„Gegen das Novembergrau möchte ich leuchtende Bilder setzen .. Kerzenschein Sonnenstrahlen, leuchtende Augen, Glitzer etc. … Hat noch jemand Lust dazu?? Wie bei Herbstzeitlos *) täglich oder so wie‘ s halt grad passt“
Also zeige ich diesen Monat alles, was leuchtet – und wenn es „nur“ die Farben sind.
Tag 5
Ein leuchtend buntes Objekt in der Frida-Kahlo-Ausstellung: In dem runden Spiegel sind meine Hände zu sehen.
Tag 6
Ebenfalls in derselben Ausstellung: stimmungsvoll beleuchteter Vorraum zum WC:
Jetzt bin ich schon so oft darüber gestolpert, aber habe mir nie die Zeit genommen, mich damit näher zu beschäftigen: Das Fotoprojekt „Würfelspiel“ von royusch, bei dem es darum geht, per Würfelwurf eine Zahl und den damit entsprechenden Buchstaben des Alphabets zu ermitteln und dazu ein Foto zu finden – genaueres erklärt die Aufgabenstellung hier, auf seinem Blog.
Bei mir ist nach vier Würfen mit einem Würfel (4, 4, 3 und 1) die 12 herausgekommen, was dem 12. Buchstaben des Alphabets – also dem L – entspricht. Et voilà: Dieses 2019 in Ottawa aufgenommene Bild zeigt einen Lichtreflex in einem der Fenster eines Luxushotels oberhalb des Rideau-Canals:
Die Wortspende für die letzte reguläre Etüdenrunde vor den am 30.11.2025 beginnenden Adventüden (hier, auf dem Blog von Christiane) stammt diesmal von Cynthia alias Rübenigel (Querfühlerin) und lautet:
Seelenverkäufer ~ obskur ~ ergattern
Mit meiner Etüde begebe ich mich heute in die Vergangenheit – historische und zeitliche Unstimmigkeiten bitte ich zu entschuldigen.
Der Brief
Belfast, 25. März 1912
Liebe Mairéad,
ich hoffe, Du bist gesund und munter, wenn Du diese Zeilen liest. Ich weiß, seit Deinem letzten Brief ist nun schon eine Weile vergangen, weswegen mich das Gewissen plagt, dass ich mich nicht früher gemeldet habe.
Aber wie Du Dir sicher denken kannst, bleibt mir zum Schreiben nur die wenige Zeit vor dem Schlafengehen bei spärlichem Licht, und mit Petroleum müssen wir sparsam sein, da wir jeden Penny für die Überfahrt zurückgelegt haben.
Es war nicht leicht, sich das Geld vom Munde abzusparen, und ich möchte lieber gar nicht wissen, mit welchen obskuren Jobs Ryan dazu beigetragen hat, dass es schneller ging. Umso froher bin ich, Dir jetzt mitteilen zu können, dass es geklappt hat und wir wenigstens für die Kinder Fahrkarten ergattern konnten. Für die dritte Klasse. Mehr ist zur Zeit nicht drin, und Ryan und ich hoffen, so bald wie möglich nachzukommen, sobald wir den Haushalt aufgelöst und das Geld beisammen haben.
Laut Plan soll die Titanic am 17. April ankommen. Das sollte euch genügend Zeit geben, am Hafen zu stehen, wenn sie einläuft, und Aoife, Pádraig und Fionnula in Empfang zu nehmen.
Ich hoffe, wir sehen uns in Bälde wieder. Möge bis dahin Dich Gott schützend in seiner Hand halten.
In Liebe, Deine Schwester Caitríona.
Caitríonas Brief, der durch ein dummes Missgeschick bei der Post liegengeblieben war und Belfast erst am 2. April mit dem Schiff der White Star Line verließ, sollte sein Ziel nie erreichen. Umso überraschter war Caitríona, als sechzehn Tage später ein Bote vor der Tür stand und ihr ein Telegramm überbrachte, in dem ihr Aoife mitteilte, dass sie und ihre kleinen Geschwister dem angeblich unsinkbaren Seelenverkäufer mit einem der wenigen Rettungsboote entkommen waren und es wohlbehalten bis nach New York geschafft hatten.
Ergiebiger als gedacht, hat diese Wortspende bei mir diesmal zu einer Etüde von 295 Wörtern geführt.
Kaum sind die Halloween-Themen bei Passion-of-Arts vorbei, kommen schon die nächsten, bei denen ich tiefer graben musste, wie zum Beispiel bei dem ersten Thema: einsame Individuen im Film. Zitat:
„Einsamkeit ist ein breit gefächertes Gefühl, das sich in vielen Formen zeigt: als stille Sehnsucht, als existenzielle Verlorenheit oder als bewusste Abgrenzung. Im Film wird sie oft zur Bühne für innere Konflikte, für Fragen nach Identität, Zugehörigkeit und Resonanz. Ob Mensch, Maschine oder Zwischenwesen, die Einsamkeit dieser Figuren ist nicht nur individuell, sondern auch gesellschaftlich lesbar.“
Bei dem Thema musste ich an den Song Hikkomori von Zola Jesus denken – der beschreibt den extremen sozialen Rückzug von Menschen (Quelle siehe Link), die sich aus freien Stücken in ihrer Wohnung oder ihrem Zimmer einschließen und den Kontakt zur Gesellschaft auf ein Minimum reduzieren.
Auf die Individuen, die ich heute beleuchte, trifft dieses Verhalten aber nicht zu (oder nur in Ansätzen). Sie habe ich im jeweiligen Text im Fettdruck hervorgehoben – und wie immer sind meine Filme chronologisch geordnet.
Die Kindliche Kaiserin *** Die Unendliche Geschichte *** 1984
Wolfgang Petersens Verfilmung des Bestsellers von Michael Ende kann gleich mit mehreren einsamen Individuen aufwarten: Bastian, die Uralte Morla, Werwolf Gmork… doch wer mir hier als erstes in den Sinn kam, war die Kindliche Kaiserin. Zwar ist sie Tag für Tag umgeben von ihrem Hofstaat, doch die Bedrohung, die sie und damit auch Phantásien befallen hat, kann nur durch den absoluten Alleingang abgewehrt werden. Ganz klar liegt auch bei der literarischen Vorlage der Fokus auf Bastian Balthasar Bux, aber der ist im Grunde nicht wirklich allein. Doch die Kindliche Kaiserin, die dringend einen neuen Namen braucht, damit Phantásien weiterbestehen kann, ist für mich eine wahrhaft einsame Gestalt.
sie muss ganz alleine losziehen, um Bastian wachzurütteln, damit der endlich eingreift *** https://youtu.be/wUttwzazq30
Donnie Darko *** Donnie Darko *** 2001
Niemand versteht Donnie – die meisten halten ihn für hochgradig gestört, und schnell wird auch klar, warum. Wie viele von uns sehen schon einen Typen im (gruseligen) Hasenkostüm, der das Ende der Welt in 28 Tagen, 6 Stunden, 42 Minuten und 12 Sekunden vorhersagt? Oder hören Stimmen, die den Befehl geben, die Schule zu verwüsten?
Hier haben wir zur Abwechslung eine reale Person und keine erdachte – ein junger Mann aus wohlhabendem Haus trennt sich aus scheinbar heiterem Himmel von seinen Besitztümern und spendet seine gesamten Ersparnisse an eine wohltätige Organisation, um fortan in der Wildnis Alaskas zu leben, da er in der Einsamkeit sein Glück zu finden hofft. Ein Vorhaben, das auf grausame Weise schon bald an mangelhafter Vorbereitung, einem nutzlosen Survival-Handbuch und schließlich am Verzehr giftiger Pflanzenteile scheitert. Christopher McCandless wurde nur 24 Jahre alt.
Wie es um ihn steht, signalisiert schon der Filmtitel (The desolation of Smaug). Alle fürchten ihn – den Berg, in dem er haust und die Schätze, die er bewacht, wollen die Zwerge zurück – und im Grunde ist die einsamste Gestalt Mittelerdes eine arme Socke: Der Drache Smaug, dem Benedict Cumberbatch im Original seine Stimme leiht. Zwar mag auch ich ihn nicht sonderlich, aber am Ende tut er mir fast schon ein wenig leid.
Vom Raumschiff aus dem Hyperschlaf gerissen, muss James Preston (Chris Pratt) feststellen, dass noch 90 lange Jahre vor ihm liegen, bis das Schiff seinen Bestimmungsort erreicht. Ein ganzes Jahr erträgt er die Einsamkeit, bis er einen irreversiblen Schritt wagt und Passagierin Aurora Lane (Jennifer Lawrence) aufweckt. Fortan sind sie gemeinsam einsam.
Weitere einsame Individuen kann man in folgenden Filmen sehen: Zac Hobson in „Quiet Earth – das letzte Experiment“ (1985), Chuck Noland in „Cast Away – Verschollen“ (2000), WALL·E in „WALL·E – Der Letzte räumt die Erde auf“ (2008), Dr. Ryan Stone in „Gravity“ (2013) und Mark Watney in „Der Marsianer – Rettet Mark Watney“ (2015).