wenn Sie den Anweisungen folgen?“ die Antwort „Alles!“ lauten müsste, weil sich beide Ichs als eigenständige Individuen sehen, von denen eine schummelt und die andere loswerden will, ließ mich ungutes erahnen. Heraus kam ein Szenario, das sich echt gewaschen hatte und mich an den Literaturklassiker „Das Bildnis des Dorian Gray“ erinnerte; allerdings mit vielen künstlichen Gliedmaßen und tausenden Litern Kunstblut. Meine nervigen Sitznachbarn ließen dann auch prompt ihre Snacks und ihre Cola auf der Flucht aus dem Kinosaal zurück. Was ich gar nicht verstehe, denn Demi Moore war in ihrer Rolle einfach brilliant.
The Outrun: In dieser Verfilmung des autobiografischen Romans von Amy Liptrot hat sich Saoirse Ronan, die an dem Werk als Produzentin beteiligt war, selbst übertroffen. Ihre vielen Versuche, von Alkohol und Drogen loszukommen, werden in dem auf den Orkney-Inseln spielenden Film jedoch nicht linear erzählt. Unzählige Rückblenden, verwoben mit atemberaubenden Landschaftsaufnahmen und Ausflüge in die Sagenwelt der Orkneys, machen den Film für mich zu einem ganz besonderen Erlebnis, für das ich gerne die zwei Stunden Lauflänge auf mich genommen habe. Als Belohnung winkten wunderschöne Bilder.
Heretic: Religion in Horrorfilmen sind bekanntlich nichts neues, denke ich an Klassiker wie „Der Exorzist“ oder „Carrie“ denke. In „Heretic“ sind es zwei junge Missionarinnen der Mormonen (oder auch: Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage), die bei dem zurückgezogen lebenden Mr. Reed (Hugh Grant) an die Tür klopfen, und dieser zeigt sich zunächst auch sehr offen gegenüber Dingen des Glaubens, doch als dann seine Maske fällt, müssen die beiden Damen erkennen, dass sie in der Falle sitzen und sie sich für eine Tür entscheiden müssen, um das düstere Haus des „netten“ Mr. Reed verlassen zu können: Glauben oder Unglauben, das ist hier die Frage, auf die es so schnell keine Antwort geben wird. Was mich an dem Film fasziniert hat, war nicht der religiöse Disput zu Beginn des Films, sondern die schauspielerische Leistung Hugh Grants und wie das Haus kameratechnisch in Szene gesetzt wurde.
Morgen ist auch noch ein Tag: Wenn ein Film an den Kinokassen erfolgreicher war als Barbie und Oppenheimer zusammen, dann will das was heißen. So ähnlich habe ich mich irgendwann im letzten Jahr ausgedrückt. In dem italienischen Spielfilm von 2023 dreht sich alles um das Referendum, das Italiener und Italienerinnen 1946 vor die Wahl zwischen Festhalten an der Monarchie und Wechsel hin zur Republik stellte. Was diese Wahl so spektakulär machte, war die Tatsache, dass erstmals Frauen an die Urnen durften. Ein feierlicher Akt, der eine logistische Meisterleistung von der weiblichen Hauptfigur abverlangte, da ihr „geschätzter“ Gatte nichts davon erfahren darf, denn in dieser Familie ist häusliche Gewalt an der Tagesordnung. Ein Schicksal, dass der ältesten Tochter ebenfalls zu blühen droht, falls nicht schleunigst etwas getan wird. Und das wird es – wenn auch nicht ganz so, wie erwartet. Dass ich mich zwischendurch auf eine falsche Fährte haben locken lassen, war da nur noch das Tüpfelchen auf dem I.
Poor Things: Emma Stone ist immer einen Ausflug ins Kino wert. Jedenfalls für mich, und vor allem dann, wenn es sich um einen Film unter der Regie von Yorgos Lanthimos handelt, der sich in keine Schublade pressen lässt. Mitreißend war für mich nicht nur die Darstellungsweise Emma Stones, die ein in Frankensteinmanier geschaffenes Wesen verkörpert und dabei erfrischenderweise kein Blatt vor den Mund nimmt. Außerdem stimmte hier nicht nur die Steampunk-Optik der einzelnen Schauplätze, sondern auch die Kostüme und die Farben. Ein einziger Rausch!
Keine Top Five ohne die sogenannten „Honorable mentions“
Hier waren es für mich gleich vier davon:
1) „Zwei zu eins“, eine Komödie mit Sandra Hüller, als die DDR in den letzten Zügen lag und 2) „The Fall Guy“, die Hommage an die 1980er Fernsehserie „Ein Colt für alle Fälle“, mit Ryan Gosling als Colt Seavers – und einem Cameo-Auftritt der Seriendarsteller von damals. Manchmal brauche ich Komödien, um den ganzen Dramen etwas entgegenzusetzen;
3) The Room next door“ mit Tilda Swinton und Julianne Moore in einem Drama mit dem unbequemen Thema „Begleiteter Suizid“ und 4) das nur schwer verdauliche Drama „The Zone of Interest“, in dem Sandra Hüller in der Rolle der Hedwig Höß zu sehen war, die sich direkt vor den Mauern zum KZ Auschwitz ihren „Paradiesgarten“ angelegt hat.
Gerade letzteren dieser vier als Lieblingsfilm zu bezeichnen, halte ich dann doch für etwas gewagt. Stattdessen betrachte ich diesen als Drama, das mich noch lange wach gehalten und intensiv beschäftigt hat, und zwar in erster Linie wege der Tonspur, die das angedeutete aber bekannte Grauen dadurch nur greifbarer gemacht, aber auch gleichzeitig auf seltsame Weise distanziert hat.
PS: Kaum hat man seinen Beitrag online, fällt einem natürlich noch viel mehr ein, was auf die Liste gehört hätte – darum ergänze ich hier um a) Der Junge und der Reiher, b) Dune, Part 2 und c) Civil War.