Weil ich mal ein wenig mit anderen Schrifttypen spielen wollte, habe ich noch eine ABC-Etüde mit den Wörtern Seelenverkäufer, obskur und ergattern (gespendet von Cynthia alias Rübenigel) geschrieben. Um einen Eindruck von dem gedichteten Teil (der bei der Anzahl der Wörter mitzählt) zu bekommen, habe ich ihn in ein Bild eingebunden. Alle, die Etüden schreiben, treffen sich übrigens hier, bei Christiane.
Der Marktschreier
„Kommen Sie näher! Damen und Herren und alle dazwischen und außerhalb!“
Neugierig drehe ich mich um und lasse mein Fischbrötchen sinken. Wer auch immer da sich die Seele aus dem Leib schreit und den Böhmermann gibt, er hat meine Aufmerksamkeit.
Was hatten sie daheim tolles vom Hamburger Fischmarkt erzählt. Extra früh aufgestanden war ich und hatte mich durch den Nebel gequält. Und wofür? Für einen Touristenrummel, dem ich mit jeder verstreichenden Minute immer weniger abgewinnen konnte. Bis jetzt.
„Nehmen Sie sich einen Keks und staunen Sie! Das Theater obskur gibt „Der Seelenverkäufer“.
Hui, das klingt spannend. Von vorne reicht jemand flammendrote Zettel mit weißen Lettern in grotesk-fetter Schrift und einen Teller Kekse zu uns durch und ich folge den Zeilen mit den Augen:
Schon schwirrt mir von so viel Nonsens bös der Kopf, doch der Marktschreier, der seine Werbung zum Spektakel macht, ist noch nicht fertig.
„Aber Sie vorgewarnt! Es gibt nur noch wenige Plätze zu ergattern!“
Mit einem Mal will mir mein Fischbrötchen so gar nicht mehr munden. Vom Seelenverkäufer fortgetragen? Anscheinend nicht zum Teufel, aber wohin? Ein Mann ein Wort, eine Frau ein Wörterbuch? Welcher Klischeekiste ist dieser müde Reim entsprungen?
Ich beschließe, es für heute mit dem Fischmarkt gut sein zu lassen und mir lieber einen Besuch des Jazzfrühschoppens an der Hafenkante zu gönnen.
280 Wörter für meine zweite Etüde vor dem Advent – und für alle, die das Gedicht nicht entziffern können, habe ich den Text hier nochmal im gewohnten Schrifttyp:










