Reisenotizen : Stell dir vor, es ist Nähbloggertreffen…

und du bist wieder nicht dabei. Tja, es gibt Zeiten, da ist das einfach so: Kaum hat man anderweitig Tickets bestellt, da erfährt man, dass für dasselbe Wochenende ein Bloggertreffen organisiert worden ist.

In unserem Fall hatten wir zusammen mit Freunden, die wir nicht oft sehen, Karten für ein Ritteressen mit Übernachtung in einem Landgasthof in Mittelfranken bestellt. Kurz darauf las ich bei dreikah, dass es zur selben Zeit ein Treffen in Köln geben würde. Ach, wie schade (vor allem, wenn ich jetzt die ganzen Erlebnisberichte darüber lese, och menno). Aber nun konnte und wollte ich nicht mehr zurück; denn auf das Ritteressen war ich schon sehr gespannt. Wie würde sich dieses von dem auf Burg Cochem unterscheiden? Zehn Gänge und Bier vom Faß klangen ja schon mal verlockend, auch wenn es keine Burgführung vorweg gab. Der Ort des Geschehens lag in einer kleinen Stadt zwischen Würzburg und Rothenburg ob der Tauber und war nach knapp eineinhalb Stunden Fahrt erreicht. Damit hatte es sich aber vorerst auch schon, denn wir waren zu früh: zu früh für die Veranstaltung, aber auch zu früh, um das Zimmer beziehen zu können. Dummerweise aber auch zu spät, um bei einem Metzger oder Bäcker etwas zum Essen kaufen zu können. Die Läden schlossen nämlich entweder um 12:00 Uhr oder 12:30 Uhr, und die einzige Konditorei mit Café am Ort hatte samstags Ruhetag.

In diesem Lokal wird wohl nie wieder etwas ausgeschenkt werdne.

In diesem Lokal wird wohl nie wieder etwas ausgeschenkt werden.

Hier hat auch schon lange niemand mehr eingekauft.

Hier hat auch schon lange niemand mehr eingekauft.

Obendrein war kaum ein Mensch auf der Straße, und mir wurde diese Stadt so langsam unheimlich. 6000 Einwohner, und niemand ist zur Mittagszeit zu sehen? In was für eine Geisterstadt waren wir hier geraten? Wenigstens ein Dönerlädchen hatte geöffnet – aber nur bis 14:00 Uhr. Gut, dass es erst halb zwei war. Nach einer Runde Döner und Pommes flanierten wir ziellos umher, bis der Landgasthof seine Pforten wieder öffnete

interessantes Straßenschild

interessantes Straßenschild

die dekorative Hausruine

die dekorative Hausruine …

... und die passende Tür dazu

… und die passende Tür dazu

– Zeit zum Kaffeetrinken und dass unsere Freunde so langsam eintrudelten. Sie trafen dann auch alle auf einmal ein, und um 19 Uhr ging es endlich hinunter in den Romantikkeller, wo das Zehn-Gänge-Menü mit mittelalterlich‘ Unterhaltung seinen Lauf nehmen sollte.

Eins: Begrüßungsaperitif mit Schmalzbrot

Zwei: Kaltes Büffet

Drei: Salatbüffet

Vier: Gemüsebrühe mit Graupen

Fünf: Kartoffelpuffer mit Apfelmus

Sechs: Putenkeule mit Pellkartoffeln und Schmand

Sieben: Schweinshaxe mit Beilagen

Acht: Nürnberger Rostbratwürstchen mit Sauerkraut

Neun: Wildspezialitäten (Hase, Ente, Fasan)

Zehn: Dessertbüffet

Genaugenommen waren der zweite und dritte Gang zusammengelegt worden, dennoch verzichtete ich dankend auf den siebten und achten Gang, weil mein Hunger schon weitestgehend gestillt war und ich noch Platz für Nummer Neun und Zehn lassen wollte) – mein Mann ließ dagegen den Salat und die Suppe (Graupen – brrrr) ausfallen. Ach, hätte ich bloß den Nachtisch sausen lassen und dafür mehr vom Wildgeflügel genommen. Das war nämlich eins der Highlights des Ritteressens – neben der Möglichkeit, mir selbst so viel von dem süffigen dunklen Bier zu zapfen, wie ich wollte (ich mag es nämlich gar nicht, wenn mir ungefragt nachgeschenkt wird, auch wenn ichgar nicht mehr durstig bin oder gerne auf Alkoholfreies umsteigen würde) und der sportlichen Pause zwischen den Gängen, in Form eines Wettbewerbs im Ringewerfen.

Bei dem Ringewerfen konnte ich tüchtig Luft schnappen, auch wenn sich meine Aktivität aufs Zuschauen beschränkte; ich fürchte, wenn ich die an Adventskränze erinnernden Kränze aus Stroh geworfen hätte, hätten die das nicht überlebt. Insgesamt war’s ein lustiger Abend mit viel Scherz und Gesang, der pünktlich zur Geisterstunde sein vorläufiges Ende nahm. Vorläufig deshalb, weil unsere Freunde noch in eine Kneipe wollten, wo die Party bis drei Uhr weitergehen sollte. Dann husch, husch, ins Körbchen – und mein Mann war im Nu im Reich der Träume; nur ich fand keinen Schlaf, weil mich erst der Spülkasten der Toilette und danach die viertelstündlich schlagende Kirchturmuhr auf Trab hielt. Nachdem ich das lose sitzende Ventil so dazu gebracht hatte, kein Wasser mehr durchzulassen, war erst mal Ruhe im Karton. Bis um acht Uhr mein Wecker erklang. Drei Stunden Schlaf vor einer Fahrt von 174 Kilometern über die Autobahn sind zwar nicht ganz so prickelnd, aber dafür hatte ich zum Glück keinen Kater.

Den hatten all jene, die dem Bier und anderen alkoholischen Getränken etwas zu heftig zugesprochen hatten.

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