Last Christmas …

Every Christmas is last Christmas“, hieß es im diesjährigen Weihnachtsspecial von „Dr.Who“, der seit den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts (und damit am längsten laufenden) Science-Fiction-Serie der BBC, mein persönliches Highlight eines jeden Weihnachtsfestes. Da ich für gewöhnlich an Heiligabend arbeite, um Silvester freizuhaben, bin ich dann abends einfach nur noch reif für die Heia und genieße den 1.Weihnachtsfeiertag dafür umso mehr. Und wie in jedem Jahr, schreibe ich im Geiste meinen persönlichen Jahresrückblick, auf den ich eigentlich diesmal verzichten wollte. Aber immer wenn es „eigentlich“ heißt, folgt dann doch das Gegenteil von dem, was ich nicht tun wollte. So auch diesmal, denn zur Zeit ist so ziemlich die Luft raus, und ich liege faulenzend auf dem Bett in unserem frisch umgeräumten Schlafzimmer – geschafft von einem Jahr, das privat, beruflich und gesundheitlich von ziemlichen Turbulenzen geprägt war.

Im Grunde bin ich schon ziemlich KO ins neue Jahr (2014) gestartet. Der „Spaß“ begann am 23. Dezember mit einem letzten Besuch unseres Weihnachtsmarktes und dem anschließenden Abstecher in unsere Lieblingscocktailbar, wo ich so dämlich war, Drinks zu bestellen, die nicht nur hochprozentig waren, sondern auch überhaupt nicht zu Glühwein und Eierpunsch paßten. Umso schlimmer war der Morgen danach, an dem ich mich um 6 Uhr aus dem Bett quälen und zur Arbeit fahren mußte. Holländischer Matjes war meine Rettung, und der Rest des Tages verlief dann zum Glück recht unspektakulär – dafür vergeigten wir dann am 25. komplett das Essen, weil die Ente nicht rechtzeitig aufgetaut worden war, und so gab es diesen Vogel halt erst um vier Uhr nachmittags. Auf die Tage „zwischen den Jahren“ gehe ich jetzt mal nicht näher ein, denn sie ließen dermaßen meine Batterien leerlaufen, dass ich Silvester im Hochtaunus beinahe komplett verschnarcht hätte. Aber endlich, endlich, endlich – Tusch! – rutsche ich in „mein“ 2014.

Mein Lieblingsmonat ist, auch wenn es mir keiner glaubt, der Januar. Noch liegt das ganze Jahr vor mir, die Tage werden langsam wieder länger, und wenn der Monatserste auf den richtigen Wochentag fällt, erscheint mir die erste Arbeitswoche ungewohnt kurz. Nur ein Tag arbeiten, dann wieder Wochenende; was kann es schöneres geben, um die Laune steigen zu lassen? Und diesmal gab es im Januar für mich ein ganz besonderes Schmankerl: die AnNäherung in Bielefeld, gleich zu Beginn des Monats. Hier traf ich auf ganz viele tolle Nähbloggerinnen, und zusammen nähten wir in der Jugendherberge, worauf wir Lust hatten. Dazu gab’s die volle Verpflegung und Partystimmung – mit anschließender Vorführung der fertiggenähten Sachen. Von meinem geplanten Kostüm aus blaugrüner Seide wurde zwar nur der Rock komplett fertig, aber mit der Jacke konnte ich gerade noch anfangen und nahm mir ganz fest vor, sie zu Hause zu vollenden.

Kostüm

 

Wie das aber nun mit den guten Vorsätzen ist, so schlummerte die Jacke zuerst bis Ostern, dann bis in den Sommer, um im Herbst eine kurze Aufwachphase zu erleben, bis ich dann Ende November so richtig Gas gab, weil ich mir als letzte Deadline den Tag vor unserer Firmenweihnachtsfeier gesetzt hatte. Aber was nützt die beste Deadline, wenn das Objekt pünktlich zum Anlaß fertig ist, aber der Anlaß selbst dann ins Wasser fällt?

Der nächste erwähnenswerte Navigationspunkt war das von mamamachtsachen ins Leben gerufene Projekt „Nix für Lemminge – Design it yourself“, bei dem es sich um fünf Sewalongs zu bestimmten Themen handelte, wobei die besondere Herausforderung darin bestand, ein alltagstaugliches Kleidungsstück komplett zu entwerfen und aus bereits vorhandenem Material zu nähen, was auch den Entwurf eines Moodboards (einer Ideensammlung) und die Zeichnung des sich ausgedachten Teils beinhaltete. Bei den ersten drei Aufgaben („from a far away place“, Verwandlung und Mustermix) war ich noch mit Freude und wachsender Begeisterung dabei; dann kam der August und damit Urlaub im schönen Oberbayern, wo ich Freunde wiedertraf, die ich lange nicht mehr gesehen hatte. Hier beschloß ich dann auch spontan, mir ein Dirndl zu kaufen, das ich auf dem Weinfest an der Mosel und zum Oktoberfest unserer Firma anziehen konnte. Mein erstes Dirndl in lang – das hätte ich mir auch nie träumen lassen. Mit vielen neuen Eindrücken gestärkt, war ich nun bereit für die vierte Aufgabe (Märchen). Hier nochmal ein Überblick, wie ich das jeweilige Motto umgesetzt habe:

From a far away place

Verwandlung

Mustermix

An dieser Stelle möchte ich noch kurz erwähnen, dass das mit dem Entwerfen so eine Sache ist. Das Moodboard zusammenzustellen, machte mir sehr großen Spaß – auch das Zeichnen fand ich toll, obwohl sich meine Zeichenkünste inzwischen (im Gegensatz zu früher) doch sehr in Grenzen halten. Beim Entwickeln eines Schnitts musste ich aber leider passen. Entweder pauste ich frei Schnauze die einzelnen Schnitteile für mein Mieder von einem bereits vorhandenen, aber viel zu engen Pendant ab; oder ich griff bequemerweise auf einen Schnitt aus meinem Fundus zurück. Streng genommen müsste dieses Copy & Paste Abzüge in der B-Note geben, aber ich denke mir „beats me“ – die anderen werden auch nicht anders vorgehen, und außerdem ist die Aus- und Umarbeitung meiner Stoffe aus der Schatztruhe schlußendlich dann doch wieder auf dem eigenen Mist gewachsen. Kommen wir nun also zum unrühmlichen Kapitel Nummer vier: Märchen.

Geplant hatte ich einen Rock mit Corsage, als Hommage an Eowyn (Herr der Ringe), und dazu hätte ich nicht mal einen Schnitt gebraucht, denn ich hatte mich fürs Recycling bestehender, nicht mehr ganz so perfekt sitzender Kleidungsstücke entschieden. Kombinationsmöglichkeiten hätte es damit durchaus gegeben, wenn ich speziell an die langärmelige Dirndlbluse denke. Leider mußte ich aber schweren Herzens dann aber an dieser Stelle aussteigen, weil ich für jegliche Freizeitaktivitäten nach der erschütternden Diagnose, die ein guter Freund vom Onkologen bekam, keinen Kopf mehr hatte. Hinzu kam dann noch ein saudummer Unfall auf dem Weg zur Arbeit, der mich für zwei Wochen komplett lahmlegte. Mit verstauchtem Knöchel kann man halt weder das Fußpedal der Nähmaschine betätigen noch an einer dreistündigen Fotoexkursion zu Fuß teilnehmen.

Überhaupt setzten Krankheiten und andere Ärgernisse mir derart zu, dass ich zum Herbst hin fast nur noch wie auf Schienen lief und das nötigste gerade noch so geregelt bekam, was die Organisation des 75. Geburtstages meiner Mutter miteinschloß. Den Höhepunkt an unguten Ereignissen bildete die Einlieferung meiner Mutter in die Notaufnahme und Entlassung noch am selben Tag, weil der befürchtete GAU zum Glück nicht eingetreten war – auf die Firmenweihnachtsfeier, die am selben Abend stattfinden sollte, hatte ich dann natürlich überhaupt keine Lust mehr. Glücklicherweise ging es ihr kurz darauf wieder besser, und die große Feier am Sonntagnachmittag konnte steigen.

Nur war ich ein wenig erschöpft, weil wir am Tag davor, also zu Nikolaus, mit der Umgestaltung unseres Wohnbereichs begonnen hatte: Möbelkauf an einem Samstagvormittag und Möbeltetris mit eingeschobenem Whiskytasting, gekrönt von dem Aufbau des Sofas kurz vor Mitternacht – das weiß man, was man getan hat. Dafür war dann die nächsten Tage die Luft raus, und der Plan, auch in Zimmer zwei und drei die Möbel komplett umzustellen und im letzten verbliebenen Raum Laminat noch vor Silvester zu verlegen, fiel wie ein Kartenhaus bei Windstärke 8 in sich zusammen.

Als Alternative kam mein Mann dann auf dieselbe Idee wie ich, nämlich unser Schlafzimmer grundzureinigen und für die Übenachtungsgäste hübsch herzurichten und die Räuberhöhle, in der wir übernachten würden, so begehbar zu machen, dass wir den Weg zur Schlafstatt auch im Dunkel finden würden.

Am 23. Dezember gönnten wir uns vor der heißen Phase dann noch einen Musicalbesuch – „We will Rock you“ in der Alten Oper – also kein Lichterausschießen diesmal, weil ich an Heiligabend wieder arbeiten mußte.

006 Oper

Am 1. Weihnachtsfeiertag besuchten wir unser Patenkind und suchten am 2. Weihnachtsfeiertag das Weite, um ein langes Wochenende im Taunus zu verbringen. Zwei stressige Arbeitstage sollten noch folgen, die von einer spontanen Aktion des Ausmistens beendet wurden. Den Sivesterabend verbrachten wir dann mit unseren Gästen chillend auf dem Sofa – mit dem Ergebnis, dass weit weniger gebechert und gefuttert wurde als erwartet. Ganz zu schweigen davon, dass außer fünf Lichtfontänen und zehn Wunderkerzen von uns nichts abgebrannt wurde. Cleverer Plan, denn so entfiel das Fegen der Straße und des Gehwegs am nächsten Morgen.

So, das war das komprimierte vergangene Jahr, in dem ich leider gerne mehr mit meiner Nähmaschine geschaffen hätte; außer den NfL-Stücken, einem Satz Vorhängen für unser neues Holiday Home, einem Bindegürtel für meinen Morgenmantel und dem AnNäherungskostüm habe ich nichts genäht. Deshalb war ich auch selten beim MeMadeMittwoch dabei, und wenn, dann mit älteren Stücken. Ich hoffe zwar, dies 2015 ändern zu können, fürchte aber, dass weniger als geplant dabei herauskommt. Oh, ich merke gerade, dass ich im Begriff bin, mir Gedanken über das vor mir liegende Jahr zu machen… das würde aber zu weit führen, und deshalb lege ich an dieser Stelle eine Pause ein, bevor es mit dem Pläneschmieden in eine neue Runde geht.

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